Heimwärts geht’s in großen Schritten – heute früh haben wir die Barentssee bereits hinter uns gelassen, und die Uhr wird auch umgestellt: Jetzt gilt Sommerzeit, in dieser Nacht fehlt uns eine Stunde. Da heißt es Gas geben, um den Fahrplan einzuhalten.
Havøysund erreichen wir mit nur geringer Verspätung etwa um Viertel nach Acht, und bei eindrucksvollem arktischen Wetter. Der Magerøyasund liegt noch im Sonnenschein, während über uns düstere Wolken für Stimmung sorgen. Das Örtchen mit rund 900 Einwohnern wurde wie viele andere hier im Krieg zerstört, als die deutschen Truppen verbrannte Erde hinterließen, und anschließend wieder aufgebaut. Die Kirche sieht also nur aus wie eine alte Stabkirche. Aber Zeit, um in den Ort zu gehen, hat man hier ohnehin nie.



Nach einem kurzen Halt machen wir den Kai schon wieder frei für die nordgehende Havila Capella, die sich elegant in die Kurve legt. Wir fahren derweil Richtung Süden – Zeit für Frühstück und die Reiseleitersprechstunde, während das Wetter draußen allmählich besser wird.
Als wir Melkøya erreichen, ist es bereits richtig stimmungsvoll schön. Die Insel ist über Pipelines mit dem 160 km entfernten Erdgasfeld Schneewittchen verbunden und die einzige Flüssiggasanlage Norwegens. Das Gas wird hier auf -162 °C heruntergekühlt, sodass es nur noch 1/600stel seines Volumens hat und leichter in die großen Tanker passt, die es abtransportieren. Es geht alles in den Export, so hat Norwegen eine saubere Energiebilanz und kann in aller Ruhe Geld zählen, während die norwegischen Erdgasreserven anderswo verheizt werden. Aktuell hat Melkøya noch einen sehr großen Anteil am norwegischen CO2-Ausstoß, da die Erdgasverflüssigung sehr energieintensiv ist. Aber die Anlage soll elektrifiziert werden – falls das nordnorwegische Stromnetz das aushält. Und wir machen uns Sorgen um Ladesäulen für ein paar E-Autos…



Kurz darauf biegen wir um die Kurve und sehen Hammerfest. Wir legen wieder an der Fuglenes-Halbinsel an; wer will, konnte bis gestern ein Ticket für den Shuttlebus in die Stadt lösen. Eigentlich ist das nur der Ausweich-Liegeplatz, während der Hafen saniert und umgebaut wurde – aber die Arbeiten scheinen fertig zu sein, und an unserem normalen Liegeplatz liegt ein französisches Kreuzfahrtschiff, die Le Champlain. So langsam könnten wir mal wieder direkt in Hammerfest anlegen, schließlich macht es ja den Reiz der Hurtigrute aus, dass wir da hinkommen, wo die Kreuzfahrtschiffe nicht hinkommen… so sehe ich die Kirche wieder nur aus der Ferne (mitsamt dem imposanten Schneehaufen am Ufer) und frage mich, ob ich jemals wieder in den Eisbärenclub komme.



Stattdessen mache ich wieder die kleine Wanderung zur Meridiansäule und dem kleinen Freilichtmuseum an der Spitze der Halbinsel Fuglenes. Hier stehen einige Häuser, die früher auf Melkøya standen, und die kleine Schanze, die nach der Eroberung der Stadt durch die Briten während der napoleonischen Kriege errichtet wurde. Die sechs Kanonen, die hier einst standen, kamen aber nie zum Einsatz, und vor ein paar Jahren wurde die “Festung Skansen” renoviert. Seitdem steht hier wieder eine Kanone und bewacht die Einfahrt.




