Abenteuer-Straße der Megalithkultur, Tag 5

In Haselünne übernachten wir im Burghotel (das noch nicht einmal die teuerste Unterkunft ist, aber die stilvollste). Viel mehr sehen wir von dem Ort nicht – wir kommen wirklich nur zur Übernachtung… Auch hier haben wir Frühstück gebucht: Es gibt ein Buffet hinter Glas, und wir sagen der Bedienung, was wir gerne hätten. Am Ende erhält man den Teller mit der Auswahl – saubere Sache. Dann starten wir durch und holen die Orte nach, zu denen wir gestern nicht gekommen waren. Ich hätte mir bei der Tourenplanung wirklich Hinweise zu den Zeiten gewünscht, oder wie man die Route aufteilen sollte…

17a – Volbers Hünensteine

Immerhin finden wir das erste Ziel auf Anhieb – schließlich waren wir gestern Abend schon bei Volbers Hünensteinen gewesen. Eine 15 Meter lange Kammer ist von einer 10×22 Meter großen Umfassung umgeben – die Anlage gilt zu Recht als eine der eindrucksvollsten im Emsland.

17a – Volbers Hünensteine

Die Anlage ist fast vollständig erhalten, sogar die meisten Decksteine sind noch an Ort und Stelle. Definitiv einen Besuch wert! Und damit haben wir das Programm auch schon abgeschlossen, das bis gestern Nachmittag vorgesehen war!

Bevor wir aber weiter nach Osnabrück fahren, stehen noch die Stationen 15, 14 und 13 im Nordwesten von Haselünne auf dem Plan. Ein Klacks, oder? Da können wir doch glatt noch zwei Stationen mehr einfügen.

18a – Großsteingrab am Kölkesberg

18a alt – Kölkesberg

Nur ein paar Minuten nach Hüvel finden wir nämlich eine kleine Parkbucht, in die mein Auto genau reinpasst. Gegenüber liegt in einem Wäldchen Station 18a, das Großsteingrab am Kölkesberg. Der aufmerksame Leser wird vielleicht bemerken, dass wir doch gestern schon bei Station 18 waren, beim Schießplatz der Bundeswehr. Keine Sorge: Noch habe ich vor lauter Steinen nicht den Überblick verloren. Vielmehr wurde die Route irgendwann überarbeitet, und wir besuchen die Stationen, die die Nummer 18 trugen, bevor die Route durch den Schießplatz führte.

18a alt – Großsteingrab am Kölkesberg

Grab 18a liegt heute schwer zugänglich in einem Wäldchen. Zumindest ist da nicht wirklich ein Zugang, wir schlagen uns durchs Unterholz. Zwei große Decksteine sind noch erhalten, darunter ragen ein paar Tragsteine aus dem Boden. In Süddeutschland wäre das ein Highlight, hier hat man schon besseres gesehen. Dafür haben wir schönere Burgruinen:-)

18b alt – Kölkesdose

Zurück zum Auto, nach Zecken absuchen und weiter zu 18b, das ganz in der Nähe ist. Das Großsteingrab an der Kölkesdose liegt verwildert zwischen einigen Bäumen und ist zumindest von einer Seite aus noch zugänglich. Einst gab es auch eine Hinweistafel, bei unserem Besuch lag das Infoschild noch umgedreht neben dem Grab. Der Steinhaufen war nur kurze Zeit ein Anziehungspunkt für Touristen, auch wir bleiben nicht allzu lange. Die neuen 18er-Stationen machen schon mehr her, zugegeben.

18b alt – Großsteingrab an der Kölkesdose

Also gehen wir zurück zur aktuellen Straße der Megalithkultur, die uns mit gepflegten, gut auffindbaren Gräbern erwartet. Oder etwa nicht?

Mythos 15c – Püttgesberge

Naja. Gleich bei der ersten Station scheitern wir grandios, auch wenn ich den geplanten Parkplatz finde. Aber im Industriegebiet von Werlte ist keine Spur von einem Hinweisschild zu sehen, dafür ein gottserbärmlicher Gestank. Die Anlage liegt wohl zwischen einer Großschlachterei und einer Fettschmelze. Der Geruch und die Viehtransporter lassen einen fast darüber nachdenken, zum Vegetarier zu werden – oder zuhause zumindest mal nach einem Metzger mit eigener Schlachtung zu schauen.

Von der Megalithstraße keine Spur, dafür von Tod und Verwesung, Zäunen, verwilderten Brachflächen, Dreck und Gestank. Hier sollen wir eine Megalithanlage suchen?

