Hurtigrute Tag 1: Bergen im Schnelldurchgang

Es ist nichts dran am Jahr – kaum habe ich die Mailbox einigermaßen auf Null, die Bilder vom Schottland-Urlaub im Mai halbwegs sortiert und stecke gefühlt noch im tiefsten Hochsommer, klingelt morgens um 5:30 der Wecker: Die erste Nordlicht-und-Sterne-Tour der Saison steht an.

Abflug in Stuttgart um 10:15 klingt ja gar nicht mal so übel, nur muss man ja zwei Stunden vorher am Flughafen sein. Und dann eine Stunde für die Anfahrt planen. Und etwas Karenzzeit, weil es über die A8 geht (diesmal via Pforzheim). Und noch etwas Zeit, um morgens in die Gänge zu kommen, den Rest ins Auto zu packen und loszufahren. Immerhin: Schöner Sonnenaufgang bei sternklarem Himmel. Nur fotografieren kann ich ihn nicht, ich bin am Lenkrad – und meine Dashcam ist bei der letzten Astro-Messe verschollen gegangen. Was solls…

Dank online-Checkin hatte ich die Bordkarten für den Flieger schon, und der Flughafen Stuttgart ist überschauber. Air France gibt einem keine Möglichkeit, einen Sitzplatz auszuwählen (außer man zahlt mit Bonusmeilen), aber immerhin wird nicht auseinander gerissen, wer auf einer Buchung steht. Das kann z.B. KLM anders.

Der regelmäßige Leser dieses Blogs wird sich wundern: Air France? Ja. Hurtigruten hat mir eine neue Airline gebucht. Der Flug von Stuttgart nach Bergen geht über Paris/Charles de Gaule. Ist er wirklich Europas größtes Koffergrab? Zumindest ist er mal einer der größten Flughäfen.

Aber zunächst einmal nach Stuttgart: Da mein Transferservice diesmal preislich fast so teuer war wie Parken am Flughafen, habe ich zur Abwechslung Freiluftparken an P0 reserviert. Die Einfahrt klappt auch, und es sind sogar noch fünf Parkplätze frei. Einen davon finden ich sogar zeitnah.

Der Air France City-Hopper kommt fast pünktlich und hat erstklassige Snacks an Bord (naja, zumindest kalte Cola und ein essbares Apfel-Irgendwas), und beim Flug über Paris lässt sich ein Blick auf den Arc de Triomphe und den Eifelturm erhaschen. Notre Dame dagegen bleibt mir verborgen.

Der Flughafen Charles de Gaule selbst ist groß, modern und hübscher als ich gedacht hatte – zumindest das, was ich beim Transfer von Terminal 2F zu 2G, Gates K50-60 sehe. Zwei Stunden und 20,-€ für ein kleines Mittagessen später geht es weiter nach Norwegen. Allmählich frage ich mich, ob Norwegen wirklich so teuer ist – am Pariser Flughafen sind Batterien billiger als im heimatlichen Rewe, und in Norwegen ist das Wasser billiger als in Paris. Weitere zwei Stunden später, gegen 16 Uhr, sind wir im Landeanflug auf Bergen. Kaum, dass man eingedöst ist…

Die Askøy-Brücke (glaube ich)

Aber was soll’s, die Hauptsache ist: Endlich wieder Norwegen! Theoretisch zumindest – blauer Himmel? Ist das wirklich Bergen? Der Anflug führt jedenfalls über eine Stadt zwischen sieben Bergen, und das Schild mit dem Fragezeichen am Flughafen gewinnt an Sinnhaftigkeit…

Bergen?

Hat immer wieder was von Heimkommen… Das Gepäck hat den Abstecher nach Frankreich auch überlebt, und am Flughafen warten schon die Reiseleiter Andreas und Monika – es ist meine erste Tour mit den beiden. Mein Ko-Lektor Thomas kommt wenige Minuten später mit dem nächsten Flieger, und bald darauf ist die ganze fast 70 Kopf starke Gruppe zusammen. Ebenso da: Mehrere andere Reisegruppen und Einzelreisen, die ebenfalls zur Kong Harald wollen. Besonders gut ist die Reisegruppe dran, die von keinem Reiseleiter abgeholt wird, sondern durch das Flughafengelände irrt. Mit denen wollte ich nicht tauschen…

Aber bei uns klappt alles, die Busse stehen bereit, und ich sehe gerade noch, dass die Stadtbahn Bybanen jetzt direkt bis zum Flughafen führt, bevor wir abfahren. Wir fahren schnurstracks durch den neuen Straßentunnel zum Schiff – schade, keine Zeit für einen Abstecher nach Bryggen.

Im September war die Abfahrt (also seit mindestens meiner ersten Tour anno 2014) schon immer um 21:30; dank der Fahrplanänderung diesen Sommer legt das Schiff nun das ganze Jahr so früh ab. Das Ergebnis: Hurtig, hurtig. Für einen Abstecher nach Bryggen bleibt keine Zeit mehr, wir fahren direkt ans Schiff.

Am Hurtigrutenterminal

Gegen 18:30 sind wir da, erhalten unsere Bordkarten (neu: Die gebuchten Ausflüge sind auf der Cruisecard gespeichert und liegen nicht mehr als Papiervoucher bei, Hurtigruten spart Papier, um die Umwelt zu schonen) und starten ins Bordprogramm durch: Um 19:15 und 19:40 gibt es noch die Chance für die obligatorische Sicherheitseinweisung an Bord. Bis 21 Uhr gibt es Essen (das Bergen-Buffett). Um 20 Uhr und 20:45 ist die Infoveranstaltung dazu, wie das Leben an Bord funktioniert. Um 21:30 ist Abfahrt. Zwischendrin müssen wir noch die Vortragstermine ausmachen (Reiseleiter ist „Onkel“ Heinz – den kenne ich noch von der Finnmarken, könnte wieder witzig werden). Und Marco, mein Bordreiseleiter von der ersten Tour, ist zum Hotelmanager aufgestiegen, bleibt aber nur bis Tromsø an Bord. Trotzdem schön, ihn mal wieder zu sehen.

Uff… nach der Sicherheitseinweisung (der übliche Film: Da-DAMM-da-daaa-dada, Da-DAMM-da-daaa-dada) ist die Schlange vor dem Restaurant so groß, dass wir die Zeit lieber für einen kurzen Gang an Deck nutzen, den Sonnenuntergang genießen und wenigstens noch etwas von Bergen sehen.

Dann kurz bei der Infoveranstaltung vorbeischauen, ab ins Restaurant, und schließlich zum Ablegen ans Heck. Sternklarer Himmel, eine kleine Wolke über Bergen und los geht die Reise in die Nacht.

Abfahrt

Wir legen pünktlich ab, und es haben doch einige an Deck geschafft, um das sanfte Ablegen zu erleben.

Die Fahrt führt unter der Askøy-Brücke durch (aus der Perspektive erkenne ich sie!), und einige Zeit später passieren wir noch eine ganze Reihe an Ölplattformen und ähnlichem – hell beleuchtet und wohl ein Zeichen dafür, dass die norwegische Ölindustrie weiterhin einige Plattformen nicht in Betrieb hat.

Die Askøy-Brücke

Die warmen Temperaturen von rund 17°, als wir angekommen waren, verblassen im Fahrtwind, und es wird langsam Zeit für Feierabend. Bzw. das Gepäck ausräumen, den ersten Schwung Bilder sichten und den Blog schreiben. Und den Aushang mit den Vortragsterminen machen – einer steht schon mal (am Trondheim-Tag). Und nachschauen, was morgen eigentlich auf dem Programm steht. Erst kurz nach Ålesund, dann in den Hjørundfjord mit Urke, bei bestem Wetter. Zeit, ins Bett zu gehen…

Hurtigrute Tag 2: Ålesund und Hjørundfjord

Am Westkap

Die Zeiten ändern sich, vor allem die Abfahrtszeiten: Bislang ging es im Herbst um 20:30 in Bergen los und im Winter um 22:30. Seit diesem Sommer geht es das ganze Jahr über um 21:30 los, sodass es gestern etwas hektischer war, als ich das als Winterfahrer gewohnt bin. Das hat natürlich auch zur Folge, dass sich die Liegezeiten ändern. Und für den ersten Tag bedeutet das, dass wir das oft stürmische Westkap schon um 7 Uhr hinter uns haben. Man kann also nicht mehr beim ersten Frühstück feststellen, wer seefest ist und wer nicht. Damit ist das erste Frühstück an Bord langweilig, aber entspannter.

