Wir sind im hohen Norden, und das Wetter ist irgendwie gegen uns. Ich bin noch vor dem Einlaufen in Harstad wach, aber fotogen sind die Vesterålen heute nicht: Es ist regnerisch-trüb. Das kann die Wasserfontaine vor dem Hafen, die kurz an ist, als wir ankommen, auch nicht ausgleichen. Immerhin sind die Arbeiten am Hafen mittlerweile weitestgehend abgeschlossen, und neue Hafengebäude stehen zwischen uns und der Innenstadt. Tja.
Nach dem Frühstück bin ich an Deck, das Auslaufen und die Trondenes-Kirche fotografieren – es ist hell genug, dass man sie mal schön sieht, dafür ist von den Bergen im Hintergrund nichts zu sehen. Kurz darauf begegnen wir noch der südgehenden Havila Capella, die nach uns in Harstad anlegt, und immer wieder sind Schiffe der norwegischen Marine zu sehen, die wohl am aktuellen Manöver teilnehmen. Un betrifft das nicht, wir fahren unbehelligt Richtung Finnsnes.
Die Zeit bis Harstad nutze ich für eine kleine Signierstunde, und um 10 Uhr halte ich meinen nächsten Vortrag: Der Sternenhimmel, gepaart mit ein paar griechischen Sagen. Ein kleiner Streifzug durch den klaren Nachthimmel, den wir gerade doch vermissen, während draußen die Landschaft in Wolken und Nebel verschwindet.
Kurs FinnsnesFinnsnesOttar von Hålogaland
In Finnsnes haben wir wieder nur einen kurzen Halt. Ich begnüge mich mit ein pqaar Fotos vom Schiff herunter: Die berühmte Schokoladenwerbung und die Statue des Seefahrers Ottar von Hålogaland, die am Ende des Hafenbeckens steht und von unserem Heck aus zu erspähen ist. Ein Stück weiter ist die Brücke, die Finnsnes mit der hübschen Insel Senja verbindet, aber dort hängen die Wolken ebenso effektiv wie bei uns.
In Finnsnes gibt es auch die Option, die Brücke der Nordlys zu besuchen. Vor zehn Jahren war das kein Problem, dann war es eine zeitlang fast unmöglich, und jetzt gibt es immer häufiger wieder die Chance.
Stille Auktion
Die anschließende Fahrt nach Tromsø ist ruhig: Es gibt einen Vortrag über norwegische Musik, draußen regnet es leicht vor sich hin, und auf Deck 4 hat eine stille Auktion begonnen. Die Postflagge, eine Seekarte und ein altes Bild werden versteigert, allerdings nicht als klassische Auktion, sondern über Listen, in die man sein Gebot einträgt. Mal sehen, ob ich Erfolg habe; das Interesse ist eher verhalten.
Auf dem Schiff ist es derweil eng: Die Reisegruppe(n), die auf den Lofoten zugestiegen sind, belegen die meisten Plätze, und irgendwann kommt die Durchsage, dass die bis Tromsø gebuchten Passagiere jetzt wirklich ihre Kabinen räumen müssen. Da bin ich ganz froh, mich auf meine Kabine zurückziehen zu können.
Als wir Tromsø erreichen, wird aus dem Regen erst Schneeregen und dann Schneefall – immerhin. Aber Tromsø macht es einem trotzdem nicht leicht, es zu mögen. Schönes Wetter ist bei meinen letzten Besuchen wirklich eine Seltenheit geworden, und das typische wechselhafte norwegische Wetter ist auch eher stabil geworden. Die Frage, ob sich die Fahrt auf den Hausberg Storsteinen lohnt, klärt sich auch: Man sieht ihn kaum. Trotzdem: Ein Gang durch die Stadt muss sein, die üblichen Sehenswürdigkeiten abklappern und einen Blick in die zahlreichen Touri-Shops und Einkaufszentren werfen. Seit 2019 sind die Gästezahlen wohl um 80% gestiegen, was dem Flair der Stadt nicht besonders gut tut.
Das Wetter ist auch der Grund dafür, dass einige Ausflüge ins Wasser fallen – Hundeschlitten in Tromsø ist heute nicht, allenfalls Seehundeschlitten wären möglich:-) Auch die RIB-Boat-Safari zum Saltstraumen gestern in Bodø war abgesagt worden.
Tromsø
Immerhin ist mein Besuch diesmal günstig; ich finde nichts, was mich anlacht. Viele kleine Geschäfte, in denen ich früher öfter war, sind mittlerweile verschwunden.Daher gibt es für mich heute nur einen Stadtbummel, bevor ich wieder aufs Schiff gehe. Dort gibt es um 18 Uhr Buffet; das Nordkap-Buffet mit Schwerpunkt Meeresfrüchte ist weiterhin vorverlegt worden.
Um 21 Uhr gibt es dann noch etwas Action: Um 21 Uhr endet die stille Versteigerung. Viel hat sich nicht getan, und es interessiert auch keinen Auktionator – im Kleingedruckten steht, dass sie erst morgen um 21 Uhr endet. Blöd. Und irgendwo ist diese Art der Versteigerung langweilig. Aber so erfahren wir erst morgen, wer gewinnt.
Draußen wird es auch nicht besser, vor Skjervøy gibt es beinahe sowas wie Wolkenlücken, gleichzeitig schneit es. Mit Polarlicht wird das heute nichts mehr. Mist.
Skjervøy
Aber so kann man immerhin zu einer normalen Zeit ins Bett, auch wenn mir ein grüner Himmel lieber wäre.
Es ist soweit: Wir kommen in den Norden und lassen das schöne Wetter hinter uns. Gestern Abend wurde wieder zum Polarkreiswettbewerb aufgerufen: Wann überqueren wir den Polarkreis? Das ist meistens irgendwann zwischen 7:30 und 8:30, variiert aber immer wieder, obwohl wir den nächsten Hafen in der Regel pünktlich erreichen. Es hängt davon ab, wie viel Fracht wir in den letzen Häfen aufnehmen, was Wind und Wellen machen, und wann der Captain wieviel Gas gibt.
Morgens um 7 kurz vor dem Polarkreis
Dementsprechend früh klingelt der Wecker heute. Ein Blick auf die Schiffsposition auf Marinetraffic: Ich habe noch genug Zeit, um etwas zu frühstücken.
Vorher aber ein Blick auf Deck: Dramatische Wolken, so macht auch schlechtes Wetter Spaß. Schroffe Felsen und tiefhängende, dunkle Wolken haben ihren ganz speziellen Reiz – aber gut, dass wir nicht mit einem alten Wikinger-Langschiff unterwegs sind, sondern ein bequemes Schiff und ein Dach über dem Kopf haben! Das Frühstücksbuffet war bei den Wikingern bestimmt auch nicht so gut…
Das Expeditionsteam gibt uns per Durchsage eine Viertelstunde Vorwarnzeit, und um 7:49:01 überqueren wir den Polarkreis, was das Schiffshorn lautstark verkündet. Sehr angenehm: Im März ist es jetzt schon hell, und man sieht die Insel Vikingen mit der Kugel auch ohne Schiffsscheinwerfer.
Die südgehende Hurtigrute Richard With, der wir normalerweise kurz nach dem Polarkreismonument begegnen, hat etwas Verspätung. Wir fahren einem Sturm hinterher, die musste wohl mit ihm kämpfen. Also habe ich noch etwas Zeit, bis wir ihr begegnen.
Die Richard With
Erst gegen 20 nach 8 taucht die With aus dem Nebel aus, der die dramatisch-schönen Wolken mittlerweile verdrängt hat. Anschließend wird es draußen immer unschöner, von der Landschaft ist nicht mehr viel zu sehen – alles ist in viel zu mystische Wolken gehüllt. Der kleine Hafen Ørnes, der vor einer prächtigen Bergkulisse liegt, wirkt da auch weit weniger beeindruckend als sonst, und der Nieselregen tut sein übriges.
Aber es hilft ja nichts, da muss man an Deck gehen!
Ørnes
Polarkreistaufe
Nach einem kurzen Halt verlassen wir Ørnes auch schon wieder, und um 10:45 steht die Polarkreiszeremonie auf dem Programm. Njørd wird aufgerufen und steigt von den Whirlpools auf Deck 7 auf, um seine Pflicht zu tun: Die Gewinnerin des Wettbewerbs wird bekanntgegeben und erhält mit der Schiffsflagge auch die erste Taufe, anschließend haben alle anderen ihre Chance auf eine Kelle Eis. Besonders motiviert sind Njørd und sein Helfer vom Schiff aber nicht: Es wird sanft getauft. Wo auf anderen Schiffen auch mal der Kragen zurückgezogen wird, um die Jacke mit Eis aufzufüllen, dürfen die Täuflinge hier sogar ihre Kapuzen aufbehalten. Nett war der Kinderwagen mit Regenschutz, der auch eine Kelle Eis abbekam.
Und dann überschlagen sich die Ereignisse: Um 11:30 steht mein Vortrag an, zeitgleich mit dem (ursprünglich für 11:15 angesetzten) Polarkreisstempel. Aber wir haben aus dem Vortragsraum Blick auf das provisorische Postamt, sodass ich eine kurze Vortragspause einlege, als die Schlange draußen kürzer wird. Soll ja jeder eine Chance auf einen Stempel haben.
Dann bleibt noch Zeit für das Mittagessen, bevor wir gegen 13 Uhr Bodø erreichen. Die Stadt hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Sie wurde ja im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört, anschließend schnell wieder aufgebaut, und was damals entstand, ist jetzt auch schon wieder größtenteils weg. Viele Bauprojekte, die ich im letzten Jahrzehnt hier wachsen gesehen habe, sind jetzt fertig, und das Ergebnis ist eine moderne, aber nicht unbedingt hässliche Stadt. Es braucht zwar ein bisschen, um sich den Reiz zu erschließen, aber es gibt ein paar schöne Ecken.
