Hurtigrute Tag 10: Polarkreis und Helgelandküste

Blick zurück auf Ørnes

Heute morgen – aber zu einer angenehmeren Zeit als auf der nordgehenden Route – überqueren wir wieder den Polarkreis. Das Wetter ist bis auf die Temperaturen so, wie man es in der Arktis erwartet: Dunkle Wolken hängen am Himmel. Der Hafen von Ørnes bietet eine gute Gelegenheit zum Aufstehen, schließlich begegnen wir in ungefähr vier Minuten (ich liebe die kurzfristigen Ansagen des Schiffs) der nordgehenden MS Nordkapp. Klar, dass ich da wieder an Deck muss – das Schiff begrüßen, mit dem ich meine ersten Touren hatte und auf dem ich Anfang Dezember meine nächste Nordlicht-und-Sterne-Reise machen werde.

Anschließend geht es durch die inselreiche Strecke bis zur Insel Vikingen mit der Polarkreis-Kugel. Unterwegs passieren wir noch den historischen Hafen Selsøyvik, in dessen Nähe einen eine Badewanne plus Toilette begrüßen – angeblich keine illegale Müllentsorgung, sondern eine Kunstinstallation einiger Studenten. Am Polarkreis ist es hell genug für gute Fotos, dementsprechend voll ist Deck 7. Also ab auf Deck 5. Hier gibt es zwar keine Infos durch das Expeditionsteam, aber die kenne ich ja schon.

Kein Polarlicht, aber auch hübsch

Eine Stunde südlich des Polarkreises reißt die Wolkendecke kurz auf, und ein Regenbogen überrascht uns. Zumindest ein Stück davon erwische ich noch mit der Kamera. Ansonsten ist die Fahrt entlang des schönsten Küstenabschnitts – der Helgelandküste – unspektakulär. Wolken und sporadisch etwas Regen prägen die heutige Fahrt. Ein kurzer Halt in Nesna und zur Mittagszeit eine halbe Stunde in Sandnessjœen, ansonsten fahren wir durch bis Brønnøysund. Der Halt in Sandnessjøen langt für einen kurzen Gang durch den Ort. Die kleine Bärenstatue ist weg, stattdessen gibt es ein dick eingemummeltes Fahrrad. Auch Petter Dass, der Poet des Nordens, trägt wie viele Statuen in Norwegen mittlerweile einen Schal.

Als wir Brønnøsund erreichen, geht die Sonne bereits unter. Die Mondsichel zeigt sich auch kurz über dem Horizont zwischen den Wolken. Zum Glück sind die Regenwolken bereits weitergezogen, als wir mit leichter Verspätung anlegen. Es reicht für ein paar Fotos, einen kurzen Besuch im Einkaufszentrum und das obligatorische Eis. Wir sollten von der Eisdiele mal Provision verlangen dafür, dass wir davor ein lecker Eis genießen.

Jubiläums-Menu

Anschließend gibt es volles Programm: Um 17 Uhr noch einmal „Land und Leute“ mit dem Expeditionsteam und um 18 Uhr das Captain’s Dinner. Da Hurtigruten 2018 125-jähriges Jubiläum feiert, gibt es heute ein Fünf-Gänge-Menü. Und für 125 NOK kann man die ganzen Speisekarten kaufen.

Danach der nächste Programmpunkt: Um 20 Uhr gibt es einen echten Krimi. Die Verlosung zugunsten der Hurtigruten-Foundation endet! Die vom Captain signierte Seekarte und das Teil vom Schiff (eine Einspritzdüse) gehen günstig über den Tisch, aber um das Sami-Messer und die Postschiff-Flagge gibt es einen harten Wettbewerb. Beide gehen letztlich für über 2000 Kronen über den Tisch.

Die Finnmarken

Ebenfalls für 20 Uhr hatte Corinna noch einen Vortrag über die Polarhelden Amundsen und Nansen angesetzt. Wegen der Versteigerung beginnt sie etwas später, sodass wir in Rørvik erst spät von Bord kommen – zu spät, um noch einen Blick in die Finnmarken zu werfen, die mit uns am Kai liegt.

Der Rest des Abends wird gemütlich in der Bar verbracht – heute tut sich nichts mehr. Normalerweise würden wir morgen das Schiff verlassen, so können wir auch morgen noch in aller Ruhe packen.

Hurtigrute Tag 9: Vesterålen und Lofoten

Harstad und Trondenes Kirke

Der Tag beginnt in Harstad mit Wolken – wobei in Norwegen sogar Wolken schön sein können. Morgens um 8 ist es noch dämmerig, und die neue Wasserfontäne vor der Hafeneinfahrt wird beleuchtet. Dahinter ist die Trondenes-Kirke zu sehen, das erste Ziel der Vesterålen-Busrundfahrt. Als wir den Hafen gegen halb 9 verlassen, kommen die Ausflugsbusse gerade dort an. Wir werden ihnen in Sortland wieder begegnen.

In Norwegen können sogar Wolken schön sein

Für uns an Bord zieht der Himmel auf der anderen Seite des Schiffs die Blicke auf sich: In grandiosen Farben präsentiert sich der Morgenhimmel. Klarer Himmel wäre mir zwar lieber, aber das hat auch was.

Die Fahrt führt uns durch die Inselwelt der Vesterålen bis zur Risøyrenna. Nur die zahlreichen Bojen markieren die Route. Als die MS Trollfjord Anfang des Jahrtausends in Betrieb genommen wurde, musste die Rinne tiefer ausgegraben werden, und letztes Jahr rammte die Trollfjord dann den Kai in Risøyhamn. Wir haben mehr Glück und verjagen lediglich zahlreiche Vögel, die sich auch an die Fahrtrinne halten und im Formationsflug vor unserem Schiffchen fliehen.

In Risøyhamn sehen einige Robben im Wasser sowie an Land den Königsstein hinter einem LKW – vom Achterdeck aus ist er trotzdem noch zu sehen. Außerdem sehen wir, dass die Hurtigrute immer noch eine wichtige Bedeutung für die Einheimischen hat und kein reiner Touristenbetrieb ist: Am Kai wartet ein Leichenwagen auf einen Sarg, den wir nach Risøyhamn transportiert haben.

