Das Weltall in 3D mit dem Space Walker 3D Fernglas

Erfahrene Sternfreunde sehen in Teleskopen keine Sterne, sondern Optikfehler. Das klingt zynisch, ist aber so – ich habe es selbst schon einmal erlebt, dass bei einer Saturnbeobachtung alle vom Anblick begeistert waren, während ich als erstes den Muschelbruch vom Okular bemerkt hatte. Und dann kommt ein Laden Namens 3D Astronomy und klebt Glasplättchen ins Okular, um ein dreidimensionales Bild zu erzeugen. Dabei weiß doch jeder, dass sich so wenig wie möglich im Strahlengang befinden soll.

Kein Wunder also, dass ich auf dieses Lederman Optical Array neugierig geworden bin, das zuerst in den 21mm 3D-Okulare (Astroshop) und jetzt in einem 3D Astro 8×42 Fernglas verbaut wurde. Erfunden hat das ganze Russ Lederman von Denkmeier Optical (auf Astronomyconnect gibt es ein Interview mit ihm dazu). Der Trick ist, dass ein Okular im Prinzip ein kontrolliertes Doppelbild erzeugt, bzw. einen Teil des Bilds versetzt. Angeblich musste er dazu auf ein neues Okulardesign zurückgreifen, damit es funktioniert.

Neumodisches Teufelszeug… Kann das funktionieren? Zum Glück habe ich nicht nur zwei Bücher über Astronomie mit dem Fernglas geschrieben, sondern kenne auch die richtigen Leute – als mir Stefan, den ich noch aus Heidelberg kenne und jetzt beim Astroshop ist, daher das Fernglas zum Testen anbot, habe ich natürlich sofort zugegriffen. Leider kam es erst an, nachdem ich schon nach Mallorca gestartet war, aber zurück in Deutschland war das Wetter gnädig: Ein paar Tage klarer Himmel bei abnehmendem Mond waren ideal, um dem 3D-Versprechen nachzugehen. Dazu muss ich sagen, dass ich im Kino die klassischen 2D-Filme bevorzuge, da bringt mir der 3D-Hype nichts. Mal sehen, wie’s im Universum ausschaut – Avatar war ja auch einer der wenigen Filme, die von 3D profitiert haben.

Der Lieferumfang des Space Walker 8x42

Der Lieferumfang des Space Walker 8×42

Auf den ersten Blick ist das Space Walker Fernglas hochwertig, aber unauffällig: Ein ordentliches 8×42 Dachkantfernglas. Zum Lieferumfang gehören zwei geflügelte Augenmuscheln, der übliche Regenschutz für die Okulare (dieser Doppel-Deckel, den man Tragegurt befestigen kann), zwei Objektivdeckel, die am Tubus befestigt sind, und eine etwas hochwertigere Tasche. Dazu noch Tragegurt und das allgegenwärtige Putztuch, sowie zwei Bedienungsanleitungen (eine für ein normales Fernglas, und eine für die 3D-Besonderheiten).

Die technischen Daten sind nicht schlecht:

  • 8×42 Dachkantfernglas
  • Phasenkorrigiert FMC-Vergütung (Fully Multi Coated)
  • Dielektrische Prismenvergütung
  • BaK4-Prismen
  • 60° Eigenbildfeld
  • 188 Fuß auf 1000 Yards, also in ordentlichen Einheiten ein Bildfeld von etwa 172m auf 1000m oder etwa 9,8°, wenn ich mich nicht verrechnet habe
  • Gummiarmiert
  • Wasserdicht
  • verstellbare Augenmuscheln (und somit Brillenträgertauglich)
  • geflügelte Augenmuscheln als Streulichtschutz
  • Dazu kommen Tragetasche und Trageriemen
Der Quell des 3D: Plättchen in einem Okular

Der Quell des 3D: Plättchen in einem Okular

Also ein gutes, handliches Dachkantfernglas. Nichts liegt näher, als das mit einem ähnlichen Glas zu vergleichen; das Celestron TrailSeeker 8×42 war da ganz gut geeignet. Mit knapp 300 Euro Listenpreis ist es ein gutes Stück günstiger als das Space Walker 3D Bino, aber natürlich auch ohne 3D; ohne 3D dürften beide in der selben Liga spielen.

Der erste Blick ist so ernüchternd wie erwartet: Bei Tag ist das Bild mäßig; die drei Glasplättchen sind deutlich zu sehen. Das Bild ist zwar deutlich plastischer, aber dafür erscheinen Bereiche gegeneinander verschoben zu sein. Es sieht nach Doppelbildern aus, auch wenn irgendwie doch kein Versatz zu erkennen ist und das Fernglas auch keine Kopfschmerzen verursacht. Ein ganz seltsamer Effekt, aber wie erwartet: Irgendwelche Sprünge im Lichtweg sind Blödsinn. Aber fairerweise: Das Fernglas ist ja als Nachtglas gedacht und nicht für den Einsatz am Tag. Mittlerweile weiß ich auch, an was mich das irgendwie erinnert: Ein Kaleidoskop:-)

Bis es dunkel wird, gibt es also noch genug Zeit, um einen Blick in die beiden Bedienungsanleitungen zu werfen. Die erste ist der typische mehrsprachige Waschzettel aus China, der die Handhabung von Ferngläsern ganz allgemein beschreibt. Der zweite beschreibt die Eigenheiten des LOA: Es macht am meisten Spaß bei dunklem Himmel, wenn die Glaskanten nicht mehr zu sehen sind. Okay, das ist bei Tag natürlich nicht gegeben.

Als es endlich dunkel geworden ist (immerhin haben wir noch August, aber im Gegensatz zum Norden Deutschlands gibt’s hier im Süden wenigstens noch etwas Nacht), gehe ich mit dem Fernglas für einen kurzen Test raus auf den Acker. Um mit den Nachteilen anzufangen: Der Tragegurt der Tasche langt nur, um sie mir um den Hals zu hängen, aber nicht als Schultergurt. Da es ein Leihgerät ist, will ich den Umhängegurt nicht am Fernglas befestigen. Zweiter Nachteil: Es hat (genau wie das TrailSeeker) eine geschlossene Brücke und ist daher nicht ganz so griffig wie ein Fernglas mit offener Brücke, bei dem man die einzelnen Tuben mit der Hand umfassen kann.

Aber genug gelästert, jetzt wird mal durchgeschaut. Zu den Bedingungen: Die Milchstraße ist im Zenit schwach, aber eindeutig zu erkennen, der Himmel ist also nicht ganz schlecht. Der erste Blick in den Himmel:

Wow.

Das funktioniert wirklich. Die Sterne scheinen tatsächlich unterschiedlich weit entfernt zu sein. Ein Schwenk durch die Milchstraße und Richtung Schütze: Hammer! Die offenen Sternhaufen treten deutlicher hervor, obwohl der 3D-Effekt natürlich willkürlich ist und nichts mit den realen Abständen zu tun hat. Reine Show, aber eine verdammt gute. Blick Richtung Osten, zur Andromeda: M31 hängt als deutlicher Nebelfleck zwischen den Sternen. Leider nicht dahinter, aber der Anblick ist trotzdem beeindruckend.

Viel mehr Zeit bleibt an diesem Abend nicht (morgen früh klingelt der Wecker), aber der erste Eindruck war Wahnsinn.

Ein normales 8x42 TrailSeeker-Fernglas und das 8x42 Space Walker 3D

Ein normales 8×42 TrailSeeker-Fernglas und das 8×42 Space Walker 3D

Die nächste Nacht: Jetzt geht’s mit Auto, Stativ und zusätzlich dem TrailSeeker raus auf den Acker. Die erste Erkenntnis: Verfluchte Dachkantferngläser. Ich habe zwar einen schön stabilen Stativadapter, aber der passt an keines der beiden Ferngläser, weil er zu breit ist. Also muss doch mein Auto als Stütze herhalten. Beide Ferngläser sind sehr klein und kompakt, daher ist es nicht so einfach, sie freihändig zu halten.

Mein erster Gedanke war eigentlich, dass ich mir das Fernglas als 7×50-Porro wünschen würde, aber die Wahl der Daten macht schon Sinn: Der 3D-Effekt wirkt bei dunklem Himmel und etwas Bewegung am besten, da wäre ein ruhig zu haltendes Fernglas wohl kontraproduktiv. Außerdem hat ein 8×42 nur eine Austrittspupille von etwa 5mm, also ein relativ dunkles Bild – was gleichzeitig bedeutet, dass der Himmelshintergrund dunkler wird, ohne dass man gleichzeitig weniger punktförmige Sterne sieht. Und als „Spaß-Glas“ ist Transportabilität wichtiger – auch wenn ein Porro preiswerter wäre. Passt also letztlich schon.

Der Überraschungseffekt der ersten Nacht ist nun natürlich verflogen, aber es macht immer noch Spaß. Das TrailSeeker zeigt am Himmel nicht weniger, aber das Bild ist nun mal flach und im direkten Vergleich langweilig. Also mal die Milchstraße abklappern. Schütze: Viele kleine Sternhaufen, sehr nett. So auffällig sind sie im normalen Fernglas nicht. M31: Chic wie beim ersten Mal. Der Ringnebel: Vielleicht zu erahnen, es sind halt nur 42mm Öffnung. Der Kleiderbügel: Nice. h und Chi Persei: Zwei Sternklumpen vor der Milchstraße. Melotte 20 im Perseus: Umwerfend, der erschlägt einen beinahe. (Wer übrigens Beobachtungsziele fürs Fernglas sucht, wird hier fündig.)

Dann mal der direkte Vergleich mit dem TrailSeeker an Mizar und Alkor: Beide zeigen Mizar, Alkor und den 7,5m Feldstern problemlos, bei den Sternchen 9. Größe ein Stück weiter links zeigen sich langsam Unterschiede: Im TrailSeeker sind sie noch gut zu erkennen, im Space Walker sind sie noch gut zu erahnen. Das TrailSeeker hat also ein etwas helleres Bild.

Aber für echtes Arbeiten (Veränderliche Sterne schätzen oder so) würde ich ohnehin zu einem normalen Großfernglas greifen, bei dem es auch keinen leichten Versatz zwischen den Flächen gibt. Wenn man kritisch ist, lässt sich auch ein Helligkeitsabfall zu Rand erkennen. Aber man beobachtet ja doch in erster Linie in der Bildmitte.

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Fazit der zweiten Nacht: Der 3D-Effekt begeistert mich immer noch; das Fernglas löst tatsächlich einen gewissen Haben-Will-Reflex aus. Hätte ich so nicht erwartet.