FlughafenBodøGamle Salten
Eine der größten Änderungen betrifft den Flughafen: Der Militärflughafen wurde aufgelöst und ist seit kurzem im Raum Trondheim; der aktuelle Flughafen wird um rund zwei Kilometer verlegt und macht Platz für ein Neubaugebiet. Mit Blick auf Russland wird aktuell überlegt, ob die Entscheidung so klug war, den Militärflughafen im Nordland aufzulösen, aber die Grundstücke sind schon verkauft… Trotzdem findet ab Morgen wieder eine Militärübung statt.
Für uns viel interessanter ist das Wetter: Bodø ist für stürmisches Wetter bekannt, und der Wetterbericht hat eher Wasser mit Schlitzen drin angesagt als normalen Regen. Aber wir haben Glück: Bei leichten Plusgraden nieselt es nur; es ist zwar dunkel-trüb, aber nicht zu unangenehm. Am Sonntag kann man auch nicht in den Geschäften Schutz suchen.
Blick in die Fußgängerzone
Das Anlege-Manöver dauert ein wenig, bis die Gangway unten ist, aber knapp zwei Stunden bleiben für einen Gang durch die Stadt. Dank der Graffiti sehen wir wieder Polarlicht an einer Hauswand, und die Stadt hat noch eine Mischung zu bieten aus einigen Altbauten, der modernen Kirche, neuen Hochhäusern und dem Rathaus, in das wir heute leider nicht hineinkommen: Ein heller Bau, der drei Gebäude verbindet und ein interessantes Innendesign hat: Stühle und Tische hängen im 90°-Winkel an der Wand.
Nur die Hauptstraße zeigt mal wieder, warum Bodø einen schlechten Ruf hat: Sie ist eine einzige große Baugrube.
Pünktlich zur Abfahrt sind wir wieder auf dem Schiff, und ich mache erst einmal Pause. Für die Fahrt über den Westfjord sind bis zu drei Meter hohe Wellen angesagt, aber die Überfahrt ist sehr ruhig und wird nur durch einen unangekündigten Vortrag mit Fun Facts über Norwegen unterbrochen. Das Expeditionsteam ist gerade etwas überbesetzt, es gibt einen Azubi.
Weltfrauentag
Das Abendessen auf dem Westfjord ist für die meisten kein Problem, die Lücken an den Tischen kommen von den Leuten, die auf dem Wikinger-Ausflug an Land essen werden. Nett: Es ist Weltfrauentag, und die Damen erhalten ein Gläschen Sekt am Eingang vom Restaurant. Ausnahmsweise ist auch Politik ein Thema: Es sind gerade Landtagswahlen, und der Süden ist in unserer Gruppe stark vertreten.
Und dann erreichen wir die Lofoten-Inseln. In Stamsund verlassen uns die Teilnehmer des Wikinger-Fests, dafür steigen einige Passagiere neu zu. Wir fahren weiter nach Svolvær, von den Bergen der Lofoten ist aber nichts zu sehen: Es ist neblig, sogar die Schiffsbegegnung kurz vor Svolvær ist unspektakulär. Erst kurz vorher ist die südgehende Hurtigrute zu sehen.
Stamsund
In Svolvær haben wir beinahe Wetterglück, zumindest regnet es nicht. Für einen kurzen Spaziergang zur Kirche mit dem Skulpturenpark langt die knappe Stunde Aufenthalt. Währenddessen kommt nicht nur ein Lieferwagen mit Pizza an Bord, sondern auch viele neue Passagiere, vor allem aus Fernost. Mal sehen, wie viele nur für den Trollfjord an Bord sind und in Stokmarknes oder Tromsø aussteigen – aber dort sollen die nächsten großen Gruppen an Bord kommen, für die Teilstrecke bis Kirkenes oder die Rundtour zurück bis Tromsø.
Mittlerweile werden auch die Stockfischgestelle schon wieder bestückt, die Fischerei spielt hier immer noch eine große Rolle. Im kleinen Kunstpark hinter der Kirche gibt es nichts neues, daher bin ich pünktlich wieder an Bord.
Svolvær
Fiskekake
Aber auch wenn es nicht regnet: Es ist neblig und unschön. Der Besuch an der Mündung des Trollfjords wird abgesagt, die Fiskekake (“Fischküchle”, also Fischbulletten statt “Fleischküchle”) werden ab 22:45 im wettergeschützten Multe-Cafe auf Deck 7 serviert. Heute müssen wir also nicht bis Mitternacht ausharren.
Langsam kommt Schwung in die Reise, es geht mit großen Schritten nordwärts, auch wenn es über den Tag nciht so viel zu erzählen gibt..
Der Morgen beginnt mit herrlichem Wetter, mein Nordlicht-Zeitraffer der letzten Nacht ist auch schon fertig, und heute steht Trondheim auf dem Programm, die alte Königsstadt Norwegens, für die wir wie immer zu wenig Zeit haben. Die Fahrt durch den langen, aber wenig eindrucksvollen Trondheimfjord ist entspannt – man sieht halt nur die vergleichsweise flache Landschaft entlang des mit 130 km drittlängsten Fjords Norwegens und merkt nichts davon, dass er stellenweise über 600 Meter tief ist. Die Landschaft ist eher entspannt. Wir erreichen Trondheim pünktlich, die Insel Munkholmen liegt schön in der Sonne, nur die Schiffsbegegnung fällt aus: Der Anleger ist leer, wir können direkt und ohne Verzögerung anlegen. Die Polarlys, der wir hätten begegnen sollen, ist wohl gerade in der Werft; die Sauna soll aus dem Schiffsrumpf an Deck und einen Whirlpool ersetzen. So gibt es mehr Platz für die Besatzung, die sich oft genug Kabinen teilt.
MorgenlichtMunkholmen
Und dann: Nichts wie runter vom Schiff. Ich mache meine übliche Runde durch Trondheim, diesmal zusammen mit Kai. Bei fast 10 Grad ist das angenehmes Wanderwetter, nur vereinzelt liegt noch etwas Schnee oder Eis und sorgt dafür, dass man auch einen Blick auf den Boden werfen muss.
Der erste Halt ist wieder das alte Werftviertel Nedre Elvehavn. Ein Stück links davon liegen alte deutsche UBoot-Bunker, von denen einer heute als Archiv genutzt wird, aber Neubauten verbergen den Blick darauf.
Das schmucke Werftviertel bietet neben restaurierten Industriegebäuden, die heute Läden, Restaurants und unbezahlbare Wohnungen beherbergen, auch eine Eislaufbahn. Viel Zeit zum Anschauen gibt es aber nicht, wir haben nur drei Stunden Liegezeit, und gute 20 Minuten dauert es vom Anleger bis in die Stadt auf jeden Fall.
Nedre Elvehavn
Zwei Straßen weiter kommt auch schon das alte Arbeiterviertel Bakklandet mit seinen schmucken, zweigeschossigen Holzhäuschen. Wir nehmen zur Abwechslung den Weg am Fluss entlang, der der Stadt einst ihren Name gegeben hat: Heute erinnert noch der Name des Doms an das alte Nidaros, das an der Mündung (oss) des Flusses Nid errichtet wurde. Noch im Mittelalter änderte der Name der Stadt sich in Trondheim.
Heute spiegeln sich die Holzfronten der alten Lagerhäuser wunderbar im Fluss, und der Dom kommt auch schon in Sicht. Die Kreuzung an der alten Stadtbrücke ist immer noch Großbaustelle, der Fahrradlift ist auf der anderen Seite der Baugrube. Ich mache noch einen kurzen Abstecher zu meinem üblichen Fotostop, um die alte Stadtbrücke und den Dom auf Bild zu kriegen, bevor es über die alte Stadtbrücke zum Dom geht.
Trondheim-Panorama
Der Nidaros-Dom geht auf eine Kapelle aus dem 11. Jahrhundert zurück und hat eine wechselvolle Geschichte voller Verfall und Zerstörung – Wikipedia hat da einige weitere Informationen. Die Türme wurden erst in den 1960ern fertig neu aufgebaut, an der Fassade wurde bis in die 1980er gearbeitet.
Die alte Brücke
Dann ist es auch schon an der Zeit für den Rückweg, durch das Trondheim Torg Einkaufszentrum, in das alte Holzhäuser integriert sind, über den Bahnhof und den Hafen zum Schiff. Ein paar Minuten Luft blieben sogar noch, bevor wir uns auf die Reise nordwärts machen. Immer wieder schön, aber eine Stunde mehr Zeit wäre noch schöner.
Da gibt es eigentlich nicht viel zu erzählen. Trotz leichter Bewölkung ist es eine ruhige Fahrt durch den Fjord, und um 14 Uhr wird für den Calumet Fotoclub des Schiffs geworben, samt Fototipps. Bei dieser Veranstaltung gab es einmal einen gruslig KI-übersetzten Film, seitdem mache ich da einen Bogen drum – wenn nicht mal das Geld für einen richtigen Sprecher da ist, habe ich kein Interesse daran. Dann können die Bilder von mir aus auch gleich KI-generiert sein, ich bin raus. Lieber was von und mit echten Menschen.
Oder was mit echten Muscheln: Um 15:15 servierte der Küchenchef Miesmuscheln auf Deck 7, und kurz darauf stand der unaussprechliche Leuchtturm Kjeungskjær Fyr auf dem Programm. Kurz vorher gab es auch noch einen hübschen Halo-Effekt rund um die Sonne.