Wir ergreifen die Flucht, und mein Tipp zu 15c ist: Ferienstraße hin oder her – GEH DA NICHT HIN! Im Reiseführer fehlt die Station auch, und immerhin auf Wikipedia habe ich ein paar Fotos vom Großsteingrab Püttkesberge gefunden. Auf der Seite der Straße der Megalithkultur liest sich das ja noch ganz gut:

„Das am südlichen Ortsrand von Sögel in einem Industriegebiet versteckte Megalithgrab fristet leider ein Schattendasein. Die ruinösen Reste des Grabes lassen keine exakte Rekonstruktion der Anlage zu.“

http://www.strassedermegalithkultur.de/de/station-15-grosssteingraeber-bei-den-duevelskuhlen-puettkesberge

Aber die Beschreibung auf Wikipedia mit einigen Bildern von 2018 trifft es wohl besser:

„Das Grab befindet sich in einer sehr schäbigen, stark vermüllten Umgebung. Es ist sehr ungepflegt, zugewachsen und auch nicht ausgeschildert. Durch den nahen Schlachthof und die Fettschmelze stinkt es grausig nach Tod und Verwesung. Hier bleibt man nicht länger als unbedingt nötig. Ein Schandfleck Sögels!“

Frank Vincentz zu seinen Bildern auf https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Gro%C3%9Fsteingrab_P%C3%BCttkesberge

Die Station hat wohl PETA auf die Straße der Megalithkultur gesetzt, auch wenn ich noch eine Beschreibung von 2005 gefunden habe, die sich etwas besser liest. Sollte ich noch einmal in die Gegend kommen, werde ich wohl trotzdem keinen zweiten Anlauf unternehmen, um 15c zu besuchen.

15 a/b – Großsteingrab und Hünenbett bei den Düvelskuhlen

Die nächste Station ist nur 5 Minuten Fahrt entfernt und bietet zum Glück bessere Luft. Das Großsteingrab bei den Düvelskühlen 15a liegt direkt neben einer Bushaltestelle, wir parken am Feldweg gegenüber. Die Anlage ist groß: Eine neun Meter lange Kammer lag bis 1932 unter einem 29 Meter langen und 1,60m hohen Erdhügel, dann wurde sie ausgegraben.

15a – Großsteingrab bei den Düvelskuhlen
Der Eingang zu 15a

Die somit gut erhaltene Anlage weiß zu beeindrucken und ist ein willkommener Kontrast zu 15c. Brrr, allein der Gedanke…

Von hier sind es etwa zehn Minuten zu Fuß bis zum Hünenbett 15b. Das große Grab steckt noch weitestgehend in der Erde, sodass vor allem seine Decksteine zu sehen sind. Dadurch ist es nicht ganz so fotogen.

Von den Düvelskuhlen führt uns der Weg vorbei am Gräberfeld Mansenberger Heide. Es ist das größte erhaltene Gräberfeld des Emslandes, mit 80 bis zu drei Meter hohen Hügeln in einer landschaftlich reizvollen Gegend. Sagt zumindest der Reiseführer. Wir finden das große Hinweisschild, das auf einen Bauernhof zeigt, und sehen rundum eigentlich nur große Maisfelder und abgeerntete Äcker. Das GPS hilft hier auch nicht weiter: Das Gräberfeld ist kein Part der Megalithroute, daher habe ich es nicht in meiner Sammlung mit Points of Interest – und wir stecken im Funkloch, sodass ich auch nicht nachschlagen kann. Andererseits haben wir ja schon Gräberfelder gesehen und keine Drohne dabei, also sei’s drum – wir fahren weiter zum nächsten Ziel.

Später zeigt der Blick auf die Karte, dass wir an dem Bauernhof vorbei hätten fahren müssen, bis nach vielleicht 500 Metern die nächste Kreuzung kam. Von dort aus hätten wir es gesehen. Es soll zum Schutz eingezäumt sein, sodass ohnehin nur ein Blick von der Straße möglich gewesen wäre.

