Kaum zu glauben, das Jahr ist schon wieder fast vorbei, und ich bin wieder auf der Hurtigrute – vom 3.-14. November auf der MS Nordkapp. Hier im Blog hat sich seit der abrupt beendeten SoFi-Tour nicht viel getan, und auf die letzte Monate hätte ich auch verzichten können, abgesehen von einer privaten Tour nach Tromsø im Oktober. Da gab es ein paar hübsche Polarlichter, und wegen Sturm wäre ich beinahe nicht zurückgekommen – die letzte Unterkunft war auf Kvaløya, der Insel nördlich von Tromsø, die nur mit einer Brücke mit der Stadt verbunden ist. Die war Montag wegen Sturm nicht befahrbar – zum Glück ging mein Flieger zurück erst am Dienstag, sonst hätte ich knappe drei Stunden Umweg über Nordkjosbotn gehabt, um zum Flughafen zu kommen.
Norwegen ist immer wieder ein Abenteuer, der Norden ist noch nicht bezwungen!
Aber diesmal fahre ich nicht selbst, ich musste nur bis zum Flughafen Stuttgart fahren und die Dauerbaustelle Enztalquerung bei Pforzheim überstehen und kann mich auf eineinhalb Wochen an Bord der Nordkapp freuen. Der Online-Checkin bei KLM hatte nur teilweise geklappt, ich sollte früher am Schalter sein, weil keine Bordkarte ausgestellt werden konnte. Toll.



Um halb zehn bin ich am Flughafen – zweieinhalb Stunden vor Abflug – und werde erstmal von einem kaputten Laufband begrüßt. Am KLM-Schalter bin ich dann der erste; nach zwanzig Minuten kreuzen ein paar Flughafenmitarbeiter auf, die die Staubschicht hinter den Monitoren begutachten und die nächste Baustelle planen, und zwei Stunden vor Abflug tauchen die ersten KLM-Mitarbeiter auf. Immerhin bin ich der erste in der Schlange. Bringt nur nichts – die gute Frau am Priority-Schalter macht was anderes, und die beiden Economy-Schalter bedienen erst einmal die Priority-Gäste.
Wofür genau sollte ich nochmal früher kommen? Immerhin – kurz nach zehn bin ich meinen Koffer los und widme mich der Security, die schwäbisch-gemütlich arbeitet, obwohl mittlerweile alles an Elektronik im Rucksack bleiben darf. Nur meinen Lesestoff – eine Keilschrift-Tontafel – lege ich sicherheitshalber daneben. Der Text verwirrt wie immer die Security. Was ist das denn? Ich erkläre es, die Tontafel macht einen Sprengstoff- und Drogentest, und ich komme mir alt vor. Ist Keilschrift so aus der Mode?
Wie dem auch sei, ich komme durch, und habe noch eine Stunde Zeit am Gate. Die Lounge von Eurowings (?) ist weg, es gibt wieder gute öffentliche Sitzplätze am Fenster, und an einem Automat von The Länd kann man die Nett-hier-Aufkleber im Zehnerpack kaufen, um weltweit Schilder zu bekleben. Irgendwie muss man ja Exportweltmeister sein…
Anyway, der Flieger ist pünktlich, und um kurz vor 12 geht es mit einem Cityhopper nach Amsterdam. Ich freue mich auf das letzte bezahlbare Bier vor Norwegen. Aber Pustekuchen, KLM muss sparen. Käsebrötchen und Freigetränke wurden durch eine Stroopwaffel und wahlweise O-Saft, Wasser oder Kaffee/Tee ersetzt.


Diese Stroopwaffel ist jedenfalls keine Werbung für die niederländische Küche.
Davon abgesehen ist der Flug ereignislos und in der kleinen Maschine recht bequem. In Amsterdam dann bedecktes Wetter und eine Stunde Zeit zum Umsteigen, relativ entspannt.



Die Arbeiten im Essensbereich vom Flughafen sind abgeschlossen (war früher schon schöner), dafür sind jetzt jede Menge Laufbänder abgesperrt, und es geht an finsteren Stellwänden vorbei zum Gate.
Der Flieger ist größer, mit 2×3 Sitzplätzen statt 2×2. Freie Sitzplatzwahl gibt es beim Einchecken auch nicht mehr, nur noch gegen Aufpreis. Also sitze ich am Gang, mittig im Flieger und halb vor dem Notausgang. Ob die Bestuhlung so von Airbus gedacht war? Naja, sind ja nur zwei Stunden. Wie hatte es ein Lufthansapilot mal so schön gesagt: Machen Sie es sich so bequem, wie Ihr Sitznachbar es zulässt.
Beim Start sitz eine Stewardess schräg hinter mir, ich nutze das für eine Frage aus: Das Wrrr, wrrr, wrrr, das immer wie ein gequälter Hund klingt, ist die Hydraulik vom Flugzeug.
Auf dem Flug gäbe es dann sogar das ersehnte Bier – zu kaufen. Nö. Also wieder O-Saft und eine – diesmal bessere – Stroopwaffel.
Ich bin froh, als wir in Bergen landen, nicht nur weil das Norwegen ist.
Von dem schönen Wetter bei der Landung habe ich vom Mittelsitz aus nichts mitgekriegt, nur ein bisschen was durch die Spalten in den Tragflächen. Beim Aussteigen aus dem Flieger bin ich dann zwar fast der letzte, kann die Dämmerungsfarben aber noch anschauen. Bis ich meinen Koffer habe, mit Maren alle Gäste eingesammelt habe und wir im Bus sitzen, ist es draußen dunkel. Halleluja: Alle Gäste und alle Gepäckstücke sind da!
Mangels Tageslicht schadet es nicht, dass wir die Schnellstraße durch den Tunnel in die Stadt nehmen – Maren nutzt die Zeit für allgemeine Infos, und als wir an der Reeperbahn ankommen, beginnt die kleine Stadtrundfahrt. Im Winter ist das relativ witzlos, aber ein paar Sehenswürdigkeiten steuern wir an. Mal was neues: Wir halten am Fischmarkt, um die alten Holzhäuser von Tyske Bryggen von der anderen Hafenseite aus anzuschauen – mit der Gelegenheit, auszusteigen.
Mal eine neue Perspektive, hat auch was. Hinter dem alten Handelskontor liegen noch ein paar weitere kleinere und größere Holzhäuser, die wir diesmal nicht anfahren. Aber wir haben Winter, und es ist dunkel – auch vom neuen Rathaus und der Grieghalle war nicht so viel zu sehen. Dann lieber dieser kleine Ausguck, hat auch was.
Stattdessen geht es direkt zum Schiff: Cruisekarten und meine Bücher verteilen, den Sicherheitsfilm anschauen und die Kabine beziehen. Dann zur Rezeption, Hallo sagen (Ina und Laura vom Expeditionsteam kenne ich schon), Zimmer tauschen (Innenkabine geht gar nicht, also geht’s von Deck 6 auf Deck 3 – zum Glück ist das Schiff nicht ausgebucht), Abendessen, um 20 Uhr Termine abklären, um 20:30 ablegen, dann die Infoveranstaltung mit der Crew, unseren Welcomedrink vorbereiten, kurz diesen Blog schreiben und kurz nach 23 Uhr dann mal den Koffer ausräumen. Uff.
Das Abendessen ist übrigens wie immer das Bergenbuffett, ohne große Überraschungen. Als Spezialität liegt auch wieder ein Schafskopf da, an den sich niemand rantraut. Mich würde ja interessieren, wer den dann serviert kriegt, wenn sich keiner von den Touristen erbarmt. Wobei die Nordkapp ja eine gute Küche hat, und der gar nicht so schlecht ist. Bei dem Zeitdruck heute komme ich aber auch nicht dazu und nehme vorportioniertes Essen – gebratener Ochse, Kartoffelsalat und ein Nachtischteller.
Bergen hätte echt mehr Zeit verdient… aber morgen kommt dann Kreuzfahrtfeeling auf, wir verbringen den Tag in Ålesund, bevor es dann richtig Richtung Norden geht und wir wieder eine richtige Fähre mit kürzeren Stops sind. Mal sehen, was diese Reise bringt!







































































































































































































































