Straße der Megalithkultur, Teil 2

Nach einer heißen Nacht im Norden und mit Frühstück aus unserer Kühlbox (die neben kalten Getränken zum Glück auch etwas Wegproviant enthielt), machten wir uns am Sonntag auf die Suche nach alten Steinen. Für das Archiv: Die Reise begann am Samstag, dem 10.8.2020 und endete am darauffolgenden Freitag. Bevor wir mit der eigentlichen Straße der Megalithkultur begannen, standen ein paar Ziele rund um Ganderkesee auf dem Programm.

Zuerst der Heidenwall, eine frühmittelalterliche Fliehburg, von der noch der Erdwall erhalten ist. Das Hinweisschild war gut zu sehen, nur dass man direkt danach parken und in den Feldweg gehen musste, war weniger klar. Wohl dem, der GPS hat…

Der Heidenwall

Er liegt in einem kleinen Wäldchen und geht wohl auf das 9. Jahrhundert zurück, stammt also keineswegs aus heidnischer Zeit. Von den einstigen Gebäuden in seinem Inneren ist nichts mehr zu sehen. Immerhin sind wir sicher: Der letzte Überfall der Wikinger auf Ganderkesee fand 955 statt.

Nach diesem Abstecher in die Neuzeit ging es auf die Straße der Megalithkultur. Was wir rasch lernten: Die ganzen Hünengräber gehen auf die Trichterbecherkultur zurück und stammen etwa aus der Zeit um 3500-2800 v.Chr. Also ab zum ersten Ziel!

30a – Gerichtsstätte

Zum Hünengrab

Die Gerichtstätte liegt ebenfalls in einem kleinen Wäldchen, das Navi führte uns zum Hinweisschild. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das kleine Parken-Symbol nur bedeutet, dass man exakt hier parken soll, oder ob man es auch immer darf – hier war es auf dem Feldweg kein Problem, andere Stationen waren für eine Ferienstraße schon sportlicher.

Wie dem auch sei, wir waren alleine, und zur Anlage waren es nur ein paar Meter durch das Wäldchen. Ein hübscher Einstieg. Ein kleiner Wall aus recht großen Steinen, dazu eine Hinweistafel mit Erklärungen, wie sie an eigentlich allen Stationen zu finden war.

30a – Gerichtsstätte

30b-d – Glaner Braut

Das Hinweisschild von hinten?

Mit dem Auto sind es etwa 10 Minuten bis zum nächsten Halt, der Glaner Braut. Genauer gesagt, zum vermuteten Parkplatz. Zumindest habe ich kein Schild gesehen, aber vielleicht kam ich auch einfach aus der falschen Richtung – auf den Radwegeschildern war die Glaner Braut angeschrieben, und mittlerweile weiß ich, dass das Schild darunter – das auf dem Foto von hinten zu sehen ist – die richtige Form für ein Megalithkultur-Hinweisschild hat…

Eine nette kleine Wanderung den Huntepadd entlang (rund 800 Meter) führt uns unangenehm weit weg von der Kühltruhe (sagte ich schon, dass der Norden heiß ist?), aber der Weg ist schön und führt an einem ausgetrockneten See über einen Bach in die Heide, wo uns gleich mehrere imposante Anlagen erwarten – eine lange Doppelreihe aus Steinen ebenso wie zwei nur im Vergleich kleine Gräber.

Die Glaner Braut I ist ein 50 m langes und 6-8 m breites Hünenbett, durch das das Weg mitten hindurch führt. Decksteine gibt es praktisch keine mehr, aber imposant ist das dennoch. Obwohl noch ein paar andere Touristen unterwegs sind, haben wir weitestgehend unsere Ruhe und genug Chancen für Fotos. Ich mag das kleine Tischstativ, das ich mir geleistet habe:-)

Zwei weitere Gräber sind in direkter Nähe und gut erhalten; ein viertes soll ebenfalls da sein, ist aber zu schlecht erhalten und nicht Teil der Route. Daher entgeht uns die Glaner Braut IV – auf den Karten von Open Street Map wäre sie sogar zu finden gewesen. So gehen wir zurück zum Auto, zu den kalten Getränken und der nächsten Station.

30e – Großsteingrab am Schießstand

Mitten in einem Vorgarten von Dötlingen liegt dieses teilrestaurierte Grab, in dessen unmittelbarer Nähe wir auch am Straßenrand parken können.