Und noch eine Nacht: Letztes Wochenende hatte ich es auf der Sternwarte Heilbronn dabei, man will ja interessantes Spielzeug auch mal zeigen. Dummerweise war es etwas diesig, und der gute Stadthimmel setzt den 42mm Öffnung natürlich Grenzen. Trotzdem hat es sich gegen ein zwanzig Jahre altes 7×50 Porro von Photo Porst ganz gut geschlagen und sogar ein paar Sterne mehr gezeigt. Aber es waren nur selten so viele Sterne im Bild, dass der 3D-Effekt zum tragen kam. An der beleuchteten Kilianskirche am Horizont nach Sonnenuntergang war der 3D-Effekt aber auch schon zu erkennen, und das LOA fiel nicht so sehr auf. Sehr interessant war, wie unterschiedlich verschiedene Beobachter darauf reagierten: Mal war es einfacher zu halten als das größere 7×50 Porro, ein einziger Beobachter sah verschiedene Schärfebereiche, andere konnten den 3D-Effekt bestätigen oder sahen ein besseres Bild als 7×50 Porro. Wieder ein anderer konnte den 3D-Effekt nicht nachvollziehen und hat die Bildfehler deutlich störender empfunden.

Fünf Leute, sechs Meinungen…

Es ist also gewiss kein Glas für alle, aber mir macht der Effekt einfach nur Spaß – aber es setzt definitiv einen guten, dunklen Himmel voraus, an dem auch ein normales 42mm-Fernglas Spaß macht.

Da denkt man, man hat alles schon mal gesehen, was mit 42mm Öffnung geht, und dann hat man auf einmal wieder Lust, auch in Deutschland raus auf den Acker zu gehen. Was jetzt noch fehlt ist ein Test am Nachthimmel mit Mond – aber da muss ich noch warten, bis er wieder am Abendhimmel zu sehen ist. Bis dahin ist meine Motivation eher gering, das Fernglas wieder herzugeben…

 

Share on Tumblr

Bilder aus Mallorca

Testaufbau für die Sonnenfinsternis

Testaufbau für die Sonnenfinsternis

Der Urlaub ist schon wieder vorbei, und ein paar Projekte neigen sich ebenfalls dem Ende entgegen – Zeit, mal wieder das Blog mit Inhalt zu füllen, auch wenn’s nur Urlaubsbilder sind – und nicht mal aus Skandinavien, sondern aus einer Woche Mallorca. Da unten sollte es im August ja eigentlich gutes Wetter geben, also war das gleich die Chance, die Ausrüstung für die Sonnenfinsternis nächstes Jahr einmal zu testen.

Das hat auch hervorragend geklappt: Ich habe prompt die Winkelschiene vom Star Adventurer vergessen und das 1kg-Gegengewicht umsonst nach Malle geflogen. Immerhin, bis auf zwei Wolkentage hat das Wetter auch gehalten. Einnorden mit Handy-Kompass funktioniert wohl gut genug, und die Nachführung sollte ebenfalls okay sein, das ist schon einmal vielversprechend für nächsten August. Nach drei Stunden in der Sonne (wenn auch später abgeschattet) ist auch bewiesen, dass das MacBook Air wirklich einen Lüfter hat. Die nächste Herausforderung: Scharfstellen mit dem manuellen Objektiv, und verlässlich ein Kontrollbild von der DSLR auf den Laptop zu zaubern. Wird noch spannend…

Der Eingang zu Ses Païsses

Der Eingang zu Ses Païsses

Aber ich hab da nicht nur Astro gemacht, sondern auch ein bisschen die Insel angeschaut – schließlich hatte ich vor drei Jahren noch nicht die ganze Insel gesehen, der Südwesten fehlte noch. Da gibt es zum Beispiel Ses Païsses, die Reste einer bronzezeitlichen Siedlung bei Arta. Damals wurde massiv gebaut, und mit zwei Euro ist der Eintritt auch noch bezahlbar. Zu sehen gibt es die noch recht hohen Mauern einer alten Siedlung, die sich um einen Turm gruppiert. Die Form sieht man irgendwie immer noch auf Mallorca, da gibt es noch einige ähnliche Gebäude.

Nächster Halt: Die Coves d’Arta, angeblich nicht ganz so touristisch geprägt wie die berühmteren Coves del Drac ein Stück weiter südlich. Sie sind auf jeden Fall sehenswert, und vor allem angenehm kühl und schattig. Anders als in Campanet darf man auch fotografieren. Ein natürliches Ökosystem gibt es da drin eh nicht mehr, rund um die Scheinwerfer wachsen einige Algen. Der Hinweis, zum Schutz der Natur nichts anzufassen wirkt ohnehin etwas unglaubwürdig, wenn zum besseren Durchgang Stalaktiten abgesägt wurden, es breite Wege gibt und der Führer auf Tropfsteinsäulen rumhämmert, um zu zeigen, dass sie hohl sind…

Wenn die Coves del Drac schon als touristisch ausgebaut verrufen sind, langt mir die Höhle bei Arta aber auch schon: Die bunte Lichtshow im „Höllengewölbe“, unterlegt mit Musik von den Carmina Burana, hätte es nicht unbedingt gebraucht. Aber der Besuch hat sich trotzdem gelohnt, ich kann’s empfehlen.

Zentrale Postverteilung

Zentrale Postverteilung

Ebenfalls einen Besuch wert: Der Puig de Randa samt Kloster war der Startpunkt einer eigenen Tagestour in den Süden Mallorcas. So manche kleine Straße dorthin wird wohl auch von der Post gemieden, aber mein Navi kennt da nichts.

Der Puig de Randa wird unter anderem von einem Kloster gekrönt und liegt oberhalb der Flughöhe der ganzen Flieger, die etwa im Dreiminutentakt Palma ansteuern. Interessanter Anblick, nachdem wir die Flieger von der Finca bei Costitx immer nur von unten gesehen haben… Auf dem Klostergelände stehen auch jede Menge alte Pflüge, außerdem konnten wir sehen, wie das Kloster per LKW mit Wasser versorgt wird.

Der Faro ses Salines

Der Faro ses Salines

Die Rundfahrt durch den Süden führte außerdem an den Salines de Llevant vorbei, die im Rahmen einer gut halbstündigen Führung besichtigt werden können. Da sieht man mal wieder, dass Salz ein Naturprodukt ist.

Und wenn man schon in der Gegend ist, fährt man natürlich auch beim nächsten Leuchtturm vorbei, dem Faro ses Salines. Die Idee hatten aber noch andere, in der Gegend gibt es einen gut besuchten Strand und dementsprechend wenige Parkplätze…

Mallorquinische Eier

Mallorquinische Eier

Aber die Touristenziele auf Mallorca sind ohnehin gut besucht – bei der Menge an Flugzeugen, die in der Woche Mallorca angesteuert haben, stellt sich eh die Frage, ob Mallorca nicht irgendwann mal voll ist. Der Plan, in Alcúdia in der Pizzeria zu essen, in der wir letztes Jahr waren, ist daher an fehlenden Plätzen gescheitert. So gab es die Möglichkeit, im Nachbarrestaurant lokale Spezialitäten zu probieren. Die wichtigste Erkenntnis: Mallorquinische Eier sind Spiegelei auf fettigen Pommes. Kann man mal essen, hätte ich jetzt aber nicht unbedingt als Spezialität bezeichnet.

Ein bisschen Astro musste zum Abschluss der kurzen Woche trotzdem noch sein. Zuerst mal das Erfolgserlebnis: Eine hübsche Strichspuraufnahme, nachdem ich bei eineinhalb Stunden Belichtungszeit gefühlte 50 Flugzeuge wegretuschiert hatte. Im Web-JPG verschmiert das leider etwas:

Strichspur-Mallorca

Weniger überzeugend war dagegen der Besuch auf der Sternwarte in Costitx. Die Einrichtung ist im Prinzip ganz hübsch: Ein Planetarium, eine Meteoritensammlung und eine ganze Menge Kuppeln für die Öffentlichkeitsarbeit. Geforscht wird da angeblich auch, wohl in dem Teleskop auf einem Turm. Wir hatten uns bereits vorher als Gruppe der Heilbronner Sternwarte angekündigt, sodass wir eine deutsche Führung erhielten. Eigentlich hatten wir ja gedacht, wir wären am Freitag alleine da – aber Pustekuchen, irgendwas zwischen 70 und 90 Gästen waren da, und im Lauf des Abends kamen noch zwei Busse dazu. Die Hoffnung, auf das Planetarium verzichten zu können und mehr Zeit an den Teleskopen verbringen zu können, zerschlug sich somit. Also genossen wir die Planetariumsshow doch. Gezeigt wurde: Sechs Jahre 20 Jahre Hubble Space Teleskop, wobei Bilder des HST an die (runde) Kuppel projiziert wurden, dazu gab es abgelesene Erklärungen auf Deutsch und Englisch von unserer Führerin. Der kleine Zeiss-Projektor war nicht in Betrieb, die Sterne im Hintergrund wurden wie die Bilder vom Beamer an die Kuppel projiziert. Immerhin die Musik war schön…

Der nächste Halt war die Meteoritensammlung, und in freier Rede war das Deutsch unserer Führerin besser als bei den vorgelesenen Texten im Planetarium (und der Inhalt auch). Es ist wohl die größte Meteoritensammlung in Spanien – 16 Meteorite, und alle echt! Dazu gab es noch die Möglichkeit zu einer Fotosession mit ET.

Und dann, endlich: Ab zu den Teleskopen. Vorher gab es noch die Warnung, bitte nichts anzufassen… Auf dem Freigelände stehen neun Kuppeln, in drei durften wir hinein. In jeder erwartete uns ein gabelmontiertes 10″-Meade Schmidt-Cassegrain. Das erste war auf Saturn gerichtet; als ich die Bodenlampe mit der Hand abschirmte, um am Okular nicht geblendet zu werden, kam gleich die Bitte, nichts zu verstellen, bevor wir Saturn nicht mehr im Teleskop hätten… Immerhin: Die Cassini-Teilung war zu sehen, wenn auch nicht allzu deutlich.

Ab zum nächsten Teleskop, auch hier war Saturn eingestellt, aber mit einem anderen Betreuer. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, scharfzustellen: Was für ein Spiegelshifting. Und was für eine Dejustage. Von der Cassini-Teilung war nichts zu sehen… Unser Vorschlag, mal einen Sternhaufen einzustellen, wurde auch abgelehnt: Der Handcontroller ist kaputt, das Teleskop kann nicht verstellt werden. Hm… Dann halt weiter zu Teleskop #3, das auf Mars gerichtet war. Keine Ahnung, wie es sein kann, dass ich da ein Mehrfachbild gesehen habe. Fazit: Wenn das 15 Euro Eintritt wert war, müssen wir in Heilbronn entweder unser Niveau deutlich senken oder die Eintrittspreise gewaltig anheben. Mit etwas Pflege wäre das bestimmt eine tolle Sternwarte, so gingen wir freiwillig ziemlich früh wieder. Dann lieber noch einmal den Sternenhimmel über der Finca genießen, bevor es am nächsten zurück nach Deutschland ging.