Busse-Winken in Sortland

Die traditionelle Begegnung mit den Bussen an der Brücke vor Sortland ist da schon wieder ein angenehmeres Thema. Kurz vor dem Ort kommt die Durchsage, und Nataša vom Expeditionsteam verteilt am Bug Norweger-Flaggen. Der leichte Nieselregen verzieht sich auch rechtzeitig zu dem Event, und wie immer gilt: It’s Fun! Die Busse warten fast etwas zu lange am Ufer (auf der Brücke dürfen sie nicht anhalten), aber es klappt wieder.

Danach sammelt Nataša die Flaggen wieder ein, nur Volker verteidigt seine und kann auch am Hafen den Gästen winken, die jetzt wieder an Bord kommen. Mal sehen, ob er nächstes Mal mit der Postflagge aus der Schiffsverlosung winken darf.

Nach Sortland bleibt das Wetter schlechter, also ab in das Restaurant. Bis zum nächsten Halt in Stokmarknes ist nicht allzu viel Zeit. Statt auf das alte Hurtigrutenschiff Finnmarken geht es kurz in den Ort, der sich bereits alles auf Weihnachten vorbereitet.

Bei der Einfahrt in den Raftsund ist es bereits dunkel, die Brücke wäre eher ein Ziel für Langzeitbelichtung. Den Trollfjord lassen wir daher auch aus – Regen und Dunkelheit würden den Besuch ziemlich sinnlos machen. Stattdessen sollen wir aus dem Fenster schauen und die Aussicht genießen. Schade, dass es um 17 Uhr schon krappenschwarze Nacht ist…

Peppes in Svolvær

Was fängt man mit dem Rest vom Abend an? Einige puzzeln oder machen andere Spiele, wir kommen im Gespräch auf die Abendplanung. Das Ergebnis: Wir lassen das abendliche Buffet aus und nutzen die längere Liegezeit in Svolvær statt für einen Kneipenbesuch für ein Abendessen in Peppes Pizza. Wir sind nicht allein, auch einige aus unserer Gruppe landen in dieser Pizzeria. Yummi, yummi!

Svolvær

Nach der Abfahrt zeigt der Blick in den Himmel leichten Schneeregen, der Wettergott ist nicht gnädig mit uns. Dafür ist das Meer ruhig – gute Nacht!

Hurtigrute Tag 8: Hammerfest

Havøysund

Mit großen Schritten und ordentlich Verspätung verlassen wir den hohen Norden: Der erste richtige Hafen (Honningsvåg zähle ich wegen der frühen Abfahrt um 5:45 mal nicht zu diesem Tag) ist Havøysund, planmäßig von 7:45 – 8:00. Wir verlassen den Hafen mit fast einer halben Stunde Verspätung, sodass wir der nordgehenden Hurtigrute MS Kong Harald bereits kurz nach der Hafenausfahrt begegnen und ausnahmsweise links an ihr vorbei fahren. So gibt es immerhin eine neue Kulisse, vor der das Schiff schön zu sehen ist.

Kurz nach 10:30 kommt dann die Flüssiggasanlage Melkøya in Sicht, und dahinter Hammerfest. Die Industrieanlage glitzert schön in der tiefstehenden Sonne, und an Deck erzählt Natasa vom Expeditionsteam über das Projekt und seine Auswirkungen auf Hammerfest: Die Mieten haben sich vervierfacht. Dazu wird der kostenlose Energiekaffe ausgeschenkt.

Mein Standardbild am Musikpavillon – ganz ohne Schnee

Die Liegezeit in Hammerfest wird trotz verspäteter Ankunft auf zwei Stunden festgesetzt, wohl damit die Ausflüge wie geplant stattfinden können. Warum kann das nicht in Vardø gemacht werden? Das Wetter ist ideal für einen Spaziergang, aber vorher wird noch dem Ende des 1. Weltkriegs gedacht: Auf Deck wird zu zwei Schweigeminuten aufgerufen, und in der Stadt werden die Kirchenglocken geläutet.

Wir machen die Standardroute durch die Stadt. Zuerst geht es zu Fuß den Zickzackweg hinauf den Hausberg, wobei Spikes keine schlechte Idee gewesen wären: Ein Stück des Wegs (weit genug oben, dass ich nicht umkehren will) ist vereist und etwas sportlich. Aber die Mühe wird mit einem schönen Ausblick auf die Stadt belohnt. Im Hafen liegt neben der Gamle Måløy auch unser alter Bekannter, die Sandefjord, die uns auf der Fahrt nordwärts begleitet hat.

Nach ein paar Fotos geht es an den Abstieg vom Berg und zum Rundgang zu Grabkapelle, Kirche und schließlich dem Eisbärenclub.

Hammerfest von oben

Weihnachtsschmuck

Vor dem Schiff erwarten uns noch zwei Alaska-Huskies, die sich Streicheleinheiten abholen. Sie sind doch deutlich größer als ihre norwegischen Kollegen. Schöne Tiere, die hier auch das richtige Klima finden.

Fast so knuffig sind die kleinen Eisbären-Schlüsselanhänger, die im Eisbärenclubhaus am Weihnachtsbaum hängen – auch keine schlechte Idee…

Nach zwei Stunden verlassen wir Hammerfest, und um 15 Uhr, kurz nach Sonnenuntergang, halten Volker und ich unseren letzten Vortrag. Es geht um Sternbilder, ihre Sagen und ihre Mythen. Dann ein Kontrollgang: Das Schiff versteigert eine Postschiff-Flagge, eine Seekarte, ein Sami-Messer und ein Teil vom Schiff (irgendeine Düse). Wagt es jemand, auf die Flagge zu bieten?

Zu ersteigern: Postschiff-Flagge, Seekarte, Messer und ein Teil des Schiffs

Der Rest des Tages ist ruhig: Wir tuckern durch die Dunkelheit, und für die nächsten Tage ist bedeckter Himmel angesagt – schlechte Chancen für die Nordlichtjagd. Die Fahrt von Skjervøy nach Tromsø wird erwartungsgemäß nicht durch Nordlicht aufgelockert, und Müdigkeit macht sich breit. Für viele heißt es durchhalten bis zum Mitternachtskonzert, andere zieht es ins Bett. Zur Auflockerung veranstaltet das Expeditionsteam ein Quiz im Panoramasalon, während wir uns der Arbeit hinter den Kulissen widmen. Ich bin mit meinem Blog wieder auf dem aktuellen Stand:-)

