Nach dem stressigen Anreisetag steht heute beinahe ein Ruhetag an. Die Fahrt am Westkap vorbei war sehr ruhig, dafür ist Torvik eher ungastlich: Wir erreichen den kleinen Hafen in der Morgendämmerung mit leichtem Regen. Torvik ist wie immer nur ein kurzer Halt, aber immerhin der erste Hafen, von dem ich was habe.
Das stimmt nicht ganz: Meine Kabine auf Deck 3 ist über dem hinteren Seitenstrahlruder, daher habe ich auch Florø mitten in der Nacht mitbekommen. Bin gespannt, wie die Reise wird… Ich bin schon gegen sieben Uhr wach, noch vor meinem Wecker, und kann daher in aller Ruhe frühstücken gehen, noch bevor wir Torvik erreichen. Draußen ist die See beim Westkap zwar ruhig, aber schön ist was anderes. Es tröpfelt.
Morgengrauen am WestkapÜbernachtbrei?Rote FischerhäuschenKurs TorvikTorvik
Zu den Kleinigkeiten, die an Bord zum Schmunzeln anregen, gehören ja immer wieder die Übersetzungen. In den letzten Jahren war es besser geworden, mittlerweile scheinen die Übersetzer aber vermehrt durch KI ersetzt zu werden. Zum Frühstück gibt es “Übernachtbrei”, und statt Schiffsbegegnungen steht nun das “Schiff der Begegnung” auf dem Tagesprogramm. Am Frühstücksbuffet hat sich sonst nicht viel geändert; man kann sich ein English Breakfast mit Spiegelei und Würstchen zusammenstellen, oder Brote mit den verschiedensten Belägen bis hin zu braunem Käse und frischem Lachs. Ich weiß, warum ich das Mittagessen meist ausfallen lasse, das Frühstück langt mir.
Kai ist auch schon unterwegs, und am Vormittag bieten wir unsere Reiseleitersprechstunde an, mit Tipps zum Tagesprogramm in Ergänzung zu den Infos in der internen Whatsapp-Gruppe unserer Gruppe. Die Papieraushänge der ersten Reisen sind längst Geschichte, aber so findet auch jeder Gast die Infos zuverlässig.
Bei Torvik gehe ich kurz raus in den Nieselregen und mache ein paar Fotos; bis Ålesund wird das Wetter immer besser – wir erreichen die Jugendstilstadt bei Bewölkung und angenehmen Temperaturen, um die 5 Grad plus haben wir heute.
Im Herbst haben wir einen kürzeren Aufenthalt in der Stadt, dann geht es in den Hjørundfjord. Jetzt im Winter fährt nur ein Oldtimerschiff in den schönen Fjord, was als Ausflug gebucht werden kann – lohnenswert, aber ich verpasse die Abfahrt und sehe das Schiff diesmal nicht ablegen.
Kurs Ålesund
Das Wetter wird erfreulich schnell besser. Ich nutze die Gelegenheit, um mal wieder auf den Hausberg Aksla hochzusteigen. Es sind immer noch 418 Stufen, aber irgendwie wird es jedes Mal steiler… Aber beim Weg zum Berg bieten sich die ersten Gelegenheiten, mit unseren Gästen in Kontakt zu kommen, und entlang der Treppe sind auch genug Bänke. Man hat ja keinen Zeitdruck, auch wenn unser Welcome-Drink auf 14:30 festgesetzt wurde (parallel zur Sicherheitsübung der Schiffsbesatzung).
Der Blick vom Berg lohnt sich wieder, mittlerweile haben wir weitestgehend blauen Himmel. Traumhaft, und die Wintersachen sind zu warm.
Zurück im Jugendstilzentrum – die Stadt war Anfang des letzten Jahrhunderts abgebrannt und im Jugendstil schön neu aufgebaut worden – sehe ich im Brosund ein paar Kajakfahrer, auch das ist ein Ausflug, den Hurtigruten anbietet. Ich gehe weiter bis zur Kirche (die gerade saniert wird und eingerüstet ist) und hoch zum Storhaugen, dem kleineren Aussichtshügel.
Blick vom Storhaugen
Anschließend ging es für mich mit Halt im Supermarkt zurück zum Schiff, duschen (nach dem Aksla sinnvoll) und für unseren Welcome-Drink fertigmachen.
Wir sind eine überschaubare Gruppe, was schön ist: Man kommt leichter ins Gespräch, und Süddeutschland überwiegt auch. Man kennt die Dialekte:-) Anschließend bleibt genug Zeit für einen weiteren Spaziergang durch Ålesund. Ein kurzer Abstecher zum Museum und den Fluchttunnel, neben dem ein Geschäft leer steht und dezent gegen den Massentourismus protestiert.
Hier öffnet demnächst ein Touri-Shop, verkünden die Plakate, mit chinesischen Plastiktrollen für chinesische Touristen – und alle andere, die sich Voll-, Teilzeit- oder Gelegenheitstouristen betrachten, egal aus welchem Land. Oder es entsteht eine Thai-Massage, die sich freut, uns als Gäste willkommen zu heißen.
Ålesund hat 60.000 Einwohner und allein 2023 über 650.000 Kreuzfahrtgäste, sogar noch mehr als Bergen (auch wenn dort mehr Kreuzfahrtschiffe anlegten). Der Geirangerfjord ist nicht weit entfernt, kein Wunder, dass das Städtchen überrannt wird und es manchem Einheimischen zu viel wird.
Da bleibt für uns das gute Gewissen, dass die Hurtigrute kein Kreuzfahrtschiff ist, sondern tatsächlich einen Versorgungsauftrag hat und die Passagiere dafür sorgen, dass bezahlbar Fracht in die Gemeinden im hohen Norden gebracht werden kann, wenn Flugzeuge oder Straßen ausfallen.
Vor dem Abendessen gibt es an Bord noch eine Ausflugspräsentation und Treffen mit dem Expeditionsteam, unsere Essenssitzung ist dann um 18 Uhr. Anschließend kommt der gemütliche Teil des Abends: Nochmal ansprechbar sein und die ersten Kameras einstellen. Der Himmel ist klar, aber die Webcams in Skandinavien zeigen noch keine Spur von Polarlicht, obwohl das Oval prinzipiell aktiv ist.
Auf der Fahrt nach Molde gibt der Küchenchef noch eine norwegische Geschmacksprobe und serviert Fenalår-Häppchen, feine Lammkeule. Ich überlege kurz, eine Sternführung auf Deck 7 anzubieten, aber es ist durch die Schiffsbeleuchtung doch recht hell. Da ist nicht viel zu sehen. Also warte ich auf die Begegnung mit dem südgehenden Schiff, der Havila Castor und werfe noch einen Blick auf Molde.
Molde mit dem markanten Scandic-Hotel.
Der Himmel ist bedeckt, also packe ich zusammen, mache es mir im Café auf Deck 7 bequem (wo ich ganz alleine bin) und setze mich an mein Blog.
Und kurz vor halb zwölf kommt die Durchsage Polarlicht. Also ab auf Deck 3 nach ganzen hinten, meine Kamera holen, dann wieder auf Deck 5 an den Bug – es noch nicht viel los, obwohl über 300 Passagieren an Bord sind, und das Polarlicht ist überraschend hell direkt in Fahrtrichtung voraus zu sehen. Hübsch, auch wenn es beim geisterhaften Grün bleibt, das bald in ein helleres Grau übergeht. Aber die Kamera freut sich, und unter der überschaubaren Menge am Bug sind auch einige aus unsere Gruppe. Das Kameraeinstellen hat sich gelohnt, andere beobachten einfach nur: Immer wieder schön. Meine Kamera sammelt gut 1600 Aufnahmen in etwas über einer Dreiviertelstunde, bevor ich auch Schluss mache – wir kommen auf die Hustavika, und die Polarlichtaktivität scheint nachzulassen.
Schon am zweiten Tag die Polarlichtgarantie erledigt und den Erfolgsdruck aus der Reise genommen – nicht schlecht!
Seit November ist eigentlich gar nicht so viel Zeit vergangen, als ich das letzte Mal auf der Hurtigrute wurde war, aber die Welt wird anscheinend immer verrückter. Es sind wahrlich interessante Zeiten geworden, in denen wir auf einmal leben – da tut es gut, rauszukommen und noch einmal die norwegische Küste entlangzufahren. Am 5. März ging es für mich wieder los., zum Glück erst mit dem Mittagsflieger ab Stuttgart. Sogar die Dauerbaustelle bei Pforzheim hat nicht zu sehr aufgehalten, und am KLM-Schalter war keine Schlange. Dafür wurde energisch nach Elektronik im Aufgabepäck nachgebohrt, und zum ersten Mal wurde ich gefragt, ob ich eine Pauschalreise hätte oder Hotels und Mietwagen. Der US-Krieg gegen den Iran macht wohl noch nervöser als der russische Ukraine-Krieg. An der Security darf ich diesmal keinen Sprengstofftest machen, aber es wird alles zweimal durchleuchtet. Nur meine Keilschrifttafel erweckt diesmal kein Misstrauen.
Neue Flugregeln gibt es auch: An Bord darf kein mitgebrachter Alkohol getrunken werden, und Powerbanks dürfen nicht genutzt werden. Hm. Bei meinen ersten Flügen in den 90ern hatte man noch richtige Flugtickets. Dann kam die Handy-App, mit dem Akkupack, falls das Smartphone leer wird, und als Backup das ausgedruckte Flugticket. Und so runter wie man Handy-Akku mittlerweile ist, nehme ich diesmal direkt ein ausgedrucktes Ticket und lasse den QR-Code QR-Code sein, wenn ich im Flugzeug nicht laden kann und beim Umsteigen auch nicht unbedingt auf eine Steckdose zurückgreifen kann.
Aber davon abgesehen klappt alles: Sowohl der Flieger ab Stuttgart als auch der ab Amsterdam sind pünktlich, und mein Gepäck kommt auch mit. Bei bestem Wetter geht es nach Bergen, wo es heiter und hell ist – ungewöhnlich für eine Nordlicht-und-Sterne-Tour, aber es wird noch früh genug dunkel, und rund um die Tag-und-Nachtgleichen sind die Chancen für eine gute Show ohnehin gut, wenn das Wetter mitspielt. Das Polarlicht vom Januar, das bis Süddeutschland zu sehen war, war bei mir im Nebel versumpft. Also ab nach Norwegen.
