GoTo und Zahnriemen für die Vixen GP-DX

Der erste Test

Der original-Antrieb der Vixen GP-DX

Update: 2022 habe ich das Upgrade auf die EQStarPro vorgenommen, die klaglos und zuverlässig läuft – alle Probleme durch selbstgelötete Kabel und den Überspannungsschaden der ersten Steuerung gehören nun der Vergangenheit an. Läuft wie ein Traum.

Den neuen Beitrag gibt es hier: Astro-Gadget EQStarPro Montierungssteuerung

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Die Vixen GP-DX war immer so etwas wie meine Traum-Montierung – was gewiss auch damit zusammenhängt, dass ich mit ihr angefangen habe: Auf der Heilbronner Sternwarte haben wir zwei C8, die lange auf Superpolaris-Montierungen betrieben wurden. Klasse Sache, stabil und deutlich leichter als die HEQ-5, die später kamen.

Als mir vor einigen Jahren eine gebrauchte GP-DX (noch aus Vehrenberg-Zeiten) im Biete-Forum von Astronomie.de über den Weg lief, schlug ich dann auch schnell zu. Auf dem Berlebach Uni Stativ hat sie eine gute Basis und ist – bei guter Einnordung – mit meinem ED80/600 sogar ohne Autoguider fototauglich.

Was mich aber immer genervt hat: Sie ist mittlerweile etwas pflegebedürftig, insbesondere die Antriebszahnräder haben sich gerne mal gelöst. Ein Inbusschlüsselsatz war mein ständiger Begleiter. Und da die originalen Vixen-Motoren langsam sind, hat man zwar eine Feinverstellung, aber gerade bei nur 600mm Brennweite ist der Effekte eher gering. An zeitgemäßes Goto ist da gar nicht erst zu denken.

Eine Lösung ist es ja, die Elektronik von einem China-Nachbau an das Vixen-Original zu bauen. Das “Skywatcher SynScan GoTo Upgrade für EQ-5 und Vixen GP Montierungen” liegt bei gut 400 Euro und lässt sich adaptieren, hat aber weiterhin Zahnradantrieb (und somit Getriebespiel). Früher gab es ein NexSXD-Projekt, um Celestron-Steuerungen zu adaptieren – wäre mir sympathisch gewesen, weil ich mich mit der Steuerung auskenne, gibt’s aber nicht mehr. Und dann kam auf Astrotreff dieser Thread. Damals lag die EQStar-Schrittmotor-Steuerung von Astro-Gadget für Schrittmotore auf Ebay noch bei rund 100 Euro, jetzt ist sie etwas teurer – aber dafür gibt es nun auch ein Goto Drive Set mit Motoren zum Spotpreis gibt, sodass man keine passenden Motoren mehr suchen muss. Nachteil: Sie kommt aus der Ukraine…

Aber gut 100 Euro war mir der Versuch wert, wobei ich deutlich mehr Geld in das Motorset für GP von Avalon investieren musste. Das ist zwar nicht wirklich ein Schnäppchen, aber für mich gab es ein paar Gründe, die dafür sprechen:

  • Die Schrittmotoren sind mit der EQStar kompatibel, und von Avalon habe ich auf Anfrage auch die Pinbelegung erhalten. So kriege sogar ich als Elektroniklaie das hin
  • Ich mag Avalon – ich konnte mal mit der M-Zero rumspielen, und falls die EQStar nichts taugt, gäbe es immer noch die Option, auf StarGo von Avalon aufzurüsten
  • Keine Bastelei – die Motoren kommen im Gehäuse. Ich habe keine Werkstatt und keine Lust, groß rumzubasteln.

Heute würde ich wohl gleich das günstigere Komplett-Set von Astro-Gadget ausprobieren, aber zwei Kabel zusammenlöten ist auch kein so großes Problem.

Von Astro-Gadget kam via Ebay dann sehr flott die neue Steuerung: Ein Kästchen mit der Elektronik, ein WLAN-Modul, ein Kabel zum USB-Port vom PC (zur Steuerung via ASCOM), zwei Anschlusskabel für die Montierung und die Treiber-CD, dazu ein kleiner Joystick-Handcontroller, der statt eines Autoguiders an den Autoguider-Port der Steuerung passt.

Die Steuerung passt – mit einem Haargummi – perfekt an ein Berlebach Uni Stativbein. Unten das schwarze WLAN-Modul, links hängt der Joystick.

Nachdem ich zwei neunpolige D-SUB-Stecker aufgetrieben hatte, waren Kabel schnell zusammengelötet und die Motoren schnell angeschlossen. Erster Test am PC, noch ohne Montierung: Hm. Man braucht neben der ASCOM-Plattform ein Windows-Programm namens EQSettings, das auf der Mini-CD beiliegt. Nur: Der USB-Konverter wird zwar erkannt, aber das war’s dann auch. Eine Rücksprache beim Entwickler (danke für den guten Support!) brachte die Lösung: Dem USB-Konverter muss zwingend COM2 zugewiesen werden. Über die Systemsteuerung ging das einwandfrei, nun ich konnte die richtige Übersetzung einstellen (1:576 für die Avalon-Motoren) und über ASCOM irgendwie auch ansprechen (ASCOM ist für mich immer noch ein Buch mit sieben Siegeln) – aber irgendwo kam dann das Bedienfeld, und die Motoren liefen.

Zumindest eine Zeit lang. Bis irgendwann nichts mehr ging, nicht einmal der Piepser beim Anschalten.

Ich weiß bis heute nicht, ob es am Netzteil lag (das etwas mehr als 12V liefert, aber dafür auch bei Kälte genug Strom liefert), an der Steuerung (die 12V will, aber auch bis 15V vertragen soll) oder an der seltsamen Stromversorgung in diesem Haus, wo öfter mal die Sicherung rausfliegt.

Grmpf. Was tun? Die Steuerung in den Wind schreiben? Noch mal eine über Ebay kaufen? Kontakt mit dem Entwickler aufnehmen? Ich entscheide mich für letzteres und bin positiv überrascht: Für wenig Geld bietet er mir eine Reparatur an.

Die Reparatur an sich ist kein Problem, nur – wie kriegt man das Geld in die Ukraine, wenn Ebay nicht dazwischen steckt? Überweisungen aufs Handy sind vielleicht dort üblich, aber hier noch lange nicht, und eine Online-Überweisung? Guter Witz. Ich muss tatsächlich persönlich zur Bank gehen und eine Papierüberweisung abgeben. Online kann ich sie zwar auch gut versteckt ausfüllen, müsste sie dann aber auch ausdrucken und zur Bank tragen. Willkommen im Deutschland des 21. Jahrhunderts.

Die GP-DX mit Zahnriemen

Irgendwann kommt dann die Nachricht vom Zoll, dass ich die Teile abholen kann. Und die Frage, als was die Platinen einzuordnen sind. Was weiß denn ich, ich habe die Zollklassen noch nie gehört. Bin ich Elektroniker? Oder Zöllner? Ein paar Euro später habe ich die Steuerung dann in der Hand. Wenn ich die Spritkosten anschaue und die verlorene Arbeitszeit bezweifle ich, dass sich das für den deutschen Staat lohnt. Und mein Wagen fährt Diesel, bis in alle Ewigkeit…

In der Zwischenzeit habe ich mir auch noch einen LiFePO4 PowerTank von Celestron besorgt. Damit fällt die schwankende Stromversorgung vom Haus schon mal als Fehlerquelle flach, und die Tests können beginnen.

Nachdem dann alles zusammen war, ging es an die ersten ernsthaften Tests. Die Doku von EQStar ist diesbezüglich etwas mager, aber was soll’s – das gehört zu einem Bastelprojekt. Der Reihe nach:

Joystick-Steuerung und die Motoren

Die neuen Motoren an Ort und Stelle.

