Hurtigrute Tag 12: Back to Bergen

Morgenlicht nach Florø

Das Ende einer wunderbaren Reise, und Norwegen gibt noch einmal alles: Hinter Florø erwartet uns eine fast schon kitschige Morgenstimmung, um uns den Abschied möglichst schwer zu machen. Richtig entspannt ist der Morgen allerdings nicht: Bis um 9 Uhr muss der Koffer aus der Kabine sein. 23,05kg zeigt meine Kofferwaage an, 23 genehmigt mir KLM – müsste passen, und er geht auch noch zu. Hoffentlich überlebt alles den Flug. Einen morgendlichen Schock gab es doch noch: An meiner Kabine hing hinter meiner Rechnung noch die von einer Nachbarkabine. Ich habe doch keine 1000 Euro für Ausflüge und mehr auf dem Schiff gelassen…

Nach dem Frühstück heißt es, sich einen Platz sichern, denn ab 10 Uhr müssen die Kabinen geräumt sein – der Putztrupp rückt an, schließlich startet unser Schiffchen heute Abend schon auf die nächste Rundreise. Vom Reiseleitereck auf Deck 5 haben wir leider nur Blick auf die See, sodass uns das meiste der Küste entgeht, aber wir fahren durch so viele enge Sunde, dass es hier auch genug zu sehen gibt. Und wir sind ja bis zum letzten Moment ansprechbar und im Dienst; den Check-In für den Flieger hat Arno gestern schon erledigt.

Irgendwann muss ich mir mal auf der Karte anschauen, wie welcher Sund eigentlich heißt. Die runden Felsen erinnern mich immer irgendwie an an Bretagne.

Zum Glück haben wir schönes Wetter, bei Sturm oder Nebel ziehen sich die letzten vier Stunden doch. Aber so ist es eine abwechslungsreiche Fahrt entlang der Küste, und wer will, kann sich einen Film über Edvard Grieg und seine Musik anschauen. Oder ein letztes Mal zu Mittag essen.

Beim Verabschieden vom Expeditionsteam erhalten wir eine überraschende Info: Wir erreichen Bergen eine Stunde früher, schon um 13:30, und die Busse sind informiert. Damit wird der Flughafen wirklich entspannt.

Bei der Gelegenheit noch zwei Links: Die Polarlys hat ja in letzter Zeit Biodiesel getestet, vielleicht sind wir deshalb gerade so flott. Hier ist die Pressemitteilung von Hurtigruten, und hier ein Bericht von Travelnews (über Fischabfall auf der Hurtigrute). In Bergen wird wieder neu getankt.

Je näher wir Bergen kommen, desto häufiger fahren wir durch verschiedene schmale Sunde – kaum zu glauben, dass unser Schiff da nicht aufsitzt, wenn die Felsen nur wenige Meter entfernt sind. Immerhin eine Dreiviertelstunde vor der geplanten Ankunft erreichen wir Bergen. Wir vier reihen uns bei der Crew ein, um als erste von Bord zu kommen: Es muss ja geklärt werden, welche Busse uns zum Flughafen bringen, und es kommen garantiert die Fragen auf, wer wo hin muss.

Für alle anderen Passagiere heißt es, dass das Schiff Deck für Deck von oben nach unten verlassen wird, damit es am Gepäckband kein Chaos gibt. Das würde auch klappen, wenn die Arbeiter am Gepäckband Zahlen lesen könnten. Zuerst kommt tatsächlich Gepäck von Deck 6, dann von 5, 4, 3, 2, 5, 3, 6… Dementsprechend chaotisch geht es mal wieder am Gepäckband zu. Aber es geht nicht schneller, wenn jeder ganz vorne steht und den anderen den Blick versperrt. Die gelbe Linie markiert nur den Sicherheitsabstand…

Noch bevor Benno und ich unser Gepäck haben, ist der erste unserer beiden Busse gut gefüllt und macht sich auf den Weg zum Flughafen. Dummerweise ohne Rücksprache und irgendeinen von der Reiseleitung… Zum Glück haben wir keinen verloren (es war ja unklar, wie viele im fehlenden Bus sind), und am Flughafen können wir dann beim Kampf mit den Automaten helfen.

KLM ist ja in der Luft ganz gut, aber am Boden… bei einigen klappt es am Automat mit Reisepass, Personalausweis, Buchungsnummer oder Boarding Pass, bei vielen scheitert es daran, dass die Ticketnummer vom Hinflug angefordert wird (wohl dem, der seine alte Bordkarte als Souvenir aufgehoben hat), alle anderen müssen sich am einzigen KLM-Schalter anstellen, um ihr Gepäck aufzugeben. Aber wir liegen ja sehr gut in der Zeit, also kein Grund zur Panik und genug Zeit, um die Technik zu verfluchen. Dann geht es in aller Ruhe in den Internationalen Bereich, etwa zu dem selben Gate, an dem wir auch angekommen sind. Es bleibt sogar genug Zeit, um noch etwas zu essen.

Im ausgebuchten Flieger mache ich dann die Erkenntnis, dass Norweger durchaus extrovertiert sein können, und begeistert sind, dass es bei KLM eine Dose Bier umsonst gibt. Viel Spaß beim Drohnenfestival in Amsterdam, mir bluten die Ohren… Aber auch die zwei Stunden Flug gehen vorbei, und der Pilot findet den Flughafen überraschend früh. Er entschuldigt sich selbst für die harte Landung. Bei der NASA heißt sowas wohl Lithobraking („Lithobraking is a landing technique used by unmanned space vehicles to safely reach the surface of a celestial body while reducing landing speed by impact with the body’s surface.“) Ka-wumm. So ein Flugzeug hält schon was aus.

Time to say Goodbye: Hier trennen sich unsere Wege endgültig, noch einmal Adieu und Gute Reise sagen, bevor sich alle zu ihren Endflughäfen aufmachen. Für Arno und mich heißt das, in den Flieger nach Stuttgart zu steigen. Damit endet eine wunderbare und problemlose Reise – schön war’s.

Nur auf der Rückfahrt gibt’s noch ein Problem: Auf der A8 brennt ein Auto aus, ca. 30 Autos vor mir ist die Autobahn voll gesperrt. Aber die Einsatzkräfte arbeiten schon, die Rauchwolke wird kleiner, und sogar das mit der Rettungsgasse funktioniert recht gut, sodass ich gegen halb zwei zuhause bin.

Jetzt laden gerade noch die letzten Bilder auf meinen Server hoch, und dann war es das für ziemlich genau ein Jahr: Ich werde wohl erst nächsten November wieder fahren. Aber bis dahin wird mir schon noch was für dieses Blog einfallen. Oder ich schreibe mal wieder ein Buch:-)

Hurtigrute Tag 11: Von Trondheim nach Süden

Trondheim

Heute ist ein Tag, um die Seele baumeln zu lassen. Von 6:30-9:45 liegen wir in Trondheim, an einem trüben, verschneiten Sonntag. Der Ausflug in die verborgenen Gemächer des Nidaros-Doms findet auch auf dieser Reise wieder nicht statt, also besteht kein Grund, um das Schiff zu verlassen. Stattdessen: noch ein Bild in Richtung Trondheim machen, um meinen Reiserückblick abzuschließen, und dann Frühstück. Nach dem Ablaufen begegnen wir der nordgehenden MS Nordlys, die abwartet, bis wir den Kai freimachen. Irgendwie schon verrückt, dass es in Trondheim jetzt abläuft wie in Berlevåg: Nur ein Schiff passt gleichzeitig in den Hafen der drittgrößten Stadt Norwegens, und das andere muss warten…

Die Nordlys wartet auf uns

Immerhin legen wir planmäßig ab, und die Passagiere der Nordlys können Bilder davon machen, wie wir zwischen ihnen und der Insel Munkholmen vorbei ziehen. Im Gegenzug gelingen uns ein paar Nahaufnahmen der Nordlys.

Für uns führt die Fahrt durch den langen Trondheimfjord, der allerdings eher wie ein breiter Fluss wirkt: Hohe Berge, wie man sie bei einem Fjord erwartet, fehlen. Außerdem ist die Aussicht immer wieder eingeschränkt durch Nebel und Schnee. Das ist natürlich ideal für unsere Abschlussveranstaltung um 10:30: Keiner verpasst draußen etwas.

