Straße der Megalithkultur, Tag 3

Das waren jetzt zwei Nächte im selben Hotel in Ganderkesee – Zeit, weiterzuziehen. Da die Tour als entspannter Urlaub geplant war, stehen heute nur sechs Stationen der Megalith-Straße auf dem Plan, plus das Museumsdorf in Cloppenburg (man will ja nicht nur Steine sehen). Klingt machbar, oder? Blöd nur, dass das Museum schon um 18 Uhr zu macht, und das Hotel Check-In bis 19 Uhr hat – aber es ist nur eine knappe Dreiviertelstunde vom Museum entfernt, zumindest das passt. Also los geht’s!

29 a/b – Reckumer Steine

29a: Reckumer Steine

Das erste Tagesziel sind die Reckumer Steine, Station 29 a und b. Langsam kriege ich Island- oder Schottland-Feeling: Mangels Hotelfrühstück gibt’s Sandwich vom Discounter, und über Single-Track-Roads geht es über die Felder bis zu einer Kreuzung in einem kleinen Wäldchen. Ich biege natürlich falsch ab und parke am Waldrand etwas weiter weg als nötig. Habe ich schon erwähnt, dass die Straße der Megalithkultur nur von einer Richtung kommend gut ausgeschildert ist?

29a: Reckumer Steine

Station 29a ist gut erhalten und liegt am Rand des kleinen Wäldchens; vom Weg aus ist es gut zu sehen, vom angrenzenden Acker aus eher schlecht. Auch hier gibt es eine Infotafel mit einem kurzen Überblick zum Grab, das noch einen guten Eindruck der einstigen Größe bietet: Fast alle Steine sind erhalten und kaum verrutscht. Es ist in diesem Sommer sehr angenehm, dass die meisten Ziele baumumstanden sind…

Reckumer Steine, 29b

Der Sage nach handelt es sich um zwei verfeindete Schäfer, die einst mit ihrer Schafherde zu Stein erstarrten. Der zweite Schäfer ist einen kleinen Fußmarsch entfernt in einem weiteren Wäldchen, auf einem abgemähten Acker. Als der Acker vor zwei Wochen noch nicht abgemäht war, kam man wohl nicht hin; wir haben gutes Timing.

Ich glaub, ich steh im Wald:
Reckumer Steine 29b

Einmal rund um das Wäldchen findet sich auch ein Zugang zu den Steinen. Vor lauter Wald ist nicht viel von der langgestreckten Anlage zu erkennen – schwer zu fotografieren, aber schön mystisch:-)

Bei dieser Station verstehe ich die Aufteilung auch – 29 a und b liegen nur einen kurzen Fußweg auseinander, sind aber soweit eigenständige Gräber. Unser nächstes Ziel sind die Großen Steine bei Kleinenkneten – gleich drei unterschiedliche Gräber, die nahe beieinander liegen.

25 a-c – Große Steine bei Kleinenkneten

Nur eine Viertelstunde dauert es mit dem Auto zu den Großen Steinen bei Kleinenkneten. Beeindruckend: Die Straßen sind zwar gerne einspurig, aber alle baumumstandene Alleen. Von Heide ist hier übrigens nicht viel zu sehen: Wir fahren meist an abgeernteten Feldern voller Heuballen entlang, bis wir den kleinen Parkplatz erreichen. Von hier sind es nur ein paar Meter bis zum ersten Großsteingrab.

Und das ist wirklich groß…

25 a – Große Steine
Blick in eine der Kammern von 25 a

Gleich drei Kammern schließen hier aneinander an, alle umfasst von einer einfachen Steinreihe. Im Foto kann man das kaum festhalten, aber einige Zeit hier verbringen. Vor der Bretagne braucht sich die Gegend hier wahrlich nicht verstecken, auch wenn sie für ihre Megalith-Anlagen nicht so bekannt ist. Zwischendurch begegnen wir hier auch ein paar Radfahrern – ganz alleine sind wir nicht auf der Route.

