Ein paar Bilder vom Merkurtransit

13:24 MEZ: Merkur vor der Sonne; ED80/600 mit Hyperion 36mm, Okularprojektion

13:24 MEZ: Merkur vor der Sonne; ED80/600 mit Hyperion 36mm, Okularprojektion

Langsam zieht es zu über Heilbronn, aber ein paar Bilder sehen schon ganz nett aus. Rechts ist die Sonne durch einen Herschelkeil zu sehen, und das Bild darunter zeigt sie durch den Coude der Sternwarte. Beide Bilder wurden mit der Nikon D7100 entstanden.

Unser Livestream unter https://sternwarte.org/live funktioniert jedenfalls schon mal, aber einen Zeitrafferfilm dazu habe ich aufgegeben – zu viele Wolken, und die Nachführung auf die Sonne läuft nicht gut genug.

Aber bis zur Sofi muss ich noch ein paar mal üben, ich seh’s schon kommen…

Die Sonne im Coudé.

Die Sonne im Coudé.

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Vorbereitungen für SoFi und Merkurtransit

Kamera mit Sonnenfilter

Kamera mit 500er Tele und Baader ASSF-Sonnenfilter

Noch zwei Tage bis zum Merkurtransit, und – zum Glück – über ein Jahr bis zur Sonnenfinsternis in den USA 2017. Ich glaube, die Vorbereitungszeit brauche ich auch…

Vor einer Woche hätte ich gesagt, dass ich das Equipment zusammen habe. Der Sonnenfilter passt, und sogar mit dem Solar Eclipse Maestro blicke ich langsam durch – sehr coole Sache: Die Software errechnet aus den GPS-Koordinaten vom Standort, wann welche Phase einer SoFi ist, und mit etwas Glück arbeitet die Kamera dann die ganze zeit von selber das Programm ab. Erste Trockentests zeigen, dass die Steuerung mit meiner D7100 funktioniert. Und in der Praxis? 500mm an APS-C sind schon recht anspruchsvoll, um das Sonnenbild zu finden – ich brauche noch einen Sonnensucher. Da werde ich wohl die neue Version vom Baader SkySurfer III draufsetzen. Prinzipiell geht’s auch ohne, aber das muss ich mir nicht antun.

Improvisierte Scheinerblende

Improvisierte Scheinerblende

Fokussieren ist das nächste Problem… im Prinzip geht das mit dem manuellen 500mm f/6,3 Objektiv (Bower steht drauf, Power^Up war beim Versand als Marke angegeben, Walimex hat’s auch, und bauen tut’s wohl Samyang) ganz gut, aber nicht bei Sonnenschein, wenn man das Bild in der prallen Sonne auf dem Kameradisplay beurteilen will. LiveView hin oder her, das muss dann auch noch über den Laptop gehen. Das Beobachtungstuch von Astrogarten ist zwar Gold wert, aber wenn ich den Laptop eh dabei habe… Immerhin: Eine Scheinerblende funktioniert auch an der Sonne und hilft dabei, die Schärfe zu beurteilen: Wenn beide Sonnenbilder übereinander liegen, ist das Bild scharf.

Das nächste Problem: 500mm sind schon heftig… Ein Manfrotto-Fotostativ mit Kugelkopf ist damit überfordert, das Baader Astro&Nature schlägt sich schon besser. Trotzdem wackelt es beim Scharfstellen schon ganz ordentlich. Aber wenn ich das Bild dann schon am Laptop beurteilen will, wäre ein Motorfokus sinnvoll… für die Fokusklemme bietet TS auch einen Motorfokussierer an. Noch was für die Einkaufsliste. Zusammen mit der Gegenlichtblende kommt das Objektiv dann doch auf einen spürbaren Preis, und ich muss mal sehen, wie stabil der StarAdventurer das ganze dann trägt.

Aktuell kann ich jedenfalls schon ziemlich gut unscharfe Sonnenbilder machen. Mal sehen, ob ich das bis zum Merkurtransit noch optimieren kann, oder doch klassisch durch das Teleskop fotografiere. Bis jetzt überzeugen die Versuche mit dem 500er Tele noch nicht ganz; aber das Bildfeld sieht für die SoFi nächstes Jahr schon mal nicht ganz schlecht aus. Bei der geringen Sonnenaktivität dürfte die Korona gut auf den Sensor passen…

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Island-Appetizer

Noch gut ein Monat bis Island – Zeit, die Fotoausrüstung zu überprüfen und auf Youtube zu versumpfen, auf der Suche nach Inspiration.

Ich stelle hier mal einen Schwung Videos ein, die die Messlatte hochsetzen…

 

 

 

Ich muss doch noch Equipment kaufen…

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Hurtigrute April 2016 – das Video zur Reise

Jetzt endet die Norwegen-Saison für mich endgültig – das Video zur Reise ist jetzt auf meinem Vimeo-Kanal unter https://vimeo.com/alexkerste zu finden:

Wenn ihr auf Vimeo geht, gibt es unter dem Video auch die Schaltfläche „Herunterladen“.

Da wir nur zwei Nordlicht-Nächte hatten und die Mitternachtssonne langsam kommt, gibt’s jetzt mal ein Video, das auch Norwegen bei Tag zeigt.

