Arbeiten mit dem Celestron RASA 8

Diesen Beitrag hatte ich ursprünglich für die Vereinszeitschrift der Heilbronner Sternwarte geschrieben. Da ich schon ein paar Mal in Foren und Diskussionen darauf verweisen wollte, stelle ich ihn nun auch auf meine Webseite. Dank Corona, Ausgangssperren, meiner mittlerweile seltenen Anwesenheit in Heilbronn und weil das Gerät doch öfter ausgeliehen wird, habe ich seitdem leider nicht mehr mit ihm gearbeitet. Ich brauche Zeit…

Der RASA 8 auf der CGEM-Montierung der Heilbronner Sternwarte

Neue Möglichkeiten für die Astrofotografie

Astrofotografie war schon immer eine Herausforderung. Sogar aus der Zeit vor der Zerstörung Heilbronns im zweiten Weltkrieg sind Berichte überliefert, dass der erste Zeiss-Refraktor der Sternwarte mit Kameras ausgestattet war – und die überlastete Montierung nur eiförmige Sterne lieferte. Die alten Beobachtungsbücher aus der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zeigen einige schöne Mondbilder, und eine analoge Olympus Spiegelreflex ruht immer noch in unserem Schrank.

Bis weit in die 90er Jahre war Diafilm das Mittel der Wahl. Wer damals mit dem Auge am Fadenkreuz geguidet hat, weiß, was das für eine Qual ist – selbst, wenn die Montierung etwas taugt, sodass man bequem am C14 sitzen konnte und nur die Tasten der Handsteuerung drücken musste.

Ein großer Schritt nach vorne war die Digitalisierung. Bei uns machte eine Starlight Express CCD-Kamera den Anfang – mit 320-Pixel-Chip und Bildausgabe auf einem Fernsehmonitor. Gesteuert wurde sie über einen eigenen Steuerungskasten. Dementsprechend selten war sie im Einsatz, auch wenn M 57 im C14 fast bildfüllend war.

Der nächste große Schritt war dann zweigeteilt: Einerseits wurden Videomodule für die Planetenfotografie eingeführt. Den Anfang machte bei uns wie so oft eine Philipps ToU Webcam, heute haben wir eine DMK Farbkamera, die wesentlich bessere Ergebnis liefert. Mit diesen Kameras wird ein Video aufgenommen, aus denen eine Software die besten Bilder des Planeten heraussucht und zusammengefügt – einst machte das Giotto, heute Registax oder Autostakkert.

Für Deep Sky brachten die digitalen Spiegelreflexkameras den Durchbruch: Erst kam eine Nikon D70 auf die Sternwarte, später zwei astromodifizierte Canons. Sie können am Teleskop ebenso eingesetzt werden wie auf dem AstroTrac als mobile Fotonachführung mit lichtstarken Objektiven.

Am Teleskop wurden diese Kameras meist entweder am Coudé für die Mondfotografie eingesetzt, oder am ED80, der auf dem C14 aufgesattelt ist. Mit Reducer kommt der ED80 auf ein Öffnungsverhältnis von f/6 (80/480) und kann auch ohne Nachführkontrolle einfach auf der Alt-Montierung Photonen sammeln. Ausschuss ist zwar dabei, aber man kann ja immer noch Bilder einfach löschen. Die Bahtinov-Maske erleichtert das Scharfstellen dabei ungemein.

Theoretisch ist sogar Autoguiding am C14 möglich – eine gekühlte Atik 16IC ist vorhanden, und PHD ist installiert. Allerdings wurde nie dokumentiert, wie das Ganze funktioniert.

Die anderen Sternwartenteleskope wurden eher selten für die Astrofotografie genutzt. Die Vixen Superpolaris-Montierungen sind zwar präzise, allerdings hatte sich die Elektronik im Lauf der Jahre verabschiedet, und sie können ohnehin nur nachführen, aber nicht guiden. Mit der normalen HEQ-5 wurde sogar gelegentlich erfolgreich mit dem C8 fotografiert; die HEQ-5 SDI „litt“ unter der besseren, aber empfindlicheren Boxdoerfer-Steuerung. Autoguider-Eingang oder gar Goto bietet aber keine dieser Montierungen, und der Schwerpunkt der Sternwarte lag erst einmal auf der visuellen Beobachtung – auch, da nicht viele Mitglieder fotografierten.

Die erste moderne Montierung war dann die CGEM, die die Superpolaris auf der Zeiss-Säule auf der Plattform ersetzte. Sie bietet Goto und eine Autoguiderschnittstelle, ist jedoch nicht mobil. 2019/2020 wurden dann die Weichen gestellt, um die Astrofotografie mit unseren Geräten wieder zu fördern: Mit der Celestron Advanced VX (AVX) kam eine transportable parallaktische Montierung mit Goto und Autoguiderschnittstelle auf die Sternwarte. Es folgte eine Atik Horizon Astro-Kamera mit gekühltem Farbsensor (weniger Rauschen!) und der Möglichkeit, Bilder direkt am PC zu stacken. Sie kam pünktlich zum Lockdown Anfang 2020, sodass sie erst im Herbst getestet werden konnte. Der Durchbruch war dann der Celestron RASA 8, der sowohl auf der CGEM auf der RMS als auch mobil auf der AVX betrieben werden kann: Eine reine Fotomaschine, die mit 400mm Brennweite und f/2 kurze Belichtungszeiten und große Bildfelder ermöglicht. Er kann nur mit der ATIK betrieben werden, für eine DSLR langt sein Backfokus von nur 25mm ab dem T-2-Gewinde nicht aus. Aber der Aufwand lohnt sich.

Das First Light war im November 2020, und hier will ich von den meinen Erfahrungen berichten und beschreiben, wie er benutzt wird.

Der erste Einsatz

Nachdem wir alle nötigen Adapter beisammen hatten – für die Atik war noch ein 12mm-Distanzring nötig; bei f/2 müssen die Abstände exakt eingehalten werden, wenn man scharfe Bilder will – konnte ich das Teleskop am 5. November endlich in Betrieb nehmen. Das bedeutete zuerst einmal, den optionalen Motorfokussierer zu installieren und Firmware-Updates für die Handcontroller und Montierungen aufzuspielen. Der Motorfokussierer erscheint als zusätzlicher Punkt „Focuser“ in der Handsteuerung und kann dann mit den Scroll Up/Down-Tasten des Handcontrollers gesteuert werden. Manuelles Fokussieren ist nicht möglich! Alternativ kann er über den PC gesteuert werden. Dazu wird der Handcontroller über ein Mini-USB-Kabel mit dem PC verbunden (was den ersten USB-Port belegt). Dann kann er über ein eigenes Steuerprogramm oder über Celestron CPWI gesteuert werden, das auch die komplette Montierungssteuerung samt Referenzsternsuche übernimmt.

Die Rückseite des RASA: Kein Okularauszug. Der Motorfokussierer ist an den AUX-Port der Montierung angeschlossen.

Nach einiger Zeit hatte ich dann auch alle Schrauben fest genug und die richtige Firmware auf AVX und CGEM, sodass der Fokussierer funktionierte. Noch einmal die Kalibrierung des Fokussierers starten, damit die Software die Endpunkte kennt, und der Teil war erledigt.

Der RASA passt mit seiner 3″-Schiene zum Glück ohne Probleme auf die Montierungen. Ein Gegengewicht langt prinzipiell, besser sind zwei, die dann näher am Montierungskopf liegen.

Dann kam die Kameramontage dran: Die Atik wird mit dem T-Adapter vor das Teleskop geschraubt, der 12mm-Abstandsring sorgt für den richtigen Abstand. Dann mit dem zweiten USB-Port verbinden.

Die Inbetriebnahme der Kamera war spannend: Anfang des Jahres waren wir komplett gescheitert. Atik macht gute Kameras, mäßig intuitive Software und eine bescheidene Dokumentation. Auf dem Desktop erscheinen nach der Installation nur die Icons für Infinity (mit dem man Bilder Live-Stacken kann – wunderbar, wenn die Kamera mal läuft, aber nichts für die ersten Versuche), Dawn (eine seltsame Software zur Bildbearbeitung, die völlig neue Wege bei der Benutzeroberfläche geht und dadurch gänzlich unintuitiv ist) sowie Dusk, das wohl Bilder aufnehmen soll. Arbeiten kann man dagegen mit Artemis Capture, das im Windows Startmenü versteckt wird.

Die ATIK vor der Schmidt-Platte des RASA.

Das erste Bild gelang mir daher mit Sharpcap, und nachdem ich die Einstellungen gefunden und die Funktionalität bewiesen hatte, konnte ich auch mit Artemis ein Bild auf den Monitor bringen. Die Kilianskirche, versteht sich – die ist schön hell. Dann noch den Sucher installieren und ausrichten (der 50mm MicroGuide von Astroshop – klein und leicht) und das Fadenkreuzokular einstecken. Mit Zenitspiegel am Sucher kommen wir leider nicht in den Fokus, da ist man vom Baader Variofinder am C14 verwöhnt – aber der hat dafür keinen Helikalfokussierer.

Jetzt konnte endlich getestet werden. Also die Montierung auf die Indexmarken setzen; die CGEM ist ja schon ganz gut eingenordet, wenn keiner an den Schrauben spielt. Dann die Referenzsterne anfahren – es ist ungewohnt, den ersten Blick im Sucher zu machen und dann auf den Monitor zu wechseln. Das Kabel vom Handcontroller ist aber lang genug, und die letzte Feinfokussierung ging über den Handcontroller auch gut (nachdem ich einmal die Kalibrierung durchlaufen hatte und den Fokussierer auf eine mittlere Position gestellt hatte).

Jetzt sollte eigentlich die Optik justiert werden, aber ich teste ja noch – also ab auf M 57 und 15×30 Sekunden belichten. Mal schauen, was die Software so kann. Freude: Die Justage sieht gar nicht so schlecht aus!
Davon abgesehen war das Ergebnis dann erstmal frustrierend: Ich hatte einen Schwung FITS- und TIFF-Bilder aufgenommen, die alle Schwarz-Weiß waren, obwohl Artemis Capture sie mir in Farbe anzeigte. Öhm…
Schließlich – allmählich ging auch der Mond auf, schlechte Zeiten für Deep-Sky – packte ich den RASA wieder ein (zumindest die Hardware funktionierte ja einwandfrei) und schloss die Atik noch einmal an den PC im Meridiankreishaus an. Oh Wunder: mit zwei 40mm-Verlängerungshülsen erhielt ich nun auch am ED80 ein scharfes Bild vom Mond. Nur kam ich mit der Belichtungszeit nicht weit genug runter, er war überbelichtet. Aber was soll‘s, die Hardware läuft. Dafür testet man ja!

Debayern?

Wieder zuhause nahm ich mich noch einmal der Daten an. Das Ergebnis: Die Bilder müssen debayert werden (aha…), damit aus komischen Monochrom-Aufnahmen Farbfotos werden. Das geht mit DSLR-RAWs in Lightroom doch bequemer. Die FITS-Dateien konnte ich so in Deep-Sky-Stacker öffnen und farbig machen. Sehr schön: Die Nachführung war auch ohne Guiding gut genug, und nach 7,5 Minuten war der Zentralstern von M 57 deutlich zu sehen. Dafür muss ich am ED80 mit f/6 deutlich länger belichten. f/2 macht richtig Spaß! Die Bilder hatte ich in Deep-Sky-Stacker als RGGB dekodiert.

Nur wie ich aus den TIFF-Bildern Farbfotos machen kann, habe ich immer noch nicht kapiert. Wahrscheinlich kann ich diese Aufnahmen abschreiben.

First Light am Himmel: 7,5 Minuten Ringnebel als Weitfeld – samt Zentralsternchen.

Second Light

Ein paar Tage später schien der Himmel wieder mitzuspielen. Der Plan für heute: Die Montierung einnorden, Autoguiding üben und mit Infinity herumspielen. Als es nach einem herrlichen Herbsttag endlich dunkel genug war, war ich auch fast einsatzbereit. Am Leitrohr hing meine ZWO Mini, die ich zum Guiden und Einnorden benutzen wollte – Sharpcap hat da eine wunderbare Routine mittels Platesolving.

Als die Kamera endlich Sterne sah, war die Montierung dann auch recht schnell recht gut eingenordet – bis auf etwa 30 Bogensekunden, gut genug für 400 mm.

Warten auf die Dunkelheit

Und pünktlich zur astronomischen Dämmerung war dann auch Nebel hochgezogen, sodass die Suche nach einem Referenzstern scheiterte, um das Goto in Betrieb zu nehmen. Kein Großer Wagen mehr zu sehen, die Nacht war gelaufen – vor allem weil der RASA noch keine Taukappe oder Heizung hat.

Aber lehrreich war es trotzdem: Ich bräuchte einen weiteren USB-Port, da der Aufbau drei Ports belegt: Einen für die Montierung, einen für die ATIK und einen für den Guider. Klar, dass mein MacBook Air nur zwei Ports hat…

Die Montierungssteuerung geht über CPWI ganz gut. Man muss nur das Hauptfenster mit dem Sternkartenprogramm zur Seite schieben und kann dann die Steuerfenster für die Achsen der Montierung und ggf. den Fokussierer über das Programmfenster von Artemis legen.

Artemis hat ein schönes Tool zur richtigen Fokussierung: Einfach das Focus-Tool aufrufen, einen Stern anklicken und dann über FWHM-Analyse den perfekten Fokus suchen. Sehr angenehm. Und wenn man ein Fadenkreuz einblendet, kann man auch die Referenzsterne der Montierung sehr genau einstellen.
Wenn das Leitrohr mit der Guidingkamera belegt ist, wäre ein kleiner Leuchtpunktsucher für die Referenzsterne noch ganz nett. Aber solange die Montierung ja auch über den Handcontroller gesteuert werden kann, kann das Guiding auch danach installiert werden – wenn die Kamera einen ST-4-Port hat, und man nicht über USB und den Handcontroller gehen muss (oder man ausreichend USB-Ports hat…).

PHD-Guiding konnte ich so leider nicht ausprobieren. Für dieses Jahr ist noch die Anschaffung eines Standalone-Autoguiders geplant. Im Idealfall kommt der ohne PC aus, mittlerweile ist die Technik auch recht ausgereift. Dann brauchen wir nur noch sechs Steckdosen: Für Montierung, Kamera, Laptop, Kühlung vom RASA, Heizung der Taukappe und Autoguider. Uff…

Der Arbeitsplatz mit Artemis Capture und CPWI


Artemis Capture hat eine spartanische, aber funktionelle Oberfläche. Die wichtigsten Funktionen:
(1) Cooler – Hier wird die Temperatur der Kamera eingestellt. Sie kann bis 30° unter Umgebungstemperatur gekühlt werden – sinnvoll ist ein Wert, der die ganze Nacht über gehalten werden kann. Wichtig: Die Kamera nicht einfach ausstecken, sondern erst wieder aufwärmen („Warm up“)
(2) Display: Beeinflusst nur die Darstellung am Monitor. Ggf. muss mit den Black- und White-Werten gespielt werden, um etwas zu sehen, Auto Stretch funktioniert nicht immer. Ein Schwarzwert ab 40 000 hilft dabei, Überbelichtung zu erkennen.
(3) Reticle blendet ein Fadenkreuz ein – perfekt zum Einstellen der Referenzsterne für das Goto. Der Zoom kann auch mit dem Mausrad verstellt werden.
(4) Exposure: Hier wird die Belichtungszeit eingestellt – auch am RASA sind 1-3 Sekunden ein guter Anfangswert. Binning sollte auf 1 stehen, sonst werden Pixel zusammengefasst – das liefert ein helleres Bild, aber nur noch in schwarzweiß. Darunter kann ein Bildausschnitt (Region of Interest) ausgewählt werden, oder mit Full frame das gesamte Bild.
Ein Häkchen bei (5) Autosave speichert automatisch jede Aufnahme, hier wird auch der Speicherplatz und Bildname angegeben. Die Funktion kann auch oben links bei den Icons aktiviert werden. Alternativ kann die aktuelle Aufnahme manuell gespeichert werden(6).
Über die (7) Presets und den Gain kann die Empfindlichkeit eingestellt werden. Gerade am RASA sind niedrige Werte besser, da es dann weniger Bildrauschen gibt – die Helligkeit kann auch in der Bildbearbeitung hochgezogen werden.
Über das Fenster Tracking kann auch fokussiert werden – einfach einen Stern anklicken. Wenn eine zweite Instanz von Artemis Capture geöffnet ist, kann hier auch eine weitere Atik für das Guiding genutzt werden.
Die Kamera wird über die Icons (8) ausgelöst: Einzelaufnahme, Dauerfoto oder programmiert.
(9) und (10) sind die Einstellfenster für Montierungsachsen und Fokussierer aus Celestron CPWI, das hier an den untersten Bildschirmrand geschoben wurde.

