Spanien/SoFi 2026 Tag 7: Burgenroute, Waldbrände und Sos del Rey Católico

Ein letzter Sonnenaufgang in Añón

Adios, Añón! Schön war’s!

Heute steht ein langer Road Trip an: Erst einmal geht es quer durch das Ebro-Tal über Ejeo de los Caballeros bis zum Castillo de Loarre und damit in die Nähe der Pyrenäen. Das bedeutet fast zwei Stunden Fahrzeit, bevor das eigentliche Programm losgeht.

Viel zu sagen gibt es über die Fahrt nicht: Das Ebro-Tal ist immer noch flach, und viele Kilometer fahren wir mit Tempo 60 über eine Autobahn-Baustelle, auf der sich sogar was tut. Und die Baustellenstrecke ist breit genug, dass sich auch mit mehr Verkehr kein Stau bilden würde. Wenn ich da an unsere A6 denke, die seit mindestens dreißig Jahren dreispurig ausgebaut wird…

In Ejea ein kurzer Stop im Mercadona, und dann geht es weiter zum Castillo de Loarre, einer der schönsten Burgruinen Spaniens. Irgendwann verlassen wir die Autobahn und fahren in die Pampa, die Straßen werden schmaler und steiler (aber nicht schlechter), und der Ausblick lohnt sich. Ab und zu gibt es Parkplätze, die genutzt werden.

Außerdem fahren wir Richtung Wolken. Seltsame Wolken sind das – was als weiße, komprimierte Wolke anfängt, wird immer dunkler – wir fahren in die Richtung der Waldbrände, ist das wirklich schon der Rauch der Waldbrände? Jesses…

Erster Blick auf das Castillo de Loarre

Gut, dass wir der Gegend nicht zu nahe kommen. Aber die Karte mit den aktuellen Bränden ist auf dem Handy offen, und rund um Jaca ist die Hölle los. Einige Orte werden evakuiert, ebenso das Kloster San Juan de la Peña mit der Grabstätte der aragonischen Könige. Das hatten wir ursprünglich auch auf dem Plan, hat aber nicht reingepasst – jetzt wird da gerettet, was zu retten ist, bevor die Flammen kommen.

Schöner als die Rauchwolken am Horizont ist das Castillo de Loarre, das allmählich in Sicht kommt und mächtig am Berghang liegt. Über eine steile Straße geht es hoch zum Parkplatz, ein paar Meter (zum Glück nicht viele Höhenmeter) zum Besucherzentrum, wo wir die Eintrittskarte für Deutsche bekommen (das steht wirklich auf der Eintrittskarte…), und dann noch ein paar Meter weiter zur Burganlage.

Mächtig.

Sie ist innen zwar größtenteils Ruine, aber die turmbewehrten Außenmauern stehen noch, ebenso eine große Kirche und einige Türme und viele Mauern im Inneren. Der Ausblick: Gigantisch. Der Grundriss: Verwirrend. Die Lage: Knapp außerhalb der Totalitätszone der Sonnenfinsternis, trotzdem gab es hier eine Veranstaltung. Da waren bestimmt einige enttäuscht, die hier unwissentlich nur eine partielle SoFi gebucht hatten.

Aber heute ist Ruhe, wir haben Freitag, und der Besucherandrang ist überschaubar – nicht leer, aber auch nicht überfüllt.

Nachdem der Zugang zur Burg einfach war, machte das Castillo ab dem Eingang seinem wehrhaften Charakter alle Ehre: Es geht viele Stufen hoch in die eigentliche Anlage; auf halber Höhe zweigt die Treppe in eine große Kirche ab. Auch in der Burg gibt es viele Treppen; an vollständigen Gebäuden steht nicht mehr allzuviel, aber man sieht noch deutlich, wo Mönchskloster, Wohngebäude, Baracken für die Soldaten und repräsentative Wohngebäude waren.

Knapp eine Stunde erkunden wir die Anlage, dann sind wir wieder im klimatisierten Besucherzentrum. Bislang war Spanien souvenirtechnisch nicht allzu ergiebig, aber hier gibt es neben Kitsch auch ein paar hübschere Dinge. Ein Honig-Likör kommt mit; die Zierschwerter lasse ich da. Der Besuch auf der Burg lohnt sich auf jeden Fall.

A propos Souvenirs: In Soria, auf der anderen Seite, hatte man wohl auf mehr Tourismus gesetzt und Souvenirs produziert – aber nicht damit gerechnet, dass viele nur zur SoFi anreisen. Wir hatten dagegen eher das Problem, überhaupt einen Laden mit Souvenirs zu finden. Das Castillo de Loarre war der erste Touri-Shop, den wir hier gefunden hatten. Vielleicht hat Saragossa mehr zu bieten, eine Chance haben wir noch für die Hauptstadt der Provinz Aragon.

Jetzt geht es erst einmal weiter in entlegene Gegenden: Die Mallos de Riglos sind eine bekannte, 300 Meter hohe Felsformation, die schon aus weiter Entfernung zu sehen sind. Wir wollen hin und kommen bis zu einer Absperrung.

Mallos de Riglos

Wir nähern uns eindeutig dem Waldbrandgebiet, die Mallos de Riglos sind abgeriegelt. Schade eigentlich, aber den Rettungskräften wollen wir nicht in die Quere kommen. Auf der Fahrt sehen wir auch immer wieder Löschflugzeuge und -hubschrauber, dazu dunklen Rauchwolken…

Das nächste Ziel sind die Mallos de Agüero, ganz in der Nähe. Hier ist die Zufahrt frei, und wir sehen sie wunderschön mit dem Örtchen davor. Dort treffen wir auch ein paar SoFi-Jäger aus Tschechien – eine gute Gelegenheit, um sich bei Gruppenbildern abzuwechseln.

