Spanien/SoFi 2026 Tag 4: Bardenas Reales und Tarazona

Full Spanish Breakfast

Die erste Nacht im Castillo de Añón de Moncayo, unserer Burg aus dem 13. Jahrhundert mit modernem Komfort (bequemes Bett, fließendes Wasser und leistungsstarke Klimaanlage) ist vorbei, und beim Frühstück gibt es eine kleine Überraschung: Die Burgherrin hat am selben Tag Geburtstag wie ich. Ob sie das bei der Sprachbarriere kapiert hat, weiß ich nicht, aber ich starte den Tag mit einem Full Spanish Breakfast: Frisches Brot, Tortillas, hausgemachte Marmelade, Melone, Tomate-Mozarella und O-Saft, dazu Zitronenkuchen und Croissants. Damit kommt man ähnlich weit durch den Tag wie mit einem Full Scottish Breakfast, aber es könnte gesünder sein als die deftige schottische Version.

Lecker ist es auf jeden Fall. Dann wird die Kühltruhe gefüllt, und es geht zum nächsten Abenteuer: Mit dem Sport-Kombi in die Halbwüste der Bardenas Reales. Dort erwarten uns Felsformationen, die eher nach Marokko gehören, und ein Paradies für Allrad-Fahrzeuge. Alternativ Reisen: Statt Schottland im Porsche mal Halbwüste im tiefergelegten Sportkombi. Ich bin gespannt…

Wir fahren eine gute Stunde durch das Ebro-Tal, bis die ersten Schilder auftauchen. Am Eingang der Bardenas ist ein Besucherzentrum mit vollem Parkplatz und zwei langen Schlangen: Einer für die beiden Unisex-Toiletten, und einer für den Info-Schalter, an dem man einen mäßig hilfreichen Flyer und sonst wenig Infos erhält. In der Mitte der Bardenas Reales ist ein Militärstützpunkt, da darf man nicht reinfahren, ansonsten soll man wegen Vogelbrutzeit und Schutzgebieten auf den Wegen bleiben, ansonsten kann man überall anhalten, wo man will.

Wir machen den harmlosen, etwa zweistündigen Rundkurs um den Militärstützpunkt. Die Landschaft hat schon was, und der erste Halt lässt nicht lange auf sich warten. Schilder gibt es keine, also am besten da halten, wo schon andere Autos stehen oder es interessant aussieht.

Die erste Station mit lauter vielleicht zwei Meter tiefen Cañons neben der Straße hätte ich beinahe übersehen. Eine interessante Mondlandschaft.

Man merkt, dass es hier auch mal regnet: Nicht nur, weil es doch einiges an Büschen gibt, sondern auch, weil die Lehmlandschaft von der Erosion geformt wurde. Die Straße ist übrigens eine normale Schotterpiste, Steinschlag ist die größte Gefahr. Aus gutem Grund gilt hier Tempo 40. Nur ein paar Geländewagen geben Gas und nebeln die Straße ein. Ein Stück Bardenas Reales nehme ich so bis nach Deutschland mit, mal sehen, was die heimische Waschanlage kann…

Neben diesen Canyons gibt es auch immer wieder schöne Felsformationen am Straßenrand. Die Hitze ist sogar erträglich, obwohl wir etwa von 11 bis 14 Uhr unterwegs sind. Dass man immer nur ein paar Schritte weg vom Auto gehen muss, macht die Sache sehr angenehm; dafür hat man immer wieder die selben Wohnmobile vor sich.

Obwohl das Gebiet auf einer gut ausgebauten Schotterpiste zu befahren ist, sahen wir trotzdem ein Auto mit Reifenpanne. Ich vermute, ein Mietwagen – da erhält man teilweise üble Reifen ohne Profil. Ich bin jedenfalls problemlos durchgekommen, die Bardenas stellen kein normales Auto vor eine Herausforderung.

Nach zweieinhalb Stunden waren wir dann fast am Ende der Rundfahrt, eine besonders markante Formation zog die Besucher an. Der Castil de Tierra ist eine Pyramide, bei der der härtere Deckstein die Erosion behindert und die irre Form verursacht hat.

Nach rund drei Stunden verließen wir die Lehmwüste – gerade rechtzeitig, um am Besucherzentrum vor verschlossenen Türen zu stehen. Siesta von 14 bis 15 Uhr. Nun, immerhin haben wir die Bardenas Reales gesehen. Morgen ist das Gebiet wegen Sonnenfinsternis geschlossen. Überhaupt wurden schon einige Straßensperren angekündigt. Gut, dass wir das heute gemacht haben.

Das nächste Ziel waren die nahe gelegenen Cuevas de Arguedas. Die haben wir aber nur aus der Ferne gesehen: Das Navi lotst mich in den Ort, von wo ich sie zwar sehe, aber nicht hinkomme; und im zweiten Anlauf finde ich nur Wohnmobilparkplätze, weiß aber nicht, wo ich parken könnte. Ich gebe auf und steuere Tarazona an, die nächste größere Stadt vor Añón de Moncayo.

Die Stadt hat noch fast 11.000 Einwohner, ihre einst blühende Streichholz-Industrie gehört mittlerweile auch der Vergangenheit an. Wir parken auf einem Parkplatz in der sengenden Sonne, es ist wärmer als in den Bardenas. Zumindest einen guten Blick auf die hochgelegene Altstadt haben wir von hier. Aber es ist heiß! Ohne einen großen Plan geht es erst zur imposanten Kathedrale, die auf das 12. Jahrhundert zurück geht. Sie liegt im Tal vor der Stadt, die Lage geht wohl auf wesentlich ältere Kultbauten zurück.

Der Eintritt in die Kathedrale ist mit 6 Euro noch erschwinglich (wobei wir das kleine Besuchspaket nehmen), und der Bau ist durchaus eindrucksvoll. Die Verständigung klappt halbwegs, und wir erhalten auch einen deutschen Audioguide, der aber nicht dazu motiviert, ihn komplett anzuhören. Egal, eindrucksvoll ist es allemal. Interessant sind auch die Fenster, die nur halb durchsichtig sind – ist das Alabaster? In Anbetracht der vielen Waldbrände entlocken mir die elektronischen Votivkerzen ein Lächeln.

Ohne großen Plan – auch wenn wir einen Stadtplan an der Kasse der Kathedrale mitnehmen – geht es dann noch auf einen kleinen Rundgang durch die Altstadt. Die ist durchaus eindrucksvoll, teilweise heruntergekommen und nicht auf Touristen ausgelegt. In der Altstadt finden wir weder Restaurant noch Eisdiele oder andere Läden, und in der Neustadt am Fuß des Hügels haben die Restaurants noch zu.

Fremdländische Küche

Der Rückweg führt an der Stierkampfarena vorbei und zurück nach Añón, mit einem kurzen Halt im Supermarkt, Abendessen kaufen. Anschließend vielleicht noch ein kurzer Abstecher zum Mirador de la Diezma? Warum eigentlich nicht. Kurz in Grisel abbiegen, die Straßen werden immer schmaler und sehen irgendwann nach Fußweg aus. Ich lasse das lieber und versuche zu wenden. Ein Einheimischer bietet seine Hilfe an und beschreibt den Fahrweg (ganz woanders), ich bedanke mich und fahre heimwärts, da ich mir die Beschreibung eh nicht merken konnte.

Und dann wird auf der Burg der Abend und der Sonnenuntergang genossen. Es ist perfekt klar, die Sonne steht zur rechten Zeit über dem Berghang – so darf es morgen bitte aus sein!

