Abenteuer-Straße der Megalithkultur, Tag 1

Was hatte ich dieses Jahr nicht alles an Touren geplant! Im Mai war Urlaub angedacht – zwei Wochen Irland. Wegen Corona wurde das gestrichen, und auf die Flugerstattung der Lufthansa warte ich immer noch. Stattdessen ging es ein paar Mal in den nahen Schwarzwald, was ich nur auf Twitter dokumentiert hatte.

Im August stand mein dritter Schottland-Trip an – unserem Reisemonster Nessie mal wieder seine Heimat zeigen, und meinen Schottland-Reiseführer erweitern. Pustekuchen. Es hätte vielleicht sogar klappen können, aber einen Monat vorher war Schottland noch weitestgehend im Lockdown, und vierzehn Tage Quarantäne in Inverness waren auch nicht so verlockend. Als KLM dann mit Umbuchen begann, nutzen wir die Chance, um die Reise zu stornieren. Ich bin mir immer noch unsicher, ob die Fähren auf die Orkneys mittlerweile wieder regelmäßig verkehren. Aber in den Highlands sind sie nicht unglücklich, wenn keiner kommt und das einzige Krankenhausbett belegt…

Straße der Megalithkultur

Was tun, sprach Zeus? Zum Jahreswechsel 2017/18 waren wir in der Bretagne gewesen, die Megalithbauten in den Winterstürmen erleben. Durchaus ein Erlebnis, auch weil die Franzosen es mit der Weihnachtsbeleuchtung wirklich ernst meinen. Und abseits vom Mont Saint Michel war da um die Zeit auch nicht so viel los. Dadurch wurden wir auch auf die Straße der Megalithkultur aufmerksam – eine 330 km lange Tour durch Niedersachsen, die 2006 vorgestellt und 2008/9 ausgeschildert wurde. Alternativ als achttägige Fahrradtour machbar. 33 Stationen mit Hünengräbern erwarten einen da – das müsste doch eigentlich in 5-6 Tagen mit dem Auto machbar sein. Dieser Raum Oldenburg/Osnabrück ist von Süddeutschland auch gar nicht mal so weit weg…

Über das Fremdenverkehrsamt kam dann auch eine schöne Übersichtskarte und die Beschreibung der Radroute, aber die Radtour konnte ich nicht durchsetzen. Also wurde es die Rundfahrt mit dem Auto. Leider beschreibt der Reiseführer, der auf der Webseite beworben wird, zwar die Stationen sehr schön, gibt aber wenig Tipps zur Tourenplanung. Heute weiß ich, dass wir im Süden bei Station 1 hätten anfangen sollen, die Route ist eine Einbahnstraße. So finden wir in Bremen an und arbeiteten uns nach Süden weiter, mit dem Ziel, schon mal eine Stunde bei der Heimfahrt einzusparen. Dadurch und durch eine angepasste Reihenfolge der Stationen wurde das ganze zur Abenteuer-Straße der Megalithkultur. Zum Glück gibt es auf der Webseite der Straße auch die GPS-Daten der Stationen (wenn auch nicht der Parkplätze), sonst wäre das ganze noch abenteuerlicher geworden. Immerhin: Wenn man bei #1 anfängt, ist sie wohl besser ausgeschildert. So hatten wir keine Ahnung, was uns erwartet, und wurden nicht enttäuscht.

Los gings am Samstag, dem 8. August, im Hochsommer bei gut 35° mit Reiseziel Bremen. Wichtigste Fracht an Bord: Die Kühlbox für Getränke. Sonst wäre die Tour zur Tortur geworden, von wegen kühler Norden. Und nachdem wir einmal Frankfurt hinter uns gelassen hatten, ging die Fahrt sogar recht zügig – sieben Stunden für die 528 km von Karlsruhe nach Bremen. Macht einen Schnitt von 75 km/h, vor allem dank der Baustellen auf der A5…

Ich muss zugeben, dass ich von Bremen keine Vorstellung hatte außer Hansestadt, irgendwas mit Hafen und einem Abi, das nichts wert ist. Als Großstadt (elftgrößte Stadt Deutschlands) wohl voll mit Menschen und großen Häusern. Aber Reisen bildet: Am Marktplatz gab’s die erwarteten größeren Stadthäuser, aber das Schnoor-Viertel mit winzigen Einfamilienhäuschen hätte ich in einer alten Stadt nicht erwartet. Da sind die Fachwerkstädte bei uns im Süden ja imposanter. Schnucklig.

Und Menschen waren auch kaum unterwegs, man hatte viel Platz. Wobei auf dem Marktplatz eine Kundgebung von AFD-Sympathisanten dafür sorgte, dass außer Polizei kaum jemand da war. Denen wollte praktisch keiner zuhören:-) Jedenfalls wirkte das ganze schon eher dörflich als städtisch. Nix mit Touristen-Hochburg (was uns in Corona-Zeiten auch durchaus recht war). Aber dass die Souvenirshops samstags zwischen 12:30 und 18 Uhr zu machen, ist schon ungewohnt… Um 17 Uhr kamen wir in Bremen an, das langte gerade noch, um in der Böttchergasse nach Souvenirs zu schauen. Dann war auch schon Feierabend. Die Gasse ist durchaus sehenswert: Interessante Backsteingebäude, und am Eingang ein protziges goldenes Wandbild, das ursprünglich wohl den Führer als Lichtbringer verherrlichen wollte. Hitler gefiel es als entartete Kunst aber nicht, also stellt es heute den Erzengel Michael im Kampf gegen den Teufel dar und ist politisch korrekt.

Die Innenstadt ist recht schnell erkundet (vielleicht zwei Stunden, aber man kann auch mehr Zeit hier verbringen – wenn die Ladenöffnungszeiten nicht eher zur bairischen Provinz passen würden). Fehlen eigentlich nur noch die Bremer Stadtmusikanten. Die fanden wir dann auch mehrmals, wobei die am Marktplatz am wenigsten beeindruckten.

Übrigens, wer die Sage auch schon wieder vergessen hat, kann sie zum Beispiel hier nachhören:

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https://youtu.be/70cLcMis6rw

Den Punkt Abendessen verschoben wir auf das Hotel in Ganderkesee, rund 20 Minuten außerhalb von Bremen (und gefühlt meilenweit von der nächsten Großstadt entfernt). Check-In ganz entspannt bis 22 Uhr; gegen 20 Uhr waren wir da und erfuhren, dass es kein Frühstück gibt. Auch eine Möglichkeit, die Corona-Hygiene zu erfüllen, und wir würden doch bestimmt jemanden besuchen, bei dem wir Frühstücken könnten. – Nein, wir wollen hier Urlaub machen. – Verwunderte Blicke… Die Gegend scheint nicht auf Touristen eingestellt zu sein.

Matjes

Immerhin ein Hotelrestaurant gibt es, und wenn wir uns beeilen, kriegen wir sogar noch was – es ist immerhin schon fast 20 Uhr, da schließt die Küche gleich.

Ich entschied mich für Matjes, was auch die einzige Begegnung mit der einheimischen Küche blieb, mangels weiterer Gelegenheiten. Lecker, aber teuer. Und die Wespe, die in meinem Radler Selbstmord begehen wollte, steigerte den Genuss auch nur mäßig – die Plagegeister gibt es dort zu Hauf.

Das Hotel selbst war okay, nur das Bad war heiß – eher ein Dampfbad als ein normales Bad. Am nächsten Morgen wollten wir dann endlich auf die eigentliche Straße der Megalithkultur starten – Alte Steine gucken.

Straße der Megalithkultur, Teil 2

Nach einer heißen Nacht im Norden und mit Frühstück aus unserer Kühlbox (die neben kalten Getränken zum Glück auch etwas Wegproviant enthielt), machten wir uns am Sonntag auf die Suche nach alten Steinen. Für das Archiv: Die Reise begann am Samstag, dem 10.8.2020 und endete am darauffolgenden Freitag. Bevor wir mit der eigentlichen Straße der Megalithkultur begannen, standen ein paar Ziele rund um Ganderkesee auf dem Programm.

Zuerst der Heidenwall, eine frühmittelalterliche Fliehburg, von der noch der Erdwall erhalten ist. Das Hinweisschild war gut zu sehen, nur dass man direkt danach parken und in den Feldweg gehen musste, war weniger klar. Wohl dem, der GPS hat…

Der Heidenwall

Er liegt in einem kleinen Wäldchen und geht wohl auf das 9. Jahrhundert zurück, stammt also keineswegs aus heidnischer Zeit. Von den einstigen Gebäuden in seinem Inneren ist nichts mehr zu sehen. Immerhin sind wir sicher: Der letzte Überfall der Wikinger auf Ganderkesee fand 955 statt.

Nach diesem Abstecher in die Neuzeit ging es auf die Straße der Megalithkultur. Was wir rasch lernten: Die ganzen Hünengräber gehen auf die Trichterbecherkultur zurück und stammen etwa aus der Zeit um 3500-2800 v.Chr. Also ab zum ersten Ziel!

30a – Gerichtsstätte

Zum Hünengrab

Die Gerichtstätte liegt ebenfalls in einem kleinen Wäldchen, das Navi führte uns zum Hinweisschild. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das kleine Parken-Symbol nur bedeutet, dass man exakt hier parken soll, oder ob man es auch immer darf – hier war es auf dem Feldweg kein Problem, andere Stationen waren für eine Ferienstraße schon sportlicher.

Wie dem auch sei, wir waren alleine, und zur Anlage waren es nur ein paar Meter durch das Wäldchen. Ein hübscher Einstieg. Ein kleiner Wall aus recht großen Steinen, dazu eine Hinweistafel mit Erklärungen, wie sie an eigentlich allen Stationen zu finden war.

30a – Gerichtsstätte

30b-d – Glaner Braut

Das Hinweisschild von hinten?

Mit dem Auto sind es etwa 10 Minuten bis zum nächsten Halt, der Glaner Braut. Genauer gesagt, zum vermuteten Parkplatz. Zumindest habe ich kein Schild gesehen, aber vielleicht kam ich auch einfach aus der falschen Richtung – auf den Radwegeschildern war die Glaner Braut angeschrieben, und mittlerweile weiß ich, dass das Schild darunter – das auf dem Foto von hinten zu sehen ist – die richtige Form für ein Megalithkultur-Hinweisschild hat…

Eine nette kleine Wanderung den Huntepadd entlang (rund 800 Meter) führt uns unangenehm weit weg von der Kühltruhe (sagte ich schon, dass der Norden heiß ist?), aber der Weg ist schön und führt an einem ausgetrockneten See über einen Bach in die Heide, wo uns gleich mehrere imposante Anlagen erwarten – eine lange Doppelreihe aus Steinen ebenso wie zwei nur im Vergleich kleine Gräber.

Die Glaner Braut I ist ein 50 m langes und 6-8 m breites Hünenbett, durch das das Weg mitten hindurch führt. Decksteine gibt es praktisch keine mehr, aber imposant ist das dennoch. Obwohl noch ein paar andere Touristen unterwegs sind, haben wir weitestgehend unsere Ruhe und genug Chancen für Fotos. Ich mag das kleine Tischstativ, das ich mir geleistet habe:-)

Zwei weitere Gräber sind in direkter Nähe und gut erhalten; ein viertes soll ebenfalls da sein, ist aber zu schlecht erhalten und nicht Teil der Route. Daher entgeht uns die Glaner Braut IV – auf den Karten von Open Street Map wäre sie sogar zu finden gewesen. So gehen wir zurück zum Auto, zu den kalten Getränken und der nächsten Station.

30e – Großsteingrab am Schießstand

Mitten in einem Vorgarten von Dötlingen liegt dieses teilrestaurierte Grab, in dessen unmittelbarer Nähe wir auch am Straßenrand parken können.

Würde mir auch im Garten gefallen, wenn auch vielleicht ohne Hinweisschild für die Touristen. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass hier viele vorbeikommen. Trotzdem sind die fünf Gräber der drei Stationen der Station 30 gut gepflegt, auch weil sie nicht gerade abseits liegen. Nur braucht so eine verteilte Station doch deutlich mehr Zeit, als ich gedacht hatte – und die Station 30a-e liegen noch recht nah beieinander.

Die Kirche von Dötlingen, davor die uralte Eiche
Dötlingen

Aber warum hetzen – Dötlingen ist ein wirklich hübsches Örtchen, das man sich unbedingt anschauen sollte. Da gibt es eine uralte Eiche, schöne Bauernhäuser in allen größen und ein sehr gepflegtes Ortsbild, und bei Bedarf auch ein paar Gaststätten.

Unser nächstes Ziel liegt nicht auf der Straße der Megalithkultur, würde aber wunderbar dazu passen:

Egypten

Ja, es gibt tatsächlich ein Großsteingrab Egypten, so benannt nach der nahen Siedlung Egypten. Ist aber keine Pyramide… Es gibt sogar weiter im Süden einen Ortsteil namens Ägypten – diese Orte verdanken ihre Namen wohl der Tatsache, dass sie so weit abseits liegen wie Ägypten.

Wenn man sich dem Grab nähert, sieht man zuerst den unauffälligen Hügel, unter dem die Megalithanlage begraben liegt. Das war in der Jungsteinzeit Standard: Die Grabkammer war von einem Erdhügel bedeckt, ein kleinerer Steinkreis gab dem ganzen Halt.

Heute ist die Anlage schön und ruhig abgelegen. Aber vielen Touristen werden wir auf dieser Reise ohnehin nicht mehr begegnen:-)

Der Hexenstein

Unser nächstes Ziel ist ebenfalls ein Zufallsfund, der bei der der Reisevorbereitung in Google aufploppte: Der Hexenstein. Im Schinkenweg. Er ist ein großer Findling, auf dem es viele Schälchen geben sollte. Den Stein fanden wir auch, gut versteckt im Maisfeld und neben einem netten Picknickplatz, aber von den zahlreichen Näpfchen, die die Hexen in seiner Oberfläche hinterlassen haben sollen, war nicht viel zu sehen – eines, mit viel Phantasie. Der Rest war wohl unter Flechten verborgen. Jetzt einen Hochdruckreiniger…

Mit gut 3x4m und über 1m Höhe war der Findling trotzdem imposant. Und bei 33 Stationen schien es nicht so, als ob es uns mal zu viele Steine werden würden…

Gräberfeld Hespenbusch

Unser nächstes Ziel, das Gräberfeld Hespenbusch, gehört ebenfalls nicht zur Straße der Megalithkultur. Es geht wohl auf die Bronze- oder Eisenzeit zurück, irgendwann zwischen 1200 v.Chr und Christi Geburt. Es ist zwar ruhig und schön mit Heide überdeckt, war uns ehrlich gesagt aber nur einen kurzen Stop wert.

Gräberfeld Hespenbusch

Vom Straßenrand aus wirken die Hügel nicht sehr eindrucksvoll, da bräuchte man schon eine Drohne. Aber die gibt mein Budget gerade nicht her, und einfach durch das Gräberfeld stiefeln wollten wir auch nicht.

St. Briccius in Huntlosen

Da peilten wir lieber die nächste Sehenswürdigkeit an, die für die Gegend erwähnt wurde: Die Kirche St. Briccius, eine recht kompakter Backsteinbau mit wuchtigem Turm. Hier gibt es auf dem Friedhofsgelände auch noch eine weitere Attraktion, die eine echte Rarität auf der Route ist: Eine öffentliche Toilette… Die Kirche war übrigens auch offen und einen Blick wert: Klein, aber mit einer großen Orgel.

