Tag 10 & 11: Brønnøysund, Trondheim und mehr

Der Norden bleibt zurück

Der Norden bleibt zurück

Lately it occurs to me, what a long, strange trip it’s been: Am Morgen des 12. April überqueren wir schon wieder den Polarkreis, diesmal südgehend bei bedecktem Himmel und weiterhin ruhiger See. Um 9:15 gibt es die berühmte Polarkreiszeremonie, diesmal mit Lebertran. Vorher konnten noch alle das Polarkreismonument fotografieren konnten, die es beim ersten Mal versäumt hatten. Ich sehe mir diese „Vorführung arktischer Tradition“ auf dem Außendeck nur kurz an: Um 11 Uhr haben wir eine Abschlussveranstaltung, bei der wir Infos zur Abreise geben, noch einmal anstoßen und die Reise Revue passieren lassen. Die letzten neun Tage habe ich dazu zu einem kleinen Film zusammengefasst. Wir hatten zwar nur wenige Wolkenlücken, die uns den Blick auf das Polarlicht ermöglichten, aber es geht bei der Tour ja nicht nur um den Blick in den Himmel, sondern auch auf den auf Norwegen – und das wieder einmal sehr eindrucksvoll, selbst auf meiner mittlerweile siebten Reise. So konnte ich einige Häfen erstmals bei Tag sehen, und ein gutes Polarlicht hatten wir ja auch.

Sieben schüchterne Schwestern

Sieben schüchterne Schwestern

Unser Abschluss-Treffen ist natürlich noch nicht das Ende der Reise, gut 24 Stunden bleiben noch. Wobei es auch ausreichend Programm gibt: Kurz nach unserer letzten Veranstaltung legen wir auch schon in Sandnessjøen an. Am Kai gibt es die Möglichkeit, echte norwegische Trolle zu kaufen – Kari hat ihre Beziehungen spielen lassen, damit wir uns nicht mit Massenware made in China begnügen müssen. Die halbe Stunde Aufenthalt langt für einen kurzen Spaziergang entlang der hübschen Straße mit den zahlreichen Kunstwerken. Die Bergkette der sieben Schwestern zeigt sich verhüllt, sodass dann ein letzter Gang ums Mittagsbuffet ansteht. Viel zu fotografieren gibt es wohl nicht.

Eis-Traum in Brønnøysund

Eis-Traum in Brønnøysund

Die Bergkette gehört wie auch der Berg Hestmannen am Polarkreis zu längsten Sage, ebenso der Torghatten bei Brønnøysund. Der berühmte Berg mit Loch kommt bald in Sicht, und damit einer der Höhepunkte des Tages: Die Eisdiele direkt am Anleger von Brønnøysund. Vielleicht hätte ich für die drei Kugeln doch gleich einen Becher nehmen sollen – für mehr Stabilität kriege ich meine Waffel mit unterstützender Pappschachtel serviert, und da die Waffel bald zerbröselt, hole ich mir doch noch einen Löffel. Aber was soll’s, es ist lecker – vor allem, weil es am Schiffsbuffet dieses Jahr noch auf keiner meiner Touren Eis gab – und motiviert manchen Gast, sich auch noch eines zu holen. Die Crew vom Schiff kennt die Eisdiele ohnehin schon lange.

Wenig später legen wir schon wieder ab und passieren den Troghatten. Ein kleiner Schlenker ermöglicht den Blick in das Loch, durch das der graue Himmel schimmert.

Captain's Dinner

Captain’s Dinner

Nächstes Event, um 18 Uhr und kurz nach der Bergpassage: Kapitäns-Abendessen, oder Captain’s Dinner. Captain Ulvøy begrüßt uns dreisprachig und sagt Danke, bevor die Crew einmal durch das Restaurant paradiert. Zum Essen gibt es dann Entenbrust. Anschließend wird noch zu einem Geburtstag gratuliert, und unser „letztes Abendmahl“ auf dem Schiff endet. Es ist langsam an der Zeit, die Koffer zu packen.

Um 20:30 steht noch ein letzter Termin an: Wir legen in Rørvik an. Den Hafen habe ich mit Spannung erwartet, schließlich begegnen wir dort der Polarlys, die bereits von Hurtigruten auf das neue Arktische Design umgebaut wurde. Die Umbaumaßnahmen haben der Hurtigrute bereits den Spitznamen „Hüttenroute“ (Hytteruten) beschwert – ob es wirklich so schlimm ist?