Benno hält das Schlusswort, Arno erklärt die Rückreise, Thomas gibt das Lektoren-Schlusswort und ich zeige noch meinen kleinen Tourfilm, der zuletzt noch durch Arno’s Reiserückblick abgerundet wird.

Den Film gibt es nur für die Teilnehmer unserer Tour, aber auf die Musik will ich noch hinweisen: Fjörður von Alexander Nakarada, übrigens ein Norweger. Und ebenfalls erwähnt wurde das Hurtigrutenlied von Kari Bremnes.

USB-Sammlung

Der Rest des Tages ist für mich eher meditativ: Nordlichtfilme zu machen und Reisefotos zu teilen ist ja mein privates Hobby, dafür werde ich nicht bezahlt. Aber es kommt gut an, und ich verbringe den Nachmittag damit, Bilder auf USB-Sticks und SD-Karten zu kopieren. Ist immer interessant, was da an Hardware vorbei kommt. Mit USB 3 geht es ratz-fatz, mit anderen Modellen… Der Hammer ist eine 16 MB-Karte. Und ich wundere mich noch, warum ich nichts löschen kann, obwohl keine Dateien zu sehen waren und nur noch 16 Megabyte frei waren… Am lahmsten sind ausgerechnet die USB-Sticks von Hurtigruten. Das Holz sieht zwar hübsch aus, aber 10MB Schreibgeschwindigkeit werden der Hurtigrute nicht gerecht. Da vergeht schon mal eine Stunde pro USB-Stick. Auch so kriegt man den Nachmittag rum. Ach ja: Bei einigen fehlen noch die Bilder von Thomas – schaut einfach mal auf meiner Geheimseite nach, da sind sie verlinkt.

Seetag

Von Schiffsseite stehen noch zwei Termine an (die Schiffsinformationen zur Ausschiffung waren zeitgleich zu unserer Veranstaltung, sodass Verwirrung vermieden wird): Einmal Volkstanz und um 15 Uhr eine Abschiedsveranstaltung des Expeditionsteams mit deren eigenem Film, der an Bord verkauft wird (rund 40 Euro, aber auf einem schnelleren USB-Stick). Ich kopiere derweil noch Dateien, während draußen erst der Trondheimfjord und dann das offene Meer vorbeiziehen. Viel zu fotografieren gibt es nicht mehr.

Kristiansund

Kristiansund erreichen wir planmäßig gegen 16:30, und der Himmel hat aufgeklart. Polarlicht erwarte ich für heute so weit im Süden aber keines mehr, der Koffer ist schon halb gepackt. Schließlich muss die Kabine morgen um 10 geräumt sein, und der Koffer bis um 9 an den Aufzügen stehen. Mit anderen Worten: Mein Stativ ist verstaut, und die Kabine wieder übersichtlich. Bleiben nur noch das Abendessen und die Hustadvika – letzter bleibt unauffällig, ersteres ist eine sehr zarte Schweinshaxe (übrigens nicht, wie einige vermuten, eine Schweinswalhaxe).

Molde

Vor Molde dümpeln wir einige Zeit rum und lassen uns mit 10 km/h fast schon treiben – wir haben die Hustadvika wohl zu schnell überquert und wollen nicht zu früh ankommen. Bei dem halbstündigen Aufenthalt gehe ich nicht von Bord – der kurze Ausflug in die Stadt auf der nordgehenden Route hat gelangt, und irgendwie ist die Luft raus für heute. Dann lieber noch einmal durch’s Schiff, wo es schon sehr weihnachtet: Der Weihnachtsbau steht und ragt durch drei Decks, und überall gibt es Weihnachtsmänner und -mäuse. Über dem Schiff ist auch schon die Weihnachtsbeleuchtung gespannt.

Damit endet die Reise auch schon so ziemlich – noch einmal einen Rundgang auf dem Umlaufdeck, ein paar Gespräche, die letzten Bilder sortieren, und dann Feierabend. Ålesund und die nächsten Häfen werde ich wohl verschlafen, aber wir haben alle ja schon zu Beginn der Reise gesehen.

Hurtigrute Tag 10: Die Helgelandküste

Die Fahrt entlang der schönen Helgelandküste hat nur einen Nachteil: Wir passieren den Polarkreis gegen 8:45. Für passionierte Spätaufsteher und Nachtarbeiter ist das natürlich nichts – und da das Licht nun besser ist als auf der nordgehenden Route, muss man da natürlich raus. Immerhin ist mein Laptop nun auch mit den meisten Bildern des letzten Abends durch.

Alle Wetter

Direkt nach dem etwas beschleunigten Frühstück kam dann die Durchsage, dass wir etwa eine halbe Verspätung haben und den Polarkreis erst gegen 9:15 überqueren. Bleiben wir also noch etwas länger im Norden, bevor es zurück nach Südeuropa geht.

Draußen gibt es derweil wieder jedes Wetter von klar bis düster – das düster ist ausgerechnet da, wo die Insel Vikingen mit der Polarkreiskugel steht. Kurz bevor wir am Ziel sind, ist es Bug nicht mehr auszuhalten: Eine Mischung aus Wind, Schnee und Hagel vertreibt mich, und die Insel ist nicht mehr zu sehen. Kurz vor der Passage traue ich mich wieder auf das Umlaufdeck und mache ein paar Schnappschüsse, während ich gefühlt sandgestrahlt werde. Das hat was von Island…

Eigentlich hatte ich ja gedacht, die Polarkreistaufe mit Eis gibt es nur nordgehend, aber diesmal hat Neptun dafür gesorgt, dass ich genug Eis in meinen Taschen habe. Junge, Junge. Als ich dann auf Deck 7 bei der Lebertranausgabe vorbeischaue, wird gleich Interesse an meinen Bildern angemeldet. Hier war es trotz besserem Windschutz wohl auch nicht angenehmer, wobei die fast bis ganz ans Heck durchgezogenenen Scheiben der Polarlys bei der Fotografie auch nicht hilfreich sind.

Es weihnachtet sehr

Die weitere Fahrt verläuft ähnlich kontrastarm: Während auf dem Schiff die Weihnachtsbäume aufgestellt werden, ist es draußen oft einfach nur weiß. Aber nicht winterlich weiß, sondern einfach nur weiß, ohne etwas zu sehen. Ich verbringe die Zeit bis zum nächsten Hafen daher im Reiseleitereck, während durch die Fenster gelegentlich zu sehen ist, wie Landschaft vorüberzieht.

Nesna

Im nächsten Hafen muss ich natürlich wieder an Deck. Nesna begrüßt mich kurz vor 11 mit noch größeren Hagelkörnern als am Polarkreis. Was soll ich sagen – das ist noch echtes Wetter! Durch die Isolierglasscheiben des Schiffs betrachtet ist das auch ganz angenehm. Gut, dass wir nicht mit einem Wikinger-Drachenboot unterwegs sind, sondern in dem durchaus komfortablen Postschiff der Hurtigrute.

Ein kleines bisschen Hagel

Die Reise geht weiter nach Sandnessjøen. Ich nutze die Zeit, um meinen letzten Vortrag über Sternbilder und Mythen zu arbeiten. Das Expeditionsteam hat ein bisschen für Verwirrung gesorgt, weil es auf 10 Uhr ebenfalls einen Vortrag über Mythen und Legenden angesetzt hat. Ist ja auch ein schönes Thema für den lockeren Ausklang, aber noch nicht jeder durchschaut wohl, dass unsere Vorträge von denen des Schiffs vollkommen unabhängig und nur für unsere Gruppenreise sind. Trotz des Themas gibt es aber keine Überschneidung: Ich befasse mich nur mit den Sternbild-Sagen.

Sandnessjøen

Die gesamte Helgelandküste ist ja Schauplatz der „längsten Sage“ rund um die Sieben Schwestern, die schöne Lekna, den Hestmannen und den Torghatten, die ich in diesem Blog schon ein paar Mal angerissen hatte. Mein Vortrag war direkt nach der Passage der Bergkette der Sieben Schwestern angesetzt und wurde wegen unserer Verspätung etwas verschoben auf 13:40. Sandnessjøen erreichen wir gegen 12:15 bei vergleichsweise gutem Wetter, aber es sieht nicht so aus, als ob man von den Bergen etwas sehen könnte. Also Zeit fürs Mittagessen.