Spanien/SoFi 2026 Tag 3: Von den Pyrenäen durch das Tena-Tal in die Sierra de Moncayo

Regnerische Pyrenäen

Am nächsten Morgen ist nicht mehr viel übrig von dem guten Blick auf die Pyrenäen, der Himmel ist bedrohlich wolkenverhangen. Naja, lieber auf dieser Seite der Pyrenäen als in Spanien…

Nach einem hervorragenden Frühstück machen wir uns an die Pyrenäenüberquerung. Über schmale Straßen geht es Richtung Tena-Tal, das bei Slow Driving Aragon ebenfalls vorkommt. Ab dem ersten Dorf haben wir ein LKW-Gespann vor uns.

Sie kennen Deutschland, wo LKWs einen dank Tempolimits aufhalten? Das ist hier anders. Ich weiß nicht, ob LKWs hier (fast) so schnell fahren dürfen wie PKW, aber auch auf der normalen Landstraße sind sie kein Verkehrshindernis. Dieser LKW brettert die schmale Passstraße mit einem Affenzahn hoch, sodass ich schon Probleme habe, hinterherzukommen. Gleichzeitig belegt er eineinhalb Fahrspuren und fegt den Gegenverkehr auch gleich zur Seite. Leider fährt er irgendwann rechts ran, um uns vorbeizulassen.

In den Pyrenäen

In den Pyrenäen gibt es immer wieder ein paar Parkplätze, die zu einem Halt einladen. Hübsche Gegend, aber nur bedingt geeignet für einen leicht tiefergelegten Sportkombi. Beim Verlassen des ersten Parkplatzes sitze ich leicht auf. Am nächsten Parkplatz der nächste Halt – Flüssigkeiten verliere ich keine, also geht es weiter.

Die Wolken lassen wir auch hinter uns, und die Temperaturen steigen unaufhaltsam. Im Tena-Tal auf der spanischen Seite der Pyrenäen stehen dann viele Foto-Stopps an. Die Estacion Formigal begrüßt uns mit einem riesigen Parkplatz: Wir sind in einem Skigebiet gelandet. Das wird zwar gerade fit für den Winter gemacht, aber immerhin ein Toilettenstop ist möglich. Öffentliche WCs sind in Spanien Mangelware, also nutzen, was geht.

Ein paar Minuten weiter ist mit Sallent de Gállego ein richtig schönes Pyrenäen-Bergdorf. Es ist steil (auch mein Parkplatz), aber der Stop lohnt sich, um mal kurz durch die Gassen zu schlendern und sich die Beine zu vertreten. Sieht schon sehr ausländisch aus hier, aber sehr gepflegt.

Wir folgen im Prinzip der Ruta Maravillas de Tena y el Serrablo von Slow Driving Aragon, die für 150 km drei Etappen vorschlägt – was wohl drei Tagestouren bedeutet… da wir uns auf Fotostopps beschränken, nicht Wandern gehen und die Tierparks etc. ignorieren, schaffen wir das trotzdem an einem Tag.

Der Ort Lanuza ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil er für den Stausee versetzt wurde. Wir finden einen Ausguck auf den Ort ein Stück vorher und schenken uns den Stop im Ort; aus der Ferne wirkt er wohl ohnehin reizvoller – Lanuza punktet mit seiner Umgebung.

Blick auf Lanuza

Über kleinere, aber gut fahrbare Nebenstraßen geht es weiter nach Panticosa. Der schöne Ort liegt etwas abseits und wird als sehenswerter Erholungsort beschrieben; mangels Parkplatz machen wir eine Ortsbesichtigung mit dem Auto (hübsch, aber eng) und fahren dann am Embalse (Stausee) de Bubal vorbei und über die enge, einspurige Panoramastraße nach Hoz de Jaca. Mangels Haltemöglichkeit habe ich von Panticosa und der Strecke keine Bilder, aber vom Stausee.

Viel gibt es nicht zu sehen… der Stausee ist ziemlich leer. Wir erreichen einen kleinen Parkplatz (drei Parkplätze oder so) an einem Aussichtspunkt, von dem aus auch eine Zip-Line ins Tal führt. Die führt mich aber sowas von nicht in Versuchung… das mag ja sicher sein, aber ich würde den Flug nicht genießen. Ein paar Meter weiter ist dann auch schon der nächste Ort mit mehr Parkmöglichkeiten und einem Shuttleservice von der Talstation der Zip-Line. Das erklärt die prekäre Parkplatzsituation am Ausguck; draußen ist es aber auch schon heiß genug, dass ich froh bin, dass ich dort direkt parken konnte.

Auf der Fahrt nach Süden begrüßt uns dann die Ermita de Santa Elena hoch auf einem Berg. Wir biegen ab, ich habe die Dolmen de Santa Elena im Navi einprogrammiert, die am Fuß des Berges liegen, weit unterhalb von Einsiedelei und alter Festung. Da soll es einen Parkplatz geben; das Navi führt mich eine steile Schotterpiste hoch. Es gab nirgends ein Durchfahrt verboten Schild, und ein paar Haarnadelkurven heißt es dass “Ziel erreicht”. Danke, Tomtom – bei der Suche nach einer Wendemöglichkeit sehe ich die Dolmen tief unter mir im Tal. Ich wollte eigentlich nicht die 4×4-Piste hoch zur Festung nehmen… Dank Rückfahrkamera und mangels Verkehr kann ich aber wenden, und Apple Maps zeigt mir dann die richtige Abzweigung. Statt über eine steile Steinpiste geht es über eine staubige Sandpiste zu den beiden Dolmen und einer Parkmöglichkeit.

Zwei kleine Dolmen und ein Kunstprojekt, bei dem der keltische Baumkalender gepflanzt wurde, erwarten uns nach ein paar Metern Fußweg. Hübsche Kulisse, auch wenn die beiden Dolmen eher klein sind.

Das nächste Ziel wäre das Örtchen Biescas gewesen. Sehr hübsch, aber der volle Parkplatz liegt weit abseits des Ortskerns, und der Tag ist schon vorangeschritten. Also bleibt es bei einer kleinen Ortsrundfahrt. Den Abstecher nach Orós Bajo und Olivan überspringen wir, und da mein Navi aussteigt, verpasse ich die Abfahrt nach Lárrede mit seiner Kirche und dem dazugehörigem Interpretationszentrum. Stattdessen fahre ich direkt auf die Autobahn nach Saragossa. Nachdem ich mein Handy-Navi neu starte, spricht es auch wieder mit mir, und ich kann die eindrucksvolle Fahrt durch das schöne Pyrenäenvorgebirge genießen. Ein paar Baustellen gibt es, aber warum kriegen wir in Deutschland eigentlich keine so guten Straßen und gut organisierte Baustellen hin?

Als wir das Ebro-Tal erreichen, wird es langweilig. Die Gegend ist flach, nur in der Ferne grüßen ein paar Steilhänge. Das Grün fehlt allmählich, die Gegend ist verdorrt – aber viel besser sieht die Rheinebene gerade auch nicht aus.

In Saragossa steht Tanken an – Diesel für 1,60 statt 2,20 wie in Deutschland. Ich bin neidisch. Mittlerweile ist 16 Uhr durch. Zeit für einen kurzen Halt beim MacDonalds für etwas Essen, ein bisschen Proviant beim Lidl kaufen, und dann geht es weiter zu unserem Endziel: Noch eine gute Stunde ist es bis Añón de Moncayo. Das Bergdorf erreichen wir über gut ausgebaute Straßen, und die Landschaft wird auch wieder interessanter.

Über dem 2310 Meter hohen Moncayo-Berg hängen Wolken, ansonsten ist der Himmel klar. Ich bin gespannt, wie gut meine Idee war, ausgerechnet hier Sonnenfinsternis zu gucken…

Wir hatten schon die Vorwarnung erhalten, auf keinen Fall in den Ort zu fahren, und finden einen Parkplatz vor der Stadtmauer. Wie es sich für eine Burg gehört, ist der Zugang nicht barrierefrei, wir umrunden die alte Malteser-Festung mit unseren Koffern und checken ein. Die Burgherrin spricht nur Spanisch, aber es klappt trotzdem ganz gut, und wir beziehen endlich unser Quartier für die nächsten vier Tage. Der Burgturm ist jederzeit frei zugänglich, und das mit dem Sonnenuntergang könnte auch klappen.

