Hurtigrute Tag 3: Trondheim

Morgens um 8 in Trondheim

Nach dem Bilderbuchwetter gestern ist Trondheim schon deutlich unfreundlicher: Bedeckter Himmel, leichter Schneefall und sechs Grad unter Null. Ich hatte ja mit dem Gedanken gespielt, mir den Sonnenaufgang mal von der Festung aus anzuschauen, aber mangels Sonne hat sich das erledigt. Für „Trondheim unter Wolken“ gehe ich nicht in aller Frühe hoch zur Festung.

MS Vesterålen

Das ist dann leider auch die letzte Chance gewesen, eventuell einen Sonnenaufgang in Trondheim zu erleben. Ab Sommer gibt es einen neuen Fahrplan mit deutlich kürzerer Liegezeit als jetzt. Dann liegt die nordgehende Hurtigrute von 10:00-13:15 in Trondheim und die südgehende von 6:30-9:45. Bei einer knappen halben Stunde Marsch ins Stadtzentrum bleibt dann nicht mehr so viel Zeit für einen Besuch der Stadt. Ebenso entfällt die Schiffsbegegnung am Kai – in Zukunft gibt es keine Möglichkeit mehr, andere Schiffe zu besuchen.

Ich mache mich um kurz vor 9 auf den Weg in die Stadt und habe effektiv also auch nur 3 Stunden Zeit, aber das ist schon relativ knapp, wenn man nicht weiß, wo man hin will – oder wenn man shoppen will. Immerhin gibt es noch die Stadtpläne mit Vorschlägen für Rundgänge, inkl. Zeitangaben.

Ich nehme meine Standard-Route, an den Bahngleisen vorbei über Nedre Elvehavn mit seinen schmuck renovierten und umgebauten Industriegebäuden nach Bakklandet, dem ehemaligen Armenviertel mit kleinen, heute herausgeputzten Holzhäuschen. Dazu immer wieder ein Blick über den Fluss Nidelv auf die alten Speicherhäuser. Ein Blick in die Hinterhöfe zeigt, dass Feuer auch heute noch ein Problem ist: Ein Anschlag verbietet Grillen, weil die Sprinkleranlage mit Wärmebildkameras gekoppelt ist.

An der Brücke zur Innenstadt werfe ich den üblichen Blick nach links zum Fahrrad-Lift: Im Sommer wird hier Radfahrern den Berg hinauf geholfen. Daneben ist eine Ausleihstation für Fahrräder, und ein paar Meter den ursprünglichen Weg weiter werden Fahrräder repariert. Die Stadt ist auf Radler ausgerichtet… Der Weg ein paar Meter weiter lohnt sich immer, denn vom Ufer aus hat man einen schönen Blick auf Nidaros-Dom und Gamle Bybrua, die markante rote Stadtbrücke, die schon lange keine Zugbrücke mehr ist.

Am Dom liegt kein Schnee, auch wenn es immer wieder Schneeflocken in der Luft gibt. Hinter dem Dom ist der alte Erzbischofspalast, der heute ein Museum beherbergt – das um 11 Uhr aufmacht. Hm… mit den neuen Liegezeiten schaffe ich es vielleicht doch einmal in das Museum?

Torvet

Weiter in die Innenstadt: Noch bis Sommer 2020 ist der Torvet (der Marktplatz) Großbaustelle, danach soll er wieder einige Jahrzehnte halten. Bis dahin wird noch gebuddelt. Ich schaue kurz in das Torget-Einkaufszentrum (die in das Gebäude integrierten alten Häuser faszinieren mich immer wieder), dann auf der anderen Seite vom Platz in die Buchhandlung und in die Var Frue Kirke – eine offene Kirche, in der sich Obdachlose aufwärmen können, und außerdem ein schönes Gebäude.

Tja, und dann ist es auch schon wieder Zeit, zurückzukehren. Noch ein Blick auf die örtliche Residenz des norwegischen Königs (Stiftsgården, Norwegens größtes Holzhaus, das von hinten hübscher ist als von vorne und direkt gegenüber vom Burger King liegt), und am Yachthafen vorbei zurück zum Schiff.

Munkholmen

Gleich nach dem Ablegen ging das Schiffsprogramm weiter: Point of Interest Insel Munkholmen. Das Expedionsteam erzählt die Geschichte der ehemaligen Kosterinsel und Gerichtsstätte, während wir gefühlt näher an Munkholmen vorbei fahren als üblich. Auch wenn das Wetter mäßig ist, gibt es so ein paar schöne Bilder. Anschließend Mittagessen, während wir durch den Trondheimfjord fahren. Ich mache es mir im Panoramasalon bequem, als eine Durchsage ertönt, die mit Applaus begrüßt wird: Es ist nicht erlaubt, Sitzplätze zu reservieren, und herrenlose Gegenständer werden demnächst eingesammelt und an der Rezension zum halben Preis verkauft.

Kjeungskjærfyr

Respekt, das hätte schon viel früher gemacht werden sollen.

Mich betrifft das nicht, ich mache es mir in der zweiten Reihe bequem und beende mein Blog von Tag 2, bis Kjeungskjærfyr in Sicht kommt. Also zum Bug, vom Wind durchgeblasen werden und zurück Richtung Rettungsbote, wo es sich besser aushalten lässt. Nett, nur gibt der graue Himmel keinen schönen Kontrast her. Das klasse Wetter von Ålesund haben wir leider hinter uns gelassen, wir sind etwa an der Grenze einer Wolkenfront – die nächsten Tage ist alles möglich.

Stokksund

Gut eine Stunde später erreichen wir gegen 16 Uhr den schmalen Stokksund, der normalerweise nur bei gutem Wetter passiert wird. Aber der Käptn gibt sein Bestes, und wir haben die Felswände fast zum Greifen nah. Nur der Schneegraupel, der uns ins Gesicht bläst, ist uns noch näher. Brr. Aber trotzdem irgendwie schön. Norwegen halt.

Land und Leute

Obwohl heute eigentlich ein Seetag ist (oder Sehtag?), kommt man kaum zur Ruhe. Um 17 Uhr lädt das Expeditionsteam zu seinem Norwegen – Land-und-Leute-Vortrag ein, bei dem auch mein Polarlichtfilmchen von gestern gezeigt wird, und eine halbe Stunde später um 18 Uhr steht schon wieder das Abendessen an. Dann zeigen wir wieder Flagge an unserem üblichen Platz an der Bankreihe auf Deck 4 vor dem Restaurant und klären noch ein paar Fragen der Gäste, bis wir Rørvik erreichen.

Rørvik

Noch einmal liegen zwei Schiffe nebeneinander, ab Sommer gibt es das Treffen auch nicht mehr. Ich mache den Fehler und nutze die Gelegenheit, noch einmal zwei Schiffe nebeneinander zu fotografieren – die anderen gehen für die Viertelstunde an Bord der Spitzbergen und treffen auf Kai, mit dem ich auch schon einige Touren hatte. Aber wahrscheinlich fahre ich mit ihm in der nächsten Saison. Trotzdem schade, ich hätte ihm gerne Hallo gesagt. Schade, dass die Schiffsbegegnungen im Hafen demnächst Geschichte sind.

Die Spitsbergen neben der Nordnorge

Der Rest ist schnell erzählt: Es gibt zwar tolles Polarlicht, aber bei uns nur Wolken, sodass wir den Tag beenden und uns der Arbeit widmen: Morgen ist der nächste Vortrag, dieses Blog will geschrieben werden, und der Polarkreis wird überquert. Zwischen 7 und 8 wird es auch schon hell genug sein, dass die Kugel zu sehen sein wird. Mal sehen, ob ich mir das antue…

Hurtigrute Tag 2: Ålesund & First Light

Bestes Wetter am Westkapp

Was für ein Tag!

Nach den Stürmen der letzten Tage hatte ich am Westkap eigentlich etwas mehr Bewegung im Schiff erwartet, aber stattdessen gab es einen Ententeich, bei dem einem niemand glaubt, dass die Gegend ein Schiffsfriedhof ist und die Wikinger ihre Schiffe lieber über Land tragen als dem Sturm auszusetzen. Geschweige denn, dass der norwegische Staat einen Schiffstunnel bauen will, um die Gegend zu vermeiden.

