Hurtigrute Tag 1: Bergen

Das Tagesprogramm

Es ist wirklich nichts dran am Jahr: Die Nordlichtsaison ist wieder in vollem Gange! Ende September war ich in Norwegen, Urlaub in den Lyngenalpen und auf Senja. Da das Urlaub war, hat es das nicht ins Blog geschafft, aber neben vielen Wolken gab es auch ein paar Abende mit schönem Polarlicht.

Und letzte Woche war die Sonne sehr aktiv, sodass sogar in Süddeutschland mal wieder Polarlicht zu sehen war – in der einzigen klaren Nacht in meiner Gegend aber erst um vier Uhr morgens. Das ging an mir vorüber… aber über Norwegen war auch eine geschlossene Wolkendecke, von daher hätte es auch nichts gebracht, wenn wir eine Woche früher gestartet wären.

Und jetzt starte ich zur nächsten Hurtigrute durch, wieder elf Tage mit der MS Nordkapp, mit Abfahrt am 16. November 2025 – einem Sonntag. Das ist mir prinzipiell sehr recht, da ist die A8 bei Pforzheim nämlich einigermaßen frei und befahrbar, und ich bin in einer Stunde am Flughafen. Mit Abflug um 11:55 klingelt der Wecker somit sogar zu einer humanen Zeit. Der Flughafen Stuttgart empfiehlt ja, mindestens zwei Stunden und frühestens drei Stunden vor Abflug da zu sein. Zwei Stunden sind ausreichend, denn vorher ist bei KLM eh niemand am Schalter…

Die KLM-Schalter, zwei Stunden vor Abflug.

Immerhin sind diesmal schon zwei Leute am geschlossenen Schalter, sodass es irgendwann los geht – rechts für die paar Priority-Fluggäste, links für das normale Volk. Aber schnell geht hier gar nichts: Rechts wird längere Zeit diskutiert. Ich bekomme nicht mit, worum es geht, aber es erinnert mich an die Kinokasse, wenn erst einmal gefragt wird, was heute an empfehlenswerten Filmen läuft. Und vor mir stockt es dann auch bald: Da hat wohl jemand eingecheckt, aber im Anschlussflieger keinen Sitzplatz. Ich hatte gestern beim Online-Checkin keine Bordkarte erhalten, muss ich mir jetzt auch Sorgen machen? Fängt ja gut an. Obwohl nur zehn Leute vor mir sind, dauert es doch seine Zeit, bis ich mein Gepäck endlich los werde und zur Sicherheitskontrolle komme. Diesmal lege ich meine Keilschrifttafel gleich raus, über die stolpern die Scanner jedes mal. Diesmal auch – verwirrte Blicke – nimmt denn keiner was zu lesen mit in den Flieger, oder nur Papier und EBook? Neumodischer Kram:-) Aber es hilft nichts, mit zwei Kameras bin ich wohl terrorverdächtig und darf zum ausführlichen Sprengstofftest. Da Sonntag ist, bleibt noch Zeit für Schwätzchen. Wie ist das Wetter in Norwegen? Nicht zu kalt, außer in Kirkenes. Führt ihr irgendwann mal Stempelkarten für die Sprengstofftests ein? Ist nichts geplant. Ein bisschen Smalltalk darf sein, bis der Automat mich für unbedenklich erklärt und ich weiter zum Gate darf.

Abflug aus Stuttgart

Die Sitzplätze direkt am Gate sind mittlerweile in eine Eurowings-Lounge umgewandelt, also darf ich mir ein Stück weiter weg einen Platz suchen. Eine Stunde habe ich noch – wie wäre es mit einer Umfrage durch das Flughafenpersonal? Warum nicht? Aber die gute Frau fragt nur nach Reisezweck und Ziel, und wo ich gerne hinfliegen würde – ich habe keine Chance, über die überzogenen Getränkepreise im Duty-Free-Bereich herzuziehen, oder warum ich innerhalb Deutschlands gar kein Ziel anfliegen wollte und in Europa auch nur Fernziele, da Flugreisen schon lange keinen Spaß mehr machen. Egal, langsam wird’s Zeit für das Boarding. Ich meinen Platz sicher, und der Flug nach Amsterdam ist ereignislos – wir landen sogar etwas zu früh, sodass ich zwei Stunden Umsteigezeit habe.

In Schiphol wird immer noch gebaut, die Essensecke ist fertig. Das war früher auch einladender als der moderne, kalt-weiße Salon. Draußen sieht es dagegen eher finster aus, nur ein paar freundliche Flecken sind zwischen den dunklen Wolken zu sehen. Und am Gate? Erst einmal ein kurzer Gatewechsel, D77 ist aber noch geschlossen, und ich muss oben warten. Schließlich öffnet es, die Passagiere sammeln sich, und KLM fragt, ob nicht jemand später fliegen will, der Flug wäre überbucht. Klasse. Aber es findet sich wohl jemand, denn irgendwann beginnt das Boarding, und es geht weiter nach Bergen, wo wir kurz vor 17 Uhr landen. Kurz in den Duty Free Shop (Der Weihnachtsvorverkauf für Schokolade hat wohl schon begonnen, fein), dann den Koffer holen, und raus, wo Kai schon wartet. Wir sind diesmal nur zu zweit, unsere Gruppe ist kuschlig klein. Trotzdem heißt es noch ein wenig warten, ein Koffer wird doch vermisst.

Trotzdem dauert es nicht zu lange, bis alle im Bus sitzen und wir erst in den Tunnel fahren und dann noch eine längere Orientierungsfahrt quer durch Bergen machen. In der dunklen Stadt kann ich auch nicht sagen, ob ich überall schon war, wo wir diesmal langfahren. Das Wetter? Regnerisch mit Schneeflocken. Prinzipiell nicht schlecht: Auf meinen meisten Fahrten hatten wir eher schlechtes Wetter, wenn es in Bergen schön war. Trotzdem ist für Morgen ebenfalls Regen angesagt, und die Prognose ist nicht zu optimistisch. Aber das muss ja nichts heißen.

Schafskopfs auf dem Buffet

Und sind wir am ehemaligen Hurtigrutenterminal, das jetzt Jekteviksterminal heißt, seit auch Havila wie Kystrute bedient. Nach dem obligatorischen Sicherheitsfilm (da-damdamdamdadamm) beginnt die Arbeit: Bei der Crew vorstellig werden, um die ersten Termine abzuklären (vom Expeditionsteam kenne ich niemanden, vom Serviceteam schon eher), die Kabine beziehen, die letzten Gäste suchen, die ersten Fragen beantworten, die WhatsApp-Gruppe befüllen, Abendessen, um 20:30 auf Deck zum Ablegen und um 21 Uhr das erste Gathering mit dem Expeditionsteam: Die Offiziere werden vorgestellt, dann kommen die Infos zum Leben auf dem Schiff und dann die Vorhersage für die nächsten beiden Tage samt Ausflugsprogramm.

Kurz vor elf komme ich dann in meine Kabine, kann meinen Koffer auspacken, Blog schreiben und Feierabend machen, während wir Kurs auf die offene See nehmen. Morgen früh steht das Westkap an, mit Gegenwind und 5-6 Meter hohen Wellen. In diesem Sinn: Gute Nacht!

Hurtigrute Tag 2: Ålesund

Das Tagesprogramm

Das Westkap meint es gut mit uns: 5,5 Meter Wellen von vorne, da wird ab sechs Uhr morgens in der Kabine alles abgeräumt, was nicht gesichert ist. Willkommen auf hoher See!

Die offene Seestrecke dauert zwar nur zwei Stunden, hat es aber in sich. Da dürfte so mancher froh sein, bereits in der Horizontalen zu sein. Ich bin bislang zum Glück von der Seekrankheit verschont geblieben, aber mit Ausschlafen wird das bei dem Geschaukel aber auch nichts. Trotzdem wird es gegen acht, bis ich dann doch aufstehe und meine Morgenrunde an Deck drehe. Ich bin auf Deck 6 in einer Rettungsbootkabine untergebracht. Das heißt, ich sehe von Norwegen nur den gelben Rumpf vom Rettungsboot vor meinem Fenster (“eingeschränkte Sicht” nennt sich das im Katalog), aber immerhin habe ich Tageslicht. Nur was das Wetter macht, davon kriege ich in der Kabine nichts mit. Also raus an Deck, bevor wir mit einiger Verspätung gegen neun Uhr Torvik erreichen. Torvik ist nur ein kleiner Ort, aber am gegenüberliegenden Ufer liegt das deutlich größere Ulsteinvik, wo auch unsere MS Nordkapp gebaut wurde. Der Blick nach hinten zeigt das unfreundliche Wetter, das wir am Westkap hatten: Drohende Wolken.

Vor uns schaut es besser aus, und ein kleiner Leuchtturm weist uns den Weg, bevor wir endlich in Torvik erreichen. Zeit für das Frühstück.

Von hier ist es nicht mehr weit bis Ålesund, und die Landschaft zieht bewegt an uns vorbei: Für diese Seestrecke ist überraschend viel Bewegung im Schiff. Es ist windig draußen, wahrscheinlich legen wir deshalb am geschützteren Kreuzfahrtterminal von Ålesund an. Den kenne ich: Vor zehn Jahren war das der Standard-Anlegeplatz, weil unser normaler Anleger noch in Bau war. Damit sind wir etwas näher am Jugenstilzentrum und dem Aussichtshügel hinter der Schule, und etwas weiter weg vom Aksla und den typischen Souvenirshops – wobei das vielleicht fünf Minuten ausmacht, die Jugendstilstadt ist sehr kompakt.

Ålesund von “hinten”
Der Sund von Ålesund

Dafür, dass Dauerregen angesagt war, ist das Wetter überraschend gut. Ich schnappe mir meine Kamera und mache mich doch auf den Weg zum Aksla. Das Jugendstilzentrum streife ich, der Sund sieht hübsch aus. Wer es noch nicht weiß: Ein Fjord ist eine Sackgasse, durch einen Sund kann man durchfahren. Die Kajaktour in Ålesund ist aber abgesagt, bleibt nur der Weg über die Brücke.