Livestacking

Ausschlaggebend für die Entscheidung für die Atik Horizon war die Infinity-Software, die Livestacking ermöglicht. Daher musste das natürlich auch einmal getestet werden, sobald ich mit der Kamera einigermaßen vertraut war.

LiveStacking: Man muss nur etwas mit dem Histogramm spielen, dann erscheint rasch ein schönes Bild auf dem Monitor. Fünf Minuten (24x15s) M 57 am C14, ohne Guiding.

Die Infinity-Software läuft grundsätzlich im Vollbildmodus und hat eine eigenwillige Oberfläche. Oben rechts sind drei Modi: Das Auge dient dazu, ein Objekt zu finden; die Kamera nimmt dann die Bilder und stackt sie, wenn man links ein Häkchen setzt, und das Wiederholungssymbol daneben lässt einen eine Sitzung erneut wiedergeben. Der Funkturm ist für Youtube-Streaming, und die Diskette lässt einen das Ergebnis speichern.
Die meisten Einstellungen sind halbwegs selbsterklärend. Damit ein schönes Bild herauskommt, muss man unten am Histogramm etwas spielen. Durch Verschieben von Schwarz- und Weißpunkt sowie dem mittleren Balken kann man eine Quick-and-Dirty-Bildbearbeitung machen. Das Beispiel oben zeigt den Ringnebel nach fünf Minuten – es ist schon cool, was fast vollautomatisch möglich ist!

Ganz perfekt läuft das aber noch nicht: Unser Rechner im Meridiankreishaus war etwas schwachbrüstig, die Software hätte gerne mindestens 8 GB RAM und einen i5-Prozessor; bei 4 GB funktioniert sie zwar, aber das Histogramm ist fast nicht zu bedienen. Auf meinem Laptop funktionierte es erst, als ich „Use Fast Display“ deaktivierte. Mittlerweile wurde der C14-Steuerrechner durch einen schnelleren Laptop ersetzt.

Aber wenn der Rechner leistungsstark genug ist, wird es reizvoll sein, während einer Führung ohne allzu großen Aufwand demonstrieren zu können, was die Kamera im Gegensatz zum Auge leisten kann.
Das ist dann schon wirklich Astrofotografie für Dummies…

Vorbereitungen der Montierung

Um Spaß dabei zu haben, muss die Montierung natürlich sauber laufen. Gerade vor dem ersten Feldeinsatz oder nach einem Firmware-Update sollten bei den Celestrons ein paar Dinge überprüft werden.
Die Montierung sollte möglichst gut ausbalanciert sein – und dann im Osten minimal schwerer, um Getriebespiel beim Nachführen zu vermeiden. So schiebt der RA-Motor immer.

Getriebespiel: Die Montierungen werden noch mit Zahnrädern angetrieben, die Spiel im Getriebe haben. Unter Einstellungen => Getriebespiel kann im Handcontroller eingestellt werden, dass der Motor etwas schneller läuft, um Totgang auszugleichen. Die Montierung sollte keine störenden Verzögerungen aufweisen, wenn man die Richtung ändert.

CPWI steuert Montierung und Motorfokussierer.

Utilities => Kalibrieren sollte einmal aufgerufen werden, die Kalibrierung läuft dann automatisch ab.
Für das Alignment sollten mindestens drei, besser vier Sterne ausgewählt werden, bevor die Montierung über Align=>Polausrichtung eingenordet wird. So kann sie ein besseres Himmelsmodell erstellen. Anschließend sollte ein neues Alignment durchgeführt werden. Wenn mit dem RASA und der Atik eingenordet wird, kann man ein Fadenkreuz einblenden. Wer einen eigenen Laptop hat: Sharpcap kostet Geld und ist nur als Abo erhältlich (sein Geld aber wert), bietet dafür jedoch eine sehr komfortable Routine, die zum Einnorden das Bild der Guidingkamera am Sucher verwendet. Auch das kostenlose PHD2 bietet so eine Routine, die konnte ich aber noch nicht testen.

Wenn man ohnehin einen Laptop dabei hat, bietet es sich an, Celestron CPWI zur Steuerung und Einnordung des Teleskops zu verwenden. Dabei werden unsere Montierungen über den Handcontroller verbunden, der dann im Betrieb ohne Funktion bleibt – die Montierung wird nur noch über den PC gesteuert.
Damit das funktioniert, muss man aber auch genug Strom haben. Es ist nicht jeder Lüfter nötig, aber auch der Laptop muss in der Kälte erst einmal durchhalten.

Fazit

Der massive Einsatz von Technik erfordert etwas mehr Vorbereitungszeit, aber wenn alles läuft, sind in kurzer Zeit sehr gute Ergebnisse erzielbar. Durch die Brennweite und Lichtstärke des RASA kann bei einer sauber eingenordeten Montierung sogar auf das Guiding verzichtet werden. Bei 400mm Brennweite hat die Atik eine Auflösung von 1,96″, was mit kurzen Belichtungszeiten noch beherrschbar ist – aber mit Guiding sind noch tiefere Aufnahmen möglich. So macht Astrofotografie richtig Spaß!

Zum Abschluss noch ein Bild, das ein Kollege mit dem Gerät aufgenommen und ernsthaft bearbeitet hat:

Das Galaxienpaar M 81/M 82, aufgenommen mit unserem neuen RASA 8 (400mm f/2) und der Atik Horizon Color. 110 Frames je 2 Minuten + Darks, Bias, Flats.

Die Sonnenfinsternis im Zeitraffer

So, den ersten Schwung Bilder der Sonnenfinsternis vom 10. Juni 2021 habe ich nun durchgeschaut, den Rückblick gab’s ja schon im letzten Blogbeitrag. Meine Nikon D7100 hing ja am Coudé-Refraktor der Heilbronner Sternwarte und schoss jede Minute ein Foto. Das Teleskop ist ein 150/2250mm-Refraktor, mit Reducer liegt er etwa bei 1500mm Brennweite, sodass die Sonne komplett auf den Sensor der APS-C-Kamera passt.

Nun ist das Gerät aus den 1980ern, und irgendwo ist noch die Anleitung, die beschreibt, wie man die Nachführung auf Sonnengeschwindigkeit einstellen kann. Daher lief die Sonne regelmäßig aus dem Bild, und ich musste die Fotos manuell zentrieren. Die Helligkeitsschwankungen kommen daher, dass ich die Kuppel auch manuell drehen musste und nicht immer daran gedacht hatte.

Immerhin: Die erste Wolke kam erst in der Minute, nachdem der Mond nicht mehr vor der Sonne stand. Dafür kann man richtig zusehen, wie sich Staub auf dem Sensor ablagert. Da die Sonne über den Sensor wanderte und die Bilder nachträglich auf die Sonne zentriert wurden, sieht das so aus, als ob der Staub über die Sonne wandert. Immerhin ist er so besser von den kleinen Sonnenflecken zu unterscheiden.

Zeitraffer der partiellen Sonnenfinsternis vom 10. Juni 2021

Kleines Update: Der Vollständigkeit halber hier noch das originale Video, das nicht ausgerichtet wurde und das schön zeigt, wie sich Sonne und Mond mit anderen Geschwindigkeiten bewegen als die Sterne, auf die die Nachführung eingestellt war:

Ein Zeitraffer aus den selben Bildern, nur ohne manuelle Ausrichtung auf die Sonne.

Die Partielle Sonnenfinsternis vom 10. Juni 2021

Was Finsternisse angeht, waren wir in letzter Zeit nicht gerade verwöhnt worden. Mit rund 7% Bedeckung für Süddeutschland versprach das auch ein eher unauffälliges Schauspiel – nichts, was man mit bloßem Auge bemerken würde. Trotzdem gab es schon im Vorfeld Überlegungen, mal wieder einen LiveStream von der Heilbronner Sternwarte aus zu machen. Mit öffentlichen Veranstaltungen sah es in letzter Zeit aus den bekannten Gründen ohnehin mau aus…

Der VarioFinder mit Sonnenfilter

Schon im Vorfeld stand daher eine Neuanschaffung an: Ein Sonnenfilter für den Sucher vom C14. Dessen Brennweite von 250mm passt genau, um die Sonne bildfüllend auf die DMK Planetenkamera zu projizieren, die wir schon einmal für einen LiveStream genutzt hatten. Das hat im Test auch wunderbar funktioniert – allerdings hat die Kamera nur 640×480 Pixel Auflösung. Nicht gerade viel für heutige Verhältnisse.

Die Wetterprognose am Vortag

Der Probelauf mit dem Youtube-Stream eineinhalb Wochen vorher ließ dann auch den Wunsch nach mehr Auflösung aufkommen. Was tun? Nun, für Deep-Sky-Fotografie haben wir noch eine gekühlte ATIK Horizon auf der Sternwarte, die sollte doch auch dafür taugen. Im Prinzipja – nur schmierte die ATIK-Software regelmäßig bei dem Versuch ab, auf Youtube zu streamen, und im Herschelkeil war das Bild auch bei kürzester Belichtungszeit zu hell.

In der letzten Woche vor dem Ereignis ließ das Wetter keine weiteren Tests zu, erst am 10. konnte ich wieder testen – kurz, bevor wir live gingen. Die Wetterprognose war mäßig, aber überraschenderweise war es dann doch weitestgehend klar in Heilbronn. Es mag damit zusammenhängen, dass ich kurz vorher nicht nur einen Sonnenfilter, sondern auch einen Regenschirm besorgt hatte – das hat den Wettergott wohl völlig verwirrt.

Die Technik für den LiveStrem – die Aufnahmeoptik (der schwarze ED80/600) wird vom doch nicht benötigten weißen Sucher fast völlig verdeckt:-)

Jedenfalls lief gut eine Stunde vor dem Beginn der Finsternis die ATIK mit einem zusätzlichen Graufilter am Herschelkeil, und mit Bildschirmzoom auch bildfüllend. Das Bild wurde dann mit OBS abgegriffen und gestreamt. Ein Workaround, aber er funktioniert.

Also dem Kollege Bescheid geben, der aus dem HomeOffice den Stream starten konnte – im Gegensatz zu mir vor Ort konnte er auf dem Laptop was erkennen. Ohne Sonnenschutz war der Laptop nicht bedienbar…

Beim nächsten Mal werde ich wohl versuchen, mit Okularprojektion ein größeres Bild zu bekommen. Mit dem 36er Hyperion Okular habe ich an der DSLR eigentlich immer eine schön große Sonne gehabt. Aber das nächste Mal können wir den Stream dann auch vorher ankündigen, so hatten wir immer 35 Zuschauer auf sternwarte.org/live/.

Die Sonne im Weißlicht

Absolut ungewöhnlich war übrigens, dass ich die Sternwarte völlig für mich alleine hatte. Wochentags Mittags in Corona-Zeiten haben doch nicht zu viele Leute Zeit, erst recht nich von unseren Instrumentenscheininhabern – und wir hatten ja keine Veranstaltung angekündigt. Abstand halten und so. Ich nutzte die Gelegenheit, um meine DSLR mit Reducer an den Coudé zu hängen und im Intervallmodus minütlich ein Foto machen zu lassen. Leider hatte ich nicht mehr so viel Zeit zum Fokussieren, bzw. mich etwas vertan, und doch etwas mehr Staub auf dem Sensor als gedacht. Aber fürs Web langen die Fotos allemal. Und irgendwann muss ich nachschauen, wie ich die Nachführung unseres Coudé auf Sonnengeschwindigkeit einstelle, sie lief ein paar mal aus dem Bild. Macht aber nichts, ich habe die Kuppel auch nicht immer schnell genug gedreht.

Damit waren beide Hauptteleskope der Sternwarte mit Kameras belegt – und was mache ich jetzt? H-alpha! Wir haben ja einiges an mobilen Geräten, und ich hatte noch einen H-alpha-Filter dabei, den ich gerade teste. Also Ruckzuck den ED80 auf die CGEM gesetzt, die fest auf der Plattform aufgebaut ist. Ja, chic: Einige nette Protuberanzen, mehr Details auf der Sonnenoberfläche als die paar kleinen Sonnenflecken, die im Weißlicht zu sehen waren, und hübsch anzuschauen, wie sich die ganzen Krater und Berge am Mondrand vor der Sonnenscheibe abheben. Also die kleine Panasonic G70 geholt und drangehängt. Eine Farbkamera ist für die H-alpha-Fotografie leider nur mäßig geeignet, aber eine Quick-and-Dirty-Bildbearbeitung will ich doch nicht vorenthalten.

Die Sonnenfinsternis im H-alpha

Das Bild hinkt dem visuellen Eindruck meilenweit hinterher – ich müsste unterschiedlich belichtete Aufnahmen von Sonnenoberfläche und Rand ineinanderkopieren, um was hübsches draus zu machen, und wesentlich mehr Zeit in die Bildbearbeitung stecken, als ich gerade habe. Aber für einen Schnellschuss schon ganz nett. Irgendwann arbeite ich mich mal in die H-alpha-Fotografie ein…

Nur was mache ich jetzt auf der Sternwarte? Langsam gehen mir die Kameras aus… Also noch ein Teleskop aufbauen: Unser kleines Lunt wartet eh schon lange wieder auf Sonne, und ich kann mal testen, wie gut die NexStar SE mit einem Sonnensystem-Alignment funktioniert. Ich bin positiv überrascht: Der breitere H-alpa-Filter des Lunt 60 (0,75Å statt 0,6Å am ED80) zeigt erwartungsgemäß die Sonnenprotuberanzen heller, und die Montierung führt ziemlich ordentlich nach – vor allem, weil ich das Stativ ohne Wasserwaage aufgestellt hatte. Nett. Damit ist das auch die erste SoFi, die ich fast komplett in H-alpha beobachte – ein bisschen dekadent ist das schon:-)

Klarer Himmel über Heilbronn, und die Sternwarte ganz für mich alleine

Ich konnte aber nicht wiederstehen, die DMK mit einem billigen Reducer an das Lunt zu hängen – da kam aber nichts scharfes bei raus, also hatte ich doch ein Teleskop für die visuelle Beobachtung. Auch nicht schlecht.

Brav: Die Wolken kamen erst nach der SoFi – Bild von 13:26.

So vergingen die zwei Stunden recht zügig, und das Wetter hielt sich bis zuletzt. Erst wenige Sekunden nach der Finsternis schob sich die erste Wolke vor die Sonne. Ich muss öfter Regenschirme vor astronomischen Ereignissen kaufen…

Gegen Ende war auch schon fernes Rumpeln zu hören, und als ich endlich alles abgebaut hatte, kamen auch schon die ersten Regentropfen. Auf der Rückfahrt erwischte mich auf der Höhe von Schwaigern dann auch noch ein regelrechter Wolkenbruch – es bewahrheitet sich also immer wieder, nach einer SoFi kommt Regen. Das war schon 1999 so:-)

Damit war das eine entspannte kleine Abwechslung zu den üblichen Veranstaltungen auf der Sternwarte und wieder einmal schön anzuschauen – ich hatte weniger erwartet. Trotzdem wäre es nett, wieder einmal Veranstaltungen mit Gästen vor Ort zu machen…

Ein Koffer für die Celestron AVX (Advanced VX)

Ich werde den Verdacht nicht los, dass ich aktuell mehr Zeit damit verbringe, Teleskope zu verpacken, als durchzuschauen. Ein Projekt für den letzten Sommer war es, die AVX-Montierung der Heilbronner Sternwarte transportfähig zu machen. Das Ziel dabei war vor allem, alles notwendige in einem Koffer zu haben. Mit meinen eigenen Koffern hatte ich das ja schon ein paar mal geübt, und die vorhandenen Lösungen, bei denen einfach der Versand-Schaumstoff in eine Tasche gepackt werden, sind wenig elegant.

Die Celestron AVX

Wer sie nicht kennt: Die Celestron Advanced VX (kurz: AVX) ist eine moderne GoTo-Montierung, die mit knapp 14 kg Traglast bei knapp 8 kg Eigengewicht (zuzüglich Stativ und Gegengewichte) noch gut transportabel ist. Sie ersetzt unsere alten Vixen Superpolaris-Montierungen. Die größten Vorteile sind:

  • Endlich Goto – Unsere alten Superpolaris sind erstklassige Montierungen, können aber nur nachführen. Mit der AVX ist endlich auch automatische Objektpositionierung möglich.
  • AllStar Polar Align – Die Montierung braucht keinen Polsucher (den gibt es optional), stattdessen wird sie grob eingenordet, und nach dem Alignment an zwei Redferenzsternen für das Goto wird ein Stern angefahren – bzw. die Position, an der er bei perfekter Einnordung stehen sollte. Dann wird die Montierung über den Polblock auf den Stern ausgerichtet und ist eingenordet. Das ist deutlich komfortabler als mit einem Polsucher, und mit einem Fadenkreuzokular auch sehr genau.
  • Ein Autoguider-Anschluss! Als die Superpolaris-Montierungen noch vor Vereinsgründung angeschafft wurden, war ein Autoguider noch Science Fiction. So sind Langzeit-Aufnahmen für die Astrofotografie möglich.

Die Montierung haben wir für den mobilen Einsatz angeschafft, vor allem mit einem orangenen 80er Jahre C8 oder einem alten Vixen 90/1000-Refraktor, sowie für die Fotografie mit dem RASA 8. Damit das klappt, muss man natürlich alles dabei haben. Gerade in einem Verein neigen Einzelteile dazu, zu verschwinden, wenn sie keinen festen Platz haben.

In den Montierungskoffer sollten also:

Und das ganze möglichst kompakt. Wie das bei Maßanfertigungen so ist: Billig wird das nicht, vor allem wenn man keine Werkstatt hat. Zum Glück muss man heute nicht alles selber machen.

Die Schaumstoffeinlage stammt von Koffermarkt.com. Wer will, kann sie nachbestellen, die „Schnittvorlage“ gebe ich hiermit frei: https://www.koffermarkt.com/koffer-schaumstoff-konfigurator/#/layout/xxkhce. Der Entwurf ist versiegelt; wer ihn bearbeitet, erhält ein eigenes Projekt. Ihr müsst euch also keine Hoffnung machen, dass die Rechnung bei mir landet:-) Vorsicht: Die Polhöhe der Montierung ist für Heilbronn mit 49°N eingestellt. Ggf. müsst ihr den Winkel in der Einlage etwas anpassen. Auch Platz für ein Fadenkreuzokular ist noch nicht eingeplant (siehe unten).

Als Koffer kam wie so oft ein Thon Custom Economy Flightcase von Thomann zum Einsatz, mit den Maßen 59x18x40cm und dem breiten Ledergriff sowie Butterfly-Verschlüssen.

Dann war etwas Bastelarbeit angesagt: Um die Kofferhöhe niedrig zu halten, hatte ich die Unterseite des Koffers zuerst mit Moosgummi ausgekleidet und dann die unteren 2 cm der Schaumstoff-Einlage von Koffermarkt entfernt – so ist die Einlage bündig mit der unteren Kofferhälfte, aber auch unten offen. Die frei gewordene, 2 cm dicke Schaumstoff-Bodenplatte habe ich dann mit Heißkleber in den Deckel geklebt. Vorher hatte ich noch die Ablageplatte des Celestron-Stativs auf den Schaumstoff gelegt und mit einem Messer eng ausgeschnitten. So hält sie im Deckel und ist immer dabei.

Die Kabel liegen unter dem PowerTank, auch das separate Netzkabel des Netzteils. Das Dec-Kabel der Montierung ist in einem der schmalen, tiefen Fächer links von der Montierung.

Und so sieht das ganze fertig aus:

Die AVX im Koffer, daneben die Gegengewichtstasche

Rechts ist noch eine Gegengewichtstasche zu sehen; für das Stativ ist eine Tasche bestellt (ich hoffe, die passt dann auch).

Zwei nachträgliche Änderungen gab es dann doch noch: Ich habe in den Deckel noch eine Aussparung für den Handcontroller-Halter des Stativs geschnitten, damit das Stativ in die Tasche passt. Und ein Fadenkreuzokular zum exakteren Einnorden kam dazu. Damit war noch etwas Nacharbeit nötig.

Den Handcontroller-Halter hatte ich einfach auf die Schaumstoffplatte gelegt und mit einem Messer ausgeschnitten, das war kein Problem. Das Fadenkreuzokular war etwas aufwändiger, weil es nicht ganz einfach war, mit einem Messer das Fach zu „schnitzen“. Wer die Vorlage von oben verwendet, sollte am besten gleich sein Fadenkreuzokular ausmessen und einplanen. Alternativ passt es auch unter den PowerTank. Der Inbusschlüssel für die Blindschrauben, wenn man die AVX von den schmalen Vixen- auf die breiten 3″-CGE-Schienen umrüstet, wurde übrigens einfach in den Schaumstoff gedrückt – Werkzeug sollte man immer dabei haben…

Die finale Version des Koffers

Das Ergebnis kann sich sehen lassen, aber billig war es nicht. Stand Sommer 2020 hat der Spaß gekostet:

  • Flightcase: 199,–€
  • Schaumstoff: Rund 160,-€ (Einlage plus Moosgummi)
  • Arbeitszeit: Unbezahlbar:-)

Wie bei jeder Maßanfertigung gingen einige Stunden dafür drauf, alles auszumessen und möglichst kompakt zu verstauen. Da erscheinen die stolzen Preise für Teleskopkoffer auf einmal in einem anderen Licht… Der einzige Nachteil dieser Lösung ist, dass keine weiteren Teile dazu kommen dürfen. Das Fadenkreuzokular passt zum Glück unter den Powertank, vielleicht stanze ich noch eine Aufnahme dazu heraus. Wer das Nachbauen will und den Plan für meine Einlage übernehmen will: Die Aussparungen für die Netzteil sind für die Modelle von 2020 ausgelegt. Das Baader-Netzteil hatte früher eine andere Form, messt also bei eurem eigenen Equipment lieber noch einmal nach – Modellwechsel nicht ausgeschlossen.

Und nein, ich kriege weder von Thomann noch von Koffermarkt Geld dafür:-)

Fischaugen-Spielereien

Panasonic G70 mit Meike MK-3.5mm f2.8 Fischauge

Zu den Nebeneffekten von Lockdown und Homeoffice gehört, dass mir die Decke auf den Kopf fällt und ich von der Weite träume. Was liegt da näher als ein Fischaugen-Objektiv? Über Amazon ist mir da ein günstiges, voll-manuelles Objektiv für das Micro-Fourthirds-Format aufgefalen, das 3,5mm f/2,8 von Meike. Zugegeben: Von der Firma habe ich vorher noch nie gehört, aber mittlerweile gibt es ja einige fernöstliche Hersteller manueller Linsen, die durchaus was taugen. Und der Preis war für ein Optik-Spielzeug auch noch vertretbar.

Einige Zeit später hatte ich dann ein kleines, schweres Objektiv in der Hand – ein massiver Glasblock. Qualitativ kann ich nur am Objektivdeckel meckern: Ein Metalldeckel, der über das Objektiv gestülpt wird und auf der Linse aufliegt. Ein, zwei Zentimeter länger, und die Linse wäre wirklich geschützt.

Das Objektiv ist völlig manuell, was ich mittlerweile zu schätzen weiß, da sich so der Fokus bei Nachtaufnahmen nicht verstellt, und die Blende bei Zeitrafferaufnahmen nicht flackert. Faszinierend: Bei 3,5mm Brennweite ist Fokussieren fast irrelevant – alles, was mehr als ein paar Zentimeter entfernt ist, ist scharf (oder so scharf, wie es die Verzerrung zulässt). Und das komplette Bildfeld passt auf den Kamerasensor – als rundes Bild.

Erste Spielereien damit hatte ich auf der Heilbronner Sternwarte gemacht:

Interessante Fotos, die man natürlich für nichts gebrauchen kann:-)

Und dann wurde ich auf die Möglichkeit aufmerksam, das Bild mit Objektivkorrekturen zu entzerren. Das Profil für das Sigma Fischauge funktioniert schon ganz gut, und mit dem Adobe Lens Profile Creator und etwas Zeitaufwand kann man selbst ein Profil erstellen. Damit werden aus den runden Fischaugenfotos interessant-verzerrte Weitwinkelaufnahmen:

Hat seinen speziellen Reiz. Nettes Spielzeug.

Womit ich überhaupt nicht gerechnet hätte: Besonders cool ist das Fischauge als Makro-Objektiv – man kann wirklich nah an die Dinge ran gehen, um sie in Szene zu setzen:

Ein entzerrtes Makro mit dem Fischauge. Und es gibt bestimmt noch bessere Motive.

Keine Ahnung, ob ich das Objektiv besonders oft einsetzen werde, aber es könnte Spaß machen – vor allem, weil es nicht nur kreisrund kann, sondern auch fast normale Bilder dabei rauskommen können.

Das war der Weihnachtsstern

Astronomisch war 2020 eigentlich gar nicht schlecht. Da war der Überraschungskomet Neowise im Sommer, und die Jahrtausendkonjunktion von Jupiter und Saturn am 21. Dezember. Die beiden großen Planeten kamen einander so nahe wie seit Jahrhunderten nicht mehr, nur rund 6 Bogensekunden würden sie trennen – was für ein Ereignis! Bis zur nächsten vergleichbaren Begegnung vergehen noch einige Jahrzehnte.

Die beiden standen zur Konjunktion tief am Westhimmel, was für Fotos durch’s Teleskop zwar schlecht ist, aber schöne Stimmungsbilder ermöglichen würde. Wenn das ganze nicht ausgerechnet im Dezember wäre, wenn ich wegen Corona-Lockdown in der ewig bedeckten Nebelsuppe der Rheinebene festsitzen würde. Diese Sichtbarkeitsprognose war noch viel zu optimistisch:

Der Dezember lässt sich am besten als durchgängig bedeckt beschreiben. Drecks Novemberwetter kurz vor Weihnachten. Eigentlich hatte ich mit der großen Konjunktion schon abgeschlossen – unter anderen Umständen wäre ich dafür durchaus bereit gewesen, einige Kilometer zu fahren, aber wenn man um 20 Uhr schon wieder zu Hause sein muss… auch wenn ich vielleicht damit durchkommen würde, dass ich das beruflich mache… Aber ich hatte am 10. Dezember schon einige Zeit vergeblich auf dem Acker auf eine Wolkenlücke gewartet. Eine gewisse Erfolgswahrscheinlichkeit sollte schon da sein…

Und gerade wenn alles sinnlos erscheint: Am 17. Dezember gab es eine kleine Wolkenlücke, durch die der Mond linste, und knapp daneben waren Jupiter und Saturn zu erspähen. Im Fernglas gab das Duo noch nicht viel her, aber die Kamera war schnell auf’s Stativ gesetzt, für ein Foto durch’s Fenster.

That’s it! habe ich die beiden doch noch erwischt. Neben der Panasonic G70 mit 12-60mm f/2,8-Objektiv hatte ich natürlich auch zum Handy gegriffen. Das linke Bild ist mit 2 Sekunden bei 200 ISO und f/3,5 mit 25mm Brennweite entstanden, wie es sich gehört mit Stativ und Selbstauslöser. Das rechte mit dem iPhone 12 Mini, das unverschämt gute Bilder liefert – bzw. noch mehr aus den Bildern rausholt als ich in Lightroom. Fairerweise muss ich sagen, dass die iPhone-Bilder nur für soziale Medien oder kleinere Abzüge taugen, genau wie das, was früher die Kompaktkamera ausgespuckt hat. Bei voller Auflösung sieht man, was an Details draufgeht. Für Freihand trotzdem nicht schlecht – ich bin auf die nächste Nordlichtjagd gespannt…

Schnellschuss durch’s Okular

Was man den Handy-Bildern auch ansieht: Apple sitzt in Amerika, die Aufnahmen sind etwas zu sehr bearbeitet und zu knallig in den Farben. Aber trotzdem: Für eine Automatikknipse und Twitter gar nicht mal so schlecht.

Als nächstes der Griff zu meinem Spektiv: Schnell auf’s Stativ gesetzt, und bei 60x Jupiter und Saturn schön gesehen. Wirklich ein netter Anblick, die beiden kleinen Gasriesen auf einmal im Okular zu sehen. Im Bild festhalten konnte ich sie aber nicht wirklich gut: Das Foto durch’s Okular war nur mäßig und kommt bei weitem nicht an den Anblick im Okular ran. Und für mehr Experimente ließen die Wolkenlücke und der Giebel vom Nachbarhaus keine Zeit.

Die Wetterprognose für den 18. Dezember.

Für den nächsten Tag sah die Wolken-Prognose eher bäh aus. Kurz Richtung Pforzheim fahren? Das wäre eine Stunde Fahrt, also Zeit bis 19 Uhr, und vor allem noch eine Standort mit guter Horizontsicht finden? Uff… aber das Kribbeln war da…

Allerdings lag die Rheinebene den ganzen Tag unter dichtem Nebel, ich war froh, überhaupt das Nachbarhaus sehen zu können. Trotzdem war die Ausrüstung schon mal im Auto. Aber: Keine Spur von Sonne, und die Wettermodelle wurden entweder pessimistischer oder hatten nichts mit dem zu tun, was ich am Himmel sah.

Nerv.

Trotzdem hielt ich es nicht mehr aus und fuhr am späten Nachmittag Richtung Schwarzwald. Völkersbach hatte sich bei der Kometenjagd als ganz guter Standort erwiesen; der Nachbarort Burbach hatte noch eine minimal bessere Prognose. Und nachdem ich ein paar Höhenmeter gemacht hatte, gab es auf einmal auch strahlend blauen Himmel. Traumhaft.

Pünktlich zu Sonnenuntergang hatte ich dann mein Teleskop aufgebaut und fing zu fluchen an: Der Nachführmotor lief nicht. Zum Glück kann ich meinen Oldtimer auch manuell bewegen. Später zeigte sich, dass eine Lötstelle im Stecker nachgegeben hatte und er keinen Strom hatte.

Fast bereit…

Aber egal: Für Stimmungsfotos mit dem Kameraobjektiv langte es auch diesmal wieder, und ich konnte die beiden Planeten wunderschön im Okular sehen.

Wirklich eindrucksvoll, für den Anblick hat sich der Ausflug auf jeden Fall gelohnt. Schnell noch die Kamera auf’s Stativ gesetzt und ein paar Mal mit dem Objektiv ausgelöst, bevor die Wolken wieder im Weg sind. Und nach dem ganzen Nebel endlich wieder klarer Himmel!

Und natürlich immer wieder ans Teleskop. Ganz am Anfang hatte ich noch kurz die DSLR dran. Die Luftunruhe war so nah an Horizont und Wolken zwar heftig, sodass Fotos durch’s Teleskop wenig Chancen hatten, aber für ein paar Aufnahmen mit der D7100 bei 600mm Brennweite hat es gelangt. Eine war sogar ohne Nachführung ganz brauchbar.

Jupiter und Saturn am 18.12.2020 um 17:14; Nikon D7100 (APS-C) fokal bei 600mm
Nochmal mit dem Handy

Ein weiterer Versuch mit dem Handy durch’s Okular durfte nicht fehlen, brachte aber nicht viel. Die normale Kamera-App war überfordert, und mit Nightcap-Camera hatte ich noch nicht genug Chancen gehabt, um mich mit der Steuerung vertraut zu machen. Kombiniert mit der fehlenden Nachführung – ach vergiss es, genießen wir das Schauspiel einfach so, und überlassen das Fotografieren anderen Leuten. Schließlich tickt die Uhr, ich muss ja noch einpacken und heimfahren… Außerdem machte sich nun auch hier der Nebel bemerkbar, es zog langsam zu, und das Teleskop war mittlerweile klatschnass. Als die beiden Planeten gegen 18 Uhr hinter den Wolken verschwanden, war es also Zeit, zusammenzupacken.

Viel mehr war bei dieser Konjunktion für mich nicht zu holen, das Wetter war und ist unkooperativ. Sachde – so bleibt nur, sich von den Bildern der Beobachter an besseren Standorten deprimieren zu lassen. Aber immer, ich habe es gesehen!

Ein Tag später entstand zum Beispiel dieses kleine Video, dass die Luftunruhe gut wiedergibt, die auf den Fotos und beim Blick durch’s Teleskop die Details verschmiert:

Und sowas hätte ich doch gerne selbst im Bild festgehalten – ich bin offiziell neidisch:

Aber immerhin: Meine Nachführung läuft jetzt wieder. Das nächste Ereignis kann kommen!

Straße der Megalithkultur, Tag 7

Es hat einen Grund, dass wir die Straße der Megalithkultur umgekehrt gemacht haben: Wenn wir im Süden aufhören, ist die Rückfahrt schon mal eine Stunde kürzer. Und ich hatte die Tour schon um einen Tag verlängert, weil mir vier Tage für 33 Stationen etwas knapp vorkamen. Das auch fünf Tage zu wenig sind für das, was mit dem Fahrrad in acht erledigt wird, war kaum abzusehen, bevor alle Parkplätze ins Navi eingespeist waren.

Damit hatten wir für den Freitag zwei Optionen: Kultur in Osnabrück (Das Museum am Schölerberg, und/oder das Kalkriese-Museum), oder doch noch einmal eine gute Dreiviertelstunde nach Norden fahren und in aller Ruhe zu den Kellergräbern und dem Visbeker Bräutigam fahren. (Oder alles machen…)

Also räumten wir am Freitagmorgen unser letztes Hotelzimmer, packten das Auto und fuhren nach Norden, bei wechselhaftem Wetter. Im großen ganzen war es trocken, aber ein paar Regenschauer gab es doch immer wieder. Aber letztlich hatten wir Glück mit dem Wetter, auch wenn der Regen statt einer Abkühlung eher einen Aufguss brachte.

