Abenteur-Straße der Megalithkultur, Tag 4

Gestern hatten wir sechs Stationen plus Museumsdorf, für heute standen erstmal acht auf dem Programm – möglichst vor 18 Uhr, denn dann endete bereits der Check-In in unserem Hotel in Haselünne. Für den Abend hatte ich noch drei weitere Stationen angepeilt, wird ja spät dunkel. Klingt eigentlich nach einem gut machbaren Programm, oder? Aber nicht, wenn die Stationen so verteilt und unterteilt sind wie auf der Straße der Megalithkultur, und wenn man sie dann noch in einer anderen Reihenfolge anfährt, sodass man die Schilder nicht sieht. Kennen Sie den Film „Fünf Gauner machen Bruch?“ In dem scheitert ein Einbrauch daran, dass es so viele Störungen gibt, dass die Gauner erst zur Ladenöffnung vor dem Safe stehen, einige Stunden hinter ihrem Zeitplan.

Aber fangen wir vorne an, mit dem Frühstück. Ich habe die Hotels nicht nur danach ausgesucht, ob es Frühstück gibt, sondern auch danach, ob es eine Terasse gibt. Die war bei unserem Hotel in Quakenbrück auch abgebildet, und tatsächlich standen zwei Schirme und Stühle vor dem Gebäude. Ich weiß nur nicht warum – Abendessen gab es keines, und das Frühstück nur in einem Innenraum. Ganz klassisch mit Frühstücksbuffet. Zum Glück nur mit zwei anderen Gästen an einem weiter entfernten Tisch, und die Bedienung war auch nicht zu sehen, außer um Kaffee zu bringen, aber ein bisschen ein seltsames Gefühl war das schon. Da waren die Sandwiches von Aldi oder Lidl gar keine so schlechte Alternative und gehen auch schneller… Immerhin hat es besser geschmeckt, bevor wir uns wieder auf die Straße begaben, die sich heute den Titel Abenteuerstraße der Megalithkultur verdiente.

23 – Oldendorfer Hünensteine

Die erste Station (nach dem Ortsschild von Quakenbrück) waren die Oldendorfer Hünensteine #23, in der Nähe der B213. Den Wanderparkplatz, den die offizielle Webseite angibt, hatte ich im Vorfeld nicht gefunden, und mein Navi daher auf einen Parkplatz an der Bundesstraße programmiert. Auf der Fahrt sahen wir kurz vorher sogar ein Hinweisschild, waren an dem aber zu schnell vorbei – vielleicht hätten wir sonst die reguläre Route gefunden.

Prinzipiell geht’s hier lang…

Aber auch von dem Parkplatz an der Bundesstraße führte ein ausgeschilderter Weg 300m zum Hünengrab. Theoretisch zumindest, die ersten 20 Meter waren unpassierbare Wildnis, wenn man keinen Wert auf Brennnesseln und Zecken legt. Umdrehen und die offiziellen Hinweisschilder suchen?

Wir entscheiden uns doch dafür, uns ein paar Meter weiter durchzuschlagen, um an einem Zaun entlang vielleicht zum Weg zu kommen. Das klappt sogar, auch wenn wir der Anzahl der Taschentücher zufolge das Freiluftklo des Parkplatzes gefunden haben… Der Weg wird etwas besser und ist sogar ausgeschildert, und schließlich finden wir den Hügel mit dem gar nicht mal so kleinen Steingrab.

23 – Oldendorfer Hünensteine

Hübsch, wie es so verlassen im Wald liegt. Es gibt sogar eine Bank, aber wie es aussieht, saß da schon länger niemand drauf. Der Reiseführer beschreibt es übrigens auch als „schwerlich auffindbar“. Aber der Wildnisweg hat sich gelohnt, mir gefällt es zumindest. Anschließend suchen wir wieder den Rückweg durch das Unterholz zum Auto…

22 c-d – Am Hohen Stein

Der Weg zum nächsten Ziel führt über Single-Track-Roads, die bei uns als Rad- oder Feldweg durchgehen würden, aber reguläre Straßen sind, zum nächsten Wald. Irgendwer hatte mir erzählt, hier im Norden gäbe es Heide – von wegen. Es wird am Waldrand geparkt, und der Fußweg führt ein Stück entlang des Waldrands, bis es in den Wald hinein geht. Nach ein paar Metern kommt dann auf einem Hügel das Grab am Hohen Stein, 22c.