14f – Großsteingrab auf Bruneforths Esch

14f – Bruneforths Esch

Bei Bruneforths Esch wollte ich eigentlich an der nahe gelegenen Wassermühle parken, übersehe die aber und halte doch vor dem Hinweisschild der Straße der Megalithkultur. Es ist mittlerweile halb zwölf, und wir sind bei 14f – da kommt wohl noch einiges auf uns zu… Wir halten direkt vor dem großen Grab, das sich baumumstanden über der Straße erhebt. Auch hübsch. 25 Meter lang, imposant und gut erhalten. Auch die Infotafel steht senkrecht unter einem Dach und ist daher besser lesbar als die ungeschützten, waagrechten Tafeln vieler anderer Stationen, die zugemoost oder einfach verschmutzt sind. Immerhin: Vandalismus war bislang kein Problem. So ist das ein weiterer durchaus idyllischer Fleck auf unserer Tour.

Bei der Weiterfahrt übersehen wir die Mühle wieder, wobei ich mir auch nicht sicher war, wann wir eigentlich an einer Mühle parken wollten. Die Großsteingräber bei Deymanns Mühle stehen nämlich auch noch auf dem Programm. Aber zunächst geht es zu:

14e – Großsteingrab am Osteresch

14e – Osteresch

Die Gräber von Station 14 sind in Luftlinie gar nicht so weit voneinander entfernt, aber es ist doch etwas Fahrerei. Der nächste Halt ist das Großsteingrab am Osteresch, das laut Reiseführer ziemliche Schäden zeigt. Auf mich als Laie wirkt es trotzdem noch eindrucksvoll, und ein Teil ist auch noch erhalten.

Aber mir sind Ruinen eh lieber als Prachtbauten, man kann mehr erkunden. Vielleicht ist es Norwegen-Entzug, aber wir sehen hier sogar einen schlafenden Troll, der durchaus zufrieden wirkt.

14e – ein schlafender Troll?

14 a-d – Großsteingräber bei Deymanns Mühle

Von unserem Troll sind es nur fünf Minuten bis zu Deymanns Mühle (die ich nicht finde), wo uns gleich vier Hünengräber erwarten (die ich sofort finde). Direkt davor weißt ein Hinweisschild auf weitere bronzezeitliche Hügelgräber hin. Aber wir konzentrieren uns auf das wesentliche – Alte Steine.

14a – Parken direkt am Grab

14 a gleich am Anfang (wenn ich die Tafel richtig lese) sind die Reste einer 2,2m langen, stark zerstörten Steinkammer. Mit ihrem großen Deckstein ist sie aber immer noch fotogen.

Von 14 b ist deutlich weniger erhalten – wobei ich mir auch nicht immer sicher bin, welcher Stein zu welchem Grab gehört, die Gruppe steht doch dicht beieinander.

Das größte Grab ist (wahrscheinlich) 14d, mit einer sechs Meter langen Kammer und einer 7×33 Meter großen Umfassung. Aber es ist schon vor Ort kaum zu sagen, was zu welchem Grab gehört, geschweige dann später auf den Fotos. Vielleicht, Lightroom noch die Geodaten anzeigen würde… Verflucht soll Adobe sein, dass es seine Software nicht pflegt, sondern Abos verkaufen will.

Wie dem auch sei, das Wäldchen hat einige niedrige, aber nette Steine zu bieten. Nicht unbedingt mein Favorit, aber durchaus hübsch anzusehen. Leider zeigen einige Steine Spuren von Bohrversuchen – die Anlage zeigt deutliche Spuren von Zerstörung, das ist kaum zu übersehen. Jetzt bleibt nur noch ein Ziel übrig:

13 – Der Steinerne Schlüssel

Der steinerne Schlüssel steht fast direkt an der Hauptverkehrsstraße, wir parken genau an dem Ort, den ich auf der Karte herausgesucht hatte und an dem sogar das Schild der Straße der Megalithkultur steht, und wenn man dem Radwegschild folgt, sind es nur ein paar Meter bis zu dem hübschen Hünengrab. Hier sind sogar noch zwei andere Besucher – es ist gerade Rush-Hour…

Der steinerne Schlüssel

Die beiden Enden der Grabkammer sind erhalten, dazwischen klafft eine malerische Lücke. Den Archäologen graust es, dem Touristen freut es, mal wieder ein kleines, markantes Megalith-Bauwerk zu sehen. Langsam verliert man sonst vor lauter Steinen doch den Überblick…

Der Name kommt übrigens daher, dass man einst glaubte, dass die Kinder nicht vom Klapperstorch gebracht würden, sondern unter Steinen hervorgeholt würden. Dafür braucht man natürlich den richtigen Schlüssel, um den Stein zu öffnen. Den haben wir nicht dabei, also geht es zu zweit weiter (natürlich mit Auto und Kühltruhe).

