Hurtigrute Tag 1: Bergen im Regen

Es ist schon wieder soweit: Ich starte erneut zur Hurtigrute, diesmal in die Polarnacht: 2.-13. Dezember. Eigentlich hatte ich gar nicht geplant, jetzt schon wieder zu fahren, aber irgendwann kam die Info, wann mein Flug geht – es sind wieder genug Gäste zusammen gekommen, dass ich überraschend nochmal darf. Eingeplant hatte ich das gar nicht – ich bin gerade fleißig dabei, mein nächstes Buch (Astrofotografie für Einsteiger, dpunkt-Verlag) fertig zu stellen. Naja, dann werden die Korrekturen halt auf dem Schiff gemacht, vielleicht komme ich dazu. Und wer kann bei einer Hurtigrute schon nein sagen?

Schaut schon mal gut aus

Klare Antwort: Die A8 kann nein sagen. Ich dachte mir, Sonntag ist wunderbar, da komme ich ohne Stau nach Stuttgart. Die A8 dachte sich: Das ist eine wunderbare Gelegenheit für eine Vollsperrung. Immerhin: Nachdem ich letzten Monat keine Stunde nach Stuttgart gebraucht hatte, ging es diesmal in eineinhalb Stunden mit einem Abstecher durch Pforzheim. Nicht schlecht für 80 km im Jahr 2018 über bundesdeutsche Autobahnen. Geregnet hat es auch, also eine wunderbare Einstimmung für Bergen.

Mit dem FlyAway-Service (mein Tipp für günstiges Parken in Flughafennähe) war die letzte Meile dann auch wieder kein Problem, nur beim Check-In von KLM gab’s Stau: Die beiden Priority-Bag-Drops waren nicht ausgelastet, von den beiden für das normale Volk war dagegen einer wohl mit Umbuchungen beschäftigt, sodass für meine Maschine letztlich eine Dame allein zuständig war. Hat dann immerhin geklappt, und ich hatte noch eine Stunde am schönen Stuttgarter Flughafen, um mich über die Getränkepreise aufzuregen. Die Ruhezone am Gate ist nett, aber 2,50 für eine kleine Flasche Cola ist Abzocke. Da lob ich mir Norwegen, wo es wenigstens Trinkwasserspender gibt, wenn einem schon aus Sicherheitsgründen die Getränke abgenommen werden. Grmpf.

Geldquelle Getränkeautomat

Wenn vor der Security wenigstens Pfandautomaten statt Spendenboxen stünden… Anyway, der Vorteil von KLM ist, dass es einen Snack (bis Amsterdam Rührkuchen, nach Bergen einen überraschend genießbaren Wrap) und etwas zu trinken gibt. Bei SAS gibt es nur Kaffee und Tee umsonst, dafür kann man sich den Platz aussuchen. Bei KLM kostet es Aufpreis, wenn man nicht einfach einen Platz zugeweisen bekommen will.

Und KLM überbucht die Maschinen gerne, oder macht sie auf jeden Fall randvoll. Halleluja, eine Premiere: Erstmals habe ich miterlebt, dass jemand Ärger gekriegt hat, weil er mit viel zu viel Handgepäck einsteigen wollte. Zumindest die Anzahl der Handgepäcksstücke sollte viel öfter kontrolliert werden. Tipp: Beim Gepäckkauf darauf achten, dass es unter den Sitz passt. Auch gut: Die Boardingkarte ist diesmal nicht auf magische Weise kurz vor dem Boarding aus der App verschwunden, sondern war die ganze Reise über verfügbar.

In Amsterdam war dann unsere gesamte Gruppe im Flieger, ein paarmal hatte ich auch mein Büchlein als Reiselektüre gesehen:-) Auch Hans, mein Ko-Lektor, wartete schon am Gate. Trotz Herbst und einer etwas wackligen Landung erreichten wir Bergen pünktlich, wo Kari und Bruno auf uns warteten. Der neue Flughafen ist deutlich gewachsen und man muss weiter bis zur Gepäckausgabe gehen als früher. Aber wie gewohnt geht es durch den Duty-Free-Shop, der schon ganz auf Weihnachten ausgelegt ist. Mit zwei Bussen ging es dann zum Schiff, mit einer überraschend großen Rundfahrt durch Bergen. Mittlerweile war es zwar schon stockfinster und regnerisch, aber wir besuchten auch ein paar Ecken der Stadt, die selten auf der Route liegen.

Den Weihnachtsmarkt in Bergen hatte ich auch noch nie gesehen…

Meet the Crew

Am Schiff angekommen dann das übliche Prozedere: Cruisekarte und erste Infos von unseren beiden Reiseleitern kriegen, die Kabine beziehen, die Sicherheitseinweisung auf dem Schiff anschauen (obligatorisch, die Kabinennummern werden abgehakt), das Gepäck in die Kabine bringen und Abendessen. Zwischendurch noch die Vortragstermine sichern. Das klappt diesmal wunderbar, das halbe Expeditionsteam sind alte Bekannte – cool! Wir haben ein gutes Team erwischt.

Die Nordkapp

Um 21:30 stellt sich die Crew vor, was mir noch ein Stündchen Zeit lässt, um kurz von Bord zu gehen und die Nordkapp von der anderen Hafenseite aus zu fotografieren. Mit Stativ und trotz Regen kommt das ganz gut. Für einen Besuch in der Pfefferkuchenstadt langt es diesmal aber nicht, auch weil ich zur Abwechslung mal wieder die Infoveranstaltungen vom Schiff anhören will. Auf den letzten Touren kam da immer Organisatorisches dazwischen.

Und die Nordkapp… erstes Schiff, erste Liebe. Nur dass ich mich immer noch nicht an das neue arktische Hotel-Design gewöhnt habe. Das sind immer wieder gemischte Gefühle, intuitiv suche ich das Ut-Røst-Cafe, die alten Gemälde und die schweren Stühle. Aber die zahlreichen bekannten Gesichter der Crew machen viel aus. Trotz Umbau: Ich mag diese Schiffsgeneration ja sehr, man kommt einfach gut mit den Leuten in Kontakt. Das hat diesmal auch schon wieder gut geklappt, es verspricht eine schöne Tour zu werden. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen – die letzten Tage waren stürmisch, und nun, da ich diese Zeilen schreibe (gegen 1 Uhr), schaukelt es langsam. Wenn wir morgen zum Frühstück Stad und Westkap haben, dürfte es wieder ein unterhaltsames Frühstück geben. Und weiter im Norden erwartet uns hoffentlich auch klarerer Himmel – hier im Süden darf es ruhig bedeckt sein, wobei Bergen so recht hübsch aussah.