Ein Burg-Restaurant gibt es nicht, wir lassen den Tag erst einmal ruhig ausklingen. Positive Überraschung: Es gibt auch eine Gemeinschaftsküche mit Mikrowelle und Kühlschrank. Das ist Gold wert, da ich meine Kühltruhe nicht quer durch den Ort ins Zimmer tragen will.

Spanien/SoFi 2026 Tag 2 – Von Lascaux Richtung Pyrenäen

Es gibt noch einen Grund, warum ich in Brive Station gemacht habe: Von dort ist es nur eine gute halbe Stunde bis zur Höhle von Lascaux, genauer gesagt zu Lascaux IV. Die originale Höhle (Lascaux I) ist in der Nähe und heute nicht mehr zugänglich; unzählige Besucher haben seit der Öffnung der Höhle 1948 zu viel Feuchtigkeit und Licht in die Höhle gebracht, dass die Höhlenmalereien nicht länger unbeschädigt überleben könnten. Bereits 1963 musste sie daher wieder für die Öffentlichkeit verschlossen werden, um die Malereien zu erhalten. Lascaux II ist der erste Nachbau eines Teils der Höhle und wurde 1983 nur 200 Meter neben der originalen Höhle eröffnet. In Lascaux III war ich schon einmal, 2019 in München: Dabei handelt es sich um eine Wanderausstellung, die nicht die komplette zeigt, sondern mehrere Meter große Kopien von besonders beeindruckenden Wandteilen mit Wandmalereien.

Wir waren jetzt in Lascaux IV, dem 2016 eröffneten vollständigen Nachbau der Höhle, vielleicht 400 Meter von Lascaux I & II entfernt. Die (originale) Höhle ist für ihre rund 17.000 Jahre alten Höhlenmalereien bekannt und stand schon lange auf meinem Plan. Was werden sich zukünftige Archäologen denken, wenn sie die Höhle und die Kopien finden – und werden dann in der Nähe noch einmal Kopien der Höhlenkopien für Besucher errichtet werden?

Das Besucherzentrum von Lascaux IV

Nun, heute sind wir in Frankreich, und man spricht Französisch – vormittags kann die Höhle nur mit Führungen erkundet werden, und die einzige englische Führung ist um 9:45. Wir haben rechtzeitig im Voraus gebucht, sodass genug Zeit bleibt, um vor dem Regenschauer in das Gebäude zu kommen, einen Blick in den Shop zu werfen (oh, oh, oh, das wird nicht billig) und uns in die Schlange für unsere Führung zu stellen. Alle fünf Minuten startet eine neue Gruppe, das ist perfekt durchgetaktet und ein wahrer Besuchermagnet. Wie erhalten freischwebende Kopfhörer und verstehen unserer Führerin, die perfektes Englisch spricht, wunderbar. Die Führung beginnt auf dem Dach des Besucherzentrums mit einem Überblick über die Region, die vor 17.000 Jahren am Ende der Eiszeit noch bei weitem nicht so bewaldet war wie heute. Die Höhle liegt am Hang eines Tals – ich muss zugeben, dass ich Lascaux immer näher am Mittelmeer verortet hatte und nicht so zentral in Frankreich.

Rund eine Stunden dauert der Besuch der Höhle, in der Fotoverbot herrscht. Ansonsten würden die Besucher vor lauter Blick in die Kamera nichts von der Höhle sehen und über die eigenen Füße stolpern, und die Taktung könnte nicht beibehalten werden. Macht aber nichts: Die Führerin zeigt alle wichtigen Details (oder zumindest so viele, wie man aufnehmen kann, ohne überfordert zu sein), und die Illusion der Höhle ist fast perfekt – es gibt nur ein paar Abkürzungen, sodass man aus Seitengängen nicht wieder zurückgehen muss.

Die Höhle selbst: Wow! Viel mehr Deckenmalereien, als ich gedacht hätte, und die Farben im Original sind vielfach in den Stein eingezogen, sodass sie wirklich so gut erhalten sein sollen. An anderen Stellen besteht die Höhle aus anderen Gesteinsarten, sodass die Farben verwittert sind, während nur die Felsritzungen mit den Umrissen der Tiere erhalten geblieben sind. Malen nach Zahlen war das damals beinahe…

Der Saal der Stiere ist – zumindest für die Astronomen – wohl der bekannteste Teil der Höhle, weil hier ein paar Punkte über einem Stier als Plejaden und Sternbild Stier gedeutet werden können. Der Saal mit überlebensgroßen Bildern ist imposant, die astronomische Deutung überzeugt mich jetzt nicht mehr so sehr. Es gibt noch mehr Punkte und andere Symbole in der Höhle, deren Bedeutung heute vergessen ist. Signaturen der Künstler? Prähistorische Notausgang-Schilder?

Sehr beeindruckend war auch das Panneau der schwimmenden Hirsche: Hirsche, die nur bis zum Kopf dargestellt wurden; der Schatten einer Kerze auf dem Boden spiegelte die Wasseroberfläche auf dem unregelmäßigen Felsen. Sehr cool.

Nach dem Besuch der Höhlenreplik ist man auf sich selbst gestellt und kann im anschließenden Museum mit einem Tablet weitere Reproduktionen erkunden, ähnlich wie in der Wanderausstellung. Hier darf man auch fotografieren. Dann gibt es noch drei Kinos, leider ohne Zeitangabe und Infos, was einen dort erwartet. Eines gibt künstlerisch die Entdeckung und Erforschung der Höhle wieder, eines ist ein “immersiver Raum”, der Höhlenmalereien auf Französisch Revue passieren lässt (an einer Wand sogar mit englischen Untertiteln), und im dritten waren wir nicht, weil unklar war, was uns da erwartet und wie lange es dauert. Draußen war derweil ein Wolkenbruch; als wir den Shop geplündert hatten, war das Wetter wieder gut, und die Temperaturen noch erträglich.

Bis zu unserem nächsten Ziel, der Unterkunft im Chateau de Druon am Fuß der Pyrenäen, sind es etwas über vier Stunden Fahrt – eher mehr, da wir die von Waldbränden geplagte Gegend um Bordeaux vermeiden und über Land fahren wollen. Da bietet sich ein Zwischenstop an. Der liegt strategisch ungünstig keine halbe Stunde weit weg: Der Roque Saint-Christophe ist ein fast einen Kilometer langer Abri, also ein Felsvorsprung, der seit der Steinzeit bewohnt ist und im Mittelalter ein Dorf mit gut tausend Einwohnern beherbergte, die dort vor den Wikingerüberfällen gut geschützt waren.

Das ist mal was ganz was anderes und auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man in der Gegend ist – und sei es nur wegen der Aussicht. Überhaupt hat das Perigord viel mehr zu bieten, als ich gedacht hatte.