Bis zum Stadtpark und dem Aksla ist es nicht weit, besonders weit komme ich aber nicht: Auf der Höhe der Kanone macht sich nicht nur der Wind bemerkbar, auch der Regen setzt ein. Das macht am Berghang keine Spaß. Ich breche ab also und mache die kurze Shoppingtour.

Ålesund fast vom Fuß des Aksla

Neben den bekannten Souvenirshops gibt es einen neuen (der aber auch nicht viel anderes hat), und im Kremmergaarden Einkaufszentrum gibt es auch nicht viel neues – der Kiwi hat Labans Nissefest und Freja-Schokolade ist aktuell sogar günstiger als im Duty Free (200g für 29,90 NOK statt 220g für 49 NOK bzw 2 Tafeln für 89 NOK im Duty Free). Also kurz die Grundversorgung erledigen, bevor es wieder auf das Schiff geht.

Was mir unterwegs noch neues auffällt: Es gibt jetzt Verleihstationen für Regenschirme. Warum auch nicht…

In Ålesund haben wir einen langen Aufenthalt, von (planmäßig) 10 Uhr bis 20 Uhr. Im Sommer geht es in Hjørund- oder Geiranger-Fjord, im Winter fallen diese Abstecher aus bzw. werden nur als Ausflug mit einem Oldtimerschiff angeboten. Aber so schön die nach dem Stadtbrand 1904 im Jugendstil wiederaufgebaute Stadt auch ist: Ganz so viel Zeit braucht man hier nicht. Bei dem Wetter erst recht nicht. Aber da niemand aus unserer kleinen Gruppe am Nachmittag einen Ausflug hat, können wir um 14:30 unsere Willkommensveranstaltung machen: Eine kleine Vorstellungsrunde, ein paar Infos und ein Gläschen Sekt.

Die Finnmarken

Irgendwann in der Zwischenzeit hat sich auch die Finnmarken vor uns gelegt. Das längste Schiff der Hurtigruten-Flotte ist aus der Küstenroute gegangen und bereist seit längerem als Kreuzfahrtschiff ab Hamburg die norwegische Küste. Die ganzen kleinen Häfen, die wir besuchen, bleiben ihr jetzt vorenthalten, und während wir immer noch Versorgungsauftrag haben und gerade im Norden in jedem Hafen Fracht auf- oder abladen, macht sie nur das reine Tourismusprogramm.

Da ist mir die “echte” Hurtigrute doch lieber.

Da ich Ålesund schon kenne, ist das für mich heute ein ruhiger Tag – ich bleibde den Rest des Tages an Bord und besuche nicht einmal den Aussichtshügel hinter der Schule. Von dem angekündigten Dauer-Starkregen bleiben wir zwar verschont, aber trocken ist es auch nicht gerade. Da kümmere ich mich noch einmal um meine Vorträge und besuche das Gathering mit dem Expeditionsteam um 16:45. Die deutschen Gäste sind diesmal in der Minderzahl, weniger als 50 Deutsche sind an Bord. Aber Ina und Laura vom Expeditionsteam geben trotzdem alles und informieren über Land und Leute sowie das morgige Tagesprogramm. Good News: Der Seegang soll weniger werden (für die Nordroute…)

Um 18 Uhr haben wir Abendessen. Abends gibt es feste Essenszeiten und Essen a la Carte: Seit einigen Jahren kann man jeweils zwischen drei Vor-, Haupt- und Nachspeisen wählen. Da bleibt genug Auswahl.

Und noch eine gute Nachricht gibt es: Der letzte Koffer, der in Amsterdam verloren ging, ist nun auch an Bord angekommen!

Dann darf ich arbeiten: Mein erster Vortrag ist um 20 Uhr, es geht natürlich um das Nordlicht. Den “großen Schuss” von letzter Woche haben wir ja verpasst, aber da war in Norwegen auch schlechtes Wetter. Mal sehen, ob Wetter und Aurora uns gewogen sind, wenn wir weiter im Norden sind.

Fenalår

Feierabend ist dann aber immer noch nicht: Um 21:15 gibt es im Panoramasalon die Chance, Fenalår zu probieren, gepökelte Lammkeule. Für alle, die noch nicht satt sind.

Kurz nach 22 Uhr dann Polarlicht: Naja, wir begegnen der südgehenden MS Polarlys. Bei dem Schneegestöber klappt das Fotografieren auch nicht, dicke Wassertropfen auf der Linse sorgen für interessante Effekte. Molde erreichen wir dann kurz nach 22:30, die markante Silhouette des Scandic-Hotels ist zu sehen, aber von Bord gehen lohnt sich in der halben Stunde auch nicht. Es ist ungemütlich. Zeit, das Blog zu schreiben, den Vortrag für Morgen durchzuschauen und Feierabend zu machen.

Molde

Hurtigrute Tag 3: Trondheim

Der Tagesplan

Der Tag beginnt wieder früh: Gegen halb sechs werde ich wach. Ein ungewohnter Lärm… liegen wir in einem Hafen? Das Rettungsboot vor meinem Fenster ist hell erleuchtet, aber laut Fahrplan sind wir auf hoher See. Es werden wohl nur wieder einmal die Fenster geputzt. Also drehe ich mich noch einmal um, bis mein Wecker kurz nach sieben klingelt. Draußen ist es noch dunkel, Frühstück gibt es aber schon – also starte ich mal in den neuen Tag. Sonnenaufgang ist kurz vor neun, und als es draußen langsam hell wird, sehe ich trotzdem nicht viel. Es ist neblig-trüb.

Trondheim erreichen wir planmäßig viertel vor zehn, und mittlerweile gibt es immer weniger zu sehen. Munkholmen passieren wir wie immer in nicht allzu großer Entfernung, und die Mönchsinsel verbirgt sich recht gut im Nebel. Auch die alte Hauptstadt zeigt sich unfreundlich: Es schneit leicht.

Aber es hilft ja alles nichts: Da wir gestern den ganzen Tag in Ålesund waren, haben wir nur drei Stunden für Trondheim, und eine knappe halbe Stunde kann man für den Gang ins Stadtzentrum einplanen. Also nicht rumtrödeln. Ich komme zwar an einigen Ausleihstationen für Fahrräder und E-Roller vorbei, aber bei dem Wetter will ich mich nicht auf zwei Räder begeben.

Der Weg führt mich wie immer entgegen dem Uhrzeigersinn nicht über den Hafen, sondern Richtung Nedre Elvehavn. Da wir im Industriegebiet anlegen, nehmen sich beide Routen nicht viel. Nachdem ich am Bahnhof vorbei bin, wird es hübscher: Eine Fußgänger- und Radbrücke führt in das alte Industrieviertel, das zu einem schmucken Einkaufs- und Wohnviertel saniert wurde und an das historische Bakklandet mit den alten, zweistöckigen Holzhäusern angrenzt.

Bakklandet begrüßt mich mit einer Baustelle, sodass ich ein paar Mal neue Wege einschlagen muss. So komme ich zu ein paar Fotospots am Fluss Nid, die ich normalerweise nicht ansteuere. Zum berühmten Fahrradlift schlage ich mich nicht durch (da ist Baustellenchaos), aber durch eine schmale Baulücke komme ich zu meinem Fotospot links der alten Stadtbrücke, von dem aus Dom und Brücke hübsch zu sehen sind.

Von hier sind es nur noch ein paar Meter bis zum Dom, wo ich auf die Teilnehmer der Stadtrundfahrt treffe. Gesucht wird: Der Dombaumeister. Auf einer meiner letzten Touren mit Kai fand endlich einmal der Ausflug in die geheimen Gemächer des Nidaros-Doms statt, und Kai konnte einem Führer das Geheimnis entlocken, wo der Dombaumeister versteckt ist: Die Figur ist unten am rechten Turm und nur von einem Eck aus zwischen dem Geländer zu sehen. Nachdem ich das gestern am Ende meines Vortrags erwähnt hatte, konnten ihn diesmal einige erspähen.

Das 0-km-Schild ist da schon einfacher zu finden. Zu Fuß bleibt leider nicht viel Zeit für den Dom, und ich gehe weiter zum Torget, dem Marktplatz. Hier steht schon das Riesenrad als erster Vorbote des Weihnachtsmarkts. Ein kleiner Abstecher ins Einkaufszentrum, dann zum großen Holzpalast Stiftsgården und zur steinernen Vår Frue Kirke – eine gute Stunde habe ich noch, bei einer knappen halben Stunde zum Schiff. Dieser Stress…. keine Chance, um in der Kirche etwas zu trinken. Sie ist offen und war die letzten Male immer gastlich für die Bedürftigen.

Die Statue des Stadtgründers Olaf Tryggvasson dominiert den Platz – mit dem Muster der Pflastersteine soll sie eine Sonnenuhr bilden, was aber zumindest in den Wintermonaten eher hoffnungslos ist. Es ist entweder dunkel, oder es liegt Schnee, oder Marktstände verbergen die Pflastersteine. Aber noch ist es nicht kalt, drei bis vier Grad über Null haben wir, daher trägt die Statue noch keinen Schal. Dafür sieht es aus dem richtigen Winkel so aus, als hätte er ein Heißgetränk mit Strohhalm in der Hand und keine Reichsinsignie…

Bevor ich immer nur das selbe sehe, gehe ich diesmal an der Kirche vorbei direkt zum Fluss und an ihm entlang Richtung Hafen. So komme ich nicht am Bahnhof vorbei, sondern wieder an der Brücke nach Eldrehavn vorbei zum Anleger. Das geht schneller als gedacht, ich hätte noch eine Dreiviertelstunde Zeit, die ich aber statt in Trondheim mit einem Besuch im Rema und unter der Dusche verbringe.

