Hurtigrute Tag 7: Kirkenes

Einmalige Chance: Vadsø

Irgendwie ist mein Schlafrhythmus durch den Nordlicht-Mangel komplett durcheinander geraten: Ich bin bereits um 7 Uhr wach und habe tatsächlich mal wieder die Chance, Vadsø zu sehen. Freunde der Luftschifffahrt kennen die Stadt als Startpunkt von Nordpol-Expeditionen mit dem Zeppelin, Hurtigrutenfahrer wissen, dass die Schiffe hier nur auf der nordgehenden Route anhalten – den Weg nach Kirkenes finden auch genügend normale Schiffe, da müssen wir nicht zweimal am selben Tag vorbei kommen.

Viel interessanter ist der nächste Hafen: Kirkenes, der Wendepunkt der Reise. Die nordgehende Hurtigrute ist schon wieder ein ganzes Stück südwärts gefahren, wir sind wieder etwa auf der Höhe von Tromsø. Den Golfstrom haben wir somit hinter uns gelassen, und einige Eisschollen treiben uns entgegen. Minus zehn Grad sind für Kirkenes angesagt, obwohl es mir wärmer vorkommt. Zum Glück geht kein Wind.

Eisschollen vor Kirkenes

Die Zeit bis zum Hafen vertreibe ich mir mit Fotos (das Wetter sieht gut aus, die Eisschollen auch) und der Reiseleiter-Sprechstunde, während das Restaurant gut gefüllt ist: Wer in Kirkenes Hundeschlitten fahren oder zur russischen Grenze will, sollte das Frühstück vor der Ankunft um 9 Uhr erledigen. Nach Abfahrt der Ausflügler ist es dann angenehm ruhig im Frühstücksraum.

Etwas später brechen Margit und ich in die Stadt auf, diesmal auf einer ungewohnten Route: Statt nach rechts in die City führen uns unsere Schritte nach links, zu dem Aussichtspunkt am Fjellveien. Danach trennen sich unsere Wege: Sie geht weiter zum Grenselandmuseum, während ich direkt auf die Innenstadt zuhalte.

Kirkenes-Panorama

Das Eisgericht

Bis der Schnee schmilzt, hat Kirkenes noch eine besondere Attraktion: Das Eisgericht hinter dem Scandic-Hotel. Im Rahmen des Barents-Festivals wurde hier in einem Kunstprojekt den Politikern der Prozess gemacht, die ohne Rücksicht auf die Natur die Bodenschätze ausbeuten wollen. Dazu wurde ein Gerichtsstand aus Eis erbaut, und das Urteil dieses Schauprozesses fiel eindeutig zugunsten der Natur aus. Es ist aber nur rein symbolisch, die wahren Kämpfe werden in Oslo ausgetragen. Da die Erzmine wieder einmal geschlossen ist, hat das natürlich an Bedeutung gewonnen.

Danach steht noch ein kleiner Bummel durch die Stadt an: Marktplatz, Rathaus und über die Anders-Grotte zurück zum Schiff. Bei einer der beiden Kirchturmuhren hängen nun beide Zeiger traurig nach unten, und einer scheint abgebrochen zu sein.

Vardø

Die Überfahrt nach Vardø ab halb eins ist etwas holprig, und wir erreichen die Stadt mit gut einer halben Stunde Verspätung statt der üblichen 15 Minuten. Mit guter Fahrt, aber ohne Beschleunigen und Bremsen ist die Strecke wohl in der angegebenen Zeit zu schaffen – keine Ahnung, warum der Fahrplan nie realistischer ausgelegt wurde.

Auch wenn wir erst um 17 Uhr wieder ablegen, bleibt in Vardø natürlich keine Zeit, um zum Hexendenkmal zu spurten – 40 Minuten sind etwas zu sportlich. Während das Expeditionsteam über die Straße zur nahe gelegenen Festung wandert, schaue ich mir einmal das Eismeerbaden in der Barentssee an.

Eismeerbaden

Es gibt tatsächlich eine ganze Reihe Unverfrorener, die kurz in das Becken im Hafen hüpfen. Ganz ehrlich: Das muss ich nicht mitmachen. Aber wer es mag… rund ein Dutzend Gäste machen mit und erwerben sich so die kostenlose (!) Urkunde.

Anschließend ist Hans mit unserem vierten Vortrag dran, diesmal am Puls der Zeit: Expoplaneten, auf der Suche nach der zweiten Erde. Auf dem Gebiet hat sich in den letzten 20 Jahren ja unheimlich viel getan. Dann heißt es auch schon wieder Anstehen zum Abendessen, und in Anbetracht der Wetterprognose den Abend ruhig ausklingen lassen. Als nächster Programmpunkt steht eigentlich nur die Begegnung mit der Finnmarken vor Berlevåg an. Also noch einmal entspannen, bevor es morgen vor Tromsø hoffentlich die große Show gibt.

Nur dass wir etwa um 20:40 eine Wolkenlücke und wirklich schönes Polarlicht haben. Im dritten Anlauf schaffen Hans und ich es sogar, das Schiff dazu zu bringen, nicht nur die Außenbeleuchtung samt Schornstein auszuschalten, sondern auch die Heizstrahler, die überraschend hell sind.

Was soll ich sagen: Wow. Der Himmel ist bei weitem nicht völlig klar, aber die Show hat rechts und über dem Schiff mit einem hellen Band begonnen, das auch deutlich geisterhaft grün war. Die Aktivität verlagerte sich langsam hinter das stark schwankende Schiff und verschwand hinter den Wolken – zwischen denen es dann auf einmal deutlich grün aufblitzte. Und dann war über uns genug Wolkenlücke, um die Aurora tanzen zu sehen, in Grün ebenso wie in Rot und Violett. Das hätte ich bei diesem Wetter wirklich nicht erwartet. Aber jetzt können alle, die an Deck waren, wirklich sagen, dass sie Polarlicht gesehen haben. Bis kurz vor Berlevåg können wir die Show genießen, dann ist der Himmel wieder weitestgehend zugezogen.

Die Finnmarken

Mit dem Ende der Show und dem Einlaufen in Berlevåg gab es endlich auch die Chance, sicher wieder ins Schiff zurückzukehren – es hatte doch ordentlich geschwankt.

Ach ja, Finnmarken war auch noch: Wie gewohnt ging sie fast auf Kollisionskurs, aber an Deck war nicht viel los. Ich würde sagen, die Winkekonkurransje ging unentschieden aus. War trotzdem schön, bevor es in das nächste Schneegestöber ging.

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Hurtigrute Tag 6: Honningsvåg und Nordkapp

Die Spitsbergen

Eigentlich sollte ich die Route ja mittlerweile gut genug kennen, um vor Fehlplanungen gefeit zu sein, aber wie es halt so läuft… Kurz nach halb neun begegnen wir kurz vor Havøysund der südgehenden MS Spitsbergen, was natürlich für ein Fotoshooting genutzt wird – Ende Februar ist es um diese Zeit längst schön hell. Wie das Schiffchen sich durch die Wellen kämpft ist auch ein hübscher Anblick.

Anschließend laufen wir in Havøysund ein und wecken die Einwohner mit dem Schiffstyphoon, dann noch schnell ein paar Gespräche führen und den Zeitrafferfilm von gestern twittern, und endlich ab zum Frühstück.

Havøysund

Nur dass heute Nordkapp-Tag ist und es nur bis 9:30 statt bis 10 Uhr Frühstück gibt. Dafür gibt es schon um 10:30 Mittagessen, für alle, die mit dem Bus zum Nordkapp fahren. Naja, ein Frühstück weniger ist auch kein Fehler, und ich habe ja noch den Ambassador-Orbstkorb auf der Kabine. Muss der halt dran glauben.