Recht ruhige See

So kann ich nach Måløy in aller Ruhe und gefahrlos duschen, bevor ich mich mit der Kamera an Deck begebe. Ende des Monats ist Tag-und-Nacht-Gleiche, dementsprechend früh ist es schon hell. Bei prächtigem Sonnenschein ist es fast unmöglich, schlechte Fotos zu machen. Echtes Bilderbuchwetter, und nur ein wenig auf und ab. Besser kann die Reise kaum starten.

Kurz vor Torvik

Am Westkap bietet das Expeditionsteam den ersten Point of Interest an, mit Infos zu dieser Region. Aber auch wenn es fast ein Frevel ist: Ich nutze die Zeit, um frühstücken zu gehen. Schließlich steht um 10:30 – also während unseres kurzen Aufenthalts in Torvik – die Willkommensveranstaltung für unsere Gruppe an. Alex, Stefan, Hans und ich stellen uns vor, geben die Grundinfos zur Reise und stoßen auf die Reise an. Auch wenn das eine Gruppenreise ist: Wir machen nur Angebote, drängen uns aber niemandem auf. Wer will, kann fast Individualurlaub machen. Aber wir dürfen auch schon die ersten Kameras erklären.

Wir fassen uns zwar kurz, aber bis zum Mittagessen bleibt trotzdem nicht viel Zeit. Schließlich legen wir heute schon um 12 Uhr in Ålesund an. Da wir ohnehin noch ein bisschen mit Aufräumarbeiten nach dem Welcome-Drink beschäftigt sind und damit die Ausflügler in Ruhe essen können, gehen wir erst um 12 zum Restaurant – aber nicht hinein, es ist voll, und wir müssen warten, bis Plätze frei werden. Ich muss mal schauen, wie viele Passagiere auf dem Schiff sind. Meine Schätzung ist wirklich ausgebucht.

Daher wird es etwas später, bis ich das Schiff verlassen kann. Der Berg ruft, aber diesmal wiederstehe ich dem Ålesunder Hausberg Aksla und drehe eine kleine Runde bis zum Stadtzentrum der Jugendstilstadt. Die üblichen Fotomotive wollen besucht werden – im Hotel im Brosund wird leider renoviert und ist hinter einer weißen Plane versteckt. Anschließend mache ich mich am Fuß des Aksla auf den Weg zum Waldehuset. An dem alten Holz-Eckhäuschen bin ich zwar schon oft vorbeigelaufen, aber jetzt nehme ich es erstmals bewusst wahr: Hier endete der Stadtbrand, durch den Ålesund von der typisch norwegischen Holzstadt zu der heutigen, steinernen Jugendstilstadt wurde. Der Besitzer weigerte sich damals, sein Haus zu verlassen, weil ihm Engel bestätigt hätten, dass er in Sicherheit wäre. Tatsächlich hat das Feuer sein Häuschen verschont, das heute ein Museum beherbergt. Moderne „Sehenswürdigkeiten“ auf dem Weg sind ein Rock-und-Metall-Plattenladen, der Burger Kind und der Fretex (der Laden der Heilsarmee) – irgendwie ist mir die Straße bisher völlig entgangen.

Auf dem Rückweg schaue ich am Ålesund Museum vorbei. Auch ohne in das Museum zu gehen, gibt es an der Außenwand einige Bilder der alten Stadt zu sehen, dazu zahlreiche Kanonen (die einst im Hafen als Poller dienten) und einen hübschen kleinen Aussichtspunkt. Nett.

Coastal Kitchen

Anschließend langt es noch für einen kurzen Besuch im Stadtparkt und im Einkaufszentrum, bevor ich mich zurück aufs Schiff mache. Um 15 Uhr legen wir, gleich darauf stellt der Chefkoch die Coastal Kitchen auf Deck 7 vor (mit deutscher Übersetzung durch die Reiseleitung): Lamm, Bier und Linie Aquavit. Viel Zeit bleibt mir dafür nicht: Um 16 Uhr halten Hans und ich unseren gemeinsamen Doppelvortrag zum Nordlicht: Ich die Theorie, er die Fototipps. Das klappt gerade so: Kurz nach 16 Uhr endet der englische Polarlichtfilm des Schiffs, sodass wir mit etwas Verspätung anfangen. Und um 17 Uhr ist schon die nächste Veranstaltung im Vortragsraum, Land & Leute vom Expeditionsteam. Wir räumen den Saal und widmen uns den nächsten Kameras. Dafür bleibt nur knapp eine Stunde, denn um 18:00 gibt es schon Abendessen.

Molde

Die Einfahrt nach Molde verpasse ich daher, erst im Hafen kann ich ein paar Fotos machen. Diesmal gibt’s also kein Bild davon, wie das segelförmige Scandic in der Sonne glitzert. Was für ein Stress – ich bin noch nicht mal dazu gekommen, meine Cruisecard mit der Kreditkarte zu koppeln, also gibt es heute nur Wasser zum Trinken. Aber das Essen kann sich sehen lassen.

Anschließend bieten Alex und Stefan noch eine kleine Reiseleitersprechstunde an, für alle die morgen früh nach Trondheim wollen. Die ist recht ruhig, und wir können etwas quatschen, bevor die Durchsage kommt: Wir haben etwas Nordlicht, aber kein Grund, nach draußen zu hetzen. Nicht schlecht: Am zweiten Abend ist die Pflicht schon erfüllt, was den Erfolgsdruck von der Reise nimmt.

Zuerst Bug voraus, später an der Backbordseite ist ein schöner, flacher Bogen zu sehen, der später sogar eine Spur des geisterhaften Grüns und ein paar Strukturen zeigt. So weit im Süden ist das schon gar nicht schlecht – nach einem traumhaften Tag das erste Polarlicht. So kann die Reise weitergehen, und vor allem kann so jeder schon einmal mit seiner Kamera üben. Bis wir Kristiansund erreichen, habe ich knapp 2000 Bilder im Kasten. Der Rest der Nacht geht für Bilder kopieren und bearbeiten sowie dieses Blog drauf. Die Bilder des Tages kann ich aber erst am dritten Reisetag einfügen – mit dem Zeitraffer ist mein kleiner Rechner voll ausgelastet. Wenn ich morgen früh aufstehe, sollte er mit den Bildern durch sein, und ich kann den Rest sichten und einfügen.

Nachtrag: Auf https://twitter.com/AlexKerste/status/1103642886699143169 gibt’s das Video.

Hurtigrute Tag 1: Bergen?

5. März 2019, nach den ersten Sommertagen (zumindest hat das Thermometer in Süddeutschland letzte Woche an der 20-Grad-Marke gekratzt) und Herbststürmen (mancher Faschingsumzug wurde abgesagt) starte ich bei recht angenehmen Temperaturen auf meine letzte Hurtigrute für diese Saison. Der Sonnenaufgang ist durchaus beeindruckend.

Sunrise

Das einzige Problem bei der Sache ist das süddeutsche Autobahnnetz. Der Flieger geht um 11:50 nach Amsterdam. Zwei Stunden vorher am Flughafen sein, nochmal eine halbe Stunde drauf für den Transfer vom Parkplatz zu Flughafen (weil sich ja kein normalverdienender Mensch das Parken am Flughafen leisten kann), dann 150 km Autobahn bis zum Flughafen Frankfurt (rechnen wir mal 2,5 Stunden mit Stau), dazu noch ein paar Minuten Frühstück – also Wecker auf sechs Stunden vor Abflug stellen. Gähn.

Wolken in Frankfurt

Wieder Erwarten geht die Anreise aber ohne Stau über die Bühne, und ich bin mit ordentlich Zeitpuffer am Flughafen. Am Check-In sind auch schon die ersten Gäste, denen ich mich zu erkennen gebe, bevor es durch die Security geht. Diesmal gibt es für die Fototasche das volle Programm, und mein Taschenspektroskop bringt die Mitarbeiter völlig durcheinander. Die mögen sich ja eine satte Lohnerhöhung erstreikt haben, aber Bildung gab’s dafür trotzdem keine. Immerhin wird’s nicht gesprengt… Frankfurt selbst bietet einen wolkenverhangenen Himmel, dafür ist der Flug bis auf den etwas holprigen Landeanflug auf Amsterdam unspektakulär.

Lecker Bordverpflegung

Mein Gemecker über den letzten Flug scheint was gebracht zu haben: Zwischen meinen Knien und dem Vordersitz ist diesmal ein komfortabler halber Fingerbreit Platz, und ich konnte beim Check-In in der App am Vortag sogar meinen Sitzplatz auswählen. Dafür ist die Maschine mal wieder überbucht… Die Snacks sind wie üblich: Rührkuchen auf dem ersten Flug, ein Gemüse-Wrap auf dem zweiten Flug. Ansonsten gibt’s nichts zu berichten: Wir sind pünktlich, und das Gepäck ist auch dabei. Alles gut.

Aberglaube bei KLM

Etwas irritierend finde ich nur, dass ich auf dem Flug nach Bergen in Reihe 14 sitze und direkt vor mir schon Reihe 12 ist. Der Aberglaube hält sich wohl. Aber was soll’s, der Flug geht glatt.

In Bergen warten mein Lektoren-Kollege Hans sowie unsere beiden Reiseleiter Alex und Stefan schon auf uns und nehmen die Gruppe in Empfang. Mit zwei Bussen geht es dann auf eine kurze Stadtrundfahrt durch Bergen. Wir verlassen den Flughafen etwa gegen Sonnenuntergang kurz nach 18 Uhr, damit ist es noch hell genug, um ein bisschen was von der Stadt zu sehen. Die alten Holzhäuser von und hinter Bryggen sind immer wieder Highlights, die Marienkirche (die bis 2015 renoviert wurde und das älteste erhaltene Gebäude der Stadt ist) ebenso, auch wenn es kürzlich wohl durch eine Sprinkleranlage zu einem Wasserschaden kam. Durch die getönten Busfenster in die Dämmerung zu fotografieren ist aber nur mäßig ergiebig. Irgendwann muss ich mir nochmal ein, zwei Tage in Bergen gönnen…

Bis wir auf dem Schiff sind und unsere Bordkarten in der Hand halten, ist es etwa 19 Uhr. Obwohl Hans und ich zügig zur Bordreiseleitung gehen, um die reservierten Vortragsräume abzuklären, sind wir zu spät: Zwei andere Reisegruppen waren schon da, und die Reservierungsanfrage ging wohl unter. Immerhin kriegen wir noch ein paar gute Termine, an denen es keine Kollisionen mit der Landschaft, Sehenswürdigkeiten oder Schiffsterminen gibt. Morgen geht’s auch schon los.

Bergen mit dem Fløien

Der Boarding-Stress geht gleich weiter: Der Sicherheitsfilm wird nicht mehr gezeigt, bevor man das Schiff betritt, sondern erst an Bord – letzte Vorstellung gegen 19:30. Da hilft es auch nicht, dass er schon siebenmal gezeigt wurde, wenn wir gerade erst an Bord gekommen sind. Für die letzte Vorstellung reicht es noch, dann ab ins Restaurant in die Schlange stellen, bevor es um 21 Uhr zu macht. Die Vorstellung der Crew verpassen wir somit, aber immerhin in der Bordreiseleitung sind ein paar bekannte Gesichter. Danach kurz in die Kabine, auspacken, und um 22:30 heißt es Leinen los!

Die Askøy-Brücke

Dadurch hatte ich diesmal noch nicht einmal Zeit, kurz von Bord zu gehen, um Vorräte einzukaufen oder das Schiff von der anderen Seite des Hafenbeckens zu knipsen. Das wäre aber ohnehin sinnlos: Es regnet wieder einmal. Dementsprechend wenig Spaß macht das Ablegen, und nachdem wir die Askøy-Brücke passiert haben, ist es auch Zeit für Feierabend (bzw. die ersten Bilder sortieren und kurz dieses Blog schreiben).

Und nun: Mal schauen, was die nächsten Tage bringen!

GoTo und Zahnriemen für die Vixen GP-DX

Der original-Antrieb der Vixen GP-DX

Die Vixen GP-DX war immer so etwas wie meine Traum-Montierung – was gewiss auch damit zusammenhängt, dass ich mit ihr angefangen habe: Auf der Heilbronner Sternwarte haben wir zwei C8, die lange auf Superpolaris-Montierungen betrieben wurden. Klasse Sache, stabil und deutlich leichter als die HEQ-5, die später kamen.

Als mir vor einigen Jahren eine gebrauchte GP-DX (noch aus Vehrenberg-Zeiten) im Biete-Forum von Astronomie.de über den Weg lief, schlug ich dann auch schnell zu. Auf dem Berlebach Uni Stativ hat sie eine gute Basis und ist – bei guter Einnordung – mit meinem ED80/600 sogar ohne Autoguider fototauglich.

Was mich aber immer genervt hat: Sie ist mittlerweile etwas pflegebedürftig, insbesondere die Antriebszahnräder haben sich gerne mal gelöst. Ein Inbusschlüsselsatz war mein ständiger Begleiter. Und da die originalen Vixen-Motoren langsam sind, hat man zwar eine Feinverstellung, aber gerade bei nur 600mm Brennweite ist der Effekte eher gering. An zeitgemäßes Goto ist da gar nicht erst zu denken.

Eine Lösung ist es ja, die Elektronik von einem China-Nachbau an das Vixen-Original zu bauen. Das „Skywatcher SynScan GoTo Upgrade für EQ-5 und Vixen GP Montierungen“ liegt bei gut 400 Euro und lässt sich adaptieren, hat aber weiterhin Zahnradantrieb (und somit Getriebespiel). Früher gab es ein NexSXD-Projekt, um Celestron-Steuerungen zu adaptieren – wäre mir sympathisch gewesen, weil ich mich mit der Steuerung auskenne, gibt’s aber nicht mehr. Und dann kam auf Astrotreff dieser Thread. Damals lag die EQStar-Schrittmotor-Steuerung von Astro-Gadget für Schrittmotore auf Ebay noch bei rund 100 Euro, jetzt ist sie etwas teurer – aber dafür gibt es nun auch ein Goto Drive Set mit Motoren zum Spotpreis gibt, sodass man keine passenden Motoren mehr suchen muss. Nachteil: Sie kommt aus der Ukraine…

Aber gut 100 Euro war mir der Versuch wert, wobei ich deutlich mehr Geld in das Motorset für GP von Avalon investieren musste. Das ist zwar nicht wirklich ein Schnäppchen, aber für mich gab es ein paar Gründe, die dafür sprechen:

  • Die Schrittmotoren sind mit der EQStar kompatibel, und von Avalon habe ich auf Anfrage auch die Pinbelegung erhalten. So kriege sogar ich als Elektroniklaie das hin
  • Ich mag Avalon – ich konnte mal mit der M-Zero rumspielen, und falls die EQStar nichts taugt, gäbe es immer noch die Option, auf StarGo von Avalon aufzurüsten
  • Keine Bastelei – die Motoren kommen im Gehäuse. Ich habe keine Werkstatt und keine Lust, groß rumzubasteln.

Heute würde ich wohl gleich das günstigere Komplett-Set von Astro-Gadget ausprobieren, aber zwei Kabel zusammenlöten ist auch kein so großes Problem.

Von Astro-Gadget kam via Ebay dann sehr flott die neue Steuerung: Ein Kästchen mit der Elektronik, ein WLAN-Modul, ein Kabel zum USB-Port vom PC (zur Steuerung via ASCOM), zwei Anschlusskabel für die Montierung und die Treiber-CD, dazu ein kleiner Joystick-Handcontroller, der statt eines Autoguiders an den Autoguider-Port der Steuerung passt.

Die Steuerung passt – mit einem Haargummi – perfekt an ein Berlebach Uni Stativbein. Unten das schwarze WLAN-Modul, links hängt der Joystick.

Nachdem ich zwei neunpolige D-SUB-Stecker aufgetrieben hatte, waren Kabel schnell zusammengelötet und die Motoren schnell angeschlossen. Erster Test am PC, noch ohne Montierung: Hm. Man braucht neben der ASCOM-Plattform ein Windows-Programm namens EQSettings, das auf der Mini-CD beiliegt. Nur: Der USB-Konverter wird zwar erkannt, aber das war’s dann auch. Eine Rücksprache beim Entwickler (danke für den guten Support!) brachte die Lösung: Dem USB-Konverter muss zwingend COM2 zugewiesen werden. Über die Systemsteuerung ging das einwandfrei, nun ich konnte die richtige Übersetzung einstellen (1:576 für die Avalon-Motoren) und über ASCOM irgendwie auch ansprechen (ASCOM ist für mich immer noch ein Buch mit sieben Siegeln) – aber irgendwo kam dann das Bedienfeld, und die Motoren liefen.

