Sensorabstand bei der Digiskopie

Ich beschäftige mich ja schon einige Zeit mit der Digiskopie, also der Fotografie durch’s Okular. Mit dem Handy ist das mittlerweile unglaublich einfach geworden, und mit der Spiegelreflex ist so eine hohe „Vergrößerung“ möglich – auch wenn in der Fotografie besser vom Bildmaßstab gesprochen werden sollte, die Vergrößerung hängt ja letztlich vom Bildschirm, Ausdruck oder Foto-Abzug ab. Dabei gilt: Je weiter ein Sensor vom Okular weg ist, desto höher ist die Vergrößerung bzw. desto kleiner ist der Bildausschnitt.

Die Äquivalenzbrennweite – also die Brennweite, die man einer alten Kleinbildkamera für den selben Bildausschnitt benötigt – berechnet sich wie folgt:

fÄquivalent = fObj × ((a/fOku)-1)

Das bezieht sich heute auf DSLRs mit Vollformat; bei APS-C-Kameras kommt für Vergleiche ggf. noch der Cropfaktor dazu: Die physikalische Brennweite eines Objektivs bleibt natürlich unverändert, aber da der Sensor kleiner ist, zeigt das Bild den selben Bildausschnitt wie eine Vollformat-Kamera mit der 1,5-fachen Brennweite (bzw. 1,6 bei Canon).

Der Vorteil des kleineren Sensors ist natürlich, dass er besser ausgeleuchtet wird – die T2-Adapter können den großen Vollformat-Sensor etwas abschatten. Außerdem werden durch den kleineren Sensor Abbildungsfehler der Optik am Bildrand abgeschnitten und stören nicht. Man bekommt sie aber auch weg, indem man den Abstand Okular-Kamera vergrößert.

Klingt zu kompliziert? Ist in der Praxis aber ganz einfach.

Einige Spektive bzw. deren Okulare haben ein Gewinde, sodass ein T-Ring (T2-Adapter) angeschraubt werden kann. Die T-Adapter haben wiederum ein Kamerabayonett und stellen einen Abstand von 55mm vom Auflagemaß zum Kamerasensor bereit. Früher gab es Objektive mit T-Anschluss, so war sicher gestellt, dass man an jeder Kamera ein scharfes Bild kriegt.

DSLR direkt am Trailseeker 65, zusätzlicher Abstand 0mm

DSLR direkt am Trailseeker 65, zusätzlicher Abstand 0mm

Ich habe mir mal den Spaß gemacht, meine Nikon D7100 (APS-C-Sensor) an ein Celestron TrailSeeker 65 Spektiv anzuschließen. Wenn man die Kamera nun mit dem T-Ring direkt an das Okular schraubt, sieht das so aus wie im Bild unten.

Die Kamera sieht dann ein Bild, das nicht ganz so überzeugend ist: Die Ecken sind unscharf, werden nicht ganz ausgeleuchtet und sind verzerrt. Kein Wunder, schließlich soll das Okular ja eigentlich auf unserer gewölbten, kleinen Netzhaut im Auge ein scharfes Bild abgeben und nicht auf einem großen, ebenen Kamerasensor.

APS-C-Kamera über T2 direkt am Okular angeschlossen.

APS-C-Kamera über T2 direkt am Okular angeschlossen.

An einer Vollformatkamera fällt das natürlich noch mehr auf. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man erhöht die Vergrößerung, indem man den Kameraabstand erhöht, oder man macht am PC einen Bildausschnitt.

Kameraanschluss mit Baader TQC Schnellwechsler, Baulänge 16mm

Kameraanschluss mit Baader TQC Schnellwechsler, Baulänge 16mm

Ein größerer Kameraabstand ist dabei natürlich wünschenswert, weil man weiterhin den ganzen Sensor der Kamera ausnutzen kann. Aus Kleinbild-Zeiten (Vollformat) gibt es den Tipp, eine 40mm-Verlängerungshülse zu nutzen. Was braucht man an APS-C?