Der Rest des Tages war ein Fahrtag – es waren dann doch vier Stunden am Stück, bis wir unser nächstes Ziel erreichten: Das Chateau de Druon, ein Schlösschen von 1870. Schon mit der Inneneinrichtung des Zimmers, die eher Richtung Steam Punk geht, hat es mich bei der Buchung rumgekriegt. Man gönnt sich ja sonst nichts:-)

Hier erwartet uns nicht nur ein Bed & Breakfast, sondern auch ein Drei-Gänge Überraschungs-Menü zum Abendessen. Ich will nicht zu viel verraten, nur so viel: Der Hauptgang war frischer Fisch aus der Region, und alles war sehr lecker. Unsere Gastgeberin sprach Englisch und hatte nicht nur einige Zeit an der badisch-elsässerischen (elsässische?) Grenze gewohnt, sondern auch noch die originale Höhle von Lascaux gesehen. Mit uns am Tisch waren zwei Engländer, die die Sonnenfinsternis in Saragossa beobachten wollten – für Tischgespräche war also gesorgt. Abgerundet wurde der Aufenthalt durch den abendlichen Blick auf die Pyrenäen samt Pic du Midi. Am nächsten Morgen war der Ausblick durch Wolken versperrt…

Auf zur Sonnenfinsternis 2026 nach Aragon in Spanien

Seit dem 11. August 1999 stand ein Termin fest in meinem Kalender: Die totale Sonnenfinsternis von 2026. Alle anderen erreichbaren Sonnenfinsternisse zwischen ’99 und ’26 hatten aus terminlichen oder finanziellen Gründen nicht geklappt; insbesondere die 2017 in den USA war schlichtweg zu teuer – stattdessen ging es damals erstmals nach Schottland, und seitdem immer wieder.

Für Spanien sollte mich aber nichts aufhalten. Ursprünglich war ja der Plan/die Hoffnung, mit einigen Freunden eine Finca auf der Finsternislinie zu buchen und das ganz entspannt von der Unterkunft anzuschauen, aber in “Spanisch-Lappland” sind Fincas Mangelware, und bis die Planungen in die Gänge kamen, gab es endgültig nichts mehr. Plan B war ein Wohnmobil, um einen Roadtrip durch Frankreich und Spanien zu machen, aber die Preise für ein Wohnmobil mit ausreichend Freikilometern und Vollkasko waren jenseits von gut und böse.

Überraschend wurde es Plan C: Das Castillo de Añón de Moncayo hatte am 18.8.2025 noch ein Zimmer frei – ausreichend für mich, wenn die anderen nicht in die Gänge kommen. Gesehen, gebucht, für vier Tage Mindestaufenthalt. Sehr cool: Vom Burgturm aus müsste die Finsternis gerade so zu sehen sein. Dann ging die Urlaubsplanung los: Wo gehen wir da eigentlich hin? Hat dieses Aragon (Aragonien?) irgendwas zu bieten?

Ja, überraschend viel – aus dem Plan, einen Roadtrip durch Frankreich mit Abstecher nach Spanien zu machen, wurden eineinhalb Wochen Aragon mit kurzen Stops in Frankreich. Die Region ist aber nicht auf Touristen ausgelegt: Es gibt zum Beispiel eine Webseite, die auf Spanisch etwa 40 Castillos vorstellt, auf Englisch vielleicht noch zehn und auf Deutsch rund vier…

Slow Driving Aragon war bei der Planung noch hilfreich, wobei zu spät klar wurde, dass das keine Tagestouren waren. Für den astronomischen Teil war ich besser vorbereitet, immerhin hatte ich mal wieder ein Buch dazu geschrieben. Knapp einen Monat vorher war alles an Technik finalisiert, nur eine Infrarot-Kamera kam noch kurzfristig dazu, ein paar neue SoFi-Brillen und ein Aufsatz-Graufilter für das Handy. Am Samstag, dem 8. August ging es dann los.

Anreise Tag 1: Von Karlsruhe nach Brive-la-Gaillarde

Gute 830 km war die erste Etappe lang, aus dem Badischen nach Brive-la-Gaillarde. Um das nicht zu stressig zu halten und nicht in aller Herrgottsfrühe losfahren zu müssen, wurde dieser Ort als Zwischenstop auserkoren. Eigentlich war Clermont-Ferrand geplant, aber Brive liegt näher an der Höhle von Lascaux. Interessante Zwischenstops auf der Fahrt durch Frankreich zu finden ist gar nicht so leicht, auf nicht ganz halber Strecke machte ich deshalb Halt in Dole. Das ist ein hübsches Örtchen, das noch viel alte Bausubstanz hat und einige Parkplätze am Ortszentrum. Deutlich weniger hübsch als der Ort selbst ist das öffentliche stille Örtchen an der Markthalle… Die Toiletten an der Autobahn sind besser gepflegt.

Neben einem kurzen Blick in die Markthalle (frische Nahrungsmittel brauchen wir jetzt nicht) langt die Zeit noch für einen kurzen Spaziergang zur örtlichen Kathedrale und durch einige alten Gassen, dann ab zur teuersten Tankstelle im Ort und weiter geht’s Richtung Westen.

Das ACE-Hotel in Brive-la-Gaillarde

Also ab auf die Autobahn, Maut blechen. Dafür sind die französischen Autobahnen in Top-Zustand, und es gibt was neues: Free Flow Maut. Ein paar Autobahnabschnitte haben die Schranken, Ticket-Automaten und Zahlstellen durch Kameras und den Hinweis ersetzt, dass man innerhalb von 72 Stunden bezahlen muss – sonst wird es deutlich teurer als die 4,20€ Maut. Bezahlen geht vor allem online, irgendwo sind angeblich auch ein paar Tankstellen, wo man vor Ort zahlen kann. Nun, die Umweltplakette für Frankreich hatte ich schon längst besorgt, ebenso Accounts bei den Mautbetreibern Sanef und Aliae angelegt. Irgendwann später konnte ich mein Auto bei Aliae durch einscannen vom KFZ-Schein auch bestätigen, die Benachrichtung über zu zahlende Mautgebühren hat trotzdem nicht funktioniert. Aber auf der Webseite war die Zahlung problemlos möglich – wenn man daran denkt, nachzuschauen.

Nachdem ich bislang immer nur nach Frankreich gefahren war und das Land als flach und langweilig kenne, war die Fahrt eine angenehme Überraschung: Wir durchqueren das Zentralmassiv, kommen auf über 1000 Meter Höhe und sehen die Vulkane der Auvergne. Deutlich hübscher als die Champagne.

Letztlich lassen wir die letzte Peage-Station hinter uns. Einige Euro ärmer erreichen wir abends Brive-la-Gaillarde an, checken im ACE-Hotel ein und landen in einer nahen Pizzeria, da der fest eingeplante Buffallo Grill mittlerweile eine Ruine war. Auf dem Dach stand nur noch U A Grill… Lecker war’s, nur zum Bezahlen sollte man die Tischnummer angeben, die nirgends stand. Die Bedienung hatte uns auf Französisch die Nummer vom Nachbartisch mit sechs Personen genannt und die Zahl dann auf dem Handy bestätigt, sodass wir doch unser Essen bezahlen konnten. Ab ins klimatisierte Hotel. Die Temperaturen lagen weit jenseits der 30 Grad. Gute Nacht für heute.

Sonne im Dwarf Mini – Originalfilter vs. Astrosolar OD5.0

ch bin mal wieder an den letzten Tests für die SoFi. Da will ich ja den Dwarf Mini für einen Zeitraffer durchlaufen lassen – der Filter bleibt auch während der Totalität permanent aufgesetzt, weil ich mich während der SoFi nicht um die Technik kümmern will. Für die Korona darf dann eine richtige Kamera dran.

Bei den Tests war mir schon aufgefallen, dass der Dwarf sich in der Sonne von ca. 23° Raumtemperatur auf bis zu ca. 43° erhitzt, und der Fokus sich dabei ordentlich verschiebt. Also sollte ich ihn mindestens ca. eine halbe Stunde vorher aufstellen, damit er auf Temperatur kommt und ich nicht nachfokussieren muss.

Auf Cloudynights kam die Überlegung auf, dass der Dwarf-Filter IR-durchlässig wäre, also habe ich jetzt mal einen Vergleich mit Astrosolar ND5 gemacht (nicht ganz fair, weil ich die Astrosolarfolie hinter eine Spikemaske geklebt habe, ich hatte sonst keinen Halter – hat in der Praxis aber nicht gestört).