Zumindest eine Zeit lang. Bis irgendwann nichts mehr ging, nicht einmal der Piepser beim Anschalten.

Ich weiß bis heute nicht, ob es am Netzteil lag (das etwas mehr als 12V liefert, aber dafür auch bei Kälte genug Strom liefert), an der Steuerung (die 12V will, aber auch bis 15V vertragen soll) oder an der seltsamen Stromversorgung in diesem Haus, wo öfter mal die Sicherung rausfliegt.

Grmpf. Was tun? Die Steuerung in den Wind schreiben? Noch mal eine über Ebay kaufen? Kontakt mit dem Entwickler aufnehmen? Ich entscheide mich für letzteres und bin positiv überrascht: Für wenig Geld bietet er mir eine Reparatur an.

Die Reparatur an sich ist kein Problem, nur – wie kriegt man das Geld in die Ukraine, wenn Ebay nicht dazwischen steckt? Überweisungen aufs Handy sind vielleicht dort üblich, aber hier noch lange nicht, und eine Online-Überweisung? Guter Witz. Ich muss tatsächlich persönlich zur Bank gehen und eine Papierüberweisung abgeben. Online kann ich sie zwar auch gut versteckt ausfüllen, müsste sie dann aber auch ausdrucken und zur Bank tragen. Willkommen im Deutschland des 21. Jahrhunderts.

Die GP-DX mit Zahnriemen

Irgendwann kommt dann die Nachricht vom Zoll, dass ich die Teile abholen kann. Und die Frage, als was die Platinen einzuordnen sind. Was weiß denn ich, ich habe die Zollklassen noch nie gehört. Bin ich Elektroniker? Oder Zöllner? Ein paar Euro später habe ich die Steuerung dann in der Hand. Wenn ich die Spritkosten anschaue und die verlorene Arbeitszeit bezweifle ich, dass sich das für den deutschen Staat lohnt. Und mein Wagen fährt Diesel, bis in alle Ewigkeit…

In der Zwischenzeit habe ich mir auch noch einen LiFePO4 PowerTank von Celestron besorgt. Damit fällt die schwankende Stromversorgung vom Haus schon mal als Fehlerquelle flach, und die Tests können beginnen.

Der erste Test

Nachdem dann alles zusammen war, ging es an die ersten ernsthaften Tests. Die Doku von EQStar ist diesbezüglich etwas mager, aber was soll’s – das gehört zu einem Bastelprojekt. Der Reihe nach:

Joystick-Steuerung und die Motoren

Die neuen Motoren an Ort und Stelle.

Die Motoren waren schnell installiert: Die alten Motorblöcke abschrauben, die alten Zahnräder und die Getriebekupplung von der Montierungsachse entfernen, dann die neuen Motoren samt Zahnrädern und Zahnriemen anschrauben – fertig. Die Avalon-Motorgehäuse werden jeweils nur mit einer Schraube an der Montierung befestigt und haben etwas Abstand zum Achsenkreuz der Montierung, also ziehe ich die Schrauben fest an. Über vier Schräubchen im Motorgehäuse lässt sich der Motor noch verschieben, um die richtige Spannung des Zahnriemens einzustellen: Das Band sollte sich ohne Kraftaufwand ein wenig verdrehen lassen (so ca. um 90°), dann passt es. Auch die großen Zahnräder sollten sich ohne Kraftaufwand drehen lassen.

Stecker zum Verschrauben per Schraubenzieher (rechts) sind einfacher zu finden, sinnvoll sind aber nur welche, die sich ohne Werkzeug lassen (links) – zumindest für den mobilen Einsatz.

Die Avalon-Motoren haben D-SUB-Buchsen. Für die ersten Tests hattee ich nur Steckergehäuse gefunden, für die ich einen Schraubenzieher brauche, um sie an die Motoren zu schrauben. Ohne Anschrauben sitzen sie nicht besonders fest und können leicht herausfallen (gerade bei schnellen Schwenks), aber ich habe nicht vor, die Montierung mit dem Schraubenzieher aufzubauen. Mittlerweile habe ich sie durch Stecker ersetzt, die sich mit der Hand verschrauben lassen.

Der Joystick zur Steuerung

Die manuelle Steuerung der Montierung erfolgt über einen kleinen Joystick, der in den Autoguiderport der Montierung gesteckt wird. Ein erster Test: Nachdem der Joystick einmal durch Drücken der Funktionstaste und Bewegen des Joysticks aktiviert wurde, bewegt sich die Montierung. Funktionstaste und Joystick in Deklination bewegen stellt die Geschwindigkeit ein (von 20x bis 500x); Drücken in Rektaszension stellt die Nachführgeschwindigkeit ein. Piepser zeigen an, welchen Wert man gerade eingestellt hat. Man darf in der Nacht nur nicht in die falsche Richtung drücken, sonst läuft auf einmal die Nachführung mit der falschen Geschwindigkeit… Aber soweit läuft es einwandfrei. So schnell war meine Montierung noch nie:-)

Zu viel Luft: Damit die Motorgehäuse am Achsenkreuz anliegen und sich nicht verstellen, muss ich sie etwas unterfüttern. Aber besser so als andersrum

Letztlich ist sie sogar zu schnell: Nach einiger Zeit scheppert die Montierung. Des Rätsels Lösung: Eine Schraube ist zu wenig, um die Motoren fest an ihrer Position zu halten, sie haben sich verdreht. Mit einem Abstandshalter aus Plastik kann ich sie unterfüttern, jetzt läuft sie ruhig, und die Motoren bleiben an ihrem Platz.

Beim Test am Nachthimmel gab’s dann wieder eine Ernüchterung: Die Rektaszensionsachse läuft einwandfrei, die Deklination nicht – nicht einmal per Hand kann ich sie drehen. Wir haben mittlerweile nicht die rund 20° vom Wohnzimmer, sondern um die 0° in der freien Natur, und das Schneckenspiel der Dek-Achse ist jetzt zu stramm. Ich hatte ganz vergessen, dass man das bei der GP-DX ab und zu mal justieren muss. Also ab nach Hause, wo die Inbusschlüsselsammlung ist, Motor abbauen und lockerer einstellen. Dann ab ins Bett…

Beim nächsten Test hat es wie gewünscht funktioniert. Etwas gewöhnungsbedürftig: Der Joystick spricht immer nur einen Motor an. Man kann also nicht beide Achsen gleichzeitig bewegen.

Die Steuerung per App

Einstellungen für SkySafari Pro

Noch mehr Trockentests: Der Steuerung liegt ein WLAN-Modul bei, um das Ganze per App zu steuern – zum Beispiel mit SkySafari Plus. Ich habe etwas gebraucht, um brauchbare Einstellungen zu finden. Im Augenblick habe ich sie als Celestron AVX konfiguriert, SkyWatcher SynScan wäre wohl auch einen Versuch wert.

WLAN gefunden, Steuerung gescheitert.

Die WLAN-Verbindung ist etwas haklig, was aber durchaus an Apple liegen kann – ich habe die Software auf einem älteren iPhone laufen. Auf jeden Fall muss ich immer etwas warten, bis WLAN-Symbol in der Statusleiste erscheint. Vorher muss ich gar nicht erst versuchen, SkySafari zu öffnen (obwohl es manchmal auch funktioniert, wenn LTE statt WLAN angezeigt wird – da steige ich noch nicht ganz durch). Dann kann ich mich meistens über den Connect in SkySafari mit der EQStar-Steuerung verbinden, kriege aber öfter die Fehlermeldung, dass die Steuerung nicht anspricht. Ein Handy-Neustart hilft häufig. Ein Android-Gerät mag besser funktionieren, keine Ahnung.

Wenn die Verbindung steht, läuft es aber ganz gut: Die Steuerung geht davon aus, dass das Teleskop auf den Himmelspol zeigt. Dann muss ich einen neuen Referenzstern anfahren, das Teleskop schwenkt dahin, und ich zentriere ihn über den Joystick oder besser noch mit gelösten Achsklemmen, bestätige in der App mit Align, und fertig. Das ist dann zwar nur ein Ein-Stern-Alignment (mehr kann SkySafari wohl nicht), funktioniert aber schon ganz gut.