Schließlich erreichten wir den Parkplatz beim Gasthof Engelmannsbäke, dieser aus der richtigen Richtung, aus der auch die Hinweisschilder besser zu sehen waren. Der Wald dahinter wurde immer noch von knorrigen Bäumen bewacht, das leicht regnerische Wetter tat der Stimmung keinen Abbruch.

Am Heidenopfertisch vorbei erreichten wir wieder bald den Bräutigam. Vier weitere Gräber sollte es hier geben – wir umrundeten ihn und suchten nach allem, was wir fanden. Morgens um 11 war außer uns noch keiner unterwegs. Dabei konnte ich auch die Bilder der Gräber nachholen, bei denen mein Akku beim ersten Besuch versagt hatte.

Ein Stück hinter dem unauffälligen Hügel von Grab II mit seinem einen Meter hohen Hügel fanden wir dann auch Grab III, die durchaus imposante Brautjungfer. Es wäre eine Schande gewesen, ihr keinen Besuch abzustatten.

Grab III, die Brautjungfer
Noch einmal der Bräutigam

Die Kammer dieses Grabs ist länger als die des Bräutigams, allerdings ist die Umfassung deutlich kompakter. Dieses Grab passt komplett aufs Foto! Beim Bräutigam scheitere ich dagegen wieder daran, ihn eindrucksvoll aufs Bild zu kriegen.

Rund 20 Minuten sollen es dann noch bis zu den Kellersteinen sein, Station 24c und d. Die Beschilderung lässt zu wünschen übrig, aber mit GPS und der Karte auf dem Handy biegen wir sogar nur einmal falsch ab (wobei der längere Radweg wohl auch zum Ziel geführt hatte.)

Ausnahmsweise kein Grab (glaube ich)

Der Weg durch den Wald beeindruckt mit kräftigen Farben – der moosbedeckte Boden leuchtet richtig, trotz des Regenwetters. Ein völlig moosbedeckter Hügel sticht besonders heraus. Endlich mal kein Stein:-)

Nach einiger Zeit erreichen wir dann die beiden Ahlhorner Kellersteine – sie liegen in Rufweite zueinander, haben aber trotzdem eigene Unternummern, anders als die Gräber beim Visbeker Bräutigam. Das verstehe wer will… Das erste Grab ist gut erhalten. Seinen Namen verdankt es alten Spekulationen über seine Funktion: Wurde es einst als Keller genutzt?

Ein paar Meter weiter im Wald liegt unser letztes Ziel, 24d, der zweite Ahlhorner Kellerstein. Sein Deckstein ist zerbrochen: 1916 wurde er durch einen Soldaten des nahegelegenen Luftschiffhafens mit einer Handgranate gesprengt, seitdem liegt er zerbrochen da – ein Mahnmal für mutwillige und sinnlose Zerstörung.

Bretagne-Souvenirs – hier gab’s nichts…

Zeit für die letzten Fotos, und damit endet unsere teilweise abenteuerliche Tour zu den Stationen der Straße der Megalithkultur. So viele Steine, so viele Eindrücke – weit über 70 Gräber haben wir laut Plan gesucht und bis auf 15c auch alle gefunden. Ein paar Steine weniger hätten es auch getan, und dass man mit dem Auto doch besser den selben Zeitraum einplanen sollte wie mit dem Fahrrad, hätte ich nicht gedacht. Wobei die Check-In-Zeiten der Hotels ihren Teil dazu beigetragen haben. Touristisch ist diese Ecke Niedersachsens überhaupt nicht ausgebaut – Souvenirs habe ich diesmal keine mitgebracht, während aus der Bretagne gleich zwei kleine Menhire in meinem Regal stehen. Nur ein Foto will ich noch teilen – die Farben im Wald waren echt beeindruckend.

Unglaublich saftiges Grün

Sollte es uns noch einmal hierher verschlagen, würde ich etwas mehr Abwechslung einplanen – es gibt ja doch ein paar Mühlen, und vielleicht hat ja doch einmal ein Museum offen. Wenn der Corona-Alarm vorbei ist, kann man vielleicht auch guten Gewissens einen Blick in die Städte werfen; Oldenburg und Osnabrück bleiben so erst einmal weiße Flecken.

Die Idee, die Rückreise im Süden zu starten, war übrigens gar nicht so dämlich: Wir haben zwar keine größeren Staus, aber für die 528 km zurück brauchen wir doch sieben Stunden, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 75km/h. Das zieht sich, nicht zuletzt dank einer ausreichenden Zahl an Baustellen. Uff. Da sind wir doch froh, als wir endlich das Auto abstellen und den Urlaub mit einem Wochenende zur Erholung beenden. Schön war’s.

Straße der Megalithkultur, Tag 6

Es hat Nachteile, wenn man ein Hotel mit Frühstück bucht. In diesem Fall: Frühstück nur bis 9 Uhr. Und dementsprechend frühes Aufstehen. Dafür erwarten uns heute wohl keine großen Abenteuer mehr auf der Straße der Megalithkultur. Wir sind in Osnabrück, am Start der Route – da sollte sie sich wohl von ihrer besten Seite zeigen. Und geplant sind nur sieben Stationen, plus die zwei von gestern und etwas rundrum auf der Strecke. Also los geht’s, in die große Stadt.

1a – Teufelssteine

Ab auf’s Werksgelände?

Das erste Ziel liegt in einem Gewerbe- und Wohngebiet und ist ausgeschildert – das Schild scheint auf das Werksgelände eines Stromversorgers zu zeigen. Echt jetzt? Fängt ja gut an…

Wir parken ein paar Meter weiter und sehen noch einen weiteren, dezenten Hinweis auf das Großsteingrab Teufelssteine. Hinter einem Privathaus finden wir das hübsche Grab dann, das auch ausgewählt wurde, um die Koexistenz von alten Steinen und moderner Industrie zu demonstrieren. Die Bauarbeiter in der Umgebung sorgen für die richtige Kulisse dafür.

1a – Teufelssteine

Die 12 Meter lange Kammer ist noch gut erhalten, ein Deckstein fehlt, einer liegt noch oben drauf – den Bau des Gewerbeviertels hat es gut überstanden. Und zum Glück stehen hier ein Umspannwerk und eine Spedition, und keine Großschlachterei. Ich muss wieder an 15c denken – und an Asterix und der Seher. Der Witz mit der Gerberei. Jetzt verstehe ich den besser…

1a – Gretescher Steine

Das nächste Ziel ist nur gut einen Kilometer und eine Baustelle entfernt und liegt in einer Anwohner-Frei-Zone – also nicht in der Seitenstraße parken, sondern bei der Wirtschaft gegenüber.

1b – Gretescher Steine

Auch die Gretescher Steine liegen in einem kleinen Wäldchen in einem schmucken Wohngebiet. Wir finden zunächst eine Zeitleiste, die einige Ereignisse der letzten 5000 Jahre auflistet, und an deren Ende das Grab steht. Hübsch gemacht.

Mit seinen massiven Decksteinen erhebt es sich aus der Erde – kein Wunder, dass es schon früh romantisiert und des öfteren gezeichnet wurde. Sehr nett: Zum Gretescher Bach geht es steil herunter, sie stehen also über einem hübschen kleinen Abhang. Ein Stein ist wohl einst den Hang heruntergestürzt. Eine schöne kleine Oase der Ruhe, nach der wir Osnabrück dann auch schon verlassen.

Der Abschlussstein zum Bach hin fehlt.

Osnabrück mag durchaus einen Besuch wert sein, aber wir sind hier ja nicht wegen der jüngsten Geschichte (Westfälischer Frieden 1648, die älteren unter uns erinnern sich), sondern wegen der Vorgeschichte. Also nehmen wir Kurs auf das offene Land.

2 – Großsteingrab Jeggen

Jeggen liegt dann auch schon sehr abgeschieden, und in einer überraschend hügeligen Gegend – nach dem Flachland weiter im Norden wirken die Hügel fast wie Berge. Von der Straße aus präsentiert es sich von seiner besten Seite: Große Steine in einem von einer Hecke eingerahmten Areal, dazu eine Skulptur, die an seine Erbauer erinnert. Nett.

2 – Großsteingrab Jeggen
Moderne Schmierereien

Einige große Bäume wachsen im Grab und um es herum – ein schönes Ausflugsziel, bis wir es einmal umrunden. Irgendein Idiot konnte es nicht lassen, es mit Hakenkreuzen zu beschmieren. Kulturlose Banausen. Es ist das erste Mal, das wir moderne Vandalismus-Spuren sehen. Wir sind eindeutig in der Nähe der Zivilisation.

Unterwegs kommen wir noch an der Schelenburg in Schledehausen vorbei, einer der ältesten Burganlagen der Region. Seit 2011 ist das Restaurant geschlossen und die Anlage wird privat genutzt – es bleibt also bei einem kurzen Blick von außen auf die Wasserburg.

Die Schelenburg

Kurz danach geht es auch nicht mehr weiter, wir haben eine Vollsperrung gefunden. Also zurück nach Jeggen und mal sehen, wann wir wieder auf die offizielle Straße der Megalithkultur stoßen

3a – Driehauser Steine

Das Navi führt uns auf einen asphaltierten Feldweg, der zu einem zugewucherten Fußweg führt, der zu einem Wäldchen führt – sieht gut aus, wir haben die Driehauser Steine gefunden. Eine kleine, isolierte Baumgruppe ist ein gutes Indiz für alte Steine.

3a – Driehauser Steine
Gut behütet unter Bäumen

Die Anlage ist gut erhalten und hat – angeblich – einige Megalithen, die mit Näpfchen versehen wurden, wohl noch von ihren Erbauern. Von den gut fünf Zentimeter großen, flachen Vertiefungen sehen wir aber wieder einmal wenig bis nichts. Egal – die Anlage ist trotzdem hübsch.

Der Reiseführer empfiehlt nun noch einen Besuch im Schnippenburg-Museum, das sich vor allem mit den Kelten beschäftigt. Sagenhafte Funde aus der Keltenzeit erwarten uns da – allerdings nur Sonntags zwischen 14 und 18 Uhr; im Winter sogar nur an jedem ersten Sonntag im Monat. Wir haben zwar Sommer, aber Donnerstag. Also können wir uns den Besuch sparen und fahren direkt zur nächsten Station.

3b-d – Darpvenner Steine

Gegen halb 12 erreichen wir den Wanderparkplatz in der Nähe der Darpvenner Steine und gehen erst einmal in die falsche Richtung; wir müssen ein Stück and er Straße entlang auf die andere Seite der Wirtschaft, wo es auch eine winzige Parkbucht gibt. 3 c und d liegen auf einer Seite der Straße, 3b gegenüber. Wir kommen gut voran!

Nach wenigen Metern und vielleicht eineinhalb Höhenmetern erreichen wir das Grab 3c. Die Decksteine liegen zwischen den Tragsteinen, aber sonst sieht es gut aus. 3d ist durch die Bäume auch schon zu sehen.

Die Kammer von 3d ist gut erhalten, dafür fehlen die Decksteine. Ich weiß nur langsam nicht mehr, was ich über die Megalithanlagen noch so schreiben soll – alles hübsch und idyllisch und ruhig und abseits…

3b, die größte der Gruppe

Aber wir haben ja noch eine an dieser Station: 3b liegt auf der anderen Straßenseite und ist die größte im Bunde. Die Kammer ist länger als die ihrer Kollegen, dafür ist von einer Umfassung nichts zu erkennen.

So viele Steine – ob das auffallen würde, wenn man ein paar davon nach Süddeutschland brächte? Egal, Zeit für was anderes.

Eisenzeithaus Darpvenne

Im Augenblick kreisen wir um Darpvenne und landen schließlich am Eisenzeithaus. Hier wurde ein Eisenzeitliches Gehöft rekonstruiert. Das kann sehr spannend sein – auf den äußeren Hebriden in Schottland hatten wir einmal das Bostadh Iron Age House besucht und gar nichts erwartet; stattdessen gab es dann eine eindrucksvolle kleine Führung, mit der wir gar nicht gerechnet hatten. Und offen hatte es auch! Und Darpvenne?

Öffnungszeiten ohne Buchung:
April-September: jeden 2. Sonntag im Monat 14-18 Uhr“

http://schnippenburg.server1.citywerk.net/staticsite/staticsite.php?menuid=8&topmenu=7

Natürlich in Zeiten ohne Corona. Aber die Außenbesichtigung ist möglich.

Das Eisenzeithaus Darpvenne
„Tourismus“

In der Umgebung gibt es noch ein paar Mini-Ausgaben von Pferden (wer braucht da schon Island-Ponies) und sogar öffentliche Toiletten. Sie wurden erst kürzlich errichtet, um das Konzept des „Tourismus“ zu verbreiten.

Viel Erfolg! Die gute Nachricht: Die Toiletten sind offen und gepflegt; und die Wirtschaft gegenüber macht gelegentlich sogar auf.

Wir fahren weiter zum nächsten neuzeitlichen Zwischenziel:

Venner Mühleninsel

Parken an der Mühleninsel

Die Venner Mühleninsel ist eine hübsche kleine Insel mit zahlreichen alten Gebäuden, die zu der Mühle auf der anderen Straßenseite gehören. Sie ist frei zugänglich und auf viele Besucher ausgelegt, wenn ich mir den Parkplatz anschaue. Am Donnerstag-Mittag sind wir fast alleine. Die Mühleninsel bietet schöne Gärten und alte Wirtschaftsgebäude, die Mühle selbst mit dem Dorfmuseum macht nicht so viel her und ist bei unserem Besuch auch nicht zugänglich – ein mächtiges altes Steingebäude, aber ohne sichtbares Wind- oder Wasserrad. Trotzdem ein hübscher Zwischenhalt.

4a – Süntelstein

Weiter geht’s in die Jungsteinzeit, zum einzigen Monolith der Route: Dem Süntelstein. Der vier Meter große, breite Brocken steht an einem leichten Abhang und wirkt daher gar nicht so groß, wenn man nicht direkt davor steht. Angeblich hat ihn der Teufel hierher geschleudert, weil ihn die Venner Kirche gestört hat – er wollte mit ihm das Kirchentor versperren, aber der Brocken war dann doch selbst dem Teufel zu schwer, sodass er die Aktion abbrach.

4a – Der Süntelstein

Heute führt ein 600 Meter langer Weg vom Parkplatz durch den Wald zum Süntelstein, man sollte also etwas Zeit einplanen. Schon seit langem hat jemand die Strukturen auf dem Stein zu einem Gesicht ergänzt – das kann man immerhin als Kunst durchgehen lassen statt als mutwillige Verschandelung.

Steinhaufen beim Süntelstein

Ursprünglich war er wohl von einem Kreis aus Steinen umgeben, von denen sich aber nichts mehr findet. Dafür sind in direkter Nachbarschaft jede Menge Findlinge aufgehäuft – anscheinend aber kein gestörtes historisches Monument, sondern nur ein Haufen Steine.

4b/c – Teufels Backtrog und Teufels Backofen

Die offizielle Wegbeschreibung meint, man solle vom Parkplatz vom Süntelstein zu 4b/c laufen – an das andere Ende vom Ort. Wir fahren lieber mit dem Auto und erreichen nach ein paar Minuten das Ziel, von dem aus ein Fußweg zu den beiden Gräbern führt. Parken am Straßenrand ist auch kein Problem.

Wir gehen zuerst zu Teufels Teigtrog oder Backtrog – die Schilder sind sich da nicht ganz einig, beide Namen scheinen verwendet zu werden. Ein hübsches, kleines Grab, das nur wenig aus der Erde ragt. Irgend jemand hat Blumen auf den Steinen abgelegt – ein Opfer? Es ist nicht das einzige Mal, dass wir das sehen.

Ein QR-Code ins Nirvana

Im Prinzip ist die Gegend sogar richtig touristisch ausgebaut: Hinweisschilder, eine große weiße Pyramide für das regionale Projekt „Magische Orte„, und die Hufeisenroute rund um Osnabrück führt hier auch vorbei. Ein QR-Code verspricht Informationen zum Teufelstrog, für aber nur zu einem 404 – Keine Ergebnisse. Das muss Teufelswerk sein…

Dieses Tourismus ist halt doch noch Neuland hier oben.

Die alte Schwarzkreidegneis-Minengrube

Der Weg zum nahe gelegenen Teufels Backofen führt an einer alten Minengrube vorbei. Schwarzkreidegneis wurde hier einst abgebaut (bis 1967) und zu einem Farbstoff zermahlen. Der Backofen ist von hier aus leicht zu finden, wenn man weiß, wonach man suchen muss: Ein freistehendes kleines Wäldchen.