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Tag 10 & 11: Brønnøysund, Trondheim und mehr

Der Norden bleibt zurück

Der Norden bleibt zurück

Lately it occurs to me, what a long, strange trip it’s been: Am Morgen des 12. April überqueren wir schon wieder den Polarkreis, diesmal südgehend bei bedecktem Himmel und weiterhin ruhiger See. Um 9:15 gibt es die berühmte Polarkreiszeremonie, diesmal mit Lebertran. Vorher konnten noch alle das Polarkreismonument fotografieren konnten, die es beim ersten Mal versäumt hatten. Ich sehe mir diese „Vorführung arktischer Tradition“ auf dem Außendeck nur kurz an: Um 11 Uhr haben wir eine Abschlussveranstaltung, bei der wir Infos zur Abreise geben, noch einmal anstoßen und die Reise Revue passieren lassen. Die letzten neun Tage habe ich dazu zu einem kleinen Film zusammengefasst. Wir hatten zwar nur wenige Wolkenlücken, die uns den Blick auf das Polarlicht ermöglichten, aber es geht bei der Tour ja nicht nur um den Blick in den Himmel, sondern auch auf den auf Norwegen – und das wieder einmal sehr eindrucksvoll, selbst auf meiner mittlerweile siebten Reise. So konnte ich einige Häfen erstmals bei Tag sehen, und ein gutes Polarlicht hatten wir ja auch.

Sieben schüchterne Schwestern

Sieben schüchterne Schwestern

Unser Abschluss-Treffen ist natürlich noch nicht das Ende der Reise, gut 24 Stunden bleiben noch. Wobei es auch ausreichend Programm gibt: Kurz nach unserer letzten Veranstaltung legen wir auch schon in Sandnessjøen an. Am Kai gibt es die Möglichkeit, echte norwegische Trolle zu kaufen – Kari hat ihre Beziehungen spielen lassen, damit wir uns nicht mit Massenware made in China begnügen müssen. Die halbe Stunde Aufenthalt langt für einen kurzen Spaziergang entlang der hübschen Straße mit den zahlreichen Kunstwerken. Die Bergkette der sieben Schwestern zeigt sich verhüllt, sodass dann ein letzter Gang ums Mittagsbuffet ansteht. Viel zu fotografieren gibt es wohl nicht.

Eis-Traum in Brønnøysund

Eis-Traum in Brønnøysund

Die Bergkette gehört wie auch der Berg Hestmannen am Polarkreis zu längsten Sage, ebenso der Torghatten bei Brønnøysund. Der berühmte Berg mit Loch kommt bald in Sicht, und damit einer der Höhepunkte des Tages: Die Eisdiele direkt am Anleger von Brønnøysund. Vielleicht hätte ich für die drei Kugeln doch gleich einen Becher nehmen sollen – für mehr Stabilität kriege ich meine Waffel mit unterstützender Pappschachtel serviert, und da die Waffel bald zerbröselt, hole ich mir doch noch einen Löffel. Aber was soll’s, es ist lecker – vor allem, weil es am Schiffsbuffet dieses Jahr noch auf keiner meiner Touren Eis gab – und motiviert manchen Gast, sich auch noch eines zu holen. Die Crew vom Schiff kennt die Eisdiele ohnehin schon lange.

Wenig später legen wir schon wieder ab und passieren den Troghatten. Ein kleiner Schlenker ermöglicht den Blick in das Loch, durch das der graue Himmel schimmert.

Captain's Dinner

Captain’s Dinner

Nächstes Event, um 18 Uhr und kurz nach der Bergpassage: Kapitäns-Abendessen, oder Captain’s Dinner. Captain Ulvøy begrüßt uns dreisprachig und sagt Danke, bevor die Crew einmal durch das Restaurant paradiert. Zum Essen gibt es dann Entenbrust. Anschließend wird noch zu einem Geburtstag gratuliert, und unser „letztes Abendmahl“ auf dem Schiff endet. Es ist langsam an der Zeit, die Koffer zu packen.

Um 20:30 steht noch ein letzter Termin an: Wir legen in Rørvik an. Den Hafen habe ich mit Spannung erwartet, schließlich begegnen wir dort der Polarlys, die bereits von Hurtigruten auf das neue Arktische Design umgebaut wurde. Die Umbaumaßnahmen haben der Hurtigrute bereits den Spitznamen „Hüttenroute“ (Hytteruten) beschwert – ob es wirklich so schlimm ist?

Ganz offen: Mein Ding ist es nicht; mit Schiff hat das neue Innenleben nicht mehr viel zu tun. Im Panoramasalon, der eigentlich ein stiller Aufenthaltsraum war, laufen drei oder vier Fernseher plus Musikberieselung, die Bar auf Deck 7 hat schon den Spitznamen Puppenstube bekommen, und das ganze wirkt klinisch kalt. Viele Bänke sind auf das Innere des Schiffs gerichtet; und die Stühle im Vortragsraum stehen jetzt quer zur Fahrtrichtung. Mal sehen, wann die ersten in der Barentssee von den Stühlen kippen… Dafür wurden die Beamer durch einen riesigen Touscreen-All-in-One-PC ersetzt, sodass man seine Vorträge per USB-Stick einspielen kann. Mal sehen, ob hier genauso gut gegen Viren desinfiziert wird wie vor dem Restaurant. Immerhin die Rezeption ist schön hell, wobei ich nicht weiß, wie sie auf der Polarlys vorher war. Das Restaurant hat wohl nur noch rund 60 Plätze, anscheinend gibt es jetzt Abends zahlreiche Sitzungen mit Buffet. Für große Reisegruppen scheidet das Schiff damit eigentlich aus.

Wenn das Ziel ist, dass Hurtigruten-Wiederholungstäter die meiste Zeit draußen verbringen oder das arktische Design Kälte vermitteln soll, ist es jedenfalls gelungen… Aber vielleicht trifft es ja den Geschmack von anderen Reisenden, wenn Skier an der Wand hängen.

Jedenfalls gefällt mir die Trollfjord gleich doppelt so gut wie vorher, als ich wieder an Bord bin. Den Abend nutzen wir, um die Heuer zu vertrinken, bevor die Cruisecard gesperrt wird. Bei unserem letzten Check ist die Wolkendecke weitestgehend geschlossen und zeigt nur etwas Abenddämmerung; am nächsten Morgen gibt es ein paar Berichte von etwas grünem Polarlicht – Aktivität war ja da, aber es waren wohl nicht genug Wolkenlücken, um Bescheid zu sagen.