Am Temperaturanstieg hat sich nur wenig geändert (die Temperatur stieg auf 40° statt 43° an, aber die Außentemperatur war heute auch kühler als beim Test mit dem Dwarf-Filter), nachfokussieren ist also weiterhin nötig.

Aber die Bildergebnisse sind vielleicht interessant:

Die Astrosolar-Folie ermöglicht etwas kürzere Belichtungszeiten und zeigt etwas mehr Strukturen am Rand. Für volle Auflösung anklicken, ich habe die Bilder nur beschnitten, nicht skaliert. Jeweils 20 Aufnahmen automatisch gestackt, oben der Stack, unten die automatische Bearbeitung durch Stellar Studio – bei Deep Sky ist die Software toll, für die Sonne kann ich sie mir sparen :)

Die Farbgebung hat der Dwarf automatisch gemacht, in der Vorschau war das Bild der Astrosolar-Folie weiß.

Im Zeitraffer-Video schaut es so aus, jeweils Screenshot, wobei die von verschiedenen Tagen sind. Hier verändert er die Farbe nicht.

Screenshot der Sonne mit dem Filter vom Dwarf
Screenshot der Sonne mit der AstroSolar OD5.0

Der Dwarf-Filter ist ästhetischer, die AstroSolar-Folie detailreicher – wird wohl auf die AstroSolar rauslaufen.

Was mir jetzt noch fehlt ist eine Möglichkeit, das Video vernünftig zu stabilisieren. Bislang scheitern meine Programme daran, die Sonne zappelt etwas.

Letzte Vorbereitungen für die Totale Sonnenfinsternis in Spanien

Bis zur SoFi in Spanien ist es nicht mehr lange hin, und die Zeit für die letzten Tests läuft langsam ab.

Letzten Donnerstag/Freitag ging die Sonne etwa da unter, wo sie auch am 12. August untergehen wird – Zeit für einen Test der Belichtungszeit. Ich plane ja eine Kamera mit 30mm-Objektiv laufen zu lassen, für eines dieser Komposit-Fotos. Das kam dabei raus:

Dabei habe ich alle zehn Minuten eine Aufnahme in das Bild eingefügt, und die Landschaft einmal vorher und einmal zu Sonnenuntergang fotografiert.

Die Erkenntnisse:

  • Eindrucksvoll, wie viel dunkler die Sonne in der letzten halben Stunde vor Sonnenuntergang wird
  • Einige Bilder wurde nicht gespeichert. Die D7100 hat ja zwei Speicherkartenslots, da muss ich einen als Backup konfigurieren, dass die Bilder auf beiden Karten gespeichert werden
  • In dem Maßstab sind Sonnenflecken auch in voller Auflösung praktisch unsichtbar.
  • Junge, ist der Kamerasensor dreckig. Reinigungsmittel ist bestellt; abpinseln hat nichts gebracht.

Wird spannend, die richtige Belichtungszeit zu finden. Wobei das der Anblick in Heilbronn ist; in Spanien sieht es etwas anders aus.

Baader Solar Projection Screen – bereit für die Sonnenfinsternis

Der BSPS am AstroMaster 90AZ

Es ist heute fast schon eine Seltenheit, dass es neue Produkte für visuelle Beobachter gibt. Irgendwie will gefühlt jeder in jedes Teleskop nur noch eine Kamera reinstecken… Aktuell rennen alle Smartscopes hinterher (zugegeben: Ich habe mir auch eines geleistet), und die Dinger funktionieren ja auch einwandfrei. Nur zu tun hat man dabei nichts.

Neu für visuelle Beobachter waren in letzter Zeit eigentlich nur die Houdini-Okulare, mit denen sich Benutzer von schnellen Newtons den Komakorrektor sparen können. Bringt mir aber nichts, ich hab keinen Newton.

Umso schöner ist, dass es mal was Neues für die Sonnenbeobachter gibt: Einen Sonnenprojektionsschirm, den Baader Solar Projection Screen, kurz BSPS. Als Vorwarnung muss ich gleich sagen: Ich bin da nicht ganz unparteiisch, da ich die Produktentwicklung als Betatester begleiten durfte und das Teil in diversen Prototypenstadien schon im letzten Sommer testen konnte. Das hat natürlich ganz gut gepasst, weil für mein Buch Sonne, Mond und Finsternisse (gibt’s wieder auf Amazon, und behandelt sowohl die kommenden Sonnenfinsternisse als auch die Sonnen- und Mondbeobachtung) eh gut im Thema drin war.

Sonnenprojektion mit dem Großteleskop

Die Sonnenprojektion ist natürlich die einfachste Möglichkeit, die Sonne mit mehreren Zuschauern gleichzeitig zu beobachten: Dabei nimmt man ein Teleskop mit (hitzebeständigem!) Okular und projiziert die Sonne auf eine weiße Fläche. Eine schöne Sache, bei der man auch gleich was über Optik und Bildentstehung lernt. Als ich in den 90ern mit dem Hobby angefangen hatte, war das auch noch eine gängige Methode bei uns auf der Sternwarte: Ein großer Projektionsschirm wurde am 150/2250mm-Refraktor befestigt, und die Sonne so gezeigt.

Was ich aber auch gelernt hatte: Es ist die gefährlichste Methode. Man muss immer eine Hand am Teleskop halten. Wir hatten es nicht nur einmal, dass irgendein Vater gemeint hat “Sohn, das ist Blödsinn, was der Kerl von der Sternwarte da erzählt, du kannst in das Okular reinschauen”. Das stimmt natürlich nicht und würde sofort die Netzhaut versengen, wenn da jemand reinschaut. Deshalb gilt bei der Sonnenbeobachtung immer: Nie das Teleskop unbeaufsichtigt lassen, und immer bereit sein, es schnell aus der Sonne zu schwenken.

Sonnenprojektion mit dem Billig-Refraktor

Mit einem kleineren Projektionsschirm sinkt das Risiko, dass jemand hineinschaut, aber es ist immer noch ein offenes System, wo jemand reinlangen kann. Das ist heutzutage durchaus problematisch… deshalb nutze ich bei öffentlichen Veranstaltungen eigentlich nur noch einen Folienfilter vor dem Objektiv oder besser einen Herschelkeil, das ist sicherer. Die klassischen Sonnenprojektionsschirme sind weitestgehend vom Markt verschwunden.

Der Sonnenprojektionsschirm hat jetzt den Charme, dass er wieder die Sonnenprojektion ermöglicht, und somit die Beobachtung der Sonne durch mehrere Beobachter gleichzeitig (ohne Kamera und Computermonitor dazwischen!). Das ähnelt der Sun Gun, verwendet aber keine Projektionstuch, sondern eine spezielle, feste Kunststoffscheibe. Sie wird fest mit einem Okularprojektionsansatz verschraubt, in dem ein geeignetes Okular sitzt. So kann niemand in den Strahlengang greifen. Das beste Bild liefert er beim Einblick leicht von der Seite, der sich durch den Einsatz des Zenitspiegels automatisch ergibt; wenn man senkrecht hineinschaut, ist das Bild je nach Teleskop zwar hell, aber nicht zu hell. Leicht von der Seite ist es optimal.

Coole Sache. Nachdem der große Sonnenprojektor von Solarscope nicht mehr erhältlich ist, gab es bislang ja nur noch den kleinen Sonnenprojektor von AstroMedia. Schön und günstig, aber man sieht auch, wie schnell die Sonne wandert. Mit dem BSPS kann ein vorhandenes Linsenteleskop genutzt werden. Das Sonnenbild ist dabei 6-8 cm groß; wesentlich kleiner darf es auch nicht sein, da die Scheibe sonst zu heiß wird und sich verformt. Wenn man die Sonne bildfüllend hat, wandert sie ohne Nachführung auch schnell aus dem Bild, aber ein Teleskop kann ja problemlos auf eine Montierung mit motorischer Nachführung gesetzt werden. Bei der Gelegenheit hatte ich mich auch einmal mit der Hitze im Teleskop beschäftigt: Auch ein Okularauszug aus Kunststoff ist kein Problem; dort wo er von der Sonne berührt werden könnte, bleibt er überraschend kühl. Dem Teleskop passiert also nichts, auch wenn die Sonne aus dem Bild läuft.