Das Westkap selbst zeigt sich heute bei strahlend blauem Himmel von seiner besten Seite. Nur eine Nebelbank deutet darauf hin, wie gefährlich die Strecke eigentlich ist – mal sehen, ob wir irgendwann durch den Stad-Schiffstunnel fahren werden, der nun gebaut werden soll. Irgendwann verschwinden die Schiffe also im Tunnel…

Trotz der ruhigen See haben wir uns Verspätung eingehandelt. Und auf dem Schiff ist volles Programm, sodass ich mir in Ruhe die Einfahrt in Torvik anschauen kann – dem ersten Hafen, den die meisten auf dieser Route nach Bergen sehen. Hier liegen immer noch die beiden gelben Ölversorgungsschiffe vor Anker, die seit Jahren einen Käufer suchen.

Auf dem Schiff gibt es derweil viel zu organisieren, schließlich brauchen wir Vortragstermine. Bei einem ausgebuchten Schiff mit über 400 Passagieren gar nicht so einfach, aber es finden sich Mittel und Wege.

Um 9:45 sollten wir auch schon Ålesund für einen kurzen Halt von 30 Minuten erreichen, aber bis wir anlegen, ist es schon 10:15 – die ursprünglich geplante Abfahrtszeit. Damit bleibt keine Zeit für einen kurzen Landgang, und an Bord laufen die mehrsprachigen Ausflugspräsentationen für Urke.

Endlich tuckern wir langsam weiter in den Hjørundfjord. Das Traumwetter hält an, die Landschaft wird beeindruckender, und schließlich erreichen wir das Ziel. Wir ankern – der Kai von Urke (rund 50 ständige Einwohner) ist viel zu klein für die Hurtigrute, und zuerst werden diejenigen mit einem Tenderboot an Land gebracht, die einen Ausflug gebucht haben. Damit bleibt genug Zeit für ein kleines Mittagessen.

Kurz nach 13 Uhr dürfen dann auch alle anderen von Bord. Da das Tenderboot nur 48 Personen fasst, setze ich gegen 14 Uhr Fuß auf festes Land – bleibt etwa eine Stunde, um Urke zu erkunden. Das macht bei dem Wetter mehr Spaß als letztes Mal, als es nicht nur regnete, sondern schüttete.

Am Kai werden wir freundlich begrüßt und erhalten den Ortsplan, dann geht es los auf einen kleinen Rundgang, den Fjord, den Ort und das Schiff im Fjord am Ort anschauen. Schnucklig. Und der abnehmende Mond ist auch noch über einem Berg zu erspähen. So stellt man sich Norwegen vor.

Um 15 Uhr geht es auf das (planmäßig) vorletzte Tenderboot zurück zum Schiff, damit ab 15:30 auch die Ausflügler zurückgebracht werden können. Das wird knapp: Wir haben unseren Welcome-Cocktail (mit Info-Veranstaltung und Kennenlernen des Teams) auf 15:45 gesetzt. Tatsächlich legt das letzte Boot erst an, als wir schon längst begonnen haben wollten – die Verspätung schleppt sich fort. Endlich sind alle an Bord, und wir können uns vorstellen. Den Rest der Info-Veranstaltung machen die Reiseleiter; wir Lektoren reden im Lauf der Tour noch genug. Morgen um 16:15 geht es mit dem ersten Vortrag los. Die wichtigste neue Info: Heute Abend gibt es Buffet und offene Sitzung, weil die zweite Liegezeit in Ålesund (geplant 17:50-19:30) mit dem Abendessen zusammenfällt. Fein: Im Anschluss kann ich schon die ersten Kameras für Nordlicht einstellen. (Weniger fein ist die Prognose für heute Abend: Sehr maue Polarlichtaktivität.) Um 17 Uhr müssen wir den Raum verlassen: Das Treffen mit dem Expeditionsteam steht an, auf Deutsch (bei rund 250 Deutschen an Bord finden sich genug Zuhörer…)

Ålesund erreichen wir auch beim zweiten Besuch am Nachmittag verspätet, verlängern die Liegezeit aber immerhin bis 19:45. Das reicht, um auf den Aksla hochzuschnaufen und eine runde Stunde später wieder am Schiff zu sein. Schade: Für den Sonnenuntergang langt es nicht ganz, und Ålesund im Gegenlicht der untergehenden Sonne ist fotografisch eher anspruchsvoll. Aber Lightroom kann doch noch was rausholen:

Zurück am Kai bleibt noch Zeit für die typischen Bilder vom Schiff am Kai, und ich entdecke etwas neues: Am Parkplatz auf der anderen Seite des Terminals steht eine komische schwarze Säule, die eine Fahrradwerkstatt beherbergt: Einiges an angekettetem Werkzeug und die Möglichkeit, das Fahrrad aufzuhängen. Nett.

Fahrradwerkstatt

Viel Zeit bleibt aber nicht: Das Hupen des Schiffs deutet darauf hin, dass wohl doch noch einige fehlen.

Da sich vor dem Restaurant erwartungsgemäß eine größere Schlange gebildet hat, schauen wir uns erst noch das Auslaufen aus Ålesund in den Sonnenuntergang an, bevor es dann doch ins Restaurant geht. Es gibt endlich mal wieder Eis zum Nachtisch! Damit endet das Tagesprogramm eigentlich.

Abend-Kitsch, so schön

Beim Bildersortieren im Panoramasalon kommt die Frage nach den Schiffsbegegnungen auf, und tatsächlich begegnen wir kurz darauf der Midnatsol, die still an uns vorbei fährt. Die beiden Schiffe grüßen einander nur dezent mit Lichthupe.

Die Midnatsol

Mehr Eindruck als die Schiffsbegegnung hinterlässt der letzte Punkt auf dem Tagesprogramm: Unser Hotelmanager Marco präsentiert um 21:30 die „Coastal Kitchen“ der Hurtigrute, das 2015 eingeführte Programm, dass es auf den Schiffen bevorzugt lokale Küche gibt. Für über eine Million Übernachtungsgäste Essen heranzuschaffen ist natürlich eine Herausforderung, auf unserer Fahrt mit dem ausgebuchten Schiff dürften etwa eine Tonne Fleisch und eine Tonne Fisch verzehrt werden. Und jeden Tag startet ein Schiff…

Wir machen noch einen kurzen Stopp in Molde, allerdings ist es da schon längst dunkel, sodass ich mir die Fotos spare. Zeit, den Tag ausklingen zu lassen – wenn ich schon die Chance habe, mit dem Blog fast tagesaktuell zu sein:-) Von der Fahrt über die offene Seestrecke der Hustadvika ist nichts zu merken; auf Kristiansund nach zwei Uhr verzichte ich ebenso dankend.

Hurtigrute Tag 3: Trondheim

Trondheim

Dinge, die ich immer wieder vergesse: Die Reisezeit anzugeben. Diese Tour geht vom 21. September bis zum 2. Oktober. Das bedeutet, das wir Trondheim am Montag erreichen, wenn die Läden offen haben. Und es ist eigentlich auch die erste richtige Gelegenheit, einmal einkaufen zu gehen.

Durch die neuen Liegezeiten kommen wir erst gegen 10 Uhr in der alten Königsstadt an und vertreiben die Nordlys vom Hurtigrutenkai. Vorbei sind die Zeiten, in denen man hier noch das andere Schiff besuchen konnte – jetzt ergreift sie die Flucht und passiert die Insel Munkholmen ein gutes Stück nach uns, auf der anderen Seite. Einen Vorteil hat die späte Ankunft: Es ist hell genug, um Munkholmen schon beim Einlaufen zu fotografieren. Dafür bleiben nur etwa drei Stunden für die Stadt, davon gehen gut 20 Minuten dafür drauf, in die Stadt zu laufen.

Es bleiben also gut zweieinhalb Stunden für die Altstadt von Trondheim, den Nidarosdom, die alten Holzhäuser von Bakklandet und das schmucke ehemalige Instrieviertel Nedre Elvehavn.