Ich habe mal mit dem Baader TQC Schnellwechsler angefangen. Der ein oder andere hat so einen Schnellwechsler vielleicht vom Bino-Ansatz des Teleskops ohnehin da. Er hat eine Baulänge von 16mm und den großen Vorteil, dass man die Kamera ausrichten kann, wenn sich das Okular beim Zoomen mitdreht oder die Kamera sonst schief am Spektiv hängt.

Sieht doch gleich viel besser aus:

16mm zusätzlicher Abstand dank TQC-Schnellwechsler

16mm zusätzlicher Abstand dank TQC-Schnellwechsler

Die Ecken sind – vor allem rechts – schon fast so gut wie in der Bildmitte. Links ist es etwas verwaschen, aber das dürfte an der Luftunruhe liegen – auch beim Blick durch das Okular hat das Bild ganz gut gewabert, aber ich hatte keine Lust, für diese Tests auf perfekte Bedingungen zu warten. Das Ergebnis ist auch so zu erkennen. Alle Bilder sind übrigens mit den selben Kameraeinstellungen im manuellen Modus gemacht und unbearbeitet.

Mehr Vergrößerung mit ein (oder zwei) 15mm-Verlängerungen

Mehr Vergrößerung mit ein (oder zwei) 15mm-Verlängerungen

Der nächste Schritt: Mehr Abstand mit zusätzlichen 15mm-Verlängeurngshülsen zum Schnellwechsler. Mit einer Hülse bin ich bei 31mm und mit zwei schon bei 46mm. Die 7,5mm-Hülse hatte ich nicht zur Hand.

Das Ergebnis: 31mm sind auf jeden Fall randscharf, 46mm auch, aber das Bild ist schon ziemlich dunkel (Das Spektiv hat bei der kleinsten Vergrößerung von 16x eine Austrittspupille von 4mm).

31mm Abstand mit TQC und 15mm-Hülse

31mm Abstand mit TQC und 15mm-Hülse

46 mm Abstand mit Schnellwechsler und zwei 15mm-Hülsen

46 mm Abstand mit Schnellwechsler und zwei 15mm-Hülsen

Mein Favorit ist dabei eindeutig die Kombination 15mm-Ring plus Schnellwechsler, wobei der Schnellwechsler alleine auch schon ausreicht, wenn es nicht auf absolute Perfektion ankommt – also auch, wenn nicht alles im Bild gleich weit entfernt ist wie die Dachziegel, sondern ein Vogel irgendwo im Geäst sitzt und ich lieber mehr Bildfeld will.

Der Klassiker: 40mm Abstand mit einer einzelnen Verlängeurngshülse

Der Klassiker: 40mm Abstand mit einer einzelnen Verlängerungshülse

Und wie schaut es mit der klassischen Kombination aus, also nur der 40mm-Hülse? Klar – hohe Vergrößerung und ähnliches Bildfeld wie mit der 46mm-Kombination, also an APS-C perfekt.

Mangels Vollformat-Kamera kann ich das nicht an Vollformat testen… Egal, hier das Bild an APS-C. Wie erwartet ist es scharf bis zum Rand, aber auch sehr stark vergrößert. Mit dem großen Abstand der Kamera vom Spektiv muss man das auch erst einmal stabil montiert bekommen, und die Bildhelligkeit (Öffnungsverhältnis) ist recht gering.

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40mm Abstand mit einer einzelnen Verlängerungshülse

Und das ganze zusätzlich mit dem T2-Schnellwechsler:

56mm Abstand mit einer einzelnen Verlängerungshülse und Schnellwechsler

56mm Abstand mit einer einzelnen Verlängerungshülse und dem Schnellwechsler

Mein Fazit:

Für Vollformat würde ich wie gehabt zu einer 40mm-Verlängerungshülse oder zu 2x15mm plus Schnellwechsler raten.

Für APS-C fährt man mit ca. 30mm Abstand ganz gut – z.B. mit 1x15mm Verlängerungshülse + Schnellwechsler

Aus dem Bauch heraus sollte der Schnellwechsler alleiner (oder eine 15mm-Verlängerung) für Micro 4/3 gut ausreichen.

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