Baader Solar Projection Screen – bereit für die Sonnenfinsternis

Der BSPS am AstroMaster 90AZ

Es ist heute fast schon eine Seltenheit, dass es neue Produkte für visuelle Beobachter gibt. Irgendwie will gefühlt jeder in jedes Teleskop nur noch eine Kamera reinstecken… Aktuell rennen alle Smartscopes hinterher (zugegeben: Ich habe mir auch eines geleistet), und die Dinger funktionieren ja auch einwandfrei. Nur zu tun hat man dabei nichts.

Neu für visuelle Beobachter waren in letzter Zeit eigentlich nur die Houdini-Okulare, mit denen sich Benutzer von schnellen Newtons den Komakorrektor sparen können. Bringt mir aber nichts, ich hab keinen Newton.

Umso schöner ist, dass es mal was Neues für die Sonnenbeobachter gibt: Einen Sonnenprojektionsschirm, den Baader Solar Projection Screen, kurz BSPS. Als Vorwarnung muss ich gleich sagen: Ich bin da nicht ganz unparteiisch, da ich die Produktentwicklung als Betatester begleiten durfte und das Teil in diversen Prototypenstadien schon im letzten Sommer testen konnte. Das hat natürlich ganz gut gepasst, weil für mein Buch Sonne, Mond und Finsternisse (gibt’s wieder auf Amazon, und behandelt sowohl die kommenden Sonnenfinsternisse als auch die Sonnen- und Mondbeobachtung) eh gut im Thema drin war.

Sonnenprojektion mit dem Großteleskop

Die Sonnenprojektion ist natürlich die einfachste Möglichkeit, die Sonne mit mehreren Zuschauern gleichzeitig zu beobachten: Dabei nimmt man ein Teleskop mit (hitzebeständigem!) Okular und projiziert die Sonne auf eine weiße Fläche. Eine schöne Sache, bei der man auch gleich was über Optik und Bildentstehung lernt. Als ich in den 90ern mit dem Hobby angefangen hatte, war das auch noch eine gängige Methode bei uns auf der Sternwarte: Ein großer Projektionsschirm wurde am 150/2250mm-Refraktor befestigt, und die Sonne so gezeigt.

Was ich aber auch gelernt hatte: Es ist die gefährlichste Methode. Man muss immer eine Hand am Teleskop halten. Wir hatten es nicht nur einmal, dass irgendein Vater gemeint hat “Sohn, das ist Blödsinn, was der Kerl von der Sternwarte da erzählt, du kannst in das Okular reinschauen”. Das stimmt natürlich nicht und würde sofort die Netzhaut versengen, wenn da jemand reinschaut. Deshalb gilt bei der Sonnenbeobachtung immer: Nie das Teleskop unbeaufsichtigt lassen, und immer bereit sein, es schnell aus der Sonne zu schwenken.

Sonnenprojektion mit dem Billig-Refraktor

Mit einem kleineren Projektionsschirm sinkt das Risiko, dass jemand hineinschaut, aber es ist immer noch ein offenes System, wo jemand reinlangen kann. Das ist heutzutage durchaus problematisch… deshalb nutze ich bei öffentlichen Veranstaltungen eigentlich nur noch einen Folienfilter vor dem Objektiv oder besser einen Herschelkeil, das ist sicherer. Die klassischen Sonnenprojektionsschirme sind weitestgehend vom Markt verschwunden.

Der Sonnenprojektionsschirm hat jetzt den Charme, dass er wieder die Sonnenprojektion ermöglicht, und somit die Beobachtung der Sonne durch mehrere Beobachter gleichzeitig (ohne Kamera und Computermonitor dazwischen!). Das ähnelt der Sun Gun, verwendet aber keine Projektionstuch, sondern eine spezielle, feste Kunststoffscheibe. Sie wird fest mit einem Okularprojektionsansatz verschraubt, in dem ein geeignetes Okular sitzt. So kann niemand in den Strahlengang greifen. Das beste Bild liefert er beim Einblick leicht von der Seite, der sich durch den Einsatz des Zenitspiegels automatisch ergibt; wenn man senkrecht hineinschaut, ist das Bild je nach Teleskop zwar hell, aber nicht zu hell. Leicht von der Seite ist es optimal.

Coole Sache. Nachdem der große Sonnenprojektor von Solarscope nicht mehr erhältlich ist, gab es bislang ja nur noch den kleinen Sonnenprojektor von AstroMedia. Schön und günstig, aber man sieht auch, wie schnell die Sonne wandert. Mit dem BSPS kann ein vorhandenes Linsenteleskop genutzt werden. Das Sonnenbild ist dabei 6-8 cm groß; wesentlich kleiner darf es auch nicht sein, da die Scheibe sonst zu heiß wird und sich verformt. Wenn man die Sonne bildfüllend hat, wandert sie ohne Nachführung auch schnell aus dem Bild, aber ein Teleskop kann ja problemlos auf eine Montierung mit motorischer Nachführung gesetzt werden. Bei der Gelegenheit hatte ich mich auch einmal mit der Hitze im Teleskop beschäftigt: Auch ein Okularauszug aus Kunststoff ist kein Problem; dort wo er von der Sonne berührt werden könnte, bleibt er überraschend kühl. Dem Teleskop passiert also nichts, auch wenn die Sonne aus dem Bild läuft.

Sonnenprojektion mit Billigokular

Beim Okular sieht das schon anders aus, das ist nahe am Brennpunkt. Ein einfaches Okular mit Linsenfassung aus Kunststoff zeigt rasch Schmelzspuren, und seit jeher gilt der Hinweis, keine Okulare mit Kanabalsam als Linsenkit zu verwenden. Dieser Kit kann nämlich trübe werden, wenn er heiß wird. Für die Projektion empfiehlt Baader daher die hauseigenen Classic Ortho bzw. Plössl Okulare. Sie haben eine doppelte Feldblende aus Metall und überstehen die Sonnenprojektion; bei meinen Tests ist lediglich die Eloxierung ausgebleicht und etwas goldbronzefarben geworden. Ein übliches Problem, auch einige eloxierte Teile der Außenseite meines schwarzen Teleskops zeigen mittlerweile einen Goldbronzeschimmer…

Um den Schirm zu verwenden, braucht man einen Okularprojektionsansatz und ein für die Sonnenprojektion geeignetes Teleskop – also einen Refraktor mit bis zu etwa einem Meter Brennweite, wenn man die ganze Sonne sehen will. Getestet hatte ich ihn an allem vom VarioFinder 60/250 bis zum 150/1200 und 150/2250 Großrefraktor, an letzterem ist aber nur noch ein Teil der Sonne zu sehen. Am besten sind langsamere Teleskope, an lichtstarken Geräten ist das Bild bei gleicher Vergrößerung deutlich heller. Am 90/500 geht es aber auch problemlos.

Wenn man den Kartonbausatz einmal gebaut hat, ist die Montage einfach: Ein Okular in den Okularprojektionsansatz stecken, diesen an die Projektionsbox schrauben, und das ganze an den Zenitspiegel vom Teleskop. Okular und Okularprojektionsansatz gehören nicht zum Lieferumfang. Welches Okular man benötigt, hängt von der Teleskopbrennweite ab und steht auf der Kartonbox. Auch der Okularprojektionsansatz muss separat gekauft werden. Wer schon eine Zeitlang beim Hobby ist, hat wahrscheinlich schon einen in irgendeiner Schublade, die Teile gibt es mittlerweile für wenig Geld. Der “OPFA” von Baader besteht aus den üblichen T-2-Bauteilen. Das hat den Vorteil, dass man die Verlängerungshülsen auch anderweitig verwenden kann. Die Abstandsangaben aus der Anleitung beziehen sich natürlich auf den OPFA.

Am VarioFinder muss der OPFA mit dem Zenitprisma verschraubt werden

Der einzige Fallstrick kann dann noch das Teleskop sein: Es muss ausreichend Fokussierweg für die Okularprojektion haben. Um die zusätzliche Okularbefestigung auszugleichen, muss der Okularauszug ein paar Zentimeter weiter eingefahren werden als üblich. Bei ein paar Teleskopen konnte ich daher keinen normalen Zenitspiegel verwenden, sondern musste den OPFA mit einem T-2-Prisma verschrauben. So bin ich an jedem Teleskop in den Fokus gekommen. Nach ein paar Jahrzehnten Amateurastronomie hatte ich da genug Spiegel in der Schublade, und den meisten Sternwarten mit Öffentlichkeitsarbeit wird es ähnlich gehen. Alle anderen müssen ggf. nachmessen, bevor sie kaufen.