Amsterdam
Über den Flug gibt es nicht viel zu erzählen – die Umbauten am Flughafen in Amsterdam nähern sich dem Ende, und wir kamen pünktlich in Bergen an, wo uns Kai auch schon erwartete. Diesmal sind wir wieder eine relativ kleine Gruppe, sodass im Bus genug Platz war. Im März lohnt sich die Orientierungsfahrt durch Bergen: Es gibt einiges zu sehen, auch wenn die Troldhaugen-Villa von Edvard Grieg diesmal unter einem weißen Zelt verborgen ist.
Sonnenschein in Bergen
Dafür wird uns eine größere Stadtrundfahrt gegönnt, durchs Paradies an norwegischem Pragmatismus vorbei (die Kombination Krankenhaus, Altersheim und Friedhof gibt es öfter) ins Stadtzentrum, an Bryggen vorbei durch die Altstadt mit kleinen Holzhäusern und den Schornsteinhäusern, die dank Steinfassaden wie ein Kamin brennen. Die Tankstellen haben übrigens deutsches Preisniveau, Diesel und Super liegen bei 23,89 bzw. 22,89 NOK, also etwa 2,10 bzw. 2,05 Euro. Von wegen, Norwegen ist teuer. Aber die Norweger fahren eh mittlerweile fast alle elektrisch; es wird allmählich schwer (und teuer), als Mietwagen einen Verbrenner zu finden.
Bergen
Unser Bus fährt übrigens auch elektrisch und ist Made in China. Fotografieren ist aus dem Bus heraus aber nicht ganz einfach: Die getönten Scheiben verfärben das Bild, und die Beleuchtung spiegelt sich blau im Bild, aber was solls.
Schließlich erreichen wir den Hurtigruten-Terminal. Für die nächsten elf bis zwölf Tage (je nach Zählung) wird die MS Nordlys unser Zuhause sein, und nach dem obligatorischen Sicherheitsvideo im Terminal-Gebäude dürfen wir auf das Schiff. An Bord kenne ich erst einmal niemanden, aber viel Zeit bleibt ohnehin nicht: Kurz meine Kabine auf Deck 3 beziehen (maximaler Abstand zum Deck – und so soll ich nach Polarlicht Ausschau halten…), und dann ist um 19:30 auch schon die Infoveranstaltung vom Schiff: Die Crew stellt sich kurz vor, dann kommen die üblichen Infos. Neu ist der Hinweis auf das Drohnenflugverbot. Vom Schiff aus dürfen gar keine Drohnen gestartet werden (soweit nichts neues), und auch an Land achtet die Polizei sehr darauf, dass Flugverbotszonen eingehalten werden. Ein Gast durfte wohl neulich 12000 NOK Strafe zahlen – und am Flughafen in Tromsø gibt es ja einen Drohnenfriedhof mit einigen aufgespiesten Drohnen, die sich nicht an die Flugverbotszonen gehalten haben. Die politische Lage tut ihren Teil dazu, dass die Behörden nervös sind…
Meet the Crew
Für uns wichtiger: Die Hurtigruten-Foundation wird mal wieder angepriesen. Wenn man auf die tägliche Zimmerreinigung verzichtet, spendet Hurtigruten einen kleinen Betrag an die Foundation. Davon wurde unter anderem der Neubau der kürzlich abgebrannten Turnhalle in Kirkenes bezahlt – es gibt doch noch gute Nachrichten!
Anschließend esse ich eine Kleinigkeit, denn das Restaurant hat nur bis 21 Uhr offen, und um 20:30 legen wir schon ab. Die Nordlys ist ausgebucht, und an der Reling am Heck ist kaum Platz, als ich an Deck gehe – an allen drei Deck drängeln sich die Passagiere. Das kann was geben, wenn wir Nordlicht haben. Da sind die Touren in der Polarnacht entspannter.
Nachdem wir abgelegt haben, gehe ich noch einmal ins Restaurant, mit Kai ein paar Dinge bereden und den Nachtisch essen. Morgen Nachmittag wird unser Welcome-Drink stattfinden, und nach dem längeren Aufenthalt in Ålesund geht es dann wirklich in den Norden. Hoffen wir, dass uns Wetter und Nordlicht freundlich gesonnen sind!
Wir haben Januar und draußen ist es kalt – da wird es Zeit, über mein neues Buch zu reden. Letzten Mai konnte ich endlich einmal wieder Malta besuchen. Zuletzt war ich auf dem kleinen Mittelmeer-Archipel in den frühen 90ern mit dem Englisch-Leistungskurs und einem Lehrer, der der Meinung war, dass die alten Tempel nur Steinhaufen wären. Lange ist’s her, seitdem habe ich viele solcher “alten Steinhaufen” gesehen – von den weltbekannten Steinreihen und Cairns in der Bretagne über die Steinkreise und Cairns in Schottland bis zu den eher unbekannten, aber umso beeindruckenderen Hügelgräbern der Straße der Megalithkultur. Nun also endlich Malta!
Eine gute Woche hatte ich mir für die kleine, aber geschichtsträchtige Inselgruppe gegönnt. Mein Schwerpunkt waren natürlich die großen Tempel, die vor über 5000 Jahren entstanden. Dabei hatte ich wieder einmal das Problem, im Vorfeld einen brauchbaren Reiseführer zu finden. Die Hälfte der klassischen Reiseführer ist uninteressant, da mich (vermutlich ohnehin gesponsorte) Hotel- und Restaurant-Tipps nicht interessieren. Die Unterkünfte suche ich mir online mit Schwerpunkt auf Ferienwohnungen für Selbstversorger (gar nicht so einfach auf dem dichtbesiedelten Malta; Wohnungen findet man, klassische Fincas/Ferienhäuser gibt es kaum), und die Restaurantwahl hängt davon ab, wo es freie Plätze gibt und wo einen kein Kundenfänger mit der Speisekarte ins Restaurant drängt. Ich brauche auch keine Interviews mit Einheimischen. Interessanter ist, wo es was zu sehen gibt, und wie die Öffnungszeiten sind. Von daher kaufe ich für die Reisevorbereitung mittlerweile häufig eher Fotoführer als klassischen Reiseführer. Und Infos speziell über die alten Megalith-Tempel sind auch schwer zu finden.
Das andere Problem: Insbesondere Amazon wird aktuell von KI-Müll überflutet. Da gibt es jede Menge “Reiseführer” (und andere Fachbücher), bei denen der Blick ins Buch immer verdächtig ähnlich ist und die weniger Infos enthalten als Wikipedia/Wikivoyage. Wenn man das alles rausfiltert, bleibt nicht mehr viel übrig. Also selbermachen:-)
Der kleine Dolmen von Ta’ Ċenċ
Das Ergebnis ist ein rund 200 Seiten starkes Taschenbuch, das sich in drei Teile gliedert. Den Anfang macht das Hintergrundwissen: Was wissen wir über die maltesische Vorgeschichte, über die Tempelbauer, und was sollte man an Praxis-Infos für eine Reise wissen? Das ergänzt die normalen Reiseführer, die natürlich noch viele neuzeitliche Ziele behandeln. Steinzeit-Träume Malta soll auch keinen umfangreichen Malta-Reiseführer ersetzen, sondern all die Infos bieten, die Freunden der Vorgeschichte sonst fehlen.
Die Küste bei Xrobb l-Għaġin
Der zweite Teil ist ein Reisebericht über meine insgesamt achttägige Rundreise durch Malta und Gozo. Informationen über Malta gibt es viele, aber was ist besser um zu sehen, was einen vor Ort erwartet, als ein Reisebericht?
Das ist aber kein Tourenvorschlag, sondern soll einen Einblick davon geben, wie man eine Woche auf Malta verbringen kann und was einem dabei eventuell an Besonderheiten auffällt. Also wie die Youtube-Videos mit Reiseberichten, nur zum Offline-Lesen auf der Couch. (Und ja, ein EBook gibt es auch wieder).
Die Tempelreste von Santa Verna
Abschließend stelle ich die großen und kleinen Tempelanlagen vor: Was erwartet einen vor Ort, was gibt es zu sehen, und wie kommt man dorthin? Dabei beschränke ich mich keineswegs nur auf die großen Tempel von Ħaġar Qim, Ġgantija, Mnajdra, Ħal Tarxien, Skorba und Ta’ Ħaġrat sowie das Hypogäum von Ħal Saflieni, sondern stelle auch die kleineren Tempel und Ziele vor. Während die großen Anlagen unter der Verwaltung von Heritage Malta stehen und Touristenmagnete mit Besucherzentren sind, erwarten den Individualreisenden auch zahlreiche Zeugen der Vergangenheit, die frei zugänglich sind. Sie sind zwar weit weniger beeindruckend als die rekonstruierten Anlagen, haben aber ihren eigenen Charme. Von Santa Verna zum Beispiel hat oberirdisch nur ein Teil der Fassade überdauert, der heute am Ortsrand auf Besucher wartet.
Und falls sie sich wundern, warum ich hier keine Bilder der großen Tempel zeige: Man darf frei fotografieren, aber nur nicht-kommerziell. Für das Buch musste ich für die Veröffentlichungsrechte meiner Aufnahmen der Tempel zahlen. Aber auch Heritage Malta hat die Anlagen gut dokumentiert, sodass das hier im Blog nicht nötig ist. Es geht ja auch um die Infos, die man nicht überall findet.
Der Tempel von Buġibba im Doubletree by Hilton Hotel
Da Malta dicht besiedelt ist, findet man fast überall Reste der Vergangenheit. Ein Tempelrest liegt sogar im Hof eines Hotels. Dazu kommen viele kleine Dolmen – wer die die imposanten Bauten entlang der Straße der Megalithkultur oder in der Bretagne kennt, wird einige nur hüfthohe maltesische Dolmen leicht übersehen, aber es gibt auch größere Exemplare. Dazu kommen Megalithe – was alles umfasst von imposanten, aufrechten Steinen bis hin zu größeren Kalksteinbrocken, die in der Landschaft gar nicht weiter auffallen. Insgesamt gibt es mehr Ziele, als man in einer Woche besuchen kann, aber nicht alle sind auch unbedingt einen Besuch wert.