22c, am Hohen Stein
Am Hohen Stein

Es erhebt sich hübsch im Wald auf einem Hügel, auch wenn es recht stark zerstört wirkt – ein echter Steinzeitzeuge, der viel erlebt haben dürfte. Auch hier informiert eine Info-Tafel über das Denkmal. Der Weg führt an der Megalithanlage vorbei in den Wald und erreicht nach rund 200 Metern 22d, den Hohen Stein selbst.

22d, der Hohe Stein
Der Hohe Stein

Auch dieses Grab ist recht zerstört, wirkt aber eindrucksvoller, da der große Deckstein noch auf seinen Tragsteinen ruht. Da bieten sich einige Möglichkeiten für Erinnerungsfotos – gut, dass ich mein kleines Stativ dabei habe. So stellt man sich ein Hünengrab vor: Die Struktur ist noch erkennbar, und es liegt abgeschieden im Wald. Was mag wohl noch unter diesem Hügel ruhen? Wir veranstalten jedenfalls keine Grabung, sondern ziehen weiter. Zehn Minuten Fahrt trennen uns vom nächsten Ziel, 22b.

22b – Hünensteine

Die Hünensteine sind groß ausgeschildert, bis sich der Weg dann in einem Feldweg verliert und wir das Auto sicherheitshalber stehen lassen. Kurz bevor wir zu Fuß die nächste große Straße erreichen, zeigt das nächste Schild in den Wald, wo uns endlich die Hünensteine erwarten.

Die Form ist noch gut erkennbar, zwei Decksteine liegen obenauf, dazu knorrige Bäume und große Spinnweben quer über dem Weg – ein verwunschener Ort, der zu Spekulationen einlädt. Viel mehr ist zu den einzelnen Gräbern ohnehin nicht zu sagen: Trichterbecherkultur, zwischen 3500 und 2800 v. Chr., Gräber für mehrere Personen, deren Überreste in der Erde mittlerweile völlig verschwunden sind, und falls hier gegraben wurde, sind die Grabbeigaben im Museum gelandet. Lassen wir also den Ort auf uns wirken, bevor wir zu 22a weiter fahren, noch einmal 5 Minuten Fahrt. Das ist alles eine Station – wie soll man da einen Roadtrip vernünftig planen?

22a – Schlingsteine

22a, die Schlingsteine

Auf dem Weg zu den Schlingsteinen quetschen wir uns an einem LKW vorbei, der hoffentlich später nicht die Single Track Road lang muss, an der wir ein paar Meter später parken. Ich komme mir echt fast vor wie in Schottland, wenn der Horizont nur nicht so flach wäre. (Und man versteht die Leute, und das Essen ist nicht so gut wie in Schottland. Endlich mal wieder Haggis… dafür frittiert hier aber auch keiner Marsriegel oder Tiefkühlpizzas. Manchmal ist die schottische Küche seltsam.)

Mit 24 Meter Länge sind die Schlingsteine eine „überlange Emsländische Kammer“ – auf alle Fälle sind sie eine eindrucksvolle Steinreihe mit Decksteinen. Ein Teil von ihnen wurde 1863 für den Bau der Lindener Kirche geplündert, aber viele haben überdauert – auch wenn Bohrlöcher vom Wirken der modernen Menschen künden. Immerhin zehn Decksteine künden von den einstigen Ausmaßen der Anlage.

Vrees

Damit haben wir Station 22 auch schon abgehakt und steuern Vrees an – laut Reiseführer ein schöner Ort. Ich will ihm da gar nicht mal so sehr widersprechen – er ist auf jeden Fall sauber und gepflegt – aber auch sehr modern, oder wir finden den Ortskern nicht. Vom Backsteinbarock der anderen Orte auf der Route ist jedenfalls nichts zu sehen, dafür gibt es moderne Häuser – aber immerhin aus dem selben roten Backstein wie die Kirche, und echte Häuser, keine Wohnblöcke. Nur die öffentliche Toilette ist wegen Corona bis auf weiteres geschlossen. Offene Geschäfte abseits der Discounter sehen wir auf der Tour übrigens auch kaum…

