Sensorabstand bei der Digiskopie

Ich beschäftige mich ja schon einige Zeit mit der Digiskopie, also der Fotografie durch’s Okular. Mit dem Handy ist das mittlerweile unglaublich einfach geworden, und mit der Spiegelreflex ist so eine hohe „Vergrößerung“ möglich – auch wenn in der Fotografie besser vom Bildmaßstab gesprochen werden sollte, die Vergrößerung hängt ja letztlich vom Bildschirm, Ausdruck oder Foto-Abzug ab. Dabei gilt: Je weiter ein Sensor vom Okular weg ist, desto höher ist die Vergrößerung bzw. desto kleiner ist der Bildausschnitt.

Die Äquivalenzbrennweite – also die Brennweite, die man einer alten Kleinbildkamera für den selben Bildausschnitt benötigt – berechnet sich wie folgt:

fÄquivalent = fObj × ((a/fOku)-1)

Das bezieht sich heute auf DSLRs mit Vollformat; bei APS-C-Kameras kommt für Vergleiche ggf. noch der Cropfaktor dazu: Die physikalische Brennweite eines Objektivs bleibt natürlich unverändert, aber da der Sensor kleiner ist, zeigt das Bild den selben Bildausschnitt wie eine Vollformat-Kamera mit der 1,5-fachen Brennweite (bzw. 1,6 bei Canon).

Der Vorteil des kleineren Sensors ist natürlich, dass er besser ausgeleuchtet wird – die T2-Adapter können den großen Vollformat-Sensor etwas abschatten. Außerdem werden durch den kleineren Sensor Abbildungsfehler der Optik am Bildrand abgeschnitten und stören nicht. Man bekommt sie aber auch weg, indem man den Abstand Okular-Kamera vergrößert.

Klingt zu kompliziert? Ist in der Praxis aber ganz einfach.

Einige Spektive bzw. deren Okulare haben ein Gewinde, sodass ein T-Ring (T2-Adapter) angeschraubt werden kann. Die T-Adapter haben wiederum ein Kamerabayonett und stellen einen Abstand von 55mm vom Auflagemaß zum Kamerasensor bereit. Früher gab es Objektive mit T-Anschluss, so war sicher gestellt, dass man an jeder Kamera ein scharfes Bild kriegt.

DSLR direkt am Trailseeker 65, zusätzlicher Abstand 0mm

DSLR direkt am Trailseeker 65, zusätzlicher Abstand 0mm

Ich habe mir mal den Spaß gemacht, meine Nikon D7100 (APS-C-Sensor) an ein Celestron TrailSeeker 65 Spektiv anzuschließen. Wenn man die Kamera nun mit dem T-Ring direkt an das Okular schraubt, sieht das so aus wie im Bild unten.

Die Kamera sieht dann ein Bild, das nicht ganz so überzeugend ist: Die Ecken sind unscharf, werden nicht ganz ausgeleuchtet und sind verzerrt. Kein Wunder, schließlich soll das Okular ja eigentlich auf unserer gewölbten, kleinen Netzhaut im Auge ein scharfes Bild abgeben und nicht auf einem großen, ebenen Kamerasensor.

APS-C-Kamera über T2 direkt am Okular angeschlossen.

APS-C-Kamera über T2 direkt am Okular angeschlossen.

An einer Vollformatkamera fällt das natürlich noch mehr auf. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man erhöht die Vergrößerung, indem man den Kameraabstand erhöht, oder man macht am PC einen Bildausschnitt.

Kameraanschluss mit Baader TQC Schnellwechsler, Baulänge 16mm

Kameraanschluss mit Baader TQC Schnellwechsler, Baulänge 16mm

Ein größerer Kameraabstand ist dabei natürlich wünschenswert, weil man weiterhin den ganzen Sensor der Kamera ausnutzen kann. Aus Kleinbild-Zeiten (Vollformat) gibt es den Tipp, eine 40mm-Verlängerungshülse zu nutzen. Was braucht man an APS-C?

Ich habe mal mit dem Baader TQC Schnellwechsler angefangen. Der ein oder andere hat so einen Schnellwechsler vielleicht vom Bino-Ansatz des Teleskops ohnehin da. Er hat eine Baulänge von 16mm und den großen Vorteil, dass man die Kamera ausrichten kann, wenn sich das Okular beim Zoomen mitdreht oder die Kamera sonst schief am Spektiv hängt.

Sieht doch gleich viel besser aus:

16mm zusätzlicher Abstand dank TQC-Schnellwechsler

16mm zusätzlicher Abstand dank TQC-Schnellwechsler

Die Ecken sind – vor allem rechts – schon fast so gut wie in der Bildmitte. Links ist es etwas verwaschen, aber das dürfte an der Luftunruhe liegen – auch beim Blick durch das Okular hat das Bild ganz gut gewabert, aber ich hatte keine Lust, für diese Tests auf perfekte Bedingungen zu warten. Das Ergebnis ist auch so zu erkennen. Alle Bilder sind übrigens mit den selben Kameraeinstellungen im manuellen Modus gemacht und unbearbeitet.

Mehr Vergrößerung mit ein (oder zwei) 15mm-Verlängerungen

Mehr Vergrößerung mit ein (oder zwei) 15mm-Verlängerungen

Der nächste Schritt: Mehr Abstand mit zusätzlichen 15mm-Verlängeurngshülsen zum Schnellwechsler. Mit einer Hülse bin ich bei 31mm und mit zwei schon bei 46mm. Die 7,5mm-Hülse hatte ich nicht zur Hand.

Das Ergebnis: 31mm sind auf jeden Fall randscharf, 46mm auch, aber das Bild ist schon ziemlich dunkel (Das Spektiv hat bei der kleinsten Vergrößerung von 16x eine Austrittspupille von 4mm).

31mm Abstand mit TQC und 15mm-Hülse

31mm Abstand mit TQC und 15mm-Hülse

46 mm Abstand mit Schnellwechsler und zwei 15mm-Hülsen

46 mm Abstand mit Schnellwechsler und zwei 15mm-Hülsen

Mein Favorit ist dabei eindeutig die Kombination 15mm-Ring plus Schnellwechsler, wobei der Schnellwechsler alleine auch schon ausreicht, wenn es nicht auf absolute Perfektion ankommt – also auch, wenn nicht alles im Bild gleich weit entfernt ist wie die Dachziegel, sondern ein Vogel irgendwo im Geäst sitzt und ich lieber mehr Bildfeld will.

Der Klassiker: 40mm Abstand mit einer einzelnen Verlängeurngshülse

Der Klassiker: 40mm Abstand mit einer einzelnen Verlängerungshülse

Und wie schaut es mit der klassischen Kombination aus, also nur der 40mm-Hülse? Klar – hohe Vergrößerung und ähnliches Bildfeld wie mit der 46mm-Kombination, also an APS-C perfekt.

Mangels Vollformat-Kamera kann ich das nicht an Vollformat testen… Egal, hier das Bild an APS-C. Wie erwartet ist es scharf bis zum Rand, aber auch sehr stark vergrößert. Mit dem großen Abstand der Kamera vom Spektiv muss man das auch erst einmal stabil montiert bekommen, und die Bildhelligkeit (Öffnungsverhältnis) ist recht gering.

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40mm Abstand mit einer einzelnen Verlängerungshülse

Und das ganze zusätzlich mit dem T2-Schnellwechsler:

56mm Abstand mit einer einzelnen Verlängerungshülse und Schnellwechsler

56mm Abstand mit einer einzelnen Verlängerungshülse und dem Schnellwechsler

Mein Fazit:

Für Vollformat würde ich wie gehabt zu einer 40mm-Verlängerungshülse oder zu 2x15mm plus Schnellwechsler raten.

Für APS-C fährt man mit ca. 30mm Abstand ganz gut – z.B. mit 1x15mm Verlängerungshülse + Schnellwechsler

Aus dem Bauch heraus sollte der Schnellwechsler alleiner (oder eine 15mm-Verlängerung) für Micro 4/3 gut ausreichen.

Hands-on: Universe2Go

Zugegeben: Ich bin eigentlich kein Freund von 3D. (Auch wenn man mir das vielleicht nicht glaubt, nachdem ich das Spacewalker 3D-Fernglas mittlerweile gekauft habe, das mir Astroshop zum Testen gegeben hatte.) Im Kino lohnt sich der Aufschlag für die 3D-Brille nicht, nur um ein paar Effekte zu sehen, die einfach nur 3D! brüllen. Und Virtual Reality? Wir haben einen wunderbaren Planeten, der so viel in Echt zu bieten hat. Und dann kommt Astroshop mit dem Universe2go, bei dem ich mich nie überwinden konnte, mich mit dem Plastikkästchen näher zu beschäftigen. Auf der Heilbronner Sternwarte hatten wir auch schon Anfragen, ob wir das Gerät nicht vertreiben wollten, aber da fehlt uns die Fläche für. Es wird ja kräftig beworben, aber was steckt eigentlich dahinter? Naja, ich habe genug offene Baustellen.

Das Universum im Pappkarton

Das Universum im Pappkarton

Und dann kam die Anfrage, ob ich nicht was bloggen wollte – also mein Gegenangebot: Ich schreibe eine Rezension für unsere Vereinszeitung, mache noch einen Blogpost für mehr Reichweite daraus, und das Gerät geht dann an die Sternwarte. Deal. Dann habe ich doch mal einen Grund, mir das Teil näher anzuschauen:-)

Das Päckchen kam dann kurz vor dem Mallorca-Urlaub, inmitten des Chaos, wenn man sich mal für ein, zwei Wochen abseilen will und nebenher noch an einem Buch arbeitet. Aber trotz allem Alltagsstress: Etwas Neugierde war doch da, als mich das Päckchen erreichte.

Es enthält einen weißen Pappkarton, der ein wenig an die Apple-Verpackungen erinnert: Man hat das Gefühl, etwas edles in der Hand zu halten, auch wenn der Karton dünner ist. Aber es geht ja nicht um die Verpackung, sondern um den Inhalt. In dem Karton steckt: Ein Plastik-Kästchen im Stoffbeutel, Gurt und einer ausführlichen Anleitung – auch auf Deutsch. Die VR-Brille wird als Sternenbrille bezeichnet – klingt schon mal schön.

Der Lieferumfang des Universe2go

Der Lieferumfang des Universe2go

Vor dem Einsatz steht erst einmal ein Besuch im App-Store an: Man benötigt die über 300 MB große, gleichnamige App, die in in mehreren Sprachen zur Verfügung steht. Sie lässt sich eingeschränkt auch alleine nutzen, damit sie ihr Potential entfaltet, braucht es aber die Sternenbrille und den Code, der in den Karton geklebt ist. Mittlerweile gab es ein paar Updates (ich habe das Gerät ja schon seit August bei mir), die Software wird also weiterhin gepflegt – fein! Es ist nur schade, dass der Code nicht in das Gerät geklebt werden kann.

