Mir tun ja alle leid, die nur für die SoFi nach Spanien gefahren sind und sich sofort auf den Rückweg machen. Unnötiger Stress, und nicht nur die Region Aragon hat viel zu bieten. Eigentlich wollten wir heute mal nach Saragossa fahren, aber bei über 40° in der Stadt… zum Glück hatten wir gestern unseren Burgherrn Curro getroffen, und er bietet heute nach dem Frühstück eine Führung durch Burg und Kirche an. Die ist vor allem für eine spanische Gruppe, aber wir kriegen ein paar englische Untertitel.
Das Castillo kam irgendwann in die Hände der Malteser-Ritter (ja, die aus Malta, die Insel, über deren Megalithtempel ich letztes Jahr einen Reiseführer geschrieben hatte), die sie bis ins 18. oder 19. Jahrhundert kontrollierten, auch nachdem die Festung längst ihre strategische Rolle in den Grenzkonflikten von Aragon und seinen Nachbarkönigreichen verloren hatte. Eine Eisenerzmine hielt die Stadt bis vor rund 200 Jahren am Leben; als sie erschöpft war, wurde auch das Castillo weitestgehend aufgegeben. Der Teil an der Stadtmauer wurde von den Einwohnern Añóns übernommen, der Rest hatte einen anderen Besitzer (ein Bischof?). Im ehemaligen Pferdestall ist heute das Landhotel, mit Essenssaal, Waffenkammer, zwei Türmen und einer Reihe Zimmer, die von Curro und seiner Frau betreut werden – ob sie ihm gehören, habe ich nicht ganz verstanden.
Im Burghof
In der Burg wohnt unter anderem noch eine Künstlerin, die dafür gesorgt hat, dass das Castillo heute mehr Drachen hat als Game of Thrones, und die auch die Krippenlandschaft in der großen Kirche geschaffen hat – letztere zeugt von der Zeit, als Añón noch weit über tausend Einwohner hatte und nicht wie heute vielleicht noch 150.
Curro erklärte die Geschichte anschaulich und unterhaltsam. Beim Besuch der Kirche habe ich mehr über Altare gelernt als in den ganzen Jahren Religions-Unterricht in der Schule.
Die Kirche von Añón
Der Waffensaal
Nach der Kirche ging es in die Waffenkammer der Burg, und die Führung endete. Zeit für eine kurze Siesta – irgendwie ist der Urlaub doch anstrengend.
Später erkundeten wir noch einmal die Umgebung: Trasmoz ruft. Dass der Ort exkommuniziert war, hatte ich ja schon erwähnt. Aber es gibt noch mehr: Der Moncayo wurde 1860 von der Elite der Astronomen als Beobachtungsort für eine Sonnenfinsternis ausgewählt. Aus der Zeit stammt der Wanderweg auf den Gipfel. Die Expedition scheiterte, ein Sturm mit Hagel zerstörte das Observatorium, aber die Sonnenfinsternis konnte doch noch in Tarazona beobachtet werden. Die ganze Geschichte gibt es hier, bzw. hier in der Google-Übersetzung. Wenn ich Curro richtig verstanden habe, wurde eine Hexe in Trasmoz für das Unwetter verantwortlich gemacht. Aber vielleicht habe ich das auch falsch verstanden, oder jede Geschichte verdient es, ausgeschmückt zu werden – jedenfalls lebt die Hexenfolklore in Trasmoz immer noch.
Auf der Fahrt dorthin gelang mir endlich auch ein erstes Bild von unserem Nachbarort:
Alcála de Moncayo, unser Nachbarort
Fehlt noch eines von der eindrucksvolleren Richtung, wenn wir nach Añón fahren.
Trasmoz feiert
Trasmoz ist nach kurzer Fahrt erreicht, und diesmal kommen wir immerhin bis zum Besucherparkplatz am Ortseingang, was schon mal einige Höhenmeter spart. Uns schallt Musik entgegen, da wird wohl noch die SoFi nachgefeiert. Auf dem Marktplatz steht eine große Bühne, und wir machen uns auf den Weg zur Burg, die heute ein Museum beherbergen soll.
Bei dem, was unsere Radiomoderatoren in ihrem vollklimatisiertem Studio wohl als “bestes Sommerwetter” bezeichnen würden, suchen wir den Weg hoch zu der mächtigen Burgruine, um dort vor verschlossenem Tor zu stehen. Kein Durchkommen.
Dafür haben wir hier immerhin schon einen schönen Ausblick, und der Weg rund um das Castillo ist frei. Auf der Rückseite gibt es Schatten, Ausblick auf den Moncayo und Felsen als Sitzmöglichkeit. Machen wir mal Urlaub und genießen die Landschaft, solange noch Getränke in der kleinen Kühltasche im Rucksack sind:-)
Castillo de Trasmoz
Trasmoz gehört auch zu den Orten, die unter Bevölkerungsschwung leiden. Laut Wikipedia hat der Ort noch 88 Einwohner, und als wir wieder zurück sind, sind die alle auf den Beinen. Und ihre Verwandten. Und ihre Vorfahren. Und die Nachbargemeinden wohl auch noch – der Dorfplatz ist randvoll, eine Band macht sich bereit, und das Kuchenbuffet ist viele Meter lang. Feiern können die Spanier, das sind wohl keine Reste von gestern. Und das am Donnerstagmittag – auch in Spanien ist wohl komplette Ferienzeit.
Bei uns steht noch eine kleine Siesta an, und dann ein kurzer Spaziergang durch Añón. Einmal den Ort anschauen, in dem wir wohnen, ist auch kein Fehler. Er ist immer noch gepflegt, einige Häuser werden noch neu gebaut, andere sind Bauruinen oder stehen offensichtlich leer. Aber letztlich merkt man, dass versucht wird, den Ort am Leben zu erhalten.
Añón de Moncayo
Viel gibt es aber nicht zu sehen, bis zum Ortseingang brauchen wir keine 15 Minuten in gemütlichem Tempo. Wobei es noch Höhlen und einen mittelalterlichen Torbogen gäbe und ich mich in das Interpretationszentrum nicht hineintraue – nicht ohne Spanischkenntnisse…
Und das war es dann eigentlich auch schon für uns im Moncayo. Noch eine letzte Übernachtung, und morgen ziehen wir schon weiter. Mit dem Wetter hatten wir Glück: Heute hängen dichte Wolken nicht nur über dem Berg. Vielleicht erhält die Gegend ja mal den lang ersehnten Regen.
Letzte Eindrücke von unserer Burg
Am Abend steige ich noch einmal auf den Turm und genieße den Ausblick. Nein, heute hätten wir Pech gehabt mit der Sonnenfinsternis. So haben wir alles richtig gemacht. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert:-)
Wolken über dem benachbarten Alto de Picarón und über unserem Hausberg.
Es ist soweit: Heute Abend ist SoFi angesagt! Damit steht wohl Verkehrschaos in Spanien an. Aber es ist schön klar, und wir entscheiden uns, heute in der Gegend zu bleiben, bevor wir doch irgendwo im Verkehr stecken bleiben.
Das erste Ziel: Das benachbarte Kloster, Monasterio de Veruela, dessen mächtige, zinnenbewehrte Mauer schon aus weiter Ferne zu sehen ist. Der Parkplatz ist leer, das Tor ist zu: Die machen erst um 10 Uhr auf. Wir sind zu früh.
Also ziehen wir weiter nach Trasmoz, der einzigen exkommunizierten Stadt der Christenheit. Der dortige Fürst wollte sich dem Kloster nicht unterordnen, und das Kloster verursachte diese drastische Strafe. Kein Wunder, dass das Kloster so eine wehrhafte Mauer hat…
Weit kommen wir in Trasmoz aber nicht: Die Ortszufahrt ist abgesperrt, SoFi-Jäger sollen den extra eingerichteten Parkplatz am Ortseingang nutzen. Wir halten kurz auf dem trockenen Gras für ein paar Fotos. Bei dem Wetter hoch zum Burgberg gehen? Lieber nicht – besser eine Fahrt um den Moncayo herum.
Kurs Trasmoz
Der Moncayo ist ein großes, bewaldetes Naturschutzgebiet. Dementsprechend viele Bäume sehen wir auf der Fahrt um den Berg, sowie nur wenige Wanderparkplätze ohne Aussicht. Mitten im Moncayo gibt es ein Info-Zentrum bei Agramonte, das aktuell von unzähligen Fliegen bewacht wird.
Von wegen trockenes Spanien
Irgendwann verlassen wir den Wald und kommen auf eine Hochebene im Nordwesten, die ein alternativer Standort für die SoFi-Beobachtung sein könnte – wenn es denn Parkplätze gäbe. Aber an der Straße gibt es keinerlei Haltemöglichkeiten, bis wir mit San Martin de la Virgen de Moncayo das erste Örtchen erhalten. Hier gibt es nicht viel zu sehen, man könnte ein paar hundert Meter zu Aussichtspunkten gehen. Aber viel mehr als auf der Herfahrt dürfte man da auch nicht sehen.
In Santa Cruz de Moncayo fahre ich in den Ort. Dort gibt es – wie ich später sehe – sogar ein Castillo und ein Museum, aber der Calla Mayor – die Hauptstraße – ist so eng, dass ich froh bin, wieder aus dem Ort herauszukommen. Uff. Dabei ist der Focus gar kein so großes Auto…
Calla Mayor, Santa Cruz de Moncayo. Presspassung für mein Autochen…
Von Santa Cruz de Moncayo sind es nur noch wenige Minuten bis Tarazona mit dem mittlerweile wohlbekannten Mercadona-Supermarkt. Von dort geht es zurück zum Kloster de Veruela, das jetzt auch offen hat. Wir treffen die dänische Mitbewohner unseres Castillos und schauen uns die ausgedehnte Klosteranlage an. Der Eintritt: Eine Handvoll Euro. Spanien ist da wirklich sehr human.
Hinter der mächtigen Umfassungsmauer verbirgt sich ein recht leerer Palast, der als Museum dient, die Kirche mit Kreuzgang und anschließenden Gebäuden, die besichtigt werden kann, sowie ein weiterer Gebäudekomplex, der nur von außen besichtigt werden kann. Dazu ein Olivengarten, Weinbaumuseum und einiges mehr.
Gegen Mittag verlassen wir das Kloster und beenden das Tagesprogramm. Über uns: Klarer Himmel, und eine fette, dunkle Wolke über dem Moncayo, Richtung Sonnenuntergang. Was zum Geier macht die denn da!
Parkplatzmangel
Leicht besorgt fahren wir zurück nach Añón. Vor dem Ort thront der Nachbarort Alcála trutzig auf einem Bergsporn, aber ich bekomme wieder kein Bild hin – anhalten geht nicht, hinter uns ist ein Auto. Und an unserer Burg ist kaum noch ein Parkplatz frei, ich quetsche mich an den Straßenrand.
Der Rest des Nachmittags ist nervenaufreibend. Irgendwie sind wir beide zu kaputt, um noch einen alternativen Beobachtungsplatz zu suchen. Kurz was Essen, und in purem Aktionismus renne ich alle halbe Stunde hoch auf den Burgturm. Groß Lust, jetzt noch eine Parkmöglichkeit auf der anderen Seite des Gebirges oder gar im Ebrotal zu suchen, habe ich nicht (habe ich schon erwähnt, dass es heiß ist?)
Aber Failure is not an option – es kann doch nicht sein, dass wir die einzigen wären, die in Zentralspanien nur eine Wolke vor der Sonne sähen statt des Mondes.
13:3014:1114:3015:0015:3016:0016:5017:2017:50
Aber es geschehen noch Zeichen und Wunder, gegen 18 Uhr ist der Himmel fast wolkenlos – da kann ich das riskieren, hier zu bleiben. Also gehe ich schon einmal hoch auf den Turm und baue mein Geraffel in einem Eck auf.
Das sieht erst einmal chaotisch aus… ich stelle ein kleines Tischstativ zwischen die Zinnen. Darauf ist meine Nikon D7100 mit 30mm Objektiv, sowie ein Mini-PC samt Akkupack und GPS-Empfänger, um die Kamera vollautomatisch zu steuern. Worauf ich besonders stolz bin: Der Sonnenfilter ist motorisiert und wird zusammen mit der Kamera von Eclipse Orchestrator gesteuert. Ebenfalls auf dem Stativ ist ein altes Handy, um einen Zeitraffer der SoFi zu machen. Ich stelle die Kamera scharf und überprüfe alle per Laptop, danach fasse ich die Kamera nicht mehr an. Dann das Handy: Auf den Horizont fokussieren, den Fokus sperren, Powerbank anschließen und den Zeitraffer starten. Nicht mehr anfassen.
Dann der Dwarf Mini, mein Smartteleskop für die Detailaufnahmen. Ich habe genug Platz, um ihn auf ein richtiges Stativ zu stellen, und stelle erfreut fest, dass ich das Stativ vom großen auf das kleine Fotogewinde umbauen kann – ich brauche keinen weiteren Adapter. Den Baader-Sonnenfilter draufsetzen, es so ausrichten, dass es den Sonnenuntergang noch sehen kann (hoffentlich), und schon mal einen Zeitraffer starten. Nach einer halben Stunde, wenn es auf Betriebstemperatur ist, noch einmal fokussieren. Während der SoFi lasse ich meine Handy mit dem Dwarf verbunden und kann den Verlauf so verfolgen. Und halleluja – vor zwei Tagen gab es noch ein Firmware-Update, aber er funktioniert trotzdem noch und führt die Sonne sauber nach.
Ein letzter Schritt: Die Panasonic kommt auf ein normales Stativ. Noch den Fernauslöser und was zu trinken aus dem Zimmer holen sowie eine Ablage zwischen die Stativbeine spannen, um dann alles in Reichweite zu haben. Die Kamera ist so eingestellet, dass der manuelle Modus Diamantring und Perlschnur abdecken sollte, und die beiden Custom-Modi alle Helligkeiten der Totalität. So muss ich nur noch den Filter hochklappen (so vergesse ich auch nicht, wo ich ich abgelegt habe), an einem Rädchen drehen und den Fernauslöser drücken.
Mein Eck:-)
Was fehlt noch? Ich habe noch eine Infrarot-Kamera dabei, das könnte bei dem Sonnenstand interessant sein. Fokussieren und Bracketing-Modus aktivieren, um nur einmal abdrücken zu müssen. Dazu ein Fernglas mit integriertem Sonnenfilter (Celestron Eclipsmart), die SoFi-Brillen und ein Graufilter für das Handy, um damit rumzuexperimentieren. Alles da, und die Technik scheint zu laufen. Aus Heilbronn und von den anderen Kollegen in Spanien und Mallorca kommen auch die ersten Whatsapp-Bilder. Es geht los, und langsam füllt sich auch der Turm. Etwa 15-20 Leute sind da, einige Gäste haben wohl noch einen anderen Standort gesucht. Ein Gast fragt mich – nachdem ich mit der ganzen Technik wohl kompetent aussehe – ob der Standort passt. Ich kann ihn beruhigen, wir sind hier optimal, und die Wolken sind auch weg. Auf einem Hügel vor der Stadt sammeln sich die Einheimischen, und auf dem Turm kommt der Burgherr Curro mit Cervesa und SoFi-Brillen. Ich komme mit Dänen und Amerikanern ins Gespräch, letztere spendieren ebenfalls eine Runde Cervesa nach der anderen, während wir den Schatten der Burgmauer genießen
Und der Himmel bleibt perfekt wolkenlos, während die Sonne langsam vom Mond bedeckt wird. Gerade mal eine Stunde dauert das, etwa von 19:30 bis 20:30. Auf dem Handy verfolge ich das Bild vom Dwarf ganz bequem, der Blick durch die SoFi-Brille bestätigt den Livestream, und die Kamera klickt etwas unregelmäßig aber beständig vor sich hin.
Kurz vor der Totalität wird das Licht dann seltsam, aber die Sonne ist immer zu hell, um direkt hinzuschauen. Sie geht hier zwar direkt nach der Totalität unter, aber über dem Berg in rund 6° Höhe gibt es doch keine Abschwächung wie bei einem Sonnenuntergang am Horizont.
Dann wird das Bild der dünnen Sichel auf dem Dwarf überbelichtet, und aus dem Augenwinkel habe ich ohne Brille den Verdacht, dass man langsam eine Sonnensichel sieht – aber es ist zu hell, und ich höre auf meine Reflexe, nicht hinzuschauen. Auch die schmale Sonnensichel kann Augenschäden verursachen, wenn man hinstarrt.
Den Mondschatten bemerke ich nicht, erst auf dem Zeitraffervideo vom Handy sehe ich später, was gemeint ist: Nichts auf dem Boden, sondern dunkler Himmel, der von rechts nach links kommt. Das Handy hatte automatische Belichtung aktiviert, daher ist er während der Finsternis wieder heller.
Der Mondschatten im Zeitraffer
Meine DSLR klickt und öffnet den Sonnenfilter, es ist Zeit für Diamantring und Perlschnur – sobald die Sonne nicht mehr blendet, kann die Brille runter. Ich klappe den Filter von der Panasonic hoch und lasse den Fernauslöser rattern, während ich Richtung Sonne schaue: Wow.