Um Mitternacht erreichen wir Tromsø – recht warm, aber bedeckt. Am Sonntagabend ist nicht mehr viel los in der Stadt. Eigentlich wollte ich nur schnell die Eismeerkathedrale fotografieren, aber dann gehe ich doch noch kurz von Bord. Vom neuen Anleger sind es schließlich nur ein paar Schritte zur Domkirche und zum Bahnhof, der sogar noch (bis um 2 Uhr) offen hat. Statt etwas zu trinken geht es jedoch rasch wieder an Bord – das Bett ruft. Als letzten Eindruck gibt es noch einen kurzen Blick auf ein Kriegsschiff. Die Norweger haben also nicht alle Fregatten selbstversenkt wie die Helge Ingstad… – ihr Schwesterschiff, die Otto Sverdrup, liegt vor uns im Hafen

Hurtigrute Tag 7: Kirkenes

Kurs Kirkenes

Kirkenes – der Name weckt Sehnsüchte nach Ferne und den Geheimnissen des höchsten Nordens, denen die Stadt kaum gerecht wird. Die Stadt an der russischen Grenze wurde zwar in den letzten Jahren renoviert und besitzt gut gepflegte Häuschen, aber touristisch hat sie nicht so viel zu bieten. Und in einem warmen November wie diesem finden Ausflüge wie Schlittenhunde oder Schneehotel noch nicht statt.

Immerhin: Es ist noch hell, wenn wir in Kirkenes sind, schließlich liegt der Hafen ein gutes Stück südlich der Barentssee, etwa auf der Höhe von Tromsø. Ein Spaziergang in die Stadt bietet sich also an.

Vertrauenserweckende Stützmauern

Etwa 20 Minuten kann man für die Strecke vom Hafen in den Ort einplanen. Der Kiosk direkt am Hafen hat einen neuen Anstrich erhalten, während im Ort schon wieder Renovierungsarbeiten nötig sind: Eine Stützmauer, die mit Seilen in der Erde verankert ist, die sie eigentlich stützen soll, ist eine gewagte Konstruktion…

Irgendwann muss ich auch einmal den Ausflug zur russischen Grenze mitmachen. Auf dem Weg in den Ort begegnen wir dem Ausflugsbus am Russendenkmal, und ausnahmsweise hat auch die Anders-Grotta einmal geöffnet. Der Zugang in den alten Schutzbunker ist zwar gesperrt, aber wenigstens die Tür ist einmal offen.

Die Anders-Grotta

Wir machen diesmal nur die kleine Runde, zur Kirche, kurz ins Stadtzentrum und – als Premiere – ins Amfi-Einkaufszentrum. Der große Outdoor-Outlet ist eindeutig auf den Handel mit Russland ausgelegt: Groß und nicht allzu günstig.

Auf dem Rückweg bemerke ich einen (neuen?) Souvenirladen für russische und norwegische Souvenirs (interessante Kombination im Schaufenster) sowie die bekannten Stapel aus Fangkäfigen für die Königskrabbenjagd. Kurz vor dem Schiff macht sich auch die Sonne noch einmal bemerkbar – hübsch.

Vardø

Viel steht an diesem Tag nicht auf dem Programm: Wir verlassen Kirkenes mit etwas Verspätung und überqueren die ruhige, offene See bis Vardø, das wir erst deutlich nach 16 Uhr erreichen – und das Anlegen gestaltet sich auch etwas schwieriger. Die knappe Liegezeit ist viel zu knapp für einen Spurt zum Hexendenkmal, und bei Wind und leichtem, aber eiskaltem Regen verzichte ich auch dankend auf einen Kurzbesuch bei der Festung Vardøhus. Funny Fact am Rande: Auf der Hurtigruten-Webseite wird munter 15:45 als Ankunftszeit angegeben, obwohl die Schiffe kaum vor 16 Uhr ankommen – das wäre wohl nur ohne Beschleunigen und Bremsen möglich… Auf dem Schiffsfahrplan steht 16 Uhr als Ankunftszeit, aber da wir in Kirkenes rumgetrödelt haben, kommen wir sogar noch später an.

Båtsfjord – die weißen Punkte sind keine Schneeflocken, sondern Vögel, die gegen den Wind kämpfen

Eismeerbaden gibt es auch keins, das findet erst ab Ende des Monats statt. Wahrscheinlich ist es noch zu warm… Also beschränken sich die abendlichen Aktivitäten auf den Tagesrückblick des Expeditionsteams, das Abendessen (zur Abwechslung im Bordbistro, das Menü reizt uns heute nur wenig), den Halt in Båtsfjord (sehr windig um 20 Uhr) und gelegentliche Blicke in den wolkenverhangenen Himmel. Kai nutzt die Gelegenheit, um um 20 Uhr einen Vortrag über die Hurtigrute und unser Schiff einzuschieben. Dementsprechend wenig sehe ich von Båtsfjord, aber bei dem Wind ist das kein Verlust. Sogar die zahlreichen Vögel im Hafen kommen kaum von der Stelle. Dann lieber ein paar Infos über Vergangenheit und Zukunft der Hurtigrute mitnehmen, Kai macht das ja auch sehr gut.

Die Trollfjord

Das einzige Highlight des Abends verpassen wir fast: Die Begegnung mit der nordgehenden Trollfjord. An Bord ist eine weitere Nordlicht-und-Sterne-Gruppe, für die Hans Koechl twittert. Da es keine Schiffsdurchsage zu dem Treffen gab, verpassten wir es nur dank Marinetraffic nicht und waren zum Winken an Bord – aber da auf der Trollfjord ebenfalls keine Durchsage gemacht wurde, konnten wir nur den Kollegen in der Bar zuwinken…

Bleibt noch die Hoffnung auf Nordlicht. Gegen 23 Uhr sollen wir eine Wolkenlücke erreichen – ich quatsche mit Gästen fest, aber als ich dann doch mal einen Blick raus werfe, ist auch gegen Mitternacht nichts zu sehen. Da mit Mehamn um 0:45 bereits der nächste Hafen naht, verzichte ich auf eine weitere Polarlichtwache und verabschiede mich gegen halb 1 vom Deck.

Hurtigrute Tag 6: Honningsvåg

Die Vesterålen

Der Tag beginnt mit einer Schiffsbegegnung: Wir treffen die Vesterålen kurz vor Havøysund. Winkewettbewerbe gibt es auf dieser Route keine, es bleibt beim Begrüßungshupen der Schiffstyphone: Je dreimal, zuerst vom nordgehenden Schiff, dann vom südgehenden.

Mittlerweile sind wir im hohen Norden, der Magerøya-Sund und das Nordkap erwarten uns. Dementsprechend frisch und windig ist es heute, auch wenn es für die Verhältnisse der Barentssee recht ruhig ist. Die karge Landschaft wirkt ohne Schnee noch öder, und von der Sonne ist kaum etwas zu sehen. Bald beginnt hier die Polarnacht, noch schafft die Sonne es etwa zwischen 9 und 13 Uhr über den Horizont.

Die ganz spezielle Lichtstimmung im höchsten Norden unserer Reise ist unbeschreiblich. Kurz nach 11 Uhr erreichen wir Honningsvåg, wo man den Eindruck gewinnen könnte, dass das Schiff aufgegeben wird: Die meisten Passagiere nutzen die Hurtigrutenbusse für einen Ausflug zum Nordkapp. Wir nutzen das gute Wetter, um hoch zu dem Aussichtspunkt über Honningsvåg zu wandern – ohne Schnee ist das keine große Herausforderung, und man stellt rasch fest, dass man doch zu warm angezogen ist.

Blick vom Berg

Der Souvenirshop war im Sommer ausgebrannt

Der Himmel ist bedeckt, und laut Wetterprognose bleibt er das auch noch die nächsten Tage. Schade, denn für heute ist gutes Polarlicht vorhergesagt. Aber es ist trocken und somit gutes Wanderwetter. Auf dem Rückweg besuchen wir noch kurz die Kirche und nutzen den Hügel der Marineschule für einen Blick auf das Schiff, bevor es zurück zum Hafen geht.

Der Souvenirshop am Sammelpunkt der Busse war im Sommer ausgebrannt und wird gerade saniert, daher steht kein großer Troll mehr am Eck. Das Denkmal für den Hund Bamse davor hat unbeschadet überlebt.

Im Nordkap-Museum

Auf dem Schiff findet während dem Aufenthalt eine Sicherheitsübung statt, außerdem kamen Schulkinder zu Besuch, die ihre Deutschkenntnisse erproben wollten. Davon bekomme ich aber nichts mit: Das Nordkap-Museum hat letztes Jahr am neuen Standort eröffnet und jetzt auch wieder im Winter geöffnet. Auf zwei Stockwerken gibt es einen kleinen Überblick über die Geschichte der Gegend seit der ersten Besiedelung vor rund 10.000 Jahren, die wirtschaftliche Entwicklung und eine Kunstausstellung. Für mich die interessanteste Info: Der ehemalige Hauptort der Insel ist heute verlassen, nun ist Honningsvåg mit gut 2000 Einwohner die bedeutendste Siedlung der Insel. Die alte Siedlung Kjelvik wurde im 2. Weltkrieg von deutschen Truppen zerstört und später komplett aufgegeben, heute ist sie nur zu Fuß oder per Boot erreichbar.

Kjøllefjord

Nach Honningsvåg halten wir unseren vierten Vortrag, im Schnelldurchgang durch das Planetensystem. Wir halten unseren Zeitplan gut ein und sind kurz vor Kjøllefjord bereit für die Finnkirche und den Krabbenfischer. Bei der Einfahrt in den Fjord stehen wir allerdings im Dunkeln, und auf dem Tagesprogramm stand auch nichts: Die Felsformation wird seit etwa einem Jahr nicht mehr beleuchtet, und die Firma, zu der der Krabbenfischer gehörte, hat Konkurs angemeldet. Kjøllefjord selbst gibt bei der Dunkelheit auch nicht viel her…

Bleiben als Tageshöhepunkte noch der Tagesrückblick des Expeditionsteams und das arktische Buffet: Freie Platzwahl, aber auch freie Essenswahl zum Abendessen.

Arktisches Buffet

Der Abend bot etwas Geschaukel auf der Barentssee und dank bedecktem Himmel die Chance, mit meinen Bildern und dem Blog aufzuholen. Nach dem Abendessen zeigte sich eine sehr schmale Wolkenlücke am Himmel, hinter der eine gute Polarlichtshow zu erahnen war – aber mehr als ein Fingerbreit öffnete sich nicht. Um 21:30 präsentierte der Küchenchef noch eine Geschmacksprobe Norwegens, die ich allerdings verpasst habe. Überhaupt leerte das Schiff sich am Abend recht flott, die Wellen fordern ihren Tribut. Für die Barentssee ist es aber eigentlich harmlos. Trotzdem scheint der Wind es in sich zu haben: Schon in Honningsvåg wurde es kurz stürmisch, und das Gerücht geht um, dass Berlevåg eventuell ausgelassen würde.

Gute Show nach dem Abendessen, leider hinter den Wolken

Berlevåg

Die abendliche Schiffsbegegnung fällt aus: Wir wären der Richard With begegnet, die wir aber schon im Trondheimfjord in der Werft gesehen hatten. Mit rund einer halben Verspätung legen wir überraschend doch noch in Berlevåg an – das war eigentlich auch schon alles, was es an diesem Abend an Erwähnenswertem gab.

Hurtigrute Tag 5: Tromsø, das Tor zur Arktis

Unser treuer Begleiter

Ein weiterer wunderbarer Tag mit bestem Wetter und ruhiger See: So kann die Reise weitergehen, auch wenn die letzte Nacht dank Trollfjord und Nordlichtsuche etwas kurz war. Aber schlafen kann man zuhause…

Vortragstechnisch ist heute unser freier Tag – wir haben versucht, die Vortragstermine rasch abzuhandeln, damit nichts dazwischen kommt. Es kam schon vor, dass die reservierten Räume südgehend auf einmal nicht mehr verfügbar waren, oder – viel schlimmer – der Seegang schlecht war. In den neuen Schiffen sind die Vortragsräume wie gewohnt ganz vorne, aber man sitzt quer zur Fahrtrichtung statt wie früher in Fahrtrichtung. Dafür gibt es keinen Beamer mehr, sondern zwei große Flachbildschirme, die das Bild zeigen.

Harstad am frühen Morgen mit der nördlichsten Steinkirche verpasse ich diesmal, nordlichtbedingt. War doch spät gestern… Der nächste Hafen auf der Route ist Finnsnes, das hinter dichten Nebelschwaden verborgen liegt. Ich verlasse den Bug etwas zu früh und verpasse einen schönen Lichtbogen vor dem Schiff. Als ich die Info kriege und wieder an Deck bin, stehe ich bei 5 Meter Sichtweite im Nebel. Schade. In Finnsnes kommen wir mit leichter Verspätung an – nicht viel, aber doch ausreichend, dass wir auf den Spaziergang um den Hügel verzichten. Die mittlerweile leicht glatten Straßen erleichtern diese Entscheidung.

Die Sandefjord hat wieder aufgeholt

Immerhin langt es für ein Foto des markanten Häuschens mit der Schokoladenwerbung, einen Abstecher zu dem Denkmal für Ottar von Hålogaland und ein paar schöne Bilder vom Schiff. Ohne den Bagger direkt vor dem Schiff wäre das perfekt – Norwegen ist im Augenblick wirklich im Baufieber.

Auf der Weiterfahrt begleiten uns immer wieder Nebelbänke, und unser treuer Begleiter taucht auch wieder aus: Die Sandefjord tuckert mit 2,5 Knoten munter weiter gen Hammerfest. Und wir nennen uns Hurtigrute…

Auf der Nordnorge gibt es derweil ein buntes Programm: Um 10:30 einen Film über Tromsø, eine Stunde später einen Vortrag über die Sami und kurz vor Tromsø um 13:30 einen Point of Interest an Deck 7 zum Rystraumen.

Pizza!

Zwischen die ganzen Aktivitäten muss natürlich noch das Mittagessen gequetscht werden. Für mich eine Premiere auf der Hurtigrute: Es gibt Pizza – auch für die Crew ist das eine willkommene Abwechslung zur norwegischen Coastal Kitchen. Gestern zum Frühstück wurden wir schon von frischen Pfannkuchen überrascht – die Küche der Nordnorge macht Lust auf mehr.

Der Höhepunkt des Tagesl ist natürlich Tromsø. Seit meinem letzten Besuch im Oktober 2017 hat sich einiges getan: Die Hurtigrute ist ein paar Meter weiter umgezogen und legt jetzt an einem neuen Hafengebäude an. Function follows Design, wie so oft in der modernen Architektur: Früher stieg man einfach aus dem Schiff aus und konnte Tromsø erkunden, heute steigt man aus, umrundet einen Treppenturm, fährt mit der Rolltreppe einen Stock höher, passiert die neue Tourist Information und einige Geschäfte, um über eine lange Rampe wieder auf Bodenniveau herabzusteigen. Eigentlich hätte die Gangway des Schiffs wohl vor dem Treppenturm liegen sollen, aber dann hätte die hintere Ladeluke beim Öffnen den Treppenturm platt gemacht. Aber es sieht chic aus.

Obwohl die Sonne gerade untergeht, entscheiden wir uns spontan, doch ein Taxi zum Storsteinen (bzw. dem Fjellheisen-Lift) zu nehmen. Gut 20 Euro kostet der Spaß, da wir noch eine Gruppe anderer Deutscher mit dem selben Plan treffen, sitzen am Ende rund acht Personen in dem Großraumtaxi, sodass die Fahrtkosten sehr human sind. Der Lift auf Tromsøs Hausberg kostet noch einmal 20 Euro, aber es lohnt sich: Wir erwischen noch die Abendstimmung und haben einen wunderbaren Ausblick auf unsere Lieblingsstadt.

Blick vom Storsteinen

Klarer Himmel in den prächtigsten Farben und angenehme Temperaturen um den Gefrierpunkt – was will man mehr?

Eismeerkathedrale

Wunderschön. Als es dunkel wird und es sich auf dem Berg füllt – Hurtigruten bietet das auch als Busausflug an – verlassen wir den Storsteinen wieder und gehen zu Fuß an der Eismeerkathedrale vorbei über die ewig lange Brücke zurück ins Zentrum. Ein kurzer Besuch an der Domkirke und Tromsøs Greatest Gift Shop, dann steht Abendessen an. Wir gönnen uns für 30 Euro eine Pizza um Cola im Yonas. Teuer, aber sättigend, und wir können das Abendessen zugunsten der Nordlichtjagd ausfallen lassen.

Bei der Abfahrt um 18:30 ist noch nicht viel von Nordlicht zu sehen, aber kurz danach gibt es eine gute Show Bug voraus – natürlich noch fast im Hafen. Tromsø geht immer…

Je weiter wir uns von Tromsø entfernen, desto schwächer wird die Show, bis nur noch ein ruhiges Band übrig bleibt. Schade: Die ruhige Seestrecke zwischen Tromsø und Skjervøy ist berüchtigt für Nordlicht.

In Skjervøy bleibt durch die Stadtbeleuchtung nicht mehr viel vom Polarlicht übrig, und wir legen an. Wohl dem der an Deck blieb: Es gibt noch einmal eine kurze, heftige Show. Ich hatte meine Kamera auch schon abgebaut, nur ein paar Schnappschüsse waren möglich. Und gerade als das Schiff eine Durchsage zum Nordlicht macht, endet die Show schlagartig. Mist.

Nach Skjervøy kommt leider nicht mehr viel – so wird es zwar auch wieder spät, aber das Warten hat sich kaum gelohnt. Das Nordlicht flackert zwar immer wieder mal auf, aber es bleibt doch sehr verhalten. Im Zeitraffer schaut es trotzdem nett aus.

Hurtigrute Tag 4: Polarkreis und Bodø

Blick zurück auf den Polarkreis

Einige Traditionen müssen gepflegt werden. Dazu gehört auch, dass ich die nordgehende Polarkreisüberquerung verschlafe.

Aber immerhin bin ich früh genug wach, um noch einen Blick zurück auf die Insel Vikingen mit der Polarkreis-Kugel und den benachbarten Inselberg Hestmannen zu werfen. Morgens um halb acht ist es noch heller als ich gedacht hatte. Der Blick in die andere Richtung ist interessanter: Ein wunderbarer Sonnenaufgang. God morgen in paradies!

Sunrise

Um 8:30 begegnen wir der Nordlys, und nicht zum letzten Mal auch der Sandefjord, einem Versorgungsschiff der Ölindustrie, das gemütlich nach Hammerfest schippert. Wir werden es noch einige mal überholen – wir sind zwar schneller, aber die Häfen der Hurtigrute kosten Zeit.

Nach dem Frühstück pendel ich zwischen der Bildbearbeitung am Laptop (der Zeitraffer von dem Tweet, den ich gestern verlinkt habe, muss erstellt werden) und der Reiseleitersprechstunde auf Deck 4, während wir uns Ørnes nähern. Der kleine Hafen hat eine der idyllischsten Lagen auf der Route, obwohl er ohne Schnee nicht ganz so beeindruckend wirkt. Aber immerhin haben wir noch etwas herbstliches Grün, das der Szenerie Farbe verleiht.

Bei der Polarkreistaufe an Deck 7 zeigt sich, dass das Schiff doch ausgebucht ist: Es ist eng. Aber damit finden sich auch genug Teilnehmer für die arktische Zeremonie:-)

Denkmal für die Prinsesse Ragnhild am Hurtigruten-Anleger

Bodø erreichen wir pünktlich um 12:30 und legen wieder am normalen Hurtigrutenanleger an, ein paar Meter weiter weg von Bahnhof und Stadtzentrum, am Denkmal für die 1940 gesunkene Hurtigrute Prinsesse Ragnhild. Ausnahmsweise ist es nicht so windig wie gewohnt, und der Weg ins Zentrum ist zumindest wettertechnisch angenehm. Dafür wird auch in Bodø gut gebaut – vor dem Winter soll wohl noch einiges fertig werden.

Wir steuern die Roast Bar oben auf dem Scandic-Hotel an, genießen heiße Schokolade und den Ausblick. Von meinen Highlights am Scandic – die Gamle Salten, das Denkmal für die Erling Jarl und dem Lachsmuseum – statte ich vorher nur der Gamle Salten einen etwas längeren Besuch ab. Da ständig Düsenjäger vom nahegelegenen Militärflughafen starten, ist es in der Stadt unangenehm laut. Das NATO-Maneuver lässt grüßen…

Dafür bietet das Scandic heute einen grandiosen Ausblick, bis hin zur Lofotenwand, die wir nachher ansteuern werden.

Anschließend geht es zurück zum Schiff: Eine halbe Stunde nach Abfahrt halten wir bereits unseren dritten Vortrag, über atmosphärische Phänomene und die Sonne (Parallel zum Schiffsvortrag über die Fram-Expedition). Vom Leuchtturm Landegode bekommen wir daher nichts mit, aber es wird auch schon wieder dunkel draußen. Die Überfahrt nach Stamsund ist ruhig; Verwirrung bringen nur die Teilnehmer des Wikinger-Festivals, die vorher noch im Restaurant essen wollen.

Nach Stamsund genießen wir den klaren Himmel, und bald zeigt sich auch wieder das Nordlicht als erst grauer, dann geisterhaft-grüner Bogen über den Lofoten. Etwas Bewegung ist auch dabei, aber in Svolvær ist dann erst mal alles ruhig.

Spektakel über Svolvær

Den Hafen erreichen wir mit etwas Verspätung, sodass ich die Zeit nutze, um die Speicherkarte zu leeren und den Akku zu wechseln. Etwa 20 Minuten vor der Abfahrt bin ich wieder an Deck, und prompt gibt es die Show, die wir gerne auf See hätten: Das Polarlicht tanzt, neben grün sind rot und violett zu sehen – wow! Gut, dass ich das Wikingerfest wieder nicht gebucht habe:-)

Nach ein paar Minuten ist das Spektakel schon wieder vorbei, und auf der Fahrt durch den Raftsund zum Trollfjord ist der gesamte Himmel zwar grün, aber Strukturen sind kaum zu erkennen. Schade – die ruhige See und die zum Greifen nahen Berge würden eine grandiose Kulisse bieten.

Die Videos auf Twitter: Vor und in Svolvær und im Raftsund. Am Raftsund gab es wieder den „magischen Trolltrunk“ und Fiskekake – da das Polarlichtoval schwach war, machten wir nach dem Trollfjord auch Feierabend. Hier noch ein paar Impressionen:

Hurtigrute Tag 3: Trondheim

Treffen am Kai: Die Lofoten

Langsam komme ich auf der Hurtigrute an und lasse den deutschen Stress zurück – hier gibt’s genug (guten) Stress: Um 6 Uhr hat die Nordnorge in Trondheim angelegt, und wir nutzen den Aufenthalt, um im Ort zu frühstücken. 8 Uhr Aufbruch langt dafür aber locker. Vorher steht noch ein Fototermin an: Vor der Nordnorge liegt die Lofoten am Kai. Wir könnten Sie besuchen, und rückblickend hätte ich das vielleicht auch noch einmal tun sollen. 2020 wird sie aus dem Liniendienst gehen, da sie unter Denkmalschutz steht, aber gleichzeitig alle Schiffe behindertengerecht sein müssen. Mal sehen, was die Zukunft für den flotten Oldtimer bringt. Aber ich war ja schon ein paar mal dem letzten klassischen Hurtigrutenschiff, das noch im Dienst ist.

Hier war einmal ein Starbucks…

Also geht es direkt nach Trondheim. Rund 20-30 Minuten durch das Industriegebiet kann man dafür veranschlagen, wobei unser Ziel im schicken ehemaligen Industrieviertel Nedre Elvehaven liegt. Die alten Backsteinhäuser beherbergen jetzt ein lebhaftes Wohn- und Arbeitsviertel und leider keinen Starbucks mehr – der hat zum 1. November zu gemacht. Wir schreiben den 6. November.

So viel zu lieb gewonnen Traditionen.

Also ab durch Bakklandet mit seinen typischen kleinen Holzhäusern, und noch schnell einen Abstecher für die Touri-Fotos von Dom und Gamle Bybru.

Trondheim-Panorama

Die Gammle Bybro ohne Touris

Bei bestem Wetter, rund 8° und keinem Schnee kann man schon was aus den Bildern machen. Dabei hilft, dass noch kaum Menschen unterwegs sind: Die markante rote alte Stadtbrücke (Gamle Bybro) ohne Menschen habe ich auch noch nie zuvor erlebt. Dazu blieb knapp eine halbe Minute Zeit, dann wanderte ein kompletter Kindergarten ins Bild…

Der Nidaros-Dom, immer noch Krönungsstätte der norwegischen Könige, war ebenfalls recht ruhig. So konnten wir beobachten, wie ein paar Pilger (?) per Taxi zum Dom fuhren und direkt vor dem Stein hielten, der das Ende der Pilgerwege markiert, die zum Dom führen. So geht’s natürlich auch…

Japanfoto hat umgebaut

Trondheim selbst ist mittlerweile Großbaustelle: Der Marktplatz ist jetzt ein einziges großes Loch, wo vor einem Jahr noch eine recht bescheidene Baustelle war. Also rum um die Baustelle zum nächsten Starbucks, frühstücken, dann einmal durch den Trondheim Torg mit den überbauten alten Häusern und weiter am Königspalast vorbei. Und dann: Verwirrung. Da schicke ich jedes Jahr alle zum Japan-Foto, und der Firmenschriftzug ist weg!

Immerhin: An der Fassade steht noch unauffällig CEWE by Japan Foto, es gibt also immer noch einen Fotohändler am selben Platz. Das Sortiment erscheint kleiner, aber es gibt noch alles Wichtige. Uff. Hätte ich beinahe meinen Reiseführer umschreiben müssen…

Blick auf Munkholmen

Der Rückweg führt über den Bahnhof (an dem auch groß gebaut wird) über den Hafen zurück zum Schiff. Nach ein paar reizvollen Ausblicken auf die Insel Munkholmen geht’s wieder auf die Nordnorge, die um 12 Uhr wie geplant ablegt. Das Expeditionsteam gibt an Deck 7 Infos zu Munkholmen, während wir uns um das Mittagessen kümmern – schließlich steht heute Nachmittag der nächste Vortrag an.

Der Plan, den frühen Nachmittag in Ruhe im Panoramadeck für Vorbereitung und Bilder sortieren zu nutzen, scheitert aber: Linkerhand ziehen ein Militärschnellboot und ein Kriegsschiff die Blicke auf sich, während rechts die Fosen-Werft mit der Richard With und der Nordstjernen die Blicke auf sich zieht. Die Richard With wird zurzeit komplett umgebaut, und die Nordstjernen hilft dort als Hotelschiff aus.

Richard With und MS Nordstjernen in der Werft

Kjeungskjærfyr

Kurz darauf passieren wir den berühmten roten Leuchtturm Kjeungskjærfyr, während am Horizont Kriegsschiffe zu sehen sind und über uns Düsenjäger ihre Bahn ziehen. Den Überschallknall dieser Maschinen habe ich lange nicht mehr gehört und auch nicht vermisst…

Nach dem Leuchtturm laden Volker und ich zu einem Überblick über den Sternenhimmel, das Universum und die griechischen Sternsagen ein, dabei müssen wir gegen die Miesmuschelverköstigung auf Deck 7 und einen anschließenden Vortrag vom Schiff über die Wikinger antreten. Dafür ist die Resonanz gar nicht schlecht.

Stokksund

Pünktlich zum Stokksund sind wir fertig: Die enge Passage ist eines der vielen Highlights entlang der Küste und wird nur bei gutem Wetter durchquert – aber das haben wir ja auch! Der Hinweis auf den Stokksund kommt aber erst, als wir schon fast durch sind. Kurz nach 16 Uhr dämmert es auch schon, der Tag neigt sich dem Ende zu.

Land und Leute darf das Expeditionsteam dann wieder ohne Konkurrenz durch uns ab 17 Uhr präsentieren, und zum Abendessen um 18 Uhr sehen wir uns alle wieder – unsere Gruppe hat die erste Sitzung beim Abendessen, wie es sich für Nordlichtjäger gehört.

MS Spitsbergen in Rørvik

In Rørvik, nach der Fahrt über die recht ruhige Folda, treffen wir auf die Spitsbergen. Die halbe Stunde ist knapp für einen Besuch, aber trotzdem statten wir dem kleinen und fast leeren Schiff eine Stippvisite ab. Vorher noch ein kurzer Schock: Ist der Coop in Rørvik auch Geschichte? Das war immer die Station, um das Flaschenpfand abzuholen, wenn die Reise nur bis Trondheim geht. Aber er ist noch da, es wurde wohl nur eine Lagerhalle dem Erdboden gleich gemacht. Jedenfalls ist jetzt freier Blick auf den Kiwi-Supermarkt, der bislang verborgen war.

Tja, und kurz nach Rørvik gab es dann auch schon das erste Polarlicht. Dank DSGVO kann ich mein Video auf Twitter nicht mehr direkt einbinden, aber hier ist der Link: https://twitter.com/AlexKerste/status/1060129934511955969

Bilder gibt’s natürlich auch. Es war eine nette Show, wenn auch noch nicht das ganz große Feuerwerk, andererseits war die Polarlichtaktivität für diese Nacht sehr gering und wir noch weit im Süden. Ein paar Bilder diese langen Nacht gibt’s zum Abschluss noch hier:

Hurtigrute Tag 2: Westkap und Ålesund

Da immer wieder mal gefragt wird und ich nicht immer tagesaktuell blogge: Diese Reise geht vom 4.-15. November 2018. So viel für’s Protokoll. Und dass ich erst kurz vor Kirkenes dazu komme, mal wieder was zu schreiben, zeigt schon, dass wir bislang gutes Wetter hatten…

Also zu Tag 2 der Reise.

Im Vorfeld waren stürmische Zeiten angekündigt: Rund um das Westkap sollte es noch gut Wellengang haben, und bis Monatsende läuft ein NATO-Maneuver vor der norwegischen Küste. Zumindest das Geschaukel am Westkap hielt sich aber in Grenzen – zwar keine ganz ruhige Überfahrt, aber auch nichts wirklich übles.

Am Montagmorgen begrüßt uns ein bedeckter Himmel am Westkap, und das Expeditionsteam macht um 8:30 auch gleich einen „Interessepunkt“ an Deck 7, zu dem einige Passagiere kommen. Die Nordnorge ist ausgebucht, aber außer vor dem Restaurant verteilt sich das alles zum Glück ganz gut. Zusammen mit dem dreiköpfigen Expeditionsteam sorgen wir schon dafür, dass es unseren Gästen nicht langweilig wird.

Ein kurzer Blick auf Torvik

Dazu müssen uns natürlich alle erst einmal kennen lernen, und von unserem kurzen Halt in Torvik bekommen wir nicht viel mit: Ein kurzer Begrüßungsumtrunk mit Vorstellung und Infos füllt den Vormittag, und um 11:30 gibt es bereits Mittagessen. Schließlich steht die Jugendstilstadt Ålesund bereits um 12:00 Uhr auf dem Programm, und niemand soll die Ausflüge verpassen. Der warme Sommer hat sich auch in Norwegen bemerkbar gemacht, sodass jetzt schon einige Ausflüge wie Walsafari und Husky-Touren abgesagt wurden. Aber Ålesund lässt sich problemlos zu Fuß erkunden.

Volker und ich nutzen den Aufenthalt mal wieder, um – wie immer viel zu warm angezogen (also mit Jacke) – die Stufen zum Hausberg Aksla zu erklimmen. Vom Berg aus legt das Schiff wieder am rechten Ufer an, am neuen Anleger und immer noch nur wenige Straßen vom Stadtzentrum entfernt.

Ålesund vom Aksla aus

Das Wetter: Bedeckt, aber angenehm für einen Ausflug in die Stadt. Zurück gehen wir durch den Wald, um dem „Gegenverkehr“ auf den paar hundert Stufen auszuweichen. Einige Skulpturen lockern den Spaziergang auf.

Ålesund

Bei drei Stunden Aufenthalt bleibt noch genug Zeit für einen Besuch im frisch renovierten Kremmergarden Einkaufszentrum, die Schoko- und Getränkevorräte auffüllen, sowie einen Abstecher in den berühmten Souvenirshop.

Dann ruft die Pflicht: Unser erster Vortrag (Nordlicht und Nordlichtfotografie) ist bereits für diesen Nachmittag angesagt. Perfekt: So hat jeder die Zeit, um seine Kamera kennen zu lernen. Das Timing ist allerdings etwas knapp, wir fangen um 15:30 an, und für 15:05 hat das Schiff eine Probe norwegischer Küche angesetzt. Aber die meisten finden uns doch.

Norways Coastal Kitchen

Um 17 Uhr bietet das Expeditionsteam „Norwegen – Land und Leute“ an, den Tagesrückblick, der vor einiger Zeit eingeführt wurde. Im Lauf einer halben Stunden gibt es den Überblick darüber, wo man heute war (samt aktuellen Bildern) und was einen morgen erwartet. Eine unterhaltsame Sache, für Vielfahrer aber keine Pflichtveranstaltung.

Pünktlich zum Abendessen liegen wir in Molde, sodass von der Stadt nicht viel zu sehen ist: Es ist längst Nacht, und die schönen Berge bleiben im Dunkeln.

Da der Himmel heute bedeckt ist, können wir früh Feierabend machen: Das Bett ruft, die nächsten Tage könnten lang werden, und die Anfahrt war doch recht anstrengend.

Hurtigrute Tag 1: Back in Bergen

Ab die Post mit KLM

Wie die Zeit vergeht – da hatte ich mir mal ein Jahr Auszeit von der Hurtigrute genommen, und schon ist es wieder soweit. Wobei ich bei dem Stress des letzten Jahres noch nicht ganz in Norwegen angekommen bin, Deutschland hinterlässt seine Spuren…

Zurzeit starten die meisten Flüge der Hurtigrute anscheinend nicht mit SAS, sondern mit KLM. Das hat immerhin den Vorteil, dass ich erst um kurz vor 12 in Stuttgart starte. Und sonntagmorgens um 9 ist die Autobahn noch frei, sodass ich sogar zu früh beim Flyaway-Service ankomme, mein Auto abstelle, mich zum Flughafen fahren lasse und wie üblich meine Fototasche an der Flughafensecurity zur Sprengstoffkontrolle abgebe. Das alte Spiel.

Lecker Essen mit walisischem Wasser

Neu ist dagegen, dass KLM bzw. das Bodenpersonal das mit dem Handgepäck nicht auf die Reihe kriegt. Am Ende wird alles Handgepäck, das im Gepäckraum befördert werden sollte, doch in die Kabine getragen. Mit den freundlichen Worten „Wer braucht diesen Trolley?“ verteilen die Stewardessen das Handgepäck in der Maschine. Letztlich wird dann alles Handgepäck in der Kabine untergebracht, und mit leichter Verspätung geht’s ab nach Amsterdam. Mit an Bord: Der Snack, diesmal ein Stück Rührkuchen und das übliche Plastikbecherchen mit Wasser – auf den letzten Reisen kam es noch aus der Türkei, jetzt aus Nord-Wales.

Noch was Neues: Aus der KLM-App kann ein Flugsegment samt Bordkarte auf Nimmerwiedersehen verschwinden, wenn man kurz vor dem Boarding ist. Früher hatte man die Unterlagen ausgedruckt, heute hat man die Boardkarte auf dem HAndy. Und die Powerbank für’s Handy dabei. Und den Ausdruck, für alle Fälle. Das ist Fortschritt.

Mit etwas mehr Verspätung geht es dann weiter nach Bergen, wo uns die Reiseleiter Kai und Corinna bereits erwarten. Da die ganze Gruppe über Amsterdam anreiste, konnten wir rasch in die Busse steigen. Auf dem Weg zum Schiff gab es wieder die kleine Orientierungstour durch Bergen, interessanterweise ohne Regen. Da es längst dunkel ist, war allerdings nicht zu viel von der Stadt zu sehen. Aber trotzdem ging es an den historischen Häusern von Bryggen vorbei, und am einzigen MacDonalds ohne MacDonalds-Schild ebenso. Norwegischer Denkmalschutz schlägt US-amerikanisches Marketing.

Auf dem Schiff gibt’s was neues: Die Sicherheitsbelehrung findet nicht mehr im Terminal statt (das wohl als Cafe genutzt werden soll), sondern an Bord, in mehreren Schichten mit Anwesenheitspflicht und Abhaken vom Namen. Blöd: Auf der Cruisecard stand früher die Kabinennummer. Heute dank Datenschutz nur noch der Name. Klar: Wenn jemand die Karte verliert, ist das von Vorteil, aber die Antwort auf die Frage „Welche Kabine?“ fällt schwerer.

Schafskopf

Einfacher ist die Frage: Was fangen wir mit dem Rest vom Abend an. Klar: Das Bergen-Buffet. Am schmackhaftesten war der Teller mit Lamm/flambiertem Schafskopf, an den ich mich endlich einmal herangetraut habe.

Das weitere Abendprogramm: Vortragstermine organisieren, Kabine beziehen, die Vorstellung der Crew verpassen (die Schlange vor dem Restaurant war zu lang), und nochmal kurz von Bord gehen, um das Schiff zu knipsen und den Teil von Bergen gegenüber des Hurtigrutenterminals anschauen, den man noch nicht kennt. Hübsche kleine Holzhäuser, eine sehr schmucke Gegend.

Viel Zeit bleibt dafür natürlich nicht, auch wenn die Nordnorge dank Winterfahrplan erst um 22:30 ablegt. Der frische Wind an Deck gibt schon einmal einen Vorgeschmack darauf, was uns am nächsten Morgen am Westkapp erwarten könnte. Bis dahin präsentiert sich Bergen aber trocken und mit einem schönen Panorama. Unter der Aksøy-Brücke hindurch beginnt unsere Reise, die uns über das Nordkapp bis Kirkenes und wieder zurück führen wird. Hoffen wir, dass das Wetter mitspielt und wir viel Grün am Himmel sehen werden!

Die Askøy-Brücke