Die App lässt sich kostenlos herunterladen und als normale Sternkarten-App wie viele andere auch benutzen. So weit, so unspektakulär; in Kombination mit dem Code im Karton und der Sternenbrille wird das ganze interessanter, um nicht zu sagen: Einzigartig.

Wenn der Download abgeschlossen ist, muss das Handy (maximal 147x74x11mm) in das Passepartout eingepasst werden: Wenn man den Deckel aufklappt, kann es mit Schaumgummi positioniert werden; das Schaumgummi-Passepartout ist vorgestanzt und kann auch nachgekauft werden, wenn ein anderes Smartphone kommt. Wenn alles passt, heißt es, die Lautstärke hochzudrehen (oder Bluetooth-Kopfhörer benutzen), das Smartphone mit dem Display nach unten einlegen und den Deckel zu schließen.

Smartphone (hier: iPhone 5S) im Universe2go

Smartphone (hier: iPhone 5S) im Universe2go

Vor dem ersten Einsatz muss die Software kalibriert werden – also Kompass und Bilddarstellung justieren, was mit Neigen und Drehen des Geräts erreicht wird. Nach kurzer Zeit ist die Software einsatzbereit, und man kann den Himmel erkunden.

Den ersten Test habe ich in Mallorca gemacht, im Urlaub mit einigen RMSlern. Der erste Eindruck: Chic! Man sieht den Sternenhimmel in echt (der über dem Inland von Mallorca schon mal deutlich besser ist als über der Heilbronner Innenstadt), und überlagert sind die Sternbildlinien und Objekte, die die Software kennt. Ein Objekt angepeilt, und Infos dazu erscheinen. Cool. Die Sternenbrille macht die Runde, M 31 wird angepeilt, dann der Kleiderbügel: Das Gerät erkennt alles. Und dann legt es von selber los: „Nun, da Sie die ersten Schritte mit dem Universe2go gemacht haben, wird es Zeit…“

Eigentlich ist es ja nett: Die Software stellt die Funktionen des Geräts vor und macht eine Tour durch die Optionen, nur sind wir mehr daran interessiert, die Grenzen der Leistungsfähigkeit auszuloten. Der Blick ins Handbuch einige Zeit später zeigt dann, was uns der geflissentlich ignorierte Sprecher erzählt hat: Es gibt verschiedene Modi, die aufgerufen werden, indem man nach unten (unter den Horizont) blickt und das Gerät dann nach rechts oder links neigt. Die Steuerung ist gewöhnungsbedürftig, aber man hat den dreh rasch raus.

Zu den Modi gehören der Anfänger-Modus, der nur Sterne und Sternbilder einblendet sowie Infos zu den Sternbildern gibt. Im Entdecker-Modus gibt es zusätzlich Infos zu den Sternen, wenn man sie etwas länger anpeilt. Der Mythologie-Modus gibt einen kurzen, gesprochenen Überblick zu den griechischen Sternsagen. Der Deep-Sky-Modus ergänzt die für das bloße Auge unsichtbaren Deep-Sky-Objekte, und im 3D-Modus wird versucht, dem ganzen einen Eindruck räumlicher Tiefe zu geben. Ein Quiz und eine Suchfunktion runden das Ganze ab.

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Danke an Astroshop für das Rezensionsexemplar!

Für einen langjährigen Beobachter verfliegt der Reiz des Neuen natürlich recht bald, aber die sind ja auch nicht die Zielgruppe. Trotzdem es ist eine coole Sache, die Infos als „Head-Up-Display“ über den realen Himmel eingeblendet zu bekommen – deutlich anschaulicher als mit den „einfachen“ Planetariumsprogrammen für das Smartphone, die „nur“ den aktuellen Himmelsanblick auf dem Display anzeigen. Ich muss mal sehen, ob sich auch Ekliptik & Co einblenden lassen…

Für Einsteiger dagegen ist es eine wirklich nette Sache: Die normalen Planetariumsprogramme auf dem Handy, die den jeweils aktuellen Himmelsausschnitt zeigen, sind ja schon cool, aber mit diesem Gerät taucht man nochmal mehr in den Himmel ein. Die Brille ist natürlich sperriger als einfach nur das Handy vor sich zu halten, aber in Kombination mit der Software macht sie Spaß. Und wer über den hohen Preis für die Brille jammern will, wo er sowas auch selbst drucken könnte: Da steckt natürlich auch die Software drin, und allein die Texte zusammenzustellen und sprechen zu lassen frisst einiges an Zeit.

Ein bisschen skeptisch bin ich bei dem Gerät natürlich schon – schließlich macht es genau das, was ich bei Führungen auf der Sternwarte mache: Bei klarem Himmel die Sterne erklären. Aber immerhin sind unsere Führungen noch billiger als die digitale Konkurrenz. Für Einsteiger ist es jedenfalls eine faszinierende Art, um den Himmel zu erkunden – und um die Sterne näher zu sehen, macht es hoffentlich Lust für den Besuch auf einer Sternwarte.

Cooles Teil.

Das Weltall in 3D mit dem Space Walker 3D Fernglas

Erfahrene Sternfreunde sehen in Teleskopen keine Sterne, sondern Optikfehler. Das klingt zynisch, ist aber so – ich habe es selbst schon einmal erlebt, dass bei einer Saturnbeobachtung alle vom Anblick begeistert waren, während ich als erstes den Muschelbruch vom Okular bemerkt hatte. Und dann kommt ein Laden Namens 3D Astronomy und klebt Glasplättchen ins Okular, um ein dreidimensionales Bild zu erzeugen. Dabei weiß doch jeder, dass sich so wenig wie möglich im Strahlengang befinden soll.

Kein Wunder also, dass ich auf dieses Lederman Optical Array neugierig geworden bin, das zuerst in den 21mm 3D-Okulare (Astroshop) und jetzt in einem 3D Astro 8×42 Fernglas verbaut wurde. Erfunden hat das ganze Russ Lederman von Denkmeier Optical (auf Astronomyconnect gibt es ein Interview mit ihm dazu). Der Trick ist, dass ein Okular im Prinzip ein kontrolliertes Doppelbild erzeugt, bzw. einen Teil des Bilds versetzt. Angeblich musste er dazu auf ein neues Okulardesign zurückgreifen, damit es funktioniert.

Neumodisches Teufelszeug… Kann das funktionieren? Zum Glück habe ich nicht nur zwei Bücher über Astronomie mit dem Fernglas geschrieben, sondern kenne auch die richtigen Leute – als mir Stefan, den ich noch aus Heidelberg kenne und jetzt beim Astroshop ist, daher das Fernglas zum Testen anbot, habe ich natürlich sofort zugegriffen. Leider kam es erst an, nachdem ich schon nach Mallorca gestartet war, aber zurück in Deutschland war das Wetter gnädig: Ein paar Tage klarer Himmel bei abnehmendem Mond waren ideal, um dem 3D-Versprechen nachzugehen. Dazu muss ich sagen, dass ich im Kino die klassischen 2D-Filme bevorzuge, da bringt mir der 3D-Hype nichts. Mal sehen, wie’s im Universum ausschaut – Avatar war ja auch einer der wenigen Filme, die von 3D profitiert haben.

Der Lieferumfang des Space Walker 8x42

Der Lieferumfang des Space Walker 8×42

Auf den ersten Blick ist das Space Walker Fernglas hochwertig, aber unauffällig: Ein ordentliches 8×42 Dachkantfernglas. Zum Lieferumfang gehören zwei geflügelte Augenmuscheln, der übliche Regenschutz für die Okulare (dieser Doppel-Deckel, den man Tragegurt befestigen kann), zwei Objektivdeckel, die am Tubus befestigt sind, und eine etwas hochwertigere Tasche. Dazu noch Tragegurt und das allgegenwärtige Putztuch, sowie zwei Bedienungsanleitungen (eine für ein normales Fernglas, und eine für die 3D-Besonderheiten).

Die technischen Daten sind nicht schlecht:

  • 8×42 Dachkantfernglas
  • Phasenkorrigiert FMC-Vergütung (Fully Multi Coated)
  • Dielektrische Prismenvergütung
  • BaK4-Prismen
  • 60° Eigenbildfeld
  • 188 Fuß auf 1000 Yards, also in ordentlichen Einheiten ein Bildfeld von etwa 172m auf 1000m oder etwa 9,8°, wenn ich mich nicht verrechnet habe
  • Gummiarmiert
  • Wasserdicht
  • verstellbare Augenmuscheln (und somit Brillenträgertauglich)
  • geflügelte Augenmuscheln als Streulichtschutz
  • Dazu kommen Tragetasche und Trageriemen
Der Quell des 3D: Plättchen in einem Okular

Der Quell des 3D: Plättchen in einem Okular

Also ein gutes, handliches Dachkantfernglas. Nichts liegt näher, als das mit einem ähnlichen Glas zu vergleichen; das Celestron TrailSeeker 8×42 war da ganz gut geeignet. Mit knapp 300 Euro Listenpreis ist es ein gutes Stück günstiger als das Space Walker 3D Bino, aber natürlich auch ohne 3D; ohne 3D dürften beide in der selben Liga spielen.

Der erste Blick ist so ernüchternd wie erwartet: Bei Tag ist das Bild mäßig; die drei Glasplättchen sind deutlich zu sehen. Das Bild ist zwar deutlich plastischer, aber dafür erscheinen Bereiche gegeneinander verschoben zu sein. Es sieht nach Doppelbildern aus, auch wenn irgendwie doch kein Versatz zu erkennen ist und das Fernglas auch keine Kopfschmerzen verursacht. Ein ganz seltsamer Effekt, aber wie erwartet: Irgendwelche Sprünge im Lichtweg sind Blödsinn. Aber fairerweise: Das Fernglas ist ja als Nachtglas gedacht und nicht für den Einsatz am Tag. Mittlerweile weiß ich auch, an was mich das irgendwie erinnert: Ein Kaleidoskop:-)

Bis es dunkel wird, gibt es also noch genug Zeit, um einen Blick in die beiden Bedienungsanleitungen zu werfen. Die erste ist der typische mehrsprachige Waschzettel aus China, der die Handhabung von Ferngläsern ganz allgemein beschreibt. Der zweite beschreibt die Eigenheiten des LOA: Es macht am meisten Spaß bei dunklem Himmel, wenn die Glaskanten nicht mehr zu sehen sind. Okay, das ist bei Tag natürlich nicht gegeben.

Als es endlich dunkel geworden ist (immerhin haben wir noch August, aber im Gegensatz zum Norden Deutschlands gibt’s hier im Süden wenigstens noch etwas Nacht), gehe ich mit dem Fernglas für einen kurzen Test raus auf den Acker. Um mit den Nachteilen anzufangen: Der Tragegurt der Tasche langt nur, um sie mir um den Hals zu hängen, aber nicht als Schultergurt. Da es ein Leihgerät ist, will ich den Umhängegurt nicht am Fernglas befestigen. Zweiter Nachteil: Es hat (genau wie das TrailSeeker) eine geschlossene Brücke und ist daher nicht ganz so griffig wie ein Fernglas mit offener Brücke, bei dem man die einzelnen Tuben mit der Hand umfassen kann.

Aber genug gelästert, jetzt wird mal durchgeschaut. Zu den Bedingungen: Die Milchstraße ist im Zenit schwach, aber eindeutig zu erkennen, der Himmel ist also nicht ganz schlecht. Der erste Blick in den Himmel:

Wow.

Das funktioniert wirklich. Die Sterne scheinen tatsächlich unterschiedlich weit entfernt zu sein. Ein Schwenk durch die Milchstraße und Richtung Schütze: Hammer! Die offenen Sternhaufen treten deutlicher hervor, obwohl der 3D-Effekt natürlich willkürlich ist und nichts mit den realen Abständen zu tun hat. Reine Show, aber eine verdammt gute. Blick Richtung Osten, zur Andromeda: M31 hängt als deutlicher Nebelfleck zwischen den Sternen. Leider nicht dahinter, aber der Anblick ist trotzdem beeindruckend.

Viel mehr Zeit bleibt an diesem Abend nicht (morgen früh klingelt der Wecker), aber der erste Eindruck war Wahnsinn.

Ein normales 8x42 TrailSeeker-Fernglas und das 8x42 Space Walker 3D

Ein normales 8×42 TrailSeeker-Fernglas und das 8×42 Space Walker 3D

Die nächste Nacht: Jetzt geht’s mit Auto, Stativ und zusätzlich dem TrailSeeker raus auf den Acker. Die erste Erkenntnis: Verfluchte Dachkantferngläser. Ich habe zwar einen schön stabilen Stativadapter, aber der passt an keines der beiden Ferngläser, weil er zu breit ist. Also muss doch mein Auto als Stütze herhalten. Beide Ferngläser sind sehr klein und kompakt, daher ist es nicht so einfach, sie freihändig zu halten.

Mein erster Gedanke war eigentlich, dass ich mir das Fernglas als 7×50-Porro wünschen würde, aber die Wahl der Daten macht schon Sinn: Der 3D-Effekt wirkt bei dunklem Himmel und etwas Bewegung am besten, da wäre ein ruhig zu haltendes Fernglas wohl kontraproduktiv. Außerdem hat ein 8×42 nur eine Austrittspupille von etwa 5mm, also ein relativ dunkles Bild – was gleichzeitig bedeutet, dass der Himmelshintergrund dunkler wird, ohne dass man gleichzeitig weniger punktförmige Sterne sieht. Und als „Spaß-Glas“ ist Transportabilität wichtiger – auch wenn ein Porro preiswerter wäre. Passt also letztlich schon.

Der Überraschungseffekt der ersten Nacht ist nun natürlich verflogen, aber es macht immer noch Spaß. Das TrailSeeker zeigt am Himmel nicht weniger, aber das Bild ist nun mal flach und im direkten Vergleich langweilig. Also mal die Milchstraße abklappern. Schütze: Viele kleine Sternhaufen, sehr nett. So auffällig sind sie im normalen Fernglas nicht. M31: Chic wie beim ersten Mal. Der Ringnebel: Vielleicht zu erahnen, es sind halt nur 42mm Öffnung. Der Kleiderbügel: Nice. h und Chi Persei: Zwei Sternklumpen vor der Milchstraße. Melotte 20 im Perseus: Umwerfend, der erschlägt einen beinahe. (Wer übrigens Beobachtungsziele fürs Fernglas sucht, wird hier fündig.)

Dann mal der direkte Vergleich mit dem TrailSeeker an Mizar und Alkor: Beide zeigen Mizar, Alkor und den 7,5m Feldstern problemlos, bei den Sternchen 9. Größe ein Stück weiter links zeigen sich langsam Unterschiede: Im TrailSeeker sind sie noch gut zu erkennen, im Space Walker sind sie noch gut zu erahnen. Das TrailSeeker hat also ein etwas helleres Bild.

Aber für echtes Arbeiten (Veränderliche Sterne schätzen oder so) würde ich ohnehin zu einem normalen Großfernglas greifen, bei dem es auch keinen leichten Versatz zwischen den Flächen gibt. Wenn man kritisch ist, lässt sich auch ein Helligkeitsabfall zu Rand erkennen. Aber man beobachtet ja doch in erster Linie in der Bildmitte.

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Fazit der zweiten Nacht: Der 3D-Effekt begeistert mich immer noch; das Fernglas löst tatsächlich einen gewissen Haben-Will-Reflex aus. Hätte ich so nicht erwartet.

Und noch eine Nacht: Letztes Wochenende hatte ich es auf der Sternwarte Heilbronn dabei, man will ja interessantes Spielzeug auch mal zeigen. Dummerweise war es etwas diesig, und der gute Stadthimmel setzt den 42mm Öffnung natürlich Grenzen. Trotzdem hat es sich gegen ein zwanzig Jahre altes 7×50 Porro von Photo Porst ganz gut geschlagen und sogar ein paar Sterne mehr gezeigt. Aber es waren nur selten so viele Sterne im Bild, dass der 3D-Effekt zum tragen kam. An der beleuchteten Kilianskirche am Horizont nach Sonnenuntergang war der 3D-Effekt aber auch schon zu erkennen, und das LOA fiel nicht so sehr auf. Sehr interessant war, wie unterschiedlich verschiedene Beobachter darauf reagierten: Mal war es einfacher zu halten als das größere 7×50 Porro, ein einziger Beobachter sah verschiedene Schärfebereiche, andere konnten den 3D-Effekt bestätigen oder sahen ein besseres Bild als 7×50 Porro. Wieder ein anderer konnte den 3D-Effekt nicht nachvollziehen und hat die Bildfehler deutlich störender empfunden.

Fünf Leute, sechs Meinungen…

Es ist also gewiss kein Glas für alle, aber mir macht der Effekt einfach nur Spaß – aber es setzt definitiv einen guten, dunklen Himmel voraus, an dem auch ein normales 42mm-Fernglas Spaß macht.

Da denkt man, man hat alles schon mal gesehen, was mit 42mm Öffnung geht, und dann hat man auf einmal wieder Lust, auch in Deutschland raus auf den Acker zu gehen. Was jetzt noch fehlt ist ein Test am Nachthimmel mit Mond – aber da muss ich noch warten, bis er wieder am Abendhimmel zu sehen ist. Bis dahin ist meine Motivation eher gering, das Fernglas wieder herzugeben…

 

Vorbereitungen für SoFi und Merkurtransit

Kamera mit Sonnenfilter

Kamera mit 500er Tele und Baader ASSF-Sonnenfilter

Noch zwei Tage bis zum Merkurtransit, und – zum Glück – über ein Jahr bis zur Sonnenfinsternis in den USA 2017. Ich glaube, die Vorbereitungszeit brauche ich auch…

Vor einer Woche hätte ich gesagt, dass ich das Equipment zusammen habe. Der Sonnenfilter passt, und sogar mit dem Solar Eclipse Maestro blicke ich langsam durch – sehr coole Sache: Die Software errechnet aus den GPS-Koordinaten vom Standort, wann welche Phase einer SoFi ist, und mit etwas Glück arbeitet die Kamera dann die ganze zeit von selber das Programm ab. Erste Trockentests zeigen, dass die Steuerung mit meiner D7100 funktioniert. Und in der Praxis? 500mm an APS-C sind schon recht anspruchsvoll, um das Sonnenbild zu finden – ich brauche noch einen Sonnensucher. Da werde ich wohl die neue Version vom Baader SkySurfer III draufsetzen. Prinzipiell geht’s auch ohne, aber das muss ich mir nicht antun.

Improvisierte Scheinerblende

Improvisierte Scheinerblende

Fokussieren ist das nächste Problem… im Prinzip geht das mit dem manuellen 500mm f/6,3 Objektiv (Bower steht drauf, Power^Up war beim Versand als Marke angegeben, Walimex hat’s auch, und bauen tut’s wohl Samyang) ganz gut, aber nicht bei Sonnenschein, wenn man das Bild in der prallen Sonne auf dem Kameradisplay beurteilen will. LiveView hin oder her, das muss dann auch noch über den Laptop gehen. Das Beobachtungstuch von Astrogarten ist zwar Gold wert, aber wenn ich den Laptop eh dabei habe… Immerhin: Eine Scheinerblende funktioniert auch an der Sonne und hilft dabei, die Schärfe zu beurteilen: Wenn beide Sonnenbilder übereinander liegen, ist das Bild scharf.

Das nächste Problem: 500mm sind schon heftig… Ein Manfrotto-Fotostativ mit Kugelkopf ist damit überfordert, das Baader Astro&Nature schlägt sich schon besser. Trotzdem wackelt es beim Scharfstellen schon ganz ordentlich. Aber wenn ich das Bild dann schon am Laptop beurteilen will, wäre ein Motorfokus sinnvoll… für die Fokusklemme bietet TS auch einen Motorfokussierer an. Noch was für die Einkaufsliste. Zusammen mit der Gegenlichtblende kommt das Objektiv dann doch auf einen spürbaren Preis, und ich muss mal sehen, wie stabil der StarAdventurer das ganze dann trägt.

Aktuell kann ich jedenfalls schon ziemlich gut unscharfe Sonnenbilder machen. Mal sehen, ob ich das bis zum Merkurtransit noch optimieren kann, oder doch klassisch durch das Teleskop fotografiere. Bis jetzt überzeugen die Versuche mit dem 500er Tele noch nicht ganz; aber das Bildfeld sieht für die SoFi nächstes Jahr schon mal nicht ganz schlecht aus. Bei der geringen Sonnenaktivität dürfte die Korona gut auf den Sensor passen…

Sommerdreieck mit und ohne Weichzeichner

Der Cokin P830 Weichzeichner ist ja seit längerem ein offener Geheimtipp für Sternfeld-Fotografen. Für die kleine LX100 sind die P-Filter natürlich Overkill (auch wenn ich den Filterhalter adaptieren kann), aber da die Kamera ja ganz ordentlich für die Astrofotografie taugt, habe ich mir einen Cokin A830-Filter geholt (scheint der selbe zu sein wie der P830, nur mit anderem Format), ihn kleingesägt (Achtung: Das Plexiglas neigt zum Splittern) und den Rest mit „Hexenbepp“ auf einen 43mm-Adapterring geklebt, sodass ich ihn einfach und ohne viel Bauhöhe auf die LX100 schrauben kann. Heute Abend schwankt es zwar zwischen bedeckt und klar, sodass ich oben links auch einiges an Wolken drauf habe, aber die Kombination funktioniert:

Sommerdreieck, 60s@800ISO, 24mm, ohne Weichzeichner

Sommerdreieck, 60s@800ISO, 24mm, ohne Weichzeichner

Sommerdreieck, 60s@800ISO, 24mm, mit Cokin A830 Weichzeichner

Sommerdreieck, 60s@800ISO, 24mm, mit Cokin A830 Weichzeichner

Die Bilder sind nicht weiter bearbeitet, nur die Gradationskurve wurde deutlich abgesenkt und die Bildgröße verkleinert. Die automatische Rauschreduzierung war aktiv, und ich habe die JPGs genommen, nicht mal die RAWs.