Mir fehlen echt die Worte.
Ein kurzer Diamantring, und dann steht die Sonne wie ausgestanzt über dem Berg, umgeben von der Korona.
Einfach irre. Muss man gesehen haben.
Diamantring über dem Berg
Korona über dem Berg
Ich denke daran, die Belichtung der Panasonic immer wieder zu ändern, während ich den Fernauslöser drücke, aber die IR-Kamera vergesse ich komplett, Auch kein Verlust, ich habe die ganze Technik aufgefahren, um das sehen zu können, und das funktioniert. Eineinhalb Minuten Totalität sind nicht viel. Irgendwann während der Totalität hängt die Nikon sich auf, aber das ist auch egal: Sie macht die beiden Bilder oben, von denen das untere dem Anblick mit Auge näher kommt. Und kurz darauf ging die Sonne eh unter. Die Nikon liefert trotzdem genug Bilder für einen schönen Zeitraffer:
Ich hätte den früher starten sollen, um das Bild besser zu füllen, aber mir gefällt es auch so.
Die Ausbeute der Panasonic ist auch mehr als okay:
Perlschnur, Diamantring, Korona, Berg im Vordergrund, und genug Zeit zum selber schauen. Perfekt, auch wenn die Kamera einiges in JPG statt RAW aufgenommen hat – aber da will ich gar nichts nachbearbeiten.
Hier noch das Ergebnis vom Dwarf, gekürzt auf die Minuten rund um die Totalität:
Dafür, dass das vollautomatisch lief und der Filter die ganze Zeit drauf war, bin ich sehr zufrieden. Der einzige Nachteil: Das Handy ersetzt schon seit Jahren meine Armbanduhr, und da es den Livestream zeigt, habe ich keine Uhr. Aber egal, das Bild ist schöner. Was will man mehr?
Das ganze nochmal natürlich, und genauso deluxe – der Heimweg sind ein paar Treppenstufen, ganz ohne Stress. Beim Warten auf die Finsternis den Schatten der Burgzinnen genießen, und dann in aller Ruhe abbauen und den Abend ausklingen lassen. Perfekt Ich muss zugeben: An die Tränen des Laurentius (den Sternschnuppenstrom der Perseiden) in dieser Nacht denke ich nicht mehr. Aber San Lorenzio wird mich noch einholen.
Stattdessen mache ich am Laptop schnell die beiden Zeitrafferbilder und kümmere mich um die Kamera, die ich in Heilbronn gelassen habe. Die Zeitung hätte gerne Bilder, und das Ergebnis passt auch:
Fazit? Ich bin immer noch sprachlos. Das alles gerne nochmal, und gerne länger. Jetzt kann ich den Urlaub auch endgültig genießen, jeglicher Erfolgsdruck ist erledigt, wobei ich das ohnehin entspannt angegangen war. Ich hatte genug bedeckte Beobachtungsnächte, um astronomische Misserfolge zu kennen. Aber so war es perfekt.
Die erste Nacht im Castillo de Añón de Moncayo, unserer Burg aus dem 13. Jahrhundert mit modernem Komfort (bequemes Bett, fließendes Wasser und leistungsstarke Klimaanlage) ist vorbei, und beim Frühstück gibt es eine kleine Überraschung: Die Burgherrin hat am selben Tag Geburtstag wie ich. Ob sie das bei der Sprachbarriere kapiert hat, weiß ich nicht, aber ich starte den Tag mit einem Full Spanish Breakfast: Frisches Brot, Tortillas, hausgemachte Marmelade, Melone, Tomate-Mozarella und O-Saft, dazu Zitronenkuchen und Croissants. Damit kommt man ähnlich weit durch den Tag wie mit einem Full Scottish Breakfast, aber es könnte gesünder sein als die deftige schottische Version.
Lecker ist es auf jeden Fall. Dann wird die Kühltruhe gefüllt, und es geht zum nächsten Abenteuer: Mit dem Sport-Kombi in die Halbwüste der Bardenas Reales. Dort erwarten uns Felsformationen, die eher nach Marokko gehören, und ein Paradies für Allrad-Fahrzeuge. Alternativ Reisen: Statt Schottland im Porsche mal Halbwüste im tiefergelegten Sportkombi. Ich bin gespannt…
Wir fahren eine gute Stunde durch das Ebro-Tal, bis die ersten Schilder auftauchen. Am Eingang der Bardenas ist ein Besucherzentrum mit vollem Parkplatz und zwei langen Schlangen: Einer für die beiden Unisex-Toiletten, und einer für den Info-Schalter, an dem man einen mäßig hilfreichen Flyer und sonst wenig Infos erhält. In der Mitte der Bardenas Reales ist ein Militärstützpunkt, da darf man nicht reinfahren, ansonsten soll man wegen Vogelbrutzeit und Schutzgebieten auf den Wegen bleiben, ansonsten kann man überall anhalten, wo man will.
Wir machen den harmlosen, etwa zweistündigen Rundkurs um den Militärstützpunkt. Die Landschaft hat schon was, und der erste Halt lässt nicht lange auf sich warten. Schilder gibt es keine, also am besten da halten, wo schon andere Autos stehen oder es interessant aussieht.
Die erste Station mit lauter vielleicht zwei Meter tiefen Cañons neben der Straße hätte ich beinahe übersehen. Eine interessante Mondlandschaft.
Man merkt, dass es hier auch mal regnet: Nicht nur, weil es doch einiges an Büschen gibt, sondern auch, weil die Lehmlandschaft von der Erosion geformt wurde. Die Straße ist übrigens eine normale Schotterpiste, Steinschlag ist die größte Gefahr. Aus gutem Grund gilt hier Tempo 40. Nur ein paar Geländewagen geben Gas und nebeln die Straße ein. Ein Stück Bardenas Reales nehme ich so bis nach Deutschland mit, mal sehen, was die heimische Waschanlage kann…
Neben diesen Canyons gibt es auch immer wieder schöne Felsformationen am Straßenrand. Die Hitze ist sogar erträglich, obwohl wir etwa von 11 bis 14 Uhr unterwegs sind. Dass man immer nur ein paar Schritte weg vom Auto gehen muss, macht die Sache sehr angenehm; dafür hat man immer wieder die selben Wohnmobile vor sich.
Obwohl das Gebiet auf einer gut ausgebauten Schotterpiste zu befahren ist, sahen wir trotzdem ein Auto mit Reifenpanne. Ich vermute, ein Mietwagen – da erhält man teilweise üble Reifen ohne Profil. Ich bin jedenfalls problemlos durchgekommen, die Bardenas stellen kein normales Auto vor eine Herausforderung.
Nach zweieinhalb Stunden waren wir dann fast am Ende der Rundfahrt, eine besonders markante Formation zog die Besucher an. Der Castil de Tierra ist eine Pyramide, bei der der härtere Deckstein die Erosion behindert und die irre Form verursacht hat.
Castil de Tierra
Nach rund drei Stunden verließen wir die Lehmwüste – gerade rechtzeitig, um am Besucherzentrum vor verschlossenen Türen zu stehen. Siesta von 14 bis 15 Uhr. Nun, immerhin haben wir die Bardenas Reales gesehen. Morgen ist das Gebiet wegen Sonnenfinsternis geschlossen. Überhaupt wurden schon einige Straßensperren angekündigt. Gut, dass wir das heute gemacht haben.
Das nächste Ziel waren die nahe gelegenen Cuevas de Arguedas. Die haben wir aber nur aus der Ferne gesehen: Das Navi lotst mich in den Ort, von wo ich sie zwar sehe, aber nicht hinkomme; und im zweiten Anlauf finde ich nur Wohnmobilparkplätze, weiß aber nicht, wo ich parken könnte. Ich gebe auf und steuere Tarazona an, die nächste größere Stadt vor Añón de Moncayo.
Die Stadt hat noch fast 11.000 Einwohner, ihre einst blühende Streichholz-Industrie gehört mittlerweile auch der Vergangenheit an. Wir parken auf einem Parkplatz in der sengenden Sonne, es ist wärmer als in den Bardenas. Zumindest einen guten Blick auf die hochgelegene Altstadt haben wir von hier. Aber es ist heiß! Ohne einen großen Plan geht es erst zur imposanten Kathedrale, die auf das 12. Jahrhundert zurück geht. Sie liegt im Tal vor der Stadt, die Lage geht wohl auf wesentlich ältere Kultbauten zurück.