Nidaros

Also nichts wie los. Durch den Hafen geht es über die neue Brücke, die über die Eisenbahngleise führt, und dann präsentieren sich die alten hölzernen Lagerhäuser am Fluss Nidelv. Für ausgeprägtes Shopping bleibt keine Zeit, also der typische Rundweg. Das große Holzhaus Stiftsgården – die königliche Residenz in Trondheim – ist von hinten schöner als von vorne, aber zu dieser Jahreszeit mit belaubten Bäumen zugestellt. Der Marktplatz ist weiterhin eine Baustelle; gerade werden die Schläuche für die Fußbodenheizung verlegt – in Norwegen hat keiner Lust, Schnee zu schippen, also wird der Marktplatz in Zukunft auf diese Art schneefrei gehalten.

Vår Frue Kirke

Nach einem kurzen Besuch im Einkaufszentrum Trondheim Torget scheitert der Besuch in der Vår Frue Kirke an den allgegengwärtigen Bauarbeiten: Sie wird renoviert und ist nur gelegentlich geöffnet. Schade. Dann halt ab zum Nidaros-Dom. Hinter der Vår Frue Kirke gibt es ein (mir) neues Denkmal: Flache Inseln, die Terra Incognita darstellen – sie erinnern an das „unbekannte Territorium“, das Norwegen durch den Terroranschlag auf der Insel Utøya im Jahr 2011 betrat.

0 km bis zum Nidaros-Dom

Weiter zum Nidaros-Dom: Normalerweise mache ich die Runde in umgekehrter Reihenfolge und deutlich früher (da wir sonst schon um 12 Uhr ablegen), so präsentiert er sich zwar unter blauem Himmel, aber im Gegenlicht. Grmpf. Lightroom kann noch etwas aus den Fotos herausholen. Aber ich kann wenigstens mein neues Teleobjektiv ausprobieren und mir ein paar Details des Gebäudes näher anschauen. Der Dom ist nicht nur Krönungsstätte und Endpunkt des Olavswegs (ein Pilgerweg von Oslo nach Trondheim), sondern auch reich verziert. Von außen gefällt er mir aber immer noch besser als innen.

Der Fahrradlift

Dann ist auch schon Zeit für den Rückweg, es langt genau für den Gang entlang der Häuschen von Bakklandet. Premiere: Der Fahrradlift ist noch in Betrieb, und ein Radler darf es vorführen. Ob er mit so viele Fotografen gerechnet hat?

Gut 20 Minuten dauert es von der Gamle Bybru (der alten Stadtbrücke) bis zum Schiff – dieser unmenschliche Stress. In Bakklandet und Nedre Elvehavn ist bei sonnigen Herbstwetter viel los, die kleinen Cafes und Geschäfte sind gut besucht.

Pünktlich um 13 Uhr, genau 15 Minuten vor dem planmäßigen Ablegen der Kong Harald, sind wir wieder am Schiff. Das Mittagessen ist zum Glück verschoben, von 12-14:30 hat das Restaurant geöffnet. Die neuen Liegezeiten kollidieren wirklich mit den Essenszeiten. Immerhin gibt es keinen Zwang, sich die Abfahrt anzuschauen – schöne Bilder von Munkholmen konnte ich ja schon wenige Stunden zuvor machen.

Kjeungskjær Fyr

Etwa um viertel vor vier steht dann der berühmte Leuchtturm Kjeungskjær Fyr auf dem Programm (den wir um 16 Uhr passieren), gefolgt von den Tücken der Technik: Für 16:15 ist unser erster Vortrag über Nordlicht und Sterne angesetzt, allerdings lässt sich vom Laptop aus nur einer der beiden großen Monitore ansteuern. Als Notbehelf bleibt nur, die Präsentationen umzuwandeln. Für meinen Sternbilder-Vortrag geht das aber nicht – hoffentlich läuft alles, bis wir in der Barentssee sind…

Parallel zu unserem Vortrag läuft ein Wikinger-Vortrag des Schiffs, der bei über 250 deutschen Gästen gut besucht sein dürfte – ein Glück, dass unsere Gruppe reservierte Plätze hat:-)

Mittlerweile haben wir schon wieder etwas Verspätung, sodass nach dem Vortrag noch etwas Zeit ist, bevor wir gegen 17:30 durch den Stocksund fahren – einer der engsten und schönsten Sunde. (Zur Info: Durch einen Sund kann man hindurchfahren, ein Fjord ist eine Sackgasse.)

Im Stokksund

Der nächste Programmpunkt: 18 Uhr Abendessen – also gleich nachdem wir aus dem Stokksund wieder heraus sind. Interessant: Die Suppe wird ohne Suppe serviert. Erst kommt der Teller mit der Einlage, dann die Kanne mit der Brühe. Und das bei bis zu 0,5m hohen Wellen… aber im Prinzip gar nicht so dumm, wenn es doch stürmisch zu geht.

Der Nachtisch fällt für mich aus: Der Sonnenuntergang ist zu schön, und wir passieren noch eine ganze Reihe enger Sunde, die ich noch nicht bewusst gesehen habe. Norwegen ist zum Greifen nah.

Die Nordkapp

Nach Sonnenuntergang ist der Himmel klar, nur eines fehlt zum Glück: Polarlicht. Die Vorhersage ist gut, aber die Aktivität fehlt. Dafür begegnen wir der südgehenden Hurtigrute MS Nordkapp, die freundlich, aber dezent mit Lichthupe grüßt. Nach dem alten Fahrplan wären wir ihr nicht auf See begegnet, sondern erst in Rørvik – dafür gab es da die Möglichkeit, einmal auf das andere Schiff zu gehen. Andererseits sind mittlerweile ohnehin alle Schiffe mit dem selben Innendesign ausgestattet.

Rørvik
Ein Hauch von Licht.

In Rørvik legen wir pünktlich gegen 22:15 an. Die Liegezeit ist auf etwa 15 Minuten verkürzt, es lohnt sich also nicht, von Bord zu gehen. Stattdessen schauen wir uns das Gabelstaplerballett am Kai an und sind erstaunt, wie hell die Rückfahrlichter norwegischer LKW sind.

Als wir Rørvik verlassen, hoffen natürlich alle auf Polarlicht. Aber nur mit Mühe kann die Kamera wenigstens ein wenig Polarlicht zeigen, visuell bleibt davon bestenfalls die Ahnung von Nordlicht. Sehr frustrierend. Bis Mitternacht halten wir durch, dann geben wir die Polarlichtwache auf. Schließlich steht morgen schon der Polarkreis auf dem Programm, und um die Jahreszeit ist da schon längst dunkel.

Ein Hauch von Polarlicht nördlich von Rørvik (je 4s bei f/2,8 und ISO 3200)

Hurtigrute Tag 4: Polarkreis und Bodø

Im Winter zu fahren ist eindeutig entspannender als die Herbsttour. Die Polarkreisüberquerung ist zwischen 7 Uhr und 8:30 angesetzt, und um die Zeit ist es hier schon hell. Da muss man ja fast schon raus und zuschauen. Also klingelt der Wecker viel zu früh.

Morgenstimmung

Und was zeigt der Blick auf die Schiffsposition auf Marinetraffic kurz nach dem Aufstehen: Wir haben Nesna mit geschätzt einer Dreiviertelstunde Verspätung verlassen. Es wird also eher 8 als 7 Uhr werden, bis wir die Insel Vikingen mit dem Globus erreichen. Kleiner Trost: Wetter und Landschaft sind fantastisch.

Der Hestmannen kündigt den Polarkreis an – der Berg erinnert vage an einen Troll, der mit wehendem Mantel auf einem Pferd sitzt und zusammen mit dem Berg Torghatten bei Brønnøysund, der Insel Leka und den Berggipfeln der Sieben Schwestern bei Sandnesjøen in eine Sage gehört.

Tatsächlich passen wir den Polarkreis etwa um 8:13. Auf Deck 7 ist die offizielle Veranstaltung des Expeditonsteams, ich bin auf Deck 5, wo der Globus auch nicht schlechter zu sehen ist.

Svartisen-Gletscher?

