Mondfinsternis vom 16. Juli 2019

Es gibt so Tage, da ist einfach die Luft raus. Da findet eine partielle Mondfinsternis statt (hat man ja schon ein paar mal gesehen), das Teleskop ist fix und fertig im Auto, der Himmel ist klar, es ist mal wieder zu warm draußen und ohnehin noch viel zu viel auf der ToDo-Liste. Und morgen früh klingelt auch noch der Wecker.

Also wirklich raus auf den Acker, Teleskop aufbauen und bis mindestens Mitternacht unterwegs sein? Nur, um noch ein paar Fotos zu machen? Ist ja nicht so, dass ich noch nie eine Mondfinsternis erlebt hätte…

Das war der Moment, wo ich mich entschied, diese partielle Mondfinsternis zwar anzuschauen, aber ganz relaxt. Und diesmal kein Teleskop aufzubauen, sondern mir das einfach mal in Ruhe anzuschauen. Das Teleskop hatte ich ja zuletzt alleine auf dem Acker bei der Mondfinsternis im September 2015 (echt schon so lange her?) aufgebaut (und mich mit Nachführung und Fokussierung am Teleskop rumgeärgert), das Ende der MoFi vom August 2017 hatte ich nur vom Fenster aus angeschaut, und von der vom letzten Juli hatte ich nicht viel mitgekriegt, weil ich auf der Heilbronner Sternwarte war und wir von Besuchern überrannt worden waren. Daher gibt’s zu der auch keinen Blog…

Panasonic G70 mit 500mm Spiegeltele

Also war für heute Entspannung angesagt – der Blick aus dem Fenster hatte ja schon mal funktioniert, und diesmal sah es mit dem Mondaufgang auch gut aus. Also kleines Gerät: Ein Fernglas für visuell, und am Nachmittag noch schnell die recht neue Panasonic G70 an das Bower 500mm/f6.3 Teleobjektiv (das Walimex hier, nur mit anderem Label) adaptiert, das ich eigentlich für die Sonnenfinsternis vor zwei Jahren angeschafft hatte. Aber statt zur SoFi in die USA zu fahren, war ich stattdessen ja bekanntlich in Schottland. 500mm an einer MFT-Kamera sollte ganz gut funktionieren, um den Mond schön groß zu haben und auch ohne Nachführung im Bild zu behalten.

Das das Objektiv etwas größer und schwerer als die Kamera ist, habe ich es mit einer Rohrschelle auf das Stativ gesetzt. Nachteil: Jetzt rotiert die Kamera beim Fokussieren mit, statt des Objektivgehäuses…

Um es vernünftig nutzen zu können, hatte ich schon zur SoFi bei TS ein paar Klemmen zum Fokussieren geholt (den „Telefok“), und weil das ein Gefrickel war, auch die Motorfokussierung dazu. Irgendwo habe ich den Motor auch noch – aber da es eine spontane Aktion war, musste halt per Hand fokussiert werden. Bei 500mm und einem Videoneiger, der angeblich 7 kg trägt, ziemlich wacklig. Aber letztlich hat es halbwegs geklappt, und die MoFi kann kommen.

Zur erwarteten Zeit kam der Mond dann auch über den Horizont, schön rot gefärbt durch die Erdatmosphäre, und mit etwas Phantasie links auch schon leicht verdunkelt, weil er bereits im Halbschatten der Erde stand. Dazu wunderschön der Erdschatten. Ein Zimmer mit Ausblick hat was.

21:26: Der Mond ist aufgegangen.

Die Bildschärfe überzeugt noch nicht so ganz, aber ich fotografiere ja auch durch eine ganze Menge Dunst hindurch. Blöd: Ich habe den Fernauslöser der Kamera vergessen. Und mit Auslöseverzögerung funktioniert das Bracketing der Kamera nicht.

21:32: Der Himmel wird dunkler, und der Mond nähert sich dem Kernschatten.

Gegen Erschütterungen habe ich den elektronischen Auslöser der Kamera und vier Sekunden Verzögerung eingestellt, sodass der Sensor wohl doch recht warm wird (kombiniert mit der molligen Temperatur einer Dachgeschosswohnung im bislang wärmsten Juli) und die Bilder überraschend rauschen. Aber was soll’s: Ich fotografiere ja nur just for fun, ohne Erfolgsdruck! Muss auch mal sein, und macht richtig Spaß. In aller Ruhe zuschauen, wie der Mond höher steigt, allmählich in den Kernschatten der Erde eintaucht, zurücklehnen und genießen. Schön.