Bis das Handy in den Ruhezustand geht und die Verbindung kappt. Unter Appearance & Behaviour bietet SkySafari zwar auch ein „Prevent Sleep“, aber manchmal sind die Reflexe schneller, und ich schalte das Handy aus. Was dafür nett ist: Ich kann die Motoren auch bewegen, indem ich das Handy etwas hin- und herneige. Wobei ich zugeben muss, dass der Touchscreen besser funktioniert als gedacht, auch wenn man die Richtungstasten nicht ertasten kann.

Ach ja: Der kleine Celestron LiFePO4 PowerTank versorgt entweder USB oder Teleskop mit Strom. Ich kann das Handy also nicht ebenfalls über den Powertank mit Strom versorgen – das größere Modell des PowerTanks soll es können. Mist.

Das Goto funktioniert schön, es ist nur etwas ungewohnt, dass erst eine Achse gefahren wird und dann die andere. Außerdem muss ich aufpassen, dass der Motor nicht an der Montierung anschlägt – aber das bin ich von der FS2-Steuerung der Alt-Montierung der Heilbronner Sternwarte auch gewohnt. Ein Tastendruck bricht den Schwenk ab.

Unter Android gibt es noch eine kleine App, um der Steuerung Datum, Zeit und Standort mitzuteilen. Dann weiß die Montierung auch, wann sie umschwenken soll. So erklärt das vielleicht die teilweise etwas seltsamen Positionswinkel. Die Objekte werden aber gefunden.

Fazit: Das Verbinden mit dem WLAN ist etwas hakelig, aber wenn es klappt, läuft es gut.

Steuerung per PC

Das habe ich bislang nur im Trockentest gemacht, aber wenn ich das richtig verstehe, muss ich ASCOM nur auf EQMOD konfigurieren, und muss mich nicht um um Getriebeübersetzungen und so kümmern. Zumindest bewegt sie sich, wenn ich in Guide einen Stern anfahren will. Wenn ich das richtig verstehe, gibt ASCOM nur die Wunschkoordinaten weiter, und die Steuerung kümmert sich um den Rest.

Fazit

Bereit für die Zukunft

Für’s erste bin ich begeistert, vor allem vom Preis-Leistungs-Verhältnis. Die hundert Euro (mittlerweile liegt sie bei 150 Euro, wobei ich das auch schon für die reine Steuerung inkl. Autoguidereingang zu zahlen bereit gewesen wäre) plus Motoren ist sie auf jeden Fall wert. Mir waren schnellere Motoren und Autoguidereingang am wichtigsten. Das Goto ist nicht ganz so wichtig, aber gerade beim Fotografieren sehr hilfreich.

Die EQStar scheint eine gute Möglichkeit zu sein, um eine solide ältere Montierung wie die SP/GP auf den modernen Stand zu bringen, wenn man sich ein bisschen reinarbeiten will. Wenn ich die Arbeitszeit rechne, wäre eine neue Montierung (ohne Zahnriemen und wohl mit geringerer Präzision) günstiger (je nach Stundensatz) – aber ein bisschen rumbasteln gehört zum Hobby Astronomie, und ich sehe keinen Grund, mich von einer alten, aber perfekt laufenden Montierung zu trennen.

Probleme hat vor allem die mangelnde Dokumentation gemacht, aber ich hoffe, alle Problemchen, die ich hatte, lassen sich mit diesem Blogbeitrag lösen. Ich würde die Steuerung nach aktuellem Stand jedenfalls wieder kaufen.

Sehr praktisch ist, dass ich das Kästchen mit der Steuerung – nachdem ich es mit der Bohrmaschine malträtiert habe – einfach mit einem Haargummi am Stativ befestigen kann. Das Kabel zum stationären Rektaszensionsmotor habe auf die kürzeste sinnvolle Länge gekürzt. Das zum Dek-Motor hat eine ziemlich gute Länge, auch wenn es bei kalten Temperaturen etwas steif wird. Und ich habe sogar einen Ersatz für die verbogene Polhöhenschraube meiner Montierung gefunden, sodass sie jetzt wieder voll einsatzfähig ist.

Der Zahnriemenantrieb ist sehr nett, beseitigt aber nur das Getriebespiel, nicht das Schneckenspiel. Schade, dass die GP-DX keine angefederte Schneckenachse hat…

Der nächste Schritt ist dann, wieder ein bisschen durch das Teleskop zu Fotografieren, wenn alles läuft. Bislang habe ich für fokale Fotografie ja vor allem das Equipment der Heilbronner Sternwarte genutzt und war mit kleinen Brennweiten auf dem Star Adventurer unterwegs, oder ohne Guiding mir der GP-DX. Wann ich das alles testen kann? Keine Ahnung – nächste Woche geht’s wieder auf die Hurtigrute, und wenn ich zurück komme, sind die Nächte schon wieder deutlich kürzer. Astronomie braucht Geduld:-)

Alles aufgeräumt – warten auf klaren Himmel…

Bis dahin wird mal alles im neuen Köfferchen verstaut (Schaumstoff von Koffermarkt.com, Koffer von Thomann. Und da gefragt wurde: Der Montierungskoffer mit dem meisten Fotokram und dem Gegengewicht liegt bei 21,5 kg, die Stativtasche bei 13,1 kg (inklusive der Vixen Porta-Montierung, wenn ich rein visuell unterwegs bin. Der Teleskopkoffer mit der aufgesattelten Ablageplatte von Stativ bei 17,8 kg. Das kann ich jetzt alles schön einlagern, bis ich wieder in Deutschland bin und klaren Himmel habe.

Hurtigrute Tag 12: Kurs Bergen

Bei Florø

This is the end: Der definitiv letzte Reisetag. Die Gegend rund um Florø fällt mit Sonnenaufgang, Aufstehen und Frühstück zusammen, und dann muss auch schon die Kabine geräumt werden. Um 10 Uhr ist Deadline, bis dahin muss auch das Gepäck am Aufzug stehen, damit man es in Bergen am Hurtigrutenterminal wieder bekommt und nicht den restlichen Tag darauf aufpassen muss.

Immerhin ist das Schiff nicht mehr ganz ausgebucht, sodass es sogar genügend Sitzplätze für Passagiere und Handgepäck gibt. Bei bestem Wetter fahren wir non-stop durch bis Bergen. Ganz angenehm: Die Cruisecard wird erst am Mittag gesperrt und abgerechnet. Ebenso angenehm: Die See ist ruhig und das Wetter schön. Die Gespräche im Panoramasalon werden daher immer wieder durch den Griff zur Kamera unterbrochen.

Panorama-Versuche

Ab und zu hat man zwar den Verdacht, dass das Schiff einen kleinen Wasserfall herunterfällt, wenn es kurz ruckt, aber bei der ruhigen See ist eigentlich keine Ursache dafür zu sehen. Jedenfalls sah das Meer nicht so aus wie auf meinem Panoramaversuch links…

Viel gibt es über den letzten Tag nicht mehr zu berichten. Am Vormittag macht das Expeditionsteam noch eine Musikstunde im Multe auf Deck 7 (das jetzt sogar einmal besucht ist), das Miittagessen ist Buffet, und um 13 Uhr laden Hans und ich noch einmal zu einer bunten Stunde ein, um die Wartezeit zu überbrücken. Ein paar nette Filmchen haben sich im Lauf der Zeit doch angesammelt.