Vor der Fahrt durch den Magerøya-Sund kommt noch eine Warnung über die Schiffslautsprecher: Wir werden etwa eine Stunde ohne Internet sein, weil es hier oben kein Netz gibt. Aber wir kriegen die Zeit auch so rum: Die schneebedeckte Landschaft ist faszinierend, dazu perfektes Wetter mit tiefblauem Himmel. Am Vormittag haben wir wieder Sprechstunde mit Tipps für Honningsvåg, aber die meisten machen eh den Nordkapp-Ausflug oder den Hiking-Trip mit dem Expeditionsteam. Aber ein paar wollen sich doch den Ort anschauen.

Kurz vor Honningsvåg gibt es schon die ersten Vorbereitungen für die übliche Rettungsübung: Das kleine Motorboot auf der Backbordseite wird abgesetzt – schließlich liegen wir immer mit der backbord-linken Seite am Kai. Nachdem wir in Honningsvåg angelegt haben, mache ich ein paar Fotos von Schiff und gehe dann Essen, anschließend starte ich einen kleinen Rundgang: Erst einmal auf die andere Hafenseite, um die Nordkapp von der Steuerbordseite zu fotografieren, dann wieder mal hoch zum Aussichtspunkt mit der Büste des Regisseurs. Einige andere Passagiere haben den Weg auch gefunden. Bemerkenswert: Es liegt eigentlich kaum Schnee. Zwar muss man sich schon ein wenig den Weg entlang kämpfen, aber auf dem alten Friedhof über der Stadt ist teilweise der nackte Erdboden zu sehen. Es ist der schneeärmste Winter seit 60 Jahren, zweifellos.

Sonntags hat Honningsvåg eher wenig zu bieten. Das Cafe Retro und die Buch- und Schreibwarenhandlung in der Nähe des Anlegers sind geschlossen und suchen neue Mieter, und der Souvenirshop hat bis heute Urlaub – auch wenn ein Kundenfänger behauptet, er hätte heute offen. So bleibt mir nur ein Besuch beim Denkmal von Bamse.

Das Wetter wird schlechter…

Auf dem Schiff werden wieder Waffeln und heiße Schokolade angeboten, damit keiner der Ausflüglers wegen des frühen Mittagessens verhungert. Ich mache es mir im Panoramasalon/Bar bequem, um mein Blog für gestern zu schreiben. Auf den neuen Sesseln halte ich es aber nicht lange aus, zum Glück gibt es noch ein paar Sofas… Derweil wird das Wetter draußen wie angekündigt schlechter, dunkle Wolken ziehen auf. Aber die Nordkap-Besucher hatten Glück und perfektes Wetter. Timing ist alles.

Für 15 Uhr steht eine Präsentation über das Nordlicht von Martin auf dem Tagesprogramm, die Durchsage kündigt dann aber einen Film an – darauf kann ich verzichten. Der nächste Programmpunkt ist dann um 16:20 eine Smacksprobe auf Deck 7: Bidos wird serviert, eine samische Suppe mit Gemüse und Rentier. Irgendwie habe ich die vegetarische Version erwischt… aber andere hatten doch Fleisch drin. Seis drum.

Der nächste Programmpunkt ist die Gesteinsformation der Finnkirche. Als Point of Interest erzählt Martin etwas dazu, während sich alle an Deck 7 an der Reling drängen. Pro-Tipp: Auf Deck war fast keiner, und man hatte guten Blick auf den Krabbenfischer aus Kjøllefjord, der wenige Minuten später mit seinem Boot anlegte und die Nordkapp enterte.

Kurz vor der Finnkirche ist das Wetter noch gut, und Venus steht hell leuchtend über den Wolken. Dann kommt mal wieder ein Schneeschauer, und die Felsformation ist noch zu erahnen. Als wir sie passieren, hört der Schnee wieder auf, und der Fischer kann anlegen. Diesmal wird die Finnkirche allerdings nicht beleuchtet.

In Kjøllefjord steht schon der nächste Termin an: Kaum haben alle einen Blick auf die Königskrabben geworfen, ist das Meeting dem dem Expeditionsteam angesagt. Mein Polarlichtfilm wird nicht im Tagesrückblick gezeigt… Dafür gibt es eine halbe Stunde später das Nordkappbuffett.

Berlevåg und MS Nordlys

Danach haben wir den Rest des Abends frei: Die Wolkenprognose hat recht, heute gibt es keine Chance für Polarlicht. Stattdessen spielt Johan wieder live in der Multe-Bäckerei (der ehemaligen Bar auf Deck 7), und gegen halb elf treffen wir vor Berlevåg noch die Nordlys. Allerdings lassen wir Berlevåg mit Schleichfahrt rechts liegen, und die Nordlys zieht mit einigem Abstand hinter uns vorbei. Nichts mit Winken oder schönen Fotos. Mal sehen, wie es morgen mit der Finnmarken läuft, wenn wir als südgehende Hurtigrute wieder in Berlevåg vorbei kommen.

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Hurtigrute Tag 5: Tromsø

Juhu, Tromsø-Tag! Mit dem Lieblingsschiff in die Lieblingsstadt, was kann da schon schief gehen?

Ein trüber Morgen

Trübes Wetter zum Beispiel. Am Morgen fahren (segeln? schwimmen? Wie heißt das eigentlich richtig?) wir durch die grandiose, schroffe Landschaft südlich von Tromsø. Aber schon Finnsnes ist das Wetter prächtig. Kann das bitte so bleiben? Immerhin für Tromsø ist ganz ordentliches Wetter vorhergesagt, für die anschließende Passage nach Skjervøy ist noch alles drin.

Aber wer denkt schon an den Abend – in Finnsnes heißt es erst einmal kurz Beine vertreten. Nachdem ich letztes Mal um den Hügel am Anleger herum gegangen war, geht es heute direkt am Kai entlang zu dem eingeschneiten Wikinger-Denkmal, und dann noch ein paar Meter weiter für einen hübschen Blick auf das Schiff.

Nach Finnsnes bietet Johan, unser Bordreiseleiter, einen Vortrag über die Expedition der Fram an – kein Wunder, dass heute auch gut Werbung für die Fram ausliegt. Aber die Gegend ist viel zu schön, da schaue ich mir lieber an, wie wir unter der über einen Kilometer langen Gisundbrücke hindurch fahren. Dazu gibt es immer wieder die Gelegenheit für Gespräche mit den Gästen.

Winterwunderland vor Tromsø

Mein Reiseführer mit dem Konzept „eine Doppelseite pro Tag“ scheint gut anzukommen (*hüstel* eine nette Rezension auf Amazon wäre nett *hüstel*), für mehr hat man hier eh keine Zeit. Um 13:45 passieren wir den Rystraumen, den Gezeitenstrom vor den Toren von Tromsø. Auf Deutsch und Englisch gibt es an Deck hier Informationen über die Gegend durch das Expeditionsteam; ich halte stattdessen mit Kai und Margit „Wache“ für die Sprechstunde, bei denen die Reiseleitung Tipps für Touren gibt. Bei der Menge an Ausflügen, die Hurtigruten anbietet, ist es ja nicht leicht, die richtigen zu finden. An Deck ist es auf der Passage immer wieder voll, der Bug ist gut besucht, während wir durch das Winterwunderland fahren.

Aus Deutschland werde ich schon vorgewarnt, dass meine Ankunft auf der Webcam verfolgt werden wird, aber je näher wir Tromsø kommen, desto weniger ist davon zu sehen – wir fahren in ein dichtes Schneegestöber hinein. Da ist nicht viel davon zu sehen, dass ich in die Kamera winke. Selfies im 21. Jahrhundert…

Aber der Schneefall hält nicht lange, bestes Wetter und Schneegestöber wechseln sich ab. kurz nach dem Anlegen ist die Eismeerkathedrale schon wieder zu sehen, und die andere Ziele in der Innenstadt sind auch schnell besucht. Aber eigentlich bin ich ja zum Einkaufen in das „Paris des Nordens“ gekommen. Blöd nur, dass langsam schon die Frühlingskollektion kommt und ich keinen passenden Ersatz für die Schuhe finde, mit denen ich in Island in etwas zu aggressivem Boden stand. Dafür werfe ich endlich mal einen Blick in die Mack-Brauerei, bzw. den angeschlossenen Pub. Freitag und Samstag hat er sogar länger als bis 18 Uhr auf.