Und dann gibt es noch die Cart Ruts…
Cart Ruts bei Ta’Blankas
Ich gebe es zu: Meinen ersten Kontakt mit diesen seltsamen Formationen hatte ich auch über Erich von Däniken. Außerirdische haben mit diesen verwirrenden Spuren aber eher nichts zu tun. Trotzdem steht man immer wieder vor “Karrenspuren”, die verwirrende Wege ziehen, einander überkreuzen oder ins Nichts führen. Auch hier habe ich einige besucht und stelle sie vor – mit unserem spärlichen Wissen darüber. Zum Abschluss gibt es noch ein paar Geistergeschichten.
Sind Sie neugierig geworden? Das Buch gibt es als vollfarbiges Taschenbuch, Hardcover (mit noch etwas besserer Druckqualität) und natürlich auch als echtes EBook (kein lieblos umgewandeltes PDF!) auf Amazon. Der ideale Begleiter für einen Besuch in der maltesischen Vorgeschichte!
Auch wenn die Sonnenaktivität allmählich nachlässt, bewahrheitet es sich wieder einmal: Nach dem Maximum gibt es immer wieder große Ausbrüche. Und während in Norwegen eine Schönwetterkatastrophe ist und die Polarnacht sich von ihrer besten Seite zeigt, ist in Süddeutschland entlang vom Rhein nur deprimierende Nebelsuppe.
Die große Polarlichtshow vom Abend des 19. Januar habe ich daher verpasst, da hätte ich kurzfristig eine gute Stunde auf der Suche nach Wolkennebellücken und einem passenden Beobachtungsplatz fahren müssen. Aber auch am 20. Januar war noch gut Aktivität vorhergesagt, und immerhin musste ich diesmal nur eine halbe Stunde durch gewundene Landstraßen in den Schwarzwald fahren, um bei Dobel einen Parkplatz mit einigermaßen freier Sicht nach Norden zu finden. Denn was gibt’s im Schwarzwald? Genau – Wald und Täler. Da bringt ein Waldparkplatz nichts. Außerhalb von Dobel zwar auch einige störende Straßenlampen installiert (Lichtverschmutzung gibt’s im kleinsten Ort), aber die Lampen außerhalb blenden nicht ganz so sehr wie die Strahler im Ort.
Ein schnelles, verwackeltes Handybild um 19:23: Noch nichts zu sehen.
Tolle Bilder habe ich diesmal nicht zu bieten, nur ein paar Schnappschüsse mit dem Handy. Um 19:30 war noch nichts zu sehen, ein paar Minuten später gab es dann einen leichten Rotschimmer im Norden, den die Kamera auch deutlich rot zeigte:
Ein Rotschimmer am Horizon um 19:42. Rechts der Große Wagen.
Vom Streulicht am Horizont war der Lichtschimmer zu unterscheiden, aber von den Strukturen, die am Vortag gepostet wurden, war nichts zu sehen.
19:46: Der Schimmer hält sich
Diesmal war das Schauspiel für uns tief im Süden bereits nach einer Viertelstunde vorbei, auch die Webcams in Norwegen zeigen aktuell wenig Aktivität.
20:02: Die Vorstellung ist beendet.
Gegen 20 Uhr war nichts mehr zu sehen. Kurz im Auto aufwärmen, dann gegen 20:45 nochmal rausschauen: Immer mehr Wolken, der Nebel kommt näher. Das war es für heute – selbst wenn da doch noch Aktivität kommt, gegen das Wetter hat das Polarlicht keine Chance. Aber immerhin, es war eine Versuch wert, und ich weiß jetzt, wo in Windy die Nebelprognosen versteckt sind.
Also ab nach Hause – nach ein paar Kilometern hat mich der Nebel wieder.
Der letzte volle Tag an Bord ist noch einmal stressig, zumindest für mich. In Trondheim muss ich nicht noch einmal von Bord, es gibt also fast die Möglichkeit auszuschlafen – dafür hat der Morgen volles Programm. Um 9:30 verlassen wir Trondheim, und das geplante Einholen der Postschiff-Flagge samt Übergabe an den glücklichen Auktionsgewinner aus unserer Gruppe wird schon einmal auf später verschoben. So können wir nämlich direkt nach dem Auslaufen der nordgehenden Midnatsol winken. Eine Winkekonkurransje – der Gewinner? Nun, wir haben mit weniger Passagieren mehr Flaggen aufgeboten, daher können wir den Sieg wohl für uns in Anspruch nehmen.
Die Schiffsbegegnung fällt auch mit dem Interessepunkt zur Insel Munkholmen zusammen, es lohnt sich also, auf Deck 7 zu sein. Der Morgenhimmel bei Sonnenafgang: Ein Traum!
Goodbye, Trondheim
Ich habe für den Rest des Interessepunkts aber keine Zeit – schnell in die Kabine, die Bilder von heute früh in meinen kleinen Tourfilm einbinden, noch ein bisschen den Ton anpassen und ab in den Vortragsraum. Hier gibt es die Infos für den letzten Tag: Wie lange kann mit der Cruise Card gezahlt werden, wie kommt man vom Schiff zu Flughafen oder Hotel, wie bekommt man ggf. sein Auto vom Autodeck? Für mich nichts Neues, außer der Info, dass die Flybusse regelmäßig ihren Fahrplan ändern. Aber wir haben ja unseren eigenen Transferbus. Dafür hat man ja eine Gruppenreise.
Flaggenzeremonie
Direkt danach: Ab auf Deck 7, die Postflagge einholen und und an ihren neuen Besitzen übergeben. Unsere ganze Truppe versammelt sich, und wir nutzen die Gelegenheit für ein Gruppenfoto.
Dann verdrücke ich mich wieder: Um 11:30 haben wir unsere eigene Abschiedsveranstaltung, also schnell das Gruppenfoto bearbeiten, den Tourfilm fertig machen und ab in den Vortragsraum. Kai übernimmt das meiste Reden – etwas organisatorisches, etwas Humor und ein großes Danke auch von uns für die angenehme und tolle Tour, die auch uns Spaß gemacht hat. Dann mein Tour-Film, ein Ha det bra, auf besonderen Wunsch mein Nordlicht-Film und endlich wieder Essen. Es ist halb zwölf, Zeit für das Mittagessen. Und immer dran denken: It’s smarter to travel in groups!
Mittlerweile ist unser Heimflug auch schon bereit zum einchecken. Bei der Gruppengröße ist das kein großer Aufwand für uns, mittlerweile sind es ohnehin schon viele gewohnt, das selber mit der Handy-App zu machen. Bei meiner ersten Tour auf der Nordkapp 2014 war das noch anders!
Um 14 Uhr sehen sich alle bei einem Vortrag von Laura wieder: Sie gibt Reisetipps für den nächsten Trip nach Norwegen, wenn man mal den Süden mit dem Auto erkunden will. Was hängen bleibt: Es gibt einen Haufen hübsche Ecken, sie betreibt im Sommer ein Hotel auf einer kleinen Insel, deren Namen ich vergessen habe (Ola?), und sowohl Lofoten als auch Tromsø sind mittlerweile völlig überlaufen – das kann ich bestätigen, schon in der Nebensaison sind die Regionen am Limit dessen, was Spaß macht.
Unser nächster Hafen ist Kristiansund um 16:30, sodass ich jetzt tatsächlich Pause habe. Kofferpacken (und wiegen!) mache ich später. Und an Backbord schimmert die Mondsichel zwischen den Bergen hervor, vielleicht 4° über dem Horizont. Herrlich!
So stelle ich mir das mit der totalen Sonnenfinsternis nächstes Jahr in Spanien vor, wenn ich (wenn das Wetter mitspielt) auf einer Burg aus dem 13. Jahrhundert stehe. A propos Spanien: Wir haben mittlerweile 8° über Null. Es ist richtig angenehm draußen, und bis Kristiansund mache ich es mir am überdachten Außendeck bequem. Mal die Seele baumeln lassen und Norwegen wirken lassen.
Kristiansund
Kristiansund erreichen wir pünktlich, obwohl wir wieder außen herum fahren – die Brücke ist immer noch gesperrt, damit die Wellen großer Schiffe keine Schäden anrichten.
Eine Stunde Aufenthalt haben wir hier, und draußen ist eine fiese Mischung aus geräumten Straßen, Schneematsch und zwischendrin Eis. Ich mache einen kurzen Besuch bei der Statue der Fischerfrau und gehe dann wieder zurück zum Schiff.
Zwei Busse haben uns mittlerweile Richtung Marmorbergwerk Bergtatt verlassen. Ein schöner Ausflug, der auch gut gebucht wurde, weil für die offene Seestrecke zwischen Kristiansund und Molde Wellengang vorhergesagt wurde. Mit rund zwei Metern Wellen war zwar etwas Bewegung im Schiff, aber nichts dramatisches. Am Westkapp sind bis zu vier Meter vorhergesagt. Wir haben Glück, die größten Wellen sind angesagt, bevor wir da sind.
Kristiansund
Bis dahin ist aber nichts weiter auf dem Programm, und bis wir das Gasfeld Ormen Lange passieren, mache ich ein kurzes Mittagsschläfchen. Immerhin ist es bald 20 Uhr und der Tagesrhythmus ist sowieso hinüber, da darf man mal kurz. Es waren doch keine ruhigen elf Tage hier an Schiff – es gibt immer etwas zu sehen und zu tun.
Ormen Lange ist eine riesige Industrieanlage, die 20% der Erdgasbedarfs von Großbritannien deckt. Wir sehen von ihr nur ein riesiges Lichterfeld in der Finsternis, auf das uns eine Durchsage gegen 20:30 hinweist.
Ormen Lange
Das ist für mich dann auch der Zeitpunkt, meine späte Mittagspause zu beenden. Auf Deck 7 ist nicht viel los – entweder sind alle mit Kofferpacken beschäftigt, oder auf Ausflug. Ich mache es mir im Multe bequem und aktualisiere mein Blog, bis wir kurz nach 21:15 Molde erreichen. Zeit, auf Deck 5 zu gehen.
Bei angenehmen 8°C laufen wir Molde an, um die Ausflügler wieder an Bord zu nehmen. Die imposanten Berge, die im Tagesprogramm angepriesen werden, sind aber nur als Scherenschnitt zu erahnen. Das ist auch schon wieder der letzte Abend an Bord, morgen um die Zeit bin ich irgendwo im Flugzeug zwischen Amsterdam und Stuttgart, wenn nichts dazwischen kommt. Noch einmal die See genießen.
Molde
Und dann Koffer packen, bevor die See am Westkap in der Nacht die Schränke ausräumt:-)
Tag 12 – Ab nach Bergen
Das letzte Tagesprogramm
Der letzte Tag bricht an, und das Westkap war harmlos – eine Welle um 5 hat mich geweckt, aber sonst habe ich nichts mitbekommen.
Trotzdem bin ich gegen halb sieben schon wieder wach… also in aller Ruhe aufstehen, duschen und den Koffer fertig packen. 22,75kg. Das heißt, ich hätte noch ein weiteres dieser praktischen gelben 200g Tariergewichte von Freia einpacken können…
Kurz nach acht Uhr kommt Florø in Sicht, der letzte Hafen vor Bergen, und der letzte, den man noch ganz klassisch von Deck 5 aus anschauen kann. In Bergen ist da schon alles im Aufruhr.
Florø
Nach dem Frühstück mache ich es mir auf Deck 5 bequem, im vertrauten Reiseleiterbüro, leider an der Backbordseite, also mit Seeblick. Die Landschaft zieht in meinem Rücken vorbei.
Um 10 Uhr werden die Kabinen geräumt, und dummerweise macht es sich am Fenster eine Gruppe Amerikaner bequem. Im Prinzip nette Leute, aber die Gesprächslautstärke übertönt alles, inklusive der Schiffsdurchsagen. Ich glaube, das gibt Kopfschmerzen…
Und viel mehr gibt es über den Tag nicht zu sagen. Ein paar sanfte Wellen, ein paar Blicke an Deck (es ist bedeckt, aber weitestgehend trocken), und wer will, kann sein Handgepäck im Konferenzraum deponieren und die Landschaft genießen oder den Tourfilm vom Schiff noch einmal anschauen.
Gegen 10:40 gibt es noch einmal einen Programmpunkt: Wir kommen in den wunderschönen Steinsund, und auf Deck 7 läuft dazu klassische norwegische Musik. Ich werfe einen Blick auf Deck 5: Hinter und schönes Wetter, rechts einige Schären, voraus eine Regenfront. Auch schön. Da gehe ich doch freiwillig wieder in das Schiff, auch wenn Temperaturen um die 8° und wenig Wind nicht unangenehm sind.
Kurs Steinsund
Von innen ist es auch schön, wenn die Inseln direkt vor dem Fenster vorbei ziehen. Das Wetter wird leider nicht besser, es bleibt erst einmal trübe. Ich verbrate mein Datenvolumen, um schon einmal Bilder und Filme auf meinen Server zu laden – das ist schneller als das Schiffs-WLAN, kostet dank EU-Roaming keinen Aufpreis, und Monatsende ist ja auch bald.
Ansonsten gibt es über den letzten Tag nicht viel zu erzählen. Das letzte Mittagessen lasse ich mal wieder ausfallen. Und dann wurde der Tag doch noch interessant: Wir kriegen eine Militäreskorte! Genauer gesagt, ein Patrouillenboot und ein paar Schlauchboote der norwegischen Marine begleiten uns und machen eine Übung.
Begleitschutz
Das klingt aber spektakulärer als es tatsächlich war, zumindest von Deck 4 aus. Von den Außendecks wäre vielleicht mehr zu sehen gewesen, aber da ich ja nicht zum Spaß auf dem Schiff bin, habe ich den Gepäckservice nicht genutzt und mein Gepäck behalten – um zeitnah an unserem Bus zu stehen und die richtigen Leute in unseren Bus zu lotsen. Das ist bei größeren Gruppen natürlich interessanter, aber so will ich nicht alles hier unbewacht rumstehen lassen. Ein abschließbarer Fotorucksack, den ich ohne Bedenken im frei zugänglichen Konferenz-/Gepäckraum stehen lassen kann, hätte schon seinen Reiz – aber mein aktuelles Model hat mehr normalen Stauraum, auch wenn der Laptop frei zugänglich wäre. Als Touri hätte ich nur meine Kamera dabei und könnte das besser genießen. Aber draußen ist es heute auch nicht so einladend.
Bei der Ankündigung durch das Expeditionsteam hätte ich allerdings sowas Spektakuläres erwartet wie die Helge Ingstad (2018 war das – auch schon wieder so lange her). Aber egal, immerhin etwas Unterhaltung auf der letzten Strecke. Die letzten Stunden ziehen sich ja doch immer.
Das Gepäck geht von Bord
Aber irgendwann erreichen wir doch Bergen, sogar pünktlich, legen an, suchen den Bus, sammeln unsere Leute ein und fahren zum Flughafen. Bis auf den üblichen Stau an einem Verkehrsknotenpunkt klappt das auch. Die Schlange an der Security ist recht lang, aber die Norweger haben die Effizienz, die den Deutschen nachgesagt wird, sodass noch genug Zeit für Tax Refund und Duty Free Shopping bleibt. Linie Aquavit kostet 419 NOK pro Liter (aktuell 35€), im Gegensatz zu 24€ in Deutschland – kein Schnäppchen. Da lieber eine Sorte nehmen, die es in Deutschland nicht so leicht gibt. Bivröst kommt immerhin aus Tromsø, aus der nördlichsten Whisky-Destillerie der Welt in den nahe gelegenen Lyngen-Alpen.
Gut, dass der Duty-Free-Shop erst nach der Gepäckaufgabe ist – mein Koffer ist mit 22,8-22,9kg (die Waage schwankt etwas) gut am Limit, ein weiteres gelbes Tariergewicht wäre da potentiell problematisch gewesen. Ebenfalls nach der Security: Der Pølser-Stand. Endlich mal wieder eine normale Bratwurst; in Amsterdam habe ich nicht vor, zu Abend zu essen.
Unser Flugzeug ist pünktlich und ausgebucht, und die Heimreise beginnt. Sturm ist auch keiner angesagt – was kann jetzt noch schiefgehen?
Was für ein Angebot!
Nun, KLM tut wieder sein bestes. Wir landen um 19:40 in Amsterdam, bleibt eine Stunde, und von Terminal D zu B zu gehen. Das passt ganz gut, ohne Stress. Dass am B-Terminal praktisch kein Sitzplatz zu ergattern ist, bin ich ja gewohnt. Aber für die knappe Stunde, die ich noch habe, finde ich ein Plätzchen, bis das Boarding endlich losgeht. Die App bietet mir noch ein Sitzplatzupgrade an: Seien Sie ab 14€ Aufpreis unter den Ersten, die das Flugzeug verlassen.
Tja, und wie sieht das Angebot am Gate aus?
“Leider ist unsere Maschine überbucht, wir suchen noch Passagiere, die für 250€ (oder 350€ Reiseguthaben) eine späteren Flug nehmen. Ihr Flug wäre dann morgen früh.”
Saftladen. Da würde mich der Aufpreis für das verlängerte Parken ja bald mehr kosten. Immerhin findet sich wohl jemand, mit Verspätung beginnt das Boarding. Der Flug wird von German Airways durchgeführt, und mit deutscher Freundlichkeit wird darauf hingewiesen, gefälligst hinzumachen und das Gepäck unter den Sitzen zu verstauen, damit unser Flug nach Amsterdam starten kann. Ach, nein, geht doch nach Stuttgart.
Und als alle sitzen, kommt dann die Info: Stau auf der Startbahn, wir müssen noch bis zu einer halben Stunde warten. Tja, wenn keine Sitze doppelt verkauft würden, hätte man vielleicht rechtzeitig boarden und starten können, ohne das Startfenster zu verpassen. Nach einer halben Stunde die Info, dass es noch eine Viertelstunde länger dauert, und der Captain dann den Tower nochmal anrufen will. Die Stimmung an Board ist gereizt, zumindest macht ein Steward immer wieder Durchsagen – leider in schlecht verständlichem Holländisch-Deutsch(?). Keine Ahnung, wo es Probleme gibt, und wer sich da den Ansagen der Crew widersetzt. Die Noise-Cancelling Kopfhörer waren eine meine besten Investitionen, solange ich immer wieder mal fliegen muss… Am Ende des Flugs soll sich jeder namentlich bei ihm melden? Oder nur KLM-Mitarbeiter? Keine Ahnung. Vielleicht war die Maschine überbucht, weil KLM Mitarbeiter nach Stuttgart bringen musste?
Immerhin: Um 22:20 rollen wir mit fast einer Stunde Verspätung los, noch einmal die Durchsage, dass wir nur starten können, wenn sich alle an die Ansagen der Besatzung halten, und endlich Abflug. Ein paar kleinere Turbulenzen auf dem Flug, und Ankunft in Stuttgart ist dann um 23:30. Jetzt noch was zu Essen finden und ab nach Karlsruhe, wo ich um kurz vor 2 Uhr bin. Vor sechseinhalb Stunden waren wir in Amsterdam gelandet. Mit dem Auto brauche ich laut Navi etwas über sechs Stunden für die 572 km von zuhause bis zum Flughafen Schiphol. Keine Ahnung, warum sich jemand freiwillig Inlandsflüge antut… Ach ja: Zugfahren ist auch nicht viel besser, im Raum Köln geht nichts mehr, weil zwei Bomben aus dem Weltkrieg entschärft werden mussten. Willkommen in Deutschland. Oh we schön ist Norwegen…
Aber was soll’s, Norwegen hat sich von seiner besten Seite gezeigt, und es war eine wunderbare Reise an Bord der MS Nordkapp, mit einer tollen Gruppe – takk for turen!
Es ist schon wieder soweit: Wir überqueren den Polarkreis südgehend. Damit verlassen wir die Gegend, wo es schön ist – von der Landschaft ist nicht viel zu sehen.