Share on Tumblr

Mal wieder SoFi-Tests…

Noch ziemlich genau ein Jahr bis zur Sonnenfinsternis in den USA, und mal wieder an der Zeit, das Equipment zu testen. Langsam wird es vollständiger: Das 90/500-Objektiv ist jetzt motorisiert, um mit weniger Gewackel fokussieren zu können.

Die Kamera mit Motorfokus

Und weil grad Sommer ist und ich noch keinen Blendschutz fürs Display habe, wird das bei Nacht am Mond ausprobiert.

Das Ergebnis: Zumindest denke ich, dass die Brennweite ganz gut für die SoFi passen wird. Wackeln tut’s trotzdem noch etwas, und die Schärfe ist nicht ganz einfach zu beurteilen. Vielleicht liegt es aber auch am T-Ring, mit dem das Objektiv befestigt ist und der etwas zu dick ist. Scharfstellen wird jedenfalls noch ein Spaß. Und warum rauscht die Kamera bei 200 ISO eigentlich so stark? Liegt es an den 25 Grad Außentemperatur um Mitternacht?

Ich glaube, da stehen noch ein paar Tests an…

Der zu 98,9% beleuchtete Mond am Abend des 20. Juli 2016

Der zu 98,9% beleuchtete Mond am Abend des 20. Juli 2016

Share on Tumblr

M101 vom Wochenende – vom RAW zum Bild

Die grandiosen Astrofotos beeindrucken fast jeden – und wecken leider auch viel zu hohe Erwartungen bei allen, die zum ersten Mal durch ein Fernrohr schauen. Was da alles an Bildbearbeitung drin steckt, sieht niemand. Ich bin zwar bei weitem kein Profi-Astrofotograf, aber ein bisschen Erfahrung habe ich doch gesammelt. Letzten Samstag war daher mal wieder die Galaxie M101 im Großen Wagen dran. Eine knappe Stunde hatte ich ab Mitternacht Zeit, bis die Wolken kamen. Davon ging eine Viertelstunde drauf, um das C14 der Heilbronner Sternwarte einsatzbereit zu machen (Dach auf, Strom an, Referenzstern einstellen), meine DSLR samt 0,8x Reducer an den aufgesattelten ED80/600 zu setzen, per Bahtinov-Maske zu fokussieren und M101 anzufahren. Anschließend blieb noch Zeit für sieben Bilder à drei Minuten bei 2000 ISO mit automatischem Dunkelbildabzug.

Das Ergebnis: Naja…

M101 – RAW-Bild, drei Minuten bei 2000 ISO, 480mm Brennweite

M101 – RAW-Bild, drei Minuten bei 2000 ISO, 480mm Brennweite

Das ist von der Helligkeit mal abgesehen schon mal nah am visuellen Eindruck, aber nicht hübsch. Immerhin: Die Sterne sind scharf, obwohl ich ohne Nachführkontrolle gearbeitet habe, und die Galaxie ist auch zu erahnen. Auf dem Kameradisplay sah’s übrigens hübscher aus.

Anschließend kommt die Magie: Das ganze durch Photoshop jagen, weil der Deep-Sky-Stacker irgendwie nichts schönes rausgebracht hat. Sieben Bilder überlagern, um das Rauschen zu reduzieren, anschließend an Tonwertkorrektur und Gradationskurve rumspielen, bis was halbwegs brauchbares raus kam. Patentrezepte gibt’s dafür leider keine, aber die Bildbearbeitung hat doch noch was rausgeholt:

Nicht toll, aber besser: M101 nach der Bildbearbeitung.

Nicht toll, aber besser: M101 nach der Bildbearbeitung.

Immerhin ist die Galaxie schon recht hübsch zu sehen. Im Detail sieht’s so aus:

Crop auf die Galaxie

Crop auf die Galaxie

In SW fast wie früher im Lehrbuch...

In SW fast wie früher im Lehrbuch…

Der ganze Dreck auf dem Sensor fehlt jetzt, und die Spiralarme sind im verbliebenen Rauschen ganz brauchbar zu sehen.

Für Low-Light-Aufnahmen gibt’s den Tip, auf Schwarzweiß zu gehen – da sind wir Rauschen eh von früher gewöhnt. Ja, sieht gar nicht mal so schlecht aus. Vor 30 Jahren waren so Bilder in vielen Büchern zu finden. Wenn ich die Rohbilder jetzt nicht in der Innenstadt aufgenommen hätte und mich mal mehr in die Bildbearbeitung einarbeiten würde, könnte da durchaus noch mehr gehen.

Aber es sind ja nicht immer nur die perfekten Bilder interessant, sondern auch mal der Weg dahin, und was alles unter den Tisch fällt.

Share on Tumblr

Island im Tiefflug, Teil 7

Das wär’s dann mit Island: Wir räumen die Appartments in Borganes und machen uns auf den Weg zum Flughafen. Da der Flieger aber erst gegen Mitternacht starten soll, haben wir noch genug Zeit für Reykjavík und die Sehenswürdigkeiten auf der Halbinsel. Bleibt nur die Frage nach der Startzeit für die letzten 226 Kilometer. Halb acht steht im Raum, um möglichst viel Zeit für die Hauptstadt zu haben… Ich schlage für mein Auto noch etwas Zeit heraus, wir starten eine halbe Stunde später und frühstücken in aller Ruhe in der Tanke in Borganes, statt erst nach Reykjavík zu fahren.

„Richtig“ abschalten in Island, ah ja…

An der Tankstelle hatten wir gestern schon gefrühstückt und sind jetzt vor Kombinationen wie „Süße Waffel mit Lachs“ gewarnt; das Sandwich mit Garnelensalat war aber auch nicht so der Renner. Die Kassierin ist wieder hochmotiviert und knallt die eingeschweißten Brote nach dem einscannen lustlos auf den Tresen – vielleicht liegt’s an der Uhrzeit? Jedenfalls google ich zur Frühstückslektüre mal nach Island und Selbstmordrate. Interessant: Sie liegt niedriger als bei uns, und der zweite Treffer ist Werbung für Island: „Wer Erholung sucht und ein Land, in dem man vom Alltag völlig abschalten kann, der ist in Island genau richtig.“ So vollständig wollte ich hier eigentlich nicht abschalten, liebes Google…

Dann lassen wir die gute Frau doch lieber in Ruhe und machen uns auf den Weg nach Reykjavík, wo wir gegen halb zehn an der Hallgrímskirkja parken und die anderen suchen. Da ihr ursprünglich geplantes Restaurant gerade saniert wird, treffen wir sie an der Harpa, dem modernen Konzerthaus. Viel scheinen wir nicht verpasst zu haben, wenn ich mir die anderen Bilder so anschaue – uns hat es sogar noch für einen Blick in die Hallgrimmskirkja gelangt:-) Besonders lohnenswert ist der Betonbau aber nicht: Er ist groß, aber kahl.

Bevor wir an der Harpa zu den anderen aufschließen, steht noch ein kurzer Besuch an der Sólfar-Skulptur an. Das stilisierte Wikinger-Boot gehört ja zu den Wahrzeichen der Stadt; die Wohnblöcke dahinter fehlen auf den meisten Bildern verständlicherweise. Für die Harpa selbst bleibt uns nicht viel Zeit, es geht im Eilmarsch durch die Stadt. Einmal quer durch Reykjavík finden sich einige kleinere Häuser, zum Teil ganz aus Beton – seit die Wälder abgeholzt wurden, ist alternatives Baumaterial gefragt. Ein paar Impressionen:

Souvenirshop im Tresorraum

Souvenirshop im Tresorraum

Aber fragt mich nicht, wo in der Stadt sie aufgenommen wurden. Die kleine Panasonic hat leider kein eingebautes GPS, so sehr ich die Kamera auch sonst mag. In der Innenstadt dann eine Verschnaufpause: Wir finden einen Souvenirshop, der wohl in einer alten Bank ist – zumindest sind die Verkaufsräume im Kellergeschoss hinter dicken Panzertüren gesichert. So wertvoll sind Island-Pullis dann doch nicht.

Mir läuft hier noch ein Sagenbuch über den Weg, mit dem ich schon am Dimmuborgir geliebäugelt hatte – und die deutschsprachige Version ist hier sogar billiger. Island hat also keine Buchpreisbindung, wie’s aussieht. Die Ex-Bank akzeptiert auch meine Kreditkarte, beruhigend.

Der Marsch geht weiter durch die Einkausstraße, bis wir ein Restaurant für’s Mittagessen finden, das genug Platz für zehn Leute bieten dürfte. Es gibt noch einmal Burger, wer hätte das gedacht. Langsam kriege ich Lust auf einen Salat, aber hier oben wächst wohl in erster Linie Fleisch… Und, Überraschung: Meine Kreditkarte wird nicht akzeptiert. Zum Glück klappt’s mit der EC-Karte; mein Bargeldbestand ist mittlerweile gut reduziert.

Ich kann verstehen, warum sich die Bevölkerung in Reykjavík konzentriert: Man kann erkennen, dass es hier durchaus kulturelles Leben und eine lebendige Szene gibt, wobei die Häuser zwischen gepflegt und bruchreif schwanken. So manch kleine Hütte zeugt von vergangenen Zeiten und vor allem günstigen Grundstückspreisen. Einen Tag für die Hauptstadt einzuplanen ist wohl kein Fehler, aber was soll’s – wir wollen ja nur einen Eindruck vom Land. Also geht es weiter zum Perlan, dem Heißwasserspeicher der Stadt. Auf den Tanks steht eine Glaskuppel mit Restaurant und Aussichtsplattform; die verspiegelten Scheiben laden zu einer Art Selfie ein – ganz ohne Idiotenszepter Selfie-Stick.