Geradsichtig ist möglich, aber mühselig

Theoretisch kann man die Projektionsbox natürlich auch geradsichtig an das Teleskop anbauen und kommt so auf jeden Fall in den Fokus, aber dann müsste man von unten auf die Box schauen. Und was die Sicherheit angeht: Sollte der Zenitspiegel aus dem Teleskop fallen, fällt das Sonnenlicht nach unten und nicht Richtung Beobachter. Bei geradsichtigem Aufbau entfällt diese zusätzliche Sicherheitsebene.

Mit Zenitspiegel und Teleskop hat man einen wunderbaren kleinen Aufbau, um die Sonne zeigen und verfolgen zu können. Mein mobilster Setup war der VarioFinder auf meiner alten StarAdventurer-Montierung. Das ist nicht nur für die Öffentlichkeitsarbeit praktisch, sondern auch für die nächste Sonnenfinsternis, um den Verlauf der partiellen Phase in Ruhe zu verfolgen. Und Spaß macht es auch:-)

Und noch was aus der Ecke Öffentlichkeitsarbeit: Gerade wenn man mobil unterwegs ist, läuft die Nachführung nicht immer ganz perfekt. Wenn man die Gäste dann fragt “Siehst du was?” und ein zögerliches “Jaaa…” kommt, ist die Sonne meistens rausgewandert. Mit einem kleinen Leitrohr kann man nicht nur die Nachführung überprüfen, sondern auch den wartenden Gästen zeigen, was es gerade zu sehen gibt.

BSPS als Leitrohr am Refraktor mit Objektivsonnenfilter

Jetzt natürlich zum Wichtigsten: Was sieht man überhaupt? Bilder sagen mehr als Worte:

Die Sonnenflecken sind deutlich zuerkennen, ebenso die Randabdunklung, und die Granulation geht auch ein wenig.

Was will man mehr?

Dauerhafte Stabilität und Kratzschutz vielleicht… Die Projektionsbox besteht aus Karton und kann verkratzen. Der Vorteil dieser Konstruktion ist natürlich, dass der Versand kein Problem ist, und man sie leicht zusammenbauen kann. Der Bausatz ist vorgestanzt und hat Klebestreifen, so ist die Konstruktion nicht komplizierter als die eines Objektivsonnenfilters. Wer etwas langlebigeres will, kann eine Box auch selbst 3D-drucken, die Druckdatei stellt Baader bereit – inklusive Schutzdeckel mit Sicherheitshinweisen wahlweise auf Deutsch oder Englisch. Mit ein paar Spax-Schrauben werden Projektionsscheibe und Gewindeadapter dann schnell verbaut, und man hat einen stabilen Projektionsadapter. Wenn man dann noch den Okularprojektionsadapter mit Okular angebaut lässt, ist das eine sichere Möglichkeit zur Projektion.

3D-gedruckte Box und die Karton-Box

Mir macht das Teil Spaß, auch wenn es natürlich keine Konkurrenz zum Herschelkeil ist.

Polarlicht in Baden-Württemberg – 19.&20. Januar 2026

Auch wenn die Sonnenaktivität allmählich nachlässt, bewahrheitet es sich wieder einmal: Nach dem Maximum gibt es immer wieder große Ausbrüche. Und während in Norwegen eine Schönwetterkatastrophe ist und die Polarnacht sich von ihrer besten Seite zeigt, ist in Süddeutschland entlang vom Rhein nur deprimierende Nebelsuppe.

Die große Polarlichtshow vom Abend des 19. Januar habe ich daher verpasst, da hätte ich kurzfristig eine gute Stunde auf der Suche nach Wolkennebellücken und einem passenden Beobachtungsplatz fahren müssen. Aber auch am 20. Januar war noch gut Aktivität vorhergesagt, und immerhin musste ich diesmal nur eine halbe Stunde durch gewundene Landstraßen in den Schwarzwald fahren, um bei Dobel einen Parkplatz mit einigermaßen freier Sicht nach Norden zu finden. Denn was gibt’s im Schwarzwald? Genau – Wald und Täler. Da bringt ein Waldparkplatz nichts. Außerhalb von Dobel zwar auch einige störende Straßenlampen installiert (Lichtverschmutzung gibt’s im kleinsten Ort), aber die Lampen außerhalb blenden nicht ganz so sehr wie die Strahler im Ort.

Ein schnelles, verwackeltes Handybild um 19:23: Noch nichts zu sehen.

Tolle Bilder habe ich diesmal nicht zu bieten, nur ein paar Schnappschüsse mit dem Handy. Um 19:30 war noch nichts zu sehen, ein paar Minuten später gab es dann einen leichten Rotschimmer im Norden, den die Kamera auch deutlich rot zeigte:

Ein Rotschimmer am Horizon um 19:42. Rechts der Große Wagen.

Vom Streulicht am Horizont war der Lichtschimmer zu unterscheiden, aber von den Strukturen, die am Vortag gepostet wurden, war nichts zu sehen.

19:46: Der Schimmer hält sich

Diesmal war das Schauspiel für uns tief im Süden bereits nach einer Viertelstunde vorbei, auch die Webcams in Norwegen zeigen aktuell wenig Aktivität.

20:02: Die Vorstellung ist beendet.

Gegen 20 Uhr war nichts mehr zu sehen. Kurz im Auto aufwärmen, dann gegen 20:45 nochmal rausschauen: Immer mehr Wolken, der Nebel kommt näher. Das war es für heute – selbst wenn da doch noch Aktivität kommt, gegen das Wetter hat das Polarlicht keine Chance. Aber immerhin, es war eine Versuch wert, und ich weiß jetzt, wo in Windy die Nebelprognosen versteckt sind.

Also ab nach Hause – nach ein paar Kilometern hat mich der Nebel wieder.

Mond bedeckt Venus – 19.9.2025

Wie die Zeit vergeht – grad eben noch hat der Mond die Venus bedeckt, und kaum habe ich die Bilder sortiert, war ich zum Urlaub auf Senja und in den Lyngen-Alpen (wer mir auf Bluesky folgt, hat die Nordlichtvideos gesehen), auf der Sternwarte Marburg einen Astrofoto-Vortrag gehalten, den Tag der offenen Tür der Heilbronner Sternwarte überstanden und eine Woche später einen Mitgliederabend zur Sonnenfinsternisplanung für 2026 gemacht, und während sich draußen die ersten Herbststürme bemerkbar machen, komme ich jetzt tatsächlich mal dazu, die Venusbedeckung auch ins Blog zu bringen…

Am Freitag, dem 19. September 2025 war es überraschenderweise klar in Süddeutschland, ich hatte wenig zu tun, was mich im Homeoffice festhielt. Also nutzte ich die Gelegenheit, schon am Mittag auf die Heilbronner Sternwarte zu fahren und dort statt zuhause ein seltenes Ereignis zu verfolgen: Die Bedeckung der Venus durch den Mond. Jetzt predige ich ja schon lange, dass man sowas möglichst frühzeitig üben sollte, aber ein bisschen auf dem falschen Fuß hat mich das doch erwischt. Zumindest hatte ich keine Beobachtung geplant.

Damit alles klappt, wollte ich daher nur die Sternwartenmontierung nutzen, und ansonsten mein eigenes Equipment: Die QHY Mono-Kamera, meinen eigenen ED80/600 (mit Motorfokussierer) und den kleinen Mele Mini-PC, den ich seit kurzem für die Teleskop- und Kamerasteuerung nutze. What could possibly go wrong? Nun, wir sind in Deutschland, und für die 110 km von Karlsruhe nach Heilbronn kann man an einem Freitagvormittag locker zwei Stunden einplanen. Also knapp Tempo 50 auf der Autobahn. Die alternative Route über die Bundesstraße ist dank Brückenarbeiten in Bretten auch nicht schneller, sondern wird zur Landschaftsroute über die Dörfer. Irgendwie schaffen es unsere Straßenbauer gerade, jede Verbindung zwischen Baden und Württemberg lahmzulegen.

