Hurtigrute Tag 1: Bergen?

5. März 2019, nach den ersten Sommertagen (zumindest hat das Thermometer in Süddeutschland letzte Woche an der 20-Grad-Marke gekratzt) und Herbststürmen (mancher Faschingsumzug wurde abgesagt) starte ich bei recht angenehmen Temperaturen auf meine letzte Hurtigrute für diese Saison. Der Sonnenaufgang ist durchaus beeindruckend.

Sunrise

Das einzige Problem bei der Sache ist das süddeutsche Autobahnnetz. Der Flieger geht um 11:50 nach Amsterdam. Zwei Stunden vorher am Flughafen sein, nochmal eine halbe Stunde drauf für den Transfer vom Parkplatz zu Flughafen (weil sich ja kein normalverdienender Mensch das Parken am Flughafen leisten kann), dann 150 km Autobahn bis zum Flughafen Frankfurt (rechnen wir mal 2,5 Stunden mit Stau), dazu noch ein paar Minuten Frühstück – also Wecker auf sechs Stunden vor Abflug stellen. Gähn.

Wolken in Frankfurt

Wieder Erwarten geht die Anreise aber ohne Stau über die Bühne, und ich bin mit ordentlich Zeitpuffer am Flughafen. Am Check-In sind auch schon die ersten Gäste, denen ich mich zu erkennen gebe, bevor es durch die Security geht. Diesmal gibt es für die Fototasche das volle Programm, und mein Taschenspektroskop bringt die Mitarbeiter völlig durcheinander. Die mögen sich ja eine satte Lohnerhöhung erstreikt haben, aber Bildung gab’s dafür trotzdem keine. Immerhin wird’s nicht gesprengt… Frankfurt selbst bietet einen wolkenverhangenen Himmel, dafür ist der Flug bis auf den etwas holprigen Landeanflug auf Amsterdam unspektakulär.

Lecker Bordverpflegung

Mein Gemecker über den letzten Flug scheint was gebracht zu haben: Zwischen meinen Knien und dem Vordersitz ist diesmal ein komfortabler halber Fingerbreit Platz, und ich konnte beim Check-In in der App am Vortag sogar meinen Sitzplatz auswählen. Dafür ist die Maschine mal wieder überbucht… Die Snacks sind wie üblich: Rührkuchen auf dem ersten Flug, ein Gemüse-Wrap auf dem zweiten Flug. Ansonsten gibt’s nichts zu berichten: Wir sind pünktlich, und das Gepäck ist auch dabei. Alles gut.

Aberglaube bei KLM

Etwas irritierend finde ich nur, dass ich auf dem Flug nach Bergen in Reihe 14 sitze und direkt vor mir schon Reihe 12 ist. Der Aberglaube hält sich wohl. Aber was soll’s, der Flug geht glatt.

In Bergen warten mein Lektoren-Kollege Hans sowie unsere beiden Reiseleiter Alex und Stefan schon auf uns und nehmen die Gruppe in Empfang. Mit zwei Bussen geht es dann auf eine kurze Stadtrundfahrt durch Bergen. Wir verlassen den Flughafen etwa gegen Sonnenuntergang kurz nach 18 Uhr, damit ist es noch hell genug, um ein bisschen was von der Stadt zu sehen. Die alten Holzhäuser von und hinter Bryggen sind immer wieder Highlights, die Marienkirche (die bis 2015 renoviert wurde und das älteste erhaltene Gebäude der Stadt ist) ebenso, auch wenn es kürzlich wohl durch eine Sprinkleranlage zu einem Wasserschaden kam. Durch die getönten Busfenster in die Dämmerung zu fotografieren ist aber nur mäßig ergiebig. Irgendwann muss ich mir nochmal ein, zwei Tage in Bergen gönnen…

Bis wir auf dem Schiff sind und unsere Bordkarten in der Hand halten, ist es etwa 19 Uhr. Obwohl Hans und ich zügig zur Bordreiseleitung gehen, um die reservierten Vortragsräume abzuklären, sind wir zu spät: Zwei andere Reisegruppen waren schon da, und die Reservierungsanfrage ging wohl unter. Immerhin kriegen wir noch ein paar gute Termine, an denen es keine Kollisionen mit der Landschaft, Sehenswürdigkeiten oder Schiffsterminen gibt. Morgen geht’s auch schon los.

Bergen mit dem Fløien

Der Boarding-Stress geht gleich weiter: Der Sicherheitsfilm wird nicht mehr gezeigt, bevor man das Schiff betritt, sondern erst an Bord – letzte Vorstellung gegen 19:30. Da hilft es auch nicht, dass er schon siebenmal gezeigt wurde, wenn wir gerade erst an Bord gekommen sind. Für die letzte Vorstellung reicht es noch, dann ab ins Restaurant in die Schlange stellen, bevor es um 21 Uhr zu macht. Die Vorstellung der Crew verpassen wir somit, aber immerhin in der Bordreiseleitung sind ein paar bekannte Gesichter. Danach kurz in die Kabine, auspacken, und um 22:30 heißt es Leinen los!

Die Askøy-Brücke

Dadurch hatte ich diesmal noch nicht einmal Zeit, kurz von Bord zu gehen, um Vorräte einzukaufen oder das Schiff von der anderen Seite des Hafenbeckens zu knipsen. Das wäre aber ohnehin sinnlos: Es regnet wieder einmal. Dementsprechend wenig Spaß macht das Ablegen, und nachdem wir die Askøy-Brücke passiert haben, ist es auch Zeit für Feierabend (bzw. die ersten Bilder sortieren und kurz dieses Blog schreiben).

Und nun: Mal schauen, was die nächsten Tage bringen!

Hurtigrute Tag 2: Ålesund & First Light

Bestes Wetter am Westkapp

Was für ein Tag!

Nach den Stürmen der letzten Tage hatte ich am Westkap eigentlich etwas mehr Bewegung im Schiff erwartet, aber stattdessen gab es einen Ententeich, bei dem einem niemand glaubt, dass die Gegend ein Schiffsfriedhof ist und die Wikinger ihre Schiffe lieber über Land tragen als dem Sturm auszusetzen. Geschweige denn, dass der norwegische Staat einen Schiffstunnel bauen will, um die Gegend zu vermeiden.

Recht ruhige See

So kann ich nach Måløy in aller Ruhe und gefahrlos duschen, bevor ich mich mit der Kamera an Deck begebe. Ende des Monats ist Tag-und-Nacht-Gleiche, dementsprechend früh ist es schon hell. Bei prächtigem Sonnenschein ist es fast unmöglich, schlechte Fotos zu machen. Echtes Bilderbuchwetter, und nur ein wenig auf und ab. Besser kann die Reise kaum starten.

Kurz vor Torvik

Am Westkap bietet das Expeditionsteam den ersten Point of Interest an, mit Infos zu dieser Region. Aber auch wenn es fast ein Frevel ist: Ich nutze die Zeit, um frühstücken zu gehen. Schließlich steht um 10:30 – also während unseres kurzen Aufenthalts in Torvik – die Willkommensveranstaltung für unsere Gruppe an. Alex, Stefan, Hans und ich stellen uns vor, geben die Grundinfos zur Reise und stoßen auf die Reise an. Auch wenn das eine Gruppenreise ist: Wir machen nur Angebote, drängen uns aber niemandem auf. Wer will, kann fast Individualurlaub machen. Aber wir dürfen auch schon die ersten Kameras erklären.

Wir fassen uns zwar kurz, aber bis zum Mittagessen bleibt trotzdem nicht viel Zeit. Schließlich legen wir heute schon um 12 Uhr in Ålesund an. Da wir ohnehin noch ein bisschen mit Aufräumarbeiten nach dem Welcome-Drink beschäftigt sind und damit die Ausflügler in Ruhe essen können, gehen wir erst um 12 zum Restaurant – aber nicht hinein, es ist voll, und wir müssen warten, bis Plätze frei werden. Ich muss mal schauen, wie viele Passagiere auf dem Schiff sind. Meine Schätzung ist wirklich ausgebucht.

Daher wird es etwas später, bis ich das Schiff verlassen kann. Der Berg ruft, aber diesmal wiederstehe ich dem Ålesunder Hausberg Aksla und drehe eine kleine Runde bis zum Stadtzentrum der Jugendstilstadt. Die üblichen Fotomotive wollen besucht werden – im Hotel im Brosund wird leider renoviert und ist hinter einer weißen Plane versteckt. Anschließend mache ich mich am Fuß des Aksla auf den Weg zum Waldehuset. An dem alten Holz-Eckhäuschen bin ich zwar schon oft vorbeigelaufen, aber jetzt nehme ich es erstmals bewusst wahr: Hier endete der Stadtbrand, durch den Ålesund von der typisch norwegischen Holzstadt zu der heutigen, steinernen Jugendstilstadt wurde. Der Besitzer weigerte sich damals, sein Haus zu verlassen, weil ihm Engel bestätigt hätten, dass er in Sicherheit wäre. Tatsächlich hat das Feuer sein Häuschen verschont, das heute ein Museum beherbergt. Moderne „Sehenswürdigkeiten“ auf dem Weg sind ein Rock-und-Metall-Plattenladen, der Burger Kind und der Fretex (der Laden der Heilsarmee) – irgendwie ist mir die Straße bisher völlig entgangen.