Sonnenhalo und Kjeungskjær Fyr
Anschließend: Ruhe und Frieden, und Zeit, um mit ein paar Leuten ins Gespräch zu kommen, während die Landschaft an uns vorbei zieht. Nur die Wolken werden nicht weniger… Das tägliche Treffen mit dem Expeditionsteam spare ich mir, sodass der nächste Tagesordnungspunkt das Abendessen ist. Diesmal habe ich auch einen Stuhl, am ersten Abend war irgendwie nur ein Stehplatz für mich vorgesehen…
Schon seit einigen Jahren läuft das Abendessen so ab, dass man aus je drei Vorspeisen, Hauptgerichten und Nachtischen wählen kann. Da findet man eigentlich immer was, und eineinhalb Stunden später habe ich noch einen Einsatz: Mein erster Vortrag steht, über das Nordlicht. Das hatten ja gestern die meisten schon gesehen, die den Alarm mitbekommen haben. Jetzt also die Erklärung dazu, und ein Blick auf die Prognose: Sieht schlecht aus, die Webcams zeigen primär Wolken, und auch bei uns scheinen die Schleierwolken, die uns schon den ganzen Tag begleiten, eher zuzunehmen. Also gebe ich mal vorsichtige Entwarnung und quatsche mich nach dem Vortrag fest.
Und was passiert? Kurz darauf kommt die Durchsage: Vi har Nordlys. Gegen 21 Uhr sind noch alle wach; bis ich in meiner Kabine bin, die Kamera geholt habe und wieder auf Deck 5 bin, sehe ich nur noch die Karawane zum Bug ziehen – keine Chance, da durchzukommen, aber hinten auf Deck 5 ist der Blick auch gut, nur das Nordlicht enttäuscht.
Die Kamera sieht zwar grün, aber für das Auge ist es nur ein grauer Bogen hinter einem Grauschleier. Die Wolken sorgen dafür, dass kaum Sterne zu sehen sind, und das Polarlicht letztlich enttäuschend bleibt. Das war gestern besser.
Rørvik
Bis Rørvik wird die Show nicht besser, und im Hafen ist dann sowieso nichts mehr zu sehen – alle Lichter gehen an. Als wir ablegen, sehe ich auch kein Grün mehr am Himmel. Gut, dass die Polarlicht-Garantie gestern schon eingelöst wurde und nicht für das bisschen heute.
Da wir in die Wolken hineinfahren sollen, mache ich heute auch relativ zeitig Schluss – morgen steht schon der Polarkreis auf dem Plan, und abends der Trollfjord. Das gibt einen langen Tag.
Nach dem stressigen Anreisetag steht heute beinahe ein Ruhetag an. Die Fahrt am Westkap vorbei war sehr ruhig, dafür ist Torvik eher ungastlich: Wir erreichen den kleinen Hafen in der Morgendämmerung mit leichtem Regen. Torvik ist wie immer nur ein kurzer Halt, aber immerhin der erste Hafen, von dem ich was habe.
Das stimmt nicht ganz: Meine Kabine auf Deck 3 ist über dem hinteren Seitenstrahlruder, daher habe ich auch Florø mitten in der Nacht mitbekommen. Bin gespannt, wie die Reise wird… Ich bin schon gegen sieben Uhr wach, noch vor meinem Wecker, und kann daher in aller Ruhe frühstücken gehen, noch bevor wir Torvik erreichen. Draußen ist die See beim Westkap zwar ruhig, aber schön ist was anderes. Es tröpfelt.
Morgengrauen am WestkapÜbernachtbrei?Rote FischerhäuschenKurs TorvikTorvik
Zu den Kleinigkeiten, die an Bord zum Schmunzeln anregen, gehören ja immer wieder die Übersetzungen. In den letzten Jahren war es besser geworden, mittlerweile scheinen die Übersetzer aber vermehrt durch KI ersetzt zu werden. Zum Frühstück gibt es “Übernachtbrei”, und statt Schiffsbegegnungen steht nun das “Schiff der Begegnung” auf dem Tagesprogramm. Am Frühstücksbuffet hat sich sonst nicht viel geändert; man kann sich ein English Breakfast mit Spiegelei und Würstchen zusammenstellen, oder Brote mit den verschiedensten Belägen bis hin zu braunem Käse und frischem Lachs. Ich weiß, warum ich das Mittagessen meist ausfallen lasse, das Frühstück langt mir.
Kai ist auch schon unterwegs, und am Vormittag bieten wir unsere Reiseleitersprechstunde an, mit Tipps zum Tagesprogramm in Ergänzung zu den Infos in der internen Whatsapp-Gruppe unserer Gruppe. Die Papieraushänge der ersten Reisen sind längst Geschichte, aber so findet auch jeder Gast die Infos zuverlässig.
Bei Torvik gehe ich kurz raus in den Nieselregen und mache ein paar Fotos; bis Ålesund wird das Wetter immer besser – wir erreichen die Jugendstilstadt bei Bewölkung und angenehmen Temperaturen, um die 5 Grad plus haben wir heute.
Im Herbst haben wir einen kürzeren Aufenthalt in der Stadt, dann geht es in den Hjørundfjord. Jetzt im Winter fährt nur ein Oldtimerschiff in den schönen Fjord, was als Ausflug gebucht werden kann – lohnenswert, aber ich verpasse die Abfahrt und sehe das Schiff diesmal nicht ablegen.
Kurs Ålesund
Das Wetter wird erfreulich schnell besser. Ich nutze die Gelegenheit, um mal wieder auf den Hausberg Aksla hochzusteigen. Es sind immer noch 418 Stufen, aber irgendwie wird es jedes Mal steiler… Aber beim Weg zum Berg bieten sich die ersten Gelegenheiten, mit unseren Gästen in Kontakt zu kommen, und entlang der Treppe sind auch genug Bänke. Man hat ja keinen Zeitdruck, auch wenn unser Welcome-Drink auf 14:30 festgesetzt wurde (parallel zur Sicherheitsübung der Schiffsbesatzung).
Der Blick vom Berg lohnt sich wieder, mittlerweile haben wir weitestgehend blauen Himmel. Traumhaft, und die Wintersachen sind zu warm.
Zurück im Jugendstilzentrum – die Stadt war Anfang des letzten Jahrhunderts abgebrannt und im Jugendstil schön neu aufgebaut worden – sehe ich im Brosund ein paar Kajakfahrer, auch das ist ein Ausflug, den Hurtigruten anbietet. Ich gehe weiter bis zur Kirche (die gerade saniert wird und eingerüstet ist) und hoch zum Storhaugen, dem kleineren Aussichtshügel.
Blick vom Storhaugen
Anschließend ging es für mich mit Halt im Supermarkt zurück zum Schiff, duschen (nach dem Aksla sinnvoll) und für unseren Welcome-Drink fertigmachen.
Wir sind eine überschaubare Gruppe, was schön ist: Man kommt leichter ins Gespräch, und Süddeutschland überwiegt auch. Man kennt die Dialekte:-) Anschließend bleibt genug Zeit für einen weiteren Spaziergang durch Ålesund. Ein kurzer Abstecher zum Museum und den Fluchttunnel, neben dem ein Geschäft leer steht und dezent gegen den Massentourismus protestiert.
Hier öffnet demnächst ein Touri-Shop, verkünden die Plakate, mit chinesischen Plastiktrollen für chinesische Touristen – und alle andere, die sich Voll-, Teilzeit- oder Gelegenheitstouristen betrachten, egal aus welchem Land. Oder es entsteht eine Thai-Massage, die sich freut, uns als Gäste willkommen zu heißen.
Ålesund hat 60.000 Einwohner und allein 2023 über 650.000 Kreuzfahrtgäste, sogar noch mehr als Bergen (auch wenn dort mehr Kreuzfahrtschiffe anlegten). Der Geirangerfjord ist nicht weit entfernt, kein Wunder, dass das Städtchen überrannt wird und es manchem Einheimischen zu viel wird.
Da bleibt für uns das gute Gewissen, dass die Hurtigrute kein Kreuzfahrtschiff ist, sondern tatsächlich einen Versorgungsauftrag hat und die Passagiere dafür sorgen, dass bezahlbar Fracht in die Gemeinden im hohen Norden gebracht werden kann, wenn Flugzeuge oder Straßen ausfallen.
Vor dem Abendessen gibt es an Bord noch eine Ausflugspräsentation und Treffen mit dem Expeditionsteam, unsere Essenssitzung ist dann um 18 Uhr. Anschließend kommt der gemütliche Teil des Abends: Nochmal ansprechbar sein und die ersten Kameras einstellen. Der Himmel ist klar, aber die Webcams in Skandinavien zeigen noch keine Spur von Polarlicht, obwohl das Oval prinzipiell aktiv ist.
Auf der Fahrt nach Molde gibt der Küchenchef noch eine norwegische Geschmacksprobe und serviert Fenalår-Häppchen, feine Lammkeule. Ich überlege kurz, eine Sternführung auf Deck 7 anzubieten, aber es ist durch die Schiffsbeleuchtung doch recht hell. Da ist nicht viel zu sehen. Also warte ich auf die Begegnung mit dem südgehenden Schiff, der Havila Castor und werfe noch einen Blick auf Molde.
Molde mit dem markanten Scandic-Hotel.
Der Himmel ist bedeckt, also packe ich zusammen, mache es mir im Café auf Deck 7 bequem (wo ich ganz alleine bin) und setze mich an mein Blog.
Und kurz vor halb zwölf kommt die Durchsage Polarlicht. Also ab auf Deck 3 nach ganzen hinten, meine Kamera holen, dann wieder auf Deck 5 an den Bug – es noch nicht viel los, obwohl über 300 Passagieren an Bord sind, und das Polarlicht ist überraschend hell direkt in Fahrtrichtung voraus zu sehen. Hübsch, auch wenn es beim geisterhaften Grün bleibt, das bald in ein helleres Grau übergeht. Aber die Kamera freut sich, und unter der überschaubaren Menge am Bug sind auch einige aus unsere Gruppe. Das Kameraeinstellen hat sich gelohnt, andere beobachten einfach nur: Immer wieder schön. Meine Kamera sammelt gut 1600 Aufnahmen in etwas über einer Dreiviertelstunde, bevor ich auch Schluss mache – wir kommen auf die Hustavika, und die Polarlichtaktivität scheint nachzulassen.