Damit wäre auch Reykjavík abgehakt, und wir machen uns auf die Reise über die Halbinsel Reykjanes. Eine kleine Piste gibt noch einmal die Möglichkeit, das Auto zu waschen (ohnehin kein Fehler, bevor wir es heute Abend wieder abgeben). Die Ziele des Tages: Zunächst Gunnuhver, ein Thermalgebiet mit heißen Quellen und entsprechender Luftqualität… In den 1930er Jahren stand hier ein einfaches Haus – ein Däne mit seiner lettischen Frau züchtete hier Blumen, bis ihm der Boden unter den Füßen zu heiß wurde. Die Fundamente seiner Unterkunft sind noch erhalten, Blumen wachsen dort jedoch keine mehr. Bei unserem Besuch kommt nicht einmal nennenswert flüssiges Wasser aus dem Boden, sondern nur Dampf, der die Reste eines Stegs einhüllt. Auf der Google Maps ist hier ein See eingezeichnet…

Nächster Stop: die nahegelegene, schroffe Küste. Von den hohen Kliffs hat man einen schönen Ausblick auf den schwarzen Strand. Die Gegend hier könnte Tolkien zu seiner Vorstellung von Mordor inspiriert haben… Der Weg hinab zum Strand ist nicht weit, und man sieht jetzt erst, wie groß die „Kiesel“ sind. Das ist schon was anderes als die Black Beach bei Vík vor ein paar Tagen. Ohne Regen kann man sich hier einige Zeit aufhalten und Zwergenfotos machen – die Bilder lassen einen fast vermuten, die Leute wären mit Photoshop geschrumpft und zwischen Kiesel gesetzt worden.

Die Brücke zwischen den Kontinenten

Die Brücke zwischen den Kontinenten

Ein Ziel bleibt noch in diesem Ödland, bekannt von vielen Fotos: Die Brücke zwischen den Kontinenten. Island driftet ja auseinander, und im Westen kann man eine kleine Version des Grabenbruchs zwischen europäischer und nordamerikanischer Platte beobachten. Trotz Regen sind bei der Brú Milli Heimsálfa sogar beide Seiten der Kontinentalplatten zu sehen.

Wer will, kann versuchen, die Brücke zumindest fotografisch zu tragen, wobei mir die Making-Off-Bilder besser gefallen:-) Die Brücke ist ein netter Gag mit eigenen Accounts in den sozialen Medien, aber man kommt natürlich auch ohne sie problemlos von Kontinent zu Kontinent.

Der Blick von der Brücke

Der Blick von der Brücke

Das war es dann fast schon mit dem Touri-Programm. Es bleibt nur noch die Blaue Lagune – im Prinzip ein Freibad mit blauem Wasser, das von Geothermalkraftwerk stammt. Kieselalgen verleihen im seine blaue Farbe, und das Kassenhäuschen macht es zu etwas exklusivem…

Sie liegt in unmittelbarer Nähe des Flughafens und ist ein entspannender Ausklang für die Reise, wenn auch nicht unbedingt ein notwendiger Punkt für eine Rundreise. Aber was soll’s, im warmen Wasser zurücklehnen und entspannen hat was – wenn wir auf der Tour schon keine Chance hatten, außer einmal im Hot Pod zu relaxen. Die Eintrittskarten mussten allerdings schon in Deutschland vorbestellt werden, sie ist ein wahrer Touristenmagnet.

Der Rest des Abends? Ein Besuch bei Kentucky Fried Chicken (mal keine Burger), dann die Autos abgeben und ab zum Flughafen, wo wir kurz nach Mitternacht mit dem Boarding unseres Fliegers nach Stuttgart beginnen sollten. Dumm nur, dass Deutschland gerade wesentlich schlechteres Wetter hat und der Flieger wegen Starkregen eine Stunde in Stuttgart fest saß. Irgendwann machen auch hier die Läden zu, wobei es am Flughafen mehr Auswahl an Souvenirs gibt als sonst auf unserer Route. Ich kann mein letztes Hartgeld in einen Schokoriegel investieren und habe noch eine Krone übrig. Wert ist sie nichts (naja, 0,7 Cent) und darf als Souvenir bei mir bleiben. Um 1:20 konnten wir dann endlich in den Flieger, wo wir mit Guten Morgen begrüßt wurden – und zum Glück etwas mehr Beinfreiheit als auf dem Hinflug hatten; die Sitze waren halbwegs benutzbar.

Hochwasser bei Bad Wimpfen

Hochwasser bei Bad Wimpfen

Um 5:20 isländischer Zeit bzw. 7:20 Ortszeit dann die Landung in Stuttgart – gerade noch rechtzeitig, um die vorgebuchte Parkzeit nicht zu überziehen. Die Begrüßung in Stuttgart: Gute Nacht. Tja, viel mit erholsam Schlafen war in dem Flieger nicht.

Auf dem Heimweg gab es erst ein wenig Stau bei Stuttgart (ja, wir sind eindeutig wieder zuhause), und dann Umleitungen und überflutete Straßen rund um Bad Friedrichshall. Bei Bad Wimpfen konnte ich dann über den Neckar – zumindest die Altstadt auf dem Berg hatte wohl keine Probleme mit Hochwasser, am Neckarufer sah das schon ganz anders aus.

Da hatten wir in Island doch das bessere Wetter… Schön war’s und wohl auch nicht das letzte Mal, aber das dürfte noch ein wenig dauern, bis ich wieder dahin komme.

Share on Tumblr

Island im Tiefflug, Teil 6

Wolken und Regen werden typisch für diesen Tag

Wolken und Regen sind typisch für diesen Tag

Start- und Endpunkt sind heute identisch, aber das ist kein Grund, nicht doch rund 300 km zurückzulegen und die Halbinsel Snæfellsnes zum umrunden, Länge mal Breite mal Höhe. Vom 1446 Meter hohen Vulkan Snæfellsjökull sehen wir zwar nicht viel, da er sich in den Regenwolken verbirgt, aber dafür gibt es genug Möglichkeiten für Zwischenstopps. Der Blick aus dem Autofenster lohnt sich auch immer wieder, es tauchen einige interessante Krater und Berge unter den Wolken auf. Die Ringstraße lassen wir für diese Tour natürlich abseits liegen, die Halbinsel ist eine eigene Route und im Allgemeinen gut asphaltiert.

Búðarkirkja

Búðarkirkja

Der erste geplante Stop: Eine schwarze Kirche. Die Búðarkirkja ist aber nicht etwa ein Ort, an dem schwarze Messen abgehalten wurden, sondern vielmehr ein Denkmal für Schwarzarbeit. Als die Pfarrei in Búðir 1816 aufgelöst wurde, stieß das auf den Unmut von Steinunn Sveinsdóttir – die Frau wollte gegen den Willen der Landeskirche eine Kirche im Ort und erhielt letztlich die könligliche Erlaubnis zum Kirchenbau. Sie wurde 1848 vollendet und ist jetzt eine der ältesten Holzkirchen Islands.

Der nächste Halt ist ungeplant: Kurz vor Arnarstapi fasziniert die moosüberwucherte wilde Landschaft zu sehr, und es gibt einen Parkplatz am Straßenrand – also nichts wie raus. So eine Landschaft habe ich auch noch nie gesehen…

Der nächste Halt ist die Küste bei Arnarstapi. Hohe Klippen und unterspülte Basaltbögen fesseln den Blick; unzählige Vögel leben hier, ohne von der Brandung weggespült zu werden. Die Wege entlang der Küste bis zum Denkmal für den Halbriesen Bárður Snæfellsás sind noch ganz gut begehbar, verwandeln sich aber schon langsam in Matsch. Zum Ende der Saison dürfte es hier deutlich unangenehmer sein; der erste Reisebus verfolgt uns jetzt schon auf unserer Tour.

Das Denkmal von Bárður Snæfellsás ist weithin sichtbar und aus groben Steinen aufgeschichtet, die dem Regen trotzen – mittlerweile wird das Wetter wieder schlechter und nasser, also zurück zum Auto, auch um etwas Abstand von dem Reisebus zu halten.

20160528-11h-58m-P1130157Der nächste Halt wird kurz: Eine Höhle liegt an der Straße, durch die es auch Führungen gibt, aber wir haben den Einlass knapp verpasst – daher machen wir noch einen kurzen Abstecher an die Küste, bevor es auf den Parkplatz am Djúpalónssandur-Steinstrand geht. Hier war lange Zeit eine Fischereiflotte stationiert. Wer dort arbeiten wollte, musste seine Kraft beweisen, indem er einige der runden Steine dort hoch hob. Die vier Steine tragen je nach Gewicht die passenden Namen: Fullsterkur („Ganzstarker“, 154 kg), Hálfsterkur („Halbstarker, 100 kg), hálfdrættingur („Brauchbarer“, 54 kg) und Amlóði („Schwächling“, 23 kg). Zumindest Brauchbarer musste man auf einen Felsabsatz heben, um einen Platz an Bord zu erhalten.

1948 strandete der Fischtrawler Epine aus Grimsby hier, nur vier oder fünf der 19 Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden. Einige Reste des Schiffs liegen immer noch am Strand und stehen unter Denkmalschutz.

Davon, dass der Strand am Fuß des Snæfellsjökull liegen soll, ist aber nicht viel zu sehen. Also auf zum nächsten Halt, dem Krater Saxhóll. Island zeigt sich wieder einmal von seiner windigsten Seite. Eine Eisentreppe führt auf diesen Vulkankrater, aber oben ist es noch ungemütlicher als unten – wer sich nicht noch einmal in den Wind legen will, macht sich rasch wieder an den Abstieg. Von dem eigentlich schönen Panorama ist auch nicht viel zu sehen. Da hilft nur, bei besserem Wetter wiederzukommen und im Windschatten der Autos eine kurze Mittagspause einzulegen, nachdem die Kamera wieder trockengelegt wurde.

Alte Torfhäuser in Hellissandur

Alte Torfhäuser in Hellissandur

The road goes on and on, und nach ein paar Kilometern taucht ein Strich in der Landschaft auf: Der 412 Meter hohe Funkmast war einst das höchste Bauwerk Europas, 1994 wurde er abgeschaltet. Er ist immer noch das höchste Bauwerk Islands, uns aber keinen Stop wert – den gibt’s erst ein paar Meter weiter, am kleinen Museum in Hellissandur. Die Torfhäuser gehören zu einem Seemannsmuseum. Das Wetter hat sich jetzt völlig geändert: Vielleicht sind wir jetzt im Windschatten des unsichtbaren Snæfellsjökull, jedenfalls ist der Wind weg und der Himmel stellenweise sogar blau. Das wäre ein besserer Ort für eine Mittagspause gewesen als der Fuß der Saxhóll…

20160528-14h-03m-P1130213Gegenüber des Museums gibt es dafür eine Sehenswürdigkeit, die uns mittlerweile vertraut ist, auch wenn ich sie viel zu selten fotografiert habe. Zeit, das nachzuholen: Eine Tankstelle. Eine gute Chance, noch einmal die Getränkevorräte aufzufüllen – nutzen wir sie. Tankstellenshops gehören wohl zur Grundversorgung von Island-Reisenden, zumindest auf der Ringstraße.