Überraschenderweise haben die Sieben Schwestern nach dem Ablegen aus Sandnessjøen dann doch Erbarmen mit uns armen Reisenden: Die Gipfel halten die Wolken über der Stadt, und von der anderen Seite aus sind sie ziemlich gut zu sehen. Immer wieder hübsch, die Damen.

Norwegens Mitte

Mein Vortrag kurz darauf ist überraschend gut besucht, wenn man bedenkt, dass er zur besten Zeit für ein Verdauungsschläfchen stattfindet, und endet natürlich rechtzeitig für den Halt in Brønnøysund. Durch den neuen Fahrplan haben wir hier nun deutlich mehr Zeit, rund zweieinhalb Stunden – die Verspätung haben wir ziemlich gut aufgeholt. Nur: Was macht man in Brønnøysund, wenn man keinen Hike zum Torghatten macht? Es werden zwar zwei Ausflüge (eine Lachsfarm und Hildurs Urterarium – keine Ahnung, was das schon wieder ist) und ein Hike angeboten, aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ich gehe also zu dem Stein, der Norwegens Mitte markiert, fotografiere das Schiff und entsorge anschließend mein Leergut im Einkaufszentrum. Dann noch ein Softeis am Kai, und zurück aufs Schiff, während draußen ein heftiges Schneegestöber wütet.

Schnee.

Das Captain’s Dinner um 18 Uhr ist ganz entspannt, da wir mangels Licht keinen Fototermin am Torghatten haben. Und irgendwann kriege ich vielleicht auch einmal ein schönes Bild von der Crew beim Captain’s Dinner hin… Aber es ist ohnehin keine große Sache: Ein Dankeschön von der Crew und an die Crew, auch an alle hinter den Kulissen. Dann eine kleine Prozession durch das Restaurant zum anstoßen, und das normale Abendessen beginnt.

Rørvik

Die interessanteste Info beim Dinner ist, dass wir mit dem Wetter wirklich Glück hatten: In der Barentssee ist es zwar gerade recht klar, aber bei Windgeschwindigkeiten um die 100 km/h tobt da auch ein ordentlicher Sturm. Man stelle sich vor, da draußen ist ein tolles Polarlicht, und man darf nicht an Deck… Da doch lieber die recht ruhige See bei uns und die Chance, beim Anlaufen in Rørvik noch einmal schneegestrahlt zu werden. Hui! Was für ein Sauwetter.

Nachdem wir angelegt haben, kann man es draußen sogar wieder aushalten, aber von Bord gehe ich trotzdem nicht – wir haben ohnehin nur eine halbe Stunde Aufenthalt. Die Fahrt über die Folda beginnt recht ruhig, nach etwa einer Stunde ist dann aber doch etwas Bewegung im Schiff: Es schaukelt zwar gleichmäßig, aber deutlich spürbar. In diesem Sinne: Gute Nacht! Heute wird es kein Polarlicht mehr geben, und morgen früh sind wir schon in Trondheim.

Hurtigrute Tag 9: Vesterålen im Nebel

Morgenstimmung um 10 Uhr

Die Nacht war begleitet vom Säuseln meines Laptoplüfters, der die 3300 Bilder der Fahrt nach Tromsø zu dem Zeitraffer verrechnet hat, den ich gestern noch gepostet hatte. Damit ist meine externe Festplatte auch voll, jetzt muss der Laptop für den Rest der Reise als Bilderspeicher reichen…

Da es gestern doch etwas später war, habe ich heute ein spätes Frühstück eingeplant (dafür kein Mittagessen – ein Vorteil des Ambassador-Programms ist der Obstkorb im Zimmer) und starte wieder einmal erst nach Harstad in den Tag. Mein erstes Foto heute entstand also erst am Vormittag: Die schneebedeckten Berggipfel der Vesterålen bieten eigentlich pausenlos Fotomotive, und heute auch noch jedes Wetter von klarem Himmel bis düster-drohenden Wolken.

Point of Interest

Kurz nach zehn gibt es auf Deck 7 einen Interessepunkt zur Insel Andøya und zur Risøyrinne – das Fahrwasser ist hier nur sieben Meter tief, nur zwei Meter tiefer als der Tiefgang unseres Schiffs. Zahlreiche Bojen markieren die Fahrrinne, und in Risøyhamn erinnert der Königsstein an die Einweihung und spätere Vertiefung der Rinne. Bei traumhaften Wetter ist das einer der schöneren Streckenabschnitte und durchaus eine Alternative zur Bustour durch die Vesterålen – ebenfalls eine schöne Tour, aber sie beginnt in aller Herrgottsfrühe in Harstad. Erst in Sortland kommen die Ausflügler wieder an Bord.

Königsstein

Der Aufenthalt in Risøyhamn ist nur kurz, aber schön. Mit dem Schiff durch die Berge zu fahren hat seinen Reiz. Besonders eindrucksvoll ist das im Frühjahr, wenn wir den Raftsund nach Stokmarkes noch im Hellen passieren, dafür bietet diese Jahreszeit ihre eigenen Lichtspiele.

Andererseits haben wir November, und da gibt es auch in Norwegen Nebel. Während der Fahrt nach Sortland zieht er auf: Was für eine Suppe! Gut, dass die Schiffe per GPS und nicht nur auf Sicht steuern. Bei Sortland passieren wir die Brücke wieder zeitgleich mit den Ausflugsbussen, viel früher ist sie auch nicht zu erkennen. Eigentlich eine gute Gelegenheit, um den Ausflüglern zuzuwinken, aber diesmal stehen wir vier alleine am Bug im Schneetreiben. Eine Durchsage gibt es diesmal nicht, und wir sehen die Brücke auch erst kurz bevor wir unter ihr durch sind. Das hat schon mehr Spaß gemacht…

Im Hafen von Sortland sehen wir die Ausflügler, hier ist das Wetter auch kurzzeitig besser. Aber viel sieht man heute nicht von der Landschaft: Nebel und dichte Wolken versperren den Blick auf die Vesterålen.

Stokmarknes ist ebenfalls erst kurz vorher zu sehen: Die Lichter der Gründungsstadt der Hurtigrute sind erst aus ein paar hundert Meter Entfernung zu erkennen. Am Hafen tut sich was: Die alte MS Finnmarken, ein Hurtigrutenschiff aus den 1950er, das hier an Land liegt, erhält endlich einen Schutzbau. Daher kann sie zur Zeit allerdings nicht besichtigt werden, aber das Hurtigrutenmuseum lohnt sich auch so. Von dem Örtchen ist bei dem Wetter ohnehin nicht viel zu sehen.

Die Finnmarken bietet jetzt schon einen anderen Anblick als in den vergangenen Jahren. Das Expeditionsteam nimmt Stokmarknes zum Anlass, um nach der Abfahrt einen Vortrag über die Geschichte und Zukunft der Hurtigrute einzufügen. Die abendlichen Treffen mit dem Expeditionsteam gibt es übrigens hier nicht, daher werden meine Polarlichtfilme auch nicht auf dem Schiff gezeigt:-)

Die Fahrt von Stokmarknes durch den Raftsund nach Svolvær verläuft durch Dunkelheit und Nebel, es gibt nichts zu sehen. Daher wird auch der Besuch am Trollfjord gecancelt, und wir erreichen Svolvær etwas früher. Heute gibt es Buffet, damit alle eine Chance auf Abendessen haben, die auf Ausflüge gehen. Mein Ausflug führt durch das verschneite Svolvær in die Kneipe.

Svolvær

Der Abend verspricht ruhig zu werden: Das Wetter ist bedeckt mit ein paar kleineren Wolkenlücken. Wir machen es uns auf Deck 7 so bequem, wie das im Multe möglich ist, sortieren Bilder und schauen immer wieder mal raus, was das Wetter macht. Viele Wolken – also ein entspannter Abend. Kurz vor Stamsund kommt einer unserer Gäste leicht frustriert rein: Seine neue Jacke funktioniert (die Helly-Hansen-Teile taugen echt was) und hat auch dem Schneesturm getrotzt, nur mit Polarlicht ist nichts. War ja klar, dass eine Minute später Polarlicht Bug voraus gemeldet wird.