Die anschließende Fahrt nach Ørnes führt wieder durch eine wunderbare Landschaft. Mit Schnee ist die Gegend wunderbar kitschig; mit herbstlichen Wäldern ebenfalls eindrucksvoll. Und zum ersten Mal erspähe ich wohl auch den Svartisen-Gletscher zwischen einigen Berggipfeln. Ørnes erreichen wir mit einer halben Stunde Verspätung, sodass die Polarkreistaufe in Ørnes stattfindet. Bis auf eine Sekunde genau wurde beim Polarkreiswettbewerb die Zeit erraten, zu der wir den Polarkreis passieren – der Gewinner erhält eine Flagge und die erste Taufe mit Eiswürfeln. Auf der Kong Harald arbeitet noch Neptun statt Njørd; er kommt von den Whirlpools auf Deck 6 hoch auf das Sonnendeck und bringt die ersten Regentropfen mit. Na dankeschön…

Kurs auf Bodø

Bodø erreichen wir mit rund 20 Minuten Verspätung, bleiben aber auch etwas länger. Trotzdem ist die Liegezeit gegenüber meinen früheren Reisen um etwa 15 Minuten verkürzt. Das klingt nicht nach viel, macht sich aber trotzdem bemerkbar. Nun könnte man sagen, dass Bodø ohnehin keine schöne Stadt ist, sondern nur in einer grandiosen Berglandschaft liegt, aber es hat seine hübschen Ecken. Das Cafe Roast auf dem Scandic-Hotel macht neuerdings leider erst um 17 Uhr auf – schade, von da hatte man einen guten Ausblick (und leckere heiße Schokolade).

In der Stadt wird immer noch kräftig gebaut, aber immerhin das Rathaus ist jetzt fast fertig. Dafür ist die Domkirche jetzt eingerüstet. Zwei nette Dinge sind schon bei der Einfahrt zu sehen: Zum einen der Bahnhof, der zugleich das nördlichste Ende der norwegischen Eisenbahn repräsentiert, und die Gamle Salten, die als Aushilfsschiff einst auch auf der Hrtigrute unterwegs war. Was für ein Unterschied zu unserer Kong Harald, die auch schon seit 1993 in Dienst ist.

Landegode

Anschließend geht es über den Westfjord zu den Lofoten – die See ist ein Ententeich. Das Leuchtfeuer von Landegode passieren wir im nachmittaglichen Gegenlicht, aber ein paar schöne Fotos gelingen trotzdem. Dahinter schimmert die Lofotenwand am Horizont: Die hohen Berge der Inselkette verschmelzen durch die Entfernung zu eine Kette.

Die Lofotenwand

Stamsund erreichen wir kurz vor Sonnenuntergang, der hinter den steilen Felswänden des Örtchens verborgen bleibt. Hier verlassen uns auch die Teilnehmer des Wikingerfests, um in Svolvær wieder zuzusteigen. Schöne Farben gibt es für uns noch nach dem Ablegen, und wir sehen endlich Polarlicht – wenn auch nur die südgehende Hurtigrute MS Polarlys.

So schön der Abend auch ist, der Blick nach Norden verheißt nichts gute: Dunst, Nebel und Wolken hängen in der Luft. Bäh. Und das Polarlichtoval macht auch nichts her, die Polung ist falsch.

In Svolvær bleibe ich an Bord, aber ein paar Runden an Deck lohnen sich: Der erste schwache Nordlichtbogen ist da. Im Hafen ist das bei der Aktivität natürlich suboptimal, aber vielversprechend. Also wird die Kamera aufgebaut.

First Light in Svolvær

Als wir den Hafen verlassen, lasse ich meine Kamera am Bug arbeiten. Zumindest bis in die Nähe vom Raftsund klappt das auch gut, danach wandert das Polarlicht mehr an die Seite vom Schiff:

Von Svolvær zum Raftsund

Aber wozu hat man zwei Kameras: Eine arbeitet, eine begleitet mich an die backbord-linke Seite, wo das Polarlicht zwar nicht viel Farbe zeigt, aber eine hübsche Show mit Bewegung über den Bergen darbietet. Wirklich schön, auch wenn ich hier nur ein kleines Filmchen habe:

Polarlicht an der Seite

Letzteres sind unbearbeitete Bilder, meine kleine Panasonic kann Filme ja direkt in der Kamera erstellen. Im Gegensatz zur großen Nikon-DSLR…

Die Show ist perfekt getimed: Wegen der Fahrt zum Trollfjord sind eh alle wach, die See ist ruhig, die Kulisse schön (auch wenn sie mit Schnee ncoh besser wirken würde), die Temperaturen bei rund 10 Grad, und ab morgen sind Wolken angesagt. Passt. Gegen 23 Uhr gibt es backbord noch eine richtig schöne Show mit Bewegung, dann fahren wir ohne zu halten am Trollfjord vorbei Richtung Wolken – man kann guten Gewissens ins Bett. Nur von Fiskekake und Trollknerz am Heck auf Deck 7 habe ich nichts mitbekommen. Aber man kann nicht alles haben.

Noch ein paar Bilder zum Abschluss:

Hurtigrute Tag 5: Notfälle rund um Tromsø

Der Tag fängt mit einem dramatischen Himmel an: Ungewöhnlich strukturierte Wolken hängen tief über uns und verhüllen einige Berggipfel. Immerhin prophezeit die Wetterprognose praktisch keine Wellen.

Der dramatische Himmel erscheint fast wie ein Omen für den heutigen Tag: Während des Frühstücks wird dringend nach einem Arzt gerufen – ein medizinischer Notfall. Das ist auf einer Seereise nichts ungewöhnliches, aber auch nichts erfreuliches. Der Kapitän gibt Gas, und wir erreichen Finnsnes 20 Minuten vor der Zeit, rechtzeitig um die Landung des Rettungshubschraubers am Kai zu sehen.

Kein Anblick, den man sehen muss: Der Rettungshubschrauber am Kai.

Auf dem Schiff selbst kann kein Hubschrauber landen, es gibt nur Platz für eine Winde. Gelegentlich werden auch solche Rettungseinsätze geübt, aber es ist für alle einfacher, wenn Patienten an Land übergeben werden können. Manchmal kommt auch ein Arzt per Schnellboot an Bord, was die meisten Passagieren dann nicht mitbekommen – vor allem, wenn es nachts passiert. Auch wenn das kein Anblick ist, den man sehen will, ist es doch gut zu sehen, dass das System funktioniert (soweit das in einem dünn besiedelten Land wie Nordnorwegen möglich ist).

Hubschrauber direkt am Schiff

Die Außendecks werden gesperrt, bis der Patient im Hubschrauber ist und der Hubschrauber in der Luft ist. Es ist schon eindrucksvoll, wenn er sich wenige Meter vor dem Panoramasalon in die Luft erhebt. Später gab es noch ein Lob vom Kapitän: Die Decks waren frei und die Arbeit der Sanitäter wurde nicht behindert. Alle Schaulustigen drängten sich an den Fenstern – wann kann man schon einen Hubschrauber aus nächster Nähe starten sehen? Und es ist möglich, das zu Fotografieren, ohne die Betroffenen auf dem Bild zu haben.

Später kommt auch die Meldung, dass es dem Patienten den Umständen entsprechend gut geht. Mehr muss man dazu nicht wissen.

Ottar von Hålogaland am Hafen

Zu schöneren Dingen: Damit die Ambulanz arbeiten konnte, durfte erst einmal niemand vom Schiff, aber für einen Blick auf Finnsnes von Deck aus langt es. Das Denkmal für Ottar von Hålogaland ist auch von Deck aus zu sehen, ebenso die Brücke und die Schokoladenwerbung am Kai.

Als wir Finnsnes mit doch eher nachdenklicher Stimmung verlassen, wird auch das Wetter nicht besser: Nebel bedeckt die eigentlich reizvolle Landschaft. Und dann, irgendwo vor Tromsø, halten wir an: Befehl der Küstenwache. Ein Schiff in der Nähe hat Probleme, und wir sollen uns bereit halten, um falls nötig zu helfen. Ein paar Minuten später geht es dann weiter: Es ist zum Glück keine Hilfe nötig. Nur die Frage: Was ist denn heute los?

Gegen 14 Uhr taucht dann Tromsø aus dem Nebel aus. Meine Lieblingsstadt macht so nicht viel her. Ein Ausflug auf den Hausberg Storsteinen erscheint da auch nicht sehr reizvoll, also wird es ein Shopping-Tag. Kurz vor dem Anlanden dann die Frage: Was hängt denn da für eine Rauchwolke hinter der Tromsø-Brücke? Ein russischer Trawler brennt, wie wir nachher in den News herausfinden. Den Rest des Brandes haben wir gerade noch gesehen.

