Hurtigrute Tag 3: Trondheim

Grandiose Morgendämmerung

Noch ein schöner Tag! Heute steht Trondheim auf dem Programm, die alte Königsstadt, die auch heute noch Krönungsort der norwegischen Könige ist. Durch den neuen Fahrplan beginnt der Tag sehr entspannt: Wir kommen nicht schon um 6 Uhr an, sondern erst um 10 Uhr. Damit bleibt genug Zeit, um in aller Ruhe zu Frühstücken und sich vor dem Anlegen in unserem Reiseleitereck zu zeigen, aber das geht natürlich zu Lasten des Aufenthalts. Gut drei Stunden langt zwar für einen Marsch durch die Stadt, aber für Shopping bleibt nicht viel Zeit. Vorher gibt es noch eine grandiose Morgenstimmung, morgens um halb neun.

Munkholmen

Kurz vor Trondheim passieren wir langsam die alte Kloster- und Gefängnisinsel Munkholmen, während die südgehende MS Nordnorge unseren Platz am Kai frei macht. Auf Deck 7 gibt es eine Info-Veranstaltung zu Munkholmen, und auf Deck 5 drängen sich die Fotografen: Erst die Insel, dann die nahe Begegnung mit der Nordnorge. Auch ein hübsches Schiff, nur etwas älter als die Polarlys.

Um zehn legen wir an, und wer keinen Ausflug gebucht hat, kann sich auf den gut 20-minütigen Fußweg in das Stadtzentrum machen. Arno peilt die Festung an (in der Hoffnung, dass der Weg nicht zu sehr vereist ist), und ich mache meine normale Runde über das ehemalige Industriezentrum Nedre Elvehavn und Bakklandet mit seinen kleinen Holzhäuschen. Früher waren das die Arme-Leute-Häuser, die von den Steingebäuden überthront wurden, heute sind sie schmuck herausgeputzt und kaum billiger.

Ich versuche diesmal, nicht genau die selben Bilder wie immer zu machen, auch wenn die kürzere Liegezeit nicht viel Raum für Experimente lässt. Aber immerhin langt es, um einmal um den Nidaros-Dom herumzugehen und ein bisschen was neues zu knipsen. Irgendwann muss ich auch mal wieder in den Dom rein…

Vom Dom aus geht es rasch weiter in das Stadtzentrum, das schon in Blickweite ist. Der Marktplatz wird immer noch umgestaltet, aber er nimmt schon deutlich Formen an. Die alten, in das Trondheim Torg Einkaufszentrum integrierten Häuser habe ich schon oft genug fotografiert, ein paar Minuten zum Einkaufen müssen aber drin sein. Und dann: Ein kurzer Blick auf die Vår Frue Kirke (diesmal ist sie offen, und – heyhey – ich fotografiere sie von der anderen Seite!), vorbei am Königssitz Stiftsgården (Norwegens größtem Holzhaus) zum Schuhgeschäft (erfolglos) und weiter zu Hafen und Bahnhof, um eine halbe Stunde vor Ablegen noch zum Mittagessen zu kommen – bevor der große Run auf das Buffet beginnt.

Die Kvitnos am Restaurantfenster

Beim Mittagessen gibt es ein schönes Programm: Die Kvitnos parkt rückwärts hinter uns ein, ein Frachtschiff aus den Faröern. Es ist imposant anzuschauen, wie sich der Frachter mit seiner Containerladung an uns vorbei in die Lücke schiebt. Immerhin: Farblich passt es und erinnert daran, dass hier lange zwei Hurtigrutenschiffe nebeneinander lagen.

Der Rest des Tages ist eher ruhig: Der Himmel zieht zu, und wir tuckern durch den langen Trondheim-Fjord, der eher an die heimische Hügellandschaft erinnert. Der Andenes-Leuchtturm wird an seinem Ende angesagt, und später auch Kjeungskjær Fyr. Der berühmte rote Leuchtturm ist eines der bekanntesten Fotomotive, aber jetzt ein schweres Ziel: Hinter uns bietet sich durch eine Wolkenlücke ein schönes Farbenspiel, aber für den Leuchtturm ist es gegen 15:45 schon ziemlich dunkel. Immerhin sieht man, dass er noch in Betrieb ist… Auf Deck 7 gibt es einen Point of Interest mit Miesmuschel-Verköstigung, aber auf Deck 5 ist es auch schön:-)

Anschließend gibt Jan vom Expeditionsteam mit „Norwegen Land und Leute“ einen Einblick in das norwegische Leben, während Thomas und ich für 17 Uhr unseren ersten Vortrag vorbereiten: Wie entstehen Nordlichter, wie kann man sie sehen und fotografieren. Dazu gehören natürlich auch die Wetterprognosen: Weltraumwetter gut, irdische Wolkendecke für die nächsten Tage leider dick. Mist.

MS Trollfjord

Anschließend gibt es auch schon Abendessen, und Nieselregen. Mit anderen Worten: Ein ruhiger Abend, um das Blog auf den aktuellen Stand zu bringen und Bilder zu sortieren. Kurz vor 22 Uhr begegnen wir noch der Trollfjord, und die beiden Kapitäne liefern sich ein Hupkonzert, und etwas später legen wir für 15 Minuten in Rørvik an. Das Gabelstaplerballet im Regen macht nur mäßig Spaß – in diesem Sinne: Gute Nacht, hier tut sich heute nicht mehr viel. Wenn ich richtig gut drauf bin, kann ich mir dann morgen im Dunkeln die Polarkreisüberquerung anschauen. Mal sehen…

Rørvik

Hurtigrute Tag 2: Ålesund

Morgenstimmung

Der neue Fahrplan ist noch gewöhnungsbedürftig – vielleicht muss sich auch der Kapitän noch daran gewöhnen, und wir schleppen deshalb eine Dreiviertelstunde Verspätung mit, noch von dem verzögerten Start gestern. Aber das hat auch Vorteile: Morgens um acht, als es draußen dämmert, haben wir das Westkap bereits hinter uns. besonders stürmisch war es diesmal nicht, in der Kabine habe ich nur ein wenig leichtes Geschaukel mitgekriegt. DamalsTM waren wir genau zum Frühstück auf rauer See, und man sah genau, wer seefest ist und wer zum Tisch schwankt.

So gibt es eine wunderbare Morgendämmerung mit Blick zurück Richtung Westkap, und genug Zeit um in Ruhe kurz zu frühstücken, bevor wir Torvik erreichen. Wer an Deck ist und ein aufmerksames Auge hat, wird mit einem hübschen Anblick belohnt: Die Sonne ist zwar noch unter dem Horizont, macht sich aber mit einer hübschen Lichtsäule bemerkbar, die in eine rot beleuchtete Wolke übergeht. Chic, aber sehr schwer im Bild festzuhalten.

Torvik

In Torvik gibt es eine Überraschung: Die gelben Versorgungsschiffe, die seit meiner ersten Tour hier im Hafen lagen, sind weg. Hat sie doch endlich jemand gekauft? Irgendwie erkenne ich Torvik so gar nicht wieder. Wobei mir auch nie klar war, warum wir im kleinen Torvik anlegen und nicht im größeren Ulsteinvik auf der anderen Seite. Nach Torvik geht es für mich auf Deck 4, vor das Restaurant: Dort ist die Reiseleitersprechstunde, und wenn es keine Fragen von unseren Gästen gibt, unterhalten wir uns eben untereinander – die Stimmung ist gut und die Chemie stimmt. Nette Gäste, nettes Team, nette Crew – dürfte eine schöne Reise werden. Vorerst haben wir auch Traumwetter.