Wir liegen zwar bis 18:30 im Hafen, Abendessen gibt es für die erste Sitzung aber schon um 18:00. Dafür kommen wir mittlerweile schon ganz regulär um 14:15 an. Von 18 bis 19 Uhr ist auch Abgabe für einen Fotowettbewerb – aber solange alle beim Abendessen sitzen, dürften nur wenige SD-Karten beim Expeditionsteam abgegeben werden…

Statt Lamm steht heute Saibling auf der Speisekarte, zusammen mit etwas Nervösität: Klappt es heute mit dem Polarlicht? Das Wetter ist wechselhaft, aber vielleicht gut genug. Und der Sonnenwind: Falsche Polung, ein Kp von Null-Komma-Irgendwas ist vorhergesagt. Allmählich zweifle ich am Tromsø geht immer… Nichtsdestotrotz werden immer wieder Windytv, diverse Apps mit den aktuellen Satellitendaten und natürlich auch der Himmel gecheckt. Und um 21 Uhr dann: Ein schwacher, aber schöner Bogen über dem Schiff!

First Light!

Also nichts wie zurück ins Schiff, den Gästen Bescheid sagen, die ich auf dem Weg zur Rezeption auf Deck 4 treffe, und eine Durchsage veranlassen. Irgendwer ist mir wohl ein paar Sekunden zuvor gekommen, aber umso besser.

Als ich wieder oben bin und meine Kamera aufbaue, leuchten auf dem Sonnendeck nur noch die (überraschend hellen) Heizstrahler. Die Nordlichtaktivität ist schwach, es wechselt zwischen hellen grauen Nebelflecken und immer wieder mal etwas Grün zwischen den Wolken. Aber hey, es ist unser erstes Polarlicht auf der Reise!

Die Belichtungszeiten für die Kamera sind noch recht lang (5 Sekunden bei f/2,8 und ISO 3200), aber ein nettes kleines Filmchen habe ich doch zustande gebracht:

Die Bedingungen waren dabei alles andere als ideal: Kurz nachdem wir das erste Licht gesehen hatten, standen wir im Schneegestöber, zehn Minuten später war wieder weitestgehend klarer Himmel, und so ging es weiter bis Skjervøy. Noch nicht die ganz große Show, aber ein schöner Appetizer, bei dem auch jeder schon einmal sehen kann, was seine Kamera kann. Der Unterschied zwischen Kamera und bloßem Auge ist bei dieser recht schwachen Aktivität schon auffällig…

Die Pflicht ist erledigt, nun kann die Kür kommen. Schade nur, dass für Berlevåg morgen und übermorgen schlechtes Wetter vorhergesagt ist. Nach Skjervøy haben wir es auch geschafft, dass es auf dem Deck noch dunkler ist als normal – nachdem Hans herausgefunden hatte, dass nicht nur das Licht, sondern auch die Heizung abgeschaltte werden muss. Die Aktivität ist jetzt auch bei Stufe 4, nur die Wolken nehmen immer mehr zu – und Loppa macht hoppa, auf der offenen Seestrecke hebt und senkt das Heck sich langsam, aber ordentlich. An Fotografieren ist da nicht zu denken. Also geht es zum Abendausklang ab in die Bar im Panoramasalon, bevor sie um Mitternacht auch zumacht. Das Geklapper vom Geschirr erinnert daran, dass wir uns der Barentssee nähern…

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Hurtigrute Tag 4: Bodø

7:18: Wir überqueren den Polarkreis

Ich war mal wieder wach, bevor mein Wecker klingelte, aber das passte heute ganz gut: Schließlich stand heute irgendwann zwischen sieben und acht die Polarkreisüberquerung an. Mittlerweile ist es um diese Zeit schon ziemlich hell, sodass die Kugel auf der Insel Vikingen gut zu sehen ist – einen Monat vorher ist hier noch alles im Dunkel, aber so sind gute Fotos möglich. Auf Deck tummeln sich auch ziemlich viele Schaulustige, die dem kühlen Wind trotzen. Die Crew bietet Sekt zum Anstoßen an, was aber nur wenige nutzen. Ziemlich genau um 7:18 überqueren wir dann den Polarkreis und erreichen die arktischen Breitengrade.

Warten auf die Nordnorge

Danach bleibt mir knapp eine Stunde, bis wir der Nordnorge begegnen. Die Begegnung wird sogar über die Schiffslautsprecher angekündigt, jedoch nur mit einer Vorwarnzeit von knapp einer Minute – da bleibt nicht viel Zeit für eine ordentliche Vinkekonkuranse. Aber auf der Nordnorge ist auch nicht viel mehr los.

Also ab zum Frühstück, und dann ein bisschen bei der Reiseleitersprechstunde Flagge zeigen, während das Wetter draußen wieder schlechter wird. Ørnes ist ja eigentlich einer der hübscheren Häfen und einige Fotos wert, aber da mir der Schnee auf dem Weg zum Bug waagrecht entgegen weht, wird das nicht viel mit Fotos.

In Ørnes bleiben wir etwas länger als geplant, da es viel Fracht gibt. Währenddessen wird erst Kai zur Rezeption gerufen, was ich mitkriege; kurz darauf auch Hans und ich, was erst einmal keiner von uns mitkriegt. Irgendwann treffe ich auf Kai, und wir disponieren um: Das Schiff braucht den Vortragsraum, und wir weichen mit unserem für den Nachmittag geplanten Vortrag auf 10:30 aus. Der Grund: Wir sind auf einer Fähre, es sind Ferien und Freitag, und rund 150 Gäste haben die Passage von Bodø nach Stamsund gebucht. Da wird der Vortragsraum als Gepäckablage gebraucht, Stauraum ist auf den umgebauten Schiffen knapp.

Der Gewinner

Aber bevor es soweit ist, steht noch die Verkündigung des Gewinners der Polarkreiswettbewerbs an. Einer aus unserer Gruppe hat die Zeit der Polarkreisüberquerung am besten geschätzt und erhält von Johan eine Hurtigrutenflagge – aber nur kurz, dann muss er sie vorerst abgeben, um seinen zweiten Preis in Empfang zu nehmen: Er hat den Vortritt bei der Polarkreistaufe.

Also rufen wir alle nach Njord (früher wurde ja nach Neptun gerufen, obwohl Njord auf den Polarkreiszertifikaten unterschrieben hat), und schon bald taucht er auf dem Oberdeck auf, bläst kräftig in sein Horn und führt die Taufe mit Snice durch – Snow & Ice. Vom anschließenden Fotoshooting und der Taufe der neuen Crewmitglieder bekomme ich nicht viel mit, da ich auch noch versuche, möglichst vielen aus unserer Gruppe noch den neuen Vortragstermin mitzuteilen.

Njord

Diesmal ist Hans dran und gibt einen Überblick über das Sonnensystem, bevor auch schon das Mittagessen drängt. Schließlich erreichen wir Bodø schon um 12:30…

Bodø gehört zu den Städten, an die man sich erst gewöhnen muss. Wie hieß es doch in der Ausflugsvorschau: „Der Bus macht auch eine Tour zu den schönsten Ecken in Bodø. Das dauert zwei Minuten.“ Mittlerweile hat die Stadt für mich an Reiz gewonnen, aber Sehenswürdigkeiten sind trotzdem rar. Dafür sind wir jetzt schneller in der Stadt: Es gibt einen neuen Anleger näher am Zentrum direkt am Kreisverkehr am Bahnhof, und der windige Weg dahin bleibt uns erspart.