Schon am zweiten Tag die Polarlichtgarantie erledigt und den Erfolgsdruck aus der Reise genommen – nicht schlecht!
Seit November ist eigentlich gar nicht so viel Zeit vergangen, als ich das letzte Mal auf der Hurtigrute wurde war, aber die Welt wird anscheinend immer verrückter. Es sind wahrlich interessante Zeiten geworden, in denen wir auf einmal leben – da tut es gut, rauszukommen und noch einmal die norwegische Küste entlangzufahren. Am 5. März ging es für mich wieder los., zum Glück erst mit dem Mittagsflieger ab Stuttgart. Sogar die Dauerbaustelle bei Pforzheim hat nicht zu sehr aufgehalten, und am KLM-Schalter war keine Schlange. Dafür wurde energisch nach Elektronik im Aufgabepäck nachgebohrt, und zum ersten Mal wurde ich gefragt, ob ich eine Pauschalreise hätte oder Hotels und Mietwagen. Der US-Krieg gegen den Iran macht wohl noch nervöser als der russische Ukraine-Krieg. An der Security darf ich diesmal keinen Sprengstofftest machen, aber es wird alles zweimal durchleuchtet. Nur meine Keilschrifttafel erweckt diesmal kein Misstrauen.
Neue Flugregeln gibt es auch: An Bord darf kein mitgebrachter Alkohol getrunken werden, und Powerbanks dürfen nicht genutzt werden. Hm. Bei meinen ersten Flügen in den 90ern hatte man noch richtige Flugtickets. Dann kam die Handy-App, mit dem Akkupack, falls das Smartphone leer wird, und als Backup das ausgedruckte Flugticket. Und so runter wie man Handy-Akku mittlerweile ist, nehme ich diesmal direkt ein ausgedrucktes Ticket und lasse den QR-Code QR-Code sein, wenn ich im Flugzeug nicht laden kann und beim Umsteigen auch nicht unbedingt auf eine Steckdose zurückgreifen kann.
Aber davon abgesehen klappt alles: Sowohl der Flieger ab Stuttgart als auch der ab Amsterdam sind pünktlich, und mein Gepäck kommt auch mit. Bei bestem Wetter geht es nach Bergen, wo es heiter und hell ist – ungewöhnlich für eine Nordlicht-und-Sterne-Tour, aber es wird noch früh genug dunkel, und rund um die Tag-und-Nachtgleichen sind die Chancen für eine gute Show ohnehin gut, wenn das Wetter mitspielt. Das Polarlicht vom Januar, das bis Süddeutschland zu sehen war, war bei mir im Nebel versumpft. Also ab nach Norwegen.
Amsterdam
Über den Flug gibt es nicht viel zu erzählen – die Umbauten am Flughafen in Amsterdam nähern sich dem Ende, und wir kamen pünktlich in Bergen an, wo uns Kai auch schon erwartete. Diesmal sind wir wieder eine relativ kleine Gruppe, sodass im Bus genug Platz war. Im März lohnt sich die Orientierungsfahrt durch Bergen: Es gibt einiges zu sehen, auch wenn die Troldhaugen-Villa von Edvard Grieg diesmal unter einem weißen Zelt verborgen ist.
Sonnenschein in Bergen
Dafür wird uns eine größere Stadtrundfahrt gegönnt, durchs Paradies an norwegischem Pragmatismus vorbei (die Kombination Krankenhaus, Altersheim und Friedhof gibt es öfter) ins Stadtzentrum, an Bryggen vorbei durch die Altstadt mit kleinen Holzhäusern und den Schornsteinhäusern, die dank Steinfassaden wie ein Kamin brennen. Die Tankstellen haben übrigens deutsches Preisniveau, Diesel und Super liegen bei 23,89 bzw. 22,89 NOK, also etwa 2,10 bzw. 2,05 Euro. Von wegen, Norwegen ist teuer. Aber die Norweger fahren eh mittlerweile fast alle elektrisch; es wird allmählich schwer (und teuer), als Mietwagen einen Verbrenner zu finden.
Bergen
Unser Bus fährt übrigens auch elektrisch und ist Made in China. Fotografieren ist aus dem Bus heraus aber nicht ganz einfach: Die getönten Scheiben verfärben das Bild, und die Beleuchtung spiegelt sich blau im Bild, aber was solls.
Schließlich erreichen wir den Hurtigruten-Terminal. Für die nächsten elf bis zwölf Tage (je nach Zählung) wird die MS Nordlys unser Zuhause sein, und nach dem obligatorischen Sicherheitsvideo im Terminal-Gebäude dürfen wir auf das Schiff. An Bord kenne ich erst einmal niemanden, aber viel Zeit bleibt ohnehin nicht: Kurz meine Kabine auf Deck 3 beziehen (maximaler Abstand zum Deck – und so soll ich nach Polarlicht Ausschau halten…), und dann ist um 19:30 auch schon die Infoveranstaltung vom Schiff: Die Crew stellt sich kurz vor, dann kommen die üblichen Infos. Neu ist der Hinweis auf das Drohnenflugverbot. Vom Schiff aus dürfen gar keine Drohnen gestartet werden (soweit nichts neues), und auch an Land achtet die Polizei sehr darauf, dass Flugverbotszonen eingehalten werden. Ein Gast durfte wohl neulich 12000 NOK Strafe zahlen – und am Flughafen in Tromsø gibt es ja einen Drohnenfriedhof mit einigen aufgespiesten Drohnen, die sich nicht an die Flugverbotszonen gehalten haben. Die politische Lage tut ihren Teil dazu, dass die Behörden nervös sind…
Meet the Crew
Für uns wichtiger: Die Hurtigruten-Foundation wird mal wieder angepriesen. Wenn man auf die tägliche Zimmerreinigung verzichtet, spendet Hurtigruten einen kleinen Betrag an die Foundation. Davon wurde unter anderem der Neubau der kürzlich abgebrannten Turnhalle in Kirkenes bezahlt – es gibt doch noch gute Nachrichten!
Anschließend esse ich eine Kleinigkeit, denn das Restaurant hat nur bis 21 Uhr offen, und um 20:30 legen wir schon ab. Die Nordlys ist ausgebucht, und an der Reling am Heck ist kaum Platz, als ich an Deck gehe – an allen drei Deck drängeln sich die Passagiere. Das kann was geben, wenn wir Nordlicht haben. Da sind die Touren in der Polarnacht entspannter.
Nachdem wir abgelegt haben, gehe ich noch einmal ins Restaurant, mit Kai ein paar Dinge bereden und den Nachtisch essen. Morgen Nachmittag wird unser Welcome-Drink stattfinden, und nach dem längeren Aufenthalt in Ålesund geht es dann wirklich in den Norden. Hoffen wir, dass uns Wetter und Nordlicht freundlich gesonnen sind!
Wir haben Januar und draußen ist es kalt – da wird es Zeit, über mein neues Buch zu reden. Letzten Mai konnte ich endlich einmal wieder Malta besuchen. Zuletzt war ich auf dem kleinen Mittelmeer-Archipel in den frühen 90ern mit dem Englisch-Leistungskurs und einem Lehrer, der der Meinung war, dass die alten Tempel nur Steinhaufen wären. Lange ist’s her, seitdem habe ich viele solcher “alten Steinhaufen” gesehen – von den weltbekannten Steinreihen und Cairns in der Bretagne über die Steinkreise und Cairns in Schottland bis zu den eher unbekannten, aber umso beeindruckenderen Hügelgräbern der Straße der Megalithkultur. Nun also endlich Malta!
Eine gute Woche hatte ich mir für die kleine, aber geschichtsträchtige Inselgruppe gegönnt. Mein Schwerpunkt waren natürlich die großen Tempel, die vor über 5000 Jahren entstanden. Dabei hatte ich wieder einmal das Problem, im Vorfeld einen brauchbaren Reiseführer zu finden. Die Hälfte der klassischen Reiseführer ist uninteressant, da mich (vermutlich ohnehin gesponsorte) Hotel- und Restaurant-Tipps nicht interessieren. Die Unterkünfte suche ich mir online mit Schwerpunkt auf Ferienwohnungen für Selbstversorger (gar nicht so einfach auf dem dichtbesiedelten Malta; Wohnungen findet man, klassische Fincas/Ferienhäuser gibt es kaum), und die Restaurantwahl hängt davon ab, wo es freie Plätze gibt und wo einen kein Kundenfänger mit der Speisekarte ins Restaurant drängt. Ich brauche auch keine Interviews mit Einheimischen. Interessanter ist, wo es was zu sehen gibt, und wie die Öffnungszeiten sind. Von daher kaufe ich für die Reisevorbereitung mittlerweile häufig eher Fotoführer als klassischen Reiseführer. Und Infos speziell über die alten Megalith-Tempel sind auch schwer zu finden.
Das andere Problem: Insbesondere Amazon wird aktuell von KI-Müll überflutet. Da gibt es jede Menge “Reiseführer” (und andere Fachbücher), bei denen der Blick ins Buch immer verdächtig ähnlich ist und die weniger Infos enthalten als Wikipedia/Wikivoyage. Wenn man das alles rausfiltert, bleibt nicht mehr viel übrig. Also selbermachen:-)
Der kleine Dolmen von Ta’ Ċenċ
Das Ergebnis ist ein rund 200 Seiten starkes Taschenbuch, das sich in drei Teile gliedert. Den Anfang macht das Hintergrundwissen: Was wissen wir über die maltesische Vorgeschichte, über die Tempelbauer, und was sollte man an Praxis-Infos für eine Reise wissen? Das ergänzt die normalen Reiseführer, die natürlich noch viele neuzeitliche Ziele behandeln. Steinzeit-Träume Malta soll auch keinen umfangreichen Malta-Reiseführer ersetzen, sondern all die Infos bieten, die Freunden der Vorgeschichte sonst fehlen.