Tja, was gibt es neues in Trondheim? Der Rema hat auf Selfservice umgestellt, sechs Kassen zum Selber-Scannen warten jetzt auf Kundschaft, während die alte Kasse verwaist da steht. Und ich habe das Science Center mit Planetarium entdeckt, zwischen der Vår Frue Kirke und dem Fluss.

Als wir kurz vor 13 Uhr ablegen, war es das auch schon wieder mit schönem Wetter. White-out trifft es eher – über uns sieht es noch gut aus, aber wir fahren durch Nebel und etwas Schnee, sodass bald gar nichts mehr zu sehen ist. Später schaut noch ein wenig vom Trondheim-Fjord hervor – schön mit Puderzucker bestreut, aber im großen Ganzen doch etwas zu mystisch.

Da kann ich um 14:30 beruhigt meinen zweiten Vortrag halten. Viel Zeit habe ich nicht: Parallel findet eine Miesmuschel-Verköstigung statt, und um 15:10 ist der Interessepunkt Kjeungskjær Fyr – bis wir den roten Leuchtturm erreichen, muss ich fertig sein. Klappt zum Glück, und das Wetter speilt auch mit: Am Ende des Fjords ist es kurzfristig schön. Gegen 15:20 kommt er deutlich in Sicht, und wir passieren ihn in geringem Abstand. Immer wieder nett, auch wenn er erst einmal vor einem etwas kontrastarmen Hintergrund steht .

Als wir ihn hinter uns lassen, macht er schon mehr her. Und vor uns? Ein schwarzes Loch…

Schlecht Wetter voraus

Wir nehmen wirklich Kurs auf einen tiefschwarzen Fleck am Himmel. Ich versuche, das als schwarzes Polarlicht oder alternativ als Polarnacht zu verkaufen, und bevor wir es erreichen, gehe ich doch lieber ins Schiff. Es wird auch rasch stockduster draußen.

Das Gathering mit dem Expeditionsteam lasse ich heute unbewusst ausfallen und ignoriere auch den Film mit Fototipps, der per KI-Stimme schlecht synchronisiert wurde. Da mache ich lieber noch einmal mit Kai flexible Reiseleitersprechstunde (will sagen, wir sitzen vor dem Restaurant, wo uns jeder finden kann), auch wenn das bei der Gruppengröße kaum nötig ist. Und dann steht auch schon das Abendessen an, während unsere längste Seestrecke allmählich kürzer wird. Hier im Süden hat die Hurtigrute noch keinen großen Versorgungsauftrag, und unser nächster Hafen nach Trondheim ist erst Rørvik um 21:45. Wir sind pünktlich fertig, bevor es auf die offene Seestrecke der Folda geht. Wir haben etwas Seegang, aber im großen Ganzen ist sie harmlos, und lange vor Rørvik hört das Geschaukel auf. Dafür gibt es Schneefall – Polarlichtwache kann ich da vergessen, weder die südgehende Hurtigrute bei Rørvik noch der Hafen selber sind gut zu sehen.

Also ein ruhiger Abend für mich – auch recht, morgen früh überqueren wir ja schon den Polarkreis, und um 9 Uhr steht bereits mein dritter Vortrag an. Volles Programm…

Hurtigrute Tag 4: Bodø

Der Tagesplan

Heute steht ein langer Tag an: Wir überqueren den… nördlichen Äquator… Polarkreis heißt das. Zwischen 6:30 und 8:30 soll das stattfinden, ich stelle den Wecker mal auf 7:00 und sehe morgens auf Marinetraffic, dass ich noch genug Zeit zum Frühstücken habe. Draußen ist es dunkel, aber gegen 8 macht sich die Dämmerung schon deutlich stärker bemerkbar als erwartet. Und: Der Himmel ist unerwartet klar. Da gibt es doch bessere Chancen für unverwackelte Bilder der Kugel auf der kleinen Insel Vikingen als ich gedacht hatte. Gegen 7:50 ist es dann soweit: Wir überqueren den Polarkreis, das Schiff leuchtet die Kugel an, auf Deck 7 ist es voll, und auf Deck 5 gibt es genug Platz an der Reling, um ein paar Fotos zu machen. Wunderschönes Licht – manchmal zeigt Norwegen, was es kann!

Kurz danach begegnen wir noch der südgehenden Nordnorge. Bei Temperaturen knapp unter Null ist es schön, dass man das warme Schiff dabei hat und sich jederzeit aufwärmen kann. In Deutschland hat sich die Wärme ja lange gehalten, da ist das schon eine Umstellung.

Da eh alle früh wach sind, habe ich kein Problem damit, dass mein bereits dritter Vortrag schon um 9 Uhr ist. Es ist eher schade, dass draußen die schöne Landschaft vorbei zieht – aber es geht um den Sternenhimmel und griechische Sagen, da kann ich mich einigermaßen kurz fassen. Da Jupiter schön hell am Morgenhimmel stand, gibt es auch gleich einen Bezug zum Vortrag.

Ich bin rechtzeitig fertig, damit wir Ørnes erleben können. Und hier gibt Norwegen alles: Was für Farben! Im Winter ist das ohnehin einer der schönsten Häfen. Auch wenn ich hier nicht leben wollte, zum Anschauen ist er klasse.

Besseres Wetter als jetzt geht kaum – kalt, wenig Wind und klar, während ein wunderbares Stück Norwegen an uns vorbei zieht. Damit das so bleibt, rufen wir wieder Njörd an – der Meeresgott soll uns gewogen sein und für ruhige See und klaren Himmel sorgen. Also steht kurz nach Ørnes die Polarkreistaufe an. Ina vom Expeditionsteam organisiert das ganze. Aus dem Pool auf Deck 7 kommt eine Gestalt in Badehose hoch, nur mit einem Handtuch um die Schultern, aber falscher Alarm – nur ein Badegast aus dem Whirlpool. Njörd steht dagegen auf Deck 8 und macht die Show mit der Hurtigrute-Tute.

Anschließend erhält der Gewinner des Wettbewerbs den Hauptpreis: Wer die Zeit der Polarkreisüberquerung am exaktesten vorhergesagt hat, erhält eine Reederei-Flagge und die erste Kelle Eis. Viel Spaß!

Das Programm geht nahtlos weiter: Es gibt Polarkreis-Stempel, einige finden den Weg in mein Buch – da biete ich doch gleich eine “flexible Signierstunde” an und setze meinen Stempel ebenfalls rein. Dann ist etwas Pause: Kurz nach 13 Uhr erreichen wir Bodø, und da ich das Mittagessen wie immer ausfallen lasse, kann ich mich sogar kurz im Panoramasalon niederlassen und die Landschaft genießen, bevor wir Bodø erreichen. Der Militärflughafen ist mittlerweile umgezogen, und der zivile soll einen Kilometer weiter neu gebaut werden. Noch landen ein Flugzeug und ein Hubschrauber, als wir an ihm vorbei fahren.

In den letzten zehn Jahren seit meiner ersten Tour hat sich in Bodø viel getan, und einige Baustellen und alte Häuser sind mittlerweile verschwunden. Genau wie Heilbronn wurde auch Bodø im Krieg fast völlig zerstört und viel zu schnell wieder aufgebaut, sodass man die schönen Stellen suchen muss. Die modernen Neubauten muss man mögen, sind aber unter dem Strich schöner als meine Heimatstadt – und dass die schneebedeckten norwegischen Berge eine imposantere Kulisse abgeben als die heimatlichen Weinberge, muss ich neidlos zugestehen. Dafür sind Weinberge praktischer:-)

Letztes Jahr war Bodø mit zwei anderen Städten europäische Kulturhauptstadt und hat sich dementsprechend herausgeputzt. Es stehen nur noch einige alte “Schwedenhäuser”, die nach dem Krieg als Fertighäuser errichtet wurden, um der Bevölkerung Obdach zu geben. Vor allem die größeren alten Gebäude nahe des Zentrums stehen leer und werden wohl auch bald durch moderne Hochhäuser ersetzt.

Während die Moderne die Nachkriegsgeschichte ersetzt und die Stadt ansehnlicher wird (wenn auch kein bisschen windstiller), bröseln die Graffiti an den Wänden langsam vor sich hin. Ich mache mit Kai die Runde durch die Stadt: Endlich parkt einmal niemand vor dem Nordlicht-Graffiti, und wir können das Nordlichtversprechen irgendwie doch erfüllen. Auch wenn die Farbe langsam abblättert. Ein Besuch im modernen Rathaus mit seiner interessanten Wand-Deko, und dann ab zum Dom: Laut Internet und Aushang hat er geöffnet, doch die Tür ist zu, und das angekündigte Glockenspiel um 14 Uhr fällt auch aus.

Dann wird es auch schon langsam Zeit für den Rückweg, am Hafen entlang. Bodø hat jetzt auch eine kleine Meerjungfrau, und ein großes Bauloch in der Stadtmitte.

Das Wetter hält sich erstaunlich gut, und wir sind pünktlich wieder auf dem Schiff, um uns aufzuwärmen. Die anschließende Überfahrt über den Westfjord ist auch angenehm ruhig, die Stürme scheinen erst einmal vorbei zu sein. Das Expeditionsteam hält noch einen Vortrag über Norwegen, und als wir gegen 16:15 am Leuchtturm Landegode vorbei fahren, ist es draußen bereits finstere Nacht.

Stamsund erreichen wir planmäßig gegen 19:15 und lassen die Teilnehmer des Wikingerfests aussteigen. Der Himmel über uns: Klar, und keine Spur von Grün. Verdammt.

Stamsund

Für uns geht es mit dem Schiff weiter nach Svolvær, immer unter dem klaren Sternenhimmel entlang. Frustrierend.

Die Stunde in Svolvær langt für einen kleinen Besuch an der Kirche mit dem dunklen Figurenpark, wo das iPhone wie immer die besten Bilder macht. Auf dem Rückweg fängt es an zu schneien. Die angekündigten Wolken haben uns eingeholt. Da kann ich mich wohl auf eine ruhige Nacht vorbereiten.