Kirkjufellsfossi

Kirkjufellsfossi

Apropos Straße: Wir müssen ja weiter. Der nächste Halt ist der Kirkjufellsfossi, trotz des Regenwetters ein hübscher Wasserfall am Straßenrand. Aussteigen lohnt sich: was von der Straße aus regnerisch-trübe aussieht, macht vom Wasserfall selbst aus deutlich mehr her. Der Spitze Berg im Hintergrund ergibt ein sehr schönes Panorama, das bei gutem Wetter noch eindrucksvoller sein müsste. Definitiv einer der schöneren Wasserfälle und einen Stop wert.

Die Straße führt uns dann weiter Richtung Stykkishólmur, immer entlang der Nordküste der Snæfellsness-Halbinsel. Rund 20 km nach Kirkjufellsfossi ist ein unwirtliches Lavafeld, durch das schon zur Landnahmezeit Wege angelegt werden sollten. Dazu heuerten die Einheimischen Berserker aus Norwegen an – die starken Männer sollten zum Lohn isländische Frauen erhalten. Nur die Frauen waren davon weniger begeistert und lockten die Männer in eine Scheune, die sie dann anzündeten. Die Gegen trägt heute den Namen Berserkerjahraun – wir fahren sicherheitshalber durch.

Kirkjufellsfossi

Kirkjufellsfossi

Stykkishólmur

Stykkishólmur

Das schmucke Städtchen Stykkishólmur hat seltsame Kirchenbauten, eine Fährverbindung und auf der Insel Súgandisey einen kleinen Leuchtturm, von dem aus man einen schönen Rundumblick hat. Für einen Drohnenflug war es leider zu windig, aber der Aufstieg über die Treppe lohnt sich allemal. Wann sehen wir über Westisland sonst schon mal blauen Himmel?

Damit haben wir unser Programm für heute auch abgearbeitet. Zeit für ein bisschen Spaß… für den Rückweg könnten wir entweder die Asphaltstraße zurückfahren, oder die Piste quer durch die Halbinsel nehmen. Die Entscheidung fällt leicht, und den Rest der Rückfahrt dürfen andere filmen und fotografieren, während wir durch Staub und Pfützen pflügen. Zum Ausgleich steht danach noch einmal kurz Autoputzen an; zum Glück gibt es an jeder Tankstelle eine kostenlose Waschgelegenheit. Fazit: Gerne jederzeit wieder:-)

Wahre Island-Begeisterung sieht anders aus...

Wahre Island-Begeisterung sieht anders aus…

Was bleibt noch zu tun? Zurück nach Borganes, wo wir im Landnahmezentrum einen Tisch reserviert haben. Es gibt gehobene Küche, wozu – natürlich – auch Burger gehören. Kein Wunder, dass McDonalds und Burger King sich hier nicht durchsetzen können… Ich greife lieber zur gut gewürzten Lasagne und gönne mir ein Skyr zum Nachtisch. Das Restaurant gehört zum Landnahmezentrum, das eine Ausstellung über die Besiedelung Islands zeigt. Von den Wikingern an der Wand wirkt allerdings keiner besonders glücklich… Das Haus gehört zu den ältesten der Stadt und wurde an den Fels erweitert, um mehr Platz zu gewinnen – wir sitzen also direkt an der Felswand, an die Glasfenster und Dach angepasst wurden. Interessanter Baustil.

Abschließend bleibt noch etwas Zeit für einen kleinen Rundgang durch Borganes. So gemütlich die Häuser innen auch sein mögen: Schönheitspreise können nur die wenigsten gewinnen. Auch wenn das Klima rau ist, würde ein wenig Farbe nicht schaden. Aber dafür gibt es auch ausreichend Bauten, die vollständig mit Metall verkleidet sind, oder Betonbunker. Schade eigentlich, aber der einzige Baumarkt, den ich auf der Strecke gesehen habe, war auch weit weg in Reykjavík.

Share on Tumblr

Island im Tiefflug, Teil 5

Goðafoss

Goðafoss

Die drei Bungalows bei Reykjadalur waren hübsch, aber für Durchreisende wie uns fehlt das Frühstücksbuffet – da hilft auch der Grill nichts. Statt Frühstück gibt’s also Kekse im Auto und den zehn Kilometer entfernten Goðafoss. Nachdem das Christentum zur Staatsreligion gewählt wurde, versenkte Þorgeir hier der Überlieferung nach seine alten Götterstatuen, daher der Name Götter(wasser)fall.

Die Wassermassen stürzen in einem weiten Bogen rund 12 Meter in die Tiefe – um den Wasserfall zu überblicken, bietet sich wieder einmal Luftunterstützung an. Wozu hat man eine Drohne dabei? Aber auch vom Erdboden aus macht er einiges her, der Zwischenstop lohnt sich. Um die Uhrzeit sind wir auch alleine an dem Wasserfall.

Die Fram in Akureyri

Die Fram in Akureyri

Nächster Halt: Die Universitätsstadt Akureyri, die mit 18.000 Einwohnern hoffentlich auch eine Frühstücksmöglichkeit bietet. Vorher wird aber erst der Hafen angesteuert: Dort liegt gerade die Fram vor Anker. Trotz Hurtigrutenjacke dürfen wir aber nicht an Bord: Anders als in Norwegen ist hier nichts mit Port Guests, wahrscheinlich wegen der internationalen Fahrtroute, dem ISPS-Gedöns und überhaupt. Jedenfalls bleibt es bei einem Blick von außen auf das Hurtigruten-Expeditionsschiff.

Dann also ab in die Stadt, einen Parkplatz suchen. Neue Erkenntnis: Die Mietwägen haben keine Parkscheibe. Das war jetzt auch das letzte, was ich ins Reisegepäck getan hätte – ein handschriftlicher Zettel mit der Ankunftszeit verschafft uns hoffentlich genug Zeit, um einmal durch die Hauptstraße zu schlendern und zu frühstücken. Ein unscheinbares Gebäude beherbergt ein uriges Restaurant/Cafe, in dem Onkel Steini dran glauben muss – so heißt das nicht-vegetarische Frühstückspaket mit Brot, Wurst und Käse, mit dem ich meinen Bargeldbestand auch noch gut reduzieren kann. Irgendwann gewöhne ich mich noch daran, dass Bargeld in den nordischen Ländern mittlerweile weitestgehend überflüssig ist.

Nach einem Gang durch die Hauptstraße/Altstadt entscheiden wir, alles wichtige gesehen zu haben, und steuern mit den Autos den nächsten Supermarkt und dann die Tankstelle an. Die Tanke nimmt wie üblich nur Karten und quittiert meine mit einem freundlichen Ekki heimilaðt – nicht erlaubt. Anscheinend haben die letzten Tankstellen so viel Geld reserviert, dass ich jetzt schon am Kreditlimit bin. Nächstes Mal nehme ich weniger Bargeld und mehr Kreditkarten nach Island mit… Zum Glück kann ich noch eine Kreditkarte schnorren und die Fahrt fortsetzen.

Entlang der Nordküste

Entlang der Nordküste

Jetzt heißt es wieder Kilometer schrubben – rund zwei Stunden oder 200 Kilometer trennen uns vom nächsten Ziel. Auf der Ringstraße ist in der Nähe von Akureyri überraschend viel Verkehr, und es dauert, bis wir freie Fahrt haben. Die einheimischen Sprinter-Fahrer sind aber ein deutlicher Hinweis darauf, dass hier wohl nicht zu streng kontrolliert wird – oder die Knöllchen für isländische Verhältnisse bezahlbar sind…

Irgendwann verlassen wir die Ringstraße und fahren über Schotterpisten ans Meer. Das Ziel: Der Basaltfelsen Hvítserkur, angeblich ein versteinerter Troll, der heute einsam im Meer steht. Der Legende nach wurde er versteinert, als er das mittlerweile aufgegebene Kloster Þingeyrar mit Steinen bewarf.

Von den hohen Klippen hat man einen schönen Blick herab auf die 15 Meter hohe Formation; der Fußweg zum Ufer sieht dagegen etwas anspruchsvoller aus. Also bleibt es bei Luftaufnahmen ohne Drohne, bevor wir wieder zurück zur Ringstraße brettern. Island möchte ich wirklich nicht mit dem eigenen Auto machen, mit Miet-Allradler (und allen Vollkaskoversicherungen gegen Steinschlag und mehr) macht das mehr Spaß.

Islandponies

Islandponies

Fels und Festung Borgarvirki verpassen oder übersehen wir; wir halten uns lieber an die Nebenstraßen, wo wir sogar echten Isländern begegnen: Eine Herde Ponies versteckt sich in einem Graben und sucht Schutz vor dem Wind. Die Kameras klicken…

Vom nächsten Streckenabschnitt habe ich keine Fotos gemacht: Die Route nannte sich zwar Straße, war aber eindeutig für Allradbetrieb ausgelegt. Von einem Zwischenstop abgesehen hatte ich daher keine Chance, zur Kamera zu greifen. Und auf dem Halt sieht das deutlich mehr nach normalem Feldweg aus als während der Fahrt…

Wahrscheinlich (hoffentlich) war es eine Einbahnstraße, da am Ende ein Seil als Absperrung gespannt war. Dem Wohnmobil daneben würde ich diese Route aber in keiner Richtung empfehlen. Kurz nach der Piste kam schon unser nächstes Ziel: Deildartunguhver, eine sehr wasserreiche heiße Quelle, die zahlreiche Orte in bis zu 60 km Entfernung mit Warmwasser versorgt. Mein Eindruck von Deildartunguhver: Eine Spalte mit Wasser und sehr starkem Wind.

Keine halbe Stunde weiter weg ist der nächste Halt, wo wir auch länger bleiben: Gut eine Stunde gönnen wir uns am Hraunfossar-Gebiet, einer eindrucksvollen Ansammlung von Wasserfällen. Sie sind in Privatbesitz, oder zumindest das Toilettenhäuschen am Parkplatz – so ziemlich der einzige Ort in Island, an dem man wirklich Hartgeld benötigt…

Die Hraunfossar scheinen direkt aus der Lava zu kommen und sind eine breite Wand aus Wasserfällen. Ein paar Meter stromaufwärts ist der Barnafoss, der ganz klassisch zu einem Fluss gehört. Mit Brücken und Wanderwegen ist er gut erschlossen. Früher war das anders: Er verdankt seinen Namen Kinderfall einem Unglück, bei dem zwei Kinder von einem benachbarten Hof dort von einem Lavabogen stürzten und ertranken. Die Mutter ließ den Lavabogen dann zerstören, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann.

Borgarnes – Ausblick vom Ferienhaus

Borgarnes – Ausblick vom Ferienhaus

Das letzte Ziel des Tages: Borgarnes an der Westküste Islands, wo wir gleich für zwei Nächte zwei Wohnungen angemietet hatten – wobei die Bäderlogistik wie gehabt war und für zehn Leute anspruchsvoll…Das warme Wasser dort kommt übrigens aus Deildartunguhver, das kalte aus anderen Regionen.