21 – Teufelssteine

21 – Teufelssteine

Die nächste Station ist die #21, und hier sehen wir endlich einmal die Straßenbeschilderung der Megalithstraße. Die Anlage liegt direkt neben der Straße und lädt sofort zu einem längeren Fotostop ein. Die Kammer ist vollständig erhalten, die Umfassung nicht ganz – und angeblich hat der Teufel hier markiert, dass er einen Schatz versteckt hat. Bis heute soll es unmöglich sein, die Anzahl der Steine zu zählen. Dazu trägt bestimmt auch der Mensch bei: Ursprünglich waren die Teufelssteine Teil einer größeren Gruppe aus Megalithgräbern, die im 19. Jahrhundert im Leerer Hafenkai und der Peheimer Kirche verbaut wurden. Die Teufelssteine selbst erhielten im 20. Jahrhundert noch eine Runeninschrift… Ein bisschen erinnert die Anlage an eine Schildkröte. Sehr schön, gefällt.

Hier packe ich endlich auch mal mein großes Stativ aus, das Auto steht ja in Rufweite. Das gibt wieder viel zu viele Erinnerungsbilder von uns, bevor wir die viertelstündige Fahrt zum nächsten Ziel beginnen.

20a – De Hoogen Steener

20a, de Hoogen Steener

Mit 29 Meter sind die hohen Steine – was Hoogen Steener auf Deutsch heißt – die längste Emsländische Kammer Niedersachsens. Aha. Ich muss mich mit der Terminologie von Megalithgräbern doch einmal näher befassen.

Im Wald gibt es einen etwas größeren Parkplatz, an dem unserer Auto mit allem möglich Zeug eingeschneit wird. Wir sind nicht ganz alleine, aber nachdem der VW-Bus wegfährt, sehen wir auch den Wegweiser, der zum nahen Grab zeigt. Dort erwartet uns eine beeindruckend lange Steinreihe; die 15-17 mannshohen Decksteine liegen heute nur knapp über dem Bodenniveau. Imposant.

De Hoogen Steener

Nach den Hoogen Steener mit ihrem ordentlichen Parkplatz erwartet uns an 20a etwas anderes…

20a – Poldenhünensteine

Bei den Poldenhünensteinen lag ich bei der Navi-Programmierung über Open Streetmap etwas daneben – aber wir sehen Hinweisschilder, die uns über Feldwege, Radwege und Schotterpisten direkt bis zu den Poldenhünensteinen führen, die auf einer kleinen Erhebung neben dem – nennen wir es einmal Wirtschaftsweg – thronen. Mein Navi meint jedenfalls, dass es hier raus will, obwohl es sonst immer die landschaftlich reizvollen Panoramarouten findet…

Aber zuerst einmal werden die Steine angeschaut. Zwei von drei Decksteinen sind noch vor Ort und formen ein charakteristisches Grab; von der einstigen Umfassung ist nicht mehr viel vorhanden. Dafür verhindern Krabbelinsekten eine längere Fotosession – keiner will sich auf die Steine setzen und angegriffen werden. So schön es ist: Wir suchen eine Mögichkeit, um zu wenden und weiterzufahren. Mittlerweile ist immerhin schon 13 Uhr, und wir haben erst vier Stationen durch. Kommt einem mehr vor…

19 – An den Hünensteinen/Großsteingrab Ostenwalde

Mit anderen Worten: Da kommen noch mehr Steine. Viele Steine. Man unterschätzt das. Später lese ich, dass es wohl gut 100 gut erhaltene Großsteingräber in Niedersachsen gibt; die Straße führt in 33 Stationen zu über 70 davon…

19 – Hünensteine/Ostenwalde

Die Station 19 musste 1971 dem Neubau einer Kreuzung weichen und wurde neu aufgebaut. Zumindest war das der Plan; nachdem das Grab um 70 Meter versetzt wurde, scheiterte man daran, die Decksteine wieder auf die Tragsteine zu setzen. Daher liegen sie heute daneben und gewähren einen Einblick in das Grab.