Kurz wird sie allerdings: Morgen begegne ich Moni auf der südgehenden Kong Harald, um 7:50 in Harstad. Das wird nichts mit einer Winkekonkurrenz.

Wir legen fast pünktlich in einem leichten Schneegestöber ab, während an Deck der berühmte Trollknært samt Tasse verkauft wird. Die Frage, was das eigentlich ist (außer Tee mit Rum), steht im Frage. Google ist nicht hilfreich… Wenn ich nach Knært und Rezept suche, lande ich bei Knorr.

Knært ist wohl ein Stock, vielleicht soll das ein Trollknüppel sein, der dich umhaut? Fragen über Fragen.

Kleine Enttäuschung: Es gibt keine Fiskekake (Fischbulletten), sondern Fischsuppe. Die schmeckt zwar auch, aber da habe ich keine Lust drauf. Wegen Schnee fällt wohl auch der Besuch am Trollfjord aus, und wir fahren direkt nach Stokmarknes – gegen 23 Uhr gebe ich auf, lasse den Schneefall in Ruhe und mache Feierabend. Polarlichtaktivität ist auch fast keine angesagt.

Kaum bin ich Bett, kommt die Durchsage “Nordlys”. Echt jetzt? Vorne am Bug soll was sein.

Also wieder anziehen, Kameraobjektiv wechseln und raus an Deck. Bis zum Bug komme ich nicht, sehe aber auch nichts. Der Testschuss mit dem Handy zeigt auch nichts. Links vom Schiff könnte knapp über den Bergen was sein… Rauf auf Deck 7: Da ist auch nichts zu sehen, vor allem ist die Beleuchtung der Bar noch an. Zu hell für die schwache Aktivität.

Letztlich schraube ich meine Kamera hinten auf Deck 5 an die Backbord-Reling und kann ein bisschen was hinter Wolken einfangen.

Ein Hauch von Nordlicht.

Puh. Das war also die Nordlichtgarantie. Um halb eins mache ich erneut Feierabend.

Immerhin: Ein paar aus unserer Gruppe waren rechtzeitig am Bug und konnten in den Wolkenlücken etwas sehen und fotografieren. Bei einem Kp von 2 für Tromsø ist es ja schon verwunderlich, dass überhaupt etwas ging. Hoffen wir, dass in den nächsten Tagen das Wetter besser mitspielt und die Aurora uns ebenfalls gnädiger ist.

Hurtigrute Tag 5: Tromsø

Das Tagesprogramm

Es gibt Tage, die schön sind, und über die es trotzdem nicht viel zu berichten gibt. Der Tromsø-Tag ist so einer. Am frühen Morgen legen wir in Harstad an, und wegen Moni, die gerade mit einer anderen Nordlicht-und-Sterne-Gruppe auf der südgehenden Kong Harald ist, bin ich um kurz vor 8 um Deck, winken und filmen. Hübsche Morgenstimmung, aber wer schläft? Moni. Na toll.

Dafür sehe ich eine nette Morgenstimmung, bevor wir in den Nebel fahren, und die beleuchtete Trondenes-Kirke vor Harstad. Auch hübsch, und ich brauche mein großes Tele gar nicht für die Kirche. Die Kirche ist die nördlichste mittelalterliche Steinkirche der Welt, der Kirchturm steht daneben.

Für mich steht dann erst einmal Frühstück an, und noch ein wenig Feinschliff an meinem vierten Vortrag: Um 10 Uhr erzähle ich etwas über die Sonne und das Leben der Sterne.

Und um 9:45 macht der Lektor der englischen Astronomie-Gruppe, Tom Kerrs, einen öffentlichen Vortrag über das Nordlicht auf Englisch. Während Hurtigruten Deutschland flache Hierarchien hat und alle Lektoren auch nach außen gleichberechtigt sind, hat Hurtigruten UK sich für ein “Zugpferd” für die PR entschieden. Schade, dass ich für seinen Vortrag keine Zeit habe, auch wenn er ins ganze Schiff übertragen wird. Aber ich darf selber reden, exklusiv für unsere Gäste.

Pünktlich zum Anlegen in Finnsnes bin ich fertig, und diesmal verpasst man draußen auch nichts: Nebel hüllt die Landschaft ein. Da war unsere Njörd-Beschwörung gestern wohl nicht so erfolgreich, auch wenn für die nächsten Tage zumindest ruhige See angekündigt ist.

Während das Expeditonsteam das Gathering heute mal am Vormittag macht, kümmere ich mich um mein Blog und das Polarlicht von gestern. Kp2. Das ist nicht viel.

Ein Nachteil, den man als Vielfahrer hat: Ich schaue kaum noch in das Ausflugsprogramm. Um 11 Uhr hätte es die Chance für eine Brückenbesichtigung gegeben. Die kenne ich zwar schon, aber es ist schön, dass überhaupt wieder Brückenbesichtigungen offiziell angeboten werden. Da gibt es zumindest gerade mehr zu sehen als draußen…

Wir fahren ruhig nordwärts, irgendwann wird per Durchsage auf den Gezeitenstrom Rystraumen hingewiesen, aber einen Point of Interest draußen an Deck gibt es diesmal nicht dazu. Irgendwann schaue ich trotzdem mal raus: Nett. Die Wolken haben aufgerissen, und es gibt arktische Lichtspiele. Endlich mal kein Tromsø mit Sauwetter, wie in letzter Zeit allzu oft.

Tromsø erreichen wir pünktlich um 14:15 in der beginnenden Abenddämmerung. Die Teilnehmer der “selbstfahrenden Hundeschlittenfahrt” werden zuerst von Bord gebeten, ich gehe etwas später auf Foto- und Einkaufstour. Das “Paris des Nordens” schont meine Kreditkarte diesmal allerdings. Ich war ja erst vor zwei Monaten hier im Urlaub, und vor uns liegt schon wieder die Finnmarken. Wegen diesem blöden Kreuzfahrer ist das Schoko-Regal im Kiwi komplett geplündert… Vor Weihnachten sind immer Rabattaktionen: Im Coop kostet die 200g-Tafel Freja noch 69 NOK, in Kiwi und Rema nur 29 NOK – billiger (und besser) als in Deutschland. Gut, dass ich weiß, wo ein Rema 1000 ist:-) Nur die leckeren Mørketidsboller (eine Art große Berliner, aber mit Schokoguss und Vanillefüllung) hat gerade kein Laden im Sortiment. Ich bin enttäuscht.

Ansonsten lasse ich mal Bilder sprechen:

Die Baustellen in Tromsø sind weniger geworden, und in der langen blauen Stunde kommt die Weihnachtsbeleuchtung richtig zum Wirken. Beeindruckend ist die lange Schlange vor dem kleinen “Raketen”-Würstchenstand. Keine Ahnung, was da so besonders sein soll (ja, er ist süß und niedlich), aber da wurde auf einem Schiff wohl gut Werbung für gemacht. Touristen gibt es in Tromsø mittlerweile auch im Winter genug. Nordlicht boomt, jetzt muss es sich nur mal zeigen.

Im Zuge der Bauarbeiten wurde die Fußgängerzone neu gemacht und hat jetzt fast durchgehend Fußbodenheizung. Das ist einerseits praktisch – weniger Rutschgefahr – aber dem Weihnachtsflair etwas abträglich. Aber es liegt hier noch genug Schnee rum, und glatte Stellen gibt es auch.

Viel mehr gibt es eigentlich nicht zu erzählen: Wir legen um 18:15 ab, das Tromsø-Buffett ist mir etwas zu Meerestier-lastig (statt Rentiereintopf gibt es als Alternative vom Land diesmal Hühnchen mit Kartoffeln und Tomatensoße – interessante Mischung), sodass ich letztlich bei Wurst- und Käsebroten lande. Auch mal eine nette Abwechslung, und auf Krabbenpulen und Krebseknacken habe ich keine Lust.

Draußen fängt es an zu schneien, und wir holen langsam die Finnmarken ein, die vor uns abgelegt hat und die wir morgen in Honningsvåg wieder treffen dürften – da sie keinen Versorgungsauftrag hat und keine kleinen Häfen anläuft, tuckert sie langsamer vor sich hin als wir auf der Hurtigrute.

Wir überholen sie langsam links auf der Überholspur, und gegen 20:20 kommt uns die südgehende Midnatsol an Backbord entgegen. Wir grüßen – das ist Tradition, die nordgehende Hurtigrute grüßt die südgehende, die die harte Route im Norden schon überstanden hat –, die Midnatsol grüßt zurück, die Finnmarken mischt sich ein, und schon sind wir mitten in einem Hupkonzert zwischen den beiden größten Schiffen der Flotte. Hat was.

Nach dem doppelten Schiffsbegegnung nimmt der Schneefall zu, und ich gehe wieder ins Schiff. Bei Skjervøy schaue ich noch mal raus: Auf dem Umlaufdeck liegt gut Schnee, aber der Schneefall hat nachgelassen, und der hübsche Hafen ist gut zu sehen. Skjervøy geht immer, wie es so schön heißt – Nordlichtaktivität ist auch da, aber der Himmel ist zu.

Skjervøy

Da kann ich guten Gewissens für heute Feierabend machen und diesen Blogbeitrag abschließen.

In diesem Sinne: God natt!

Hurtigrute Tag 6: Honningsvåg

Das Tagesprogramm

Egal wie oft ich die Tour auch mache: Man ist doch immer wieder überraschend schnell im hohen Norden. Als ich gegen 8 Uhr an Deck schaue, sind wir kurz vor Havøysund, ganz in der Nähe des Magerøyasunds, der die Insel mit dem Nordkap vom Festland trennt. Und nach dem Wetter gestern: Was für ein Morgenhimmel in der Polarnacht! Was für Farben!

Es ist wunderbar klar, und die Wolken schimmern in einem fantastischen rosarot. Genial.

