Über die letzten beiden Reisetage gibt es immer wenig zu berichten. Trondheim erreichen wir zu nachtschlafender Zeit, ich wache bei strahlendem Sonnenschein auf. Einen Gang in die Stadt, bevor die Geschäfte aufmachen, spare ich mir – erst recht an einem Sonntag. Ein paar hübsche Bilder vom Schiff aus müssen reichen.
Der Vormittag hat ohnehin noch einmal ein dichtgepacktes Programm: Wir legen um 9:30 ab und begegnen der nordgehenden Hurtigrute (schöne Grüße an Sven mit seiner Gruppe auf der Kong Harald), und es gibt einen Winkewettbewerb: Auf beiden Schiffen trommelt das Expedition Team die Passagiere zusammen und verteilt auf Deck 5 Norwegen-Fläggchen. Das nordgehende Schiff ist dabei natürlich im Vorteil, da viele unserer Gäste die Rundreise bereits in Trondheim beendet haben.
Der nächste Programmpunkt ist ein Gruppenfoto, das wir spontan am Heck organisieren – um die Bildbearbeitung wird Kai sich später kümmern. Um 10 Uhr gibt das Schiff dann die Infos zum Ausschiffen, die bis auf ein paar Sonderpunkte wie den separaten Flughafentransfer auch für uns gelten. Derweil mache ich meinen Tourfilm fertig, denn um 11:30 geben wir unsere Abschiedsveranstaltung: Die letzten organisatorischen Details, und ein amüsanter Rückblick auf die Reise.
Anschließend spare ich mir das Mittagessen und kämpfe mit KLM. Mittlerweile kann man schon für den Flug einchecken, meint die App. Die meint aber auch, dass ich jetzt nicht einchecken kann, nachher auch nicht und am besten weggehen und in Ruhe lassen soll. Blöd nur, dass KLM gerne die Flugzeuge überbucht und ich keine Lust habe, einen Tag in Amsterdam-Schiphol zu verbringen, weil ich erst am Schalter versuche einzuchecken. Immerhin geht es über die Webseite; nur mit freier Platzwahl ist nichts. Aber bis Amsterdam ein Platz am Gang gut (dann bin ich etwas schneller aus dem Flieger) und bis Stuttgart ein Fensterplatz ist okay (dann kann ich mich beim Schlafen anlehnen).
Ansonsten ist der Tag schön, aber ereignislos: Ich verbringe ihn größtenteils in unserem Reiseleiterbüro auf Deck 4, wo ich die schöne Landschaft am Fenster vorbeiziehen sehe. Wir bieten immer an, unseren Gästen beim Einchecken zu helfen. Das wurde vor zehn Jahren noch besser angenommen als heute, Online-Checkin schreckt mittlerweile weniger ab als früher.
Einziger Wermutstropfen: Das Schiff bietet noch einen Vortrag über norwegische Geografie an, den ich dadurch verpasse – auch wenn Kai das mit dem Check-In auch alleine hinkriegen würde.
Aber egal, die Geografie zieht ja auch so uns vorbei, und einiges von dem, worum es in dem Vortrag geht, habe ich auch schon in echt gesehen. Manche Teile Schottlands ähneln Norwegen durchaus. Die Skanden lassen grüßen, wenn ich das noch richtig weiß.
Im Lauf des Nachmittags ziehen immer mehr Wolken auf, und es weht ein guter Wind: Am Westkap herrscht gerade Sturm mit Windstärke 8. Davon bekommen wir zum Glück nur wenig mit; bis wir morgen in der zweiten Nachthälfte dort sind, dürfte es nur noch ein paar Wellen geben.
Kristiansund erreichen wir gegen 16:30. Die alte Einfahrt unter der Brücke hindurch ist immer noch gesperrt, aber die Stadt ist auf viele Inseln verteilt, sodass wir einen Zugang finden.





In Kristiansund wehen jede Menge Flaggen des Kristiansund Ballklubben KBK, es ist wohl Fußballsaison. Als wir anlegen, macht Kai eine schnelle Runde durch den Ort: Die beiden Statuen vom Heringsjungen und der Klippfischfrau sind ja die Standard-Stopps, aber Norwegens älteste Oper im schönen Jugendstil und die moderne Kirkelandet-Kirche sind ebenfalls gerade noch in Reichweite, wenn man etwas Gas gibt.