31 – Steenberg

Nach dem Halt in Huntlosen suchen wir die Straße der Megalithkultur wieder. Am Ende eines Feldweges (mein Navi hat die landschaftlich reizvolle Route herausgesucht, genauer gesagt eine Staubpiste, die in die Wüste passen würde) sehen wir eines der ersehnten braunen Schilder und finden einen kleinen Parkplatz, an dem wir von den Mähdreschern nicht zu sehr eingestaubt werden.

Von dort sind es gut 600 Meter über offenes Gelände um ein Feld herum, bis wir erneut ein kleines Wäldchen erreichen. Die Anlage ist zwar gestört, mit 16 Meter Länge aber immer noch imposant und lässt die ursprünglchen Umrisse gut erkennen. Bänke laden zum Rasten ein.

#31 – Steenberg

Nun wäre eigentlich Station 32 a/b das nächste Ziel, aber Niedersachsen ist ja eine echte Touristenhochburg… mittlerweile ist 15 Uhr vorbei, und von 15-17 Uhr hat das Kloster Hude geöffnet. Also machen wir eine kleine Planänderung.

Kloster Hude

Das schmale Zeitfenster wollen wir uns nämlich nicht entgehen lassen, immer hat die Klosterruine ohnehin nur Samstags, Sonntags und an Feiertagen geöffnet. Da wollen wir natürlich vorbeischauen und die zwei Stunden nutzen, an denen es geöffnet hat. Wegen Einsturzgefahr ist das Kloster Hude aktuell nicht frei zugänglich, sondern nur mit einer kleinen Führung.

Die Preise sind sehr human: 1€ für das kleine Museum und 1€ für die Führung durch die Ruine. Viel steht zwar nicht mehr, und das meiste ist unter Planen und Gerüsten verborgen, aber einen Blick wert ist es allemal – wir erfahren doch ein paar interessante Fakten zur Geschichte. Und einen Shop gibt es auch – das ist fast schon touristisch ausgebaut hier:-)

Nach diesem Zwischenstop in der relativen Moderne geht es aber weiter in die Jungsteinzeit.

32 a/b – Hünensteine bei Steinkimmen

Station 32 verteilt sich wieder auf zwei Stationen, die aber nahe beieinander liegen. #1 liegt direkt an einem Parkplatz an der Straße: Eine lange, baumumstandene Anlage.

Die Deckensteine fehlen, aber das 22 Meter lange Grab ist dennoch imposant. Steinkimmen II ist ein Stück weiter weg, aber mit dem Auto problemlos zu erreichen – auch wenn die offizielle Wegbeschreibung von einem 300 Meter langen Fußweg spricht, ist er problemlos und ganz offiziell befahrbar.

Steinkimmen II

Steinkimmen II liegt ebenfalls idyllisch in einem Wäldchen, allerdings zusammen mit vielen Ameisen. Die Anlage ist recht zerstört, aber uns gefällt sie. Und jetzt trennt uns nur noch eine kurze Fahrt vom letzten Ziel des Tages:

33 – Großsteingrab bei Stenum

Das letzte Grab der Straße der Megalithkultur ist auch der letzte Stop unseres ersten Tages. Es gibt einen Parkplatz und eine romantische Steingruppe unter alten Bäumen, die zwischen den Findlingen emporwachsen. Idyllisch. Prompt kommt natürlich die erste Wespe, um die Idylle zu stören…

#33: Großsteingrab bei Stenum
Sprengspuren

Weniger schön ist, dass einer der Steine deutliche Spuren von einem Versuch zeigt, ihn zu sprengen. Das Bewusstsein für Historisches ist noch jung, früher wurde der heidnische Kram gerne beseitigt oder als Baumaterial recycelt. Erinnerungen an die Sprengungen durch Islamisten im nahen Osten werden wach… Zum Glück sind doch noch einige Zeugen dieser fernen Vergangenheit erhalten geblieben. In manchen Grab wurden übrigens noch Grabbeigaben wie Gefäße gefunden; organisches Material hat sich dagegen in der niedersächsischen Erde längst zersetzt und hat nicht überdauert.

Lütje Anja

Dann ging’s zurück ins Hotel – morgen früh ist zwar bis 10 Uhr Check-Out, aber da mangels Frühstück so früh keiner im Hotel ist, sollte ich doch schon am Vorabend bezahlen und dann einfach den Schlüssel stecken lassen. Ging nur nicht, weil das Restaurant gerade Hochbetrieb hat und keiner kassieren kann. Ich soll später wiederkommen, bis 22/23 Uhr wäre bestimmt jemand da.

Den Abend lassen wir daher günstiger als gestern in einer Pizzeria ausklingen. Als „Betthupferl“ schauen wir noch bei der Lütje Anja vorbei, der Windmühle Habbrügge. Zumindest von außen können wir einen Blick auf eine der schönsten Windmühlen der Region werfen. Da man sie für Hochzeiten mieten kann, ist sie natürlich besonders gut gepflegt. Ein schöner Tagesausklang nach 130km und insgesamt acht Stunden auf Achse.

Jetzt muss ich nur noch das Hotel bezahlen – aber um 22 Uhr ist der Haupteingang schon abgeschlossen. Immerhin komme ich leicht genervt über die Restaurant-Terrasse noch rein und werde mein Geld los. Beruhigend: Das Frühstück wurde auch von der Rechnung gestrichen. Das gehört sich eigentlich so, aber man weiß ja nie.

Straße der Megalithkultur, Tag 3

Das waren jetzt zwei Nächte im selben Hotel in Ganderkesee – Zeit, weiterzuziehen. Da die Tour als entspannter Urlaub geplant war, stehen heute nur sechs Stationen der Megalith-Straße auf dem Plan, plus das Museumsdorf in Cloppenburg (man will ja nicht nur Steine sehen). Klingt machbar, oder? Blöd nur, dass das Museum schon um 18 Uhr zu macht, und das Hotel Check-In bis 19 Uhr hat – aber es ist nur eine knappe Dreiviertelstunde vom Museum entfernt, zumindest das passt. Also los geht’s!

29 a/b – Reckumer Steine

29a: Reckumer Steine

Das erste Tagesziel sind die Reckumer Steine, Station 29 a und b. Langsam kriege ich Island- oder Schottland-Feeling: Mangels Hotelfrühstück gibt’s Sandwich vom Discounter, und über Single-Track-Roads geht es über die Felder bis zu einer Kreuzung in einem kleinen Wäldchen. Ich biege natürlich falsch ab und parke am Waldrand etwas weiter weg als nötig. Habe ich schon erwähnt, dass die Straße der Megalithkultur nur von einer Richtung kommend gut ausgeschildert ist?

29a: Reckumer Steine

Station 29a ist gut erhalten und liegt am Rand des kleinen Wäldchens; vom Weg aus ist es gut zu sehen, vom angrenzenden Acker aus eher schlecht. Auch hier gibt es eine Infotafel mit einem kurzen Überblick zum Grab, das noch einen guten Eindruck der einstigen Größe bietet: Fast alle Steine sind erhalten und kaum verrutscht. Es ist in diesem Sommer sehr angenehm, dass die meisten Ziele baumumstanden sind…

Reckumer Steine, 29b

Der Sage nach handelt es sich um zwei verfeindete Schäfer, die einst mit ihrer Schafherde zu Stein erstarrten. Der zweite Schäfer ist einen kleinen Fußmarsch entfernt in einem weiteren Wäldchen, auf einem abgemähten Acker. Als der Acker vor zwei Wochen noch nicht abgemäht war, kam man wohl nicht hin; wir haben gutes Timing.

Ich glaub, ich steh im Wald:
Reckumer Steine 29b

Einmal rund um das Wäldchen findet sich auch ein Zugang zu den Steinen. Vor lauter Wald ist nicht viel von der langgestreckten Anlage zu erkennen – schwer zu fotografieren, aber schön mystisch:-)

Bei dieser Station verstehe ich die Aufteilung auch – 29 a und b liegen nur einen kurzen Fußweg auseinander, sind aber soweit eigenständige Gräber. Unser nächstes Ziel sind die Großen Steine bei Kleinenkneten – gleich drei unterschiedliche Gräber, die nahe beieinander liegen.

25 a-c – Große Steine bei Kleinenkneten

Nur eine Viertelstunde dauert es mit dem Auto zu den Großen Steinen bei Kleinenkneten. Beeindruckend: Die Straßen sind zwar gerne einspurig, aber alle baumumstandene Alleen. Von Heide ist hier übrigens nicht viel zu sehen: Wir fahren meist an abgeernteten Feldern voller Heuballen entlang, bis wir den kleinen Parkplatz erreichen. Von hier sind es nur ein paar Meter bis zum ersten Großsteingrab.

Und das ist wirklich groß…

25 a – Große Steine
Blick in eine der Kammern von 25 a

Gleich drei Kammern schließen hier aneinander an, alle umfasst von einer einfachen Steinreihe. Im Foto kann man das kaum festhalten, aber einige Zeit hier verbringen. Vor der Bretagne braucht sich die Gegend hier wahrlich nicht verstecken, auch wenn sie für ihre Megalith-Anlagen nicht so bekannt ist. Zwischendurch begegnen wir hier auch ein paar Radfahrern – ganz alleine sind wir nicht auf der Route.

Das nächste Grab liegt hinter ein paar Bäumen versteckt und ist mit fast 50 Metern Länge das drittlängste Hünenbett der Region. Nach Untersuchungen Ende der 1930er Jahre wurde es restauriert – so sah ein Hünengrab wohl zur Blütezeit der Jungsteinzeit aus.

25 b – ein restauriertes Grab

In der Mitte ist auch der niedrige Eingang, durch den man in das Innere des Grabs gelangt – eine recht kleine Kammer, in Anbetracht der enormen Ausmaße des ganzen Hügels.

Vergleichsweise klein: 25 c

Im Vergleich zu diesen beiden Riesen ist 25 c schon eine Enttäuschung: Im Vergleich wirkt es winzig. Auch befindet es sich nicht mehr am originalen Ort, sondern musste in den 1930ern dem Dötlinger Flugplatz weichen. Immerhin wurde es nicht zu Baumaterial weiterverarbeitet…

Bei den Großen Steinen kann man einige Zeit verbringen, die Anlage hat was. Aber irgendwann muss es doch weiter gehen.

26 – Pestruper Gräberfeld

Das Pestruper Gräberfeld begrüßt uns mit einem richtigen Parkplatz, auf dem Bäume Schatten spenden. Mit rund 500 bronze- und eisenzeitlichen Grabhügeln ist es das größte erhalte Gräberfeld dieser Zeit im nördlichen Mitteleuropa. Einst war es noch größer, aber erst seit 1992 steht es unter Schutz. Unter den meisten Hügeln befinden sich Urnen mit Asche; die Toten wurden vor der Bestattung verbrannt.

Ich hätte jetzt gerne eine Drohne – vom Boden aus sieht man vor allem eine schöne Heidelandschaft, die Hügel kommen erst aus der Luft richtig zur Geltung. Also geht es nach einem kleinen Spaziergang zurück zum Auto mit der Kühltruhe. Unsere Getränkevorräte gehen bedrohlich zur Neige. Gut, dass wir keine Radtour machen…

27 b – Bargloyer Steinkiste

Beim nächsten Ziel bin ich mir nicht sicher, wo der offizielle Parkplatz (ein Wendehammer) ist, also wird ein paar Meter weiter am Straßenrand geparkt. Mit 2×1,5m ist sie richtig süß nach all den großen Steinen der letzten Stationen, und auch deutlich jünger: Sie entstand erst 2000 bis 1600 Jahre vor Christus, also bereits in der Bronze- oder Eisenzeit. Solche Steinkisten sind in der Gegend eher selten und beherbergten nur eine Einzelperson, im Gegensatz zu den Großsteingräbern.

27 b – die Bargloyer Steinkiste

Auffällig sind die zahlreichen „Näpfchen“ – Vertiefungen an der Oberseite, deren Sinn auch wir nicht klären können. Immerhin sind sie hier deutlicher zu sehen als gestern auf dem Hexenstein.

27 a – Hohe Steine

Die nächste Station ist mit dem Auto knapp 10 Minuten entfernt, trägt aber dennoch die selbe Stationsnummer. 27a liegt an einer Bundesstraße, der Parkplatz wird auch von LKWs gut genutzt. Genauer gesagt von Viehtransportern: Die Gegend verdient ihr Geld wohl vor allem mit Schlachthöfen. Tönnies und Wiesenhof hatten die Corona-Zahlen hochgetrieben, kaum dass wir die Reise geplant hatten, und hier halten wir zwischen LKWs mit Schlachtvieh, das in der Sonne schmort, bis es dran ist. Da ist der Tod eine Erlösung… Kein schöner Anblick.

26 a – Hohe Steine

Vom Parkplatz sind es 150 m durch den Wald, immer dem Schild nach. Dort erwartet uns eine gut erhaltene, langgestreckte Anlage mit einer überlangen Kammer. Chic.

26 a – Hohe Steine

Die Idylle lässt einen kurz die Viehtransporter vergessen, die im Schatten warten… aber auf dem Rückweg zum Auto kommen wir wieder daran vorbei. Ja, die Wurst kommt nicht aus dem Nichts auf den Tisch. Darf man nie vergessen.

28 b – Große Steine bei Thölstedt

28 b, ein Wildniswunderland

Die nächste Station hätte ich ohne Navi glatt verpasst: Die Großen Steine bei Thölstedt liegen zugewuchert am Straßenrand im Wald, und das Schild ist nicht übermäßig groß. Das Grab ist gut erhalten und noch teilweise in seinem Hügel, aber auch ungepflegt und kaum zugänglich. Es gibt zwar eine Bank, aber ohne Sense oder Machete gehe ich da nicht hin. Also nur ein kurzer Stop, bevor es zu 28a weiter geht, rund fünf Minuten weit weg.

28 a – Visbeker Braut

Der Sage nach sollte die Visbeker Braut gegen ihren Willen verheiratet werden und flehte Gott um Hilfe an – der verwandelte sie und ihr Gefolge auf dem Weg zur Hochzeit in Steine, ebenso ihren Bräutigam, den 4 km entfernten Visbeker Bräutigam (Station 24a).

28 a, die Visbeker Braut

Geparkt wir in einigem Abstand, dann geht es über einen staubigen Weg zur Braut.

Am Kopf der Visbeker Braut

Heute sehen wir hier ein 80 Meter langes Feld, das an drei Seiten von einer Steinreihe aus über 100 Findlingen eingeschlossen ist. Uff. Das ist groß… An der Stirnseite gibt es eine kleine Kammer und ein paar große Findlinge – möglicherweise waren die hohen Steine aber auch die heute verschollenen Decksteine der Kammer, die im 19. Jahrhundert dort aufgestellt wurden, um das Grab wieder herzurichten. Wie dem auch sei: Imposant. Ich bin beeindruckt.

24 a-d – Heidenopfertisch und Visbeker Bräutigam

Zum nächsten, nur 10 Minuten entfernten Ziel kommen wir wieder von der falschen Seite und erwischen den Feldweg eine Abfahrt zu früh. Etwas mehr Bodenfreiheit wäre schön, bis ich endlich eine Wendemöglichkeit finde… Immerhin zeigt das GPS an, dass ich nicht allzuweit vom Ziel entfernt bin. Aber das kostet alles Zeit, bis ich endlich auf dem Parkplatz der Wirtschaft bin, der auch von der Megalith-Straße genutzt werden darf.