Auf dem Rückweg schaue ich am Ålesund Museum vorbei. Auch ohne in das Museum zu gehen, gibt es an der Außenwand einige Bilder der alten Stadt zu sehen, dazu zahlreiche Kanonen (die einst im Hafen als Poller dienten) und einen hübschen kleinen Aussichtspunkt. Nett.

Coastal Kitchen

Anschließend langt es noch für einen kurzen Besuch im Stadtparkt und im Einkaufszentrum, bevor ich mich zurück aufs Schiff mache. Um 15 Uhr legen wir, gleich darauf stellt der Chefkoch die Coastal Kitchen auf Deck 7 vor (mit deutscher Übersetzung durch die Reiseleitung): Lamm, Bier und Linie Aquavit. Viel Zeit bleibt mir dafür nicht: Um 16 Uhr halten Hans und ich unseren gemeinsamen Doppelvortrag zum Nordlicht: Ich die Theorie, er die Fototipps. Das klappt gerade so: Kurz nach 16 Uhr endet der englische Polarlichtfilm des Schiffs, sodass wir mit etwas Verspätung anfangen. Und um 17 Uhr ist schon die nächste Veranstaltung im Vortragsraum, Land & Leute vom Expeditionsteam. Wir räumen den Saal und widmen uns den nächsten Kameras. Dafür bleibt nur knapp eine Stunde, denn um 18:00 gibt es schon Abendessen.

Molde

Die Einfahrt nach Molde verpasse ich daher, erst im Hafen kann ich ein paar Fotos machen. Diesmal gibt’s also kein Bild davon, wie das segelförmige Scandic in der Sonne glitzert. Was für ein Stress – ich bin noch nicht mal dazu gekommen, meine Cruisecard mit der Kreditkarte zu koppeln, also gibt es heute nur Wasser zum Trinken. Aber das Essen kann sich sehen lassen.

Anschließend bieten Alex und Stefan noch eine kleine Reiseleitersprechstunde an, für alle die morgen früh nach Trondheim wollen. Die ist recht ruhig, und wir können etwas quatschen, bevor die Durchsage kommt: Wir haben etwas Nordlicht, aber kein Grund, nach draußen zu hetzen. Nicht schlecht: Am zweiten Abend ist die Pflicht schon erfüllt, was den Erfolgsdruck von der Reise nimmt.

Zuerst Bug voraus, später an der Backbordseite ist ein schöner, flacher Bogen zu sehen, der später sogar eine Spur des geisterhaften Grüns und ein paar Strukturen zeigt. So weit im Süden ist das schon gar nicht schlecht – nach einem traumhaften Tag das erste Polarlicht. So kann die Reise weitergehen, und vor allem kann so jeder schon einmal mit seiner Kamera üben. Bis wir Kristiansund erreichen, habe ich knapp 2000 Bilder im Kasten. Der Rest der Nacht geht für Bilder kopieren und bearbeiten sowie dieses Blog drauf. Die Bilder des Tages kann ich aber erst am dritten Reisetag einfügen – mit dem Zeitraffer ist mein kleiner Rechner voll ausgelastet. Wenn ich morgen früh aufstehe, sollte er mit den Bildern durch sein, und ich kann den Rest sichten und einfügen.

Nachtrag: Auf https://twitter.com/AlexKerste/status/1103642886699143169 gibt’s das Video.

Hurtigrute Tag 3: Trondheim

Morgens um 8 in Trondheim

Nach dem Bilderbuchwetter gestern ist Trondheim schon deutlich unfreundlicher: Bedeckter Himmel, leichter Schneefall und sechs Grad unter Null. Ich hatte ja mit dem Gedanken gespielt, mir den Sonnenaufgang mal von der Festung aus anzuschauen, aber mangels Sonne hat sich das erledigt. Für „Trondheim unter Wolken“ gehe ich nicht in aller Frühe hoch zur Festung.

MS Vesterålen

Das ist dann leider auch die letzte Chance gewesen, eventuell einen Sonnenaufgang in Trondheim zu erleben. Ab Sommer gibt es einen neuen Fahrplan mit deutlich kürzerer Liegezeit als jetzt. Dann liegt die nordgehende Hurtigrute von 10:00-13:15 in Trondheim und die südgehende von 6:30-9:45. Bei einer knappen halben Stunde Marsch ins Stadtzentrum bleibt dann nicht mehr so viel Zeit für einen Besuch der Stadt. Ebenso entfällt die Schiffsbegegnung am Kai – in Zukunft gibt es keine Möglichkeit mehr, andere Schiffe zu besuchen.

Ich mache mich um kurz vor 9 auf den Weg in die Stadt und habe effektiv also auch nur 3 Stunden Zeit, aber das ist schon relativ knapp, wenn man nicht weiß, wo man hin will – oder wenn man shoppen will. Immerhin gibt es noch die Stadtpläne mit Vorschlägen für Rundgänge, inkl. Zeitangaben.

Ich nehme meine Standard-Route, an den Bahngleisen vorbei über Nedre Elvehavn mit seinen schmuck renovierten und umgebauten Industriegebäuden nach Bakklandet, dem ehemaligen Armenviertel mit kleinen, heute herausgeputzten Holzhäuschen. Dazu immer wieder ein Blick über den Fluss Nidelv auf die alten Speicherhäuser. Ein Blick in die Hinterhöfe zeigt, dass Feuer auch heute noch ein Problem ist: Ein Anschlag verbietet Grillen, weil die Sprinkleranlage mit Wärmebildkameras gekoppelt ist.

An der Brücke zur Innenstadt werfe ich den üblichen Blick nach links zum Fahrrad-Lift: Im Sommer wird hier Radfahrern den Berg hinauf geholfen. Daneben ist eine Ausleihstation für Fahrräder, und ein paar Meter den ursprünglichen Weg weiter werden Fahrräder repariert. Die Stadt ist auf Radler ausgerichtet… Der Weg ein paar Meter weiter lohnt sich immer, denn vom Ufer aus hat man einen schönen Blick auf Nidaros-Dom und Gamle Bybrua, die markante rote Stadtbrücke, die schon lange keine Zugbrücke mehr ist.

Am Dom liegt kein Schnee, auch wenn es immer wieder Schneeflocken in der Luft gibt. Hinter dem Dom ist der alte Erzbischofspalast, der heute ein Museum beherbergt – das um 11 Uhr aufmacht. Hm… mit den neuen Liegezeiten schaffe ich es vielleicht doch einmal in das Museum?

Torvet

Weiter in die Innenstadt: Noch bis Sommer 2020 ist der Torvet (der Marktplatz) Großbaustelle, danach soll er wieder einige Jahrzehnte halten. Bis dahin wird noch gebuddelt. Ich schaue kurz in das Torget-Einkaufszentrum (die in das Gebäude integrierten alten Häuser faszinieren mich immer wieder), dann auf der anderen Seite vom Platz in die Buchhandlung und in die Var Frue Kirke – eine offene Kirche, in der sich Obdachlose aufwärmen können, und außerdem ein schönes Gebäude.

Tja, und dann ist es auch schon wieder Zeit, zurückzukehren. Noch ein Blick auf die örtliche Residenz des norwegischen Königs (Stiftsgården, Norwegens größtes Holzhaus, das von hinten hübscher ist als von vorne und direkt gegenüber vom Burger King liegt), und am Yachthafen vorbei zurück zum Schiff.

Munkholmen

Gleich nach dem Ablegen ging das Schiffsprogramm weiter: Point of Interest Insel Munkholmen. Das Expedionsteam erzählt die Geschichte der ehemaligen Kosterinsel und Gerichtsstätte, während wir gefühlt näher an Munkholmen vorbei fahren als üblich. Auch wenn das Wetter mäßig ist, gibt es so ein paar schöne Bilder. Anschließend Mittagessen, während wir durch den Trondheimfjord fahren. Ich mache es mir im Panoramasalon bequem, als eine Durchsage ertönt, die mit Applaus begrüßt wird: Es ist nicht erlaubt, Sitzplätze zu reservieren, und herrenlose Gegenständer werden demnächst eingesammelt und an der Rezension zum halben Preis verkauft.

Kjeungskjærfyr

Respekt, das hätte schon viel früher gemacht werden sollen.

Mich betrifft das nicht, ich mache es mir in der zweiten Reihe bequem und beende mein Blog von Tag 2, bis Kjeungskjærfyr in Sicht kommt. Also zum Bug, vom Wind durchgeblasen werden und zurück Richtung Rettungsbote, wo es sich besser aushalten lässt. Nett, nur gibt der graue Himmel keinen schönen Kontrast her. Das klasse Wetter von Ålesund haben wir leider hinter uns gelassen, wir sind etwa an der Grenze einer Wolkenfront – die nächsten Tage ist alles möglich.