MS Trollfjord und MS Vesterålen

MS Trollfjord und MS Vesterålen

Und dann war es das auch schon: Am nächsten Morgen muss die Kabine bis um 8:00 geräumt werden. Wer will, konnte sein Gepäck am Vorabend bis Mitternacht vor die Fahrstühle stellen, damit es zum Transferbus gebracht wird; alle anderen bringen es selbst am Morgen selbst vom Schiff. Wir fahren mit zwei Bussen, der erste geht um 9:30 direkt zum Flughafen, der zweite etwas später mit Zwischenhalt in Trondheim.

Ich bin im erstem Bus, aber auch so bleibt genug Zeit für ein Frühstück und einen Blick auf die Vesterålen, die hinter uns am Kai liegt. Beim Verlassen des Schiffs gibt es das übliche kleine Chaos; und meine Gepäckwaage kommt bei gefühlt der Hälfte der Koffer zum Einsatz. Ein paar werden noch umgepackt, um unter 23kg zu kommen.

Bustransfer

Bustransfer

Dann geht es Schlag auf Schlag: Ab zum Flughafen, einchecken an den Automaten, das Gepäck am einzigen KLM-Schalter abgeben, ab durch die Security und nach kurzer Wartezeit in den 12:15-Flieger nach Amsterdam. Der Flughafen Amsterdam Schiphol hatte gestern Abend einen kleinen Terroralarm wegen „einer verdächtigen Person“, aber bei meinem kurzen Zwischenstopp ist wieder alles normal. Allerdings habe ich eh Glück: Schon nach einer Stunde sitze wieder im Flieger und werde von der Besatzung mit einem freundlichen Hello again begrüßt – es ist die selbe Crew, mit der ich schon in Bergen gestartet war.

Nach der Landung in Frankfurt kommt dann die Idee auf, dass es doch praktisch wäre, wenn wir unser Gepäck gleich beim Flieger entgegennehmen könnten, aber wir müssen doch am Gepäckband warten. Inklusive Gepäckabholen und dem Weg von Terminal 2 zum Parkhaus am Terminal 1 vergeht so doch noch rund eine Dreiviertelstunde, bevor ich mich in den Feierabendstau auf der Autobahn stellen kann.

Das war’s dann erstmal mit Norwegen und Flughafen Frankfurt, bleiben nur noch ein paar Nacharbeiten wie mein Filmchen. Die nächste Tour ist Ende Oktober mit der Finnmarken, und alle anderen für dieses Jahr gebuchten Flüge starten in Stuttgart oder Nürnberg.

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Tag 9: Harstad, Stokmarknes und Svolvær

Die Noorderlicht

Die Noorderlicht in Harstad

Die Vesterålenrundfahrt gehört zu den Ausflügen, die ich in der Regel meide – wenn es Abends wieder einmal spät wird, ist der frühe Tourbeginn übel. Bereits um 9:15 geht die Busfahrt los; und Tromsø hat neben dem Mitternachtskonzert auch schöne Kneipen zu bieten. Da ich das Mitternachtskonzert schon zu Silvester gesehen hatte und der Nieselregen mich gestern Abend doch auf dem Schiff hielt, schaffe ich es heute früh entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch, kurz vor der Einfahrt nach Harstad wach zu sein. Die Bustour mache ich trotzdem nicht mit, aber ich sehe den Hafen einmal, sogar bei Tageslicht.

Die Trondenes-Kirche

Die Trondenes-Kirche

Direkt vor uns liegt die Nordlys; für einen Besuch ist die Zeit aber zu knapp – schade. Ebenfalls im Hafen liegt die hübsche Noorderlicht, die ich bereits im Februar in Finnsnes gesehen hatte. Was mich eigentlich aus den Federn getrieben hat, ist die Kirche von Trondenes. Die älteste Steinkirche Norwegens liegt ein Stück außerhalb der Stadt und ist mangels Kirchturm kaum als solche zu erkennen – er steht ein Stück abseits, da der Troll, der die Kirche einst errichtete, sie nicht mehr vollenden konnte.

Nach der Fotosession steht erst einmal Frühstück an, um dann die Fahrt durch die Risøyrinne zu genießen. Sie ist nur wenig tiefer als unser Schiff, sodass der Kapitän sich strikt an die Markierungen halten muss. Neben den Kormoranen besiedeln jetzt auch zahlreiche Möwen und andere Vögel die Strecke.

Der Königsstein in Risøyhamn

Der Königsstein in Risøyhamn

In Risøyhamn steht für Thomas und mich ein kurzer Spurt zum Königsstein an. Beim Verlassen des Schiffs heißt es: Drei Minuten – aber das langt, die eigentliche Liegezeit beträgt ja 15 Minuten, und der Weg ist nicht so weit. Wir schaffen das. Der Stein wurde von den Königen Håkon und Olav anlässlich der Eröffnug der Risøyrinne unterzeichnet und ist wohl das touristische Highlight des Ortes, zumindest für Reisende auf der Hurtigrute. Für die benachbarte Galerie bleibt gewiss keine Zeit… Also hin und wieder zurück, mit ein paar Fotos mehr in der Kamera. Diese Exkursion ist deutlich entspannter als der Besuch beim Hexendenkmal in Vardø…

Hallo, Ausflügler!

Hallo, Ausflügler!

Die Reise geht weiter nach Sortland. Kari hat einige Leute zusammengetrommelt, damit wir den Ausflugsbussen zuwinken können, wenn sie die Brücke zeitgleich mit uns passieren – immer wieder ein netter Spaß. Sortland selbst fällt natürlich mit dem Mittagessen zusammen; die blaue Stadt sehe ich auch mit dem Frühjahrsfahrplan immer nur vom Schiff aus.

Der nächste Halt ist Stokmarknes mit dem Hurtigrutenmuseum. Bei einer Stunde Aufenthalt kann man entweder in das Museum mit der alten Finnmarken gehen, sich das Städtchen anschauen oder einen Ausflug in den Coop machen, um Souvenirs wie Moltebeerenmarmelade oder Schokolade zu kaufen.