Die Parkplatzsituation an der Durchgangsstraße ist interessant – mir ist immer noch unklar, ob das blaue P der Hinweisschilder wirklich einen legalen Parkplatz markiert, oder ob die durchgezogene Linie der Straßenmarkierung Vorrang hat. Wie dem auch sei, die Entfernungsangabe bezeichnet immer den Fußweg ab dem Schild.

18c – Werpeloh IV/Großsteingräber auf der Buschhöhe

Mit den vier Stationen von Station 18 wird es wieder abenteuerlich. 18 c ist rund 15 Minuten von Station 19 entfernt und noch recht harmlos, solange man nicht dem Schild zum Steingrab folgt, das etwas vorher kommt. Da schein es nur ein echtes „Steingrab“ zu geben – einen Schotterhaufen. Scherzkekse. (Oder ist irgendwo anders doch noch was? Keine Ahnung.)

Also folgen wir der Straße weiter, bis wir die regulären Hinweisschilder der Straße der Megalithkultur finden, sowie einen großen Parkplatz und einen Zeltplatz. Quer über den wegen Corona geschlossenen Campingplatz (das GPS ist dein Freund) finden wir am Waldrand dann zwei kleine Großsteingräber. Eins ist ein Ganggrab, das andere ein Großdolmen. Der Unterschied ist wohl die Anzahl der Decksteine, ein Dolmen hat nur einen – wenn ich das richtig verstanden habe. Hübsch sind beide, nur eines der nahen Windräder klingt bedrohlich.

Beide Gräber sind hübsch und vor allem klein genug, um fassbar zu sein. Dass beide in Sichtweite liegen, ist ein zusätzlicher Bonus. Und ab jetzt wird Station 18 richtig abenteuerlich.

18 b – Werpeloh II/Großsteingrab in den Klöbertannen

Der Weg führt uns nämlich in militärisches Sperrgebiet. 18b und c sind nur dann erreichbar, wenn die Bundeswehr nicht schießen übt, die Schranken oben und die roten Ampeln aus sind. Gulp. So etwa eine Woche vorher erfährt man auf der Webseite der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition in Meppen, wann man da hin kann, und wann Lebensgefahr besteht. Der Link auf der Webseite der Straße der Megalithkultur ist praktischerweise auch noch veraltet. In dieser Woche ist zum Glück Sommerpause, aber ein mulmiges Gefühl ist da doch…

Halt am Straßenrand

Irgendwie fragt man sich ja schon, wer zum Geier eine Ferienstraße durch einen aktiven Schießplatz führt. Zum Glück sind die Warnampeln wirklich aus, und wir finden die Hinweisschilder auf Alte Steine. Also ab in den Wald, immer mit offenen Ohren. Wir folgen dem verwilderten Pfad, zum Glück mit GPS – denn nur mit den Wegweisern ist das Grab in den Klöbertannen nicht zu finden, wie dieser Reisebericht zeigt – die waren ein paar Tage vor uns hier.

Das Hinweisschild ist praktisch unlesbar, und der Weg wurde wohl seit der Jungsteinzeit von keinem mehr benutzt. Nur Dank GPS finden wir das fast 30 Meter lange Grab doch noch, nach rund 400 Meter Wildnis. Es gibt sogar eine Hinweistafel, also war in den letzten 5000 Jahren doch noch jemand außer uns hier…

18b ist durchaus sehenswert, aber schon eine Herausforderung, wenn man es sehen will. Aber es ist nicht die größte auf der Route, morgen wird’s noch schlimmer. Jetzt suchen wir erst einmal den Rückweg zum Auto, um das nächste Ziel anzusteuern.

18 d – Werpeloh I/Steenhus in den Klöbertannen

Weiter geht’s…

Nicht vergessen: Wir sind immer noch bei Station 18 und im Sperrgebiet, mittlerweile um kurz vor 15:30 Uhr. Immerhin fahren wir nur ein paar Minuten zum nächsten Parkplatz in rund einem Kilometer Entfernung, von dem es noch 400 Meter zu Fuß sind. Ich habe langsam den Verdacht, dass mein Tagesplan zu optimistisch war…

Die Wegweiser werden rudimentärer

Aber der Weg lohnt sich, auch wenn die Wegweiser spärlicher werden. Irgendwann geht es links in den Wald, wobei das GPS hilfreicher ist als die sogenannten Wegweiser. Heute ist das Steenhus gute 16 Meter lang, ursprünglich wohl sogar noch länger. Vor allem aber ist es gut erhalten, die Schießübungen haben es bislang wohl verfehlt.