Stokksund

Gut eine Stunde später erreichen wir gegen 16 Uhr den schmalen Stokksund, der normalerweise nur bei gutem Wetter passiert wird. Aber der Käptn gibt sein Bestes, und wir haben die Felswände fast zum Greifen nah. Nur der Schneegraupel, der uns ins Gesicht bläst, ist uns noch näher. Brr. Aber trotzdem irgendwie schön. Norwegen halt.

Land und Leute

Obwohl heute eigentlich ein Seetag ist (oder Sehtag?), kommt man kaum zur Ruhe. Um 17 Uhr lädt das Expeditionsteam zu seinem Norwegen – Land-und-Leute-Vortrag ein, bei dem auch mein Polarlichtfilmchen von gestern gezeigt wird, und eine halbe Stunde später um 18 Uhr steht schon wieder das Abendessen an. Dann zeigen wir wieder Flagge an unserem üblichen Platz an der Bankreihe auf Deck 4 vor dem Restaurant und klären noch ein paar Fragen der Gäste, bis wir Rørvik erreichen.

Rørvik

Noch einmal liegen zwei Schiffe nebeneinander, ab Sommer gibt es das Treffen auch nicht mehr. Ich mache den Fehler und nutze die Gelegenheit, noch einmal zwei Schiffe nebeneinander zu fotografieren – die anderen gehen für die Viertelstunde an Bord der Spitzbergen und treffen auf Kai, mit dem ich auch schon einige Touren hatte. Aber wahrscheinlich fahre ich mit ihm in der nächsten Saison. Trotzdem schade, ich hätte ihm gerne Hallo gesagt. Schade, dass die Schiffsbegegnungen im Hafen demnächst Geschichte sind.

Die Spitsbergen neben der Nordnorge

Der Rest ist schnell erzählt: Es gibt zwar tolles Polarlicht, aber bei uns nur Wolken, sodass wir den Tag beenden und uns der Arbeit widmen: Morgen ist der nächste Vortrag, dieses Blog will geschrieben werden, und der Polarkreis wird überquert. Zwischen 7 und 8 wird es auch schon hell genug sein, dass die Kugel zu sehen sein wird. Mal sehen, ob ich mir das antue…

Hurtigrute Tag 4: Polarkreis, Bodø und Trollfjord

Vikingen

Uff – wir haben wirklich schon Tag 4 unserer Reise, ein Drittel ist vorbei. Wie die Zeit vergeht, wenn man Spaß hat… Etwa um 7:12 Uhr haben wir den Polarkreis überquert, und ich habe es tatsächlich geschafft, gerade noch rechtzeitig an Deck zu sein. Ein letzter Blick auf die Insel Vikingen, dann auf das Kamera-Display – völlig falsche Einstellungen. Das ist das Blöde bei einer DSLR: Der Blick in den Sucher ist doch anders als das Ergebnis… Also gibt’s die Bilder doch nur aus einigem Abstand und nicht so schön wie geplant. Egal.

Traumhaft schön

Immerhin: Normalerweise kenne ich die Kugel auf der Wikinger-Insel nur bei Nacht; sie nordgehend im Sonnenschein – wenn auch unter einer geschlossenen Wolkendecke – zu sehen ist mal eine nette Abwechslung.

Die Reise vom Polarkreis nordwärts führt an einer wunderbar schroffen, gebirgigen Landschaft vorbei, die auch trotz der niedrigen Wolkendecke beeindruckt. Bis zum nächsten Ereignis bleibt genug Zeit für das Frühstück, und kurz nach acht begegnen wir der südgehenden Hurtigrute MS Nordlys. Hoffentlich bleibt das heute nicht das einzige Nordlicht, aber wir sind genau an der Wolkengrenze. Jeder Wetterbericht meint was anderes…

Ørnes

Um 9:30 steht Ørnes an, einer der am schönsten gelegenen Häfen der Hurtigrute. Mit dem grauen Himmel kann er seinen Reiz nicht ganz entfalten, aber ich bin trotzdem irritiert, wie wenig Leute an Deck sind – Deck 7 ist fast leer, sogar im Panoramasalon sind noch Plätze frei. Seltsam und seltsamer…

Eine Stunde später folgt die Polarkreistaufe, die Zeit bis dahin wird mit der Reiseleitersprechstunde überbrückt. Jetzt ist es auch voll an Deck.

Ich kenne das Spiel ja mittlerweile: Alles drängt sich an Deck, und fotografieren ist fast unmöglich. Dank DSGVO ist das für einen armen Blogger aber auch egal, veröffentlichen darf man ja eh kaum noch etwas. Also: Ab ganz ans Heck, sodass ich Blick auf den Raum vor den Schornstein habe. Der Gewinner des Polarkreiswettbewerbs wird bekannt gegeben, er erhält die Hurtigrutenflagge, die bei Überquerung des Polarkreises am Schiff geweht hat, samt Unterschrift vom Käpitän und die Pole Position bei der Taufe – das Eis steht bereit, nur Njord muss noch herbeigerufen werden. Mit kräftigem Anfeuern durch die Gäste erscheint er dann auch auf dem Deck vor dem Schornstein, gibt seine Macht über das Wasser bekannt (auch über das Heißwasser, das heute früh wegen Reparaturarbeiten kurzzeitig gefehlt hatte), kämpft im Wind mit seinem Bart, lässt sein mächtiges Horn erschallen und schreitet zur Taufe herbei. Das ist der Moment, in dem ich mich verdrücke: Einerseits habe ich die Taufe schon einmal mitgemacht, und andererseits halte ich um zehn Uhr meinen ersten Solo-Vortrag über den aktuellen Sternenhimmel, garniert mit ein paar griechischen Sternsagen. Der Rest der Sagenwelt kommt in einem späteren Vortrag dran.

Bodø

Und dann? Ein Blick nach draußen, wo das Wetter schöner (wenn auch nicht wärmer) wird und Bodø langsam in Sicht kommt. Die Landschaft ist schöner als der Ort, trotzdem steht ein kleiner Abstecher nach Bodø auf dem Programm. Aber erst lassen wir die Ausflügler zu Mittag essen, dann stürzen wir uns auf das Buffet.

Der Gang in die Stadt dauert etwa 15 Minuten, wobei die Hauptstraße immer noch eine Baustelle und für Fußgänger gesperrt ist. Was soll ich sagen: Bodø ist kaputt. In der windigsten Stadt Norwegens weht gerade mal ein laues Lüftchen.

Direkt am Anleger ist das Denkmal für das verunglückte Hurtigrutenschiff Prinsessin Ragnhild, ansonsten hat die moderne Stadt erst einmal nicht so viel für das Auge zu bieten: Sie wurde im Krieg zerstört und rasch wieder aufgebaut, seitdem ist sie stark gewachsen. Leider ist Nachkriegsarchitektur touristisch eher uninteressant, der Reiz von Bodø braucht ein paar Besuche, um sich zu entfalten. Aber es gibt das markante graue Rathaus mit seinem Turm, das gerade erweitert wird, die seltsame Kirche mit freistehendem Glockenturm, dahinter das interessante Nordlandmuseum, und am Hafen das Lachsmuseum/Salmon Center. Entgegen anderslautenden Gerüchten ist es immer noch offen. Sehr zu empfehlen, wenn man Englisch kann.

Fantastisches Licht

Nach dem Gang durch Bodø bin ich erst einmal platt – eigentlich wollte ich nur kurz die Kamera ablegen, daraus wird eine halbe Stunde im Bett. Und dann verlassen wir schon wieder Bodø und ich muss raus. Wir haben eine fantastische Lichtstimmung, während wir weiterfahren. Eigentlich sollte ich Filter für meine Kamera holen, aber dann würde ich hier was verpassen… und noch was gibt es zu sehen: Die Lofotenwand, also die unzähligen Berggipfel der Lofoten-Inseln. Auf so eine Fernsicht hätte ich nicht gewettet. Und was ich zum ersten Mal hier bemerke: Eine Fata Morgana. Einige der vorgelagerten, dunklen Inseln scheinen über dem Wasser zu schweben. Eigentlich nicht so eindrucksvoll wie ich mir eine Fata Morgana vorgestellt hatte, aber trotzdem ein interessanter Anblick, zumindest mit dem Teleobjektiv.

Normalerweise bekomme ich von dieser Strecke nicht viel mit, da es einerseits dunkel ist und ich andererseits hier meinen üblichen Vortragstermin habe, aber jetzt habe ich Zeit, um auf den Leuchtturm Landegode zu warten. Er liegt hübsch vor einem Berg, bekommt das richtige Licht ab, und nach einer Dreiviertelstunde an Deck ist mir kalt. Aber das war es wert:

Das Schiff ist mittlerweile richtig voll: Die Hurtigrute dient ja bei aller touristischer Auslegung immer noch für den öffentlichen Nahverkehr, und es ist voll mit Norwegern, die für das Wochenende von Bodø auf die Lofoten fahren. Freitagnachmittag halt, da sind unsere Straßen und Züge ja auch voll.

Vielversprechendes Wetter im Westfjord

Die weitere Fahrt über den Westfjord ist ruhig, wahnsinnige 30 Zentimeter hohe Wellen waren angesagt. Ich nutze die Zeit, um in der Kabine auszuruhen, wo ich keinen störe. Zum Abendessen sieht der Himmel vielversprechend aus, vielleicht haben wir ja doch noch Glück?