Kurz nach 22 Uhr wandert der Mond dann in den Kernschatten, bis er um 23:30 zu rund zwei Dritteln verfinstert ist – mehr wird es dann auch nicht, das ist die maximale Phase.

Zwischendrin mache ich den Fehler, mir die Bilder mal in groß auf dem Laptop anzusehen. Blöd: Meine große Nikon lässt sich über den PC steurn, die Panasonic erlaubt fernsteuern nur per Handy. Also rein mit der Speicherkarte in den PC: Die Schärfe ist ausbaufähig. Viel besser kriege ich es trotz Bildschirmlupe aber nicht hin, und Fokuspeaking funktioniert mit dem Objektiv irgendwie nicht. Vielleicht ist es trotz Gegenlichtblende zu kontrastarm? Keine Ahnung. Aber für ein paar ordentliche Bilder langt es. Und irgendwie ist das auch beruhigend: Wenn ich mit dem Objektiv wie geplant zur Sonnenfinsternis in die USA geflogen wäre, hätte ich mich nur über nur zu 95% scharfe Fotos geärgert. So ist alles gut:-) Und bis zu den Sonnenfinsternissen in Spanien 2026 und ’27 habe ich entweder noch ein besseres Objektiv, mein Teleskop im Auto dabei, oder beides.

23:36: Maximum. Der Mond hängt interessant am Himmel

Und so? Mache ich gegen Mitternacht Feierabend, habe den Abend genossen und zur Abwechslung mal Fotos mit stehender Kamera, sodass der Horizont immer unten ist – bei nachgeführter Kamera (auf einer parallaktischen Montierung) dreht er sich ja sonst mit. Schön war’s.

Gerne wieder:-)

Schnappschuss der Mondfinsternis

Irgendwann sind partielle Mondfinsternisse nicht mehr das große Spektakel, aber sie sind doch immer wieder hübsch anzuschauen. Heute ging der Mond teilverfinstert auf, und je weiter er über den Horizont stieg, desto weiter wanderte er aus dem Erdschatten heraus, den er ohnehin nur gestreift hat. Netter Anblick.

Partielle Mondfinsternis am 7.8.2017

Nikon D7100 bei 200mm Brennweite und leichten Fokussierproblemen. Ich hoffe, bis zum großen Schottland-Trip fängt sie sich wieder…

AME und die MoFi vom September

Ein müder Geselle erwartet mich bei Astronomie.de

Ein müder Geselle erwartet mich bei Astronomie.de

Die AME ist fast drei Wochen her, aber die Kombination aus Hackerangriff und zu wenig Zeit hält halt auf – aber jetzt komme ich mal wieder auf meine Seite und kann was posten:-)

Die AME ist eine der beiden großen Astro-Messen und für mich immer die Gelegenheit, alte Bekannte zu treffen und zu sehen, was es Neues auf dem Markt gibt. Außerdem helfe ich meist am Stand von Astronomie.de aus, wo ich immer schon sehnsüchtig erwartet werde – zumindest, wenn Stefan alleine da ist. Mit nur sieben Stunden Dauer ist die AME zwar durchaus ausstellerfreundlich, aber man sollte schon immer zu zweit sein. So hat jeder die Chance für einen Messerundgang oder um in Ruhe was zu essen.

Vor lauter Gequatsche habe ich zwar wieder nur die halbe Messe geschafft, aber ein paar nette Gespräche waren’s auf jeden Fall wert. Ein paar Kontakte könnten sich auch auszahlen…

Der Albireo-Verlag war diesmal nicht da, daher war’s für mich günstig – ich habe mir nur die Fixfokus-Klemme von Teleskop-Service geleistet, um das Objektiv auf dem Polarlicht-Trip über Silvester besser fokussieren zu können. Interessante Sachen gab’s trotzdem einige.

Montierungs-Glücksrad bei Tele-Optic

Montierungs-Glücksrad bei Teleskop-Tecnica

Mein persönlicher Favorit war ja das Montierungs-Glücksrad von Teleskop-Tecnica. Eine geniale Art, die ganzen Montierungen zu präsentieren. Jetzt weiß ich auch, was aus der Giro-III geworden ist: Der Nachfolger ist die Giro-Ercole. Immer noch eine klare Empfehlung für alle, die was robustes und einfaches wollen.

Fast genauso eindrucksvoll war das 3″-Okular, das Fernrohrland mir verkaufen wollte. Würde sich an meinem ED80 bestimmt gut machen, aber dann bräuchte ich einen neuen Zenitspiegel. Al Naglers Handgranate ist nichts dagegen. Der Gitterrohr-Refraktor war da schon reizvoller, bloß brauch ich keinen.

