Seit November ist eigentlich gar nicht so viel Zeit vergangen, als ich das letzte Mal auf der Hurtigrute wurde war, aber die Welt wird anscheinend immer verrückter. Es sind wahrlich interessante Zeiten geworden, in denen wir auf einmal leben – da tut es gut, rauszukommen und noch einmal die norwegische Küste entlangzufahren. Am 5. März ging es für mich wieder los., zum Glück erst mit dem Mittagsflieger ab Stuttgart. Sogar die Dauerbaustelle bei Pforzheim hat nicht zu sehr aufgehalten, und am KLM-Schalter war keine Schlange. Dafür wurde energisch nach Elektronik im Aufgabepäck nachgebohrt, und zum ersten Mal wurde ich gefragt, ob ich eine Pauschalreise hätte oder Hotels und Mietwagen. Der US-Krieg gegen den Iran macht wohl noch nervöser als der russische Ukraine-Krieg. An der Security darf ich diesmal keinen Sprengstofftest machen, aber es wird alles zweimal durchleuchtet. Nur meine Keilschrifttafel erweckt diesmal kein Misstrauen.
Neue Flugregeln gibt es auch: An Bord darf kein mitgebrachter Alkohol getrunken werden, und Powerbanks dürfen nicht genutzt werden. Hm. Bei meinen ersten Flügen in den 90ern hatte man noch richtige Flugtickets. Dann kam die Handy-App, mit dem Akkupack, falls das Smartphone leer wird, und als Backup das ausgedruckte Flugticket. Und so runter wie man Handy-Akku mittlerweile ist, nehme ich diesmal direkt ein ausgedrucktes Ticket und lasse den QR-Code QR-Code sein, wenn ich im Flugzeug nicht laden kann und beim Umsteigen auch nicht unbedingt auf eine Steckdose zurückgreifen kann.
Aber davon abgesehen klappt alles: Sowohl der Flieger ab Stuttgart als auch der ab Amsterdam sind pünktlich, und mein Gepäck kommt auch mit. Bei bestem Wetter geht es nach Bergen, wo es heiter und hell ist – ungewöhnlich für eine Nordlicht-und-Sterne-Tour, aber es wird noch früh genug dunkel, und rund um die Tag-und-Nachtgleichen sind die Chancen für eine gute Show ohnehin gut, wenn das Wetter mitspielt. Das Polarlicht vom Januar, das bis Süddeutschland zu sehen war, war bei mir im Nebel versumpft. Also ab nach Norwegen.



Über den Flug gibt es nicht viel zu erzählen – die Umbauten am Flughafen in Amsterdam nähern sich dem Ende, und wir kamen pünktlich in Bergen an, wo uns Kai auch schon erwartete. Diesmal sind wir wieder eine relativ kleine Gruppe, sodass im Bus genug Platz war. Im März lohnt sich die Orientierungsfahrt durch Bergen: Es gibt einiges zu sehen, auch wenn die Troldhaugen-Villa von Edvard Grieg diesmal unter einem weißen Zelt verborgen ist.


Dafür wird uns eine größere Stadtrundfahrt gegönnt, durchs Paradies an norwegischem Pragmatismus vorbei (die Kombination Krankenhaus, Altersheim und Friedhof gibt es öfter) ins Stadtzentrum, an Bryggen vorbei durch die Altstadt mit kleinen Holzhäusern und den Schornsteinhäusern, die dank Steinfassaden wie ein Kamin brennen. Die Tankstellen haben übrigens deutsches Preisniveau, Diesel und Super liegen bei 23,89 bzw. 22,89 NOK, also etwa 2,10 bzw. 2,05 Euro. Von wegen, Norwegen ist teuer. Aber die Norweger fahren eh mittlerweile fast alle elektrisch; es wird allmählich schwer (und teuer), als Mietwagen einen Verbrenner zu finden.



Unser Bus fährt übrigens auch elektrisch und ist Made in China. Fotografieren ist aus dem Bus heraus aber nicht ganz einfach: Die getönten Scheiben verfärben das Bild, und die Beleuchtung spiegelt sich blau im Bild, aber was solls.
Schließlich erreichen wir den Hurtigruten-Terminal. Für die nächsten elf bis zwölf Tage (je nach Zählung) wird die MS Nordlys unser Zuhause sein, und nach dem obligatorischen Sicherheitsvideo im Terminal-Gebäude dürfen wir auf das Schiff. An Bord kenne ich erst einmal niemanden, aber viel Zeit bleibt ohnehin nicht: Kurz meine Kabine auf Deck 3 beziehen (maximaler Abstand zum Deck – und so soll ich nach Polarlicht Ausschau halten…), und dann ist um 19:30 auch schon die Infoveranstaltung vom Schiff: Die Crew stellt sich kurz vor, dann kommen die üblichen Infos. Neu ist der Hinweis auf das Drohnenflugverbot. Vom Schiff aus dürfen gar keine Drohnen gestartet werden (soweit nichts neues), und auch an Land achtet die Polizei sehr darauf, dass Flugverbotszonen eingehalten werden. Ein Gast durfte wohl neulich 12000 NOK Strafe zahlen – und am Flughafen in Tromsø gibt es ja einen Drohnenfriedhof mit einigen aufgespiesten Drohnen, die sich nicht an die Flugverbotszonen gehalten haben. Die politische Lage tut ihren Teil dazu, dass die Behörden nervös sind…
Für uns wichtiger: Die Hurtigruten-Foundation wird mal wieder angepriesen. Wenn man auf die tägliche Zimmerreinigung verzichtet, spendet Hurtigruten einen kleinen Betrag an die Foundation. Davon wurde unter anderem der Neubau der kürzlich abgebrannten Turnhalle in Kirkenes bezahlt – es gibt doch noch gute Nachrichten!
Anschließend esse ich eine Kleinigkeit, denn das Restaurant hat nur bis 21 Uhr offen, und um 20:30 legen wir schon ab. Die Nordlys ist ausgebucht, und an der Reling am Heck ist kaum Platz, als ich an Deck gehe – an allen drei Deck drängeln sich die Passagiere. Das kann was geben, wenn wir Nordlicht haben. Da sind die Touren in der Polarnacht entspannter.

Nachdem wir abgelegt haben, gehe ich noch einmal ins Restaurant, mit Kai ein paar Dinge bereden und den Nachtisch essen. Morgen Nachmittag wird unser Welcome-Drink stattfinden, und nach dem längeren Aufenthalt in Ålesund geht es dann wirklich in den Norden. Hoffen wir, dass uns Wetter und Nordlicht freundlich gesonnen sind!


































































































































































