Ganz offen: Mein Ding ist es nicht; mit Schiff hat das neue Innenleben nicht mehr viel zu tun. Im Panoramasalon, der eigentlich ein stiller Aufenthaltsraum war, laufen drei oder vier Fernseher plus Musikberieselung, die Bar auf Deck 7 hat schon den Spitznamen Puppenstube bekommen, und das ganze wirkt klinisch kalt. Viele Bänke sind auf das Innere des Schiffs gerichtet; und die Stühle im Vortragsraum stehen jetzt quer zur Fahrtrichtung. Mal sehen, wann die ersten in der Barentssee von den Stühlen kippen… Dafür wurden die Beamer durch einen riesigen Touscreen-All-in-One-PC ersetzt, sodass man seine Vorträge per USB-Stick einspielen kann. Mal sehen, ob hier genauso gut gegen Viren desinfiziert wird wie vor dem Restaurant. Immerhin die Rezeption ist schön hell, wobei ich nicht weiß, wie sie auf der Polarlys vorher war. Das Restaurant hat wohl nur noch rund 60 Plätze, anscheinend gibt es jetzt Abends zahlreiche Sitzungen mit Buffet. Für große Reisegruppen scheidet das Schiff damit eigentlich aus.

Wenn das Ziel ist, dass Hurtigruten-Wiederholungstäter die meiste Zeit draußen verbringen oder das arktische Design Kälte vermitteln soll, ist es jedenfalls gelungen… Aber vielleicht trifft es ja den Geschmack von anderen Reisenden, wenn Skier an der Wand hängen.

Jedenfalls gefällt mir die Trollfjord gleich doppelt so gut wie vorher, als ich wieder an Bord bin. Den Abend nutzen wir, um die Heuer zu vertrinken, bevor die Cruisecard gesperrt wird. Bei unserem letzten Check ist die Wolkendecke weitestgehend geschlossen und zeigt nur etwas Abenddämmerung; am nächsten Morgen gibt es ein paar Berichte von etwas grünem Polarlicht – Aktivität war ja da, aber es waren wohl nicht genug Wolkenlücken, um Bescheid zu sagen.

MS Trollfjord und MS Vesterålen

MS Trollfjord und MS Vesterålen

Und dann war es das auch schon: Am nächsten Morgen muss die Kabine bis um 8:00 geräumt werden. Wer will, konnte sein Gepäck am Vorabend bis Mitternacht vor die Fahrstühle stellen, damit es zum Transferbus gebracht wird; alle anderen bringen es selbst am Morgen selbst vom Schiff. Wir fahren mit zwei Bussen, der erste geht um 9:30 direkt zum Flughafen, der zweite etwas später mit Zwischenhalt in Trondheim.

Ich bin im erstem Bus, aber auch so bleibt genug Zeit für ein Frühstück und einen Blick auf die Vesterålen, die hinter uns am Kai liegt. Beim Verlassen des Schiffs gibt es das übliche kleine Chaos; und meine Gepäckwaage kommt bei gefühlt der Hälfte der Koffer zum Einsatz. Ein paar werden noch umgepackt, um unter 23kg zu kommen.

Bustransfer

Bustransfer

Dann geht es Schlag auf Schlag: Ab zum Flughafen, einchecken an den Automaten, das Gepäck am einzigen KLM-Schalter abgeben, ab durch die Security und nach kurzer Wartezeit in den 12:15-Flieger nach Amsterdam. Der Flughafen Amsterdam Schiphol hatte gestern Abend einen kleinen Terroralarm wegen „einer verdächtigen Person“, aber bei meinem kurzen Zwischenstopp ist wieder alles normal. Allerdings habe ich eh Glück: Schon nach einer Stunde sitze wieder im Flieger und werde von der Besatzung mit einem freundlichen Hello again begrüßt – es ist die selbe Crew, mit der ich schon in Bergen gestartet war.

Nach der Landung in Frankfurt kommt dann die Idee auf, dass es doch praktisch wäre, wenn wir unser Gepäck gleich beim Flieger entgegennehmen könnten, aber wir müssen doch am Gepäckband warten. Inklusive Gepäckabholen und dem Weg von Terminal 2 zum Parkhaus am Terminal 1 vergeht so doch noch rund eine Dreiviertelstunde, bevor ich mich in den Feierabendstau auf der Autobahn stellen kann.