Also alles ein einpacken, die Kamera holen und im Stau feststecken – kein Durchkommen nach vorn zum Bug. Ab auf Deck 7: Die Beleuchtung ist zu hell. Ab auf den Umlaufgang von Deck 5 steuerbord: Passt – schöne Show für zehn Minuten, ein schönes helles Band. Mehr davon bitte:-)

Kurzes Schauspiel vor Stamsund

Als wir in Stamsund ankommen und die Beleuchtung angeht, endet auch das Himmelsschauspiel: Wir stehen im Schneegestöber. Kurze Pause also, bis ich den Fehler mache, wieder raus zu gehen, um den Ort zu fotografieren: Polarlicht hinter Schneesturm. Das hatte ich auch noch nicht…

Also kein Feierabend nach der Abfahrt aus Stamsund: Es gibt immer wieder ziemlich gutes Polarlicht, und es stellt sich die Frage, ob wir noch eine Durchsage machen lassen. Als es richtig los geht, ist die Sache klar: Ich stürme runter zur Rezeption, um eine Durchsage machen zu lassen – letztes Mal hatte Thomas den undankbaren Job, und es ist wahrscheinlich für ein Jahr mein letztes Polarlicht. Aber wir sind ja nicht zum Spaß hier!

Wie üblich ist die große Show vorbei, bis ich wieder an Deck bin, aber mindestens bis Mitternacht wechseln sich Polarlicht, Wolken und Schnee ab – dann machen wir Feierabend, auch wenn der Westfjord überraschend ruhig ist. Aber morgen droht ja schon wieder die Polarkreisüberquerung. Um 8:45 ist es so weit, also Zeit für Feierabend.

Ein schönes Abschieds-Polarlicht

Hurtigrute Tag 8: Kurzbesuch in Hammerfest und Polarlicht bei Skjervøy

Gestern war der Wendepunkt unserer 11-tägigen Reise (wobei wir durch die abendliche Abfahrt in Bergen eigentlich auf 12 Tage kommen, samt An- und Abreise), und allmählich wird es Zeit für ein vernünftiges Polarlicht. Das gestern hinter den Wolken war ja sogar schwächer als das vom ersten Abend, daher hatten wir uns nicht getraut, eine Durchsage zu machen. Wobei es noch ein bisschen mehr geworden sein soll, nachdem ich ins Bett gegangen war.

Havøysund

Noch macht der Wetterbericht Hoffnung: Zwischen Skjervøy und Tromsø soll es weitestgehend klar sein. Jetzt muss nur noch die Aurora mitmachen….

Da wir gestern einiges an Verspätung eingefahren haben, liegen wir erst gegen 9 Uhr in Havøysund. Als wir den Hafen verlassen, sehe ich die nordgehende Hurtigrute noch am Fenster vorbeiziehen – zu schnell für ein Foto. Dafür wird es allmählich hell genug, dass man etwas von der Landschaft sieht: Bei klarem Himmel ist die Polarnacht gar nicht mal so dunkel, vielmehr hat man ein lange Dämmerung.

Morgendämmerung

Da wir Verspätung haben, erreichen wir natürlich auch Hammerfest und die Erdgas-Verflüssigungsanlage Melkøya verspätet. Beim Point of Interest an Deck 7 gibt es wieder Energiekaffee – wie ich höre, zur Abwechslung eine trinkbare Version, soweit er in der Tasse blieb: Es ist gut windig, als wir Melkøya passieren. Mein Windmesser zeigt zwar nur 45km/h an, aber man kann sich doch gut in den eiskalten Wind legen – zumindest machen das alle, die nicht Windschutz suchen.

Mein Bänkle steht noch

In Hammerfest haben wir nur gut 1 1/4 Stunden – zu wenig für die Ausflüge, aber genug für eine Spaziergang durch die Stadt. Das verschneite Hammerfest ist hübsch, und vor der Kirche ist wieder der große Schneehaufen, wo die weiße Pracht im Meer entsorgt wird. Ein kurzer Rundgang, ein Besuch im Eisbärenclub, und als wir um 13 Uhr wieder ablegen, wird es auch schon wieder langsam dunkel. Aber es langt, um mein Standard-Foto auf der verschneiten Bank vor dem Musikpavillon zu machen – wie auf jeder Tour seit 2014.

Abwechselnde Beplankung

Um mal wieder etwas über Norwegen zu erzählen: Die Holzlatten an den Häusern sind je nach Region anders, auch wenn sie nicht bei allen Häusern gleich sind. Die senkrechten Latten ermöglichen es dem Regen, besser abzulaufen (typisch für Bergen); im Norden sind waagrechte Latten üblicher, damit die unteren Latten einfacher ausgetauscht werden können, nachdem sie über Winter im Schnee lagen und verrottet sind. Man kann das natürlich auch mischen, und im Frühling trifft sich ohnehin ganz Norwegen im Baumarkt.

Øksfjord

Die weitere Fahrt verläuft ruhig: Wir segeln durch die Nacht und bekommen von dem kalten Wind nicht viel mit. Um 15 Uhr gibt es einen Vortrag über Öl und Gas in Norwegen auf Deutsch (um 16:30 dann auf Englisch), den das Expeditionsteam hält. Vor Øksfjord bläst es einen wieder fast vom Umlaufdeck, bis wir im Schutz der hohen Berge sind. Die Folda ist recht ruhig, und der Sternenhimmel eindrucksvoll. Nur das Polarlichtoval ist schwach – wir können auf jeden Fall in Ruhe Abendessen.

Skjervøy

Skjervøy erreichen wir nach dem Essen mit etwa einer halben Stunde Verspätung – nur ein kurzer Halt, damit wir Tromsø rechtzeitig für das Mitternachtskonzert erreichen.

Nachdem wir den Hafen verlassen, ein Blick in den Himmel: Ja, da ist was. Von wegen Tromsø geht immer – Skjervøy geht (fast) immer. Das erste deutliche Licht ist an backbord zu sehen, wenig später ändert sich unser Kurs, und das Polarlicht ist und bleibt an steuerbord schön sichtbar.

Gut zwei Stunden lang begleitet uns eine schöne Show auf der windgeschützten Strecke, gegen 22 Uhr lässt es dann nach – wir nähern und Tromsø und den Wolken…

Für alle Interessierten ist das genau rechtzeitig, um um 21:45 einen Vortrag über die Fischereikultur in Norwegen zu hören oder sich aufzuwärmen, bevor es in das Mitternachtskonzert geht. Für mich heißt es, den Rechner mit Bildern füttern…

Tromsø

In Tromsø kommen wir überraschend pünktlich an. Ich nutze den Aufenthalt, um noch einmal kurz mit Stativ in den Ort zu gehen und ein paar Nachtaufnahmen zu machen.

Und am nächsten Morgen ist mein Filmchen des Abends auch fertig:

Ziel erreicht:-)

Hurtigrute Tag 7: Kirkenes

Kurs Kirkenes

Der Tag fängt wunderbar an: Ich verpasse zwar Vadsø, aber ich habe rechtzeitig daran gedacht, die automatische Netzwahl meines Handys abzuschalten, damit es sich nicht ins russische Netz einbucht. Und der Morgenhimmel zeigt, wie hell die Polarnacht sein kann. Das Foto entstand kurz nach acht, als die Wolken über Kirkenes aufrissen. Mittlerweile sind wir ja wieder auf der Höhe von Tromsø, nur weiter im Osten und abseits des Golfstroms. Das Ergebnis: Bei -6 Grad ist es schon ordentlich frisch an Deck.

Zu den Huskys

Ausflüge habe ich keine geplant, daher kann ich ganz entspannt alle anderen aussteigen lassen, bevor ich mich auf den ca. 15 Minuten langen Spaziergang Richtung Stadtzentrum mache. Wie Arno so schön bemerkt, ist in Kirkenes richtig was los, wenn die Hurtigrute anlegt… Die Straßen sind schneebedeckt, sodass es sich gut läuft – Eis ist da viel unangenehmer. So ist es ein gemütlicher kleiner Spaziergang, der am Russendenkmal und der Andersgrotte (dem alten Bunker aus dem 2. Weltkrieg) vorbei führt.