Sogar in den Kammern des Grabs befinden sich Megalithen, die wohl als Wände dienten – uns fällt vor allem der gut sichtbare Eingang auf. Und dass jetzt bei der Nikon der Akku in die Knie geht, von zwei auf null Striche in viel zu kurzer Zeit. Man darf das Auto echt nicht ohne Ersatzakku verlassen. Bei den tropischen Temperaturen kann es aber nicht an der Kälte liegen…

Ohne das Militär wäre das ein wirklich schönes Urlaubsziel; so sind wir doch froh, das Gebiet wieder verlassen zu können. Rund zehn Minuten Fahrt trennen uns noch von Station 18d.

18d – Steenhus in Börger

18d – Steenhus in Börger

Pünktlich um 16 Uhr erreichen wir das Steenhus in Börger und die letzte Station von Station 18. Uff. Gleich drei Hünengräber gibt es in Börger (a propos: langsam kriege ich Hunger…), aber nur eins ist gut genug erhalten, um es auf die Straße der Megalithkultur zu schaffen. Es steht mitten in einem Vorgarten… das gefällt mir auf alle Fälle besser als ein Gartenzwerg.

18d – Steenhus in Börger

Ganz ehrlich: Eigentlich wären das schon genug Steine für einen Tag. Aber wir sind noch nicht am Ende, schließlich liegen noch einige auf dem Weg zum Hotel in Haselünne. Die Hünengräberstraße 16a-e bei Ipeken/Tannwald wäre der nächste Halt. Bei einem Kilometer Länge halten wir dort zwar tatsächlich, steigen aber nicht aus. Nochmal fünf Gräber, mit Zeitdruck? Nein danke. Hüven Nord/Volbers Hünensteine (17a) verschieben wir auch, dafür machen wir bei 17b/Hüven Süd Halt.

17b – Hüven Süd

Die Route enthält echt genug Steine, um den Steinbedarf für ein ganzes Jahr zu decken. Und ich dachte, bei Carnac gäbe es viele Steine…

17b – Hüven Süd

Hüven Süd liegt zum Glück direkt an einer Seitenstraße, wenn man mal richtig abgebogen ist. Es ist gut erhalten, was bedeutet, dass man in erster Linie die Decksteine sieht, die auf der Anhöhe liegen. Beim Rausfahren lohnt sich wenden – wir wollen ja nach Süden, und das ist bei der Haarnadelkurve kaum machbar. Also wenden und eine bessere Ausfahrt nehmen.

17b – Hüven Süd

Mit dem kurzen Stop tun wir Hüven Süd eigentlich unrecht – aber mittlerweile ist man von den deutlicheren größeren Anlagen doch etwas verwöhnt, und das Burghotel Haselünne hat ja nur bis 18 Uhr Check-In. Die Uhr tickt – es ist schon 16:40, und noch eine halbe Stunde Fahrt. Nächstes Mal nehme ich Hotels mit Late Check-In, falls es das bis dahin in Niedersachsen gibt… dieser unmenschliche Stress.

Auf dem Weg liegt auch noch die Hüvener Mühle, aber da finden wir irgendwie keinen legalen Parkplatz – der vorhandene gehört zum Golfclub oder so was und ist gerade gesperrt. Also verschieben wir die auch auf nachher, Station 17c ist ja nur einen Kilometer weiter.

17c – Lähden Nord

Lähden Nord ist eine Station aus der Reihe „Echt jetzt?“ Das Navi lotst mich zuverlässig zum nächsten Wäldchen am Straßenrand, und wir fahren in die Parkbucht am Straßenrand. Parkbucht? Nein, wir stehen vor einer Schranke vor einem dicht bewachsenen Acker. Das kann doch kein Zugang sein… Also räumen wir die Zufahrt und fahren auf die andere Seite des Wäldchens – neben der Zufahrt zu einem Feldweg ist noch Platz für mein Auto. Und wo geht’s jetzt weiter? Wir probieren es erst einmal an der Straße entlang, aber da ist nur dichtes Unterholz. Vielleicht den Feldweg entlang, der rasch endet – wir quetschen uns zwischen Bäumen und Mais hindurch und umrunden das Wäldchen halb, bis das Unterholz spärlicher wird und wir durchbrechen können. Tada! Grab 17c, Lähden Nord.

