Hurtigrute Tag 3: Trondheim

Der Tagesplan

Langsam kommt Schwung in die Reise, es geht mit großen Schritten nordwärts, auch wenn es über den Tag nciht so viel zu erzählen gibt..

Der Morgen beginnt mit herrlichem Wetter, mein Nordlicht-Zeitraffer der letzten Nacht ist auch schon fertig, und heute steht Trondheim auf dem Programm, die alte Königsstadt Norwegens, für die wir wie immer zu wenig Zeit haben. Die Fahrt durch den langen, aber wenig eindrucksvollen Trondheimfjord ist entspannt – man sieht halt nur die vergleichsweise flache Landschaft entlang des mit 130 km drittlängsten Fjords Norwegens und merkt nichts davon, dass er stellenweise über 600 Meter tief ist. Die Landschaft ist eher entspannt. Wir erreichen Trondheim pünktlich, die Insel Munkholmen liegt schön in der Sonne, nur die Schiffsbegegnung fällt aus: Der Anleger ist leer, wir können direkt und ohne Verzögerung anlegen. Die Polarlys, der wir hätten begegnen sollen, ist wohl gerade in der Werft; die Sauna soll aus dem Schiffsrumpf an Deck und einen Whirlpool ersetzen. So gibt es mehr Platz für die Besatzung, die sich oft genug Kabinen teilt.

Und dann: Nichts wie runter vom Schiff. Ich mache meine übliche Runde durch Trondheim, diesmal zusammen mit Kai. Bei fast 10 Grad ist das angenehmes Wanderwetter, nur vereinzelt liegt noch etwas Schnee oder Eis und sorgt dafür, dass man auch einen Blick auf den Boden werfen muss.

Der erste Halt ist wieder das alte Werftviertel Nedre Elvehavn. Ein Stück links davon liegen alte deutsche UBoot-Bunker, von denen einer heute als Archiv genutzt wird, aber Neubauten verbergen den Blick darauf.

Das schmucke Werftviertel bietet neben restaurierten Industriegebäuden, die heute Läden, Restaurants und unbezahlbare Wohnungen beherbergen, auch eine Eislaufbahn. Viel Zeit zum Anschauen gibt es aber nicht, wir haben nur drei Stunden Liegezeit, und gute 20 Minuten dauert es vom Anleger bis in die Stadt auf jeden Fall.

Zwei Straßen weiter kommt auch schon das alte Arbeiterviertel Bakklandet mit seinen schmucken, zweigeschossigen Holzhäuschen. Wir nehmen zur Abwechslung den Weg am Fluss entlang, der der Stadt einst ihren Name gegeben hat: Heute erinnert noch der Name des Doms an das alte Nidaros, das an der Mündung (oss) des Flusses Nid errichtet wurde. Noch im Mittelalter änderte der Name der Stadt sich in Trondheim.

Heute spiegeln sich die Holzfronten der alten Lagerhäuser wunderbar im Fluss, und der Dom kommt auch schon in Sicht. Die Kreuzung an der alten Stadtbrücke ist immer noch Großbaustelle, der Fahrradlift ist auf der anderen Seite der Baugrube. Ich mache noch einen kurzen Abstecher zu meinem üblichen Fotostop, um die alte Stadtbrücke und den Dom auf Bild zu kriegen, bevor es über die alte Stadtbrücke zum Dom geht.

Trondheim-Panorama

Der Nidaros-Dom geht auf eine Kapelle aus dem 11. Jahrhundert zurück und hat eine wechselvolle Geschichte voller Verfall und Zerstörung – Wikipedia hat da einige weitere Informationen. Die Türme wurden erst in den 1960ern fertig neu aufgebaut, an der Fassade wurde bis in die 1980er gearbeitet.

Dann ist es auch schon an der Zeit für den Rückweg, durch das Trondheim Torg Einkaufszentrum, in das alte Holzhäuser integriert sind, über den Bahnhof und den Hafen zum Schiff. Ein paar Minuten Luft blieben sogar noch, bevor wir uns auf die Reise nordwärts machen. Immer wieder schön, aber eine Stunde mehr Zeit wäre noch schöner.

Da gibt es eigentlich nicht viel zu erzählen. Trotz leichter Bewölkung ist es eine ruhige Fahrt durch den Fjord, und um 14 Uhr wird für den Calumet Fotoclub des Schiffs geworben, samt Fototipps. Bei dieser Veranstaltung gab es einmal einen gruslig KI-übersetzten Film, seitdem mache ich da einen Bogen drum – wenn nicht mal das Geld für einen richtigen Sprecher da ist, habe ich kein Interesse daran. Dann können die Bilder von mir aus auch gleich KI-generiert sein, ich bin raus. Lieber was von und mit echten Menschen.

Oder was mit echten Muscheln: Um 15:15 servierte der Küchenchef Miesmuscheln auf Deck 7, und kurz darauf stand der unaussprechliche Leuchtturm Kjeungskjær Fyr auf dem Programm. Kurz vorher gab es auch noch einen hübschen Halo-Effekt rund um die Sonne.

Anschließend: Ruhe und Frieden, und Zeit, um mit ein paar Leuten ins Gespräch zu kommen, während die Landschaft an uns vorbei zieht. Nur die Wolken werden nicht weniger… Das tägliche Treffen mit dem Expeditionsteam spare ich mir, sodass der nächste Tagesordnungspunkt das Abendessen ist. Diesmal habe ich auch einen Stuhl, am ersten Abend war irgendwie nur ein Stehplatz für mich vorgesehen…

Schon seit einigen Jahren läuft das Abendessen so ab, dass man aus je drei Vorspeisen, Hauptgerichten und Nachtischen wählen kann. Da findet man eigentlich immer was, und eineinhalb Stunden später habe ich noch einen Einsatz: Mein erster Vortrag steht, über das Nordlicht. Das hatten ja gestern die meisten schon gesehen, die den Alarm mitbekommen haben. Jetzt also die Erklärung dazu, und ein Blick auf die Prognose: Sieht schlecht aus, die Webcams zeigen primär Wolken, und auch bei uns scheinen die Schleierwolken, die uns schon den ganzen Tag begleiten, eher zuzunehmen. Also gebe ich mal vorsichtige Entwarnung und quatsche mich nach dem Vortrag fest.

Und was passiert? Kurz darauf kommt die Durchsage: Vi har Nordlys. Gegen 21 Uhr sind noch alle wach; bis ich in meiner Kabine bin, die Kamera geholt habe und wieder auf Deck 5 bin, sehe ich nur noch die Karawane zum Bug ziehen – keine Chance, da durchzukommen, aber hinten auf Deck 5 ist der Blick auch gut, nur das Nordlicht enttäuscht.

Die Kamera sieht zwar grün, aber für das Auge ist es nur ein grauer Bogen hinter einem Grauschleier. Die Wolken sorgen dafür, dass kaum Sterne zu sehen sind, und das Polarlicht letztlich enttäuschend bleibt. Das war gestern besser.

Rørvik

Bis Rørvik wird die Show nicht besser, und im Hafen ist dann sowieso nichts mehr zu sehen – alle Lichter gehen an. Als wir ablegen, sehe ich auch kein Grün mehr am Himmel. Gut, dass die Polarlicht-Garantie gestern schon eingelöst wurde und nicht für das bisschen heute.

Da wir in die Wolken hineinfahren sollen, mache ich heute auch relativ zeitig Schluss – morgen steht schon der Polarkreis auf dem Plan, und abends der Trollfjord. Das gibt einen langen Tag.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert