Es geht in den sonnigen Süden: Harstad in den Vesterålen begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein, nur die Wasserfontaine, die vor ein paar Jahren im Hafenbecken installiert wurde und Schiffe begrüßen soll, ist (mal wieder) aus. Die Begegnung mit der Midnatsol, die uns um 8 Uhr den Kai frei macht, verpasse ich knapp und sehe sie nur noch von hinten, dafür ist es ein wunderschöner Morgen in der kleinen Stadt. Wer den Busausflug 9A durch die Vesterålen gebucht hat, geht hier von Bord und steigt erst in Sortland wieder ein; wir fahren – genauso schön – über Risøyhamn nach Sortland.




Bei schönem Wetter so wie heute ist das ein stressiger Tag, obwohl wir keine großen Programmpunkte haben – aber bei der Fahrt durch die Vesterålen gibt es ständig etwas zu sehen.
Das fängt mit der Trondenes-Kirche vor Harstad an – mein Tele-Objektiv nehme ich eigentlich nur wegen dieser nördlichsten mittelalterlichen Steinkirche Nordnorwegens mit. Sie wurde im 15. Jahrhundert errichtet – der Sage nach aber von einem Troll, der um seinen Lohn geprellt wurde.




Wir tuckern weiter Richtung Risøyhamn. Endlich einmal fahren wir dabei nicht durch die mystischen, nebelverhüllten Vesterålen, sondern sehen strahlend-weiße Berge unter einer blendenden Sonne. Eine Bilderbuchlandschaft, nur etwas kühl, wenn man vorne am Bug steht und sich den Fahrtwind um die Nase wehen lässt.
Die Fahrt durch die Risøyrinne ist immer wieder beeindruckend, wenn man einmal die “Leitpfosten” erkannt hat, das grünliche Wasser daneben als Flachwasser identifiziert hat und sich bewusst macht, dass die Fahrrinne nur etwas tiefer ist als der Tiefgang unseres Schiffs. Schließlich musste die Fahrrinne extra noch tiefer ausgebaggert werden, als mit Midnatsol, Finnmarken und Trollfjord Anfang des Jahrtausends drei noch etwas größere Schiffe auf die Hurtigrute kamen. Überhaupt existiert diese Rinne nur wegen der Hurtigrute: Richard With, der Gründer der Hurtigrute, wollte seinen Heimathafen Stokmarknes besser anbinden, und dafür musste diese Abkürzung gegraben werden. Am Hafen von Risøyhamn erinnert ein Gedenkstein mit den Unterschriften dreier Könige an die Eröffnung und spätere Erweiterungen der Rinne. Für einen Sprint zum Königsstein ist unsere Liegezeit wie immer recht knapp.
Weiter geht es nach Sortland – wer will, sollte jetzt mittagessen, bevor die drei Ausflugsbusse zurück kommen. Kurz vorher werden wieder alle zum Winken am Bug versammelt: Wir fahren genau dann unter der Brücke durch, wenn die Busse darüber fahren. Immer wieder nett, und das Expeditionsteam verteilt großzügig Norwegerfähnchen.





In Sortland halten wir wieder nur kurz, damit alle Ausflügler wieder einsteigen können. Hier gibt es auch einen weiteren Busausflug nach Stokmarknes, dort hat man dann mehr Zeit, um das Hurtigruten-Museum mit der alten MS Finnmarken zu besuchen. Wir schippern über das Meer weiter und kommen nach eineinviertel Stunden am Geburtsort der Hurtigrute an. Bei einer Stunde Liegezeit bleibt da nur Zeit, um kurz einkaufen zu gehen oder einmal entweder durch die Finnmarken oder Museum zu gehen. Aber es gibt Fast Lane: Wer auf dem Schiff die Eintrittskarte kauft, kommt durch einen Seiteneingang ins Museum und schneller auf das Schiff.
Und dann geht es schon weiter zum Raftsund: Ein Traum in Schwarz-Weiß, da wir mittlerweile Richtung Wolken fahren. Sie türmen sich auch schon über den Bergen auf, aber macht nichts: Es ist trotzdem wie eine Fahrt mit dem Schiff durch die Alpen.





Am Anfang des Raftsunds warte ein kleineres Boot auf uns: Es wieder die Saison für die Seeadlersafari. Wer teilnimmt, steigt am Anfang des Raftsunds während der Fahrt auf das Ausflugsboot, das Seeadler anlockt (die wissen schon, wo es Futter gibt) und anders als wir auch in den Trollfjord fährt – für uns ist er wegen Lawinengefahr gesperrt. Aber wer ein Fernglas oder Teleobjektiv hat, sieht auch von der Richard With aus Seeadler, wenn auch nicht ganz so nah.
Gegen 17 Uhr – kurz vorher gibt es noch einen Interessepunkt dazu – erreichen wir den Trollfjord und kreuzen vor der Einfahrt. Jeder hat die Chance auf ein Foto, wobei wie dem Fjord mit seinen steilen Wänden nicht allzu nahe kommen. Aber immer wieder schön, gerade wenn das Wetter so wie heute mitspielt.






Was neu ist: Wir fahren direkt zum Trollfjord und nicht erst um die kleinen Inseln herum. Angeblich wurde hier auch ausgebaggert, sodass die Abkürzung jetzt sicherer ist und offiziell befahren werden darf.
Nach dem Trollfjord ist Sturm auf das Buffet: Wer in Svolvær Ausflüge gebucht hat, will natürlich vor dem Anlegen das Abendessen erledigen. Gut, dass ich keinen Zeitdruck habe:-)
Svolvær liegt unter dichten Wolken – es sieht fast aus, als würden wir gerade einen Vulkanausbruch erleben:
Es sind aber doch nur Wolken, die da am Berg hängen Seeadler, zumindest riecht es eher nach Fisch als nach Island-Schwefel. Die Fischgestelle a Hafen von Svolvær sind schon gut mit Stockfisch bestückt, dafür geht das Aroma eigentlich. Und zur Abwechslung ist es hell genug, um die Fiskarkona zu sehen, die Statue von Dagfinn Bakke, die an die Fischerfrauen erinnert, die auf ihre Männer warteten, die zur See fuhren – und oft genug auf See blieben.





Ich mache heute nur einen kurzen Gang nach Svolvær, einmal zum Marktplatz und zurück. Es scheint einen neuen Souvenirshop zu geben, Arctic Lights. Der hat aber so ziemlich das selbe wie die anderen beiden Souvenirshops nebenan…
Auch wenn es trocken ist, belasse ich es bei einem kurzen Beine-Vertreten und bin rasch wieder auf dem Schiff. Als wir ablegen, ist es noch hell – Frühling plus Sommerzeit machen sich bemerkbar. Die Polarlichtsaison endet, dafür sind die Lofoten-Berge noch gut zu sehen, auch wenn das Wetter schlechter wird.
Auf dem Schiff gibt es während der Überfahrt nach Stamsund noch eine Talkshow zur Hurtigrutengeschichte. Leider ist das auf Deck 4 vor dem großen Monitor und in Hörweite von vier Damen, die einen großen Spaß daran haben, sich lautstark ihre Handybilder anzuschauen. Ich gebe den Versuch auf, der Talkshow zu folgen, und mache mir einen ruhigen Abend.
Die Begegnung mit dem nordgehenden Schiff verpasse ich – wir begegnen einer Havila, und die stehen hier nicht im Tagesprogramm, sondern nur die Begegnungen mit Hurtigrutenschiffen. Schade eigentlich.
Stamsund erreichen wir überpünktlich, der leichte Regen macht aber keine Lust darauf, groß an Deck zu gehen. Ein Souvenirfoto muss reichen.
Die Überfahrt über den Westfjord machen wir bei extrem ruhiger See. Seegang gab es auf dieser Tour bislang wirklich keinen. Dafür war es wieder ein vollgepackter Tag, obwohl im Tagesprogramm fast nichts stand. Gut, dass ich mit meinen Vorträgen durch bin – man muss ja auch mal Luft holen können zwischendrin…