Würde mir auch im Garten gefallen, wenn auch vielleicht ohne Hinweisschild für die Touristen. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass hier viele vorbeikommen. Trotzdem sind die fünf Gräber der drei Stationen der Station 30 gut gepflegt, auch weil sie nicht gerade abseits liegen. Nur braucht so eine verteilte Station doch deutlich mehr Zeit, als ich gedacht hatte – und die Station 30a-e liegen noch recht nah beieinander.

Die Kirche von Dötlingen, davor die uralte Eiche
Dötlingen

Aber warum hetzen – Dötlingen ist ein wirklich hübsches Örtchen, das man sich unbedingt anschauen sollte. Da gibt es eine uralte Eiche, schöne Bauernhäuser in allen größen und ein sehr gepflegtes Ortsbild, und bei Bedarf auch ein paar Gaststätten.

Unser nächstes Ziel liegt nicht auf der Straße der Megalithkultur, würde aber wunderbar dazu passen:

Egypten

Ja, es gibt tatsächlich ein Großsteingrab Egypten, so benannt nach der nahen Siedlung Egypten. Ist aber keine Pyramide… Es gibt sogar weiter im Süden einen Ortsteil namens Ägypten – diese Orte verdanken ihre Namen wohl der Tatsache, dass sie so weit abseits liegen wie Ägypten.

Wenn man sich dem Grab nähert, sieht man zuerst den unauffälligen Hügel, unter dem die Megalithanlage begraben liegt. Das war in der Jungsteinzeit Standard: Die Grabkammer war von einem Erdhügel bedeckt, ein kleinerer Steinkreis gab dem ganzen Halt.

Heute ist die Anlage schön und ruhig abgelegen. Aber vielen Touristen werden wir auf dieser Reise ohnehin nicht mehr begegnen:-)

Der Hexenstein

Unser nächstes Ziel ist ebenfalls ein Zufallsfund, der bei der der Reisevorbereitung in Google aufploppte: Der Hexenstein. Im Schinkenweg. Er ist ein großer Findling, auf dem es viele Schälchen geben sollte. Den Stein fanden wir auch, gut versteckt im Maisfeld und neben einem netten Picknickplatz, aber von den zahlreichen Näpfchen, die die Hexen in seiner Oberfläche hinterlassen haben sollen, war nicht viel zu sehen – eines, mit viel Phantasie. Der Rest war wohl unter Flechten verborgen. Jetzt einen Hochdruckreiniger…

Mit gut 3x4m und über 1m Höhe war der Findling trotzdem imposant. Und bei 33 Stationen schien es nicht so, als ob es uns mal zu viele Steine werden würden…

Gräberfeld Hespenbusch

Unser nächstes Ziel, das Gräberfeld Hespenbusch, gehört ebenfalls nicht zur Straße der Megalithkultur. Es geht wohl auf die Bronze- oder Eisenzeit zurück, irgendwann zwischen 1200 v.Chr und Christi Geburt. Es ist zwar ruhig und schön mit Heide überdeckt, war uns ehrlich gesagt aber nur einen kurzen Stop wert.

Gräberfeld Hespenbusch

Vom Straßenrand aus wirken die Hügel nicht sehr eindrucksvoll, da bräuchte man schon eine Drohne. Aber die gibt mein Budget gerade nicht her, und einfach durch das Gräberfeld stiefeln wollten wir auch nicht.

St. Briccius in Huntlosen

Da peilten wir lieber die nächste Sehenswürdigkeit an, die für die Gegend erwähnt wurde: Die Kirche St. Briccius, eine recht kompakter Backsteinbau mit wuchtigem Turm. Hier gibt es auf dem Friedhofsgelände auch noch eine weitere Attraktion, die eine echte Rarität auf der Route ist: Eine öffentliche Toilette… Die Kirche war übrigens auch offen und einen Blick wert: Klein, aber mit einer großen Orgel.

31 – Steenberg

Nach dem Halt in Huntlosen suchen wir die Straße der Megalithkultur wieder. Am Ende eines Feldweges (mein Navi hat die landschaftlich reizvolle Route herausgesucht, genauer gesagt eine Staubpiste, die in die Wüste passen würde) sehen wir eines der ersehnten braunen Schilder und finden einen kleinen Parkplatz, an dem wir von den Mähdreschern nicht zu sehr eingestaubt werden.

Von dort sind es gut 600 Meter über offenes Gelände um ein Feld herum, bis wir erneut ein kleines Wäldchen erreichen. Die Anlage ist zwar gestört, mit 16 Meter Länge aber immer noch imposant und lässt die ursprünglchen Umrisse gut erkennen. Bänke laden zum Rasten ein.

