Hurtigrute Tag 6: Kein Nordkapp

Havøysund

Havøysund ist einer dieser vernachlässigten Häfen, die immer nur mehr oder weniger zur Frühstückszeit besucht werden und daher bei mir unter „ferner liefen“ laufen. Auch auf dieser Tour gelingt mir nur ein Abschiedsfoto, die Schiffsbegegnung kurz vorher habe ich komplett verpasst. Dafür klappt das Frühstück, und wir segeln bei bestem Wetter durch den Magerøya-Sund.

Was kann da schon schief gehen?

Das Nordkap… während wir die Polarnacht von ihrer schönsten Seite genießen (klarer Himmel und blaue Stunde), kommt die Durchsage, dass die Touren zu Nordkap und Fischerdörfern wegen starkem Wind abgesagt sind. Kaum zu glauben, so ruhig wie es in dem (windgeschützten) Sund ist. Damit ist nach Huskys und Snowmobile noch ein weiterer beliebter Ausflug abgesagt. Die Stimmung ist dementsprechend.

Kari, Bruno und wir tun natürlich unser bestes, um Alternativen in dem Örtchen Honningsvåg aufzuzeigen. Immerhin haben wir 3,5 Stunden Zeit, die nicht nur mit dem Mittagessen (von 10:30-13 Uhr) und der Rettungsübung des Schiffs gefüllt werden können. Aber ein bisschen was kann man hier durchaus unternehmen, zum Glück ist das Wetter ja schön: Kalt, aber klar und hell. Mit dem Schneematschregen von Tromsø wäre das noch unangenehmer.

Am Hafen warten einige weitere Anbieter von Touren zum Nordkapp, die trotz der Sturmwarnung fahren – im Kleinbus/Sprinter, für weniger Geld und mit dem Versprechen, einen im Zweifelsfall nach Kirkenes zu fahren, sollte man das Schiff verpassen. Das hinterlässt erst einmal einen zwiespältigen Eindruck, aber die Kleinbusse sind weniger windanfällig als die großen Reisebusse. Und tatsächlich steht später in der Zeitung, dass heute ein Bus aus Litauen mit 33 Passagieren von der Straße abgekommen und umgekippt ist (Bilder sind im verlinkten Artikel). Dann doch lieber ein „cancellierter“ Ausflug als so ein Abenteuer.

Honningsvåg von oben

Unser eigenes Alternativprogramm lautet „Honningsvåg von oben“. Wir gehen gleich nach dem Ablegen hoch zum Aussichtspunkt mit der Büste des Regisseurs der Doku „Der Männerchor von Berlevåg“. Noch liegt wenig Schnee, sodass der Weg mit Spikes gut machbar ist, aber auch genug, dass Honningsvåg schön aussieht. Oben ist es gut zugig, und wir können die Windwarnung ein wenig nachvollziehen. Den Film zeigt das Schiff übrigens am Abend – ein sehr deprimierender Film, dem irgendwie auch der rote Faden fehlt.

Honningsvåg

Nach einem kleinen Abstecher zur Kirche sind wir rechtzeitig wieder am Schiff, um das Mittagessen noch mitnehmen zu können. Gegenüber der letzten Tour auf der Nordnorge ist das Essen besser – es hängt doch immer viel vom Koch ab. Draußen setzt langsam schon die Dämmerung ein, aber mir bleibt genug Zeit, um noch einmal auf die andere Hafenseite zu wandern und unser Schiffchen von allen Seiten zu knipsen.

Die Nordkapp in Honningsvåg

Pünktlich um 14:45 legen wir ab, und Hans kann seinen Vortrag über das Leben der Sterne bei überraschend ruhiger See halten. Zum Abschluss die Polarlichtprognose: Gut, aber das Abendessen kann wohl jeder noch in Ruhe zu sich nehmen.

Vor dem Essen steht Kjøllefjord auf dem Programm: Die Felsformation der Finnkirche wird ja nicht angeleuchtet und ist daher auch kein Programmpunkt mehr, auch der Krabbenfischer legt nicht mehr an – seine Firma ist bankrott. Polarlicht gibt es hier auch keins, und zur Schneemobiltour steigt mangels ausreichend Schnee auch niemand aus. Damit ist der Halt für uns reichlich überflüssig, und wir können uns dem Abendessen widmen. Es gibt Buffet, was gut ist: Das geht schneller als serviertes Essen, und es droht ja ein Nordlicht.

Nordkap-Buffet

Ich stehe in der ersten Reihe, um noch ein paar Fotos vom Buffet zu machen, bevor es geplündert wird. Bis ich mir dann selber einen Teller holen kann, sieht es im „Torget“ schon ganz anders aus…

Wir halten uns beim Essen ran und sind beim Nachtisch, als die Nordlicht-Meldung über die Lautsprecher kommt. Gutes Timing – also nichts wie raus. Kurz vor 19 Uhr habe ich das erste Bild im Kasten, rund 4000 Bilder werden es im Lauf des abends – Zeitrafferaufnahmen füllen die Speicherkarten doch recht flott. Wen es interessiert: Ich habe zweimal 128 Gig in meiner Kamera.

Die ganzen Bilder zu sichten dauert seine Zeit; der Zeitrafferfilm wird erst am nächsten Tag während Hans‘ letzten Vortrag fertig. Aber es lohnt sich: Wir bekommen die Show, auf die wir gewartet haben, und jetzt glauben uns auch alle, dass Nordlicht bunt ist und sich bewegt. Bis Mehamn ist es noch recht ruhig, im Hafen kommt dann Bewegung rein, und auf der Fahrt nach Berlevåg macht es richtig Spaß, bevor es langsam diesig wird. Wie viel Bewegung im Schiff war, registriere ich eigentlich erst im abschließenden Zeitraffer richtig – aber für die Barentssee war es doch fast ruhige See. Gegen 1 Uhr bin ich dann so weit, das alle Bilder auf meinem Rechner sind und die Bearbeitung startet. In Lightroom muss ich zum Glück nur ein Bild bearbeiten, der Rest wird dann automatisch für den Film exportiert. Während mein Laptop fleißig arbeitet, mache ich dann auch endlich Feierabend.

Hier schon mal ein Teil der Ausbeute:

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