Die Küste bei Xrobb l-Għaġin
Der zweite Teil ist ein Reisebericht über meine insgesamt achttägige Rundreise durch Malta und Gozo. Informationen über Malta gibt es viele, aber was ist besser um zu sehen, was einen vor Ort erwartet, als ein Reisebericht?
Das ist aber kein Tourenvorschlag, sondern soll einen Einblick davon geben, wie man eine Woche auf Malta verbringen kann und was einem dabei eventuell an Besonderheiten auffällt. Also wie die Youtube-Videos mit Reiseberichten, nur zum Offline-Lesen auf der Couch. (Und ja, ein EBook gibt es auch wieder).
Die Tempelreste von Santa Verna
Abschließend stelle ich die großen und kleinen Tempelanlagen vor: Was erwartet einen vor Ort, was gibt es zu sehen, und wie kommt man dorthin? Dabei beschränke ich mich keineswegs nur auf die großen Tempel von Ħaġar Qim, Ġgantija, Mnajdra, Ħal Tarxien, Skorba und Ta’ Ħaġrat sowie das Hypogäum von Ħal Saflieni, sondern stelle auch die kleineren Tempel und Ziele vor. Während die großen Anlagen unter der Verwaltung von Heritage Malta stehen und Touristenmagnete mit Besucherzentren sind, erwarten den Individualreisenden auch zahlreiche Zeugen der Vergangenheit, die frei zugänglich sind. Sie sind zwar weit weniger beeindruckend als die rekonstruierten Anlagen, haben aber ihren eigenen Charme. Von Santa Verna zum Beispiel hat oberirdisch nur ein Teil der Fassade überdauert, der heute am Ortsrand auf Besucher wartet.
Und falls sie sich wundern, warum ich hier keine Bilder der großen Tempel zeige: Man darf frei fotografieren, aber nur nicht-kommerziell. Für das Buch musste ich für die Veröffentlichungsrechte meiner Aufnahmen der Tempel zahlen. Aber auch Heritage Malta hat die Anlagen gut dokumentiert, sodass das hier im Blog nicht nötig ist. Es geht ja auch um die Infos, die man nicht überall findet.
Der Tempel von Buġibba im Doubletree by Hilton Hotel
Da Malta dicht besiedelt ist, findet man fast überall Reste der Vergangenheit. Ein Tempelrest liegt sogar im Hof eines Hotels. Dazu kommen viele kleine Dolmen – wer die die imposanten Bauten entlang der Straße der Megalithkultur oder in der Bretagne kennt, wird einige nur hüfthohe maltesische Dolmen leicht übersehen, aber es gibt auch größere Exemplare. Dazu kommen Megalithe – was alles umfasst von imposanten, aufrechten Steinen bis hin zu größeren Kalksteinbrocken, die in der Landschaft gar nicht weiter auffallen. Insgesamt gibt es mehr Ziele, als man in einer Woche besuchen kann, aber nicht alle sind auch unbedingt einen Besuch wert.
Und dann gibt es noch die Cart Ruts…
Cart Ruts bei Ta’Blankas
Ich gebe es zu: Meinen ersten Kontakt mit diesen seltsamen Formationen hatte ich auch über Erich von Däniken. Außerirdische haben mit diesen verwirrenden Spuren aber eher nichts zu tun. Trotzdem steht man immer wieder vor “Karrenspuren”, die verwirrende Wege ziehen, einander überkreuzen oder ins Nichts führen. Auch hier habe ich einige besucht und stelle sie vor – mit unserem spärlichen Wissen darüber. Zum Abschluss gibt es noch ein paar Geistergeschichten.
Sind Sie neugierig geworden? Das Buch gibt es als vollfarbiges Taschenbuch, Hardcover (mit noch etwas besserer Druckqualität) und natürlich auch als echtes EBook (kein lieblos umgewandeltes PDF!) auf Amazon. Der ideale Begleiter für einen Besuch in der maltesischen Vorgeschichte!
Auch wenn die Sonnenaktivität allmählich nachlässt, bewahrheitet es sich wieder einmal: Nach dem Maximum gibt es immer wieder große Ausbrüche. Und während in Norwegen eine Schönwetterkatastrophe ist und die Polarnacht sich von ihrer besten Seite zeigt, ist in Süddeutschland entlang vom Rhein nur deprimierende Nebelsuppe.
Die große Polarlichtshow vom Abend des 19. Januar habe ich daher verpasst, da hätte ich kurzfristig eine gute Stunde auf der Suche nach Wolkennebellücken und einem passenden Beobachtungsplatz fahren müssen. Aber auch am 20. Januar war noch gut Aktivität vorhergesagt, und immerhin musste ich diesmal nur eine halbe Stunde durch gewundene Landstraßen in den Schwarzwald fahren, um bei Dobel einen Parkplatz mit einigermaßen freier Sicht nach Norden zu finden. Denn was gibt’s im Schwarzwald? Genau – Wald und Täler. Da bringt ein Waldparkplatz nichts. Außerhalb von Dobel zwar auch einige störende Straßenlampen installiert (Lichtverschmutzung gibt’s im kleinsten Ort), aber die Lampen außerhalb blenden nicht ganz so sehr wie die Strahler im Ort.
Ein schnelles, verwackeltes Handybild um 19:23: Noch nichts zu sehen.
Tolle Bilder habe ich diesmal nicht zu bieten, nur ein paar Schnappschüsse mit dem Handy. Um 19:30 war noch nichts zu sehen, ein paar Minuten später gab es dann einen leichten Rotschimmer im Norden, den die Kamera auch deutlich rot zeigte:
Ein Rotschimmer am Horizon um 19:42. Rechts der Große Wagen.
Vom Streulicht am Horizont war der Lichtschimmer zu unterscheiden, aber von den Strukturen, die am Vortag gepostet wurden, war nichts zu sehen.
19:46: Der Schimmer hält sich
Diesmal war das Schauspiel für uns tief im Süden bereits nach einer Viertelstunde vorbei, auch die Webcams in Norwegen zeigen aktuell wenig Aktivität.
20:02: Die Vorstellung ist beendet.
Gegen 20 Uhr war nichts mehr zu sehen. Kurz im Auto aufwärmen, dann gegen 20:45 nochmal rausschauen: Immer mehr Wolken, der Nebel kommt näher. Das war es für heute – selbst wenn da doch noch Aktivität kommt, gegen das Wetter hat das Polarlicht keine Chance. Aber immerhin, es war eine Versuch wert, und ich weiß jetzt, wo in Windy die Nebelprognosen versteckt sind.
Also ab nach Hause – nach ein paar Kilometern hat mich der Nebel wieder.
Der letzte volle Tag an Bord ist noch einmal stressig, zumindest für mich. In Trondheim muss ich nicht noch einmal von Bord, es gibt also fast die Möglichkeit auszuschlafen – dafür hat der Morgen volles Programm. Um 9:30 verlassen wir Trondheim, und das geplante Einholen der Postschiff-Flagge samt Übergabe an den glücklichen Auktionsgewinner aus unserer Gruppe wird schon einmal auf später verschoben. So können wir nämlich direkt nach dem Auslaufen der nordgehenden Midnatsol winken. Eine Winkekonkurransje – der Gewinner? Nun, wir haben mit weniger Passagieren mehr Flaggen aufgeboten, daher können wir den Sieg wohl für uns in Anspruch nehmen.
Die Schiffsbegegnung fällt auch mit dem Interessepunkt zur Insel Munkholmen zusammen, es lohnt sich also, auf Deck 7 zu sein. Der Morgenhimmel bei Sonnenafgang: Ein Traum!
Goodbye, Trondheim
Ich habe für den Rest des Interessepunkts aber keine Zeit – schnell in die Kabine, die Bilder von heute früh in meinen kleinen Tourfilm einbinden, noch ein bisschen den Ton anpassen und ab in den Vortragsraum. Hier gibt es die Infos für den letzten Tag: Wie lange kann mit der Cruise Card gezahlt werden, wie kommt man vom Schiff zu Flughafen oder Hotel, wie bekommt man ggf. sein Auto vom Autodeck? Für mich nichts Neues, außer der Info, dass die Flybusse regelmäßig ihren Fahrplan ändern. Aber wir haben ja unseren eigenen Transferbus. Dafür hat man ja eine Gruppenreise.
Flaggenzeremonie
Direkt danach: Ab auf Deck 7, die Postflagge einholen und und an ihren neuen Besitzen übergeben. Unsere ganze Truppe versammelt sich, und wir nutzen die Gelegenheit für ein Gruppenfoto.
Dann verdrücke ich mich wieder: Um 11:30 haben wir unsere eigene Abschiedsveranstaltung, also schnell das Gruppenfoto bearbeiten, den Tourfilm fertig machen und ab in den Vortragsraum. Kai übernimmt das meiste Reden – etwas organisatorisches, etwas Humor und ein großes Danke auch von uns für die angenehme und tolle Tour, die auch uns Spaß gemacht hat. Dann mein Tour-Film, ein Ha det bra, auf besonderen Wunsch mein Nordlicht-Film und endlich wieder Essen. Es ist halb zwölf, Zeit für das Mittagessen. Und immer dran denken: It’s smarter to travel in groups!
Mittlerweile ist unser Heimflug auch schon bereit zum einchecken. Bei der Gruppengröße ist das kein großer Aufwand für uns, mittlerweile sind es ohnehin schon viele gewohnt, das selber mit der Handy-App zu machen. Bei meiner ersten Tour auf der Nordkapp 2014 war das noch anders!