Kurz vor dem Polarkreis begegnen wir der nordgehenden Havila Capella, ich gehe kurz an Deck zum Winken. Ein eisiger Wind begrüßt mich…
Kurz darauf ruft das Expeditionsteam zur arktischen Zeremonie um 8:40 auf Deck 7, und das Wetter ist sehr kontrastarm. Also so, wie man das im November erwartet und nicht so, wie wir das von der Polarnacht mittlerweile gewöhnt sind. Aber es geht ja auch in den sonnigen Süden, wo es die wärmende Sonne über den Horizont schafft. Das Außenthermometer der Nordkapp zeigt unverändert -2°C an.
Ein Rest arktischer Schönheit und die Havila Capella nördlich des Polarkreises.
Die Insel Vikingen taucht ziemlich unvermittelt aus dem Nebel auf, und kurz darauf gibt das Schiffshorn die Polarkreisüberquerung bekannt. Mittlerweile schneit es wieder leicht, aber einiges an Schnee auf dem Deck ist schon wieder weg und hat das Glatteis darunter freigegeben.
Am Polarkreis
Lebertran
Wir kommen der Insel nahe genug, um die Kugel zu sehen, und dann verlasse ich meinen Platz am Bug und gehe hoch auf Deck 7. Es gibt wieder Lebertran – gar nicht mal so schlecht, aber ich habe mittlerweile genug Löffel und brauche nicht noch mehr. Also lasse ich anderen das Vergnügen.
Anschließend kann man Stempeln gehen: Zur Polarkreisüberquerung hat das Schiff einen eigenen Stempel, der auch gut genutzt wird. Zeitgleich gibt es noch einmal ein Treffen mit dem Expeditionsteam, während draußen wahrscheinlich die Landschaft an uns vorbeizieht – viel mehr als Weiß mit ein paar Schneeflocken sehe ich nicht von unserem “Büro” auf Deck 5.
Als wir Nesna erreichen, bin ich ganz dankbar für das kleine rote Hafengebäude – sonst glaubt mir keiner, dass ich den Farbfilm eingelegt habe…
Nesna fast in Schwarzweiß
Das hat aber auch seinen ganz besonderen Reiz und ist weniger düster, als es auf den Bildern rüberkommt..
Sandnessjøen
Heute ist mal wieder ein Tag ohne besondere Ereignisse, der aber ständig von kleinen Häfen unterbrochen wird. Zur Mittagszeit erreichen wir Sandnessjøen. Über uns ist wohl irgendwo klar, wir kämpfen eher mit Nebel als mit Wolken. Die halbe Stunde, die wir hier liegen, langt für eine Besichtigung der Brücke vom Schiff – seit kurzem ist das wieder möglich, wenn auch nur für wenige Passagiere. Für einen Gang durch die hübsche Fußgängerzone mit einigen Skulpturen reicht die Zeit aber nicht.
Nach dem Ablegen gibt es den Interessepunkt zu den Sieben Schwestern – den Berggipfeln, an denen wir kurz nach dem Ablegen vorbeifahren und die Teil einer Sage sind, die die ganze Helgelandküste umspannt. Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Nach dem Ablegen verschwindet der Nebel, und weite Teile der sieben Schwestern tauchen auf.
Die Sieben Schwestern
Respekt, mit denen hatte ich gar nicht mehr gerechnet. Und in Fahrtrichtung blitzt etwas Sonne auf!
Eine knappe Stunde habe ich jetzt frei, bis der nächste Programmpunkt kommt: Der Farewell-Drink vom Schiff. Auf der Nordkapp gibt es den zurzeit nicht zum Captain’s Dinner heute Abend, sondern schon um 14 Uhr. Mit einem Gläschen Sekt und einer kleinen Rede wird auf die fast vollendete Reise angestoßen, da viele Reisende schon in Trondheim aussteigen.
Farewell
Wir sind kein Kreuzfahrtschiff, daher wird die Rede schnell verlesen, dann skål und back to work. Schließlich steht der nächste Hafen bald an, um 15 Uhr sollen wir Brønnøysund erreichen. Ich mache es mir endlich mal draußen auf Deck 7 bequem, in dem überdachten Bereich. Einfach mal die schwarzweiße Landschaft genießen, die da an uns vorbei zieht. Die Temperatur ist mittlerweile auf etwa 5° geklettert, Schnee und Eis auf dem Schiff tauen, und es ist richtig angenehm. Einmal Norwegen genießen!
Langsam kommt Brønnøysund in Sicht, und wir werden langsamer: Auf der Trollfjord gab es einen Notfall, und die muss an unserer Stelle an den Anleger. Unsere geplante Ankunftszeit verschiebt sich um etwa eine Stunde. Damit hat sich der Hike durch den Ort erledigt.
Norwegen genießen, an der monochromen Helgeland-Küste
Was trotzdem stattfinden soll: Seit zwei Tagen liegen Flyer aus, mit denen wir zu einem Mini-Konzert in der Kirche von Brønnøysund eingeladen werden. Die Pfadfindergruppe “De Makalause” lädt zu einem kostenlosen Konzert ein und bittet um Spenden für eine Behindertenschule in Sri Lanka. Da das Expeditionsteam mitgeht, ist auch sicher, dass das Schiff wartet – was gut ist, denn es dauert etwas länger, und die ersten Konzertbesucher kommen erst zur geplanten Abfahrtszeit zurück auf die Nordkapp.
Die Trollfjord in Brønnøysund
Aber erst einmal muss die Trollfjord unseren Anleger freigeben. Kurz nach 16 Uhr ist es soweit, sie dampft ab, und wir legen an. Es ist glatt im Ort: Der Schnee schmilzt und gibt das tieferliegende Eis frei. Bei nicht ganz eineinhalb Stunden Aufenthalt gehe ich kurz zum Kiwi, die letzten Einkäufe erledigen. Endlich finde ich die Mørketidsboller – eine Art Berliner, aber etwas fester, mit Schokoüberzug und Vanillefüllung. Lecker.
Dann noch kurz zur Mitte Norwegens (dem Stein am Hafenbecken) und einen Blick ins Einkaufszentrum werfen, bevor ich auf das Schiff zurückkehre und auf die Konzertbesucher warte.
Brønnøysund
Um halb sechs verlassen wir dann Brønnøysund, und was ist: Polarlicht am Horizont. Immerhin gelingt mir das (verwackelte) Traumbild von einem Wal mit Polarlicht (auch wenn Kai der festen Überzeugung ist, dass die Insel im Hafen keinen Wal, sondern einen Seeteufel darstellt – aber bei dem verwackelten Bild kann das eh keiner widerlegen. Wenn ich das nicht besser wüsste, könnte das auch Nessie auf Norwegenurlaub sein, wenn es ihr im Loch Ness mal wieder zu viel Trubel ist).
Seeteufelswal! Polarlicht!
Ich hole kurz meine Kamera, aber bis dahin ist alles wieder zugezogen, und dem Captain’s Dinner steht nichts im Wege. Es gibt ein Vier-Gänge-Menü, man hat nur die Wahl zwischen Fisch und Fleisch. Schmecken tut es allemal.
Rørvik während Polarlicht
Wir fahren laut Prognose wieder in die Wolken, und prompt kommt gegen 20:30 die Meldung “Nordlicht!” Also ab ans Heck, Kamera laufen lassen: Ja, nicht schlecht. Ich probiere meinen alten Trick und gehe kurz ins Schiff, Handschuhe holen, meistens klappt das, damit es währenddessen eine gute Show gibt. Und ja, die Aurora wird auf alle Fälle besser. Dann kommt nach einer halben Stunde auch schon Rørvik. Ich gehe kurz nach backbord, das Anlegen filmen, und prompt gibt es in meinem Rücken trotz Hafenbeleuchtung die Show, die wir alle wollen, mit Rot und Bewegung. Klappt doch immer wieder – ich habe meine Bilder vom Hafen…
Was tut man nicht alles für die Gäste:-)
Wer draußen war, hat die große Show gesehen, dann kommen Wolken und Schneegraupel. Bis zur Abfahrt wird das Wetter wieder etwas besser (es ist klar und schneit), wir begegnen der Kong Harald, und dann heißt es abwarten. Wird es nochmal besser? Jein – Wolkenlücken ja, Polarlicht nein, Zeit, meinen Polarlichtfilm für die Gäste abzuschließen. Hier nur die Ausbeute von diesem Abend:
Wenn nicht noch mehr kommt, ist das ein schöner Tagesabschluss.
Das Schöne an der südgehenden Route ist, dass es weniger große Häfen gibt, und man eher entspannen kann. Also, theoretisch zumindest. Wer das Mitternachtskonzert in Tromsø und die Vesterålen-Bustour gebucht hat, hat ohnehin eine kurze Nacht hinter sich. Tromsø haben wir um 1:30 verlassen, Ankunft in Harstad ist gegen 8 Uhr. Ich habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und die Infotaste am Telefon meiner Kabine auf “aus” gestellt, um nicht von der Durchsage geweckt zu werden, dass die Teilnehmer der Exkursion doch bitte rechtzeitig das Schiff verlassen mögen. Trotzdem bin ich in Harstad schon wach, obwohl es noch dunkel ist. Die nordgehende Hurtigrute habe ich trotzdem verpasst, aber für ein Foto der Trondenes-Kirche langt es. Sie ist auch das erste Ziel der Bustour, die in Sortland wieder zu uns stößt. Aber das Wetter ist unfreundlich, es schneit leicht – auch mit Tele-Objektiv ist nicht viel zu sehen.
Harstad und Trondenes-Kirche
Letztes Licht
Über den Vormittag gibt es nicht viel zu erzählen: Zwei Ausflugsbusse sorgen dafür, dass es auf dem Schiff ruhiger ist, und draußen verschwinden die Berge im Nebel. Die mystischen Vesterålen sind mal wieder etwas zu mysteriös. Ob sich Trolle dort verbergen?
Ein Lichtblick zeigt sich noch am Horizont zwischen den Wolken, dann verschwinden die Vesterålen im Nebel. Schade – die Inseln sind zwar nicht ganz so wild-beeindruckend wie die Lofoten, aber dafür kommen wir ihnen näher.
Um kurz nach zehn Uhr treffen wir uns zum Interessepunkt Risøyrinne auf Deck 7. Die flache Strecke, die gleich entlangfahren, wurde extra für die Hurtigrute ausgebaggert, um die Ortschaften besser an Rest-Norwegen anzubind. Bei ruhiger See und klarem Wetter kann man bis auf den Grund schauen – heute ist kaum die See zu sehen, geschweige denn die Rinne.
Interessepunkt an der Risøyrinne mit eingeschränkter Sicht
Risøyhamn
Das Anlegemaneuver in Risøyhamn schenke ich mir weitestgehend und widme mich meinem Blog. Das Mittagessen lasse ich ach wieder ausfallen – viel Ruhe ist trotzdem nicht: Kurz nach 12 nähern wir uns Sortland, wo wir den Ausflugsbussen winken können, die genau dann über die Brücke fahren, wenn wir darunter hindurch fahren. Moderne Funktechnik macht’s möglich:-)
Das Expeditionsteam kommt mit Fahnen und Soundanlage, und es haben sich wieder einige Passagiere gefunden, die gerade nicht mit Mittagessen beschäftigt sind und fröhlich winken, trotz des kalten Winds. Immerhin: Sortland liegt in einer schönen Kulisse, die gerade sogar zu sehen ist. In einer Hand die Fahne, in der anderen das Handy zum Filmen – keine leichte Aufgabe hier vorne am Bug.
Kurs Sortland
Für die “blaue Stadt” bleibt wieder kaum Zeit, es lohnt sich nicht, hier von Bord zu gehen. Wir fahren rasch weiter nach Stokmarknes. Weniger als zwei Stunden später erreichen wir den “Geburtsort der Hurtigrute” mit dem privaten Hurtigruten-Museum und der alten Finnmarken. Die Zeit reicht, um entweder einmal durch das alte Schiff zu gehen, oder um im Coop Leergut zurückzubringen. Coop macht bei den günstigen Schokoladenpreisen nicht mit, 69 NOK ist mir die 200g-Tafel dann doch nicht wert…
Stokmarknes und Hurtigruten-Museum
Es dauert etwas, bis wir ablegen – Kabinennummern werden ausgerufen, dann der Reiseleiter einer Gruppe – da fehlt wohl jemand… Als es dunkel und neblig ist, fahren wir weiter in den wunderschönen Raftsund, der Lofoten und Vesterålen voneinander trennt, und dessen Schönheit und in der Finsternis verborgen bleibt.
Dafür halten wir an der Mündung des Trollfjords, und nehmen die Abkürzung durch den schmalen Svartsund dorthin. Davor gibt es einen Point of Interest auf Deck 7, bevor sich (fast) alles am Bug drängt, um einen Blick auf den Trollfjord zu erhaschen. Die schneebedeckten Inselchen des Svartsunds wirken in der Finsternis unwirklich, und die Berge am Eingang des Trollfjords werden von den Scheinwerfen der Nordkapp nur teilweise erhellt. Das Handy macht mal wieder die besten Bilder (solange man sie sich nicht in groß anschaut)…
Im RaftsundSvartsundTrollfjord
Dann geht die Fahrt weiter nach Svolvær. Das Buffet für das Abendessen öffnet schon um 17:30, für alle, die auf Ausflug gehen. Kai und ich schauen uns die Schlange an und verzichten erst einmal… und da wir eh in den Anker wollen, den kleinen Pub in Svolvær, bestellen wir dort einfach Pizza vor. Die Online-Bestellung scheitert an der Tischnummer, also anrufen: Der Kollege redet nur Englisch, kein Norwegisch? Auch in Norwegen finden sich immer weniger Einheimische, die im Service arbeiten wollen…
Svolvær
In Svolvær liegt Schnee, der langsam in Schneegraupel über geht. Kein schönes Wetter für einen Stadtspaziergang, da ist der Pub genau richtig. Gute 30 Euro werden gegen eine Pizza und ein Bier getauscht, und in eine gesellige Stunde im urigen Pub investiert. Immer wieder eine schöne Abwechslung, wenn ich gestern schon nicht motiviert genug für das Nachtleben in Tromsø war. Aber da trifft man Sonntags gegen Mitternacht eh nur noch Touristen…
Auf dem Rückweg begleitet uns ekelhafter Schneegraupel, zum Glück ist es nicht weit zum Schiff. Dort berichtet uns der Trollbeauftragte der Sektion Dovre die volle Wahrheit über die Trolle, und warum es nachts so gefährlich ist in Norwegen. Passend dazu schaukelt das Schiff entlang der Lofotenküste, während der Graupel an die Scheiben prasselt. Gespenstisch…
Stamsund
Ja, und dann macht sich diese Erholungsreise doch bemerkbar, ein früher Feierabend ist reizvoll. Das Schiff leert sich noch bevor wir Stamsund erreichen. Außer den hohen Bergen und ein paar Lagerhäusern ist von dem Ort nichts zu sehen, nur seine Lichtkuppel schimmert hinter den Bergen. Jetzt geht es raus auf den Westfjord, nach Bodø. Bei rund 1,5 Meter hohen Wellen schaukelt es ein wenig, als wir durch die Dunkelheit fahren. Endlich Ruhe, um mein Blog zu schreiben.
Aber nööö, um 23 Uhr wird Nordlicht durchgesagt. Also weg mit dem Laptop, her mit der Jacke und ab an Deck: Naja. Über uns ist eine Wolkenlücke, und tatsächlich auch ein schwacher heller Streifen. Kurze Info an die Whatsapp-Gruppe, was Stand der Dinge ist, und fünf Minuten später das Update, dass ich jetzt mit bloßem Auge nichts mehr sehe. Da war zwar was, aber gegen Dunst kann es sich nicht durchsetzen. Immerhin die Lofotenwand sieht man ganz nett schimmern, unter der Lichtverschmutzung der Ortschaften.
Ein Hauch von Polarlicht und die Lofotenwand im “Rückspiegel”
Diese Polarlichtsichtung kann man getrost abhaken und Feierabend machen. Schluss für heute.
Es geht mit viel zu großen Schritten zurück in den Süden. Als ich kurz vor Havøysund aufstehe, haben wir den Magerøyasund bereits hinter uns, machen eine letzte Linkskurve und sind auf Südkurs. Die Polarnacht werden wir heute auch verlassen: In Hammerfest ist seit heute Polarnacht, und Øksfjord, der nächste Hafen, hat noch etwa eine Stunde Sonnenschein – die letzte, morgen geht die Sonne da auch nicht mehr auf.
Solange sich die Landschaft schön verschneit unter klarem Himmel präsentiert, stört das aber nicht: Es gibt statt ewiger Finsternis eine lange blaue Stunde, während die Sonne knapp unter dem Horizont steht.
Havøysund und die MS Polarlys
Nach dem Ablegen begegnen wir der nordgehenden Hurtigrute MS Polarlys, grüßen schön, und ich gehe kurz frühstücken.
Der nächste Programmpunkt lässt nicht allzu lange auf sich warten. Nach der Ausflugspräsentation ist es schon Zeit für den Energiekaffee vor der Insel Melkøya mit ihrer Erdgasverflüssigungsanlage. Da wieder Kaffee statt heißer Schokolade auf dem Programm steht (also die berüchtigte Mischung aus je 50% Schweröl und Zucker), fotografiere ich die Industrieanlage von Deck 5 aus. Da ist doch weniger los, auch wenn ich ohne den Point of Interest nicht erfahre, ob es hier etwas neues gibt. Auf der anderen Seite vom Schiff schwimmt noch eine Bohrinsel rum: Die Transocean Enabler.
Kurs Hammerfest
Auf der Fahrt in den Hafen grüßt die Kirche mit Geläut: Es ist Sonntag und Zeit für den Gottesdienst. Direkt vor der Kirche ist wieder der große Schneehaufen von der Straßenräumung
In Hammerfest legen wir endlich wieder einmal im Ort an. Die Meridiansäule, die an die Vermessung der Welt durch Struve erinnert, ist zwar auch hübsch, aber eigentlich will man ja in die Stadt. In Hammerfest hat sich seit meinem letzten Besuch einiges getan: Dass die hohen Löhne der Energieanlage auf Melkøya die Preise so nach oben getrieben haben, dass die alteingesessenen Einwohner (auf jeden Fall die in Mietwohnungen) die Stadt längst verlassen mussten, ist ja nichts neues _ Hammerfest ist die zweit- oder dritt-teuerste Stadt Norwegens, Oslo ist auf Platz eins. Der Einzelhandel sieht auch etwas weniger aus (erst Corona, dann die Hafenneugestaltung mit anderen Liegeplätzen). Wir liegen ein paar Meter weiter am selben Anleger wie früher, nur ein paar Meter vom Stadtzentrum entfernt. Die Eisbären vor dem Ratshaus sind belagert, und mit ein paar Gästen schlendern wir einmal durch den Ort.
Hammerfest
Der Eisbärenclub hat ein neues Heim an der Hauptstraße, etwas abseits für uns. Das Museum ist kleiner geworden, der Verkaufsraum größer, ohne mehr zu bieten. Also weiter durch das verschneite Hammerfest.
Mein Bänkle
Endlich kann ich wieder die Tradition pflegen und ein Foto auf meinem Bänkle vor dem Musikpavillon machen. Diesmal liegt mehr Schnee auf der Bank als davor.
Der Zickzackweg auf den Berg hinauf ist gesperrt, aber ich habe meine Spikes ohnehin auf dem Schiff vergessen. Also geht es in gemütlichem Tempo zum Friedhof mit der alten Kapelle, die als einzige den Rückzug der deutschen Wehrmacht überstanden hat, hin zur Kirche. Auf dem Weg liegen einige der alten Fertighäuser, mit denen Hammerfest dann wieder aufgebaut wurde, und an denen teils eindrucksvolle Eiszapfen hängen.
Einen Blick wert sind noch die Infotafeln am Anleger: Die Pläne für den neuen Hafen sind doch sehr futuristisch…
Ein Blick in die Zukunft…
Zurück auf dem Schiff ruft die Arbeit: Mein letzter Vortrag steht an. Um 14 Uhr erzähle ich etwas über Sternsagen, während wir durch die Abenddämmerung fahren. Dann hat Kai noch eine Überraschung parat.