Endlich einsatzbereit, mit deutlich verlängerter Gegenlichtblende

Gegen 12 Uhr Mittags war ich dann endlich auf der Sternwarte um aufzubauen: Mein ED80 sollte auf die fest aufgebaute CGEM-Montierung. Und da unser Geräteschuppen gerade frisch saniert wurde, stand erst einmal eine Suchaktion an: Wo ist der ver*?**$§te Handcontroller der Montierung?

Daher brauchte ich doch eine gute Stunde, um nur rasch mein Teleskop auf die Montierung zu setzen. Und dann: Fokus. Fokus? Öhm… ich hätte mir aufschreiben sollen, wo die Kamera ohne weiteres Zubehör den Fokuspunkt hat. Mit Sonnenfilter an der Sonne erkenne ich gar nichts. Also das ganze auf den nächsten Kirchturm richten, dann Verlängerungshülsen zusammensuchen, und endlich: Fokus.

Uff. Mittlerweile ist es kurz nach 13 Uhr, um 14:10 soll die Venus schon hinter der Sonne verschwinden. Gut, dass die Montierung eingenordet ist. Also, Sonne als Referenzstern, dann Schwenk zum Mond: Jesses, ist das knapp. Die Sonne scheint ein gutes Stück in den Tubus rein, weit hinter das Objektiv. Also noch schnell mit Moosgummi die Taukappe um eine Gegenlichtblende verlängern…

Knappe Sache

Jetzt traue ich mich langsam, das ganze zu fotografieren, ohne Reflexe im Tubus. Immerhin: der Himmel könnte bis auf ein paar Kondensstreifen blauer nicht sein, auch wenn auf der Kamera immer wieder irgendwas aufblitzt. Spinnweben? Keine Ahnung, aber andere Beobachter hatten das auch.

Langsam wird es knapp mit der Zeit, ich verziehe mich mit dem Laptop in den Schatten und beginne mit der Arbeit: Erst einmal fokussieren. Die Steuerung übernimmt wieder Sharpcap, das hat ja diese feine Autofokusroutine. Mittlerweile sind Mond und Venus auch beide auf dem Sensor. Tricky: Wenn ich den Mond sehe, ist die Venus überbelichtet – wobei sie eh keine großen Details zeigt. Auf gut Glück das Histogramm auf einen sympathischen Wert ausrichten, und dann mal die Magie automatisieren: Alle Minute darf Sharpcap ein Video aufnehmen, das ich nachher stacken will.

Endlich einsatzbereit: Fokus (gerade so) gefunden)

Und dann kann ich die Technik arbeiten lassen. Auch wenn ich die Nachführgeschwindigkeit (glaube ich) auf Mond gestellt habe, muss ich doch immer wieder mal nachkorrigieren. Kurz vorher kommt mir das Bild suboptimal belichtet vor, und ich korrigiere nochmal nach – im Rückblick ein Fehler.

Was ich aus Zeitmangel verpasst habe: Korrekturbilder aufzunehmen. Flats wären sinnvoll gewesen, aber da war mir die Zeit zu knapp – ohne Stau und Suche nach dem Handcontroller hätte ich sie gemacht, den Sensor muss ich auf jeden Fall mal putzen. Und den Solar Continuum Filter habe ich auch vergessen. Damit (oder mit einem Rotfilter gegen die Luftunruhe) hätte ich wohl schärfere Bilder gemacht.

So nah wie die beiden an der Sonne stehen verzichte ich darauf, ein weiteres Teleskop aufzubauen, um das Ganze auch noch visuell anzuschauen. Stattdessen schaue ich auf dem Monitor zu, wie die beiden sich einander zügig immer mehr annähern.

Ein Screenshot fürs Web

Ein Screenshot fürs Web zeigt keine maximale Schärfe, aber es ist nett anzuschauen, wie rasch die beiden sich näher kommen. Himmelsmechanik live! Kurz vor der Bedeckung erhöhe ich die Bildfrequenz und gehe von Zeitraffer-Sequenzen auf Video. Als schönes Einzelbild sieht der Beginn der Bedeckung dann so aus:

Kontakt!

Ein Hauch von Tropfeneffekt? Schwer zu sagen. Immerhin beruhigend: Was ich so an Bilder später auf Astronomie.de und Astrotreff so sehe, ist auch nicht viel besser.

Kurz nachdem die Venus verschwunden ist, baue ich ab – das Wiederauftauchen der Venus quasi aus dem Nichts der unbeleuchteten Mondhälfte wäre visuell bestimmt spannend, fotografisch aber eher weniger. Die größere Herausforderung: Die Daten verarbeiten. Letztlich kriege ich das Stacken der ganzen Einzelvideos mit Autostackert automatisiert hin, und die komischen Rastereffekt, die mir Affinity Photo beim Öffnen der Bilder gezeigt hatte, bekomme ich auch irgendwie weg – Autostackert hat die monochromen Bilder als JPGs mit einem Farbraum exportiert, mit dem kaum eine Software was anfangen kann…

Aber das Stacking lohnt sich, man gewinnt einiges an Schärfe gegenüber den Einzelbildern:

Gestacktes Bild

Wobei die Venus überschärft ist – irgendwie glaubt mir am Abend keiner, dass der helle Saum rundrum die Venusatmosphäre ist… aber egal, die nächste Sisyphusarbeit ist es, die Bilder aufeinander auszurichten (geht in Affinity ziemlich gut automatisch) und dann zu einem Video zu exportieren (was ich nicht automatisieren konnte).

Das Ergebnis ist nicht perfekt, aber für eine spontane Aktion, mit der ich nicht gerechnet hatte, bin ich ganz zufrieden. Mehr Zeit investiere ich da nicht.

Die Venusbedeckung im Zeitraffer

Mondfinsternis, Sonnenfinsternis-Test und neues Buch

An diesem Jahr ist irgendwie nichts dran… Das wichtigste zuerst: Nur noch ein knappes Jahr bis zur nächsten Sonnenfinsternis, und ich habe ein neues Buch auf dem Markt. Sonne, Mond und Finsternisse gibt einen einen Überblick über die Beobachtung von von Sonnen- und Mondfinsternissen und deckt zusätzlich die Beobachtung von Sonne und Mond auch dann ab, wenn gerade keine Finsternis ist. Ein paar freundliche Rezensionen gibt es auch schon. Die Sonne hat ja gerade eine Beobachtungsboom, dank Sonnenmaximum.

Ein Jahr Vorbereitungszeit ist nicht viel für eine Totale Sonnenfinsternis, und die Technik für meine erste Kamera steht weitestgehend: Die Nikon D7100 mit 30mm Objektiv, automatisiertem Sonnenfilter (ist noch im 3D-Druck) und Steuerung über Eclipse Orchestrator. Dazu vielleicht noch ein Handy für einen Zeitraffer und eine Dashcam für Echtzeit, muss ich mal testen. Das Ziel ist, die nur noch hinzustellen, anzuschalten und nach der SoFi wieder einzusammeln, in der Hoffnung auf gute Bilder.

Und gestern war eine Mondfinsternis, die letzte totale bis Ende 2028. Ich mag Mondfinsternisse: Die sind nicht so selten, dass man unter Druck wäre, jede beobachten zu müssen, und sie dauern lange genug, dass man sie in Ruhe genießen kann. Die MoFi vom 7. September 2025 war insofern etwas besonderes, als dass der Mond am Sonntagabend bereits verfinstert aufging – zu einer angenehmen Zeit an einem lauen Spätsommerabend, aber auch noch mitten in der Dämmerung, ziemlich zeitgleich mit dem Sonnenuntergang. Einerseits steht er so wunderbar im Venusgürtel (klar – das ist ja der Erdschatten, der sich als rosa-orangefarbenes Band gegenüber von der untergehenden Sonne über den Horizont erhebt), andererseits ist der Mond natürlich auch sehr dunkel. Wann wird er das erste Mal sichtbar sein?