Ålesund erreichen wir mit Verspätung, aber bei über drei Stunden planmäßigem Aufenthalt bleibt immer noch genug Zeit, um auf den Aksla hochzusteigen, durch den Wald wieder zurück (der Weg war doch vereister als gedacht, obwohl wir um die 8° haben), das Jugendstilzentrum anzuschauen und nach ein paar Einkäufen zurück zum Schiff zu gehen. Diesmal habe ich eine größere Einkaufsliste aus Deutschland erhalten, nicht nur Schokolade…

Die Stadt war 1904 abgebrannt und im Jugendstil wieder aufgebaut worden, die ältesten Jugendstilhäuser , die wir gefunden hatten, waren schon von 1905. Der Wiederaufbau ging schnell. Die modernen Verwaltungsbauten passen wie die Faust aufs Auge…

Gegen 13 Uhr bin ich wieder auf dem Schiff, eine halbe Stunde vor dem Ablegen und genau rechtzeitig, dass sich schon eine Schlange vor dem Restaurant bildet. Sie wird länger, sodass ich mich entscheide, mir lieber das Ablegen an Deck anzuschauen, statt auf einen Platz im Restaurant zu warten. Falls alle Stricke reißen, habe ich ja noch den Ambassador-Obstkorb in Zimmer, den es für Vielfahrer gibt, die sich ein Hurtigruten Ambassador-Kärtchen besorgen.

Beeindruckend, wie niedrig die Sonne hier zur Mittagszeit steht – und wie lange die Dämmerung dauert. Um 15:30 geht sie unter, die Zeit verbringe ich mit Flagge-zeigen im Multe-Cafe, mit unseren Reiseleitern. Trotz aufgeklappten Laptops sind wir natürlich jederzeit ansprechbar:-) Dabei sehen wir durch das Fenster auch, wie kurz hinter Ålesund eine Insel gebaut wird – wohl Teil eines Brückenneubaus.

Das Schiff bietet ja auch ein Programm, den Film über das Nordlicht schenke ich mir aber. Molde erreichen wir recht pünktlich gegen 16:15, schön in der Abenddämmerung. Fast drei Stunden haben wir hier Aufenthalt; allerdings ist um 17:30 unsere Begrüßungsveranstaltung mit Vorstellungsrunde, und um 18:30 gibt es Abendessen. Ich mache einen kurzen Spaziergang durch die Stadt: Zum Shopping scheint Molde ideal zu sein, an Sehenswürdigkeiten finde ich eigentlich nur die Kirche. Sonst präsentiert Molde sich als moderne Stadt, ganz nett, aber nichts, wo ich einen längeren Aufenthalt bräuchte.

Nach dem Abendessen geht es zum ersten Kontrollblick an Deck – der Himmel ist immer noch klar, Thomas hat schon angekündigt, auf Deck 7 Sternbilder zu erklären, und ich schnappe mir die Kamera – dicht über dem Nordhorizont ist ein schöner grauer Bogen zu erkennen. Ja, wir haben tatsächlich schon das erste Nordlicht. Wir beobachten das ganze ein wenig und entscheiden um 20 Uhr, dass das eine Meldung wert sein könnte. Bei dem „Horizont-Siff“ macht das Schiff zwar noch keine Durchsage, aber wir geben allen Bescheid, die das richtige Schlüsselband haben. Der Polarlichtbogen entwickelt sich, meine Kamera arbeitet am nächsten Zeitraffer, und irgendwann kommt auch die Durchsage von der Brücke: Die Polarlichtgarantie ist erfüllt, und die Küchenmannschaft ist nicht ganz so erfreut, als das Restaurant sich plötzlich leert und zu uns an Deck kommt.

Kristiansund mit Orion

Das Polarlicht bleibt aus dieser großen Entfernung natürlich grau, aber man kann doch schon erkennen, dass es sich verändert. Eine wirklich schöne Show, nach der ich die ersten 3000 Aufnahmen im Kasten habe. Mein Laptop darf die Nacht also durcharbeiten. Gegen 22 Uhr breche ich dann ab: Wir nähern uns Kristiansund, wo wir die nächsten drei Stunden bleiben werden. Und danach ist es zu spät, das Polarlichtoval dreht sich weiter – für diese Nacht war es das wohl. Aber das Pflichtprogramm wurde sehr gut erfüllt, jetzt wird die Reise noch entspannter – und die Kür kann kommen!

Hier noch das Ergebnis der Nacht:

Hurtigrute Tag 1: Bergen

Irgendwie ist dieses Jahr seltsam – viel zu tun, ohne dass es voran geht. Und dann, fast wie aus dem Nichts, ploppt es wieder im Kalender auf: Die Hurtigrute ruft! Meine zweite und – leider – auch schon letzte Tour in dieser Saison. Frühestens nächsten November geht es wieder auf’s Schiff, falls niemand überraschend ausfällt. Die Reise geht vom 21. November bis zum 2. Dezember, Bergen-Kirkenes-Bergen.

Für mich beginnt eine Hurtigrute ja eigentlich immer noch mit SAS, auch wenn meine letzten Flüge alle mit KLM waren. Die Holländer also wieder… KLM neigt dazu, die Flüge zu überbuchen, also sollte man tunlichst vorher einchecken. Ich habe schon einmal eine Sitzplatzverlosung in Amsterdam erlebt, weil die Maschine überbucht war. Mit der KLM-App dann der erste Schock: Geht nicht, ich soll mich an den nächsten Schalter wenden. Über die Webseite geht’s dann einwandfrei, sogar mit Sitzplatzwahl. Tja… an den Schaltern in Bergen muss man auch immer Buchungsnummer, Reisepass und sonstige Identifikationsmethoden ausprobieren, bis es klappt. Dafür fliegt KLM ganz ordentlich.

Novemberwetter und Stau auf der A8

Am Donnerstag kann ich dann zu einer recht akzeptablen Zeit nach Stuttgart aufbrechen. Um 11:45 geht mein Flieger, und mit zwei Stunden für 75 Kilometer bin ich ganz gut dabei, wenn ich um 7:30 losfahre. Der 11-km-Stau mit 1,5 Stunden Verzögerung ist zum Glück auf der Gegenrichtung der A8, ich staue nur bei Karlsbad, Pforzheim und Leonberg ein bisschen, und in Degerloch noch kurz vor dem Parkhaus des FlyAway-Service, der auf mein Auto aufpasst und mich wieder zuverlässig die letzte Meile zum Flughafen bringt. Am Flughafen geht dann alles glatt, ein Sprengstofftest meiner Kameratasche (da würde sich langsam ein Bonusheft lohnen…), und ich habe noch eine Stunde Zeit totzuschlagen. Die Flasche Cola kostet 2,50-3,55€, das Geld spare ich mir. Ein echter Vorteil von KLM ist, dass es einen Snack (Vormittags ein Stück Rührkuchen, Nachmittags einen gar nicht mal so schlechten, kleinen Wrap) und Getränke gibt.

Ein kontrastarmer Flug

Der Flug nach Amsterdam verläuft unauffällig (und bei dem Novemberwetter gibt es draußen auch nicht viel zu sehen), am Gate treffe ich auch meinen Co-Lektor Thomas und sehe die ersten meiner Nordlicht-und-Sterne-Bücher. Die ganze Gruppe sitzt in diesem Flieger. Der Anschlussflug nach Bergen zeigt besseres Wetter. Kurz vor der Landung gegen 16:30 sind die Berge rund um Bergen schön in der Abendsonne zu sehen. (Und wer hat sich für einen Gangplatz entschieden, um mehr Platz zu haben? Genau.)

In Bergen kommt mein Koffer fast als erster vom Band, und ich eile in die Ankunftshalle, wo unsere Reiseleiter Arno und Benno warten. Ich übernehme das Hinweisschild, und wir versuchen erfolgreich, alle von unserer Gruppe abzufangen, mit den ersten Infos zu versehen und in unsere Transferbusse zu bringen. Das klappt ziemlich gut, aber ein paar Verluste sind immer…

Der Bergen-Schriftzug begrüßt uns am Flughafen wieder leuchtend-gelb und mit Fragezeichen. Auf der Frankfurter Buchmesse, wo Norwegen dieses Jahr Gastland war, wurde wohl die Deutung verbreitet, dass es zum Nachdenken anregen soll, wo man gerade ist und was man da macht, oder so. Ich glaube ja immer noch, dass einfach Geld für einen weiteren Buchstaben übrig war und die Norweger Humor haben.

Mittlerweile ist es finster in Bergen, aber anders als letztes Mal machen wir doch eine kurze Rundfahrt durch Bryggen, diesmal gegen den Uhrzeigersinn, bevor wir zum Schiff fahren und einchecken. Schlechte Chancen für gute Bilder, dafür habe ich einige verwackelte gamacht, oder mit schmutzigen Busfensterns…

Es ist meine erste Tour auf der Polarlys. Sehr angenehm: Wir konnten die Vortragstermine schon im Voraus ausmachen, und mit der ebenfalls recht großen französischen Reisegruppe an Bord scheint es keine Terminkollisionen zu geben.

Meet the Crew

Also kurz beim Expeditionsteam vorbeischauen, dann die Sicherheitsbelehrung anhören, dann Abendessen (Bergenbuffet), dann um 20:45 Meet the Crew und Vorstellung des Schiffs durch das Expeditionsteam, dann ein kurzer Stromausfall… ähm… Das geht jetzt dich hoffentlich nicht so los wie meine Finnmarken-Desaster-Tour mit Maschinenschaden? Immerhin ist die Polarlys versuchsweise mit Bio- statt Marine-Diesel gefahren… Aber die Crew ist guter Dinge und fängt nicht gleich an, für Morgen Ausflüge in Bergen statt Ålesund zu verkaufen.

Die Einführungsveranstaltung hat sich für mich gelohnt: Der Captain kam mir gleich bekannt vor, und tatsächlich war er auf meinen ersten Fahrten auf der Nordkapp Captain. Und Jan vom Expeditionsteam stellt fest, dass es eine schlechte Idee ist, auf die begrenzten Plätze bei den Huskytouren hinzuweisen – der Saal leert sich spürbar, als er das erwähnt.

Gleich geht’s los!

Zur Abfahrt um 21:30 bin ich dann wie viele andere auch – wir haben wohl rund 325 Passagiere, sind also nicht ganz ausgebucht – an Deck am Heck und warte auf die Abfahrt. Gegen 22:10 legen wir dann ab, also fast zur alten Abfahrtszeit. Die neue, frühere Abfahrtszeit und die anderen Liegezeiten werfen meinen gewohnten Rhythmus etwas durcheinander. Danach tut sich nicht mehr viel: Koffer ausräumen, die Kaffeeflatrate ausprobieren (mein Geiz bezüglich überteuerten Getränken an Flughäfen rächt sich nun) und ein bisschen bloggen – Feierabend für heute, war doch ein langer Tag, und Polarlicht gibt’s hier im Süden bestimmt noch nicht.

Kurs Askøy-Brücke

Hurtigrute Tag 12: Das Finale

Florø

Es ist kaum zu glauben, dass wir schon am Ende der Reise sind. Eine Tour ohne Schnee und ohne Stürme vergeht wie ein Traum. Aber es ist wahr: Noch vor acht Uhr legen wir in Florø an, dem letzten Hafen vor Bergen. Das bedeutet: Wer keine Suite hat, muss um zehn Uhr raus aus der Kabine, die schon bald für die nächste Tour heute Abend bereit gemacht wird. Schließlich hat das Schiff keine Pause, sondern wird sich um 20:30 wieder auf die Reise in den Norden machen, mit einem Großteil der Crew. Die Besatzung macht ja immer zwei Fahrten am Stück, und nur diejenigen, die Kontakt mit den Gästen haben, wechseln in Bergen. Alle anderen steigen durchaus irgendwo entlang der Route aus, je nach Wohnort.

Die Polizeistation im Hafen von Florø

In Florø bin ich früh genug auf den Beinen, um zumindest einen Gang um das Deck zu machen. In Florø legen wir auch im Industriegebiet an, aber der Ort ist hinter den Containern zu erkennen und wirkt ganz hübsch. Nah am Anleger ist das Polizeigebäude. Jetzt weiß ich endlich, wo Lego in den 80er das Vorbild für seine Polizeistationen gefunden hat. Oder Architekt hat früher mit Lego gespielt, wer weiß das schon.

Das Lektorenteam

Nach Florø kommt nur noch Landschaft, zum Glück bei prächtigem Wetter und minimalem Wellengang. Perfekt. Das Tagesprogramm wird wegen Computerproblemen nur durchgesagt und liegt nicht gedruckt vor. Um 10:30 gibt es noch ein Gruppenfoto von Seiten des Schiffs für die Facebook-Seite der Kong Harald – jede Reise erhält da ihr eigenes Album. Vorher dürfen Thomas und ich noch für ein Team-Foto posieren. Der Ort ist gut gewählt: Wir fahren durch den engen Steinsund, Norwegen ist noch einmal zum Greifen nah. Auf den anschließenden Volkstanz mit dem Expeditionsteam verzichte ich jedoch und ergreife die Flucht.

Gruppenfoto auf Deck 7

Um 11:30 wird zum ersten Mittagessen gerufen. Es gibt noch einmal zwei Sitzungen, damit alle etwas zu Essen bekommen, bevor wir gegen 14:30 Bergen erreichen. Ich lasse es aber ausfallen und genieße noch ein wenig die Landschaft. Endlich ist auch der Apfel dran, der von meinem Ambassador-Obstkorb von der Abreise bis jetzt überlebt hat. (Das Ambassador-Programm lohnt sich für alle, die Wiederholungstäter werden wollen: Es gibt ein paar Ausflüge billiger, und vor allem unter Umständen vergünstigte Reisen – zwar nur 5%, aber immerhin. Und die Möglichkeit, ein Fahrrad auszuleihen, sowie einen Obstkorb pro Kabine.)

Norwegen, zum Greifen nah.

Die Fahrt ist weitestgehend windgeschützt und vergeht bei diesem Traumwetter schnell – bei Sturm oder Regen sieht das ganz anders aus, dann sitzt man im Schiff auf dem Gepäck und wartet auf Bergen. So zeigt die Hurtigrute sich noch einmal von der besten Seite. Seltsam: Eigentlich sollte es in Bergen regnen und in Tromsø schön sein, nicht umgekehrt. Egal, es bleibt die Zeit für einen letzten Gang durch das „Hurtigruten-Schiff des Jahres“. Endlich mal die Aushänge anschauen. Wichtige Info: Wer bar bezahlt, darf sich keine alten Kronen-Scheine andrehen lassen, die sind ungültig. Ebenfalls deprimierend: Batterien sind auf dem Schiff billiger als im Rewe in Deutschland oder auf dem Flughafen Paris/Charles de Gaule.

MS Midnatsol

Und dann kommt auch schon Bergen in Sicht, pünktlich gegen 14:30. Im Hafen überraschen uns die vertrauten Weiß-Rot-Schwarzen Farben eines Hurtigrutenschiffs: Am Nachbarkai, durch eine Halbinsel vom Hurtigrutenterminal getrennt und mit Blick auf die Festung Bergenhus, liegt die Midnatsol. Sie macht sich für den Winter bereit: Sie tauscht den Platz in der Route mit der Spitsbergen und wird bald Richtung Antarktis starten, für Expeditionsreisen im antarktischen Sommer.

Hurtigrutenterminalen

Wenig später legen wir am Hurtigrutenterminal an, wo deckweise ausgestiegen wird – von oben nach unten. Ein letztes Mal heißt es „Good Bye“, dann sammeln alle ihre Koffer vom Gepäckband ein und steigen in die Busse ein. Für unsere Gruppe geht es direkt zum Flughafen; einmal quer durch das neue Tunnelsystem unter der Stadt geht es schnell, auch wenn man von Bergen nichts sieht.