Die Straße der Megalithkultur führt jetzt eigentlich durch Meppen, zum archäologischen Museum. Da das aber erst irgendwann in den nächsten Monaten überhaupt mal wieder aufmacht, schenken wir uns die hektische Großstadt mit ihren – googelt kurz – 35.000 Einwohnern. Na gut, so hektisch wäre sie vielleicht doch nicht gewesen… Aber was soll’s, wir haben endlich das gestrige Spätnachmittagsprogramm geschafft! So kommt es, dass wir um 12:45 nicht zurück nach Haselünne fahren, sondern weiter nach Oldenburg, zur ersten geplanten Station des Tages. Ein Glück, dass wir die Tour nicht mit dem Fahrrad in Angriff genommen haben… So fahren wir eine gute halbe Stunde bis zum unserer ersten richtigen Tagesetappe:

12b – Großsteingrab auf dem Radberg

Die Wegbeschreibung redet gut gelaunt davon, das Auto irgendwo hinter Rentrup stehen zu lassen und dem Fußweg 800 Meter zu folgen. Bei 35 Grad im Schatten, wenn es denn welchen gäbe. Klar doch.

12b – Auf dem Radberg

Wir folgen dem Weg soweit es geht, schließlich gibt es kein Verbotsschild. Zugegeben: Besonders gut ist der Weg zwar nicht, aber auch nichts, was ein weitgereister Kombi nicht schaffen würde, wenn man die schlimmsten Schlaglöcher umrundet. Kopfsteinpflaster, Feldweg, Piste – auf den nächsten 600 m ist alles dabei. Als der Weg für die letzten 200-250m Richtung Wald abzweigt, lassen wir das Auto dann doch stehen. In Anbetracht von altem Maschendrahtzaun am Wegrand und Drahtresten auf dem Weg keine schlechte Entscheidung. Schließlich taucht eine kleine Wanderhütte am Wegrand auf, die abgesperrt ist – nicht wegen Corona, sondern wegen Einsturzgefahr. Mal was anderes. Hier geht es links in den Wald, wo die 17 Meter lange Grabkammer ruht, umgeben von einer 14×30 Meter langen Umfassung.

Hübsch, auch wenn wir froh sind, dass wir nur 250 statt 800 Meter hierher gewandert sind. Irgendwie hat man doch schon einiges an Steinen gesehen, und langsam wird klar, dass die Straße der Megalithkultur nur Gräber hat; Steinkreise und Monolithe fehlen. Ein bisschen wiederholt sich das, oder man stumpft ab. Oder liegt es an der Hitze? Jedenfalls reizt die Kühltruhe dann schließlich doch mehr als das Grab, und wir kehren zurück zu kalten Getränken.

Simultankirche in Thuine

Simultankirche in Thuine

Es wird Zeit für etwas Abwechslung: In Thuine machen wir kurz Halt an der Kirche. Es ist eine Simultankirche, die von zwei Konfessionen gleichzeitig genutzt wird. Daher sind auf dem Kirchturm als Wetterfahne das katholische Kreuz und der evangelische Hahn zu sehen. Wenn man nicht weiß, dass es das gibt, kommt man da nie drauf. Die nette Führerin im Kloster Hude hatte uns darauf aufmerksam gemacht, was die Hähne, Schwäne und Kreuze auf den Kirchtürmen bedeuten.

12a – Großsteingrab in der Kunkenvenne

Weiter geht’s zu 12a, in die Kunkenvenne. Daran erinner ich mich von der Planung: Es geht auf einer Straße einige Zeit parallel zur B214, auf einer Straße, die mein Navi nicht kennen will. Aber es gibt Schilder, denen wir bis zu einer kleinen Wiese folgen können, die als Parkplatz dient. Von da sind es nur ein paar Meter bis zum Großsteingrab in der Kunkenvenne. Und wenn du glaubst, du hast schon so viele Steine gesehen, dass dich nichts mehr beeindruckt, kommt das hier:

12a – Großsteingrab in der Kunkenvenne
Eine Rarität:
Die doppelte Umfassung

Mit 17 Decksteinen und einer Kammerlänge von 25 Metern gilt es zu Recht als eines der eindrucksvollsten Gräber. Nur Lähden (17c) und Ostenwalde (19) haben ebenfalls noch eine doppelte Umfassung, aber hier fällt sie auf. Das ganze in einer großen, idyllischen Lichtung, damit man es auch sehen kann – ja, das hat was. Gefällt. Also, gefällt so richtig.

