Hurtigrute Tag 2: Ålesund & First Light

Bestes Wetter am Westkapp

Was für ein Tag!

Nach den Stürmen der letzten Tage hatte ich am Westkap eigentlich etwas mehr Bewegung im Schiff erwartet, aber stattdessen gab es einen Ententeich, bei dem einem niemand glaubt, dass die Gegend ein Schiffsfriedhof ist und die Wikinger ihre Schiffe lieber über Land tragen als dem Sturm auszusetzen. Geschweige denn, dass der norwegische Staat einen Schiffstunnel bauen will, um die Gegend zu vermeiden.

Recht ruhige See

So kann ich nach Måløy in aller Ruhe und gefahrlos duschen, bevor ich mich mit der Kamera an Deck begebe. Ende des Monats ist Tag-und-Nacht-Gleiche, dementsprechend früh ist es schon hell. Bei prächtigem Sonnenschein ist es fast unmöglich, schlechte Fotos zu machen. Echtes Bilderbuchwetter, und nur ein wenig auf und ab. Besser kann die Reise kaum starten.

Kurz vor Torvik

Am Westkap bietet das Expeditionsteam den ersten Point of Interest an, mit Infos zu dieser Region. Aber auch wenn es fast ein Frevel ist: Ich nutze die Zeit, um frühstücken zu gehen. Schließlich steht um 10:30 – also während unseres kurzen Aufenthalts in Torvik – die Willkommensveranstaltung für unsere Gruppe an. Alex, Stefan, Hans und ich stellen uns vor, geben die Grundinfos zur Reise und stoßen auf die Reise an. Auch wenn das eine Gruppenreise ist: Wir machen nur Angebote, drängen uns aber niemandem auf. Wer will, kann fast Individualurlaub machen. Aber wir dürfen auch schon die ersten Kameras erklären.

Wir fassen uns zwar kurz, aber bis zum Mittagessen bleibt trotzdem nicht viel Zeit. Schließlich legen wir heute schon um 12 Uhr in Ålesund an. Da wir ohnehin noch ein bisschen mit Aufräumarbeiten nach dem Welcome-Drink beschäftigt sind und damit die Ausflügler in Ruhe essen können, gehen wir erst um 12 zum Restaurant – aber nicht hinein, es ist voll, und wir müssen warten, bis Plätze frei werden. Ich muss mal schauen, wie viele Passagiere auf dem Schiff sind. Meine Schätzung ist wirklich ausgebucht.

Daher wird es etwas später, bis ich das Schiff verlassen kann. Der Berg ruft, aber diesmal wiederstehe ich dem Ålesunder Hausberg Aksla und drehe eine kleine Runde bis zum Stadtzentrum der Jugendstilstadt. Die üblichen Fotomotive wollen besucht werden – im Hotel im Brosund wird leider renoviert und ist hinter einer weißen Plane versteckt. Anschließend mache ich mich am Fuß des Aksla auf den Weg zum Waldehuset. An dem alten Holz-Eckhäuschen bin ich zwar schon oft vorbeigelaufen, aber jetzt nehme ich es erstmals bewusst wahr: Hier endete der Stadtbrand, durch den Ålesund von der typisch norwegischen Holzstadt zu der heutigen, steinernen Jugendstilstadt wurde. Der Besitzer weigerte sich damals, sein Haus zu verlassen, weil ihm Engel bestätigt hätten, dass er in Sicherheit wäre. Tatsächlich hat das Feuer sein Häuschen verschont, das heute ein Museum beherbergt. Moderne „Sehenswürdigkeiten“ auf dem Weg sind ein Rock-und-Metall-Plattenladen, der Burger Kind und der Fretex (der Laden der Heilsarmee) – irgendwie ist mir die Straße bisher völlig entgangen.

Auf dem Rückweg schaue ich am Ålesund Museum vorbei. Auch ohne in das Museum zu gehen, gibt es an der Außenwand einige Bilder der alten Stadt zu sehen, dazu zahlreiche Kanonen (die einst im Hafen als Poller dienten) und einen hübschen kleinen Aussichtspunkt. Nett.

Coastal Kitchen

Anschließend langt es noch für einen kurzen Besuch im Stadtparkt und im Einkaufszentrum, bevor ich mich zurück aufs Schiff mache. Um 15 Uhr legen wir, gleich darauf stellt der Chefkoch die Coastal Kitchen auf Deck 7 vor (mit deutscher Übersetzung durch die Reiseleitung): Lamm, Bier und Linie Aquavit. Viel Zeit bleibt mir dafür nicht: Um 16 Uhr halten Hans und ich unseren gemeinsamen Doppelvortrag zum Nordlicht: Ich die Theorie, er die Fototipps. Das klappt gerade so: Kurz nach 16 Uhr endet der englische Polarlichtfilm des Schiffs, sodass wir mit etwas Verspätung anfangen. Und um 17 Uhr ist schon die nächste Veranstaltung im Vortragsraum, Land & Leute vom Expeditionsteam. Wir räumen den Saal und widmen uns den nächsten Kameras. Dafür bleibt nur knapp eine Stunde, denn um 18:00 gibt es schon Abendessen.

Molde

Die Einfahrt nach Molde verpasse ich daher, erst im Hafen kann ich ein paar Fotos machen. Diesmal gibt’s also kein Bild davon, wie das segelförmige Scandic in der Sonne glitzert. Was für ein Stress – ich bin noch nicht mal dazu gekommen, meine Cruisecard mit der Kreditkarte zu koppeln, also gibt es heute nur Wasser zum Trinken. Aber das Essen kann sich sehen lassen.

Anschließend bieten Alex und Stefan noch eine kleine Reiseleitersprechstunde an, für alle die morgen früh nach Trondheim wollen. Die ist recht ruhig, und wir können etwas quatschen, bevor die Durchsage kommt: Wir haben etwas Nordlicht, aber kein Grund, nach draußen zu hetzen. Nicht schlecht: Am zweiten Abend ist die Pflicht schon erfüllt, was den Erfolgsdruck von der Reise nimmt.

Zuerst Bug voraus, später an der Backbordseite ist ein schöner, flacher Bogen zu sehen, der später sogar eine Spur des geisterhaften Grüns und ein paar Strukturen zeigt. So weit im Süden ist das schon gar nicht schlecht – nach einem traumhaften Tag das erste Polarlicht. So kann die Reise weitergehen, und vor allem kann so jeder schon einmal mit seiner Kamera üben. Bis wir Kristiansund erreichen, habe ich knapp 2000 Bilder im Kasten. Der Rest der Nacht geht für Bilder kopieren und bearbeiten sowie dieses Blog drauf. Die Bilder des Tages kann ich aber erst am dritten Reisetag einfügen – mit dem Zeitraffer ist mein kleiner Rechner voll ausgelastet. Wenn ich morgen früh aufstehe, sollte er mit den Bildern durch sein, und ich kann den Rest sichten und einfügen.

Nachtrag: Auf https://twitter.com/AlexKerste/status/1103642886699143169 gibt’s das Video.

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