Um halb drei haben wir den Parkplatz von Station 24 erreicht und liegen damit eigentlich nicht ganz schlecht in der Zeit. Nur, dass sich Station 24 ganz schön verteilt: Eine halbe Stunde bis zu den am weitesten entfernten Steinen? Also mindestens eineinhalb Stunden, eher zwei Stunden, wenn man was sehen will? Das wird aber knapp mit dem Museum… Mal schauen, wie weit wir kommen.

Waldgeister

Die Wirtschaft hat zu und macht erst am Wochenende Nachmittags wieder auf (echt isländisch…), dafür begrüßt uns der Wald mit knorrigen Eichen. Da hat Tolkien wohl die Inspiration für Ents her.

Der Heidenopfertisch ist nach wenigen Schritten erreicht und bestimmt ein beliebtes Ziel in der Hochsaison (wann immer die sein mag). Die Deckplatte ist mächtig und erinnert wirklich an einen Riesentisch: 3x5m ist sie groß, und über einen Meter dick.

Der Heidenopfertisch

Hinter ihm wächst ein mächtiger Baum – der Ort inspiriert die Phantasie doch sehr. Durch ein hübsches Wäldchen gehen wir weiter den Fußweg entlang und kommen sogar zu dem Feldweg, den wir gerade entlang gefahren waren. Ganz falsch war ich also doch nicht… Nicht ganz zehn Minuten sind es bis zum Visbeker Bräutigam. Hier sind gleich mehrere Megalithgräber versammelt, und der Bräutigam ist der imposanteste: 170 Steine, von denen noch 130 erhalten sind, bildeten einst eine 104 x 9 m große Umfassung. Wie soll man das denn bitteschön fotografieren?

24a, Grab 1 von 5: Der Visbeker Bräutigam
24a, Grab II: Ein Hügel

Grab II macht weniger her: nur ein etwa meterhoher Hügel ist zu sehen, aus dem zwei Steine hervorgucken. Dafür ist das Grab darunter wohl noch intakt.

Grab #III übersehen wir auf dem ausgedehnten Gelände, obwohl es gar nicht mal so klein ist – nur etwas abgelegen. Dafür umrunden wir den Bräutigam und stoßen auf den Brautwagen, Grab #V. Einige mächtige Steine liegen in einer Reihe.

24 a, Grab V: Der Brautwagen
24a, Grab IV

Und noch ein kleineres Grab liegt am Weg, Nummer IV. Ganz schön viel für eine Station.

Und dann der Super-GAU: Mein Kamera-Akku ist leer, und der Ersatzakku ist im Auto. Dazu tickt die Uhr… Doch noch weiter zu Station 24 c&d, den Kellergräbern? Oder abbrechen und ohne Zeitdruck ins Museum? Wir entscheiden uns, dass wir erstmal genug Steine hatten, und fahren nach Cloppenburg ins Museumsdorf.

Museumsdorf Cloppenburg

Am Museum angekommen, gibt es den nächsten Schock: Wir sind eindeutig wieder in der Zivilisation angekommen. Auf dem großen Parkplatz stehen mindestens zehn, vielleicht sogar zwölf Autos. Da erwarten uns ja Menschenmassen… auf dem vollkommen leeren Busparkplatz fehlt eigentlich nur noch das Tumbleweed. Social Distancing und Kultururlaub passt gut zusammen.

Museumsscheune

Es ist mittlerweile kurz vor 16 Uhr, als wir das Museum betreten, aber zwei Stunden reichen für einen Rundgang durch das schöne, große Museumsdorf. Aktuell sind nur die Untergeschosse und nicht alle Mühlen zugänglich, aber mehr als drei Stunden sind nicht nötig, um einmal entspannt durch das Gelände zu schlendern und überall hineinzuschauen. Mit Führung geht natürlich auch länger.

Sehr nett ist die Zugangsregelung: Mit den Eintrittskarten erhalten wir eine rote Karte, mit der wir kleine Häuschen für andere Besucher sperren können. Nötig ist sie aber nicht, wir begegnen kaum jemandem.

Der Blick in die Häuser lohnt sich aber: Die niedersächsischen Bauernhäuser gehen eindeutig auf die Wikinger-Langhäuser zurück – die offizielle Bezeichnung ist wohl „Hallenhaus„. Kamine (also mit Schornstein) sind eher rar, dafür ist der Stall ins Haus integriert. Aber nicht so wie wir das kennen, unten der Stall, der gleichzeitig als Fußbodenheizung für den Wohnbereich im Stockwerk darüber dient, sondern als eine Einheit. Man schaut durch das Scheunentor an den Ställen vorbei direkt auf den Kamin und das gute Geschirr in der Küche. Das künftige Essen schaut den Bauern also beim Essen zu. Inspirationen für den Hausbau finde ich hier eher weniger, das Konzept überzeugt mich nicht.

Nur die gute Stube und die Schlafkammern waren in der Regel einzelne Räume hinter der Küche. Auch im 19. Jahrhundert hatten wohl nur die Prachtbauten einen vom Stall getrennten Wohnbereich.

Mächtiger Kamin bei reichen Bauern

Gut eineinhalb Stunden brauchten wir für diesen Einblick in die neuere niedersächsische Geschichte. Lohnt sich, und ein Eis gab’s in der Dorfkneipe auch noch. Mit Barzahlung, wegen den EC-Karten-Gebühren. Hat echt was von Museum…

Quakenbrück

So verließen wir das Museum sogar noch etwas früher als nötig und fuhren zum Hotel nach Quakenbrück. Zugegeben: Das hatte ich nur wegen dem Ortsnamen ausgesucht. Es liegt etwas abseits der Route, sodass heute 127 km auf dem Plan standen.

Quakenbrücker Marktplatz

Check-In war bis 19 Uhr, und eine Stunde vorher kam der Anruf vom Hotel, ob wir’s auch rechtzeitig schaffen. Ja, keine Sorge. Im Hotel in der Stadtmitte angekommen kam dann die Frage, ob wir gut durchgekommen wären – ja, kein Problem, im Museumsdorf war nichts los, und die Straße von Cloppenburg war auch frei. – Fragende Blicke… – Wir machen hier Urlaub. Straße der Megalithkultur. – Aha, ist das ein Museum, oder was macht man da?

Die Gegend ist echt nicht auf Touristen ausgelegt. So muss das vor 30 Jahren in Island gewesen sein, oder nach dem Krieg in Schottland. Faszinierend.

Blick aus dem Hotelzimmer

Quakenbrück ist ein schmuckes kleines Fachwerkstädtchen mit flachen Häuschen, die aber fast alle noch einen Kran angebaut haben, mit dem früher Lasten ins Obergeschoss gebracht wurden. Dazu kommen überraschend breite Straßen – hier wurde echt in die Breite gebaut.

Wir haben Glück und finden am Marktplatz sogar ein Restaurant, das um 19 Uhr noch offen hat und leckeres Essen (Schnitzel in allen Variationen), leider finden uns die Wespen auch. Mistviecher, elendige. Wenn mich ein Vieh attackiert, weil ich es von dem Essen wegschiebe, das ich auf der Gabel habe, weil ich es nicht mitessen will, kann mir kein Tierfreund erzählen, dass die Biester nicht aggressiv wären. Und unglaublich dämlich.

Dementsprechend kurz fällt der Restaurantbesuch aus. Einerseits ist’s ja schön, dass man draußen essen kann, aber ich freue mich doch, wenn Corona vorbei ist und man auch wieder drinnen essen gehen kann. Naja, noch ein kurzer Rundgang durch das Städtchen, und dann geht’s ins Hotel. Auch hier: Ein völlig überhitztes Badezimmer…

Abenteur-Straße der Megalithkultur, Tag 4

Gestern hatten wir sechs Stationen plus Museumsdorf, für heute standen erstmal acht auf dem Programm – möglichst vor 18 Uhr, denn dann endete bereits der Check-In in unserem Hotel in Haselünne. Für den Abend hatte ich noch drei weitere Stationen angepeilt, wird ja spät dunkel. Klingt eigentlich nach einem gut machbaren Programm, oder? Aber nicht, wenn die Stationen so verteilt und unterteilt sind wie auf der Straße der Megalithkultur, und wenn man sie dann noch in einer anderen Reihenfolge anfährt, sodass man die Schilder nicht sieht. Kennen Sie den Film „Fünf Gauner machen Bruch?“ In dem scheitert ein Einbrauch daran, dass es so viele Störungen gibt, dass die Gauner erst zur Ladenöffnung vor dem Safe stehen, einige Stunden hinter ihrem Zeitplan.

Aber fangen wir vorne an, mit dem Frühstück. Ich habe die Hotels nicht nur danach ausgesucht, ob es Frühstück gibt, sondern auch danach, ob es eine Terasse gibt. Die war bei unserem Hotel in Quakenbrück auch abgebildet, und tatsächlich standen zwei Schirme und Stühle vor dem Gebäude. Ich weiß nur nicht warum – Abendessen gab es keines, und das Frühstück nur in einem Innenraum. Ganz klassisch mit Frühstücksbuffet. Zum Glück nur mit zwei anderen Gästen an einem weiter entfernten Tisch, und die Bedienung war auch nicht zu sehen, außer um Kaffee zu bringen, aber ein bisschen ein seltsames Gefühl war das schon. Da waren die Sandwiches von Aldi oder Lidl gar keine so schlechte Alternative und gehen auch schneller… Immerhin hat es besser geschmeckt, bevor wir uns wieder auf die Straße begaben, die sich heute den Titel Abenteuerstraße der Megalithkultur verdiente.

23 – Oldendorfer Hünensteine

Die erste Station (nach dem Ortsschild von Quakenbrück) waren die Oldendorfer Hünensteine #23, in der Nähe der B213. Den Wanderparkplatz, den die offizielle Webseite angibt, hatte ich im Vorfeld nicht gefunden, und mein Navi daher auf einen Parkplatz an der Bundesstraße programmiert. Auf der Fahrt sahen wir kurz vorher sogar ein Hinweisschild, waren an dem aber zu schnell vorbei – vielleicht hätten wir sonst die reguläre Route gefunden.

Prinzipiell geht’s hier lang…

Aber auch von dem Parkplatz an der Bundesstraße führte ein ausgeschilderter Weg 300m zum Hünengrab. Theoretisch zumindest, die ersten 20 Meter waren unpassierbare Wildnis, wenn man keinen Wert auf Brennnesseln und Zecken legt. Umdrehen und die offiziellen Hinweisschilder suchen?

Wir entscheiden uns doch dafür, uns ein paar Meter weiter durchzuschlagen, um an einem Zaun entlang vielleicht zum Weg zu kommen. Das klappt sogar, auch wenn wir der Anzahl der Taschentücher zufolge das Freiluftklo des Parkplatzes gefunden haben… Der Weg wird etwas besser und ist sogar ausgeschildert, und schließlich finden wir den Hügel mit dem gar nicht mal so kleinen Steingrab.

23 – Oldendorfer Hünensteine

Hübsch, wie es so verlassen im Wald liegt. Es gibt sogar eine Bank, aber wie es aussieht, saß da schon länger niemand drauf. Der Reiseführer beschreibt es übrigens auch als „schwerlich auffindbar“. Aber der Wildnisweg hat sich gelohnt, mir gefällt es zumindest. Anschließend suchen wir wieder den Rückweg durch das Unterholz zum Auto…

22 c-d – Am Hohen Stein

Der Weg zum nächsten Ziel führt über Single-Track-Roads, die bei uns als Rad- oder Feldweg durchgehen würden, aber reguläre Straßen sind, zum nächsten Wald. Irgendwer hatte mir erzählt, hier im Norden gäbe es Heide – von wegen. Es wird am Waldrand geparkt, und der Fußweg führt ein Stück entlang des Waldrands, bis es in den Wald hinein geht. Nach ein paar Metern kommt dann auf einem Hügel das Grab am Hohen Stein, 22c.

22c, am Hohen Stein
Am Hohen Stein

Es erhebt sich hübsch im Wald auf einem Hügel, auch wenn es recht stark zerstört wirkt – ein echter Steinzeitzeuge, der viel erlebt haben dürfte. Auch hier informiert eine Info-Tafel über das Denkmal. Der Weg führt an der Megalithanlage vorbei in den Wald und erreicht nach rund 200 Metern 22d, den Hohen Stein selbst.

22d, der Hohe Stein
Der Hohe Stein

Auch dieses Grab ist recht zerstört, wirkt aber eindrucksvoller, da der große Deckstein noch auf seinen Tragsteinen ruht. Da bieten sich einige Möglichkeiten für Erinnerungsfotos – gut, dass ich mein kleines Stativ dabei habe. So stellt man sich ein Hünengrab vor: Die Struktur ist noch erkennbar, und es liegt abgeschieden im Wald. Was mag wohl noch unter diesem Hügel ruhen? Wir veranstalten jedenfalls keine Grabung, sondern ziehen weiter. Zehn Minuten Fahrt trennen uns vom nächsten Ziel, 22b.

22b – Hünensteine

Die Hünensteine sind groß ausgeschildert, bis sich der Weg dann in einem Feldweg verliert und wir das Auto sicherheitshalber stehen lassen. Kurz bevor wir zu Fuß die nächste große Straße erreichen, zeigt das nächste Schild in den Wald, wo uns endlich die Hünensteine erwarten.

Die Form ist noch gut erkennbar, zwei Decksteine liegen obenauf, dazu knorrige Bäume und große Spinnweben quer über dem Weg – ein verwunschener Ort, der zu Spekulationen einlädt. Viel mehr ist zu den einzelnen Gräbern ohnehin nicht zu sagen: Trichterbecherkultur, zwischen 3500 und 2800 v. Chr., Gräber für mehrere Personen, deren Überreste in der Erde mittlerweile völlig verschwunden sind, und falls hier gegraben wurde, sind die Grabbeigaben im Museum gelandet. Lassen wir also den Ort auf uns wirken, bevor wir zu 22a weiter fahren, noch einmal 5 Minuten Fahrt. Das ist alles eine Station – wie soll man da einen Roadtrip vernünftig planen?

22a – Schlingsteine

22a, die Schlingsteine

Auf dem Weg zu den Schlingsteinen quetschen wir uns an einem LKW vorbei, der hoffentlich später nicht die Single Track Road lang muss, an der wir ein paar Meter später parken. Ich komme mir echt fast vor wie in Schottland, wenn der Horizont nur nicht so flach wäre. (Und man versteht die Leute, und das Essen ist nicht so gut wie in Schottland. Endlich mal wieder Haggis… dafür frittiert hier aber auch keiner Marsriegel oder Tiefkühlpizzas. Manchmal ist die schottische Küche seltsam.)

Mit 24 Meter Länge sind die Schlingsteine eine „überlange Emsländische Kammer“ – auf alle Fälle sind sie eine eindrucksvolle Steinreihe mit Decksteinen. Ein Teil von ihnen wurde 1863 für den Bau der Lindener Kirche geplündert, aber viele haben überdauert – auch wenn Bohrlöcher vom Wirken der modernen Menschen künden. Immerhin zehn Decksteine künden von den einstigen Ausmaßen der Anlage.