Sonnenprojektion mit Billigokular

Beim Okular sieht das schon anders aus, das ist nahe am Brennpunkt. Ein einfaches Okular mit Linsenfassung aus Kunststoff zeigt rasch Schmelzspuren, und seit jeher gilt der Hinweis, keine Okulare mit Kanabalsam als Linsenkit zu verwenden. Dieser Kit kann nämlich trübe werden, wenn er heiß wird. Für die Projektion empfiehlt Baader daher die hauseigenen Classic Ortho bzw. Plössl Okulare. Sie haben eine doppelte Feldblende aus Metall und überstehen die Sonnenprojektion; bei meinen Tests ist lediglich die Eloxierung ausgebleicht und etwas goldbronzefarben geworden. Ein übliches Problem, auch einige eloxierte Teile der Außenseite meines schwarzen Teleskops zeigen mittlerweile einen Goldbronzeschimmer…

Um den Schirm zu verwenden, braucht man einen Okularprojektionsansatz und ein für die Sonnenprojektion geeignetes Teleskop – also einen Refraktor mit bis zu etwa einem Meter Brennweite, wenn man die ganze Sonne sehen will. Getestet hatte ich ihn an allem vom VarioFinder 60/250 bis zum 150/1200 und 150/2250 Großrefraktor, an letzterem ist aber nur noch ein Teil der Sonne zu sehen. Am besten sind langsamere Teleskope, an lichtstarken Geräten ist das Bild bei gleicher Vergrößerung deutlich heller. Am 90/500 geht es aber auch problemlos.

Wenn man den Kartonbausatz einmal gebaut hat, ist die Montage einfach: Ein Okular in den Okularprojektionsansatz stecken, diesen an die Projektionsbox schrauben, und das ganze an den Zenitspiegel vom Teleskop. Okular und Okularprojektionsansatz gehören nicht zum Lieferumfang. Welches Okular man benötigt, hängt von der Teleskopbrennweite ab und steht auf der Kartonbox. Auch der Okularprojektionsansatz muss separat gekauft werden. Wer schon eine Zeitlang beim Hobby ist, hat wahrscheinlich schon einen in irgendeiner Schublade, die Teile gibt es mittlerweile für wenig Geld. Der “OPFA” von Baader besteht aus den üblichen T-2-Bauteilen. Das hat den Vorteil, dass man die Verlängerungshülsen auch anderweitig verwenden kann. Die Abstandsangaben aus der Anleitung beziehen sich natürlich auf den OPFA.

Am VarioFinder muss der OPFA mit dem Zenitprisma verschraubt werden

Der einzige Fallstrick kann dann noch das Teleskop sein: Es muss ausreichend Fokussierweg für die Okularprojektion haben. Um die zusätzliche Okularbefestigung auszugleichen, muss der Okularauszug ein paar Zentimeter weiter eingefahren werden als üblich. Bei ein paar Teleskopen konnte ich daher keinen normalen Zenitspiegel verwenden, sondern musste den OPFA mit einem T-2-Prisma verschrauben. So bin ich an jedem Teleskop in den Fokus gekommen. Nach ein paar Jahrzehnten Amateurastronomie hatte ich da genug Spiegel in der Schublade, und den meisten Sternwarten mit Öffentlichkeitsarbeit wird es ähnlich gehen. Alle anderen müssen ggf. nachmessen, bevor sie kaufen.

Geradsichtig ist möglich, aber mühselig

Theoretisch kann man die Projektionsbox natürlich auch geradsichtig an das Teleskop anbauen und kommt so auf jeden Fall in den Fokus, aber dann müsste man von unten auf die Box schauen. Und was die Sicherheit angeht: Sollte der Zenitspiegel aus dem Teleskop fallen, fällt das Sonnenlicht nach unten und nicht Richtung Beobachter. Bei geradsichtigem Aufbau entfällt diese zusätzliche Sicherheitsebene.

Mit Zenitspiegel und Teleskop hat man einen wunderbaren kleinen Aufbau, um die Sonne zeigen und verfolgen zu können. Mein mobilster Setup war der VarioFinder auf meiner alten StarAdventurer-Montierung. Das ist nicht nur für die Öffentlichkeitsarbeit praktisch, sondern auch für die nächste Sonnenfinsternis, um den Verlauf der partiellen Phase in Ruhe zu verfolgen. Und Spaß macht es auch:-)

Und noch was aus der Ecke Öffentlichkeitsarbeit: Gerade wenn man mobil unterwegs ist, läuft die Nachführung nicht immer ganz perfekt. Wenn man die Gäste dann fragt “Siehst du was?” und ein zögerliches “Jaaa…” kommt, ist die Sonne meistens rausgewandert. Mit einem kleinen Leitrohr kann man nicht nur die Nachführung überprüfen, sondern auch den wartenden Gästen zeigen, was es gerade zu sehen gibt.

BSPS als Leitrohr am Refraktor mit Objektivsonnenfilter

Jetzt natürlich zum Wichtigsten: Was sieht man überhaupt? Bilder sagen mehr als Worte:

Die Sonnenflecken sind deutlich zuerkennen, ebenso die Randabdunklung, und die Granulation geht auch ein wenig.

Was will man mehr?

Dauerhafte Stabilität und Kratzschutz vielleicht… Die Projektionsbox besteht aus Karton und kann verkratzen. Der Vorteil dieser Konstruktion ist natürlich, dass der Versand kein Problem ist, und man sie leicht zusammenbauen kann. Der Bausatz ist vorgestanzt und hat Klebestreifen, so ist die Konstruktion nicht komplizierter als die eines Objektivsonnenfilters. Wer etwas langlebigeres will, kann eine Box auch selbst 3D-drucken, die Druckdatei stellt Baader bereit – inklusive Schutzdeckel mit Sicherheitshinweisen wahlweise auf Deutsch oder Englisch. Mit ein paar Spax-Schrauben werden Projektionsscheibe und Gewindeadapter dann schnell verbaut, und man hat einen stabilen Projektionsadapter. Wenn man dann noch den Okularprojektionsadapter mit Okular angebaut lässt, ist das eine sichere Möglichkeit zur Projektion.

3D-gedruckte Box und die Karton-Box

Mir macht das Teil Spaß, auch wenn es natürlich keine Konkurrenz zum Herschelkeil ist.

Die Sonnenfinsternis im Zeitraffer

So, den ersten Schwung Bilder der Sonnenfinsternis vom 10. Juni 2021 habe ich nun durchgeschaut, den Rückblick gab’s ja schon im letzten Blogbeitrag. Meine Nikon D7100 hing ja am Coudé-Refraktor der Heilbronner Sternwarte und schoss jede Minute ein Foto. Das Teleskop ist ein 150/2250mm-Refraktor, mit Reducer liegt er etwa bei 1500mm Brennweite, sodass die Sonne komplett auf den Sensor der APS-C-Kamera passt.

Nun ist das Gerät aus den 1980ern, und irgendwo ist noch die Anleitung, die beschreibt, wie man die Nachführung auf Sonnengeschwindigkeit einstellen kann. Daher lief die Sonne regelmäßig aus dem Bild, und ich musste die Fotos manuell zentrieren. Die Helligkeitsschwankungen kommen daher, dass ich die Kuppel auch manuell drehen musste und nicht immer daran gedacht hatte.