Das ganze gefällt übrigens nicht nur mir – so war ich auch auf die Rabensturmig aufmerksam geworden, deren Blog ich hier ja schon mal verlinkt habe. Ich kann leider nur fotografieren, bei ihr sah es so aus:

Zeit müsste man haben. Nur irgendwie mache ich die Megalithstraße schon wieder im Tiefflug, dabei sah das auf dem Papier so entspannt aus. Der Halt in der Kunkenvenne hat sich jedenfalls rentiert. Ich bin beeindruckt und habe doch wieder Lust auf noch mehr Steine:-) Also geht’s weiter.

11 – Alt Frerener Forst

Der Parkplatz…

Kulturschock: Als Parkplatz ist die Hölle los. Wir sollen laut offizieller Wegbeschreibung den Parkplatz Waldfreibad nutzen, was natürlich einiges erklärt. Wir nehmen den ersten besten halbwegs-Schatten-Parkplatz und machen uns auf einen einige hundert Meter langen Marsch zum Grab. Ganz toll: Bis zum Grab führt ein Fahrweg, den wir auch hätten nehmen können. So haben wir uns unnötig weit von unserer heißgeliebten Kühlbox entfernt:-(

11 – Alt Frerener Forst
Alt Frerener Forst

Auf dem Grab sitzt eine Einheimische, macht Raucherpause und telefoniert mit Bekannten, um ihnen zu sagen, dass sie bis zum Grab fahren können. Toll… Wir sind eindeutig wieder in der Zivilisation und schleichen etwas unschlüssig mit unseren Kameras umher. Dank DSGVO traut man sich ja kaum, Menschen mit aufs Bild zu nehmen. Als sie die Steine verlässt, sage ich artig danke – und erfahre, dass sie das gar nicht wollte, zumindest ist sie nicht wegen uns aufgestanden:-) Egal, wir kriegen unsere Fotos!

Das recht gut erhaltene Grab hat eine gut 20 Meter lange Kammer mit mächtigen Decksteinen und liegt – wieder einmal – idyllisch zwischen den Bäumen. Der Trubel des Freibads ist erfreulich weit weg.

Fürstenau

Fürstenauer Stadthäuser

Zur Abwechslung hatte ich noch einen kurzen Fotostop am Schloss Fürstenau eingeplant, das wir gegen halb vier erreichen. Nettes kleines Städtchen mit niedrigen, breiten Häuschen – so großzügig wie in dieser Stadt können wir im Süden nicht mal auf dem Dorf bauen.

Der Ort ist schon eher auf Touristen ausgelegt, es gibt mittelalterliche Stadtführungen, Fahrradverleih und Umleitungen wegen Baustellen. Das Schloss will seine Wurzeln als Burg nicht verbergen, und es gibt ein mittelalterlich geprägtes Restaurant.

Schloss Fürstenau
Mittagmahl

Das Restaurant wirbt mit Slush-Eis, sodass wir überraschend jetzt schon das Abendessen einschieben. Backfisch wird groß beworben, ist aber aus – bei mir wird es der Burger. Die Bedienung ist gut drauf und legt die Gäste am Nachbartisch auch mal in Ketten (der Pranger gehört zum Restaurant), und ich bin mir immer noch nicht sicher, ob er zur Mittelalterband Rapalje gehört oder sie nur gut kennt. Auf jeden Fall passt unser Kellner auf jeden Mittelaltermarkt und bietet eine gute Show. Das Trinkgeld hat er sich verdient.

Durch das Essen ist mein Zeitplan für heute endgültig obsolet, aber wer weiß, ob wir heute Abend noch was in Osnabrück kriegen würden. Und was soll’s, wir sind im Urlaub, Hektik gibt’s so genug. Unser Hotel heute hat sogar CheckIn bis 20 Uhr, und noch nicht angerufen, wo wir bleiben.

Trotzdem verlassen wir Fürstenau schließlich und brechen zum nächsten Ziel auf:

10a – Großsteingräber und Steinreihe bei Hekese

Eines der beiden Großsteingräber

Zwei große Megalithgräber bilden Station 10a. Die Besonderheit ist nicht, dass hier zwei Gräber die selbe Stationsnummer tragen, sondern die schmale Steinreihe zwischen den beiden. Die Gräber liegen auf einer Linie, zwischen ihnen verläuft eine 53 Meter lange Steinreihe, die an der Mittelachse der Gräber ansetzt. Sie ist meist einreihig, zum Teil aber auch zweireihig. Ihr Sinn? Völlig unbekannt.