Tarazona und seine Kathedrale
Der Eintritt in die Kathedrale ist mit 6 Euro noch erschwinglich (wobei wir das kleine Besuchspaket nehmen), und der Bau ist durchaus eindrucksvoll. Die Verständigung klappt halbwegs, und wir erhalten auch einen deutschen Audioguide, der aber nicht dazu motiviert, ihn komplett anzuhören. Egal, eindrucksvoll ist es allemal. Interessant sind auch die Fenster, die nur halb durchsichtig sind – ist das Alabaster? In Anbetracht der vielen Waldbrände entlocken mir die elektronischen Votivkerzen ein Lächeln.
Ohne großen Plan – auch wenn wir einen Stadtplan an der Kasse der Kathedrale mitnehmen – geht es dann noch auf einen kleinen Rundgang durch die Altstadt. Die ist durchaus eindrucksvoll, teilweise heruntergekommen und nicht auf Touristen ausgelegt. In der Altstadt finden wir weder Restaurant noch Eisdiele oder andere Läden, und in der Neustadt am Fuß des Hügels haben die Restaurants noch zu.
Tarazona
Fremdländische Küche
Der Rückweg führt an der Stierkampfarena vorbei und zurück nach Añón, mit einem kurzen Halt im Supermarkt, Abendessen kaufen. Anschließend vielleicht noch ein kurzer Abstecher zum Mirador de la Diezma? Warum eigentlich nicht. Kurz in Grisel abbiegen, die Straßen werden immer schmaler und sehen irgendwann nach Fußweg aus. Ich lasse das lieber und versuche zu wenden. Ein Einheimischer bietet seine Hilfe an und beschreibt den Fahrweg (ganz woanders), ich bedanke mich und fahre heimwärts, da ich mir die Beschreibung eh nicht merken konnte.
Und dann wird auf der Burg der Abend und der Sonnenuntergang genossen. Es ist perfekt klar, die Sonne steht zur rechten Zeit über dem Berghang – so darf es morgen bitte aus sein!
Am nächsten Morgen ist nicht mehr viel übrig von dem guten Blick auf die Pyrenäen, der Himmel ist bedrohlich wolkenverhangen. Naja, lieber auf dieser Seite der Pyrenäen als in Spanien…
Nach einem hervorragenden Frühstück machen wir uns an die Pyrenäenüberquerung. Über schmale Straßen geht es Richtung Tena-Tal, das bei Slow Driving Aragon ebenfalls vorkommt. Ab dem ersten Dorf haben wir ein LKW-Gespann vor uns.
Sie kennen Deutschland, wo LKWs einen dank Tempolimits aufhalten? Das ist hier anders. Ich weiß nicht, ob LKWs hier (fast) so schnell fahren dürfen wie PKW, aber auch auf der normalen Landstraße sind sie kein Verkehrshindernis. Dieser LKW brettert die schmale Passstraße mit einem Affenzahn hoch, sodass ich schon Probleme habe, hinterherzukommen. Gleichzeitig belegt er eineinhalb Fahrspuren und fegt den Gegenverkehr auch gleich zur Seite. Leider fährt er irgendwann rechts ran, um uns vorbeizulassen.
In den Pyrenäen
In den Pyrenäen gibt es immer wieder ein paar Parkplätze, die zu einem Halt einladen. Hübsche Gegend, aber nur bedingt geeignet für einen leicht tiefergelegten Sportkombi. Beim Verlassen des ersten Parkplatzes sitze ich leicht auf. Am nächsten Parkplatz der nächste Halt – Flüssigkeiten verliere ich keine, also geht es weiter.
Die Wolken lassen wir auch hinter uns, und die Temperaturen steigen unaufhaltsam. Im Tena-Tal auf der spanischen Seite der Pyrenäen stehen dann viele Foto-Stopps an. Die Estacion Formigal begrüßt uns mit einem riesigen Parkplatz: Wir sind in einem Skigebiet gelandet. Das wird zwar gerade fit für den Winter gemacht, aber immerhin ein Toilettenstop ist möglich. Öffentliche WCs sind in Spanien Mangelware, also nutzen, was geht.
Ein paar Minuten weiter ist mit Sallent de Gállego ein richtig schönes Pyrenäen-Bergdorf. Es ist steil (auch mein Parkplatz), aber der Stop lohnt sich, um mal kurz durch die Gassen zu schlendern und sich die Beine zu vertreten. Sieht schon sehr ausländisch aus hier, aber sehr gepflegt.
Sallent de Gállego
Wir folgen im Prinzip der Ruta Maravillas de Tena y el Serrablo von Slow Driving Aragon, die für 150 km drei Etappen vorschlägt – was wohl drei Tagestouren bedeutet… da wir uns auf Fotostopps beschränken, nicht Wandern gehen und die Tierparks etc. ignorieren, schaffen wir das trotzdem an einem Tag.
Der Ort Lanuza ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil er für den Stausee versetzt wurde. Wir finden einen Ausguck auf den Ort ein Stück vorher und schenken uns den Stop im Ort; aus der Ferne wirkt er wohl ohnehin reizvoller – Lanuza punktet mit seiner Umgebung.
Blick auf Lanuza
Über kleinere, aber gut fahrbare Nebenstraßen geht es weiter nach Panticosa. Der schöne Ort liegt etwas abseits und wird als sehenswerter Erholungsort beschrieben; mangels Parkplatz machen wir eine Ortsbesichtigung mit dem Auto (hübsch, aber eng) und fahren dann am Embalse (Stausee) de Bubal vorbei und über die enge, einspurige Panoramastraße nach Hoz de Jaca. Mangels Haltemöglichkeit habe ich von Panticosa und der Strecke keine Bilder, aber vom Stausee.
Embalse de Bubal vom Hoz de Jaca
Viel gibt es nicht zu sehen… der Stausee ist ziemlich leer. Wir erreichen einen kleinen Parkplatz (drei Parkplätze oder so) an einem Aussichtspunkt, von dem aus auch eine Zip-Line ins Tal führt. Die führt mich aber sowas von nicht in Versuchung… das mag ja sicher sein, aber ich würde den Flug nicht genießen. Ein paar Meter weiter ist dann auch schon der nächste Ort mit mehr Parkmöglichkeiten und einem Shuttleservice von der Talstation der Zip-Line. Das erklärt die prekäre Parkplatzsituation am Ausguck; draußen ist es aber auch schon heiß genug, dass ich froh bin, dass ich dort direkt parken konnte.
Auf der Fahrt nach Süden begrüßt uns dann die Ermita de Santa Elena hoch auf einem Berg. Wir biegen ab, ich habe die Dolmen de Santa Elena im Navi einprogrammiert, die am Fuß des Berges liegen, weit unterhalb von Einsiedelei und alter Festung. Da soll es einen Parkplatz geben; das Navi führt mich eine steile Schotterpiste hoch. Es gab nirgends ein Durchfahrt verboten Schild, und ein paar Haarnadelkurven heißt es dass “Ziel erreicht”. Danke, Tomtom – bei der Suche nach einer Wendemöglichkeit sehe ich die Dolmen tief unter mir im Tal. Ich wollte eigentlich nicht die 4×4-Piste hoch zur Festung nehmen… Dank Rückfahrkamera und mangels Verkehr kann ich aber wenden, und Apple Maps zeigt mir dann die richtige Abzweigung. Statt über eine steile Steinpiste geht es über eine staubige Sandpiste zu den beiden Dolmen und einer Parkmöglichkeit.
Die Dolmen unterhalb(!) von Santa Elena
Zwei kleine Dolmen und ein Kunstprojekt, bei dem der keltische Baumkalender gepflanzt wurde, erwarten uns nach ein paar Metern Fußweg. Hübsche Kulisse, auch wenn die beiden Dolmen eher klein sind.
Das nächste Ziel wäre das Örtchen Biescas gewesen. Sehr hübsch, aber der volle Parkplatz liegt weit abseits des Ortskerns, und der Tag ist schon vorangeschritten. Also bleibt es bei einer kleinen Ortsrundfahrt. Den Abstecher nach Orós Bajo und Olivan überspringen wir, und da mein Navi aussteigt, verpasse ich die Abfahrt nach Lárrede mit seiner Kirche und dem dazugehörigem Interpretationszentrum. Stattdessen fahre ich direkt auf die Autobahn nach Saragossa. Nachdem ich mein Handy-Navi neu starte, spricht es auch wieder mit mir, und ich kann die eindrucksvolle Fahrt durch das schöne Pyrenäenvorgebirge genießen. Ein paar Baustellen gibt es, aber warum kriegen wir in Deutschland eigentlich keine so guten Straßen und gut organisierte Baustellen hin?
Als wir das Ebro-Tal erreichen, wird es langweilig. Die Gegend ist flach, nur in der Ferne grüßen ein paar Steilhänge. Das Grün fehlt allmählich, die Gegend ist verdorrt – aber viel besser sieht die Rheinebene gerade auch nicht aus.
Durch das Ebro-Tal
In Saragossa steht Tanken an – Diesel für 1,60 statt 2,20 wie in Deutschland. Ich bin neidisch. Mittlerweile ist 16 Uhr durch. Zeit für einen kurzen Halt beim MacDonalds für etwas Essen, ein bisschen Proviant beim Lidl kaufen, und dann geht es weiter zu unserem Endziel: Noch eine gute Stunde ist es bis Añón de Moncayo. Das Bergdorf erreichen wir über gut ausgebaute Straßen, und die Landschaft wird auch wieder interessanter.
Über dem 2310 Meter hohen Moncayo-Berg hängen Wolken, ansonsten ist der Himmel klar. Ich bin gespannt, wie gut meine Idee war, ausgerechnet hier Sonnenfinsternis zu gucken…
Wir hatten schon die Vorwarnung erhalten, auf keinen Fall in den Ort zu fahren, und finden einen Parkplatz vor der Stadtmauer. Wie es sich für eine Burg gehört, ist der Zugang nicht barrierefrei, wir umrunden die alte Malteser-Festung mit unseren Koffern und checken ein. Die Burgherrin spricht nur Spanisch, aber es klappt trotzdem ganz gut, und wir beziehen endlich unser Quartier für die nächsten vier Tage. Der Burgturm ist jederzeit frei zugänglich, und das mit dem Sonnenuntergang könnte auch klappen.
Castillo de Añón de Moncayo
Ein Burg-Restaurant gibt es nicht, wir lassen den Tag erst einmal ruhig ausklingen. Positive Überraschung: Es gibt auch eine Gemeinschaftsküche mit Mikrowelle und Kühlschrank. Das ist Gold wert, da ich meine Kühltruhe nicht quer durch den Ort ins Zimmer tragen will.
Es gibt noch einen Grund, warum ich in Brive Station gemacht habe: Von dort ist es nur eine gute halbe Stunde bis zur Höhle von Lascaux, genauer gesagt zu Lascaux IV. Die originale Höhle (Lascaux I) ist in der Nähe und heute nicht mehr zugänglich; unzählige Besucher haben seit der Öffnung der Höhle 1948 zu viel Feuchtigkeit und Licht in die Höhle gebracht, dass die Höhlenmalereien nicht länger unbeschädigt überleben könnten. Bereits 1963 musste sie daher wieder für die Öffentlichkeit verschlossen werden, um die Malereien zu erhalten. Lascaux II ist der erste Nachbau eines Teils der Höhle und wurde 1983 nur 200 Meter neben der originalen Höhle eröffnet. In Lascaux III war ich schon einmal, 2019 in München: Dabei handelt es sich um eine Wanderausstellung, die nicht die komplette zeigt, sondern mehrere Meter große Kopien von besonders beeindruckenden Wandteilen mit Wandmalereien.
Wir waren jetzt in Lascaux IV, dem 2016 eröffneten vollständigen Nachbau der Höhle, vielleicht 400 Meter von Lascaux I & II entfernt. Die (originale) Höhle ist für ihre rund 17.000 Jahre alten Höhlenmalereien bekannt und stand schon lange auf meinem Plan. Was werden sich zukünftige Archäologen denken, wenn sie die Höhle und die Kopien finden – und werden dann in der Nähe noch einmal Kopien der Höhlenkopien für Besucher errichtet werden?
Das Besucherzentrum von Lascaux IV
Nun, heute sind wir in Frankreich, und man spricht Französisch – vormittags kann die Höhle nur mit Führungen erkundet werden, und die einzige englische Führung ist um 9:45. Wir haben rechtzeitig im Voraus gebucht, sodass genug Zeit bleibt, um vor dem Regenschauer in das Gebäude zu kommen, einen Blick in den Shop zu werfen (oh, oh, oh, das wird nicht billig) und uns in die Schlange für unsere Führung zu stellen. Alle fünf Minuten startet eine neue Gruppe, das ist perfekt durchgetaktet und ein wahrer Besuchermagnet. Wie erhalten freischwebende Kopfhörer und verstehen unserer Führerin, die perfektes Englisch spricht, wunderbar. Die Führung beginnt auf dem Dach des Besucherzentrums mit einem Überblick über die Region, die vor 17.000 Jahren am Ende der Eiszeit noch bei weitem nicht so bewaldet war wie heute. Die Höhle liegt am Hang eines Tals – ich muss zugeben, dass ich Lascaux immer näher am Mittelmeer verortet hatte und nicht so zentral in Frankreich.
Rund eine Stunden dauert der Besuch der Höhle, in der Fotoverbot herrscht. Ansonsten würden die Besucher vor lauter Blick in die Kamera nichts von der Höhle sehen und über die eigenen Füße stolpern, und die Taktung könnte nicht beibehalten werden. Macht aber nichts: Die Führerin zeigt alle wichtigen Details (oder zumindest so viele, wie man aufnehmen kann, ohne überfordert zu sein), und die Illusion der Höhle ist fast perfekt – es gibt nur ein paar Abkürzungen, sodass man aus Seitengängen nicht wieder zurückgehen muss.
Die Höhle selbst: Wow! Viel mehr Deckenmalereien, als ich gedacht hätte, und die Farben im Original sind vielfach in den Stein eingezogen, sodass sie wirklich so gut erhalten sein sollen. An anderen Stellen besteht die Höhle aus anderen Gesteinsarten, sodass die Farben verwittert sind, während nur die Felsritzungen mit den Umrissen der Tiere erhalten geblieben sind. Malen nach Zahlen war das damals beinahe…
Der Saal der Stiere ist – zumindest für die Astronomen – wohl der bekannteste Teil der Höhle, weil hier ein paar Punkte über einem Stier als Plejaden und Sternbild Stier gedeutet werden können. Der Saal mit überlebensgroßen Bildern ist imposant, die astronomische Deutung überzeugt mich jetzt nicht mehr so sehr. Es gibt noch mehr Punkte und andere Symbole in der Höhle, deren Bedeutung heute vergessen ist. Signaturen der Künstler? Prähistorische Notausgang-Schilder?
Sehr beeindruckend war auch das Panneau der schwimmenden Hirsche: Hirsche, die nur bis zum Kopf dargestellt wurden; der Schatten einer Kerze auf dem Boden spiegelte die Wasseroberfläche auf dem unregelmäßigen Felsen. Sehr cool.
Nach dem Besuch der Höhlenreplik ist man auf sich selbst gestellt und kann im anschließenden Museum mit einem Tablet weitere Reproduktionen erkunden, ähnlich wie in der Wanderausstellung. Hier darf man auch fotografieren. Dann gibt es noch drei Kinos, leider ohne Zeitangabe und Infos, was einen dort erwartet. Eines gibt künstlerisch die Entdeckung und Erforschung der Höhle wieder, eines ist ein “immersiver Raum”, der Höhlenmalereien auf Französisch Revue passieren lässt (an einer Wand sogar mit englischen Untertiteln), und im dritten waren wir nicht, weil unklar war, was uns da erwartet und wie lange es dauert. Draußen war derweil ein Wolkenbruch; als wir den Shop geplündert hatten, war das Wetter wieder gut, und die Temperaturen noch erträglich.
Bis zu unserem nächsten Ziel, der Unterkunft im Chateau de Druon am Fuß der Pyrenäen, sind es etwas über vier Stunden Fahrt – eher mehr, da wir die von Waldbränden geplagte Gegend um Bordeaux vermeiden und über Land fahren wollen. Da bietet sich ein Zwischenstop an. Der liegt strategisch ungünstig keine halbe Stunde weit weg: Der Roque Saint-Christophe ist ein fast einen Kilometer langer Abri, also ein Felsvorsprung, der seit der Steinzeit bewohnt ist und im Mittelalter ein Dorf mit gut tausend Einwohnern beherbergte, die dort vor den Wikingerüberfällen gut geschützt waren.
Das ist mal was ganz was anderes und auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man in der Gegend ist – und sei es nur wegen der Aussicht. Überhaupt hat das Perigord viel mehr zu bieten, als ich gedacht hatte.
Der Rest des Tages war ein Fahrtag – es waren dann doch vier Stunden am Stück, bis wir unser nächstes Ziel erreichten: Das Chateau de Druon, ein Schlösschen von 1870. Schon mit der Inneneinrichtung des Zimmers, die eher Richtung Steam Punk geht, hat es mich bei der Buchung rumgekriegt. Man gönnt sich ja sonst nichts:-)
Hier erwartet uns nicht nur ein Bed & Breakfast, sondern auch ein Drei-Gänge Überraschungs-Menü zum Abendessen. Ich will nicht zu viel verraten, nur so viel: Der Hauptgang war frischer Fisch aus der Region, und alles war sehr lecker. Unsere Gastgeberin sprach Englisch und hatte nicht nur einige Zeit an der badisch-elsässerischen (elsässische?) Grenze gewohnt, sondern auch noch die originale Höhle von Lascaux gesehen. Mit uns am Tisch waren zwei Engländer, die die Sonnenfinsternis in Saragossa beobachten wollten – für Tischgespräche war also gesorgt. Abgerundet wurde der Aufenthalt durch den abendlichen Blick auf die Pyrenäen samt Pic du Midi. Am nächsten Morgen war der Ausblick durch Wolken versperrt…
Seit dem 11. August 1999 stand ein Termin fest in meinem Kalender: Die totale Sonnenfinsternis von 2026. Alle anderen erreichbaren Sonnenfinsternisse zwischen ’99 und ’26 hatten aus terminlichen oder finanziellen Gründen nicht geklappt; insbesondere die 2017 in den USA war schlichtweg zu teuer – stattdessen ging es damals erstmals nach Schottland, und seitdem immer wieder.
Für Spanien sollte mich aber nichts aufhalten. Ursprünglich war ja der Plan/die Hoffnung, mit einigen Freunden eine Finca auf der Finsternislinie zu buchen und das ganz entspannt von der Unterkunft anzuschauen, aber in “Spanisch-Lappland” sind Fincas Mangelware, und bis die Planungen in die Gänge kamen, gab es endgültig nichts mehr. Plan B war ein Wohnmobil, um einen Roadtrip durch Frankreich und Spanien zu machen, aber die Preise für ein Wohnmobil mit ausreichend Freikilometern und Vollkasko waren jenseits von gut und böse.
Überraschend wurde es Plan C: Das Castillo de Añón de Moncayo hatte am 18.8.2025 noch ein Zimmer frei – ausreichend für mich, wenn die anderen nicht in die Gänge kommen. Gesehen, gebucht, für vier Tage Mindestaufenthalt. Sehr cool: Vom Burgturm aus müsste die Finsternis gerade so zu sehen sein. Dann ging die Urlaubsplanung los: Wo gehen wir da eigentlich hin? Hat dieses Aragon (Aragonien?) irgendwas zu bieten?
Ja, überraschend viel – aus dem Plan, einen Roadtrip durch Frankreich mit Abstecher nach Spanien zu machen, wurden eineinhalb Wochen Aragon mit kurzen Stops in Frankreich. Die Region ist aber nicht auf Touristen ausgelegt: Es gibt zum Beispiel eine Webseite, die auf Spanisch etwa 40 Castillos vorstellt, auf Englisch vielleicht noch zehn und auf Deutsch rund vier…
Slow Driving Aragon war bei der Planung noch hilfreich, wobei zu spät klar wurde, dass das keine Tagestouren waren. Für den astronomischen Teil war ich besser vorbereitet, immerhin hatte ich mal wieder ein Buch dazu geschrieben. Knapp einen Monat vorher war alles an Technik finalisiert, nur eine Infrarot-Kamera kam noch kurzfristig dazu, ein paar neue SoFi-Brillen und ein Aufsatz-Graufilter für das Handy. Am Samstag, dem 8. August ging es dann los.
Anreise Tag 1: Von Karlsruhe nach Brive-la-Gaillarde
Gute 830 km war die erste Etappe lang, aus dem Badischen nach Brive-la-Gaillarde. Um das nicht zu stressig zu halten und nicht in aller Herrgottsfrühe losfahren zu müssen, wurde dieser Ort als Zwischenstop auserkoren. Eigentlich war Clermont-Ferrand geplant, aber Brive liegt näher an der Höhle von Lascaux. Interessante Zwischenstops auf der Fahrt durch Frankreich zu finden ist gar nicht so leicht, auf nicht ganz halber Strecke machte ich deshalb Halt in Dole. Das ist ein hübsches Örtchen, das noch viel alte Bausubstanz hat und einige Parkplätze am Ortszentrum. Deutlich weniger hübsch als der Ort selbst ist das öffentliche stille Örtchen an der Markthalle… Die Toiletten an der Autobahn sind besser gepflegt.
Neben einem kurzen Blick in die Markthalle (frische Nahrungsmittel brauchen wir jetzt nicht) langt die Zeit noch für einen kurzen Spaziergang zur örtlichen Kathedrale und durch einige alten Gassen, dann ab zur teuersten Tankstelle im Ort und weiter geht’s Richtung Westen.
Dole
Das ACE-Hotel in Brive-la-Gaillarde
Also ab auf die Autobahn, Maut blechen. Dafür sind die französischen Autobahnen in Top-Zustand, und es gibt was neues: Free Flow Maut. Ein paar Autobahnabschnitte haben die Schranken, Ticket-Automaten und Zahlstellen durch Kameras und den Hinweis ersetzt, dass man innerhalb von 72 Stunden bezahlen muss – sonst wird es deutlich teurer als die 4,20€ Maut. Bezahlen geht vor allem online, irgendwo sind angeblich auch ein paar Tankstellen, wo man vor Ort zahlen kann. Nun, die Umweltplakette für Frankreich hatte ich schon längst besorgt, ebenso Accounts bei den Mautbetreibern Sanef und Aliae angelegt. Irgendwann später konnte ich mein Auto bei Aliae durch einscannen vom KFZ-Schein auch bestätigen, die Benachrichtung über zu zahlende Mautgebühren hat trotzdem nicht funktioniert. Aber auf der Webseite war die Zahlung problemlos möglich – wenn man daran denkt, nachzuschauen.
Nachdem ich bislang immer nur nach Frankreich gefahren war und das Land als flach und langweilig kenne, war die Fahrt eine angenehme Überraschung: Wir durchqueren das Zentralmassiv, kommen auf über 1000 Meter Höhe und sehen die Vulkane der Auvergne. Deutlich hübscher als die Champagne.
Letztlich lassen wir die letzte Peage-Station hinter uns. Einige Euro ärmer erreichen wir abends Brive-la-Gaillarde an, checken im ACE-Hotel ein und landen in einer nahen Pizzeria, da der fest eingeplante Buffallo Grill mittlerweile eine Ruine war. Auf dem Dach stand nur noch U A Grill… Lecker war’s, nur zum Bezahlen sollte man die Tischnummer angeben, die nirgends stand. Die Bedienung hatte uns auf Französisch die Nummer vom Nachbartisch mit sechs Personen genannt und die Zahl dann auf dem Handy bestätigt, sodass wir doch unser Essen bezahlen konnten. Ab ins klimatisierte Hotel. Die Temperaturen lagen weit jenseits der 30 Grad. Gute Nacht für heute.
Mit meinen SoFi-Vorbereitungen bin ich soweit wie möglich durch. er Standort in der Totalitätszone steht (und ist bislang ncoht von Waldbränden bedroht), und alle Kameras sollten soweit sein, dass ich sie eigentlich nur noch anschalten muss.
Alle Kameras?
Tja… In den Foren kam die Frage auf, ob es dem Handy was ausmacht, wenn damit die SoFi fotografiert wird. Während der partiellen Phase darf man ja auf keinen Fall mit bloßem Auge in die Sonne schauen, nur während der Totalität darf die SoFi-Brille ab. Und es gibt genug Bilder von DSLR-Kameras, die mit Teleskop ohne Filter auf die Sonne gerichtet waren und bei denen Sensor oder Verschluss Brandspuren hatten. In Deutschland gibt es keine Totalität, da muss der Filter immer drauf bleiben – aber die Sonne steht tief am Horizont.
Es ist also wie ein Sonnenuntergang… Ich will es riskieren und ein altes Handy auf Stativ einen Zeitraffer aufnehmen lassen. Das ist für den Sensor natürlich mehr Stress, weil die Sonne sehr langsam über den Sensor wandert. Bei freihändigen Sonnenuntergangsbildern steht sie tiefer, und man wackelt, sodass jeder Punkt auf dem Sensor immer nur kurz die intensive Sonnenstrahlung abkriegt.
Außerdem ist es mit bei dem Handy relativ egal, ob es überlebt.
Aber: Das wird eine Weitwinkel-Aufnahme, um die Lichtstimmung zu zeigen. Die Sonne wird völlig überbelichtet sein, außer evtl. während der Totalität. Mal sehen, was die Kameraautomatik da macht. Die Sonnensichel wird nicht zu erkennen sein, auch wenn man die Belichtungszeit in der Kamera ganz runterdreht.
Also muss ein Filter davor, wenn man die partielle Phase erkennen will. Wobei: Am 25. Oktober 2022 hatte ich die partielle Sonnenfinsternis in Tromsø fotografiert, auch mit dem Handy:
Die Sonne war überbelichtet, aber in den Reflexionen weiter links im Bild ist die partielle Phase gut zu erkennen.
Es braucht also einen Filter. Ideal sollte eine SoFi-Brille mit schwarzer Rückseite sein. Dann hat man für die Sonne ähnliche Belichtungszeiten wie bei der Tageslichtfotografie.
Aber wie sieht es mit normalen Filtern aus? Ich habe mal in meinen Schubladen gekruschtelt und folgendes zusammengebastelt:
Dann ein alter Baader 2″ Graufilter aus dem Herschelkeil, noch mit der 8mm hohen Fassung, der nicht komplett im Filterhalter verschwindet.
Sieht dann so aus:
Das Ergebnis: Wenn ich mit Automatik fotografiere, macht das Handy immer noch ziemlich normale Bilder, aber ich komme mit der Belichtung deutlich weiter runter und erreiche immerhin sowas:
Das könnte reichen, aber die SoFi-Brille ist doch die erste Wahl, um die Sonnensichel abzubilden. Die kann man ja auch einfach vor das Handy halten/kleben, und hat ND5 statt ND3. Wenn noch der Vordergrund mit auf das Bild soll, ist so eine Filterkombination eventuell doch interessant. Aber: die ND3,8 Fotofolie von Baader ist für normale Kameraobjektive und Blendenbereiche in der Regel auch zu hell ist; aber vielleicht langt sie oder ein ND3-Filter ja doch, wenn es nicht um Details auf der Sonne geht, sondern nur um die Sichel. Eine gute Woche gibt es noch zum Ausprobieren!
ch bin mal wieder an den letzten Tests für die SoFi. Da will ich ja den Dwarf Mini für einen Zeitraffer durchlaufen lassen – der Filter bleibt auch während der Totalität permanent aufgesetzt, weil ich mich während der SoFi nicht um die Technik kümmern will. Für die Korona darf dann eine richtige Kamera dran.
Bei den Tests war mir schon aufgefallen, dass der Dwarf sich in der Sonne von ca. 23° Raumtemperatur auf bis zu ca. 43° erhitzt, und der Fokus sich dabei ordentlich verschiebt. Also sollte ich ihn mindestens ca. eine halbe Stunde vorher aufstellen, damit er auf Temperatur kommt und ich nicht nachfokussieren muss.
Auf Cloudynights kam die Überlegung auf, dass der Dwarf-Filter IR-durchlässig wäre, also habe ich jetzt mal einen Vergleich mit Astrosolar ND5 gemacht (nicht ganz fair, weil ich die Astrosolarfolie hinter eine Spikemaske geklebt habe, ich hatte sonst keinen Halter – hat in der Praxis aber nicht gestört).
Am Temperaturanstieg hat sich nur wenig geändert (die Temperatur stieg auf 40° statt 43° an, aber die Außentemperatur war heute auch kühler als beim Test mit dem Dwarf-Filter), nachfokussieren ist also weiterhin nötig.
Aber die Bildergebnisse sind vielleicht interessant:
Die Astrosolar-Folie ermöglicht etwas kürzere Belichtungszeiten und zeigt etwas mehr Strukturen am Rand. Für volle Auflösung anklicken, ich habe die Bilder nur beschnitten, nicht skaliert. Jeweils 20 Aufnahmen automatisch gestackt, oben der Stack, unten die automatische Bearbeitung durch Stellar Studio – bei Deep Sky ist die Software toll, für die Sonne kann ich sie mir sparen
Die Farbgebung hat der Dwarf automatisch gemacht, in der Vorschau war das Bild der Astrosolar-Folie weiß.
Im Zeitraffer-Video schaut es so aus, jeweils Screenshot, wobei die von verschiedenen Tagen sind. Hier verändert er die Farbe nicht.
Screenshot der Sonne mit dem Filter vom Dwarf
Screenshot der Sonne mit der AstroSolar OD5.0
Der Dwarf-Filter ist ästhetischer, die AstroSolar-Folie detailreicher – wird wohl auf die AstroSolar rauslaufen.
Was mir jetzt noch fehlt ist eine Möglichkeit, das Video vernünftig zu stabilisieren. Bislang scheitern meine Programme daran, die Sonne zappelt etwas.
Bis zur SoFi in Spanien ist es nicht mehr lange hin, und die Zeit für die letzten Tests läuft langsam ab.
Letzten Donnerstag/Freitag ging die Sonne etwa da unter, wo sie auch am 12. August untergehen wird – Zeit für einen Test der Belichtungszeit. Ich plane ja eine Kamera mit 30mm-Objektiv laufen zu lassen, für eines dieser Komposit-Fotos. Das kam dabei raus:
Dabei habe ich alle zehn Minuten eine Aufnahme in das Bild eingefügt, und die Landschaft einmal vorher und einmal zu Sonnenuntergang fotografiert.
Die Erkenntnisse:
Eindrucksvoll, wie viel dunkler die Sonne in der letzten halben Stunde vor Sonnenuntergang wird
Einige Bilder wurde nicht gespeichert. Die D7100 hat ja zwei Speicherkartenslots, da muss ich einen als Backup konfigurieren, dass die Bilder auf beiden Karten gespeichert werden
In dem Maßstab sind Sonnenflecken auch in voller Auflösung praktisch unsichtbar.
Junge, ist der Kamerasensor dreckig. Reinigungsmittel ist bestellt; abpinseln hat nichts gebracht.
Wird spannend, die richtige Belichtungszeit zu finden. Wobei das der Anblick in Heilbronn ist; in Spanien sieht es etwas anders aus.
Es ist heute fast schon eine Seltenheit, dass es neue Produkte für visuelle Beobachter gibt. Irgendwie will gefühlt jeder in jedes Teleskop nur noch eine Kamera reinstecken… Aktuell rennen alle Smartscopes hinterher (zugegeben: Ich habe mir auch eines geleistet), und die Dinger funktionieren ja auch einwandfrei. Nur zu tun hat man dabei nichts.
Neu für visuelle Beobachter waren in letzter Zeit eigentlich nur die Houdini-Okulare, mit denen sich Benutzer von schnellen Newtons den Komakorrektor sparen können. Bringt mir aber nichts, ich hab keinen Newton.
Umso schöner ist, dass es mal was Neues für die Sonnenbeobachter gibt: Einen Sonnenprojektionsschirm, den Baader Solar Projection Screen, kurz BSPS. Als Vorwarnung muss ich gleich sagen: Ich bin da nicht ganz unparteiisch, da ich die Produktentwicklung als Betatester begleiten durfte und das Teil in diversen Prototypenstadien schon im letzten Sommer testen konnte. Das hat natürlich ganz gut gepasst, weil für mein Buch Sonne, Mond und Finsternisse (gibt’s wieder auf Amazon, und behandelt sowohl die kommenden Sonnenfinsternisse als auch die Sonnen- und Mondbeobachtung) eh gut im Thema drin war.
Sonnenprojektion mit dem Großteleskop
Die Sonnenprojektion ist natürlich die einfachste Möglichkeit, die Sonne mit mehreren Zuschauern gleichzeitig zu beobachten: Dabei nimmt man ein Teleskop mit (hitzebeständigem!) Okular und projiziert die Sonne auf eine weiße Fläche. Eine schöne Sache, bei der man auch gleich was über Optik und Bildentstehung lernt. Als ich in den 90ern mit dem Hobby angefangen hatte, war das auch noch eine gängige Methode bei uns auf der Sternwarte: Ein großer Projektionsschirm wurde am 150/2250mm-Refraktor befestigt, und die Sonne so gezeigt.
Was ich aber auch gelernt hatte: Es ist die gefährlichste Methode. Man muss immer eine Hand am Teleskop halten. Wir hatten es nicht nur einmal, dass irgendein Vater gemeint hat “Sohn, das ist Blödsinn, was der Kerl von der Sternwarte da erzählt, du kannst in das Okular reinschauen”. Das stimmt natürlich nicht und würde sofort die Netzhaut versengen, wenn da jemand reinschaut. Deshalb gilt bei der Sonnenbeobachtung immer: Nie das Teleskop unbeaufsichtigt lassen, und immer bereit sein, es schnell aus der Sonne zu schwenken.
Sonnenprojektion mit dem Billig-Refraktor
Mit einem kleineren Projektionsschirm sinkt das Risiko, dass jemand hineinschaut, aber es ist immer noch ein offenes System, wo jemand reinlangen kann. Das ist heutzutage durchaus problematisch… deshalb nutze ich bei öffentlichen Veranstaltungen eigentlich nur noch einen Folienfilter vor dem Objektiv oder besser einen Herschelkeil, das ist sicherer. Die klassischen Sonnenprojektionsschirme sind weitestgehend vom Markt verschwunden.