God tur, und god natt!

Bye, bye, Bergen

Hurtigrute Tag 2: Ålesund

Heute ist Ålesund-Tag, und da die Begrüßungsveranstaltung für unsere Gruppe erst um 15 Uhr ist, wenn wir Ålesund bereits verlassen haben, ist es für mich ein ruhiger Tag. Ich mache den ersten Vortrag ja gerne schon heute, weil die Fotogeschäfte im Norden gelinde gesagt spärlich sind, aber der Halt in Bodø muss ausreichen, damit jeder sein Equipment vervollständigen kann.

Stad und Westkap

Dafür bietet der düstere Morgen ein ganz ordentliches Geschaukel über die Stad und rund um das Westkap. Eigentlich war dazu für halb acht ein Point of Interest in der Morgendämmerung an Deck angesetzt, aber der wird auf ruhigeres Fahrwasser verschoben (genau wie meine Morgendusche). Nach ein paar Fotos der rauen Gegend geht’s zum Frühstück, sodass ich die erste Veranstaltung des Expeditionsteams verpasse. Schade, aber was soll’s.

Ruhiges Wasser bei Torvik

Ohne einen Termin am frühen Morgen kann ich mir auch mal die Anfahrt auf Torvik anschauen, unseren 10-Uhr-30-Hafen. Wir sind auf beiden Seiten nur wenige Meter vom Ufer entfernt – so gehört sich die Hurtigrute. Torvik ist ein kleines Kaff, aber auf der gegenüberliegenden Seite des Sunds liegt Ulsteinvik, mit über 5000 Einwohnern eine richtige Metropole. Hier liegt auch die Kleven-Werft, die für Hurtigruten tätig war und schließlich von der Reederei aufgekauft wurde. Torvik ist vor allem für die beiden gelben Versorgungsschiffe bekannt, von denen ich glaube, dass sie mittlerweile am Kai festgerostet sind. Die World Opal und ihr Schwesterschiff sind wohl Baujahr 2013, und mindestens seit 2016 liegen sie dort.

Torvik mit World Opal und World Peridot

Wenn ich das richtig lese, kann man sie wohl kaufen, aber das sprengt mein Budget doch. Da hat Norwegen doch handlichere Souvenirs zu bieten. (Wobei die Hurtigrutenpins, die ich vor drei Wochen für 360 NOK gekauft hatte, jetzt für 110 NOK zu haben sind. Mist.) Der Vormittag geht für die Reiseleitersprechstunde drauf, zu der ich mich dazu geselle (Mal eine neue Taktik: Kari ist auf Deck 4 und Bruno auf Deck 7), bevor wir und Ålesund nähern und damit das Mittagessen ansteht.

Ålesund ist für seine Jugendstilhäuser bekannt und bei mir vor allem für den Hausberg Aksla; bei regnerischem Wetter verzichte ich diesmal auf den Aufstieg und gehe ein Stück weit in die Stadt. Zum ersten Mal bemerke ich ein paar Kanonen oberhalb vom Kremmergarden, die den Weg zum Ålesund Museum weisen. Nach diesem Abstecher gehe ich einkaufen. Mal sehen, ob ich alles heil zurück nach Deutschland bringe…

Ålesund hat jede Menge Statuen zu bieten, und typisch für Norwegen werden hier gerne Schals verteilt – nicht nur die Denkmäler für berühmte Menschen. Immer wieder nett. Um 15 Uhr verlassen wir Ålesund, was auch etwa mit dem Sonnenuntergang zusammenfällt – die Polarnacht lässt grüßen.

Zurück auf dem Schiff haben wir dann um 15 Uhr unseren Welcome-Cocktail, bei dem wir uns kurz vorstellen, bevor Kari und Bruno das wichtigste zur Tour erzählen. Bei diesen Gruppenreisen jagen wir ja niemandem hinterher, aber wer will, kann uns jederzeit um Beratung bitten.

Anschließend hat das Schiff eine Infoveranstaltung, auch wenn das nicht leicht zu finden ist: Die Tagesprogramme gibt es nur auf Wunsch in gedruckter Form, ansonsten wird auf die Monitore verwiesen, und die Möglichkeit, das Programm dort abzufotografieren. In gewisser Weise ist das natürlich schön für die Umwelt, aber auch die beste Möglichkeit, nichts vom Schiffsprogramm mitzubekommen… A propos, noch eine Eigenheit der Nordkapp: Die Wasserkaraffen stehen nicht auf dem Tisch, stattdessen muss man beim Kellner nach dem kostenlosen Tap-Water fragen. Etwas umständlich.

Molde

Pünktlich zum Abendessen um 18 Uhr sind wir dann in Molde, mittlerweile hat es sich auch eingeregnet. Die Begegnung mit der Polarlys etwas später kommt etwas überraschend, die Übersicht mit den Schiffsbegegnungen fehlt auf dem Fahrplan, und Durchsage gab es auch keine. Dafür fuhren beide Schiffe schön nah aneinander vorbei, was wir aus dem Panoramasalon verfolgten.

Um 21:30 gab es als Abendprogramm für die deutschen Gäste noch einen Film über das Polarlicht, bevor wir um 22:15 Kristiansund erreichen. Laut Schiffsfahrplan sind wir pünktlich, auf älteren Plänen stand 22:00 als Ankunftszeit. Bei nur 45 Minuten Aufenthalt und Regen spare ich mir einen kurzen Landgang…

Kristiansund

Damit hat sich der Tag auch erledigt. Noch kurz Bilder sortieren, Adobe und Google verfluchen (Google hat mal wieder die API für Google Maps geändert, und Adobe unterstützt mein vor einem halben Jahr gekauftes Lightroom nicht mehr, sodass keine Geodaten mehr angezeigt werden) und das Blog auf den aktuellen Stand bringen, dann war es das auch schon für heute. Zum Tagesabschluss ist es ganz nett, mit dem Schiff mitten durch Kristiansund zu fahren. Weniger nett ist die Wetterprognose, die für morgen in Trondheim Regen vorhersagt, und nicht gerade wenig. Aber wenn es weiter im Norden trocken und wird und Wolkenlücken hat, will ich gar nicht meckern. Mal sehen, was das Wetter hergibt.

Hurtigrute Tag 3: Trondheim

Die Lofoten

Irgendwann gegen sechs Uhr erreichen wir Trondheim, was ich dummerweise mitkriege – ab da bin ich wach. Das Aufstehen verschiebe ich aber auf gegen acht Uhr. Das ist immer noch deutlich vor Sonnenaufgang… Das Wetter draußen ist unfreundlich: Die Teilnehmer der Ausflüge werden gebeten, sich wetterfest anzuziehen und auf Deck 3 zu warten statt vor dem Schiff. Da gehe ich lieber erst einmal in Ruhe frühstücken.

Gegen 9 Uhr bin ich dann auch so weit, dass ich mich zum Marsch nach Trondheim aufmache. Vorher steht noch ein Besuch auf der Lofoten an, die neben uns am Kai liegt. Wer weiß, wie oft ich noch dazu komme, sie zu besuchen? In ein paar Jahren wird sie aus dem Liniendienst gehen, da Denkmalschutz und moderne Anforderungen bezüglich Sicherheit und Behindertengerechtigkeit nicht miteinander vereinbar sind. Ich nehme mir allerdings nur wenig Zeit und weiß auch nicht, ob Margit an Bord ist. Wer Interesse hat: Sie ist wohl der beste Ansprechpartner, wenn man mal auf einem alten Postschiff reisen will. Aber auf meiner nächsten Tour im März sehe ich sie wahrscheinlich.

Nedre Elvehavn

Das Wetter bessert sich langsam, und der Regen lässt nach. Der Weg nach Trondheim führt anfangs durch das moderne und wenig ansehnliche Industrie- und Hafenviertel, in dem auch die Hurtigrute anlegt. Ich nehme die umgekehrte Route und gehe nicht über den Bahnhof, sondern über das schmucke Viertel Nedre Elvehavn, das weihnachtlich geschmückt ist, und dann durch Bakklandet mit seinen kleinen, alten Holzhäuschen weiter zum Nidaros-Dom und der Gamle Bybroa (oder Bybro – da finden sich verschiedene Schreibweisen). Auch diesmal läuft mir wieder ein Gruppe Kinder mit gelben Warnwesten durch das Bild – eigentlich ein süßer Anblick.

Trondheim – Dom und Brücke

Dom und alte Brücke

Irgendwann muss ich mal zählen, wie oft ich die Gamle Bybro schon fotografiert habe. Gefühlt müsste ich die Million voll haben… Eigentlich hatte ich ja überlegt, einmal den Sonnenaufgang von der Festung aus anzuschauen, mit Blick auf Trondheim. Aber die Wolken verhindern den Blick auf den Sonnenaufgang. Also doch die Standard-Route. Noch kurz zur alten Brücke: Die heutige Brücke ist Baujahr 1861 und war einst eine Zugbrücke, seit Mitte des letzten Jahrhunderts ist sie eine reine Betonkonstruktion. Seit der Sanierung 2014 ist sie für den Autoverkehr gesperrt.

Nidaros-Dom und Bischofspalast

Am Dom vorbei besuche ich das Einkaufszentrum Trondheim Torg, meine Einkaufsliste abarbeiten. Ein paar Dinge finde ich, aber ich muss wohl nochmal wiederkommen… Der Marktplatz ist immer noch eine einzige Großbaustelle und lädt nicht zum Verweilen ein. Noch ein Blick auf den Wohnsitz des norwegischen Königs: Das große gelbe Holzhaus ist nicht zu übersehen, wenn man seine Bedeutung einmal kennt. Ob es Zufall ist, dass es direkt neben dem Burger King steht? Die Grandiosa-Fertigpizza ist ja eines der beliebtesten Gerichte in Norwegen, wer weiß, was bei Königs auf den Tisch kommt…

Der Königspalast und der Burger King

Etwa eine halbe Stunde dauert der Weg in die Stadt und zurück jeweils, mittlerweile reißt der Himmel auf, gleichzeitig kommen die ersten Schneeflocken – norwegisches Wetter par excellance.

Rechtzeitig zur Abfahrt bin ich wieder auf dem Schiff, und auf Deck 7 gibt es wieder einen Point of Interest: Wir passieren die Insel Munkholmen, und das Expeditionsteam gibt Infos dazu. Der Himmel zeigt sich gnädig und taucht Stadt und Insel in ein schönes Licht.

Lichtspiele

Anschließend führt die Route am dritten Reisetag weg von der drittgrößten Stadt Norwegens durch den drittgrößten Fjord Norwegens (den Trondheimfjord), der sich bald hinter Nebel und Regen versteckt. Eine gute Gelegenheit für das Mittagessen, auch wenn die Schildchen am Buffet schlimmes erahnen lassen – schmeckt aber trotzdem. Früher gab es ja noch einiges mehr an abstrusen, aber charmanten Schreibfehlern auf dem Schiff.

Da so weit im Süden viele andere Reedereien die Orte entlang der Küste versorgen können, fahren wir zügig gen Norden – erst nach 20 Uhr steht der nächste Hafen auf dem Plan. Die Miesmuschelverköstigung kurz nach 14 Uhr verpasse ich und warte lieber auf Deck 5 auf den roten Leuchtturm Kjeungskjæfyr, der auch pünktlich kurz nach 14:30 am Horizont auftaucht. In der Abenddämmerung bietet er einen schönen Anblick, ergänzt durch das Spiel von Licht und Wolken.

Kjeungskjæfyr

Nach Kjeungskjæfyr steht Arbeit an: Eine Stunde später als normal, um 16 Uhr, halten wir unseren ersten Vortrag: Hans erklärt das Polarlicht, und ich gebe Fototipps und ein paar Worte zu Polarlichtprognosen. Mein Fazit: Sicher ist nur, dass es morgen um 15:15 den nächsten Vortrag gibt. Ich habe ja noch keine Ahnung…

Da wir um diese Zeit schon auf etwas offenerer See sind, schaukelt es während des Vortrags immer wieder spürbar, aber wir könne ihn erfolgreich beenden, bis hin zur Fragerunde. Danach nutzen die ersten die Chance, um ihre Kamera auf Polarlicht umstellen zu lassen, und anschließend quatsche ich mich bei dem Thema im Panoramasalon fest. Irgendwann zeigt der Blick auf die Uhr, dass ich das Abendessen verpasst habe (mit einer halben Stunde Verspätung brauche ich auch nicht mehr aufzukreuzen), und der Gleichgewichtssinn zeigt, dass wir die Folda überqueren – mit ordentlich Bewegung im Schiff. Hui!

Über die Folda…

Irgendwann kommt die Meldung, dass jetzt die Fahrstühle abgeschaltet werden, noch später folgt die Info, dass man es mit Hinlegen probieren sollte, wenn man zur Seekrankheit neigt, und dass es auf Deck 4 am wenigsten schwankt…

Auch wenn mich die Kollegen vermissen: Ich bleibe auf Deck 7 vorne (wo die Bewegung am größten ist) und arbeite noch ein wenig am nächsten Vortrag.

