Hurtigrute Tag 5: Tromsø

In der Nacht haben wir die Vesterålen weitstgehend durchquert, der Raftsund bildet die Grenze zwischen den schrofferen Lofoten und den etwas sanfteren Vesterålen. Morgens in Harstad ist davon aber nicht viel zu sehen: Es hat geschneit, und Schnee und Nebel liegen immer noch in der Luft. Mein Teleobjektiv kann ich in der Fototasche lassen – die mittelalterliche Trondenes-Kirche ein Stück außerhalb von Harstad ist nicht zu sehen.

Immerhin ist die Baustelle am Hafen jetzt fertig, ein weiteres modernes Gebäude mit viel Glas liegt zwischen uns und der Stadt.

Bei Ablegen machen wir Platz für die südgehende MS Nordkapp, die sich langsam aus dem Nebel schält. Fast wie ein Geisterschiff taucht sie auf und begrüßt uns dann mit Lichthupe, während wir Richtung Norden weiterfahren.

Das Wetter bleibt nebligtrüb, sodass es über die Fahrt nach Finnsnes nicht viel zu berichten gibt. Um 10 Uhr hält Svenja eine Vortrag auf Deutsch über Wale, den ich mir anhöre. Jetzt weiß ich zwar immer noch nicht viel mehr über die besten Spots, außer dass ab Ende November bis Januar/Februar Zwergwale rund um Skjervøy häufig sind, man aber auch im Varangerfjord gute Chancen hat. Aber zwei interessante Erkenntnisse gibt es: Wale haben einen positiven Einfluss auf das Klima, weil sie fast so viel dazu beitragen, die Meere umzuwälzen wie Meeresströmungen und so dafür sorgen, dass Nährstoffe an die Oberfläche gelangen (freut Krill und Fische, die davon leben) und einen Beitrag dazu leisten, dass CO2 gebunden wird.

Und der Gesang von Hvaldimir, dem russischen Spionagewal, der es sich vor ein paar Jahren in Hammerfest gemütlich gemacht hatte, klingt wie ein samischer Joik. Oder ein besoffener Norweger in der Badewanne.

Finnsnes

Finnsness erreichen wir kurz nach dem Vortrag, mir bleibt nur wenig Zeit für ein Foto: Um 11 Uhr legen wir an, um 11:15 erzähle ich ein wenig über den aktuellen Sternenhimmel und gebe ein paar griechische Sagen zum Besten. Draußen wird es aber nicht besser. Ich verzichte wie immer auf das Mittagessen und mache Pause, während es draußen nicht zu sehen gibt.

Kurz vor Tromsø bietet das Expeditionsteam noch einen Interessepunkt zum Rystraumen an, dem Gezeitenstrom vor Tromsø. Dazu gibt es Infos über die Region – aber die können uns viel erzählen. Zu sehen war heute nichts.

Dementsprechen unspektakulär war auch die Anfahrt auf Tromsø. Der Storsteinen mit der Eismeerkathedrale darunter ist schwach zu erahnen, der Hafen ist nur deshalb besser zu sehen, weil wir da direkt anlegen.

Tromsø macht es einem zurzeit echt nicht leicht, es zu mögen. Dabei ist das eigentlich meine Lieblingsstadt, auch wenn das “Paris des Nordens” sich in den letzten zehn Jahren deutlich verändert hat. Viele neue Hochhäuser und zu viele Souvenirshops, vom Preisschub für die Hotels gar nicht zu reden. Und in letzter Zeit viel zu oft mieses Wetter, wenn ich da bin.

Heute mache ich daher nur die kurze Runde durch die alte Innenstadt und am Hafen entlang. Eine große Einkaufstour brauche ich diesmal nicht, ich war ja erst in September und Dezember hier.

Mit Sonnenschein wäre das trotz Schneematsch richtig schön, aber mit Dauergrau und Schneegegriesel… Ach Tromsø, gib dir doch nochmal etwas Mühe.

So bin ich recht bald wieder auf dem Schiff, mache eine zweite Runde ohne Kamera und spare mir den Weg zu den üblichen Ausguckspunkten. Das ist das Schöne, wenn man eine Stadt schon kennt und weiß, dass man wieder kommt (im September, zum Urlaub und Polarlichtgucken): Kein Druck, irgendwas zu machen.

Tja, früher hieß es beim Polarlicht, Tromsø geht immer, jetzt setzen wir eher auf Skjervøy – aber für heute Abend ist nur bedeckt angesagt. Ich zeige nach dem Abendessen noch einmal allen, die gestern keine Zeit hatten, meine Meteoritensammlung, verpasse die Schiffsbegegnung und schaue nur kurz auf Deck 4 vorbei, wo Markus Sea-Shanties singt – im Expeditionsteam gab es wohl einen Wechsel.

Skjevøy geht auch nicht mehr

Skjervøy erreichen wir pünktlich, aber in leichtem Schneefall. Heute kann ich wirklich Feierabend machen, es gibt nichts mehr zu sehen.

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