Warten auf den Mond

Mein Plan für den Abend war kleines Gepäck: Ein Fernglas, ein kleines Spektiv (das 7-21×50 Hummingbird auf Stativ) und meine geplanter Zweit-Setup für die Sonnenfinsternis, die Nikon D7100 mit Sigma 120-400mm Tele-Objektiv auf einem alten Berlebach Report-Stativ. Das Ziel: Mein Beobachtungsplatz in Völkersbach am Rand vom Schwarzwald. Kurz vor Mondaufgang war ich da, und nicht alleine: So etwa 30-40 Personen warteten schon auf den Mondaufgang, ausgerüstet mit Teleobjektiven, Picknickdecken und Kühltasche. Auf dem Feldweg ist ordentlich Verkehr.

Ebenfalls da: Horizontbewölkung… eine hartnäckige Wolkenbank versperrte den Blick auf den Horizont, da hat der verfinsterte Mond keine Chance. Wo steckt er überhaupt? Ein Blick auf die App: Hm. SkySafari 7 Plus hat die Suchfunktion so gut in der modernen aufgeräumten Oberfläche versteckt, dass ich sie nicht mehr finde. Ceelestron SkyPortal hat die Suchfunktion und meint, dass der Mond bereits seit 19:39 aufgegangen wäre. Nichts zu sehen, da wo er sein sollte – mitten im Wolkenband. Kontrollblick auf SkySafari 6: Mondaufgang 19:53, also jetzt. Hä? Die Erklärung: In SkyPortal ist das GPS aus, und die App denkt, ich wäre in München. SkySafari weiß, wo ich jetzt bin, und wann jetzt ist.

Wie alle anderen schaue ich gespannt, aber erfolglos Richtung Mondaufgang. Irgendwer meint, dass die Mondfinsternis wohl “Powered bei Deutsche Bahn” ist. Ich nutze die Zeit zum Technik-Test: Wie kriege ich mit dem Setup, den ich zur SoFi verwenden will, ein scharfes Bild hin? So weit über die Landschaft bis zum Horizont ist das eh sportlich. Und ich werde wohl den Bildstabilisator vom Objektiv tatsächlich abschalten müssen und mindestens eine Sekunde Spiegelvorauslösung nutzen müssen, damit das passt. Und bei 400mm Brennweite maximal etwa 3 Sekunden Belichtungszeit, lieber weniger. Und manueller Fokus ist ebenfalls ratsam. Blöd.

Derweil kommen über Whatsapp die ersten Sichtungen, von der Ostseeküste und dann auch aus Heilbronn.

Und dann, im Fernglas auch hier die Erfolgsmeldung: Ich sehe ihn! Mit bloßem Auge geht noch nichts, aber die Kamera in die Richtung gepeilt, et voila:

Um etwa 20:37 (die Kamera-Uhr geht natürlich auch nicht exakt) ist er auf dem Kamerabild zu erahnen, und schält sich kurz darauf auch für das Auge aus den Schleierwolken und der Abenddämmerung. Nett.

Fünf Minuten später steht er schon frei genug, um schön zu sehen sein.

Etwa 10° steht er jetzt schon über dem Horizont und passt bei 120mm gerade noch ins Bildfeld. Die SoFi wird in Spanien etwa 6° über dem Horizont stattfinden…

Damit haben wir die Totalität gerade noch erwischt, um 20:53 verlässt er den Erdschatten bereits wieder. Im Fernglas ist das ein sehr schöner Anblick, und das Spektiv zeigt, dass die Schleierwolken einen Unschärfefilter über das Bild legen: Perfekt scharf ist er nicht, eher etwas verwaschen. Aber trotzdem schön.

Mittlerweile steht er auch schon so hoch, dass ich keine Landschaft mehr mit aufs Bild kriege. Also mal sehen, was das Zoom kann:

Drei Bilder im Abstand von einer Minute (20:57, 20:58 und 20:59), und der Mond zieht flott an einem Wolkenband/Kondensstreifen vorbei. Auch hübsch. Und links erstrahlt er schon im Sonnenlicht – ein Hauch von Diamantring, wenn das eine SoFi wäre. Jedenfalls ist es beeindruckend, was das für ein Helligkeitsunterschied ist zwischen dem Teil vom Mond, der schon wieder im Sonnenlicht gleißt, und dem noch verfinsterten Teil des Vollmonds.

Und mit 300-400mm Brennweite bin ich für die SoFi gut dabei, wenn ich die umgebende Corona will. Die Sonne ist ja ähnlich groß wie der Mond.

Derweil werfen auch ein paar Passanten einen Blick durch das kleine Spektiv, und langsam leert sich der Platz auch. Noch eine Stunde dauert es, bis die Finsternis zu Ende ist. Wir packen gegen 20:30 zusammen. Jetzt ist der Mond schon fast ein “normaler Halbmond”:

Nur die Schattengrenze ist doch irgendwie seltsam…

Auf der kurzen Rückfahrt wirkt er dann irgendwie angekabbert, und um 22 Uhr ist alles vorbei.

So mag ich das: Entspannt beobachten ohne Erfolgsdruck, alles gesehen und ein paar nette Fotos gemacht. Das Spektiv hat zum Glück bewiesen, dass die Unschärfe tatsächlich real war. Und ich habe gleich einen Testlauf für die SoFi gemacht.

Neues Spielzeug: Bresser Messier AR 90/500 Achromat

In meinem Teleskop-Fuhrpark war tatsächlich noch eine Lücke: Ich hatte kein Teleskop mit 500mm Brennweite. Und Bresser hat für wenig Geld (169,-€ Liste, Stand Juli 2024) einen 90/500 Achromat. Ein richtig bunter Achromat fehlt mir auch noch, also was soll’s – schauen wir mal nach dem günstigsten Angebot!

Der Bresser auf der Vixen Porta

Das kam dann die Tage auch bei mir an, von Astroshop via Amazon, weil er da billiger war als bei Astroshop direkt. Muss man nicht verstehen. Der erste Eindruck: So viel Plastik! Mit zwei Kilo Gesamtgewicht wiegt der ja gar nichts!

Ich hatte mir nur den OTA geholt, also Tubus mit Optik. Im Karton waren:

  • Der Tubus mit Okularauszug und Rohrschelle aus Vollplastik, Staubkappen und fest montierter Taukappe
  • Ein 1,25″ Zenitspiegel, leider ohne Filtergewinde
  • Ein 25mm Bresser Plössl im Drehpack, ohne eigene Staubschutzkappen
  • Ein 6×30 Sucher mit vorderer Staubschutzkappe (hinten offen) und Plastik-Halter
  • Ein Handyhalter
  • Ein Folien-Sonnenfilter in Fassung
  • Eine winzige drehbare Sternkarte ohne Anleitung
  • Eine Kurzanleitung zum Teleskop und eine zum Filter
  • Ein “Downloadcode” für Stellarium.

Um das für das Erwartungsmanagement mal einzuordnen: Für 169,-€ bekomme ich aktuell auch ein Hyperion Okular und habe noch 5,-€ übrig. Das enthält etwa genauso viel Glas und Metall wie das Teleskop… Meine Erwartungen an den lichtstarken Achromat waren also nicht allzu hoch, wodurch er mich dann doch irgendwie positiv überrascht hat.

Fangen wir mal mit dem Sucher an: Um den Sucher zu montieren, muss man die Rohrschelle abmachen. Die Sucherbasis hat nämlich einen Anschlag, er kann also nur von vorne in seine Halterung geschoben werden. Umdrehen geht nicht, dann müsste man das Sucherfernrohr in der Halterung umdrehen, und das ist irgendwie nicht vorgesehen. Der Sucher wackelt natürlich wie ein Kuhschwanz, hat aber tatsächlich ein halbwegs ordentliches Einblickverhalten und sogar ein brauchbares Sichtfeld. Um ihn zu fokussieren, muss man den schwarzen Ring lösen und kann dann das Objektiv auf einem Gewinde drehen und so verschieben. Das wird leider nirgends erklärt. Auf dem Staubschutzdeckel klebt dafür ein großes Warnschild für die Sonnenbeobachtung. Am besten nimmt man den Sucher für die Sonne ab – was bei dem kurzen Tubus bedeutet, dass man die Rohrschelle öffnen muss. Die Sucherjustage geht aber, und er schwingt in die Ursprungsposition zurück. Zusammen mit dem großen Feld vom Okular ist das brauchbar. Da gibt es Sucher, die wesentlich weniger vom Himmel zeigen.

Die Sucherhalterung ist das komische schmale Format von Bresser/ES und mit nichts kompatibel. Für einen gängigen Leuchtpunktsucher muss man sie also ersetzen. Ich hatte noch eine Standard-Sucherbasis da, die mit zwei der vier Befestigungsschrauben kompatibel ist (zwei andere gingen nicht, die Löcher sind weit auseinander), sodass ich den Sucher gegen einen Leuchtpunktsucher getauscht habe. Spart nochmal etwas Gewicht und vor allem Volumen.

Der Okularauszug hat natürlich keine Untersetzung, dafür ein paar Grad(!) Spiel. Für visuell mit leichten 1,25″-Okularen geht das sogar ganz ordentlich; eine Kamera dranzuhängen und zu fokussieren wird schon sportlicher. Mit der relativ leichten MFT-Kamera Panasonic G70 geht es – aber als Leitrohr für die Fotografie wollte ich ihn nicht einsetzen, wenn neben der Kamera auch noch USB-Kabel dran ziehen und man was verwindungssteifes will. Bresser bietet den auch als Leitrohrset an, ohne justierbare Leitrohrschellen zur Festmontage… Jedenfalls kann man gut am Okularauszug wackeln und sieht die Bildverschiebung auch, wenn man das Auge auf die Augenmuschel legt.

Eigentlich hätte ich ja gerne 2″ und gerne einen T-2-Anschluss, aber der vorhandene Okularauszug wäre mit 2″-Zubehör definitiv überfordert, auch wenn das für ein Richfield-Gerät toll wäre. Ich habe hier noch einen TS Monorail-Okularauszug mit 86mm Anschlussflansch, der normalerweise am Vixen 80 Mf ist. Der wäre ideal und passt als Presspassung gerade so noch in den Tubus. Nur festschrauben geht nicht, die Bohrlöcher sind zwar im richtigen Winkel, aber zu nah am Objektiv – die Gewinde im Flansch sind zwar zu sehen, aber mit den Schrauben nicht zu erreichen. Macht aber nichts: Der Tubus ist ohnehin zu lang für einen 2″-Auszug, da komme ich nicht in den Fokus. Nicht einmal, wenn ich die Filterschublade entferne und ein Morpheus nehme, das mit 2″ tiefer in der Okularklemme verschwindet als üblich. Keine Chance. Abgesehen davon, dass das dann deutlich schwerer und hecklastiger wird. War einen Versuch wert:-(

So hätte ich das gerne: Mit 2″-Okularauszug. Kommt nur nicht in den Fokus.

Aber wirklich interessant ist ja, was das Teil kann. Meine schwere alte Saturn-Montierung mit der dualen Prismenklemme von PrimaLuce funktioniert nicht: Die Prismenschiene des Teleskops ist wohl nicht ganz Vixen-kompatibel und zu schmal, ich kann sie nicht festklemmen.

Also ab auf meine GP-DX und an der Sonne ausprobieren: Krass. Mein Gegengewicht vom ED80 ist zu schwer… zum Glück habe ich noch ein leichteres im Schrank.

Der Sonnenfilter wird ohne weitere Sicherung in die Taukappe gesteckt und liefert ein angenehm (falschfarbenes) gelbes Sonnenbild. Ganz hübsch. Interessant: Laut Anleitung muss er dunkel gelagert werden, damit er nicht altert, man soll nicht länger als drei Minuten am Stück beobachten und maximal das 20mm-Okular plus Barlowlinse verwenden, weil höhere Vergrößerungen systembedingt nicht gehen. Da hat Bresser ja Vertrauen in seinen Filter…

Das Beipack-Okular ist vom Einblickverhalten ziemlich mies und kann weg, obwohl Plössl-Okulare eigentlich ganz gut sind. Ich greife stattdessen zu einem alten 35mm und einem 20mm Eudiaskopischen Okular von Baader, einem 19mm TS Flatfield und einem 10mm Classic Ortho ebenfalls von Baader. Damit komme ich bis 50x und habe Sonne oder Mond bildfüllend.

Ach ja: Viel Verstellweg hat der Okularauszug auch nicht, der Backfokus ist knapp bemessen. Mit T-2-Prisma, etwas längerer Okularklemme und dem 35mm Eudiaskopischen Okular komme ich gerade so in den Fokus. Aber am Abend kommt der fast volle Mond raus, und bis ca. 50x macht die Optik mit besseren Okularen tatsächlich Spaß. Wesentlich höhere Vergrößerungen versuche ich aber gar nicht erst: Das 10mm Classic Ortho (50x) ist noch hübsch, auch wenn am Mond schon ein Farbsaum kommt; das 19mm TS mit 2,25x Barlow (60x) überzeugt nicht mehr. Die leichten 1,25″-Okulare unter 10mm haben einen unangenehm kurzen Augenabstand, und kurzbrennweitige Okulare mit angenehmem Einblick kosten deutlich mehr als das ganze Teleskop. Und selbst mit einem 6,5mm Morpheus wäre ich nur bei 76x.

Bresser 90/500 auf der Star Adventurer Montierung

Noch ein Versuch, weil das Teil so leicht ist: Er passt sogar ziemlich gut auf die alte Star Adventurer Nachführung mit Deklinations-Einheit. Schick. Könnte ein netter Reise-Setup sein. Nachteil: Das Star Adventurer Set hat eine Fotoschraube, um eine Kamera an der Deklinations-Einheit zu befestigen. Die Bresser-Prismenschiene hat unten kein Fotogewinde. Um den VarioFinder für Foto/EAA-Versuche am Star Adventurer zu nutzen, hatte ich eine Arca-Swiss-Klemme installiert. Da kann ich die Prismenschiene vom Bresser gerade so reinschieben, wie üblich reinkippen funktioniert nicht. An drei weiteren Arca-Swiss-Klemmen, die ich noch habe, passt die Schiene übrigens nicht, die öffnen sich nicht weit genug.

Am Abend ist klar und fast Vollmond, aber bis 50x macht das tatsächlich Spaß: Der Mond ist dann bildfüllend, und auf der Vixen Porta kann ich Teleskop und Montierung en bloc auf das Stativ setzen. Länger dauert der Aufbau eines Smartscopes auch nicht:-) Die Klemmschraube der Montierung ist dabei allerdings fast am Anschlag, die Prismenschiene hat eine Nut als Durchrutschsicherung, die ziemlich tief eingecshnitten ist. Aber es hält.

Ein bisschen Farbe kommt bei 50x ins Spiel, aber mit dem SemiApo-Filter wird das Bild noch etwas besser. Nachteil: 1,8 mm Austrittspupille am Mond sind immer noch ganz schön hell.

Viel Deep Sky geht bei Vollmond nicht, aber der Kleiderbügel Cr399 ist schon ganz hübsch anzuschauen. Was mir ebenfalls die Beobachtungsfreude versaut: Stechmücken. Konzentrier dich mal aufs Bild, wenn sofort ein Bssssss kommt.

Ebenfalls im Lieferumfang ist ein Handyhalter, dessen Sinn sich mir nicht ganz erschließt. Eventuell soll da Stellarium drauf laufen, um als Navi zu dienen? Das würde zumindest bei azimutalen Montierungen halbwegs Sinn ergeben; auf parallaktischen Montierungen hätte das Handy ja ständig seltsame Winkel. In der Dokumentation wird er nicht erwähnt. Aber für mich ist es praktisch: Ich hatte ja mal ein Celestron StarSense-Teleskop geplündert und mir eine zweite Handyhalterung mit einem Prisma gebastelt. Das Handy kann ich da so auch anschließen und habe dann ein wirklich tolles Push-To, das auch fasziniert. Aber dass Bresser da an Eigenbauten denkt, die auf Celestron-Technologien basieren, kann ich mir nicht vorstellen.

Fazit

You get what you pay for… Das 90/500 hinterlässt daher einen etwas zwiespältigen Eindruck. Die Optik ist gar nicht mal schlecht, wenn man sie für das verwendet, wofür sie gedacht ist: Als Richfielder für niedrige Vergrößerungen bis ca. 50x oder allenfalls auch mal 100x, die man mit günstigen 1,25″-Okularen auch erreichen kann, ohne dass Augenabstand und Einblick unbequem werden. Dann ist auch der Okularauszug nutzbar. Aufrüsten vom Okularauszug auf 2″ lohnt sich zumindest finanziell aber auch nicht, selbst wenn man einen passenden findet – der kostet mehr als das Teleskop und ist ohne größere Arbeiten nicht nutzbar. Andererseits wären 2″ für noch mehr Bildfeld wirklich toll; so zeigt er weniger Feld als mein ED80/600. Das bestätigt jedenfalls mal wieder, dass bei den günstigen Teleskopen die Mechanik das Problem ist.