Gut: Die Steinreihen der Bretagne sind imposanter, aber es ist doch mal was anderes. Auch wenn ich mir rein vom Name her mehr versprochen hatte; zuallererst fallen die beiden gut erhaltenen Gräber auf. Geparkt werden kann an einer größeren Parkbucht auf der anderen Seite der Landstraße. Zum Glück ist der Parkplatz nicht weit weg: Der Nikon geht wieder der Saft aus…

Eine flache Steinreihe verbindet die beiden Gräber

10b – Großsteingrab und Teufelsstein

Auf der Fahrt zum nächsten Ziel zeigt mein Navi wieder einmal, was es kann: Wir verlieren die Schilder der Straße der Megalithkultur aus den Augen, aber ich weiß noch, dass das nächste Ziel auf einem Bauernhof liegt. Prompt steuert mein Navi versteckte Feldwege in der Pampa an, und schließlich sind wir kurz vor dem Ziel – auf dem einzigen Berg in der Umgebung, wenn ich das richtig sehe. Zumindest sollen wir einen steilen, umwucherten Weg herunterfahren, der vielleicht für ein Mountainbike eine machbare Herausforderung wäre – aber mein Auto prügel ich da nicht runter. Irgendwie schaffe ich es, wieder eine asphaltierte Straße zu finden, und schaue mir auf dem GPS an, wie ich zum Ziel kommen könnte.

Der Näpfchenstein
Die Näpfchen

Schließlich finden wir den Bauernhof und halten am Näpfchenstein an, der – wen wundert es – vor ein paar Bäumen steht. Erst 1956 wurde er hierher versetzt und dabei untersucht, sein Unterseite ist für besseren Halt bearbeitet – er wurde also bewusst aufgestellt. Die Näpfchen – eine ganze Menge von kleinen, schüsselförmigen Vertiefungen – ist deutlich zu sehen, ihr Sinn bleibt verborgen.

Dafür ist das Hünengrab unmittelbar hinter dem Näpfchenstein noch einen Blick wert: Es steckt halb im Hügel, vier seiner fünf Decksteine sind noch erhalten.

Der Teufelsstein

Mittlerweile hat uns auch Paula, der Hofhund, entdeckt, aber sie ist eine liebe und geht mit ihren Leuten ins Haus – die sind Besucher wohl gewohnt. Hauptsache, man parkt so, dass man nicht stört.

Gräberfeld Plaggenschale

Welcher Stein ist das?

Vom Teufelsstein sind es noch 20 Minuten bis zum Gräberfeld Plaggenschale. Unterwegs kommen wir noch an einem weiteren Steinfeld vorbei: Am Straßenrand werden die verschiedenen Steinarten erklärt, die seit der letzten Eiszeit hier von den Gletschern aus Skandinavien abgelagert wurden. Nett.

Auf dem weiteren Weg zum Gräberfeld lässt mich mein Navi-Plan im Stich – zuerst will mein Navi die letzten 5 Kilometer einen echten Radweg benutzen, und dann bin ich zwar in Rufweite vom Gräberfeld, weiß aber auch nicht weiter. Des Rätsels Lösung: Den Schildern zum Wacholderhain folgen, zu dem das Gräberfeld gehört. Dahinter verbirgt sich ein schönes Stückchen Heide, das touristisch gut erschlossen ist. Ein Rundweg führt an einigen Erklärungstafeln durch die Heide. Der erste Teil ist als Barfußweg ausgelegt und bietet die Möglichkeit, über Sand, Steine und Kiefernzapfen zu marschieren.

Die Wanderung durch die Heide ist ein schöner Tagesabschluss, auch wenn von den Hügelgräbern nicht so viel zu sehen ist. Mittlerweile ist es fast 19 Uhr, als wir wieder am Auto sind, und wir brechen ab – die letzten drei Ziele langen auch morgen noch. Darunter sind der „Dom“ in Ankum und Station 9 – zu der ein drei Kilometer langer Rundweg gehört…

Also machen wir uns auf den Weg nach Osnabrück, wo uns ein Bauzaun den Weg in das Hotel versperrt. Im zweiten Anlauf finden wir die Einfahrt und beziehen unser Quartier für die nächsten zwei Nächte. Unsere Megalith-Tour nähert sich damit schon dem Ende. Nur 9 Stationen fehlen noch, dann haben wir fast alles gesehen – außer dem berüchtigten 15c und den Kellersteinen, 24a.

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