Tromsø von oben

Das Tromsø-Schlechtwetter-Programm: Hoch zur Marineschule für einen Blick auf Tromsø, dann ein paar Läden abklappern. Outdoorsachen sind in Norwegen günstig und vor allem von guter Qualität. Vor dem Shopping geht es bei noch trockenem Wetter zu dem kleinen Aussichtspunkt, anschließend zurück in die Fußgängerzone, die Kreditkarte plündern. Viel hat sich nicht geändert seit meinem letzten Besuch, aber der Platz vor der Domkirche ist nun fertig und ganz schmuck geworden. Allmählich fängt es an zu regnen, und um 18:30 ruft auch schon das Abendessen. Es war ein kurzer Besuch in Tromsø, und bei dem Wetter können wir uns auch die Polarlichtwache sparen.

Während des Abendessens kommt dann der Aufruf, dass alle Besucher das Schiff verlassen sollen, weil wir endlich ablegen wollen – was wir mit einer halben Stunde Verspätung dann auch tun. Die Überfahrt nach Skjervøy wird mit Thomas‘ Vortrag über das Sonnensystem gefüllt, draußen regnet es – perfekt für einen Vortragsabend. In Skjervøy ist es auch nur nass. Eine gute Gelegenheit, früh Feierabend zu machen, bevor noch etwas passiert.

Hurtigrute Tag 6: Honningsvåg

Suchbild mit MS Nordnorge

In der Barentssee vor Havøysund beginnt der Tag wieder mit einer Schiffsbegegnung: Kurz vor halb neun begegnen wir der südgehenden MS Nordnorge, die sich langsam aus dem Nebel heraustraut – fotografisch taugt dieser Morgen aber allenfalls dazu, Schmutzflecken auf dem Kamerasensor zu erkennen oder den Weißabgleich einzustellen, für etwas anderes ist der kontrastfreie Anblick nicht zu gebrauchen. Nordnorwegen im Nebel mag mystisch sein, ist aber nicht sehr fotogen. Erst als die Nordnorge uns näher kommt, ist sie deutlich zu erkennen. Da von der Gegend sonst im Augenblick nicht viel zu sehen ist, schaue ich mir noch das Anlegen in Havøysund an, bevor ich zum Frühstück gehe. Erstmals fällt mir auch der kleine Gedenkstein rechts vom Anleger auf: Das Denkmal für das 1931 hier gesunkene Hurtigrutenschiff DS Hera.

So früh im Herbst werden einige Ausflüge angeboten, die ich von meinen Fahrten normalerweise nicht kenne, zum Beispiel eine Rib-Boat-Tour zum Nordkap. Bei dem tristen Wetter wollte ich die Tour nicht machen (auch wenn es kaum Wellen hat), aber zum Glück wird es bald besser. Die Fahrt durch den Magerøyasund bietet tolle Lichtspiele, und die schroffen, grün-braunen Berge sind ähnlich reizvoll wie die schneebedeckte Landschaft, die ich sonst vom Winter hier kenne. Wow.

Im Magerøyasund

Das Expeditionsteam macht einen Point of Interest, bei dem ich aber nur kurz vorbeischaue. Viel Neues dürfte es für mich nicht geben, und den Tunnel, der auf die Insel Magerøya mit dem Nordkap führt, sehe ich auch auf Marintraffic und Co. Also zurück zum Bug, die Landschaft genießen. Die Temperatur liegt bei rund 7°, aber im Fahrtwind ist es deutlich frischer.

Kurz vor Honningsvåg gibt es sogar stellenweise klaren Himmel, Norwegen gibt sich noch einmal Mühe. Ansonsten ist von dem berühmten wechselhaften norwegischen Wetter nichts zu spüren, die Prognose ist eher schlecht. Aber genieße den Augenblick!

Bald taucht auch Honningsvåg hinter den Bergen auf, und wir legen an. Faszinierend, wie sehr sich eine Insel verändern kann, wenn man sie umrundet.

In Honningsvåg steht für mich Beine vertreten an, nachdem die Teilnehmer des Ausflugs zum Nordkap (also fast alle) die Kong Harald verlassen haben. Irgendwann will ich auch mal wieder an das Nordkap, aber nicht, wenn das Schiff so voll und das Wetter so bewölkt ist – auch wenn das hier oben nicht viel heißen muss. Stattdessen geht es erst einmal hoch auf den bekannten Aussichtspunkt am alten Friedhof, und dann über die Kirche zurück zum Schiff – das langt genau, um noch 20 Minuten lang Mittagzuessen. Beim Rückweg stolpern wir noch in eine Veranstaltung: Schul-Joggen, wobei einige Schüler eher „Wandern, gemütlich“ machen. Vielleicht ist das das echte Nordic Walking?

Nach dem Essen ist genug Zeit, um das Hafenbecken zu umrunden und einen Blick in die Läden zu werfen. Von der anderen Hafenseite sieht es durch die tief hängen Wolken fast so aus, als ob wir unter einem Vulkan parken.

Diesmal hat auch der Weihnachts-Souvenirladen offen, der sonst meist zu hat – ein Weihnachtswunderland. Uff.

Aber irgendwann endet auch der Aufenthalt in Honningsvåg, und wir stechen wieder in See. Ich nutze die Zeit, um etwas Schlaf nachzuholen. Obwohl wir nur 1,5m hohe Wellen haben, schaukelt das Schiff spürbar – Wind und Wellen kommen wohl aus der falschen Richtung. Der Wecker holt mich rechtzeitig in die Realität zurück, damit ich für die Finnkirche bereit bin. Die eigenartige Felsformation ist jetzt bei Tag gut zu sehen und steht auch auf dem Tagesprogramm; seit sie nicht mehr beleuchtet wird, fehlt sie in den Wintermonaten als Programmpunkt.

Kjøllefjord

Wenig später legen wir in Kjøllefjord an. Hier verlassen uns die Teilnehmer des „Samischen Herbstes“, die erst in Mehamn wieder einsteigen – und um 20 Uhr zu Abend essen werden, wenn ich meinen ersten Vortrag halten werde. Ups… Für alle anderen steht um 18 Uhr das Nordkap-Buffet an, soweit die Barentssee nicht schon für Seekrankheit sorgt. Sie ist eigentlich harmlos, aber bislang waren wir auf einem Ententeich unterwegs.

Nach dem Essen komme ich zum ersten Mal dazu, mir das Treffen mit dem Expeditionsteam anzuschauen – den Tagesrückblick, den die Reiseleitung des Schiffs immer gibt. Wichtige Info: Auf Facebook sind die Bilder frei zugänglich zu sehen, die die Crew von der Reise aufgenommen hat. „Onkel“ Heinz erwähnt für unsere Gruppe auch noch meinen folgenden Vortrag, und dass der nächste Film zweimal gezeigt wird – das Schiff ist ausgebucht, da lohnt sich das.

Mehamn

Wie dem auch sei, mein Vortrag ist nur mäßig besucht. Dafür kann ich ihn komplett halten – schade eigentlich, normalerweise werde ich hier durch Nordlicht abgewürgt. Aber bei den Wolken hat die Aurora keine Chance. Also gibt’s den Sternenhimmel nur virtuell am PC.

Der Rest des Abends ist ereignislos: Ohne viel Tam-tam begegnen wir vor Berlevåg der Trollfjord, nachdem sie den kleinen Hafen verlassen hat. Wir legen kurz an und lassen zwei Crewmitglieder aussteigen, laden zwei Paletten und ein Auto aus, dann geht es weiter auf die Barents-See. Mit leichtem Geschaukel geht es durch die Nacht, und morgen Vormittag steht mit Kirkenes schon wieder der Wendepunkt der Reise an.

Hurtigrute Tag 7: Kirkenes und Nordlicht

Kurs Kirkenes

Der Kirkenes-Tag beginnt um 8 Uhr in der Früh: Es klopft, Check-Out für die Kabinen ist jetzt! Nice try – wir können die Crew überzeugen, dass wir bis Bergen an Bord bleiben und in Kirkenes nur zum Sightseeing von Bord gehen. Gut, dass ich wegen Frühstück eh schon wach war…

Wir erreichen Kirkenes bei trübem Wetter ziemlich pünktlich; der Kapitän hat in Tromsø gewechselt und hält den Fahrplan besser ein. Vielleicht klappt das ja sogar mit Vardø heute Nachmittag? Aber jetzt steht erst einmal Kirkenes an – nachdem ich die automatische Netzwahl vom Handy abgeschaltet habe; Russland ist ganz in der Nähe und sendet ziemlich stark (ohne EU-Roaming).

