Hurtigrute Tag 3: Trondheim

Trondheim

Dinge, die ich immer wieder vergesse: Die Reisezeit anzugeben. Diese Tour geht vom 21. September bis zum 2. Oktober. Das bedeutet, das wir Trondheim am Montag erreichen, wenn die Läden offen haben. Und es ist eigentlich auch die erste richtige Gelegenheit, einmal einkaufen zu gehen.

Durch die neuen Liegezeiten kommen wir erst gegen 10 Uhr in der alten Königsstadt an und vertreiben die Nordlys vom Hurtigrutenkai. Vorbei sind die Zeiten, in denen man hier noch das andere Schiff besuchen konnte – jetzt ergreift sie die Flucht und passiert die Insel Munkholmen ein gutes Stück nach uns, auf der anderen Seite. Einen Vorteil hat die späte Ankunft: Es ist hell genug, um Munkholmen schon beim Einlaufen zu fotografieren. Dafür bleiben nur etwa drei Stunden für die Stadt, davon gehen gut 20 Minuten dafür drauf, in die Stadt zu laufen.

Es bleiben also gut zweieinhalb Stunden für die Altstadt von Trondheim, den Nidarosdom, die alten Holzhäuser von Bakklandet und das schmucke ehemalige Instrieviertel Nedre Elvehavn.

Nidaros

Also nichts wie los. Durch den Hafen geht es über die neue Brücke, die über die Eisenbahngleise führt, und dann präsentieren sich die alten hölzernen Lagerhäuser am Fluss Nidelv. Für ausgeprägtes Shopping bleibt keine Zeit, also der typische Rundweg. Das große Holzhaus Stiftsgården – die königliche Residenz in Trondheim – ist von hinten schöner als von vorne, aber zu dieser Jahreszeit mit belaubten Bäumen zugestellt. Der Marktplatz ist weiterhin eine Baustelle; gerade werden die Schläuche für die Fußbodenheizung verlegt – in Norwegen hat keiner Lust, Schnee zu schippen, also wird der Marktplatz in Zukunft auf diese Art schneefrei gehalten.

Vår Frue Kirke

Nach einem kurzen Besuch im Einkaufszentrum Trondheim Torget scheitert der Besuch in der Vår Frue Kirke an den allgegengwärtigen Bauarbeiten: Sie wird renoviert und ist nur gelegentlich geöffnet. Schade. Dann halt ab zum Nidaros-Dom. Hinter der Vår Frue Kirke gibt es ein (mir) neues Denkmal: Flache Inseln, die Terra Incognita darstellen – sie erinnern an das „unbekannte Territorium“, das Norwegen durch den Terroranschlag auf der Insel Utøya im Jahr 2011 betrat.

0 km bis zum Nidaros-Dom

Weiter zum Nidaros-Dom: Normalerweise mache ich die Runde in umgekehrter Reihenfolge und deutlich früher (da wir sonst schon um 12 Uhr ablegen), so präsentiert er sich zwar unter blauem Himmel, aber im Gegenlicht. Grmpf. Lightroom kann noch etwas aus den Fotos herausholen. Aber ich kann wenigstens mein neues Teleobjektiv ausprobieren und mir ein paar Details des Gebäudes näher anschauen. Der Dom ist nicht nur Krönungsstätte und Endpunkt des Olavswegs (ein Pilgerweg von Oslo nach Trondheim), sondern auch reich verziert. Von außen gefällt er mir aber immer noch besser als innen.

Der Fahrradlift

Dann ist auch schon Zeit für den Rückweg, es langt genau für den Gang entlang der Häuschen von Bakklandet. Premiere: Der Fahrradlift ist noch in Betrieb, und ein Radler darf es vorführen. Ob er mit so viele Fotografen gerechnet hat?

Gut 20 Minuten dauert es von der Gamle Bybru (der alten Stadtbrücke) bis zum Schiff – dieser unmenschliche Stress. In Bakklandet und Nedre Elvehavn ist bei sonnigen Herbstwetter viel los, die kleinen Cafes und Geschäfte sind gut besucht.

Pünktlich um 13 Uhr, genau 15 Minuten vor dem planmäßigen Ablegen der Kong Harald, sind wir wieder am Schiff. Das Mittagessen ist zum Glück verschoben, von 12-14:30 hat das Restaurant geöffnet. Die neuen Liegezeiten kollidieren wirklich mit den Essenszeiten. Immerhin gibt es keinen Zwang, sich die Abfahrt anzuschauen – schöne Bilder von Munkholmen konnte ich ja schon wenige Stunden zuvor machen.

Kjeungskjær Fyr

Etwa um viertel vor vier steht dann der berühmte Leuchtturm Kjeungskjær Fyr auf dem Programm (den wir um 16 Uhr passieren), gefolgt von den Tücken der Technik: Für 16:15 ist unser erster Vortrag über Nordlicht und Sterne angesetzt, allerdings lässt sich vom Laptop aus nur einer der beiden großen Monitore ansteuern. Als Notbehelf bleibt nur, die Präsentationen umzuwandeln. Für meinen Sternbilder-Vortrag geht das aber nicht – hoffentlich läuft alles, bis wir in der Barentssee sind…

Parallel zu unserem Vortrag läuft ein Wikinger-Vortrag des Schiffs, der bei über 250 deutschen Gästen gut besucht sein dürfte – ein Glück, dass unsere Gruppe reservierte Plätze hat:-)

Mittlerweile haben wir schon wieder etwas Verspätung, sodass nach dem Vortrag noch etwas Zeit ist, bevor wir gegen 17:30 durch den Stocksund fahren – einer der engsten und schönsten Sunde. (Zur Info: Durch einen Sund kann man hindurchfahren, ein Fjord ist eine Sackgasse.)

Im Stokksund

Der nächste Programmpunkt: 18 Uhr Abendessen – also gleich nachdem wir aus dem Stokksund wieder heraus sind. Interessant: Die Suppe wird ohne Suppe serviert. Erst kommt der Teller mit der Einlage, dann die Kanne mit der Brühe. Und das bei bis zu 0,5m hohen Wellen… aber im Prinzip gar nicht so dumm, wenn es doch stürmisch zu geht.

Der Nachtisch fällt für mich aus: Der Sonnenuntergang ist zu schön, und wir passieren noch eine ganze Reihe enger Sunde, die ich noch nicht bewusst gesehen habe. Norwegen ist zum Greifen nah.

Die Nordkapp

Nach Sonnenuntergang ist der Himmel klar, nur eines fehlt zum Glück: Polarlicht. Die Vorhersage ist gut, aber die Aktivität fehlt. Dafür begegnen wir der südgehenden Hurtigrute MS Nordkapp, die freundlich, aber dezent mit Lichthupe grüßt. Nach dem alten Fahrplan wären wir ihr nicht auf See begegnet, sondern erst in Rørvik – dafür gab es da die Möglichkeit, einmal auf das andere Schiff zu gehen. Andererseits sind mittlerweile ohnehin alle Schiffe mit dem selben Innendesign ausgestattet.

Rørvik
Ein Hauch von Licht.

In Rørvik legen wir pünktlich gegen 22:15 an. Die Liegezeit ist auf etwa 15 Minuten verkürzt, es lohnt sich also nicht, von Bord zu gehen. Stattdessen schauen wir uns das Gabelstaplerballett am Kai an und sind erstaunt, wie hell die Rückfahrlichter norwegischer LKW sind.

Als wir Rørvik verlassen, hoffen natürlich alle auf Polarlicht. Aber nur mit Mühe kann die Kamera wenigstens ein wenig Polarlicht zeigen, visuell bleibt davon bestenfalls die Ahnung von Nordlicht. Sehr frustrierend. Bis Mitternacht halten wir durch, dann geben wir die Polarlichtwache auf. Schließlich steht morgen schon der Polarkreis auf dem Programm, und um die Jahreszeit ist da schon längst dunkel.

Ein Hauch von Polarlicht nördlich von Rørvik (je 4s bei f/2,8 und ISO 3200)

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