Hubschraubereinsatz
Damit endet mein Vortragsprogramm, ich habe alle fünf Vorträge untergebracht. Wobei heute eh volles Programm ist: Der Vortrag vom englischen Lektor wird auf das ganze Schiff übertragen und ist zeitgleich mit meinem, und um 15:15 finden parallel Vorträge über die Geschichte der Hurtigrute und das Wettrennen zu den Polen statt.
Zurück in der Kabine: Ein Lärm ist das hier… ist meine Lüftung im Eimer? Nein, draußen, ist es auch nicht ruhiger – ein Hubschrauber steht über dem Schiff, das Außendeck ist teilweise gesperrt, und jemand seilt sich ab und geht danach wieder zurück auf den Hubschrauber.
Es ist zum Glück nur eine Übung, die soweit ich das sehen kann ohne Probleme verläuft. Dann verabschiedet sich der Hubschrauber in die Abenddämmerung, und die Crew wirkt entspannt – sieht wirklich eher nach Übung als Ernstfall aus.
Øksfjord
Bis wir Øksfjord erreichen, ist es dunkel – jetzt ist auch hier Polarnacht, die hatten ihren letzten schönen Tag. Als ich das Anlegen an Deck abwarte (der Hafen hat ein sehr schönes Echo), werde ich gefragt, ob ich schon nach Polarlicht Ausschau halte. Nein, diesmal nicht, und vor allem nicht jetzt schon. Da bräuchte es wesentlich mehr Aktivität, auch wenn es für heute Abend gut aussieht und noch immer ziemlich klar ist.
Die Zeit bis zum Abendessen vergeht schnell, die Überfahrt über die Loppa ist auch schön ruhig. Nichts mit “Loppa macht hoppa”, die großen Herbststürme verschonen uns bislang. Auch nicht schlecht.
Im Restaurant gibt es was neues: Jetzt wird samisches Essen promotet. Endlich steht Rentier auf der Karte, das hatte ich schon vermisst.
Und während des Essens – wir haben ja die 18-Uhr-Sitzung – kommt eine Durchsage, irgendwas von wegen Nordlicht wäre jetzt zu sehen. Nun, wir hatten alle schon einige Chancen, und der Saal leert sich kaum. Da kann ich auch in Ruhe essen, und dann sind wir eh schon fast in Skjervøy, dem nächsten Hafen.
Skjervøy und Nordlicht
Ich mag die Strecke zwischen Skjervøy und Tromsø für Polarlicht, und hatte drauf gehofft: Die Berge auf beiden Seiten bieten sowohl Windschutz mit ruhigem Fahrwasser als auch eine schöne Kulisse. Also schraube ich meine Kamera erst an den Bug und ziehe dann rasch ans Heck um: Hübsch. Schönes, helles, Polarlicht in diesem geisterhaften grün tanzt ruhig, aber nicht zu ruhig über den Himmel.
Die Nikon arbeitet fast zwei Stunden, der Film ist zu groß für die Webseite. Den kriegen nur unsere Gäste. Aber wofür habe ich zwei Kameras? Zur Abwechslung drehe ich meine Panasonic ins Hochformat, schließlich reicht das Polarlicht vom Horizont bis hoch über das Schiff. Hat was.
Die Überfahrt hat diesmal nur einen kleinen Haken: Um 21:15 wird die Postflagge versteigert. Im Panoramasalon wird Geld für die Hurtigrutenfoundation gesammelt.
Aber um 21 Uhr begegnen wir der nordgehenden Havila, und als das Licht wieder ausgeht, macht auch das Polarlicht schlagartig Pause. Ich lasse meine Kamera laufen und gehe zur Auktion.
Zur Auktion stehen eine Seekarte, ein Stück vom Schiff, ein Besuch im Maschinenraum und natürlich die Flagge, die schon den ganzen Tag auf Deck 5 begehrliche Blicke geweckt hat.
Dementsprechend hoch sind auch die Gebote, für über 3500 NOK geht die Flagge über den Tisch und in unsere Gruppe – gut, dass die Krone gerade günstig steht.
Derweil ging es nicht nur im Panoramasalon hoch her, sondern auch draußen – zumindest sehe ich ein paar schöne Fotos, und meine Kamera hat auch ein bisschen von dem eingefangen, was sich direkt über uns abgespielt hat. Irgendwann nach 22 Uhr baue ich aber ab. Der Himmel ist klar, aber kein Polarlicht mehr zu sehen – auch die Webcams der Umgebung zeigen nur noch ein diffuses Leuchten über den gesamten Himmel.
Vor Tromsø gehe ich noch an Deck und schaue mir das Anlegen an, dann geht es an den Rechner, die Bilder bearbeiten – bis morgen früh sind die Bilder für die Filme dann auch fertig. Den Kneipenbummel oder das Mitternachtskonzert in der hölzernen Domkirche spare ich mir aber.
Und schwupps ist es schon wieder so weit: Wir fahren südwärts nach Kirkenes, dem Wendepunkt unserer Reise. Das bedeutet auch, das wir den warmen Golfstrom verlassen und uns in kältere Gefilde begeben. Kirkenes liegt etwa auf der Höhe von Tromsø, hat aber kontinentales Klima mit warmen Sommern und kalten Wintern. -18° Celsius sind für heute angesagt. Brrrr…
Vadsø verpasse ich wieder einmal, auch wenn ich das Anlegen mitbekomme und wach werde. Aber rechtzeitig aus Bett komme ich nicht…
Die Überfahrt durch den Varangerfjord ist ruhig, und draußen gibt es nicht viel zu sehen: Es ist neblig. Der Nebel kommt von dem dampfenden Wasser, der Fjord ist noch eisfrei. Ein bisschen gespenstisch sieht das schon aus. Richtung Kirkenes wird die Sicht wieder besser. Der Himmel über uns: Klar. Das ist die perfekte Polarnacht mit unendlich langer Dämmerung.
Das Außenthermometer vom Schiff zeigt angenehme -12° an – die Nordkapp hat wohl noch Restwärme…
Kirkenes
In Kirkenes ist es ruhig. Durch den Ukrainekrieg ist der Handel mit Russland weitestgehend zusammengebrochen, es liegen auch keine russischen Trawler mehr im Hafen, um von der Werft zusammengeflickt zu werden. Die Eisenerzmine hat wohl einen neuen Besitzer, aber den Betrieb auch noch nicht wieder aufgenommen. Harte Zeiten für den Ort am Ende der Welt…
Mit Kai und einigen Gästen mache ich einen Rundmarsch durch die Stadt, an den Spuren der ehemaligen russisch-norwegischen Freundschaft vorbei, die durch die deutsche Besatzung im zweiten Weltkrieg verstärkt wurde. Die Andersgrotte an die deutsche Besatzung, die verbrannte Erde hinterließ, das Russendenkmal erinnert an die Befreiung der Finnmark, und das Grenzkommisariat an den kleinen Grenzverkehr. Heute sieht das schon wieder anders aus, es gibt Solidaritätsbekundungen mit der Ukraine, und russische U-Boote und kleinere Boote, die im Fjord gesichtet wurden und teils an Land gingen, tragen nicht zum Vertrauen bei.
RussendenkmalAndersgrotteKirkenes
Aber an einem frostigen Samstagmorgen ist hier ohnehin nicht viel los. Das soll im Sommer ganz anders sein… Seit dem letzten Besuch hat sich hier nicht viel geändert. Jede Menge kleine Holzhäuser, auch in schwarz, die kaputte Kirchturmuhr und die geschmückte Fußgängerzone – nur russische Autos sieht man weniger.
Der Berg ruft…
Gut durchgekühlt erreichen wir dann das Amfi-Einkaufszentrum. Ein Gang durch das Sport-Outlet (neue Taschenlampe besorgen), und dann nichts wie ab zum warmen Schiff. Die Temperaturen laden nicht zum Flanieren ein… Am Schiff wird es spannend: Die Türe ist zu, und die Gangway bildet ein umgedrehtes V: Es geht steil hoch, und dann hinab ins Schiff. Theorie: Das ist, damit die beweglichen Teile der Gangway nicht aneinander frieren.
Ansonsten verspricht es ein ruhiger Tag zu werden. Ina gibt mir den Termin für meinen letzten Vortrag (morgen, um 14 Uhr – also zwei Stunden nach Sonnenuntergang), und die Barentssee soll ruhiger sein als gestern, dafür mit 95% Bewölkung. Diesmal wird das Schiff südgehend auch kaum leerer: Zwar verlassen und wie üblich einige Gäste, aber es steigen fast so viele neu ein – darunter eine englischsprachige Gruppe, die während der Überfahrt nach Vardø die Sicherheitsbelehrung anhören darf. Das anschließende tägliche Gathering um 14:30 überspringe ich wieder.
Zur Abwechslung erreichen wir Vardø fast pünktlich – das würde für einen Sprint zum Hexendenkmal reichen, aber irgendwie fehlt heute die Motivation, Spikes anzuziehen und die Taschenlampe rauszuholen. Stattdessen gehe ich mal wieder in die Festung, deren Fenster rot beleuchtet sind. Überraschung: Hier ist Weihnachtsmarkt, mit zwei Buden und einem Weihnachtsbaum. Mal was neues.
Weihnachtsmarkt auf der Vardøhus-Festung
Zurück an Bord steht auch schon der nächste Programmpunkt an, der mich interessiert: Lauras Vortrag über Vardø und die Finnmark bietet mir nicht viel neues, ist aber trotzdem interessant anzuhören. So erfahre ich, dass es wieder einmal einen nördlichsten Baum gibt – der stand ja jahrelang auf der Festung (die in der arktischen Klimazone liegt), ist dann irgendwann trotzdem eingegangen. Vor kurzem hat der örtliche Kindergarten dann eine neue Eberesche gepflanzt, die ich sogar fotografiert habe: Sie steht vor dem weißen Gebäude in der Festung. Der Weihnachtsbaum dürfte dagegen schon tiefgefroren sein…
Dann Abendessen und kein Feierabend: Von wegen 95% Bedeckung. Als ich vor Båtsfjord rausschaue, sehe ich über dem Land zwar nichts außer den angestrahlten Wolken über dem Ort, aber fünf Minuten kommt die Meldung, dass es doch was gibt. Ich hätte auf beiden Seiten schauen sollen…
Also an die Reling mit der Kamera und laufen lassen: Ja, schon nicht schlecht.