4c – Teufels Backofen

Hübsche kleine Anlage, auch wenn die Decksteine wild verstreut liegen. Aber es ist ganz gut, dass sie eigentlich am Anfang der Route liegt – ähnliche Gräber haben wir doch schon einige gesehen. Jedes für sich einen Besuch wert. Also machen wir uns auf den Rückweg. Mittlerweile ist es doch schon wieder 14 Uhr. Eigentlich wollten wir im Museum und Schlacht Kalkriese vorbeischauen, aber ich bin mir immer noch nicht sicher, was dieser Park eigentlich zu bieten hat. Und bevor wir da nur durchhetzen, streichen wir ihn lieber von der Liste und fahren zur nächsten Station. Bei Bedarf können wir da immer noch morgen hin.

5 – Helmichsteine

Das Navi führt uns zu einem Parkplatz am Ortsrand, zu einer Hecke. Dahinter liegt unser nächstes Ziel verborgen, auf einer sauber gemähten Grasfläche: Die Helmichsteine.

5 – Die Helmichsteine
Ersatzsteine aus Metall

Das schlecht erhaltene Grab wurde vor einiger Zeit restauriert renaturiert. Eine Hecke stellt die Umfassung dar, aus Metall wurden denkmalschutzgerecht (ohne Witz: Es soll ja klar sein, was neu ist, deshalb verbietet das Denkmalamt gerne mal schöne Anbauten und will Glas, Metall und Beton, die wie die Faust aufs Auge passen) fehlende Tragsteine nachgestellt, und das ganze ist zugewuchert. Viel ist also nicht zu sehen. Ein überwucherter Hügel mit Steinen drin.

Kloster Rulle

Warum ich das Kloster Rulle auf dem Plan hatte, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Heute ist dort eine Jugendbildungsstätte und wohl auch ein Treffpunkt – zumindest liefen irgendwelche Vorbereitungen, und die Toiletten waren für die nächsten zwei Wochen gesperrt und stanken gottserbärmlich.

Klosterkirche Rulle

Wir machen nur einen kurzen Stop und fahren weiter, auf der Suche nach älteren, schlechter erhaltenen Zielen:-)

6a/b – Oestringer Steine

Die Ostringer Steine liegen in einem Naherholungsgebiet. Dementsprechend hat es hübsche Eckchen, aber auch viele Leute. Eine Familie sitzt auf den Steinen – soll das die erste Station sein, von der wir keine Fotos ohne Menschen kriegen? Die Kinder essen, und die Parentalgeneration spielt mit ihren Handies. Kann also etwas dauern…

Ein Blick auf Open Streetmap zeigt, dass noch ein drittes Grab direkt ums Eck ist. Wir folgen dem asphaltierten Feldweg, machen ein paar Bilder der Steine, wobei wir auf dem Weg bleiben – sie scheinen auf einem der hier üblichen riesigen Grundstücke zu liegen – und werden bald von einer Frau gefragt, ob sie uns helfen könne – und darüber aufgeklärt, dass das hier ein Privatgrundstück ist. Wir entschuldigen uns und erkennen auf dem Rückweg, dass der Gartenzaun wohl das ewig lange, offene Hoftor ist – zur Seite hin ist das Grundstück ganz offen. Muss man auch erst wissen…

Aber mittlerweile sind die eigentlichen Ziel-Steine frei, und wir kommen zu unseren Fotos. Die beiden Gräber sind groß, aber ziemlich zerstört und zeigen auch deutliche Spuren von weiteren Sprengversuchen.

Hier ist es uns zu voll, sodass wir nur kurz bleiben. Weiter geht’s, bald haben wir den Plan für heute erledigt.

7a/b – Karlsteine

Die Karlsteine fahren wir wieder von der falschen Seite an, mein Navi hat eine leicht andere Routenplanung als die Straße der Megalithkultur. Mit dem Ergebnis, dass der Parkplatz auf der anderen Straßenseite liegt und gar nicht so leicht zu erreichen ist.

7a – Große Karlsteine

Die großen Karlsteine liegen auf einem nicht zu hohen Hügel und wirken von Ferne genau so, wie man sich ein Hünengrad vorstellt; nach hinten verlaufen sie flacher, und die Tragsteine ragen nicht mehr ganz so weit aus dem Boden. Eine gut erhaltene Anlage, deren Name ausgerechnet an Karl den Großen erinnert, der im Zuge der Christianisierung die Zerstörung vieler alter, heidnischer Überbleibsel anordnete. Manch Hügelgrab hat er auf dem Gewissen, auch den zerbrochenen Deckstein dieses Grabs soll er höchstpersönlich verursacht haben.

7b – Kleine Karlsteine

Von den nur wenige Meter entfernten Kleinen Karlsteinen ist weniger übrig, nur ein paar Tragsteine ragen aus dem Erdboden. Das könnte man leicht übersehen, wenn nicht eine verbogene und zerstörte Hinweistafel neben ihnen stünde. Die Zivilisation ist nicht weit weg…

Eine Besonderheit sei noch erwähnt: Statt aus Granit wurden die beiden Karlsteine aus Kohlesandstein errichtet. Er scheint aber deutlich robuster zu sein als der Sandstein, den ich so kenne. Sonst hätten die beiden Megalithbauten kaum 5000 Jahre überdauert.

Damit haben wir unseren Tagesplan (bis auf das Kalkriese-Museum) eigentlich geschafft. Und das schon um 15:30, gar nicht schlecht:-) Aber wir haben ja noch was aufzuholen, also fahren wir weiter nach Norden.

8 – Großsteingrab am Wiemelsberg

Das Großsteingrab am Wiemelsberg liegt am Rand des Örtchens Ueffeln, wo uns eine Parkbucht erwartet, in die mit Müh und Not zwei Autos passen – eines steht schon da, aber wofür habe ich schließlich Parkpiepser?

Vom Parkplatz aus sind es rund 500 Meter Fußweg bis ins nächste Wäldchen. Beunruhigend: Für heute war ja doch einmal Regen angekündet, und Donner grollt irgendwo in der Ferne. Gewitterwolken sind keine zu sehen, aber muss das etwas heißen? Die Wetter- und Blitzapps zeigen nichts, also riskieren wir es.

Grabhügel im Wald

Im Wald liegt links des Wegs ein unauffälliger Hügel, den ein dezentes grünes Schild als Grabhügel ausweist – einer von zweien in der Nähe. Das Grab selbst liegt ein paar Meter weiter schon wieder am Waldrand und rühmt sich, das einzige vollständig erhaltene Megalithgrab des Osnabrücker Landes zu sein. Schön ist die Anlage allemal, und das gelegentliche Donnergrollen untermalt die Szene im Wald. Ein bisschen liegt es wie ein erschöpft zusammengebrochenes Tier zwischen den Bäumen.

Wenn ich das richtig sehe, heißt die nächste Ortschaft, die wir zwischen den Bäumen sehen, Ägypten, und Alfhausen liegt auch in der Nähe. Interessante Ortsnamen haben die hier. Unser nächstes Ziel ist aber der Artland Golfclub.

9a-i – Steingräberweg Giersfeld

Die letzte Station ist der Steingräberweg Giersfeld, Station 9a-i. Macht locker-flockig nochmal neun Stationen für unseren letzten Halt, oder einen Rundweg von bis zu drei Kilometern.

Wir parken schließlich am Golfplatz, wo das größte Grab 9h direkt am Abschlag liegt. Ja, das ist eindrucksvoll: Zwei gut erhaltene Kammern mit einer gut 30 Meter langen Umfassung bilden Grumfeld West. Flach, aber lang.

9h – Grumfeld West

Hier finden wir auch eine Infotafel mit dem Rundweg und entscheiden uns für die 1km lange Kurzversion, die fünf Gräber abdeckt, um den Rest dann vom alternativen Parkplatz ein Stück die Straße runter anzusteuern.

Gut gepanzert

Wir gehen an den übenden Golfern vorbei, dann zieht ein gut gepanzertes Auto unsere Blicke auf sich: Damit werden wohl die Golfbälle im laufenden Betrieb eingesammelt. Naja, ich wollte auch keinen Golfball an den Kopf kriegen…

Der Weg führt in den Wald (wohin auch sonst, und nach wenigen Metern treffen wir auf 9e, das rund 20 Meter lange Grumfeld Ost. Die Namen stammen übrigens immer vom Grundstücksbesitzer…

Laut Reiseführer sind hier nur noch Reste zu sehen, vier von einst wohl zehn Decksteinen, aber schön ist es immer noch. Wie gesagt, ich mag Ruinen.

9f – Steinkiste im Hügel

Wir überqueren einen Weg und kommen zu 9f, einer rekonstruierten frühbronzezeitlichen Steinkiste in einem Grabhügel. Das hat schon eher das Format eines modernen Grabs. Wenn man davor steht, sieht man nur den Hügel, die Steine schließen zurzeit recht bündig ab.

Grabhügel 9g

9g macht noch weniger her: Hier ist der Grabhügel noch vollständig, lediglich eine Mulde ist an seiner Spitze zu sehen. Sowas kennen wir schon aus dem Wald.

Dann ist der kurze Rundweg auch schon am Ende, und wir machen noch einen Abstecher zu 9d – ein weiteres bronzezeitliches Hügelgrab, bei dem der Hügel ungestört erscheint. Er stammt aus der Zeit zwischen 2000 und 1200 v.Chr.

9d – Unbenannter Grabhügel
9i – Rickelmann I

Dann gehen wir wieder zurück und holen unser Auto, um zum Rest des Steingräberwegs zu fahren. 9i – Rickelmann I – ist schnell erreicht und neben einer Bienenzucht. Auch wenn Bienen harmlos sind gegen die Wespen der vergangenen Tag, halten wir hier daher nur kurz. Schöne, mittelgroße Steingräber im Wäldchen sind jetzt nichts besonderes mehr…

9b – Reinecke

Noch einmal parken, und die letzten drei Gräber sind in Reichweite. Wir parken am Rand eines Feldwegs beim Schild der Megalithstraße. Von dem drohenden Gewitter ist nichts mehr zu sehen, und die Sonne knallt runter, als wir den Weg zum schützenden Wald in Angriff nehmen. An 9a laufen wir vorbei, also geht es zuerst zu 9b, ein gutes Stück in den Wald hinein. Gut verborgen liegt da die niedrige Anlage aus moosüberwachsenen Steinen. Nur ein Deckstein ist noch erhalten, dazu die teils verschobenen Wandsteine, die die Grundfläche markieren. Die niedrigstehende Abendsonne taucht den Wald in ein beeindruckendes Licht.

9c – Meyer

Bis 9c ist es nicht mehr weit. Meyer heißt das Grab, von dem nicht mehr viel zu sehen ist – zumindest dafür, dass es laut Reiseführer einst als größtes und schönstes Grab der Gegend gerühmt wurde. Was ihm wann passiert ist, darüber schweigt der Reiseführer leider. Die Tafel gibt etwas mehr Infos: 1841 wurden die ersten Gräber unter Schutz gestellt, und so gepriesen wurde Meyer noch 1902. Sogar erst 1972 wurde das letzte Grab auf dem Giersfeld vollständig geräumt. Lange kann sich Meyer also nicht in diesem Zustand befinden.

This is the End: 9a – Rickelmann II

Machen wir uns also auf den Rückweg, zur letzten Station: 9a fehlt uns noch. Es versteckt sich etwas abseits im Waldrand, nicht allzu weit weg von unserem Auto. Unter einem großen Baum liegen einige große Steine. Rickelmann II erreichen wir um 18 Uhr 30. Die Buche, die heute aus dem Grab wächst, prägt das Bild. Zeit für letzte Fotos. Uff, geschafft. Wobei, da war noch was… wir sind nicht allzuweit weg von 24c/d, den Kellersteinen. Die fehlen uns noch. Wird aber knapp…

Der „Dom“ zu Ankum

Egal, jetzt fahren wir erst mal nach Ankum, den Artland-Dom anschauen – der weder im Artland liegt noch ein Dom ist. Prächtig ist die Kirche aber allemal. Statt zu den Kellergräbern zu hetzen (morgen vielleicht?), nutzen wir die Zeit für einen kleinen Ortsrundgang und für das Abendessen. Gerade noch rechtzeitig: Als wir mit unserem Essen im Burgerladen fertig sind (eine Hähnchen-Großbraterei wäre die Alternative gewesen), kommen verärgerte Touristen aus dem Restaurant und regen sich über das Kuhdorf hier auf – der Laden macht tatsächlich schon um 20 Uhr zu. Die Eisdiele gegenüber hat immerhin bis 21 Uhr offen, das langt noch für einen größeren Nachtisch.

Damit beenden wir die Tagestour rund um Osnabrück und fahren zurück ins Hotel. In der Nacht ist es endlich auch so weit: Es gibt rundrum Wetterleuchten, und dann regnet es sogar – ein wenig Abkühlung für die Nacht!

Abenteuer-Straße der Megalithkultur, Tag 5

In Haselünne übernachten wir im Burghotel (das noch nicht einmal die teuerste Unterkunft ist, aber die stilvollste). Viel mehr sehen wir von dem Ort nicht – wir kommen wirklich nur zur Übernachtung… Auch hier haben wir Frühstück gebucht: Es gibt ein Buffet hinter Glas, und wir sagen der Bedienung, was wir gerne hätten. Am Ende erhält man den Teller mit der Auswahl – saubere Sache. Dann starten wir durch und holen die Orte nach, zu denen wir gestern nicht gekommen waren. Ich hätte mir bei der Tourenplanung wirklich Hinweise zu den Zeiten gewünscht, oder wie man die Route aufteilen sollte…

17a – Volbers Hünensteine

Immerhin finden wir das erste Ziel auf Anhieb – schließlich waren wir gestern Abend schon bei Volbers Hünensteinen gewesen. Eine 15 Meter lange Kammer ist von einer 10×22 Meter großen Umfassung umgeben – die Anlage gilt zu Recht als eine der eindrucksvollsten im Emsland.

17a – Volbers Hünensteine

Die Anlage ist fast vollständig erhalten, sogar die meisten Decksteine sind noch an Ort und Stelle. Definitiv einen Besuch wert! Und damit haben wir das Programm auch schon abgeschlossen, das bis gestern Nachmittag vorgesehen war!

Bevor wir aber weiter nach Osnabrück fahren, stehen noch die Stationen 15, 14 und 13 im Nordwesten von Haselünne auf dem Plan. Ein Klacks, oder? Da können wir doch glatt noch zwei Stationen mehr einfügen.

18a – Großsteingrab am Kölkesberg

18a alt – Kölkesberg

Nur ein paar Minuten nach Hüvel finden wir nämlich eine kleine Parkbucht, in die mein Auto genau reinpasst. Gegenüber liegt in einem Wäldchen Station 18a, das Großsteingrab am Kölkesberg. Der aufmerksame Leser wird vielleicht bemerken, dass wir doch gestern schon bei Station 18 waren, beim Schießplatz der Bundeswehr. Keine Sorge: Noch habe ich vor lauter Steinen nicht den Überblick verloren. Vielmehr wurde die Route irgendwann überarbeitet, und wir besuchen die Stationen, die die Nummer 18 trugen, bevor die Route durch den Schießplatz führte.

18a alt – Großsteingrab am Kölkesberg

Grab 18a liegt heute schwer zugänglich in einem Wäldchen. Zumindest ist da nicht wirklich ein Zugang, wir schlagen uns durchs Unterholz. Zwei große Decksteine sind noch erhalten, darunter ragen ein paar Tragsteine aus dem Boden. In Süddeutschland wäre das ein Highlight, hier hat man schon besseres gesehen. Dafür haben wir schönere Burgruinen:-)

18b alt – Kölkesdose

Zurück zum Auto, nach Zecken absuchen und weiter zu 18b, das ganz in der Nähe ist. Das Großsteingrab an der Kölkesdose liegt verwildert zwischen einigen Bäumen und ist zumindest von einer Seite aus noch zugänglich. Einst gab es auch eine Hinweistafel, bei unserem Besuch lag das Infoschild noch umgedreht neben dem Grab. Der Steinhaufen war nur kurze Zeit ein Anziehungspunkt für Touristen, auch wir bleiben nicht allzu lange. Die neuen 18er-Stationen machen schon mehr her, zugegeben.

18b alt – Großsteingrab an der Kölkesdose

Also gehen wir zurück zur aktuellen Straße der Megalithkultur, die uns mit gepflegten, gut auffindbaren Gräbern erwartet. Oder etwa nicht?

Mythos 15c – Püttgesberge

Naja. Gleich bei der ersten Station scheitern wir grandios, auch wenn ich den geplanten Parkplatz finde. Aber im Industriegebiet von Werlte ist keine Spur von einem Hinweisschild zu sehen, dafür ein gottserbärmlicher Gestank. Die Anlage liegt wohl zwischen einer Großschlachterei und einer Fettschmelze. Der Geruch und die Viehtransporter lassen einen fast darüber nachdenken, zum Vegetarier zu werden – oder zuhause zumindest mal nach einem Metzger mit eigener Schlachtung zu schauen.

Von der Megalithstraße keine Spur, dafür von Tod und Verwesung, Zäunen, verwilderten Brachflächen, Dreck und Gestank. Hier sollen wir eine Megalithanlage suchen?

Wir ergreifen die Flucht, und mein Tipp zu 15c ist: Ferienstraße hin oder her – GEH DA NICHT HIN! Im Reiseführer fehlt die Station auch, und immerhin auf Wikipedia habe ich ein paar Fotos vom Großsteingrab Püttkesberge gefunden. Auf der Seite der Straße der Megalithkultur liest sich das ja noch ganz gut:

„Das am südlichen Ortsrand von Sögel in einem Industriegebiet versteckte Megalithgrab fristet leider ein Schattendasein. Die ruinösen Reste des Grabes lassen keine exakte Rekonstruktion der Anlage zu.“

http://www.strassedermegalithkultur.de/de/station-15-grosssteingraeber-bei-den-duevelskuhlen-puettkesberge

Aber die Beschreibung auf Wikipedia mit einigen Bildern von 2018 trifft es wohl besser:

„Das Grab befindet sich in einer sehr schäbigen, stark vermüllten Umgebung. Es ist sehr ungepflegt, zugewachsen und auch nicht ausgeschildert. Durch den nahen Schlachthof und die Fettschmelze stinkt es grausig nach Tod und Verwesung. Hier bleibt man nicht länger als unbedingt nötig. Ein Schandfleck Sögels!“

Frank Vincentz zu seinen Bildern auf https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Gro%C3%9Fsteingrab_P%C3%BCttkesberge

Die Station hat wohl PETA auf die Straße der Megalithkultur gesetzt, auch wenn ich noch eine Beschreibung von 2005 gefunden habe, die sich etwas besser liest. Sollte ich noch einmal in die Gegend kommen, werde ich wohl trotzdem keinen zweiten Anlauf unternehmen, um 15c zu besuchen.

15 a/b – Großsteingrab und Hünenbett bei den Düvelskuhlen

Die nächste Station ist nur 5 Minuten Fahrt entfernt und bietet zum Glück bessere Luft. Das Großsteingrab bei den Düvelskühlen 15a liegt direkt neben einer Bushaltestelle, wir parken am Feldweg gegenüber. Die Anlage ist groß: Eine neun Meter lange Kammer lag bis 1932 unter einem 29 Meter langen und 1,60m hohen Erdhügel, dann wurde sie ausgegraben.

15a – Großsteingrab bei den Düvelskuhlen
Der Eingang zu 15a

Die somit gut erhaltene Anlage weiß zu beeindrucken und ist ein willkommener Kontrast zu 15c. Brrr, allein der Gedanke…

Von hier sind es etwa zehn Minuten zu Fuß bis zum Hünenbett 15b. Das große Grab steckt noch weitestgehend in der Erde, sodass vor allem seine Decksteine zu sehen sind. Dadurch ist es nicht ganz so fotogen.

Von den Düvelskuhlen führt uns der Weg vorbei am Gräberfeld Mansenberger Heide. Es ist das größte erhaltene Gräberfeld des Emslandes, mit 80 bis zu drei Meter hohen Hügeln in einer landschaftlich reizvollen Gegend. Sagt zumindest der Reiseführer. Wir finden das große Hinweisschild, das auf einen Bauernhof zeigt, und sehen rundum eigentlich nur große Maisfelder und abgeerntete Äcker. Das GPS hilft hier auch nicht weiter: Das Gräberfeld ist kein Part der Megalithroute, daher habe ich es nicht in meiner Sammlung mit Points of Interest – und wir stecken im Funkloch, sodass ich auch nicht nachschlagen kann. Andererseits haben wir ja schon Gräberfelder gesehen und keine Drohne dabei, also sei’s drum – wir fahren weiter zum nächsten Ziel.

Später zeigt der Blick auf die Karte, dass wir an dem Bauernhof vorbei hätten fahren müssen, bis nach vielleicht 500 Metern die nächste Kreuzung kam. Von dort aus hätten wir es gesehen. Es soll zum Schutz eingezäumt sein, sodass ohnehin nur ein Blick von der Straße möglich gewesen wäre.

14f – Großsteingrab auf Bruneforths Esch

14f – Bruneforths Esch

Bei Bruneforths Esch wollte ich eigentlich an der nahe gelegenen Wassermühle parken, übersehe die aber und halte doch vor dem Hinweisschild der Straße der Megalithkultur. Es ist mittlerweile halb zwölf, und wir sind bei 14f – da kommt wohl noch einiges auf uns zu… Wir halten direkt vor dem großen Grab, das sich baumumstanden über der Straße erhebt. Auch hübsch. 25 Meter lang, imposant und gut erhalten. Auch die Infotafel steht senkrecht unter einem Dach und ist daher besser lesbar als die ungeschützten, waagrechten Tafeln vieler anderer Stationen, die zugemoost oder einfach verschmutzt sind. Immerhin: Vandalismus war bislang kein Problem. So ist das ein weiterer durchaus idyllischer Fleck auf unserer Tour.

Bei der Weiterfahrt übersehen wir die Mühle wieder, wobei ich mir auch nicht sicher war, wann wir eigentlich an einer Mühle parken wollten. Die Großsteingräber bei Deymanns Mühle stehen nämlich auch noch auf dem Programm. Aber zunächst geht es zu:

14e – Großsteingrab am Osteresch

14e – Osteresch

Die Gräber von Station 14 sind in Luftlinie gar nicht so weit voneinander entfernt, aber es ist doch etwas Fahrerei. Der nächste Halt ist das Großsteingrab am Osteresch, das laut Reiseführer ziemliche Schäden zeigt. Auf mich als Laie wirkt es trotzdem noch eindrucksvoll, und ein Teil ist auch noch erhalten.

Aber mir sind Ruinen eh lieber als Prachtbauten, man kann mehr erkunden. Vielleicht ist es Norwegen-Entzug, aber wir sehen hier sogar einen schlafenden Troll, der durchaus zufrieden wirkt.

14e – ein schlafender Troll?

14 a-d – Großsteingräber bei Deymanns Mühle

Von unserem Troll sind es nur fünf Minuten bis zu Deymanns Mühle (die ich nicht finde), wo uns gleich vier Hünengräber erwarten (die ich sofort finde). Direkt davor weißt ein Hinweisschild auf weitere bronzezeitliche Hügelgräber hin. Aber wir konzentrieren uns auf das wesentliche – Alte Steine.

14a – Parken direkt am Grab

14 a gleich am Anfang (wenn ich die Tafel richtig lese) sind die Reste einer 2,2m langen, stark zerstörten Steinkammer. Mit ihrem großen Deckstein ist sie aber immer noch fotogen.

Von 14 b ist deutlich weniger erhalten – wobei ich mir auch nicht immer sicher bin, welcher Stein zu welchem Grab gehört, die Gruppe steht doch dicht beieinander.

Das größte Grab ist (wahrscheinlich) 14d, mit einer sechs Meter langen Kammer und einer 7×33 Meter großen Umfassung. Aber es ist schon vor Ort kaum zu sagen, was zu welchem Grab gehört, geschweige dann später auf den Fotos. Vielleicht, Lightroom noch die Geodaten anzeigen würde… Verflucht soll Adobe sein, dass es seine Software nicht pflegt, sondern Abos verkaufen will.

Wie dem auch sei, das Wäldchen hat einige niedrige, aber nette Steine zu bieten. Nicht unbedingt mein Favorit, aber durchaus hübsch anzusehen. Leider zeigen einige Steine Spuren von Bohrversuchen – die Anlage zeigt deutliche Spuren von Zerstörung, das ist kaum zu übersehen. Jetzt bleibt nur noch ein Ziel übrig:

13 – Der Steinerne Schlüssel

Der steinerne Schlüssel steht fast direkt an der Hauptverkehrsstraße, wir parken genau an dem Ort, den ich auf der Karte herausgesucht hatte und an dem sogar das Schild der Straße der Megalithkultur steht, und wenn man dem Radwegschild folgt, sind es nur ein paar Meter bis zu dem hübschen Hünengrab. Hier sind sogar noch zwei andere Besucher – es ist gerade Rush-Hour…

Der steinerne Schlüssel

Die beiden Enden der Grabkammer sind erhalten, dazwischen klafft eine malerische Lücke. Den Archäologen graust es, dem Touristen freut es, mal wieder ein kleines, markantes Megalith-Bauwerk zu sehen. Langsam verliert man sonst vor lauter Steinen doch den Überblick…

Der Name kommt übrigens daher, dass man einst glaubte, dass die Kinder nicht vom Klapperstorch gebracht würden, sondern unter Steinen hervorgeholt würden. Dafür braucht man natürlich den richtigen Schlüssel, um den Stein zu öffnen. Den haben wir nicht dabei, also geht es zu zweit weiter (natürlich mit Auto und Kühltruhe).

Die Straße der Megalithkultur führt jetzt eigentlich durch Meppen, zum archäologischen Museum. Da das aber erst irgendwann in den nächsten Monaten überhaupt mal wieder aufmacht, schenken wir uns die hektische Großstadt mit ihren – googelt kurz – 35.000 Einwohnern. Na gut, so hektisch wäre sie vielleicht doch nicht gewesen… Aber was soll’s, wir haben endlich das gestrige Spätnachmittagsprogramm geschafft! So kommt es, dass wir um 12:45 nicht zurück nach Haselünne fahren, sondern weiter nach Oldenburg, zur ersten geplanten Station des Tages. Ein Glück, dass wir die Tour nicht mit dem Fahrrad in Angriff genommen haben… So fahren wir eine gute halbe Stunde bis zum unserer ersten richtigen Tagesetappe:

12b – Großsteingrab auf dem Radberg

Die Wegbeschreibung redet gut gelaunt davon, das Auto irgendwo hinter Rentrup stehen zu lassen und dem Fußweg 800 Meter zu folgen. Bei 35 Grad im Schatten, wenn es denn welchen gäbe. Klar doch.

12b – Auf dem Radberg

Wir folgen dem Weg soweit es geht, schließlich gibt es kein Verbotsschild. Zugegeben: Besonders gut ist der Weg zwar nicht, aber auch nichts, was ein weitgereister Kombi nicht schaffen würde, wenn man die schlimmsten Schlaglöcher umrundet. Kopfsteinpflaster, Feldweg, Piste – auf den nächsten 600 m ist alles dabei. Als der Weg für die letzten 200-250m Richtung Wald abzweigt, lassen wir das Auto dann doch stehen. In Anbetracht von altem Maschendrahtzaun am Wegrand und Drahtresten auf dem Weg keine schlechte Entscheidung. Schließlich taucht eine kleine Wanderhütte am Wegrand auf, die abgesperrt ist – nicht wegen Corona, sondern wegen Einsturzgefahr. Mal was anderes. Hier geht es links in den Wald, wo die 17 Meter lange Grabkammer ruht, umgeben von einer 14×30 Meter langen Umfassung.

Hübsch, auch wenn wir froh sind, dass wir nur 250 statt 800 Meter hierher gewandert sind. Irgendwie hat man doch schon einiges an Steinen gesehen, und langsam wird klar, dass die Straße der Megalithkultur nur Gräber hat; Steinkreise und Monolithe fehlen. Ein bisschen wiederholt sich das, oder man stumpft ab. Oder liegt es an der Hitze? Jedenfalls reizt die Kühltruhe dann schließlich doch mehr als das Grab, und wir kehren zurück zu kalten Getränken.

Simultankirche in Thuine

Simultankirche in Thuine

Es wird Zeit für etwas Abwechslung: In Thuine machen wir kurz Halt an der Kirche. Es ist eine Simultankirche, die von zwei Konfessionen gleichzeitig genutzt wird. Daher sind auf dem Kirchturm als Wetterfahne das katholische Kreuz und der evangelische Hahn zu sehen. Wenn man nicht weiß, dass es das gibt, kommt man da nie drauf. Die nette Führerin im Kloster Hude hatte uns darauf aufmerksam gemacht, was die Hähne, Schwäne und Kreuze auf den Kirchtürmen bedeuten.

12a – Großsteingrab in der Kunkenvenne

Weiter geht’s zu 12a, in die Kunkenvenne. Daran erinner ich mich von der Planung: Es geht auf einer Straße einige Zeit parallel zur B214, auf einer Straße, die mein Navi nicht kennen will. Aber es gibt Schilder, denen wir bis zu einer kleinen Wiese folgen können, die als Parkplatz dient. Von da sind es nur ein paar Meter bis zum Großsteingrab in der Kunkenvenne. Und wenn du glaubst, du hast schon so viele Steine gesehen, dass dich nichts mehr beeindruckt, kommt das hier:

12a – Großsteingrab in der Kunkenvenne
Eine Rarität:
Die doppelte Umfassung

Mit 17 Decksteinen und einer Kammerlänge von 25 Metern gilt es zu Recht als eines der eindrucksvollsten Gräber. Nur Lähden (17c) und Ostenwalde (19) haben ebenfalls noch eine doppelte Umfassung, aber hier fällt sie auf. Das ganze in einer großen, idyllischen Lichtung, damit man es auch sehen kann – ja, das hat was. Gefällt. Also, gefällt so richtig.

Das ganze gefällt übrigens nicht nur mir – so war ich auch auf die Rabensturmig aufmerksam geworden, deren Blog ich hier ja schon mal verlinkt habe. Ich kann leider nur fotografieren, bei ihr sah es so aus:

Zeit müsste man haben. Nur irgendwie mache ich die Megalithstraße schon wieder im Tiefflug, dabei sah das auf dem Papier so entspannt aus. Der Halt in der Kunkenvenne hat sich jedenfalls rentiert. Ich bin beeindruckt und habe doch wieder Lust auf noch mehr Steine:-) Also geht’s weiter.

11 – Alt Frerener Forst

Der Parkplatz…

Kulturschock: Als Parkplatz ist die Hölle los. Wir sollen laut offizieller Wegbeschreibung den Parkplatz Waldfreibad nutzen, was natürlich einiges erklärt. Wir nehmen den ersten besten halbwegs-Schatten-Parkplatz und machen uns auf einen einige hundert Meter langen Marsch zum Grab. Ganz toll: Bis zum Grab führt ein Fahrweg, den wir auch hätten nehmen können. So haben wir uns unnötig weit von unserer heißgeliebten Kühlbox entfernt:-(

11 – Alt Frerener Forst
Alt Frerener Forst

Auf dem Grab sitzt eine Einheimische, macht Raucherpause und telefoniert mit Bekannten, um ihnen zu sagen, dass sie bis zum Grab fahren können. Toll… Wir sind eindeutig wieder in der Zivilisation und schleichen etwas unschlüssig mit unseren Kameras umher. Dank DSGVO traut man sich ja kaum, Menschen mit aufs Bild zu nehmen. Als sie die Steine verlässt, sage ich artig danke – und erfahre, dass sie das gar nicht wollte, zumindest ist sie nicht wegen uns aufgestanden:-) Egal, wir kriegen unsere Fotos!

Das recht gut erhaltene Grab hat eine gut 20 Meter lange Kammer mit mächtigen Decksteinen und liegt – wieder einmal – idyllisch zwischen den Bäumen. Der Trubel des Freibads ist erfreulich weit weg.

Fürstenau

Fürstenauer Stadthäuser

Zur Abwechslung hatte ich noch einen kurzen Fotostop am Schloss Fürstenau eingeplant, das wir gegen halb vier erreichen. Nettes kleines Städtchen mit niedrigen, breiten Häuschen – so großzügig wie in dieser Stadt können wir im Süden nicht mal auf dem Dorf bauen.

Der Ort ist schon eher auf Touristen ausgelegt, es gibt mittelalterliche Stadtführungen, Fahrradverleih und Umleitungen wegen Baustellen. Das Schloss will seine Wurzeln als Burg nicht verbergen, und es gibt ein mittelalterlich geprägtes Restaurant.

Schloss Fürstenau
Mittagmahl

Das Restaurant wirbt mit Slush-Eis, sodass wir überraschend jetzt schon das Abendessen einschieben. Backfisch wird groß beworben, ist aber aus – bei mir wird es der Burger. Die Bedienung ist gut drauf und legt die Gäste am Nachbartisch auch mal in Ketten (der Pranger gehört zum Restaurant), und ich bin mir immer noch nicht sicher, ob er zur Mittelalterband Rapalje gehört oder sie nur gut kennt. Auf jeden Fall passt unser Kellner auf jeden Mittelaltermarkt und bietet eine gute Show. Das Trinkgeld hat er sich verdient.

Durch das Essen ist mein Zeitplan für heute endgültig obsolet, aber wer weiß, ob wir heute Abend noch was in Osnabrück kriegen würden. Und was soll’s, wir sind im Urlaub, Hektik gibt’s so genug. Unser Hotel heute hat sogar CheckIn bis 20 Uhr, und noch nicht angerufen, wo wir bleiben.