Im Raftsund

Im Raftsund

Eine halbe Stunde nach Stokmarknes geht es auch schon in den Raftsund. Nordgehend hatten wir hier Polarlicht, jetzt tiefhängende Wolken. Der Eindruck: Mit dem Schiff durch die Alpen. Die hohen Felswände sind zum Greifen nah, faszinierend. Irgendwann fängt dann das Rätselraten an: Wo startet eigentlich die Seeadler-Safari? Wir legen zu Beginn dieser Exkursion doch an gar keine Hafen an?

Mitten im Raftsund geht dann ein relativ kleines blaues Boot längsseits und legt an der Steuerbordseite der Trollfjord an – nur die Ballons an der Seite verhindern eine Kollision. Eine Gangway wird ausgelegt, und die Teilnehmer der Safari klettern an Bord. Also so läuft das hier…

Der Trollfjord

Der Trollfjord

Die Vogelfreunde nehmen wir erst in Svolvær im Hafen wieder an Bord, für uns geht die Reise weiter Richtung Trollfjord. Wegen Lawinengefahr ist er immer noch gesperrt (auch die Seeadler-Tour darf nicht hinein), aber vorne am Bug herrscht andächtiges Schweigen, als wir uns langsam der engen Mündung nähern. Die umliegenden Gipfel sind in Wolken verhüllt – es gehört nicht viel Fantasie dazu, um im Nebel Trolle und andere Wesen zu vermuten.

Schließlich drehen wir ab, und das viel zu frühe Abendessen wartet auf uns: In Svolvær stehen immer wieder Ausflüge an, auch wenn die Angeltour mangels Teilnehmern abgesagt wurde. Mittlerweile geht auch ein ekelhafter Schneeregen herunter… Zwei Stunden reichen aus, um sich das Städtchen und jede Menge Stockfisch anzuschauen, oder im Anker beim Scandic-Hotel zu versumpfen. Die Kneipe ist urig, wobei sie im Winter noch besser wirkt, wenn draußen keine Spuren der Moderne zu sehen sind.

Svolvær

Svolvær

Da wir noch bei Tageslicht hier sind, sind auch die Berge im Hintergrund gut zu sehen, mit der Svolværgeita – zwei 1,8m auseinander stehende Bergspitzen, die wie Hörner aussehen. Bei der Abfahrt ist es wieder trocken, und in der Bar ist viel los: Einige Musiker aus Tromsø geben ein kleines Konzert. Kaum tut sich was, ist die Bar gefüllt. Das ist ganz was anderes als die Konservenmusik, die ansonsten den Raum erfüllt – sehr schön. So kann man den Tag ausklingen lassen.

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Tag 8: Hammerfest & Havnnes

Bestes Wetter vor Hammerfest

Bestes Wetter vor Hammerfest

Der Tag beginnt mehr als nur vielversprechend: Vor Hammerfest begrüßt uns ein strahlend blauer Himmel, nur ein paar Wölkchen verleihen der endlosen Weite etwas Tiefe. Kurz nach zehn nähern wir uns der Flüssiggasanlage Melkøya, und es gibt wieder Energiekaffee. Diesmal tendiert er mehr auf die schokoladige Seite; ich hatte hier schon deutlich schlechtere Mischungen. Ein paar Gäste waren so freundlich, mir eine Tasse mitzubringen, um auch meine Energiereserven aufzufüllen.

20160410-10h-12m-DSC_0647Hinter Melkøya taucht auch schon Hammerfest auf. Wir haben dieses Mal nur eine Stunde Liegezeit, ziemlich knapp für die Stadt. Also gibt es nur einen kurzen Ausflug zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten: Einmal durch den Hafen am Musikpavillon und an meiner immer noch gut eingeschneiten Bank vorbei zum Zickzackweg, dann rechts zu Kapelle, Kirche und Wiederaufbaumuseum. Die halbe Stunde ist für das Museum natürlich zu knapp, aber es genügt, um einen Eindruck davon zu erhalten, was hier im Krieg abging und wie Hammerfest sich danach wieder aufrappelte. Im Turm sieht man den Wandel in der Bebauung von selbstgezimmerten Hütten in der Vorkriegszeit zu vordesignten Fertighäusern nach dem Krieg und hat einen guten Blick auf die Stadt. Sehr schön ist, dass nicht nur die Zerstörungen in Hammerfest gezeigt werden, sondern u.a. auch in Mostar, Hiroshima und Dresden – Respekt. Gewinner gibt es im Krieg keine, nur sinnlose Zerstörung. Nie wieder Krieg ist ein Motto, das leider zunehmend in Vergessenheit gerät.

Im Hafen gab es noch eine schöne Überraschung: Die Gamle Måløy liegt im Hafen. Das Schiff wurde 1959 gebaut und ähnelt den Hurtigrutenschiffen der damaligen Zeit, arbeitete allerdings als Lokalfähre und wurde später für Walsafaris eingesetzt. Zurzeit wird sie restauriert. Es ist schon eindrucksvoll, wenn man einem Schiff vom Kai aus in den Schornstein schauen kann…

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Das gute Wetter hält leider nicht an, stattdessen ziehen immer mehr Wolken auf. Aber immerhin ist die See wieder sehr ruhig, und die Landschaft wirkt auch mit dunklen Wolken oder Nebel faszinierend. Unseren nächsten Halt in Øksfjord verpasse ich: Mein letzter Vortrag steht an. Sogar ein paar Trolle kann ich in meinem Sternsagen-Vortrag einbauen.

Die Überquerung der Lopphavet unterscheidet sich kaum von der Fahrt an der Küste entlang, es ist sehr ruhig. Skjervøy erreichen wir pünktlich um 18:00. Im Winter nordgehend endete hier schon oft eine schöne Nordlichtshow; jetzt fehlen sowohl Grün als auch Blau am Himmel. Sehr schade.