Polarlicht vor Båtsfjord, mit der Nikon an der Reling
Mit meiner zweiten Kamera stelle ich mich ans Heck und lasse sie auch als Zeitraffer laufen. Fängt schwach an, wird bis zum Hafen aber besser.
Der Blick vom Heck
In Båtsfjord ist dann erst einmal Pause: Der helle Hafen ist kein guter Platz für Polarlichtbeobachtung. Eine halbe Stunde sind wir im nach Hammerfest zweitgrößten Fischereihafen Norwegens mit immer etwas über 2000 Einwohnern, dann geht wieder auf die angenehm ruhige Barentssee. Das Polarlicht legt noch einmal los und ist heller als zuvor, wenn auch irgendwie unschärfer – ein bisschen Schleierbewölkung ist wohl doch da, aber was macht das schon?
Polarlicht nach Båtsfjord
Irgendwann nach dem Ablegen kommen dann doch Wolken, und ich packe nach einer halben Stunde zusammen – nur, um etwas später wieder aufzubauen. Die nächste große Wolkenlücke kommt kurz vor Berlevåg, noch ein guter Nachschlag. Schließlich erreichen wir Berlevåg, die südgehende Havila Castor macht den Hafen frei, und packe wieder ein. Das war es dann doch wohl, schließlich sollen wir schon längsten unter dichten Wolken unterwegs sein.
Havila Castor
Nein, es gibt keinen Feierabend: Es ist weiterhin klar, und ich gehe nun doch einmal von Deck 5 auf Deck 7: Es ist doch überraschend dunkel – vielleicht hat es Vorteile, dass “Hurtigrutens Chief Aurora Hunter” ebenfalls an Deck ist, auch die neue Weihnachtsbeleuchtung ist noch aus. Dafür bin ich fast alleine. Zur Abwechslung schraube ich meine Kamera ans Deck und bleibe noch ein bisschen.
Es bleibt erst einmal bei einem Standard-Polarlicht – und dann endlich: Bewegung! Ein schöner Vorhang bildet sich und flattert im Sonnenwind. Das will ich sehen, und zum Glück bin ich nicht ganz alleine – zumindest ein Hartgesottener aus unserer Gruppe hat durchgehalten.
Polarlicht vor und nach Berlevåg
Das Timing ist perfekt, kurz darauf sind wir auch unter den angekündigten Wolken, und gegen halb zwölf kann ich Feierabend machen, zumindest an Deck. Mein Laptop darf noch ein bisschen arbeiten.
Was für ein Tag – wenn das Wetter mitspielt, überzeugt diese Polarnacht wirklich!
Egal wie oft ich die Tour auch mache: Man ist doch immer wieder überraschend schnell im hohen Norden. Als ich gegen 8 Uhr an Deck schaue, sind wir kurz vor Havøysund, ganz in der Nähe des Magerøyasunds, der die Insel mit dem Nordkap vom Festland trennt. Und nach dem Wetter gestern: Was für ein Morgenhimmel in der Polarnacht! Was für Farben!
Es ist wunderbar klar, und die Wolken schimmern in einem fantastischen rosarot. Genial.
Das Außenthermometer der Nordkapp behauptet seit einigen Tagen auch felsenfest, dass wir kaum unter 0 Grad haben, und besonders kalt ist es auch nicht. Vor allem weht kein Wind! Ich bleibe noch ein bisschen an Deck, bis die südgehende Havila Pollux den Anleger in Havøysund frei macht, an uns vorbeisegelt und schließlich hinter den Bergen verschwindet. Dann reiße ich mich von der Landschaft los und widme mich dem Frühstücksbuffet.
Und nach dem Frühstück? Um 3 Uhr morgens gab es wohl Polarlicht, zumindest bekomme ich von einer aus unserer Gruppe Bilder gezeigt. Irgendwie habe ich gerade am wenigsten Erfolg hier – aber ich gönne es ja jedem. Nur nächstes Mal bitte mit Durchsage:-)
MorgenstimungHavila PolluxHavøysund
Bei absolutem Traumwetter geht es dann in den Magerøyasund. Schneebedeckte Berge, strahlendblauer Himmel, unglaublich kitschige Wolken und keine Sonne – so gefällt die Polarnacht!
Etwa auf der Höhe des Straßentunnels gibt es auf Deck 7 einen Point auf Interest: Allerlei wissenswertes über Magerøya, Nordkapp und natürlich Rentiere. Gleichzeitig wird Schnee geschippt: In der Nacht kam einiges runter, auf Deck liegen einige Zentimeter, die ins Meer befördert werden wollen. Besonders spannend ist das für den Matrosen, der auf die Rettungsboote klettert, um da für Ordnung zu sorgen!
Im Magerøya-Sund
Aber der Himmel zieht weiterhin alle Blicke auf sich. Die Kamera kann die Farben natürlich nicht einmal ansatzweise einfangen. Man muss es selbst sehen, und dafür natürlich auch noch dieses Wetterglück haben!
Derweil öffnet das Restaurant wieder: Da die meisten zum Nordkap wollen, schließt das Mittagessen fast nahtlos an das Frühstück an. Als wir Honningsvåg erreichen, gibt es ein paar Wolken mehr am Horizont, und die MS Finnmarken ist auch schon da. Ein paar rote Jacken sind im Ort zu sehen, aber auch hier sind wohl alle schon am Nordkap. Von den Taxis, die normalerweise auf Individualreisende warten, die günstiger zum Nordkap wollen, ist nichts zu sehen – die haben uns die Kreuzfahrer der Finmarken wohl schon weggeschnappt.
So viel sei schon verraten: Ich fahre nicht zum Nordkap, aber unsere Gäste hatten Traumwetter. Erst auf der Rückfahrt kam das berüchtigte Schlechtwetter, das man da oben eigentlich fast schon erwartet. Für mich stand Honningsvåg auf dem Programm. In der Nähe vom Anleger hat ein neues Museum eröffnet, das sich auf drei Stockwerken mit dem Meer und – natürlich – auch der Lachszucht beschäftigt.
Ocean Stories
Mit interaktiven Spielen und interessanten, kurzen Info-Häppchen ist Ocean Stories einen Besuch wert. Science-Center-mäßig vermittelt es einen schönen Rundumschlag an Wissen über das Nordmeer, von der Historie bis zur Moderne. Wer einmal Lachsfarmen bauen oder Fische impfen will, ist hier genau richtig. Das lohnt sich meiner Meinung nach mehr als das Nordkap-Museum, wenn man einmal in Honningsvåg ist und weder zum Nordkap noch hoch zum Aussichtspunkt will.
Anschließend gehe ich noch einmal um das Hafenbecken, um einen Blick auf unser Schiff von der anderen Seite zu werfen. Irgendwie ist die Nordkapp gewachsen…
Nordkapp & Finnmarken
Anschließend ein Besuch im Weihnachtshaus, das wieder geöffnet ist und mir nichts neues zu bieten hat, und in den Laden direkt am Anlieger, wo ich fündig werde. Dann gehe ich auch schon zurück aufs Schiff. Das Restaurant hat mittlerweile zu, und es gibt eine Sicherheitsübung: Zum ersten Mal auf dieser Reise sehe ich etwas, wenn ich aus dem Fenster schaue, das Rettungsboot ist weg. Aber das kommt wieder, keine Frage.
Honningsvåg
Ich gehe anschließend noch einmal auf Deck 7, arbeiten – mit Blick auf den Ort, der langsam in der Polarnacht versinkt. Und im Nebel… haben die am Nordkap das ganze gute Wetter aufgebraucht? Das kann doch nicht wahr sein. Der Blick auf Windy zeigt, dass es heute in der Barentssee klar werden kann – und zwar immer etwa eine halbe Stunde hinter uns. Langsam nehme ich das der Aurora und den Wettergöttern übel.
Um 15:30 gibt es einen deutschsprachigen Vortrag über die Samen. Für mich nicht zu viel Neues, aber trotzdem schön gemacht, und irgendwas lernt man doch immer. Pünktlich für unseren Anlauf in Kjøllefjord ist er fertig. Kjøllefjord ist im Winter ja einer der schönsten Häfen: Ein Weihnachtsdorf, das am Fuß der schneebedeckten Berge am Ende eines Fjords liegt. Das ganze wirkt aber nur schön, wenn nicht so viel Schnee in der Luft ist, dass man nichts vom Ort sieht!
Kjøllefjord
Die Überfahrt nach Mehamn ist unruhiger als gedacht – wir haben eigentlich nur eineinhalb Meter hohe Wellen, aber trotzdem ist bei Windstärke 4-5 Bewegung im Schiff. Der Wind kommt von achtern oder Norden. Aber auch das Abendessen geht rum, und bei dem Schneegestöber draußen brauche ich auch keine Polarlichtwache halten.
Aber, oh Zeichen und Wunder: Auf einmal kommt kurz nach 21 Uhr die Durchsage: Polarlicht voraus! Bis ich meine Kamera geholt habe, habe ich keine Chance mehr für einen Platz am Bug, aber das ist gar nicht schlecht: Links gibt es auch eine gute Show, die meine an die Reling geschraubte Nikon einfängt, und am Heck ist auch viel zu sehen. Über uns ist sogar eine kleine Corona zu sehen, die Bänder sind deutlich, das geisterhafte Grün ist mit dem bloßen Auge zu erkennen, und bisschen Bewegung ist auch da. Und vor allem: Bis etwa Berlevåg zeigt die Aurora sich ohne störende Wolken! Damit hat jeder die Chance, etwas zu sehen.
Damit haben wir endlich die schöne Show, auf die ich gehofft hatte. Bitte mehr davon:-)
Die Ausbeute der Nikon im Zeitraffer
Und die kürzeren Filme der Panasonic:
Praktisch übrigens: Nach Berlevåg war wieder Ruhe. Nur die Schiffsbegegnung mit der Nordlys gibt es noch, ansonsten hat sich das Polarlicht zu einem diffusen Schimmer aufgelöst. Feierabend zu einer guten Zeit also.
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