Südgehend kommen wir der Küste wieder nahe und durchqueren manch engen Sund, die Felsen erinnern ein wenig an die Bretagne. Hübsch, vor allem bei gutem Wetter. Ich habe da schon ganz andere Passagen bis Bergen erlebt…

Kurs Bergen

In Bergen geht es dann wieder Schlag auf Schlag: 14:30 erreichen wir den Endpunkt der Reise, um 15:00 fährt unser Transferbus ab (wir haben für unsere Gruppe zwei eigene Busse), am Flughafen dann der Kampf mit den Automaten, die – ohne erkennbares Konzept – entweder Buchungsnummer, Bordkarte, Reisepass oder gar nichts anerkennen, das Gepäck aufgeben (Neu: Der Scanner will die Bordkarte sehen), durch die Security und ab zum Flieger. Fast alle fliegen über Amsterdam. Am Automat wo das Gepäckband ausgedruckt wurde gab es dann sogar die Chance, den Sitzplatz auszuwählen – bei einer fast komplett ausgebuchten Maschine gibt es da aber trotzdem keine Möglichkeit, Pärchen zusammenzusetzen, und auch wer die selbe Buchungsnummer hat, wird wild im Flieger verteilt. Immerhin kann man mit etwas Glück das Handgepäck zwischen Sitz und Vordersitz einfädeln und unter dem Sitz verstauen, wenn es kleiner als die Maximalmaße. Sardinenbüchse…

Da kommt einem dieser Tweet von KLM doch wie nackter Hohn vor. Ich kriege meine Beine jedenfalls als Presspassung rein und kann über die Tipps der Bordbroschüre zur Fitness im Flieger nur lächeln. Da würde ich mir ja das Genick bei brechen. Fairerweise: Der Flieger ist dieses mal nicht überbucht (es dürfen alle mit), und Eurowings nach Island war noch schlimmer. Ich bin gespannt, wann es Flieger mit Stehplätzen gibt… Nach zwei Stunden war zum Glück Amsterdam erreicht, und der kleine City-Hopper für den Anschlussflug hat mehr Platz als die Boeing 737-800.

Willkommen im Ländle!

In Amsterdam blieb noch genug Zeit für einen Imbiss, und dann ging auch schon der Anschlussflug nach Stuttgart. Der Shuttle vom Flyaway-Service war wie immer pünktlich, und um die Zeit ist sogar die A8 befahrbar.

Der gestrige Freitag ging für Aufräumarbeiten drauf: Alle Bilder und Filme sind jetzt hochgeladen; ich muss nur irgendwann mal nachschauen, ob ich mir einen Youtube-Account zulege – Vimeo ist voll. So bleiben die Filme erst einmal den Teilnehmern der Reise vorbehalten.

Allen noch einmal Danke: Es war eine schöne Reise, hat Spaß gemacht mit euch!

Und jetzt back to work: Im März soll mein Astrofotobuch erscheinen, dieses Wochenende ist der Feinschliff angesagt. Man kommt auf der Hurtigrute ja zu nichts… Und wem mein Hurtigruten-Büchlein gefallen hat: Sagt’s weiter, ich freue mich immer über eine nette Rezension auf Amazon🙂

Alltid god tur!

Hurtigrute Tag 11: Von Trondheim in die Sonne

Die Vesterålen in Trondheim

Mit Trondheim beginnt der entspannende Teil der Reise, dementsprechend wenig gibt es zu berichten. In Trondheim liegen wir bis zehn Uhr neben der Vesterålen, was auch der Grund ist, warum ich hier keine der angeboten Touren mitmache – obwohl die „verbogenen Gemächde Nidarosdoms“ schon interessant klingen. Aber um 7:45 zum Ausflug starten… vielleicht, wenn es südgehend mehr Nächte mit Wolken gibt. So begnüge ich mich vor dem Frühstück mit einem Foto der Vesterålen, statt noch einmal in die Stadt zu gehen.

In den letzten Jahren endete unsere Tour immer in Trondheim, sodass wir mit etwas Glück mittags schon im Flieger saßen. So geht es bei bestem Wetter durch den Trondheimfjord, die Sonne genießen.

Endlich Sonne!

Ja, tatsächlich: Wir sehen die Sonne wieder deutlich über dem Horizont. Viel mehr gibt es über diesen Tag auch nicht zu berichten: Ich bereite meine Abschlusspräsentation vor, zwischendurch gibt es Mittagessen und um 15 unsere Abschiedsveranstaltung mit Reiserückblick, Norwegeninfos und Infos zum Rückflug.

Anschließend noch ein paar Bilder tauschen (muss ja nicht alles per Download gehen), während wir durch Kristiansund fahren, mit dem Packen anfangen, und zwischendrin das Abendessen. Es gibt Schweinshaxn – war gut, aber nicht gerade das, was ich mit Norwegen verbinde. Eher mit den Alpen…

Das Abendprogramm: Im Panoramasalon Bilder anbieten und die Reise gemütlich ausklingen lassen. Hier unten ist aktuell kein Nordlicht mehr zu erwarten. Mal sehen, wie viele noch kommen. Für die Statistik: Ich habe bislang 11656 Fotos, was 317 Gigabyte entspricht. Timelapse im RAW-Format braucht Platz…

Hurtigrute Tag 10: Polarkreis und Helgelandküste

Vikingen mit Polarkreis-Kugel, und links die Venus

Irgendwie geht die Reise südwärts immer schneller als die in den Norden – haben wir wirklich an diesem Morgen den Polarkreis überquert und die Polarnacht verlassen? Bei bestem Wetter und klarem Himmel wirkt natürlich alles gleich heller, und der leichte Schnee auf den Bergen hilft dabei noch mehr. Kein Wunder, dass das in der Heimat Neid erweckt, wenn ich fleißig Bilder twittere:-)

Alle wollen die Kugel!

Etwa um 9:24 ist es voll auf dem Sonnendeck der Nordkapp, alle wollen einen Blick auf die Kugel auf der Insel Vikingen erhaschen. Jetzt, in der langen blauen Stunde, werden die Fotos auch etwas – nordgehend war das doch etwas anspruchsvoller. Die anschließende Zeremonie arktischer Tradition schenke ich mir (auch wenn der fischförmige Lebertranlöffel nun durch einen normaleren ersetzt wurde – ich habe weder den alten noch will ich mir den neuen verdienen) und verbringe noch ein paar Minuten mit meinem Laptop, bevor ich mir um 10:15 den Vortrag vom Schiff über nordische Mythologie anhöre. Unsere Expeditionsleiterin hat sich in Schale geworfen und gibt einen kurzen Überblick über den altnordischen Götterhimmel, bevor sie erzählt, wie Freyas Schmuck Brisingamen gestohlen und wiedergefunden wurde, und wie Thor seinen Hammer von Thrym wiederbekam. Thrym wurde am überzeugendsten dargestellt, war eine nette Erzählung.

Nesna

Anschließend noch ein paar Gespräche, ein Blick auf Nesna und ein kurzes Mittagessen, bevor wir in Sandnessjøen anlegen. Am Kai gab es die Chance, handgemachte, echt norwegische Trolle zu kaufen statt der allgegenwärtigen chinesischen Massenware. Danach zog der Gebirgszug der Sieben Schwestern die Blicke auf sich. Wer wollte, konnte auf Deck 7 den Point of Interest anhören, aber auch vorne am Bug versammelten sich einige und fotografierten die Bergkette in Ruhe. Kurz nach Sonnenuntergang um 13:34 war auch die Sonne erstmals wieder zu erspähen (die Lichtbrechung in der Erdatmosphäre machts möglich) und nicht nur indirekt durch die beleuchteten Berggipfel und Wolken. Nett. Die Mørketid ist vorbei.

Danach rief die Pflicht: Reiseleiter- und Lektorenmeeting, um den Abschluss der Reise vorzubereiten. Schließlich sollen ja auch alle heil nach Hause kommen und es nicht auf eigene Faust probieren. Das hatten wir auch schon oft genug – aber wer die Gruppenreise bucht, muss sich kein Taxi zum Flughafen nehmen!

Kurs Brønnøysund, mit Mond und Torghatten

Anschließend blieb genug Zeit, um das Anlaufen von Brønnøysund noch ein wenig zu genießen. Es kommt mir heller vor als noch im November, aber das liegt wohl nur an den fehlenden Wolken. Etwa eine Stunde haben wir in der Stadt in der Mitte von Norwegen, da wir etwas verspätet aus Sandnessjøen aufgebrochen sind. Aber das langt für einen kurzen Gang durch das Einkaufszentrum, ein paar Fotos und ein Eis. Diesmal halte ich mich zurück und kaufe nichts, noch nicht einmal in der Buchhandlung. Langsam habe ich genug norwegische Bücher, die ich noch nicht lesen kann… Interessant finde ich nur, dass Game of Thrones unter Kinder- und Jugendbücher einsortiert ist…

Letztes Licht

Um 17 Uhr ruft das Schiff, nicht nur weil es pünktlich ablegt: Zur Abfahrt gibt es ein Glas Prosecco, um im Panoramasalon auf 125 Jahre Hurtigruten anzustoßen – die diesjährige Alternative zum Captain’s Dinner. Eine Dreiviertelstunde später folgt dann das Fünf-Gänge-Menü, das nach dem Hauptgericht jäh durch die Durchsage „Nordlicht“ unterbrochen wird. Aber nach den letzten Tagen bleiben die meisten cool, während Hans und ich uns die Sache mal näher ansehen: Das Nordlichtoval ist als deutlicher, grauer Bogen zu sehen, aber für uns und unsere Gruppe mittlerweile nichts spektakuläres. Man hat ja mittlerweile Ansprüche, also geben wir den Gästen Entwarnung und sind zum ersten Nachtisch wieder im Restaurant.