Eine hübsch große Ansammlung von Steinen versteckt sich hier zwischen den Bäumen. Später lese ich im Reiseführer, dass es hier auch eine der wenigen zweireihigen Umfassungsmauern gab. Jetzt dominieren die Entdeckerfreude und die Suche nach Fotomotiven in dem verwunschenen, abgeschiedenen Wäldchen direkt an der Landstraße. Dabei finden wir auch die Infotafel, und dadurch auch den offiziellen Zugang: Er hätte über das undurchdringliche Feld geführt. Naja, nicht unbedingt undurchdringlich, aber unintuitiv.

Der offizielle Zugang zu Lähden Nord. Viel Glück!

Mit 25 Meter Länge und sieben Meter Breite füllt das Grab das Wäldchen gut aus, wobei die doppelte Umfassung nicht leicht zu erkennen ist – einige Steine liegen ziemlich wirr. Aber die Suche hat sich gelohnt.

Kurz nach 17 Uhr sitzen wir wieder im Auto, und das Telefon klingelt – das Hotel, wann wir gedenken einzuchecken? – Wir sind in ca. 20 Minuten da. – Gut, da müsste ich noch da sein, bis gleich! – Na danke, eigentlich ist Check-In von 15-18 Uhr. Das hoffe ich doch, dass um 17:30 noch jemand da ist…

Haselünne

Burghotel Haselünne

In Haselünne residieren wir im Burghotel Haselünne. Das Navi führt uns in die verkehrsberuhigte Zone, und wir suchen auf gut Glück einen Parkplatz, der dann auch tatsächlich zum Hotel gehört. Hübsch, etwas viel Gold im Zimmer, und keine Klimaanlage – das Bad ist wieder extrem warm. Für Haselünne selbst haben wir aber keine Zeit eingeplant – vielleicht ein Fehler, auch wenn Quakenbrück gestern interessanter aussah. Geschichte hat der Ort auch, vor allem aber jede Menge Restaurants direkt um unser Hotel herum. Wir kehren im Balkan-Restaurant nebenan ein, das noch Plätze draußen hat und eine gute Karte; nach dem leckeren Essen ergreifen wir wieder die Flucht vor den Wespen. Grmpf. Aber wir haben ja noch viel vor, da wir auf der Hinfahrt nicht alles geschafft hatten und eigentlich nach dem Check-In in aller Ruhe drei weitere Stationen besuchen wollten, eine Stunde Fahrt laut Plan. Tja, meine Pläne…

Zuerst fahren wir zurück zur Hüvener Mühle und parken am Parkplatz vom Café. Falls jemand fragt: Wir wollen uns erst mal die Karte anschauen. Um 19:30 hat das Café aber schon zu, genau die der Souvenirshop – der erste, den wir seit Bremen sehen. Es gibt seit 1998 die Niedersächsische Mühlenstraße mit je nach Quelle 75 oder 427 oder über 600 Stationen – allerdings finde ich hier keine offiziellen Informationen, die Webseite http://www.niedersaechsische-muehlenstrasse.de fordert mich aktuell nur auf, mich in Confixx einzuloggen und die Webseite auf einem moderneren Server aufzubauen. Tourismus muss Niedersachsen echt noch üben. Wikipedia hat ein paar Infos mehr…

Hüvener Mühle

Die Hüvener Mühle ist jedenfalls einen Blick wert: Eine Wassermühle, auf der ein Windrad sitzt. Da konnte sich wohl jemand nicht entscheiden und hat einfach alles gemacht. Passt ja zur Mühlenstraße, oder zur Megalithstraße, die beide auf Vollständigkeit aus zu sein scheinen. Jedenfalls eine interessante Konstruktion, die wir da im Abendlicht sehen. Nutzen wir den Abend und fahren weiter zur Hünengräberstraße, an der wir vorhin nur kurz gehalten hatten.