Gepäckausladen

Noch ein oder zwei Tage in Bergen wären reizvoll, um die Reise ausklingen zu lassen – aber die müsste man separat dazu buchen. So geht es schnurstracks zum Flughafen und dem Kampf mit der Technik: Vor allem die Automaten von KLM machen mal wieder Ärger, und viele müssen dann doch an dem einzigen bemannten Schalter anstehen. Soweit ich das mitkriege, kommen aber doch alle rechtzeitig in ihre Flugzeuge und treten den Heimweg an.

Mein Flugzeug nach Kopenhagen startet auch rechtzeitig, und die 15 Minuten für den Gatewechsel sind bei 55 Minuten Umsteigezeit auch machbar. Das Boarding beginnt pünktlich, und wir passen sogar in den Transferbus – es stehen mal wieder alle in der Tür, sodass man kaum in den Bus kommt, obwohl noch alle Sitzplätze frei sind. Das ist wohl die Angst, zu spät in den Flieger zu kommen, obwohl es reservierte Plätze kommt. Wir fahren zum Flugzeug und schauen es einige Zeit an: Die Türen bleiben zu, die Crew werkelt am Flieger rum, und dann drehen wir kommentarlos um und fahren zum Gate zurück. Gut, dass ich mir einen Sitzplatz genommen hatte, statt auch vor der Tür stehen zu bleiben… Derweil meldet sich die SAS-App mit neuer Abflugzeit und neuem Gate: Unser vorgesehenes Flugzeug hat einen technischen Defekt. Naja, lieber eine Stunde später abfliegen als mit einem kaputten Flugzeug.

Ab nach Stuttgart

Endlich findet sich ein Ersatzflieger. Kurz vor 23 Uhr erreichen wir Stuttgart. Mit Blick auf das Nachtflugverbot nicht schlecht, wobei wir – dank geplanter Landezeit um 22:10 – sogar bis Mitternacht hätten landen dürfen. Das Gepäck kommt um die Zeit extrem schnell auf das Gepäckband, und ich kann den Parkplatz sogar noch verlassen, ohne nachzahlen zu müssen. Da habe ich wohl genug Karenzzeit eingeplant.

Jetzt bleibt nur noch, die letzten Bilder zu sortieren und meinen Abschlussfilm auf den Server zu laden, dann ist diese Reise auch schon wieder abgeschlossen – so kurz, schön und ereignisreich sie auch war. Für mich heißt es Ende November wieder Norwegen, während einige unserer Gäste Alaska, Antarktis oder auch die nächste Hurtigrute planen. Schön war’s!

Hurtigrute Tag 11: Trondheim und südwärts

Heute kann ich ausschlafen – von 6:30-9:45 liegen wir in Trondheim, und der Ausflug, der mich interessiert hätte, fällt aus. Keiner hat Interesse an den geheimen Gemächern des Nidarosdoms – oder vielleicht auch kein Budget mehr, der Ausflug ist doch deutlich teurer als die normale Stadtrundfahrt oder Dombesichtigung. Auf einem Schiff war er einmal als „Die geheimen Gemächte des Nidarosdoms“ angekündigt. Es sind diese Kleinigkeiten, die die Fahrt so sympathisch machen.

Pirbadet

Den erneuten Gang in die Stadt erspare ich mir, stattdessen gehe ich nur kurz durch den Hafen. Neben dem Pirbadet steht eine Wikinger-Statue, und daneben ist recht neu eine Fahrrad-Verleihstation. Per App kann man hier ein Fahrrad ausleihen und in die Stadt fahren. Außerdem stehen ein paar Elektroroller rum – QR-Code scannen und losfahren. Eine interessante Option, um sich den Fußmarsch zu sparen. Kein Wunder, dass die Dinger in der Kritik stehen, dass durch sie Fußmärsche statt Autofahrten wegfallen…

Blick auf Trondheim

Noch ein kurzer Besuch im Rema 1000, den ich später bereue – dank Schokoladenvorräten kratzt mein Koffer am Gewichtslimit. Bei so einer tollen Reise kommt man nicht mal zum Frustfressen:-)

Beim Ablegen sehen wir noch wehmütig-neidisch die nordgehende Hurtigrute MS Richard With. Sie wartet vor Munkholmen und nimmt uns aufs Korn, als wir endlich ablegen und den Kai frei machen: Ihr Bug ist fest auf uns gerichtet.

Richard With

Der Rest des Tages dient dazu, endlich einmal die Seele baumeln zu lassen. Um 10 Uhr gibt Heinz allgemeine Infos zum Check-Out in Bergen, um 14 Uhr machen wir unseren Farewell-Cocktail mit Rückreise-Infos für unsere Gruppe und einem Reiserückblick – von Andreas in Worten und mir in Bildern.

Kristiansund

Vom Nachmittag bekomme ich nicht allzu viel mit: Bis Kristiansund bin ich am Tisch vor dem Konferenzraum und verteile meine Bilder und Filme auf die USB-Sticks und Speicherkarten der Gäste. Den Begriff Memory-Stick hatte Heinz so schön mit Erinnerungs-Stock übersetzt. Für Kristiansund gehe ich kurz an Deck, aber erst, nachdem wir schon angelegt haben. Also gibt es nur die klassische Ansicht der Kirche vom Schiff aus. Schönes Städtchen mit vielen Brücken und Inseln.

Hustadvika

Nach Kristiansund bleibt noch eine Stunde bis zum Abendessen, und es geht auf die Hustadvika. Im März war hier die Viking Sky havariert, bei uns wackelt es nur ein wenig bei rund 2,5 Meter hohen Wellen – aber es doch die stärkste Bewegung im Schiff seit Beginn der Reise. Im Restaurant sieht es auch immer wieder aus wie in der Achterbahn: Wir haben nicht nur ordentlich Hub, sondern immer wieder auch ein Rollen im Schiff. Es kommt nicht nur auf die Wellenhöhe an, sondern auch auf die Richtung. Das macht es schwer, die Auswirkungen der Wellen einzuschätzen. Aber auch wenn manche Wasserflasche auf den Tischen umkippt, die Reihen sind überraschend wenig gelichtet. Mittlerweile sind fast alle echte Seefahrer:-)

Wobei: Als wir uns Molde nähern und ruhigere Fahrwasser durchqueren, werden im Bistro die ersten Pizzas serviert. Manch einer, der sicherheitshalber auf die Schweinshaxe verzichtet hatte, macht groooße Augen und bestellt sich dann eine Pizza.

Molde

Als wir schließlich Molde erreichen, ist es bereits stockfinstere Nacht. Noch ein letztes Foto, dann heißt es Koffer packen. Mit Müh und Not bringe ich meinen unter die 23 kg. Ich habe wohl mehr als ein „lite stycke Norge“ dabei…

Nach Molde begenen wir noch unserem Schwesterschiff, der MS Nordnorge, dann kann der Abend ganz ohne Termine ausklingen. Morgen steht noch ein Seetag an, und dann: Ha det bra! Mach’s gut Norwegen.

Going North: MS Nordnorge

Hurtigrute Tag 10: Helgelandküste und Torghatten

Polarkreisüberquerung

Wir sind wieder in „Südeuropa“: Um 8:54 überqueren wir den Polarkreis in südgehender Richtung. Nach dem Polarlicht von letzter Nacht schaffe ich es nicht rechtzeitig aus dem Bett und sehe die Kugel nur vor dem Fenster vorbeiziehen. Aber nordgehend hat es ja geklappt, dann langt auch ein schneller Schnappschuss. Nachdem ich ISO, Autofokus und Weißabgleich zurückgestellt habe, kann man auf den Bildern sogar was erkennen. Der Polarlichtmodus taugt hier eher wenig…

Sandnessjøen

Die Helgelandküste gilt als schönster Streckenabschnitt (aber den Titel könnte auch die Lofoten/Vesterålen-Küste von gestern tragen), ist aber auch der stressigste – vor allem, wenn man zum Arbeiten an Bord ist. Ein Termin jagt den anderen: Um 10 Uhr Polarkreistaufe, um 10:25 der kleine Hafen Nesna, um 11 Uhr mein letzter Vortrag über die Geschichte der Sternbilder und ihrer Sagen, dann das Mittagessen, um anschließend noch einen Blick auf Sandnessjøen zu erhaschen – zum Aussteigen langt es diesmal nicht.