Bei schönstem Wetter schlendere ich durch Bodø und fotografiere alte Bekannte; den Blick ins Lachsmuseum und den Gang auf das Scandic-Hotel schenke ich mir diesmal. Dann ziehen dunkle Wolken auf, und nach einer Stunde tobt ein Schneesturm, der einen auf dem Rückweg zum Schiff beinahe sandstrahlt. Ekelhaft.

Da tröstet es kaum, dass in meiner Mailbox jetzt die Geburtstagskarte der Nordstjernen gelandet ist, die heute 61 wird. An Bord ist es mittlerweile auch voll, 150 Tagesgäste sind kaum zu übersehen. Da hilft es auch nicht, dass es im Panoramasalon jetzt ein künstliches Kaminfeuer statt weiterer Sitzplätze gibt. Wir sind halt eine Fähre, das macht ja gerade den Reiz der Hurtigrute aus.

Bye bye, Bodø

Nachdem wir Bodø verlassen, ziehe ich mich auf meine Kabine zurück, um in Ruhe noch ein paar Sachen aufzuarbeiten. Für den Westfjord hatten wir eigentlich gut Wellengang erwartet, aber die See ist trotz des starken Winds ruhiger als erwartet – heute früh während des Vortrags hatte es stärker gewackelt. Der Wind kommt von den Lofoten, sodass sich keine starken Wellen aufbauen können. Auch recht.

Um 17 Uhr gibt Johan noch einen Tagesrückblick und kündigt zugleich an, dass er demnächst auf die Richard With wechseln wird. Und er ist optimistisch, was das Wetter heute Abend für Raftsund und Trollfjord angeht, es könnte klar werden. Wir werden sehen… Aber erst steht das Abendessen auf dem Programm, es gibt Lammkeule. Nur die Teilnehmer des Wikingerfests erhalten nichts, die essen in dem rekonstruierten Langhaus. In Stamsund um 19 Uhr geht der Bus für diesen Ausflug ab, um 22 Uhr sollen sie in Svolvær wieder zusteigen. Irgendwann muss ich den Ausflug auch mal wiederholen…

Schnee in Svolvær

So geht es für mich mit dem Schiff nach Svolvær. Die „Hauptstadt des Lichts“ in den Lofoten versteckt sich im Schnee; da bleibe ich lieber an Bord und nutze die Zeit für Gespräche. Das ist das Schöne an den kleineren Schiffen: Man kommt leichter ins Gespräch.

Der Schnee hält auch unsere Wikinger auf, sodass wir mit einer Viertelstunde Verspätung abfahren. Wirklich toll wird das Wetter aber nicht; Johann macht Lesestunde und liest aus einem Buch über die Schlacht am Trollfjord vor. Hier kam es Ende des 19. Jahrhunderts zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen den klassischen, armen Fischern mit Holzbooten und den modernen, reichen Fischern mit Dampfbooten und Schleppnetzen.

Am Trollfjord (mehr oder weniger)

Anschließend gibt es wieder Fiskekake draußen auf Deck 7, und wer will kann den Trolltrunk samt Tasse kaufen – für einen Halt am den Trollfjord ist die Sicht aber zu schlecht. Erst nach Mitternacht gibt es die ersten Wolkenlücken, und in Stokmarknes um ein Uhr sogar Wolkenlücken – aber kein Polarlicht, das mit bloßem Auge zu sehen wäre.

So langsam werde ich ungeduldig, für morgen in Tromsø ist auch bestenfalls eine vage Chance für brauchbaren Himmel vorhergesagt, und für Skjervøy sogar noch weniger. Grmpf.

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Hurtigrute Tag 3: Trondheim

Angeblich begann der Tag mit einem Schneesturm über Trondheim beim Anlegen – das kann ich nicht bestätigen, da ich das Anlegemaneuver regelmäßig verschlafe. Aber um 8 Uhr ist Trondheim weiß gepudert, und wir liegen wieder in Ila. Anscheinend war das Wetter zu schlecht, um am normalen Hurtigrutenkai festzumachen, sodass wir heute doch keine Gelegenheit haben, um die Vesterålen zu besuchen. Schade eigentlich. Aber der Hafen im Ila-Viertel ist eh schöner.

Anders als beim letzten Mal mit der Nordlys bleiben wir diesmal aber nicht in Ila, sondern parken um: Um 10 Uhr fährt die Nordkapp zum normalen Hurtigrutenterminal. Mit einem Stadtrundgang wird es diesmal also nichts, stattdessen geht es für mich einmal quer durch die Stadt. Etwa um 9 Uhr mache ich mich nach dem Frühstück auf, um die üblichen Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Ohne Rundtour fehlen mir so zwar ein paar Einkaufsmöglichkeiten, aber wir haben ja in Tromsø eine Viertelstunde länger als üblich.

Ila ist zwar wohl ein absoluter Ausnahme-Liegeplatz, aber der Weg in die Stadt ist schöner, da er durch ein Wohngebiet führt. Die klassischen kleinen Holzhäuschen bieten ebenso wie die Kirche und die Eisenbahnbrücke nette Fotomotive, und der Weg bis zur Stadtmitte ist etwa genauso weit. Über die königliche Residenz (Norwegens größtes Holzhaus) gehts über den Marktplatz zum Nidaros-Dom, weiter über die Gamle Bru nach Bakklandet, und über das alte Hafenviertel Nedre Elvehavn mit seinen wunderschön restaurierten Backsteinhäusern weiter zum Schiff – rund zwei Stunden dauert mein Ausflug, inklusive einem Ausflug ins Trondheim Torg. Jetzt habe ich die ins Einkaufszentrum integrierten Häuschen auch einmal bewusst von außen gesehen.

Um zehn Uhr ertönt dann das Horn der Vesterålen, die sich auf den Weg nach Süden macht, und vom anderen Ende der Stadt das der Nordkapp, die umparkt – irgendwo ein seltsames Gefühl…

Unsere Abfahrt in Trondheim verzögert sich etwas, da wir noch Fracht aufnehmen müssen – die Gabelstapler tun zwar ihr Bestes, um die verkürzte Liegezeit am richtigen Kai aufzuholen, aber eine halbe Stunde länger bleiben wir doch in der alten Königsstadt, bevor es weiter nach Rørvik geht, auf unser längstes Stück Seestrecke. Hier im Süden muss die Hurtigrute noch keine kleinen Ortschaften versorgen, hier trauen sich auch andere Schiffe im Winter raus auf See.

Point of Interest: Munkholmen

Munkholmen ist ein Point of Interest – das heißt, Martin vom Expeditionsteam erzählt an Deck etwas über die Mönchsinsel, zuerst auf Englisch, dann auf Deutsch. So haben auch die aus unserer Gruppe etwas davon, die nicht so gut Englisch können. Fein.

Munkholmen war in der Wikingerzeit Hinrichtungs- und Gefängnisinsel, bevor sie zum Kloster wurde. Der Legende nach waren die Mönche auch begeisterte Bierbrauer, deren Gelage noch im einige Kilometer entfernten Stadtzentrum zu hören war. Zumindest sollen sich die Städter darüber beschwert haben. Das muss ein starker Tropfen gewesen sein, der da gebraut wurde…

Durch die verzögerte Abfahrt verschieben sich die Termine an Bord alle etwas nach hinten. Draußen gibt es auch nicht viel zu sehen: Das schöne Wetter in Trondheim wird durch Schneetreiben ersetzt, mal gibt es null Sicht, mal ist es ganz nett, und dazu kommt noch etwas Seegang. Der Stokksund fällt somit aus. Um 14:45 gibt es eine Smacksprobe mit Miesmuscheln, dann passieren wir den berühmten roten Leuchtturm. Kjeungskjærfyr könnte Leuchtfeuer (fyr) auf der Schäre (skjær) des Zickleins (Kjeung) bedeuten… wo da eine Ziege gelebt haben soll (oder wovon), bleibt mir aber ein Rätsel.