Nach dem Abendessen ist der Bogen wieder abgeflaut, und in Rørvik erwartet uns dichter Nebel. Wir sind pünktlich im Hafen, aber die nordgehende Richard With hat Verspätung. Erst gegen 21 Uhr taucht sie aus dem Nebel auf – für einen kurzen Besuch an Bord langt es, aber die Schiffsbesuche lohnen sich kaum noch: Sie sieht fast genau so wie unsere Nordkapp aus. Schade – früher hatte jedes Schiff seinen eigenen Stil.

Die Richard With im Nebel.

Ebenso traurig: Das war wohl eine der letzten Reisen meiner kleinen Reisekamera, der Panasonic Lumix LX100. Das Objektiv fährt nur noch widerwillig aus. Schade – mit Blende 1,7 war sie die ideale handliche Reise- und Nordlichtkamera, auch wenn der manuelle Fokus nicht immer ganz einfach war. Mal sehen, was der Markt so her gibt. Immerhin zeigt meine Nikon trotz aller Zeitraffer noch keine Verschleißerscheinungen bis auf ein wenig Rost durch das Seewasser. Mehr zu meiner Ausrüstung gibt’s übrigens hier.

Der Rest vom Abend nach dem Ablegen von Rørvik ist schnell erzählt: Er wurde wegen Nebel, Wolken und Sternen ohne Nordlicht in der Bar im Panoramasalon verbracht.

Hurtigrute Tag 9: Vesterålen und Lofoten

Durch die Vesterålen

Was zwölf Stunden im Bett ausmachen: Gestern war ich noch total groggy und sicher, den Rest der Tour mit einer Erkältung verbringen zu dürfen, jetzt habe ich nur noch Kreuzweh, bin aber wieder weitestgehend fit und sogar rechtzeitig für ein spätes Frühstück wieder auf den Beinen. Und viel Polarlicht habe ich in Tromsø auch nicht verpasst, die Prognosen waren dann doch schöner als das, was durch die Wolken kam.

Von Harstad habe ich zwar nichts mitgekriegt, aber ich gönne mir einen Blick auf die Risøyrinne, die zu Risøyhamn führt. Sie wurde auf Wunsch des Hurtigrutengründers Richard With ausgegraben und ist nur wenig tiefer als die Schiffe. Diesmal bin ich früh genug an Deck um zu sehen, wie die blinkenden Markierungen auf den Ort zuführen – wenn man mitten drin steckt, fällt das weniger auf.

Die Risøyrinne

Während Risøyhamn bin ich in der Reiseleiter-Sprechstunde, auch wenn sie heute kaum in Anspruch genommen wird. Eigentlich kein Wunder: heute gibt es nicht viele Gelegenheiten, länger von Bord zu gehen – wir bleiben kaum mehr als eine Stunde in jedem Hafen. Aber Kari hat für morgen Trolle in Sandnessjøen organisiert. Echte Norweger, kein China-Import.

Um 12 Uhr versammeln wir uns dann wieder alle an Deck 5: Die Busse der Vesterålen-Tour überqueren die Brücke vor Sortland pünktlich zu dem Zeitpunkt, wenn wir darunter durch fahren. Also: Kräftig winken. Nur Norwegerfahnen werden diesmal nicht verteilt, aber die Vielfahrer sind mit Handtüchern ausgestattet. Immer wieder ein netter Spaß. Und dann: Mittagessen, bevor die Busreisenden an Bord und im Restaurant sind:-) In Sortland für die halbe Stunde von Bord zu gehen lohnt sich eh nicht.

Stokmarknes um 14:15 erreichen wir in der Abenddämmerung – es macht sich bemerkbar, dass wir weiter im Süden und Westen sind. Ab Morgen gibt es sogar wieder Sonne, dann überqueren wir den Polarkreis. Im Hurtigrutenterminal erlebe ich eine kleine Enttäuschung: Dort hängen zahlreiche alte Fotografien aus der Geschichte der Hurtigrute, mit Beschriftungen auf Englisch und Norwegisch sowie der Bitte, ob man nicht eine Übersetzung in der eigenen Sprache liefern möchte (zum Teil sogar auf Deutsch). Tja… letztes Jahr hatte ich deutsche Texte geschickt und nichts gehört, und nach der Novembertour noch mal, dann mit Lesebestätigung. Angekommen ist die Mail also, nur geändert hat sich nichts. Schade eigentlich.

Am Trollfjord

Im Dämmerlicht vertrete ich mir nur kurz die Füße an Land. Was mir neu ist: Es gibt nun auch einen direkten Zugang zur alten Finnmarken, wenn man in das linke Gebäude geht. Ich kannte das nur so, dass man durch das eigentliche Hurtigruten-Museum auf der anderen Straßenseite gehen muss. Nach Stokmarknes widme ich mich wieder meinem Laptop. Von der Fahrt durch den Raftsund ist nicht viel zu sehen, und den Trollfjord verpasse ich auch beinahe.

Im Anker

Und dann: Schon wieder essen, diesmal Buffet. Damit diejenigen, die in Svolvær einen Ausflug machen, nicht hungern müssen, gibt es Buffet und freie Platzwahl. Wir nutzen den zweistündigen Aufenthalt für einen Ausflug in den Anker, die urige Kneipe beim Scandic-Hotel. Svolvær hat seit dem letzten Besuch einiges an Eis dazugewonnen, eine rutschige Angelegenheit…

Trotzdem schaffen wir es rechtzeitig wieder auf das Schiff, und während der Fahrt nach Stamsund reißen die Wolken auf: Ein relativ schwacher, aber deutlicher Bogen aus Polarlicht ist im Norden zu sehen, bis er von den Lichtern Stamsunds überstrahlt wird.

Im Hafen sind die Verladearbeiten von Baumstämmen von einem LKW auf das benachbarte Schiff interessanter, und einige Zeit nach dem Ablegen ist das Polarlicht wieder schwach sichtbar, bis es gegen Mitternacht als Ambiente-Beleuchtung hinter den Wolken verschwindet – bei gleichzeitig verblassendem Polarlichtoval ein guter Zeitpunkt, um ins Bett zu gehen. Manche munkeln für die Überfahrt über den Westfjord von sieben Meter hohen Wellen, meine Prognose liegt bei angenehmen 1,5 Metern. Mal sehen, was die Nacht bringt.

Hurtigrute Tag 8: Südwärts bis Tromsø

Hammerfest

Die Hälfte der Reise haben wir hinter uns, und um 1 Uhr morgens haben wir mit Mehamn den nördlichsten Hafen hinter uns gelassen. Jetzt sind wir wirklich die südgehende Hurtigrute.

Nach dem Frühstück bin ich wieder mit Kari bei der Reiseleitersprechstunde und verpasse die Flüssiggasanlage auf Melkøya, bzw. sehe sie nur durch das Fenster. Damit entgeht mir auch der kostenlose Energiekaffee auf Deck 7, aber der trifft meinen Geschmack ohnehin nicht (ich vermute immer noch eine 50/50-Mischung aus Schweröl und Zucker, mit einer Prise Chili).

Hammerfest hat jetzt mehr Eis als Schnee zu bieten. Trotz Spikes schenke ich mir diesmal den Aufstieg auf den Zickzack-Weg (mit dem Eis vom letzten Mal war es schon spannend genug) und mache nur einen kurzen Trip durch Hammerfest. Immerhin für das traditionelle Bild auf dem Bänkle vor dem Musikpavillon langt es, das ich bislang auf jeder Tour gemacht habe. Der Rathausplatz ist bunt beleuchtet, und auf dem Weg in den Ort kam uns auch der Weihnachtsmann entgegen – ich habe aber keine Lust, für ein Foto mit ihm zu bezahlen.

Also heute nur ein kleiner Spaziergang durch Hammerfest samt einem Besuch im Eisbärenclub (für die Ausstellung bleibt sonst ja immer nur zu wenig Zeit), und dann wieder ab an Bord. Über die anschließende Fahrt nach Øksfjord gibt es wenig zu erzählen: Da es hier kein gedrucktes Tagesprogramm mehr gibt, bekomme ich von den Veranstaltungen des Schiffs nichts mit und verbringe den Nachmittag damit, Bilder zu sortieren und meinen Vortrag vorzubereiten.

Øksfjord mit Schnee

In Øksfjord kurz vor 16 Uhr schneit es, von der eindrucksvollen Landschaft ist nur wenig zu sehen. Da verpasst niemand etwas von Norwegen, der meinen Vortrag über Sternbilder und ihre Mythen anhört. Was mir etwas Sorgen macht ist ein leichtes Kratzen im Hals…

Aber ich habe gutes Timing und kann meinen Vortrag halten. Beim Abendessen eine Stunde später verfluche ich innerlich das Konzept, dass keine Wasserkaraffen auf den Tischen stehen, weil man die Reise genießen und bedient werden soll – ich habe Durst. Dafür gibt es ein leckeres Stück Fleisch (ich habe auf der Hurtigrute schon schlechter gegessen als dieses Mal auf der Nordkapp), und wir machen Pläne für den Abend. Mal wieder ein Kneipenbummel um Mitternacht in Tromsø? Das „Paris des Nordens“ erreichen wir kurz vor Mitternacht, und die Zeit bis dahin wird mit einer Modenschau um 22 Uhr überbrückt.

Ich bekomme davon allerdings nichts mit – gestern Abend war wohl doch kalt, mit einer drohenden Erkältung lege ich mich nach dem Abendessen kurz hin und bekomme zwar mit, dass kurz vor Tromsø Polarlicht durchgesagt wurde, aber ich ignoriere es und schlafe weiter. Die letzten Nächte fordern ihren Tribut…

Hurtigrute Tag 7: Kirkenes und noch mehr Polarlicht

Kirkenes bei -10°, und aus der Dusche kommt nur kaltes Wasser – gut, dass wir hier anlegen und die Vorräte auffüllen können. Jedenfalls gibt es später am Tag wieder Warmwasser. Zum Glück herrscht draußen eine trockene Kälte, und ich entscheide mich doch, am Samstag einen kleinen Gang durch die Grenzstadt zu machen.

Viel hat Kirkenes ja nicht zu bieten, aber immerhin sind die Häuser seit der letzten Inbetriebnahme der mittlerweile wieder stillgelegten Eisenerzmine weitestgehend renoviert. Nur warum so viele Häuser schwarz gestrichen sind, wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben.

Willkommen in Kirkenes

Vom Schiff in die Stadt ist es ein kleiner Fußmarsch, aber mit Spikes kein Problem. Mein Weg führt mich diesmal etwas abseits der normalen Route: Vom Russendenkmal (an der der Ausflugsbus zur russischen Grenze gerade hält, hier ist auch der alte Bunker der Andersgrotta) direkt zum Amfi, dann an der Kirche vorbei zu dem Aussichtspunkt jenseits von Schule und Schwimmbad.

Aussichtspunkt ist ja fast schon etwas übertrieben, aber man hat trotzdem einen netten Überblick über Kirkenes. Man muss nur wissen, dass diese Kurve der Straße wirklich der Aussichtspunkt ist, und dass der gut versteckte Fußweg zwischen den Häusern hindurch wirklich öffentlich zugänglich ist. Von oben sieht man sowohl das Schiff und die Hafenanlage als auch das Städtchen.

Ganz hübsch, gerade mit Schnee, aber wohnen wollte ich hier trotzdem nicht… Einen charmanten Anblick bieten übrigens die Fahrradständer, an denen nun vor allem die Laufschlitten angebunden sind. Nett.

Kirkenes verlassen wir pünktlich um 12:30, jetzt steht uns eine ruhige Überfahrt nach Vardø bevor. Draußen herrscht stockfinstere Nacht (Wir sind weit im Osten, sodass die hellen Tagesstunden früh am morgen sind), und um 14 Uhr lockert Hans mit seinem Vortrag über die Suche nach der zweiten Erde die Fahrt auf. Exoplaneten sind ja ein ganz heißes Thema in der Astronomie, und über 3600 Planeten rund um fremde Sterne sind mittlerweile bekannt. Als ich mit der Astronomie angefangen hatte, waren sie nur Spekulation.

Vardøhus mit Nordlicht

Vardø erreichen wir gegen 16:00. Auf dem Schiffsfahrplan stand schon 16:00 als Ankunftszeit, offiziell ist es immer noch 15:45 – was aber praktisch nie klappt. Diesmal sah es eigentlich ganz gut aus, aber das Anlegen verzögerte sich etwas, und erst gegen 16:00 konnten wir das Schiff verlassen. Eine größere Gruppe ging zum Eismeerbaden (mittlerweile hat die Badesaison begonnen, im November fiel es noch aus), andere zur nahem Festung Vardøhus. Ich wollte ja eigentlich mal wieder einen Versuch starten, um querfeldein zum Steilneset Hexendenkmal zu spurten, aber es wird doch zu knapp. Also nur zur kleinen Festung – und dann abbiegen: Gerade hatten wir uns noch über das Nordlicht unterhalten, da scheint es auch schon durch eine Wolkenlücke hindurch. Vielleicht 10 Minuten bleiben mir, um meine Kamera auf einen steinharten Schneehügel zu legen (wo ist das Stativ, wenn man es braucht) und ein paar Fotos zu schießen, bevor die Wolken wieder zuziehen. Vardøhus mit Nordlicht hatte ich auch noch nicht.

Prognose: Unsicher

Und der Rest vom Abend? Die Wetterprognose ist gelinde gesagt unsicher, aber Yr hat recht: Bald reißen die Wolken auf, und der Abend ist gelaufen. Es gibt Nordlicht satt. Zunächst ist es zwar stark und deutlicher grün als am ersten Abend, aber ohne viel Bewegung, später gibt es auch eine wirklich schöne Show.

Das einzige Problem ist natürlich, dass für uns Lektoren somit das Abendessen ausfällt – Job ist Job. Aber der macht durchaus Spaß, auch wenn sogar ich nach drei Stunden gut durchgefroren bin. Fast bis Berlevåg lohnt es sich an Deck zu sein, sogar in Båtsfjord kann es sich gegen die Lichter des Ortes durchsetzen. Danach wird es ruhiger am Himmel. Es gibt zwar immer noch Polarlicht, aber die Aktivität lässt nach, und man ist mittlerweile ja doch ein wenig verwöhnt.

Das Ergebnis sind rund 3500 Bilder, die ein schönes Filmchen (Twitter-Link) ergeben haben. Hier noch ein paar Impressionen:

Ruhe bitte

Am Heck vom Schiff war es auch halbwegs windgeschützt, wobei das ständige Tür-auf-Tür-zu wohl den ein oder anderen wohl nervte. Es sind wohl doch nicht nur Nordlicht-Freunde hier…

Übrigens, ein wenig Statistik: Nordgehend waren rund 310 Passagiere an Bord, damit war die Nordkapp ausgebucht (Nicht jedes Bett ist belegt, ich schlafe z.B. in einer Dreibett-Kabine). Wie immer sind in Kirkenes mehr aus- als zugestiegen, sodass wir jetzt etwas über 200 Distanzreisende an Bord haben. Für eine Wintertour ist das immer noch sehr viel – ich kann mich an Reisen erinnern, wo praktisch nur unsere Gruppe an Bord war.

Schiffsbegegnung mit der Finnmarken

Aber der Norden boomt, und dem Beweis begegneten wir bei Berlevåg: Der Finnmarken, von der aus uns die nächste Nordlicht-und-Sterne-Gruppe zuwinkt. Zumindest sind am Bug zwei Taschenlampen zu sehen – früher hat die Finnmarken sich bei Vinkekonkurransen mehr ins Zeug gelegt.

Nach Berlevåg ließ das Nordlicht dann nach, und ich nutze die Gelegenheit, um meinen Rechner schon mal die Bilder bearbeiten zu lassen. Das Ergebnis der Nacht gibt’s auf Twitter.