Die einzige Wolke…

Hinter Sandnessjøen liegen die wolkenverhangenen Gipfel der Sieben Schwestern – so wie es aussieht, unter der einzigen dicken Wolke in der ganzen Gegend. Egal – da wird an Deck ausgeharrt, während auf Deck 7 beim Interessepunkt die Geschichte der Bergkette erzählt wird. Und das Wetter hat Erbarmen: Es reißt beinahe auf, und die Bergkette bietet doch noch einen wunderschönen Anblick.

Die Sieben Schwestern

Damit ist es etwa dreizehn Uhr, und es gibt fast zwei Stunden Pause, in denen ich Bilder sortieren und die Landschaft genießen kann. Mittlerweile steht auch fest, dass der Ausflug 11B – die geheimen Räume des Nidaros-Doms – wieder nicht stattfinden würde. Schade, denn diesen Ausflug hatte ich schon einmal erfolglos probiert, aber die Mindestteilnehmerzahl wurde wieder nicht erreicht.

Am Nachmittag macht sich schon der neue Fahrplan bemerkbar: Wir nähern uns Brønnøysund mit seiner beliebten Eisdiele am Kai, für die mir dieses Mal keine Zeit bleibt. Der Aufenthalt in Brønnøysund wurde nämlich um eine Stunde verlängert und dauert nun von 15 bis 17:30. Damit gibt es ausreichend Zeit für einen neuen Hike mit dem Expeditionsteam: 10D, Wanderung zum Torghatten-Loch. Und ich bin dabei!

Zum Torghatten

Für 990 NOK bringt uns der Bus in einer halbstündigen Fahrt zu dem Parkplatz in der Nähe des Campingplatzes am Fuß des Torghattens. Von dort dauert der Aufstieg zum Loch in rund 110m Höhe noch einmal etwa eine halbe Stunde. Für einen Wanderer mit halbwegs ordentlicher Kondition ist das kein großes Problem; nach einer Woche Hurtigrute kommt man doch schon ins Schwitzen. Der Weg führt über einiges an Geröll, sodass man trittsicher und gut zu Fuß sein sollte; Schwindelfreiheit ist nicht erforderlich.

Blick zurück

Am Ende geht es noch über ein kleines Geröllfeld, dann steht man schon am oberen, kleineren Ende des Lochs. Ganz schön groß und eindrucksvoll, der Aufstieg hat sich gelohnt. Zurück bietet sich ein grandioser Blick grob Richtung Brønnøysund, und über uns die Decke eines Lochs, in das unser Schiffchen ziemlich genau hinein passen würde. Von da aus geht es noch ein Stück weiter über das Trümmerfeld am Fuß des Lochs, bis es über eine steile Holztreppe hinab ins Loch geht – mit Blick auf die Schärenlandschaft. Das war wirklich jeden Schweißtropfen wert!

Am Ziel bleibt wie immer viel zu wenig Zeit, vielleicht 10 oder 15 Minuten haben wir im Loch. Ein paar Fotos, ein paar Momente Norwegen genießen, noch ein paar Vögel gucken – dann ruft uns unser Guide auch schon dazu auf, mit dem Rückweg zu beginnen.

17:28 – gerade noch rechtzeitig am Schiff

Das Schiff wartet nicht, und es geht zügig, aber nicht übereilt zurück zum Bus, wo uns Kaffee und ein Stück Kuchen erwarten. Dann ab zum Schiff, das wir zwei Minuten vor der geplanten Abfahrt erreichen.

Und weiter geht das Programm: Wir legen ab und passieren den Torghatten kurz nach 18 Uhr. Jetzt sehen wir das Loch, in dem wir gerade noch standen, und einen prächtigen Sonnenuntergang.

Aber die Sonne muss sich beeilen, denn um 18:30 ruft schon das Captain’s Dinner – viele Passagiere steigen bereits in Trondheim aus, daher findet das Abschiedsessen bereits heute statt.

Rørvik

Der vorletzte Programmpunkt ist Rørvik um 21 Uhr. Eine halbe Stunde Aufenthalt haben wir, was früher knapp zu einem Besuch auf der entgegenkommenden Hurtigrute gelangt hatte. Da diese Schiffsbegegnung nun auf hoher See stattfindet, steht für mich ein kurzer Gang zum Coop auf dem Plan – Leergut zurückbringen. Dumm nur, dass der Coop Mega wegen Starßenbauarbeiten nicht erreichbar ist. Also ein paar Meter weiter zum Kiwi, im Schnelldurchgang zu Pfandautomat und Getränkeregal, bezahlen und retour zum Schiff.

Die Lofoten

Und jetzt noch Polarlicht, dann wäre das Tagesprogramm auch geschafft. Allerdings haben wir nur sternklaren Himmel, das Polarlicht schafft es heute nicht zu uns in den Süden. Nur der kleinen MS Lofoten begegnen wir gegen 21:45 und schmunzeln über ihr Hupen. Also endlich eine Chance, um etwas Schlaf nachzuholen.

Keiner hat je behauptet, dass die Hurtigrute ein Erholungsurlaub wäre – nur dass sie wunderschön ist.

Hurtigrute Tag 9: Vesterålen und Lofoten

Harstad

Harstad gehört immer noch zu den Häfen, die ich am seltensten sehe: Wir legen nämlich bereits um 8:30 ab. Das ist so nicht meine Zeit – vor allem, weil morgens um sechs ein lautes Pfeifen durch die Kabine schallte und mich aus den Träumen riss. Keine Ahnung, was das war… Dabei lohnt Harstad sich durchaus. Der Ort liegt inmitten der Vesterålen, eingebettet in eine grandiose Bergkulisse. Die Teilnehmer der Vesterålen-Busrundfahrt steigen hier aus, um Norwegen einmal von Land zu sehen, und steigen in Sortland wieder zu.

Trondenes-Kirche

Mit dem Schiff geht die Reise um 8:30 weiter, vorbei an der Trondenes-Kirche – Norwegens ältester Steinkirche. Der Troll, der sie einst baute, kam nicht mehr dazu, den Kirchturm zu bauen, daher steht die Glocke heute in einem separaten Türmchen. Vom Schiff aus sind auch die Busse zu erkennen, die zur Bustour gehören – insgesamt vier Stück. An Bord entgeht uns zwar das hübsche Museum und das Inland, aber die Schiffsfahrt durch die Vesterålen ist auch reizvoll. Die große Fontäne im Hafen, die auf meinen letzten Fahrten gerade eingeweiht worden war, ist jetzt übrigens aus.

Risøyrinne

Mit Schleichfahrt geht es durch die Risøyrinne, die nur wenig tiefer ist als unser Schiff und nicht zuletzt wegen der Hurtigrute gegraben wurde. Zahlreiche Bojen markieren den Weg. In Risøyhamn haben wir fast 20 Minuten. Das langt für einen kurzen Spurt zum Königsstein auf der anderen Straßenseite, wo sich die norwegischen Könige anlässlich der Eröffnung oder Erweiterung der Rinne verewigt haben.

Der Königsstein in Risøyhamn

Nach dem kurzen Stop geht es weiter Richtung Sortland. Das bedeutet für mich theoretisch ein frühes Mittagessen, denn mit etwas Glück sehen wir die vier Ausflugsbusse zur selben Zeit über die Brücke bei Sortland fahren, wenn wir darunter hindurch fahren. Da so viele am Ausflug teilnehmen, gibt es diesmal feste Essenszeiten und ein Drei-Gänge-Menü – das bereits um 11:30 serviert wird. Das ist mir definitv zu früh, also faste ich einmal (definitiv kein Fehler) und treffe kurz vor Sortland am Bug auf das Expeditionsteam – ausgerüstet mit Flaggen, von denen ich prompt eine in die Hand kriege: Wir winken den Bussen doch!

Busse-Winken

Zumindest probieren wir es: Es gibt eine neue Busgesellschaft, und zwei der Busse erreichen die Brücke erst, als wir schon fast darunter hindurch sind. Die beiden anderen kommen erst noch später… Gut, dass das Event wegen der Essenszeiten nicht groß angekündigt wurde. Immerhin können wir die Ausflügler im Hafen mit wehenden Fahnen begrüßen.

Die Finnmarken

Der nächste Halt ist Stokmarknes, bekannt als Gründungsort der Hurtigrute und Heimat des Hurtigruten-Museums. Letztes gehört übrigens nicht zu Hurtigruten, sondern wird privat von Ehemaligen und Enthusiasten betrieben. Das Haupt-Objekt ist die alte Finnmarken von 1956. Aktuell ist sie auch von außen in ihrer ganzen Pracht zu sehen, das schützende Wellblechdach auf dem Oberdeck ist weg. Schon bald wird sie am selben Ort geschützt in einem Glasbau stehen – zum Glück konnte er finanziert werden, es tat mir in der Seele weh, wie das Schiff in den letzten vier Jahren langsam verfallen war, da es den Elementen ungeschützt ausgesetzt war.

Ich nutze die Zeit für einen kurzen Rundgang am Hafen, bevor es wieder auf unsere Kong Harald geht. Nächstes Ziel: Mit meinen EMails auf den aktuellen Stand kommen, bevor wir den Raftsund erreichen. Der Fluch des Freiberuflers… ich schaffe es nicht ganz, aber zur Einfahrt in den Raftsund bin ich trotzdem am Bug, genau wie später, als wir in den Trollfjord hinein fahren. Immer wieder beeindruckend, und wir haben Glück: Normalerweise sind die Nordlicht-Reisen mehr im Winter, wenn der Trollfjord wegen Lawinengefahr geschlossen ist. Die steilen Wände sind genau das, was man von einem Fjord erwartet.

Bevor es in den Trollfjord geht, setzen wir noch die Teilnehmer der Seeadlersafari aus – sie steigen im Raftsund auf ein kleineres Boot um und stoßen erst in Svolvær wieder zu uns.

Nach dem Raftsund hängen drohende Wolkenberge über Svolvær. Schlechte Zeichen für heute Nacht? Jedenfalls nutze ich die Abenddämmerung für einen kurzen Gang durch den hübschen Ort, und der Himmel macht sich.

Und dann zurück, Polarlicht suchen. Ein Schimmer ist da, und nachdem wir Svolvær verlassen, sieht es vielversprechend aus. Und endlich, kurz vor 21 Uhr: Was für ein Feuerwerk. Dankenswerterweise rennt Thomas zur Rezeption, um Bescheid zu sagen (mein Held!), und meine Kamera an der Reling erwischt nur einen Teil, aber was für ein Schauspiel. Wie bretonischer Regen: Kurz, aber heftig.

Was die Kamera sah…

Auf Deck 7 konnte ich die Kamera nur auf Automatik setzen und in den Himmel richten, sowas muss man sich ansehen – Zeit, um Kameraeinstellungen zu machen, bleibt eh keine.

Nach dem kurzen heftigen Ausbruch beruhigt sich das Polarlicht, bleibt aber immer noch da. Auch nach Stamsund traut man sich nicht ins Bett, bis wir auf halbem Weg nach Bodø unter die Wolkendecke kommen. Feierabend, und gute Nacht.

Vier Uhr morgens…

Bis es morgens um vier Uhr heißt: Vi har nordlys! Ein schönes helles Band. Auf anderen Reisen hätte es sehr begeistert, so halte ich es nur ein paar Minuten an Deck aus. Trotzdem schön, aber langsam sind die Batterien am Ende.

Hurtigrute Tag 8: Von Hammerfest nach Tromsø

Gestern früh waren wir noch die nordgehende Hurtigrute, heute schon die südgehende – und irgendwie geht es südwärts viel schneller als nordwärts, sogar jetzt, da die Tour wieder bis Bergen statt wie früher nur bis Trondheim geht.

Melkøya

Der erste Punkt nach dem Frühstück ist heute der Interessepunkt Melkøya. A propos Frühstück: Auf der Kong Harald gibt es regelmäßig Pfannkuchen zum Frühstück. Gefällt mir:-) Um Viertel nach zehn steht dann die Flüssiggasanlage Melkøya bzw. das Erdgasfeld Schneewittchen auf dem Programm. In den letzten Jahren wurde hier immer der Energiekaffee serviert (eine Mischung aus Schweröl und Zucker mit einer Prise Chili) – vielleicht ist das der Grund, warum ich die Vorbeifahrt intuitiv auf Deck 5 verbringe und nur kurz reinhöre, was das Expeditionsteam auf Deck 7 dazu erzählt. Daher kann ich nicht einmal beschwören, dass es den Kaffee noch gibt… Was ich aufschnappe ist, dass ein Tanker den Jahresenergiebedarf von 33 Haushalten deckt, und dass aus Sicherheitsgründen immer nur ein Schiff anlegen darf.

Der Schiffshund

Gleich hinter Melkøya liegt Hammerfest, also heißt es fertigmachen zum Aussteigen. Zwei Stunden haben wir hier nur. Also ab durch die Multe-Bar zur Kabine. Dabei fällt mir wieder einmal auf, dass mein ehemaliger Lieblingsplatz seit dem Umbau der Schiffe der Ort ist, an dem ich am seltensten aufhalte. Die „Puppenstube“ macht ich irgendwie überhaupt nicht an, und unser „Schiffshund“, der die kleine Spielecke bewacht, wirkt auch unglücklich.

Maritime Moderne: Die Puppenstube in der Multe-Bar auf Deck 7

Früher gab es ein richtiges Spielzimmer mit Bällebad, zumindest auf einigen Schiffen dieser Generation. Die Zeiten werden nobler, aber mit dem modernen Design auch kälter.

Im herbstlichen Hammerfest bietet sich die Standard-Tour an: Hoch auf den 86 Meter hohen Salen, solange der Zickzackweg eisfrei ist. Ausreichend steil ist er weiterhin. Auf dem Weg liegt der Marktplatz, der jetzt fertig gestellt ist – die Baustelle ist Richtung Schiff gewandert. Er ist hübsch geworden, und die beiden Eisbären unter dem blauen Bogen vor dem Rathaus sind wieder zugänglich. Im Hafen gibt es Hinweisschilder auf Hvaldimir, den Belugawal, der aus dem russischen St. Petersburg zu den Norwegern übergelaufen war.

Mein Bänkle steht wieder.

Hinter dem Marktplatz ist der blaue Musikpavillon. „Meine“ Bank steht wieder, sie war wohl nur für den Winter abgebaut worden. Seit sie auf meiner ersten Reise komplett eingeschneit war, steht auf jeder Tour ein Beweisfoto auf ihr an.

Dann geht es hoch auf den Berg und anschließend wieder runter in die Stadt für einen kurzen Gang zu der Grabkapelle (die als einziges Gebäude die deutsche Besatzung überlebt hat – beim Rückzug hinterließ die Wehrmacht verbrannte Erde) und der Kirche.

Vom Berg aus ist auch schön die Gamle Måløy zu sehen, die eine ähnliche Größe hat wie die Hurtigrutenschiffe der Vergangenheit.

Auf dem Rückweg gibt es noch das übliche Erinnerungsfoto auf den Eisbären vor dem Rathaus. Die Bären sind mittlerweile etwas mitgenommen, aber wirklich dafür ausgelegt, dass man mehr oder weniger elegant auf sie hochkraxelt. Der linke schaut eigentlich ganz freundlich drein.

Nach einem Abstecher in den Eisbärenclub, wo man nicht nur als Clubmitglied herzlich willkommen geheißen wird, geht es dann schon wieder zurück auf Schiff. Hurtig, hurtig. Nettes Detail: Die kleinen Magnet-Eisbären und -Huskies kommen aus Karlsruhe.

Für das eindrucksvolle Wiederaufbaumuseum bleibt da keine Zeit. Einmal war ich drin, es ist sehr sehenswert und hinterlässt eine klare Botschaft: Nie wieder Krieg.

Nach dem Essen stehen erst einmal keine Häfen an, und wir nutzen die Chance für unseren vierten Vortrag: Thomas berichtet über die Mondlandung, die vor 50 Jahren stattfand.

Øksfjord

Eine halbe Stunde später treffen die üblichen Verdächtigen sich wieder an Deck: Wir laufen in Øksfjord an. Der Kapitän mag den Schifftyphon, und das Hupen gibt an den steilen Hängen ein schönes Echo. Mächtig.

Leider sind die Wolken auch mächtig, sodass der Abend entspannt ist. Um 18 Uhr steht Abendessen auf dem Plan, und um 19:15 Skjervøy. Den Hafen erreichen wir etwas verspätet, aber wir legen pünktlich ab. Die Gangway wird frühzeitig eingeklappt, sodass die letzten beiden Passagiere über das Frachtdeck einsteigen müssen. Währenddessen posiert die Dorfjugend mit ihren Fahrrädern am Kai.

Skjervøy

Aber was soll ich sagen: Ohne Polarlichter fehlt Skjervøy was. Bis zur nächsten Schiffsbegegnung (die Nordlys) sind wir im Panoramasalon und schauen in die Dunkelheit; nach der Schiffsbegegnung sind unsere Plätze weg. Dafür singt Giske vom Expeditionsteam live, was auch seinen Reiz hat. Die Route bis Tromsø zieht sich, wenn kein Polarlicht da ist – viele müssen ja wegen dem Mitternachtskonzert wach bleiben. Kurz vor 23:45 legen wir an, letzte Chance für Bilder der Eismeerkathedrale.

Mein angedachter Kneipenbummel entfällt: Tromsø bietet Samstagabends etwas zu viel Leben, und im Rørbua spielt die falsche Musik für meinen Geschmack. Mit nasskaltem Nieselregen macht Tromsø einem den Abschied auch leicht. Also geht es recht bald wieder auf das Schiff, wo sogar unser Schiffshund die Schnauze voll hat.

God natt.

Hurtigrute Tag 7: Kirkenes und Nordlicht

Kurs Kirkenes

Der Kirkenes-Tag beginnt um 8 Uhr in der Früh: Es klopft, Check-Out für die Kabinen ist jetzt! Nice try – wir können die Crew überzeugen, dass wir bis Bergen an Bord bleiben und in Kirkenes nur zum Sightseeing von Bord gehen. Gut, dass ich wegen Frühstück eh schon wach war…

Wir erreichen Kirkenes bei trübem Wetter ziemlich pünktlich; der Kapitän hat in Tromsø gewechselt und hält den Fahrplan besser ein. Vielleicht klappt das ja sogar mit Vardø heute Nachmittag? Aber jetzt steht erst einmal Kirkenes an – nachdem ich die automatische Netzwahl vom Handy abgeschaltet habe; Russland ist ganz in der Nähe und sendet ziemlich stark (ohne EU-Roaming).

Blick vom Aussichtspunkt

Kirkenes überrascht positiv: Im Winter ist es ein recht trostloser Ort, aber mit den Herbstfarben kann es sich sehen lassen. Mein Weg führt über den den kleinen Aussichtspunkt (eigentlich nur eine Kurve, aber mit hübschem Ausblick in den Ort). Dann ein Besuch im Amfi um zu schauen, was es neues an Outdoor-Kleidung gibt, dann über Rathaus, Kirche und Russendenkmal zurück. So mit Tageslicht (trotz bedecktem Himmel) und Herbstfarben wirkt Kirkenes richtig nett, und die ganzen schwarzen Häuser der üblichen Route prägen das Ortsbild auch nicht so sehr wie üblich.

Premiere: Die Kirche hat offen und präsentiert sich im Inneren modern und aufgeräumt; geknüpfte Wandteppiche an den Wänden zeigen Bibelszenen. Noch ein kurzer Besuch im Rema 1000, und dann ist es auch schon 12 Uhr vorbei. Mit 100 neuen Passagieren brechen wir auf und überqueren die große Bucht nach Vardø. Vadsø lassen wir links liegen – das ist der einzige Hafen, der nur einmal auf der Tour angefahren wird. Im Raum Kirkenes fahren wieder genug Schiffe, dass man ihn auch ohne Hurtigrute erreicht.

Kurs Vardø

Die Überfahrt ist ruhig und ereignislos, von Wolkenlücken einmal abgesehen: Ein schönes Farbenspiel und Hoffnung für die Nacht. Es ist auch sehr gute Polarlicht-Aktivität vorausgesagt, nur die Wolken machen mir Sorgen: Wir sind genau der Grenze einer dicken Wolkendecke, die uns die nächsten Tage begleiten wird.

Erster Blick auf Vardø

Vardø kommt rechtzeitig in Sicht, aber wir erreichen es trotzdem nur mit der üblichen Viertelstunde Verspätung. Das Andocken dauert auch, so dass nur eine knappe halbe Stunde für einen Spurt zur Festung übrig bleibt. Das Hexendenkmal sehe ich so wieder nur aus der Ferne.

Bei hellem Tageslicht wirkt Vardø deutlich heruntergekommener als im Winter. Aber es tut sich was: Die Graffiti-verzierten Häuser verschwinden langsam (schade). Bei einem Kunstwettbewerb vor einigen Jahren entstanden zahlreiche Graffiti auf Abbruchhäusern; jetzt kommen die Bagger – oder sie sind von selbst eingestürzt. So manche Bruchbude steht am Hafen, flankiert von Baulücken…

Interessant ist das kleine Schiff, das auf einem Stapel Paletten (zum Trocknen?) am Kai steht… Als wir endlich von Bord sind, steht ein kleiner Spurt zur Festung Vardøhus an, etwa acht Minuten ohne zu rennen. Die dicken, aber niedrigen Mauern beherbergen eine ganze Reihe Kanonen der letzten Jahrhunderte, ein paar Häuschen und ein kleines Museum; von den Wällen ist nun bei Tageslicht auch das Steilneset Hexendenkmal zu sehen. Es erinnert an die Männer und Frauen, die hier vor wenigen Jahrhunderten der Hexerei beschuldigt und zum Tode verurteilt wurden. Ich hätte wirklich gerne einmal zwei, drei Stunden Zeit für Vardø – lieber als für Kirkenes.

Lichtschimmer über Båtsfjord

Nach dem Ablegen ist etwas Freizeit, bis das Abendessen ruft, bei dem wir mehr mit der Wetterprognose als dem Essen beschäftigt sind. In Båtsfjord gegen 20 Uhr dann überraschend klarer Himmel und ein Schimmer über der Stadt. Während wir noch überlegen, ob das was wird und wann wir endlich ablegen, geht an Deck das Licht aus, und die Durchsage ertönt, dass an der Steuerbordseite Polarlicht zu sehen ist. Also rasch die Seite wechseln: Ja, das sieht sehr gut aus. Ich montiere meine Nikon an die Reling und starte den Zeitraffer, dann will ich in die Kabine, mein Stativ für die zweite Kamera holen.