Kjeungskjærfyr

Wie dem auch sei, nachdem wir den Leuchtturm passiert haben, bin ich mit meinem Vortrag über den Sternenhimmel dran. Parallel dazu gibt es vom Expeditionsteam auf Englisch einen Vortrag über die Wikinger. Anschließend heißt es wieder, ein paar Kameras einstellen – so langsam dürften die meisten gut vorbereitet sein, nur das Wetter ist unvorhersagbar. Die nächsten ein, zwei Tage gibt es eine Mischung aus Sonne, Wolken und Schnee – wobei sich Yr und Storm mit ihrer værvarsel, der Wettervorhersage, nicht ganz einig sind. Alles ist möglich.

Ruckzuck ist es 17 Uhr, und Johan gibt für das Expeditionsteam den Tagesrückblick auf Englisch, und um 17:30 das Ganze nochmal auf Deutsch. Und um 18 Uhr, pünktlich zur nächsten offenen Seestrecke, gibt es schon wieder Abendessen.

Auf der Folda schaukelt es wenig, einige sind froh, als wir mit etwas Verspätung um 21 Uhr Rørvik erreichen. Bis 21:25 liegen wir dort, damit bleiben knapp 15 Minuten, um die Richard With zu besuchen. Die Richard With wurde ja noch nicht umgebaut, da sie von Hurtigruten nur (zurück)geleast wird. Bei meinem ersten Besuch fand ich sie noch dunkel und düster, als ich von der Nordkapp rüber kam; heute kommt fast Heimweh auf. Irgendwo zwischen interessant und beruhigend finde ich, dass sie auch einigen unserer Gäste sehr gut gefällt. Wenn wir in Kirkenes sind, muss ich mal Bilder vom Innenleben der Nordkapp machen. Ich fühle mich hier immer noch wohl, aber ein paar Dinge hätte ich doch lieber so gelassen. Aber dazu mehr an einem anderen Tag.

Nach Rørvik gibt’s immer wieder mal Schnee – da morgen früh schon die Polarkreisüberquerung ansteht, ist das vielleicht gar nicht mal so schlecht, wenn wir heute ins Bett kommen.

Storytime mit Johan

Vorher sorgt Johan aber noch für das Abendprogramm: Nach Rørvik erzählt er (auf Englisch) ein Märchen, anschließend greift er zur Gitarre und singt einige Lieder aus den 60ern und 70ern, als die Musik noch gut war. Ein schöner Tagesausklang, und wenn es heute keine großen Wolkenlücken mit Grün dahinter mehr gibt, war es das für heute. Morgen geht’s dann schon über den Polarkreis.

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Hurtigrute Tag 2: Ålesund

Leaving Måløy

Wenn die das Wetter in Norwegen nicht passt, warte einfach eine halbe Stunde. Wohl wahr, gerade heute… Der erste Hafen des Tages war Måløy, wo meine Reise letzten November erst einmal unterbrochen wurde. Diesmal hat aber alles geklappt, und ich konnte mir den Ort nur noch beim Blick zurück anschauen. 7:30 ist nicht meine Zeit…

Nachdem gestern etwas Bewegung für die Stad und das Westkap angesagt war, war beim Frühstück wieder das fiese Unterhaltungsprogramm zu erwarten – wer torkelt am stärksten um das Buffett? Aber die Stad war gnädig, das Schwanken des Schiffs war war zwar spürbar, aber nach oben war noch Luft. Da habe ich schon mehr erlebt – wobei ich mit dieser Enttäuschung zugegeben sehr gut leben kann.

Faszinierende Lichtstimmung am Westkap

Nachdem wir wieder ruhigere Gewässer erreichten, gab es dann volles Programm: Ein bisschen Ausflugsberatung für die Gäste, ein kurzer Blick auf das eindrucksvolle Wetter, um 10:30 die Ausflugspräsentation durch das Schiff (die ich schwänzte, da wir gerade in Torik anlegten), dann um 11 Uhr ein kurzer Welcome-Drink, bei dem wir uns allen vorstellten, und anschließend Mittagessen, weil ab 12 Uhr Ålesund auf dem Programm steht.

Während Måløy noch mit Mistwetter und das Westkap mit Wind & Wellen glänzten, lächelte in Torvik die Sonne vom Himmel. In Ålesund war es wieder bedeckt, aber schön und mit +5° auch nicht besonders kalt. Also einmal hoch auf den Aksla mit seinen über 400 Stufen, anschließend durch den Wald runter in die Stadt und das Wunderhaus anschauen: Ein Häuschen, dessen Bewohner sich geweigert hatte, es beim großen Stadtbrand zu verlassen, und das vom Feuer auch wirklich verschont geblieben war.

Das Museum im Wunderhaus war geschlossen, daher blieb genug Zeit für einen Besuch im Jugendstil-Stadtzentrum, den üblichen Statuen und dem alten Hurtigrutenanleger. Die Bankskøyta – der Nachbau eines alten Fischerbootes – ist wohl vollendet, nur noch ein Plakat zeugt davon, dass hier ein Schiff gebaut wurde.

Also ab zurück zur Nordkapp, wo wir für 15:15 unseren ersten Vortrag über das Nordlicht angesetzt haben. Hier gebe ich immer die Warnung, dass wir nur noch zwei Fotogeschäfte auf der Strecke haben, morgen früh in Trondheim und dann in Bodø. Mit Fototipps und Kameras erklären ist der Tag dann auch gelaufen – um 17:30 bringe ich den Laptop in die Kabine, das Treffen mit dem Expeditionsteam habe ich so komplett verpasst.

Molde

Es langt gerade noch für einen Blick auf Molde (Sauwetter), dann steht auch schon das Abendessen an. Wo es gestern am Buffett noch norwegische Spezialitäten wie geschmorten Lammkopf oder so was gab (und natürlich auch Speisen für weniger experimentell orientierte Gäste), stand heute Lammkeule auf dem Speiseplan.

Danach ging es raus auf die Hustadvika mit etwas Seegang, kurzzeitig klarem Himmel und wenig später Schnee. Bis Kristiansund, das wir mit leichter Verspätung erreichten, hatte es sich dann eingeschneit – kein gutes Wetter für einen Landspaziergang im letzten Hafen des Tages.

Kristiansund

Ich beschränkte mich daher auf einen kurzen Abstecher auf Deck 5 und ansonsten den Panoramasalon. Der hat jetzt eine Bar, dafür aber weniger Sitzplätze und Musik plus zwei Fernseher, die laufen. Die neue Bestuhlung ist zwar bequem, aber auch gewöhnungsbedürftig, da sehr niedrig. Die Kombination aus niedrigen Sesseln und hohen Tischen lässt einen sich wieder jung fühlen, wenn man kaum auf den Tisch gucken kann… aber dafür erkennen mich einige Crew wieder. Schön, wieder hier zu sein, in der Tat.

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Hurtigrute Tag 1: Endlich wieder Bergen und Nordkapp

Es ist wieder soweit: Ab in den Norden, ab auf die Hurtigrute. Aber bevor es soweit ist: Ab auf die A81, Weinsberger Kreuz und Stuttgarter Kreuz warten. Obwohl mein Flieger zur sehr humanen Zeit von 12:05 starten soll, darf ich daher schon um 7:30 aufbrechen. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 48 km/h lege ich die knapp 90 km in rund zwei Stunden zurück. Eigentlich heißt es doch, dass die Leute von der Straße runter sind, wenn sie einen Job haben. Aber mit dem Berufsverkehr funktioniert das trotzdem nicht…

Ich stelle mein Auto wieder beim Flyaway-Service unter und bin sogar noch vor den empfohlenen zwei Stunden am KLM-Schalter. Bleibt genug Zeit für ein dekadentes Frühstück mit zwei Schokocroissants, bevor es zum Security-Check geht. Pro-Tipp: Wenn da eine Schlange ist und die Hinweisschilder schon anzeigen, dass am Nachbareingang nichts los ist, kann man ruhig die paar Meter gehen. Noch ein Pro-Tipp: Erst die Fototasche auf’s Band, und die Elektronik in die zweite Wanne für den Scanner. Dann kommt sie normalerweise zuerst raus, und man kann sie gleich befüllen – so geht es schneller.

