Wir sind im hohen Norden, und das Wetter ist irgendwie gegen uns. Ich bin noch vor dem Einlaufen in Harstad wach, aber fotogen sind die Vesterålen heute nicht: Es ist regnerisch-trüb. Das kann die Wasserfontaine vor dem Hafen, die kurz an ist, als wir ankommen, auch nicht ausgleichen. Immerhin sind die Arbeiten am Hafen mittlerweile weitestgehend abgeschlossen, und neue Hafengebäude stehen zwischen uns und der Innenstadt. Tja.
Nach dem Frühstück bin ich an Deck, das Auslaufen und die Trondenes-Kirche fotografieren – es ist hell genug, dass man sie mal schön sieht, dafür ist von den Bergen im Hintergrund nichts zu sehen. Kurz darauf begegnen wir noch der südgehenden Havila Capella, die nach uns in Harstad anlegt, und immer wieder sind Schiffe der norwegischen Marine zu sehen, die wohl am aktuellen Manöver teilnehmen. Un betrifft das nicht, wir fahren unbehelligt Richtung Finnsnes.



Die Zeit bis Harstad nutze ich für eine kleine Signierstunde, und um 10 Uhr halte ich meinen nächsten Vortrag: Der Sternenhimmel, gepaart mit ein paar griechischen Sagen. Ein kleiner Streifzug durch den klaren Nachthimmel, den wir gerade doch vermissen, während draußen die Landschaft in Wolken und Nebel verschwindet.



In Finnsnes haben wir wieder nur einen kurzen Halt. Ich begnüge mich mit ein pqaar Fotos vom Schiff herunter: Die berühmte Schokoladenwerbung und die Statue des Seefahrers Ottar von Hålogaland, die am Ende des Hafenbeckens steht und von unserem Heck aus zu erspähen ist. Ein Stück weiter ist die Brücke, die Finnsnes mit der hübschen Insel Senja verbindet, aber dort hängen die Wolken ebenso effektiv wie bei uns.
In Finnsnes gibt es auch die Option, die Brücke der Nordlys zu besuchen. Vor zehn Jahren war das kein Problem, dann war es eine zeitlang fast unmöglich, und jetzt gibt es immer häufiger wieder die Chance.
Die anschließende Fahrt nach Tromsø ist ruhig: Es gibt einen Vortrag über norwegische Musik, draußen regnet es leicht vor sich hin, und auf Deck 4 hat eine stille Auktion begonnen. Die Postflagge, eine Seekarte und ein altes Bild werden versteigert, allerdings nicht als klassische Auktion, sondern über Listen, in die man sein Gebot einträgt. Mal sehen, ob ich Erfolg habe; das Interesse ist eher verhalten.
Auf dem Schiff ist es derweil eng: Die Reisegruppe(n), die auf den Lofoten zugestiegen sind, belegen die meisten Plätze, und irgendwann kommt die Durchsage, dass die bis Tromsø gebuchten Passagiere jetzt wirklich ihre Kabinen räumen müssen. Da bin ich ganz froh, mich auf meine Kabine zurückziehen zu können.
Als wir Tromsø erreichen, wird aus dem Regen erst Schneeregen und dann Schneefall – immerhin. Aber Tromsø macht es einem trotzdem nicht leicht, es zu mögen. Schönes Wetter ist bei meinen letzten Besuchen wirklich eine Seltenheit geworden, und das typische wechselhafte norwegische Wetter ist auch eher stabil geworden. Die Frage, ob sich die Fahrt auf den Hausberg Storsteinen lohnt, klärt sich auch: Man sieht ihn kaum. Trotzdem: Ein Gang durch die Stadt muss sein, die üblichen Sehenswürdigkeiten abklappern und einen Blick in die zahlreichen Touri-Shops und Einkaufszentren werfen. Seit 2019 sind die Gästezahlen wohl um 80% gestiegen, was dem Flair der Stadt nicht besonders gut tut.
Das Wetter ist auch der Grund dafür, dass einige Ausflüge ins Wasser fallen – Hundeschlitten in Tromsø ist heute nicht, allenfalls Seehundeschlitten wären möglich:-) Auch die RIB-Boat-Safari zum Saltstraumen gestern in Bodø war abgesagt worden.






Immerhin ist mein Besuch diesmal günstig; ich finde nichts, was mich anlacht. Viele kleine Geschäfte, in denen ich früher öfter war, sind mittlerweile verschwunden.Daher gibt es für mich heute nur einen Stadtbummel, bevor ich wieder aufs Schiff gehe. Dort gibt es um 18 Uhr Buffet; das Nordkap-Buffet mit Schwerpunkt Meeresfrüchte ist weiterhin vorverlegt worden.
Um 21 Uhr gibt es dann noch etwas Action: Um 21 Uhr endet die stille Versteigerung. Viel hat sich nicht getan, und es interessiert auch keinen Auktionator – im Kleingedruckten steht, dass sie erst morgen um 21 Uhr endet. Blöd. Und irgendwo ist diese Art der Versteigerung langweilig. Aber so erfahren wir erst morgen, wer gewinnt.
Draußen wird es auch nicht besser, vor Skjervøy gibt es beinahe sowas wie Wolkenlücken, gleichzeitig schneit es. Mit Polarlicht wird das heute nichts mehr. Mist.
Aber so kann man immerhin zu einer normalen Zeit ins Bett, auch wenn mir ein grüner Himmel lieber wäre.