Rørvik erreichen wir mit ein wenig Verspätung, und das südgehende Schiff fehlt: Die Richard With ist noch in der Werft und wird umgebaut. Also kein Grund, hier auszusteigen. Draußen ist eh stockfinster, und der Blick in den Himmel zeigt abwechselnd Wolkenlücken, Schnee und Hagel. Wechselhaftes Wetter also, aber bei dem Seegang würde ich auch niemanden zum Polarlichtschauen raus auf Deck schicken.

Somit bleibt es ein ereignisloser Abend, nur dass wir Lektoren gegen Abend vom Schiff ausgerufen werden: Der Konferenzraum ist verlegt, und mein Vortrag am morgigen Dienstag findet eine Stunde später statt. Soviel zur Güte meiner Prognosen…

Hurtigrute Tag 4: Bodø und Svolvær

Heute ist der letzte Tag vor der Polarnacht, dementsprechend kurz sind die Tage. Bei bedecktem Himmel bleibt auch nicht viel von der ewig langen blauen Stunde übrig, durch die man die Reise im Winter trotz der fehlenden Sonne genießen kann.

Treffen mit der Nordnorge

Der erste Programmpunkt ist das Treffen mit der Nordnorge um 20 vor neun. Es kommt wie immer etwas überraschend: Da das Tagesprogramm nur auf Nachfrage in Papierform erhältlich ist und sonst lediglich auf den Monitoren steht, habe ich keinen Überblick mehr darüber, was wann passiert. Der Überblick über die Schiffsbegegnungen fehlt im Programm ohnehin, aber dafür wird Papier gespart.

Da ich meine letzte Tour auf der Nordnorge hatte, muss ich natürlich raus zum Winken, auch wenn es noch dunkel ist.

Bis wir Ørnes erreichen, dämmert es langsam, und man kann die Landschaft genießen. Im Osten stehen die schmale Mondsichel und die Venus als Morgenstern hübsch am Himmel. Zusammen mit der Reiseleitersprechstunde ist der Morgen dann auch gefüllt.

Ørnes ist einer der landschaftlich schönsten Häfen, auch wenn noch nicht viel Schnee auf den Bergen liegt. Zur Abfahrt steht eine arktische Zeremonie auf dem Programm: Die Überquerung des Polarkreises mitten in der Nacht hatte ich mir geschenkt, aber die Polarkreistaufe schaue ich mir natürlich an – oder zumindest den Auftritt von Njørd, der in diesen Breitengraden sei einiger Zeit Neptun ersetzt hat. In dem Gedränge auf Deck 7 ist dann eh nicht viel mit schönen Fotos, selbst wenn man die DSGVO ignoriert. Stattdessen geht’s zur etwas nach hinten verschobenen Reiseleitersprechstunde.

Irgendwann ertönt Musik: Das Postoffice hat offen, es gibt Stempel zur Polarkreisüberquerung. Dann noch kurz das Mittagessen einschieben und dann steht auch schon Bodø an. Um dem Ansturm am Buffet zu entgehen, essen wir erst nach dem Anlegen in aller Ruhe.

Bodø

Bodø ist eine moderne Stadt, bei der man die interessanten Ecken erst einmal entdecken muss. Das Museum, das Lachsmusem, das Cafe auf dem Scandic mit der schönen Aussicht, das Haus mit dem Polarlicht-Wandgemälde, die Gamle Salten und vieles andere kenne ich ja bereits, und da das Wetter zwar windstill, aber auch frisch und rutschig ist, mache ich nur einen kurzen Abstecher in die Stadt.

Mit der Weihnachtsbeleuchtung sieht Bodø ganz schmuck aus, und diesmal herrscht auch vorweihnachtliche Ruhe – der Lärm der startenden Düsenjäger vom NATO-Maneuver letzten Monat ist endlich verklungen.

Das Fotohuset Johnson in Bodø

Mein einziges wichtiges Ziel heute ist dienstlich: Ich brauche noch ein Bild vom Fotohuset Johnson, dem letzten Fotoladen vor dem Nordlicht (in Tromsø habe ich noch keinen in Hafennähe gefunden). Der Laden ist gegenüber des Rathauses und war schon für einige die letzte Rettung, wenn Ausrüstung für das Polarlicht gefehlt hat.

Zurück auf dem Schiff war für 15:15 eigentlich mein Vortrag über den Sternenhimmel geplant, aber nichts ist sicher: Wegen einer Veranstaltung des Schiffs verschiebt er sich auf 16:00. Und ich sagte gestern nach der Polarlichtprognose noch großspurig, sicher wäre nur, dass mein Vortrag heute um 15:15 wäre. Da die Sonne längst untergegangen ist, sehen wir aber auch mit dem späteren Termin nichts vom Landegode-Leuchtturm. Und morgen sind wir in der Polarnacht, da geht die Sonne gar nicht mehr auf. Also steht einem Ausflug in die Sterne und die griechischen Sagen nichts im Wege – außer vielleicht der Seegang im Westfjord?.

Weihnachtliches Svolvær

Zum Glück ist die Überfahrt über den Westfjord ruhig, auch wenn von der Lofotenwand natürlich nichts zu sehen ist – zu dunkel. Trotz ruhiger See erreichen wir Stamsund mit Verspätung. Die Zeit fehlt den Teilnehmern des Wikingerfests natürlich, die in Svolvær gerade noch rechtzeitig wieder an Bord kommen.

Ich hatte ja gehofft, dass wir auf der Fahrt nach oder in Svolvær Polarlicht sehen würden, aber stattdessen gab es nur einen schönen Sternenhimmel. Tja… also weiterhin hoffen, Satellitendaten anschauen und kurz durch Svolvær wandern, ein wenig die Beine vertreten. Das Abendessen heute war vegetarische: Pilz-Hafer-Buletten, die dank ausreichendem Gewürzeinsatz gar nicht mal schlecht geschmeckt haben.

Mein Nordlicht-Aufbau

Zurück an Bord heißt es dann ein paar Gespräche an Deck und Hoffnung darauf machen, dass das Polarlicht vielleicht in einer halben Stunde mitspielt. Und kaum bin ich in der Kabine, kommt die Durchsage „Vi har nordlys – wir haben Nordlicht“. Ich sag doch, wenn es klaren Himmel hat, gibt’s wahrscheinlich auch Nordlicht. Von kurz nach Svolvær bis zum Trollfjord haben wir eine Wolkenlücke, also schnalle ich meine Kamera an die Reling und lasse sie arbeiten.

Auf der Fahrt durch den Raftsund konnten wir eine nette Show erleben. Am Anfang gab es nur den großen, sehr blassgrünen Bogen des Nordlichtovals, zwischendurch immer wieder schöne Aktivität mit Bewegung und deutlicherem Grün.

