Hurtigrute Tag 6: Honningsvåg

Diese Reise ist schlecht für meinen Tagesrhythmus: Der Wecker steht auf kurz nach acht, und ich wache bereits um halb acht auf. Obwohl es gestern wieder spät war, dem Nordlichtalarm um Mitternacht sei Dank. Damit bleibt mir genug Zeit, um nicht nur Havøysund zu sehen, sondern auch die südgehende MS Lofoten.

Sie ist das älteste Schiff, dass noch auf der Hurtigrute fährt. Nächstes Jahr, wenn der neue Staatsvertrag gilt und neben Hurtigruten AS auch Haviland die Kystruten (wie die Strecke jetzt heißt, weil die Namensrechte an der Hurtigrute mit der Reederei verkauft wurden) befährt, wird sie aus dem Liniendienst gehen. Die „alte Dame“, die seit 1964 im Dienst ist, erfüllt die neuen Bestimmungen bezüglich Behindertengerechtigkeit nicht, und dank Denkmalschutz darf sie auch nicht umgebaut werden. Wahrscheinlich wird sie dann ähnlich wie die Nordstjernen eigene Touren betreiben – ob entlang der Küste oder nach Spitzbergen, wird sich zeigen. So schön wie heute habe ich sie jedenfalls selten gesehen. Überhaupt sind das gute Wetter und die ruhige See fast unheimlich.

Havøysund als erster Hafen des Tages präsentiert sich schön in der Morgensonne, und zum ersten Mal wird mir bewusst, wie sehr die Kirche einer Stabkirche ähnelt. Nett. Wir erreichen den Hafen mit etwas Verzögerung, was sich über den gesamten Tag hindurchzieht. Havøysund fällt für mich daher mit dem Frühstück zusammen.

Wolkenspiele vor Honningsvåg

Den Point of Interest zur Magerøya-Straße schenke ich mir: Die Zeit verbringe ich teils auf Deck 5, teils in der Reiseleitersprechstunde und teils bei den Bordreiseleitern, meine Videos zur Verfügung stellen. Den Text des Point of Interests dürfte ich kennen: Der mautfinanzierte Tunnel zur Insel, den wir gerade überqueren, die Rentiere, die den Magerøyasund entweder schwimmend oder auf Fähren des Militärs überqueren, das Nordkapp auf der Insel Magerøya, das somit weder auf dem Festland liegt noch der nördlichste Punkt der Insel ist – alles interessant, aber ich muss es nicht jedesmal hören. Lieber das tun, was man auf dieser ereignisreichen Reise ohnehin viel zu selten macht: Einfach mal an Deck stehen und Norwegen genießen!

Kurz vor Honningsvåg taucht eine dunkle Wolkenwand auf und wir fahren durch einen Schneeschauer – schlechte Aussichten für das Nordkap? Nach fünf Minuten endet der Spuk zum Glück, und wir haben wieder bestes Wetter. Wer den Nordkap-Ausflug gebucht hat oder ihn mit einem der lokalen Anbieter, die am Kai stehen, auf eigene Faust macht, wird mit Sonnenschein und Windstille belohnt. Da ich den Ausflug selbst zahlen müsste, verzichte ich wieder (vielleicht auf der nächsten Tour, mal sehen) und erstürme mit Hans und Stefan den Aussichtspunkt über dem Ort.

Honningsvåg ist wunderbar verschneit, auch wenn das den Aufstieg etwas mühsam macht. Durch fast kniehohen Tiefschnee zu stapfen macht nur bedingt Spaß, lohnt sich aber: der Ausblick auf den Ort von hier oben ist immer wieder schön. Beim Rückweg sehen wir das Expeditionsteam beim Schneeschuhhike und hören, wie die Teilnehmer aufgefordert werden, es langsam angehen zu lassen – „without snowshoes, it would be impossible“. Unser Gelächter wird mit einem „It’s easier where you are“ kommentiert:-)

Naja, stapfen wir halt den leichten Weg zurück – um zwanzig vor eins sind wir wieder im Ort, etwas zu spät, um rechtzeitig zum Mittagessen wieder an Bord zu sein. Wegen der Sicherheitsübung gibt es heute nur bis 13 Uhr Essen, normalerweise langt es mir. Egal – ich habe noch einen Apfel und „Sjokoladeterapie“ auf der Kabine, also gönne ich mir noch den Umweg zur Fischereischule auf der anderen Hafenseite, um unser Schiffchen zu knipsen. Sind ja perfekte Bedingungen dafür…

Anschließend noch ein paar Bildchen vom Ort und zurück zum Schiff – trotz Bilderbuchwetter wird es langsam etwas frisch.