Sieht doch schon mal ganz gut aus, sogar der Kleiderbügel ist schön zu erkennen, und die Sternbilder sind mit Weichzeichner wie gewünscht auffälliger. Jetzt würde ich das gerne noch in einer richtig klaren Nacht testen. Aber wenn ich die 30-Sekunden-Aufnahme mit meinen Analog-Aufnahmen aus den 90ern vergleiche, bei denen das Fotolabor immer gemeint hatte „Da ist nichts drauf“ – Wahnsinn, was sich in 20 Jahren getan hat. Gefällt mir.

Erster Eindruck vom Baader Planetarium Morpheus 9mm 76° Okular

Mein Okularpark hat mal wieder Zuwachs bekommen: Das 9 mm Morpheus Okular von Baader Planetarium. Den ersten Test konnte ich letzten Dienstag zwar nicht an meinem ED80/600 durchführen, sondern auf der Heilbronner Sternwarte, aber für einen ersten Eindruck hat’s schon mal gelangt. (Den zweiten Eindruck gibt’s weiter unten in diesem Blogbeitrag.) Dummerweise haben wir hier eher die großen Geräte, und ein 9mm-Okular ist am 150/2250 Refraktor schon grenzwertig – am C14 hab ich’s gar nicht erst ausprobiert…

Der erste Eindruck: Das Ding wiegt ja gar nichts – zumindest im Vergleich mit dem TSWA 38mm/70° und dem Explore Scientific 20mm/100°. Und klein ist es auch, aber das ist ja kein Nachteil: Die Optik füllt das Gehäuse praktisch vollständig aus, und Bino-tauglich soll es durch das kompakte Gehäuse auch sein. Mangels zweitem Okular kann ich das aber nicht testen:-)

Die Okulare des Abends: TSWA 38mm, Explore Scientific 20mm, Morpheus 9mm, Hyperion Zoom 8-24mm

Die Okulare des Abends: TSWA 38mm, Explore Scientific 20mm, Morpheus 9mm, Hyperion Zoom 8-24mm

Das Morpheus hat ein paar Besonderheiten: Mit 76° liegt es in dem Weitwinkelbereich, in dem der Bildfeldrand (genauer: die Feldblende) nicht mehr stört, aber doch gerade noch zu sehen ist. Ich empfinde das als sehr angenehm, da ich bei den Ultraweitwinkelokularen immer in das Okular reinkriechen will, um alles zu sehen, was ich bezahlt habe. Bei etwas kleinerem Bildfeld hat das Bild einen Rahmen, an dem ich mich „festhalten kann“. Auch deshalb mag ich das 36er Hyperion Aspheric mit 72° so als Übersichtsokular.

Das Gehäuse hat genau wie die günstigeren Hyperion-Festbrennweiten-Okulare einen Steckanschluss für 1,25″ und 2″, ist aber nicht teilbar – die Vergrößerung ist also nicht anpassbar, aber in der Praxis braucht man das eh nur selten. Ein 1,25″-Filtergewinde ist natürlich vorhanden. Die Steckhülse ist geriffelt, sodass das Okular nicht verkippt, wenn der Messingspannring oder die Klemmschraube im Okularhalter blöd sitzt. Die Lage der Okularklemmung ist leider nicht genormt, sodass es durchaus zu Verkippungen kommen kann, wenn ein Okular nur eine Sicherungsnut hat. Diese Riffelung gibt besseren Halt als eine glatte Steckhülse und vermeidet mögliche Verkippungen, die durch eine tiefe Nut entstehen kann.

Ein nettes Feature ist die nachtleuchtende Beschriftung, auch wenn ich noch nicht testen konnte, wie lange sie leuchtet – das ist so eine phosphoreszierende grüne Farbe wie bei manchen Zeigeruhren (die Älteren unter uns erinnern sich). Ebenso ansprechend ist die Verpackung: Das Okular wird Apple-like in einem soliden Pappkarton ausgeliefert, sodass das Auspacken richtig Freude macht, und unter dem Okular liegt ein Gürtelholster. Damit lässt sich das Okular am Gürtel tragen – wer keine große Okularablage am Teleskop hat, wird das in der Praxis zu schätzen wissen. Ich brauch’s zwar nicht (die 60cm breite Ablageplatte an meinem Stativ hat mir schon ein paar neidische Blicke eingebracht), aber getestet habe ich’s trotzdem: Funktioniert einwandfrei, und die Tasche ist mit Klettverschluss und Druckknopf gesichert. Hat ein bisschen was von einer Handytasche (die Älteren unter uns erinnern sich), und das Okular sitzt sicher in der Tasche, ohne zu verkratzen. Feine Sache. Das ist mir wesentlich lieber als diese dämlichen sperrigen Drehpacks, und im Fernrohrkoffer ist das Okular bei mir eh ohne weitere Umverpackung verstaut. Aber wie’s so schön heißt: Your mileage may vary, die Geschmäcker sind verschieden.

Für ein paar erste Blicke war der Himmel gut genug, auch wenn er keine 250x her gab: Der Mond war blendend hell (bei der Vergrößerung und 0,6mm Austrittspupille nicht schlecht), aber die Luft war sehr unruhig. Saturn hat auch keinen Spaß gemacht. Aber immerhin: Soweit überzeugt das Okular. Es ist an f/15 natürlich randscharf (und wer meint, dass das keine Leistung ist, darf gerne einmal durch unser 70mm Mittenzwey schauen), aber vor allem ist der Einblick gut – zumindest mit der längeren der beiden Augenmuscheln. Er ist zwar etwas unruhig (mehr dazu unten – das klingt schlimmer als es in der Praxis ist), aber mit Augenmuschel findet man schnell die richtige Position. (Dem Okular liegt neben einer runden, umklappbaren Augenmuschel auch eine kürzere, geflügelte Augenmuschel bei (wohl vor allem für den Bino-Einsatz), und unter der Augenmuschel ist ein Gewinde, um z.B. eine Kamera für die Okularprojektion anzuschließen). Die Augenmuschel selbst ist recht weich, ähnlich wie am Explore Scientific. Der berühmte Spacewalk-Effekt ist auch ähnlich wie 100°-ES, wobei bei 250x und 0,6mm AP sogar der Heilbronner Stadthimmel schwarz erscheint. Die kürzere Augenmuschel dürfte für Brillenträger interessanter sein, oder man klappt die größere einfach um.

Seeing- und teleskopbedingt macht Beobachten in dieser Nacht allerdings keinen Spaß, also mache ich was anderes und überprüfe mal die Gesichtsfelder der Okulare, die ich hier rumliegen habe. Dazu messe ich den Sterndurchlauf bei einem Stern in Äquatornähe. Die Wahl fiel auf den „Glücksstern des Königs“: Sadalmelek (Alpha Aquarii). Laut dem Vehrenberg Himmelsatlas hat er R.A. 22h03.2 und -0°34′, aber für Äquinoktium 1950.0. Seitdem hat sich ein bisschen was getan am Himmel, Starmap Pro gibt als aktuelle Koordinaten 22h05’47“ und -0°19′ an. Jaja, die Präzession… Der Stern ist also nicht genau am Himmelsäquator, aber nah genug – ich brauch ja was einigermaßen helles. Die erste Erkenntnis: Mit Weitwinkelokularen einen Sterndurchlauf zu beobachten macht keinen Spaß, wenn man sich verrenken muss, um den Bildfeldrand zu überblicken. Die zweite Erkenntnis: Bei den vier getesteten Okularen stimmen die Angaben ziemlich gut, das Morpheus zeigt sogar etwas mehr Feld am Himmel. Die Messungenauigkeit würde ich mit ca. +/- 2 Sekunden angeben, eine weitere Fehlerquelle ist, ob ich immer die Bildmitte getroffen habe – so können etwas kleinere Bildfelder gemessen sein als wirklich vorhanden. Aber die Angaben passen ganz gut:

Sterndurchlauf-Aug-2015

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Die Spalte Fokus gibt dabei  an, bei welcher Position des Okularauszugs das Bild scharf war. Mit dem 2″-Anschluss verschwindet das Morpheus tief im Okularstutzen, der dementsprechend weit rausgedreht werden muss. Wenn man es mit 1,25″-Anschluss verwendet, sind davon etwa 21mm abzuziehen – genauer kann ich das nicht angeben, da auch die Bauhöhe der 1,25″-Adapter nicht genormt ist und da natürlich mit reinspielt. Dann liegt es jedenfalls etwa im selben Bereich wie die anderen Okulare, grob im Bereich des TSWA.

Erstes Fazit: Schönes Okular mit sauberer Abbildung und angenehmem Einblick. Für die Öffentlichkeitsarbeit würde ich zwar ein Hyperion o.ä. wegen dem etwas ruhigeren Einblick und der etwas kleineren, besser geschützten Augenlinse bevorzugen (wer schon mal Kinderschminke von Okularen abgeputzt hat, weiß warum – nächsten Samstag ist in HN Kinderfest beim Mediamarkt, danach ist wohl wieder putzen angesagt), aber um in Ruhe zu beobachten, überzeugt es. (Nachtrag: Für die Öffentlichkeitsarbeit taugt’s auch, wie ich später festgestellt habe, und vergleichbare WW-Okulare sind nicht ruhiger.) Beeindruckend ist der Helligkeitsunterschied zum Hyperion Zoom – ich bin es nicht gewohnt, am Mond bei 250x noch einen Filter zu brauchen, um nicht geblendet zu werden.

Ein ausführlicherer Test ist dann an den aufziehenden Wolken gescheitert – mal sehen, wann ich es am ED80/900 einsetzen kann.

Der Test am Himmel – eine Woche später

Die ersten Eindrücke hatte ich ja letzte Woche gesammelt, seitdem ist fast eine Woche vergangen. Zwischendurch konnte ich es noch am kleinen Lunt der Sternwarte mit H-Alpha probieren und gegen das 10mm Classic Ortho von Baader vergleichen. Der erste Einblick war mau, das Ortho war um Welten besser – bis ich mir das Beobachtungstuch von Astrogarten über den Kopf gezogen hatte und so das Streulicht eliminiert hatte. Dann waren beide ziemlich auf Augenhöhe – nicht schlecht für ein Weitwinkel, ganz im Gegenteil. Das zu Anfang schlechtere Bild lag also ausschließlich am Streulicht; und Streulicht im Okular oder Kontrast sind offensichtlich kein Problem.

Und am Montagabend war es dann soweit: Klarer Himmel, und ich mal war wieder auf Achse – damit hatte ich keinen Zugriff auf die Sternwartengeräte, aber auf meinen ED80. Und unterwegs konnte ich noch zwei andere Konkurrenzokulare einsammeln und ausleihen: Ein 10mm Televue Delos mit 72° und ein 12,5mm Docter UWA mit 84°.