Stamsund

In Stamsund ist der Himmel klar, aber keine Spur von Nordlicht. Alle Prognosen sind auch pessimistisch: Die Polung ist falsch, es kommt einfach nichts zu uns durch. Kurz vor Svolvær zeigt der ACE-Satellit etwas brauchbarere Daten – wird es in ein, zwei Stunden im Raftsund klappen? Wäre ja toll. Und die Hoffnung stirbt zuletzt (aber sie stirbt!).

Die Nordkapp

Zwischen Stamsund und Svolvær ist nichts, nur die südgehende MS Nordkapp bringt Licht in die Nacht. Erstes Schiff, erste Liebe… klar, dass ich an Deck bin und dem Schiff zuwinke, auf dem ich meinen ersten Touren hatte. Sie fährt schön nahe an uns vorbei, und die Schiffe begrüßen sich mit lautem Hupen. Immer wieder eine schöne Tradition:-) Ein paar Minuten später erreichen wir dann auch Svolvær auf den Lofoten.

Galerie Dagfinn Bakke

In Svolvær sorgte der Wind für unangenehme Temperaturen, sodass ich es bei einem kleinen Spaziergang durch die Dunkelheit belasse. Ein Ziel ist die Galerie von Dagfinn Bakke. Als die Hurtigrutenschiffe noch alle individuell ausgestattet waren, hatte er die Finnmarken mitgestaltet und ist für seine Cartoons ebenso bekannt wie für die (unbeleuchtete) Statue der Fischerfrau, die am Hafeneingang von Tromsø steht. Am 1. Januar 2019 starb der Künstler 85-jährig, seine Galerie wird aber weiterbetrieben. Heute hat sie zu, die Öffnungszeiten sind meist bei Tag (verständlicherweise).

Die Fahrt durch den Raftsund ist ruhig: Sternklarer Himmel, überraschend wenig Schnee an den Berghängen, und keine Spur von Polarlicht. Frust.

Ein Hauch von Nordlicht

Kurz vor dem Trollfjord, ein paar Minuten nach 23 Uhr, zeigt zumindest die Kamera einen Hauch von Grün. Visuell: Ich müsste lügen, wenn ich sagen wollte, dass da was mit Sicherheit zu sehen wäre… Trotzdem lasse ich meine Kamera mal laufen. Am Trollfjord bewegt der Käptn das Schiff passt perfekt: Erst wird der Fjord vom Bug aus beleuchtet, dann dreht das Schiff, und er ist vom Heck aus zu sehen, wo magischer Trolltrunk verkauft und Fiskekake serviert werden. Und dann: Tatsächlich ein helleres Grau am Himmel – das Nordlicht lebt!

Zumindest ein wenig… als ich meine Kamera vom vollen Deck 7 wieder auf 5 gebracht und aufgebaut habe, ist schon wieder nur diffuses grünes Licht zu erahnen. Kurz nach Mitternacht ziehen dann auch Wolken aus. Das war es wohl für diese Nacht. Das Ergebnis im Zeitraffer sieht ganz nett aus, aber irgendwie muss da doch noch mehr gehen.

Ein Hauch von Nordlicht im Raftsund…

Hurtigrute Tag 5: Tromsø und Polarlicht

Kurs Tromsø

Wir nähern uns meiner norwegischen Lieblingsstadt: Tromsø. Die Wetterprognose ist unentschieden, was die Bewölkung angeht, aber die See ist ruhig und die Temperaturen knapp unter null. Harstad habe ich verschlafen, und am nicht mehr ganz so frühen Morgen ist es dann bewölkt mit klaren Streifen – etwas besser kann es von mir aus bis zum Abend noch werden. Bis dahin ist aber noch viel Zeit, die ab 10 Uhr mit dem Vortrag von Hans über die Sonne gefüllt wird – zusammen mit einem kleinen Streifzug durch die Sternentstehung.

Vortragszeit

Für mich bedeutet das einen ruhigen Tag: Bilder bearbeiten, Vortrag anhören, Bilder machen. Für Tromsø habe ich noch keinen festen Plan, schließlich war ich erst über Silvester für eine Woche da – und hatte wegen Schlechtwetter gerade mal eine halbe Stunde Wolkenlücke mit Polarlicht…

Königskrabben

Kurz nach dem Vortrag beginnt im Bistro des Schiffs eine Präsentation zu Königskrabben. Diesmal muss der Koch dran und präsentiert, was im Aquarium auf Deck 4 schwimmt; füher kam bei Kjøllefjord ein Krabbenfischer vorbei, der mit seinem Boot bei voller Fahrt an der Hurtigrute anlegte. Aber die Zeiten sind wohl vorbei, jetzt macht Hurtigruten das selber…

Finnsnes

Um 11 legen wir in Finnsnes an – zwischen Vortrag, Reiseleitersprechstunde und noch mehr bleibt mir keine Zeit, um kurz von Bord zu gehen, und ich begnüge mich mit ein paar Fotos vom Schiff herunter: Das Männchen mit der Schokowerbung und das Denkmal für den Wikinger Ottar, dazu noch die 1147 m lange Gisundbrücke. Es langt ja immer nur bestenfalls für einen kurzen Spaziergang um den Hügel oder zu Ottar, der auch vom Heck aus gut zu sehen ist.

Kurs Tromsø

Die Fahrt nach Tromsø ist ruhig, kalt und schön (immer wieder eine beeindruckende Landschaft, vor allem im Winter mit Schnee). Gegen 14 Uhr komm die Stadt dann in Sicht, und irgendwas stimmt nicht: Da ist ein neues Hochhaus. Die AidaAURA liegt dort, wo die Hurtigrute vor kurzem noch anlegte, bevor das neue Hafengebäude errichtet wurde. Die AidaAURA hat laut Wikipedia 389 Mann Besatzung und bis zu 1500 Passagiere. Zum Vergleich: Die Nordnorge hat rund 497 Betten und Platz für 590 Passagiere inklusive Tagesgäste, mit 400 Passagieren ist sie schon etwa ausgebucht (nicht jede Kabine ist voll belegt)…

Die Festung Skansen – gut gewappnet für Schneeballschlachten…

Durch das neue Hafengebäude in Tromsø sind leider einige Fotomöglichkeitem weggefallen, sodass Hurtigrute und Aida kaum auf ein Foto passen. Auch Selfies vor dem Bug mit der Eismeerkathedrale gehen nicht mehr.

Ich entscheide mich spontan für einen Gang zu dem roten Türmchen am Ende des Piers, der das Hafenbecken beschränkt. Der Zugang zu dem Pier ist unterhalb der Tromsø-Brücke, und der der Weg zieht sich… Dafür habe ich ein paar neue Fotoperspektiven auf den Hafen, auch wenn ich auch von hier Aida und Hurtigrute auch nicht gleichzeitig aufs Bild kriege. Die Aida ist einfach zu fett. Ich will gar nicht wissen, wie das hier im Sommer aussieht, wenn die großen Kreuzfahrer in der Stadt sind. Und in Trondheim liegen ab Sommer keine zwei Hurtigrutenschiffe mehr gleichzeitig am Kai, damit nicht zu viele Touristen gleichzeitig in der Stadt sind (so ein Teil der offiziellen Begründung)…

Die Domkirche

Auf dem Rückweg hake ich noch einmal die üblichen Sehenswürdigkeiten ab (die Festung Skansen, die wohl bestenfalls einer Schneeballschlacht wiederstehen kann, und die Domkirche), dann shoppen: Tromsøs Greatest Souvenirshop, ein paar Buchhandlungen, Schuhgeschäfte (ich bin ja der Meinung, dass man in Deutschland keine brauchbaren, „zivilen“ outdoortauglichen Schuhe findet. Aber jetzt scheitere ich damit auch in Norwegen) und die Vorräte auffüllen.

Um 18:00 gibt es Abendessen auf dem Schiff, eine halbe Stunde bevor wir ablegen. Es ist noch hell genug, dass ich das Essen nicht wegen Polarlichtwache ausfallen lassen muss. Dann heißt es warten – der Himmel ist okay, nur das Nordlicht fehlt noch. Gegen 21 Uhr geht es dann endlich los, die Strecke Tromsø-Skjervøy lässt uns nicht im Stich: Das Polarlicht ist deutlich, oft relativ ruhig und hell. Chic.

Ich schraube meine Kamera zuerst an den Bug, bis das Schiff nach rechts abdreht und ich an die Seite wechsle. Schöne Show:

Diesmal hält das Polarlicht nicht bis Skjervøy durch, die Aktivität lässt nach, und die Wolken nehmen zu. Aber egal: Es war eine schöne Show zur besten Zeit, und jetzt kann jeder sagen, dass er Nordlicht gesehen hat. Für das Sonnenminimum gar nicht schlecht:-)

Danach wird es ruhig: Ich nutze Skjervøy, um die Bilder für den Zeitraffer oben zu überspielen. Nach Skjervøy ist der Himmel ruhig, es bieten sich noch ein Gespräche, und der letzte Check kurz vor Mitternacht zeigt ein bisschen Polarlicht – aber nicht viel. Schwamm drüber, für heute habe ich genug gesehen und gehe ins Bett.