Havnnes

Havnnes

Mit dem Abendessen beginnt auch der Grund für unseren kürzeren Aufenthalt in Hammerfest: Seit Anfang April fahren die Hurtigrutenschiffe wieder durch den Lyngenfjord. Die hohen Gipfel sind nebelverhangen, aber auch durch die Scheiben des Restaurants eindrucksvoll. Ich verzichte auf meinen Nachtisch und schließe mich Thomas an, der ebenfalls die Landschaft dem Essen vorzieht. Auf der Route liegt auch der alte Handelsplatz Havnnes. Unser Schiff hält hier nicht, aber wir werden dennoch freudig begrüßt: Am Kai stehen zwar nicht alle 50 Einwohner des Örtchens, aber doch eine ganze Anzahl.

Winkewettbewerb mit Havnnes

Winkewettbewerb mit Havnnes

Auch bei uns an Bord ist einiges los, zwei Offiiziere mit Norwegen-Fähnchen sind ebenso an Deck wie zahlreiche Passagiere. Unser Schiff fährt fast bis an den Kai, bevor es doch wieder abdreht. Was für ein Spektakel; am Kai wird sogar eine Feuerwerksrakete gezündet. Trotzdem nehmen wir keinen der Einwohner mit. Auf Facebook ist das ganze dann auch vom Kai aus zu sehen, inklusive Fotos: Premiereseiling i Lyngen – MS Trollfjord først ut. Anklicken lohnt sich!

Leider halten sich die Wolken zwischen den Bergen. Weder das Treffen mit der Midnatsol noch das gemeinsame Krabbenpulen an Deck machen Hoffnung auf Polarlicht, und in Tromsø kommt eine Mischung aus Schnee und Regen vom Himmel. Den mitternächtlichen Gang in die Stadt erspare ich mir und sortiere nur noch ein paar Bilder aus, bevor ich Feierabend mache.

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Tag 7: Wendepunkt Kirkenes

Kurs auf Kirkenes

Kurs auf Kirkenes

Im Frühjahr zu fahren hat seine Vorteile, wenn man etwas von der Landschaft sehen will – sogar als Spätaufsteher. Mir bietet sich diesmal die Chance, die Anfahrt auf Kirkenes mitzuerleben. Normalerweise nutze ich diesen Aufenthalt gerne, um mit allem auf den aktuellen Stand zu kommen und das Schiff zu fotografieren, wenn alle auf Ausflügen sind, aber diesmal ist meine To-Do-Liste angenehm klein. Da kann ich nach dem Frühstück ganz entspannt die 20-Minuten-Wanderung in den Ortskern auf mich nehmen.

Im Hafen von Kirkenes treiben einige Eisschollen herum, da er vor dem Golfstrom geschützt ist – den östlichsten Punkt der Route haben wir mit Vardø in der Nacht passiert und sind nun schon wieder ein Stück südlich in einer großen Bucht. Trotzdem sind die Temperaturen recht angenehm, rund +5°C. Nach dem Frühstück und dem obligatorischen Blick in den Kiosk am Hafen geht es dann also ab in das Städtchen.

Das Feuerwehrauto ist nicht mehr im Dienst.

Das Feuerwehrauto ist nicht mehr im Dienst.

Viel zu bieten hat Kirkenes aber nicht, auch wenn die Häuser mittlerweile gut gepflegt sind und es ein paar nette Details gibt, zum Beispiel die Bären an den Laternenpfosten des Rathausplatzes, das Russendenkmal oder der Schutzbunker Anders-Grotta. Auch das alte Feuerwehrauto, das bis etwa 2002 noch im Einsatz war, hat seinen Reiz. Wohnen wollte ich hier oben trotzdem nicht, und es gibt nicht viel Wehmut, als wir pünktlich um 12:30 in See stechen und die neuen Gäste an Deck auf den Beginn ihrer Reise anstoßen können.

Die Überfahrt nach Vardø ist etwas holprig, einige Wellen sorgen für ein wenig Action. Einigen Passagieren ist es schon zu viel… mich stört zum Glück nur, dass wir Vardø wieder einmal mit Verspätung erreichen. Erst kurz vor 16:00 erreichen wir den Hafen. Die gute Nachricht: Die Liegezeit wird verlängert, wir haben doch eine volle Stunde Aufenthalt! Das langt für einen Besuch am Steilneset Hexendenkmal. Mit sehr zügigem Schritt schaffen wir den Weg in 11 Minuten – aber auch nur, weil es hell ist, der Weg zu sehen ist und kein Schnee liegt.

Bei finsterer Nacht und alleine wirkt es noch bedrohlicher, dafür sehe ich es jetzt auch einmal von außen. Rund 100 Menschen wurden hier im 17. Jahrhundert verbrannt, nachdem sie sich unter Folter der Hexerei für schuldig bekannt hatten. Ein kleines Infoheft fasst die Schicksale zusammen. In Hammerfest und Vardøhus fanden die Prozesse statt. Unter der norwegischen Bevölkerung traf es vor allem Frauen verbrannt, während bei den Sami eher Männer zum Tode verurteilt wurde – wohl auch Schamanen, die man bei der Gelegenheit gleich los wurde.

Die Festung Vardøhus

Die Festung Vardøhus

Neben dem düsteren Gang, in dem Lampen an jedes Opfer erinnern, steht noch ein Glasbau, in dem ein Stuhl brennt. Die Spiegel an der Decke sollen es jedem ermöglichen, sich einmal virtuell auf diesen Stuhl zu setzen. Das klappt nur mäßig… Aber es bleibt ohnehin nicht allzu viel Zeit, und schon bald heißt es ab zum Schiff. Noch ein paar Fotos der Festung Vardøhus von der anderen Seite, und dann ertönt auch schon die Schiffshupe – noch zehn Minuten bis zur Abfahrt. Da wird einem schon etwas anders, aber wir schaffen es als letzte noch an Bord. Hier ist dann genügend Zeit, um die Infobroschüre durchzulesen, die am Steilneset auslag.