Die Restaurant-Auswahl ist wieder überschaubar, für den ersten Abend landeten wir im Grillhusid, da das Settlement Center ausgebucht war. Um eine Wartezeit kamen wir aber auch diesmal nicht herum, letztlich wurde uns aber sogar eine Tafel für 10 Personen frei gemacht. Die Speisekarte: Burger, und ein paar Steaks. Typisch isländisch halt, und nicht schlecht.

Share on Tumblr

Island im Tiefflug, Teil 4

Kaum zu glauben: Schon ist Halbzeit, und wir sitzen wieder im Auto, fahren durch – gefühlt – die verschneiten Alpen (der Pass zwischen Seyðisfjörður und Egilsstaðir ist immerhin rund 600 Meter hoch) und sind auf der Suche nach etwas zu essen, da in Seyðisfjörður niemand Frühstück anbietet. Immerhin tanken konnten wir noch im Ort, und Auto waschen. Irgendwo hinter Egilsstaðir plündern wir eine Bäckerei, und dann steht Fahrerei an: Bis zum Dettifoss sind es über 300 Kilometer durch den einsamen Nordosten Islands.

Die gut drei Stunden lange Fahrt ist trotzdem abwechslungsreich: Über die gut ausgebaute Ringstraße geht es erst durch grüne oder braune Täler, bis wir an Höhe gewinnen und weiter in das Landesinnere kommen. Näher am Dettifoss wird es dann unangenehm: Starker Wind schüttelt das Auto durch, während das Navi uns über Schotterpisten zu Straßensperrungen lotst. Erst im zweiten Anlauf gelangen wir zum Dettifoss, aber am oberen Parkplatz, nicht wie ursprünglich geplant am Fuß des Wasserfalls.

Auf zu den Wasserfällen

Auf zu den Wasserfällen

Der Wind: Wow. Kein Wunder, dass das Auto gewackelt hat. Der Besuch der Dixi-Klos am Parkplatz war dadurch ein echtes Erlebnis… Eins ist gewiss: Wenn ich nochmal nach Island gehe, kommt ein Windmesser mit. Trotz des Wetters ist der Parkplatz morgens um halb zwölf gut besucht. Der Fußweg zum Wasserfall wird immer wieder neu ausgeschildert, je nachdem, welche Route gerade begehbar ist und welche ins Wasser führt.

Wir gehen zuerst zum Selfoss, etwa einen Kilometer oberhalb des Dettifoss. Die Route hat noch gut Schnee, aber mit Profil an den Schuhen ist sie kein großes Problem – man darf nur nicht zu langsam werden oder über fernöstliche Touristen stolpern, die kein Auge für die Umgebung haben. Durch Schnee und Wasser erreichen die die Weggabelung Dettifoss/Selfoss und dann den Selfoss.

Die meisten strömen wohl direkt zum Dettifoss, daher ist es am Selfoss relativ ruhig. Aus einem gewissen Abstand lässt er sich gut überblicken; das Wasser strömt vom Wind unbeeindruckt über die Basaltklippen – hier ist es aber auch etwas windgeschützter als am höher gelegenen Parkplatz. Beim Rückweg begegnen wir Isländern, die die Wege neu markieren und uns den Rat geben, am besten gleich die Seite zu wechseln – das Wasser wird nicht weniger.

Richtung Parkplatz tauchen auch immer mehr Menschen auf – es ist eindeutig Zeit, zum Dettifoss zu gehen, bevor es zu voll wird. Dort angekommen, bietet eine kleine Plattform einen sicheren Ausblick auf den Wasserfall. Die Ablagerungen im Gestein sind für mich das faszinierendste an ihm.

44 Meter stürzt das Wasser hier in die Tiefe, mit 200 bis 1500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ist er der wasserreichste Wasserfall Europas. Superlativ hin oder her, ein Wasserfall zum Anfassen wie der Gluggarfoss fasziniert mich mehr. Der Dettifoss bleibt irgendwie unbegreifbar, unnnahbar. Aber immerhin war jetzt noch kein Eintrittsgeld fällig, in der Hochsaison ist das mittlerweile anders. Wenn ich mir anschaue, wie viel jetzt schon  los ist, will ich aber auch nicht wissen, wie voll es hier zur Hochsaison ist.

Wie dem auch sei, wir entgehen dem Wind und den Menschenmassen und suchen wieder den Weg zur Ringstraße Richtung Myvatn. Am nächsten Ziel ist es wärmer, dummerweise vergesse ich, das Gebläse vom Auto rechtzeitig auf Umluft zu stellen: Wir fahren zum Krafla-Kraftwerk und den benachbarten Vulkankratern, dementsprechend schwefelgeschwängert ist die Luft. Fast wie früher im Chemielabor… Der Aufstieg zum Kraterrand – wohl der Vití, der 1724 entstand – ist dank Rückenwind easy.

Sich am Kraterrand aufzuhalten ist dagegen weniger leicht, dafür kann man sich gut in den Wind lehnen. Wenn da nicht das Gefühl wäre, sandgestrahlt zu werden… Ein Stück hinter dem Krater dampft es aus einer Spalte hervor, in der Schwefelablagerungen für scheinbar außerweltliche Farbenspiele sorgen.

Der Viti-Krater

Der Viti-Krater

Eine Stunde Fußweg von unserem Parkplatz liegt die Vulkanspalte Leirhnjúkur, die immer noch aktiv sein soll. Genau wie den eigentlichen Krafla schenken wir uns diese Tour jedoch; am Vití im Wind zu stehen macht genug Spaß und stresst die Akkus genug – erst im Auto springt manches Handy wieder an.

Das nächste Ziel liegt tiefer, stinkt aber noch mehr: Bei Hverir wurde noch vor 150 Jahren Schwefel für die Schießpulverherstellung abgebaut. Ein paar Fundamente zeugen noch von der Industrievergangenheit, viel eindrucksvoller sind die mannshohen Steinhaufen, aus denen heiße Gase ausströmen, ebenso die Schlammvulkane, die vor sich hinblubbern – und zum Glück nicht Geysir spielen. Die gefährlichen Gebiete sind mittlerweile abgesperrt, Plattformen erlauben einen sicheren Blick auf die brodelnden Schlammlöcher. Hier ist der starke Wind ein Segen, solange man keine der Wolken abkriegt.

Kein Ort, wo ich länger Urlaub machen wollte, geschweige denn arbeiten. Auch hier ist in der Urlaubszeit ein Eintrittsgeld fällig; für die paar Besucher im Mai zum Glück noch nicht. Fairerweise hätte ein Kiosk oder Restaurant hier aber einen schweren Stand, auch wir suchen rasch das Weite und frische Luft.

Der nächste Stopp war früher eine beliebte Badegelegenheit, heute ist Baden verboten. Dass wir zu spät sind, liegt aber nicht nur an der zunehmenden Bekanntheit, sondern vor allem an der Temperatur: Irgendwann stieg sie auf 60° an, seitdem ist Baden in der Grotte Grjótagjá verboten. Mittlerweile ist die Temperatur wieder gefallen, aber bei den ständig neuen Besuchern ist die Lust auf ein Bad auch eher gering – früher muss es eindrucksvoll gewesen sein, in Ruhe in diesen unterirdischen warmen See zu steigen. Das kristallklare Wasser würde einen regen Badebetrieb aber kaum überstehen, befürchte ich.

Von den Wasserfällen mal abgesehen liegen alle heutigen Tagesziele nah beieinander, im Myvatn-Gebiet. Unser letztes Ziel ist nur drei Kilometer entfernt: Dimmuborgir, die dunklen Burgen. Nur eines ist vorher zu zu überwältigen: Ziegen. Der Fotostop muss sein, wenn man in Island schon mal auf Lebewesen trifft… Neben den Ziegen ragt auch schon dunkle Lava wie eine Mauer auf, und irgendwann stehen wir vor einem Gatter – freilaufende Ziegen gibt es auch in Island nicht.

Wir lassen die ausgeschilderte Pizzeria rechts liegen und steuern stattdessen Dimmuborgir an, die dunklen Burgen – ein ausgedientes Lavafeld, das nicht von dieser Welt zu sein scheint.

Das Umfeld von Dimmuborgir, rechts der Krater Hverfjall

Das Umfeld von Dimmuborgir, rechts der Krater Hverfjall

Eine ganze Reihe von Wanderwegen durchzieht dieses irre Gebiet, bei dem man sich unweigerlich fragt: Wer baut so was? Die Lavaformationen erinnern wirklich an verfallene, urzeitliche Festungen. Statt Orks sollen sich hier aber die Gesellen des Weihnachtsmanns rumtreiben. Es ist nur Zeit für eine Stipvisite eingeplant, aber ausgerechnet die, die nur kurz reinschauen wollen, verlaufen sich und machen die große Runde – wer sich auf den mittellangen Rundweg gemacht hat, hatte daher noch genug Zeit für den Souvenirshop…

Der mächtige Krater Hverfjall, der die Landschaft dominiert, lädt ebenfalls zu einem Besuch ein. Er entstand vor rund 2500 Jahren bei einer Wasserdampfexplosion – Magma traf auf Grundwasser, und das Ergebnis dieser Explosion rieselte senkrecht herunter und formte den mächtigen Tuffring. Es gibt wohl nur wenige vergleichbare Strukturen auf der Welt. Wir kommen ihm allerdings nur auf Sichtweite nahe, für einen Besuch kommt keine Mehrheit zustande. Stattdessen geht es zu den Ferienhäuschen, die wir für die Nacht gebucht haben.

Mini-Häuschen für die Nacht

Mini-Häuschen für die Nacht

Die Häuschen sind ziemlich neu und richtig süß: Ein Zimmer, Schlafzimmer, Kochecke, Bad und Hot Pod. Der Hot Pod wird mit warmem Grundwasser gefüllt und zusätzlich beheizt; ganz so entspannend wie ein norwegisches Bobblebad ist das allerdings nicht. Trotzdem nett.

Da die Umgebung der Häuschen außer Wasserfällen nicht viel zu bieten hat, fahren wir für das Abendessen nach Húsavík. Das Städtchen macht einen hübschen Eindruck: Gepflegte Häuser und weniger ungepflegt oder lieblos gebaut als in anderen Orten, in denen wir bislang waren. Hübsch. Der Hafen ist auch für Tourismus ausgelegt: Einige Boote bieten Walsafaris an, auch auf Segelbooten, teilweise mit regenerativem Zusatzmotor. Auf Touristen ist der Ort trotzdem nur bedingt eingerichtet: Ein Restaurant wird gerade saniert, eines hat über eine Stunde Wartezeit, und das war’s dann eigentlich auch schon so ziemlich für zehn Leute… Wir reservieren einen Platz und nutzen die Wartezeit für einen Gang durch den Ort und um Getränke zu kaufen.