Der Plastikanteil ist enorm, aber dafür hat man ein preiswertes Teleskop, das man ohne Gewissensbisse einpacken und zur Not auch auf einem guten Fotostativ betreiben kann (passender Adapter vorausgesetzt). Ein 4″-Newton zeigt auch nicht mehr (man darf den Fangspiegel nicht vergessen, der die Öffnung begrenzt) und muss justiert werden, auch wenn er dann höhere Vergrößerungen ermöglicht – mit entsprechenden Okularen.

Statt des optischen Suchers hätte ich für ein Reiseteleskop/Richfielder lieber gleich einen Leuchtpunktsucher gesehen, der Zenitspiegel ist okay und das Okular für die Tonne.

Die Prismenschiene ist so eine Sache für sich – kein echter Vixenstandard, aber auch kein Fotogewinde, um sie auf einem Videoneiger zu montieren.

Wer das Teleskop so nutzen will, wie es kommt – als preiswerten Richfielder – und evtl. noch eine passende Sucherbasis für einen bereits vorhandenen Leuchtpunktsucher rumliegen hat, erhält einen brauchbaren klassischen “Kometensucher” mit 1,25″-Anschluss. Als Grab-and-Go-Gerät auf einer ausreichend leichten und stabilen Montierung macht er Spaß. Wer Planeten oder Doppelsterne bei hoher Vergrößerung beobachten will, wird schon an der kurzen Brennweite scheitern, bevor der Farbfehler zuschlägt – dafür ist es nicht gemacht. Großartig Geld investieren lohnt sich aber wohl nicht. Bei mir wird er wohl die Ergänzung zum Schiefspiegler werden: Da schließt er die Lücke zwischen dem Leuchtpunktsucher und der Mindestvergrößerung von 50x, die das große Teleskop hat.

Die partielle Mondfinsternis vom 28. Oktober 2023

Es gibt so ein paar astronomische Ereignisse, die nimmt man nach ein paar Jahren im Hobby eher zur Kenntnis, anstatt sich groß darauf vorzubereiten. Partielle Mondfinsternisse sind so was: Eigentlich nicht besonders spektakulär (ein bisschen Mond ist halt angeknabbert), aber wenn es soweit ist, ist es dann doch immer wieder schön.

Die partielle Mondfinsternis vom 28. Oktober war dafür mal wieder ein schönes Beispiel. Für Baden-Württemberg war mehr oder weniger Wolken plus Regen angesagt, und für die Rheinebene gab es keine Ausnahme. Daher hatte ich außer dem gelegentlichen Blick vom Balkon aus nichts geplant. Von der Zeit her lag die Finsternis eigentlich optimal – Samstagabend von 20 Uhr bis 0:30 –, aber außer einem kleinen schwarzen Schatten am unteren Rand gegen 22:30 war eh nichts groß zu erwarten. Unspektakulär.

Aber ich hatte Glück, so etwa zur maximalen Phase lockerten die Wolken auf, und der angeknabberte Mond war zwischen den Wolken zu sehen, links von ihm der helle Jupiter. Also schnell ein Bild freihand mit Kamera (Panasonic G91) und Teleobjektiv (70-300): Ja, schaut sogar besser aus als mit bloßem Auge.

Die partielle Mondfinsternis freihand mit Teleobjektiv
Mondfinsternis mit dem Handy durch’s Spektiv

Die Wolkenlücke hielt sogar noch ein bisschen länger durch – Zeit genug, um das Fotostativ auf den Balkon zu stellen und das Spektiv draufzupacken. Durch die Wolken war das ganze zwar wie durch einen Weichzeichner (das Foto mit der Kamera darf man auch nicht zu groß anschauen), aber trotzdem nett.

Noch ein kurzes Souvenirbild mit dem Handy durch das Okular und ein paar Blicke auf den Mond, bevor der extrem warme Wind die nächsten Wolken und den ersten Regen bringt.

Viel mehr gibt’s auch nicht zu erzählen – war doch wieder ein schöner Anblick und nett, mal ganz ohne großen Aufwand einen Blick in die Sterne zu werfen und das Monatsereignis mitzukriegen.

Viel los auf der Sonne

Nur mal wieder ein Lebenszeichen: In den letzten, warmen Wochen gab es einige Chancen für einen Blick auf die Sonne. Unter anderem konnte ich die neue 4x Telezentrik (TZ4S) von Baader ausprobieren, auch an der Sonne im Weißlicht. Kombiniert mit der guten Sonnenaktivität kam das hier raus:

Das dürfte schon recht nah am Maximum dessen sein, was man aus einem kleinen ED80/600 rausholen kann. Mir gefällt es jedenfalls:-)

Reducer visuell eingesetzt

Ein Reducer am Teleskop ist eine feine Sache – für die Fotografie. Er reduziert die Brennweite und erhöht somit die Lichtstärke. Das hat zwei Vorteile: Auf einen gegebenen Sensor passt am selben Teleskop ein größerer Himmelsausschnitt, und die Belichtungszeit sinkt, weil das ganze Licht auf eine kleinere Fläche projiziert wird.

Aber die Technik hat Grenzen: Der Bildausschnitt, den ein Teleskop zeigt, wird spätestens durch die Linsenfassungen und die Steckhülsen begrenzt. Ein Reducer lohnt sich also in erster Linie, wenn man einen kleinen Kamerasensor hat. Bei einem großen Vollformatsensor werden die Bildränder rasch im Dunkeln liegen, und man hat nur noch einen Bildkreis.

Und wie ist das jetzt mit einem Okular? Die Frage taucht in den Foren immer wieder auf. Auch hier begrenzt die Steckhülse (und im Okular dann die Feldblende) das nutzbare Bildfeld. Solange die Feldblende deutlich kleiner ist als das Steckmaß, bringt ein Reducer einen Effekt – allerdings hat ein längerbrennweitiges Okular den selben Effekt, und in der Regel auch eine bessere Abbildung.

Wenn ich das Steckmaß ausreize, sieht das schon anders aus: Ein 32mm-Okular kann eine Feldblende von etwa 26mm haben – mehr ist kaum machbar, da die Steckhülse ein M28,5-Gewinde hat. Es passt also schlicht nicht mehr Feld in die Steckhülse. Ein Okular ist ja im Prinzip nichts anderes als eine Lupe, die das Bild in der Ebene der Feldblende vergrößert.

Ein Reducer verkleinert also das in der Steckhülse vorhandene Bild, ohne mehr zeigen zu können – und die rund 50° Eigengesichtsfeld eines Okulars werden kleiner, es gibt einen Tunnelblick.

Die Testokulare

Da das immer wieder bezweifelt wird, habe ich das einmal ausprobiert – mit einem 30mm Eudiaskopischen Okular von Baader, einem 32mm Classic Plössl Okular (beide von Baader Planetarium) und einem 25mm Silber-Plössl von Celestron.

Dazu kam ein billiger Einschraub-Reducer für das 1,25″ Filtergewinde, der unter den verschiedensten Markennamen erhältlich ist.

Die drei Okulare setzte ich an meinen ED80/600 und fotografierte mit dem Handy durch das Okular, um den Gesichtsfeldrand mit abzubilden und so zu dokumentieren, ob man mit Reducer mehr sieht. Die Helligkeitsunterschiede gehen dabei unter, weil das Handy natürlich im Automatik-Modus die Belichtungszeit anpasst.

Den Anfang macht das Classic Plössl – mit dem Reducer ist das reale Bildfeld sogar noch kleiner, was wohl an der Linsenfassung des Reducers liegt. Links jeweils ohne Reducer, rechts mit.

Nächstes Testbild: Das 30mm Eudiaskopische Okular.

Selbes Ergebnis, nur etwas schwerer zu fotografieren, daher der abgeschnittene Rand.

Und das 25mm Silber-Plössl?

Hier ist die Feldblende kleiner als die Steckhülse, und der Reducer zeigt tatsächlich einen größeren Bildausschnitt – aber auch nicht mehr als die langbrennweitigen Okulare. Dafür ist das Bild trüber.

