Hurtigrute Tag 4: Bodø

Das Tagesprogramm

Es ist soweit: Wir kommen in den Norden und lassen das schöne Wetter hinter uns. Gestern Abend wurde wieder zum Polarkreiswettbewerb aufgerufen: Wann überqueren wir den Polarkreis? Das ist meistens irgendwann zwischen 7:30 und 8:30, variiert aber immer wieder, obwohl wir den nächsten Hafen in der Regel pünktlich erreichen. Es hängt davon ab, wie viel Fracht wir in den letzen Häfen aufnehmen, was Wind und Wellen machen, und wann der Captain wieviel Gas gibt.

Morgens um 7 kurz vor dem Polarkreis

Dementsprechend früh klingelt der Wecker heute. Ein Blick auf die Schiffsposition auf Marinetraffic: Ich habe noch genug Zeit, um etwas zu frühstücken.

Vorher aber ein Blick auf Deck: Dramatische Wolken, so macht auch schlechtes Wetter Spaß. Schroffe Felsen und tiefhängende, dunkle Wolken haben ihren ganz speziellen Reiz – aber gut, dass wir nicht mit einem alten Wikinger-Langschiff unterwegs sind, sondern ein bequemes Schiff und ein Dach über dem Kopf haben! Das Frühstücksbuffet war bei den Wikingern bestimmt auch nicht so gut…

Das Expeditionsteam gibt uns per Durchsage eine Viertelstunde Vorwarnzeit, und um 7:49:01 überqueren wir den Polarkreis, was das Schiffshorn lautstark verkündet. Sehr angenehm: Im März ist es jetzt schon hell, und man sieht die Insel Vikingen mit der Kugel auch ohne Schiffsscheinwerfer.

Die südgehende Hurtigrute Richard With, der wir normalerweise kurz nach dem Polarkreismonument begegnen, hat etwas Verspätung. Wir fahren einem Sturm hinterher, die musste wohl mit ihm kämpfen. Also habe ich noch etwas Zeit, bis wir ihr begegnen.

Die Richard With

Erst gegen 20 nach 8 taucht die With aus dem Nebel aus, der die dramatisch-schönen Wolken mittlerweile verdrängt hat. Anschließend wird es draußen immer unschöner, von der Landschaft ist nicht mehr viel zu sehen – alles ist in viel zu mystische Wolken gehüllt. Der kleine Hafen Ørnes, der vor einer prächtigen Bergkulisse liegt, wirkt da auch weit weniger beeindruckend als sonst, und der Nieselregen tut sein übriges.

Aber es hilft ja nichts, da muss man an Deck gehen!

Ørnes
Polarkreistaufe

Nach einem kurzen Halt verlassen wir Ørnes auch schon wieder, und um 10:45 steht die Polarkreiszeremonie auf dem Programm. Njørd wird aufgerufen und steigt von den Whirlpools auf Deck 7 auf, um seine Pflicht zu tun: Die Gewinnerin des Wettbewerbs wird bekanntgegeben und erhält mit der Schiffsflagge auch die erste Taufe, anschließend haben alle anderen ihre Chance auf eine Kelle Eis. Besonders motiviert sind Njørd und sein Helfer vom Schiff aber nicht: Es wird sanft getauft. Wo auf anderen Schiffen auch mal der Kragen zurückgezogen wird, um die Jacke mit Eis aufzufüllen, dürfen die Täuflinge hier sogar ihre Kapuzen aufbehalten. Nett war der Kinderwagen mit Regenschutz, der auch eine Kelle Eis abbekam.

Und dann überschlagen sich die Ereignisse: Um 11:30 steht mein Vortrag an, zeitgleich mit dem (ursprünglich für 11:15 angesetzten) Polarkreisstempel. Aber wir haben aus dem Vortragsraum Blick auf das provisorische Postamt, sodass ich eine kurze Vortragspause einlege, als die Schlange draußen kürzer wird. Soll ja jeder eine Chance auf einen Stempel haben.

Dann bleibt noch Zeit für das Mittagessen, bevor wir gegen 13 Uhr Bodø erreichen. Die Stadt hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Sie wurde ja im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört, anschließend schnell wieder aufgebaut, und was damals entstand, ist jetzt auch schon wieder größtenteils weg. Viele Bauprojekte, die ich im letzten Jahrzehnt hier wachsen gesehen habe, sind jetzt fertig, und das Ergebnis ist eine moderne, aber nicht unbedingt hässliche Stadt. Es braucht zwar ein bisschen, um sich den Reiz zu erschließen, aber es gibt ein paar schöne Ecken.

Eine der größten Änderungen betrifft den Flughafen: Der Militärflughafen wurde aufgelöst und ist seit kurzem im Raum Trondheim; der aktuelle Flughafen wird um rund zwei Kilometer verlegt und macht Platz für ein Neubaugebiet. Mit Blick auf Russland wird aktuell überlegt, ob die Entscheidung so klug war, den Militärflughafen im Nordland aufzulösen, aber die Grundstücke sind schon verkauft… Trotzdem findet ab Morgen wieder eine Militärübung statt.

Für uns viel interessanter ist das Wetter: Bodø ist für stürmisches Wetter bekannt, und der Wetterbericht hat eher Wasser mit Schlitzen drin angesagt als normalen Regen. Aber wir haben Glück: Bei leichten Plusgraden nieselt es nur; es ist zwar dunkel-trüb, aber nicht zu unangenehm. Am Sonntag kann man auch nicht in den Geschäften Schutz suchen.

Blick in die Fußgängerzone

Das Anlege-Manöver dauert ein wenig, bis die Gangway unten ist, aber knapp zwei Stunden bleiben für einen Gang durch die Stadt. Dank der Graffiti sehen wir wieder Polarlicht an einer Hauswand, und die Stadt hat noch eine Mischung zu bieten aus einigen Altbauten, der modernen Kirche, neuen Hochhäusern und dem Rathaus, in das wir heute leider nicht hineinkommen: Ein heller Bau, der drei Gebäude verbindet und ein interessantes Innendesign hat: Stühle und Tische hängen im 90°-Winkel an der Wand.

Nur die Hauptstraße zeigt mal wieder, warum Bodø einen schlechten Ruf hat: Sie ist eine einzige große Baugrube.

Pünktlich zur Abfahrt sind wir wieder auf dem Schiff, und ich mache erst einmal Pause. Für die Fahrt über den Westfjord sind bis zu drei Meter hohe Wellen angesagt, aber die Überfahrt ist sehr ruhig und wird nur durch einen unangekündigten Vortrag mit Fun Facts über Norwegen unterbrochen. Das Expeditionsteam ist gerade etwas überbesetzt, es gibt einen Azubi.

Weltfrauentag

Das Abendessen auf dem Westfjord ist für die meisten kein Problem, die Lücken an den Tischen kommen von den Leuten, die auf dem Wikinger-Ausflug an Land essen werden. Nett: Es ist Weltfrauentag, und die Damen erhalten ein Gläschen Sekt am Eingang vom Restaurant. Ausnahmsweise ist auch Politik ein Thema: Es sind gerade Landtagswahlen, und der Süden ist in unserer Gruppe stark vertreten.

Und dann erreichen wir die Lofoten-Inseln. In Stamsund verlassen uns die Teilnehmer des Wikinger-Fests, dafür steigen einige Passagiere neu zu. Wir fahren weiter nach Svolvær, von den Bergen der Lofoten ist aber nichts zu sehen: Es ist neblig, sogar die Schiffsbegegnung kurz vor Svolvær ist unspektakulär. Erst kurz vorher ist die südgehende Hurtigrute zu sehen.

Stamsund

In Svolvær haben wir beinahe Wetterglück, zumindest regnet es nicht. Für einen kurzen Spaziergang zur Kirche mit dem Skulpturenpark langt die knappe Stunde Aufenthalt. Währenddessen kommt nicht nur ein Lieferwagen mit Pizza an Bord, sondern auch viele neue Passagiere, vor allem aus Fernost. Mal sehen, wie viele nur für den Trollfjord an Bord sind und in Stokmarknes oder Tromsø aussteigen – aber dort sollen die nächsten großen Gruppen an Bord kommen, für die Teilstrecke bis Kirkenes oder die Rundtour zurück bis Tromsø.

Mittlerweile werden auch die Stockfischgestelle schon wieder bestückt, die Fischerei spielt hier immer noch eine große Rolle. Im kleinen Kunstpark hinter der Kirche gibt es nichts neues, daher bin ich pünktlich wieder an Bord.

Fiskekake

Aber auch wenn es nicht regnet: Es ist neblig und unschön. Der Besuch an der Mündung des Trollfjords wird abgesagt, die Fiskekake (“Fischküchle”, also Fischbulletten statt “Fleischküchle”) werden ab 22:45 im wettergeschützten Multe-Cafe auf Deck 7 serviert. Heute müssen wir also nicht bis Mitternacht ausharren.

In diesem Sinne: Gute Nacht!

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