Blick vom Aussichtspunkt

Kirkenes überrascht positiv: Im Winter ist es ein recht trostloser Ort, aber mit den Herbstfarben kann es sich sehen lassen. Mein Weg führt über den den kleinen Aussichtspunkt (eigentlich nur eine Kurve, aber mit hübschem Ausblick in den Ort). Dann ein Besuch im Amfi um zu schauen, was es neues an Outdoor-Kleidung gibt, dann über Rathaus, Kirche und Russendenkmal zurück. So mit Tageslicht (trotz bedecktem Himmel) und Herbstfarben wirkt Kirkenes richtig nett, und die ganzen schwarzen Häuser der üblichen Route prägen das Ortsbild auch nicht so sehr wie üblich.

Premiere: Die Kirche hat offen und präsentiert sich im Inneren modern und aufgeräumt; geknüpfte Wandteppiche an den Wänden zeigen Bibelszenen. Noch ein kurzer Besuch im Rema 1000, und dann ist es auch schon 12 Uhr vorbei. Mit 100 neuen Passagieren brechen wir auf und überqueren die große Bucht nach Vardø. Vadsø lassen wir links liegen – das ist der einzige Hafen, der nur einmal auf der Tour angefahren wird. Im Raum Kirkenes fahren wieder genug Schiffe, dass man ihn auch ohne Hurtigrute erreicht.

Kurs Vardø

Die Überfahrt ist ruhig und ereignislos, von Wolkenlücken einmal abgesehen: Ein schönes Farbenspiel und Hoffnung für die Nacht. Es ist auch sehr gute Polarlicht-Aktivität vorausgesagt, nur die Wolken machen mir Sorgen: Wir sind genau der Grenze einer dicken Wolkendecke, die uns die nächsten Tage begleiten wird.

Erster Blick auf Vardø

Vardø kommt rechtzeitig in Sicht, aber wir erreichen es trotzdem nur mit der üblichen Viertelstunde Verspätung. Das Andocken dauert auch, so dass nur eine knappe halbe Stunde für einen Spurt zur Festung übrig bleibt. Das Hexendenkmal sehe ich so wieder nur aus der Ferne.

Bei hellem Tageslicht wirkt Vardø deutlich heruntergekommener als im Winter. Aber es tut sich was: Die Graffiti-verzierten Häuser verschwinden langsam (schade). Bei einem Kunstwettbewerb vor einigen Jahren entstanden zahlreiche Graffiti auf Abbruchhäusern; jetzt kommen die Bagger – oder sie sind von selbst eingestürzt. So manche Bruchbude steht am Hafen, flankiert von Baulücken…

Interessant ist das kleine Schiff, das auf einem Stapel Paletten (zum Trocknen?) am Kai steht… Als wir endlich von Bord sind, steht ein kleiner Spurt zur Festung Vardøhus an, etwa acht Minuten ohne zu rennen. Die dicken, aber niedrigen Mauern beherbergen eine ganze Reihe Kanonen der letzten Jahrhunderte, ein paar Häuschen und ein kleines Museum; von den Wällen ist nun bei Tageslicht auch das Steilneset Hexendenkmal zu sehen. Es erinnert an die Männer und Frauen, die hier vor wenigen Jahrhunderten der Hexerei beschuldigt und zum Tode verurteilt wurden. Ich hätte wirklich gerne einmal zwei, drei Stunden Zeit für Vardø – lieber als für Kirkenes.

Lichtschimmer über Båtsfjord

Nach dem Ablegen ist etwas Freizeit, bis das Abendessen ruft, bei dem wir mehr mit der Wetterprognose als dem Essen beschäftigt sind. In Båtsfjord gegen 20 Uhr dann überraschend klarer Himmel und ein Schimmer über der Stadt. Während wir noch überlegen, ob das was wird und wann wir endlich ablegen, geht an Deck das Licht aus, und die Durchsage ertönt, dass an der Steuerbordseite Polarlicht zu sehen ist. Also rasch die Seite wechseln: Ja, das sieht sehr gut aus. Ich montiere meine Nikon an die Reling und starte den Zeitraffer, dann will ich in die Kabine, mein Stativ für die zweite Kamera holen.

Ich gebe ja immer den Tipp, das Polarlicht auch anzuschauen und nicht nur durch die Kamera anzuschauen. Zum Glück beherzige ich ihn dieses Mal: Über uns geht ein wirkliches gutes Feuerwerk ab, mit Grün, Rot, etwas Lila und tanzenden Lichtern. Genau die Show, auf die ich immer aus bin. Es ist hell genug, dass ich mit Kamera Nr. 2 sogar ein wenig filmen kann, in Echtzeit. Wow.

Dann lässt es nach, und ich hole doch noch mein Stativ, für die andere Seite vom Schiff. Während es steuerbord nachlässt, gibt es backbord weiterhin viel zu sehen. Immerhin eine halbe Stunde können wir genießen, bevor wir unter die Wolken fahren – aber die hatte es in sich.

Bis Mitternacht bleiben wir unter der Wolkendecke, nur gelegentlich blitzt noch etwas durch Wolkenlücken. Die grüne Hintergrundbeleuchtung lässt erahnen, dass es da oben noch weitergeht, aber für uns ist Feierabend. Das Ergebnis der Kamera? Gar nicht schlecht, auch wenn ich die Show über unseren Köpfen nicht drauf habe:

Und danach an Backbord

Um Mitternacht kapituliere ich dann und mache Feierabend. Der Zeitraffer will erstellt werden…

Hurtigrute Tag 8: Von Hammerfest nach Tromsø

Gestern früh waren wir noch die nordgehende Hurtigrute, heute schon die südgehende – und irgendwie geht es südwärts viel schneller als nordwärts, sogar jetzt, da die Tour wieder bis Bergen statt wie früher nur bis Trondheim geht.

Melkøya

Der erste Punkt nach dem Frühstück ist heute der Interessepunkt Melkøya. A propos Frühstück: Auf der Kong Harald gibt es regelmäßig Pfannkuchen zum Frühstück. Gefällt mir:-) Um Viertel nach zehn steht dann die Flüssiggasanlage Melkøya bzw. das Erdgasfeld Schneewittchen auf dem Programm. In den letzten Jahren wurde hier immer der Energiekaffee serviert (eine Mischung aus Schweröl und Zucker mit einer Prise Chili) – vielleicht ist das der Grund, warum ich die Vorbeifahrt intuitiv auf Deck 5 verbringe und nur kurz reinhöre, was das Expeditionsteam auf Deck 7 dazu erzählt. Daher kann ich nicht einmal beschwören, dass es den Kaffee noch gibt… Was ich aufschnappe ist, dass ein Tanker den Jahresenergiebedarf von 33 Haushalten deckt, und dass aus Sicherheitsgründen immer nur ein Schiff anlegen darf.

Der Schiffshund

Gleich hinter Melkøya liegt Hammerfest, also heißt es fertigmachen zum Aussteigen. Zwei Stunden haben wir hier nur. Also ab durch die Multe-Bar zur Kabine. Dabei fällt mir wieder einmal auf, dass mein ehemaliger Lieblingsplatz seit dem Umbau der Schiffe der Ort ist, an dem ich am seltensten aufhalte. Die „Puppenstube“ macht ich irgendwie überhaupt nicht an, und unser „Schiffshund“, der die kleine Spielecke bewacht, wirkt auch unglücklich.

Maritime Moderne: Die Puppenstube in der Multe-Bar auf Deck 7

Früher gab es ein richtiges Spielzimmer mit Bällebad, zumindest auf einigen Schiffen dieser Generation. Die Zeiten werden nobler, aber mit dem modernen Design auch kälter.

Im herbstlichen Hammerfest bietet sich die Standard-Tour an: Hoch auf den 86 Meter hohen Salen, solange der Zickzackweg eisfrei ist. Ausreichend steil ist er weiterhin. Auf dem Weg liegt der Marktplatz, der jetzt fertig gestellt ist – die Baustelle ist Richtung Schiff gewandert. Er ist hübsch geworden, und die beiden Eisbären unter dem blauen Bogen vor dem Rathaus sind wieder zugänglich. Im Hafen gibt es Hinweisschilder auf Hvaldimir, den Belugawal, der aus dem russischen St. Petersburg zu den Norwegern übergelaufen war.