Båtsfjord

Båtsfjord

Heute haben wir keinen Vortrag nach Vardø, und Eismeerbaden gab es auch keines. Damit können wir den Abend ruhig ausklingen lassen, und trotz des Abendessens bleibt noch Zeit für einen Blick auf Båtsfjord. Das Städtchen hat anscheinend einen Spitzenplatz bei den angelandeten Fischmengen; viel mehr als Fischerei ist hier oben aber auch kaum möglich.

Als Spätprogramm ist noch eine kurze Modenschau geplant – die wird ansonsten gerne vor Tromsø gemacht, um die Zeit bis zum Mitternachtskonzert zu überbrücken, aber diesmal findet sie einen Tag vorher statt. So können wohl alle, die in Tromsø aussteigen, noch einen Blick in den Shop werfen. Ich muss aber nicht mitmachen, schließlich laufe ich schon die ganze Reise mit der roten Hurtigruten/Helly-Hansen-Jacke rum.

Modenschau

Modenschau

Dafür werden Kari und Thomas als Models verpflichtet und auf den Catwalk geschickt, um die aktuelle Mode vorzuführen – zusammen mit einigen anderen der Crew. Das Ereignis ist recht kurz, aber trotzdem nett anzuschauen. Weniger Spaß macht dagegen der Himmel. Die Kong Harald am Hafen von Berlevåg habe ich verpasst, dafür kann ich ein paar Schneeflocken bewundern. Das einzige Nordlys gibt es heute Abend wieder an der Bar, wo wir den Tag ausklingen lassen. Schade eigentlich.

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Tag 6: Honningsvåg

Bevor ich mit meinem Tagesrückblick beginne, muss ich erst noch einen Tipp weitergeben, der mir zugetwittert wurde. In den letzten Tagen kam die Frage auf, ob sich das Nordlicht auch schneller bewegt, oder ob wir im Fernsehen und so immer nur Zeitrafferaufnahmen sehen. Ja, die meisten Filme sind Zeitraffer und zeigen mehr Farben als unser Auge wahrnehmen kann. Aber mittlerweile sind einige Kameras so gut, dass Live-Aufnahmen möglich sind, die dem visuellen Eindruck nahe kommen. Auf meiner Februar-Reise hatte ein Passagier eine Sony A7S dabei, was Echtzeitvideos ermöglicht (in meinem Film von der letzten Reise sind ein paar Szenen von ihm dabei), und zwei Videos will ich nicht vorenthalten. Dieser hier entstand Ende März:

und dieser ist schon etwas älter, dafür mit spielenden Walen:

Ich sammle noch Spenden für eine neue Kamera…

Natürlich muss für solche Aufnahmen alles stimmen – das Wetter, die Sonnenaktivität, und man selbst muss auch am richtigen Ort sein. Trotzdem: Wow!

Wilde Landschaft

Wilde Landschaft

Und wie sieht’s grad auf der Trollfjord aus? Eher trübe: Für die Barentssee ist Regen oder zumindest eine ziemlich durchgehende Wolkendecke vorausgesagt, erst südgehend im Raum Skjervøy/Tromsø soll es klar sein (nach aktueller Prognose). Immerhin ist die Seen wieder ruhig, nachdem es letzte Nacht ein wenig Wellengang gab. Aber wirklich nur ganz wenig.

In Havøysund haben wir die Verspätung von gestern bereits fast wieder reingeholt und legen mit nur einer Viertelstunde Verzögerung wieder ab. Die Landschaft in der Magerøya-Straße ist wieder beeindruckend: Schroff, abweisend, schneebedeckt und absolut faszinierend.

Alle Vögel sind schon da

Alle Vögel sind schon da

Mittlerweile tummeln sich auch zahlreiche Vögel in der Luft und auf dem Wasser; der Winter geht eindeutig dem Ende zu, und die Tierwelt kommt zurück. Ab 9:30 zeigt das Schiff den Film über die samische Geschichte; für mich ist viel wichtiger, dass es jetzt gerade nichts zu Essen gibt – für das Frühstück war ich zu spät dran (Havøysund war interessanter), und zwischen 9:30 und 10:15 ist das Restaurant heute geschlossen. Aber auf der Reise sammelt man genug Reserven, sodass ich nicht ins Cafe ausweichen kann. Stattdessen gehe ich an den Bug, lasse mir den Wind um die Ohren wehen, führe ein paar Gespräche und sehe zu, wie Honningsvåg immer näher kommt. Das Wetter bietet von Sonne bis Regen alles, und ich lasse den Nordkap-Ausflüglern Vortritt am Buffet. Es ist auch so noch genug übrig, als wir angelegt haben, die Busse gestartet sind und ich mich meinem Frühstück widme.

Aber die Kalorien müssen auch wieder verbrannt werden, also geht es danach ab in den Ort. Endlich kann ich einmal die ganzen Statuen am Hafen zuordnen. Drei steinerne Figuren und eine Metallskulptur sind rund um das Hafenbecken verteilt:

Die Trash Art ist also bei weitem nicht das einzige Kunstwerk in Honningsvåg. Dazu kommen das Denkmal für den Hund Bamse (ein Kriegsheld), die Büste des Regisseurs Jansen am Aussichtspunkt über der Stadt und viele weitere Details. Kunst und Fisch scheinen hier sehr wichtig zu sein.

Ein Einkaufs-Schlitten

Aufmerksame Augen sehen außerdem noch einen der typischen Schlitten, die im nordnorwegischen Winter das Fahrrad ersetzen. Der Weg zum Aussichtspunkt über der Stadt ist jetzt frei, unter dem ganzen Schnee ist also eine asphaltierte Straße – gut zu wissen. Am Wegrand nach der letzten Abzweigung liegt der Schnee noch gut schulterhoch. Da sieht man mal, wo wir vor eineinhalb Monaten drübergestiefelt waren.