Um 14 Uhr sehen sich alle bei einem Vortrag von Laura wieder: Sie gibt Reisetipps für den nächsten Trip nach Norwegen, wenn man mal den Süden mit dem Auto erkunden will. Was hängen bleibt: Es gibt einen Haufen hübsche Ecken, sie betreibt im Sommer ein Hotel auf einer kleinen Insel, deren Namen ich vergessen habe (Ola?), und sowohl Lofoten als auch Tromsø sind mittlerweile völlig überlaufen – das kann ich bestätigen, schon in der Nebensaison sind die Regionen am Limit dessen, was Spaß macht.
Unser nächster Hafen ist Kristiansund um 16:30, sodass ich jetzt tatsächlich Pause habe. Kofferpacken (und wiegen!) mache ich später. Und an Backbord schimmert die Mondsichel zwischen den Bergen hervor, vielleicht 4° über dem Horizont. Herrlich!
So stelle ich mir das mit der totalen Sonnenfinsternis nächstes Jahr in Spanien vor, wenn ich (wenn das Wetter mitspielt) auf einer Burg aus dem 13. Jahrhundert stehe. A propos Spanien: Wir haben mittlerweile 8° über Null. Es ist richtig angenehm draußen, und bis Kristiansund mache ich es mir am überdachten Außendeck bequem. Mal die Seele baumeln lassen und Norwegen wirken lassen.
Kristiansund
Kristiansund erreichen wir pünktlich, obwohl wir wieder außen herum fahren – die Brücke ist immer noch gesperrt, damit die Wellen großer Schiffe keine Schäden anrichten.
Eine Stunde Aufenthalt haben wir hier, und draußen ist eine fiese Mischung aus geräumten Straßen, Schneematsch und zwischendrin Eis. Ich mache einen kurzen Besuch bei der Statue der Fischerfrau und gehe dann wieder zurück zum Schiff.
Zwei Busse haben uns mittlerweile Richtung Marmorbergwerk Bergtatt verlassen. Ein schöner Ausflug, der auch gut gebucht wurde, weil für die offene Seestrecke zwischen Kristiansund und Molde Wellengang vorhergesagt wurde. Mit rund zwei Metern Wellen war zwar etwas Bewegung im Schiff, aber nichts dramatisches. Am Westkapp sind bis zu vier Meter vorhergesagt. Wir haben Glück, die größten Wellen sind angesagt, bevor wir da sind.
Kristiansund
Bis dahin ist aber nichts weiter auf dem Programm, und bis wir das Gasfeld Ormen Lange passieren, mache ich ein kurzes Mittagsschläfchen. Immerhin ist es bald 20 Uhr und der Tagesrhythmus ist sowieso hinüber, da darf man mal kurz. Es waren doch keine ruhigen elf Tage hier an Schiff – es gibt immer etwas zu sehen und zu tun.
Ormen Lange ist eine riesige Industrieanlage, die 20% der Erdgasbedarfs von Großbritannien deckt. Wir sehen von ihr nur ein riesiges Lichterfeld in der Finsternis, auf das uns eine Durchsage gegen 20:30 hinweist.
Ormen Lange
Das ist für mich dann auch der Zeitpunkt, meine späte Mittagspause zu beenden. Auf Deck 7 ist nicht viel los – entweder sind alle mit Kofferpacken beschäftigt, oder auf Ausflug. Ich mache es mir im Multe bequem und aktualisiere mein Blog, bis wir kurz nach 21:15 Molde erreichen. Zeit, auf Deck 5 zu gehen.
Bei angenehmen 8°C laufen wir Molde an, um die Ausflügler wieder an Bord zu nehmen. Die imposanten Berge, die im Tagesprogramm angepriesen werden, sind aber nur als Scherenschnitt zu erahnen. Das ist auch schon wieder der letzte Abend an Bord, morgen um die Zeit bin ich irgendwo im Flugzeug zwischen Amsterdam und Stuttgart, wenn nichts dazwischen kommt. Noch einmal die See genießen.
Molde
Und dann Koffer packen, bevor die See am Westkap in der Nacht die Schränke ausräumt:-)
Tag 12 – Ab nach Bergen
Das letzte Tagesprogramm
Der letzte Tag bricht an, und das Westkap war harmlos – eine Welle um 5 hat mich geweckt, aber sonst habe ich nichts mitbekommen.
Trotzdem bin ich gegen halb sieben schon wieder wach… also in aller Ruhe aufstehen, duschen und den Koffer fertig packen. 22,75kg. Das heißt, ich hätte noch ein weiteres dieser praktischen gelben 200g Tariergewichte von Freia einpacken können…
Kurz nach acht Uhr kommt Florø in Sicht, der letzte Hafen vor Bergen, und der letzte, den man noch ganz klassisch von Deck 5 aus anschauen kann. In Bergen ist da schon alles im Aufruhr.
Florø
Nach dem Frühstück mache ich es mir auf Deck 5 bequem, im vertrauten Reiseleiterbüro, leider an der Backbordseite, also mit Seeblick. Die Landschaft zieht in meinem Rücken vorbei.
Um 10 Uhr werden die Kabinen geräumt, und dummerweise macht es sich am Fenster eine Gruppe Amerikaner bequem. Im Prinzip nette Leute, aber die Gesprächslautstärke übertönt alles, inklusive der Schiffsdurchsagen. Ich glaube, das gibt Kopfschmerzen…
Und viel mehr gibt es über den Tag nicht zu sagen. Ein paar sanfte Wellen, ein paar Blicke an Deck (es ist bedeckt, aber weitestgehend trocken), und wer will, kann sein Handgepäck im Konferenzraum deponieren und die Landschaft genießen oder den Tourfilm vom Schiff noch einmal anschauen.
Gegen 10:40 gibt es noch einmal einen Programmpunkt: Wir kommen in den wunderschönen Steinsund, und auf Deck 7 läuft dazu klassische norwegische Musik. Ich werfe einen Blick auf Deck 5: Hinter und schönes Wetter, rechts einige Schären, voraus eine Regenfront. Auch schön. Da gehe ich doch freiwillig wieder in das Schiff, auch wenn Temperaturen um die 8° und wenig Wind nicht unangenehm sind.
Kurs Steinsund
Von innen ist es auch schön, wenn die Inseln direkt vor dem Fenster vorbei ziehen. Das Wetter wird leider nicht besser, es bleibt erst einmal trübe. Ich verbrate mein Datenvolumen, um schon einmal Bilder und Filme auf meinen Server zu laden – das ist schneller als das Schiffs-WLAN, kostet dank EU-Roaming keinen Aufpreis, und Monatsende ist ja auch bald.
Ansonsten gibt es über den letzten Tag nicht viel zu erzählen. Das letzte Mittagessen lasse ich mal wieder ausfallen. Und dann wurde der Tag doch noch interessant: Wir kriegen eine Militäreskorte! Genauer gesagt, ein Patrouillenboot und ein paar Schlauchboote der norwegischen Marine begleiten uns und machen eine Übung.
Begleitschutz
Das klingt aber spektakulärer als es tatsächlich war, zumindest von Deck 4 aus. Von den Außendecks wäre vielleicht mehr zu sehen gewesen, aber da ich ja nicht zum Spaß auf dem Schiff bin, habe ich den Gepäckservice nicht genutzt und mein Gepäck behalten – um zeitnah an unserem Bus zu stehen und die richtigen Leute in unseren Bus zu lotsen. Das ist bei größeren Gruppen natürlich interessanter, aber so will ich nicht alles hier unbewacht rumstehen lassen. Ein abschließbarer Fotorucksack, den ich ohne Bedenken im frei zugänglichen Konferenz-/Gepäckraum stehen lassen kann, hätte schon seinen Reiz – aber mein aktuelles Model hat mehr normalen Stauraum, auch wenn der Laptop frei zugänglich wäre. Als Touri hätte ich nur meine Kamera dabei und könnte das besser genießen. Aber draußen ist es heute auch nicht so einladend.
Bei der Ankündigung durch das Expeditionsteam hätte ich allerdings sowas Spektakuläres erwartet wie die Helge Ingstad (2018 war das – auch schon wieder so lange her). Aber egal, immerhin etwas Unterhaltung auf der letzten Strecke. Die letzten Stunden ziehen sich ja doch immer.
Das Gepäck geht von Bord
Aber irgendwann erreichen wir doch Bergen, sogar pünktlich, legen an, suchen den Bus, sammeln unsere Leute ein und fahren zum Flughafen. Bis auf den üblichen Stau an einem Verkehrsknotenpunkt klappt das auch. Die Schlange an der Security ist recht lang, aber die Norweger haben die Effizienz, die den Deutschen nachgesagt wird, sodass noch genug Zeit für Tax Refund und Duty Free Shopping bleibt. Linie Aquavit kostet 419 NOK pro Liter (aktuell 35€), im Gegensatz zu 24€ in Deutschland – kein Schnäppchen. Da lieber eine Sorte nehmen, die es in Deutschland nicht so leicht gibt. Bivröst kommt immerhin aus Tromsø, aus der nördlichsten Whisky-Destillerie der Welt in den nahe gelegenen Lyngen-Alpen.
Gut, dass der Duty-Free-Shop erst nach der Gepäckaufgabe ist – mein Koffer ist mit 22,8-22,9kg (die Waage schwankt etwas) gut am Limit, ein weiteres gelbes Tariergewicht wäre da potentiell problematisch gewesen. Ebenfalls nach der Security: Der Pølser-Stand. Endlich mal wieder eine normale Bratwurst; in Amsterdam habe ich nicht vor, zu Abend zu essen.
Unser Flugzeug ist pünktlich und ausgebucht, und die Heimreise beginnt. Sturm ist auch keiner angesagt – was kann jetzt noch schiefgehen?
Was für ein Angebot!