Mein Bänkle steht wieder.

Hinter dem Marktplatz ist der blaue Musikpavillon. „Meine“ Bank steht wieder, sie war wohl nur für den Winter abgebaut worden. Seit sie auf meiner ersten Reise komplett eingeschneit war, steht auf jeder Tour ein Beweisfoto auf ihr an.

Dann geht es hoch auf den Berg und anschließend wieder runter in die Stadt für einen kurzen Gang zu der Grabkapelle (die als einziges Gebäude die deutsche Besatzung überlebt hat – beim Rückzug hinterließ die Wehrmacht verbrannte Erde) und der Kirche.

Vom Berg aus ist auch schön die Gamle Måløy zu sehen, die eine ähnliche Größe hat wie die Hurtigrutenschiffe der Vergangenheit.

Auf dem Rückweg gibt es noch das übliche Erinnerungsfoto auf den Eisbären vor dem Rathaus. Die Bären sind mittlerweile etwas mitgenommen, aber wirklich dafür ausgelegt, dass man mehr oder weniger elegant auf sie hochkraxelt. Der linke schaut eigentlich ganz freundlich drein.

Nach einem Abstecher in den Eisbärenclub, wo man nicht nur als Clubmitglied herzlich willkommen geheißen wird, geht es dann schon wieder zurück auf Schiff. Hurtig, hurtig. Nettes Detail: Die kleinen Magnet-Eisbären und -Huskies kommen aus Karlsruhe.

Für das eindrucksvolle Wiederaufbaumuseum bleibt da keine Zeit. Einmal war ich drin, es ist sehr sehenswert und hinterlässt eine klare Botschaft: Nie wieder Krieg.

Nach dem Essen stehen erst einmal keine Häfen an, und wir nutzen die Chance für unseren vierten Vortrag: Thomas berichtet über die Mondlandung, die vor 50 Jahren stattfand.

Øksfjord

Eine halbe Stunde später treffen die üblichen Verdächtigen sich wieder an Deck: Wir laufen in Øksfjord an. Der Kapitän mag den Schifftyphon, und das Hupen gibt an den steilen Hängen ein schönes Echo. Mächtig.

Leider sind die Wolken auch mächtig, sodass der Abend entspannt ist. Um 18 Uhr steht Abendessen auf dem Plan, und um 19:15 Skjervøy. Den Hafen erreichen wir etwas verspätet, aber wir legen pünktlich ab. Die Gangway wird frühzeitig eingeklappt, sodass die letzten beiden Passagiere über das Frachtdeck einsteigen müssen. Währenddessen posiert die Dorfjugend mit ihren Fahrrädern am Kai.

Skjervøy

Aber was soll ich sagen: Ohne Polarlichter fehlt Skjervøy was. Bis zur nächsten Schiffsbegegnung (die Nordlys) sind wir im Panoramasalon und schauen in die Dunkelheit; nach der Schiffsbegegnung sind unsere Plätze weg. Dafür singt Giske vom Expeditionsteam live, was auch seinen Reiz hat. Die Route bis Tromsø zieht sich, wenn kein Polarlicht da ist – viele müssen ja wegen dem Mitternachtskonzert wach bleiben. Kurz vor 23:45 legen wir an, letzte Chance für Bilder der Eismeerkathedrale.

Mein angedachter Kneipenbummel entfällt: Tromsø bietet Samstagabends etwas zu viel Leben, und im Rørbua spielt die falsche Musik für meinen Geschmack. Mit nasskaltem Nieselregen macht Tromsø einem den Abschied auch leicht. Also geht es recht bald wieder auf das Schiff, wo sogar unser Schiffshund die Schnauze voll hat.

God natt.

Hurtigrute Tag 9: Vesterålen und Lofoten

Harstad

Harstad gehört immer noch zu den Häfen, die ich am seltensten sehe: Wir legen nämlich bereits um 8:30 ab. Das ist so nicht meine Zeit – vor allem, weil morgens um sechs ein lautes Pfeifen durch die Kabine schallte und mich aus den Träumen riss. Keine Ahnung, was das war… Dabei lohnt Harstad sich durchaus. Der Ort liegt inmitten der Vesterålen, eingebettet in eine grandiose Bergkulisse. Die Teilnehmer der Vesterålen-Busrundfahrt steigen hier aus, um Norwegen einmal von Land zu sehen, und steigen in Sortland wieder zu.

Trondenes-Kirche

Mit dem Schiff geht die Reise um 8:30 weiter, vorbei an der Trondenes-Kirche – Norwegens ältester Steinkirche. Der Troll, der sie einst baute, kam nicht mehr dazu, den Kirchturm zu bauen, daher steht die Glocke heute in einem separaten Türmchen. Vom Schiff aus sind auch die Busse zu erkennen, die zur Bustour gehören – insgesamt vier Stück. An Bord entgeht uns zwar das hübsche Museum und das Inland, aber die Schiffsfahrt durch die Vesterålen ist auch reizvoll. Die große Fontäne im Hafen, die auf meinen letzten Fahrten gerade eingeweiht worden war, ist jetzt übrigens aus.

Risøyrinne

Mit Schleichfahrt geht es durch die Risøyrinne, die nur wenig tiefer ist als unser Schiff und nicht zuletzt wegen der Hurtigrute gegraben wurde. Zahlreiche Bojen markieren den Weg. In Risøyhamn haben wir fast 20 Minuten. Das langt für einen kurzen Spurt zum Königsstein auf der anderen Straßenseite, wo sich die norwegischen Könige anlässlich der Eröffnung oder Erweiterung der Rinne verewigt haben.

Der Königsstein in Risøyhamn

Nach dem kurzen Stop geht es weiter Richtung Sortland. Das bedeutet für mich theoretisch ein frühes Mittagessen, denn mit etwas Glück sehen wir die vier Ausflugsbusse zur selben Zeit über die Brücke bei Sortland fahren, wenn wir darunter hindurch fahren. Da so viele am Ausflug teilnehmen, gibt es diesmal feste Essenszeiten und ein Drei-Gänge-Menü – das bereits um 11:30 serviert wird. Das ist mir definitv zu früh, also faste ich einmal (definitiv kein Fehler) und treffe kurz vor Sortland am Bug auf das Expeditionsteam – ausgerüstet mit Flaggen, von denen ich prompt eine in die Hand kriege: Wir winken den Bussen doch!

Busse-Winken

Zumindest probieren wir es: Es gibt eine neue Busgesellschaft, und zwei der Busse erreichen die Brücke erst, als wir schon fast darunter hindurch sind. Die beiden anderen kommen erst noch später… Gut, dass das Event wegen der Essenszeiten nicht groß angekündigt wurde. Immerhin können wir die Ausflügler im Hafen mit wehenden Fahnen begrüßen.

Die Finnmarken

Der nächste Halt ist Stokmarknes, bekannt als Gründungsort der Hurtigrute und Heimat des Hurtigruten-Museums. Letztes gehört übrigens nicht zu Hurtigruten, sondern wird privat von Ehemaligen und Enthusiasten betrieben. Das Haupt-Objekt ist die alte Finnmarken von 1956. Aktuell ist sie auch von außen in ihrer ganzen Pracht zu sehen, das schützende Wellblechdach auf dem Oberdeck ist weg. Schon bald wird sie am selben Ort geschützt in einem Glasbau stehen – zum Glück konnte er finanziert werden, es tat mir in der Seele weh, wie das Schiff in den letzten vier Jahren langsam verfallen war, da es den Elementen ungeschützt ausgesetzt war.

Ich nutze die Zeit für einen kurzen Rundgang am Hafen, bevor es wieder auf unsere Kong Harald geht. Nächstes Ziel: Mit meinen EMails auf den aktuellen Stand kommen, bevor wir den Raftsund erreichen. Der Fluch des Freiberuflers… ich schaffe es nicht ganz, aber zur Einfahrt in den Raftsund bin ich trotzdem am Bug, genau wie später, als wir in den Trollfjord hinein fahren. Immer wieder beeindruckend, und wir haben Glück: Normalerweise sind die Nordlicht-Reisen mehr im Winter, wenn der Trollfjord wegen Lawinengefahr geschlossen ist. Die steilen Wände sind genau das, was man von einem Fjord erwartet.