Bestes Wetter in Amsterdam – eindeutig dem Stützpunkt von KLM

Über den Flug (oder den Duty-Free-Bereich vom Stuttgarter Flughafen) gibt es nicht viel zu erzählen – angenehm ruhig, und mit einem kleinen Snack, der bei KLM im Flugpreis inbegriffen ist. Dann eineinhalb Stunden Umsteigezeit in Amsterdam, wo ich Hans treffe, und ab in die Maschine nach Bergen. Diesmal haben die Gäste, die uns auf dem Flug identifizieren wollen, schlechte Karten: Im Begleitheft zur Reise sind nur die Reiseleiter abgebildet, aber nicht wir Lektoren. Anreise incognito – und da ich auf dem Flug meinen Schottland-Reiseführer für den Sommer lese, bin ich bestens getarnt.

Erster Blick auf Bryggen

Während in Amsterdam noch bestes Wetter war, erwartet uns in Bergen grauer Himmel. Hier fliegt meine Tarnung dann auch endgültig auf, in der Wartehalle erwarten uns Kai und Margit, die die Tour als Reiseleiter begleiten. Fein:-) Über 70 Gäste sind es diesmal, die in zwei Busse verteilt und zum Schiff gebracht werden wollen. Da es noch hell ist, fällt die kleine Orientierungsfahrt etwas größer aus, nur aus dem Bus heraus zu fotografieren ist wie immer knifflig. Aber immerhin ist deutlich zu sehen, dass die Stadtbahn sich dem Flughafen immer weiter nähert – so viele Bybanen hatte ich noch nie gesehen. Dazu ist die Stadt noch gut beflaggt, da der König gerade Geburtstag hat.

Der Hurtigrutenterminalen wird saniert

Pünktlich um 18:00 fängt dann auch der ortsübliche Regen an, und wir entern über den Hurtigrutenterminal (wird gerade saniert) die Nordkapp. Ein bisschen habe ich ja ein mulmiges Gefühl – sie wurde im arktischen Design neu gestaltet. Aber gegenüber der Polarlys, auf der ich dem Umbau das erste Mal begegnet bin, hat die Nordkapp es besser verkraftet. Dazu mag natürlich auch die tolle Crew beitragen – so manch bekanntes Gesicht ist noch da, und Johan ist Reiseleiter (bzw. im Expeditionsteam – die ganzen Schiffe der neuen Generation wurden bzw. werden zu Expeditionsschiffen). Ein bisschen ist doch noch was vom Heimkommen da, trotz aller Neuerungen.

Meet the Crew

Für den Rest des Tages stehen noch das Bergenbuffett an, die Vorstellung der Crew und die Organisation der Vortragstermine – klappt soweit reibungslos; mal sehen, ob es noch irgendwelche Terminkollisionen gibt.

Die Ausfahrt aus Bergen ist weniger beeindruckend, mittlerweile schüttet es in Strömen. Dazu kommt noch eine aufbauende Durchsage: Morgen früh wird es zwischen 8 und 10 Uhr auf der Stad etwas Bewegung geben, Frühstück gibt es daher schon ab 7 Uhr. Na dann gute Nacht – aber nicht, ohne den Abend im umgestalteten Panoramasalon ausklingen zu lassen.

Bilder vom umgebauten Schiff gibt’s im Lauf der Reise, wenn ich etwas mehr Zeit habe.

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Endlich wieder Norwegen

Irgendwie ist dieses Jahr stressig – ich sollte nicht an vier Büchern parallel zum normalen Tagesgeschäft arbeiten. Aber was soll’s – morgen geht’s erstmal wieder nach Norwegen, und im März werden hoffentlich zwei Projekte abgeschlossen.

Die Unterlagen für die GRP102

Die Unterlagen habe ich schon mal. Morgen um 12 startet der Flieger, und wenn nicht Stuttgart und die A81 im Weg wären, wäre das sogar eine richtig entspannte Anreise. Aber ich bin gespannt: Es geht mal wieder auf die Nordkapp, die sich seit meiner ersten Reise auf ihr stark verändert hat. Sie wurde ist jetzt Expeditionsschiff (was mehr Veranstaltungen durch die Crew bedeutet) und wurde im neuen Arktischen Design umgebaut. Mal sehen, was von der Kunst an Bord übrig geblieben ist… man hängt ja doch an den Erinnerungen an die ersten Fahrten.

Die Nordkapp von oben, anno 2014

Soviel erstmal nur in Kürze, bis heute Abend sollten noch ein paar andere Projekte abgeschlossen werden, damit ich die Reise genießen kann. Die Polarlichtvorhersage von http://spaceweather.com ist ja ganz optimistisch, und dem Wetterbericht glaube ich eh keine drei Tage im voraus.

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Island im Dezember: Reykjanes und schon wieder nach Hause…

Wie heißt es in Blade Runner doch so treffend:

All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, wie Tränen im Regen.

Der letzte Tag in Island beginnt, und es regnet. Gut, dass wir den Stadtrundgang schon gestern Abend erledigt haben. Daher steht jetzt nur noch ein Besuch in der Bäckerei ums Eck an, zum Frühstücken. Rund 20 Euro für zwei belegte Brote und eine heiße Schokolade. Aber was soll ich sagen: Es hat geschmeckt. (Und auf dem Weihnachtsmarkt in Deutschland ist es auch nicht billiger, nur wird da keine Kreditkarte akzeptiert.)

Perlan

Und dann: Hotel räumen und Abfahrt. Das erste Ziel ist Perlan, der Wasserbehälter über der Stadt. Kurz vor zehn Uhr ist er noch hübsch beleuchtet, und von der Aussichtsplattform auf dem Dach könnte man den Ausblick auf die Stadt genießen, wenn es weniger stark regnen würde. So bleibt es bei einer kurzen Runde um das Dach und der letzten Chance, nach Souvenirs zu schauen. Der Shop ist auch gut auf Weihnachten ausgerichtet.

Im Augenblick wird im Perlan umgebaut, einer der Tanks soll zu einem Museum werden. Vielleicht ergibt sich mal eine Gelegenheit, eines Tages da einen Blick reinzuwerfen. Aber wir können nicht warten, bis die Umbauarbeiten fertig sind: Der Südwesten will noch abgeklappert werden, einmal rund um die Halbinsel Reykjanes.

Der erste größere Halt ist Seltún, ein Gebiet mit heißen Schlammquellen, die munter vor sich hin blubbern. Ein Fest für die Sinne, schließlich wurde hier einst Schwefel gewonnen… Ein Steg führt durch das Gebiet, sodass man den Quellen (wohl) gefahrlos nahe kommen kann. Mittlerweile hat auch der Regen aufgehört, und Sonnenstrahlen brechen zwischen den Wolken hervor.

Das untere Gebiet kennen wir ja schon vom letzten Mal, aber ein Stück den Berg hinauf gibt es noch weitere heiße Quellen. Der Weg sieht erst einmal nach Schlammschlacht aus, aber vielleicht geht’s doch?

Ja, die ersten paar Meter sind ganz gut gangbar, also machen wir uns an den Aufstieg. Die Erkenntnis: Man kommt wirklich hoch – dafür könnte der Rückweg durchaus spannend werden, es ist doch recht steil… Aber es lohnt sich, nach einigen Höhenmetern bietet sich ein toller Ausblick auf Seltún und die übrige Umgebung:

Aber noch haben wir das Ziel nicht erreicht, der Dampf steigt einige Meter über uns aus dem Boden. Da wollen wir hin, der letzte Rest ist auch noch zu schaffen.

Wenn der Boden zu Knete wird

Bis man merkt, dass die Schuhe immer dicker und schwerer werden – wo wir weiter unten noch durch normalen Matsch gewandert waren, machen sich hier die heißen Quellen bemerkbar. Der Boden ist seltsam und bleibt an den Schuhen kleben, ohne wirklich viel Halt zu geben.