Wie erwartet bringt ein Reducer visuell also nichts, was ein gutes Okular mit maximalem Feldlinsendurchmesser nicht auch kann. Übrigens gibt es ja auch 40mm-Okulare mit 1,25″ – die funktionieren ähnlich und zeigen den selben Ausschnitt wie ein 32mm-Okular, nur weniger stark vergrößert. Statt etwa 50° Bildfeld haben sie nur noch etwa 43° und den berühmten Tunnelblick, den auch der Reducer produziert. Wer wirklich mehr Feld will, muss zu 2″-Okularen greifen. Damit ist bei 32mm ein größeres wahres Feld am Himmel möglich, bei selber Vergrößerung.

November-Vollmond

Bei etwa 96,6% Beleuchtung konnte ich letzte Nacht auf den fast vollen Mond halten.

  • Celestron ED80/600
  • Baader 7,5nm Solar Continuum Filter & 2,25x Q-Barlow
  • QHY 163M

25% von 1000 Bildern, bearbeitet mit Autostackert und Registax.

Mit der Barlow passt er schön auf den Kamerasensor. Nur die Brennweite muss ich noch bestimmen. Und USB3 ist bei der Bildauflösung der QHY ganz schön ausgelastet, da geht die Framerate trotz 18ms ganz schön in den Keller.

Baader Solar Continuum Filter 7,5 nm

Manchmal lohnt es sich, Dingen nach vielen Jahren eine neue Chance zu geben. Panta rhei, wie es so schön heißt…

Der Solar Continuum Filter ist so ein unscheinbares Ding, das ich nach einem ersten schnellen Test vor 15 Jahren weitestgehend ignoriert hatte und das nun in der aktuellen Version mit Baader 7,5nm vollkommen überzeugt hat. Dies liegt sowohl an meiner Beobachtungserfahrung als auch an der Produktentwicklung und einem größeren Fuhrpark an Teleskopen, der mir jetzt zur Verfügung steht.

Um es gleich vorwegzunehmen: Wenn man ihn richtig einsetzt, hat er ein wahnsinniges Potential – nicht nur, um wie erwartet den Farbfehler von Achromaten zu beseitigen, sondern zu meiner großen Überraschung auch für die Sonnenfotografie selbst an farbreinen Teleskopen.

Hier ein Vergleichsbild am Zeiss AS 150/2250 Refraktor der Heilbronner Sternwarte, mit Baader Herschelkeil und integriertem ND3-Filter – links mit ND0,9-Filter (wie beim visuellen Einsatz), daneben mit dem Baader 7,5nm Solar Continuum. Kamera war jeweils eine monochrome ZWO ASI Mini. Unten jeweils ein Screenshot der Aufnahmeeinstellungen, darüber das gestackte Endergebnis.

Obwohl der Baader Solar Continuum eine längere Belichtungszeit benötigt, ist der Kontrastgewinn an dem Halbapo beeindruckend und hat zu weiteren Experimenten eingeladen. Unter jedem Bild ist ein Screenshot mit den Einstellungen bei der Aufnahme und dem Livebild.

Theorie – Wozu ein Baader 7.5 nm Solar Continuum Filter?

Erst einmal kurz zur Theorie: Man kann die Sonne entweder im Weißlicht bzw. Continuum beobachten (auch bekannt als Kontinuum, d. h. in allen Farben auf einmal, die von der Photosphäre – ihrer glühend heißen Oberfläche – abgestrahlt werden), oder in speziellen Spektrallinien (vor allem H-alpha bei 656,3nm und Kalzium bei 396,8 nm und 393,4nm).

Diese speziellen Spektrallinien fluoreszieren in der Chromosphäre der Sonne und leuchten daher weniger hell als die übrige Oberfläche der Sonne, sodass die Filter das Licht vorzugsweise nur exakt innerhalb der ausgewählten Emissionslinie durchlassen dürfen. Dies erfordert extrem engbandige Filter, die unverschämt teuer sind. Aus diesem Grund müssen insbesondere 656,3nm H-alpha-Filter extrem schmal sein, mit einem Transmissionsfenster von etwa 0,06nm oder 0,6 Angström (+/- 0,1 Ang).

Zum Vergleich die selbe Region der Sonne, die am 19. April auch dem Solar Continuum fotografiert wurde, durch meinen 0,6Å Baader SunDancer II H-alpha Filter, ebenfalls mit dem Vixen 80/910Mf. Das Bild wurde nachträglich eingefärbt.

Andererseits ermöglichen die breiteren 396,8 nm und 393,4 nm Calcium-Filter im Vergleich dazu die gleichzeitige Beobachtung beider Calcium-Linien und liefern einen ausgezeichneten Kontrast, auch wenn ihr Durchlassfenster wesentlich breiter ist als H-alpha. Für die Kalziumbeobachtung – nur mit einer Kamera! – ist jedoch ein fotografischer Weißlicht-Sonnenfilter (Astrosolar-Folie ND3.8, Herschelkeil oder spezielle Energieschutzfilter, wie sie in den Triband-SCsverwendet werden) vor dem eigentlichen, schmalbandigen Kalziumfilter erforderlich.

Noch engbandigere Kalziumfilter mit unter einem Angström Halbwertsbreite zeigen weitere Details im Kalziumlicht und verwenden im Grunde die gleiche Technik wie H-alpha-Filter. Beide Filter sind daher ähnlich teuer. Allerdings liegt die Kalziumlinie fast im UV, was zwei Nachteile hat: Sie ist bereits schädlich für das Auge, und selbst wenn die optische Berechnung des Teleskops diese Wellenlänge in ausreichender Qualität durchlassen würde, nehmen wir das Kalziumlicht mit unseren Augen kaum wahr. Die Kalzium-Sonne ist daher lediglich ein Ziel für die Fotografie.

Wenn wir uns die Kontinuumsstrahlunganschauen – also die Sonne im Weißlicht– , gehen diese speziellen Fraunhofer-Fluoreszenzlinien unter, da sie schwächer sind als die Strahlung der glühendheißen Sonnenoberfläche. Wir beobachten im Weißlicht also ausschließlich die Photosphäre. In einem Herschelkeil mit guten Neutraldichtefiltern zur zusätzlichen Helligkeitsdämpfung erscheint die Sonne daher rein weiß; manche Filter verleihen ihr eine bläuliche oder gelbliche Tönung – die aber rein durch den Filter verursacht wird.

Daher können wir uns bei der Sonnenbeobachtung im Weißlicht auch ohne Informationsverluste auf einen beliebigen Bereich des Sonnenspektrums beschränken. Der Baader Solar Continuum Filter hat in seiner Version von 2022 eine Halbwertsbreite von 7,5 nm (statt zuvor 10 nm). Das ist zwar viel breiter als die spezialisierten H-alpha- oder Kalzium-Filter, hat aber erstaunliche Effekte. Der Durchlass liegt bei 540nm und somit im grünen Teil des Spektrums. Damit zeigt er einen Ausschnitt des Sonnenkontinuums in dem Bereich, in dem die meisten Linsenteleskope das beste Bild liefern, ohne dass Strukturen verloren gehen – die Strukturen im Continuum sind in allen Wellenlängen des sichtbaren Spektrums vorhanden.

Erster Eindruck – visueller Einsatz: Bestes Bild am Achromat

Meine ersten, wenigen Beobachtungen machte ich vor gut 15 Jahren noch mit einem nicht gestackten 10nm Solar Continuum Filter (der ersten Generation, der 2006/2007 zum Lieferumfang meines Herschelkeils gehörte. Damals war ich vorwiegend visuell unterwegs und von dem Filter wenig beeindruckt: Ich testete ihn am Zeiss AS 150/2250 Refraktor der Sternwarte Heilbronn und an meinem Celestron ED80/600 – beides Teleskope, die ein sehr farbreines Bild liefern, wenn man nicht gerade die Wega im Spektroskop betrachtet. Der Effekt war eher dezent: Die knatschgrüne Sonne zeigte am Zeiss-Refraktor bei niedriger Vergrößerung (so 50-100x) etwas mehr Details, bei hoher Vergrößerung war der Unterschied zur Beobachtung mit einem ND-Filter kleiner. Am ED80 zeigte er dagegen bei hoher Vergrößerung über 100x etwas mehr Details. Immerhin: das Bild war besser als mit einem einfachen Grünfilter, aber solange ich visuell mit farbreinen Teleskopen unterwegs war, war mir ein einfacher Polfilter lieber, mit dem ich die Helligkeit durch Drehen des Okulars hinter dem Herschelkeil anpassen kann und weiterhin eine reinweiße Sonne sehe.