Ich stand also mit folgendem Aufbau auf dem Acker, als der noch fast volle Mond gerade aufging:

  • Celestron ED80/600 mit Baader Steeltrack
  • Vixen Porta auf Berlebach Uni 28
  • Baader Maxbright 2″ Zenitspiegel
  • 36mm Hyperion Zoom als Übersichtsokular (V=16,7x, AP=4,8mm, 4,3° Feld am Himmel)
  • 9mm Baader Morpheus 76° (V=66,6x, AP=1,2mm, 1,14° Feld am Himmel)
  • 10mm Baader Classic Ortho 52° (V=60x, AP=1,33mm, 0,86° Feld am Himmel) (außer Konkurrenz)
  • 10mm Televue Delos 72° (V=60x, AP=1,33mm, 1,2° Feld am Himmel)
  • 12,5mm Docter UWA 84° (V=48x, AP=1,66mm, 1,75° Feld am Himmel)

Nicht dabei hatte ich das Hyperion 8-24mm Zoom (das wegen dem letzten Urlaub noch am Spektiv hängt) und die Graufilter für den Mond (die gerade mit dem UHC-Filter in der Kameratasche der kleinen Panasonic sind). Bei Vollmond ist das natürlich blöd, aber solange er noch tief am Horizont stand, ließ ich mich trotzdem von ihm blenden.

Dabei konnte ich die Okulare natürlich nicht mit dem Zoom vergleichen, das mittlerweile fester Bestandteil von meinem Okularkoffer ist – darin sind normalerweise nur das 36mm Hyperion Aspheric, das Hyperion Zoom und das von Astrozoom verzoomte 7mm Lacerta UWAN. Nichtsdestotrotz: Das erste Ziel war der Mond.

Die drei Weitwinkelokulare Televue Delos, Docter UWA und Morpheus; ganz rechts das Classic Ortho.

Die drei Weitwinkelokulare Televue Delos 10mm, Docter UWA 12,5mm und Morpheus 9mm; ganz rechts das Classic Ortho 10mm.

Wer sagt eigentlich, dass der fast volle Mond langweilig ist? Alle drei Weitwinkelokulare zeigten ein knackscharfes Bild, wenn die Luft einmal ruhig war, ließen sich sauber fokussieren und zeigten einiges an Strukturen. Der Mond war dabei nicht bildfüllend; die Feldblende war in allen zwar zu sehen, stört aber keineswegs. Beeindruckend: Auch wenn ich den Mond über den Bildrand hinaus bewegte, blieb er scharf und ohne auffällige Verzeichnungen. Lediglich ganz am Rand zeigten alle einen Blausaum entlang der Feldblende, wenn der Mond halb zu sehen war. Das Classic Ortho war in der Bildmitte auf Augenhöhe oder minimal besser; am Rand ließ es natürlich nach – die 52° bieten ein größeres Bildfeld als das Standard-Ortho-Design, sodass es auch für normale Beobachtungen sehr gut taugt, dafür ist die Bildqualität am Rand etwas schlechter. Seine Stärken spielt es eigentlich bei der Planetenbeobachtung aus, aber ca. 60x ist keine Vergrößerung für Planeten (und die Luftunruhe nach diesem Sommer fördert das Ganze auch nicht). Dabei muss man natürlich auch den Preis sehen: Das Ortho liegt bei rund 65,- Euro, das Morpheus bei rund 245,- Euro, das Delos bei etwa 378,- Euro und das Docter bei ca. 745,- Euro (um die Preise Ende August 2015 bei diversen Händlern zu nennen).

Am schlechtesten gefällt mir von den dreien ausgerechnet das Docter: Einerseits zeigt die Gummiaugenmuschel Auflösungserscheinungen, andererseits zeigt es als einziges einen Reflex in der Bildmitte, wenn ich den Mond aus dem Gesichtsfeld bewege. Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Solange ich den Mond da beobachte, wo er hingehört, ist das Bild gut. Wer beobachtet, statt Fehler zu suchen, wird hier kaum Probleme haben.

Praktisch ist, dass sowohl das Docter als auch das Morpheus 1,25″ und 2″ Steckanschluss haben; trotzdem ist man auf 1,25″-Filter beschränkt, wenn man sie nicht in das 1,25″-Reduzierstück des Zenitspiegels einschraubt. Das Delos hat nur einen 1,25″-Anschluss.

Der etwas unruhige Einblick des Morpheus war wie oben berichtet das erste negative, was mir aufgefallen war. Aber das können Televue und Docter genauso schlecht, und bei Nacht ist das Bild besser im Auge zu halten als bei Tag. Das Morpheus hat eine weiche Augenmuschel (ähnlich dem Explore Scientific), auf der ich das Auge sanft auflege, um den perfekten Einblick zu haben; das Televue ist eher für Grobmotoriker geeignet und hat eine steifere Augenmuschel (etwa wie die Hyperion-Okulare). Beim Docter habe ich ohne Augenmuschel beobachtet, was erstaunlich gut ging – aber ich wollte sie auch nicht ausklappen und dabei endgültig zerlegen, erst recht nicht bei einem ausgeliehenen Okular…

Bei Vollmond ist nicht viel mit Deep-Sky-Beobachtung, aber Albireo gönnte ich mir dennoch (Epsilon Lyrae stand für die azimutale Montierung leider zu ungünstig). Im Televue war der Farbkontrast vielleicht am blassesten, aber die Unterschiede zu den anderen Okularen waren minimal. Bei rund 60° waren die beiden Komponenten weit auseinander und wirkten trotzdem als Doppelstern, da viel Umgebung zu sehen war. Nett. Der Himmel war schon recht dunkel, das Bild in allen drei sehr kontrastreich: Juwelen auf Samt, wie es sich gehört:-)

Nächstes Ziel: Mizar/Alkor. Mizar war ebenfalls ein schönes und sauber getrenntes Paar, wobei das natürlich keine große Herausforderung ist. Aber die Bildästhetik war in allen Okularen gegeben, ebenso im Ortho – auch wenn hier der Spacewalk-Effekt zwangsweise fehlt.

Spaßeshalber ein Schwenk zu Saturn: Hm… er steht eindeutig zu knapp über dem Horizont, und das Bild profitiert eher von der Vergrößerung als allem anderen. Auch hier kein Gewinner, auch nicht das Ortho.

Ein offener Sternhaufen wäre noch nett – Der Kleiderbügel ist leicht zu finden, wirkt aber nur im Übersichtsokular gut. Aber in seiner Nähe ist doch M71? Stattdessen finde ich den Hantelnebel (seltsam – eigentlich passen doch beide ins Gesichtsfeld vom 36mm, trotzdem finde ich M71 nicht). Die kleine graue Hantel bei Vollmond, ganz ohne Nebelfilter, ist ein hübscher Anblick. Macht in allen drei Weitwinkelokularen Spaß. Vielleicht sollte ich für den nächsten Okulartest mal ein Billig-Okular zum Vergleich mitnehmen…

Was ich mir in dieser Nacht nicht antue: Die erzielte Grenzgröße bestimmen. Das wäre zwar eine nette Herausforderung, aber nicht heute Nacht bei Vollmond, wenn kaum Sternhaufen in der Milchstraße zu sehen sind. Ewig kann und will ich die beiden Leih-Okulare auch nicht behalten, Donnerstag geht’s wieder zurück – und für morgen ist Regen angesagt, und dabei bleibt’s dann auch erst mal. Große Unterschiede erwarte ich in der Transmission aber nicht, falls ich doch mal zum Vergleichen kommen sollte.

Ach ja: Ich war ja der Meinung, dass ein Hyperion wegen des ruhigeren Einblicks für die Öffentlichkeitsarbeit besser geeignet ist. Nachdem noch ein Pärchen Spaziergänger vorbeigekommen war und einen Blick durch das Morpheus geworfen hatte (war reiner Zufall – es war gerade im Okularauszug), muss ich das auch revidieren. Die beiden hatten anscheinend keine Probleme mit dem Einblick.

Erstes richtiges Fazit: Das Morpheus kann mit Televue Delos und Docter UWA meiner Meinung nach problemlos mithalten und gefällt mir mittlerweile sehr gut. Die austauschbare Augenmuschel mit dem Baader-typischen Anschlussgewinde und die Tasche sind vorteilhaft, ebenso das geringe Gewicht. Um von der phosphoreszierenden Beschriftung zu profitieren, muss man das Okular natürlich erstmal in der Sonne aufladen – das hatte ich natürlich vergessen. Also in Zukunft nicht nur Handy und ggf. Akkupack aufladen, sondern auch noch das Okular:-) Aber das Beobachten klappt ja auch ohne selbstleuchtende Beschriftung.

Alle drei Okulare taugen nicht nur für die Deep-Sky-Beobachtung, sondern machen auch am Mond eine sehr gute Figur – ich bin doch verblüfft, dass der Qualitätsabstand auf der Achse zu einem Ortho so gering ist und das Bild bis zum Rand scharf ist. Ich muss das mal am C8 o.ä. probieren, wo ich deutlich höhere Vergrößerungen erziele – vielleicht sind die Unterschiede dann größer. Bei allen drei ist der Einblick etwas unruhiger, als ich es gewohnt bin, aber gerade bei Nacht ist er aber sehr okay. Und wenn man bedenkt, dass das Morpheus nur etwa ein Drittel vom Docter kostet…

Zur Eignung an schnelleren Optiken kann ich nichts sagen, aber der Review auf Stargazers Lounge (PDF, 13 MB – hier der Thread) liest sich auch vielversprechend. Der ED80 mit f/7,5 ist mein schnellstes Teleskop in Reichweite, das ich auch ernsthaft benutze.

Und abschließend noch der Caveat: Okulare sind eine sehr individuelle Sache, und ich habe die drei Stück nicht auf die optische Bank geschnallt, um bewusst Fehler zu finden, sondern wollte wissen, wie sie sich beim Beobachten am Nachthimmel machen. Und da gefallen mir alle ähnlich gut. Vielleicht ersetzt das 9mm Morpheus demnächst das Hyperion Zoom in meinem Okularkoffer – der Sprung vom 36er Hyperion (16x/4°) auf das 9mm Morpheus (66x/1,1°) ist eigentlich noch okay. Dann kann das Zoom am Spektiv bleiben, mal sehen…

Die Astrobilder vom Wochenende – mit der Kompaktkamera LX100

Die Polarlicht-Cam? Panasonic Lumix LX100

Die neue Polarlicht-Cam? Panasonic Lumix LX100, hier mit aufgesetztem UHC-S-Filter.

Das letzte Wochenende ging es mal wieder mit der Sternwarte auf die Neue Heilbronne Hütte für ein Astrowochenende. Das Wetter hat mitgespielt, daher konnte ich mein neues Spielzeug testen: Die Panasonic Lumix LX100. Die kleine Kompakte ist eine Spätfolge der Horizonte Zingst, ein paar Tage habe ich sie dann in Stuttgart im örtlichen Handel gekauft – der war nicht nur billigster Anbieter, sondern hatte sie sowohl in schwarz da als auch in einer klassischen Alu-Kunstlederimitat-Kombination. Da konnte ich nicht widerstehen, und der örtliche Handel freut sich auch. Die Steuerung per WiFi und Handy-App hat auch ihren Reiz, damit geht dann auch Digiscoping durch’s Spektiv, ohne dass alles verwackelt:-)

Was die Kamera für mich interessant macht, ist das lichtstarke f/1,7-Objektiv in Verbindung mit einem recht großen Four Thirds Sensor und der Möglichkeit, alles manuell einzustellen: Fokus, Belichtungszeit und Blende haben Stellringe, und die ISO ist schnell erreichbar. Leider lässt sich der Fokus nicht mechanisch fixieren, der Ring hat nur elektronische Kontakte zum Fokussiermotor. Aber dafür ist die Kamera deutlich kleiner als meine Nikon D7100 DSLR mit Batteriepack – für eine Immer-Dabei ist sie zwar auch schon fast zu groß, aber in die große Jackentasche passt sie. Das Ziel, eine lichtstarke Kamera dabei zu haben, um in Norwegen zu sehen, ob der Grauschleier Polarlicht oder Nebel ist, ohne gleich die schwere DSLR zu holen, sollte so erreichbar sein.

Die Milchstraße. 10 Sek. mit 1600 ISO und f/1,7, Einzelaufnahme, keine Filter, nachbearbeitet mit Affinity-Foto.

Die Milchstraße. 10 Sek. mit 1600 ISO und f/1,7, Einzelaufnahme, keine Filter, nachbearbeitet mit Affinity-Photo.

Und wenn ich schon immer allen erzähle: „Lernt eure Kamera kennen!“, dann habe ich das Astro-Wochenende natürlich auch dafür genutzt. Der erste Test galt der ISO. Also 10-Sekunden-Bilder gemacht und die ISO hochgedreht: Bis etwa 800 ISO sieht es ordentlich aus, 1600 ISO rauscht schon ordentlich, und alles drüber ist für Langzeitaufnahmen unbrauchbar. Für Polarlichter sollte das aber locker langen.

Auch der erste Schnappschuss der Milchstraße mit 10 Sekunden und 1600 ISO sieht gar nicht so schlecht aus, nachdem ich ihn durch Affinity Photo gejagt habe. Für eine Kompaktknipse ganz ordentlich – vor allem weil das eine Einzelaufnahme ist, also das Rauschen nur weichgezeichnet wurde und nicht sauber durch Stacken beseitigt wurde:-)

[Affinity Photo ist auch eine Neuanschaffung: Da Adobe zwar immer noch Absturzbereichte von mir sammelt, für die CS4 aber noch nie ein Update herausgebracht hat und mittlerweile keine aktuellen RAW-Formate liest, war es Zeit für was anderes. Affinity lässt mich im Vergleich zu Photoshop nichts vermissen, ist ziemlich intuitiv bedienbar, hat einen RAW-Konverter integriert und eine Lizenz zum Kaufen statt einem Abo-Modell. Sowas noch als InDesign-Alternative mit vernünftigem EBook-Export, das wär was. Klare Kaufempfehlung.]

Bei f/1,7 klappt das manuelle Fokussieren auch noch einigermaßen, aber diese Lichtstärke steht nur bei 24mm zur Verfügung (schade, dass sie kein Ultraweitwinkel hat – 11mm wären für Polarlichter richtig nett). Beim Reinzoomen wird’s schnell dunkler, bei 50mm Brennweite bleiben noch etwa f/2,7 übrig – auch alles andere als schlecht, aber zum Fokussieren an Sternen zu wenig.

Warum zoome ich dann überhaupt rein? Ich habe noch einen 2″ UHC-S Filter und den Filterhalter von Baader habe – mit zwei weiteren Ringen kann ich so den Astro-Filter vor die Kamera setzen, leider im Augenblick mit dem Umweg über M37, sodass er bei kürzeren Brennweiten etwas vignettiert. Aber der Filter will ja eh möglichst gerade einfallendes Licht, da ist eine etwas längere Brennweite gar nicht so schlecht. Die Kombination mit der LX100 überzeugt wesentlich mehr als meine früheren Versuche mit einem großen (und durch den 2″-Filter ordentlich vignettierten) DSLR-Objektiv, nur ist Fokussieren problematisch und eine Minute bei 800ISO und f/2,7 noch zu wenig – die Kamera ist wie eigentlich alle Digitalkameras nicht besonders rotempfindlich, sodass H-Alpha-Nebel nicht hervorstechen. Ich muss das mal aus der Innenstadt probieren, mit einer großen Montierung und langen Belichtungszeiten. Unter Alpenhimmel bringt ein UHC-S-Filter eh nicht so viel.

Viel interessanter ist aber, dass ich über das M43-Gewinde auch den Cokin-P830-Weichzeichner von meiner DSLR anschrauben kann – perfekt für Sternbilder. Mit f/1,7 hat das Fokussieren noch geklappt, und da die Kamera sich auch programmieren lässt, wurde der klare Himmel am zweiten Abend ab Mitternacht auch für ernsthafte Fotos genutzt: Das Sommerdreieck, Cassiopeia bis Andromeda und Großer/Kleiner Wagen waren bei 24mm dankbare Ziele. Die Nachführung hat der Star Adventurer übernommen, bei der Kamera wäre der NanoTracker ebenfalls reizvoll gewesen – dann wären Kamera und Nachführung kompakter als meine DSLR…

Alle Bilder sind 10×60 Sekunden bei f/1,7 und 800 ISO belichtet. Die Bildbearbeitung war wieder mit Affinity Photo, wobei ich noch ein bisschen üben muss – aber das sieht schon sehr vielversprechend aus.

Fairerweise sind nicht nur mir hübsche Fotos gelungen:

Fazit: War ein schönes Wochenende (bei dem wir nicht nur fotografiert haben, sondern auch das 20+40×100-Großfernglas der Sternwarte mal wieder unter gutem Himmel genutzt – sehr chic, auch wenn die Tasche der Leonardo-Montierung meine komplette Rückbank blockiert), sondern die Kamera hat sich auch bewährt. Sehr nettes Spielzeug:-)

Irgendwie deprimierend, wie gut die besseren Kompaktkameras mittlerweile sind…

Vixen SG 2,1×42 – das Großfeldfernglas

Das Vixen 2,1×42 hatte ich zum ersten Mal auf dem Astrofest von Intercon Spacetec gesehen und fand es damals schon interessant: 42mm Öffnung und nur zweifache Vergrößerung? Bei einem klassischen Fernglas wäre das eine unmögliche Austrittspupille (20mm – irgendwo bei 7mm ist normalerweise Schluss, da man die Pupille ohnehin nicht weiter öffnen kann), aber ein Galilei-Fernglas wie dieses soll wohl anders funktionieren, sodass die Berechnung der Austrittspupille angeblich keinen Sinn macht. Sagt zumindest Astro-Optik Kohler über sein 2,3×40 Gucki. Da der Import von Artikeln aus der Schweiz immer ein Problem ist (irgendwer muss da sein, damit der Postbote den Zoll und die Mehrwertsteuer kassieren kann), habe ich das Gucki nie bestellt.

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Das Vixen ist da einfacher zu kaufen, schließlich gibt es das ganz regulär bei deutschen Händlern. Tja, und da ich ein paar Mitarbeiter bei Astroshop kenne, war natürlich nichts naheliegender als dort einmal nach einem Testgerät zu fragen. Hier der Link zum Gerät: Vixen Fernglas SG 2,1×42 Binokular für Sternfeldbeobachtung. Der letzte Auslöser war mein Norwegen-Trip im November: Wie wirken die Polarlichter durch so ein Fernglas? Ist früher Farbe zu sehen? Und wenn ich schon im hohen Norden bin, gibt’s hoffentlich auch so ein paar Sterne zu sehen.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich durfte mir ein Vorführexemplar ausleihen.

Eher unscheinbar: Der Karton

Eher unscheinbar: Der Karton

Unboxing

Der Karton selbst ist erst einmal unauffällig und dezent: Grau-Schwarz und ohne Hinweis auf den Inhalt. Nur die Aufkleber geben einen Hinweis auf das Fernglas. Dafür wiegt er einiges und ist größer als gedacht – irgendwie hatte ich es doch einiges kleiner in Erinnerung.

Nach dem Öffnen zeigt sich des Rätsels Lösung: Ein ziemlich großer Styroporriegel sorgt für Volumen:-) So hat auch die Anleitung Platz. Angenehme Überraschung: Das Fernglas steckt in einer hochwertigen, gepolsterten Gürteltasche.

Der Inhalt der Box

Der Inhalt der Box

Ebenfalls in der Box: Ein Trageriemen und die Bedienungsanleitung. Sehr übersichtlich, das Ganze, aber was soll auch zu einem Fernglas noch dazu gepackt werden? (Okay: Das übliche Reinigungstüchlein, aber wer vermisst das schon…)

Die Tasche macht einen sehr guten Eindruck: Gepolstert und strapazierfähig. Sie hat eine Gürtelschlaufe und eine Kunststofföse für einen Karabinerhaken. Sieht sehr vertrauenserweckend aus – aber ich bin ja nicht an der Tasche interessiert, sondern am Inhalt.

Das Fernglas hat vier Staubschutzdeckel, die fast größer wirken als das eigentliche Bino, und bei dem Gewicht ist die Trageschlaufe keine schlechte Sache – das glatte Metallgehäuse  ist mangels Baulänge nicht besonders griffig. Mit dem Trageriemen kann man es sich aber auch umhängen, sodass keine Sturzgefahr besteht.

Fernglas, Tasche, Deckel und Handschlaufe.

Fernglas, Tasche, Deckel und Trageriemen.

Durch die Mischung aus Metall und gefühlt zwei massiven Glasblöcken ist es schwer, obwohl es so klein ist: gut 470g mit Tasche und 430g ohne Tasche, aber jeweils mit Deckeln und Umhängeschlaufe. Hier der Größenvergleich mit einem 7×50 Porro-Fernglas:

Vixen 2,1x42 und ein 7x50 Porro-Fernglas.

Vixen 2,1×42 und ein 7×50 Porro-Fernglas.

Der Blick durch das kleine Vixen ist ungewöhnlich: Fokussieren ist gar nicht so einfach und erinnert erst einmal an den Blick durch die Sehtestprüfgeräte beim Optiker. Man darf nicht die erste scheinbar scharfe Stellung nehmen, sondern muss wirklich einmal durchfokussieren, dann ist auch der Bildfeldrand beim Blick in Landschaft brauchbar. Das Bildfeld entspricht etwa dem beim Blick aus dem Fenster: Groß, aber nicht gigantisch. Trotzdem kein Vergleich mit einem normalen Fernglas, sondern um Welten größer. Am Bildrand lässt die Qualität nach, die Bildmitte macht einen schönen Eindruck. Und vor allem: Es ist hell! Selbst der Blick in die nebelverhangene Novemberlandschaft zeigt Details, die man ansonsten übersehen hätte. Wie wird es sich wohl am Nachthimmel machen? Bislang konnte ich es nur in einer Nacht testen.

Der Blick in den Himmel…

…ist erst einmal ungewohnt. Der erste Eindruck bei einer Nacht auf dem Land, aber noch einigermaßen in Stadtnähe: Das Gesichtsfeld ist groß, aber nicht so groß, wie man es bei 2x vielleicht erwarten würde. Die sieben Sterne des Großen Wagens passen komplett in das Gesichtsfeld; wirklich scharf wird etwa der Bereich der Kastensterne abgebildet. Durchaus imposant. Noch mehr als der Gewinn an Grenzgröße fällt zunächst die zusätzliche Trennschärfe auf: Während Mizar und Alkor ja als Augenprüfer bekannt sind, sind sie mit dem Vixen gar kein Problem. Plejaden und Hyaden machen richtig Spaß, die Milchstraße ist chic, nur die Andromeda-Galaxie bleibt wenig beeindruckend. Das mag an meinem Standort liegen, sie ist zwar ein Nebelfleck, aber doch recht klein. Bei dem bisherigen Wetter hatte ich leider nur eine Nacht, in der ich es kurz am Sternenhimmel testen konnte.

Die Randunschärfe ist vorhanden, stört mich aber nur, wenn ich darauf achte. Aber das wird natürlich jeder anders empfinden – es ist etwas Wahres an dem Spruch dran, dass fortgeschrittene Sternfreunde im Okular eher Optikfehler als Sterne sehen. Mit Brille macht es übrigens weniger Spaß: Dann ist der Augenabstand größer und das Bildfeld kleiner.

Besonders reizvoll wäre der Blick durch ein paar Nebelfilter mit dem Gerät auf den Sommerhimmel. Nordamerikanebel oder Schleiernebel dürften dann unter Alpenhimmel machbar sein – schade, dass es keine Filterhalter hat. (Wie gut kommt eigentlich ein Nebelfilter mit so einem großen Bildwinkel zurecht?)

Unter einem mäßigen Landhimmel (Kleiner Wagen komplett sichtbar) macht es Spaß, mit dem Vixen Sternhaufen zu jagen oder die Milchstraße abzufahren. Für die Suche nach einem ausgedehnten Komet in der Dämmerung dürfte es sehr gut sein. Aber man bleibt dennoch auf einen Ausschnitt des Himmels beschränkt – es ist nicht so, dass man den Eindruck einer Sternen-Brille hätte.

Der Einsatz für die Polarlichtjagd hat sich leider nicht gelohnt: Wenn die schwache Aurora mit bloßem Auge zu erkennen war, ging es auch im Fernglas, es zeigte jedoch nicht früher Farbe als mit bloßem Auge. Zum Überprüfen, ob man wirklich Polarlichter sieht, bleibt also weiterhin nur der Griff zur Kamera. (Es wäre reizvoll gewesen, einmal ein helles Polarlicht darin zu beobachten – aber das hatte ich auf dem letzten Trip nur einmal, und da hatte ich keine Zeit, um zum Fernglas zu greifen.)

Fazit

Nach dem ersten kurzen Beobachtungsabend bin dem Fernglas gegenüber etwas zwiespältig – die Bildqualität ist nicht ganz so gut, wie ich sie von meinem ersten Blick in Erinnerung hatte, aber durchaus okay: Die Bildmitte ist schön, und der Rand trägt eben nur zum Gesamteindruck bei, dort beobachte ich nicht. Und ein ganzes Sternbild auf einmal zu überblicken, ist etwas vollkommen anderes, als man es normalerweise gewohnt ist. Als Weitfeld-Spezialist und für die Jagd nach helleren Kometen ist es sehr, sehr reizvoll. Durch den Preis ist es aber kein Gerät, das ich einfach so mal kaufe. Verarbeitung und Zubehör sind erstklassig, es ist nur schade, dass sich 2″-Filter nicht adaptieren lassen. Unter einem dunklen Himmel dürfte es wesentlich beeindruckender sein als unter unserem typischen Landhimmel.

Den Haben-Will-Reflex, der dafür sorgt, dass bei mir schon einige Geräte stehen, die ich eigentlich nur mal testen wollte, hat das Vixen nicht ausgelöst – dafür ist es mir im Augenblick noch zu teuer, und andere Anschaffungen haben Vorrang. Aber es ist auch noch nicht von meiner Wenn-mal-Geld-übrig-ist-Liste verschwunden. Es ist halt ein Luxus-Artikel, den ich nicht unbedingt für’s Hobby brauche. Trotzdem gebe ich es nur ungern zurück – aber für die nächsten Wochen wird auch kein schönes Wetter vorhergesagt; für weitere zeitnahe Tests gibt es wohl keine Chance. Vielleicht schlage ich beim nächsten hellen Komet zu…

AME-Ausbeute: Neuester Himmels-Atlas und Winkel-Polsucher

Fast unwiderstehlich: Der kleine Bär von Astronomie, der es sich zwischen Sweatshirts und Polohemden bequem gemacht hat.

Fast unwiderstehlich: Der kleine Bär von Astronomie, der es sich zwischen Sweatshirts und Polohemden bequem gemacht hat.

Die AME in Villingen-Schwenningen – die zweite große Astro-Messe in Deutschland – ist jetzt auch schon wieder eineinhalb Wochen vorbei. Von der Messe hab ich weniger mitgekriegt als geplant, da ich kaum vom Stand von Astronomie.de weggekommen bin. Dabei ist das eigentlich die Messe, auf der ich Zeit habe… Macht aber nichts, es hat Spaß gemacht, und zumindest für einen kurzen Rundgang hat es gelangt. Und bei A.de gab’s nicht nur die traditionellen Gratis-Gummibärchen und die Gelegenheit, Teilnehmer vom Einsteigerkurs persönlich zu treffen, sondern auch neues Merchandising: Der kleine Bär ist wirklich süß.

Am Stand sind natürlich einige alte Bekannte vorbeigekommen, die man sonst irgendwo auf dem Gelände getroffen hätte, sodass es doch Gelegenheit zum Quatschen gab. Und da wir zu zweit am Stand waren (Bilder gibt’s auf Facebook), gab es auch die Chance, einmal in Ruhe über die Messe zu gehen. Erster Eindruck: Es scheint weniger los zu sein als in den letzten Jahren – von Meade war nichts zu sehen (kein Wunder, bei dem Trubel gerade), und ein paar Händler haben auch gefehlt.

Die interessanteste Messe-Neuheit, die ich bemerkt habe, ist der Prototyp eines Fokussierers für Schmidt-Cassegrains am Stand von Avalon – die bieten immer mehr eine Rund-Um-Lösung an, fein.

Beeindruckend groß sind die Weitwinkel-Okulare von Explore-Scientific, während die NexStar Evolution-Teleskope von Celestron schön und stabil kompakt wirken. Die WLAN-Steuerung ist ein nettes Gimmick, interessanter ist der eingebaute Akku. Und bei Astroshop bin ich auf das Fernglas gestoßen, das wir auch auf der Sternwarte haben – bei Astroshop aber auf der Original-Montierung.

Einkaufstechnisch war die AME trotzdem nicht ganz so erfolgreich – eigentlich hatte ich nach einem Mondmeteorit gesucht, war aber nicht erfolgreich. Dafür war ich an anderer Stelle erfolgreich:

Zubehör für die StarAdventurer

Der Star Adventurer mit Winkel-Polsucher und Leuchtpunktsucher

Der Star Adventurer mit Winkel-Polsucher und Leuchtpunktsucher

Ich habe mir ja neulich schon die Star Adventurer geleistet (regional einkaufen: Bei Fernrohrland in Fellbach, es muss ja nicht alles online gekauft werden). Groß zum Testen bin ich noch nicht gekommen, aber der erste Versuch im Italienurlaub war ganz vielversprechend (mal abgesehen davon, dass ständig Stechmücken beim Einnorden gestört hatten). Sie ist einiges größer als der NanoTracker, dafür halten die Batterien länger – zumindest in der Theorie, da sowohl die Polsucherbeleuchtung als auch die eigentliche Nachführung keinen verriegelbaren Ausschalter haben und sich im Rucksack gerne mal anschalten. Schon mal versucht, in Italien eine CR2032-Batterie zu kaufen? Nur mit eingerosteten Latein-Kenntnissen?

Das Einnorden mit dem Polsucher ist nicht ganz bequem, daher habe ich zu zwei Verbesserungen gegriffen: Um Polaris besser zu finden, habe ich einen Blitzschuh am Gehäuse montiert, an den ich einen SkySurfer III Leuchtpunktsucher montieren kann – den passenden Blitzschuh-Adapter von Lacerta habe ich ja schon auf der letzten AME als Kamerasucher mitgenommen. Im Polsucher sehen alle Sterne irgendwie gleich hell aus, und so ist Polaris schneller und sicherer im Bildfeld, wenn wieder mal Schnaken attackieren. Und damit das ganze bequemer wird, kam noch ein 90°-Aufsatz für den Polsucher dazu, Teleskop-Austria hatte zum Glück noch einen passenden dabei. Nie wieder unter der Montierung knien:-)

Neuester Himmelsatlas

Faksimile des neuesten Himmels-Atlas von 1799

Faksimile des neuesten Himmels-Atlas von 1799

An der Bücherecke konnte ich natürlich auch nicht vorbeigehen. Zugeschlagen habe ich dann beim Albireo-Verlag: Die machen sich gerade einen Namen mit Nachdrucken von alten Himmelsatlanten. Letztes Jahr kam der Neueste Himmelsatlas für Schul- und Akademischen Unterricht von 1799 heraus, und Exemplar #102 von 300 ist  jetzt bei mir. Das Buch ist keine glattrestaurierte Neuauflage, sondern gibt auch die Zeichen des Alters wieder, die die Vorlage abgekriegt hat. Vor allem die Sternkarten sind daher nicht ganz leicht zu entziffern, aber es gibt einem das Gefühl für das Alter der Vorlage.

Ich finde es immer wieder faszinierend, durch die alten Atlanten zu blättern und zu sehen, was sich am Himmel alles geändert haben. Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass die Sternbildgrenzen festgelegt wurden, und so finden sich in dem Atlas auch Sternbilder wie Friedrichsehre (zwischen Eidechse und Andromeda), Harfe und Brandenburgisches Szepter (zwischen Walfisch und Hase) oder Herschels Teleskop (neben Orion). Wirklich knifflig ist es aber, sich auf den alten Sternkarten zurechtzufinden.

Ebenfalls im Buch enthalten sind Auszüge aus Voigts Lehrbuch einer populairen Sternkunde und eine Kopie von Lacailles Sternkarte des Südhimmels (mit deutscher Beschriftung).