Nun, KLM tut wieder sein bestes. Wir landen um 19:40 in Amsterdam, bleibt eine Stunde, und von Terminal D zu B zu gehen. Das passt ganz gut, ohne Stress. Dass am B-Terminal praktisch kein Sitzplatz zu ergattern ist, bin ich ja gewohnt. Aber für die knappe Stunde, die ich noch habe, finde ich ein Plätzchen, bis das Boarding endlich losgeht. Die App bietet mir noch ein Sitzplatzupgrade an: Seien Sie ab 14€ Aufpreis unter den Ersten, die das Flugzeug verlassen.
Tja, und wie sieht das Angebot am Gate aus?
“Leider ist unsere Maschine überbucht, wir suchen noch Passagiere, die für 250€ (oder 350€ Reiseguthaben) eine späteren Flug nehmen. Ihr Flug wäre dann morgen früh.”
Saftladen. Da würde mich der Aufpreis für das verlängerte Parken ja bald mehr kosten. Immerhin findet sich wohl jemand, mit Verspätung beginnt das Boarding. Der Flug wird von German Airways durchgeführt, und mit deutscher Freundlichkeit wird darauf hingewiesen, gefälligst hinzumachen und das Gepäck unter den Sitzen zu verstauen, damit unser Flug nach Amsterdam starten kann. Ach, nein, geht doch nach Stuttgart.
Und als alle sitzen, kommt dann die Info: Stau auf der Startbahn, wir müssen noch bis zu einer halben Stunde warten. Tja, wenn keine Sitze doppelt verkauft würden, hätte man vielleicht rechtzeitig boarden und starten können, ohne das Startfenster zu verpassen. Nach einer halben Stunde die Info, dass es noch eine Viertelstunde länger dauert, und der Captain dann den Tower nochmal anrufen will. Die Stimmung an Board ist gereizt, zumindest macht ein Steward immer wieder Durchsagen – leider in schlecht verständlichem Holländisch-Deutsch(?). Keine Ahnung, wo es Probleme gibt, und wer sich da den Ansagen der Crew widersetzt. Die Noise-Cancelling Kopfhörer waren eine meine besten Investitionen, solange ich immer wieder mal fliegen muss… Am Ende des Flugs soll sich jeder namentlich bei ihm melden? Oder nur KLM-Mitarbeiter? Keine Ahnung. Vielleicht war die Maschine überbucht, weil KLM Mitarbeiter nach Stuttgart bringen musste?
Immerhin: Um 22:20 rollen wir mit fast einer Stunde Verspätung los, noch einmal die Durchsage, dass wir nur starten können, wenn sich alle an die Ansagen der Besatzung halten, und endlich Abflug. Ein paar kleinere Turbulenzen auf dem Flug, und Ankunft in Stuttgart ist dann um 23:30. Jetzt noch was zu Essen finden und ab nach Karlsruhe, wo ich um kurz vor 2 Uhr bin. Vor sechseinhalb Stunden waren wir in Amsterdam gelandet. Mit dem Auto brauche ich laut Navi etwas über sechs Stunden für die 572 km von zuhause bis zum Flughafen Schiphol. Keine Ahnung, warum sich jemand freiwillig Inlandsflüge antut… Ach ja: Zugfahren ist auch nicht viel besser, im Raum Köln geht nichts mehr, weil zwei Bomben aus dem Weltkrieg entschärft werden mussten. Willkommen in Deutschland. Oh we schön ist Norwegen…
Aber was soll’s, Norwegen hat sich von seiner besten Seite gezeigt, und es war eine wunderbare Reise an Bord der MS Nordkapp, mit einer tollen Gruppe – takk for turen!
Es ist schon wieder soweit: Wir überqueren den Polarkreis südgehend. Damit verlassen wir die Gegend, wo es schön ist – von der Landschaft ist nicht viel zu sehen.
Kurz vor dem Polarkreis begegnen wir der nordgehenden Havila Capella, ich gehe kurz an Deck zum Winken. Ein eisiger Wind begrüßt mich…
Kurz darauf ruft das Expeditionsteam zur arktischen Zeremonie um 8:40 auf Deck 7, und das Wetter ist sehr kontrastarm. Also so, wie man das im November erwartet und nicht so, wie wir das von der Polarnacht mittlerweile gewöhnt sind. Aber es geht ja auch in den sonnigen Süden, wo es die wärmende Sonne über den Horizont schafft. Das Außenthermometer der Nordkapp zeigt unverändert -2°C an.
Ein Rest arktischer Schönheit und die Havila Capella nördlich des Polarkreises.
Die Insel Vikingen taucht ziemlich unvermittelt aus dem Nebel auf, und kurz darauf gibt das Schiffshorn die Polarkreisüberquerung bekannt. Mittlerweile schneit es wieder leicht, aber einiges an Schnee auf dem Deck ist schon wieder weg und hat das Glatteis darunter freigegeben.
Am Polarkreis
Lebertran
Wir kommen der Insel nahe genug, um die Kugel zu sehen, und dann verlasse ich meinen Platz am Bug und gehe hoch auf Deck 7. Es gibt wieder Lebertran – gar nicht mal so schlecht, aber ich habe mittlerweile genug Löffel und brauche nicht noch mehr. Also lasse ich anderen das Vergnügen.
Anschließend kann man Stempeln gehen: Zur Polarkreisüberquerung hat das Schiff einen eigenen Stempel, der auch gut genutzt wird. Zeitgleich gibt es noch einmal ein Treffen mit dem Expeditionsteam, während draußen wahrscheinlich die Landschaft an uns vorbeizieht – viel mehr als Weiß mit ein paar Schneeflocken sehe ich nicht von unserem “Büro” auf Deck 5.
Als wir Nesna erreichen, bin ich ganz dankbar für das kleine rote Hafengebäude – sonst glaubt mir keiner, dass ich den Farbfilm eingelegt habe…
Nesna fast in Schwarzweiß
Das hat aber auch seinen ganz besonderen Reiz und ist weniger düster, als es auf den Bildern rüberkommt..
Sandnessjøen
Heute ist mal wieder ein Tag ohne besondere Ereignisse, der aber ständig von kleinen Häfen unterbrochen wird. Zur Mittagszeit erreichen wir Sandnessjøen. Über uns ist wohl irgendwo klar, wir kämpfen eher mit Nebel als mit Wolken. Die halbe Stunde, die wir hier liegen, langt für eine Besichtigung der Brücke vom Schiff – seit kurzem ist das wieder möglich, wenn auch nur für wenige Passagiere. Für einen Gang durch die hübsche Fußgängerzone mit einigen Skulpturen reicht die Zeit aber nicht.
Nach dem Ablegen gibt es den Interessepunkt zu den Sieben Schwestern – den Berggipfeln, an denen wir kurz nach dem Ablegen vorbeifahren und die Teil einer Sage sind, die die ganze Helgelandküste umspannt. Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Nach dem Ablegen verschwindet der Nebel, und weite Teile der sieben Schwestern tauchen auf.
Die Sieben Schwestern
Respekt, mit denen hatte ich gar nicht mehr gerechnet. Und in Fahrtrichtung blitzt etwas Sonne auf!
Eine knappe Stunde habe ich jetzt frei, bis der nächste Programmpunkt kommt: Der Farewell-Drink vom Schiff. Auf der Nordkapp gibt es den zurzeit nicht zum Captain’s Dinner heute Abend, sondern schon um 14 Uhr. Mit einem Gläschen Sekt und einer kleinen Rede wird auf die fast vollendete Reise angestoßen, da viele Reisende schon in Trondheim aussteigen.
Farewell
Wir sind kein Kreuzfahrtschiff, daher wird die Rede schnell verlesen, dann skål und back to work. Schließlich steht der nächste Hafen bald an, um 15 Uhr sollen wir Brønnøysund erreichen. Ich mache es mir endlich mal draußen auf Deck 7 bequem, in dem überdachten Bereich. Einfach mal die schwarzweiße Landschaft genießen, die da an uns vorbei zieht. Die Temperatur ist mittlerweile auf etwa 5° geklettert, Schnee und Eis auf dem Schiff tauen, und es ist richtig angenehm. Einmal Norwegen genießen!
Langsam kommt Brønnøysund in Sicht, und wir werden langsamer: Auf der Trollfjord gab es einen Notfall, und die muss an unserer Stelle an den Anleger. Unsere geplante Ankunftszeit verschiebt sich um etwa eine Stunde. Damit hat sich der Hike durch den Ort erledigt.
Norwegen genießen, an der monochromen Helgeland-Küste
Was trotzdem stattfinden soll: Seit zwei Tagen liegen Flyer aus, mit denen wir zu einem Mini-Konzert in der Kirche von Brønnøysund eingeladen werden. Die Pfadfindergruppe “De Makalause” lädt zu einem kostenlosen Konzert ein und bittet um Spenden für eine Behindertenschule in Sri Lanka. Da das Expeditionsteam mitgeht, ist auch sicher, dass das Schiff wartet – was gut ist, denn es dauert etwas länger, und die ersten Konzertbesucher kommen erst zur geplanten Abfahrtszeit zurück auf die Nordkapp.
Die Trollfjord in Brønnøysund
Aber erst einmal muss die Trollfjord unseren Anleger freigeben. Kurz nach 16 Uhr ist es soweit, sie dampft ab, und wir legen an. Es ist glatt im Ort: Der Schnee schmilzt und gibt das tieferliegende Eis frei. Bei nicht ganz eineinhalb Stunden Aufenthalt gehe ich kurz zum Kiwi, die letzten Einkäufe erledigen. Endlich finde ich die Mørketidsboller – eine Art Berliner, aber etwas fester, mit Schokoüberzug und Vanillefüllung. Lecker.
Dann noch kurz zur Mitte Norwegens (dem Stein am Hafenbecken) und einen Blick ins Einkaufszentrum werfen, bevor ich auf das Schiff zurückkehre und auf die Konzertbesucher warte.
Brønnøysund
Um halb sechs verlassen wir dann Brønnøysund, und was ist: Polarlicht am Horizont. Immerhin gelingt mir das (verwackelte) Traumbild von einem Wal mit Polarlicht (auch wenn Kai der festen Überzeugung ist, dass die Insel im Hafen keinen Wal, sondern einen Seeteufel darstellt – aber bei dem verwackelten Bild kann das eh keiner widerlegen. Wenn ich das nicht besser wüsste, könnte das auch Nessie auf Norwegenurlaub sein, wenn es ihr im Loch Ness mal wieder zu viel Trubel ist).
Seeteufelswal! Polarlicht!
Ich hole kurz meine Kamera, aber bis dahin ist alles wieder zugezogen, und dem Captain’s Dinner steht nichts im Wege. Es gibt ein Vier-Gänge-Menü, man hat nur die Wahl zwischen Fisch und Fleisch. Schmecken tut es allemal.
Rørvik während Polarlicht
Wir fahren laut Prognose wieder in die Wolken, und prompt kommt gegen 20:30 die Meldung “Nordlicht!” Also ab ans Heck, Kamera laufen lassen: Ja, nicht schlecht. Ich probiere meinen alten Trick und gehe kurz ins Schiff, Handschuhe holen, meistens klappt das, damit es währenddessen eine gute Show gibt. Und ja, die Aurora wird auf alle Fälle besser. Dann kommt nach einer halben Stunde auch schon Rørvik. Ich gehe kurz nach backbord, das Anlegen filmen, und prompt gibt es in meinem Rücken trotz Hafenbeleuchtung die Show, die wir alle wollen, mit Rot und Bewegung. Klappt doch immer wieder – ich habe meine Bilder vom Hafen…
Was tut man nicht alles für die Gäste:-)
Wer draußen war, hat die große Show gesehen, dann kommen Wolken und Schneegraupel. Bis zur Abfahrt wird das Wetter wieder etwas besser (es ist klar und schneit), wir begegnen der Kong Harald, und dann heißt es abwarten. Wird es nochmal besser? Jein – Wolkenlücken ja, Polarlicht nein, Zeit, meinen Polarlichtfilm für die Gäste abzuschließen. Hier nur die Ausbeute von diesem Abend:
Wenn nicht noch mehr kommt, ist das ein schöner Tagesabschluss.
Das Schöne an der südgehenden Route ist, dass es weniger große Häfen gibt, und man eher entspannen kann. Also, theoretisch zumindest. Wer das Mitternachtskonzert in Tromsø und die Vesterålen-Bustour gebucht hat, hat ohnehin eine kurze Nacht hinter sich. Tromsø haben wir um 1:30 verlassen, Ankunft in Harstad ist gegen 8 Uhr. Ich habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und die Infotaste am Telefon meiner Kabine auf “aus” gestellt, um nicht von der Durchsage geweckt zu werden, dass die Teilnehmer der Exkursion doch bitte rechtzeitig das Schiff verlassen mögen. Trotzdem bin ich in Harstad schon wach, obwohl es noch dunkel ist. Die nordgehende Hurtigrute habe ich trotzdem verpasst, aber für ein Foto der Trondenes-Kirche langt es. Sie ist auch das erste Ziel der Bustour, die in Sortland wieder zu uns stößt. Aber das Wetter ist unfreundlich, es schneit leicht – auch mit Tele-Objektiv ist nicht viel zu sehen.
Harstad und Trondenes-Kirche
Letztes Licht
Über den Vormittag gibt es nicht viel zu erzählen: Zwei Ausflugsbusse sorgen dafür, dass es auf dem Schiff ruhiger ist, und draußen verschwinden die Berge im Nebel. Die mystischen Vesterålen sind mal wieder etwas zu mysteriös. Ob sich Trolle dort verbergen?
Ein Lichtblick zeigt sich noch am Horizont zwischen den Wolken, dann verschwinden die Vesterålen im Nebel. Schade – die Inseln sind zwar nicht ganz so wild-beeindruckend wie die Lofoten, aber dafür kommen wir ihnen näher.
Um kurz nach zehn Uhr treffen wir uns zum Interessepunkt Risøyrinne auf Deck 7. Die flache Strecke, die gleich entlangfahren, wurde extra für die Hurtigrute ausgebaggert, um die Ortschaften besser an Rest-Norwegen anzubind. Bei ruhiger See und klarem Wetter kann man bis auf den Grund schauen – heute ist kaum die See zu sehen, geschweige denn die Rinne.
Interessepunkt an der Risøyrinne mit eingeschränkter Sicht
Risøyhamn
Das Anlegemaneuver in Risøyhamn schenke ich mir weitestgehend und widme mich meinem Blog. Das Mittagessen lasse ich ach wieder ausfallen – viel Ruhe ist trotzdem nicht: Kurz nach 12 nähern wir uns Sortland, wo wir den Ausflugsbussen winken können, die genau dann über die Brücke fahren, wenn wir darunter hindurch fahren. Moderne Funktechnik macht’s möglich:-)
Das Expeditionsteam kommt mit Fahnen und Soundanlage, und es haben sich wieder einige Passagiere gefunden, die gerade nicht mit Mittagessen beschäftigt sind und fröhlich winken, trotz des kalten Winds. Immerhin: Sortland liegt in einer schönen Kulisse, die gerade sogar zu sehen ist. In einer Hand die Fahne, in der anderen das Handy zum Filmen – keine leichte Aufgabe hier vorne am Bug.
Kurs Sortland
Für die “blaue Stadt” bleibt wieder kaum Zeit, es lohnt sich nicht, hier von Bord zu gehen. Wir fahren rasch weiter nach Stokmarknes. Weniger als zwei Stunden später erreichen wir den “Geburtsort der Hurtigrute” mit dem privaten Hurtigruten-Museum und der alten Finnmarken. Die Zeit reicht, um entweder einmal durch das alte Schiff zu gehen, oder um im Coop Leergut zurückzubringen. Coop macht bei den günstigen Schokoladenpreisen nicht mit, 69 NOK ist mir die 200g-Tafel dann doch nicht wert…
Stokmarknes und Hurtigruten-Museum
Es dauert etwas, bis wir ablegen – Kabinennummern werden ausgerufen, dann der Reiseleiter einer Gruppe – da fehlt wohl jemand… Als es dunkel und neblig ist, fahren wir weiter in den wunderschönen Raftsund, der Lofoten und Vesterålen voneinander trennt, und dessen Schönheit und in der Finsternis verborgen bleibt.
Dafür halten wir an der Mündung des Trollfjords, und nehmen die Abkürzung durch den schmalen Svartsund dorthin. Davor gibt es einen Point of Interest auf Deck 7, bevor sich (fast) alles am Bug drängt, um einen Blick auf den Trollfjord zu erhaschen. Die schneebedeckten Inselchen des Svartsunds wirken in der Finsternis unwirklich, und die Berge am Eingang des Trollfjords werden von den Scheinwerfen der Nordkapp nur teilweise erhellt. Das Handy macht mal wieder die besten Bilder (solange man sie sich nicht in groß anschaut)…
Im RaftsundSvartsundTrollfjord
Dann geht die Fahrt weiter nach Svolvær. Das Buffet für das Abendessen öffnet schon um 17:30, für alle, die auf Ausflug gehen. Kai und ich schauen uns die Schlange an und verzichten erst einmal… und da wir eh in den Anker wollen, den kleinen Pub in Svolvær, bestellen wir dort einfach Pizza vor. Die Online-Bestellung scheitert an der Tischnummer, also anrufen: Der Kollege redet nur Englisch, kein Norwegisch? Auch in Norwegen finden sich immer weniger Einheimische, die im Service arbeiten wollen…
Svolvær
In Svolvær liegt Schnee, der langsam in Schneegraupel über geht. Kein schönes Wetter für einen Stadtspaziergang, da ist der Pub genau richtig. Gute 30 Euro werden gegen eine Pizza und ein Bier getauscht, und in eine gesellige Stunde im urigen Pub investiert. Immer wieder eine schöne Abwechslung, wenn ich gestern schon nicht motiviert genug für das Nachtleben in Tromsø war. Aber da trifft man Sonntags gegen Mitternacht eh nur noch Touristen…
Auf dem Rückweg begleitet uns ekelhafter Schneegraupel, zum Glück ist es nicht weit zum Schiff. Dort berichtet uns der Trollbeauftragte der Sektion Dovre die volle Wahrheit über die Trolle, und warum es nachts so gefährlich ist in Norwegen. Passend dazu schaukelt das Schiff entlang der Lofotenküste, während der Graupel an die Scheiben prasselt. Gespenstisch…
Stamsund
Ja, und dann macht sich diese Erholungsreise doch bemerkbar, ein früher Feierabend ist reizvoll. Das Schiff leert sich noch bevor wir Stamsund erreichen. Außer den hohen Bergen und ein paar Lagerhäusern ist von dem Ort nichts zu sehen, nur seine Lichtkuppel schimmert hinter den Bergen. Jetzt geht es raus auf den Westfjord, nach Bodø. Bei rund 1,5 Meter hohen Wellen schaukelt es ein wenig, als wir durch die Dunkelheit fahren. Endlich Ruhe, um mein Blog zu schreiben.
Aber nööö, um 23 Uhr wird Nordlicht durchgesagt. Also weg mit dem Laptop, her mit der Jacke und ab an Deck: Naja. Über uns ist eine Wolkenlücke, und tatsächlich auch ein schwacher heller Streifen. Kurze Info an die Whatsapp-Gruppe, was Stand der Dinge ist, und fünf Minuten später das Update, dass ich jetzt mit bloßem Auge nichts mehr sehe. Da war zwar was, aber gegen Dunst kann es sich nicht durchsetzen. Immerhin die Lofotenwand sieht man ganz nett schimmern, unter der Lichtverschmutzung der Ortschaften.
Ein Hauch von Polarlicht und die Lofotenwand im “Rückspiegel”
Diese Polarlichtsichtung kann man getrost abhaken und Feierabend machen. Schluss für heute.
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