Das Außenthermometer der Nordkapp behauptet seit einigen Tagen auch felsenfest, dass wir kaum unter 0 Grad haben, und besonders kalt ist es auch nicht. Vor allem weht kein Wind! Ich bleibe noch ein bisschen an Deck, bis die südgehende Havila Pollux den Anleger in Havøysund frei macht, an uns vorbeisegelt und schließlich hinter den Bergen verschwindet. Dann reiße ich mich von der Landschaft los und widme mich dem Frühstücksbuffet.

Und nach dem Frühstück? Um 3 Uhr morgens gab es wohl Polarlicht, zumindest bekomme ich von einer aus unserer Gruppe Bilder gezeigt. Irgendwie habe ich gerade am wenigsten Erfolg hier – aber ich gönne es ja jedem. Nur nächstes Mal bitte mit Durchsage:-)

Bei absolutem Traumwetter geht es dann in den Magerøyasund. Schneebedeckte Berge, strahlendblauer Himmel, unglaublich kitschige Wolken und keine Sonne – so gefällt die Polarnacht!

Etwa auf der Höhe des Straßentunnels gibt es auf Deck 7 einen Point auf Interest: Allerlei wissenswertes über Magerøya, Nordkapp und natürlich Rentiere. Gleichzeitig wird Schnee geschippt: In der Nacht kam einiges runter, auf Deck liegen einige Zentimeter, die ins Meer befördert werden wollen. Besonders spannend ist das für den Matrosen, der auf die Rettungsboote klettert, um da für Ordnung zu sorgen!

Aber der Himmel zieht weiterhin alle Blicke auf sich. Die Kamera kann die Farben natürlich nicht einmal ansatzweise einfangen. Man muss es selbst sehen, und dafür natürlich auch noch dieses Wetterglück haben!

Derweil öffnet das Restaurant wieder: Da die meisten zum Nordkap wollen, schließt das Mittagessen fast nahtlos an das Frühstück an. Als wir Honningsvåg erreichen, gibt es ein paar Wolken mehr am Horizont, und die MS Finnmarken ist auch schon da. Ein paar rote Jacken sind im Ort zu sehen, aber auch hier sind wohl alle schon am Nordkap. Von den Taxis, die normalerweise auf Individualreisende warten, die günstiger zum Nordkap wollen, ist nichts zu sehen – die haben uns die Kreuzfahrer der Finmarken wohl schon weggeschnappt.

So viel sei schon verraten: Ich fahre nicht zum Nordkap, aber unsere Gäste hatten Traumwetter. Erst auf der Rückfahrt kam das berüchtigte Schlechtwetter, das man da oben eigentlich fast schon erwartet. Für mich stand Honningsvåg auf dem Programm. In der Nähe vom Anleger hat ein neues Museum eröffnet, das sich auf drei Stockwerken mit dem Meer und – natürlich – auch der Lachszucht beschäftigt.

Mit interaktiven Spielen und interessanten, kurzen Info-Häppchen ist Ocean Stories einen Besuch wert. Science-Center-mäßig vermittelt es einen schönen Rundumschlag an Wissen über das Nordmeer, von der Historie bis zur Moderne. Wer einmal Lachsfarmen bauen oder Fische impfen will, ist hier genau richtig. Das lohnt sich meiner Meinung nach mehr als das Nordkap-Museum, wenn man einmal in Honningsvåg ist und weder zum Nordkap noch hoch zum Aussichtspunkt will.

Anschließend gehe ich noch einmal um das Hafenbecken, um einen Blick auf unser Schiff von der anderen Seite zu werfen. Irgendwie ist die Nordkapp gewachsen…

Nordkapp & Finnmarken

Anschließend ein Besuch im Weihnachtshaus, das wieder geöffnet ist und mir nichts neues zu bieten hat, und in den Laden direkt am Anlieger, wo ich fündig werde. Dann gehe ich auch schon zurück aufs Schiff. Das Restaurant hat mittlerweile zu, und es gibt eine Sicherheitsübung: Zum ersten Mal auf dieser Reise sehe ich etwas, wenn ich aus dem Fenster schaue, das Rettungsboot ist weg. Aber das kommt wieder, keine Frage.

Ich gehe anschließend noch einmal auf Deck 7, arbeiten – mit Blick auf den Ort, der langsam in der Polarnacht versinkt. Und im Nebel… haben die am Nordkap das ganze gute Wetter aufgebraucht? Das kann doch nicht wahr sein. Der Blick auf Windy zeigt, dass es heute in der Barentssee klar werden kann – und zwar immer etwa eine halbe Stunde hinter uns. Langsam nehme ich das der Aurora und den Wettergöttern übel.

Um 15:30 gibt es einen deutschsprachigen Vortrag über die Samen. Für mich nicht zu viel Neues, aber trotzdem schön gemacht, und irgendwas lernt man doch immer. Pünktlich für unseren Anlauf in Kjøllefjord ist er fertig. Kjøllefjord ist im Winter ja einer der schönsten Häfen: Ein Weihnachtsdorf, das am Fuß der schneebedeckten Berge am Ende eines Fjords liegt. Das ganze wirkt aber nur schön, wenn nicht so viel Schnee in der Luft ist, dass man nichts vom Ort sieht!

Kjøllefjord

Die Überfahrt nach Mehamn ist unruhiger als gedacht – wir haben eigentlich nur eineinhalb Meter hohe Wellen, aber trotzdem ist bei Windstärke 4-5 Bewegung im Schiff. Der Wind kommt von achtern oder Norden. Aber auch das Abendessen geht rum, und bei dem Schneegestöber draußen brauche ich auch keine Polarlichtwache halten.

Aber, oh Zeichen und Wunder: Auf einmal kommt kurz nach 21 Uhr die Durchsage: Polarlicht voraus! Bis ich meine Kamera geholt habe, habe ich keine Chance mehr für einen Platz am Bug, aber das ist gar nicht schlecht: Links gibt es auch eine gute Show, die meine an die Reling geschraubte Nikon einfängt, und am Heck ist auch viel zu sehen. Über uns ist sogar eine kleine Corona zu sehen, die Bänder sind deutlich, das geisterhafte Grün ist mit dem bloßen Auge zu erkennen, und bisschen Bewegung ist auch da. Und vor allem: Bis etwa Berlevåg zeigt die Aurora sich ohne störende Wolken! Damit hat jeder die Chance, etwas zu sehen.

Damit haben wir endlich die schöne Show, auf die ich gehofft hatte. Bitte mehr davon:-)

Die Ausbeute der Nikon im Zeitraffer

Und die kürzeren Filme der Panasonic:

Praktisch übrigens: Nach Berlevåg war wieder Ruhe. Nur die Schiffsbegegnung mit der Nordlys gibt es noch, ansonsten hat sich das Polarlicht zu einem diffusen Schimmer aufgelöst. Feierabend zu einer guten Zeit also.

Zum Abschluss noch die Nordlys.

Hurtigrute Tag 7: Kirkenes

Der Tagesplan

Und schwupps ist es schon wieder so weit: Wir fahren südwärts nach Kirkenes, dem Wendepunkt unserer Reise. Das bedeutet auch, das wir den warmen Golfstrom verlassen und uns in kältere Gefilde begeben. Kirkenes liegt etwa auf der Höhe von Tromsø, hat aber kontinentales Klima mit warmen Sommern und kalten Wintern. -18° Celsius sind für heute angesagt. Brrrr…

Vadsø verpasse ich wieder einmal, auch wenn ich das Anlegen mitbekomme und wach werde. Aber rechtzeitig aus Bett komme ich nicht…

Die Überfahrt durch den Varangerfjord ist ruhig, und draußen gibt es nicht viel zu sehen: Es ist neblig. Der Nebel kommt von dem dampfenden Wasser, der Fjord ist noch eisfrei. Ein bisschen gespenstisch sieht das schon aus. Richtung Kirkenes wird die Sicht wieder besser. Der Himmel über uns: Klar. Das ist die perfekte Polarnacht mit unendlich langer Dämmerung.

Das Außenthermometer vom Schiff zeigt angenehme -12° an – die Nordkapp hat wohl noch Restwärme…

In Kirkenes ist es ruhig. Durch den Ukrainekrieg ist der Handel mit Russland weitestgehend zusammengebrochen, es liegen auch keine russischen Trawler mehr im Hafen, um von der Werft zusammengeflickt zu werden. Die Eisenerzmine hat wohl einen neuen Besitzer, aber den Betrieb auch noch nicht wieder aufgenommen. Harte Zeiten für den Ort am Ende der Welt…

Mit Kai und einigen Gästen mache ich einen Rundmarsch durch die Stadt, an den Spuren der ehemaligen russisch-norwegischen Freundschaft vorbei, die durch die deutsche Besatzung im zweiten Weltkrieg verstärkt wurde. Die Andersgrotte an die deutsche Besatzung, die verbrannte Erde hinterließ, das Russendenkmal erinnert an die Befreiung der Finnmark, und das Grenzkommisariat an den kleinen Grenzverkehr. Heute sieht das schon wieder anders aus, es gibt Solidaritätsbekundungen mit der Ukraine, und russische U-Boote und kleinere Boote, die im Fjord gesichtet wurden und teils an Land gingen, tragen nicht zum Vertrauen bei.

Aber an einem frostigen Samstagmorgen ist hier ohnehin nicht viel los. Das soll im Sommer ganz anders sein… Seit dem letzten Besuch hat sich hier nicht viel geändert. Jede Menge kleine Holzhäuser, auch in schwarz, die kaputte Kirchturmuhr und die geschmückte Fußgängerzone – nur russische Autos sieht man weniger.

Der Berg ruft…

Gut durchgekühlt erreichen wir dann das Amfi-Einkaufszentrum. Ein Gang durch das Sport-Outlet (neue Taschenlampe besorgen), und dann nichts wie ab zum warmen Schiff. Die Temperaturen laden nicht zum Flanieren ein… Am Schiff wird es spannend: Die Türe ist zu, und die Gangway bildet ein umgedrehtes V: Es geht steil hoch, und dann hinab ins Schiff. Theorie: Das ist, damit die beweglichen Teile der Gangway nicht aneinander frieren.