Der Sonnenprojektionsschirm hat jetzt den Charme, dass er wieder die Sonnenprojektion ermöglicht, und somit die Beobachtung der Sonne durch mehrere Beobachter gleichzeitig (ohne Kamera und Computermonitor dazwischen!). Das ähnelt der Sun Gun, verwendet aber keine Projektionstuch, sondern eine spezielle, feste Kunststoffscheibe. Sie wird fest mit einem Okularprojektionsansatz verschraubt, in dem ein geeignetes Okular sitzt. So kann niemand in den Strahlengang greifen. Das beste Bild liefert er beim Einblick leicht von der Seite, der sich durch den Einsatz des Zenitspiegels automatisch ergibt; wenn man senkrecht hineinschaut, ist das Bild je nach Teleskop zwar hell, aber nicht zu hell. Leicht von der Seite ist es optimal.
Sonnenprojektion mit AstroMedia (links) und BSPS (rechts)
Coole Sache. Nachdem der große Sonnenprojektor von Solarscope nicht mehr erhältlich ist, gab es bislang ja nur noch den kleinen Sonnenprojektor von AstroMedia. Schön und günstig, aber man sieht auch, wie schnell die Sonne wandert. Mit dem BSPS kann ein vorhandenes Linsenteleskop genutzt werden. Das Sonnenbild ist dabei 6-8 cm groß; wesentlich kleiner darf es auch nicht sein, da die Scheibe sonst zu heiß wird und sich verformt. Wenn man die Sonne bildfüllend hat, wandert sie ohne Nachführung auch schnell aus dem Bild, aber ein Teleskop kann ja problemlos auf eine Montierung mit motorischer Nachführung gesetzt werden. Bei der Gelegenheit hatte ich mich auch einmal mit der Hitze im Teleskop beschäftigt: Auch ein Okularauszug aus Kunststoff ist kein Problem; dort wo er von der Sonne berührt werden könnte, bleibt er überraschend kühl. Dem Teleskop passiert also nichts, auch wenn die Sonne aus dem Bild läuft.
Sonnenprojektion mit Billigokular
Beim Okular sieht das schon anders aus, das ist nahe am Brennpunkt. Ein einfaches Okular mit Linsenfassung aus Kunststoff zeigt rasch Schmelzspuren, und seit jeher gilt der Hinweis, keine Okulare mit Kanabalsam als Linsenkit zu verwenden. Dieser Kit kann nämlich trübe werden, wenn er heiß wird. Für die Projektion empfiehlt Baader daher die hauseigenen Classic Ortho bzw. Plössl Okulare. Sie haben eine doppelte Feldblende aus Metall und überstehen die Sonnenprojektion; bei meinen Tests ist lediglich die Eloxierung ausgebleicht und etwas goldbronzefarben geworden. Ein übliches Problem, auch einige eloxierte Teile der Außenseite meines schwarzen Teleskops zeigen mittlerweile einen Goldbronzeschimmer…
Um den Schirm zu verwenden, braucht man einen Okularprojektionsansatz und ein für die Sonnenprojektion geeignetes Teleskop – also einen Refraktor mit bis zu etwa einem Meter Brennweite, wenn man die ganze Sonne sehen will. Getestet hatte ich ihn an allem vom VarioFinder 60/250 bis zum 150/1200 und 150/2250 Großrefraktor, an letzterem ist aber nur noch ein Teil der Sonne zu sehen. Am besten sind langsamere Teleskope, an lichtstarken Geräten ist das Bild bei gleicher Vergrößerung deutlich heller. Am 90/500 geht es aber auch problemlos.
Wenn man den Kartonbausatz einmal gebaut hat, ist die Montage einfach: Ein Okular in den Okularprojektionsansatz stecken, diesen an die Projektionsbox schrauben, und das ganze an den Zenitspiegel vom Teleskop. Okular und Okularprojektionsansatz gehören nicht zum Lieferumfang. Welches Okular man benötigt, hängt von der Teleskopbrennweite ab und steht auf der Kartonbox. Auch der Okularprojektionsansatz muss separat gekauft werden. Wer schon eine Zeitlang beim Hobby ist, hat wahrscheinlich schon einen in irgendeiner Schublade, die Teile gibt es mittlerweile für wenig Geld. Der “OPFA” von Baader besteht aus den üblichen T-2-Bauteilen. Das hat den Vorteil, dass man die Verlängerungshülsen auch anderweitig verwenden kann. Die Abstandsangaben aus der Anleitung beziehen sich natürlich auf den OPFA.
Am VarioFinder muss der OPFA mit dem Zenitprisma verschraubt werden
Der einzige Fallstrick kann dann noch das Teleskop sein: Es muss ausreichend Fokussierweg für die Okularprojektion haben. Um die zusätzliche Okularbefestigung auszugleichen, muss der Okularauszug ein paar Zentimeter weiter eingefahren werden als üblich. Bei ein paar Teleskopen konnte ich daher keinen normalen Zenitspiegel verwenden, sondern musste den OPFA mit einem T-2-Prisma verschrauben. So bin ich an jedem Teleskop in den Fokus gekommen. Nach ein paar Jahrzehnten Amateurastronomie hatte ich da genug Spiegel in der Schublade, und den meisten Sternwarten mit Öffentlichkeitsarbeit wird es ähnlich gehen. Alle anderen müssen ggf. nachmessen, bevor sie kaufen.
Geradsichtig ist möglich, aber mühselig
Theoretisch kann man die Projektionsbox natürlich auch geradsichtig an das Teleskop anbauen und kommt so auf jeden Fall in den Fokus, aber dann müsste man von unten auf die Box schauen. Und was die Sicherheit angeht: Sollte der Zenitspiegel aus dem Teleskop fallen, fällt das Sonnenlicht nach unten und nicht Richtung Beobachter. Bei geradsichtigem Aufbau entfällt diese zusätzliche Sicherheitsebene.
Mit Zenitspiegel und Teleskop hat man einen wunderbaren kleinen Aufbau, um die Sonne zeigen und verfolgen zu können. Mein mobilster Setup war der VarioFinder auf meiner alten StarAdventurer-Montierung. Das ist nicht nur für die Öffentlichkeitsarbeit praktisch, sondern auch für die nächste Sonnenfinsternis, um den Verlauf der partiellen Phase in Ruhe zu verfolgen. Und Spaß macht es auch:-)
Und noch was aus der Ecke Öffentlichkeitsarbeit: Gerade wenn man mobil unterwegs ist, läuft die Nachführung nicht immer ganz perfekt. Wenn man die Gäste dann fragt “Siehst du was?” und ein zögerliches “Jaaa…” kommt, ist die Sonne meistens rausgewandert. Mit einem kleinen Leitrohr kann man nicht nur die Nachführung überprüfen, sondern auch den wartenden Gästen zeigen, was es gerade zu sehen gibt.
BSPS als Leitrohr am Refraktor mit Objektivsonnenfilter
Jetzt natürlich zum Wichtigsten: Was sieht man überhaupt? Bilder sagen mehr als Worte:
Links Detail am 150/2250, daneben die ganze Sonne am 90/1000 Refraktor und rechts am AstroMaster 70/900
Die Sonnenflecken sind deutlich zuerkennen, ebenso die Randabdunklung, und die Granulation geht auch ein wenig.
Was will man mehr?
Dauerhafte Stabilität und Kratzschutz vielleicht… Die Projektionsbox besteht aus Karton und kann verkratzen. Der Vorteil dieser Konstruktion ist natürlich, dass der Versand kein Problem ist, und man sie leicht zusammenbauen kann. Der Bausatz ist vorgestanzt und hat Klebestreifen, so ist die Konstruktion nicht komplizierter als die eines Objektivsonnenfilters. Wer etwas langlebigeres will, kann eine Box auch selbst 3D-drucken, die Druckdatei stellt Baader bereit – inklusive Schutzdeckel mit Sicherheitshinweisen wahlweise auf Deutsch oder Englisch. Mit ein paar Spax-Schrauben werden Projektionsscheibe und Gewindeadapter dann schnell verbaut, und man hat einen stabilen Projektionsadapter. Wenn man dann noch den Okularprojektionsadapter mit Okular angebaut lässt, ist das eine sichere Möglichkeit zur Projektion.
3D-gedruckte Box und die Karton-Box
Mir macht das Teil Spaß, auch wenn es natürlich keine Konkurrenz zum Herschelkeil ist.
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