Die Polarlys in Kirkenes

Das Städtchen wird von den typischen quadratischen Holzhäuschen geprägt, die nach dem zweiten Weltkrieg in Serienproduktion entstanden, um die verbrannte Erde nach dem deutschen Rückzug wieder bewohnbar zu machen. Bei vielen sieht man, wie sie Stück um Stück erweitert wurden. Und überraschend viele Häuser sind schwarz gestrichen.

Während ich im Ort bin, zieht der Himmel zu, und es beginnt zu schneien. Also heute nur ein kurzer Besuch im Ort, bevor es wieder zurück aufs Schiff geht. Zum Einkaufen finde ich auch nichts, wenn man von Vorräten im Rema 1000 mal absieht. Das hat immerhin den Vorteil, dass ich früh Mittagessen kann, bevor die Ausflügler vom Schlittenhundefahren und der russischen Grenze zurückkommen. Es hat dieses Jahr ungewöhnlich früh gechneit, sodass die Schlittenhunde jetzt schon arbeiten können.

Wir legen diesmal erst deutlich nach 12:30 ab, anscheinend wurde wegen einem verspäteten Passagier ausnahmsweise noch einmal angelegt. Also wird es wieder nichts mit der regulären Liegezeit und einem Besuch beim Hexendenkmal. Vielleicht langt es ja für die Festung Vardøhus; Eisbaden wird um diese Jahreszeit auch noch nicht angeboten. Die Überfahrt ist etwas holprig – auch wenn es wohl nur zwei Meter hohe Wellen sind, ist das bislang spürbarste Geschaukel auf dieser Fahrt.

Vardø

Vardø erreichen wir mit einer halben Stunde Verspätung; kurz bevor wir den Hafen erreichen, begrüßen uns die teils hell beleuchteten Kuppeln und Gebäude der Weltraumüberwachung. Bei planmäßiger Abfahrt um 16:45 langt der halbstündige Aufenthalt nicht einmal für einen Besuch bei der Festung, ich begnüge mich also mit ein paar Fotos vom Schiff herunter, bevor es in den Vortragsraum geht: Thomas hält um 17:00, kurz nach dem Ablegen, seinen Vortrag über 50 Jahre Mondlandung. Anscheinend haben wir doch mehr Fracht, zu Beginn des Vortrags liegen wir noch im Hafen.

Und eine Stunde später hat sich daran nichts geändert, erst gegen Ende des Vortrags legen wir ab. Das ist eigentlich gar nicht schlecht, da es gut Bewegung im Schiff hat, als wir den Hafen verlassen. Nur: Warum die Verspätung? Im Hurtigrutenforum taucht die Meldung auf, dass wir wieder Probleme mit Seitenstrahlruder hätten (wegen dem wurde vor neulich eine Fahrt abgebrochen). Die Schiffsdurchsagen waren im Vortragsraum leider nicht zu hören. Jedenfalls haben wir nun gut 75 Minuten Verspätung – mal sehen, wie lange wir morgen in Hammerfest sein werden…

Das Abendessen (lecker Rentier) findet auf der Barentssee statt, wobei es überraschend wenig Ausfälle gibt. Sind doch fast alle alle Passagiere seefest? Wäre ja schön, Seekrankheit wünsche ich niemandem.

Nach dem Essen gibt es zwar etwas Polarlicht, aber die Wolken sind stärker: Es schimmert nur sporadisch und schwach durch die Wolken und ist weitaus schwerer zu sehen als an unserem zweiten Abend. Aber für morgen sind die Vorhersagen optimistisch, was das Wetter vor Tromsø und die Polarlichtaktivität angeht.

Båtsfjord

Båtsfjord erreichen wir erwartungsgemäß mit Verspätung kurz vor 21 Uhr (statt 19:45), viel Zeit konnte der Captain nicht herausholen. Immerhin sehe den großen Fischerhafen so einmal, oft genug fällt die Liegezeit mit den Resten des Abendessens zusammen. Der Himmel ist leider zu; von der Finnmarken kurz vor Tromsø erreicht uns derweil eine Erfolgsmeldung.

In der Barentssee sieht es weniger gut aus: Zwar scheint immer wieder etwas Polarlicht durch Wolkenlücken, aber es bleibt „kameragrün“ – für das bloße Auge bleiben hellere Wolken, die sich ein wenig von den dunkleren echten Wolken abheben, aber von echtem Farbensehen oder gar einer echten Show sind wir weit entfernt.

Die Lofoten

Vor Berlevåg ziehen wir dann wieder eine Warteschleife: Die Lofoten hat ebenfalls einiges an Verspätung und blockiert den Hafen. Erst gegen 23 begegnen wir ihr vor der Hafeneinfahrt – ein echtes Erlebnis, denn oft werde ich sie nicht mehr sehen können: Dank der unterschiedlichen Anforderungen von Denkmalschutz und behindertengerechtem Umbau wird sie in naher Zukunft aus dem Liniendienst gehen. So kann ich sie noch einmal hupen hören, auch wenn sich der schwarze Schiffsrumpf kaum vom Meer abhebt. Das kleine Schiff liegt auch tief im Meer und taucht tief in die Wellen ein. Da haben wir es schon komfortabler, wenn auch nicht so „authentisch“.

Rushhour in Berlevåg

Berlevåg konnten wir aber auch nicht auslassen, um Zeit zu sparen: Neben dem Gabelstapler warten mehrere Autos am Kai, Passagiere wollen ein- und wohl auch aussteigen. Ich bin gespannt, wann wir morgen Hammerfest erreichen.

Über Nacht darf mein Rechner die Bilder dieses Abends verarbeiten. Das Ergebnis: Die See war doch recht unruhig, und die Wolken stark.

Hurtigrute Tag 6: 2x Nordkap(p)

MS Nordkapp

Heute passieren wir den nördlichsten Punkt unserer Reise und sehen zweimal Nordkap(p): Den Anfang macht unser Schwesterschiff, die MS Nordkapp, der wir vor Havøysund begegnen. Auf dem Schiff habe ich meine ersten Reisen gemacht, also muss ich natürlich raus und ihm zuwinken. Auch wenn die Schiffsbegegnung schon um halb neun ist, lange vor Sonnenaufgang. Aber andererseits haben wir Polarnacht, die Sonne geht hier also noch ein paar Wochen lang nicht auf, also was soll’s: Raus an Deck, die Barentsee genießen!

Havøysund

Havøysund erreichen wir mit leichter Verspätung, obwohl der Captain anscheinend mit angezogener Handbremse in die Kurve geht, bei der Schräglage, die das Schiff beim Abbiegen hatte. Zusammen mit dem Wind am Bug: Woohoo, ein Riesen-Spaß!

In „Hawaii-Sund“ wäre ich gerne kurz von Bord gegangen, um das Denkmal für ein vor langer Zeit gesunkenes Hurtigrutenschiff anzuschauen, aber durch die verkürzte Liegezeit langt das nicht. Also dann ein reichhaltiges Frühstück, und anschließend die Fahrt durch den immer wieder eindrucksvollen Magerøyasund. Auch diesmal hat er wieder eine hübsche Lichtstimmung, inklusive einiger farbenfroher Wolken zu bieten.

Im Sund macht das Expeditioneteam wieder einen Point of Interest, während ich mich lieber auf Deck 5 die Landschaft genieße und mich zwischendrin auf das Nordkap vorbereite: Seit meiner ersten Tour 2014 war ich nicht mehr da, jetzt kann man es sich mal wieder leisten. Dafür verzichte ich auf das Mittagessen, wird sonst doch alles etwas knapp.

Während wir Kurs auf das Städtchen Honningsvåg (mit etwa so vielen Einwohnern wie mein Heimatdorf) nehmen, haben wir bis auf Schnee und Regen fast jedes Wetter – von klaren Stellen bis dunklen Wolken. Das macht doch Hoffnung.

In Honningsvåg angekommen, geht es direkt in den Bus – von der üblichen Sicherheitsübung des Schiffs bekomme ich diesmal nichts mit, wie die meisten anderen Passagiere sitze auch ich im Bus zum Nordkap. Die Fahrt dauert etwa eine Dreiviertelstunde und führt über die verschneite Insel Magerøya – das Nordkapp liegt weder auf dem Festland, noch ist es der nördlichste Punkt der Insel. Zu dem führt eine Fünf-Stunden-Wanderung von einem Parkplatz an der Straße zum Nordkap. Wie beim ersten Mal passieren wir mit dem Bus die nördlichste Shell-Tankstelle und gleich darauf den 71. Breitengrad, dann ein Hotel und ein Sami-Lager. Merke: Fotos aus dem Bus heraus sind sinnlos…

Ab in die Nordkap-Halle

Imposant ist die Landschaft trotzdem, und wir gewinnen einige Höhenmeter, während unsere österreichische Reiseleiterin etwas über die Landschaft und das Leben hier erzählt. Obwohl einiges an Schnee liegt, gilt noch keine Kolonnenpflicht mit Schneepflug, wir dürfen alleine fahren. Am Nordkapp angekommen haben wir etwa eineinviertel Stunden Zeit und sehen erstmal keinen Nordkap-Globus, dank Schnee und Dunst. Auch die Busse heben sich kaum gegen den Hintergund ab.

Nordkap?

Der schnellste Weg zur Nordkap-Kugel führt vom Parkplatz durch die Halle. Da die Kugel aber kaum zu sehen ist, gehe ich erst einmal in das Untergeschoss, in den Tunnel mit den Dioramen, die berühmte Besucher zeigen, der nördlichsten Kapelle und dem kleinen Museumsraum, der an den Besuch des thailändischen Königs erinnert. Die Wand mit den Fotos seiner Reise unterscheidet sich auch nicht sehr von der Instagram-Seite moderner Touris…

Am Ende des Tunnels ist die „Höhle des Lichts“, in der eine Reihe Zeitrafferfilme das Nordkapp im Lauf der Jahreszeiten zeigt. Für den anderen Film, der im Kinosaal eine Ebene höher läuft, nehme ich mir wieder keine Zeit. Mittlerweile ist das Wetter draußen besser, und ich gehe ins Freie, aber nicht direkt zur Kugel, sondern erst einmal nach links, um Kugel samt Kap zu fotografieren.

Bei meinem ersten Besuch war ich ohne Spikes hier, da kam mir der Weg deutlich länger vor. Also richtig viel länger. Das müssen doch mehr als die lächerlichen 50 Meter gewesen sein… Noch ist die Kugel umlagert, also gehe ich um das Gebäude herum, wo unsere Busse warten, und schaue mir einmal die Kinder der Welt an – runde Steintafeln, die von Kindern aus aller Welt gestaltet wurden.

Dann setzt schon wieder Schneegraupel ein, aber bis ich an der Kugel bin und meine Fotos mache, lässt er schon wieder nach.

Damit ist die Stunde Aufenthalt auch schon rum, und wir wurden Zeuge davon, wie rasch sich das Wetter hier wandelt. Die Temperatur lag zwar nur etwa bei etwa 0°, aber durch den Wind fühlte es sich deutlich kälter an. Bleibt noch genug Zeit für einen kurzen Gang durch den Souvenirshop, und dann ab in den Bus. Mittlerweile ist es draußen auch schon dunkel – kein Grund also, noch länger hier zu verweilen. Schließlich wartet das Schiff auch nicht, und kurz nach der Abfahrt bin ich mit meinem Vortrag über den Sternenhimmel dran, garniert mit griechischen Sagen und einem Streifzug durch das Leben der Sterne. Wer dann noch nicht genug hat, kann den Vortrag des Expeditionsteams über die Sami anhören.

Kjøllefjord

Die Felsformation der Finnkirke wird diesmal nicht beleuchtet oder erwähnt, und in Kjøllefjord schneit es. Ob das heute noch aufklart? Ich übe mich mal in Optimismus, auch wenn das Nordlichtoval auch fast verschwunden ist.

Um 17:30 ruft auch schon das Nordkap-Buffet. Da das Restaurant einen neuen Teppich erhält (der Umbau der Polarlys ist ja schon einige Zeit her, nach dreieinhalb Jahren darf der Teppich schon durchgescheuert sein), essen wir heute vor dem Restaurant im Café und dürfen schon eine halbe Stunde früher ran – Fast Lane ins Restaurant, gar nicht schlecht. So verbrät man vielleicht wenigstens eine Kalorie mehr beim Essen holen…

Mehamn im Schneefall

Anschließend heißt es hoffen auf klaren Himmel, die Wolkendecke liegt laut Prognose bei 40%. Trotzdem schneit es in Mehamn mindestens so stark wie in Kjøllefjord. Nach Mehamn geht es raus auf die Barentssee, und es ist wenigstens ein wenig Bewegung im Schiff. Am Himmel zeigen sich auf der Fahrt nach Berlevåg zwei Sterne und zwei Möwen – geht da noch mehr?

Bis Berlevåg tut sich leider nichts, erst verschwinden die Sterne, dann auch noch die Möwen. Zwischenzeitlich erreicht mich von der Finnmarken die Info, dass wir wegen Wind Berlevåg auslassen würden. Aha… Hier weiß nur keiner was davon, wir merken nur, dass die Finnmarken Verspätung hat. Also dümpeln wir vor dem Hafen rum, während die Finnmarken es sich bequem macht und der Himmel aufreißt. Irgendwann drehen wir ab – lassen wir Berlevåg doch aus? Also gehen wir rein und machen Feierabend, bis klar wird, dass wir einmal drehen und doch wieder den Bug auf die Hafeneinfahrt richten.

Die Finnmarken vor Berlevåg

Endlich bequemt sich die Finnmarken, den Kai freizumachen, und wir bekommen doch noch eine Schiffsbegegnung. Die Schiffe fahren dicht, aber leise aneinander vorbei, und nur die beiden Nordlicht-und-Sterne-Gruppen winken einander und machen etwas Stimmung – zumindest die Teilnehmer, die noch nicht im Bett sind.

Berlevåg

Derweil sind weite Teile des Himmels sternklar, aber keine Spur von Grün – das Polarlichtoval macht sich rar, und nach einem letzten Kontrollblick können wir doch Feierabend machen. Nicht einmal nennenswerten Wellengang gibt es – nach Tromsø scheint auch die Barentssee kaputt zu sein. Na dann gute Nacht.

Hurtigrute Tag 5: Tromsø

Drohende Wolken am Morgenhimmel

Ein ruhiger Tag auf der Hurtigrute: Wo wir auf meiner letzten Fahrt noch medizinische Notfälle, Aufrufe zur Seenotrettung und einen Brand in Tromsø hatten, bleibt es heute erfreulich ruhig. Ich verfalle in meinen alten Trott und verschlafe Harstad, aber in der Polarnacht kann ich mir das wohl gönnen. Nach dem Frühstück ist es um halb zehn ist es schon deutlich heller, auch wenn von der Sonne nichts zu sehen ist. Dafür hängen dramatische Wolkenberge über den Bergen.

Den halbstündigen Stop in Finnsnes nutze ich, um kurz von Bord zu gehen und das Denkmal für Ottar von Hålogaland zu besuchen, der das Hafenbecken überwacht. Der Händler aus dieser Gegend traf 890 in England auf Alfred den Großen und berichtete von seiner Heimat und seinen Reisen. Die Straßen sind vereist, aber gut mit Split versehen.

Nachdem wir den Hafen wieder verlassen, hält Thomas seinen Vortrag über das Sonnensystem. Morgen bin ich dann dran, mit einem Überblick über den Sternenhimmel, sobald wir vom Nordkapp zurück sind. Der heutige Vortrag fällt zwar ausgerechnet in die wenigen hellen Stunden, aber in dieser Region ist es ohnehin oft neblig, und nach dem Mittagessen bleibt genug Zeit für die Anfahrt auf Tromsø.

Am Rystraumen

Um 13:30 ist das Expeditionsteam vom Schiff wieder dran: Auf Deck 7 gibt Jan Infos über den Rystraumen. Kleinere Schiffe müssen hier ziemlich kämpfen, weil die Insel Ryøya die Fahrstrecke verengt – unser großer Dampfer braucht nur etwas mehr Sprit. Die Uni Tromsø hatte in den 1980ern 20 Moschusochsen auf der Insel ausgesetzt, um zu sehen, ob sie hier heimisch werden könnten, aber es war den Tieren wohl zu warm. Der letzte starb 2018, seitdem steht die Insel zum Verkauf.