Das war’s dann erstmal mit Norwegen und Flughafen Frankfurt, bleiben nur noch ein paar Nacharbeiten wie mein Filmchen. Die nächste Tour ist Ende Oktober mit der Finnmarken, und alle anderen für dieses Jahr gebuchten Flüge starten in Stuttgart oder Nürnberg.

Tag 10: Sandnessjøen, Brønnøysund und Abschlussfeuerwerk

Der mystische Norden bleibt zurück

Der mystische Norden bleibt zurück

Kaum zu glauben, dass die Reise schon zu Ende geht – wir waren doch gerade erst in Kirkenes? Trotzdem steht heute schon die südgehende Polarkreisüberquerung an. Das Wetter ist jetzt endgültig so, wie man es von Norwegen erwartet: Alle paar Minuten anders. Die Inseln im Norden bleiben im Nebel hinter uns zurück, während die Wiking-Insel mit dem Polarkreis-Monument vor uns auftaucht. Alle Mann sind an Deck versammelt und die Kameras in Position, als wir es passieren.

Wie es im Tagesprogramm so schön heißt, wird das mit einer „kleinen Vorführung arktischer Tradition gefeiert“ – mit anderen Worten, auf Deck 9 gibt es Lebertran. Sogar der Berg Hestmannen versteckt seinen Kopf davor im Nebel und mag nicht; ich verzichtete ebenfalls auf diese Kostprobe Norwegens.

Wenig später führt die Reise nach Nesna, wo wir nur einen kurzen Aufenthalt haben. Marcus sortiert noch Bilder für unsere Abschlussveranstaltung am Nachmittag, ich bin mit meinen Reiseberichten zum Glück nicht ganz so ausgelastet – ich pflege mein Blog auf dieser Tour fast in Echtzeit. Dabei hilft auch, dass das Schiff diesmal keine Infoveranstaltung zur Ausschiffung in Trondheim macht – stattdessen gibt es zum dritten Mal auf dieser Fahrt die Präsentation Hurtigruten in Antarctica, Greenland, Spitsbergen and Norway. Es sind noch wohl wenige Plätze frei…

Nesna

Nesna

Daher kann ich in Nesna auch problemlos an Deck gehen. Das Wetter bietet alles: Wolken über Nesna, blauen Himmel hinter uns und schwarzen Himmel an steuerbord, kurz darauf auch noch Schneeschauer – schön, auch wenn es nun schlecht aussieht für die Vorbeifahrt an der Bergkette der sieben Schwestern.

Da wir einmal die Gelegenheit nutzen wollen, um in Sandnessjøen von Bord zu gehen, steht ein frühes Mittagessen an. Eigentlich hat zwar noch keiner Hunger, aber wir sind nur von 12:00 bis 12:30 in dem Örtchen. Bislang war ich da noch nie von Bord gegangen, da der Nachmittag immer ein volles Programm hat. Aber es lohnt sich, der Ort hat zahlreiche Statuen und Sehenswürdigkeiten zu bieten. Immerhin langt die Zeit, um einmal zum Marktplatz zu gehen und über die Parallelstraße wieder retour zum Schiff. Eine Baustelle sorgt noch für etwas Nervenkitzel, da der direkte Weg versperrt ist. Es heißt wirklich hurtig sein auf der Hurtigrute.

Die kleine Spitsbergen als neuester Zugang zur Hurtigrutenflotte soll ja Gerüchten zufolge eine Zeit lang eine abgespeckte Hurtigrute fahren, mit weniger Häfen und dafür mehr Zeit in einigen Orten. Das hat mit der klassischen Postschiffreise zwar nicht mehr viel zu tun, aber ich kann den Sinn dahinter schon verstehen.

Die sieben Schwestern sind schüchtern

Die sieben Schwestern sind schüchtern

Interessant ist auch der Blick von der Rückseite auf die sieben Schwestern. Leider sind sie mal wieder schüchtern, auch als wir sie dann auf der südgehenden Route passieren, verbergen sie sich hinter tiefhängenden Wolken.

Die Zeit zwischen 14:30 und der Ankunft in Brønnøysund nutzen wir für unsere Abschlussveranstaltung: Noch einmal auf die Reise anstoßen, Abschiedsworte sagen und die Tour Revue passieren lassen. Ein Highlight ist der Rückblick in Bildern, den Marcus vorbereitet hat, und mindestens genauso wichtig sind die Infos zur Abreise, die Kai noch speziell für unsere Gruppe gibt – wie wird abgeflogen, wann sind die Kabinen zu räumen (erst kurz vor zehn, wenn unsere Busse fahren – perfekt) und ein paar andere Kleinigkeiten.

Die Trollfjord in Brønnøysund

Die Trollfjord in Brønnøysund

Und dann sind wir auch schon bei bestem Wetter in Brønnøysund. Im Einkaufszentrum gibt es die letzte Chance zum Shoppen, danach führt der Weg unweigerlich zur Eisdiele – die aber gerade kein Eis hat, alle Behälter sind blitzblank. Mist. Erst gab’s seit Bergen kein Eis mehr auf dem Schiff, und jetzt hier auch nicht. Ich bin auf Entzug… Dann schauen wir uns halt noch einmal den Ort an. Die Stadt ist Sitz des Brønnøysundregistrene und entspricht somit etwa Flensburg: Hier werden jede Menge Daten gesammelt, von Einwohnermeldedaten bis zum KFZ-Register. Da passt es, dass ich hier auch den ersten mobilen Blitzer in Norwegen sehe.

Wesentlich hübscher sind die roten Häuschen und die kleine Fähre, die an eine geschrumpfte MS Lofoten erinnert – süß. Dazu die beeindruckende Abendstimmung, es dürfte einen schönen Abend geben.

Bei der Abfahrt aus Brønnøysund gibt es noch ein Treffen auf Deck 9, schließlich fahren wir am Torghatten vorbei, dem berühmten Berg mit Loch. Der einsame Berg auf der Insel Torgar ist eindrucksvoll, aber von dem Loch ist genauso wenig zu sehen wie von der ehemaligen Wikingersiedlung, die im Mittelalter ein überregionales Machtzentrum war. Wir fahren keinen Schlenker, um einen Blick auf das Loch zu werfen, sondern direkt Richtung Rørvik.

Da morgen früh viele Gäste das Schiff verlassen, steht heute auch das Captain’s Dinner an. Norwegen ist generell recht leger, und auch diese Veranstaltung verläuft entspannt: Die Crew wird noch einmal vorgestellt, damit man weiß, wer in den letzten Tagen vor und hinter den Kulissen geackert hat. Diesmal paradiert die Crew nicht einmal durch den Speisesaal, sondern singt ein Ständchen – da unser Tisch ganz am Heck ist, bekommen wir davon nicht viel mit und können uns bald unserem letzten Abendmahl an Bord widmen: Es gibt Ente.

In Rørvik haben wir eine Stunde Aufenthalt, was wieder ausreicht, um im Coop das Leergut der letzten Tage zu entsorgen. Vom nächsten Schiff, das eine Viertelstunde nach uns anlegen sollte (wohl die Polarlys), ist noch nichts zu sehen, daher gehen wir wieder auf die Trollfjord und zeigen noch einmal Flagge in der Bar. Im Augenblick sieht es noch nicht so gut aus mit Wetter und Polarlicht. Ein paar Blicke an Deck bringen ebenfalls nichts, erst gegen halb elf wird sporadisch von leichtem Licht am Horizont gemunkelt. Während die Bar sich langsam leert – morgen ist Ende der Reise, und so mancher muss noch packen oder will ausschlafen – , gehe ich noch einmal an Deck. Da ist wirklich ein wenig kameragrünes Licht, auch wenn das Auge noch keinen Unterschied zwischen Wolken, Meer und Polarlicht erkennt. Bescheid sagen, ja oder nein? Ich hole Marcus an Deck, es sieht schon besser aus, und wir flitzen von Deck 9 zur Rezeption auf Deck 4, wo der Rezeptionist auch gerne die Durchsage macht (bzw. die deutsche Übersetzung der Nordlichtmeldung vorliest).

Auf dem Weg nach oben mache ich noch kurz in der Kabine halt und hole meine große Nikon-DSLR samt der Halterung für die Reling, die kleine Panasonic habe ich eh in der Jackentasche – für das Stativ ist keine Hand frei. An Deck beginnt mittlerweile die große Show, auf die alle gewartet haben. Gerade noch rechtzeitig bekomme ich die Nikon an die Reling; leider hat die Trollfjord ein dickeres Geländer, sodass die Kamera anstößt und nicht nach oben geneigt werden kann. Mit der Pana bin ich flexibler, aber es dauert, bis ich mein Stativ holen kann: Wer seine Kamera noch nicht unten im Koffer verstaut hat, knipst jetzt den verbleibenden Speicher voll, und es gibt immer wieder Problemchen, die ich lösen darf. Mit dem Mond und den Wolken ist es ein beeindruckendes Schauspiel, das ich so auch noch nicht hatte. Und dann tanzt die Aurora auch noch für uns, endlich – das ist das Schauspiel, auf wir alle gewartet haben, der perfekte Abschluss. Jetzt glauben mir endlich alle, dass Polarlicht wirklich grün sein kann, und die Durchsage konnte auch jeder hören, der die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat. Ein wunderschöner Abschluss der Reise!

Nach etwa einer Stunde klingt die Show ab und wird ab Mitternacht durch einen Schneesturm ersetzt. Gut, dass wir die Kabinen morgen nicht schon um acht Uhr räumen müssen: Einige versuchen noch, das Polarlicht zu feiern (leider hat die Bar auf Deck 8 schon zu), und mein Rechner läuft die Nacht über durch, um die Bilder zu verarbeiten. Von der kleinen Zugabe gegen halb zwei bekomme ich nichts mehr mit, aber sie war auch nicht mehr so schön wie die Abschlussveranstaltung um Mitternacht. Ich bin gespannt, wen die Aurora nun alles in ihren Bann gezogen hat!

Tag 10: Von den 7 Schwestern zur Lofoten

Am 19. Januar heißt es, (für meine Verhältnisse) früh aufstehen: Gegen 9:20 überqueren wir wieder den Polarkreis, anschließend ist die südgehende Polarkreiszeremonie. So schaffe ich es bereits zum zweiten Mal auf dieser Fahrt rechtzeitig in den Frühstücksraum… Hier gibt es wohl ein neues Frühstückskonzept; die O-Saft-Automaten wurden durch Glaskaraffen ersetzt. Ansonsten hat sich nicht viel verändert.

Über den Polarkreis

Über den Polarkreis

Pünktlich zur Polarkreispassage sind wir auf dem Umlaufdeck und nutzen die Zeit für ein Gruppenfoto des „Managements“ (Reiseleiter und Lektoren), bevor die Wiking-Insel mit der Polarkreiskugel wieder einmal an Steuerbord an uns vorbei zieht.

Anschließend ist volles Programm angesagt: Den Anfang macht die Polarkreiszeremonie mit Lebertran für alle. Nur, wer ihn auch wirklich schluckt, darf den Löffel behalten. Die Reaktionen sind gemischt: Das Spektrum reicht von „Nur über meine Leiche“ bis hin zu „Der Energiekaffee war schlimmer.“

Ab zehn Uhr startet der Briefmarkenverkauf, gleichzeitig signieren Kapitän, Maschinenchef und Chefkoch Bücher. Vielleicht sollte ich auch mal ein paar meiner Bücher mit an Bord nehmen…

Eine Stunde später, als wir für einen kurzen Halt in Nesna anlegen, gibt Heinz eine Infoveranstaltung für alle, die in Trondheim von Bord gehen. Da sind auch gleich die Infos für unsere Gruppe dabei, schließlich stellen wir den Löwenanteil der deutschsprachigen Gäste auf der südgehenden Tour.

Vier der sieben Schwestern

So etwa vier der sieben Schwestern

Wieder eine Stunde später gibt es schon Mittagessen, und um 12:30 halten wir kurz in Sandnessjøen. Nachdem wir den Hafen eine halbe Stunde später verlassen, kommt die beeindruckende Bergkette der Syv Søstre in Sicht. Sechs Gletscher bahnten sich hier einst ihren Weg und hinterließen eine Kette aus sieben Berggipfeln. Die sieben Schwestern sind heute schüchtern: Während der englischen Durchsage sind nur drei von ihnen zu sehen, während der deutschen Durchsage immerhin schon vier. Der Nebel, der zwischen den Bergen hindurch wallt, hat aber auch seinen Reiz und gibt dem ganzen einen mystischen Touch.