Das ganze ist ein faszinierender Einblick in die Astronomie-Geschichte und sehr schön und hochwertig aufgemacht. Allein dafür hat sich die Fahrt schon gelohnt.

Hands on: 10Micron Leonardo Fernglas-Montierung

Zugegeben: Eigentlich würde ich jetzt gerne mit der Avalon M-Zero spielen – der Sommer fängt ja mit prächtigem Wetter an. Aber für die Heilbronner Sternwarte sind wir grad auf der Suche nach einem schönen Großfernglas in der 100mm-Klasse, und dazu gehört natürlich auch vernünftiger Unterbau. Eine Bino-Mount / Parallelogramm-Montierung hat mich schon immer gereizt, da gibt’s ja einige – zum Beispiel von Intercon Spacetec die Bino-Mount oder von Orion die Monster, die alle gar nicht mal so teuer sind. Das Problem ist nur: Das kleine „Monster“ hat eine Traglast von 6,5kg, und bei der Bino-Mount gibt’s keine Angabe (aber immerhin 4 kg Gegengewichte). Süß.

Süß deshalb, weil ein schönes 100mm-Fernglas mit Schrägeinblick locker an die 10 kg auf die Waage bringt. Die Vixen HF2 wäre tragfähig genug, aber ist nicht so komfortabel höhenverstellbar – der Vorteil einer Parallelogramm-Montierung ist ja, dass ein Objekt immer im Bild bleibt, auch wenn man die Höhe verstellt. Das ist natürlich perfekt für die Öffentlichkeitsarbeit.

Die Leonardo mit einem ED80/600 und Herschelkeil.

Die Leonardo mit einem ED80/600 und Herschelkeil.

Und dann gibt’s noch die neue 10Micron Leonardo. Die ist weder billig noch klein, aber sehr solide. Als ich das erste mal davor stand, dachte ich auch: Was für ein Monster. Aber nachdem Orion seine kleine Montierung schon Monster nennt, muss das wohl was anderes sein. Leviathan? Eine freundliche Version von Jörmungandr, der Midgard-Schlange? Groß A’Tuin? Keine Ahnung, aber die Größe ist erst einmal respekteinflösend. Bleiben wir einfach mal bei Leonardo, der ist ja auch als Geistesgröße bekannt. Als Tragkraft sind 13,5 kg angegeben, das langt sogar für ein C8.

Im Frühjahr konnte ich sie zum Glück einmal ausleihen (auch, um sie in der Öffentlichkeit vorzuführen). Wenn man sie erst einmal aus dem Karton befreit hat, ist sie gar nicht mehr so erschreckend, und passt (wenn die Gegengewichtsstange abgeschraubt ist) problemlos quer in den hinteren Fußraum von meinem Auto. Das Gewicht ist auch okay – 13 kg laut Hersteller, ohne Gegengewichte. Es gibt genügend Griffmöglichkeiten, sodass man sie gut greifen und tragen kann.

Die Montierung ist ausgereifte Ingenieurskunst, die man selber sehen muss, um das Preisschild zu begreifen – oder man muss zumindest einmal darunter stehen. Bilder werden ihr nicht gerecht… Das Prinzip ist simpel: Genau wie bei einer Schreibtischlampe ist die Halterung für das Fernglas an zwei parallelen Armen befestigt, so dass ihre Lage auch bei Höhenänderung gleich bleibt. Damit das auch mit richtigen Großferngläsern funktioniert, sind hier gleich vier statt zwei Stangen verbaut. Eine massive Gegengewichtsstange sorgt dafür, dass das Gerät auch in der eingestellten Höhe bleibt, ohne dass eine Klemmung betätigt werden müsste. Soweit ginge das alles auch mit Baumarktmitteln – die Details und die Verarbeitung sind es, die ein Foto nicht vermitteln kann.

Klemmungen in der Mittelachse auf dem Stativ (für rechts/links) und für die Höhe sind eine Selbstverständlichkeit, und die großen Klemmgriffe sind sehr angenehm zu bedienen. Weniger selbstverständlich (aber naheliegend) sind das Paar aus zwei großen Griffen, um gesamte Halterung für Fernglas/Teleskop nach oben oder unten zu schwenken, und der Handgriff an dem Parallelogramm-Ausleger, um den ganzen Arm zu bewegen. Überhaupt nicht selbstverständlich ist das Gelenk an der Fernglasaufnahme, mit dem das Fernglas noch zusätzlich ein Stück weit nach rechts oder links geschwenkt werden kann – so kann ein Objekt zentriert werden, ohne dass gleich die ganze Montierung bewegt werden muss. Dadurch ist die Befestigung des Fernglases etwas ungewöhnlich: An der Schraube ist ein kleiner Zapfen, der in diese Feinverstellung greift. Zum Befestigen des Fernglases muss die Schraube angehoben und in den Stativadapter geschraubt werden, anschließend wird sie mit einer Kontermutter in der Platte der Feineinstellung gesichert. Das ist blöd zu erklären, funktioniert aber ganz gut.

Die 10Micron Leonardo mit einem 100mm-Fernglas auf dem TAN.

Die 10Micron Leonardo mit einem 100mm-Fernglas auf dem TAN 2014.

Kritisch wird es nur, wenn man auf diese Art alleine ein schweres 100mm-Fernglas chinesischer Fertigung auf der Schraube mit kleinem Fotogewinde befestigen will (der Montierung liegen zwei Befestigungschrauben bei, eine mit großem und eine mit kleinem Fotogewinde) und das Fernglas chinesischen Standards entsprechend das Stativgewinde so hahe an den Prismen hat wie bei kleineren Ferngläsern – dann lässt sich das Fernglas nämlich schon von Haus aus nicht ausbalancieren, und die Schraube zu treffen, wird etwas kniffliger.

Aber auch dafür gibt es eine Lösung: Wenn am Fernglas eh schon gebastelt werden muss, damit die Stativbefestigung am Schwerpunkt liegt, kann man es auch gleich mit einer Prismenschiene versehen. Und dann kann auch gleich noch eine Schnellklemme auf die Montierung geschraubt werden – dann ist das Fernglas ausbalanciert und die Montage leichter.

A propos leicht: Das Ganze muss natürlich noch ausbalanciert werden. Damit die Gegengewichtsstange nicht zu lang wird, ist sie kürzer als der Parallelogramm-Ausleger. Daher ist etwas mehr an Gegengewichten nötig, als die eigentliche Optik wiegt, und bei etwas größeren Optiken sind zusätzliche Gegengewichte nötig. Sehr praktisch: Die Montierung lässt sich über eine Schraube in der Horizontalen fixieren, sodass die Gegengewichte in aller Ruhe auf die Stange geschoben werden können. Dann wird die Schraube einfach herausgezogen und um eine Vierteldrehung gedreht, und schon ist die Montierung wieder frei beweglich.

Etwas ungewöhnlich (wenn man nur die kleineren Montierungen gewohnt ist) ist die Befestigung der Leonardo auf dem Stativ: Sie wird auf einen flachen, mitgelieferten Flansch geschraubt und nicht über eine Mittelschraube. Ich hatte zur Montierung noch ein T-Pod-Stativ von Baader, auf dem der Flansch einfach mit drei Inbusschrauben befestigt wird. Dann muss nur noch die Gegengewichtsstange an die Montierung geschraubt werden, die Montierung auf den Flansch gesetzt und mit drei griffigen Schrauben befestigt werden. Das geht recht komfortabel, wenn man den Ausleger über einem der Stativbeine positioniert, dann kann nichts umkippen.

Um die Montierung auch auf vorhandenen, stabilen Stativen mit EQ-Anschluss zu verwenden, gibt es von Baader den Flanschkopf #245 1145 für Celestron/NexStar – er müsste auch mit dem Ansatzflansch der Leonardo kompatibel sein. Die Chancen sind sehr gut, dass ich das diesen Sommer noch ausprobieren werde…

Die Leonardo im Einsatz - mit einem ED80-Refraktor und Herschelkeil in der Fußgängerzone.

Die Leonardo im Einsatz – mit einem ED80-Refraktor und Herschelkeil in der Fußgängerzone.

Und wie ist sie im Feldeinsatz? Sie ist natürlich keine Montierung, die man zusammen mit dem Fernglas immer im Auto hat, um mal schnell einen Blick in die Sterne zu werfen – die Höhenverstellung lohnt sich vor allem dann, wenn mehrere Leute durch das Fernglas schauen sollen. Ihren ersten Test hatte sie im April bei der Veranstaltung „Kinder Kinder“ in der Heilbronner Fußgängerzone. Da waren wir als Sternwarte natürlich auch vertreten, und die Leonardo war ein genialer Kundenfänger:-) Aber sie hat nicht nur als Blickfang funktioniert: Wir hatten einen ED80 mit Herschelkeil drauf gesetzt und konnten so jedem gefahrlos die Sonne zeigen. Nachführung/Einstellen war über den Sonnensucher vom Baader-Herschelkeil auch kein Problem und immer wieder nötig: Wer schon einmal Kinderführungen gemacht hat, weiß, dass da atombombensicher gebaut werden muss. Die Leonardo hatte mit grober Behandlung durch Kinderhände keine Probleme, aber sobald das erste Kind sich mit beiden Händen an das Okular hängt, wird die Montierung natürlich erst einmal verstellt. Also musste immer wieder nachgestellt werden. (Wieder mal meinen großen Respekt vor allem, die mit Kindern arbeiten!)

Vom kleinsten Besucher bis zum größten konnte so jeder bequem einen Blick in das Teleskop werfen. Für den kleinen Refraktor hatten wir uns übrigens nicht nur wegen der Sonnenbeobachtung entschieden, sondern auch, weil so nicht jedes mal der Augenabstand vom Fernglas verstellt werden musste – für Erwachsene ist das kein Problem, aber bei einer Kinderveranstaltung ist oft schon der Blick in ein Einzelokular anspruchsvoll genug.

Eine Woche später waren die Taubensuhler Astronächte der Kollegen aus Bellheim, wo die Montierung ihren ersten Einsatz unter dem Sternenhimmel hatte. Auch hier hatte sie Eindruck geschunden (erste Zweifel, ob sie ein 100mm-Fernglas überhaupt trägt, waren nach dem ersten Blick auf die Leonardo in voller Lebensgröße beseitigt) und sich bewährt. Auch bei etwas höherer Vergrößerung wurde das Fernglas noch ordentlich getragen, der Farbfehler und später der Tau auf den Linsen hat da mehr bei der Beobachtung gestört.

Tja, und das Fazit?

Wenn man die Leonardo mal live gesehen hat, überzeugt sie sehr schnell. Eigentlich hatten wir für dieses Jahr die Anschaffung eines iPads für unsere Führungen, aber jetzt wird es doch erst einmal die Leonardo mit einem Großfernglas. Sorry, Apple… Ab Spätsommer wird sie dann wohl auf einer unserer Sandsteinsäulen auf der Plattform zum Einsatz kommen, und dann kann ich auch mal den erwähnten Adapterflansch für andere Stative ausprobieren.