Honningsvåg von oben.

Honningsvåg von oben.

Der Ausblick ist wie gewohnt schön, und das Wettergeschehen beeindruckend. Vielleicht haben die Nordkap-Fahrer ebenfalls gutes Wetter? Später an Bord erfahre ich, dass sie leider Nebel hatten; nur die Anfahrt über die Insel Magerøya hatte schönes Wetter.

Auf dem Rückweg schaue ich noch beim Cafe Retro vorbei. Es ist geschlossen und wird zum Kauf angeboten. Macht die Eigentümerin doch Ernst mit ihren Plänen? Es wäre schade, aber dass sie sich mit den günstigen Preisen so lange halten konnte, hat mich ohnehin verwundert. Schade – die Heiße Schokolade war gut und günstig.

Rettungsübung in Honningsvåg

Rettungsübung in Honningsvåg

Also ab zurück auf das Schiff, wo gerade wieder ein Ernstfall geübt wird. Ein rotes Schild an meiner Kabinentür signalisiert mir, dass ich wohl erfolgreich evakuiert wurde, und im Hafen – wo mittlerweile sogar die Sonne scheint – sehen wir eines der Rettungsboote. Gut zu wissen, dass es uns im Ernstfall gut gehen würde.

Ich quatsche mich an Deck fest und komme erst lange nach dem Ablegen dazu, mal kurz in das Schiff zu gehen – vielleicht für eine halbe Stunde oder so, dann nähern wir uns auch schon der Finnkirka. Bei Tageslicht ist sie leichter zu fotografieren als im Winter, aber auch weniger fotogen. Dafür die Finnkirke ohne die Lichtshow natürlicher. Endlich kann ich auch mal mit dem Tele arbeiten und brauche nicht das lichtstarke Weitwinkelobjektiv.

Die örtlichen Fischer erklären, wie man Dorschzungen herausschneidet.

Die örtlichen Fischer erklären, wie man Dorschzungen herausschneidet.

Der örtliche Fischer ist ebenfalls leicht zu knipsen. Allerdings bringt er jetzt keine Königskrabben an Bord, sondern Dorsch. Nachdem er von seinem Speedboot aus das Schiff geentert hat, wird auf Deck neun demonstriert, wie man an die Dorschzungen herausschneidet. Einige Freiwillige dürfen sich ebenfalls daran versuchen, bis wir in Kjøllefjord anlegen. Das idyllische Örtchen ist im Frühjahr nicht mehr ganz das vertraute Winterwunderland, aber immer noch nett anzuschauen. Wir nehmen wieder Fracht auf: mehrere Paletten Eier. Anschließend steht um 18:00 auch schon das Nordkap-Buffett an. Die Dorschzungen mögen ja teuer sein, kulinarisch überzeugen sie uns aber nur mäßig – wobei ich sie gar nicht erst probiere, sondern mich auf Vorspeise (Schinkenröllchen und ähnliches) sowie Dessert (viel zu viel) konzentriere.

Eine mehrstöckige Torte stammt vom Patisserie-Lehrling im Küchenteam, die seit einem halben Jahr an Bord ist. Es traut sich wirklich jemand, dieses Kunstwerk anzuschneiden. Nun, das Buffet geht schnell, und nachdem wir in Mehamn die Teilnehmer der Schneemobilsafari wieder eingesammelt haben und über die Barentssee holpern, hält Hans seinen zweiten Vortrag über das Planetensystem. Parallel dazu signiert der Küchenchef um 20:30 das Hurtigruten-Kochbuch.

Geheimnisvolle Welten im Vortragsraum

Geheimnisvolle Welten im Vortragsraum

Anschließend bewahrheitet sich der Wetterbericht: In Berlevåg regnet es, somit haben wir heute Abend auch wieder frei. Kein Polarlicht. Mist. Und von der Lofoten, der wir vor Berlevåg begegnen sollten, ist auch nichts zu sehen – die kurvt gerade bei Stokmarknes herum.

Da das einzige Nordlys, das wir heute sehen, von der Mack-Brauerei stammt, lassen wir den Rest des Abends also gemütlich in der Bar ausklingen, bevor wir von der Barentssee (für hiesige Verhältnisse) sanft in den Schlaf gewiegt werden.

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Tag 5: Tromsø

Zur Abwechslung wieder ein trüber Morgen

Zur Abwechslung wieder ein trüber Morgen

Ein ruhiger Tag, zumindest für mich: Um Viertel nach neun werfe ich erstmals einen Blick aus dem Fenster und sehe einen trüben Himmel. Eigentlich war unser erster Vortrag für 9:00 geplant, aber wegen einer Terminkollision mussten wir ihn auf den Mittag verschieben. Nach der letzten Nacht ist das aber gar nicht schlecht, schließlich muss man auch mal schlafen. Daher lasse ich das Frühstück ausfallen, mache meinen Nordlicht-Zeitrafferfilm fertig, twittere ihn und gehe in Finnsnes kurz von Bord. Das Wetter ist wieder trübe – ob wir für diese Tour den Rhythmus beibehalten, dass auf einen schönen Tag ein bedeckter folgt? Von schlechtem Wetter will ich bei milden Temperaturen und ruhiger See ja gar nicht sprechen.

Finnsnes und die benachbarte Insel Senja gehören zu den Fleckchen, von denen man auf der Tour eigentlich viel zu wenig mitkriegt. Senja ist die zweitgrößte Insel Norwegens und auch ein beliebter Ort für Polarlichttouren. Mir langt die Zeit nur, um ein paar Meter vom Schiff wegzugehen, die Schoko-Reklame einmal nicht von hoch oben zu knipsen und ein paar Schritte die Straße entlangzugehen.