Der kleiner Ausflug ist ja immer ganz nett, aber das wäre Hammerfest auch mal wieder – auch wenn heute Sonntag ist und die Läden zu haben. Nun ja, gehen wir also zurück zum Schiff, und ich gönne mir zum ersten Mal auf der Reise ein kleines Mittagessen, bevor die Shuttlebusse wieder zurück kommen und wir um 13 Uhr aufbrechen – nur noch eine Viertelstunde hinter dem Zeitplan, die Sommerzeit haben wir fast wieder ausgeglichen.
Der nächste Hafen ist Øksfjord, und ich bin froh, dass ich meinen letzten Vortrag nicht auf unsere Passage heute bei Øksfjord gelegt habe. Ich bin es gewohnt, dass es um die Zeit schon dunkel ist, aber Norwegen präsentiert sich Ende März von seiner besten Seite: Schneebedeckte Berge im Sonnenschein. Klasse. Und währenddessen gibt es vom Expeditionsteam einen längeren Vortrag. Gut, dass wir jetzt Zeit haben, um die Landschaft zu genießen.





Den Tag verbringt man am besten abwechselnd am Fenster und draußen, ein echter Sehtag.
Øksfjord erreichen wir bei schönstem Wetter und legen butterweich an, nur die Schiffshupe bleibt stumm – und das, obwohl hier das schönste Echo ist. Menno. Dafür ist im Hafen geschäftiges Treiben, ständig legen kleine Fischerboote vor uns an und ab, entladen ihren Fang und bunkern frisches Eis. Eine schöne Abwechslung zum üblichen Gabelstapler-Ballett.
Das Örtchen hat übrigens gerade mal 490 Einwohner. Bei uns würde das nicht einmal für eine Bushaltestelle langen; hier hält die Hurtigrute.



Dann geht es auf die offene Seestrecke der Loppa. Loppa macht hoppa, wie es so schön heißt, aber wir haben Glück – spiegelglatte See an steuerbord und supertolle Küste an backbord. Die Zeit bis zum Abendessen vergeht wie im Flug, und zum Sonnenuntergang erreichen wir Skjervøy. In den letzten Jahren hat Skjervøy ja Tromsø als Nordlichgarant abgelöst, aber jetzt ist es einfach noch zu hell. Alpenglühen statt Nordlicht. Aber auch schön. Der Himmel schimmert rosa, und passend dazu steht en rosa Pickup am Hafen. Nur warum riecht das nach Feuerwerk?






Beim Abfahren sehe ich es: Auf der anderen Hafenseite ist Blaulicht hinter einer Rauchschwade, da brennt gerade ein Boot aus. Das war es mit frischer norwegischer Luft; gesund riecht das nicht. Nichts wie rein ins Schiff.
Und dann: Abwarten, ob es rechtzeitig dunkel wird, bevor die Wolken kommen. Laut Windy haben wir in Skjervøy noch recht gutes Wetter und in Tromsø nur noch Wolken. Das stimmt auch: Skjervøy ist schön, und wir können die lange Dämmerung genießen, bis es endlich dunkel wird. Ein schöner, sehr schmaler Mond ist am Horizont zu sehen. Es war doch gerade eben erst Neumond und Sonnenfinsternis?


Gegen 22:20 ist es dann soweit: Die Dämmerung ist noch hell, aber ein Grauschleier ist am Heck zu sehen, während wir Kurs auf die Wolken halten: Polarlicht!
Es hat es nicht leicht, sich gegen die Dämmerung durchzusetzen, aber letztlich ist es eindeutig: Ein niedriger Bogen zeigt sich über dem Horizont, während wir in die Wolkendecke hineinfahren, die über Tromsø hängt. Das ist dann doch ein netter Abschluss für die Saison – wir sind die letzte Nordlicht-und-Sterne-Tour bis zum Herbst. Wer jetzt noch Polarlicht sehen will, muss lange aufbleiben, da die Nächte immer kürzer werden – und bald ist im Norden die Mitternachtssonne, bzw. die Dämmerung geht überhaupt nicht mehr in die richtige Nacht über.









Etwa eineinhalb bis zwei Stunden haben wir Zeit, dann wird das Polarlicht von den Wolken verschluckt. Gegen halb elf kann ich getrost abbauen und Feierabend machen. In Tromsø gehe ich nicht mehr von Bord, nur die Einfahrt schaue ich mir noch an, während der Computer die Bilder verarbeitet.
Und jetzt, spät am nächsten Tag, bin ich auch mit einen Filmen fertig. Hier ist ein kleiner Schnipsel: