Abenteuer-Straße der Megalithkultur, Tag 1

Was hatte ich dieses Jahr nicht alles an Touren geplant! Im Mai war Urlaub angedacht – zwei Wochen Irland. Wegen Corona wurde das gestrichen, und auf die Flugerstattung der Lufthansa warte ich immer noch. Stattdessen ging es ein paar Mal in den nahen Schwarzwald, was ich nur auf Twitter dokumentiert hatte.

Im August stand mein dritter Schottland-Trip an – unserem Reisemonster Nessie mal wieder seine Heimat zeigen, und meinen Schottland-Reiseführer erweitern. Pustekuchen. Es hätte vielleicht sogar klappen können, aber einen Monat vorher war Schottland noch weitestgehend im Lockdown, und vierzehn Tage Quarantäne in Inverness waren auch nicht so verlockend. Als KLM dann mit Umbuchen begann, nutzen wir die Chance, um die Reise zu stornieren. Ich bin mir immer noch unsicher, ob die Fähren auf die Orkneys mittlerweile wieder regelmäßig verkehren. Aber in den Highlands sind sie nicht unglücklich, wenn keiner kommt und das einzige Krankenhausbett belegt…

Straße der Megalithkultur

Was tun, sprach Zeus? Zum Jahreswechsel 2017/18 waren wir in der Bretagne gewesen, die Megalithbauten in den Winterstürmen erleben. Durchaus ein Erlebnis, auch weil die Franzosen es mit der Weihnachtsbeleuchtung wirklich ernst meinen. Und abseits vom Mont Saint Michel war da um die Zeit auch nicht so viel los. Dadurch wurden wir auch auf die Straße der Megalithkultur aufmerksam – eine 330 km lange Tour durch Niedersachsen, die 2006 vorgestellt und 2008/9 ausgeschildert wurde. Alternativ als achttägige Fahrradtour machbar. 33 Stationen mit Hünengräbern erwarten einen da – das müsste doch eigentlich in 5-6 Tagen mit dem Auto machbar sein. Dieser Raum Oldenburg/Osnabrück ist von Süddeutschland auch gar nicht mal so weit weg…

Über das Fremdenverkehrsamt kam dann auch eine schöne Übersichtskarte und die Beschreibung der Radroute, aber die Radtour konnte ich nicht durchsetzen. Also wurde es die Rundfahrt mit dem Auto. Leider beschreibt der Reiseführer, der auf der Webseite beworben wird, zwar die Stationen sehr schön, gibt aber wenig Tipps zur Tourenplanung. Heute weiß ich, dass wir im Süden bei Station 1 hätten anfangen sollen, die Route ist eine Einbahnstraße. So finden wir in Bremen an und arbeiteten uns nach Süden weiter, mit dem Ziel, schon mal eine Stunde bei der Heimfahrt einzusparen. Dadurch und durch eine angepasste Reihenfolge der Stationen wurde das ganze zur Abenteuer-Straße der Megalithkultur. Zum Glück gibt es auf der Webseite der Straße auch die GPS-Daten der Stationen (wenn auch nicht der Parkplätze), sonst wäre das ganze noch abenteuerlicher geworden. Immerhin: Wenn man bei #1 anfängt, ist sie wohl besser ausgeschildert. So hatten wir keine Ahnung, was uns erwartet, und wurden nicht enttäuscht.

Los gings am Samstag, dem 8. August, im Hochsommer bei gut 35° mit Reiseziel Bremen. Wichtigste Fracht an Bord: Die Kühlbox für Getränke. Sonst wäre die Tour zur Tortur geworden, von wegen kühler Norden. Und nachdem wir einmal Frankfurt hinter uns gelassen hatten, ging die Fahrt sogar recht zügig – sieben Stunden für die 528 km von Karlsruhe nach Bremen. Macht einen Schnitt von 75 km/h, vor allem dank der Baustellen auf der A5…

Ich muss zugeben, dass ich von Bremen keine Vorstellung hatte außer Hansestadt, irgendwas mit Hafen und einem Abi, das nichts wert ist. Als Großstadt (elftgrößte Stadt Deutschlands) wohl voll mit Menschen und großen Häusern. Aber Reisen bildet: Am Marktplatz gab’s die erwarteten größeren Stadthäuser, aber das Schnoor-Viertel mit winzigen Einfamilienhäuschen hätte ich in einer alten Stadt nicht erwartet. Da sind die Fachwerkstädte bei uns im Süden ja imposanter. Schnucklig.

Und Menschen waren auch kaum unterwegs, man hatte viel Platz. Wobei auf dem Marktplatz eine Kundgebung von AFD-Sympathisanten dafür sorgte, dass außer Polizei kaum jemand da war. Denen wollte praktisch keiner zuhören:-) Jedenfalls wirkte das ganze schon eher dörflich als städtisch. Nix mit Touristen-Hochburg (was uns in Corona-Zeiten auch durchaus recht war). Aber dass die Souvenirshops samstags zwischen 12:30 und 18 Uhr zu machen, ist schon ungewohnt… Um 17 Uhr kamen wir in Bremen an, das langte gerade noch, um in der Böttchergasse nach Souvenirs zu schauen. Dann war auch schon Feierabend. Die Gasse ist durchaus sehenswert: Interessante Backsteingebäude, und am Eingang ein protziges goldenes Wandbild, das ursprünglich wohl den Führer als Lichtbringer verherrlichen wollte. Hitler gefiel es als entartete Kunst aber nicht, also stellt es heute den Erzengel Michael im Kampf gegen den Teufel dar und ist politisch korrekt.

Die Innenstadt ist recht schnell erkundet (vielleicht zwei Stunden, aber man kann auch mehr Zeit hier verbringen – wenn die Ladenöffnungszeiten nicht eher zur bairischen Provinz passen würden). Fehlen eigentlich nur noch die Bremer Stadtmusikanten. Die fanden wir dann auch mehrmals, wobei die am Marktplatz am wenigsten beeindruckten.

Übrigens, wer die Sage auch schon wieder vergessen hat, kann sie zum Beispiel hier nachhören:

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https://youtu.be/70cLcMis6rw

Den Punkt Abendessen verschoben wir auf das Hotel in Ganderkesee, rund 20 Minuten außerhalb von Bremen (und gefühlt meilenweit von der nächsten Großstadt entfernt). Check-In ganz entspannt bis 22 Uhr; gegen 20 Uhr waren wir da und erfuhren, dass es kein Frühstück gibt. Auch eine Möglichkeit, die Corona-Hygiene zu erfüllen, und wir würden doch bestimmt jemanden besuchen, bei dem wir Frühstücken könnten. – Nein, wir wollen hier Urlaub machen. – Verwunderte Blicke… Die Gegend scheint nicht auf Touristen eingestellt zu sein.

Matjes

Immerhin ein Hotelrestaurant gibt es, und wenn wir uns beeilen, kriegen wir sogar noch was – es ist immerhin schon fast 20 Uhr, da schließt die Küche gleich.

Ich entschied mich für Matjes, was auch die einzige Begegnung mit der einheimischen Küche blieb, mangels weiterer Gelegenheiten. Lecker, aber teuer. Und die Wespe, die in meinem Radler Selbstmord begehen wollte, steigerte den Genuss auch nur mäßig – die Plagegeister gibt es dort zu Hauf.

Das Hotel selbst war okay, nur das Bad war heiß – eher ein Dampfbad als ein normales Bad. Am nächsten Morgen wollten wir dann endlich auf die eigentliche Straße der Megalithkultur starten – Alte Steine gucken.

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