Vrees

Damit haben wir Station 22 auch schon abgehakt und steuern Vrees an – laut Reiseführer ein schöner Ort. Ich will ihm da gar nicht mal so sehr widersprechen – er ist auf jeden Fall sauber und gepflegt – aber auch sehr modern, oder wir finden den Ortskern nicht. Vom Backsteinbarock der anderen Orte auf der Route ist jedenfalls nichts zu sehen, dafür gibt es moderne Häuser – aber immerhin aus dem selben roten Backstein wie die Kirche, und echte Häuser, keine Wohnblöcke. Nur die öffentliche Toilette ist wegen Corona bis auf weiteres geschlossen. Offene Geschäfte abseits der Discounter sehen wir auf der Tour übrigens auch kaum…

21 – Teufelssteine

21 – Teufelssteine

Die nächste Station ist die #21, und hier sehen wir endlich einmal die Straßenbeschilderung der Megalithstraße. Die Anlage liegt direkt neben der Straße und lädt sofort zu einem längeren Fotostop ein. Die Kammer ist vollständig erhalten, die Umfassung nicht ganz – und angeblich hat der Teufel hier markiert, dass er einen Schatz versteckt hat. Bis heute soll es unmöglich sein, die Anzahl der Steine zu zählen. Dazu trägt bestimmt auch der Mensch bei: Ursprünglich waren die Teufelssteine Teil einer größeren Gruppe aus Megalithgräbern, die im 19. Jahrhundert im Leerer Hafenkai und der Peheimer Kirche verbaut wurden. Die Teufelssteine selbst erhielten im 20. Jahrhundert noch eine Runeninschrift… Ein bisschen erinnert die Anlage an eine Schildkröte. Sehr schön, gefällt.

Hier packe ich endlich auch mal mein großes Stativ aus, das Auto steht ja in Rufweite. Das gibt wieder viel zu viele Erinnerungsbilder von uns, bevor wir die viertelstündige Fahrt zum nächsten Ziel beginnen.

20a – De Hoogen Steener

20a, de Hoogen Steener

Mit 29 Meter sind die hohen Steine – was Hoogen Steener auf Deutsch heißt – die längste Emsländische Kammer Niedersachsens. Aha. Ich muss mich mit der Terminologie von Megalithgräbern doch einmal näher befassen.

Im Wald gibt es einen etwas größeren Parkplatz, an dem unserer Auto mit allem möglich Zeug eingeschneit wird. Wir sind nicht ganz alleine, aber nachdem der VW-Bus wegfährt, sehen wir auch den Wegweiser, der zum nahen Grab zeigt. Dort erwartet uns eine beeindruckend lange Steinreihe; die 15-17 mannshohen Decksteine liegen heute nur knapp über dem Bodenniveau. Imposant.

De Hoogen Steener

Nach den Hoogen Steener mit ihrem ordentlichen Parkplatz erwartet uns an 20a etwas anderes…

20a – Poldenhünensteine

Bei den Poldenhünensteinen lag ich bei der Navi-Programmierung über Open Streetmap etwas daneben – aber wir sehen Hinweisschilder, die uns über Feldwege, Radwege und Schotterpisten direkt bis zu den Poldenhünensteinen führen, die auf einer kleinen Erhebung neben dem – nennen wir es einmal Wirtschaftsweg – thronen. Mein Navi meint jedenfalls, dass es hier raus will, obwohl es sonst immer die landschaftlich reizvollen Panoramarouten findet…

Aber zuerst einmal werden die Steine angeschaut. Zwei von drei Decksteinen sind noch vor Ort und formen ein charakteristisches Grab; von der einstigen Umfassung ist nicht mehr viel vorhanden. Dafür verhindern Krabbelinsekten eine längere Fotosession – keiner will sich auf die Steine setzen und angegriffen werden. So schön es ist: Wir suchen eine Mögichkeit, um zu wenden und weiterzufahren. Mittlerweile ist immerhin schon 13 Uhr, und wir haben erst vier Stationen durch. Kommt einem mehr vor…

19 – An den Hünensteinen/Großsteingrab Ostenwalde

Mit anderen Worten: Da kommen noch mehr Steine. Viele Steine. Man unterschätzt das. Später lese ich, dass es wohl gut 100 gut erhaltene Großsteingräber in Niedersachsen gibt; die Straße führt in 33 Stationen zu über 70 davon…

19 – Hünensteine/Ostenwalde

Die Station 19 musste 1971 dem Neubau einer Kreuzung weichen und wurde neu aufgebaut. Zumindest war das der Plan; nachdem das Grab um 70 Meter versetzt wurde, scheiterte man daran, die Decksteine wieder auf die Tragsteine zu setzen. Daher liegen sie heute daneben und gewähren einen Einblick in das Grab.

Die Parkplatzsituation an der Durchgangsstraße ist interessant – mir ist immer noch unklar, ob das blaue P der Hinweisschilder wirklich einen legalen Parkplatz markiert, oder ob die durchgezogene Linie der Straßenmarkierung Vorrang hat. Wie dem auch sei, die Entfernungsangabe bezeichnet immer den Fußweg ab dem Schild.

18c – Werpeloh IV/Großsteingräber auf der Buschhöhe

Mit den vier Stationen von Station 18 wird es wieder abenteuerlich. 18 c ist rund 15 Minuten von Station 19 entfernt und noch recht harmlos, solange man nicht dem Schild zum Steingrab folgt, das etwas vorher kommt. Da schein es nur ein echtes „Steingrab“ zu geben – einen Schotterhaufen. Scherzkekse. (Oder ist irgendwo anders doch noch was? Keine Ahnung.)

Also folgen wir der Straße weiter, bis wir die regulären Hinweisschilder der Straße der Megalithkultur finden, sowie einen großen Parkplatz und einen Zeltplatz. Quer über den wegen Corona geschlossenen Campingplatz (das GPS ist dein Freund) finden wir am Waldrand dann zwei kleine Großsteingräber. Eins ist ein Ganggrab, das andere ein Großdolmen. Der Unterschied ist wohl die Anzahl der Decksteine, ein Dolmen hat nur einen – wenn ich das richtig verstanden habe. Hübsch sind beide, nur eines der nahen Windräder klingt bedrohlich.

Beide Gräber sind hübsch und vor allem klein genug, um fassbar zu sein. Dass beide in Sichtweite liegen, ist ein zusätzlicher Bonus. Und ab jetzt wird Station 18 richtig abenteuerlich.

18 b – Werpeloh II/Großsteingrab in den Klöbertannen

Der Weg führt uns nämlich in militärisches Sperrgebiet. 18b und c sind nur dann erreichbar, wenn die Bundeswehr nicht schießen übt, die Schranken oben und die roten Ampeln aus sind. Gulp. So etwa eine Woche vorher erfährt man auf der Webseite der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition in Meppen, wann man da hin kann, und wann Lebensgefahr besteht. Der Link auf der Webseite der Straße der Megalithkultur ist praktischerweise auch noch veraltet. In dieser Woche ist zum Glück Sommerpause, aber ein mulmiges Gefühl ist da doch…

Halt am Straßenrand

Irgendwie fragt man sich ja schon, wer zum Geier eine Ferienstraße durch einen aktiven Schießplatz führt. Zum Glück sind die Warnampeln wirklich aus, und wir finden die Hinweisschilder auf Alte Steine. Also ab in den Wald, immer mit offenen Ohren. Wir folgen dem verwilderten Pfad, zum Glück mit GPS – denn nur mit den Wegweisern ist das Grab in den Klöbertannen nicht zu finden, wie dieser Reisebericht zeigt – die waren ein paar Tage vor uns hier.

Das Hinweisschild ist praktisch unlesbar, und der Weg wurde wohl seit der Jungsteinzeit von keinem mehr benutzt. Nur Dank GPS finden wir das fast 30 Meter lange Grab doch noch, nach rund 400 Meter Wildnis. Es gibt sogar eine Hinweistafel, also war in den letzten 5000 Jahren doch noch jemand außer uns hier…

18b ist durchaus sehenswert, aber schon eine Herausforderung, wenn man es sehen will. Aber es ist nicht die größte auf der Route, morgen wird’s noch schlimmer. Jetzt suchen wir erst einmal den Rückweg zum Auto, um das nächste Ziel anzusteuern.

18 d – Werpeloh I/Steenhus in den Klöbertannen

Weiter geht’s…

Nicht vergessen: Wir sind immer noch bei Station 18 und im Sperrgebiet, mittlerweile um kurz vor 15:30 Uhr. Immerhin fahren wir nur ein paar Minuten zum nächsten Parkplatz in rund einem Kilometer Entfernung, von dem es noch 400 Meter zu Fuß sind. Ich habe langsam den Verdacht, dass mein Tagesplan zu optimistisch war…

Die Wegweiser werden rudimentärer

Aber der Weg lohnt sich, auch wenn die Wegweiser spärlicher werden. Irgendwann geht es links in den Wald, wobei das GPS hilfreicher ist als die sogenannten Wegweiser. Heute ist das Steenhus gute 16 Meter lang, ursprünglich wohl sogar noch länger. Vor allem aber ist es gut erhalten, die Schießübungen haben es bislang wohl verfehlt.

Sogar in den Kammern des Grabs befinden sich Megalithen, die wohl als Wände dienten – uns fällt vor allem der gut sichtbare Eingang auf. Und dass jetzt bei der Nikon der Akku in die Knie geht, von zwei auf null Striche in viel zu kurzer Zeit. Man darf das Auto echt nicht ohne Ersatzakku verlassen. Bei den tropischen Temperaturen kann es aber nicht an der Kälte liegen…

Ohne das Militär wäre das ein wirklich schönes Urlaubsziel; so sind wir doch froh, das Gebiet wieder verlassen zu können. Rund zehn Minuten Fahrt trennen uns noch von Station 18d.

18d – Steenhus in Börger

18d – Steenhus in Börger

Pünktlich um 16 Uhr erreichen wir das Steenhus in Börger und die letzte Station von Station 18. Uff. Gleich drei Hünengräber gibt es in Börger (a propos: langsam kriege ich Hunger…), aber nur eins ist gut genug erhalten, um es auf die Straße der Megalithkultur zu schaffen. Es steht mitten in einem Vorgarten… das gefällt mir auf alle Fälle besser als ein Gartenzwerg.

18d – Steenhus in Börger

Ganz ehrlich: Eigentlich wären das schon genug Steine für einen Tag. Aber wir sind noch nicht am Ende, schließlich liegen noch einige auf dem Weg zum Hotel in Haselünne. Die Hünengräberstraße 16a-e bei Ipeken/Tannwald wäre der nächste Halt. Bei einem Kilometer Länge halten wir dort zwar tatsächlich, steigen aber nicht aus. Nochmal fünf Gräber, mit Zeitdruck? Nein danke. Hüven Nord/Volbers Hünensteine (17a) verschieben wir auch, dafür machen wir bei 17b/Hüven Süd Halt.

17b – Hüven Süd

Die Route enthält echt genug Steine, um den Steinbedarf für ein ganzes Jahr zu decken. Und ich dachte, bei Carnac gäbe es viele Steine…

17b – Hüven Süd

Hüven Süd liegt zum Glück direkt an einer Seitenstraße, wenn man mal richtig abgebogen ist. Es ist gut erhalten, was bedeutet, dass man in erster Linie die Decksteine sieht, die auf der Anhöhe liegen. Beim Rausfahren lohnt sich wenden – wir wollen ja nach Süden, und das ist bei der Haarnadelkurve kaum machbar. Also wenden und eine bessere Ausfahrt nehmen.

17b – Hüven Süd

Mit dem kurzen Stop tun wir Hüven Süd eigentlich unrecht – aber mittlerweile ist man von den deutlicheren größeren Anlagen doch etwas verwöhnt, und das Burghotel Haselünne hat ja nur bis 18 Uhr Check-In. Die Uhr tickt – es ist schon 16:40, und noch eine halbe Stunde Fahrt. Nächstes Mal nehme ich Hotels mit Late Check-In, falls es das bis dahin in Niedersachsen gibt… dieser unmenschliche Stress.

Auf dem Weg liegt auch noch die Hüvener Mühle, aber da finden wir irgendwie keinen legalen Parkplatz – der vorhandene gehört zum Golfclub oder so was und ist gerade gesperrt. Also verschieben wir die auch auf nachher, Station 17c ist ja nur einen Kilometer weiter.

17c – Lähden Nord

Lähden Nord ist eine Station aus der Reihe „Echt jetzt?“ Das Navi lotst mich zuverlässig zum nächsten Wäldchen am Straßenrand, und wir fahren in die Parkbucht am Straßenrand. Parkbucht? Nein, wir stehen vor einer Schranke vor einem dicht bewachsenen Acker. Das kann doch kein Zugang sein… Also räumen wir die Zufahrt und fahren auf die andere Seite des Wäldchens – neben der Zufahrt zu einem Feldweg ist noch Platz für mein Auto. Und wo geht’s jetzt weiter? Wir probieren es erst einmal an der Straße entlang, aber da ist nur dichtes Unterholz. Vielleicht den Feldweg entlang, der rasch endet – wir quetschen uns zwischen Bäumen und Mais hindurch und umrunden das Wäldchen halb, bis das Unterholz spärlicher wird und wir durchbrechen können. Tada! Grab 17c, Lähden Nord.

Eine hübsch große Ansammlung von Steinen versteckt sich hier zwischen den Bäumen. Später lese ich im Reiseführer, dass es hier auch eine der wenigen zweireihigen Umfassungsmauern gab. Jetzt dominieren die Entdeckerfreude und die Suche nach Fotomotiven in dem verwunschenen, abgeschiedenen Wäldchen direkt an der Landstraße. Dabei finden wir auch die Infotafel, und dadurch auch den offiziellen Zugang: Er hätte über das undurchdringliche Feld geführt. Naja, nicht unbedingt undurchdringlich, aber unintuitiv.

Der offizielle Zugang zu Lähden Nord. Viel Glück!

Mit 25 Meter Länge und sieben Meter Breite füllt das Grab das Wäldchen gut aus, wobei die doppelte Umfassung nicht leicht zu erkennen ist – einige Steine liegen ziemlich wirr. Aber die Suche hat sich gelohnt.

Kurz nach 17 Uhr sitzen wir wieder im Auto, und das Telefon klingelt – das Hotel, wann wir gedenken einzuchecken? – Wir sind in ca. 20 Minuten da. – Gut, da müsste ich noch da sein, bis gleich! – Na danke, eigentlich ist Check-In von 15-18 Uhr. Das hoffe ich doch, dass um 17:30 noch jemand da ist…

Haselünne

Burghotel Haselünne

In Haselünne residieren wir im Burghotel Haselünne. Das Navi führt uns in die verkehrsberuhigte Zone, und wir suchen auf gut Glück einen Parkplatz, der dann auch tatsächlich zum Hotel gehört. Hübsch, etwas viel Gold im Zimmer, und keine Klimaanlage – das Bad ist wieder extrem warm. Für Haselünne selbst haben wir aber keine Zeit eingeplant – vielleicht ein Fehler, auch wenn Quakenbrück gestern interessanter aussah. Geschichte hat der Ort auch, vor allem aber jede Menge Restaurants direkt um unser Hotel herum. Wir kehren im Balkan-Restaurant nebenan ein, das noch Plätze draußen hat und eine gute Karte; nach dem leckeren Essen ergreifen wir wieder die Flucht vor den Wespen. Grmpf. Aber wir haben ja noch viel vor, da wir auf der Hinfahrt nicht alles geschafft hatten und eigentlich nach dem Check-In in aller Ruhe drei weitere Stationen besuchen wollten, eine Stunde Fahrt laut Plan. Tja, meine Pläne…

Zuerst fahren wir zurück zur Hüvener Mühle und parken am Parkplatz vom Café. Falls jemand fragt: Wir wollen uns erst mal die Karte anschauen. Um 19:30 hat das Café aber schon zu, genau die der Souvenirshop – der erste, den wir seit Bremen sehen. Es gibt seit 1998 die Niedersächsische Mühlenstraße mit je nach Quelle 75 oder 427 oder über 600 Stationen – allerdings finde ich hier keine offiziellen Informationen, die Webseite http://www.niedersaechsische-muehlenstrasse.de fordert mich aktuell nur auf, mich in Confixx einzuloggen und die Webseite auf einem moderneren Server aufzubauen. Tourismus muss Niedersachsen echt noch üben. Wikipedia hat ein paar Infos mehr…

Hüvener Mühle

Die Hüvener Mühle ist jedenfalls einen Blick wert: Eine Wassermühle, auf der ein Windrad sitzt. Da konnte sich wohl jemand nicht entscheiden und hat einfach alles gemacht. Passt ja zur Mühlenstraße, oder zur Megalithstraße, die beide auf Vollständigkeit aus zu sein scheinen. Jedenfalls eine interessante Konstruktion, die wir da im Abendlicht sehen. Nutzen wir den Abend und fahren weiter zur Hünengräberstraße, an der wir vorhin nur kurz gehalten hatten.