Die Hoffnung, auf nacktes Gestein ausweichen zu können, zerschlägt sich auch: Was wie Fels aussieht, hat die Konsistenz von Knete. Warm ist der Boden allerdings nicht – es ist ein seltsames Zeug, das mittlerweile sämtliches Profil an den Schuhen aufgefüllt hat. Da will man nicht zu lange an der selben Stelle stehen…

Die oberen Wärmequellen

Besonders vertrauenserweckend wirkt die Gegend nicht, und langsam kommen Bedenken auf, ob wir noch Schuhe haben, wenn wir wieder an den Autos sind. Bevor es an den Abstieg geht, muss einiges von dem Zeug aber wieder ab, sonst wird der Hang zur Rutschpartie. Es ist wiederspenstig, aber es geht irgendwie. Die Reste lassen sich dann ziemlich gut im Bach abspülen; und die Schuhe scheinen auch nicht allzusehr angegriffen worden zu sein – die Sohle ist noch dran.

Das war vielleicht das eindrucksvollste Stück Island bislang. Keine Absperrung, nur der gesunde Menschenverstand, der einen von der Natur fern hält, und ein Boden, wie man ihn definitiv nicht von zuhause kennt..

Anschließend geht es schnurstracks auf der Straße weiter zur Küste. Hier erwarten uns mal wieder schwarzer Strand und moosüberwucherte Lavafelder. Am Ufer gibt es irre Wolkenformationen, wilde Wellen und jede Menge Müll, bis hin zur Laptoptasche und großen Schrottteilen, die vielleicht mal zur Küchenzeile eines Boots oder Flugzeugs gehörten.

Und ein Stück weiter dann Ruinen: Massive Bauten aus groben Lavasteinen mit winzigen Fenstern und Türen. Wer hat hier freiwillig gelebt? Bei der Brandung dürfte man kaum mit Booten anlanden können, und Ackerbau ist völlig unmöglich. Ob die Bewohner eine Wette verloren hatten, dass sie hier siedelten?

Weit gefehlt – noch bis 1884 war Selatangar ein großer Stützpunkt für die Fischerei; in offenen Booten ging es im Winter auf Fischfang. Wahnsinn.

Angeblich geht in Selatangar auch der Geist von Tanga-Tómas um, der einst die Bewohner terrorisierte, aber von ihm ist nichts zu sehen – die Gegend ist wohl selbst für Gespenster zu unwirtlich. Beeindruckend, aber auch unglaublich karg.

Gunnuhver

Unsere Zeit in Island neigt sich wie der kurze Tag unerbittlich dem Ende zu, weiter geht es nach Gunnuhver. Vor rund hundert Jahren wurde die Gegend noch für die Blumenzucht genutzt, bis der Boden dafür zu heiß wurde – ein paar Fundamentreste des ehemaligen Hauses sind noch zu erkennen. Vor zwei Jahren war die Gegend gesperrt, da die Schlammquelle zum Schlammgeysir geworden war – hier gibt’s einen Film davon. Mittlerweile ist es etwas ruhiger geworden, und man kann die verbliebenen Stege wieder begehen. Imposant ist es trotzdem, was immer noch an Wassermassen aus der Erde schießt und den eingestürzten Steg umspült.

Die Klippen bei Valahnúkur

Von Gunnuhver sind es nur ein paar Minuten mit dem Auto zur Küste. Hoch ragt der Berg Valahnúkur über das Meer. Einst stand auf ihm Islands erster Leuchtturm, bis ihn 1887 ein Erdbeben schwer beschädigte. 1905 war der Leuchtturm endgültig einsturzgefährdet, er stand nur zehn Meter vom Abgrund entfernt, und selbst der Leuchtturmwärter traute sich nicht mehr, dort Wache zu halten. Die Reste des 1908 abgebrochenen Leuchtturms sind noch heute am Fuß des Berges zu sehen, neben der Ruine eines Lagerhauses, das den Turm einst versorgte.

Offen gesagt kann ich seine Bedenken nachvollziehen; einige Spalten oben am Berg scheinen neu zu sein…

Vom Valahnúkur hat man trotzdem immer noch einen tollen Ausblick, linkerhand unter anderem auf einen Strand mit riesigen, rundgeschliffenen Felsen. Sie wirken fast wie Kiesel, bis man einen Größenvergleich hat. Ideal für eine Fotosession zwischen den „Kieseln“. In die andere Richtung sind Gunnuhver und der neue Leuchtturm von Reykjanesviti schön zu sehen.

Jetzt bleibt nur noch ein natürliches Ziel: Die Brücke zwischen den Kontinenten. Ein netter Gag, und nur wenige Minuten entfernt. Hier driften die eurasische und die nordamerikanische Kontinentalplatte auseinander, und irgendjemand hat eine Brücke über eine Spalte gebaut, die dadurch entstanden ist. Sie führt über jede Menge kleine Lavasteine, die wie eine schwarze Schutthalde in dem kleinen Graben unter der Brücke liegen.

Das klassische Touri-Bild (und dafür ist die Brücke ja da; noch kann man auch ohne Brücke durch die Schlucht wandern): Jemand hält die Arme hoch und scheint so die Brücke zu stützen. Und das ganze möglichst, bevor der nächste Bus mit Touris kommt… aber wir haben Glück: Es kommt zwar ein Bus, aber nur mit vier Insassen. Es ist wirklich Nebensaison. Dafür ist das Wetter auch nicht so angenehm, dass man jetzt den ganzen Tag hier verbringen wollte.

Damit endet unser diesjähriges Sightseeing. Der nächste Halt ist das Hotel in Keflavik, danach um 17 Uhr die Blaue Lagune. Im Mai war ich zu dem Schluss „überteuertes Freibad“ gekommen; im Winter und bei Dunkelheit macht sie schon mehr Spaß. Über der Lagune steht der Vollmond, es ist klar und keine Spur von Grün am Himmel; irgendwann ziehen dann dunkle Wolken auf, und wir beenden den Badeausflug.

Das Wetter ist wechselhaft: Mal klar, mal wieder bedeckt – wir können guten Gewissens Essen gehen, stilgerecht im KFC (der für Vegetarier nichts im Angebot hat und daher durch ein Dunkin Donuts abgerundet wurde). Anschließend noch ein letztes Mal raus ins Dunkle fahren und warten: Teilweise sternklarer Himmel, aber keine Spur von Polarlicht. Schließlich wird der Mond von dichten Wolken bedeckt, wir kapitulieren endgültig und fahren in dichtem Regen die paar Kilometer zurück nach Keflavik, die Autos volltanken. Bis dahin hat sich der Regen in Schnee verwandelt – es war kein Fehler, die Nordlichtjagd abzubrechen.

Außerdem ist morgen früh schon um halb sechs Abfahrt vom Hotel: Die Mitreisenden am Flughafen absetzen, angemotzt werden, warum man hier mit dem Auto steht, die Autos bei Sixt abgeben, Gepäck einchecken und ab in den Flieger – das war es mit Island (und Skandinavien) für dieses Jahr.

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Island im Dezember: Die Snæfellsnes-Halbinsel

Island hat im Dezember echte Vorteile: Man kriegt zwar vielleicht kein Abendessen, aber dafür kann man am nächsten Morgen ausschlafen – früh aufbrechen bringt eh nichts, wenn es frühestens gegen halb zehn zu Dämmern anfängt. Und da es an diesem Morgen weniger Regen gibt als vielmehr „Wasser mit Schlitzen drin“, wirkt das Hotel sogar beinahe reizvoll…

Die Kirche in Stykkishólmur

Trotzdem heißt es irgendwann Aufbruch, und bis wir kurz vor zehn Stykkishólmur erreichen, hat es sogar aufgehört zu schütten. Island hat ja einige kreative Kirchen, und die dieses 1000-Einwohner-Ortes gehört auch dazu: Ein moderner Bau, der trotzdem nicht schlecht aussieht. Für 11 Uhr ist eine Messe oder ein Konzert geplant; wir nutzen die Gelegenheit, um einen Blick ins Innere zu werfen. Der Pfarrer scheint auch der einzige zu sein, der an diesem Sonntagmorgen außer uns in dem Ort unterwegs ist.