#31 – Steenberg

Nun wäre eigentlich Station 32 a/b das nächste Ziel, aber Niedersachsen ist ja eine echte Touristenhochburg… mittlerweile ist 15 Uhr vorbei, und von 15-17 Uhr hat das Kloster Hude geöffnet. Also machen wir eine kleine Planänderung.

Kloster Hude

Das schmale Zeitfenster wollen wir uns nämlich nicht entgehen lassen, immer hat die Klosterruine ohnehin nur Samstags, Sonntags und an Feiertagen geöffnet. Da wollen wir natürlich vorbeischauen und die zwei Stunden nutzen, an denen es geöffnet hat. Wegen Einsturzgefahr ist das Kloster Hude aktuell nicht frei zugänglich, sondern nur mit einer kleinen Führung.

Die Preise sind sehr human: 1€ für das kleine Museum und 1€ für die Führung durch die Ruine. Viel steht zwar nicht mehr, und das meiste ist unter Planen und Gerüsten verborgen, aber einen Blick wert ist es allemal – wir erfahren doch ein paar interessante Fakten zur Geschichte. Und einen Shop gibt es auch – das ist fast schon touristisch ausgebaut hier:-)

Nach diesem Zwischenstop in der relativen Moderne geht es aber weiter in die Jungsteinzeit.

32 a/b – Hünensteine bei Steinkimmen

Station 32 verteilt sich wieder auf zwei Stationen, die aber nahe beieinander liegen. #1 liegt direkt an einem Parkplatz an der Straße: Eine lange, baumumstandene Anlage.

Die Deckensteine fehlen, aber das 22 Meter lange Grab ist dennoch imposant. Steinkimmen II ist ein Stück weiter weg, aber mit dem Auto problemlos zu erreichen – auch wenn die offizielle Wegbeschreibung von einem 300 Meter langen Fußweg spricht, ist er problemlos und ganz offiziell befahrbar.

Steinkimmen II

Steinkimmen II liegt ebenfalls idyllisch in einem Wäldchen, allerdings zusammen mit vielen Ameisen. Die Anlage ist recht zerstört, aber uns gefällt sie. Und jetzt trennt uns nur noch eine kurze Fahrt vom letzten Ziel des Tages:

33 – Großsteingrab bei Stenum

Das letzte Grab der Straße der Megalithkultur ist auch der letzte Stop unseres ersten Tages. Es gibt einen Parkplatz und eine romantische Steingruppe unter alten Bäumen, die zwischen den Findlingen emporwachsen. Idyllisch. Prompt kommt natürlich die erste Wespe, um die Idylle zu stören…

#33: Großsteingrab bei Stenum
Sprengspuren

Weniger schön ist, dass einer der Steine deutliche Spuren von einem Versuch zeigt, ihn zu sprengen. Das Bewusstsein für Historisches ist noch jung, früher wurde der heidnische Kram gerne beseitigt oder als Baumaterial recycelt. Erinnerungen an die Sprengungen durch Islamisten im nahen Osten werden wach… Zum Glück sind doch noch einige Zeugen dieser fernen Vergangenheit erhalten geblieben. In manchen Grab wurden übrigens noch Grabbeigaben wie Gefäße gefunden; organisches Material hat sich dagegen in der niedersächsischen Erde längst zersetzt und hat nicht überdauert.

Lütje Anja

Dann ging’s zurück ins Hotel – morgen früh ist zwar bis 10 Uhr Check-Out, aber da mangels Frühstück so früh keiner im Hotel ist, sollte ich doch schon am Vorabend bezahlen und dann einfach den Schlüssel stecken lassen. Ging nur nicht, weil das Restaurant gerade Hochbetrieb hat und keiner kassieren kann. Ich soll später wiederkommen, bis 22/23 Uhr wäre bestimmt jemand da.

Den Abend lassen wir daher günstiger als gestern in einer Pizzeria ausklingen. Als „Betthupferl“ schauen wir noch bei der Lütje Anja vorbei, der Windmühle Habbrügge. Zumindest von außen können wir einen Blick auf eine der schönsten Windmühlen der Region werfen. Da man sie für Hochzeiten mieten kann, ist sie natürlich besonders gut gepflegt. Ein schöner Tagesausklang nach 130km und insgesamt acht Stunden auf Achse.

Jetzt muss ich nur noch das Hotel bezahlen – aber um 22 Uhr ist der Haupteingang schon abgeschlossen. Immerhin komme ich leicht genervt über die Restaurant-Terrasse noch rein und werde mein Geld los. Beruhigend: Das Frühstück wurde auch von der Rechnung gestrichen. Das gehört sich eigentlich so, aber man weiß ja nie.

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