Das war zumindest der Plan, kurz nachdem ich in der Kabine bin kommt die Durchsage: Vi har nordlys. Toll. Also wieder anziehen und raus: Naja. Hans ist auch da, geht die paar Meter bis zum Bug und ruft mich: Vorne lohnt es sich tatsächlich und ist wieder auf der Level wie vor drei Stunden, als es wirklich schön war. Diesmal kommen zwar noch ein paar Wolken dazu, aber ab Mitternacht gibt es noch einmal rund 20 Minuten schöne Show. Dann heißt es endgültig ab ins Bett.

Hurtigrute Tag 6: Honningsvåg

Diese Reise ist schlecht für meinen Tagesrhythmus: Der Wecker steht auf kurz nach acht, und ich wache bereits um halb acht auf. Obwohl es gestern wieder spät war, dem Nordlichtalarm um Mitternacht sei Dank. Damit bleibt mir genug Zeit, um nicht nur Havøysund zu sehen, sondern auch die südgehende MS Lofoten.

Sie ist das älteste Schiff, dass noch auf der Hurtigrute fährt. Nächstes Jahr, wenn der neue Staatsvertrag gilt und neben Hurtigruten AS auch Haviland die Kystruten (wie die Strecke jetzt heißt, weil die Namensrechte an der Hurtigrute mit der Reederei verkauft wurden) befährt, wird sie aus dem Liniendienst gehen. Die „alte Dame“, die seit 1964 im Dienst ist, erfüllt die neuen Bestimmungen bezüglich Behindertengerechtigkeit nicht, und dank Denkmalschutz darf sie auch nicht umgebaut werden. Wahrscheinlich wird sie dann ähnlich wie die Nordstjernen eigene Touren betreiben – ob entlang der Küste oder nach Spitzbergen, wird sich zeigen. So schön wie heute habe ich sie jedenfalls selten gesehen. Überhaupt sind das gute Wetter und die ruhige See fast unheimlich.

Havøysund als erster Hafen des Tages präsentiert sich schön in der Morgensonne, und zum ersten Mal wird mir bewusst, wie sehr die Kirche einer Stabkirche ähnelt. Nett. Wir erreichen den Hafen mit etwas Verzögerung, was sich über den gesamten Tag hindurchzieht. Havøysund fällt für mich daher mit dem Frühstück zusammen.

Wolkenspiele vor Honningsvåg

Den Point of Interest zur Magerøya-Straße schenke ich mir: Die Zeit verbringe ich teils auf Deck 5, teils in der Reiseleitersprechstunde und teils bei den Bordreiseleitern, meine Videos zur Verfügung stellen. Den Text des Point of Interests dürfte ich kennen: Der mautfinanzierte Tunnel zur Insel, den wir gerade überqueren, die Rentiere, die den Magerøyasund entweder schwimmend oder auf Fähren des Militärs überqueren, das Nordkapp auf der Insel Magerøya, das somit weder auf dem Festland liegt noch der nördlichste Punkt der Insel ist – alles interessant, aber ich muss es nicht jedesmal hören. Lieber das tun, was man auf dieser ereignisreichen Reise ohnehin viel zu selten macht: Einfach mal an Deck stehen und Norwegen genießen!

Kurz vor Honningsvåg taucht eine dunkle Wolkenwand auf und wir fahren durch einen Schneeschauer – schlechte Aussichten für das Nordkap? Nach fünf Minuten endet der Spuk zum Glück, und wir haben wieder bestes Wetter. Wer den Nordkap-Ausflug gebucht hat oder ihn mit einem der lokalen Anbieter, die am Kai stehen, auf eigene Faust macht, wird mit Sonnenschein und Windstille belohnt. Da ich den Ausflug selbst zahlen müsste, verzichte ich wieder (vielleicht auf der nächsten Tour, mal sehen) und erstürme mit Hans und Stefan den Aussichtspunkt über dem Ort.

Honningsvåg ist wunderbar verschneit, auch wenn das den Aufstieg etwas mühsam macht. Durch fast kniehohen Tiefschnee zu stapfen macht nur bedingt Spaß, lohnt sich aber: der Ausblick auf den Ort von hier oben ist immer wieder schön. Beim Rückweg sehen wir das Expeditionsteam beim Schneeschuhhike und hören, wie die Teilnehmer aufgefordert werden, es langsam angehen zu lassen – „without snowshoes, it would be impossible“. Unser Gelächter wird mit einem „It’s easier where you are“ kommentiert:-)

Naja, stapfen wir halt den leichten Weg zurück – um zwanzig vor eins sind wir wieder im Ort, etwas zu spät, um rechtzeitig zum Mittagessen wieder an Bord zu sein. Wegen der Sicherheitsübung gibt es heute nur bis 13 Uhr Essen, normalerweise langt es mir. Egal – ich habe noch einen Apfel und „Sjokoladeterapie“ auf der Kabine, also gönne ich mir noch den Umweg zur Fischereischule auf der anderen Hafenseite, um unser Schiffchen zu knipsen. Sind ja perfekte Bedingungen dafür…

Anschließend noch ein paar Bildchen vom Ort und zurück zum Schiff – trotz Bilderbuchwetter wird es langsam etwas frisch.

Ein kitschiger Sonnenuntergang

Honningsvåg verlassen wir mit einer leichten Verspätung, dann kommt Überfahrt nach Kjøllefjord. Die Barentssee zeigt sich als echter Ententeich, und gegen 17 Uhr kommt die Finnkirche in Sicht. Statt einem Point of Interest an Deck gibt es jetzt vom Expeditionsteam Norwegen Land & Leute mit dem Tagesrückblick. Wer schwänzt, kann nicht nur die Finnkirche sehen, sondern auch einen wunderbar kitschigen Sonnenuntergang.

Vor Kjøllefjord

Früher wurde die Felsformation beleuchtet und beschallt, heute wird der ehemalige samische Opferplatz ignoriert – ob aus Respekt oder wegen Streiterein darüber, wer den Betrieb der Lichtanlage bezahlt, ist unklar. Auch der Krabbenfischer, der in Kjøllefjord früher an Bord kam, ist Geschichte. Die Firma ist wohl bankrott, und mit dem Fischer kam kein neuer Vertrag zustande.

Daher sehen nur eine handvoll Leute die Felsformation, die bei Tageslicht wirklich an eine Kirche erinnert: Ein hoher Turm, an den das flache Kirchenschiff anschließt. Im Januar 2016 hatte ich sie mal beleuchtet und mit Mond erlebt – das war richtig mystisch, heute im Sonnenschein ist die schmale Mondsichel über ihr lediglich nett anzuschauen.

Kjøllefjord

Im hübsch verschneiten Kjøllefjord machen wir nur kurz Halt, bevor es bei schönstem Wetter weiter geht. Für uns heißt das Abendessenzeit, jetzt ist das Nordkap-Buffet auf dem Programm. Also feste Sitze, aber freie Essenswahl. Es mag sein, dass ich mich am Rentiergeschnetzelten leicht überfressen habe, aber ich hatte ja auch kein richtiges Mittagessen…

Anschließend heißt es abwarten. Bislang hatten wir ja bestes Wetter, Nordkap mit Sonne und ohne Wind ist sehr selten. Aber zumindest das Weltraumwetter könnte mal etwas unruhiger werden. Wir haben sternklaren Himmel, ruhige See und nur acht Grad unter null – aber bestenfalls ein Hauch von einer Ahnung von Polarlicht. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt – gegen Mitternacht gebe ich auf. Immerhin ist für morgen auch klarer Himmel angesagt. Wir werden sehen.

Einziger Lichtblick: Ich bin mit meinem Blog auf dem aktuellen Stand.

Hurtigrute Tag 7: Wendepunkt Kirkenes

First Eis vor Kirkenes

Es ist soweit: Heute Nacht haben wir mit Vardø den östlichsten Punkt der Route passiert, und Vadsø kurz vor 7 Uhr habe ich ebenso verschlafen. Als wir Kurs auf Kirkenes nehmen, bin ich dann auch irgendwann wach. Draußen: Traumhaftes Wetter, rund -10° auf dem Schiff (in Kirkenes sind es dann nur noch ein paar Grad unter Null, mit schöner, trockener Kälte) und Eis auf dem Wasser. So kommt Arktis-Feeling auf!

In Kirkenes staut sich sich dann erst einmal alles vor der Tür: Die Ausflügler wollen ebenso raus wie die Passagiere, die in Kirkenes aussteigen. Und vorher wird noch das Gepäck an Land gebracht – gut, dass ich es nicht eilig habe.

Für alle Ausflüge, von der Husky-Tour über Snowmobile bis hin zur Fahrt an die russische Grenze (zu der auch ein Besuch der Anders-Grotte und der unrühmlichen deutschen Geschichte hier vor Ort gehört) ist es bestes Wetter. Ich entscheide mich für einen Spaziergang in den Ort, aber diesmal „falsch rum“: Zuerst zu dem Aussichtspunkt (einer Kurve über der Stadt), dann kurz in den Ort rein, statt wie gewohnt über die Andersgrotta direkt nach Kirkenes.

Blick auf Kirkenes vom Aussichtspunkt
Chinatown?

In Kirkenes hat sich seit meinem letzten Besuch nicht viel verändert, außer dass mehr Schnee liegt. Die zweite Uhr an der Kirche ist immer noch kaputt, dafür steht ein chinesisches Tor vor ihr. Vielleicht erhält Kirkenes nun eine veritable Chinatown?

Schneeschippen für Profis

Wie die meisten Städte in der Finnmark profitiert auch Kirkenes davon, wenn Schnee liegt (zumindest rein optisch) – gerade bei so reinem Schnee und blauem Himmel wie heute. Den großen Baggern beim Schneeräumen zuschauen ist zumindest für Touristen reizvoll. Ansonsten halten sich die Sehenswürdigkeiten in Grenzen. Einige Statuen und viele Holzhäuser, die beim letzten kurzen Boom der Eisenerzmine renoviert wurden – es ist eine Stadt, die von Werft, Fischerei und gelegentlich Erzabbau lebt.

Auf dem Weg zum Hafen komme ich wieder an den meterhohen Krabbenkäfigen vorbei, mit denen versucht wird, die Königskrabbenpopulation einzudämmen – sie sind von Russland eingewandert (wo sie ausgesetzt wurden) und machen sich nun im Nordmeer breit.

Eisbrecherchen

Im Hafen dreht ein kleiner Eisbrecher seine Runden, damit das Eis nicht zu dick wird: Immer wieder kommt das kleine orange-weiße Eisbrecherchen vorbei, der Wellengang sorgt dafür, dass sich keine geschlossene Eisdecke bildet. Auch ein netter Job, so kommen die großen Schiffe gut aus dem Hafen raus. Kirkenes liegt ja ein gutes Stück südlich des Golfstroms und ist vor dem warmen Wasser geschützt.

Wir verlassen Kirkenes kurz nach halb eins mit Kurs nach Norden und sind jetzt die südgehende Hurtigrute. Das Wetter ist perfekt und die See glatt, sodass die Überfahrt nach Vardø ereignislos verläuft. Wir gehen Mittagessen und bieten dann vor dem Restaurant die Reiseleitersprechstunde an, bis ich um 15 Uhr meinen Vortrag über Sternbilder und ihre Sagen halte. Irgendwann kriege ich das Buch dazu auch noch fertig…

Normalerweise halte ich den Vortrag erst nach Vadsø um 17 Uhr, aber diesmal kollidiert das mit Norwegen Land & Leute und den Vorträgen anderer Reisegruppen (südgehend sind immer noch über 300 Passagiere an Bord), daher gebe ich mir mit Björn vom Expeditionsteam die Klinke in die Hand: Bis 15 Uhr belegt er den Vortragsraum mit der deutschsprachigen Einführungsveranstaltung für neue Passagiere, dann stöpsle ich meinen Laptop ein, komplimentiere die Nicht-Gruppen-Mitglieder hinaus und mache meinen Streifzug durch die letzten Jahrtausende.

Vardø – wechselhaft

Um 15:45 bin ich planmäßig fertig, dann sollte die Nordnorge auch in Vardø anlegen. Angesagt wurde es sogar, aber selbst das übliche 16 Uhr wird knapp. Damit bleibt genug Zeit für einen Blick an Deck: Die Barentssee bietet dunkle Wolken und blauen Himmel. Hm…

Vardø im Schneesturm

Ein paar Minuten später hat Vardø sich dann für „Schneesturm“ entschieden: Vom Hafen ist nicht viel zu sehen, und ich überlege, ob es sich überhaupt lohnt, zur Festung rüberzugehen. Das Hexendenkmal habe ich aufgegeben – erst um 16:15 öffnet sich die Gangway, und wir können das Schiff verlassen. Die meisten schauen beim Eismeerbaden zu, ein paar Mutige sprinten kurz zur Festung Vardøhus und schießen ein paar Fotos. Vor der Festung wird der Schnee gerade in Rechtecke aufgeteilt… Ich habe irgendwas im Hinterkopf, dass Vardø Schauplatz von einem Schneeballschlacht-Festival wäre. Was meint Google zu dem Thema?
Es gibt die Seite VisitVardo.com, die zuerst einmal empfiehlt: „Experiencing a true Arctic storm should be on everyone’s „bucket list“.“ Okay, aber dafür braucht man keinen Turnierplatz. Es ist wohl entweder „Yukigassen – the European championship in snowball fighting“ oder eher die „Fortress Games“

Vardø

Es bleibt bei einer halben Stunde leider kaum Zeit für Vardøhus, aber immerhin ist der Schneesturm vorbei, sodass ein paar Bilder möglich waren. Als ich zum Schiff zurückspurte, kommen die Teilnehmer des Eismeerbadens auch schon zurück. Von Deck 7 aus kann ich noch ein paar Bilder der Stadt schießen. Die zahlreichen Grafitti sind weniger geworden: Vor ein paar Jahren gab es einen Wettbewerb, bei dem abbruchreife Häuser mit Grafitti verziert wurden, die zum Teil sehr gut aussahen, so langsam verschwinden die Häuser wohl Dafür stehen noch ein paar Ruinen ohne Schmuck am Hafen.

Links Eismeerbaden, rechts Schiffs-Whirlpool

Vom Heck aus bietet sich noch ein Blick auf zwei Schwimmbecken: Einerseits der Whirlpool vom Schiff, andererseits das Becken im Hafen für das Eismeerbaden. Ich weiß, was mir da verlockender erscheint…

Anschließend geht es auf die Barentssee, und unser gutes Wetter scheint erstmal vorbei zu sein: Bei (laut windy.com) drei Meter hohen Wellen ist doch gut Bewegung im Schiff, das Restaurant ist weniger gut besucht als bislang.

Båtsfjord

Båtsfjord (angeblich 39% Bewölkung) erreichen wir mit etwas Verspätung und in einem Schneeschauer, aber immer wieder blitzt der Mond durch. Haben wir vielleicht später Glück?

Vorerst sieht es nicht so aus, auch wenn bei der Abfahrt aus Båtsfjord ein Hauch von Grün auf der Kamera zu sehen ist. Abwarten – alle Prognosen sind gerade pessimistisch, die Polung des Magnetfelds stimmt einfach nicht.

Abfahrt aus Båtsfjord mit einem Hauch von Grün (rechts)

Das Geschaukel sorgt dafür, dass es im Schiff ruhiger wird, den Rest erledigen die Musiker, die mitreisen und im Multe auf Deck 7 mit Geige und Harfe aufspielen. Hans und ich hören uns das einige Zeit an, bevor wir die Flucht ergreifen. Ich suche Ruhe und Frieden im Panoramasalon, wo die Bewegung des Schiffs deutlicher wird. Nicht jeder verträgt das gut… wir haben Gegenwind, sodass auch relativ geringer Seegang sich gut bemerkbar macht.

Berlevåg

In Berlevåg, das wir ebenfalls mit einiger Verspätung erreichen, sieht es schlecht aus. Dafür kann man dem Gabelstapler zuschauen, Fracht wird gelöscht und aufgenommen. Mehr als ein Hauch von Polarlicht ist nicht zu erahnen.

Feierabend? So ziemlich. Ein bisschen Polarlichtbogen ist zu sehen, aber sobald wir aus dem schützenden Fjord raus sind, nimmt das Geschaukel wieder zu, und ich mache Feierabend.

Sturmsicherung

Dann kommt kurz nach 23 Uhr die Durchsage, dass wir am Bug etwas Nordlicht haben… Also Kamera packen und ab an den Bug – gute Güte. Bei dem Seegang hätte ich keine Durchsage gemacht, das ist schon sportlich. Die einzige Türe auf Deck 5, bei der die automatische Öffnung noch funktioniert, ist auch gesperrt, die anderen sind noch offen. Das Polarlicht ist nett, aber noch nicht die ganz große Show. Dazu kommen immer wieder Wolken, Wolken, Wolken… Nach einer Viertelstunde und einem kurzen Zeitraffer gebe ich auf, gehe ins Warme, Bilder kopieren, und bis Mitternacht immer wieder mal rausschauen. Bleibt wohl so.

Die Strecke von Berlevåg bis Mehamn schaukelt gut, liegt aber auch schön im Polarlichtoval. Als kurz nach Mitternacht die nächste Durchsage kommt, bin ich bereit. Mittlerweile sind alle Türen auf der linken Seite verschlossen, aber ich finde den Weg zum Bug, befestige meine Kamera und werde mit rund 20 Minuten guter Show belohnt: Es gibt zwar nicht die ganz kräftigen Farben (was auch an dem Gischtschleier liegen kann, der vom Bug hochweht), aber ein paar Minuten lang schöne Bewegung: Das Nordlicht tanzt! Sehr chic. Und über die Türen am Heck komme ich sogar wieder in das Innere des Schiffs zurück, uff.

Nach nicht ganz einer halben Stunde ist der Spuk vorbei, und da wir bald in Mehamn ankommen, mache ich endgültig Schluss für diese Nacht. Jetzt dar der Rechner dran. Das Ergebnis: Doch ein netter kleiner Zeitraffer:

Das Polarlicht von Tag Nacht 7

Hurtigrute Tag 8: Von Hammerfest bis Tromsø

Suchbild: Schiffsbegegnung mit der Kong Harald

Mist – am frühen Morgen ist die See wieder ruhiger, aber dafür verpasse ich die Schiffsbegegnung mit der Kong Harald knapp – obwohl wir Havøysund mit Verspätung erreichen. Ich bin zwar wach, aber bis ich an Deck bin, ist das Schiff schon wieder fast weg. Und ich habe noch das 11-16mm Weitwinkel auf der Kamera. Damit habe ich von dieser Schiffsbegegnung nur ein Suchbild, auf dem das wenige Pixel große Schiff am Horizont verschwindet. Was soll’s – meine nächste Tour ist am 21. September und auf diesem Schiff, dann werde ich sie mir einmal näher anschauen.

Energiekaffee

So besteht mein Morgenprogramm aus Frühstück und Reiseleitersprechstunde, bis wir gegen halb elf an der Flüssiggasanlage Melkøya vorbeifahren – weiterhin mit leichter Verspätung. Auf Deck 7 wird der berühmte Energiekaffee ausgeschenkt (auf den ich wieder verzichte), außerdem gibt es einen Point of Interest und zum Einstimmen Musik von Abba.

Wetterkapriolen über Melkøya

Die Stimmung an Bord ist gut, ebenso die Lichtstimmung: Dichte Wolkenwände und blauer Himmel wechseln sich ab; als wir anlegen, stehen wir auf einmal wieder im schönsten Schneesturm. Das ist ja fast wie in Vardø gestern.

Heute hatte ich ohnehin nicht geplant, den Hausberg Salen zu erklimmen, vor ein paar Monaten war der Zickzackweg, der auf den Berg führt, dank Eis und Schnee schon anspruchsvoll genug.

Eisbärenklub

Also ist der erste Halt der Eisbeerenklub, bis der Schneefall wenig später nachlässt. Dann verhafte ich Alex für mein Standardfoto: Seit der ersten Tour mache ich jedes Mal ein Bild von mir auf der Bank vor dem Musikpavillon. Traditionen wollen gepflegt sein, und wenn schon mal jemand dabei ist, der Fotografieren kann, wird das gnadenlos ausgenutzt.

Soweit der Plan, nur ist meine Bank weg. Entweder ist sie komplett unter Schnee begraben oder abgebaut. Ich bin nicht der einzige, der die Erfahrung gemacht hat, dass die Norweger gerne mal umdekorieren und Bänke oder Statuen umstellen. Mal sehen, wie das im Herbst aussieht…

Nachdem der Tag somit eh gelaufen ist, treiben wir uns noch ein bisschen am Hafenbecken rum, auf der Suche nach Fotomotiven. Ein Stück weiter steht ein Teil einer Schiffsschraube eines Hurtigrutenschiffs, die einen schönen Blick auf die Nordnorge und den benachbarten, brandneuen Mülleimer bietet. Alex‘ Foto sieht natürlich besser aus als mein Schnappschuss. Dafür kriege ich die Gamle Mårøy und die Kirche mit dem Teleobjektiv schön ins Bild, ohne hingehen zu müssen.

Wir liegen wegen unserer Verspätung sogar bis 13 Uhr in Hammerfest, danach geht es weiter Richtung Süden. Das Wetter schwankt zwischen null Sicht und bestem Winterwetter, sodass ich immer wieder mal raus renne und die Kamera zücke – aber natürlich nicht für die grauen Nebelflächen. Dass wir hier auch schlechtes Wetter haben, müsst ihr mir einfach mal glauben. In der Zwischenzeit: Vor dem Restaurant Flagge zeigen und Bilder bearbeiten.

Øksfjord fotografiere ich diesmal nicht: Um 15:30 hat Hans seinen letzten Vortrag über den Kosmos, und da wir eine Viertelstunde Verspätung haben, entgeht mir der kurze Halt in dem kleinen Hafen komplett.

Skjervøy

Und dann: Bett. Bis zum Abendessen heißt es, Energiereserven auffüllen. Mit etwas Glück haben wir auf der Passage von Skjervøy nach Tromsø klaren Himmel, dann muss nur noch das Polarlicht mitspielen.

Bis Skjervøy ist aber nichts, nur die schmale Mondsichel steht am Himmel. Ich nutze die Chance, um noch einmal den Kamerasensor zu putzen – das ist der Nachteil einer DSLR, sie verschmutzt schneller. Aber im Gegensatz zu meiner kleinen Panasonic kann ich hier den Sensor putzen und muss nicht auf jedem Bild den Schmutz wegretuschieren… Danach: Noch einmal in Skjervøy auf Unendlich fokussieren und abwarten, was das Polarlicht macht. Ab Tromsø soll das Wetter schlechter werden.

Nach Skjervøy gibt es erst einmal Wolken, bis wir in den Sund Richtung Tromsø einbiegen. Es nicht perfekt klar, aber über uns: Das erste Polarlicht des Tages! Also nichts wie runter zur Rezeption, Durchsage machen, und auf dem Weg nach oben allen Bescheid sagen, dass ich nicht unter Deck bin, weil das Polarlicht schon wieder weg ist, sondern weil ich auf dem Weg nach oben war.

Bis Tromsø haben wir ziemlich gutes Wetter, und die schmale Mondsichel bietet mit den Wolken ein schönes Bild. Kurz vor Tromsø lässt die Aktivität dann nach, aber es war eine schöne Show. Einziger Nachteil: Ich habe wieder mal die Modenschau verpasst. Aber das war’s wert.

Making of

Diesmal hatte ich meine Kamera auf Deck 7 aufgebaut – zum ersten Mal auf dieser Tour – und konnte so endlich mal wieder das Schiff mit ins Bild nehmen, bevor ich sie dann in die andere Richtung ausrichten musste. Das Ergebnis der Mühe (nachdem mein armer Laptop die Nacht durcharbeiten musste) kann sich sehen lassen. In Tromsø gehe ich dann nicht mehr von Bord: Bilder kopieren und die Bildbearbeitung starten, und dann legen wir auch schon wieder ab. Also nichts mit Mitternachtskonzert oder Kneipenbummel.

Leider war es das wohl für diese Tour mit Nordlicht: Wolken kündigen sich an. Aber abwarten, so verlässlich ist der Wetterbericht ja nun doch nicht.

Hurtigrute Tag 9: Lofoten und Vesterålen

Morgenstimmung: Die Vesterålen bei Harstad

Heute Morgen auf dem Programm: Harstad, mit rund 25.000 Einwohnern drittgrößte Stadt in Nordnorwegen und zweitgrößte in Troms. Bei dem kurzen Halt zu unchristlicher Zeit in den Morgenstunden bekomme ich davon nicht viel mit. Die Teilnehmer der Vesterålen-Rundfahrt können dagegen einen Blick in die Trondenes-Kirche werfen und sehen im Lauf des Vormittags die Vesterålen von Land aus, Spätaufsteher wie ich können nur die Landschaft und das Frühstück genießen. Die Gegend ist schön, und noch gibt es etwas klaren Himmel.

Bei Risøyhamn

Der Tag ist wie die gesamte südgehende Route ein See- bzw. Sehtag: Wir haben keine größeren Häfen, dafür die Gebirgsinsellandschaft der Vesterålen und (südlich des Raftsunds) der Lofoten. In zahlreichen Häfen wird kurz angelegt. Alle, die an Bord geblieben sind, erleben die Risøyrinne mit, die sich nur durch die Bojen auszeichnet, die die Fahrrinne markieren – die Rinne ist nur wenig tiefer als für unser Schiff notwendig; als die großen Schiffe wie die Trollfjord in Dienst genommen wurden, musste sie noch etwas ausgegraben werden. Eine Schwimmplattform mit Bagger deutet darauf hin, dass sie gerade wieder gepflegt wird.

In Risøyhamn halten wir nur etwa eine Viertelstunde – prinzipiell würde das für einen Spurt zum Königsstein auf der anderen Straßenseite langen, aber ich begnüge mich doch lieber mit einem Foto von Deck aus. Er wurde anlässlich der Einweihung der Rinne gesetzt und trägt die Unterschriften dreier norwegischer Könige.

Arbeitsplatz

Bis wir Sortland erreichen, zeigen wir noch Flagge für die Reiseleitersprechstunde. Unserem Arbeitsplatz merkt man langsam an, dass die Fahrt schon länger dauert und anstrengend ist – schließlich sind wir nicht zum Urlaub hier. Die Kaffeetassen stapeln sich und gefährden die Laptops…

Busse bei Sortland

Kurz vor Sortland begegnen wir wieder den beiden Bussen mit den Teilnehmern der Vesterålen-Rundfahrt und organisieren eine Flagge, um traditionsgemäß zu winken. Ich brauche wirklich einmal eine Nordlicht-Flagge…

Anschließend steht das Mittagessen an, gefolgt von der Fahrt nach Stokmarknes mit dem Hurtigruten-Museum. Das Highlight des Museums ist Norwegens größtes Ausstellungsstück, die MS Finnmarken, die von 1956 bis 1993 im Liniendienst war, bis sie von der aktuellen Richard With abgelöst wurde. Leider können wir sie nicht von innen besichtigen: Bis Sommer 2020 soll ein Schutzbau entstehen und das Schiff wieder saniert werden. Die Jahre an Land haben ihm nicht gut getan.