Anschließend folgen wir der Burgenroute von Slow Driving Aragon. Kurz vor Santa Eulalia de Gállego bietet sich ein schöner Ausblick auf das Tal und die Rauchwolke der Waldbrände. Danach fahren wir lange Zeit durch Niemandsland – eine einsame Bergstraße, praktisch kein Autoverkehr, und nach der Sonnenfinsternis haben wir erneut seltsames Licht – diesmal gefiltert durch Rauchwolken.

Das Dörfchen Fuencalderas mit seinen vielleicht dreißig Häusern lassen wir liegen, auch wenn es hübsche Gebäude haben soll. Mittlerweile ist es schon nach 14 Uhr, und wir haben noch ein Stück Weg zu machen. Es geht durch grünes, bewaldetes Niemandsland. Völlig überraschend taucht dann der Ort Biel hinter einer Kurve auf. Eigentlich wollten wir den auch überspringen, aber dann begrüßt uns ein gigantischer, 30 Meter hoher Burgturm. Mitten im Nirgendwo.

Castillo de Biel

Die Fahrt zum Castillo breche ich wegen der engen Straßen ab, keine Ahnung ob das zielführend wäre oder ob man überhaupt rein kann. Stattdessen suche ich einen Parkplatz am Picknickplatz neben der Brücke am Ortsrand für ein Foto af. Was auf dem Bild kaum rüberkommt: Wie trübe die Luft durch die nur 40 km entfernten Brände ist, wie schlecht die Luft ist, und was tatsächlich an Ascheflocken herunter regnet. Wir haben Glück und können einfach weiterfahren, der Tank ist noch voll. Mein Beileid für die Menschen, die hier wohnen. Nichts wie weg.

Luesia
Luesia

Der nächste Ort auf der Route ist Luesia. Auch hier liegt der Rauch dick in der Luft, was die Einheimischen aber nicht daran hindert, ein Fußballturnier auszutragen. Der Ort wird von den Resten der Burg und der daran angebauten Kirche dominiert, soll schöne alte Gebäude haben und in der Nähe noch ein ruhiges Wasserloch namens Pigalo zu bieten haben, in der Nähe des Campingplatzes. Als wir am Parkplatz hinter dem Ort für ein Foto halten, kommen ein Feuerwehrauto und einige andere Einsatzfahrzeuge angeschossen, um dort hoffentlich nur eine Lagebesprechung zu machen – wir schauen, dass wir zügig weiterfahren, bevor die Straße noch gesperrt wird.

Damit entfernen wir uns langsam vom Feuerherd (wenn die Karten noch aktuell sind), dafür nähern wir uns Uncastillo. Hier haben vor wenigen Wochen bereits Waldbrände gewütet und ihre Spuren hinterlassen. Wir fahren an verbrannter Erde vorbei, an herbstlich-braunen Bäumen und solchen, die teils verbrannt und teils immer noch grün sind.

Gespenstisch.

Uncastillo wäre eigentlich einen längeren Besuch wert gewesen, aber die Luft ist immer noch rauchig, und Parkplatzsuche ist ohnehin ein Thema für sich. Dazu kommt, dass das Castillo laut Tripadvisor vor allem am Wochenende offen hat und nicht mehr viel steht. Also ein längerer Fußweg durch den Ort, bei der Luft?

Ein Blick auf die Uhr: Viertel vor sechs. Wir entscheiden uns, doch weiter zu fahren. Bis zum Endziel ist es noch eine gute halbe Stunde. Wir machen noch ein paar Höhenmeter, und über gewundene Straßen nähern wir uns Sos del Rey Católico. Eigentlich hatten wir hier eine Ferienwohnung gebucht, aber der Vermieter hatte uns nahegelegt, zu stornieren – eine der beiden Klimaanlagen war defekt. Also hatten wir kurzfristig umgebucht in das ziemlich neue Hotel Triskel, in dem noch ein schönes Zimmer mit Balkon und Blick auf die Stadt frei war. Die Alternative wären Hotels im Ort, aber ohne Parkplatz gewesen.

Blick vom Hotelzimmer auf Sos del Rey Católico.

Es war keine schlechte Idee, hier zu buchen, nachdem die Klimaanlage das Zimmer erst einmal heruntergekühlt hatte. Ein gewisser Brandgeruch liegt immer noch in der Luft, aber wir haben gut Abstand vom Feuer und einen tollen Blick auf die Stadt. Für einen Gang in den Ort, um dort ein Restaurant zu suchen, fehlt die Energie. Das war heute doch mehr Fahrerei als gedacht. Also gibt es Süßkram auf dem Balkon mit Blick auf den Ort, der seit 1968 unter Denkmalschutz steht und fast verlassen wirkt. Vor hundert Jahren lebten hier noch fast 4000 Menschen, heute rund 500. Das meiste Licht kommt von Straßenlampen und Feuerwehrfahrzeugen…

Wie dem auch sei, für heute machen wir Schluss und lassen den Tag gemütlich ausklingen. Morgen geht es auf Teilen der Burgenroute wesentlich entspannter zurück nach Huesca – kürzere Strecke und somit weniger Fahrerei.

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