Schokowerbung in Finnsnes

Schokowerbung in Finnsnes

Nach der Bewegung in Finnsnes kann ich mich dann guten Gewissens am Mittagsbuffet dem Frühstück widmen, nachdem ich mein Blog noch aktualisiert hatte. Kurz nach 13:00 dann der Blick auf die Uhr: Schon so spät? Und das jetzt, wo es extrem leckere Mousse au Chocolat gibt, bei der in 100 Gramm wohl 200 Gramm Schokolade enthalten sind? Aber gut, um 13:15 ist Hans mit seinem Vortrag dran, und ich will schließlich auch hören, was er über die Sonne zu erzählen hat. Außerdem zeigen wir ja die Polarlichtbilder der letzten Nacht:-)

Nach dem Vortrag bleibt noch eine Dreiviertelstunde, bis wir in Tromsø anlegen. Es ist draußen schon wieder sehr winterlich geworden: Schnee dominiert, auch wenn die Temperaturen mit rund +5° immer noch angenehm sind. Aber die Anfahrt auf die Stadt lasse ich mir nicht entgehen.

Kurs auf Tromsø

Kurs auf Tromsø

Das Wetter ist immer noch trüb, aber schon etwas besser; im Lauf des Nachmittags gibt es sogar ein paar blaue Flecken am Himmel. Eigentlich ideal, um mal wieder die Stadt zu erkunden. Tromsø ist ja als Paris des Nordens bekannt, also steht Einkaufen an – die Buchbestellungen abholen, nach gescheiten Schuhen schauen, nochmal in die Buchhandlung, dann in den Coop zum Auffüllen der Vorräte, zwischendrin hoch auf den Aussichtspunkt bei der Fischereischule – der Nachmittag geht schnell rum. Irgendwie erledige ich in Norwegen immer die ganzen Einkäufe, für die ich in Deutschland keine Zeit habe… Die typischen Touri-Highlights werden natürlich ebenfalls abgeklappert, und Tromsøs Greatest Souvenir Shop hat auch einige neue Sachen im Angebot. Hier lasse ich diesmal aber kein Geld. Trotzdem: Ein Besuch ist immer wieder ein Erlebnis. So viel Kitsch, und sogar ein paar reizvolle Sächelchen.

Die Tour zur Fischereischule ist neu, bislang war mir dieser Aussichtspunkt entgangen. Den Tipp verdanke ich Marcus, der ihn auf der letzten Tour von einem Wiederholungstäter erhalten hatte. Von da oben hat man wirklich einen hübschen Ausblick. Wenn ich schon nicht auf den Hausberg Storsteinen hoch komme, weil die Fjellheisen-Seilbahn noch getestet wird, bevor Touristen reingesetzt werden, gibt es immerhin von dort einen Blick auf die Stadt. Die Gondeln der Bahn sind noch im Probebetrieb. Während der Anfahrt hing eine Gondel ziemlich lange vor der Bergstation in der Luft – ist vielleicht ganz gut, dass erst mal getestet wird.

Da der Schnee in der Stadt weitestgehend verschwunden ist, zeigen sich auch die Spuren des Winters: Zahlreiche Bürgersteige und Straßen sind zerbröselt, und etwas abseits der Innenstadt ist auch manches Haus renovierungsbedürftig. Zuerst ist aber die Straßenreinigung schwer am Schaffen: Der Bagger mit der großen Bürstenwalze, der den ganzen Rollsplit zur Seite schiebt, ist schon beeindruckend. Und der Schneehaufen neben der Fischereischule deutet darauf hin, das mit dem Schnee auch gerne mal Asphalt weggeräumt wird. Ich bin gespannt, wie es hier im Oktober aussieht, nach dem Sommer. Da es noch hell ist und die Wolkendecke weitestgehend geschlossen, brauche ich heute Abend während des Abendessens keine Polarlichtwache zu machen. Damit fällt das Essengehen in Tromsø auch aus, ich kann ausnahmsweise in Tromsø auf dem Schiff essen.

Der Rest des Tages ist entspannt: Während des Abendessens legen wir noch einmal im Norden von Tromsø an, um zusätzliche Fracht aufzunehmen, die wegen eines Streiks nicht am normalen Kai eingeladen werden konnte. Im Anschluss hält der Kapitän einen interessanten Vortrag über Leuchttürme und Navigation im Lauf der Zeit – war schön, einmal einen Einblick in seine Arbeit zu erhalten. In Tromsø hat der Kapitän übrigens gewechselt. Jeder arbeitet ja 22 Tage am Stück, und er Wachwechsel kann so einigermaßen nahe an den Wohnorten erfolgen. Nur die Crewmitglieder, die Ansprechpartner für die Passagiere sind, machen normalerweise die Rundreise von Bergen aus.

Die Nordnorge

Die Nordnorge

Ein letzter Programmpunkt bleibt noch, nachdem der Himmel bedeckt ist: Der Nordnorge winken. Da sind gerade einige Reiseleiter an Bord, die wir auch kennen, also muss das sein. Da beide Schiffe Verspätung haben, begegnen wir ihr erst kurz vor 22 Uhr. Mittlerweile ist es dunkel und windig genug, dass wir nur erahnen können, wer gerade an Bord ist. Immerhin weht der Wind mir das Handtuch nicht aus der Hand. Anschließend bleibt nur noch, den Abend zu genießen und in Ruhe ausklingen zu lassen, während die Trollfjord versucht, die Zeit wieder aufzuholen. Skjervøy erreichen wir um 23:45 mit 75 Minuten Verspätung, und damit habe ich auch wieder genug Internet, um diesen Blogbeitrag abzuschicken. Da der Himmel weiterhin bedeckt ist, ist es Zeit für Feierabend. Aber erst nach einem Gang um das Schiff, schließlich hat Skjervøy eine hübsche kleine Kirche. Wenn dieses Mal schon kein Nordlicht über der Stadt schimmert, wird wenigstens die fotografiert.

Skjervøy

Skjervøy

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