16 a-e – Hünengräberstraße des Hümmlings

Oh Wunder: Auf dem Parkplatz stehen sogar zwei Autos! Wir werden doch nicht etwa noch anderen Menschen begegnen? Aber die Sorge ist unbegründet, wir sehen keine Menschenseele. Wir fangen mit 17c an, dem Wappengrab. Es heißt so, weil es für das Wappen des Emslandes Modell stand. Auf dem kurzen Weg dahinliegen noch einige Findlige oder kleine Megalithbauten am Wegesrand – ursprünglich gab es hier mindestens 22 Gräber, elf sind noch erhalten.

Das Wappengrab gefällt dann auch: Nicht zu groß, sodass man es noch am Stück erfassen kann, und mit seinen großen Decksteinen nah am Idealbild eines Hünengrabs. Fehlt nur noch der Hinkelstein.

Die andere Seite des Wappengrabs.

Auf der anderen Straßenseite geht es weiter, zwei größere Gräber erwarten uns dort. Erst einmal verschwindet der Weg aber im Gebüsch, und man darf raten. Ebenfalls ausgeschildert ist übrigens in Blau der Hünenweg. Diesen Schildern folgen wir lieber nicht – dahinter steckt ein 150 km langer Fernwanderweg. Den nehme nicht mal ich in unsere kleine Reise mit auf…

Wir stoßen zuerst auf 16e, ein rekonstruiertes Hünengrab mit heidebewachsenem Grabhügel. Hübsch anzuschauen, wenn auch nicht so fotogen wie „nackte Steine“. Aber man kann in die leere Grabkammer hinein.

16e wurde wieder aufgeschüttet

Viel gibt es in der niedrigen Kammer aber nicht zu sehen, und wir wandern weiter. Nach wenigen Metern finden wir 16d, das mächtige Königsgrab, das einst die Landschaft dominierte. Mit 12x24m ist es mächtig, und die meisten Steine haben bis heute überdauert.

Hier könnte man es auch einige Zeit aushalten – malerisch. Aber schließlich suchen wir den Rückweg und kehren zum Parkplatz zurück. Von dort es die Straße entlang, weiter als gedacht: Gut 600 Meter sind es bis 16b, dem acht Meter langen Grab „Im Ipeken“. Und es hätte sogar eine Parkbucht gegeben…

16b – Im Ipeken
Im Ipeken, wenn man von der
richtigen Seite kommt

So stoßen wir erst nach 20 Minuten auf das vergleichsweise kleine Grab. Der Zugang ist an der Straßenseite, nicht auf dem Acker – auch wenn das Grab an der Ackerseite des kleinen Baumbestands liegt. Es ist sehr gut erhalten, und nun trennen uns nur noch 200 Meter von der letzten Station der Hünengräberstraße. 16a, Ipeken Tannwald, erreichen wir bereits in der Abenddämmerung. Zum Abschluss gibt es noch einmal eine lange Reihe aus Steinen. Die ovale Umfassung der 17 Meter langen Kammer ist noch gut zu erkennen.

16a – Ipeken Tannwald

20:40 ist es mittlerweile – mir kommen ernsthafte Zweifel an meiner Tagesplanung. Aber ein letztes Grab versuchen wir doch noch!

17a – Volbers Hünensteine

Wir fahren also noch einmal nach Hüven, zur Station 17a – das liegt eh auf dem Rückweg. Hüven Nord ist besser bekannt als Volbers Hünensteine und eine riesige, gut erhaltene Anlage. Leider in einem dunklen Wäldchen, sonst würden wir mehr davon sehen… Dabei ist es doch gerade mal kurz nach 21 Uhr…

17a – Volbers Hünensteine

Die große, gut erhaltene Anlage macht eins klar: Wir müssen hier morgen noch einmal hin.

Zum Abschluss ein Mini-Dolmen

Auf dem Rückweg nehmen wir nur noch eine Station mit, die nicht im Reiseführer stand: Ein Microlith oder so. Ein hübscher kleiner Mini-Dolmen. Aber keine Sorge: Wir haben ihn nicht wirklich eingepackt, er steht wohl noch am Zugang zu Volbers Hünengrab.

Ein gutes Stück hinter unserem Zeitplan endet dieser überraschend vollgepackte Tag endlich. Wer das mit dem Fahrrad machen will, sollte wohl zwischen den Steinen zelten und besser nicht auf Hotels angewiesen sein…

Abenteuer-Straße der Megalithkultur, Tag 5

In Haselünne übernachten wir im Burghotel (das noch nicht einmal die teuerste Unterkunft ist, aber die stilvollste). Viel mehr sehen wir von dem Ort nicht – wir kommen wirklich nur zur Übernachtung… Auch hier haben wir Frühstück gebucht: Es gibt ein Buffet hinter Glas, und wir sagen der Bedienung, was wir gerne hätten. Am Ende erhält man den Teller mit der Auswahl – saubere Sache. Dann starten wir durch und holen die Orte nach, zu denen wir gestern nicht gekommen waren. Ich hätte mir bei der Tourenplanung wirklich Hinweise zu den Zeiten gewünscht, oder wie man die Route aufteilen sollte…

17a – Volbers Hünensteine

Immerhin finden wir das erste Ziel auf Anhieb – schließlich waren wir gestern Abend schon bei Volbers Hünensteinen gewesen. Eine 15 Meter lange Kammer ist von einer 10×22 Meter großen Umfassung umgeben – die Anlage gilt zu Recht als eine der eindrucksvollsten im Emsland.

17a – Volbers Hünensteine

Die Anlage ist fast vollständig erhalten, sogar die meisten Decksteine sind noch an Ort und Stelle. Definitiv einen Besuch wert! Und damit haben wir das Programm auch schon abgeschlossen, das bis gestern Nachmittag vorgesehen war!

Bevor wir aber weiter nach Osnabrück fahren, stehen noch die Stationen 15, 14 und 13 im Nordwesten von Haselünne auf dem Plan. Ein Klacks, oder? Da können wir doch glatt noch zwei Stationen mehr einfügen.

18a – Großsteingrab am Kölkesberg

18a alt – Kölkesberg

Nur ein paar Minuten nach Hüvel finden wir nämlich eine kleine Parkbucht, in die mein Auto genau reinpasst. Gegenüber liegt in einem Wäldchen Station 18a, das Großsteingrab am Kölkesberg. Der aufmerksame Leser wird vielleicht bemerken, dass wir doch gestern schon bei Station 18 waren, beim Schießplatz der Bundeswehr. Keine Sorge: Noch habe ich vor lauter Steinen nicht den Überblick verloren. Vielmehr wurde die Route irgendwann überarbeitet, und wir besuchen die Stationen, die die Nummer 18 trugen, bevor die Route durch den Schießplatz führte.

18a alt – Großsteingrab am Kölkesberg

Grab 18a liegt heute schwer zugänglich in einem Wäldchen. Zumindest ist da nicht wirklich ein Zugang, wir schlagen uns durchs Unterholz. Zwei große Decksteine sind noch erhalten, darunter ragen ein paar Tragsteine aus dem Boden. In Süddeutschland wäre das ein Highlight, hier hat man schon besseres gesehen. Dafür haben wir schönere Burgruinen:-)

18b alt – Kölkesdose

Zurück zum Auto, nach Zecken absuchen und weiter zu 18b, das ganz in der Nähe ist. Das Großsteingrab an der Kölkesdose liegt verwildert zwischen einigen Bäumen und ist zumindest von einer Seite aus noch zugänglich. Einst gab es auch eine Hinweistafel, bei unserem Besuch lag das Infoschild noch umgedreht neben dem Grab. Der Steinhaufen war nur kurze Zeit ein Anziehungspunkt für Touristen, auch wir bleiben nicht allzu lange. Die neuen 18er-Stationen machen schon mehr her, zugegeben.

18b alt – Großsteingrab an der Kölkesdose

Also gehen wir zurück zur aktuellen Straße der Megalithkultur, die uns mit gepflegten, gut auffindbaren Gräbern erwartet. Oder etwa nicht?

Mythos 15c – Püttgesberge

Naja. Gleich bei der ersten Station scheitern wir grandios, auch wenn ich den geplanten Parkplatz finde. Aber im Industriegebiet von Werlte ist keine Spur von einem Hinweisschild zu sehen, dafür ein gottserbärmlicher Gestank. Die Anlage liegt wohl zwischen einer Großschlachterei und einer Fettschmelze. Der Geruch und die Viehtransporter lassen einen fast darüber nachdenken, zum Vegetarier zu werden – oder zuhause zumindest mal nach einem Metzger mit eigener Schlachtung zu schauen.

Von der Megalithstraße keine Spur, dafür von Tod und Verwesung, Zäunen, verwilderten Brachflächen, Dreck und Gestank. Hier sollen wir eine Megalithanlage suchen?

Wir ergreifen die Flucht, und mein Tipp zu 15c ist: Ferienstraße hin oder her – GEH DA NICHT HIN! Im Reiseführer fehlt die Station auch, und immerhin auf Wikipedia habe ich ein paar Fotos vom Großsteingrab Püttkesberge gefunden. Auf der Seite der Straße der Megalithkultur liest sich das ja noch ganz gut:

„Das am südlichen Ortsrand von Sögel in einem Industriegebiet versteckte Megalithgrab fristet leider ein Schattendasein. Die ruinösen Reste des Grabes lassen keine exakte Rekonstruktion der Anlage zu.“

http://www.strassedermegalithkultur.de/de/station-15-grosssteingraeber-bei-den-duevelskuhlen-puettkesberge

Aber die Beschreibung auf Wikipedia mit einigen Bildern von 2018 trifft es wohl besser:

„Das Grab befindet sich in einer sehr schäbigen, stark vermüllten Umgebung. Es ist sehr ungepflegt, zugewachsen und auch nicht ausgeschildert. Durch den nahen Schlachthof und die Fettschmelze stinkt es grausig nach Tod und Verwesung. Hier bleibt man nicht länger als unbedingt nötig. Ein Schandfleck Sögels!“

Frank Vincentz zu seinen Bildern auf https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Gro%C3%9Fsteingrab_P%C3%BCttkesberge

Die Station hat wohl PETA auf die Straße der Megalithkultur gesetzt, auch wenn ich noch eine Beschreibung von 2005 gefunden habe, die sich etwas besser liest. Sollte ich noch einmal in die Gegend kommen, werde ich wohl trotzdem keinen zweiten Anlauf unternehmen, um 15c zu besuchen.

15 a/b – Großsteingrab und Hünenbett bei den Düvelskuhlen

Die nächste Station ist nur 5 Minuten Fahrt entfernt und bietet zum Glück bessere Luft. Das Großsteingrab bei den Düvelskühlen 15a liegt direkt neben einer Bushaltestelle, wir parken am Feldweg gegenüber. Die Anlage ist groß: Eine neun Meter lange Kammer lag bis 1932 unter einem 29 Meter langen und 1,60m hohen Erdhügel, dann wurde sie ausgegraben.

15a – Großsteingrab bei den Düvelskuhlen
Der Eingang zu 15a

Die somit gut erhaltene Anlage weiß zu beeindrucken und ist ein willkommener Kontrast zu 15c. Brrr, allein der Gedanke…

Von hier sind es etwa zehn Minuten zu Fuß bis zum Hünenbett 15b. Das große Grab steckt noch weitestgehend in der Erde, sodass vor allem seine Decksteine zu sehen sind. Dadurch ist es nicht ganz so fotogen.

Von den Düvelskuhlen führt uns der Weg vorbei am Gräberfeld Mansenberger Heide. Es ist das größte erhaltene Gräberfeld des Emslandes, mit 80 bis zu drei Meter hohen Hügeln in einer landschaftlich reizvollen Gegend. Sagt zumindest der Reiseführer. Wir finden das große Hinweisschild, das auf einen Bauernhof zeigt, und sehen rundum eigentlich nur große Maisfelder und abgeerntete Äcker. Das GPS hilft hier auch nicht weiter: Das Gräberfeld ist kein Part der Megalithroute, daher habe ich es nicht in meiner Sammlung mit Points of Interest – und wir stecken im Funkloch, sodass ich auch nicht nachschlagen kann. Andererseits haben wir ja schon Gräberfelder gesehen und keine Drohne dabei, also sei’s drum – wir fahren weiter zum nächsten Ziel.

Später zeigt der Blick auf die Karte, dass wir an dem Bauernhof vorbei hätten fahren müssen, bis nach vielleicht 500 Metern die nächste Kreuzung kam. Von dort aus hätten wir es gesehen. Es soll zum Schutz eingezäumt sein, sodass ohnehin nur ein Blick von der Straße möglich gewesen wäre.

14f – Großsteingrab auf Bruneforths Esch

14f – Bruneforths Esch

Bei Bruneforths Esch wollte ich eigentlich an der nahe gelegenen Wassermühle parken, übersehe die aber und halte doch vor dem Hinweisschild der Straße der Megalithkultur. Es ist mittlerweile halb zwölf, und wir sind bei 14f – da kommt wohl noch einiges auf uns zu… Wir halten direkt vor dem großen Grab, das sich baumumstanden über der Straße erhebt. Auch hübsch. 25 Meter lang, imposant und gut erhalten. Auch die Infotafel steht senkrecht unter einem Dach und ist daher besser lesbar als die ungeschützten, waagrechten Tafeln vieler anderer Stationen, die zugemoost oder einfach verschmutzt sind. Immerhin: Vandalismus war bislang kein Problem. So ist das ein weiterer durchaus idyllischer Fleck auf unserer Tour.

Bei der Weiterfahrt übersehen wir die Mühle wieder, wobei ich mir auch nicht sicher war, wann wir eigentlich an einer Mühle parken wollten. Die Großsteingräber bei Deymanns Mühle stehen nämlich auch noch auf dem Programm. Aber zunächst geht es zu:

14e – Großsteingrab am Osteresch

14e – Osteresch

Die Gräber von Station 14 sind in Luftlinie gar nicht so weit voneinander entfernt, aber es ist doch etwas Fahrerei. Der nächste Halt ist das Großsteingrab am Osteresch, das laut Reiseführer ziemliche Schäden zeigt. Auf mich als Laie wirkt es trotzdem noch eindrucksvoll, und ein Teil ist auch noch erhalten.

Aber mir sind Ruinen eh lieber als Prachtbauten, man kann mehr erkunden. Vielleicht ist es Norwegen-Entzug, aber wir sehen hier sogar einen schlafenden Troll, der durchaus zufrieden wirkt.

14e – ein schlafender Troll?

14 a-d – Großsteingräber bei Deymanns Mühle

Von unserem Troll sind es nur fünf Minuten bis zu Deymanns Mühle (die ich nicht finde), wo uns gleich vier Hünengräber erwarten (die ich sofort finde). Direkt davor weißt ein Hinweisschild auf weitere bronzezeitliche Hügelgräber hin. Aber wir konzentrieren uns auf das wesentliche – Alte Steine.

14a – Parken direkt am Grab

14 a gleich am Anfang (wenn ich die Tafel richtig lese) sind die Reste einer 2,2m langen, stark zerstörten Steinkammer. Mit ihrem großen Deckstein ist sie aber immer noch fotogen.

Von 14 b ist deutlich weniger erhalten – wobei ich mir auch nicht immer sicher bin, welcher Stein zu welchem Grab gehört, die Gruppe steht doch dicht beieinander.

Das größte Grab ist (wahrscheinlich) 14d, mit einer sechs Meter langen Kammer und einer 7×33 Meter großen Umfassung. Aber es ist schon vor Ort kaum zu sagen, was zu welchem Grab gehört, geschweige dann später auf den Fotos. Vielleicht, Lightroom noch die Geodaten anzeigen würde… Verflucht soll Adobe sein, dass es seine Software nicht pflegt, sondern Abos verkaufen will.

Wie dem auch sei, das Wäldchen hat einige niedrige, aber nette Steine zu bieten. Nicht unbedingt mein Favorit, aber durchaus hübsch anzusehen. Leider zeigen einige Steine Spuren von Bohrversuchen – die Anlage zeigt deutliche Spuren von Zerstörung, das ist kaum zu übersehen. Jetzt bleibt nur noch ein Ziel übrig:

13 – Der Steinerne Schlüssel

Der steinerne Schlüssel steht fast direkt an der Hauptverkehrsstraße, wir parken genau an dem Ort, den ich auf der Karte herausgesucht hatte und an dem sogar das Schild der Straße der Megalithkultur steht, und wenn man dem Radwegschild folgt, sind es nur ein paar Meter bis zu dem hübschen Hünengrab. Hier sind sogar noch zwei andere Besucher – es ist gerade Rush-Hour…

Der steinerne Schlüssel

Die beiden Enden der Grabkammer sind erhalten, dazwischen klafft eine malerische Lücke. Den Archäologen graust es, dem Touristen freut es, mal wieder ein kleines, markantes Megalith-Bauwerk zu sehen. Langsam verliert man sonst vor lauter Steinen doch den Überblick…

Der Name kommt übrigens daher, dass man einst glaubte, dass die Kinder nicht vom Klapperstorch gebracht würden, sondern unter Steinen hervorgeholt würden. Dafür braucht man natürlich den richtigen Schlüssel, um den Stein zu öffnen. Den haben wir nicht dabei, also geht es zu zweit weiter (natürlich mit Auto und Kühltruhe).

Die Straße der Megalithkultur führt jetzt eigentlich durch Meppen, zum archäologischen Museum. Da das aber erst irgendwann in den nächsten Monaten überhaupt mal wieder aufmacht, schenken wir uns die hektische Großstadt mit ihren – googelt kurz – 35.000 Einwohnern. Na gut, so hektisch wäre sie vielleicht doch nicht gewesen… Aber was soll’s, wir haben endlich das gestrige Spätnachmittagsprogramm geschafft! So kommt es, dass wir um 12:45 nicht zurück nach Haselünne fahren, sondern weiter nach Oldenburg, zur ersten geplanten Station des Tages. Ein Glück, dass wir die Tour nicht mit dem Fahrrad in Angriff genommen haben… So fahren wir eine gute halbe Stunde bis zum unserer ersten richtigen Tagesetappe:

12b – Großsteingrab auf dem Radberg

Die Wegbeschreibung redet gut gelaunt davon, das Auto irgendwo hinter Rentrup stehen zu lassen und dem Fußweg 800 Meter zu folgen. Bei 35 Grad im Schatten, wenn es denn welchen gäbe. Klar doch.

12b – Auf dem Radberg

Wir folgen dem Weg soweit es geht, schließlich gibt es kein Verbotsschild. Zugegeben: Besonders gut ist der Weg zwar nicht, aber auch nichts, was ein weitgereister Kombi nicht schaffen würde, wenn man die schlimmsten Schlaglöcher umrundet. Kopfsteinpflaster, Feldweg, Piste – auf den nächsten 600 m ist alles dabei. Als der Weg für die letzten 200-250m Richtung Wald abzweigt, lassen wir das Auto dann doch stehen. In Anbetracht von altem Maschendrahtzaun am Wegrand und Drahtresten auf dem Weg keine schlechte Entscheidung. Schließlich taucht eine kleine Wanderhütte am Wegrand auf, die abgesperrt ist – nicht wegen Corona, sondern wegen Einsturzgefahr. Mal was anderes. Hier geht es links in den Wald, wo die 17 Meter lange Grabkammer ruht, umgeben von einer 14×30 Meter langen Umfassung.

Hübsch, auch wenn wir froh sind, dass wir nur 250 statt 800 Meter hierher gewandert sind. Irgendwie hat man doch schon einiges an Steinen gesehen, und langsam wird klar, dass die Straße der Megalithkultur nur Gräber hat; Steinkreise und Monolithe fehlen. Ein bisschen wiederholt sich das, oder man stumpft ab. Oder liegt es an der Hitze? Jedenfalls reizt die Kühltruhe dann schließlich doch mehr als das Grab, und wir kehren zurück zu kalten Getränken.

Simultankirche in Thuine

Simultankirche in Thuine

Es wird Zeit für etwas Abwechslung: In Thuine machen wir kurz Halt an der Kirche. Es ist eine Simultankirche, die von zwei Konfessionen gleichzeitig genutzt wird. Daher sind auf dem Kirchturm als Wetterfahne das katholische Kreuz und der evangelische Hahn zu sehen. Wenn man nicht weiß, dass es das gibt, kommt man da nie drauf. Die nette Führerin im Kloster Hude hatte uns darauf aufmerksam gemacht, was die Hähne, Schwäne und Kreuze auf den Kirchtürmen bedeuten.

12a – Großsteingrab in der Kunkenvenne

Weiter geht’s zu 12a, in die Kunkenvenne. Daran erinner ich mich von der Planung: Es geht auf einer Straße einige Zeit parallel zur B214, auf einer Straße, die mein Navi nicht kennen will. Aber es gibt Schilder, denen wir bis zu einer kleinen Wiese folgen können, die als Parkplatz dient. Von da sind es nur ein paar Meter bis zum Großsteingrab in der Kunkenvenne. Und wenn du glaubst, du hast schon so viele Steine gesehen, dass dich nichts mehr beeindruckt, kommt das hier:

12a – Großsteingrab in der Kunkenvenne
Eine Rarität:
Die doppelte Umfassung

Mit 17 Decksteinen und einer Kammerlänge von 25 Metern gilt es zu Recht als eines der eindrucksvollsten Gräber. Nur Lähden (17c) und Ostenwalde (19) haben ebenfalls noch eine doppelte Umfassung, aber hier fällt sie auf. Das ganze in einer großen, idyllischen Lichtung, damit man es auch sehen kann – ja, das hat was. Gefällt. Also, gefällt so richtig.

Das ganze gefällt übrigens nicht nur mir – so war ich auch auf die Rabensturmig aufmerksam geworden, deren Blog ich hier ja schon mal verlinkt habe. Ich kann leider nur fotografieren, bei ihr sah es so aus:

Zeit müsste man haben. Nur irgendwie mache ich die Megalithstraße schon wieder im Tiefflug, dabei sah das auf dem Papier so entspannt aus. Der Halt in der Kunkenvenne hat sich jedenfalls rentiert. Ich bin beeindruckt und habe doch wieder Lust auf noch mehr Steine:-) Also geht’s weiter.

11 – Alt Frerener Forst

Der Parkplatz…

Kulturschock: Als Parkplatz ist die Hölle los. Wir sollen laut offizieller Wegbeschreibung den Parkplatz Waldfreibad nutzen, was natürlich einiges erklärt. Wir nehmen den ersten besten halbwegs-Schatten-Parkplatz und machen uns auf einen einige hundert Meter langen Marsch zum Grab. Ganz toll: Bis zum Grab führt ein Fahrweg, den wir auch hätten nehmen können. So haben wir uns unnötig weit von unserer heißgeliebten Kühlbox entfernt:-(

11 – Alt Frerener Forst
Alt Frerener Forst

Auf dem Grab sitzt eine Einheimische, macht Raucherpause und telefoniert mit Bekannten, um ihnen zu sagen, dass sie bis zum Grab fahren können. Toll… Wir sind eindeutig wieder in der Zivilisation und schleichen etwas unschlüssig mit unseren Kameras umher. Dank DSGVO traut man sich ja kaum, Menschen mit aufs Bild zu nehmen. Als sie die Steine verlässt, sage ich artig danke – und erfahre, dass sie das gar nicht wollte, zumindest ist sie nicht wegen uns aufgestanden:-) Egal, wir kriegen unsere Fotos!

Das recht gut erhaltene Grab hat eine gut 20 Meter lange Kammer mit mächtigen Decksteinen und liegt – wieder einmal – idyllisch zwischen den Bäumen. Der Trubel des Freibads ist erfreulich weit weg.

Fürstenau

Fürstenauer Stadthäuser

Zur Abwechslung hatte ich noch einen kurzen Fotostop am Schloss Fürstenau eingeplant, das wir gegen halb vier erreichen. Nettes kleines Städtchen mit niedrigen, breiten Häuschen – so großzügig wie in dieser Stadt können wir im Süden nicht mal auf dem Dorf bauen.

Der Ort ist schon eher auf Touristen ausgelegt, es gibt mittelalterliche Stadtführungen, Fahrradverleih und Umleitungen wegen Baustellen. Das Schloss will seine Wurzeln als Burg nicht verbergen, und es gibt ein mittelalterlich geprägtes Restaurant.

Schloss Fürstenau
Mittagmahl

Das Restaurant wirbt mit Slush-Eis, sodass wir überraschend jetzt schon das Abendessen einschieben. Backfisch wird groß beworben, ist aber aus – bei mir wird es der Burger. Die Bedienung ist gut drauf und legt die Gäste am Nachbartisch auch mal in Ketten (der Pranger gehört zum Restaurant), und ich bin mir immer noch nicht sicher, ob er zur Mittelalterband Rapalje gehört oder sie nur gut kennt. Auf jeden Fall passt unser Kellner auf jeden Mittelaltermarkt und bietet eine gute Show. Das Trinkgeld hat er sich verdient.

Durch das Essen ist mein Zeitplan für heute endgültig obsolet, aber wer weiß, ob wir heute Abend noch was in Osnabrück kriegen würden. Und was soll’s, wir sind im Urlaub, Hektik gibt’s so genug. Unser Hotel heute hat sogar CheckIn bis 20 Uhr, und noch nicht angerufen, wo wir bleiben.

Trotzdem verlassen wir Fürstenau schließlich und brechen zum nächsten Ziel auf:

10a – Großsteingräber und Steinreihe bei Hekese

Eines der beiden Großsteingräber

Zwei große Megalithgräber bilden Station 10a. Die Besonderheit ist nicht, dass hier zwei Gräber die selbe Stationsnummer tragen, sondern die schmale Steinreihe zwischen den beiden. Die Gräber liegen auf einer Linie, zwischen ihnen verläuft eine 53 Meter lange Steinreihe, die an der Mittelachse der Gräber ansetzt. Sie ist meist einreihig, zum Teil aber auch zweireihig. Ihr Sinn? Völlig unbekannt.

Gut: Die Steinreihen der Bretagne sind imposanter, aber es ist doch mal was anderes. Auch wenn ich mir rein vom Name her mehr versprochen hatte; zuallererst fallen die beiden gut erhaltenen Gräber auf. Geparkt werden kann an einer größeren Parkbucht auf der anderen Seite der Landstraße. Zum Glück ist der Parkplatz nicht weit weg: Der Nikon geht wieder der Saft aus…

Eine flache Steinreihe verbindet die beiden Gräber

10b – Großsteingrab und Teufelsstein

Auf der Fahrt zum nächsten Ziel zeigt mein Navi wieder einmal, was es kann: Wir verlieren die Schilder der Straße der Megalithkultur aus den Augen, aber ich weiß noch, dass das nächste Ziel auf einem Bauernhof liegt. Prompt steuert mein Navi versteckte Feldwege in der Pampa an, und schließlich sind wir kurz vor dem Ziel – auf dem einzigen Berg in der Umgebung, wenn ich das richtig sehe. Zumindest sollen wir einen steilen, umwucherten Weg herunterfahren, der vielleicht für ein Mountainbike eine machbare Herausforderung wäre – aber mein Auto prügel ich da nicht runter. Irgendwie schaffe ich es, wieder eine asphaltierte Straße zu finden, und schaue mir auf dem GPS an, wie ich zum Ziel kommen könnte.

Der Näpfchenstein
Die Näpfchen

Schließlich finden wir den Bauernhof und halten am Näpfchenstein an, der – wen wundert es – vor ein paar Bäumen steht. Erst 1956 wurde er hierher versetzt und dabei untersucht, sein Unterseite ist für besseren Halt bearbeitet – er wurde also bewusst aufgestellt. Die Näpfchen – eine ganze Menge von kleinen, schüsselförmigen Vertiefungen – ist deutlich zu sehen, ihr Sinn bleibt verborgen.

Dafür ist das Hünengrab unmittelbar hinter dem Näpfchenstein noch einen Blick wert: Es steckt halb im Hügel, vier seiner fünf Decksteine sind noch erhalten.

Der Teufelsstein

Mittlerweile hat uns auch Paula, der Hofhund, entdeckt, aber sie ist eine liebe und geht mit ihren Leuten ins Haus – die sind Besucher wohl gewohnt. Hauptsache, man parkt so, dass man nicht stört.

Gräberfeld Plaggenschale

Welcher Stein ist das?

Vom Teufelsstein sind es noch 20 Minuten bis zum Gräberfeld Plaggenschale. Unterwegs kommen wir noch an einem weiteren Steinfeld vorbei: Am Straßenrand werden die verschiedenen Steinarten erklärt, die seit der letzten Eiszeit hier von den Gletschern aus Skandinavien abgelagert wurden. Nett.

Auf dem weiteren Weg zum Gräberfeld lässt mich mein Navi-Plan im Stich – zuerst will mein Navi die letzten 5 Kilometer einen echten Radweg benutzen, und dann bin ich zwar in Rufweite vom Gräberfeld, weiß aber auch nicht weiter. Des Rätsels Lösung: Den Schildern zum Wacholderhain folgen, zu dem das Gräberfeld gehört. Dahinter verbirgt sich ein schönes Stückchen Heide, das touristisch gut erschlossen ist. Ein Rundweg führt an einigen Erklärungstafeln durch die Heide. Der erste Teil ist als Barfußweg ausgelegt und bietet die Möglichkeit, über Sand, Steine und Kiefernzapfen zu marschieren.

Die Wanderung durch die Heide ist ein schöner Tagesabschluss, auch wenn von den Hügelgräbern nicht so viel zu sehen ist. Mittlerweile ist es fast 19 Uhr, als wir wieder am Auto sind, und wir brechen ab – die letzten drei Ziele langen auch morgen noch. Darunter sind der „Dom“ in Ankum und Station 9 – zu der ein drei Kilometer langer Rundweg gehört…

Also machen wir uns auf den Weg nach Osnabrück, wo uns ein Bauzaun den Weg in das Hotel versperrt. Im zweiten Anlauf finden wir die Einfahrt und beziehen unser Quartier für die nächsten zwei Nächte. Unsere Megalith-Tour nähert sich damit schon dem Ende. Nur 9 Stationen fehlen noch, dann haben wir fast alles gesehen – außer dem berüchtigten 15c und den Kellersteinen, 24a.