Visuell zeigt der Baader 7,5 nm Solar Continuum seine Stärken am besten am großen, schnellen Achromat.

Nun, die Zeiten ändern sich, man sammelt mehr Erfahrung und Ausrüstung, und im Frühjahr 2022 hielt ich dann die neueste Version des Baader Solar Continuum Filters in den Händen: mit geschwärzten Rändern, einer alterungsbeständiger, reflexfreier LifeCoat-Vergütung, besserem Kontrast und nur noch 7,5nm Halbwertsbreite.

Visuell erlebte ich keine Überraschung: Am 150/2250 Zeiss AS und am ED80/600 war der Effekt gering. Wesentlich effektiver war der Filter an den Achromaten, die seitdem dazu gekommen waren – ein 150/1200 Achromat, der von der ehemaligen Sternwarte Schriesheim nach Heilbronn gelangt war, und ein Vixen 80/910Mf in meiner eigenen Sammlung. Hier verschwand der Farbfehler erwartungsgemäß, und das Sonnenbild wurde deutlich kontrastreicher. Hier lohnt es sich tatsächlich, eine grüne Sonne zu beobachten, man kann deutlich höher gewinnbringend vergrößern. Soweit, so gut.

Der Wow-Effekt mit der monochromen Kamera

Anders als vor über 15 Jahren stehen mir nun auch einige Digitalkameras zur Verfügung. 2006 beschränkte sich meine Sonnenfotografie noch auf Einzelaufnahmen der gesamten Sonnenscheibe mit einer Nikon D50 DSLR. Um so verblüffter war ich von den Bildergebnissen des ersten Tests des Baader 7,5nm Solar Continuum Filters (erhältlich ab September 2022) am 150/2250 Zeiss AS mit Baader Herschelkeil und einer monochromen Kamera, die ich am Anfang dieses Berichts schon gezeigt hatte. Mit diesem großen Unterschied zwischen Graufilter und 7,5 nm Solar Continuum hätte ich nicht gerechnet, vor allem nicht an einem praktisch farbreinen Halb-Apo!

Ein paar Tage später hatte ich nach Ostern die nächste Chance. Diesmal kam mein kleiner Vixen 80/910Mf dran, den ich vor allem für H-alpha benutze. Dank f/11 ist er kein übler Farbwerfer, aber er zeigt doch schon etwas Farbe, wenn man höher vergrößert. Man merkt doch, dass Vixen hier keine japanische Optik verbaut hat.

Nun, zu einem günstigen Teleskop gehört ein günstiger Filter, also setzte ich zuerst den ASSF80 Filter Astrosolar-Folie ND5 in einer Fassung ohne Temperaturkompensation vor das Objektiv. Zusätzlich verwendete ich einen zweiten Graufilter mit ND1,8, um auf vergleichbare Belichtungszeiten zu kommen wie mit dem Baader 7,5 nm Solar Continuum.

Das Vorschaubild auf dem Laptop (diesmal mit SharpCap, mit dessen Kontrastbeurteilungsfunktion auch fokussiert wurde) war so lala, aber in den Daten steckte mehr: Die Bildbearbeitung mit Autostakkert und Registax lieferte ein ganz brauchbares, wenn auch überraschend streifiges Bild.

Nächstes Bild: Wieder mit Astrosolar-Folie, aber jetzt wurde der ND1,8 durch den 7,5nm Solar Continuum ersetzt: Die Vorschau war bereits deutlich schärfer und somit auch leichter zu fokussieren. Das Ergebnis wurde wieder durch Autostakkert und Registax gejagt und zeigt im Vergleich schon deutlich mehr:

Nach dem Test mit vergleichbaren Belichtungszeiten ist natürlich noch interessant, was mit kürzeren Belichtungszeiten geht. Dazu verwendete ich wieder den Vixen 80/910Mf mit Herschelkeil und ND3, ohne weitere Filter. Das Ergebnis war überraschend…Obwohl ich noch deutlich kürzer hätte belichten können, ist das Bild der ZWO ASI Mini unbrauchbar. Jede Menge Streifen. Da hilft auch Stacking und nachträgliches Einfärben nicht viel.

Vixen 80/910 Mf mit Herschelkeil und ND3, ohne weitere Filter

Also doch stärker filtern, damit die Kamera zufrieden ist? Soviel zu kurzen Belichtungszeiten…

Zum Abschluss also noch zwei Bilder, diesmal nicht mit Folie, sondern mit Herschelkeil, ND3 und ND0,9 bzw. 7,5nm Solar Continuum. Zuerst mit dem ND0,9, dann mit dem Baader 7,5nm Solar Continuum: 

Auch hier ist noch einmal ein deutlicher Kontrastgewinnzu sehen. Überraschend ist auch, wie gut die Astrosolar-Folie im Vergleich abschneidet – aber eine höhere Vergrößerung war bei dem Seeing nicht sinnvoll.

DSLR und Systemkameras – Die Sonne in Farbe

Was bleibt jetzt noch? Natürlich die ganze Sonne, mit einer Farbkamera. Ich griff zur Panasonic G91; der MFT-Sensor ist bei 910mm Brennweite groß genug. Da die Kamera nicht per PC gesteuert werden kann, musste über den Monitor fokussiert werden. Nicht ganz trivial im Sonnenschein…

Hier machte sich dann wieder bemerkbar, dass bei einer Farbkamera und einem Farbfilter nur ein Teil des Sensors genutzt wird; die roten und blauen Pixel liegen im Dunkeln. Daher sind die Unterschiede nicht so deutlich; dafür hat Autostakkert Probleme mit 24-Megapixel-Dateien, und die Wavelets von Registax waren praktisch ohne Effekt. Stattdessen habe ich das gestackte Bild dann in Luminar bearbeitet, mit Schärfen und Detailverbesserung.

Einmal ND3 und ND09 am Herschelkeil: Es gibt einige Stacking-Artefakte, aber sonst nicht wesentlich schlechter als im Anschluss mit ND3 und Solar Continuum Filter.

Fazit

Mein Fazit des Tests ist zweigeteilt. Zuerst einmal der visuelle Einsatz:

Für Benutzer von Achromatenlohnt sich der Filter eindeutig, da die Teleskope dann endlich auch an der Sonne scharfe Bilder bei höherer Vergrößerung zeigen.

An hochwertigen, farbreinen Apochromatenist der Effekt subtiler. Am Apo lohnt sich der Baader 7,5nm Solar Continuum Filter (540nm) wohl vor allem, wenn man wirklich auf feine Details bei hoher Vergrößerung aus ist und nicht nur gelegentlich beobachtet. Am Herschelkeil ist mir ein einfacher Polfilter zur Lichtdämpfung bei gleichzeitig weißem Sonnenbild lieber.

Fotografischsieht es ganz anders aus. Wer ernsthaft die Sonne fotografiert und eine Schwarzweiß-Kamera verwendet, wird enorm von dem Baader Solar Continuum Filter profitieren, auch am Apochromat. An Spiegelteleskopen dürfte der Effekt ähnlich beeindruckend sein.

Wer dagegen nur mit einer Farb-DSLRdie gesamte Sonne fotografiert und ggf. auch ohne Stacking arbeitet, wird weniger von dem Filter profitieren, da nur die Hälfte der Pixel genutzt wird. Hier ist der Kontrastgewinn ähnlich dem visuellen Eindruck und hängt davon ab, wie stark der Farbfehler des Teleskops ist.

Nachtrag

Seit dem Test ist einige Zeit vergangen, und ich habe mir noch eine neue Kamera geleistet: Eine monochrome, gekühlte Astro-Kamera, die QHY 163M. Mit der konnte ich zwar noch nicht auf die Weißlicht-Sonne halten, habe aber auch einmal den Mond mit SolarContinuum-Filter, ED80/600 und 2,25x Q-Barlow anvisiert. Nicht ganz schlecht für den ersten Schuss: