Astro-Ausrüstung

Die Frage, womit ich beobachte, taucht immer wieder auf – schließlich sollte sich ja in zwei Jahrzehnten Hobby Astronomie einiges angesammelt haben.

Da ich allerdings von Anfang an auf der Heilbronner Sternwarte aktiv war, konnte ich mir Fehlinvestitionen sparen, und neben einer ganzen Reihe von Ferngläsern gibt’s nur ein einziges Teleskop.

Das Teleskop

ED80-frei.jpg
ED80 auf Vixen Porta

Im Celestron ED80/600 steckt eine weit verbreitete Optik; der ED80/600 hat daher seit er Anfang dieses Jahrtausends auf den Markt kam den Spitznamen „Volks-Apo“ erhalten. Außer Tubus, Objektiv, Taukappe und Deckel ist aber nichts mehr original an ihm: Der Okularauszug wurde durch einen SteelTrack von Baader Planetarium ersetzt, der Sucher durch einen Baader SkySurfer III samt Sucherbasis, dazu kamen Maxbright Zenitspiegel sowie ein 36mm Hyperion Aspheric und ein Hyperion 8-24mm Zoom, ebenfalls aus dem Hause Baader. Um damit noch in den Fokus zu kommen, wurde die Celestron-Prismenschiene durch eine längere mit passenden Rohrschellen ersetzt. Mittlerweile wurde das Hyperion Zoom ersetzt, da es am ED80 nur den Vergrößerungsbereich von 25-75x abdeckt – ich war Geräte mit rund 2 Meter Brennweite gewohnt. Stattdessen befinden sich nun ein 9 mm Morpheus und ein Astrozoom 7mm UWAN im Teleskopkoffer, das etwa den Brennweitenbereich von 7,5-4mm abdeckt. Das wird leider nicht mehr angeboten, deckt die Höchstvergrößerung aber schön und komfortabel ab.

Als Montierung kam zuerst ein Berlebach Fotostativ mit Triton-Videoneiger von Teleskop-Service zum Einsatz, was als Reisekombi okay war, aber bald durch eine Vixen Porta und kurz darauf ein Berlebach Uni28 Stativ ersetzt wurde. Gebrauchtkauf lohnt sich!

Dazu kam noch ein Baader Herschelkeil für die Sonnenbeobachtung, außerdem ein Baader Filterschieber – auf die Idee, dass ein Filterschieber auch visuell sinnvoll ist, bin ich viel zu spät gekommen. Und für Planeten kann noch ein Filterrad dazwischen geschaltet werden. So werden die ganzen Filter auch endlich mal eingesetzt.

Der ED80 mit allem Zubehör im Koffer.

Für visuelle Beobachtungen bin ich so mit einem Koffer und einer Stativtasche unterwegs, für Fotografie kommt noch der Koffer mit der Montierung und eine Fototasche dazu – alles schön kompakt. Alles in allem wiegt der Teleskopkoffer (mit etwas Foto-Zubehör) 18,3kg, was noch geht. Die Ablageplatte vom Stativ ist übrigens mit Spanngurten auf den Deckel vom Koffer gespannt.

Das Foto-Set

Die Vixen Porta wird Fotoambitionen durch eine Vixen GP-DX ergänzt – ein Gebrauchtkauf. Auch ohne Guiding können die Ergebnisse sich sehen lassen, wenn sauber eingenordet wurde. Von Haus aus kann die GP-DX nur nachführen. Später habe ich sie mit Zahnriemenantrieb und Goto aufgerüstet, den Umbaubericht gibt es hier. Die Motoren sind von Avalon, die Steuerung von astro-gadget.com. Seitdem bietet die Montierung eigentlich alles, was man braucht. Die Stromversorgung übernimmt ein Celestron LiFePO4-Powertank. Der hält seine Ladung auch über längere Ruhezeiten hinweg.

Der Foto-Setup. Links hängt der Laptop im Zelt.

Ergänzt wurde sie noch durch eine kleines Guidingrohr und eine ZWO ASI Mini für das Guiding und das komfortable Einnorden mit Sharpcap. Damit der Laptop Platz hat, habe ich noch eine 3D-gedruckte Halterung gefertigt, die an das Stativ passt. Der Laptop sitzt in einem iCap-Laptop-Zelt von Astrogarten. Damit kann der Laptop endlich auch bei der Sonnenbeobachtung genutzt werden – den Kauf hatte ich viel zu lange vor mir hergeschoben. Für Flatfields gibt es eine Flatfield-Scheibe von Gerd Neumann. Eine Bahtinov-Maske und ein Reducer für den ED80 dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Alles für Goto und Fotografie

Die Montierung samt Steuerung, Akkupack, Gegengewicht, Leitrohr, Guidingkamera und Laptop-Zelt steckt ebenfalls in einem Flightcase, das auf 21,5kg kommt. Für den Transport ins Auto geht das gerade noch. Die DSLR zum Fotografieren kommt natürlich noch dazu, die Kameraadapter und Reducer sind beim Teleskop verpackt. Die Schaumstoffeinlagen habe ich übrigens bei Koffermarkt.com machen lassen.

Ultima-80-frei.jpgDas Spektiv

Trotz aller Kompaktheit war das Teleskop dann aber doch nichts mehr für den schnellen, spontanen Einsatz, und mittlerweile kam noch ein 80mm Celestron Ultima Spektiv dazu. Mit 20-60facher Vergrößerung stört der Farbfehler noch nicht (bzw. nur kaum), es ist auf dem Berlebach mehr als ausreichend montiert, und als Reisebegleiter ist es gut geeignet: Nicht nur, dass es (ohne Stativ) auch in einen größeren Rucksack passt, es tut vor allem auch nicht so weh, wenn die Fluggesellschaft es auf den falschen Kontinent schickt…

Praktisch ist, dass auch das Hyperion Zoom Okular an das Spektiv passt. Es hat ein deutlich größeres Bildfeld und angenehmeres Einblickverhalten als das durchaus brauchbare Original-Okular. Für den schnellen Blick in die Sterne oder in die Berge hat es sich schon häufig bewährt.

Der Oldtimer

Durch einen glücklichen Zufall bin ich an einen Lichtenknecker 125/3500 f/28 Schiefspiegler gekommen. So ein Gerät wollte ich schon immer mal haben: Ein obstruktionsfreier Spiegel, perfekt für Planeten: Echter Apo-Kontrast! Dazu habe ich auch noch eine alte Vixen Saturn-Montierung mit Boxdörfer-Steuerung. Die wurde ursprünglich sogar mit einem C14 angeboten, mit dem Schiefspiegler und meinem ED80 parallel wird es aber doch wacklig – vielleicht liegt es aber auch an der Doppelschiene.

Lichtenknecker Schiefspiegler mit ED80

So Teleskope werden schon lange nicht mehr gebaut, kein Wunder eigentlich: Um ein einigermaßen helles Bild zu kriegen, hat das Teleskop ein 70mm-Übersichtsokular. Auf der Sternwarte haben wir das selbe Okulae am f/15-Coudé-Refraktor, aber an so einem schnellen Gerät ist die Randabbildung des Okulars grottenschlecht. Bei f/28 sieht das ganz anders aus! Die Optik taugt und kann mit den alten Lichtenknecker-Okularen bis weit in die Übervergrößerung getrieben werden: Im 12,5mm-Ortho bei 280x ist das Bild noch schön scharf; deutlich besser als im 15mm Mittenzwey bei nur 230x.

Das ganze ist natürlich ein Oldtimer mit allen Nachteilen alter Technik – um ihn lauffähig zu bringen waren noch ein Stativadapter sowie Adapter für moderne Okulare (also von Lichtenknecker System 64 auf T-2 und SC-Gewinde) nötig, außerdem musste ein Adapter für einen Leuchtpunktsucher her – mit dem Originalsucher und der Brennweite etwas zu finden ist nicht trivial, vor allem weil ich immer noch nicht weiß, wo ich eigentlich hinschaue. Alles Sonderanfertigungen von Steffen Noack (Great Star). Transportabel ist das ganze auch nur mäßig – ein kleines NexStar 6SE von Celestron hat auch nicht weniger Leistung, ist ultra-transportabel und bietet Goto und größere Bildfelder. Aber ganz ehrlich: So ein Schiefspiegler macht einfach was her. Auch wenn der Okularrevolver alleine schon fast mehr wiegt als ein C6 Schmidt-Cassegrain…