Wir haben frühlingshafte Temperaturen im Ländle, und mich zieht es in den hohen Norden – die letzte Nordlicht-und-Sterne-Tour des Jahres steht an. Ich bin gespannt: In den letzten Wochen gab es schönes Polarlicht, und Februar/März können eine sehr schöne Reisezeit sein – nur dass für die nächsten Tage in erster Linie Wolken angesagt sind. Hm…
Dafür wird es diesmal eine intime Reise: Wir sind gerade mal 13 – so kleine Gruppen sind selten, können aber umso mehr Spaß machen. Aber erst einmal nach Norwegen kommen.
Die Tour beginnt am Sonntag, dem 23. März, sodass die Autobahn nach Stuttgart frei ist. In einer Stunde von Karlsruhe nach Stuttgart, Träumchen – und Abflug um 11:45. Selbst mit einer Stunde Anfahrt und zwei Stunden Spielraum für Boarding und Sicherheitstheater ist das ein angenehmer Start in den Tag. Sogar am gut versteckten KLM-Schalter ist nicht viel los, und ich werde meinem Koffer zeitnah los. Dafür gibt der Security-Zirkus alles: Erst wird meine Jacke durchsucht (die Taschenlampe am Schlüsselbund irritiert wohl, und der Gürtel), dann kriege ich sie mit einem “Guten Flug” wieder. Aber so leicht geht’s nicht, ich hätte gerne noch meinen Rucksack. Sprengstofftest gibt es diesmal keinen, aber die moderne Technik kommt wohl nicht mit Keilschrifttafeln klar. Was man halt so als Lesestoff mitnimmt:-)



Trotzdem komme ich flott zum Gate. Schade: Früher konnte man da bequem am Fenster sitzen, seit kurzem ist das die exklusive Eurowings-Lounge. Sorry, Eurowings, aber so werdet ihr mir nicht sympathisch.
Aber gut, die Stunde überlebe ich auch auf den normalen Bänken, und dann gehts los – eine Stunde zehn mit KLM bis Amsterdam, im Flieger gibt es sogar genug Beinfreiheit, um den Laptop auszupacken und ein bisschen was zu schaffen, bevor es Mittagessen gibt: Cracker und ein Freigetränk. Ich nehme das Bier, weil da mehr drin ist als in der Dose Cola oder der Flasche Sprudel. Ob das was über die Qualität von Heinecken-Bier aussagt, sei dahingestellt, so gibt es halt ein Viertele Bier.
Amsterdam bietet wenig neues: Ich habe nur etwas mehr als eine Stunde Umsteigezeit, das langt für einen Blick auf den neu gestalteten Foodcourt (wirkt doch sehr steril) und eine halbe Stunde Pause an Gate D86. Cool finde ich, dass man für den internationalen Bereich seinen Pass selber prüfen soll. Irgendwo geht die Automatisierung und das Outsourcing an den Kunde doch zu weit, oder?
Zehn Minuten vor dem Boarding ploppt kurz eine Meldung auf dem Handy auf, die aber gleich wieder weg ist, und zwei Minuten vorher werfe ich noch einen Blick in die App: Gate-Wechsel, von D86 zu C15. Was zum Geier… Amsterdam ist ein “stummer Flughafen”, es gibt keine Durchsagen. Was machen eigentlich Reisende, die ohne App nur online eingecheckt haben, oder gar nur am Schalter?


Also die Beine in die Hand nehmen und wie ein Gestörter gefühlt einmal quer durch Amsterdam rennen. Fünf Jahre Homeoffice mit viel zu wenig Hurtigruten haben ihre Spuren an meiner Kondition hinterlassen… aber am Gate ist noch niemand, die Crew muss wohl auch erst noch hinkommen. Tatsächlich haben wir dann eine gute halbe Stunde Verspätung, sodass sogar das Gepäck noch mitkommt. Im Flieger dann die Info, dass es Probleme mit dem Flieger gab (ist ja immerhin gut, wenn das vorher festgestellt wird und nicht erst in der Luft), und noch die Bitte, dass bifcöeasC qa-sendc-ebrsc qaoenkrsc – ich versteh kein Wort mehr. Die Lautsprecherdurchsagen aus dem Cockpit sind oft noch unverständlicher als die am Bahnhof.
Aber egal, wir heben ab, diesmal in einem größeren Flugzeug ohne Beinfreiheit und somit ohne Chance, was am Laptop zu machen (und ohne Ladebuchse für das Handy), und haben eine ansonsten unauffällige Reise, die nur vom Käsebrot als Bordverpflegung unterbrochen wird. Und dann: Endlich wieder Bergen!



Wir sind eine kleine Gruppe, und die Hälfte kam schon früher an, sodass wir zu siebt im Kleinbus sitzen. Bei bestem Wetter machen wir statt der längeren Orientierungsfahrt nur eine kurze Fahrt nach Bryggen und nehmen uns da die Zeit, einmal auszusteigen – cool, da hat man doch deutlich mehr davon. Das ist das erste Mal seit 2014 (als die Tour noch einen Anreisetag in Bergen hatte und dafür in Trondheim endete), dass ich Bryggen nicht nur durch die getönten Busfenster sehe!







Es bleiben zwar auch nur ein paar Minuten, aber immerhin! Pünktlich zu Sonnenuntergang kommen wir am Schiff an, kriegen die Cruisecard (ich habe eine Rettungsbootkabine – Blick aufs Beiboot, aber dafür bin ich schnell draußen und habe Tageslicht) und sehen um 19 Uhr das Sicherheitsvideo (da-damdamdam-da-dam, da-damdamdam-da-dam – ich kann es auswendig) und verpassen so die deutschsprachige Infoveranstaltung durch das Costal Experience Team (oder wie die Bordreiseleiter gerade heißen). Also kurz in die Kabine, kurz an der Rezeption vorstellen (es sind noch zwei Gruppen an Bord, wird mit den Vorträgen interessant), und dann ab ans Bergen-Buffet. Das Rindfleisch mit Kartoffelsalat lacht mich an (und die Rotweinsoße hat Promille, heieiei), das Pistazieneis dagegen weniger – wurde hier die Dubai-Schokolade auch gehypet?
Und um 20:30 legen wir schon ab – es ist leicht bewölkt, aber trocken und angenehm warm, wenn ich das mit meinen normalen Tiefster-Winter-Touren vergleiche. Der Tourstart ist immer ziemlich zackig, seit das ganze Jahr über der selbe Fahrplan gilt. Aber immerhin verschlafen wir so das Westkapp.
Mal schauen, was diese Tour bringt!