Kurs Tromsø

Und dann kommt Tromsø in Sicht! Die Stadt, die Brücke über den Sund und die Eismeerkathedrale sind hell erleuchtet und heben sich schön gegen die Abenddämmerung ab – schließlich legen wir erst um 14:15 an, und da der Himmel komplett zugezogen hat, ist auch nichts mit blauer Stunde. Entgegen der Wettervorhersage beginnt es während unseres Aufenthalts auch zu regnen. Manchmal macht es Tromsø einem nicht leicht, es zu mögen… Von wegen „Tromsø geht immer“, aber die Stadt hat ja viel zu bieten, nicht nur die Lage im Polarlichtoval.

Diesmal besuche ich aber keines der vielen Museen, die Eismeerkathedrale oder die Aussichtspunkte, sondern erledige meine Einkäufe für das nächste Jahr. Schließlich dauert es wahrscheinlich ein Jahr, bis ich wieder hier bin. Für eine Fotorunde langt es aber: Der neugestaltete Platz vor der Domkirche ist hübsch geworden, und die alten Gebäude an der Hauptstraße und am Hafen sind immer einen Blick wert. Das Wetter wäre eigentlich ideal für einen Besuch im Polarhistorischen Museum oder in den Ølhallen, aber das ist wie mit der Heimatstadt: Die Sehenswürdigkeiten kommen zu kurz.

Handy-Recycling

Eines fällt mir bei der Einkaufstour aber wieder auf: Die Recycling-Stelle im Coop im Kystens Hus, die ein Extra-Fach für Handies hat. Wie viele Mobiltelefoner verbraucht der typische Norweger eigentlich so pro Jahr?

Wir sind dieses Mal in der zweiten Essensgruppe, so dass unsere Essenszeit um 18:30 ist – zeitgleich mit dem Ablegen, wir haben also maximalen Aufenthalt. Wirklich schade, dass das Wetter sich nicht an die Wettervorhersage hält…

Das einzige Nordlys für heute…

Der restliche Abend ist entspannt: Wir fahren durch die dunkle Nacht, auch die Begegnung mit der südgehenden Nordlys ist unspektakulär: Um diese Uhrzeit (und in Stadtnähe) begrüßen die beiden Schiffe sich nur mit der Lichthupe.

Das letzte Schiffsevent bleibt mir verwehrt: Ladies Night, rund um skandinavisches Design. Ich versuche gar nicht erst, mich unter dem Deckmantel „Presse“ reinzumogeln, sondern lasse den Damen ihren Spaß. A propos Damen: Einen Tag vor uns ist die Finnmarken gestartet, auf der Moni und Steffi eine Nordlicht-und-Sterne-Tour betreuen. Ihre Ergebnisse gibt’s auf https://www.astronomie-maintz.de/hurtigruten. Heute Abend machen sie Wolken-Pusten auf der Barentssee – hoffentlich nicht in unsere Richtung.

Skjervøy

Unser letzter Halt für heute ist Skjervøy, wo wir für eine Viertelstunde stoppen. Jetzt scheint sich auch Schnee unter den Regen zu mischen – ein guter Zeitpunkt für frühen Feierabend. Morgen gibt es schon ab 6:30 Essen, weil das Restaurant einen neuen Teppich erhält, und mit etwas Glück reißt die Wolkendecke am Abend auf. Da heißt es, fit sein und nicht nur die Kamera-Akkus aufladen..

Hurtigrute Tag 4: Bodø

Am Polarkreis

Der Tag beginnt viel zu früh: Diesmal verschlafe ich die Polarkreisüberquerung nicht, sondern bin rechtzeitig genug für die Kugel an Deck. Kurz nach halb acht ist es vor allem dunkel – in Tromsø fängt die Polarnacht übermorgen an (am 27., also einen Tag nachdem wir dort waren), in Svolvær am 7. Dezember und in Bodø am 15. Dezember. Der Polarkreis markiert ja die Grenze, ab der es Polarnacht oder Mitternachtssonne gibt. Dementsprechend finster ist es bereits, und bei bedecktem Himmel ist es fast unmöglich, ein schönes Bild der Kugel auf der Insel Vikingen zu machen.

Polarkreiskugel in der Finsternis

Trotzdem wird es versucht. Auf Deck 7 gibt das Expeditionsteam Infos und bietet Sekt (käuflich) an, während einige Fotografen ihr Glück am Bug versuchen. Auch wenn der Captain die Kugel anstrahlt: Es ist eher was für das Auge als für die Kamera.

Gegen 7:55 überqueren wir dann den Polarkreis, der Gewinner des Wettbewerbs steht fest (wer schätzt die Uhrzeit am genauesten?), und ich kann frühstücken gehen. Danach ist es endlich auch hell genug, um etwas von der Landschaft zu sehen – schließlich steht nun Ørnes auf dem Programm, einer der am idyllischsten gelegenen Häfen der Route.

Auf der Suche nach neuen Fotomotiven fotografiere ich Ørnes einmal von der Backbordseite statt der Steuerbordseite. Auch nicht schlecht:-)

Neptun

Wir halten hier nur kurz, bevor es weiter in den Norden und zum nächsten Programmpunkt geht: Der Pflege arktischer Traditionen in Form der Polarkreistaufe. Unter Anleitung des Expeditionsteams rufen wir Neptun herbei, der dann auch seinen Weg aus dem Multe-Cafe auf Deck 7 findet. Also diesmal keine große Show, sondern ein pflichtbewusster Neptun. Nachdem seine Rede vorgelesen wurde (als Meeresbewohner kann er an Land ja schlecht sprechen), verteilt er großzügig Eiswürfel. Die erste Runde geht natürlich an die Gewinnerin des Wettbewerbs, nachdem sie die Hurtigrutenflagge erhalten hat.

Der Postmann ist da.

Anschließend geht es schon im Schiff weiter: Wer will, kann sich Postkarten und anderes mit dem Polarkreisstempel versehen lassen. Die Hurtigrute führt ja immer noch die Postflagge, auch wenn die Post längst in den größeren Häfen auf Flugzeug umgeladen wird. Ein nettes Souvenir ist’s allemal.

Trolltrunk

Dann noch schnell zum Mittagessen, bevor wir Bodø erreichen. Am Eingang des Restaurants macht ein Troll Werbung für den magischen Trolltrunk, der traditionsgemäß verkauft wird, wenn wir abends durch den Raftsund und am Trollfjord vorbei fahren.

Um 12:40 sind wir fast wieder im vertrauten Fahrplan, unser Aufenthalt in Bodø ist nur zehn Minuten kürzer als früher. Bei ehemals 2,5 Stunden Aufenthalt merkt man das trotzdem. Das Wetter ist regnerisch, und da Sonntag ist, haben auch alle Läden geschlossen. Schmuddelwetter. Da gibt es eigentlich nur zwei sinnvolle Möglichkeiten: Im Schiff bleiben, oder einen Ausflug zu geschlossenen Räumen machen.

Von Bodø habe ich daher diemal nur ein paar Bilder vom Schiff aus, mein Reiseziel war diesmal das Luftfahrtmuseum. Ein Kleinbus vom Museum holt einen am Kai ab und fährt für – wenn ich mich richtig erinnere – 290 NOK zum Museum, der Eintritt ist da gleich mit dabei.

Das Museum überrascht mich positiv, auch wenn ich eigentlich mit Luftfahrt nicht viel am Hut habe: Es besteht aus zwei großen Hallen, die sich der Geschichte der militärischen und der zivilen Luftfahrt widmen. Vor allem der militärische Teil ist vollgestopft mit Flugzeugen und einer gut ausgewählten Menge an Informationen, sogar auf Deutsch. Wir haben nur etwas mehr als eine Stunde, aber für einen Streifzug durch die beiden Hallen langt das ganz gut. Es ist durchaus faszinierend, mit was für Spielzeugen die ersten Piloten unterwegs waren.

Bodø um 15 Uhr

Der Rücktransfer klappt auch gut: Kurz nach 14:40 fahren wir los, und wenige Minuten später sind wir am Schiff. Für das übliche 10 Minuten vor Abfahrt an Bord ist das zwar knapp, aber die Busse mit den anderen Ausflugstouren sind auch noch nicht da – die kürzere Liegezeit macht sich bemerkbar, das ist alles knapp getaktet. Da wartet sogar die Hurtigrute mal.