Mindestens ebenso eindrucksvoll war der neue Refraktor, den die Astro Optik Manufaktur vorgestellt hat: 130er und 160er Doublet Apos. Chic für Leute, die Platz haben und Highend wollen, made in Germany.

Keine Fotos habe ich bei Kowa gemacht, die wieder Highend-Spektive und Ferngläser präsentiert haben. Schade eigentlich, gerade ihre Kombination aus Spektiv und Objektiv finde ich sehr nett. Aber vor Gesprächen und Durchgucken bin ich nicht zum Knipsen gekommen.

Das interessanteste bei Vixen war die AP-Montierung. Sehr modular, ein geniales Teil.

Lesepause bei Astronomie.de

Lesepause bei Astronomie.de

Die zweite Halle hat Baader dominiert, wenn man mal am Skywatcher-Stand vorbei war. Skywatcher kündigt per Kundenfänger einen kleinen Nachfolger vom Star Adventurer an, mit WLAN. Der war leider nicht ausgestellt. Bei Baader gab’s nicht nur eine kleine Kuppel zu sehen (hallo, Sandra), sondern unter anderem auch einen 300mm-f/1,44-Refraktor (ohne Preisangabe) und andere Nettigkeiten. Ich finde ja den Sucherhalter für Großferngläser nett, der beim neuen SkySurfer III beiliegen wird. Ich brauche eh langsam einen zweiten Leuchtpunktsucher…

Nach dem kurzen Rundgang stand dann Messdienst bei A.de an, und viel mehr habe ich von der Messe dann auch nicht mehr mitgekriegt: Einige vom aktuellen Einsteigerkurs haben vorbeigeschaut, und ich habe munter Teleskopberatung gemacht. Immer das A.de-Häschen hat in meinem Buch geschmökert:-)

Der RATT-Flyer war hartnäckig

Der RATT-Flyer war hartnäckig

Nach der AME stand noch ein gemütliches Abendessen an, und Scheibenputzen: Der Werbeflyer vom RATT hatte sich in Pappmache verwandelt, die Reste waren noch eine Woche später an meinem Auto. Grmpf.

Schön war’s trotzdem, und nächstes Jahr werd ich wohl auch wieder da sein.

Szenenwechsel, eine Woche später: Am 21. September gab es seit längerem mal wieder eine

Totale Mondfinsternis

zu sehen. Dummerweise in den frühesten Morgenstunden, und da ich um 8:00 einen Termin in Bayern hatte, habe ich diese Finsternis nicht auf der Heilbronner Sternwarte verbracht (obwohl wir offen hatten), sondern südlich von Augsburg, am Mandichosee. Um 2:20 aufstehen ist nun wirklich nicht meine Zeit, aber es hat sich gelohnt, auch wenn keine fünf Stunden vorher der Himmel noch komplett bedeckt war. Nach einem viel zu frühen Frühstück ging es dann mit dem ED80 und der Porta-Montierung (auf eine Nachführung hatte ich verzichtet, in der Hoffnung, dass die Belichtungszeiten trotzdem kurz genug sein könnten) an den See, der einen schönen Rundumblick bietet und dunkel genug ist.

Das Panorama gibt die unwirkliche Stimmung nicht einmal ansatzweise wieder.

Das Panorama gibt die unwirkliche Stimmung nicht einmal ansatzweise wieder.

Der ziemlich einsame Standort am Ufer und die extrem dunkle Finsternis – der dunkelste Teil des Monds war kaum vom Himmelshintergrund zu unterscheiden – sorgten für eine eindrucksvolle Stimmung, die sich auf den Bildern nicht wiedergeben lässt. Man muss es schon gesehen haben.

Fokussieren war diesmal eine echte Herausvorderung, auch weil ich meine Bahtinov-Maske zuhause vergessen hatte. Der dunkle Mond war auf dem Liveview kaum zu sehen. Interessanterweise hatte ich auch mit einem normalen Weitwinkelobjektiv echte Probleme beim Scharfstellen, was ansonsten auch ohne Mond ganz gut funktioniert.

Da das Netz schon kurz nach der Finsternis mit Bildern überschwemmt war, spare ich mir viele Worte und zeige einfach ein paar meine Fotos. Zur Entschleunigung mit etwas Verspätung, so wie früher, als man noch warten musste, bis der Film entwickelt war:-)

Und so als kurzes Update: Morgen hat die Sternwarte Heilbronn Tag der offenen Tür, gestern waren wir auf der Waldnacht auf der Waldheide (sehr schöne Veranstaltung), und am 3. November geht’s wieder auf Hurtigrute.