Auch über dem Schiff gibt es immer wieder ein paar schöne Vorhänge aus Licht – eine nette kleine Korona. Es war noch nicht die ganz große Show, aber schon echtes Polarlicht, das begeistern kann (wenn man die Ausdauer hat, es komplett anzuschauen und nicht in die Kabine zurückging). Ich habe schon schlechtere Touren gehabt. Leider war es nicht möglich, die Weihnachtsbeleuchtung des Schiffs auszuschalten, sodass Deck 7 ziemlich unbrauchbar war. Zum Glück gibt es das Umlaufdeck 5.

Bis zum Trollfjord war das Nordlicht schön zu sehen, dann verschwand es hinter Wolken, und Schneefall setzte ein. Trotzdem: Nicht nur für den Einstieg eine schöne Show. Hoffen wir, dass es die nächsten Tage über noch mehr zu sehen gibt.

Hier wäre noch der Zeitraffer:

Übrigens: Da auf dem Schiff keine USB-Sticks von Gästen mehr angenommen werden, kann ich ihn auch nicht dem Expeditions geben. Den Film gibt’s also nur für unsere eigenen Gäste und im Internet, aber nicht auf der Nordkapp. Man sollte eigentlich meinen, dass Hurtigruten sich einen Virenscanner leiten könnte…

Hurtigrute Tag 5: Tromsø

Schön – gestern war ordentliches Nordlicht, damit ist für alle der Erfolgsdruck weg, und wir können die Reise genießen. Da es morgens noch dunkel ist, verzichte ich auf Harstad und habe daher auch keine Ahnung, warum das Schiff mehrmals hupte. Die südgehende Hurtigrute wurde jedenfalls nicht begrüßt, oder zumindest hat sie nicht geantwortet. Waren die Teilnehmer vom Hike durch Harstad verloren gegangen?

Finnsnes

Als ich es aus dem Bett schaffe (war spät gestern), mache ich erst mal den Zeitrafferfilm von gestern fertig und gehe frühstücken. Der Blick aus dem Fenster zeigt nicht viel: Es schneit. Als wir Finnsnes erreichen, ist im dichten Schneetreiben nicht viel von dem Örtchen zu erkennen. Hoffen wir einmal, dass der Schnee allmählich liegen bleibt: Die Schlittenhundetouren in Tromsø und Kirkenes sowie die Schneemobiltour entlang der Barentssee wurden bereits abgesagt.

Dafür gibt es heute viele glückliche Gesichter: Das gestrige Polarlicht wirkt:-)

Trübe Polarnacht vor Tromsø

Diesen Vormittag haben wir nicht für einen Vortrag gekriegt, stattdessen gibt es vom Schiff Infos über Rentierzucht – einmal auf Deutsch, einmal auf Englisch, und dann gibt es schon wieder Mittagessen. Bei der Anfahrt auf Tromsø macht das Schiff einen Point of Interest zum Rystraumen (dem Gezeitenstrom vor Tromsø) und präsentiert Krabben. Im leichten Schneetreiben ist zumindest der Rystraumen nur schwach besucht, und ich habe auch keine Lust, mir die Anfahrt auf Tromsø vorne am Bug anzuschauen. Also noch etwas Verwaltungskram erledigen.

In Tromsø erwartet uns ungemütliches Wetter: Es ist noch nicht kalt genug für Schnee, also steht ein kleiner Stadtrundgang durch den Schneematsch an während schwerer, nasser Schnee herabregnet. Für mich ist das kein Problem: Ich bin über Silvester wieder hier (ich brauche auch mal Urlaub), also wird ein bisschen Weihnachtsschmuck gekauft, und dann ab auf’s Schiff – Bilder sortieren und Blog vorschreiben. Jetzt sind endlich mal Plätze im Panoramasalon frei.

Das Abendessen gibt es bereits um 18 Uhr, also noch bevor wir ablegen. Bei mittlerweile dichtem Schneefall lohnt es sich auch nicht, an Deck Polarlichtwache zu halten. Die Wolkenprognose bis Skjervøy ist 50/50.

Gabelstapler mit großer Ladung

Aber was sind schon Prognosen? Es gibt immer wieder Wolkenlücken und Sterne, aber der Himmel enthält nur Spuren von Polarlicht, garniert mit Schneeflocken. Sogar in Skjervøy gibt es nichts zu sehen außer dem Ort selbst. Schauen wir hier also dem Gabelstaplerballet zu (angeblich das meistfotografierte Motiv auf der Hurtigrute), mit dem einzelne Päckchen verladen werden, während zur Abwechslung nichts von der Skyline des Örtchens ablenkt.

A propos Abwechslung: Obwohl die Strecke eigentlich windgeschützt ist, ist doch gut Bewegung im Schiff.

Skjervøy

Als wir den Ort verlassen und Kurs über das offene Meer Richtung Øksfjord nehmen, schaukelt es sanft, aber deutlich. Ein letzter Rundgang um halb Zwölf zeigt noch ein paar helle Flecken, aber bis ich mit der Kamera vorne bin, hat es wieder zugezogen – wir steuern in eine Wolkenbank hinein, und die Gisch spritzt bis Deck 5 – hui! Aber bei dem Seegang hätte ich ohnehin keine Durchsage gemacht, einige sind froh, vom Bug wieder ins Schiff zu kommen. Für heute heißt es Feierabend.

Für die Barentssee morgen noch ist etwas mehr Seegang vorhergesagt, dafür soll es auch klarer werden.

Es bleibt spannend.

Hurtigrute Tag 6: Kein Nordkapp

Havøysund

Havøysund ist einer dieser vernachlässigten Häfen, die immer nur mehr oder weniger zur Frühstückszeit besucht werden und daher bei mir unter „ferner liefen“ laufen. Auch auf dieser Tour gelingt mir nur ein Abschiedsfoto, die Schiffsbegegnung kurz vorher habe ich komplett verpasst. Dafür klappt das Frühstück, und wir segeln bei bestem Wetter durch den Magerøya-Sund.

Was kann da schon schief gehen?

Das Nordkap… während wir die Polarnacht von ihrer schönsten Seite genießen (klarer Himmel und blaue Stunde), kommt die Durchsage, dass die Touren zu Nordkap und Fischerdörfern wegen starkem Wind abgesagt sind. Kaum zu glauben, so ruhig wie es in dem (windgeschützten) Sund ist. Damit ist nach Huskys und Snowmobile noch ein weiterer beliebter Ausflug abgesagt. Die Stimmung ist dementsprechend.