Zurück an Bord bleibt gerade noch eine halbe Stunde bis zum letzten Abendmahl: Es gibt Rentier-Haxe, und das Restaurant ist schon ziemlich leer. Viele Passagiere sind in Trondheim ausgestiegen, andere haben und in Kristiansund verlassen, um das Bergtatt Marmorbergwerk zu besichtigen, und steigen erst in Molde wieder zu. Auf der offenen Seestrecke Hustavika haben wir ordentlich Schräglage, und es geht ein guter Wind, aber der Sturm verschont uns weitestgehend.
Mit ordentlich Wind legen wir in Molde an, lassen die Ausflügler wieder an Bord und gehen in den Endspurt. Die Begegnung mit der nordgehenden MS Midnatsol ist unaufgeregt – es wird nur mit Lichthupe gegrüßt – und dann ist es Zeit, den Abend ausklingen zu lassen und den Koffer final zu packen.
Die Nacht ist recht ruhig, wir haben ein paar Wellen am Westkap, aber nichts besonderes.
Der nächste Hafen, den ich wach mitbekomme, ist Florø, wo wir kurz anlegen: Schönes Wetter zum Frühstück, sehr schön. Bis zehn Uhr müssen die Kabinen geräumt werden, aber wenn das Wetter gut ist, kann man die restliche Zeit auch an Deck verbringen, statt nur in den Gängen auf seinen Koffern zu sitzen. Wobei das große Gepäck bis 10 Uhr abgegeben wird und man es dann in Bergen am Terminal vom Kofferband holen kann. So muss man nur auf sein Handgepäck aufpassen.
Für den Rest der Fahrt mache ich es mir wieder im Reiseleiterbüro bequem – schon mal eine Steckdose sichern:-) Der einzige Nachteil: Ich schaue nach steuerbord, also zur Seeseite. Da gibt es nicht so viel zu sehen.
An Bord tut sich auch nicht mehr viel – außer einem ausgedehnten Lunch und dem Gepäckservice steht nichts auf dem Tagesprogramm. Das Expeditionsteam will auch Feierabend machen.
Während wir auf die Ankunft in Bergen warten, wird an Bord schon die nächste Tour vorbereitet. An der Rezeption liegen neue Postflaggen und Bilder für die nächste Versteigerung (aber keine so schönen – Danke nochmal!), und die Essens- und Getränkepakete werden schon einmal angepriesen. Seit gestern werden auf Deck 3 die Matratzen ausgetauscht, und eine der Bänke/Lagerboxen auf Deck 5 wird ebenfalls ausgetauscht. Draußen ist es derweil windig, aber schön.



Gegen 11 Uhr erreichen wir den engen Steinsund. Der ist immer hübsch – man kommt Norwegen noch einmal richtig nahe, ohne das Schiff zu verlassen – auch wenn das Wetter am Bug nicht zum Verweilen einlädt. Die Brücke auf die Insel Ytre Sula mit ihren 130 Einwohnern nimmt auch Gestalt an – aus der Ferne könnte man meinen, dass da was aus einem Science-Fiction-Film auf uns wartet. (Für unsere Filmfreunde noch eine Quizfrage: “Ich habe da ein ganz mieses Gefühl” – welcher Film?)



Und dann kommen wir endlich in Bergen an. Das Schiff wird wieder decksweise verlassen, dummerweise ist unser Bus der erste auf dem Parkplatz, und oben drauf steht Flyplassen. Das ist zwar korrekt, aber ich muss einige andere Passagiere daran hindern, in den Exklusivbus unserer Gruppenreise einzusteigen. Nach einer knappen halben Stunde kommen wir am Flughafen an, wir liegen gut in der Zeit. Da kann die Securitiy sich noch einmal über meinen Lesestoff wundern (die sumerische Keilschrifttafel mit der ältesten Sternkarte), und ich habe trotzdem genug Zeit, Tax Free zu machen und kurz einzukaufen. Interessant: Viele Souvenirs sind am Flughafen im Duty-Free-Bereich deutlich teurer als außerhalb, und Schokolade ist auch nicht wirklich billig.
Um 17:30 geht unser Flug, und schon um 19:15 landen wir etwas früher und härter als geplant in Amsterdam auf einer Außenposition. Toll – da sich ein paar Schuhe in Norwegen verabschiedet hat, habe ich meine Jacke im Koffer; die KLM-Flugzeuge sind eh eng genug. Aber ich habe Glück: Es geht über die Passagiertreppe (Made in Shenzhen, China) in den chinesischen Elektro-Bus, und ich brauche keine Jacke. Und ich bin wirklich in Europa, nicht in China, glaube ich…
Durch den Transferbus entfällt auch die Möglichkeit, vielen Mitreisenden ein letztes Adieu zu sagen – das sei an dieser Stelle nachgeholt. Kommt gut heim, und vielleicht sieht man sich mal wieder!

Für mich heißt es noch eineinhalb Stunden warten, bis mein Flieger nach Stuttgart geht. Ausreichend Zeit, um das Blog abzuschließen, bevor der letzte Flug beginnt. In Stuttgart läuft dann alles glatt, und gegen ein Uhr bin ich endlich zuhause.
Meine nächste Hurtigrute steht Anfang November an, vorher geht es nach Schottland (meinen Reiseführer auf den aktuellen Stand bringen) und natürlich zur Sonnenfinsternis nach Spanien.






































































































































































