Ich gebe ja immer den Tipp, das Polarlicht auch anzuschauen und nicht nur durch die Kamera anzuschauen. Zum Glück beherzige ich ihn dieses Mal: Über uns geht ein wirkliches gutes Feuerwerk ab, mit Grün, Rot, etwas Lila und tanzenden Lichtern. Genau die Show, auf die ich immer aus bin. Es ist hell genug, dass ich mit Kamera Nr. 2 sogar ein wenig filmen kann, in Echtzeit. Wow.

Dann lässt es nach, und ich hole doch noch mein Stativ, für die andere Seite vom Schiff. Während es steuerbord nachlässt, gibt es backbord weiterhin viel zu sehen. Immerhin eine halbe Stunde können wir genießen, bevor wir unter die Wolken fahren – aber die hatte es in sich.

Bis Mitternacht bleiben wir unter der Wolkendecke, nur gelegentlich blitzt noch etwas durch Wolkenlücken. Die grüne Hintergrundbeleuchtung lässt erahnen, dass es da oben noch weitergeht, aber für uns ist Feierabend. Das Ergebnis der Kamera? Gar nicht schlecht, auch wenn ich die Show über unseren Köpfen nicht drauf habe:

Und danach an Backbord

Um Mitternacht kapituliere ich dann und mache Feierabend. Der Zeitraffer will erstellt werden…

Hurtigrute Tag 6: Honningsvåg

Suchbild mit MS Nordnorge

In der Barentssee vor Havøysund beginnt der Tag wieder mit einer Schiffsbegegnung: Kurz vor halb neun begegnen wir der südgehenden MS Nordnorge, die sich langsam aus dem Nebel heraustraut – fotografisch taugt dieser Morgen aber allenfalls dazu, Schmutzflecken auf dem Kamerasensor zu erkennen oder den Weißabgleich einzustellen, für etwas anderes ist der kontrastfreie Anblick nicht zu gebrauchen. Nordnorwegen im Nebel mag mystisch sein, ist aber nicht sehr fotogen. Erst als die Nordnorge uns näher kommt, ist sie deutlich zu erkennen. Da von der Gegend sonst im Augenblick nicht viel zu sehen ist, schaue ich mir noch das Anlegen in Havøysund an, bevor ich zum Frühstück gehe. Erstmals fällt mir auch der kleine Gedenkstein rechts vom Anleger auf: Das Denkmal für das 1931 hier gesunkene Hurtigrutenschiff DS Hera.

So früh im Herbst werden einige Ausflüge angeboten, die ich von meinen Fahrten normalerweise nicht kenne, zum Beispiel eine Rib-Boat-Tour zum Nordkap. Bei dem tristen Wetter wollte ich die Tour nicht machen (auch wenn es kaum Wellen hat), aber zum Glück wird es bald besser. Die Fahrt durch den Magerøyasund bietet tolle Lichtspiele, und die schroffen, grün-braunen Berge sind ähnlich reizvoll wie die schneebedeckte Landschaft, die ich sonst vom Winter hier kenne. Wow.

Im Magerøyasund

Das Expeditionsteam macht einen Point of Interest, bei dem ich aber nur kurz vorbeischaue. Viel Neues dürfte es für mich nicht geben, und den Tunnel, der auf die Insel Magerøya mit dem Nordkap führt, sehe ich auch auf Marintraffic und Co. Also zurück zum Bug, die Landschaft genießen. Die Temperatur liegt bei rund 7°, aber im Fahrtwind ist es deutlich frischer.

Kurz vor Honningsvåg gibt es sogar stellenweise klaren Himmel, Norwegen gibt sich noch einmal Mühe. Ansonsten ist von dem berühmten wechselhaften norwegischen Wetter nichts zu spüren, die Prognose ist eher schlecht. Aber genieße den Augenblick!

Bald taucht auch Honningsvåg hinter den Bergen auf, und wir legen an. Faszinierend, wie sehr sich eine Insel verändern kann, wenn man sie umrundet.

In Honningsvåg steht für mich Beine vertreten an, nachdem die Teilnehmer des Ausflugs zum Nordkap (also fast alle) die Kong Harald verlassen haben. Irgendwann will ich auch mal wieder an das Nordkap, aber nicht, wenn das Schiff so voll und das Wetter so bewölkt ist – auch wenn das hier oben nicht viel heißen muss. Stattdessen geht es erst einmal hoch auf den bekannten Aussichtspunkt am alten Friedhof, und dann über die Kirche zurück zum Schiff – das langt genau, um noch 20 Minuten lang Mittagzuessen. Beim Rückweg stolpern wir noch in eine Veranstaltung: Schul-Joggen, wobei einige Schüler eher „Wandern, gemütlich“ machen. Vielleicht ist das das echte Nordic Walking?

Nach dem Essen ist genug Zeit, um das Hafenbecken zu umrunden und einen Blick in die Läden zu werfen. Von der anderen Hafenseite sieht es durch die tief hängen Wolken fast so aus, als ob wir unter einem Vulkan parken.

Diesmal hat auch der Weihnachts-Souvenirladen offen, der sonst meist zu hat – ein Weihnachtswunderland. Uff.

Aber irgendwann endet auch der Aufenthalt in Honningsvåg, und wir stechen wieder in See. Ich nutze die Zeit, um etwas Schlaf nachzuholen. Obwohl wir nur 1,5m hohe Wellen haben, schaukelt das Schiff spürbar – Wind und Wellen kommen wohl aus der falschen Richtung. Der Wecker holt mich rechtzeitig in die Realität zurück, damit ich für die Finnkirche bereit bin. Die eigenartige Felsformation ist jetzt bei Tag gut zu sehen und steht auch auf dem Tagesprogramm; seit sie nicht mehr beleuchtet wird, fehlt sie in den Wintermonaten als Programmpunkt.

Kjøllefjord

Wenig später legen wir in Kjøllefjord an. Hier verlassen uns die Teilnehmer des „Samischen Herbstes“, die erst in Mehamn wieder einsteigen – und um 20 Uhr zu Abend essen werden, wenn ich meinen ersten Vortrag halten werde. Ups… Für alle anderen steht um 18 Uhr das Nordkap-Buffet an, soweit die Barentssee nicht schon für Seekrankheit sorgt. Sie ist eigentlich harmlos, aber bislang waren wir auf einem Ententeich unterwegs.

Nach dem Essen komme ich zum ersten Mal dazu, mir das Treffen mit dem Expeditionsteam anzuschauen – den Tagesrückblick, den die Reiseleitung des Schiffs immer gibt. Wichtige Info: Auf Facebook sind die Bilder frei zugänglich zu sehen, die die Crew von der Reise aufgenommen hat. „Onkel“ Heinz erwähnt für unsere Gruppe auch noch meinen folgenden Vortrag, und dass der nächste Film zweimal gezeigt wird – das Schiff ist ausgebucht, da lohnt sich das.

Mehamn

Wie dem auch sei, mein Vortrag ist nur mäßig besucht. Dafür kann ich ihn komplett halten – schade eigentlich, normalerweise werde ich hier durch Nordlicht abgewürgt. Aber bei den Wolken hat die Aurora keine Chance. Also gibt’s den Sternenhimmel nur virtuell am PC.

Der Rest des Abends ist ereignislos: Ohne viel Tam-tam begegnen wir vor Berlevåg der Trollfjord, nachdem sie den kleinen Hafen verlassen hat. Wir legen kurz an und lassen zwei Crewmitglieder aussteigen, laden zwei Paletten und ein Auto aus, dann geht es weiter auf die Barents-See. Mit leichtem Geschaukel geht es durch die Nacht, und morgen Vormittag steht mit Kirkenes schon wieder der Wendepunkt der Reise an.