Kari, Bruno und wir tun natürlich unser bestes, um Alternativen in dem Örtchen Honningsvåg aufzuzeigen. Immerhin haben wir 3,5 Stunden Zeit, die nicht nur mit dem Mittagessen (von 10:30-13 Uhr) und der Rettungsübung des Schiffs gefüllt werden können. Aber ein bisschen was kann man hier durchaus unternehmen, zum Glück ist das Wetter ja schön: Kalt, aber klar und hell. Mit dem Schneematschregen von Tromsø wäre das noch unangenehmer.

Am Hafen warten einige weitere Anbieter von Touren zum Nordkapp, die trotz der Sturmwarnung fahren – im Kleinbus/Sprinter, für weniger Geld und mit dem Versprechen, einen im Zweifelsfall nach Kirkenes zu fahren, sollte man das Schiff verpassen. Das hinterlässt erst einmal einen zwiespältigen Eindruck, aber die Kleinbusse sind weniger windanfällig als die großen Reisebusse. Und tatsächlich steht später in der Zeitung, dass heute ein Bus aus Litauen mit 33 Passagieren von der Straße abgekommen und umgekippt ist (Bilder sind im verlinkten Artikel). Dann doch lieber ein „cancellierter“ Ausflug als so ein Abenteuer.

Honningsvåg von oben

Unser eigenes Alternativprogramm lautet „Honningsvåg von oben“. Wir gehen gleich nach dem Ablegen hoch zum Aussichtspunkt mit der Büste des Regisseurs der Doku „Der Männerchor von Berlevåg“. Noch liegt wenig Schnee, sodass der Weg mit Spikes gut machbar ist, aber auch genug, dass Honningsvåg schön aussieht. Oben ist es gut zugig, und wir können die Windwarnung ein wenig nachvollziehen. Den Film zeigt das Schiff übrigens am Abend – ein sehr deprimierender Film, dem irgendwie auch der rote Faden fehlt.

Honningsvåg

Nach einem kleinen Abstecher zur Kirche sind wir rechtzeitig wieder am Schiff, um das Mittagessen noch mitnehmen zu können. Gegenüber der letzten Tour auf der Nordnorge ist das Essen besser – es hängt doch immer viel vom Koch ab. Draußen setzt langsam schon die Dämmerung ein, aber mir bleibt genug Zeit, um noch einmal auf die andere Hafenseite zu wandern und unser Schiffchen von allen Seiten zu knipsen.

Die Nordkapp in Honningsvåg

Pünktlich um 14:45 legen wir ab, und Hans kann seinen Vortrag über das Leben der Sterne bei überraschend ruhiger See halten. Zum Abschluss die Polarlichtprognose: Gut, aber das Abendessen kann wohl jeder noch in Ruhe zu sich nehmen.

Vor dem Essen steht Kjøllefjord auf dem Programm: Die Felsformation der Finnkirche wird ja nicht angeleuchtet und ist daher auch kein Programmpunkt mehr, auch der Krabbenfischer legt nicht mehr an – seine Firma ist bankrott. Polarlicht gibt es hier auch keins, und zur Schneemobiltour steigt mangels ausreichend Schnee auch niemand aus. Damit ist der Halt für uns reichlich überflüssig, und wir können uns dem Abendessen widmen. Es gibt Buffet, was gut ist: Das geht schneller als serviertes Essen, und es droht ja ein Nordlicht.

Nordkap-Buffet

Ich stehe in der ersten Reihe, um noch ein paar Fotos vom Buffet zu machen, bevor es geplündert wird. Bis ich mir dann selber einen Teller holen kann, sieht es im „Torget“ schon ganz anders aus…

Wir halten uns beim Essen ran und sind beim Nachtisch, als die Nordlicht-Meldung über die Lautsprecher kommt. Gutes Timing – also nichts wie raus. Kurz vor 19 Uhr habe ich das erste Bild im Kasten, rund 4000 Bilder werden es im Lauf des abends – Zeitrafferaufnahmen füllen die Speicherkarten doch recht flott. Wen es interessiert: Ich habe zweimal 128 Gig in meiner Kamera.

Die ganzen Bilder zu sichten dauert seine Zeit; der Zeitrafferfilm wird erst am nächsten Tag während Hans‘ letzten Vortrag fertig. Aber es lohnt sich: Wir bekommen die Show, auf die wir gewartet haben, und jetzt glauben uns auch alle, dass Nordlicht bunt ist und sich bewegt. Bis Mehamn ist es noch recht ruhig, im Hafen kommt dann Bewegung rein, und auf der Fahrt nach Berlevåg macht es richtig Spaß, bevor es langsam diesig wird. Wie viel Bewegung im Schiff war, registriere ich eigentlich erst im abschließenden Zeitraffer richtig – aber für die Barentssee war es doch fast ruhige See. Gegen 1 Uhr bin ich dann so weit, das alle Bilder auf meinem Rechner sind und die Bearbeitung startet. In Lightroom muss ich zum Glück nur ein Bild bearbeiten, der Rest wird dann automatisch für den Film exportiert. Während mein Laptop fleißig arbeitet, mache ich dann auch endlich Feierabend.

Hier schon mal ein Teil der Ausbeute:

Hurtigrute Tag 7: Kirkenes und noch mehr Polarlicht

Kirkenes bei -10°, und aus der Dusche kommt nur kaltes Wasser – gut, dass wir hier anlegen und die Vorräte auffüllen können. Jedenfalls gibt es später am Tag wieder Warmwasser. Zum Glück herrscht draußen eine trockene Kälte, und ich entscheide mich doch, am Samstag einen kleinen Gang durch die Grenzstadt zu machen.

Viel hat Kirkenes ja nicht zu bieten, aber immerhin sind die Häuser seit der letzten Inbetriebnahme der mittlerweile wieder stillgelegten Eisenerzmine weitestgehend renoviert. Nur warum so viele Häuser schwarz gestrichen sind, wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben.

Willkommen in Kirkenes

Vom Schiff in die Stadt ist es ein kleiner Fußmarsch, aber mit Spikes kein Problem. Mein Weg führt mich diesmal etwas abseits der normalen Route: Vom Russendenkmal (an der der Ausflugsbus zur russischen Grenze gerade hält, hier ist auch der alte Bunker der Andersgrotta) direkt zum Amfi, dann an der Kirche vorbei zu dem Aussichtspunkt jenseits von Schule und Schwimmbad.