Der nächste Halt ist die steile Insel Súgandisey mit dem kleinen Leuchtfeuer über dem Ort, die über einen Damm mit Stykkishólmur verbunden ist, gefolgt vom Hafen, an dem es viele hübsche, alte Häuser gibt, sowie die Skulptur eines Segelboots. Nettes Örtchen.

Unter den Wolken ist am Horizont sogar ein helles Schimmern zu erkennen. So richtig klar wird es heute zwar nicht, aber immerhin hält sich der Regen für den Rest des Tages zurück. Die Rundfahrt über die Halbinsel Snæfellsnes beschränkt sich daher nicht auf ein paar Fotos aus dem Auto heraus, sondern lohnt sich.

Der Saxholl, Mittags um 12

Die Route führt erst einmal weit nach Westen, zum Saxholl. 390 Stahlstufen führen zum Rand dieses Kraters hinauf; und oben ist das Wetter bald angenehmer als an seinem Fuß. Ich wüsste ja schon gerne, wer die Idee hatte, eine Treppe auf einen Vulkan zu bauen – aber sie läuft sich ganz gut, und oben ist es zwar windig, aber man kann es durchaus einige Zeit aushalten. Und trotz der tief hängenden Wolken lohnt sich der Ausblick auf die wilde Landschaft. Vom Snæfellsjökull ist aber nichts zu sehen, auch wenn man ihn über den Kraterrand anpeilen kann.

Der Weg zur Bucht von Djúpalónssandur

Und weiter gehts zum nächsten Halt: Der Bucht von Djúpalónssandur. Hier liegen in einer unwirtlichen Lavalandschaft die Reste eines Fischerboots, das 1948 verunglückte, ebenso wie einige große Steine, an denen die Fischer früher ihre Stärke beweisen konnten.

Etwas im Inland liegt ein kleiner See versteckt, und das Meer, das gegen die Felsen brandet, gibt einen Eindruck davon, wie gefährlich die Seefahrt sein kann. Mit einem Wikinger-Langboot wollte ich hier wirklich nicht unterwegs sein…

Auch diese Küste ist wieder ein schwarzer Lavastrand, die einzigen Farbtupfer sind die rostigen Überreste des Fischkutters Epine, die mittlerweile unter Denkmalschutz stehen. Es ist beeindruckend, wie weit die Stahlteile im Landesinneren liegen. Was für Kräfte waren hier am Wirken!

Noch beeindruckender und unwirklicher finde ich aber immer wieder die moosbewachsenen Lavafelder, die die Landschaft prägen.

Lóndrangar

Entlang der Küste geht die Fahrt weiter. Die Höhle von Vatnshellir ist geschlossen (im Mai waren wir kurz nach Einlass vorbeigekommen und hatten sie daher ebenfalls nicht besucht), erst bei den Felsnadeln von Lóndrangar steht wieder ein Halt an. Die Beobachtungsplattformen haben wir für uns alleine; es sind zwar noch ein paar wenige Touristenbusse unterwegs, aber im großen Ganzen haben wir unsere Ruhe – auch, weil die Busse die Fahrt in der umgekehrten Richtung machen.

In Arnarstapi wird getankt, bevor es an der imposanten Statue von Bárður Snæfellsás vorbei zur Küste geht. Bárður soll einer der ersten Siedler in der Gegend gewesen sein, bärenstark, zauberkundig und unbeherrscht. So tötete er seine beiden Neffen, da diese nicht auf seine Tochter aufgepasst hatten – einen der beiden stieß er in die Schlucht Rauðfeldar. Nach dieser verschwand er im Snæfellsjökull.

Unser Weg führte nicht zum Berg, sondern an die Steilküste. Der Wind war schwach genug, um einen Drohnenflug zu wagen, aber den Akkus war es zu kalt – hier und heute also kein Start, sondern nur landgestützte Fotos. Auf dem Rückweg kam dann sogar die Sonne hervor: ein ungewohnter Anblick!

In der Rauðsgíl-Schlucht

Ein kleines Stück nach Anarstapi erwartete uns das nächste Ziel, das wir letztes Mal übersehen hatten: Die Schlucht Rauðfeldar. Hier tötete Bárður einst seinen Neffen Rauðfeldur, seitdem heißt die Schlucht nach ihm.

Der Weg hinauf ist etwas versteckt, aber es lohnt sich: Die schmale, tiefe Schlucht oben am Berghang betritt man durch einen kleinen Bach, der irgendwo aus dem Bergesinneren kommt. Ein schönes kleines Versteck, in dem schon so mancher Vogel gestorben ist, wie die Gerippe am Boden der Schlucht zeigen.

Allzu tief kommt man nicht in den Berg – aber weiß, welche Geheimnisse in seinem Inneren schlummern? Jedenfalls bietet sich von Rauðfeldar auch ein großartiger Ausblick auf das Land.

Während die Sonne langsam hinter den Wolken untergeht, haben wir nur noch ein Ziel: Die schwarze Kirche von Búðir. Wo heute nur die Kirche, ein Friedhof, ein Hotel und besagte Kirche stehen, war wohl noch bis etwa 1930 ein wichtiger Handelsplatz. Heute steht die Kirche recht einsam da (wenn nicht gerade ein Bus Touristen vorbeibringt). Auch hier sollte man es nicht vergessen, einen Blick auf die Landschaft zu werfen.

Die Kirche selbst wurde 1848 gegen den Willen der Geistlichkeit errichtet, aber mit königlichem Segen. Heute ist sie eine der ältesten Holzkirchen Islands. Sie war bei unserem Besuch abgeschlossen, aber ein Blick durch’s Fenster war möglich. Auf dem Friedhofen leuchteten wieder beleuchtete Kreuze vor den eigentlichen Grabkreuzen.

Anschließend ging es praktisch Non-Stop nach Reykjavik, zu unserem nächsten Hotel und – für manche ganz wichtig – einer reichhaltigen Auswahl an Restaurants. Nach der samstagabends ausgestorbenen Snæfellsnes-Halbinsel ist die Hauptstadt ein echter Kulturschock: Sogar am Sonntag haben die Läden offen! Da es gerade nicht regnet, nutzen wir die Chance für einen Stadtbummel, gehen Essen (Rentierburger) und anschließend noch auf Fototour Richtung Harpa, dem Konzerthaus.

Die Hallgrímskirkja

Reykjavik hat ein beeindruckendes Nachtleben, gerade für Sonntagabend, und ist mehr als nur einen Besuch wert. In den Souvenirläden werde ich trotzdem nicht fündig, genauso wenig wie in den Buchhandlungen. Isländisch will ich nicht auch noch lernen, und fremdsprachige Bücher sind etwa dreimal teurer als bei uns. Nichts dagegen, die skandinavische Wirtschaft zu fördern, aber irgendwo ist dann doch Schluss.

Also bleibt es bei Fotos. Die Harpa wirkt bei Nacht imposanter als bei Tag: Die Beleuchtung wechselt ständig; eigentlich sollte man hier filmen statt zu fotografieren. Ich bleibe trotzdem bei ein paar Langzeitaufnahmen, bevor es weiter zum Sólfar geht, dem „Sonnenfahrer“ – der berühmten Skulptur eines Schiffs. Anschließend geht es über die Hallgrímskirkja zurück zum Hotel – Akkus aufladen und den Tag ausklingen lassen. Mit einer vollen Kreditkarte müsste man sich die Stadt mal ein paar Tage lang anschauen, aber so hat alles seine Grenzen…

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