Die Motoren waren schnell installiert: Die alten Motorblöcke abschrauben, die alten Zahnräder und die Getriebekupplung von der Montierungsachse entfernen, dann die neuen Motoren samt Zahnrädern und Zahnriemen anschrauben – fertig. Die Avalon-Motorgehäuse werden jeweils nur mit einer Schraube an der Montierung befestigt und haben etwas Abstand zum Achsenkreuz der Montierung, also ziehe ich die Schrauben fest an. Über vier Schräubchen im Motorgehäuse lässt sich der Motor noch verschieben, um die richtige Spannung des Zahnriemens einzustellen: Das Band sollte sich ohne Kraftaufwand ein wenig verdrehen lassen (so ca. um 90°), dann passt es. Auch die großen Zahnräder sollten sich ohne Kraftaufwand drehen lassen.

Stecker zum Verschrauben per Schraubenzieher (rechts) sind einfacher zu finden, sinnvoll sind aber nur welche, die sich ohne Werkzeug lassen (links) – zumindest für den mobilen Einsatz.

Die Avalon-Motoren haben D-SUB-Buchsen. Für die ersten Tests hattee ich nur Steckergehäuse gefunden, für die ich einen Schraubenzieher brauche, um sie an die Motoren zu schrauben. Ohne Anschrauben sitzen sie nicht besonders fest und können leicht herausfallen (gerade bei schnellen Schwenks), aber ich habe nicht vor, die Montierung mit dem Schraubenzieher aufzubauen. Mittlerweile habe ich sie durch Stecker ersetzt, die sich mit der Hand verschrauben lassen.

Der Joystick zur Steuerung

Die manuelle Steuerung der Montierung erfolgt über einen kleinen Joystick, der in den Autoguiderport der Montierung gesteckt wird. Ein erster Test: Nachdem der Joystick einmal durch Drücken der Funktionstaste und Bewegen des Joysticks aktiviert wurde, bewegt sich die Montierung. Funktionstaste und Joystick in Deklination bewegen stellt die Geschwindigkeit ein (von 20x bis 500x); Drücken in Rektaszension stellt die Nachführgeschwindigkeit ein. Piepser zeigen an, welchen Wert man gerade eingestellt hat. Man darf in der Nacht nur nicht in die falsche Richtung drücken, sonst läuft auf einmal die Nachführung mit der falschen Geschwindigkeit… Aber soweit läuft es einwandfrei. So schnell war meine Montierung noch nie:-)

Zu viel Luft: Damit die Motorgehäuse am Achsenkreuz anliegen und sich nicht verstellen, muss ich sie etwas unterfüttern. Aber besser so als andersrum

Letztlich ist sie sogar zu schnell: Nach einiger Zeit scheppert die Montierung. Des Rätsels Lösung: Eine Schraube ist zu wenig, um die Motoren fest an ihrer Position zu halten, sie haben sich verdreht. Mit einem Abstandshalter aus Plastik kann ich sie unterfüttern, jetzt läuft sie ruhig, und die Motoren bleiben an ihrem Platz.

Beim Test am Nachthimmel gab’s dann wieder eine Ernüchterung: Die Rektaszensionsachse läuft einwandfrei, die Deklination nicht – nicht einmal per Hand kann ich sie drehen. Wir haben mittlerweile nicht die rund 20° vom Wohnzimmer, sondern um die 0° in der freien Natur, und das Schneckenspiel der Dek-Achse ist jetzt zu stramm. Ich hatte ganz vergessen, dass man das bei der GP-DX ab und zu mal justieren muss. Also ab nach Hause, wo die Inbusschlüsselsammlung ist, Motor abbauen und lockerer einstellen. Dann ab ins Bett…

Beim nächsten Test hat es wie gewünscht funktioniert. Etwas gewöhnungsbedürftig: Der Joystick spricht immer nur einen Motor an. Man kann also nicht beide Achsen gleichzeitig bewegen.

Die Steuerung per App

Einstellungen für SkySafari Pro

Noch mehr Trockentests: Der Steuerung liegt ein WLAN-Modul bei, um das Ganze per App zu steuern – zum Beispiel mit SkySafari Plus. Ich habe etwas gebraucht, um brauchbare Einstellungen zu finden. Im Augenblick habe ich sie als Celestron AVX konfiguriert, SkyWatcher SynScan wäre wohl auch einen Versuch wert.

WLAN gefunden, Steuerung gescheitert.

Die WLAN-Verbindung ist etwas haklig, was aber durchaus an Apple liegen kann – ich habe die Software auf einem älteren iPhone laufen. Auf jeden Fall muss ich immer etwas warten, bis WLAN-Symbol in der Statusleiste erscheint. Vorher muss ich gar nicht erst versuchen, SkySafari zu öffnen (obwohl es manchmal auch funktioniert, wenn LTE statt WLAN angezeigt wird – da steige ich noch nicht ganz durch). Dann kann ich mich meistens über den Connect in SkySafari mit der EQStar-Steuerung verbinden, kriege aber öfter die Fehlermeldung, dass die Steuerung nicht anspricht. Ein Handy-Neustart hilft häufig. Ein Android-Gerät mag besser funktionieren, keine Ahnung.

Wenn die Verbindung steht, läuft es aber ganz gut: Die Steuerung geht davon aus, dass das Teleskop auf den Himmelspol zeigt. Dann muss ich einen neuen Referenzstern anfahren, das Teleskop schwenkt dahin, und ich zentriere ihn über den Joystick oder besser noch mit gelösten Achsklemmen, bestätige in der App mit Align, und fertig. Das ist dann zwar nur ein Ein-Stern-Alignment (mehr kann SkySafari wohl nicht), funktioniert aber schon ganz gut.

Bis das Handy in den Ruhezustand geht und die Verbindung kappt. Unter Appearance & Behaviour bietet SkySafari zwar auch ein “Prevent Sleep”, aber manchmal sind die Reflexe schneller, und ich schalte das Handy aus. Was dafür nett ist: Ich kann die Motoren auch bewegen, indem ich das Handy etwas hin- und herneige. Wobei ich zugeben muss, dass der Touchscreen besser funktioniert als gedacht, auch wenn man die Richtungstasten nicht ertasten kann.

Ach ja: Der kleine Celestron LiFePO4 PowerTank versorgt entweder USB oder Teleskop mit Strom. Ich kann das Handy also nicht ebenfalls über den Powertank mit Strom versorgen – das größere Modell des PowerTanks soll es können. Mist.

Das Goto funktioniert schön, es ist nur etwas ungewohnt, dass erst eine Achse gefahren wird und dann die andere. Außerdem muss ich aufpassen, dass der Motor nicht an der Montierung anschlägt – aber das bin ich von der FS2-Steuerung der Alt-Montierung der Heilbronner Sternwarte auch gewohnt. Ein Tastendruck bricht den Schwenk ab.

Unter Android gibt es noch eine kleine App, um der Steuerung Datum, Zeit und Standort mitzuteilen. Dann weiß die Montierung auch, wann sie umschwenken soll. So erklärt das vielleicht die teilweise etwas seltsamen Positionswinkel. Die Objekte werden aber gefunden.

Fazit: Das Verbinden mit dem WLAN ist etwas hakelig, aber wenn es klappt, läuft es gut.

Steuerung per PC

Das habe ich bislang nur im Trockentest gemacht, aber wenn ich das richtig verstehe, muss ich ASCOM nur auf EQMOD konfigurieren, und muss mich nicht um um Getriebeübersetzungen und so kümmern. Zumindest bewegt sie sich, wenn ich in Guide einen Stern anfahren will. Wenn ich das richtig verstehe, gibt ASCOM nur die Wunschkoordinaten weiter, und die Steuerung kümmert sich um den Rest.

Fazit

Bereit für die Zukunft

Für’s erste bin ich begeistert, vor allem vom Preis-Leistungs-Verhältnis. Die hundert Euro (mittlerweile liegt sie bei 150 Euro, wobei ich das auch schon für die reine Steuerung inkl. Autoguidereingang zu zahlen bereit gewesen wäre) plus Motoren ist sie auf jeden Fall wert. Mir waren schnellere Motoren und Autoguidereingang am wichtigsten. Das Goto ist nicht ganz so wichtig, aber gerade beim Fotografieren sehr hilfreich.

Die EQStar scheint eine gute Möglichkeit zu sein, um eine solide ältere Montierung wie die SP/GP auf den modernen Stand zu bringen, wenn man sich ein bisschen reinarbeiten will. Wenn ich die Arbeitszeit rechne, wäre eine neue Montierung (ohne Zahnriemen und wohl mit geringerer Präzision) günstiger (je nach Stundensatz) – aber ein bisschen rumbasteln gehört zum Hobby Astronomie, und ich sehe keinen Grund, mich von einer alten, aber perfekt laufenden Montierung zu trennen.

Probleme hat vor allem die mangelnde Dokumentation gemacht, aber ich hoffe, alle Problemchen, die ich hatte, lassen sich mit diesem Blogbeitrag lösen. Ich würde die Steuerung nach aktuellem Stand jedenfalls wieder kaufen.

Sehr praktisch ist, dass ich das Kästchen mit der Steuerung – nachdem ich es mit der Bohrmaschine malträtiert habe – einfach mit einem Haargummi am Stativ befestigen kann. Das Kabel zum stationären Rektaszensionsmotor habe auf die kürzeste sinnvolle Länge gekürzt. Das zum Dek-Motor hat eine ziemlich gute Länge, auch wenn es bei kalten Temperaturen etwas steif wird. Und ich habe sogar einen Ersatz für die verbogene Polhöhenschraube meiner Montierung gefunden, sodass sie jetzt wieder voll einsatzfähig ist.

Der Zahnriemenantrieb ist sehr nett, beseitigt aber nur das Getriebespiel, nicht das Schneckenspiel. Schade, dass die GP-DX keine angefederte Schneckenachse hat…

Der nächste Schritt ist dann, wieder ein bisschen durch das Teleskop zu Fotografieren, wenn alles läuft. Bislang habe ich für fokale Fotografie ja vor allem das Equipment der Heilbronner Sternwarte genutzt und war mit kleinen Brennweiten auf dem Star Adventurer unterwegs, oder ohne Guiding mir der GP-DX. Wann ich das alles testen kann? Keine Ahnung – nächste Woche geht’s wieder auf die Hurtigrute, und wenn ich zurück komme, sind die Nächte schon wieder deutlich kürzer. Astronomie braucht Geduld:-)

Alles aufgeräumt – warten auf klaren Himmel…

Bis dahin wird mal alles im neuen Köfferchen verstaut (Schaumstoff von Koffermarkt.com, Koffer von Thomann. Und da gefragt wurde: Der Montierungskoffer mit dem meisten Fotokram und dem Gegengewicht liegt bei 21,5 kg, die Stativtasche bei 13,1 kg (inklusive der Vixen Porta-Montierung, wenn ich rein visuell unterwegs bin. Der Teleskopkoffer mit der aufgesattelten Ablageplatte von Stativ bei 17,8 kg. Das kann ich jetzt alles schön einlagern, bis ich wieder in Deutschland bin und klaren Himmel habe.

Hurtigrute Tag 12: Kurs Bergen

Bei Florø

This is the end: Der definitiv letzte Reisetag. Die Gegend rund um Florø fällt mit Sonnenaufgang, Aufstehen und Frühstück zusammen, und dann muss auch schon die Kabine geräumt werden. Um 10 Uhr ist Deadline, bis dahin muss auch das Gepäck am Aufzug stehen, damit man es in Bergen am Hurtigrutenterminal wieder bekommt und nicht den restlichen Tag darauf aufpassen muss.

Immerhin ist das Schiff nicht mehr ganz ausgebucht, sodass es sogar genügend Sitzplätze für Passagiere und Handgepäck gibt. Bei bestem Wetter fahren wir non-stop durch bis Bergen. Ganz angenehm: Die Cruisecard wird erst am Mittag gesperrt und abgerechnet. Ebenso angenehm: Die See ist ruhig und das Wetter schön. Die Gespräche im Panoramasalon werden daher immer wieder durch den Griff zur Kamera unterbrochen.

Panorama-Versuche

Ab und zu hat man zwar den Verdacht, dass das Schiff einen kleinen Wasserfall herunterfällt, wenn es kurz ruckt, aber bei der ruhigen See ist eigentlich keine Ursache dafür zu sehen. Jedenfalls sah das Meer nicht so aus wie auf meinem Panoramaversuch links…

Viel gibt es über den letzten Tag nicht mehr zu berichten. Am Vormittag macht das Expeditionsteam noch eine Musikstunde im Multe auf Deck 7 (das jetzt sogar einmal besucht ist), das Miittagessen ist Buffet, und um 13 Uhr laden Hans und ich noch einmal zu einer bunten Stunde ein, um die Wartezeit zu überbrücken. Ein paar nette Filmchen haben sich im Lauf der Zeit doch angesammelt.

Südgehend kommen wir der Küste wieder nahe und durchqueren manch engen Sund, die Felsen erinnern ein wenig an die Bretagne. Hübsch, vor allem bei gutem Wetter. Ich habe da schon ganz andere Passagen bis Bergen erlebt…

Kurs Bergen

In Bergen geht es dann wieder Schlag auf Schlag: 14:30 erreichen wir den Endpunkt der Reise, um 15:00 fährt unser Transferbus ab (wir haben für unsere Gruppe zwei eigene Busse), am Flughafen dann der Kampf mit den Automaten, die – ohne erkennbares Konzept – entweder Buchungsnummer, Bordkarte, Reisepass oder gar nichts anerkennen, das Gepäck aufgeben (Neu: Der Scanner will die Bordkarte sehen), durch die Security und ab zum Flieger. Fast alle fliegen über Amsterdam. Am Automat wo das Gepäckband ausgedruckt wurde gab es dann sogar die Chance, den Sitzplatz auszuwählen – bei einer fast komplett ausgebuchten Maschine gibt es da aber trotzdem keine Möglichkeit, Pärchen zusammenzusetzen, und auch wer die selbe Buchungsnummer hat, wird wild im Flieger verteilt. Immerhin kann man mit etwas Glück das Handgepäck zwischen Sitz und Vordersitz einfädeln und unter dem Sitz verstauen, wenn es kleiner als die Maximalmaße. Sardinenbüchse…

Da kommt einem dieser Tweet von KLM doch wie nackter Hohn vor. Ich kriege meine Beine jedenfalls als Presspassung rein und kann über die Tipps der Bordbroschüre zur Fitness im Flieger nur lächeln. Da würde ich mir ja das Genick bei brechen. Fairerweise: Der Flieger ist dieses mal nicht überbucht (es dürfen alle mit), und Eurowings nach Island war noch schlimmer. Ich bin gespannt, wann es Flieger mit Stehplätzen gibt… Nach zwei Stunden war zum Glück Amsterdam erreicht, und der kleine City-Hopper für den Anschlussflug hat mehr Platz als die Boeing 737-800.

Willkommen im Ländle!

In Amsterdam blieb noch genug Zeit für einen Imbiss, und dann ging auch schon der Anschlussflug nach Stuttgart. Der Shuttle vom Flyaway-Service war wie immer pünktlich, und um die Zeit ist sogar die A8 befahrbar.

Der gestrige Freitag ging für Aufräumarbeiten drauf: Alle Bilder und Filme sind jetzt hochgeladen; ich muss nur irgendwann mal nachschauen, ob ich mir einen Youtube-Account zulege – Vimeo ist voll. So bleiben die Filme erst einmal den Teilnehmern der Reise vorbehalten.

Allen noch einmal Danke: Es war eine schöne Reise, hat Spaß gemacht mit euch!

Und jetzt back to work: Im März soll mein Astrofotobuch erscheinen, dieses Wochenende ist der Feinschliff angesagt. Man kommt auf der Hurtigrute ja zu nichts… Und wem mein Hurtigruten-Büchlein gefallen hat: Sagt’s weiter, ich freue mich immer über eine nette Rezension auf Amazon🙂

Alltid god tur!

Hurtigrute Tag 11: Von Trondheim in die Sonne

Die Vesterålen in Trondheim

Mit Trondheim beginnt der entspannende Teil der Reise, dementsprechend wenig gibt es zu berichten. In Trondheim liegen wir bis zehn Uhr neben der Vesterålen, was auch der Grund ist, warum ich hier keine der angeboten Touren mitmache – obwohl die “verbogenen Gemächde Nidarosdoms” schon interessant klingen. Aber um 7:45 zum Ausflug starten… vielleicht, wenn es südgehend mehr Nächte mit Wolken gibt. So begnüge ich mich vor dem Frühstück mit einem Foto der Vesterålen, statt noch einmal in die Stadt zu gehen.

In den letzten Jahren endete unsere Tour immer in Trondheim, sodass wir mit etwas Glück mittags schon im Flieger saßen. So geht es bei bestem Wetter durch den Trondheimfjord, die Sonne genießen.

Endlich Sonne!

Ja, tatsächlich: Wir sehen die Sonne wieder deutlich über dem Horizont. Viel mehr gibt es über diesen Tag auch nicht zu berichten: Ich bereite meine Abschlusspräsentation vor, zwischendurch gibt es Mittagessen und um 15 unsere Abschiedsveranstaltung mit Reiserückblick, Norwegeninfos und Infos zum Rückflug.

Anschließend noch ein paar Bilder tauschen (muss ja nicht alles per Download gehen), während wir durch Kristiansund fahren, mit dem Packen anfangen, und zwischendrin das Abendessen. Es gibt Schweinshaxn – war gut, aber nicht gerade das, was ich mit Norwegen verbinde. Eher mit den Alpen…

Das Abendprogramm: Im Panoramasalon Bilder anbieten und die Reise gemütlich ausklingen lassen. Hier unten ist aktuell kein Nordlicht mehr zu erwarten. Mal sehen, wie viele noch kommen. Für die Statistik: Ich habe bislang 11656 Fotos, was 317 Gigabyte entspricht. Timelapse im RAW-Format braucht Platz…

Hurtigrute Tag 10: Polarkreis und Helgelandküste

Vikingen mit Polarkreis-Kugel, und links die Venus

Irgendwie geht die Reise südwärts immer schneller als die in den Norden – haben wir wirklich an diesem Morgen den Polarkreis überquert und die Polarnacht verlassen? Bei bestem Wetter und klarem Himmel wirkt natürlich alles gleich heller, und der leichte Schnee auf den Bergen hilft dabei noch mehr. Kein Wunder, dass das in der Heimat Neid erweckt, wenn ich fleißig Bilder twittere:-)

Alle wollen die Kugel!

Etwa um 9:24 ist es voll auf dem Sonnendeck der Nordkapp, alle wollen einen Blick auf die Kugel auf der Insel Vikingen erhaschen. Jetzt, in der langen blauen Stunde, werden die Fotos auch etwas – nordgehend war das doch etwas anspruchsvoller. Die anschließende Zeremonie arktischer Tradition schenke ich mir (auch wenn der fischförmige Lebertranlöffel nun durch einen normaleren ersetzt wurde – ich habe weder den alten noch will ich mir den neuen verdienen) und verbringe noch ein paar Minuten mit meinem Laptop, bevor ich mir um 10:15 den Vortrag vom Schiff über nordische Mythologie anhöre. Unsere Expeditionsleiterin hat sich in Schale geworfen und gibt einen kurzen Überblick über den altnordischen Götterhimmel, bevor sie erzählt, wie Freyas Schmuck Brisingamen gestohlen und wiedergefunden wurde, und wie Thor seinen Hammer von Thrym wiederbekam. Thrym wurde am überzeugendsten dargestellt, war eine nette Erzählung.

Nesna

Anschließend noch ein paar Gespräche, ein Blick auf Nesna und ein kurzes Mittagessen, bevor wir in Sandnessjøen anlegen. Am Kai gab es die Chance, handgemachte, echt norwegische Trolle zu kaufen statt der allgegenwärtigen chinesischen Massenware. Danach zog der Gebirgszug der Sieben Schwestern die Blicke auf sich. Wer wollte, konnte auf Deck 7 den Point of Interest anhören, aber auch vorne am Bug versammelten sich einige und fotografierten die Bergkette in Ruhe. Kurz nach Sonnenuntergang um 13:34 war auch die Sonne erstmals wieder zu erspähen (die Lichtbrechung in der Erdatmosphäre machts möglich) und nicht nur indirekt durch die beleuchteten Berggipfel und Wolken. Nett. Die Mørketid ist vorbei.

Danach rief die Pflicht: Reiseleiter- und Lektorenmeeting, um den Abschluss der Reise vorzubereiten. Schließlich sollen ja auch alle heil nach Hause kommen und es nicht auf eigene Faust probieren. Das hatten wir auch schon oft genug – aber wer die Gruppenreise bucht, muss sich kein Taxi zum Flughafen nehmen!

Kurs Brønnøysund, mit Mond und Torghatten

Anschließend blieb genug Zeit, um das Anlaufen von Brønnøysund noch ein wenig zu genießen. Es kommt mir heller vor als noch im November, aber das liegt wohl nur an den fehlenden Wolken. Etwa eine Stunde haben wir in der Stadt in der Mitte von Norwegen, da wir etwas verspätet aus Sandnessjøen aufgebrochen sind. Aber das langt für einen kurzen Gang durch das Einkaufszentrum, ein paar Fotos und ein Eis. Diesmal halte ich mich zurück und kaufe nichts, noch nicht einmal in der Buchhandlung. Langsam habe ich genug norwegische Bücher, die ich noch nicht lesen kann… Interessant finde ich nur, dass Game of Thrones unter Kinder- und Jugendbücher einsortiert ist…

Letztes Licht

Um 17 Uhr ruft das Schiff, nicht nur weil es pünktlich ablegt: Zur Abfahrt gibt es ein Glas Prosecco, um im Panoramasalon auf 125 Jahre Hurtigruten anzustoßen – die diesjährige Alternative zum Captain’s Dinner. Eine Dreiviertelstunde später folgt dann das Fünf-Gänge-Menü, das nach dem Hauptgericht jäh durch die Durchsage “Nordlicht” unterbrochen wird. Aber nach den letzten Tagen bleiben die meisten cool, während Hans und ich uns die Sache mal näher ansehen: Das Nordlichtoval ist als deutlicher, grauer Bogen zu sehen, aber für uns und unsere Gruppe mittlerweile nichts spektakuläres. Man hat ja mittlerweile Ansprüche, also geben wir den Gästen Entwarnung und sind zum ersten Nachtisch wieder im Restaurant.

Nach dem Abendessen ist der Bogen wieder abgeflaut, und in Rørvik erwartet uns dichter Nebel. Wir sind pünktlich im Hafen, aber die nordgehende Richard With hat Verspätung. Erst gegen 21 Uhr taucht sie aus dem Nebel auf – für einen kurzen Besuch an Bord langt es, aber die Schiffsbesuche lohnen sich kaum noch: Sie sieht fast genau so wie unsere Nordkapp aus. Schade – früher hatte jedes Schiff seinen eigenen Stil.

Die Richard With im Nebel.

Ebenso traurig: Das war wohl eine der letzten Reisen meiner kleinen Reisekamera, der Panasonic Lumix LX100. Das Objektiv fährt nur noch widerwillig aus. Schade – mit Blende 1,7 war sie die ideale handliche Reise- und Nordlichtkamera, auch wenn der manuelle Fokus nicht immer ganz einfach war. Mal sehen, was der Markt so her gibt. Immerhin zeigt meine Nikon trotz aller Zeitraffer noch keine Verschleißerscheinungen bis auf ein wenig Rost durch das Seewasser. Mehr zu meiner Ausrüstung gibt’s übrigens hier.

Der Rest vom Abend nach dem Ablegen von Rørvik ist schnell erzählt: Er wurde wegen Nebel, Wolken und Sternen ohne Nordlicht in der Bar im Panoramasalon verbracht.

Hurtigrute Tag 9: Vesterålen und Lofoten

Durch die Vesterålen

Was zwölf Stunden im Bett ausmachen: Gestern war ich noch total groggy und sicher, den Rest der Tour mit einer Erkältung verbringen zu dürfen, jetzt habe ich nur noch Kreuzweh, bin aber wieder weitestgehend fit und sogar rechtzeitig für ein spätes Frühstück wieder auf den Beinen. Und viel Polarlicht habe ich in Tromsø auch nicht verpasst, die Prognosen waren dann doch schöner als das, was durch die Wolken kam.

Von Harstad habe ich zwar nichts mitgekriegt, aber ich gönne mir einen Blick auf die Risøyrinne, die zu Risøyhamn führt. Sie wurde auf Wunsch des Hurtigrutengründers Richard With ausgegraben und ist nur wenig tiefer als die Schiffe. Diesmal bin ich früh genug an Deck um zu sehen, wie die blinkenden Markierungen auf den Ort zuführen – wenn man mitten drin steckt, fällt das weniger auf.

Die Risøyrinne

Während Risøyhamn bin ich in der Reiseleiter-Sprechstunde, auch wenn sie heute kaum in Anspruch genommen wird. Eigentlich kein Wunder: heute gibt es nicht viele Gelegenheiten, länger von Bord zu gehen – wir bleiben kaum mehr als eine Stunde in jedem Hafen. Aber Kari hat für morgen Trolle in Sandnessjøen organisiert. Echte Norweger, kein China-Import.

Um 12 Uhr versammeln wir uns dann wieder alle an Deck 5: Die Busse der Vesterålen-Tour überqueren die Brücke vor Sortland pünktlich zu dem Zeitpunkt, wenn wir darunter durch fahren. Also: Kräftig winken. Nur Norwegerfahnen werden diesmal nicht verteilt, aber die Vielfahrer sind mit Handtüchern ausgestattet. Immer wieder ein netter Spaß. Und dann: Mittagessen, bevor die Busreisenden an Bord und im Restaurant sind:-) In Sortland für die halbe Stunde von Bord zu gehen lohnt sich eh nicht.

Stokmarknes um 14:15 erreichen wir in der Abenddämmerung – es macht sich bemerkbar, dass wir weiter im Süden und Westen sind. Ab Morgen gibt es sogar wieder Sonne, dann überqueren wir den Polarkreis. Im Hurtigrutenterminal erlebe ich eine kleine Enttäuschung: Dort hängen zahlreiche alte Fotografien aus der Geschichte der Hurtigrute, mit Beschriftungen auf Englisch und Norwegisch sowie der Bitte, ob man nicht eine Übersetzung in der eigenen Sprache liefern möchte (zum Teil sogar auf Deutsch). Tja… letztes Jahr hatte ich deutsche Texte geschickt und nichts gehört, und nach der Novembertour noch mal, dann mit Lesebestätigung. Angekommen ist die Mail also, nur geändert hat sich nichts. Schade eigentlich.

Am Trollfjord

Im Dämmerlicht vertrete ich mir nur kurz die Füße an Land. Was mir neu ist: Es gibt nun auch einen direkten Zugang zur alten Finnmarken, wenn man in das linke Gebäude geht. Ich kannte das nur so, dass man durch das eigentliche Hurtigruten-Museum auf der anderen Straßenseite gehen muss. Nach Stokmarknes widme ich mich wieder meinem Laptop. Von der Fahrt durch den Raftsund ist nicht viel zu sehen, und den Trollfjord verpasse ich auch beinahe.

Im Anker

Und dann: Schon wieder essen, diesmal Buffet. Damit diejenigen, die in Svolvær einen Ausflug machen, nicht hungern müssen, gibt es Buffet und freie Platzwahl. Wir nutzen den zweistündigen Aufenthalt für einen Ausflug in den Anker, die urige Kneipe beim Scandic-Hotel. Svolvær hat seit dem letzten Besuch einiges an Eis dazugewonnen, eine rutschige Angelegenheit…

Trotzdem schaffen wir es rechtzeitig wieder auf das Schiff, und während der Fahrt nach Stamsund reißen die Wolken auf: Ein relativ schwacher, aber deutlicher Bogen aus Polarlicht ist im Norden zu sehen, bis er von den Lichtern Stamsunds überstrahlt wird.

Im Hafen sind die Verladearbeiten von Baumstämmen von einem LKW auf das benachbarte Schiff interessanter, und einige Zeit nach dem Ablegen ist das Polarlicht wieder schwach sichtbar, bis es gegen Mitternacht als Ambiente-Beleuchtung hinter den Wolken verschwindet – bei gleichzeitig verblassendem Polarlichtoval ein guter Zeitpunkt, um ins Bett zu gehen. Manche munkeln für die Überfahrt über den Westfjord von sieben Meter hohen Wellen, meine Prognose liegt bei angenehmen 1,5 Metern. Mal sehen, was die Nacht bringt.

Hurtigrute Tag 8: Südwärts bis Tromsø

Hammerfest

Die Hälfte der Reise haben wir hinter uns, und um 1 Uhr morgens haben wir mit Mehamn den nördlichsten Hafen hinter uns gelassen. Jetzt sind wir wirklich die südgehende Hurtigrute.

Nach dem Frühstück bin ich wieder mit Kari bei der Reiseleitersprechstunde und verpasse die Flüssiggasanlage auf Melkøya, bzw. sehe sie nur durch das Fenster. Damit entgeht mir auch der kostenlose Energiekaffee auf Deck 7, aber der trifft meinen Geschmack ohnehin nicht (ich vermute immer noch eine 50/50-Mischung aus Schweröl und Zucker, mit einer Prise Chili).

Hammerfest hat jetzt mehr Eis als Schnee zu bieten. Trotz Spikes schenke ich mir diesmal den Aufstieg auf den Zickzack-Weg (mit dem Eis vom letzten Mal war es schon spannend genug) und mache nur einen kurzen Trip durch Hammerfest. Immerhin für das traditionelle Bild auf dem Bänkle vor dem Musikpavillon langt es, das ich bislang auf jeder Tour gemacht habe. Der Rathausplatz ist bunt beleuchtet, und auf dem Weg in den Ort kam uns auch der Weihnachtsmann entgegen – ich habe aber keine Lust, für ein Foto mit ihm zu bezahlen.

Also heute nur ein kleiner Spaziergang durch Hammerfest samt einem Besuch im Eisbärenclub (für die Ausstellung bleibt sonst ja immer nur zu wenig Zeit), und dann wieder ab an Bord. Über die anschließende Fahrt nach Øksfjord gibt es wenig zu erzählen: Da es hier kein gedrucktes Tagesprogramm mehr gibt, bekomme ich von den Veranstaltungen des Schiffs nichts mit und verbringe den Nachmittag damit, Bilder zu sortieren und meinen Vortrag vorzubereiten.

Øksfjord mit Schnee

In Øksfjord kurz vor 16 Uhr schneit es, von der eindrucksvollen Landschaft ist nur wenig zu sehen. Da verpasst niemand etwas von Norwegen, der meinen Vortrag über Sternbilder und ihre Mythen anhört. Was mir etwas Sorgen macht ist ein leichtes Kratzen im Hals…

Aber ich habe gutes Timing und kann meinen Vortrag halten. Beim Abendessen eine Stunde später verfluche ich innerlich das Konzept, dass keine Wasserkaraffen auf den Tischen stehen, weil man die Reise genießen und bedient werden soll – ich habe Durst. Dafür gibt es ein leckeres Stück Fleisch (ich habe auf der Hurtigrute schon schlechter gegessen als dieses Mal auf der Nordkapp), und wir machen Pläne für den Abend. Mal wieder ein Kneipenbummel um Mitternacht in Tromsø? Das “Paris des Nordens” erreichen wir kurz vor Mitternacht, und die Zeit bis dahin wird mit einer Modenschau um 22 Uhr überbrückt.

Ich bekomme davon allerdings nichts mit – gestern Abend war wohl doch kalt, mit einer drohenden Erkältung lege ich mich nach dem Abendessen kurz hin und bekomme zwar mit, dass kurz vor Tromsø Polarlicht durchgesagt wurde, aber ich ignoriere es und schlafe weiter. Die letzten Nächte fordern ihren Tribut…

Hurtigrute Tag 7: Kirkenes und noch mehr Polarlicht

Kirkenes bei -10°, und aus der Dusche kommt nur kaltes Wasser – gut, dass wir hier anlegen und die Vorräte auffüllen können. Jedenfalls gibt es später am Tag wieder Warmwasser. Zum Glück herrscht draußen eine trockene Kälte, und ich entscheide mich doch, am Samstag einen kleinen Gang durch die Grenzstadt zu machen.

Viel hat Kirkenes ja nicht zu bieten, aber immerhin sind die Häuser seit der letzten Inbetriebnahme der mittlerweile wieder stillgelegten Eisenerzmine weitestgehend renoviert. Nur warum so viele Häuser schwarz gestrichen sind, wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben.

Willkommen in Kirkenes

Vom Schiff in die Stadt ist es ein kleiner Fußmarsch, aber mit Spikes kein Problem. Mein Weg führt mich diesmal etwas abseits der normalen Route: Vom Russendenkmal (an der der Ausflugsbus zur russischen Grenze gerade hält, hier ist auch der alte Bunker der Andersgrotta) direkt zum Amfi, dann an der Kirche vorbei zu dem Aussichtspunkt jenseits von Schule und Schwimmbad.

Aussichtspunkt ist ja fast schon etwas übertrieben, aber man hat trotzdem einen netten Überblick über Kirkenes. Man muss nur wissen, dass diese Kurve der Straße wirklich der Aussichtspunkt ist, und dass der gut versteckte Fußweg zwischen den Häusern hindurch wirklich öffentlich zugänglich ist. Von oben sieht man sowohl das Schiff und die Hafenanlage als auch das Städtchen.

Ganz hübsch, gerade mit Schnee, aber wohnen wollte ich hier trotzdem nicht… Einen charmanten Anblick bieten übrigens die Fahrradständer, an denen nun vor allem die Laufschlitten angebunden sind. Nett.

Kirkenes verlassen wir pünktlich um 12:30, jetzt steht uns eine ruhige Überfahrt nach Vardø bevor. Draußen herrscht stockfinstere Nacht (Wir sind weit im Osten, sodass die hellen Tagesstunden früh am morgen sind), und um 14 Uhr lockert Hans mit seinem Vortrag über die Suche nach der zweiten Erde die Fahrt auf. Exoplaneten sind ja ein ganz heißes Thema in der Astronomie, und über 3600 Planeten rund um fremde Sterne sind mittlerweile bekannt. Als ich mit der Astronomie angefangen hatte, waren sie nur Spekulation.

Vardøhus mit Nordlicht

Vardø erreichen wir gegen 16:00. Auf dem Schiffsfahrplan stand schon 16:00 als Ankunftszeit, offiziell ist es immer noch 15:45 – was aber praktisch nie klappt. Diesmal sah es eigentlich ganz gut aus, aber das Anlegen verzögerte sich etwas, und erst gegen 16:00 konnten wir das Schiff verlassen. Eine größere Gruppe ging zum Eismeerbaden (mittlerweile hat die Badesaison begonnen, im November fiel es noch aus), andere zur nahem Festung Vardøhus. Ich wollte ja eigentlich mal wieder einen Versuch starten, um querfeldein zum Steilneset Hexendenkmal zu spurten, aber es wird doch zu knapp. Also nur zur kleinen Festung – und dann abbiegen: Gerade hatten wir uns noch über das Nordlicht unterhalten, da scheint es auch schon durch eine Wolkenlücke hindurch. Vielleicht 10 Minuten bleiben mir, um meine Kamera auf einen steinharten Schneehügel zu legen (wo ist das Stativ, wenn man es braucht) und ein paar Fotos zu schießen, bevor die Wolken wieder zuziehen. Vardøhus mit Nordlicht hatte ich auch noch nicht.

Prognose: Unsicher

Und der Rest vom Abend? Die Wetterprognose ist gelinde gesagt unsicher, aber Yr hat recht: Bald reißen die Wolken auf, und der Abend ist gelaufen. Es gibt Nordlicht satt. Zunächst ist es zwar stark und deutlicher grün als am ersten Abend, aber ohne viel Bewegung, später gibt es auch eine wirklich schöne Show.

Das einzige Problem ist natürlich, dass für uns Lektoren somit das Abendessen ausfällt – Job ist Job. Aber der macht durchaus Spaß, auch wenn sogar ich nach drei Stunden gut durchgefroren bin. Fast bis Berlevåg lohnt es sich an Deck zu sein, sogar in Båtsfjord kann es sich gegen die Lichter des Ortes durchsetzen. Danach wird es ruhiger am Himmel. Es gibt zwar immer noch Polarlicht, aber die Aktivität lässt nach, und man ist mittlerweile ja doch ein wenig verwöhnt.

Das Ergebnis sind rund 3500 Bilder, die ein schönes Filmchen (Twitter-Link) ergeben haben. Hier noch ein paar Impressionen:

Ruhe bitte

Am Heck vom Schiff war es auch halbwegs windgeschützt, wobei das ständige Tür-auf-Tür-zu wohl den ein oder anderen wohl nervte. Es sind wohl doch nicht nur Nordlicht-Freunde hier…

Übrigens, ein wenig Statistik: Nordgehend waren rund 310 Passagiere an Bord, damit war die Nordkapp ausgebucht (Nicht jedes Bett ist belegt, ich schlafe z.B. in einer Dreibett-Kabine). Wie immer sind in Kirkenes mehr aus- als zugestiegen, sodass wir jetzt etwas über 200 Distanzreisende an Bord haben. Für eine Wintertour ist das immer noch sehr viel – ich kann mich an Reisen erinnern, wo praktisch nur unsere Gruppe an Bord war.

Schiffsbegegnung mit der Finnmarken

Aber der Norden boomt, und dem Beweis begegneten wir bei Berlevåg: Der Finnmarken, von der aus uns die nächste Nordlicht-und-Sterne-Gruppe zuwinkt. Zumindest sind am Bug zwei Taschenlampen zu sehen – früher hat die Finnmarken sich bei Vinkekonkurransen mehr ins Zeug gelegt.

Nach Berlevåg ließ das Nordlicht dann nach, und ich nutze die Gelegenheit, um meinen Rechner schon mal die Bilder bearbeiten zu lassen. Das Ergebnis der Nacht gibt’s auf Twitter.

Hurtigrute Tag 6: Kein Nordkapp

Havøysund

Havøysund ist einer dieser vernachlässigten Häfen, die immer nur mehr oder weniger zur Frühstückszeit besucht werden und daher bei mir unter “ferner liefen” laufen. Auch auf dieser Tour gelingt mir nur ein Abschiedsfoto, die Schiffsbegegnung kurz vorher habe ich komplett verpasst. Dafür klappt das Frühstück, und wir segeln bei bestem Wetter durch den Magerøya-Sund.

Was kann da schon schief gehen?

Das Nordkap… während wir die Polarnacht von ihrer schönsten Seite genießen (klarer Himmel und blaue Stunde), kommt die Durchsage, dass die Touren zu Nordkap und Fischerdörfern wegen starkem Wind abgesagt sind. Kaum zu glauben, so ruhig wie es in dem (windgeschützten) Sund ist. Damit ist nach Huskys und Snowmobile noch ein weiterer beliebter Ausflug abgesagt. Die Stimmung ist dementsprechend.

Kari, Bruno und wir tun natürlich unser bestes, um Alternativen in dem Örtchen Honningsvåg aufzuzeigen. Immerhin haben wir 3,5 Stunden Zeit, die nicht nur mit dem Mittagessen (von 10:30-13 Uhr) und der Rettungsübung des Schiffs gefüllt werden können. Aber ein bisschen was kann man hier durchaus unternehmen, zum Glück ist das Wetter ja schön: Kalt, aber klar und hell. Mit dem Schneematschregen von Tromsø wäre das noch unangenehmer.

Am Hafen warten einige weitere Anbieter von Touren zum Nordkapp, die trotz der Sturmwarnung fahren – im Kleinbus/Sprinter, für weniger Geld und mit dem Versprechen, einen im Zweifelsfall nach Kirkenes zu fahren, sollte man das Schiff verpassen. Das hinterlässt erst einmal einen zwiespältigen Eindruck, aber die Kleinbusse sind weniger windanfällig als die großen Reisebusse. Und tatsächlich steht später in der Zeitung, dass heute ein Bus aus Litauen mit 33 Passagieren von der Straße abgekommen und umgekippt ist (Bilder sind im verlinkten Artikel). Dann doch lieber ein “cancellierter” Ausflug als so ein Abenteuer.

Honningsvåg von oben

Unser eigenes Alternativprogramm lautet “Honningsvåg von oben”. Wir gehen gleich nach dem Ablegen hoch zum Aussichtspunkt mit der Büste des Regisseurs der Doku “Der Männerchor von Berlevåg”. Noch liegt wenig Schnee, sodass der Weg mit Spikes gut machbar ist, aber auch genug, dass Honningsvåg schön aussieht. Oben ist es gut zugig, und wir können die Windwarnung ein wenig nachvollziehen. Den Film zeigt das Schiff übrigens am Abend – ein sehr deprimierender Film, dem irgendwie auch der rote Faden fehlt.

Honningsvåg

Nach einem kleinen Abstecher zur Kirche sind wir rechtzeitig wieder am Schiff, um das Mittagessen noch mitnehmen zu können. Gegenüber der letzten Tour auf der Nordnorge ist das Essen besser – es hängt doch immer viel vom Koch ab. Draußen setzt langsam schon die Dämmerung ein, aber mir bleibt genug Zeit, um noch einmal auf die andere Hafenseite zu wandern und unser Schiffchen von allen Seiten zu knipsen.

Die Nordkapp in Honningsvåg

Pünktlich um 14:45 legen wir ab, und Hans kann seinen Vortrag über das Leben der Sterne bei überraschend ruhiger See halten. Zum Abschluss die Polarlichtprognose: Gut, aber das Abendessen kann wohl jeder noch in Ruhe zu sich nehmen.

Vor dem Essen steht Kjøllefjord auf dem Programm: Die Felsformation der Finnkirche wird ja nicht angeleuchtet und ist daher auch kein Programmpunkt mehr, auch der Krabbenfischer legt nicht mehr an – seine Firma ist bankrott. Polarlicht gibt es hier auch keins, und zur Schneemobiltour steigt mangels ausreichend Schnee auch niemand aus. Damit ist der Halt für uns reichlich überflüssig, und wir können uns dem Abendessen widmen. Es gibt Buffet, was gut ist: Das geht schneller als serviertes Essen, und es droht ja ein Nordlicht.

Nordkap-Buffet

Ich stehe in der ersten Reihe, um noch ein paar Fotos vom Buffet zu machen, bevor es geplündert wird. Bis ich mir dann selber einen Teller holen kann, sieht es im “Torget” schon ganz anders aus…

Wir halten uns beim Essen ran und sind beim Nachtisch, als die Nordlicht-Meldung über die Lautsprecher kommt. Gutes Timing – also nichts wie raus. Kurz vor 19 Uhr habe ich das erste Bild im Kasten, rund 4000 Bilder werden es im Lauf des abends – Zeitrafferaufnahmen füllen die Speicherkarten doch recht flott. Wen es interessiert: Ich habe zweimal 128 Gig in meiner Kamera.

Die ganzen Bilder zu sichten dauert seine Zeit; der Zeitrafferfilm wird erst am nächsten Tag während Hans’ letzten Vortrag fertig. Aber es lohnt sich: Wir bekommen die Show, auf die wir gewartet haben, und jetzt glauben uns auch alle, dass Nordlicht bunt ist und sich bewegt. Bis Mehamn ist es noch recht ruhig, im Hafen kommt dann Bewegung rein, und auf der Fahrt nach Berlevåg macht es richtig Spaß, bevor es langsam diesig wird. Wie viel Bewegung im Schiff war, registriere ich eigentlich erst im abschließenden Zeitraffer richtig – aber für die Barentssee war es doch fast ruhige See. Gegen 1 Uhr bin ich dann so weit, das alle Bilder auf meinem Rechner sind und die Bearbeitung startet. In Lightroom muss ich zum Glück nur ein Bild bearbeiten, der Rest wird dann automatisch für den Film exportiert. Während mein Laptop fleißig arbeitet, mache ich dann auch endlich Feierabend.

Hier schon mal ein Teil der Ausbeute:

Hurtigrute Tag 5: Tromsø

Schön – gestern war ordentliches Nordlicht, damit ist für alle der Erfolgsdruck weg, und wir können die Reise genießen. Da es morgens noch dunkel ist, verzichte ich auf Harstad und habe daher auch keine Ahnung, warum das Schiff mehrmals hupte. Die südgehende Hurtigrute wurde jedenfalls nicht begrüßt, oder zumindest hat sie nicht geantwortet. Waren die Teilnehmer vom Hike durch Harstad verloren gegangen?

Finnsnes

Als ich es aus dem Bett schaffe (war spät gestern), mache ich erst mal den Zeitrafferfilm von gestern fertig und gehe frühstücken. Der Blick aus dem Fenster zeigt nicht viel: Es schneit. Als wir Finnsnes erreichen, ist im dichten Schneetreiben nicht viel von dem Örtchen zu erkennen. Hoffen wir einmal, dass der Schnee allmählich liegen bleibt: Die Schlittenhundetouren in Tromsø und Kirkenes sowie die Schneemobiltour entlang der Barentssee wurden bereits abgesagt.

Dafür gibt es heute viele glückliche Gesichter: Das gestrige Polarlicht wirkt:-)

Trübe Polarnacht vor Tromsø

Diesen Vormittag haben wir nicht für einen Vortrag gekriegt, stattdessen gibt es vom Schiff Infos über Rentierzucht – einmal auf Deutsch, einmal auf Englisch, und dann gibt es schon wieder Mittagessen. Bei der Anfahrt auf Tromsø macht das Schiff einen Point of Interest zum Rystraumen (dem Gezeitenstrom vor Tromsø) und präsentiert Krabben. Im leichten Schneetreiben ist zumindest der Rystraumen nur schwach besucht, und ich habe auch keine Lust, mir die Anfahrt auf Tromsø vorne am Bug anzuschauen. Also noch etwas Verwaltungskram erledigen.

In Tromsø erwartet uns ungemütliches Wetter: Es ist noch nicht kalt genug für Schnee, also steht ein kleiner Stadtrundgang durch den Schneematsch an während schwerer, nasser Schnee herabregnet. Für mich ist das kein Problem: Ich bin über Silvester wieder hier (ich brauche auch mal Urlaub), also wird ein bisschen Weihnachtsschmuck gekauft, und dann ab auf’s Schiff – Bilder sortieren und Blog vorschreiben. Jetzt sind endlich mal Plätze im Panoramasalon frei.

Das Abendessen gibt es bereits um 18 Uhr, also noch bevor wir ablegen. Bei mittlerweile dichtem Schneefall lohnt es sich auch nicht, an Deck Polarlichtwache zu halten. Die Wolkenprognose bis Skjervøy ist 50/50.

Gabelstapler mit großer Ladung

Aber was sind schon Prognosen? Es gibt immer wieder Wolkenlücken und Sterne, aber der Himmel enthält nur Spuren von Polarlicht, garniert mit Schneeflocken. Sogar in Skjervøy gibt es nichts zu sehen außer dem Ort selbst. Schauen wir hier also dem Gabelstaplerballet zu (angeblich das meistfotografierte Motiv auf der Hurtigrute), mit dem einzelne Päckchen verladen werden, während zur Abwechslung nichts von der Skyline des Örtchens ablenkt.

A propos Abwechslung: Obwohl die Strecke eigentlich windgeschützt ist, ist doch gut Bewegung im Schiff.