Trotzdem verlassen wir Fürstenau schließlich und brechen zum nächsten Ziel auf:

10a – Großsteingräber und Steinreihe bei Hekese

Eines der beiden Großsteingräber

Zwei große Megalithgräber bilden Station 10a. Die Besonderheit ist nicht, dass hier zwei Gräber die selbe Stationsnummer tragen, sondern die schmale Steinreihe zwischen den beiden. Die Gräber liegen auf einer Linie, zwischen ihnen verläuft eine 53 Meter lange Steinreihe, die an der Mittelachse der Gräber ansetzt. Sie ist meist einreihig, zum Teil aber auch zweireihig. Ihr Sinn? Völlig unbekannt.

Gut: Die Steinreihen der Bretagne sind imposanter, aber es ist doch mal was anderes. Auch wenn ich mir rein vom Name her mehr versprochen hatte; zuallererst fallen die beiden gut erhaltenen Gräber auf. Geparkt werden kann an einer größeren Parkbucht auf der anderen Seite der Landstraße. Zum Glück ist der Parkplatz nicht weit weg: Der Nikon geht wieder der Saft aus…

Eine flache Steinreihe verbindet die beiden Gräber

10b – Großsteingrab und Teufelsstein

Auf der Fahrt zum nächsten Ziel zeigt mein Navi wieder einmal, was es kann: Wir verlieren die Schilder der Straße der Megalithkultur aus den Augen, aber ich weiß noch, dass das nächste Ziel auf einem Bauernhof liegt. Prompt steuert mein Navi versteckte Feldwege in der Pampa an, und schließlich sind wir kurz vor dem Ziel – auf dem einzigen Berg in der Umgebung, wenn ich das richtig sehe. Zumindest sollen wir einen steilen, umwucherten Weg herunterfahren, der vielleicht für ein Mountainbike eine machbare Herausforderung wäre – aber mein Auto prügel ich da nicht runter. Irgendwie schaffe ich es, wieder eine asphaltierte Straße zu finden, und schaue mir auf dem GPS an, wie ich zum Ziel kommen könnte.

Der Näpfchenstein
Die Näpfchen

Schließlich finden wir den Bauernhof und halten am Näpfchenstein an, der – wen wundert es – vor ein paar Bäumen steht. Erst 1956 wurde er hierher versetzt und dabei untersucht, sein Unterseite ist für besseren Halt bearbeitet – er wurde also bewusst aufgestellt. Die Näpfchen – eine ganze Menge von kleinen, schüsselförmigen Vertiefungen – ist deutlich zu sehen, ihr Sinn bleibt verborgen.

Dafür ist das Hünengrab unmittelbar hinter dem Näpfchenstein noch einen Blick wert: Es steckt halb im Hügel, vier seiner fünf Decksteine sind noch erhalten.

Der Teufelsstein

Mittlerweile hat uns auch Paula, der Hofhund, entdeckt, aber sie ist eine liebe und geht mit ihren Leuten ins Haus – die sind Besucher wohl gewohnt. Hauptsache, man parkt so, dass man nicht stört.

Gräberfeld Plaggenschale

Welcher Stein ist das?

Vom Teufelsstein sind es noch 20 Minuten bis zum Gräberfeld Plaggenschale. Unterwegs kommen wir noch an einem weiteren Steinfeld vorbei: Am Straßenrand werden die verschiedenen Steinarten erklärt, die seit der letzten Eiszeit hier von den Gletschern aus Skandinavien abgelagert wurden. Nett.

Auf dem weiteren Weg zum Gräberfeld lässt mich mein Navi-Plan im Stich – zuerst will mein Navi die letzten 5 Kilometer einen echten Radweg benutzen, und dann bin ich zwar in Rufweite vom Gräberfeld, weiß aber auch nicht weiter. Des Rätsels Lösung: Den Schildern zum Wacholderhain folgen, zu dem das Gräberfeld gehört. Dahinter verbirgt sich ein schönes Stückchen Heide, das touristisch gut erschlossen ist. Ein Rundweg führt an einigen Erklärungstafeln durch die Heide. Der erste Teil ist als Barfußweg ausgelegt und bietet die Möglichkeit, über Sand, Steine und Kiefernzapfen zu marschieren.

Die Wanderung durch die Heide ist ein schöner Tagesabschluss, auch wenn von den Hügelgräbern nicht so viel zu sehen ist. Mittlerweile ist es fast 19 Uhr, als wir wieder am Auto sind, und wir brechen ab – die letzten drei Ziele langen auch morgen noch. Darunter sind der „Dom“ in Ankum und Station 9 – zu der ein drei Kilometer langer Rundweg gehört…

Also machen wir uns auf den Weg nach Osnabrück, wo uns ein Bauzaun den Weg in das Hotel versperrt. Im zweiten Anlauf finden wir die Einfahrt und beziehen unser Quartier für die nächsten zwei Nächte. Unsere Megalith-Tour nähert sich damit schon dem Ende. Nur 9 Stationen fehlen noch, dann haben wir fast alles gesehen – außer dem berüchtigten 15c und den Kellersteinen, 24a.

Abenteur-Straße der Megalithkultur, Tag 4

Gestern hatten wir sechs Stationen plus Museumsdorf, für heute standen erstmal acht auf dem Programm – möglichst vor 18 Uhr, denn dann endete bereits der Check-In in unserem Hotel in Haselünne. Für den Abend hatte ich noch drei weitere Stationen angepeilt, wird ja spät dunkel. Klingt eigentlich nach einem gut machbaren Programm, oder? Aber nicht, wenn die Stationen so verteilt und unterteilt sind wie auf der Straße der Megalithkultur, und wenn man sie dann noch in einer anderen Reihenfolge anfährt, sodass man die Schilder nicht sieht. Kennen Sie den Film „Fünf Gauner machen Bruch?“ In dem scheitert ein Einbrauch daran, dass es so viele Störungen gibt, dass die Gauner erst zur Ladenöffnung vor dem Safe stehen, einige Stunden hinter ihrem Zeitplan.

Aber fangen wir vorne an, mit dem Frühstück. Ich habe die Hotels nicht nur danach ausgesucht, ob es Frühstück gibt, sondern auch danach, ob es eine Terasse gibt. Die war bei unserem Hotel in Quakenbrück auch abgebildet, und tatsächlich standen zwei Schirme und Stühle vor dem Gebäude. Ich weiß nur nicht warum – Abendessen gab es keines, und das Frühstück nur in einem Innenraum. Ganz klassisch mit Frühstücksbuffet. Zum Glück nur mit zwei anderen Gästen an einem weiter entfernten Tisch, und die Bedienung war auch nicht zu sehen, außer um Kaffee zu bringen, aber ein bisschen ein seltsames Gefühl war das schon. Da waren die Sandwiches von Aldi oder Lidl gar keine so schlechte Alternative und gehen auch schneller… Immerhin hat es besser geschmeckt, bevor wir uns wieder auf die Straße begaben, die sich heute den Titel Abenteuerstraße der Megalithkultur verdiente.

23 – Oldendorfer Hünensteine

Die erste Station (nach dem Ortsschild von Quakenbrück) waren die Oldendorfer Hünensteine #23, in der Nähe der B213. Den Wanderparkplatz, den die offizielle Webseite angibt, hatte ich im Vorfeld nicht gefunden, und mein Navi daher auf einen Parkplatz an der Bundesstraße programmiert. Auf der Fahrt sahen wir kurz vorher sogar ein Hinweisschild, waren an dem aber zu schnell vorbei – vielleicht hätten wir sonst die reguläre Route gefunden.

Prinzipiell geht’s hier lang…

Aber auch von dem Parkplatz an der Bundesstraße führte ein ausgeschilderter Weg 300m zum Hünengrab. Theoretisch zumindest, die ersten 20 Meter waren unpassierbare Wildnis, wenn man keinen Wert auf Brennnesseln und Zecken legt. Umdrehen und die offiziellen Hinweisschilder suchen?

Wir entscheiden uns doch dafür, uns ein paar Meter weiter durchzuschlagen, um an einem Zaun entlang vielleicht zum Weg zu kommen. Das klappt sogar, auch wenn wir der Anzahl der Taschentücher zufolge das Freiluftklo des Parkplatzes gefunden haben… Der Weg wird etwas besser und ist sogar ausgeschildert, und schließlich finden wir den Hügel mit dem gar nicht mal so kleinen Steingrab.

23 – Oldendorfer Hünensteine

Hübsch, wie es so verlassen im Wald liegt. Es gibt sogar eine Bank, aber wie es aussieht, saß da schon länger niemand drauf. Der Reiseführer beschreibt es übrigens auch als „schwerlich auffindbar“. Aber der Wildnisweg hat sich gelohnt, mir gefällt es zumindest. Anschließend suchen wir wieder den Rückweg durch das Unterholz zum Auto…

22 c-d – Am Hohen Stein

Der Weg zum nächsten Ziel führt über Single-Track-Roads, die bei uns als Rad- oder Feldweg durchgehen würden, aber reguläre Straßen sind, zum nächsten Wald. Irgendwer hatte mir erzählt, hier im Norden gäbe es Heide – von wegen. Es wird am Waldrand geparkt, und der Fußweg führt ein Stück entlang des Waldrands, bis es in den Wald hinein geht. Nach ein paar Metern kommt dann auf einem Hügel das Grab am Hohen Stein, 22c.

22c, am Hohen Stein
Am Hohen Stein

Es erhebt sich hübsch im Wald auf einem Hügel, auch wenn es recht stark zerstört wirkt – ein echter Steinzeitzeuge, der viel erlebt haben dürfte. Auch hier informiert eine Info-Tafel über das Denkmal. Der Weg führt an der Megalithanlage vorbei in den Wald und erreicht nach rund 200 Metern 22d, den Hohen Stein selbst.

22d, der Hohe Stein
Der Hohe Stein

Auch dieses Grab ist recht zerstört, wirkt aber eindrucksvoller, da der große Deckstein noch auf seinen Tragsteinen ruht. Da bieten sich einige Möglichkeiten für Erinnerungsfotos – gut, dass ich mein kleines Stativ dabei habe. So stellt man sich ein Hünengrab vor: Die Struktur ist noch erkennbar, und es liegt abgeschieden im Wald. Was mag wohl noch unter diesem Hügel ruhen? Wir veranstalten jedenfalls keine Grabung, sondern ziehen weiter. Zehn Minuten Fahrt trennen uns vom nächsten Ziel, 22b.

22b – Hünensteine

Die Hünensteine sind groß ausgeschildert, bis sich der Weg dann in einem Feldweg verliert und wir das Auto sicherheitshalber stehen lassen. Kurz bevor wir zu Fuß die nächste große Straße erreichen, zeigt das nächste Schild in den Wald, wo uns endlich die Hünensteine erwarten.

Die Form ist noch gut erkennbar, zwei Decksteine liegen obenauf, dazu knorrige Bäume und große Spinnweben quer über dem Weg – ein verwunschener Ort, der zu Spekulationen einlädt. Viel mehr ist zu den einzelnen Gräbern ohnehin nicht zu sagen: Trichterbecherkultur, zwischen 3500 und 2800 v. Chr., Gräber für mehrere Personen, deren Überreste in der Erde mittlerweile völlig verschwunden sind, und falls hier gegraben wurde, sind die Grabbeigaben im Museum gelandet. Lassen wir also den Ort auf uns wirken, bevor wir zu 22a weiter fahren, noch einmal 5 Minuten Fahrt. Das ist alles eine Station – wie soll man da einen Roadtrip vernünftig planen?

22a – Schlingsteine

22a, die Schlingsteine

Auf dem Weg zu den Schlingsteinen quetschen wir uns an einem LKW vorbei, der hoffentlich später nicht die Single Track Road lang muss, an der wir ein paar Meter später parken. Ich komme mir echt fast vor wie in Schottland, wenn der Horizont nur nicht so flach wäre. (Und man versteht die Leute, und das Essen ist nicht so gut wie in Schottland. Endlich mal wieder Haggis… dafür frittiert hier aber auch keiner Marsriegel oder Tiefkühlpizzas. Manchmal ist die schottische Küche seltsam.)

Mit 24 Meter Länge sind die Schlingsteine eine „überlange Emsländische Kammer“ – auf alle Fälle sind sie eine eindrucksvolle Steinreihe mit Decksteinen. Ein Teil von ihnen wurde 1863 für den Bau der Lindener Kirche geplündert, aber viele haben überdauert – auch wenn Bohrlöcher vom Wirken der modernen Menschen künden. Immerhin zehn Decksteine künden von den einstigen Ausmaßen der Anlage.

Vrees

Damit haben wir Station 22 auch schon abgehakt und steuern Vrees an – laut Reiseführer ein schöner Ort. Ich will ihm da gar nicht mal so sehr widersprechen – er ist auf jeden Fall sauber und gepflegt – aber auch sehr modern, oder wir finden den Ortskern nicht. Vom Backsteinbarock der anderen Orte auf der Route ist jedenfalls nichts zu sehen, dafür gibt es moderne Häuser – aber immerhin aus dem selben roten Backstein wie die Kirche, und echte Häuser, keine Wohnblöcke. Nur die öffentliche Toilette ist wegen Corona bis auf weiteres geschlossen. Offene Geschäfte abseits der Discounter sehen wir auf der Tour übrigens auch kaum…

21 – Teufelssteine

21 – Teufelssteine

Die nächste Station ist die #21, und hier sehen wir endlich einmal die Straßenbeschilderung der Megalithstraße. Die Anlage liegt direkt neben der Straße und lädt sofort zu einem längeren Fotostop ein. Die Kammer ist vollständig erhalten, die Umfassung nicht ganz – und angeblich hat der Teufel hier markiert, dass er einen Schatz versteckt hat. Bis heute soll es unmöglich sein, die Anzahl der Steine zu zählen. Dazu trägt bestimmt auch der Mensch bei: Ursprünglich waren die Teufelssteine Teil einer größeren Gruppe aus Megalithgräbern, die im 19. Jahrhundert im Leerer Hafenkai und der Peheimer Kirche verbaut wurden. Die Teufelssteine selbst erhielten im 20. Jahrhundert noch eine Runeninschrift… Ein bisschen erinnert die Anlage an eine Schildkröte. Sehr schön, gefällt.

Hier packe ich endlich auch mal mein großes Stativ aus, das Auto steht ja in Rufweite. Das gibt wieder viel zu viele Erinnerungsbilder von uns, bevor wir die viertelstündige Fahrt zum nächsten Ziel beginnen.

20a – De Hoogen Steener

20a, de Hoogen Steener

Mit 29 Meter sind die hohen Steine – was Hoogen Steener auf Deutsch heißt – die längste Emsländische Kammer Niedersachsens. Aha. Ich muss mich mit der Terminologie von Megalithgräbern doch einmal näher befassen.

Im Wald gibt es einen etwas größeren Parkplatz, an dem unserer Auto mit allem möglich Zeug eingeschneit wird. Wir sind nicht ganz alleine, aber nachdem der VW-Bus wegfährt, sehen wir auch den Wegweiser, der zum nahen Grab zeigt. Dort erwartet uns eine beeindruckend lange Steinreihe; die 15-17 mannshohen Decksteine liegen heute nur knapp über dem Bodenniveau. Imposant.

De Hoogen Steener

Nach den Hoogen Steener mit ihrem ordentlichen Parkplatz erwartet uns an 20a etwas anderes…

20a – Poldenhünensteine

Bei den Poldenhünensteinen lag ich bei der Navi-Programmierung über Open Streetmap etwas daneben – aber wir sehen Hinweisschilder, die uns über Feldwege, Radwege und Schotterpisten direkt bis zu den Poldenhünensteinen führen, die auf einer kleinen Erhebung neben dem – nennen wir es einmal Wirtschaftsweg – thronen. Mein Navi meint jedenfalls, dass es hier raus will, obwohl es sonst immer die landschaftlich reizvollen Panoramarouten findet…

Aber zuerst einmal werden die Steine angeschaut. Zwei von drei Decksteinen sind noch vor Ort und formen ein charakteristisches Grab; von der einstigen Umfassung ist nicht mehr viel vorhanden. Dafür verhindern Krabbelinsekten eine längere Fotosession – keiner will sich auf die Steine setzen und angegriffen werden. So schön es ist: Wir suchen eine Mögichkeit, um zu wenden und weiterzufahren. Mittlerweile ist immerhin schon 13 Uhr, und wir haben erst vier Stationen durch. Kommt einem mehr vor…

19 – An den Hünensteinen/Großsteingrab Ostenwalde

Mit anderen Worten: Da kommen noch mehr Steine. Viele Steine. Man unterschätzt das. Später lese ich, dass es wohl gut 100 gut erhaltene Großsteingräber in Niedersachsen gibt; die Straße führt in 33 Stationen zu über 70 davon…

19 – Hünensteine/Ostenwalde

Die Station 19 musste 1971 dem Neubau einer Kreuzung weichen und wurde neu aufgebaut. Zumindest war das der Plan; nachdem das Grab um 70 Meter versetzt wurde, scheiterte man daran, die Decksteine wieder auf die Tragsteine zu setzen. Daher liegen sie heute daneben und gewähren einen Einblick in das Grab.