Immerhin: Die erste Wolke kam erst in der Minute, nachdem der Mond nicht mehr vor der Sonne stand. Dafür kann man richtig zusehen, wie sich Staub auf dem Sensor ablagert. Da die Sonne über den Sensor wanderte und die Bilder nachträglich auf die Sonne zentriert wurden, sieht das so aus, als ob der Staub über die Sonne wandert. Immerhin ist er so besser von den kleinen Sonnenflecken zu unterscheiden.

Zeitraffer der partiellen Sonnenfinsternis vom 10. Juni 2021

Kleines Update: Der Vollständigkeit halber hier noch das originale Video, das nicht ausgerichtet wurde und das schön zeigt, wie sich Sonne und Mond mit anderen Geschwindigkeiten bewegen als die Sterne, auf die die Nachführung eingestellt war:

Ein Zeitraffer aus den selben Bildern, nur ohne manuelle Ausrichtung auf die Sonne.

Die Partielle Sonnenfinsternis vom 10. Juni 2021

Was Finsternisse angeht, waren wir in letzter Zeit nicht gerade verwöhnt worden. Mit rund 7% Bedeckung für Süddeutschland versprach das auch ein eher unauffälliges Schauspiel – nichts, was man mit bloßem Auge bemerken würde. Trotzdem gab es schon im Vorfeld Überlegungen, mal wieder einen LiveStream von der Heilbronner Sternwarte aus zu machen. Mit öffentlichen Veranstaltungen sah es in letzter Zeit aus den bekannten Gründen ohnehin mau aus…

Der VarioFinder mit Sonnenfilter

Schon im Vorfeld stand daher eine Neuanschaffung an: Ein Sonnenfilter für den Sucher vom C14. Dessen Brennweite von 250mm passt genau, um die Sonne bildfüllend auf die DMK Planetenkamera zu projizieren, die wir schon einmal für einen LiveStream genutzt hatten. Das hat im Test auch wunderbar funktioniert – allerdings hat die Kamera nur 640×480 Pixel Auflösung. Nicht gerade viel für heutige Verhältnisse.

Die Wetterprognose am Vortag

Der Probelauf mit dem Youtube-Stream eineinhalb Wochen vorher ließ dann auch den Wunsch nach mehr Auflösung aufkommen. Was tun? Nun, für Deep-Sky-Fotografie haben wir noch eine gekühlte ATIK Horizon auf der Sternwarte, die sollte doch auch dafür taugen. Im Prinzipja – nur schmierte die ATIK-Software regelmäßig bei dem Versuch ab, auf Youtube zu streamen, und im Herschelkeil war das Bild auch bei kürzester Belichtungszeit zu hell.

In der letzten Woche vor dem Ereignis ließ das Wetter keine weiteren Tests zu, erst am 10. konnte ich wieder testen – kurz, bevor wir live gingen. Die Wetterprognose war mäßig, aber überraschenderweise war es dann doch weitestgehend klar in Heilbronn. Es mag damit zusammenhängen, dass ich kurz vorher nicht nur einen Sonnenfilter, sondern auch einen Regenschirm besorgt hatte – das hat den Wettergott wohl völlig verwirrt.

Die Technik für den LiveStrem – die Aufnahmeoptik (der schwarze ED80/600) wird vom doch nicht benötigten weißen Sucher fast völlig verdeckt:-)

Jedenfalls lief gut eine Stunde vor dem Beginn der Finsternis die ATIK mit einem zusätzlichen Graufilter am Herschelkeil, und mit Bildschirmzoom auch bildfüllend. Das Bild wurde dann mit OBS abgegriffen und gestreamt. Ein Workaround, aber er funktioniert.

Also dem Kollege Bescheid geben, der aus dem HomeOffice den Stream starten konnte – im Gegensatz zu mir vor Ort konnte er auf dem Laptop was erkennen. Ohne Sonnenschutz war der Laptop nicht bedienbar…

Beim nächsten Mal werde ich wohl versuchen, mit Okularprojektion ein größeres Bild zu bekommen. Mit dem 36er Hyperion Okular habe ich an der DSLR eigentlich immer eine schön große Sonne gehabt. Aber das nächste Mal können wir den Stream dann auch vorher ankündigen, so hatten wir immer 35 Zuschauer auf sternwarte.org/live/.

Die Sonne im Weißlicht

Absolut ungewöhnlich war übrigens, dass ich die Sternwarte völlig für mich alleine hatte. Wochentags Mittags in Corona-Zeiten haben doch nicht zu viele Leute Zeit, erst recht nich von unseren Instrumentenscheininhabern – und wir hatten ja keine Veranstaltung angekündigt. Abstand halten und so. Ich nutzte die Gelegenheit, um meine DSLR mit Reducer an den Coudé zu hängen und im Intervallmodus minütlich ein Foto machen zu lassen. Leider hatte ich nicht mehr so viel Zeit zum Fokussieren, bzw. mich etwas vertan, und doch etwas mehr Staub auf dem Sensor als gedacht. Aber fürs Web langen die Fotos allemal. Und irgendwann muss ich nachschauen, wie ich die Nachführung unseres Coudé auf Sonnengeschwindigkeit einstelle, sie lief ein paar mal aus dem Bild. Macht aber nichts, ich habe die Kuppel auch nicht immer schnell genug gedreht.

Damit waren beide Hauptteleskope der Sternwarte mit Kameras belegt – und was mache ich jetzt? H-alpha! Wir haben ja einiges an mobilen Geräten, und ich hatte noch einen H-alpha-Filter dabei, den ich gerade teste. Also Ruckzuck den ED80 auf die CGEM gesetzt, die fest auf der Plattform aufgebaut ist. Ja, chic: Einige nette Protuberanzen, mehr Details auf der Sonnenoberfläche als die paar kleinen Sonnenflecken, die im Weißlicht zu sehen waren, und hübsch anzuschauen, wie sich die ganzen Krater und Berge am Mondrand vor der Sonnenscheibe abheben. Also die kleine Panasonic G70 geholt und drangehängt. Eine Farbkamera ist für die H-alpha-Fotografie leider nur mäßig geeignet, aber eine Quick-and-Dirty-Bildbearbeitung will ich doch nicht vorenthalten.

Die Sonnenfinsternis im H-alpha

Das Bild hinkt dem visuellen Eindruck meilenweit hinterher – ich müsste unterschiedlich belichtete Aufnahmen von Sonnenoberfläche und Rand ineinanderkopieren, um was hübsches draus zu machen, und wesentlich mehr Zeit in die Bildbearbeitung stecken, als ich gerade habe. Aber für einen Schnellschuss schon ganz nett. Irgendwann arbeite ich mich mal in die H-alpha-Fotografie ein…

Nur was mache ich jetzt auf der Sternwarte? Langsam gehen mir die Kameras aus… Also noch ein Teleskop aufbauen: Unser kleines Lunt wartet eh schon lange wieder auf Sonne, und ich kann mal testen, wie gut die NexStar SE mit einem Sonnensystem-Alignment funktioniert. Ich bin positiv überrascht: Der breitere H-alpa-Filter des Lunt 60 (0,75Å statt 0,6Å am ED80) zeigt erwartungsgemäß die Sonnenprotuberanzen heller, und die Montierung führt ziemlich ordentlich nach – vor allem, weil ich das Stativ ohne Wasserwaage aufgestellt hatte. Nett. Damit ist das auch die erste SoFi, die ich fast komplett in H-alpha beobachte – ein bisschen dekadent ist das schon:-)

Klarer Himmel über Heilbronn, und die Sternwarte ganz für mich alleine

Ich konnte aber nicht wiederstehen, die DMK mit einem billigen Reducer an das Lunt zu hängen – da kam aber nichts scharfes bei raus, also hatte ich doch ein Teleskop für die visuelle Beobachtung. Auch nicht schlecht.