Bevor es in den Trollfjord geht, setzen wir noch die Teilnehmer der Seeadlersafari aus – sie steigen im Raftsund auf ein kleineres Boot um und stoßen erst in Svolvær wieder zu uns.

Nach dem Raftsund hängen drohende Wolkenberge über Svolvær. Schlechte Zeichen für heute Nacht? Jedenfalls nutze ich die Abenddämmerung für einen kurzen Gang durch den hübschen Ort, und der Himmel macht sich.

Und dann zurück, Polarlicht suchen. Ein Schimmer ist da, und nachdem wir Svolvær verlassen, sieht es vielversprechend aus. Und endlich, kurz vor 21 Uhr: Was für ein Feuerwerk. Dankenswerterweise rennt Thomas zur Rezeption, um Bescheid zu sagen (mein Held!), und meine Kamera an der Reling erwischt nur einen Teil, aber was für ein Schauspiel. Wie bretonischer Regen: Kurz, aber heftig.

Was die Kamera sah…

Auf Deck 7 konnte ich die Kamera nur auf Automatik setzen und in den Himmel richten, sowas muss man sich ansehen – Zeit, um Kameraeinstellungen zu machen, bleibt eh keine.

Nach dem kurzen heftigen Ausbruch beruhigt sich das Polarlicht, bleibt aber immer noch da. Auch nach Stamsund traut man sich nicht ins Bett, bis wir auf halbem Weg nach Bodø unter die Wolkendecke kommen. Feierabend, und gute Nacht.

Vier Uhr morgens…

Bis es morgens um vier Uhr heißt: Vi har nordlys! Ein schönes helles Band. Auf anderen Reisen hätte es sehr begeistert, so halte ich es nur ein paar Minuten an Deck aus. Trotzdem schön, aber langsam sind die Batterien am Ende.

Hurtigrute Tag 10: Helgelandküste und Torghatten

Polarkreisüberquerung

Wir sind wieder in „Südeuropa“: Um 8:54 überqueren wir den Polarkreis in südgehender Richtung. Nach dem Polarlicht von letzter Nacht schaffe ich es nicht rechtzeitig aus dem Bett und sehe die Kugel nur vor dem Fenster vorbeiziehen. Aber nordgehend hat es ja geklappt, dann langt auch ein schneller Schnappschuss. Nachdem ich ISO, Autofokus und Weißabgleich zurückgestellt habe, kann man auf den Bildern sogar was erkennen. Der Polarlichtmodus taugt hier eher wenig…

Sandnessjøen

Die Helgelandküste gilt als schönster Streckenabschnitt (aber den Titel könnte auch die Lofoten/Vesterålen-Küste von gestern tragen), ist aber auch der stressigste – vor allem, wenn man zum Arbeiten an Bord ist. Ein Termin jagt den anderen: Um 10 Uhr Polarkreistaufe, um 10:25 der kleine Hafen Nesna, um 11 Uhr mein letzter Vortrag über die Geschichte der Sternbilder und ihrer Sagen, dann das Mittagessen, um anschließend noch einen Blick auf Sandnessjøen zu erhaschen – zum Aussteigen langt es diesmal nicht.

Die einzige Wolke…

Hinter Sandnessjøen liegen die wolkenverhangenen Gipfel der Sieben Schwestern – so wie es aussieht, unter der einzigen dicken Wolke in der ganzen Gegend. Egal – da wird an Deck ausgeharrt, während auf Deck 7 beim Interessepunkt die Geschichte der Bergkette erzählt wird. Und das Wetter hat Erbarmen: Es reißt beinahe auf, und die Bergkette bietet doch noch einen wunderschönen Anblick.

Die Sieben Schwestern

Damit ist es etwa dreizehn Uhr, und es gibt fast zwei Stunden Pause, in denen ich Bilder sortieren und die Landschaft genießen kann. Mittlerweile steht auch fest, dass der Ausflug 11B – die geheimen Räume des Nidaros-Doms – wieder nicht stattfinden würde. Schade, denn diesen Ausflug hatte ich schon einmal erfolglos probiert, aber die Mindestteilnehmerzahl wurde wieder nicht erreicht.

Am Nachmittag macht sich schon der neue Fahrplan bemerkbar: Wir nähern uns Brønnøysund mit seiner beliebten Eisdiele am Kai, für die mir dieses Mal keine Zeit bleibt. Der Aufenthalt in Brønnøysund wurde nämlich um eine Stunde verlängert und dauert nun von 15 bis 17:30. Damit gibt es ausreichend Zeit für einen neuen Hike mit dem Expeditionsteam: 10D, Wanderung zum Torghatten-Loch. Und ich bin dabei!

Zum Torghatten

Für 990 NOK bringt uns der Bus in einer halbstündigen Fahrt zu dem Parkplatz in der Nähe des Campingplatzes am Fuß des Torghattens. Von dort dauert der Aufstieg zum Loch in rund 110m Höhe noch einmal etwa eine halbe Stunde. Für einen Wanderer mit halbwegs ordentlicher Kondition ist das kein großes Problem; nach einer Woche Hurtigrute kommt man doch schon ins Schwitzen. Der Weg führt über einiges an Geröll, sodass man trittsicher und gut zu Fuß sein sollte; Schwindelfreiheit ist nicht erforderlich.

Blick zurück

Am Ende geht es noch über ein kleines Geröllfeld, dann steht man schon am oberen, kleineren Ende des Lochs. Ganz schön groß und eindrucksvoll, der Aufstieg hat sich gelohnt. Zurück bietet sich ein grandioser Blick grob Richtung Brønnøysund, und über uns die Decke eines Lochs, in das unser Schiffchen ziemlich genau hinein passen würde. Von da aus geht es noch ein Stück weiter über das Trümmerfeld am Fuß des Lochs, bis es über eine steile Holztreppe hinab ins Loch geht – mit Blick auf die Schärenlandschaft. Das war wirklich jeden Schweißtropfen wert!

Am Ziel bleibt wie immer viel zu wenig Zeit, vielleicht 10 oder 15 Minuten haben wir im Loch. Ein paar Fotos, ein paar Momente Norwegen genießen, noch ein paar Vögel gucken – dann ruft uns unser Guide auch schon dazu auf, mit dem Rückweg zu beginnen.

17:28 – gerade noch rechtzeitig am Schiff

Das Schiff wartet nicht, und es geht zügig, aber nicht übereilt zurück zum Bus, wo uns Kaffee und ein Stück Kuchen erwarten. Dann ab zum Schiff, das wir zwei Minuten vor der geplanten Abfahrt erreichen.

Und weiter geht das Programm: Wir legen ab und passieren den Torghatten kurz nach 18 Uhr. Jetzt sehen wir das Loch, in dem wir gerade noch standen, und einen prächtigen Sonnenuntergang.

Aber die Sonne muss sich beeilen, denn um 18:30 ruft schon das Captain’s Dinner – viele Passagiere steigen bereits in Trondheim aus, daher findet das Abschiedsessen bereits heute statt.

Rørvik

Der vorletzte Programmpunkt ist Rørvik um 21 Uhr. Eine halbe Stunde Aufenthalt haben wir, was früher knapp zu einem Besuch auf der entgegenkommenden Hurtigrute gelangt hatte. Da diese Schiffsbegegnung nun auf hoher See stattfindet, steht für mich ein kurzer Gang zum Coop auf dem Plan – Leergut zurückbringen. Dumm nur, dass der Coop Mega wegen Starßenbauarbeiten nicht erreichbar ist. Also ein paar Meter weiter zum Kiwi, im Schnelldurchgang zu Pfandautomat und Getränkeregal, bezahlen und retour zum Schiff.

Die Lofoten

Und jetzt noch Polarlicht, dann wäre das Tagesprogramm auch geschafft. Allerdings haben wir nur sternklaren Himmel, das Polarlicht schafft es heute nicht zu uns in den Süden. Nur der kleinen MS Lofoten begegnen wir gegen 21:45 und schmunzeln über ihr Hupen. Also endlich eine Chance, um etwas Schlaf nachzuholen.

Keiner hat je behauptet, dass die Hurtigrute ein Erholungsurlaub wäre – nur dass sie wunderschön ist.