Nach Stokmarknes geht es in den Raftsund. Mein Versuch, das einmal im Panoramasalon zu erleben, wird vereitelt. Zwar gibt es freie Plätze, aber wir haben auch Musiker an Bord. Bevor die loslegen, gibt es eine Katzenmusik, die mich an den Blockflötenunterricht in der Schule erinnert. Aua. Ab 16 Uhr soll es dann von zwei schottischen Musikern Volksmusik geben, aber ich ergreife vorher die Flucht und schaue mir den Raftsund lieber von unserem „Büro“ auf Deck 4 bzw. vom Umlaufdeck 5 an. Eine herrliche Ruhe…

Gegen 17 Uhr erreichen wir den Trollfjord, diesmal bei Tageslicht, sodass es am Bug voll ist: Die Fotografen stapeln sich, GoPro/Selfiestick-Besitzer sind im Vorteil. Aber wir wenden nach ein paar Minuten, und dann ist er auch von der Seite aus zu sehen. Auf Deck 7 wird dazu auf der Violine gespielt… nicht schlecht, aber nicht mein Stil.

Da in Svolvær, unserem nächsten Hafen, einige Ausflüge starten, gibt es bereits ab 17:30 Abendessen: Buffet und freie Platzwahl. Wir beginnen zeitnah mit dem Abendessen, um rechtzeitig für einen Ausflug in den Anker von Bord gehen zu können. Die gemütliche Kneipe ist sowas wie unser Stammlokal in Svolvær.

Svolvær erreichen wir kurz nach Sonnenuntergang, sodass der Hafen noch gut zu sehen ist. Wir sind auf der vorletzten Nordlicht-und-Sterne-Tour der Saison, nur noch eine beginnt Ende des Monats. Danach grüßt allmählich schon die Mitternachtssonne, und die Nächte sind zu kurz.

Die Nordnorge in Svolvær

Jetzt grüßt in Svolvær erst einmal nur die Statue von Dagfinn Bakke für die Fischerfrauen, die an Land auf ihre Männer warteten. Damals zur See zu fahren war oft genug ein ungewisses Abenteuer. Viel von Svolvær sehen wir diesmal nicht, aber es ist ja auch nicht so, dass wir noch nie da gewesen wären.

Die Nordlys

Kurz nachdem wir zwei Stunden später Svolvær verlassen, begegnen wir der nordgehenden Hurtigrute MS Nordlys. Sie grüßt uns mit Lichthupe, wir mit dem Schiffs-Typhon. Die anschließende Fahrt nach Stamsund ist ereignislos, ich verbringe sie am Rechner, die Abschlussveranstaltungen vorbereiten. Lange ist es nicht mehr…

Stamsund

In Stamsund schneit es, ich begnüge mich mit einem kurzen Gang auf Deck 5 für ein Foto – viel mehr lohnt sich bei dem Wetter nicht. Auch für die Überfahrt nach Bodø sind Wolken angesagt, damit komme ich heute sogar vor Mitternacht ins Bett. Auch mal eine nette Abwechslung, bevor wir morgen Abend den Polarkreis überqueren.

Hurtigrute Tag 10: Polarkreis und Helgelandküste

Vor dem Polarkreis

Wir haben immer noch eine leichte Verspätung von 15 Minuten, was meinen Tagesplan etwas durcheinanderbringt. Es fängt ja schon toll an mit der Durchsage, dass wir in einer Minute die nordgehende MS Nordkapp passieren, also jetzTUUUT-TUUUT-TUUUT… Ich kann so nicht arbeiten.

Für 9:15 ist dann die südgehende Polarkreisüberquerung angesagt. Also mache ich erst einmal kein Frühstück, das langt auch nach dem Polarkreis. Nur dass dann die Durchsage kommt, dass wir ihn erst um 9:30 passieren. Grmpf. Das langt nicht, um vorher noch kurz zu frühstücken, und danach wirds knapp… Egal, wird die Zeit halt mit dem Rest der Reiseleitung verbracht: Wir kennen den Text ja schon, den das Expeditionsteam beim Point of Interest erzählt, und finden uns alle auf dem Umlaufdeck wieder.

Endlich erreichen wir die kleine Insel Vikingen mit der Kugel, die Kameras rattern, und diesmal ist das Seeadler-Pärchen auch gut zu sehen, das auf der Insel nistet. Auf meiner ersten Tour 2014 waren sie noch aufgeflogen, wenn das morgendliche Tuten der Hurtigruten-Tröte erschallt, mittlerweile sind sie wohl an diesen Wecker gewöhnt.

Die „Pflege arktischer Tradition“ auf Deck 7 schenke ich mir (Löffel und Lebertran gibt’s auch im Shop zu kaufen, das war früher exklusiver), so langt es doch noch für ein schnelles Frühstück, bevor es zur Reiseleitersprechstunde geht. Dafür lasse ich dann das Mittagessen ausfallen.

Kurs Nesna

Von dem kleinen Hafen Nesna bekomme ich nicht viel mit: Ich bin zwar rechtzeitig an Deck, verquatsche mich aber und bin auf der falschen Seite vom Schiff. Auch egal.

Dafür nehme ich Sandnessjøen mit: Der Himmel ist heute leider bedeckt, die Gebirgskette der Sieben Schwestern im Hintergrund ist verschleiert. Ohne Mittagessen habe ich Zeit für einen kurzen Gang durch die Hauptstraße bis zum Denkmal für den Dichter und Pfarrer Peter Dass. Immerhin sein Denkmal steht noch; die kleine Statue eines Bären in der Fußgängerzone wurde durch ein Fahrrad ersetzt.

Ein paar Meter neben ihn steht die Statue für Sigrid, die ihn ernst anschaut. Ein wenig wirkt es, als ob sie seine grimmige Ehefrau wäre, aber Sigrid lebte um 850 nach Christus und ist eine der wenigen Frauen, die Snorris Kongesaga erwähnt wurde.

Nach Sandnessjøen steht der Fototermin mit den Sieben Schwestern an. Bei klarem Himmel wirkt das natürlich besser, so haben die Bilder etwas düsteres an sich. Wie immer: Ein klarer Fall fürs Weitwinkel. Oder für Panasonic: Das Klacken der Panaromafunktion zweier Panasonic Lumix Kameras rechts und links von mir erinnert an alte Filmkameras, bei denen noch gekurbelt wurde. Tja, nostalgische Postschiffreisen…

Der arme Fischkutter

Kurz darauf der nächste Termin, unser Bonus-Vortrag: Die Alex erzählt über ihre Erlebnisse in Norwegen, und der Alex zeigt die Nordlichter, die auf dieser Tour eingefangen wurden. Danach bleibt nur ein wenig Zeit, bis Brønnøysund in Sicht kommt. Die Stadt liegt in der geografischen Mitte Norwegens, viel mehr als das Einkaufszentrum habe ich in der guten Stunde, die wir da Aufenthalt haben, noch nicht gesehen. Immerhin bietet der Hafen einen schönen Blick aufs Schiff. Und bei der Anfahrt sehen wir noch, wie ein Fischkutter von Möwen angegriffen wird…

Noch schnell ein Eis holen, dann geht die Fahrt weiter und am Torghatten vorbei, dem berühmten Berg mit Loch, für den es mittlerweile hell genug ist. Eine fantastische Lichtstimmung macht sich breit, die die Kamera nicht einfangen kann.

Um 18 Uhr ist dann Captain’s Dinner angesagt: Eine lockere Veranstaltung, bei der die Crew sich von den Gästen verabschiedet. Viele steigen ja bereits in Trondheim aus und nehmen die günstigeren Rückflüge, um noch am selben Tag zuhause anzukommen.

Letztes Schiffstreffen in Rørvik

Der letzte Programmpunkt des Tages ist Rørvik. Hier liegen wir neben der Finnmarken und haben die Chance, das Schiff zu besichtigen. Es ist noch im alten Design eingerichtet: Dunkler Jugendstil. Für einen kurzen Besuch langt die Zeit.

Here be Dragons

Dann geht es wieder zurück auf unser Schiff, auf Deck 7 und hoffen: Es ist lockere Bewölkung angesagt, und gute Polarlichtaktivität – haben wie noch einmal Glück? Während wir die Wolkendecke dahinziehen sehen, schaue ich mir noch einmal die Nordnorge an. Ich habe ja immer noch den Verdacht, dass es hier Drachen gibt. Vielleicht hat Grisu seinen Traum doch wahr gemacht und ist Feuerwehrmann geworden?

Leider haben Wetter und Polarlicht kein Erbarmen mit uns, es gibt keinen Nachschlag. Dafür schimmert der Halbmond schön über dem Wasser – auch hübsch. Gegen Mitternacht gebe ich dann auf und packe die Kamera endgültig weg.