Die Parkplatzsituation an der Durchgangsstraße ist interessant – mir ist immer noch unklar, ob das blaue P der Hinweisschilder wirklich einen legalen Parkplatz markiert, oder ob die durchgezogene Linie der Straßenmarkierung Vorrang hat. Wie dem auch sei, die Entfernungsangabe bezeichnet immer den Fußweg ab dem Schild.

18c – Werpeloh IV/Großsteingräber auf der Buschhöhe

Mit den vier Stationen von Station 18 wird es wieder abenteuerlich. 18 c ist rund 15 Minuten von Station 19 entfernt und noch recht harmlos, solange man nicht dem Schild zum Steingrab folgt, das etwas vorher kommt. Da schein es nur ein echtes „Steingrab“ zu geben – einen Schotterhaufen. Scherzkekse. (Oder ist irgendwo anders doch noch was? Keine Ahnung.)

Also folgen wir der Straße weiter, bis wir die regulären Hinweisschilder der Straße der Megalithkultur finden, sowie einen großen Parkplatz und einen Zeltplatz. Quer über den wegen Corona geschlossenen Campingplatz (das GPS ist dein Freund) finden wir am Waldrand dann zwei kleine Großsteingräber. Eins ist ein Ganggrab, das andere ein Großdolmen. Der Unterschied ist wohl die Anzahl der Decksteine, ein Dolmen hat nur einen – wenn ich das richtig verstanden habe. Hübsch sind beide, nur eines der nahen Windräder klingt bedrohlich.

Beide Gräber sind hübsch und vor allem klein genug, um fassbar zu sein. Dass beide in Sichtweite liegen, ist ein zusätzlicher Bonus. Und ab jetzt wird Station 18 richtig abenteuerlich.

18 b – Werpeloh II/Großsteingrab in den Klöbertannen

Der Weg führt uns nämlich in militärisches Sperrgebiet. 18b und c sind nur dann erreichbar, wenn die Bundeswehr nicht schießen übt, die Schranken oben und die roten Ampeln aus sind. Gulp. So etwa eine Woche vorher erfährt man auf der Webseite der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition in Meppen, wann man da hin kann, und wann Lebensgefahr besteht. Der Link auf der Webseite der Straße der Megalithkultur ist praktischerweise auch noch veraltet. In dieser Woche ist zum Glück Sommerpause, aber ein mulmiges Gefühl ist da doch…

Halt am Straßenrand

Irgendwie fragt man sich ja schon, wer zum Geier eine Ferienstraße durch einen aktiven Schießplatz führt. Zum Glück sind die Warnampeln wirklich aus, und wir finden die Hinweisschilder auf Alte Steine. Also ab in den Wald, immer mit offenen Ohren. Wir folgen dem verwilderten Pfad, zum Glück mit GPS – denn nur mit den Wegweisern ist das Grab in den Klöbertannen nicht zu finden, wie dieser Reisebericht zeigt – die waren ein paar Tage vor uns hier.

Das Hinweisschild ist praktisch unlesbar, und der Weg wurde wohl seit der Jungsteinzeit von keinem mehr benutzt. Nur Dank GPS finden wir das fast 30 Meter lange Grab doch noch, nach rund 400 Meter Wildnis. Es gibt sogar eine Hinweistafel, also war in den letzten 5000 Jahren doch noch jemand außer uns hier…

18b ist durchaus sehenswert, aber schon eine Herausforderung, wenn man es sehen will. Aber es ist nicht die größte auf der Route, morgen wird’s noch schlimmer. Jetzt suchen wir erst einmal den Rückweg zum Auto, um das nächste Ziel anzusteuern.

18 d – Werpeloh I/Steenhus in den Klöbertannen

Weiter geht’s…

Nicht vergessen: Wir sind immer noch bei Station 18 und im Sperrgebiet, mittlerweile um kurz vor 15:30 Uhr. Immerhin fahren wir nur ein paar Minuten zum nächsten Parkplatz in rund einem Kilometer Entfernung, von dem es noch 400 Meter zu Fuß sind. Ich habe langsam den Verdacht, dass mein Tagesplan zu optimistisch war…

Die Wegweiser werden rudimentärer

Aber der Weg lohnt sich, auch wenn die Wegweiser spärlicher werden. Irgendwann geht es links in den Wald, wobei das GPS hilfreicher ist als die sogenannten Wegweiser. Heute ist das Steenhus gute 16 Meter lang, ursprünglich wohl sogar noch länger. Vor allem aber ist es gut erhalten, die Schießübungen haben es bislang wohl verfehlt.

Sogar in den Kammern des Grabs befinden sich Megalithen, die wohl als Wände dienten – uns fällt vor allem der gut sichtbare Eingang auf. Und dass jetzt bei der Nikon der Akku in die Knie geht, von zwei auf null Striche in viel zu kurzer Zeit. Man darf das Auto echt nicht ohne Ersatzakku verlassen. Bei den tropischen Temperaturen kann es aber nicht an der Kälte liegen…

Ohne das Militär wäre das ein wirklich schönes Urlaubsziel; so sind wir doch froh, das Gebiet wieder verlassen zu können. Rund zehn Minuten Fahrt trennen uns noch von Station 18d.

18d – Steenhus in Börger

18d – Steenhus in Börger

Pünktlich um 16 Uhr erreichen wir das Steenhus in Börger und die letzte Station von Station 18. Uff. Gleich drei Hünengräber gibt es in Börger (a propos: langsam kriege ich Hunger…), aber nur eins ist gut genug erhalten, um es auf die Straße der Megalithkultur zu schaffen. Es steht mitten in einem Vorgarten… das gefällt mir auf alle Fälle besser als ein Gartenzwerg.

18d – Steenhus in Börger

Ganz ehrlich: Eigentlich wären das schon genug Steine für einen Tag. Aber wir sind noch nicht am Ende, schließlich liegen noch einige auf dem Weg zum Hotel in Haselünne. Die Hünengräberstraße 16a-e bei Ipeken/Tannwald wäre der nächste Halt. Bei einem Kilometer Länge halten wir dort zwar tatsächlich, steigen aber nicht aus. Nochmal fünf Gräber, mit Zeitdruck? Nein danke. Hüven Nord/Volbers Hünensteine (17a) verschieben wir auch, dafür machen wir bei 17b/Hüven Süd Halt.

17b – Hüven Süd

Die Route enthält echt genug Steine, um den Steinbedarf für ein ganzes Jahr zu decken. Und ich dachte, bei Carnac gäbe es viele Steine…

17b – Hüven Süd

Hüven Süd liegt zum Glück direkt an einer Seitenstraße, wenn man mal richtig abgebogen ist. Es ist gut erhalten, was bedeutet, dass man in erster Linie die Decksteine sieht, die auf der Anhöhe liegen. Beim Rausfahren lohnt sich wenden – wir wollen ja nach Süden, und das ist bei der Haarnadelkurve kaum machbar. Also wenden und eine bessere Ausfahrt nehmen.

17b – Hüven Süd

Mit dem kurzen Stop tun wir Hüven Süd eigentlich unrecht – aber mittlerweile ist man von den deutlicheren größeren Anlagen doch etwas verwöhnt, und das Burghotel Haselünne hat ja nur bis 18 Uhr Check-In. Die Uhr tickt – es ist schon 16:40, und noch eine halbe Stunde Fahrt. Nächstes Mal nehme ich Hotels mit Late Check-In, falls es das bis dahin in Niedersachsen gibt… dieser unmenschliche Stress.

Auf dem Weg liegt auch noch die Hüvener Mühle, aber da finden wir irgendwie keinen legalen Parkplatz – der vorhandene gehört zum Golfclub oder so was und ist gerade gesperrt. Also verschieben wir die auch auf nachher, Station 17c ist ja nur einen Kilometer weiter.

17c – Lähden Nord

Lähden Nord ist eine Station aus der Reihe „Echt jetzt?“ Das Navi lotst mich zuverlässig zum nächsten Wäldchen am Straßenrand, und wir fahren in die Parkbucht am Straßenrand. Parkbucht? Nein, wir stehen vor einer Schranke vor einem dicht bewachsenen Acker. Das kann doch kein Zugang sein… Also räumen wir die Zufahrt und fahren auf die andere Seite des Wäldchens – neben der Zufahrt zu einem Feldweg ist noch Platz für mein Auto. Und wo geht’s jetzt weiter? Wir probieren es erst einmal an der Straße entlang, aber da ist nur dichtes Unterholz. Vielleicht den Feldweg entlang, der rasch endet – wir quetschen uns zwischen Bäumen und Mais hindurch und umrunden das Wäldchen halb, bis das Unterholz spärlicher wird und wir durchbrechen können. Tada! Grab 17c, Lähden Nord.

Eine hübsch große Ansammlung von Steinen versteckt sich hier zwischen den Bäumen. Später lese ich im Reiseführer, dass es hier auch eine der wenigen zweireihigen Umfassungsmauern gab. Jetzt dominieren die Entdeckerfreude und die Suche nach Fotomotiven in dem verwunschenen, abgeschiedenen Wäldchen direkt an der Landstraße. Dabei finden wir auch die Infotafel, und dadurch auch den offiziellen Zugang: Er hätte über das undurchdringliche Feld geführt. Naja, nicht unbedingt undurchdringlich, aber unintuitiv.

Der offizielle Zugang zu Lähden Nord. Viel Glück!

Mit 25 Meter Länge und sieben Meter Breite füllt das Grab das Wäldchen gut aus, wobei die doppelte Umfassung nicht leicht zu erkennen ist – einige Steine liegen ziemlich wirr. Aber die Suche hat sich gelohnt.

Kurz nach 17 Uhr sitzen wir wieder im Auto, und das Telefon klingelt – das Hotel, wann wir gedenken einzuchecken? – Wir sind in ca. 20 Minuten da. – Gut, da müsste ich noch da sein, bis gleich! – Na danke, eigentlich ist Check-In von 15-18 Uhr. Das hoffe ich doch, dass um 17:30 noch jemand da ist…

Haselünne

Burghotel Haselünne

In Haselünne residieren wir im Burghotel Haselünne. Das Navi führt uns in die verkehrsberuhigte Zone, und wir suchen auf gut Glück einen Parkplatz, der dann auch tatsächlich zum Hotel gehört. Hübsch, etwas viel Gold im Zimmer, und keine Klimaanlage – das Bad ist wieder extrem warm. Für Haselünne selbst haben wir aber keine Zeit eingeplant – vielleicht ein Fehler, auch wenn Quakenbrück gestern interessanter aussah. Geschichte hat der Ort auch, vor allem aber jede Menge Restaurants direkt um unser Hotel herum. Wir kehren im Balkan-Restaurant nebenan ein, das noch Plätze draußen hat und eine gute Karte; nach dem leckeren Essen ergreifen wir wieder die Flucht vor den Wespen. Grmpf. Aber wir haben ja noch viel vor, da wir auf der Hinfahrt nicht alles geschafft hatten und eigentlich nach dem Check-In in aller Ruhe drei weitere Stationen besuchen wollten, eine Stunde Fahrt laut Plan. Tja, meine Pläne…

Zuerst fahren wir zurück zur Hüvener Mühle und parken am Parkplatz vom Café. Falls jemand fragt: Wir wollen uns erst mal die Karte anschauen. Um 19:30 hat das Café aber schon zu, genau die der Souvenirshop – der erste, den wir seit Bremen sehen. Es gibt seit 1998 die Niedersächsische Mühlenstraße mit je nach Quelle 75 oder 427 oder über 600 Stationen – allerdings finde ich hier keine offiziellen Informationen, die Webseite http://www.niedersaechsische-muehlenstrasse.de fordert mich aktuell nur auf, mich in Confixx einzuloggen und die Webseite auf einem moderneren Server aufzubauen. Tourismus muss Niedersachsen echt noch üben. Wikipedia hat ein paar Infos mehr…

Hüvener Mühle

Die Hüvener Mühle ist jedenfalls einen Blick wert: Eine Wassermühle, auf der ein Windrad sitzt. Da konnte sich wohl jemand nicht entscheiden und hat einfach alles gemacht. Passt ja zur Mühlenstraße, oder zur Megalithstraße, die beide auf Vollständigkeit aus zu sein scheinen. Jedenfalls eine interessante Konstruktion, die wir da im Abendlicht sehen. Nutzen wir den Abend und fahren weiter zur Hünengräberstraße, an der wir vorhin nur kurz gehalten hatten.

16 a-e – Hünengräberstraße des Hümmlings

Oh Wunder: Auf dem Parkplatz stehen sogar zwei Autos! Wir werden doch nicht etwa noch anderen Menschen begegnen? Aber die Sorge ist unbegründet, wir sehen keine Menschenseele. Wir fangen mit 17c an, dem Wappengrab. Es heißt so, weil es für das Wappen des Emslandes Modell stand. Auf dem kurzen Weg dahinliegen noch einige Findlige oder kleine Megalithbauten am Wegesrand – ursprünglich gab es hier mindestens 22 Gräber, elf sind noch erhalten.

Das Wappengrab gefällt dann auch: Nicht zu groß, sodass man es noch am Stück erfassen kann, und mit seinen großen Decksteinen nah am Idealbild eines Hünengrabs. Fehlt nur noch der Hinkelstein.

Die andere Seite des Wappengrabs.

Auf der anderen Straßenseite geht es weiter, zwei größere Gräber erwarten uns dort. Erst einmal verschwindet der Weg aber im Gebüsch, und man darf raten. Ebenfalls ausgeschildert ist übrigens in Blau der Hünenweg. Diesen Schildern folgen wir lieber nicht – dahinter steckt ein 150 km langer Fernwanderweg. Den nehme nicht mal ich in unsere kleine Reise mit auf…

Wir stoßen zuerst auf 16e, ein rekonstruiertes Hünengrab mit heidebewachsenem Grabhügel. Hübsch anzuschauen, wenn auch nicht so fotogen wie „nackte Steine“. Aber man kann in die leere Grabkammer hinein.

16e wurde wieder aufgeschüttet

Viel gibt es in der niedrigen Kammer aber nicht zu sehen, und wir wandern weiter. Nach wenigen Metern finden wir 16d, das mächtige Königsgrab, das einst die Landschaft dominierte. Mit 12x24m ist es mächtig, und die meisten Steine haben bis heute überdauert.

Hier könnte man es auch einige Zeit aushalten – malerisch. Aber schließlich suchen wir den Rückweg und kehren zum Parkplatz zurück. Von dort es die Straße entlang, weiter als gedacht: Gut 600 Meter sind es bis 16b, dem acht Meter langen Grab „Im Ipeken“. Und es hätte sogar eine Parkbucht gegeben…

16b – Im Ipeken
Im Ipeken, wenn man von der
richtigen Seite kommt

So stoßen wir erst nach 20 Minuten auf das vergleichsweise kleine Grab. Der Zugang ist an der Straßenseite, nicht auf dem Acker – auch wenn das Grab an der Ackerseite des kleinen Baumbestands liegt. Es ist sehr gut erhalten, und nun trennen uns nur noch 200 Meter von der letzten Station der Hünengräberstraße. 16a, Ipeken Tannwald, erreichen wir bereits in der Abenddämmerung. Zum Abschluss gibt es noch einmal eine lange Reihe aus Steinen. Die ovale Umfassung der 17 Meter langen Kammer ist noch gut zu erkennen.

16a – Ipeken Tannwald

20:40 ist es mittlerweile – mir kommen ernsthafte Zweifel an meiner Tagesplanung. Aber ein letztes Grab versuchen wir doch noch!

17a – Volbers Hünensteine

Wir fahren also noch einmal nach Hüven, zur Station 17a – das liegt eh auf dem Rückweg. Hüven Nord ist besser bekannt als Volbers Hünensteine und eine riesige, gut erhaltene Anlage. Leider in einem dunklen Wäldchen, sonst würden wir mehr davon sehen… Dabei ist es doch gerade mal kurz nach 21 Uhr…

17a – Volbers Hünensteine

Die große, gut erhaltene Anlage macht eins klar: Wir müssen hier morgen noch einmal hin.

Zum Abschluss ein Mini-Dolmen

Auf dem Rückweg nehmen wir nur noch eine Station mit, die nicht im Reiseführer stand: Ein Microlith oder so. Ein hübscher kleiner Mini-Dolmen. Aber keine Sorge: Wir haben ihn nicht wirklich eingepackt, er steht wohl noch am Zugang zu Volbers Hünengrab.

Ein gutes Stück hinter unserem Zeitplan endet dieser überraschend vollgepackte Tag endlich. Wer das mit dem Fahrrad machen will, sollte wohl zwischen den Steinen zelten und besser nicht auf Hotels angewiesen sein…