Da bleibt genug Zeit, um an Deck zu gehen und den fehlenden Sonnenschein zu dokumentieren. Und dann trifft man auch noch Wiederholungstäter meiner Fahrt auf der Trollfjord – die Hurtigrute macht durchaus süchtig.

Die anschließende Überfahrt über den Westfjord verläuft ruhig, auch wenn zum ersten Mal leichter Seegang zu spüren ist. Das Schiff ist recht voll, da viele Einheimische am Sonntagnachmittag von Bodø zu den Lofoten übersetzen – schließlich sind wir mit einer Fähre unterwegs. Das größte Ereignis ist ein schöner Vortrag von Jan vom Expeditionsteam über die Wikinger.

Vegetarisch

Stamsund erreichen wir um 19 Uhr während des Abendessens. Es gibt vegetarisch: Eine gut gewürzte Pilz-Hafer-Bulette, die durchaus gut schmeckt. Der relativ leere Speisesaal ist weder auf das vegetarische Essen noch auf den leichten Seegang zurückführen, sondern auf den Ausflug zu den Wikingern: Die Teilnehmer verlassen in Stamsund das Schiff, essen in einem rekonstruierten Langhaus und kommen in Svolvær wieder an Bord.

Svolvær

Da die Wolkendecke sich hält, gibt es auf der Fahrt nach Svolvær kein Polarlicht – schade eigentlich. Die Begegnung mit der Vesterålen kurz vor Svolvær fällt auch aus, sie ist in der Werft und erhält neue Motoren. In Svolvær selbst mache ich auch nur einen kurzen Spaziergang. Der einsetzende Regen treibt mich rasch zurück aufs Schiff.

Dort erwartet uns eine Kostprobe Norwegens: Der Restaurantchef und der Chefkoch stellen das Coastal Kitchen Programm vor, mit dem Hurtigruten seit rund fünf Jahren fast nur noch einheimische Produkte serviert, die von über vierzig Lieferanten entlang der Küste bezogen werden.

Coastal Kitchen

Dazu wird Pökelfleisch serviert. Das ganze findet im Panoramasalon (bzw. der Bar) statt, die voll wie nie ist: Der Abstecher zum Trollfjord entfällt, weil das Wetter nicht so gut ist, und den Trollknerz gibt es daher in der Bar. Es ist tatsächlich proppenvoll, auch wenn die meisten wohl nur den magischen Trolltrunk wollen. Aber das Fleisch ist auch lecker (und ein netter Abschluss zu dem Tag mit vegetarischer Küche).

Für den Rest vom Abend gibt es nichts weiter zu tun, als das Gespräch zu suchen. Wer will, kann hier leicht Kontakte knüpfen, während draußen der enge Raftsund am Fenster vorbei zieht. Wir wechseln von den Lofoten auf die Vesterålen und lassen den Trollfjord links liegen.

Hurtigrute Tag 3: Trondheim

Grandiose Morgendämmerung

Noch ein schöner Tag! Heute steht Trondheim auf dem Programm, die alte Königsstadt, die auch heute noch Krönungsort der norwegischen Könige ist. Durch den neuen Fahrplan beginnt der Tag sehr entspannt: Wir kommen nicht schon um 6 Uhr an, sondern erst um 10 Uhr. Damit bleibt genug Zeit, um in aller Ruhe zu Frühstücken und sich vor dem Anlegen in unserem Reiseleitereck zu zeigen, aber das geht natürlich zu Lasten des Aufenthalts. Gut drei Stunden langt zwar für einen Marsch durch die Stadt, aber für Shopping bleibt nicht viel Zeit. Vorher gibt es noch eine grandiose Morgenstimmung, morgens um halb neun.

Munkholmen

Kurz vor Trondheim passieren wir langsam die alte Kloster- und Gefängnisinsel Munkholmen, während die südgehende MS Nordnorge unseren Platz am Kai frei macht. Auf Deck 7 gibt es eine Info-Veranstaltung zu Munkholmen, und auf Deck 5 drängen sich die Fotografen: Erst die Insel, dann die nahe Begegnung mit der Nordnorge. Auch ein hübsches Schiff, nur etwas älter als die Polarlys.

Um zehn legen wir an, und wer keinen Ausflug gebucht hat, kann sich auf den gut 20-minütigen Fußweg in das Stadtzentrum machen. Arno peilt die Festung an (in der Hoffnung, dass der Weg nicht zu sehr vereist ist), und ich mache meine normale Runde über das ehemalige Industriezentrum Nedre Elvehavn und Bakklandet mit seinen kleinen Holzhäuschen. Früher waren das die Arme-Leute-Häuser, die von den Steingebäuden überthront wurden, heute sind sie schmuck herausgeputzt und kaum billiger.

Ich versuche diesmal, nicht genau die selben Bilder wie immer zu machen, auch wenn die kürzere Liegezeit nicht viel Raum für Experimente lässt. Aber immerhin langt es, um einmal um den Nidaros-Dom herumzugehen und ein bisschen was neues zu knipsen. Irgendwann muss ich auch mal wieder in den Dom rein…

Vom Dom aus geht es rasch weiter in das Stadtzentrum, das schon in Blickweite ist. Der Marktplatz wird immer noch umgestaltet, aber er nimmt schon deutlich Formen an. Die alten, in das Trondheim Torg Einkaufszentrum integrierten Häuser habe ich schon oft genug fotografiert, ein paar Minuten zum Einkaufen müssen aber drin sein. Und dann: Ein kurzer Blick auf die Vår Frue Kirke (diesmal ist sie offen, und – heyhey – ich fotografiere sie von der anderen Seite!), vorbei am Königssitz Stiftsgården (Norwegens größtem Holzhaus) zum Schuhgeschäft (erfolglos) und weiter zu Hafen und Bahnhof, um eine halbe Stunde vor Ablegen noch zum Mittagessen zu kommen – bevor der große Run auf das Buffet beginnt.

Die Kvitnos am Restaurantfenster

Beim Mittagessen gibt es ein schönes Programm: Die Kvitnos parkt rückwärts hinter uns ein, ein Frachtschiff aus den Faröern. Es ist imposant anzuschauen, wie sich der Frachter mit seiner Containerladung an uns vorbei in die Lücke schiebt. Immerhin: Farblich passt es und erinnert daran, dass hier lange zwei Hurtigrutenschiffe nebeneinander lagen.

Der Rest des Tages ist eher ruhig: Der Himmel zieht zu, und wir tuckern durch den langen Trondheim-Fjord, der eher an die heimische Hügellandschaft erinnert. Der Andenes-Leuchtturm wird an seinem Ende angesagt, und später auch Kjeungskjær Fyr. Der berühmte rote Leuchtturm ist eines der bekanntesten Fotomotive, aber jetzt ein schweres Ziel: Hinter uns bietet sich durch eine Wolkenlücke ein schönes Farbenspiel, aber für den Leuchtturm ist es gegen 15:45 schon ziemlich dunkel. Immerhin sieht man, dass er noch in Betrieb ist… Auf Deck 7 gibt es einen Point of Interest mit Miesmuschel-Verköstigung, aber auf Deck 5 ist es auch schön:-)

Anschließend gibt Jan vom Expeditionsteam mit „Norwegen Land und Leute“ einen Einblick in das norwegische Leben, während Thomas und ich für 17 Uhr unseren ersten Vortrag vorbereiten: Wie entstehen Nordlichter, wie kann man sie sehen und fotografieren. Dazu gehören natürlich auch die Wetterprognosen: Weltraumwetter gut, irdische Wolkendecke für die nächsten Tage leider dick. Mist.

MS Trollfjord

Anschließend gibt es auch schon Abendessen, und Nieselregen. Mit anderen Worten: Ein ruhiger Abend, um das Blog auf den aktuellen Stand zu bringen und Bilder zu sortieren. Kurz vor 22 Uhr begegnen wir noch der Trollfjord, und die beiden Kapitäne liefern sich ein Hupkonzert, und etwas später legen wir für 15 Minuten in Rørvik an. Das Gabelstaplerballet im Regen macht nur mäßig Spaß – in diesem Sinne: Gute Nacht, hier tut sich heute nicht mehr viel. Wenn ich richtig gut drauf bin, kann ich mir dann morgen im Dunkeln die Polarkreisüberquerung anschauen. Mal sehen…

Rørvik