Mit etwas über 2200 Einwohnern ist auch Húsavík überschaubar, sodass wir mehr als rechtzeitig wieder im Restaurant sind. Auf der Speisekarte stehen vor allem Burger, aber zum Glück nicht nur… Der Laden selbst ist urgemütlich, und das Essen schmeckt auch. Dann steht für den Tag nur noch an, zurück zur Unterkunft zu fahren und zu schauen, was der Hot Pod hergibt.

Share on Tumblr

Island im Tiefflug, Teil 3

Fosshotel Núpar

Fosshotel Núpar

Das Fosshotel Núpar war unsere Unterkunft für die Nacht. Ein interessanter Bau: Ein Containerdorf im Nirgendwo. Aber egal: Zum Übernachten langt es locker; und vor ein paar Nächten im Ibis Budget in Essen habe ich deutlich schlechter geschlafen und gefrühstückt. Die Mehrbettzimmer haben alles, was man braucht: Bequeme Betten und jede Menge Steckdosen. Blöd nur, dass ich vergessen habe, mein Funkgerät über Nacht auszuschalten bzw. zu laden… Das Hotel ist zwar nicht mein üblicher Standard, aber mit Abenteuerurlaub hat es auch nicht viel zu tun. Island ist komfortabel geworden.

Das Ödland, indem das Hotel liegt, ist typisch für den nächsten Abschnitt unserer Tour. Heute stehen 457 Kilometer an, die uns bis an die isländische Ostküste bringen werden. Der erste Streckenabschnitt führt durch die trostlosen Weiten des Skeiðarársandur. Ein Sander ist eine Schwemmlandebene, und der Skeiðarársandur ist 50 km lang und bis zu 30 km breit. Erst seit 1974 durchquert eine feste Straße dieses Gewirr aus Gestein und Flussläufen, die immer wieder ihren Lauf ändern. Während der Schneeschmelzee und bei Gletscherläufen führen sie Unmengen von Wasser mit sich. Die letzte große Überschwemmung war 1996 – die Reste einer Brücke, die damals zerstört wurden, stehen immer noch am Straßenrand als Flutdenkmal, drei Kilometer hinter der mit 964 m längsten Brücke Islands. Vom Flutdenkmal sind auch Gletscher zu sehen – Ausläufer des Vatnajökull.

Die rustikaleren Teile des Skaftafell-Besucherzentrums

Die rustikaleren Teile des Skaftafell-Besucherzentrums

Vom Flutdenkmal aus war es nicht mehr weit bis zu unserem nächsten Ziel: Dem Besucherzentrum des Skaftafell-Nationalparks. Zwei Wanderwege passen in unseren Zeitplan: Entweder zum Skaftafellsjökull, einem Gletscher, oder zum Wasserfall Svartifoss. Für beide Touren sind je eineinhalb Stunden einzuplanen, wir entscheiden uns mehrheitlich für den Svartifoss – so viele Wasserfälle hatten wir ja bislang nicht. Ich schleppe mein Stativ mit (ich sollte doch mal über ein Carbon-Stativ nachdenken. Oder einen Tragegurt, wenn ich die Tragetasche nicht mitnehme. Die Einkaufsliste wächst mit jeder Tour…) – Fototime!

Auf dem Weg zum Svartifoss kommen wir erst am kleinen Hundafoss vorbei, bevor der Svartifoss dann sichtbar wird – aus der Ferne eine kleine, schwarze Basaltwand in der Landschaft.

Foto-Stopps haben einen Nachteil: Bis man am Ziel ist, sind die ersten Kollegen schon wieder auf dem Rückweg. Naja, nicht mein Problem, wenn man sich keine Zeit nimmt. Ich bin doch nicht zum Spaß hier – also mache ich es mir im Fluss bequem, wo ich freien Blick auf den Wasserfall habe, und nehme einige Belichtungsreihen auf. Macht Spaß:-)

So langsam wird das mit dem Wasserfallfotografieren, und wenn man die Kamera weit genug im Abseits aufbaut, sieht man auch die Spuren der Zivilisation nicht auf den Bildern. Schließlich ist der Svartifoss nicht unbekannt und der Weg dahin gut ausgebaut. Nach der Fotosession wird es dann auch schon wieder Zeit für den Rückweg, schließlich haben wir für den Jökulsárlón Karten vorbestellt.

Rund 70 km sind es bis zu diesem Gletschersee. Direkt davor überqueren wir die Jökulsá, mit 800 Meter Islands kürzester Fluss. Sie entspringt dem Gletschersee Jökulsárlón, der mit Amphibienfahrzeugen befahrbar ist. Wir machen eine Tour mit: Für etwa 30 Minuten kurven wir über den See, knipsen Eisberge und Robben und lassen ein Stück Eis durchgehen.

Sogar die Sonne lässt sich blicken und bringt das Farbenspiel der Eisberge noch besser zur Geltung. Der See ist nur etwas über 100 Jahre alt – erst seit dem späten 19. Jahrhundert hat sich der Gletscher Breiðamerkurjökull so weit zurückgezogen, dass See und Fluss entstanden sind. Nach der Fahrt steht noch ein Besuch im Kiosk an; ein Restaurant für das Mittagessen ist auf unserer heutigen Route kritisch – also muss Proviant gebunkert werden. Es gibt belegte Sandwiches…

Der nächste Stop ist nicht weit weg: Die „Diamond Beach“ an der Mündung der Jökulsá ist ein weiterer Strand aus schwarzer Lava, auf dem zahllose kleinere Eisberge liegen und sich als vergängliche Fotomotive anbieten. Nur die Brandung boykottiert ein paar Aufnahmen… Auch wenn es dekadent erscheint: Wir sind zum Strand gefahren. Agressive Seevögel verleiden einem den Fußweg am Fluss entlang.

Diese Rentiere sind wohl aus Norwegen herübergeschwommen...

Diese Rentiere sind wohl aus Norwegen herübergeschwommen…

Nach der Diamond Beach heißt es Kilometer schrubben – bis Egilsstaðir (mit über 2300 Einwohnern die größte Stadt im Osten Islands) stehen keine wichtigen Ziele auf dem Plan, und gehalten wird nur, wenn die Gegend interessant aussieht. Zum Beispiel für einige der 3000 isländischen Rentiere, auch wenn es nicht so leicht ist, mit der kleinen Wagenkolonne immer gleich einen Parkplatz zu finden.

A propos: Parkende Autos am Wegesrand sind oft ein Hinweis darauf, dass es etwas zu sehen gibt. So haben wir auch das Hvalnes Naturschutzgebiet gefunden. Noch ein schwarzer Strand, an dem viele Vögel brüten sollen. Tja, was soll ich sagen: Haben wir den auch gesehen. Die Küstenlandschaft fand ich imposanter.

Der Sveinstekksfoss stand dagegen ganz regulär auf dem Plan – ein hübscher, etwas versteckter Wasserfall. Die Piste dorthin ist etwas steil, lohnt sich aber. Der Wasserfall wird durch eines der seltsamen Tore geschützt, die wohl Tiere abhalten sollen.

An der Ostküste

An der Ostküste

Der Abstecher lohnt sich, wie auch ein weiterer: Wir verlassen die Ringstraße und nehmen eine Alternativroute nach Egilsstaðir, die landschaftlich reizvoller und schöner zu fahren ist. Durch eine verschneite Landschaft geht es an der Küste entlang auf der Route 92, inklusive einem fast sechs Kilometer langem Tunnel mit Blitzern. Normalerweise wird in Island wohl aus Autos heraus geblitzt, aber hier im Tunnel wird auch mal was anderes ausprobiert. Außerhalb des Tunnels gibt es immer wieder strahlend blauen Himmel und eine zunehmend winterlich-verschneite Landschaft. Unser Reiseziel ist der Fährhafen Seyðisfjörður, da wir in Egilsstaðir keine Zimmer mehr gefunden haben.

Die Fähre "Norröna" nach Färöer

Die Fähre „Norröna“ nach Färöer

In Seyðisfjörður legt die Fährverbindung zu den Färöer-Inseln an – das Schiff sehen wir auch noch, bevor es ablegt. Unsere Unterkunft sind zwei schmucke kleine Ferienhäuser von Lónsleira Appartments, die nur einen Nachteil haben: Zwei Bäder für zehn Leute, was gerade morgens einige Logistik nötig macht. Als Fahrer kann ich zum Glück eine Spätschicht im Bad durchsetzen…

Frühstück gibt es in dem Örtchen keines, aber im Skaftfell eine gute Pizzeria, die auf unser Kommen vorbereitet wurde. Die Einrichtung ist rustikal-pragmatisch und urgemütlich, das Essen empfehlenswert.

Seyðisfjörður selbst hat noch etwas weniger als 700 Einwohner, Tendenz wie in weiten Teilen Ostislands sinkend. Dementsprechend machen viele Häuser auch einen heruntergekommenen Eindruck – wer weiß, wie viele mittlerweile verlassen sind? Ein Konstrukt namens Tvísöngur hat mein Interesse geweckt, und ein vormitternächtlicher Verdauungsspaziergang führt durch den Ort an einigen Wasserfällen vorbei zu dem Bau. Unterwegs sehen wir unter anderem eine Kanone des Tankers El Grillo, der hier 1944 von deutschen Bombern versenkt wurde, und das Technikmuseum direkt neben dem unscheinbaren schwedischen Konsulat. Die Stadt wurde als erste in Island voll elektrifiziert wurde.

Nach mehreren Wasserfällen fanden wir – immerhin war ich am Ende der Tour nicht ganz alleine, Sandra nahm auch jedes Stückchen Island mit – kurz vor Mitternacht die Kuppeln des Tvísöngur. Das Bauwerk soll die Fünfklangharmonie traditioneller isländischer Musik darstellen oder so – ganz bin ich mir über die Funktionsweise nicht im klaren, aber zumindest gab es einen schönen Ausblick auf die Stadt. Die hellen Nächte sind irritierend, daher stand uns eine kurze Nacht bevor, nachdem wir wieder zurück in den Ferienhäusern waren…

Share on Tumblr

Island im Tiefflug, Teil 2

Da unser Hotel kein Frühstück anbietet und auch sonst leer ist (zum Auschecken wird der Schlüssel einfach am Tresen abgegeben), überrennen wir am nächsten Morgen die benachbarte Bäckerei, die ausreichend belegte Brötchen, Sandwiches und Süßstückchen für uns bereit hält. Auch die vielen Handwerker, die während unserem Frühstück vorbeikommen, dürften noch satt geworden sein. Ehre, wem Ehre gebührt: Ich habe im Ausland schon schlechteres Brot gegessen als in Island.