Skjervøy

Als wir den Ort verlassen und Kurs über das offene Meer Richtung Øksfjord nehmen, schaukelt es sanft, aber deutlich. Ein letzter Rundgang um halb Zwölf zeigt noch ein paar helle Flecken, aber bis ich mit der Kamera vorne bin, hat es wieder zugezogen – wir steuern in eine Wolkenbank hinein, und die Gisch spritzt bis Deck 5 – hui! Aber bei dem Seegang hätte ich ohnehin keine Durchsage gemacht, einige sind froh, vom Bug wieder ins Schiff zu kommen. Für heute heißt es Feierabend.

Für die Barentssee morgen noch ist etwas mehr Seegang vorhergesagt, dafür soll es auch klarer werden.

Es bleibt spannend.

Hurtigrute Tag 4: Bodø und Svolvær

Heute ist der letzte Tag vor der Polarnacht, dementsprechend kurz sind die Tage. Bei bedecktem Himmel bleibt auch nicht viel von der ewig langen blauen Stunde übrig, durch die man die Reise im Winter trotz der fehlenden Sonne genießen kann.

Treffen mit der Nordnorge

Der erste Programmpunkt ist das Treffen mit der Nordnorge um 20 vor neun. Es kommt wie immer etwas überraschend: Da das Tagesprogramm nur auf Nachfrage in Papierform erhältlich ist und sonst lediglich auf den Monitoren steht, habe ich keinen Überblick mehr darüber, was wann passiert. Der Überblick über die Schiffsbegegnungen fehlt im Programm ohnehin, aber dafür wird Papier gespart.

Da ich meine letzte Tour auf der Nordnorge hatte, muss ich natürlich raus zum Winken, auch wenn es noch dunkel ist.

Bis wir Ørnes erreichen, dämmert es langsam, und man kann die Landschaft genießen. Im Osten stehen die schmale Mondsichel und die Venus als Morgenstern hübsch am Himmel. Zusammen mit der Reiseleitersprechstunde ist der Morgen dann auch gefüllt.

Ørnes ist einer der landschaftlich schönsten Häfen, auch wenn noch nicht viel Schnee auf den Bergen liegt. Zur Abfahrt steht eine arktische Zeremonie auf dem Programm: Die Überquerung des Polarkreises mitten in der Nacht hatte ich mir geschenkt, aber die Polarkreistaufe schaue ich mir natürlich an – oder zumindest den Auftritt von Njørd, der in diesen Breitengraden sei einiger Zeit Neptun ersetzt hat. In dem Gedränge auf Deck 7 ist dann eh nicht viel mit schönen Fotos, selbst wenn man die DSGVO ignoriert. Stattdessen geht’s zur etwas nach hinten verschobenen Reiseleitersprechstunde.

Irgendwann ertönt Musik: Das Postoffice hat offen, es gibt Stempel zur Polarkreisüberquerung. Dann noch kurz das Mittagessen einschieben und dann steht auch schon Bodø an. Um dem Ansturm am Buffet zu entgehen, essen wir erst nach dem Anlegen in aller Ruhe.

Bodø

Bodø ist eine moderne Stadt, bei der man die interessanten Ecken erst einmal entdecken muss. Das Museum, das Lachsmusem, das Cafe auf dem Scandic mit der schönen Aussicht, das Haus mit dem Polarlicht-Wandgemälde, die Gamle Salten und vieles andere kenne ich ja bereits, und da das Wetter zwar windstill, aber auch frisch und rutschig ist, mache ich nur einen kurzen Abstecher in die Stadt.

Mit der Weihnachtsbeleuchtung sieht Bodø ganz schmuck aus, und diesmal herrscht auch vorweihnachtliche Ruhe – der Lärm der startenden Düsenjäger vom NATO-Maneuver letzten Monat ist endlich verklungen.

Das Fotohuset Johnson in Bodø

Mein einziges wichtiges Ziel heute ist dienstlich: Ich brauche noch ein Bild vom Fotohuset Johnson, dem letzten Fotoladen vor dem Nordlicht (in Tromsø habe ich noch keinen in Hafennähe gefunden). Der Laden ist gegenüber des Rathauses und war schon für einige die letzte Rettung, wenn Ausrüstung für das Polarlicht gefehlt hat.

Zurück auf dem Schiff war für 15:15 eigentlich mein Vortrag über den Sternenhimmel geplant, aber nichts ist sicher: Wegen einer Veranstaltung des Schiffs verschiebt er sich auf 16:00. Und ich sagte gestern nach der Polarlichtprognose noch großspurig, sicher wäre nur, dass mein Vortrag heute um 15:15 wäre. Da die Sonne längst untergegangen ist, sehen wir aber auch mit dem späteren Termin nichts vom Landegode-Leuchtturm. Und morgen sind wir in der Polarnacht, da geht die Sonne gar nicht mehr auf. Also steht einem Ausflug in die Sterne und die griechischen Sagen nichts im Wege – außer vielleicht der Seegang im Westfjord?.

Weihnachtliches Svolvær

Zum Glück ist die Überfahrt über den Westfjord ruhig, auch wenn von der Lofotenwand natürlich nichts zu sehen ist – zu dunkel. Trotz ruhiger See erreichen wir Stamsund mit Verspätung. Die Zeit fehlt den Teilnehmern des Wikingerfests natürlich, die in Svolvær gerade noch rechtzeitig wieder an Bord kommen.

Ich hatte ja gehofft, dass wir auf der Fahrt nach oder in Svolvær Polarlicht sehen würden, aber stattdessen gab es nur einen schönen Sternenhimmel. Tja… also weiterhin hoffen, Satellitendaten anschauen und kurz durch Svolvær wandern, ein wenig die Beine vertreten. Das Abendessen heute war vegetarische: Pilz-Hafer-Buletten, die dank ausreichendem Gewürzeinsatz gar nicht mal schlecht geschmeckt haben.

Mein Nordlicht-Aufbau

Zurück an Bord heißt es dann ein paar Gespräche an Deck und Hoffnung darauf machen, dass das Polarlicht vielleicht in einer halben Stunde mitspielt. Und kaum bin ich in der Kabine, kommt die Durchsage “Vi har nordlys – wir haben Nordlicht”. Ich sag doch, wenn es klaren Himmel hat, gibt’s wahrscheinlich auch Nordlicht. Von kurz nach Svolvær bis zum Trollfjord haben wir eine Wolkenlücke, also schnalle ich meine Kamera an die Reling und lasse sie arbeiten.

Auf der Fahrt durch den Raftsund konnten wir eine nette Show erleben. Am Anfang gab es nur den großen, sehr blassgrünen Bogen des Nordlichtovals, zwischendurch immer wieder schöne Aktivität mit Bewegung und deutlicherem Grün.

Auch über dem Schiff gibt es immer wieder ein paar schöne Vorhänge aus Licht – eine nette kleine Korona. Es war noch nicht die ganz große Show, aber schon echtes Polarlicht, das begeistern kann (wenn man die Ausdauer hat, es komplett anzuschauen und nicht in die Kabine zurückging). Ich habe schon schlechtere Touren gehabt. Leider war es nicht möglich, die Weihnachtsbeleuchtung des Schiffs auszuschalten, sodass Deck 7 ziemlich unbrauchbar war. Zum Glück gibt es das Umlaufdeck 5.

Bis zum Trollfjord war das Nordlicht schön zu sehen, dann verschwand es hinter Wolken, und Schneefall setzte ein. Trotzdem: Nicht nur für den Einstieg eine schöne Show. Hoffen wir, dass es die nächsten Tage über noch mehr zu sehen gibt.

Hier wäre noch der Zeitraffer:

Übrigens: Da auf dem Schiff keine USB-Sticks von Gästen mehr angenommen werden, kann ich ihn auch nicht dem Expeditions geben. Den Film gibt’s also nur für unsere eigenen Gäste und im Internet, aber nicht auf der Nordkapp. Man sollte eigentlich meinen, dass Hurtigruten sich einen Virenscanner leiten könnte…