16 a-e – Hünengräberstraße des Hümmlings

Oh Wunder: Auf dem Parkplatz stehen sogar zwei Autos! Wir werden doch nicht etwa noch anderen Menschen begegnen? Aber die Sorge ist unbegründet, wir sehen keine Menschenseele. Wir fangen mit 17c an, dem Wappengrab. Es heißt so, weil es für das Wappen des Emslandes Modell stand. Auf dem kurzen Weg dahinliegen noch einige Findlige oder kleine Megalithbauten am Wegesrand – ursprünglich gab es hier mindestens 22 Gräber, elf sind noch erhalten.

Das Wappengrab gefällt dann auch: Nicht zu groß, sodass man es noch am Stück erfassen kann, und mit seinen großen Decksteinen nah am Idealbild eines Hünengrabs. Fehlt nur noch der Hinkelstein.

Die andere Seite des Wappengrabs.

Auf der anderen Straßenseite geht es weiter, zwei größere Gräber erwarten uns dort. Erst einmal verschwindet der Weg aber im Gebüsch, und man darf raten. Ebenfalls ausgeschildert ist übrigens in Blau der Hünenweg. Diesen Schildern folgen wir lieber nicht – dahinter steckt ein 150 km langer Fernwanderweg. Den nehme nicht mal ich in unsere kleine Reise mit auf…

Wir stoßen zuerst auf 16e, ein rekonstruiertes Hünengrab mit heidebewachsenem Grabhügel. Hübsch anzuschauen, wenn auch nicht so fotogen wie „nackte Steine“. Aber man kann in die leere Grabkammer hinein.

16e wurde wieder aufgeschüttet

Viel gibt es in der niedrigen Kammer aber nicht zu sehen, und wir wandern weiter. Nach wenigen Metern finden wir 16d, das mächtige Königsgrab, das einst die Landschaft dominierte. Mit 12x24m ist es mächtig, und die meisten Steine haben bis heute überdauert.

Hier könnte man es auch einige Zeit aushalten – malerisch. Aber schließlich suchen wir den Rückweg und kehren zum Parkplatz zurück. Von dort es die Straße entlang, weiter als gedacht: Gut 600 Meter sind es bis 16b, dem acht Meter langen Grab „Im Ipeken“. Und es hätte sogar eine Parkbucht gegeben…

16b – Im Ipeken
Im Ipeken, wenn man von der
richtigen Seite kommt

So stoßen wir erst nach 20 Minuten auf das vergleichsweise kleine Grab. Der Zugang ist an der Straßenseite, nicht auf dem Acker – auch wenn das Grab an der Ackerseite des kleinen Baumbestands liegt. Es ist sehr gut erhalten, und nun trennen uns nur noch 200 Meter von der letzten Station der Hünengräberstraße. 16a, Ipeken Tannwald, erreichen wir bereits in der Abenddämmerung. Zum Abschluss gibt es noch einmal eine lange Reihe aus Steinen. Die ovale Umfassung der 17 Meter langen Kammer ist noch gut zu erkennen.

16a – Ipeken Tannwald

20:40 ist es mittlerweile – mir kommen ernsthafte Zweifel an meiner Tagesplanung. Aber ein letztes Grab versuchen wir doch noch!

17a – Volbers Hünensteine

Wir fahren also noch einmal nach Hüven, zur Station 17a – das liegt eh auf dem Rückweg. Hüven Nord ist besser bekannt als Volbers Hünensteine und eine riesige, gut erhaltene Anlage. Leider in einem dunklen Wäldchen, sonst würden wir mehr davon sehen… Dabei ist es doch gerade mal kurz nach 21 Uhr…

17a – Volbers Hünensteine

Die große, gut erhaltene Anlage macht eins klar: Wir müssen hier morgen noch einmal hin.

Zum Abschluss ein Mini-Dolmen

Auf dem Rückweg nehmen wir nur noch eine Station mit, die nicht im Reiseführer stand: Ein Microlith oder so. Ein hübscher kleiner Mini-Dolmen. Aber keine Sorge: Wir haben ihn nicht wirklich eingepackt, er steht wohl noch am Zugang zu Volbers Hünengrab.

Ein gutes Stück hinter unserem Zeitplan endet dieser überraschend vollgepackte Tag endlich. Wer das mit dem Fahrrad machen will, sollte wohl zwischen den Steinen zelten und besser nicht auf Hotels angewiesen sein…

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