Straße der Megalithkultur, Tag 6

Es hat Nachteile, wenn man ein Hotel mit Frühstück bucht. In diesem Fall: Frühstück nur bis 9 Uhr. Und dementsprechend frühes Aufstehen. Dafür erwarten uns heute wohl keine großen Abenteuer mehr auf der Straße der Megalithkultur. Wir sind in Osnabrück, am Start der Route – da sollte sie sich wohl von ihrer besten Seite zeigen. Und geplant sind nur sieben Stationen, plus die zwei von gestern und etwas rundrum auf der Strecke. Also los geht’s, in die große Stadt.

1a – Teufelssteine

Ab auf’s Werksgelände?

Das erste Ziel liegt in einem Gewerbe- und Wohngebiet und ist ausgeschildert – das Schild scheint auf das Werksgelände eines Stromversorgers zu zeigen. Echt jetzt? Fängt ja gut an…

Wir parken ein paar Meter weiter und sehen noch einen weiteren, dezenten Hinweis auf das Großsteingrab Teufelssteine. Hinter einem Privathaus finden wir das hübsche Grab dann, das auch ausgewählt wurde, um die Koexistenz von alten Steinen und moderner Industrie zu demonstrieren. Die Bauarbeiter in der Umgebung sorgen für die richtige Kulisse dafür.

1a – Teufelssteine

Die 12 Meter lange Kammer ist noch gut erhalten, ein Deckstein fehlt, einer liegt noch oben drauf – den Bau des Gewerbeviertels hat es gut überstanden. Und zum Glück stehen hier ein Umspannwerk und eine Spedition, und keine Großschlachterei. Ich muss wieder an 15c denken – und an Asterix und der Seher. Der Witz mit der Gerberei. Jetzt verstehe ich den besser…

1a – Gretescher Steine

Das nächste Ziel ist nur gut einen Kilometer und eine Baustelle entfernt und liegt in einer Anwohner-Frei-Zone – also nicht in der Seitenstraße parken, sondern bei der Wirtschaft gegenüber.

1b – Gretescher Steine

Auch die Gretescher Steine liegen in einem kleinen Wäldchen in einem schmucken Wohngebiet. Wir finden zunächst eine Zeitleiste, die einige Ereignisse der letzten 5000 Jahre auflistet, und an deren Ende das Grab steht. Hübsch gemacht.

Mit seinen massiven Decksteinen erhebt es sich aus der Erde – kein Wunder, dass es schon früh romantisiert und des öfteren gezeichnet wurde. Sehr nett: Zum Gretescher Bach geht es steil herunter, sie stehen also über einem hübschen kleinen Abhang. Ein Stein ist wohl einst den Hang heruntergestürzt. Eine schöne kleine Oase der Ruhe, nach der wir Osnabrück dann auch schon verlassen.

Der Abschlussstein zum Bach hin fehlt.

Osnabrück mag durchaus einen Besuch wert sein, aber wir sind hier ja nicht wegen der jüngsten Geschichte (Westfälischer Frieden 1648, die älteren unter uns erinnern sich), sondern wegen der Vorgeschichte. Also nehmen wir Kurs auf das offene Land.

2 – Großsteingrab Jeggen

Jeggen liegt dann auch schon sehr abgeschieden, und in einer überraschend hügeligen Gegend – nach dem Flachland weiter im Norden wirken die Hügel fast wie Berge. Von der Straße aus präsentiert es sich von seiner besten Seite: Große Steine in einem von einer Hecke eingerahmten Areal, dazu eine Skulptur, die an seine Erbauer erinnert. Nett.

2 – Großsteingrab Jeggen
Moderne Schmierereien

Einige große Bäume wachsen im Grab und um es herum – ein schönes Ausflugsziel, bis wir es einmal umrunden. Irgendein Idiot konnte es nicht lassen, es mit Hakenkreuzen zu beschmieren. Kulturlose Banausen. Es ist das erste Mal, das wir moderne Vandalismus-Spuren sehen. Wir sind eindeutig in der Nähe der Zivilisation.

Unterwegs kommen wir noch an der Schelenburg in Schledehausen vorbei, einer der ältesten Burganlagen der Region. Seit 2011 ist das Restaurant geschlossen und die Anlage wird privat genutzt – es bleibt also bei einem kurzen Blick von außen auf die Wasserburg.

Die Schelenburg

Kurz danach geht es auch nicht mehr weiter, wir haben eine Vollsperrung gefunden. Also zurück nach Jeggen und mal sehen, wann wir wieder auf die offizielle Straße der Megalithkultur stoßen

3a – Driehauser Steine

Das Navi führt uns auf einen asphaltierten Feldweg, der zu einem zugewucherten Fußweg führt, der zu einem Wäldchen führt – sieht gut aus, wir haben die Driehauser Steine gefunden. Eine kleine, isolierte Baumgruppe ist ein gutes Indiz für alte Steine.

3a – Driehauser Steine
Gut behütet unter Bäumen

Die Anlage ist gut erhalten und hat – angeblich – einige Megalithen, die mit Näpfchen versehen wurden, wohl noch von ihren Erbauern. Von den gut fünf Zentimeter großen, flachen Vertiefungen sehen wir aber wieder einmal wenig bis nichts. Egal – die Anlage ist trotzdem hübsch.

Der Reiseführer empfiehlt nun noch einen Besuch im Schnippenburg-Museum, das sich vor allem mit den Kelten beschäftigt. Sagenhafte Funde aus der Keltenzeit erwarten uns da – allerdings nur Sonntags zwischen 14 und 18 Uhr; im Winter sogar nur an jedem ersten Sonntag im Monat. Wir haben zwar Sommer, aber Donnerstag. Also können wir uns den Besuch sparen und fahren direkt zur nächsten Station.

3b-d – Darpvenner Steine

Gegen halb 12 erreichen wir den Wanderparkplatz in der Nähe der Darpvenner Steine und gehen erst einmal in die falsche Richtung; wir müssen ein Stück and er Straße entlang auf die andere Seite der Wirtschaft, wo es auch eine winzige Parkbucht gibt. 3 c und d liegen auf einer Seite der Straße, 3b gegenüber. Wir kommen gut voran!

Nach wenigen Metern und vielleicht eineinhalb Höhenmetern erreichen wir das Grab 3c. Die Decksteine liegen zwischen den Tragsteinen, aber sonst sieht es gut aus. 3d ist durch die Bäume auch schon zu sehen.

Die Kammer von 3d ist gut erhalten, dafür fehlen die Decksteine. Ich weiß nur langsam nicht mehr, was ich über die Megalithanlagen noch so schreiben soll – alles hübsch und idyllisch und ruhig und abseits…

3b, die größte der Gruppe

Aber wir haben ja noch eine an dieser Station: 3b liegt auf der anderen Straßenseite und ist die größte im Bunde. Die Kammer ist länger als die ihrer Kollegen, dafür ist von einer Umfassung nichts zu erkennen.

So viele Steine – ob das auffallen würde, wenn man ein paar davon nach Süddeutschland brächte? Egal, Zeit für was anderes.

Eisenzeithaus Darpvenne

Im Augenblick kreisen wir um Darpvenne und landen schließlich am Eisenzeithaus. Hier wurde ein Eisenzeitliches Gehöft rekonstruiert. Das kann sehr spannend sein – auf den äußeren Hebriden in Schottland hatten wir einmal das Bostadh Iron Age House besucht und gar nichts erwartet; stattdessen gab es dann eine eindrucksvolle kleine Führung, mit der wir gar nicht gerechnet hatten. Und offen hatte es auch! Und Darpvenne?

Öffnungszeiten ohne Buchung:
April-September: jeden 2. Sonntag im Monat 14-18 Uhr“

http://schnippenburg.server1.citywerk.net/staticsite/staticsite.php?menuid=8&topmenu=7

Natürlich in Zeiten ohne Corona. Aber die Außenbesichtigung ist möglich.

Das Eisenzeithaus Darpvenne
„Tourismus“

In der Umgebung gibt es noch ein paar Mini-Ausgaben von Pferden (wer braucht da schon Island-Ponies) und sogar öffentliche Toiletten. Sie wurden erst kürzlich errichtet, um das Konzept des „Tourismus“ zu verbreiten.

Viel Erfolg! Die gute Nachricht: Die Toiletten sind offen und gepflegt; und die Wirtschaft gegenüber macht gelegentlich sogar auf.

Wir fahren weiter zum nächsten neuzeitlichen Zwischenziel:

Venner Mühleninsel

Parken an der Mühleninsel

Die Venner Mühleninsel ist eine hübsche kleine Insel mit zahlreichen alten Gebäuden, die zu der Mühle auf der anderen Straßenseite gehören. Sie ist frei zugänglich und auf viele Besucher ausgelegt, wenn ich mir den Parkplatz anschaue. Am Donnerstag-Mittag sind wir fast alleine. Die Mühleninsel bietet schöne Gärten und alte Wirtschaftsgebäude, die Mühle selbst mit dem Dorfmuseum macht nicht so viel her und ist bei unserem Besuch auch nicht zugänglich – ein mächtiges altes Steingebäude, aber ohne sichtbares Wind- oder Wasserrad. Trotzdem ein hübscher Zwischenhalt.

4a – Süntelstein

Weiter geht’s in die Jungsteinzeit, zum einzigen Monolith der Route: Dem Süntelstein. Der vier Meter große, breite Brocken steht an einem leichten Abhang und wirkt daher gar nicht so groß, wenn man nicht direkt davor steht. Angeblich hat ihn der Teufel hierher geschleudert, weil ihn die Venner Kirche gestört hat – er wollte mit ihm das Kirchentor versperren, aber der Brocken war dann doch selbst dem Teufel zu schwer, sodass er die Aktion abbrach.

4a – Der Süntelstein

Heute führt ein 600 Meter langer Weg vom Parkplatz durch den Wald zum Süntelstein, man sollte also etwas Zeit einplanen. Schon seit langem hat jemand die Strukturen auf dem Stein zu einem Gesicht ergänzt – das kann man immerhin als Kunst durchgehen lassen statt als mutwillige Verschandelung.

Steinhaufen beim Süntelstein

Ursprünglich war er wohl von einem Kreis aus Steinen umgeben, von denen sich aber nichts mehr findet. Dafür sind in direkter Nachbarschaft jede Menge Findlinge aufgehäuft – anscheinend aber kein gestörtes historisches Monument, sondern nur ein Haufen Steine.

4b/c – Teufels Backtrog und Teufels Backofen

Die offizielle Wegbeschreibung meint, man solle vom Parkplatz vom Süntelstein zu 4b/c laufen – an das andere Ende vom Ort. Wir fahren lieber mit dem Auto und erreichen nach ein paar Minuten das Ziel, von dem aus ein Fußweg zu den beiden Gräbern führt. Parken am Straßenrand ist auch kein Problem.

Wir gehen zuerst zu Teufels Teigtrog oder Backtrog – die Schilder sind sich da nicht ganz einig, beide Namen scheinen verwendet zu werden. Ein hübsches, kleines Grab, das nur wenig aus der Erde ragt. Irgend jemand hat Blumen auf den Steinen abgelegt – ein Opfer? Es ist nicht das einzige Mal, dass wir das sehen.

Ein QR-Code ins Nirvana

Im Prinzip ist die Gegend sogar richtig touristisch ausgebaut: Hinweisschilder, eine große weiße Pyramide für das regionale Projekt „Magische Orte„, und die Hufeisenroute rund um Osnabrück führt hier auch vorbei. Ein QR-Code verspricht Informationen zum Teufelstrog, für aber nur zu einem 404 – Keine Ergebnisse. Das muss Teufelswerk sein…

Dieses Tourismus ist halt doch noch Neuland hier oben.

Die alte Schwarzkreidegneis-Minengrube

Der Weg zum nahe gelegenen Teufels Backofen führt an einer alten Minengrube vorbei. Schwarzkreidegneis wurde hier einst abgebaut (bis 1967) und zu einem Farbstoff zermahlen. Der Backofen ist von hier aus leicht zu finden, wenn man weiß, wonach man suchen muss: Ein freistehendes kleines Wäldchen.

4c – Teufels Backofen

Hübsche kleine Anlage, auch wenn die Decksteine wild verstreut liegen. Aber es ist ganz gut, dass sie eigentlich am Anfang der Route liegt – ähnliche Gräber haben wir doch schon einige gesehen. Jedes für sich einen Besuch wert. Also machen wir uns auf den Rückweg. Mittlerweile ist es doch schon wieder 14 Uhr. Eigentlich wollten wir im Museum und Schlacht Kalkriese vorbeischauen, aber ich bin mir immer noch nicht sicher, was dieser Park eigentlich zu bieten hat. Und bevor wir da nur durchhetzen, streichen wir ihn lieber von der Liste und fahren zur nächsten Station. Bei Bedarf können wir da immer noch morgen hin.

5 – Helmichsteine

Das Navi führt uns zu einem Parkplatz am Ortsrand, zu einer Hecke. Dahinter liegt unser nächstes Ziel verborgen, auf einer sauber gemähten Grasfläche: Die Helmichsteine.

5 – Die Helmichsteine
Ersatzsteine aus Metall

Das schlecht erhaltene Grab wurde vor einiger Zeit restauriert renaturiert. Eine Hecke stellt die Umfassung dar, aus Metall wurden denkmalschutzgerecht (ohne Witz: Es soll ja klar sein, was neu ist, deshalb verbietet das Denkmalamt gerne mal schöne Anbauten und will Glas, Metall und Beton, die wie die Faust aufs Auge passen) fehlende Tragsteine nachgestellt, und das ganze ist zugewuchert. Viel ist also nicht zu sehen. Ein überwucherter Hügel mit Steinen drin.

Kloster Rulle

Warum ich das Kloster Rulle auf dem Plan hatte, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Heute ist dort eine Jugendbildungsstätte und wohl auch ein Treffpunkt – zumindest liefen irgendwelche Vorbereitungen, und die Toiletten waren für die nächsten zwei Wochen gesperrt und stanken gottserbärmlich.

Klosterkirche Rulle

Wir machen nur einen kurzen Stop und fahren weiter, auf der Suche nach älteren, schlechter erhaltenen Zielen:-)

6a/b – Oestringer Steine

Die Ostringer Steine liegen in einem Naherholungsgebiet. Dementsprechend hat es hübsche Eckchen, aber auch viele Leute. Eine Familie sitzt auf den Steinen – soll das die erste Station sein, von der wir keine Fotos ohne Menschen kriegen? Die Kinder essen, und die Parentalgeneration spielt mit ihren Handies. Kann also etwas dauern…

Ein Blick auf Open Streetmap zeigt, dass noch ein drittes Grab direkt ums Eck ist. Wir folgen dem asphaltierten Feldweg, machen ein paar Bilder der Steine, wobei wir auf dem Weg bleiben – sie scheinen auf einem der hier üblichen riesigen Grundstücke zu liegen – und werden bald von einer Frau gefragt, ob sie uns helfen könne – und darüber aufgeklärt, dass das hier ein Privatgrundstück ist. Wir entschuldigen uns und erkennen auf dem Rückweg, dass der Gartenzaun wohl das ewig lange, offene Hoftor ist – zur Seite hin ist das Grundstück ganz offen. Muss man auch erst wissen…

Aber mittlerweile sind die eigentlichen Ziel-Steine frei, und wir kommen zu unseren Fotos. Die beiden Gräber sind groß, aber ziemlich zerstört und zeigen auch deutliche Spuren von weiteren Sprengversuchen.