Ein kitschiger Sonnenuntergang

Honningsvåg verlassen wir mit einer leichten Verspätung, dann kommt Überfahrt nach Kjøllefjord. Die Barentssee zeigt sich als echter Ententeich, und gegen 17 Uhr kommt die Finnkirche in Sicht. Statt einem Point of Interest an Deck gibt es jetzt vom Expeditionsteam Norwegen Land & Leute mit dem Tagesrückblick. Wer schwänzt, kann nicht nur die Finnkirche sehen, sondern auch einen wunderbar kitschigen Sonnenuntergang.

Vor Kjøllefjord

Früher wurde die Felsformation beleuchtet und beschallt, heute wird der ehemalige samische Opferplatz ignoriert – ob aus Respekt oder wegen Streiterein darüber, wer den Betrieb der Lichtanlage bezahlt, ist unklar. Auch der Krabbenfischer, der in Kjøllefjord früher an Bord kam, ist Geschichte. Die Firma ist wohl bankrott, und mit dem Fischer kam kein neuer Vertrag zustande.

Daher sehen nur eine handvoll Leute die Felsformation, die bei Tageslicht wirklich an eine Kirche erinnert: Ein hoher Turm, an den das flache Kirchenschiff anschließt. Im Januar 2016 hatte ich sie mal beleuchtet und mit Mond erlebt – das war richtig mystisch, heute im Sonnenschein ist die schmale Mondsichel über ihr lediglich nett anzuschauen.

Kjøllefjord

Im hübsch verschneiten Kjøllefjord machen wir nur kurz Halt, bevor es bei schönstem Wetter weiter geht. Für uns heißt das Abendessenzeit, jetzt ist das Nordkap-Buffet auf dem Programm. Also feste Sitze, aber freie Essenswahl. Es mag sein, dass ich mich am Rentiergeschnetzelten leicht überfressen habe, aber ich hatte ja auch kein richtiges Mittagessen…

Anschließend heißt es abwarten. Bislang hatten wir ja bestes Wetter, Nordkap mit Sonne und ohne Wind ist sehr selten. Aber zumindest das Weltraumwetter könnte mal etwas unruhiger werden. Wir haben sternklaren Himmel, ruhige See und nur acht Grad unter null – aber bestenfalls ein Hauch von einer Ahnung von Polarlicht. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt – gegen Mitternacht gebe ich auf. Immerhin ist für morgen auch klarer Himmel angesagt. Wir werden sehen.

Einziger Lichtblick: Ich bin mit meinem Blog auf dem aktuellen Stand.

Tag 6: Honningsvåg und Finnkirka

Havøysund

Havøysund

Mittlerweile sind wir im hohen Norden angekommen, und in Havøysund begrüßt uns Schneetreiben. Schlechte Aussichten für das Nordkapp, aber hier oben kann das Wetter ja in wenigen Minuten wechseln. Eigentlich ist es ja eine Schande, hier nicht an Deck zu sein, aber ich werfe trotzdem mal einen Blick in die englische Präsentation „Hurtigruten in Antarctica, Greenland, Spitsbergen & Norway“, die Mette wohl vor ein paar Tagen schon einmal gehalten hat, für die neu dazugekommenen Gäste der Kong Harald aber noch einmal wiederholt. Mit aufwändigen Werbefilmchen und professionellen Bildern sollen Geschmack darauf gemacht werden, gleich die nächste Reise zu buchen, und besonderen Wert legt sie auf die Explorer-Reisen, die unter dem Motto „Respect where you go – take nothing but pictures“ stehen. Als ich dann respektvoll ohne Blitz ein paar Fotos mache, kommt gleich der Anpfiff, doch bitte keine Fotos oder Filme zu machen. Daher zu dieser Präsentation nur folgendes: Der Antarktis-Vortrag von Marco auf meiner ersten Tour auf der Norkapp war um Welten besser, auch weil er nicht auf Verkaufen abgezielt hat, sondern wirklich über seine Reisen dorthin erzählt hat. Mette war angeblich auch mal da unten… Schwamm drüber. Werbung kann ich auf Youtube sehen, dann gehe ich doch lieber wieder hier raus an Deck.