Brav: Die Wolken kamen erst nach der SoFi – Bild von 13:26.

So vergingen die zwei Stunden recht zügig, und das Wetter hielt sich bis zuletzt. Erst wenige Sekunden nach der Finsternis schob sich die erste Wolke vor die Sonne. Ich muss öfter Regenschirme vor astronomischen Ereignissen kaufen…

Gegen Ende war auch schon fernes Rumpeln zu hören, und als ich endlich alles abgebaut hatte, kamen auch schon die ersten Regentropfen. Auf der Rückfahrt erwischte mich auf der Höhe von Schwaigern dann auch noch ein regelrechter Wolkenbruch – es bewahrheitet sich also immer wieder, nach einer SoFi kommt Regen. Das war schon 1999 so:-)

Damit war das eine entspannte kleine Abwechslung zu den üblichen Veranstaltungen auf der Sternwarte und wieder einmal schön anzuschauen – ich hatte weniger erwartet. Trotzdem wäre es nett, wieder einmal Veranstaltungen mit Gästen vor Ort zu machen…

Bereit für die Sonnenfinsternis am 20. März?

Der Verlauf der totalen Sonnenfinsternis vom 20. März 2015. Quelle: http://eclipse.gsfc.nasa.gov/SEplot/SEplot2001/SE2015Mar20T.GIF

Der Verlauf der totalen Sonnenfinsternis vom 20. März 2015. Quelle: NASA/Fred Espenak

Am 20. März 2015 ist es mal wieder so weit: Der Mond steht genau zwischen Erde und Sonne, und sein Schatten streift über die Erde. Wer Glück hat, kann eine totale Sonnenfinsternis beobachten – aber das Glück haben eigentlich nur einige Forscher auf Svalbard/Spitzbergen. Wer nicht auf Glück setzt, sondern sich vorbereitet hat, hat schon ein Flugticket nach Spitzbergen, ansonsten sieht es schlecht aus mit der Beobachtung: Der Kernschatten verfehlt so ziemlich alles, was es an Festland gibt, nur die Faröer-Inseln und die Inselgruppe Spitzbergen (Svalbard) liegen direkt im Pfad des Schattens und bieten so die einzige Möglichkeit, diese Sonnenfinsternis vom Festland aus zu sehen (wenn das Wetter mitspielt).

In Europa ist die Finsternis nur partiell zu sehen, aber rund zwei Drittel der Sonne werden von Süddeutschland aus durch den Mond bedeckt, im Norden Deutschlands sogar noch mehr – rund 80%. Das ganze findet am Freitag Vormittag statt, ca. zwischen 9:30 und 12 Uhr. Die genauen Zeiten hängen vom Beobachtungsstandort ab, am besten simuliert man den Anblick einmal mit einem Planetariumsprogramm wie Stellarium (für PC und Mac) oder einer App wie SkyPortal für Android oder iOS (alles kostenlose Software; für den Mac empfehle ich eine etwas ältere Version von Stellarium – die neuen laufen bei mir nicht so flott).

Da die Finsternis bei uns nur partiell ist, muss die ganze Zeit über ein geeigneter Sonnenfilter verwendet werden, wenn man in Sonne schaut – das gilt insbesondere, wenn man sie fotografiert oder mit einem Teleskop/Fernglas verfolgen will! Wie immer gilt:

Nie ohne geeigneten Filter in die Sonne schauen, und Sonnenfilter immer vor dem Objektiv anbringen!

Ansonsten sind bleibende Augenschäden vorprogrammiert, die auch nicht heilbar sind. Die Okularsonnenfilter, die es immer noch viel zu oft bei günstigen Einsteigerteleskopen gibt, können platzen, und dann hat man keine Zeit, rechtzeitig wegzuschauen. Zur Sonnenbeobachtung verweise ich mal generell auf das Kapitel in meinem Astronomie-mit-dem-Fernglas-Buch, das ja online frei zugänglich ist.

Sonnenfilter aus Glas (links) sowie selbstgebaute aus Astrosolar-Folie

Sonnenfilter aus Glas (links) sowie selbstgebaute aus Astrosolar-Folie

Zum Glück gibt es geeignete Sonnenfilter, und wer die 1999er Sonnenfinsternis miterlebt hat, hat evtl. sogar noch eine SoFi-Brille. Mit diesen Brillen kann man die Finsternis gefahrlos mit bloßem Auge beobachten, Anbieter sind vor allem Baader Planetarium als Hersteller der AstroSolar-Folie und AstroMedia. 1999 war die Brille in den letzten Tagen vor der Finsternis weitestgehend ausverkauft, und auch dieses Mal sollte man sich rechtzeitig damit eindecken, damit der Versand auch eine Chance hat. Amazon hat die Brille auch, aber bereits zu Mondpreisen von 8,86 Euro (Stand 10. März)… Von Schweißergläsern und anderen Bastellösungen ist nur abzuraten: Hier weiß niemand, wie gut sie UV und Infrarot filtern, auch wenn das Bild angenehm erscheint – und im Auge sind keine Schmerzrezeptoren, sodass man nicht merkt, was alles an Schäden angerichtet wird.

Wer fotografieren will, braucht unbedingt einen Filter vor dem Kameraobjektiv, ansonsten wird bei einer Sucherkamera das Auge beim Blick durch den Sucher geschädigt, und bei einer sucherlosen Kompaktkamera nur das Kamerainnenleben eingeschmolzen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Man kann einen Filter aus einem Bogen AstroSolar-Folie (ND5 für visuelle Beobachtung; die fotografische Folie ist vor allem für ein Teleskop mit langer Brennweite und/oder Okularprojektion gedacht, wenn das Bild durch die Vergrößerung zusätzlich dunkler wird) selber bauen, das ist die günstigste und flexibelste Möglichkeit.

Die Alternative ist neu auf dem Markt: Baader bietet die Folie jetzt auch in einer Reihe flexibler Fassungen an. Die ASBF-Filter sind für Kameras und Ferngläser gedacht (sie haben eine abgeflachte Fassung), die ASSF sind im Prinzip baugleich, haben aber eine runde Fassung und können daher nicht am Fernglas verwendet werden. Bei den ASTF für Teleskope ist die Fassung etwas anders, damit auch bei langen Beobachtungssessions die Folie nicht durch die Hitzeausdehnung der Fassung verspannt wird. So bleibt das Bild immer gut – mit einem älteren Filter in schwarzer Fassung hatte ich tatsächlich die Erfahrung gemacht, dass das Bild nach ein paar Stunden schlechter wurde. Hier war wohl die Fassung zu warm geworden, und die Folie stand unter Spannung.

Wer mit einem Linsenteleskop ernsthaft in die Sonnenbeobachtung einsteigen will, kann natürlich auch über einen Herschelkeil nachdenken, aber das ist schon eine größere Investition – und geht nur am Refraktor.

SoFi-2011Das Bild oben ist mit einem Herschelkeil entstanden, als im Januar 2011 eine schöne partielle Finsternis über Deutschland zu sehen war. Allerdings stand die Sonne nicht sehr hoch, und eine Wolkenbank hat einiges mehr an Strukturen auf die Sonne gebracht, als da eigentlich zu sehen war… Trotzdem ein nettes Erlebnis, und wenn das Wetter mitspielt, können wir dieses Mal noch mehr sehen.

Um mal noch mehr Werbung zu machen: Am 12. März (also diesen Donnerstag) halte ich bei Foto Sauter in München einen Vortrag unter anderem zu diesem Thema, da sind noch Plätze frei – kostet aber Eintritt.

Und am 20. März hat die Heilbronner Sternwarte natürlich auch zur Beobachtung der SoFi geöffnet, aber nur bei gutem Wetter: https://sternwarte.org/veranstaltungen/?id=2929562. Da ist der Eintritt frei, dafür ist die Veranstaltung wetterabhängig.