Hier ist es uns zu voll, sodass wir nur kurz bleiben. Weiter geht’s, bald haben wir den Plan für heute erledigt.

7a/b – Karlsteine

Die Karlsteine fahren wir wieder von der falschen Seite an, mein Navi hat eine leicht andere Routenplanung als die Straße der Megalithkultur. Mit dem Ergebnis, dass der Parkplatz auf der anderen Straßenseite liegt und gar nicht so leicht zu erreichen ist.

7a – Große Karlsteine

Die großen Karlsteine liegen auf einem nicht zu hohen Hügel und wirken von Ferne genau so, wie man sich ein Hünengrad vorstellt; nach hinten verlaufen sie flacher, und die Tragsteine ragen nicht mehr ganz so weit aus dem Boden. Eine gut erhaltene Anlage, deren Name ausgerechnet an Karl den Großen erinnert, der im Zuge der Christianisierung die Zerstörung vieler alter, heidnischer Überbleibsel anordnete. Manch Hügelgrab hat er auf dem Gewissen, auch den zerbrochenen Deckstein dieses Grabs soll er höchstpersönlich verursacht haben.

7b – Kleine Karlsteine

Von den nur wenige Meter entfernten Kleinen Karlsteinen ist weniger übrig, nur ein paar Tragsteine ragen aus dem Erdboden. Das könnte man leicht übersehen, wenn nicht eine verbogene und zerstörte Hinweistafel neben ihnen stünde. Die Zivilisation ist nicht weit weg…

Eine Besonderheit sei noch erwähnt: Statt aus Granit wurden die beiden Karlsteine aus Kohlesandstein errichtet. Er scheint aber deutlich robuster zu sein als der Sandstein, den ich so kenne. Sonst hätten die beiden Megalithbauten kaum 5000 Jahre überdauert.

Damit haben wir unseren Tagesplan (bis auf das Kalkriese-Museum) eigentlich geschafft. Und das schon um 15:30, gar nicht schlecht:-) Aber wir haben ja noch was aufzuholen, also fahren wir weiter nach Norden.

8 – Großsteingrab am Wiemelsberg

Das Großsteingrab am Wiemelsberg liegt am Rand des Örtchens Ueffeln, wo uns eine Parkbucht erwartet, in die mit Müh und Not zwei Autos passen – eines steht schon da, aber wofür habe ich schließlich Parkpiepser?

Vom Parkplatz aus sind es rund 500 Meter Fußweg bis ins nächste Wäldchen. Beunruhigend: Für heute war ja doch einmal Regen angekündet, und Donner grollt irgendwo in der Ferne. Gewitterwolken sind keine zu sehen, aber muss das etwas heißen? Die Wetter- und Blitzapps zeigen nichts, also riskieren wir es.

Grabhügel im Wald

Im Wald liegt links des Wegs ein unauffälliger Hügel, den ein dezentes grünes Schild als Grabhügel ausweist – einer von zweien in der Nähe. Das Grab selbst liegt ein paar Meter weiter schon wieder am Waldrand und rühmt sich, das einzige vollständig erhaltene Megalithgrab des Osnabrücker Landes zu sein. Schön ist die Anlage allemal, und das gelegentliche Donnergrollen untermalt die Szene im Wald. Ein bisschen liegt es wie ein erschöpft zusammengebrochenes Tier zwischen den Bäumen.

Wenn ich das richtig sehe, heißt die nächste Ortschaft, die wir zwischen den Bäumen sehen, Ägypten, und Alfhausen liegt auch in der Nähe. Interessante Ortsnamen haben die hier. Unser nächstes Ziel ist aber der Artland Golfclub.

9a-i – Steingräberweg Giersfeld

Die letzte Station ist der Steingräberweg Giersfeld, Station 9a-i. Macht locker-flockig nochmal neun Stationen für unseren letzten Halt, oder einen Rundweg von bis zu drei Kilometern.

Wir parken schließlich am Golfplatz, wo das größte Grab 9h direkt am Abschlag liegt. Ja, das ist eindrucksvoll: Zwei gut erhaltene Kammern mit einer gut 30 Meter langen Umfassung bilden Grumfeld West. Flach, aber lang.

9h – Grumfeld West

Hier finden wir auch eine Infotafel mit dem Rundweg und entscheiden uns für die 1km lange Kurzversion, die fünf Gräber abdeckt, um den Rest dann vom alternativen Parkplatz ein Stück die Straße runter anzusteuern.

Gut gepanzert

Wir gehen an den übenden Golfern vorbei, dann zieht ein gut gepanzertes Auto unsere Blicke auf sich: Damit werden wohl die Golfbälle im laufenden Betrieb eingesammelt. Naja, ich wollte auch keinen Golfball an den Kopf kriegen…

Der Weg führt in den Wald (wohin auch sonst, und nach wenigen Metern treffen wir auf 9e, das rund 20 Meter lange Grumfeld Ost. Die Namen stammen übrigens immer vom Grundstücksbesitzer…

Laut Reiseführer sind hier nur noch Reste zu sehen, vier von einst wohl zehn Decksteinen, aber schön ist es immer noch. Wie gesagt, ich mag Ruinen.

9f – Steinkiste im Hügel

Wir überqueren einen Weg und kommen zu 9f, einer rekonstruierten frühbronzezeitlichen Steinkiste in einem Grabhügel. Das hat schon eher das Format eines modernen Grabs. Wenn man davor steht, sieht man nur den Hügel, die Steine schließen zurzeit recht bündig ab.

Grabhügel 9g

9g macht noch weniger her: Hier ist der Grabhügel noch vollständig, lediglich eine Mulde ist an seiner Spitze zu sehen. Sowas kennen wir schon aus dem Wald.

Dann ist der kurze Rundweg auch schon am Ende, und wir machen noch einen Abstecher zu 9d – ein weiteres bronzezeitliches Hügelgrab, bei dem der Hügel ungestört erscheint. Er stammt aus der Zeit zwischen 2000 und 1200 v.Chr.

9d – Unbenannter Grabhügel
9i – Rickelmann I

Dann gehen wir wieder zurück und holen unser Auto, um zum Rest des Steingräberwegs zu fahren. 9i – Rickelmann I – ist schnell erreicht und neben einer Bienenzucht. Auch wenn Bienen harmlos sind gegen die Wespen der vergangenen Tag, halten wir hier daher nur kurz. Schöne, mittelgroße Steingräber im Wäldchen sind jetzt nichts besonderes mehr…

9b – Reinecke

Noch einmal parken, und die letzten drei Gräber sind in Reichweite. Wir parken am Rand eines Feldwegs beim Schild der Megalithstraße. Von dem drohenden Gewitter ist nichts mehr zu sehen, und die Sonne knallt runter, als wir den Weg zum schützenden Wald in Angriff nehmen. An 9a laufen wir vorbei, also geht es zuerst zu 9b, ein gutes Stück in den Wald hinein. Gut verborgen liegt da die niedrige Anlage aus moosüberwachsenen Steinen. Nur ein Deckstein ist noch erhalten, dazu die teils verschobenen Wandsteine, die die Grundfläche markieren. Die niedrigstehende Abendsonne taucht den Wald in ein beeindruckendes Licht.

9c – Meyer

Bis 9c ist es nicht mehr weit. Meyer heißt das Grab, von dem nicht mehr viel zu sehen ist – zumindest dafür, dass es laut Reiseführer einst als größtes und schönstes Grab der Gegend gerühmt wurde. Was ihm wann passiert ist, darüber schweigt der Reiseführer leider. Die Tafel gibt etwas mehr Infos: 1841 wurden die ersten Gräber unter Schutz gestellt, und so gepriesen wurde Meyer noch 1902. Sogar erst 1972 wurde das letzte Grab auf dem Giersfeld vollständig geräumt. Lange kann sich Meyer also nicht in diesem Zustand befinden.

This is the End: 9a – Rickelmann II

Machen wir uns also auf den Rückweg, zur letzten Station: 9a fehlt uns noch. Es versteckt sich etwas abseits im Waldrand, nicht allzu weit weg von unserem Auto. Unter einem großen Baum liegen einige große Steine. Rickelmann II erreichen wir um 18 Uhr 30. Die Buche, die heute aus dem Grab wächst, prägt das Bild. Zeit für letzte Fotos. Uff, geschafft. Wobei, da war noch was… wir sind nicht allzuweit weg von 24c/d, den Kellersteinen. Die fehlen uns noch. Wird aber knapp…

Der „Dom“ zu Ankum

Egal, jetzt fahren wir erst mal nach Ankum, den Artland-Dom anschauen – der weder im Artland liegt noch ein Dom ist. Prächtig ist die Kirche aber allemal. Statt zu den Kellergräbern zu hetzen (morgen vielleicht?), nutzen wir die Zeit für einen kleinen Ortsrundgang und für das Abendessen. Gerade noch rechtzeitig: Als wir mit unserem Essen im Burgerladen fertig sind (eine Hähnchen-Großbraterei wäre die Alternative gewesen), kommen verärgerte Touristen aus dem Restaurant und regen sich über das Kuhdorf hier auf – der Laden macht tatsächlich schon um 20 Uhr zu. Die Eisdiele gegenüber hat immerhin bis 21 Uhr offen, das langt noch für einen größeren Nachtisch.

Damit beenden wir die Tagestour rund um Osnabrück und fahren zurück ins Hotel. In der Nacht ist es endlich auch so weit: Es gibt rundrum Wetterleuchten, und dann regnet es sogar – ein wenig Abkühlung für die Nacht!

Straße der Megalithkultur, Tag 7

Es hat einen Grund, dass wir die Straße der Megalithkultur umgekehrt gemacht haben: Wenn wir im Süden aufhören, ist die Rückfahrt schon mal eine Stunde kürzer. Und ich hatte die Tour schon um einen Tag verlängert, weil mir vier Tage für 33 Stationen etwas knapp vorkamen. Das auch fünf Tage zu wenig sind für das, was mit dem Fahrrad in acht erledigt wird, war kaum abzusehen, bevor alle Parkplätze ins Navi eingespeist waren.

Damit hatten wir für den Freitag zwei Optionen: Kultur in Osnabrück (Das Museum am Schölerberg, und/oder das Kalkriese-Museum), oder doch noch einmal eine gute Dreiviertelstunde nach Norden fahren und in aller Ruhe zu den Kellergräbern und dem Visbeker Bräutigam fahren. (Oder alles machen…)

Also räumten wir am Freitagmorgen unser letztes Hotelzimmer, packten das Auto und fuhren nach Norden, bei wechselhaftem Wetter. Im großen ganzen war es trocken, aber ein paar Regenschauer gab es doch immer wieder. Aber letztlich hatten wir Glück mit dem Wetter, auch wenn der Regen statt einer Abkühlung eher einen Aufguss brachte.

Schließlich erreichten wir den Parkplatz beim Gasthof Engelmannsbäke, dieser aus der richtigen Richtung, aus der auch die Hinweisschilder besser zu sehen waren. Der Wald dahinter wurde immer noch von knorrigen Bäumen bewacht, das leicht regnerische Wetter tat der Stimmung keinen Abbruch.

Am Heidenopfertisch vorbei erreichten wir wieder bald den Bräutigam. Vier weitere Gräber sollte es hier geben – wir umrundeten ihn und suchten nach allem, was wir fanden. Morgens um 11 war außer uns noch keiner unterwegs. Dabei konnte ich auch die Bilder der Gräber nachholen, bei denen mein Akku beim ersten Besuch versagt hatte.

Ein Stück hinter dem unauffälligen Hügel von Grab II mit seinem einen Meter hohen Hügel fanden wir dann auch Grab III, die durchaus imposante Brautjungfer. Es wäre eine Schande gewesen, ihr keinen Besuch abzustatten.

Grab III, die Brautjungfer
Noch einmal der Bräutigam

Die Kammer dieses Grabs ist länger als die des Bräutigams, allerdings ist die Umfassung deutlich kompakter. Dieses Grab passt komplett aufs Foto! Beim Bräutigam scheitere ich dagegen wieder daran, ihn eindrucksvoll aufs Bild zu kriegen.

Rund 20 Minuten sollen es dann noch bis zu den Kellersteinen sein, Station 24c und d. Die Beschilderung lässt zu wünschen übrig, aber mit GPS und der Karte auf dem Handy biegen wir sogar nur einmal falsch ab (wobei der längere Radweg wohl auch zum Ziel geführt hatte.)

Ausnahmsweise kein Grab (glaube ich)

Der Weg durch den Wald beeindruckt mit kräftigen Farben – der moosbedeckte Boden leuchtet richtig, trotz des Regenwetters. Ein völlig moosbedeckter Hügel sticht besonders heraus. Endlich mal kein Stein:-)

Nach einiger Zeit erreichen wir dann die beiden Ahlhorner Kellersteine – sie liegen in Rufweite zueinander, haben aber trotzdem eigene Unternummern, anders als die Gräber beim Visbeker Bräutigam. Das verstehe wer will… Das erste Grab ist gut erhalten. Seinen Namen verdankt es alten Spekulationen über seine Funktion: Wurde es einst als Keller genutzt?

Ein paar Meter weiter im Wald liegt unser letztes Ziel, 24d, der zweite Ahlhorner Kellerstein. Sein Deckstein ist zerbrochen: 1916 wurde er durch einen Soldaten des nahegelegenen Luftschiffhafens mit einer Handgranate gesprengt, seitdem liegt er zerbrochen da – ein Mahnmal für mutwillige und sinnlose Zerstörung.

Bretagne-Souvenirs – hier gab’s nichts…

Zeit für die letzten Fotos, und damit endet unsere teilweise abenteuerliche Tour zu den Stationen der Straße der Megalithkultur. So viele Steine, so viele Eindrücke – weit über 70 Gräber haben wir laut Plan gesucht und bis auf 15c auch alle gefunden. Ein paar Steine weniger hätten es auch getan, und dass man mit dem Auto doch besser den selben Zeitraum einplanen sollte wie mit dem Fahrrad, hätte ich nicht gedacht. Wobei die Check-In-Zeiten der Hotels ihren Teil dazu beigetragen haben. Touristisch ist diese Ecke Niedersachsens überhaupt nicht ausgebaut – Souvenirs habe ich diesmal keine mitgebracht, während aus der Bretagne gleich zwei kleine Menhire in meinem Regal stehen. Nur ein Foto will ich noch teilen – die Farben im Wald waren echt beeindruckend.

Unglaublich saftiges Grün

Sollte es uns noch einmal hierher verschlagen, würde ich etwas mehr Abwechslung einplanen – es gibt ja doch ein paar Mühlen, und vielleicht hat ja doch einmal ein Museum offen. Wenn der Corona-Alarm vorbei ist, kann man vielleicht auch guten Gewissens einen Blick in die Städte werfen; Oldenburg und Osnabrück bleiben so erst einmal weiße Flecken.

Die Idee, die Rückreise im Süden zu starten, war übrigens gar nicht so dämlich: Wir haben zwar keine größeren Staus, aber für die 528 km zurück brauchen wir doch sieben Stunden, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 75km/h. Das zieht sich, nicht zuletzt dank einer ausreichenden Zahl an Baustellen. Uff. Da sind wir doch froh, als wir endlich das Auto abstellen und den Urlaub mit einem Wochenende zur Erholung beenden. Schön war’s.