Ansonsten verspricht es ein ruhiger Tag zu werden. Ina gibt mir den Termin für meinen letzten Vortrag (morgen, um 14 Uhr – also zwei Stunden nach Sonnenuntergang), und die Barentssee soll ruhiger sein als gestern, dafür mit 95% Bewölkung. Diesmal wird das Schiff südgehend auch kaum leerer: Zwar verlassen und wie üblich einige Gäste, aber es steigen fast so viele neu ein – darunter eine englischsprachige Gruppe, die während der Überfahrt nach Vardø die Sicherheitsbelehrung anhören darf. Das anschließende tägliche Gathering um 14:30 überspringe ich wieder.

Zur Abwechslung erreichen wir Vardø fast pünktlich – das würde für einen Sprint zum Hexendenkmal reichen, aber irgendwie fehlt heute die Motivation, Spikes anzuziehen und die Taschenlampe rauszuholen. Stattdessen gehe ich mal wieder in die Festung, deren Fenster rot beleuchtet sind. Überraschung: Hier ist Weihnachtsmarkt, mit zwei Buden und einem Weihnachtsbaum. Mal was neues.

Zurück an Bord steht auch schon der nächste Programmpunkt an, der mich interessiert: Lauras Vortrag über Vardø und die Finnmark bietet mir nicht viel neues, ist aber trotzdem interessant anzuhören. So erfahre ich, dass es wieder einmal einen nördlichsten Baum gibt – der stand ja jahrelang auf der Festung (die in der arktischen Klimazone liegt), ist dann irgendwann trotzdem eingegangen. Vor kurzem hat der örtliche Kindergarten dann eine neue Eberesche gepflanzt, die ich sogar fotografiert habe: Sie steht vor dem weißen Gebäude in der Festung. Der Weihnachtsbaum dürfte dagegen schon tiefgefroren sein…

Dann Abendessen und kein Feierabend: Von wegen 95% Bedeckung. Als ich vor Båtsfjord rausschaue, sehe ich über dem Land zwar nichts außer den angestrahlten Wolken über dem Ort, aber fünf Minuten kommt die Meldung, dass es doch was gibt. Ich hätte auf beiden Seiten schauen sollen…

Also an die Reling mit der Kamera und laufen lassen: Ja, schon nicht schlecht.

Polarlicht vor Båtsfjord, mit der Nikon an der Reling

Mit meiner zweiten Kamera stelle ich mich ans Heck und lasse sie auch als Zeitraffer laufen. Fängt schwach an, wird bis zum Hafen aber besser.

Der Blick vom Heck

In Båtsfjord ist dann erst einmal Pause: Der helle Hafen ist kein guter Platz für Polarlichtbeobachtung. Eine halbe Stunde sind wir im nach Hammerfest zweitgrößten Fischereihafen Norwegens mit immer etwas über 2000 Einwohnern, dann geht wieder auf die angenehm ruhige Barentssee. Das Polarlicht legt noch einmal los und ist heller als zuvor, wenn auch irgendwie unschärfer – ein bisschen Schleierbewölkung ist wohl doch da, aber was macht das schon?

Polarlicht nach Båtsfjord

Irgendwann nach dem Ablegen kommen dann doch Wolken, und ich packe nach einer halben Stunde zusammen – nur, um etwas später wieder aufzubauen. Die nächste große Wolkenlücke kommt kurz vor Berlevåg, noch ein guter Nachschlag. Schließlich erreichen wir Berlevåg, die südgehende Havila Castor macht den Hafen frei, und packe wieder ein. Das war es dann doch wohl, schließlich sollen wir schon längsten unter dichten Wolken unterwegs sein.

Havila Castor

Nein, es gibt keinen Feierabend: Es ist weiterhin klar, und ich gehe nun doch einmal von Deck 5 auf Deck 7: Es ist doch überraschend dunkel – vielleicht hat es Vorteile, dass “Hurtigrutens Chief Aurora Hunter” ebenfalls an Deck ist, auch die neue Weihnachtsbeleuchtung ist noch aus. Dafür bin ich fast alleine. Zur Abwechslung schraube ich meine Kamera ans Deck und bleibe noch ein bisschen.

Es bleibt erst einmal bei einem Standard-Polarlicht – und dann endlich: Bewegung! Ein schöner Vorhang bildet sich und flattert im Sonnenwind. Das will ich sehen, und zum Glück bin ich nicht ganz alleine – zumindest ein Hartgesottener aus unserer Gruppe hat durchgehalten.

Polarlicht vor und nach Berlevåg

Das Timing ist perfekt, kurz darauf sind wir auch unter den angekündigten Wolken, und gegen halb zwölf kann ich Feierabend machen, zumindest an Deck. Mein Laptop darf noch ein bisschen arbeiten.

Was für ein Tag – wenn das Wetter mitspielt, überzeugt diese Polarnacht wirklich!

Hurtigrute Tag 8: Hammerfest

Der Tagesplan

Es geht mit viel zu großen Schritten zurück in den Süden. Als ich kurz vor Havøysund aufstehe, haben wir den Magerøyasund bereits hinter uns, machen eine letzte Linkskurve und sind auf Südkurs. Die Polarnacht werden wir heute auch verlassen: In Hammerfest ist seit heute Polarnacht, und Øksfjord, der nächste Hafen, hat noch etwa eine Stunde Sonnenschein – die letzte, morgen geht die Sonne da auch nicht mehr auf.

Solange sich die Landschaft schön verschneit unter klarem Himmel präsentiert, stört das aber nicht: Es gibt statt ewiger Finsternis eine lange blaue Stunde, während die Sonne knapp unter dem Horizont steht.

Nach dem Ablegen begegnen wir der nordgehenden Hurtigrute MS Polarlys, grüßen schön, und ich gehe kurz frühstücken.

Der nächste Programmpunkt lässt nicht allzu lange auf sich warten. Nach der Ausflugspräsentation ist es schon Zeit für den Energiekaffee vor der Insel Melkøya mit ihrer Erdgasverflüssigungsanlage. Da wieder Kaffee statt heißer Schokolade auf dem Programm steht (also die berüchtigte Mischung aus je 50% Schweröl und Zucker), fotografiere ich die Industrieanlage von Deck 5 aus. Da ist doch weniger los, auch wenn ich ohne den Point of Interest nicht erfahre, ob es hier etwas neues gibt. Auf der anderen Seite vom Schiff schwimmt noch eine Bohrinsel rum: Die Transocean Enabler.

Auf der Fahrt in den Hafen grüßt die Kirche mit Geläut: Es ist Sonntag und Zeit für den Gottesdienst. Direkt vor der Kirche ist wieder der große Schneehaufen von der Straßenräumung

In Hammerfest legen wir endlich wieder einmal im Ort an. Die Meridiansäule, die an die Vermessung der Welt durch Struve erinnert, ist zwar auch hübsch, aber eigentlich will man ja in die Stadt. In Hammerfest hat sich seit meinem letzten Besuch einiges getan: Dass die hohen Löhne der Energieanlage auf Melkøya die Preise so nach oben getrieben haben, dass die alteingesessenen Einwohner (auf jeden Fall die in Mietwohnungen) die Stadt längst verlassen mussten, ist ja nichts neues _ Hammerfest ist die zweit- oder dritt-teuerste Stadt Norwegens, Oslo ist auf Platz eins. Der Einzelhandel sieht auch etwas weniger aus (erst Corona, dann die Hafenneugestaltung mit anderen Liegeplätzen). Wir liegen ein paar Meter weiter am selben Anleger wie früher, nur ein paar Meter vom Stadtzentrum entfernt. Die Eisbären vor dem Ratshaus sind belagert, und mit ein paar Gästen schlendern wir einmal durch den Ort.

Der Eisbärenclub hat ein neues Heim an der Hauptstraße, etwas abseits für uns. Das Museum ist kleiner geworden, der Verkaufsraum größer, ohne mehr zu bieten. Also weiter durch das verschneite Hammerfest.

Mein Bänkle

Endlich kann ich wieder die Tradition pflegen und ein Foto auf meinem Bänkle vor dem Musikpavillon machen. Diesmal liegt mehr Schnee auf der Bank als davor.

Der Zickzackweg auf den Berg hinauf ist gesperrt, aber ich habe meine Spikes ohnehin auf dem Schiff vergessen. Also geht es in gemütlichem Tempo zum Friedhof mit der alten Kapelle, die als einzige den Rückzug der deutschen Wehrmacht überstanden hat, hin zur Kirche. Auf dem Weg liegen einige der alten Fertighäuser, mit denen Hammerfest dann wieder aufgebaut wurde, und an denen teils eindrucksvolle Eiszapfen hängen.

Einen Blick wert sind noch die Infotafeln am Anleger: Die Pläne für den neuen Hafen sind doch sehr futuristisch…

Zurück auf dem Schiff ruft die Arbeit: Mein letzter Vortrag steht an. Um 14 Uhr erzähle ich etwas über Sternsagen, während wir durch die Abenddämmerung fahren. Dann hat Kai noch eine Überraschung parat.

Hubschraubereinsatz

Damit endet mein Vortragsprogramm, ich habe alle fünf Vorträge untergebracht. Wobei heute eh volles Programm ist: Der Vortrag vom englischen Lektor wird auf das ganze Schiff übertragen und ist zeitgleich mit meinem, und um 15:15 finden parallel Vorträge über die Geschichte der Hurtigrute und das Wettrennen zu den Polen statt.

Zurück in der Kabine: Ein Lärm ist das hier… ist meine Lüftung im Eimer? Nein, draußen, ist es auch nicht ruhiger – ein Hubschrauber steht über dem Schiff, das Außendeck ist teilweise gesperrt, und jemand seilt sich ab und geht danach wieder zurück auf den Hubschrauber.

Es ist zum Glück nur eine Übung, die soweit ich das sehen kann ohne Probleme verläuft. Dann verabschiedet sich der Hubschrauber in die Abenddämmerung, und die Crew wirkt entspannt – sieht wirklich eher nach Übung als Ernstfall aus.

Øksfjord

Bis wir Øksfjord erreichen, ist es dunkel – jetzt ist auch hier Polarnacht, die hatten ihren letzten schönen Tag. Als ich das Anlegen an Deck abwarte (der Hafen hat ein sehr schönes Echo), werde ich gefragt, ob ich schon nach Polarlicht Ausschau halte. Nein, diesmal nicht, und vor allem nicht jetzt schon. Da bräuchte es wesentlich mehr Aktivität, auch wenn es für heute Abend gut aussieht und noch immer ziemlich klar ist.

Die Zeit bis zum Abendessen vergeht schnell, die Überfahrt über die Loppa ist auch schön ruhig. Nichts mit “Loppa macht hoppa”, die großen Herbststürme verschonen uns bislang. Auch nicht schlecht.

Im Restaurant gibt es was neues: Jetzt wird samisches Essen promotet. Endlich steht Rentier auf der Karte, das hatte ich schon vermisst.

Und während des Essens – wir haben ja die 18-Uhr-Sitzung – kommt eine Durchsage, irgendwas von wegen Nordlicht wäre jetzt zu sehen. Nun, wir hatten alle schon einige Chancen, und der Saal leert sich kaum. Da kann ich auch in Ruhe essen, und dann sind wir eh schon fast in Skjervøy, dem nächsten Hafen.

Ich mag die Strecke zwischen Skjervøy und Tromsø für Polarlicht, und hatte drauf gehofft: Die Berge auf beiden Seiten bieten sowohl Windschutz mit ruhigem Fahrwasser als auch eine schöne Kulisse. Also schraube ich meine Kamera erst an den Bug und ziehe dann rasch ans Heck um: Hübsch. Schönes, helles, Polarlicht in diesem geisterhaften grün tanzt ruhig, aber nicht zu ruhig über den Himmel.

Die Nikon arbeitet fast zwei Stunden, der Film ist zu groß für die Webseite. Den kriegen nur unsere Gäste. Aber wofür habe ich zwei Kameras? Zur Abwechslung drehe ich meine Panasonic ins Hochformat, schließlich reicht das Polarlicht vom Horizont bis hoch über das Schiff. Hat was.

Die Überfahrt hat diesmal nur einen kleinen Haken: Um 21:15 wird die Postflagge versteigert. Im Panoramasalon wird Geld für die Hurtigrutenfoundation gesammelt.

Aber um 21 Uhr begegnen wir der nordgehenden Havila, und als das Licht wieder ausgeht, macht auch das Polarlicht schlagartig Pause. Ich lasse meine Kamera laufen und gehe zur Auktion.

Zur Auktion stehen eine Seekarte, ein Stück vom Schiff, ein Besuch im Maschinenraum und natürlich die Flagge, die schon den ganzen Tag auf Deck 5 begehrliche Blicke geweckt hat.

Dementsprechend hoch sind auch die Gebote, für über 3500 NOK geht die Flagge über den Tisch und in unsere Gruppe – gut, dass die Krone gerade günstig steht.

Derweil ging es nicht nur im Panoramasalon hoch her, sondern auch draußen – zumindest sehe ich ein paar schöne Fotos, und meine Kamera hat auch ein bisschen von dem eingefangen, was sich direkt über uns abgespielt hat. Irgendwann nach 22 Uhr baue ich aber ab. Der Himmel ist klar, aber kein Polarlicht mehr zu sehen – auch die Webcams der Umgebung zeigen nur noch ein diffuses Leuchten über den gesamten Himmel.

Vor Tromsø gehe ich noch an Deck und schaue mir das Anlegen an, dann geht es an den Rechner, die Bilder bearbeiten – bis morgen früh sind die Bilder für die Filme dann auch fertig. Den Kneipenbummel oder das Mitternachtskonzert in der hölzernen Domkirche spare ich mir aber.

Ein langer, aber schöner Tag endet.

Zurück in Tromsø

Hurtigrute Tag 9: Vesterålen

Der Tagesplan

Das Schöne an der südgehenden Route ist, dass es weniger große Häfen gibt, und man eher entspannen kann. Also, theoretisch zumindest. Wer das Mitternachtskonzert in Tromsø und die Vesterålen-Bustour gebucht hat, hat ohnehin eine kurze Nacht hinter sich. Tromsø haben wir um 1:30 verlassen, Ankunft in Harstad ist gegen 8 Uhr. Ich habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und die Infotaste am Telefon meiner Kabine auf “aus” gestellt, um nicht von der Durchsage geweckt zu werden, dass die Teilnehmer der Exkursion doch bitte rechtzeitig das Schiff verlassen mögen. Trotzdem bin ich in Harstad schon wach, obwohl es noch dunkel ist. Die nordgehende Hurtigrute habe ich trotzdem verpasst, aber für ein Foto der Trondenes-Kirche langt es. Sie ist auch das erste Ziel der Bustour, die in Sortland wieder zu uns stößt. Aber das Wetter ist unfreundlich, es schneit leicht – auch mit Tele-Objektiv ist nicht viel zu sehen.

Letztes Licht

Über den Vormittag gibt es nicht viel zu erzählen: Zwei Ausflugsbusse sorgen dafür, dass es auf dem Schiff ruhiger ist, und draußen verschwinden die Berge im Nebel. Die mystischen Vesterålen sind mal wieder etwas zu mysteriös. Ob sich Trolle dort verbergen?

Ein Lichtblick zeigt sich noch am Horizont zwischen den Wolken, dann verschwinden die Vesterålen im Nebel. Schade – die Inseln sind zwar nicht ganz so wild-beeindruckend wie die Lofoten, aber dafür kommen wir ihnen näher.

Um kurz nach zehn Uhr treffen wir uns zum Interessepunkt Risøyrinne auf Deck 7. Die flache Strecke, die gleich entlangfahren, wurde extra für die Hurtigrute ausgebaggert, um die Ortschaften besser an Rest-Norwegen anzubind. Bei ruhiger See und klarem Wetter kann man bis auf den Grund schauen – heute ist kaum die See zu sehen, geschweige denn die Rinne.

Risøyhamn

Das Anlegemaneuver in Risøyhamn schenke ich mir weitestgehend und widme mich meinem Blog. Das Mittagessen lasse ich ach wieder ausfallen – viel Ruhe ist trotzdem nicht: Kurz nach 12 nähern wir uns Sortland, wo wir den Ausflugsbussen winken können, die genau dann über die Brücke fahren, wenn wir darunter hindurch fahren. Moderne Funktechnik macht’s möglich:-)

Das Expeditionsteam kommt mit Fahnen und Soundanlage, und es haben sich wieder einige Passagiere gefunden, die gerade nicht mit Mittagessen beschäftigt sind und fröhlich winken, trotz des kalten Winds. Immerhin: Sortland liegt in einer schönen Kulisse, die gerade sogar zu sehen ist. In einer Hand die Fahne, in der anderen das Handy zum Filmen – keine leichte Aufgabe hier vorne am Bug.

Für die “blaue Stadt” bleibt wieder kaum Zeit, es lohnt sich nicht, hier von Bord zu gehen. Wir fahren rasch weiter nach Stokmarknes. Weniger als zwei Stunden später erreichen wir den “Geburtsort der Hurtigrute” mit dem privaten Hurtigruten-Museum und der alten Finnmarken. Die Zeit reicht, um entweder einmal durch das alte Schiff zu gehen, oder um im Coop Leergut zurückzubringen. Coop macht bei den günstigen Schokoladenpreisen nicht mit, 69 NOK ist mir die 200g-Tafel dann doch nicht wert…

Es dauert etwas, bis wir ablegen – Kabinennummern werden ausgerufen, dann der Reiseleiter einer Gruppe – da fehlt wohl jemand… Als es dunkel und neblig ist, fahren wir weiter in den wunderschönen Raftsund, der Lofoten und Vesterålen voneinander trennt, und dessen Schönheit und in der Finsternis verborgen bleibt.

Dafür halten wir an der Mündung des Trollfjords, und nehmen die Abkürzung durch den schmalen Svartsund dorthin. Davor gibt es einen Point of Interest auf Deck 7, bevor sich (fast) alles am Bug drängt, um einen Blick auf den Trollfjord zu erhaschen. Die schneebedeckten Inselchen des Svartsunds wirken in der Finsternis unwirklich, und die Berge am Eingang des Trollfjords werden von den Scheinwerfen der Nordkapp nur teilweise erhellt. Das Handy macht mal wieder die besten Bilder (solange man sie sich nicht in groß anschaut)…

Dann geht die Fahrt weiter nach Svolvær. Das Buffet für das Abendessen öffnet schon um 17:30, für alle, die auf Ausflug gehen. Kai und ich schauen uns die Schlange an und verzichten erst einmal… und da wir eh in den Anker wollen, den kleinen Pub in Svolvær, bestellen wir dort einfach Pizza vor. Die Online-Bestellung scheitert an der Tischnummer, also anrufen: Der Kollege redet nur Englisch, kein Norwegisch? Auch in Norwegen finden sich immer weniger Einheimische, die im Service arbeiten wollen…

Svolvær

In Svolvær liegt Schnee, der langsam in Schneegraupel über geht. Kein schönes Wetter für einen Stadtspaziergang, da ist der Pub genau richtig. Gute 30 Euro werden gegen eine Pizza und ein Bier getauscht, und in eine gesellige Stunde im urigen Pub investiert. Immer wieder eine schöne Abwechslung, wenn ich gestern schon nicht motiviert genug für das Nachtleben in Tromsø war. Aber da trifft man Sonntags gegen Mitternacht eh nur noch Touristen…

Auf dem Rückweg begleitet uns ekelhafter Schneegraupel, zum Glück ist es nicht weit zum Schiff. Dort berichtet uns der Trollbeauftragte der Sektion Dovre die volle Wahrheit über die Trolle, und warum es nachts so gefährlich ist in Norwegen. Passend dazu schaukelt das Schiff entlang der Lofotenküste, während der Graupel an die Scheiben prasselt. Gespenstisch…

Stamsund

Ja, und dann macht sich diese Erholungsreise doch bemerkbar, ein früher Feierabend ist reizvoll. Das Schiff leert sich noch bevor wir Stamsund erreichen. Außer den hohen Bergen und ein paar Lagerhäusern ist von dem Ort nichts zu sehen, nur seine Lichtkuppel schimmert hinter den Bergen. Jetzt geht es raus auf den Westfjord, nach Bodø. Bei rund 1,5 Meter hohen Wellen schaukelt es ein wenig, als wir durch die Dunkelheit fahren. Endlich Ruhe, um mein Blog zu schreiben.