20160211-P1080573Mit leichter Verspätung erreichen wir Honningsvåg, sodass genug Zeit für das Frühstück bleibt, das wieder einmal mit dem Mittagessen zusammenfällt. Auch ohne Frühstück ist der Kalorienbedarf gedeckt, daher steht eine kleine Wanderung durch den Ort an. Das Nordkapp kenne ich ja schon (und die Ausflügler berichten später, dass es diesmal ganz untypisch Nebel gab), aber Marcus kennt den Aussichtspunkt über Stadt noch nicht. Es ist beinahe wie im Januar, nur mit noch mehr Schnee: Die Tour ist echte Arbeit, lohnt sich aber immer wieder. Ich sinke bis zum Mantelsaum in den Schnee ein; vor uns war in letzter Zeit wohl keiner hier oben.

Blick vom Berg

Blick vom Berg

Das Wetter schwankt zwischen leichtem Schneetreiben und Schneeregen, während am Horizont dunkle Wolken drohen – daher bleiben wir nicht allzu lange, sondern machen einen kleinen Rundgang über die Kirche zum Hafen. An der Schule ist wieder einmal viel Betrieb (und Pausenhöfe klingen wirklich überall gleich), und die Kirche ist offen. Ein Blick in das kleine Holzgebäude lohnt sich: Schlicht, aber heimelig, so weit im Norden.

Mittlerweile geht der Niederschlag in ekelhaften Regen über, sodass wir erst einmal das Schiff ansteuern, um uns und die Kameras trockenzulegen. Am Hafen entlang bietet sich wieder die Chance, das Schiff von der anderen Seite zu knipsen.

Das Kafe Retro

Das Kafe Retro

Das Kafe Retro ist nur wenige Meter vom Schiff entfernt: Einfach gerade aus bis zur um Ende der Straße, wo einen ein grauer Bau entgegenlächelt, und dann nach rechts schauen, dann hat man es schon gefunden, in der Storgata 1b. Das Cafe ist winzig und wird von einer sympathischen Russin aus Riga geführt. Wer das Glück hat, an einem der wenigen Tische einen Platz zu finden, sollte unbedingt einmal auch mit ihr reden und nicht nur stoisch auf seinen Kaffee schauen. Die überbordende Deko ist auch einen Blick wert – das Cafe bietet mehr, als man von außen erwartet. Die Preise sind auch sehr moderat – 35 NOK oder (aktuell) 3,62 EUR für eine heiße Schokolade ist mehr als fair.

Heiße russische Schokolade

Heiße russische Schokolade

Der Rest des Tages verläuft sehr entspannt. Viertel vor drei sind alle Ausflügler wieder an Bord, und bis zum nächsten Hafen (Kjøllefjord) steht nichts weiter auf dem Programm außer der Finnkirka. Das Wetter bessert sich und der Himmel klart auf, sodass wir pünktlich an Deck sind, um die Info zu hören, dass das Schiff Verspätung hat. Hrmpf. Auf der Suche nach dem besten Platz probieren wir Deck 9 aus (vom Umlaufdeck habe ich sie schon oft genug fotografiert), wo sich dann auch die Chance für Gespräche bietet. Irgendwie kommt das Thema auf Schiffsunglücke…

Die Finnkirke wird wieder kitschig beleuchtet, bevor der Krabbenfischer die Blicke auf sich zieht, der in voller Fahrt an unserem Schiff anlegt – dummerweise hängt ein Rettungsboot direkt über der Einstiegsluke und versperrt uns den Blick. Macht aber nichts: Der Blick nach oben zeigt Polarlichter…

Also schnell noch das Stativ geholt und das Objektiv gewechselt, bevor wir den Ort erreichen. Sogar im Hafen ist es noch gut zu sehen, aber bis wir ihn verlassen, versperren schon wieder Wolken den Blick. Also ab zu Nordkap-Buffet, das Abendessen beginnt heute schon um 18 Uhr. Der Rest des Tages bleibt dem gemütlichen Beisammensein vorbehalten: Ein Geburtstag ist zu feiern, wenn der Himmel schon bedeckt bleibt.

Wer lange aufbleibt, hatte in dieser Nacht übrigens Glück: Kurz nach drei gab es noch einmal ein richtig gutes Polarlicht, das sogar vom Hafen in Vardø zu sehen war. Aber nicht für mich, ich verschlafe es – da meine Kabine auf dem Umlaufdeck ist, hatte ich die Vorhänge zugezogen und wurde nicht von dem Grünschimmer geweckt. Ich spekuliere da lieber auf Tromsø auf der Rückfahrt…

Tag 6: Honningsvåg und Nordkap

Kurs auf Nordkapp

Kurs aufs Nordkap

Wahnsinn – jetzt ist schon wieder fast die halbe Reise rum. Die Schiffsbegegnung weit westlich vom Nordkap habe nur im Halbschlaf mitbekommen, aber das macht nichts: Die raue Landschaft hier zieht einen auch im Lauf des Tages noch in ihren Bann, und die Gefahr zu verhungern besteht auch nicht. Ich verlasse die Kabine zwar erst kurz vor 10, nachdem ich die letzten Bilder von gestern durchgesehen habe, und bin so pünktlich zur Restaurantschließung da, aber eine halbe Stunde später gibt es schon wieder Mittagessen. Der Grund: Um 11:15 erreichen wir Honningsvåg, und dann fahren auch schon die Busse zum Nordkap ab.

Honningsvåg ist erstaunlich schneefrei. Anscheinend hat es gestern gut geregnet, sodass der Schnee Geschichte ist. Schade eigentlich, denn verschneit ist das Örtchen noch um einiges schöner. Auch dieses Mal wiederhole ich die Fahrt zum Nordkap nichtsondern sehe mir die Ecken von Honningsvåg an, die ich noch nicht kenne. Dieses Mal: Der Aussichtspunkt über der Stadt. Wenn es Schilder gibt, habe ich sie weitestgehend übersehen, aber der Ort ist ja überschaubar. Nach einigen Höhenmetern ist das Ziel erreicht: Neben dem Friedhof ist eine Büste – wenn ich mich richtig erinnere, geht sie auf einen Filmdreh zurück. Von dort bietet sich ein schöner Rundblick über die Bucht.

Der Blick über die Stadt ist sehenswert und lohnt den Aufstieg; bei etwas Restglätte ist der Abstieg schon interessanter. Ohne Spikes möchte ich hier im Winter nicht unterwegs sein… Am Horizont ist etwas blau zu sehen, die Gruppe am Nordkap hat Glück mit dem Wetter. Vom Berg aus ist auch die Kirche zu sehen, die als einziges Gebäude nach dem Rückzug der deutschen Truppen im 2. Weltkrieg noch stand. Sinnlose Zerstörung.

Ich gönne mir nur einen kurzen Rundgang durch die Stadt und besuche die Kirche nicht, stattdessen gehe ich einmal rund um den Hafen. Ohne Schnee im Vordergrund gibt unser Schiff keine so schöne Kulisse ab wie im Februar, dafür ich sehe der üblichen Sicherheitsübung der Crew von außen zu: Ein Rettungsboot wurde zu Wasser gelassen. Rund um das Hafenbecken gibt es einige Skulpturen (was für den nächsten Ausflug), und aus angeschwemmtem Treibgut wie Gummistiefeln wurde Kunst gemacht.

Am Hafen darf ein Besuch beim Denkmal für Bamse nicht fehlen, den Träger des Norwegischen Hundeordens. Er begleitete sein Herrchen im 2. Weltkrieg und war mit Seemannsmütze auf vielen Postkarten in die Heimat abgebildet. Dahinter ist der Souvenirshop; das Nordkap-Museum im selben Haus ist gerade wegen Umzug geschlossen und eröffnet im Fühjahr noch näher am Hurtigrutenkai.

Gegen 14:45 verlassen wir Honningsvåg wieder, und gegen 16:30 steht die Finnkjerka auf dem Programm. In der Nacht wirkt die Beleuchtung eindrucksvoll. Irgendwann will ich mal wissen, ob es für diese Gesteinsformation eine offizielle norwegische Schreibweise gibt. Finnkjerka, Finnkirke, Finnkirka – irgendwie habe ich alles schon mal gelesen… Ein paar Probebilder zeigen auch schon wieder Polarlicht, wenn auch bei bedecktem Himmel. Kurz darauf kommt auch schon der Krabbenfischer an Bord, der bis Kjøllefjord seine Haustiere präsentiert.

Krabbenstreicheln auf Deck 7.

Krabbenstreicheln auf Deck 7.

Die große Polarlichtshow gibt es heute nicht, daher stört es auch kaum, dass bis Kjøllefjord auf Deck 7 Krabben gestreichelt werden können. Der Fischer macht wie immer eine interessante Show und Appetit auf das Nordkap-Buffet, das ab 18 Uhr auf die Passagiere wartet.

Der Abend ist weitestgehend ruhig, auch die See ist für diese Breitengrade angenehm ruhig. Lärm macht nur die Nordlys, der wir bei Berlevåg begegnen: Dort hat der Tourguide wohl zur Vinkekonkurranse aufgerufen, die die Nordlys klar gewinnt. Bei uns gibt es nur ein paar wenige, die darauf vorbereitet waren. Die beiden Schiffe passieren einander mit wenig Abstand, aus Januar und Februar kenne ich so enge Schiffsbegegnungen überhaupt nicht.

Mangels Polarlicht gibt es die Gelegenheit, sich der Bar zu widmen. Blöd: Pepsi Maxx ist anscheinend ganz aus dem Programm genommen, und Guiness ist alle – eventuell südgehend ab Trondheim wieder. Ich kann so nicht arbeiten (auch wenn das Nordlys der Mack Brauerei durchaus trinkbar ist).

Tag 6 – Rund ums Nordkapp

Ich weiß nicht, warum das Nordkap so einen Schlecht-Wetter-Ruf hat – bei drei Besuchen hatte ich nun jedesmal prächtiges Wetter. Die Fahrt um die Insel Magerøya herum war ruhig, und bei schönstem Sonnenschein ist sie ein Erlebnis. Irgendwo in dem Kanal haben wir auch den Tunnel überquert, der Honningsvåg mit dem Festland verbindet, aber an Bord war davon nichts zu bemerken.

Volker und Sabine nutzen ein paar noch freie Plätze für die Nordkapp-Tour aus, während ich den anderen Teil Honningsvågs anschaute, also den ohne Shell-Tankstelle. Die Gegend ist auf jeden Fall schöner als der Bereich um den berühmten 71. Breitengrad, auch wenn wohl ein nennenswerter Teil der Bevölkerung mit der Schneeabfuhr beschäftigt ist.

Zu den örtlichen Sehenswürdigkeiten gehören die Kirche, ein Denkmal für einen Regisseur, das einen schönen Aussichtspunkt markiert (und für nächstes Mal auf meiner Sightseein-Liste steht), und natürlich das Hurtigrutenschiff MS Nordkapp, das elegant in einem Schneehaufen parkt – zumindest sieht es so aus.

Dieser Teil der Stadt ist allemal sehenswerter als die Bereiche im Norden, auch wenn ich keine so überzeugenden Troll wie letztes Mal gesehen habe. Der Souvenirshop im Ort hat ein großes Angebot, trotzdem lasse ich kein Geld da – und anstelle des Nordkap-Museums zieht es mich noch einmal auf die andere Hafenseite, Bilder vom Schiff machen. Die Sonne steht gerade günstig:

Nicht im Bild festgehalten habe ich die Sicherheitsübung, die wohl immer wieder in Honningsvåg stattfindet. Diesmal wurde Abandon Ship geübt. Aber das war Crew only; wer in der Kabine blieb, durfte mit dem Schiff untergehen:-)

Die Nordkap-Fahrer waren auch wieder rechtzeitig an Bord, wo statt Mittagessen Waffeln und heiße Schokolade auf sie (genauer gesagt: auf Käufer) warteten, sodass die Reise weiter gen Osten gehen konnte. Am Nordkap war das Wetter wohl noch besser als im letzten Februar, dafür war zumindest ein Bus deutlich besser beheizt, als nötig gewesen wäre.

Der Nachmittag ging wieder mit Vortragsvorbereitungen vorüber, aber kurz vor halb fünf gab es wieder die Chance, die Finnkirke zu fotografieren. Am annähernd hellichten Tag wirkt sie weniger imposant als in der langen Dämmerung im Januar, dafür stand Orion schön über ihr. Und das kitschige Farbenspiel war immer noch auffällig, obwohl die Sonne gerade erst unterging.

Respekt für die Krabbenfischer

Respekt für die Krabbenfischer

Der Himmel war zwar immer noch perfekt, dafür kamen wir langsam in einen leichten Sturm: Das Gewackel nahm zu, die Türen auf Deck 5 hatten Probleme damit, aufzugehen, und die Krabbenfischer, die uns nach der Finnkirke besuchten, mussten sich beim Anlegen ans Schiff etwas mehr Mühe geben. Aber Profis hält das nicht auf, und wer wollte, konnte sich wieder mit dem Abendessen fotografieren lassen (auch wenn es nicht exakt diese Krabben gibt).

In Kjøllefjord kam dann auch die Durchsage, dass die Schneemobiltour nach Mehamn wegen Sturm gecancelt wurde – es war unklar, ob wir den Hafen anlaufen und die Teilnehmer wieder an Bord nehmen könnten. Tatsächlich fiel Mehamn dann auch aus.

Nach Kjøllefjord stand dann das Nordkap-Buffet als Abendessen auf dem Programm – feste Sitzplätze, aber freie Essensauswahl. Das ist gar nicht schlecht, da es so schneller geht und alle, die Interesse hatten, pünktlich um 20:00 in unserem Abendvortrag über das Sonnensystem saßen. Immerhin gut die Hälfte unserer Gäste war anwesend, die See forderte ihren Tribut. Der Konferenzraum ist ganz vorne im Schiff und schwankt somit maximal, aber alle Anwesenden hielten sich auf ihren Stühlen, während wir auf einer eigenen Hurtigrute acht Planeten sowie die kleineren Mitglieder des Sonnensystems abhandelten und die Bilder der letzten Nacht präsentierten.

Die Polarlichtprognose war mäßig – schade, da das wohl bis auf weiteres die letzte wirklich klare Nacht im Polarlichtoval sein würde. Aber gestern gab es ja schon ein beeindruckendes Schauspiel über dem gesamten Himmel, und so gab es eine Premiere: Zum ersten Mal konnte ich den Vortrag vollständig halten, ohne vom Polarlicht unterbrochen werden. Also auf zu einem ruhigen Abend in der Bar.

Habe ich schon erwähnt, dass das Polarlicht unberechenbar ist? Es war schon einiges zu sehen, als wir zum Kontrollblick auf den hell erleuchteten 7. Stock standen. Da um 21:45, also in der nächsten Viertelstunde, der Hafen Berlevåg angelaufen werden sollte, gaben wir noch keinen Alarm. Etwas später kam dann die Durchsage, dass wir auf der rechten Seite die MS Nordlys passieren und außerdem Nordlys am Himmel sehen. Ähm – und der Hafen in Berlevåg? Wurde wegen schlechtem Wetter ausgelassen. Also mit der Rezeption geredet, dass doch bitte, bitte die Beleuchtung ausgeschaltet werden sollte, und dann ging eine Show los, die den gestrigen Abend sogar noch übertraf.

Eine wunderhübsche Corona über uns. Ich habe sie nicht ganz geknipst, da ich die Kamera an der Reling hatte und mich zwischendurch verabschiedete, um an der Rezeption um eine erneute Durchsage zu bitten. Die erfolgte etwas zögerlich, da schon so viele Durchsagen gemacht worden waren und es immer wieder Polarlicht gibt, aber als wir dann die Bilder präsentierten, glaubte uns der Kollege an der Rezeption dann doch, dass sich die Meldung gelohnt hat, und setzte sie auch bei Facebook rein.

Nach der größten Show schraubte ich die Kamera noch für Timelapse-Aufnahmen bis Mitternacht an die Reling, auch wenn so natürlich nicht alles im Bild festgehalten wurde. Aber es waren ja genug mobile Kameras an Bord, um das Spektakel zu dokumentieren.

Gegen ein Uhr gab dann auch der Käptn eine Polarlichtwarnung durch, allerdings war es dieses Mal deutlich schwächer als vor Mitternacht. Ein paar nette Bilder haben trotzdem geklappt:

Gegen vier Uhr gab es wohl noch ein starkes Polarlicht samt Meldung über den Info-Kanal vom Schiff, aber die ging völlig an mir vorbei – ich hörte erst die Meldungen für Kirkenes wieder…

Tag 6 – Vom Nordkap ostwärts

Auch  wenn es morgens kurz nach acht noch recht duster ist: Das Treffen mit der Midnatsol konnte ich mir nicht entgehen lassen. Ob die Kollegen der GRP100 mich auch gesehen haben, weiß ich nicht sicher – aber es waren auf jeden Fall einige Leute an Deck.

Malerisch: Die Passage südlich der Insel Magerøya.

Malerisch: Die Passage südlich der Insel Magerøya.

Nachdem die Midnatsol auf ihrem Kurs südwärts an uns vorbeigezogen war, stand erst einmal Bilder sichten, duschen und spätes Frühstück auf dem Programm. Dabei herrschte richtig Stress: Frühstück bis 9:30, Mittagessen dann von 10-13 Uhr wegen der Tour zum Nordkapp. Aber es ist kein Problem, hier eine Mahlzeit ausfallen zu lassen. (Schreibe ich eigentlich zu viel über das Essen? Sollte ich Bilder davon posten? Oder ist das eher etwas für Facebook?)

Kurs auf Honningsvåg

Kurs auf Honningsvåg

Kurz nach 11 kam dann Honningsvåg in Sicht. Die Stadt ist der Ausgangspunkt für die Fahrt zum Nordkap. Gestern war die Tour wohl wegen zu schlechtem Wetter ausgefallen, aber bei unserem Besuch war das Wetter fast optimal. Das Schöne an den Wintertouren ist auch, dass das Kap dann nicht so überlaufen ist – bei drei Bussen kann man das Kap genießen. Mein Programm sah anders aus: Zum Nordkap wollte ich nicht schon wieder, auf Fischerdorf mit Weihnachtshaus hatte ich keine Lust, aber die berühmte Shelltankstelle am 71. Breitengrad, die musste diesmal sein. Vom Hafen aus sind es etwas über zwei Kilometer, ein schöner Spaziergang, um das Frühstück zu rechtfertigen. Da Sonntag war und die Temperaturen doch recht frisch, war kaum jemand unterwegs, aber ich bin wohl dem Hund des Schneepflugfahrers vom letzten Mal begegnet, der gerade Gassi geführt wurde.

Ein Troll?

Ein Troll?

Honningsvåg hat wie üblich viele kleine Holzhäuser, die nur etwas größer wirken als so mancher Geländewagen, der davor steht. Die verschneiten kleinen Häuser, die schroffen und vereisten Felsen und das düstere Licht haben ihren Reiz, aber leben wollte ich da nicht unbedingt. Die Shelltankstelle ist natürlich nur dann interessant, wenn man die Sache mit dem Breitengrad weiß, und auch dann eher ein netter Gag – für das nächste Mal dürfte der Hausberg von Honningsvåg auf dem Programm stehen, der einen schönen Ausblick bietet. Gelohnt hat es sich trotzdem: Ich glaube, ich habe schon wieder einen Troll gesehen, diesmal mit einer Kaffeetasse am Straßenrand. Als ich ihn erreicht hatte, war nur noch eine schneefreie Felswand zu sehen – die Trolle sind gerissen!

Sicherheitsübung.

Sicherheitsübung.

Weiterer Vorteil der Tour zur Tanke: Man ist rechtzeitig wieder auf dem Schiff, um doch noch was vom Buffet mitzukriegen. (Fisch-Cordon-Bleu. Sehr lecker. Wäre aber nicht unbedingt nötig gewesen.) Die Crew führte derweil eine Sicherheitsübung aus, mit Aussetzen eines Rettungsboots. Der Blick auf die Webcam des Nordkaps zeigte, dass nicht nur in Honningsvåg gutes Wetter war (bedeckt und kalt, aber windstill), sondern auch am Kap selbst gute Bedingungen herrschten.

Um viertel vor drei – die Ausflügler waren alle wieder an Bord und begeistert, kein Wunder – ging die Reise dann weiter ostwärts. Die Wetterprognose war nicht so berauschend und die Polarlichtaktivität der Gegend angemessen, sodass es nach einer ruhigen Nacht aussah. Für 20:00 war unser nächster Vortrag vorgesehen (von Felicitas über das Planetensystem), und da das Abendessen als Nordkappbuffet serviert wurde, passte das auch vom Zeitplan. Eine Stunde langt für jeden, um sich zu überfressen, und der Nachtisch hat es immer wieder in sich.

Krabbenfischer entern das Boot

Krabbenfischer entern das Boot

A propos Essen: Gegen 16:30, also zwischen Nordkap-Tour und Abendvortrag, stand schon wieder ein Highlight auf dem Programm. Kurz vor Kjøllefjord legten Krabbenfischer in voller Fahrt an der Nordkapp an und präsentierten ihren Fang. Einziges Problem: Entweder steht man an der Reling und beobachtet das Anlegemanöver, oder man sichert sich einen guten Platz auf Deck 7 für die Vorführung. Zeit für ein Foto mit den Krabben bleibt aber allemal.

Ich konnte das Anlegemaneuver von Deck 5 aus verfolgen, da hier ein guter Blick auf die Felsformation der Finnkirka möglich war. Mit f/1,4 und viel zu viel ISO war sie sogar schön zu fotografieren, auch wenn das Farbenspiel schon etwas arg nach Disneyland aussieht. Aber es ist durchaus eindrucksvoll. Allerdings muss ich fairerweise sagen, dass mir die Finnkirka nur im Mondlicht besser gefällt. Ist viel mystischer als das ständig wechselnde Farbenspiel. Andererseits sieht man sie dann nur auf den Fotos und nicht mit dem Auge.

Felicitas‘ Vortrag konnte ich mir nicht anhören: Ich hielt stattdessen Polarlichtwache am Bug, da schon vor dem Abendbuffet ein paar Lichter zu sehen waren.

Durch die Wolken war immer wieder ein Hauch von Grün zu erahnen, und die Kamerabilder waren schon ganz nett, aber Wetter und Intensität waren nicht sehr beeindruckend. Dafür wollte ich den Vortrag nicht unterbrechen – im Gegensatz zum Käptn, der Polarlichtwarnung ausgab. Also verschwand ich kurz in den Vortragsraum, um Entwarnung zu geben. Bis Berlevåg um 21:45 war immer wieder ein grauer Schleier zu sehen, und das Wetter besserte sich (im Gegensatz zur Polarlichtvorhersage). Bug voraus war immer wieder etwas zu sehen, aber nicht wirklich toll.

Klar, das dann die besorgten Fragen aufkamen, wie es den Rest der Nacht weitergehen würde – Polarlicht oder Ruhe & Erholung? Meine Schätzung war Ruhe & Erholung, dann kam kurz nach Berlevåg die Durchsage vom Käptn, dass es wieder Lichter gibt – und diesmal lohnte es sich! Der Nachteil dabei, die Kamera immer auf den selben Punkt zu richten, ist natürlich dass einem mal ein paar Highlights entgehen. Aber dafür gibt das später einen hübschen Film.

Quer über das Schiff erstreckte sich ein großer Bogen, und nun glaubten mir endlich alle, dass die Auro wirklich grün ist und sogar tanzt. Wow. So gehört sich das. Bis Båtsfjord um kurz vor Mitternacht ging die Show, und hoffentlich hat jeder die Durchsage gehört. Das Licht auf Deck 7 wurde (leider bis auf den Schornstein) abgeschaltet, und jeder kam auf seine Kosten (und auch wenn ich ein paar Leute an der Bar zusammentrommeln musste). Awesome, great show! Für ca. Stufe 5 schon sehr schön. Ich leide mit allen, die die Reise nicht machen konnten.

Nach Mitternacht und Båtsfjord leerte sich das Deck dann langsam, und der Kontrollblick um halb eins zeigte: Immer noch Lichtshow. Nicht mehr so stark und beeindruckend, aber doch gut genug für einige Fotos. Zwischen 0:40 und kurz vor zwei Uhr entstand dieser Nachschlag:

Aber das Ziel der Reise ist erreicht: Es kam die Bitte, doch die Lichter abzuschalten, damit man endlich schlafen darf… Mal sehen, wer sich jetzt noch alles den Nordlichtvirus eingefangen hat.

Bei mir droht dafür jetzt langsam der Supergau: Die externe Festplatte ist voll und der Laptop sowieso. Bleiben noch die 192 Gig Speicher in der Karte…