Vortrag im Panoramasalon

Vortrag im Panoramasalon

Etwas später, gegen 14:30, belegen wir den Panoramasalon: Da die Konferenzräume immer noch belegt sind, findet unser Abschlussvortrag heute im Panoramasalon statt. Das ist nicht ganz optimal, da die Stühle einerseits ziemlich bequem sind und andererseits nicht alle auf die Leinwand ausgerichtet sind, aber immerhin haben wir einen ungewöhnlichen Ort für eine Reise durch 40.000 Jahre Menschheitsgeschichte mit Sagen und Legenden.

Der nächste Hafen ist Brønnøysund, berühmt für das beste Eis. Hier investiere ich meine letzten Kronen in drei Kugeln Eis im Becher, garniert mit einer Eistüte. Den gezückten Kameras zufolge war das eine gute Wahl – mal sehen, wie oft mein Essen jetzt auf Facebook landet.

Panik in Brønnøysund

Panik in Brønnøysund

Und dann bricht Panik aus: Die Gangway wird eingefahren! Dabei ist es noch gar nicht 17:00 Uhr… Neben uns Lektoren stehten aber auch einige von der Crew am Kai, während Heinz aus seinem Büro winkt. Wenig später können wir wieder an Bord: Manchmal muss die Gangway an Ebbe und Flut angepasst werden. Trotzdem ist es ein seltsames Gefühl, das von außen zu beobachten…

Direkt nach der Abfahrt geben wir unseren Abschied: Mit einem Glas Sekt und schönen Worten verabschieden wir uns schon einmal von unseren Gästen, und Volker hat eine Präsentation vorbereitet, in der er mit vielen Bildern die Reise noch einmal Revue passieren lässt.

Wir sagen Adieu, Dankeschön und Auf Wiedersehen

Wir sagen Adieu, Dankeschön und Auf Wiedersehen

Vor der Bildershow gibt es noch eine Überraschung von unserer Gruppe: Yvonne und Georg bedanken sich mit einem Gedicht bei uns und lassen anschließend den Hut für uns rumgehen – das hatten wir auch noch nicht! An dieser Stelle noch einmal an ganz herzliches Danke an alle, die ihren Teil dazu beigetragen haben, aus dieser Reise ein unvergessliches Erlebnis zu machen. Dazu gehören nämlich nicht nur ein schönes Schiff, gutes Wetter, der spielerisch-faszinierende Tanz der Aurora und die Arbeit von uns Lektoren und Reiseleitern vor und hinter den Kulissen, sondern immer auch die Gäste – mit einer netten Gruppe macht viel mehr Spaß, und so wird das wirklich zur viel beworbenen Schönsten Seereise der Welt. Vielen Dank für die schöne Zeit und alles rund herum!

Aber die Hurtigrute wäre nicht die Hurtigrute, wenn wir nicht gleich hurtig zum nächsten Event müssten: Nach der Bildershow wartet Heinz am anderen Ende des Schiffs im Restaurant auf uns. Das berühmte Captain’s Dinner steht an, oder wie es auf der Hurtigrute treffender heißt: Das Farewell Dinner. Da viele Gäste das Schiff schon in Trondheim verlassen und nicht bis Bergen fahren, sagen die Offiziere heute schon auf Wiedersehen.

Farewell-Dinner

Farewell-Dinner

Das Dinner findet in recht legerem Rahmen statt, hier gibt es noch einmal die Chance, die Crew kennen zu lernen und sich über das Trinkgeld Gedanken zu machen. Wie es auf der letzten Tour so schön hieß, wird Trinkgeld in Norwegen nicht erwartet, aber akzeptiert. Da die Crew nicht nur im Servicebereich die 22-tägige Schicht wirklich hart durcharbeiten muss (auf den kleineren Schiffen noch mehr als auf denen der Millenium-Generation mit größerer Crew), ist die Anerkennung durchaus gerechtfertigt, auch wenn in Norwegen noch Löhne üblich sind, von denen man leben kann. So wird verhindert, dass irgendwann nur Dienst nach Vorschrift gemacht wird. Aber auch ein einfaches Tusen Takk wird gerne gehört. Das Trinkgeld für die Crew wird in einer alten Postbox am Restauranteingang gesammelt und dann gleichmäßig verteilt – so erhalten auch die ihren Anteil, die unterwegs von Bord gegangen sind. Nur ein Teil der Besatzung wechselt in Bergen, andere steigen an ihren jeweiligen Wohnorten zu. Daher bringt es nichts, am Ende der Fahrt Geld in der Kabine liegen zu lassen – eventuell sammelt das dann die externe Putzmannschaft ein, die bei Bedarf kurz vor Bergen zusteigt und aufräumt.

Übrigens noch ein Tipp für Reisen in südliche Länder: Ruhig im Hotel am Anfang des Aufenthalts Trinkgeld geben – so wird das Personal vorher motiviert, und in manchen Ländern sind ein paar Euro viel Geld. In Norwegen merkt man dagegen schon eher, dass Deutschland Billiglohnland ist – spätestens, wenn im Lauf der Nacht die Kreditkartenabrechnung für die Reise an der Tür hängt…

Die Lofoten legt an.

Die Lofoten legt an.

Nach dem Abendessen steht nur noch ein Punkt auf der Liste: Die MS Lofoten in Rørvik. Wir begegnen der alten Dame im Schneesturm und können ihr beim Anlegen zuschauen. Das ist eine echte Zeitreise, wenn auch eine gefährliche: Inn dem Pulverschnee am Kai hat man zwar guten Halt, rutscht dann aber mitsamt dem Schnee über das darunterliegende Eis. Eieiei.

Der schwarze Rumpf der Lofoten mit ihren weißen Aufbauten bietet einen herrlichen Anblick, wie er aus der Dunkelheit auftaucht und in Rørvik anlegt. So stellt man sich die klassische Postschiffe vor, und von den 1950er bis in 1980er/90er Jahre war das der Standard. Die Lofoten gehört zu den Nachkriegsschiffen, die speziell für die Hurtigrute gebaut wurden. Vorher war praktisch jedes gerade verfügbare Schiff auf Tour, relativ unabhängig von Tonnage und Geschwindigkeit. Erst nach dem Krieg wurden einheitliche Schiffe speziell für die Hurtigrute gebaut, darunter die Lofoten und die zweite Finnmarken, die heute in Stokmarknes (hoffentlich) vor dem Verfall gerettet wird, aber auch die Nordstjernen, die heute vor allem in der Ostsee unterwegs ist, oder die Kong Olav, die gerade in Asien verrottet. Wer eine Reise auf der Lofoten bucht, muss wissen, worauf er sich einlässt – und tatsächlich hat dieses Mal keiner der Lofoten-Passagiere Interesse daran, das „Kreuzfahrtschiff Finnmarken“ zu besuchen. Die Lofoten bietet noch echte Seefahrt.

Zu den sympatischen Eigenheiten der Hurtigrute gehört übrigens, dass die Durchsagen immer noch von echten Menschen gemacht werden. Ich weiß nicht, welcher Blödsinn mir auf dieser Fahrt am besten gefiel:

  • „The north-southbound Hurtigrute MS Finnmarken is ready for departure“ (kam öfter)
  • Norwegisches Blabla, gefolgt von kurzem Schweigen und einem „Ups“
  • oder doch das „Southbound Hurtigrute MS Kong Harald… MS Finnmarken is ready for departure“, das wir in Rørvik hören?
Wellenbad...

Wellenbad…

Wie auch immer, die Finnmarken übersteht die kurze Umtaufe in Kong Harald unbeschadet, und wir setzen zur Reise über die Folda an. Eineinhalb Stunden offener See bescheren uns einen leichten Wellengang, der aber soweit ich das sehen kann keinem Probleme macht – das große Schiff schluckt die Wellen gut, und echter Seegang ist ohnehin etwas anderes. Wer den sehen will, muss zum Pool gehen: Dort schlagen die Wellen fast bis zur Decke. Nennt mich Feigling, aber ich streiche meine Hoffnung auf einen Poolbesuch für diese Reise endgültig. Wer heute flieht und rennt von hinnen, kann ein andermal gewinnen…

Im Video kann man vielleicht nachvollziehen, warum ich lieber die Herbststürme abwarte:

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