Jetzt zeigt Norwegen noch einmal, was es kann, und gönnt uns keine Pause: Wir fahren mit der Helgelandküste einen der schönsten Streckenabschnitte entlang, und das bei bestem Wetter. Das bringt so manchen Kamera-/Handy-Akku ans Limit.
Am Polarkreis ist das Wetter noch mies, der nordgehenden Hurtigrute MS Nordnorge begegnen wir im leichten Nieselregen, und am Bug herrscht ein unangenehmer Wind, als wir Kurs auf die Kugel nehmen. Ich habe völlig vergessen, dass auf der Nordnorge auch eine Gruppe von uns ist… aber die Nordlicht-Saison endet langsam, ab April sind die Nächte so kurz, dass man schon Glück braucht, um welche zu sehen. Die Mitternachtssonne kommt.




Danach wird das Wetter zügig schöner, und wir können die Reise südwärts genießen. Um 9:30 gibt es noch einmal einen Polarkreisstempel, und gegen halb elf erreichen wir Nesna für einen kurzen Halt. Draußen ist traumhaftes Wetter, während das Expeditionsteam sein tägliches Gathering veranstaltet.
Die See ist ruhig, das Wetter blendend, wie könnte es besser sein? Eine gute Stunde später erreichen wir Sandnessjøen. Hier gibt es wieder die Chance für einen Besuch auf der Brücke des Schiffs; für einen Gang in die Stadt ist die Zeit leider zu knapp – rund 15 Minuten für einen Spurt durch die Fußgängerzone lohnen sich nicht. Vor einigen Jahren lagen wir hier noch 45 statt 30 Minuten, da hatte das eher Chancen. So kann man schon mal einen Blick auf die Berggipfel der Sieben Schwestern werfen, die sich majestätisch hinter der Stadt erheben.
Wir verlassen Sandnessjøen mit etwas Verspätung, vorher soll sich noch eine Kabine an der Rezeption melden – fehlt jemand? Aber es dauert nicht lange, bis wir ablegen und die Sieben Schwestern an unserer Backbordseite vorbei ziehen. Immer wieder schön, wenn man sie mal sieht.
Am Horizont taucht schon der Torghatten auf, der berühmte Berg mit Loch. Aber Zeit zum Durchschnaufen ist nicht: Um 14 Uhr ist die Farewell-Veranstaltung des Schiffs – ein kleiner Umtrunk mit Ansprache durch die Restaurant-Chefin, der entgegen der Info in der Hurtigruten-App jetzt für alle Gäste ist und nicht nur für die von einer Sitzung. Eine kurze Ansprache im Panoramasalon vorne auf Deck 7, ein Skål, und die Reise nähert sich offiziell ihrem Ende. Morgen in Trondheim werden uns bereits einige Gruppen verlassen, daher gibt es das Captain’s Dinner bereits heute.
Aber noch ist es nicht so weit: Um 15 Uhr erreichen wir Brønnøysund.




Außer einem Besuch in der Mitte Norwegens steht hier heute nichts touristisches für mich auf dem Programm. Ich muss nur noch einkaufen, sonst stehe ich am Dienstag vor einem leeren Kühlschrank. Rentierwurst steht auf dem Programm; die wird hier teils gekühlt und teils ungekühlt verkauft, muss also bis Montagabend in meiner Kabine bzw. im Gepäck durchhalten. Im Coop ist sie ausverkauft, und die Gruppe Hauser (eine andere Reisegruppe, die mit uns an Bord ist) stellt beim Gang durch den Coop fest, dass auch Moltebeeren-Marmelade ausverkauft ist. Im Kiwi werde ich aber fündig, gerade noch rechtzeitig.
Falls jemand fragt: Beim Zoll gibt es die Einfuhrregeln. Walfleisch wäre ein absolutes No-Go, und Marmelade darf nicht ins Handgepäck. Aber Rentiere sind nicht geschützt.
Wir legen mit leichter Verspätung in Brønnøysund ab. Das ist etwas problematisch, weil es mittlerweile auch hell genug ist, um das Loch im Torghatten zu sehen. Das erreichen wir kurz nach 18 Uhr, und das Captain’s Dinner fängt immer schon um 18 Uhr an. Es konnte auch noch niemand sagen, ob wir schon den Aussichtspunkt ansteuern. Also: An Deck bleiben und das Abendessen riskieren…
Das Warten lohnt sich, um 18:05 sind wir in Position und sehen das Loch, das fast groß genug ist, um unser Schiff der Länge nach durchzuschieben. Danach ab zum Vier-Gänge-Menü, gerade noch rechtzeitig um zu bestellen.
Am Abend gibt es anschließend noch einen Bonus: T. Roll, der Beauftragte für Unterirdisches von Statens Trollvesen, kommt zu Besuch und berichtet die volle Wahrheit über Trolle. Da muss ja mit einigen Dingen aufgeräumt werden. Rørvik erreichen wir pünktlich, und der Vortrag endet – vielleicht muss er sich um einige Draugr kümmern, jedenfalls haben wir auf der Folda durchaus Seegang. In Rørvik gab es ein paar Sterne und Schneegraupel; später am Abend schaue ich nochmal ans Heck: Da sind tatsächlich schwache Polarlichter zwischen den Wolken, aber nichts, was sich lohnt. Meine Kamera am Heck sieht zwar was, aber für das Auge bleiben es graue Nebelschleier. Die Kamera dann wieder einzuholen, ist durchaus anspruchsvoll: Das Heck macht ein ordentliches Auf und Ab, die drei Meter zur Heckreling sind nicht trivial. Zum Beobachten mache ich es mir auf den Liegestühlen am Heck auf Deck 5 bequem, aber die helle LED-Beleuchtung stört schon ziemlich.

Ich gebe über unsere WhatsApp-Gruppe Bescheid, dass da zwar was ist, es sich aber nicht lohnt, und nach 20 Minuten gebe ich auch auf. Da tut sich nichts, was den Seegang wert wäre. Später in der Nacht schaue ich noch einmal raus, aber es hat komplett zugezogen. Zeit für Feierabend.