Aussichtspunkt ist ja fast schon etwas übertrieben, aber man hat trotzdem einen netten Überblick über Kirkenes. Man muss nur wissen, dass diese Kurve der Straße wirklich der Aussichtspunkt ist, und dass der gut versteckte Fußweg zwischen den Häusern hindurch wirklich öffentlich zugänglich ist. Von oben sieht man sowohl das Schiff und die Hafenanlage als auch das Städtchen.

Ganz hübsch, gerade mit Schnee, aber wohnen wollte ich hier trotzdem nicht… Einen charmanten Anblick bieten übrigens die Fahrradständer, an denen nun vor allem die Laufschlitten angebunden sind. Nett.

Kirkenes verlassen wir pünktlich um 12:30, jetzt steht uns eine ruhige Überfahrt nach Vardø bevor. Draußen herrscht stockfinstere Nacht (Wir sind weit im Osten, sodass die hellen Tagesstunden früh am morgen sind), und um 14 Uhr lockert Hans mit seinem Vortrag über die Suche nach der zweiten Erde die Fahrt auf. Exoplaneten sind ja ein ganz heißes Thema in der Astronomie, und über 3600 Planeten rund um fremde Sterne sind mittlerweile bekannt. Als ich mit der Astronomie angefangen hatte, waren sie nur Spekulation.

Vardøhus mit Nordlicht

Vardø erreichen wir gegen 16:00. Auf dem Schiffsfahrplan stand schon 16:00 als Ankunftszeit, offiziell ist es immer noch 15:45 – was aber praktisch nie klappt. Diesmal sah es eigentlich ganz gut aus, aber das Anlegen verzögerte sich etwas, und erst gegen 16:00 konnten wir das Schiff verlassen. Eine größere Gruppe ging zum Eismeerbaden (mittlerweile hat die Badesaison begonnen, im November fiel es noch aus), andere zur nahem Festung Vardøhus. Ich wollte ja eigentlich mal wieder einen Versuch starten, um querfeldein zum Steilneset Hexendenkmal zu spurten, aber es wird doch zu knapp. Also nur zur kleinen Festung – und dann abbiegen: Gerade hatten wir uns noch über das Nordlicht unterhalten, da scheint es auch schon durch eine Wolkenlücke hindurch. Vielleicht 10 Minuten bleiben mir, um meine Kamera auf einen steinharten Schneehügel zu legen (wo ist das Stativ, wenn man es braucht) und ein paar Fotos zu schießen, bevor die Wolken wieder zuziehen. Vardøhus mit Nordlicht hatte ich auch noch nicht.

Prognose: Unsicher

Und der Rest vom Abend? Die Wetterprognose ist gelinde gesagt unsicher, aber Yr hat recht: Bald reißen die Wolken auf, und der Abend ist gelaufen. Es gibt Nordlicht satt. Zunächst ist es zwar stark und deutlicher grün als am ersten Abend, aber ohne viel Bewegung, später gibt es auch eine wirklich schöne Show.

Das einzige Problem ist natürlich, dass für uns Lektoren somit das Abendessen ausfällt – Job ist Job. Aber der macht durchaus Spaß, auch wenn sogar ich nach drei Stunden gut durchgefroren bin. Fast bis Berlevåg lohnt es sich an Deck zu sein, sogar in Båtsfjord kann es sich gegen die Lichter des Ortes durchsetzen. Danach wird es ruhiger am Himmel. Es gibt zwar immer noch Polarlicht, aber die Aktivität lässt nach, und man ist mittlerweile ja doch ein wenig verwöhnt.

Das Ergebnis sind rund 3500 Bilder, die ein schönes Filmchen (Twitter-Link) ergeben haben. Hier noch ein paar Impressionen:

Ruhe bitte

Am Heck vom Schiff war es auch halbwegs windgeschützt, wobei das ständige Tür-auf-Tür-zu wohl den ein oder anderen wohl nervte. Es sind wohl doch nicht nur Nordlicht-Freunde hier…

Übrigens, ein wenig Statistik: Nordgehend waren rund 310 Passagiere an Bord, damit war die Nordkapp ausgebucht (Nicht jedes Bett ist belegt, ich schlafe z.B. in einer Dreibett-Kabine). Wie immer sind in Kirkenes mehr aus- als zugestiegen, sodass wir jetzt etwas über 200 Distanzreisende an Bord haben. Für eine Wintertour ist das immer noch sehr viel – ich kann mich an Reisen erinnern, wo praktisch nur unsere Gruppe an Bord war.

Schiffsbegegnung mit der Finnmarken

Aber der Norden boomt, und dem Beweis begegneten wir bei Berlevåg: Der Finnmarken, von der aus uns die nächste Nordlicht-und-Sterne-Gruppe zuwinkt. Zumindest sind am Bug zwei Taschenlampen zu sehen – früher hat die Finnmarken sich bei Vinkekonkurransen mehr ins Zeug gelegt.

Nach Berlevåg ließ das Nordlicht dann nach, und ich nutze die Gelegenheit, um meinen Rechner schon mal die Bilder bearbeiten zu lassen. Das Ergebnis der Nacht gibt’s auf Twitter.

Hurtigrute Tag 8: Südwärts bis Tromsø

Hammerfest

Die Hälfte der Reise haben wir hinter uns, und um 1 Uhr morgens haben wir mit Mehamn den nördlichsten Hafen hinter uns gelassen. Jetzt sind wir wirklich die südgehende Hurtigrute.

Nach dem Frühstück bin ich wieder mit Kari bei der Reiseleitersprechstunde und verpasse die Flüssiggasanlage auf Melkøya, bzw. sehe sie nur durch das Fenster. Damit entgeht mir auch der kostenlose Energiekaffee auf Deck 7, aber der trifft meinen Geschmack ohnehin nicht (ich vermute immer noch eine 50/50-Mischung aus Schweröl und Zucker, mit einer Prise Chili).

Hammerfest hat jetzt mehr Eis als Schnee zu bieten. Trotz Spikes schenke ich mir diesmal den Aufstieg auf den Zickzack-Weg (mit dem Eis vom letzten Mal war es schon spannend genug) und mache nur einen kurzen Trip durch Hammerfest. Immerhin für das traditionelle Bild auf dem Bänkle vor dem Musikpavillon langt es, das ich bislang auf jeder Tour gemacht habe. Der Rathausplatz ist bunt beleuchtet, und auf dem Weg in den Ort kam uns auch der Weihnachtsmann entgegen – ich habe aber keine Lust, für ein Foto mit ihm zu bezahlen.

Also heute nur ein kleiner Spaziergang durch Hammerfest samt einem Besuch im Eisbärenclub (für die Ausstellung bleibt sonst ja immer nur zu wenig Zeit), und dann wieder ab an Bord. Über die anschließende Fahrt nach Øksfjord gibt es wenig zu erzählen: Da es hier kein gedrucktes Tagesprogramm mehr gibt, bekomme ich von den Veranstaltungen des Schiffs nichts mit und verbringe den Nachmittag damit, Bilder zu sortieren und meinen Vortrag vorzubereiten.

Øksfjord mit Schnee

In Øksfjord kurz vor 16 Uhr schneit es, von der eindrucksvollen Landschaft ist nur wenig zu sehen. Da verpasst niemand etwas von Norwegen, der meinen Vortrag über Sternbilder und ihre Mythen anhört. Was mir etwas Sorgen macht ist ein leichtes Kratzen im Hals…

Aber ich habe gutes Timing und kann meinen Vortrag halten. Beim Abendessen eine Stunde später verfluche ich innerlich das Konzept, dass keine Wasserkaraffen auf den Tischen stehen, weil man die Reise genießen und bedient werden soll – ich habe Durst. Dafür gibt es ein leckeres Stück Fleisch (ich habe auf der Hurtigrute schon schlechter gegessen als dieses Mal auf der Nordkapp), und wir machen Pläne für den Abend. Mal wieder ein Kneipenbummel um Mitternacht in Tromsø? Das „Paris des Nordens“ erreichen wir kurz vor Mitternacht, und die Zeit bis dahin wird mit einer Modenschau um 22 Uhr überbrückt.

Ich bekomme davon allerdings nichts mit – gestern Abend war wohl doch kalt, mit einer drohenden Erkältung lege ich mich nach dem Abendessen kurz hin und bekomme zwar mit, dass kurz vor Tromsø Polarlicht durchgesagt wurde, aber ich ignoriere es und schlafe weiter. Die letzten Nächte fordern ihren Tribut…

Hurtigrute Tag 9: Vesterålen und Lofoten

Durch die Vesterålen

Was zwölf Stunden im Bett ausmachen: Gestern war ich noch total groggy und sicher, den Rest der Tour mit einer Erkältung verbringen zu dürfen, jetzt habe ich nur noch Kreuzweh, bin aber wieder weitestgehend fit und sogar rechtzeitig für ein spätes Frühstück wieder auf den Beinen. Und viel Polarlicht habe ich in Tromsø auch nicht verpasst, die Prognosen waren dann doch schöner als das, was durch die Wolken kam.

Von Harstad habe ich zwar nichts mitgekriegt, aber ich gönne mir einen Blick auf die Risøyrinne, die zu Risøyhamn führt. Sie wurde auf Wunsch des Hurtigrutengründers Richard With ausgegraben und ist nur wenig tiefer als die Schiffe. Diesmal bin ich früh genug an Deck um zu sehen, wie die blinkenden Markierungen auf den Ort zuführen – wenn man mitten drin steckt, fällt das weniger auf.

Die Risøyrinne

Während Risøyhamn bin ich in der Reiseleiter-Sprechstunde, auch wenn sie heute kaum in Anspruch genommen wird. Eigentlich kein Wunder: heute gibt es nicht viele Gelegenheiten, länger von Bord zu gehen – wir bleiben kaum mehr als eine Stunde in jedem Hafen. Aber Kari hat für morgen Trolle in Sandnessjøen organisiert. Echte Norweger, kein China-Import.

Um 12 Uhr versammeln wir uns dann wieder alle an Deck 5: Die Busse der Vesterålen-Tour überqueren die Brücke vor Sortland pünktlich zu dem Zeitpunkt, wenn wir darunter durch fahren. Also: Kräftig winken. Nur Norwegerfahnen werden diesmal nicht verteilt, aber die Vielfahrer sind mit Handtüchern ausgestattet. Immer wieder ein netter Spaß. Und dann: Mittagessen, bevor die Busreisenden an Bord und im Restaurant sind:-) In Sortland für die halbe Stunde von Bord zu gehen lohnt sich eh nicht.

Stokmarknes um 14:15 erreichen wir in der Abenddämmerung – es macht sich bemerkbar, dass wir weiter im Süden und Westen sind. Ab Morgen gibt es sogar wieder Sonne, dann überqueren wir den Polarkreis. Im Hurtigrutenterminal erlebe ich eine kleine Enttäuschung: Dort hängen zahlreiche alte Fotografien aus der Geschichte der Hurtigrute, mit Beschriftungen auf Englisch und Norwegisch sowie der Bitte, ob man nicht eine Übersetzung in der eigenen Sprache liefern möchte (zum Teil sogar auf Deutsch). Tja… letztes Jahr hatte ich deutsche Texte geschickt und nichts gehört, und nach der Novembertour noch mal, dann mit Lesebestätigung. Angekommen ist die Mail also, nur geändert hat sich nichts. Schade eigentlich.

Am Trollfjord

Im Dämmerlicht vertrete ich mir nur kurz die Füße an Land. Was mir neu ist: Es gibt nun auch einen direkten Zugang zur alten Finnmarken, wenn man in das linke Gebäude geht. Ich kannte das nur so, dass man durch das eigentliche Hurtigruten-Museum auf der anderen Straßenseite gehen muss. Nach Stokmarknes widme ich mich wieder meinem Laptop. Von der Fahrt durch den Raftsund ist nicht viel zu sehen, und den Trollfjord verpasse ich auch beinahe.

Im Anker

Und dann: Schon wieder essen, diesmal Buffet. Damit diejenigen, die in Svolvær einen Ausflug machen, nicht hungern müssen, gibt es Buffet und freie Platzwahl. Wir nutzen den zweistündigen Aufenthalt für einen Ausflug in den Anker, die urige Kneipe beim Scandic-Hotel. Svolvær hat seit dem letzten Besuch einiges an Eis dazugewonnen, eine rutschige Angelegenheit…

Trotzdem schaffen wir es rechtzeitig wieder auf das Schiff, und während der Fahrt nach Stamsund reißen die Wolken auf: Ein relativ schwacher, aber deutlicher Bogen aus Polarlicht ist im Norden zu sehen, bis er von den Lichtern Stamsunds überstrahlt wird.

Im Hafen sind die Verladearbeiten von Baumstämmen von einem LKW auf das benachbarte Schiff interessanter, und einige Zeit nach dem Ablegen ist das Polarlicht wieder schwach sichtbar, bis es gegen Mitternacht als Ambiente-Beleuchtung hinter den Wolken verschwindet – bei gleichzeitig verblassendem Polarlichtoval ein guter Zeitpunkt, um ins Bett zu gehen. Manche munkeln für die Überfahrt über den Westfjord von sieben Meter hohen Wellen, meine Prognose liegt bei angenehmen 1,5 Metern. Mal sehen, was die Nacht bringt.