Auf der Ringstraße

Endlich auf der Ringstraße

Der Gluggarfoss

Der Gluggarfoss

Heute geht es richtig auf die Ringstraße, nach dem gestrigen Abstecher auf den Golden Circle. Die heutige Etappe umfasst nur 262 km entlang der Südküste, aber mit ausreichend Zwischenstopps. Ich kriege einen ersten Eindruck davon, wie ich mir Island im Gedächtnis behalten werde: Mit einer Linie aus Teer mittendurch. Ich stelle langsam fest, dass ich das falsche Kameraequipment habe: Eine Dashcam wäre sinnvoller gewesen… Nächstes Mal.

Macht aber nichts, auch für gute Kameras gibt’s genug Ziele. Da wäre zum Beispiel der Gluggarfoss, den wir fast für uns alleine haben. Nachdem die andere Touristengruppe weg ist, die vor uns da war, sind nur noch wir und ein Fotograf aus Großbritannien da. Er macht es für eine Fototour richtig: Alleine unterwegs und im Auto schlafen. Aber auch uns bleibt genug Zeit, um bei gutem Wetter mal Wasserfall Fotografieren zu üben. Macht Spaß, und neben den Graufiltern kommt auch auch der Polfilter zum Einsatz.

Trockene Straßen

Trockene Straßen

Das nächste Ziel ist wieder ein Wasserfall – der Seljalandsfoss. Wobei, der Weg ist das Ziel: Erst einmal geht’s auf eine Schotterpiste. Abstand halten, Gas geben und Staub aufwirbeln. Habe ich schon erwähnt, dass ich mal eine Selbstfahrertour durch Namibia machen will? Sowas wie hier wäre reizvoll… Vielleicht übernächstes Jahr. Wenn ich eine Dashcam habe, und mein Konto sich von Skandinavien wieder erholt hat…

Nach viel zu kurzer Fahrt erreichen wir dann wieder Asphalt und etwas später den Seljalandsfoss mit einem gut besuchten Parkplatz. Auch wenn die Sonne scheint, wird’s jetzt nass: Der Wasserfall hat sich eine Höhle gegraben, sodass man hinter ihm hindurch gehen kann. Jetzt zeigt sich, was die Kamera aushält.

In der Höhle des Gljúfurárfoss

In der Höhle des Gljúfurárfoss

Damit ist noch nicht genug: Ein paar Wasserfälle weiter geht es in eine kleine Höhle, wo einen der Gljúfurárfoss erwartet. Nicht jeder traut sich rein – so mancher Touri bevorzugt es, einfach im Eingang stehen zu bleiben. Ganz wie zuhause. Aber mit etwas Geduld gibt es doch ruhige Minuten, in denen man in der oben offenen Höhle/Schlucht fast alleine ist. Trotzdem muss man sich beim Fotografieren ran halten: Es ist eine nasse Sache. Hier spendiere ich meiner Kamera auch mal den professionellen Regenschutz (vulgo: Müllbeutel mit Gummiband und Loch für das Objektiv), sodass ich nur die Linse ständig trocken legen muss. Der Wasserfall heißt auch Gljúfrabúi, was Wikipedia mit Schluchtenbewohner übersetzt. Passt.

In der Schlucht machen sich auch meine wasserdichten Schuhe wirklich bezahlt. Während alle Welt sich am Felsrand drängt, habe ich deutlich mehr Bewegungsraum. Feine Sache. Ich weiß, warum ich so gerne in Norwegen Schuhe kaufe…

Dürfen’s noch mehr Wasserfälle sein? Auf der Fahrt zum 62 Meter hohen Skógafoss kommen wir an einigen Wasserfällen vorbei, die Boden nicht einmal erreichen. Sind das noch Wasserfälle, oder heißen die schon Wasserflüge? Oder Wasserwehen? Fragen über Fragen, die unbeantwortet bleiben. Am Skógafoss bleibt dann auch keine Luft mehr, um darüber nachzugrübeln: Die windige Treppe, die am Wasserfall entlang führt, raubt einem noch mehr den Atem als es der Anblick des Wasserfalls tut.

Trotzdem: Der Aufstieg lohnt sich, auch wenn man nicht die Acht-Stunden-Rundwanderung zum Eyjafjallajökull auf sich nimmt. Hier kann ich auch wunderbar die Frage beantworten, was ein Polfilter macht: Er kann Regenbögen verschwinden lassen. Die Frage „Warum sollte ich das wollen?“ bleibt ebenfalls unbeantwortet:-)

(Das ist natürlich nicht der Sinn eines Polfilters. Er reduziert vor allem Spiegelungen auf Wasser, das so durchsichtiger wird oder keine Glanzpunkte mehr setzt – vor allem an bedeckten Tagen ist das sehr nett. Er kann auch blaueren Himmel machen oder Reflexionen an Glasscheiben reduzieren, nur bei extremen Weitwinkeln ist er bei klarem Himmel überfordert – er funktioniert nicht in jeder Himmelsrichtung gleich gut, sondern ist vom Einfallswinkel des Sonnenlichts abhängig.)

4 km bis zum Flugzeugwrack. Schade.

4 km bis zum Flugzeugwrack. Schade.

Am Skógafoss ist dann auch Zeit für das Mittagessen. Auf der Speisekarte stehen typisch isländisch wieder einmal Burger. Gut, dass ich kein Vegetarier bin, sondern das einheimische Essen genießen kann.

Das nächste Fahrtziel fällt flach: Auf dem schwarzen Strand von Sólheimasandur liegt seit 1973 das Wrack einer Douglas DC-3. Allerdings ist der Strand Privatbesitz und mittlerweile für PKW gesperrt. Für den 4 km langen Fußmarsch haben wir keine Zeit, aber der vollgestellte Parkplatz deutet darauf hin, dass das Wrack gut besucht sein dürfte. Verständlich, dass das Wrack nicht mehr mit dem Auto erreichbar sein soll, damit dort wenigstens noch etwas Ruhe ist.

Wir fahren stattdessen weiter bis zum Leuchtturm von Dyrhólaey in 120 m Höhe. Mein Reiseführer rät Wohnmobilen über VW-Bus-Größe von der Fahrt ab, ich fand das Allrad-SUV ganz passend für die Route. Nach der holprigen Auffahrt dürfte in jedem Wohnmobil erst mal Aufräumen angesagt sein…

Der Ausblick lohnt sich: Auf der einen Seite das schwarze Sólheimasandur, auf der anderen Seite noch mehr schwarzer Sand bis hin zu den Felsnadeln des Reynisdrangar im Meer.

Ein Stop jagt den nächsten: Vom Leuchtturm geht es herunter zum nächsten Parkplatz, für Fotosession und Essenspause (wofür hatten wir heute früh schließlich Proviant in der Bäckerei besorgt), und dann runter zum schwarzen Strand bei Vík í Mýrdal. Dort laufen gerade Dreharbeiten für einen Film, daher ist ein Teil der Küste gesperrt – wir nutzen die Zeit für Gruppenfotos, bevor wir ein Stück entlang der Basaltstrukturen wandern können, bevor die Flut kommt. Die Reynisdrangar-Felsen im Wasser sind eine eindrucksvolle und viel fotografierte Kulisse, aber der Weg durch die Lava-Kiesel ist anstrengend. Vor Flutwellen möchte ich hier wirklich nicht weglaufen.

In Vík í Mýrdal wird nur kurz Halt gemacht: Tanken (geht nur mit Kreditkarte, Menschen arbeiten an den isländischen Tankstellen keine – und Tankquittungen kriegt man auch kaum aus den Automaten raus) und shoppen – Icewear hat hier einen großen Fabrikverkauf und ist günstiger als der Laden bei den Geysiren gestern. Leider ist nichts im Angebot, was mich reizen würde, auch wenn die Qualität stimmt.

Die Metropole mit fast 300 Einwohnern verlassen wir rasch, um später ins Gelände abzubiegen. Fjaðrárgljúfur heißt das nächste Ziel, eine zwei Kilometer lange Schlucht, die bis zu 100 Meter tief ist. Imposant. Ein paar von uns wandern bis zum Ende der Schlucht, während die Drohne einen Einsatz hat und die Schlucht von oben und innen erkundet. Krasse Bilder, der Preis für das Extragepäck hat sich gelohnt. Wow. (Vielleicht veröffentlichen wir sie mal. Vielleicht auch nicht.)

Am Fjaðrárgljúfur trennen sich dann unsere Wege: Ein Wagen fährt schon einmal voraus zum nächsten Hotel, während Drohne und Wanderer noch unterwegs sind. Bis wir dann auch aufbrechen, zeigt ein Blick auf die Uhr, dass wir uns auf die Suche nach einem Abendessen machen sollten – die meisten Restaurants schließen schon um 21 Uhr, und das Hotel Núpar liegt ziemlich im Nirgendwo. Die Lösung: Eine Pizzeria (endlich kein Burger!) in Kirkjubæjarklaustur. Nach einiger Wartezeit bekommen wir sogar Sitzplätze für sieben Leute. Das Essen ist okay, wenn auch recht würzig. Warnung: Die große Pizza ist groß.

In Kirkjubæjarklaustur trennen sich unsere Wege erneut: Ein Wagen steuert das Hotel an, ich kann meine Mitfahrer zu einem Besuch am Kirkjugólf überreden, dem Kirchenboden – eine ganze Reihe von Basaltsäulen enden hier auf Bodenhöhe und erinnern an den Boden einer Kirche. Sie sind aber eine rein natürliche Formation, auch wenn es hier einst Mönche gab. Auf dem Weg dahin sehen wir einige isländische Ziegen, die sich für die Nacht in ihren unterirdischen Bau zurückziehen (zumindest erscheint es so?) und das Grab von Hildir – als der heidnische Wikinger in das Gebiet der Mönche ziehen wollte, fiel er der Überlieferung nach tot um und wurde in einem Grabhügel bestattet.

Nächstes Ziel: Dverghamrar, ein paar Kilometer weiter neben einer Kuppe. Die Zwergenklippe ist eine weitere Basaltformation, die von einem recht engen Durchgang durchschnitten wird. Eine Hinweistafel erinnert daran, dass sich um diesen Ort wohl viele Sagen ranken, die mittlerweile allesamt vergessen sind – aber 1904 soll das Mädchen Ólafia Pálsdóttir dort wunderschönen Gesang gehört haben, die Hymne „Vater im Himmel“ (Faðir á himna hæð). Es waren wohl christliche Lichtelfen, die da sangen. Gesang hörten wir keinen, aber dafür den Ruf der Natur, sodass wir uns recht bald auf die letzte Etappe machten, zu Hotel mit allem Komfort der Zivilisation.

Share on Tumblr