Einen Vorteil hat eine Kabine über dem Seitenstrahlruder (oder vielleicht auch den Propellern – die sind wohl verstellbar und im richtigen Winkel auch für die ganzen Vibrationen im Speisesaal verantwortlich sind): Ich kriege mehr von der Reise mit als üblich. Heute bin ich auch wieder vor dem Wecker wach; normalerweise weckt mich in Harstad die Durchsage für die Teilnehmer der Versterålen-Bustour. Aber diesmal nicht!
Als wir Harstad erreichen, bin ich schon an Deck und begrüße die nordgehende Havila Polaris; gleichzeitig bieten sich noch schöne Blicke auf die alte Trondenes-Kirche – jetzt sogar mit Bergen im Hintergrund, auch wenn das Wetter bei weitem nicht perfekt ist. Gibt das wieder einen Tag in den mystischen Vesterålen, wenn man sie vor lauter Wolken und Nebel nicht sieht? Abwarten. Die Hafenfront von Harstad gibt mit ihren Neubauten nicht so viel her, sodass ich mich erst einmal dem Frühstück widmen kann. Langsam beginnt auch die Kreuzfahrtsaison, bzw. wir kommen in das Gebiet, dass die Kreuzfahrtschiffe heimsuchen: Eine Aida nimmt ebenfalls Kurs auf die Vesterålen.






Während der Busausflug andere Perspektiven auf die Inseln eröffnet, genieße ich die ruhige Fahrt auf dem Schiff. Das Wetter bessert sich, immer öfter blauer Himmel – so macht das schon mehr Spaß.
Kurz nach 10 Uhr nähern wir uns der Risøyrinne, der Fahrtrinne nach Risøyhamn, die nur etwas tiefer ist als die größten Hurtigrutenschiffe. Das ist immer schwer zu fotografieren, man sieht lediglich die Fahrbahnmarkierungen, nur bei Ebbe und ruhiger See sieht man auch den Meeresgrund.




Auch diesmal sind zahlreiche Kormorane zu sehen, die die Baken besiedeln. In Risøyhamn legen wir nur kurz an, bevor es weiter nach Sortland geht. Das touristische Highlight des Ortes ist der Königsstein: In dem kleinen Park links vom Anleger, am Ende der kleinen Treppe, steht ein Stein, auf dem sich die norwegischen Könige anlässlich Eröffnung und Vergrößerung der Risøyrinne verewigt hatten. Für die Vesterålen war das eine wichtige Infrastrukturmaßnahme, da sie die Anbindung an des Festland deutlich schneller macht.
Wir fahren wieder gemütlich weiter nach Sortland, wo wir an den Bug gebeten werden: Das Expeditionsteam verteilt Flaggen, damit wir die Ausflugsbusse begrüßen können: Sie fahren über die Brücke, wenn wir darunter hindurchfahren. Als wir noch ein gutes Stück entfernt sind, fährt ein Bus über die Brücke… aber er gehört nicht zu uns, Glück gehabt. Das Timing stimmt wieder, und Schiff und Busse hupen um die Wette.



Auch in Sortland haben wir nur einen kurzen Halt, Aussteigen lohnt sich nicht. Das Einsteigen gestaltet sich aber auch schwierig: Die Nordlys war zu vorsichtig an den Anleger herangefahren und dümpelt in einigem Abstand vor der Kaimauer, bis sie es endlich an den Anleger schafft.
Die Reise geht weiter nach Stokmarknes, wo uns wieder dichtere Wolken erwarten. Hier sind der Geburtsort der Hurtigrute und das Hurtigrutenmuseum mit der alten MS Finnmarken aus den 1950ern; wir kommen fast pünktlich an – dank Kartenvorverkauf genug Zeit für einen kurzen Besuch auf dem alten Schiff.


Trotzdem: Eine Stunde Liegezeit ist nicht lang, und dann fahren wir auch schon wieder Richtung Raftsund. Viel Zeit zum Durchatmen hat man heute nicht: Die Einfahrt in den Sund, der Vesterålen und Lofoten trennt, ist genauso eindrucksvoll wie die Fahrt zwischen seinen hohen Bergen hindurch.



Diesmal halten wir auch am Trollfjord, und die Nordlys dreht einmal auf der Stelle, damit jeder einen Blick hinein werfen kann. Immer wieder schön, auch wenn wir wegen der Lawinengefahr noch nicht wieder hineinfahren dürfen. Dann sind seine steilen, hohen Wände richtig imposant.
Da es in Svolvær einige Ausflüge gibt, öffnet das Restaurant schon um 17:30 mit Buffet und freier Platzwahl. Svolvær erreichen wir im letzten Abendlicht, zur Abwechslung ist somit auch die Statue der Fischersfrau an der Hafeneinfahrt zu sehen. Sie erinnert an die daheimgebliebenen Frauen, deren Männer oft genug vom Fischfang auf hoher See nicht zurück kamen.



Die Fischgestelle am Hafen sind auch gut bestückt, gut dass es windig ist – es liegt was in der Luft… In Svolvær mache ich noch kurz einen Besuch in den Souvenirshops. Es gibt wenig neues, aber zum ersten mal sehe ich die Abzeichen für Wanderstöcke für die Gegend – zum Aufkleben, damit sie auch auf die modernen, zusammenschiebbaren Carbon-Stöcke passen, und Made in Germany.
Ich verzichte und schließe mich dem Rest der Gruppe an, die schon den Anker ansteuert, unsere gemütliche Stammkneipe. Bei knapp zwei Stunden Liegezeit bleibt genug Zeit für ein gemütliches Bier, bevor es zurück aufs Schiff geht. Kai hatte schon auf der letzten Tour ein Quiz vorbereitet, jetzt stellen wir etwas mehr als 20 einfache Fragen zur Diskussion. Derweil kommt etwas leichte Bewegung ins Schiff, bis Svolvær merken wir endlich, dass wir auf einem Schiff sind.
Nach dem Quiz kriegen wir auch was: Die Gruppe bedankt sich schon einmal für die Reise, und ich bekomme ein Souvenir.
Ihr spinnt ja:-) Ich hab euch lieb, ganz herzlichen Dank noch einmal!
Damit endet der Tag auch. In Stamsund legen wir kurz an, dann geht es über den Westfjord nach Bodø. Ich arbeite noch ein bisschen die Reise auf, mit Blog und mehr, und mache dann auch Feierabend.
In Bodø waren wohl noch einmal Polarlichter zu sehen, aber das verschlafe ich.