Aber nööö, um 23 Uhr wird Nordlicht durchgesagt. Also weg mit dem Laptop, her mit der Jacke und ab an Deck: Naja. Über uns ist eine Wolkenlücke, und tatsächlich auch ein schwacher heller Streifen. Kurze Info an die Whatsapp-Gruppe, was Stand der Dinge ist, und fünf Minuten später das Update, dass ich jetzt mit bloßem Auge nichts mehr sehe. Da war zwar was, aber gegen Dunst kann es sich nicht durchsetzen. Immerhin die Lofotenwand sieht man ganz nett schimmern, unter der Lichtverschmutzung der Ortschaften.

Diese Polarlichtsichtung kann man getrost abhaken und Feierabend machen. Schluss für heute.

Hurtigrute Tag 10: Helgelandküste

Der Tagesplan

Es ist schon wieder soweit: Wir überqueren den Polarkreis südgehend. Damit verlassen wir die Gegend, wo es schön ist – von der Landschaft ist nicht viel zu sehen.

Kurz vor dem Polarkreis begegnen wir der nordgehenden Havila Capella, ich gehe kurz an Deck zum Winken. Ein eisiger Wind begrüßt mich…

Kurz darauf ruft das Expeditionsteam zur arktischen Zeremonie um 8:40 auf Deck 7, und das Wetter ist sehr kontrastarm. Also so, wie man das im November erwartet und nicht so, wie wir das von der Polarnacht mittlerweile gewöhnt sind. Aber es geht ja auch in den sonnigen Süden, wo es die wärmende Sonne über den Horizont schafft. Das Außenthermometer der Nordkapp zeigt unverändert -2°C an.

Die Insel Vikingen taucht ziemlich unvermittelt aus dem Nebel auf, und kurz darauf gibt das Schiffshorn die Polarkreisüberquerung bekannt. Mittlerweile schneit es wieder leicht, aber einiges an Schnee auf dem Deck ist schon wieder weg und hat das Glatteis darunter freigegeben.

Lebertran

Wir kommen der Insel nahe genug, um die Kugel zu sehen, und dann verlasse ich meinen Platz am Bug und gehe hoch auf Deck 7. Es gibt wieder Lebertran – gar nicht mal so schlecht, aber ich habe mittlerweile genug Löffel und brauche nicht noch mehr. Also lasse ich anderen das Vergnügen.

Anschließend kann man Stempeln gehen: Zur Polarkreisüberquerung hat das Schiff einen eigenen Stempel, der auch gut genutzt wird. Zeitgleich gibt es noch einmal ein Treffen mit dem Expeditionsteam, während draußen wahrscheinlich die Landschaft an uns vorbeizieht – viel mehr als Weiß mit ein paar Schneeflocken sehe ich nicht von unserem “Büro” auf Deck 5.

Als wir Nesna erreichen, bin ich ganz dankbar für das kleine rote Hafengebäude – sonst glaubt mir keiner, dass ich den Farbfilm eingelegt habe…

Das hat aber auch seinen ganz besonderen Reiz und ist weniger düster, als es auf den Bildern rüberkommt..

Sandnessjøen

Heute ist mal wieder ein Tag ohne besondere Ereignisse, der aber ständig von kleinen Häfen unterbrochen wird. Zur Mittagszeit erreichen wir Sandnessjøen. Über uns ist wohl irgendwo klar, wir kämpfen eher mit Nebel als mit Wolken. Die halbe Stunde, die wir hier liegen, langt für eine Besichtigung der Brücke vom Schiff – seit kurzem ist das wieder möglich, wenn auch nur für wenige Passagiere. Für einen Gang durch die hübsche Fußgängerzone mit einigen Skulpturen reicht die Zeit aber nicht.

Nach dem Ablegen gibt es den Interessepunkt zu den Sieben Schwestern – den Berggipfeln, an denen wir kurz nach dem Ablegen vorbeifahren und die Teil einer Sage sind, die die ganze Helgelandküste umspannt. Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Nach dem Ablegen verschwindet der Nebel, und weite Teile der sieben Schwestern tauchen auf.

Die Sieben Schwestern

Respekt, mit denen hatte ich gar nicht mehr gerechnet. Und in Fahrtrichtung blitzt etwas Sonne auf!

Eine knappe Stunde habe ich jetzt frei, bis der nächste Programmpunkt kommt: Der Farewell-Drink vom Schiff. Auf der Nordkapp gibt es den zurzeit nicht zum Captain’s Dinner heute Abend, sondern schon um 14 Uhr. Mit einem Gläschen Sekt und einer kleinen Rede wird auf die fast vollendete Reise angestoßen, da viele Reisende schon in Trondheim aussteigen.

Farewell

Wir sind kein Kreuzfahrtschiff, daher wird die Rede schnell verlesen, dann skål und back to work. Schließlich steht der nächste Hafen bald an, um 15 Uhr sollen wir Brønnøysund erreichen. Ich mache es mir endlich mal draußen auf Deck 7 bequem, in dem überdachten Bereich. Einfach mal die schwarzweiße Landschaft genießen, die da an uns vorbei zieht. Die Temperatur ist mittlerweile auf etwa 5° geklettert, Schnee und Eis auf dem Schiff tauen, und es ist richtig angenehm. Einmal Norwegen genießen!

Langsam kommt Brønnøysund in Sicht, und wir werden langsamer: Auf der Trollfjord gab es einen Notfall, und die muss an unserer Stelle an den Anleger. Unsere geplante Ankunftszeit verschiebt sich um etwa eine Stunde. Damit hat sich der Hike durch den Ort erledigt.

Was trotzdem stattfinden soll: Seit zwei Tagen liegen Flyer aus, mit denen wir zu einem Mini-Konzert in der Kirche von Brønnøysund eingeladen werden. Die Pfadfindergruppe “De Makalause” lädt zu einem kostenlosen Konzert ein und bittet um Spenden für eine Behindertenschule in Sri Lanka. Da das Expeditionsteam mitgeht, ist auch sicher, dass das Schiff wartet – was gut ist, denn es dauert etwas länger, und die ersten Konzertbesucher kommen erst zur geplanten Abfahrtszeit zurück auf die Nordkapp.

Die Trollfjord in Brønnøysund

Aber erst einmal muss die Trollfjord unseren Anleger freigeben. Kurz nach 16 Uhr ist es soweit, sie dampft ab, und wir legen an. Es ist glatt im Ort: Der Schnee schmilzt und gibt das tieferliegende Eis frei. Bei nicht ganz eineinhalb Stunden Aufenthalt gehe ich kurz zum Kiwi, die letzten Einkäufe erledigen. Endlich finde ich die Mørketidsboller – eine Art Berliner, aber etwas fester, mit Schokoüberzug und Vanillefüllung. Lecker.

Dann noch kurz zur Mitte Norwegens (dem Stein am Hafenbecken) und einen Blick ins Einkaufszentrum werfen, bevor ich auf das Schiff zurückkehre und auf die Konzertbesucher warte.

Um halb sechs verlassen wir dann Brønnøysund, und was ist: Polarlicht am Horizont. Immerhin gelingt mir das (verwackelte) Traumbild von einem Wal mit Polarlicht (auch wenn Kai der festen Überzeugung ist, dass die Insel im Hafen keinen Wal, sondern einen Seeteufel darstellt – aber bei dem verwackelten Bild kann das eh keiner widerlegen. Wenn ich das nicht besser wüsste, könnte das auch Nessie auf Norwegenurlaub sein, wenn es ihr im Loch Ness mal wieder zu viel Trubel ist).

Seeteufelswal! Polarlicht!

Ich hole kurz meine Kamera, aber bis dahin ist alles wieder zugezogen, und dem Captain’s Dinner steht nichts im Wege. Es gibt ein Vier-Gänge-Menü, man hat nur die Wahl zwischen Fisch und Fleisch. Schmecken tut es allemal.

Rørvik während Polarlicht

Wir fahren laut Prognose wieder in die Wolken, und prompt kommt gegen 20:30 die Meldung “Nordlicht!” Also ab ans Heck, Kamera laufen lassen: Ja, nicht schlecht. Ich probiere meinen alten Trick und gehe kurz ins Schiff, Handschuhe holen, meistens klappt das, damit es währenddessen eine gute Show gibt. Und ja, die Aurora wird auf alle Fälle besser. Dann kommt nach einer halben Stunde auch schon Rørvik. Ich gehe kurz nach backbord, das Anlegen filmen, und prompt gibt es in meinem Rücken trotz Hafenbeleuchtung die Show, die wir alle wollen, mit Rot und Bewegung. Klappt doch immer wieder – ich habe meine Bilder vom Hafen…

Was tut man nicht alles für die Gäste:-)

Wer draußen war, hat die große Show gesehen, dann kommen Wolken und Schneegraupel. Bis zur Abfahrt wird das Wetter wieder etwas besser (es ist klar und schneit), wir begegnen der Kong Harald, und dann heißt es abwarten. Wird es nochmal besser? Jein – Wolkenlücken ja, Polarlicht nein, Zeit, meinen Polarlichtfilm für die Gäste abzuschließen. Hier nur die Ausbeute von diesem Abend:

Wenn nicht noch mehr kommt, ist das ein schöner Tagesabschluss.