Das nächste Grab liegt hinter ein paar Bäumen versteckt und ist mit fast 50 Metern Länge das drittlängste Hünenbett der Region. Nach Untersuchungen Ende der 1930er Jahre wurde es restauriert – so sah ein Hünengrab wohl zur Blütezeit der Jungsteinzeit aus.

25 b – ein restauriertes Grab

In der Mitte ist auch der niedrige Eingang, durch den man in das Innere des Grabs gelangt – eine recht kleine Kammer, in Anbetracht der enormen Ausmaße des ganzen Hügels.

Vergleichsweise klein: 25 c

Im Vergleich zu diesen beiden Riesen ist 25 c schon eine Enttäuschung: Im Vergleich wirkt es winzig. Auch befindet es sich nicht mehr am originalen Ort, sondern musste in den 1930ern dem Dötlinger Flugplatz weichen. Immerhin wurde es nicht zu Baumaterial weiterverarbeitet…

Bei den Großen Steinen kann man einige Zeit verbringen, die Anlage hat was. Aber irgendwann muss es doch weiter gehen.

26 – Pestruper Gräberfeld

Das Pestruper Gräberfeld begrüßt uns mit einem richtigen Parkplatz, auf dem Bäume Schatten spenden. Mit rund 500 bronze- und eisenzeitlichen Grabhügeln ist es das größte erhalte Gräberfeld dieser Zeit im nördlichen Mitteleuropa. Einst war es noch größer, aber erst seit 1992 steht es unter Schutz. Unter den meisten Hügeln befinden sich Urnen mit Asche; die Toten wurden vor der Bestattung verbrannt.

Ich hätte jetzt gerne eine Drohne – vom Boden aus sieht man vor allem eine schöne Heidelandschaft, die Hügel kommen erst aus der Luft richtig zur Geltung. Also geht es nach einem kleinen Spaziergang zurück zum Auto mit der Kühltruhe. Unsere Getränkevorräte gehen bedrohlich zur Neige. Gut, dass wir keine Radtour machen…

27 b – Bargloyer Steinkiste

Beim nächsten Ziel bin ich mir nicht sicher, wo der offizielle Parkplatz (ein Wendehammer) ist, also wird ein paar Meter weiter am Straßenrand geparkt. Mit 2×1,5m ist sie richtig süß nach all den großen Steinen der letzten Stationen, und auch deutlich jünger: Sie entstand erst 2000 bis 1600 Jahre vor Christus, also bereits in der Bronze- oder Eisenzeit. Solche Steinkisten sind in der Gegend eher selten und beherbergten nur eine Einzelperson, im Gegensatz zu den Großsteingräbern.

27 b – die Bargloyer Steinkiste

Auffällig sind die zahlreichen „Näpfchen“ – Vertiefungen an der Oberseite, deren Sinn auch wir nicht klären können. Immerhin sind sie hier deutlicher zu sehen als gestern auf dem Hexenstein.

27 a – Hohe Steine

Die nächste Station ist mit dem Auto knapp 10 Minuten entfernt, trägt aber dennoch die selbe Stationsnummer. 27a liegt an einer Bundesstraße, der Parkplatz wird auch von LKWs gut genutzt. Genauer gesagt von Viehtransportern: Die Gegend verdient ihr Geld wohl vor allem mit Schlachthöfen. Tönnies und Wiesenhof hatten die Corona-Zahlen hochgetrieben, kaum dass wir die Reise geplant hatten, und hier halten wir zwischen LKWs mit Schlachtvieh, das in der Sonne schmort, bis es dran ist. Da ist der Tod eine Erlösung… Kein schöner Anblick.

26 a – Hohe Steine

Vom Parkplatz sind es 150 m durch den Wald, immer dem Schild nach. Dort erwartet uns eine gut erhaltene, langgestreckte Anlage mit einer überlangen Kammer. Chic.

26 a – Hohe Steine

Die Idylle lässt einen kurz die Viehtransporter vergessen, die im Schatten warten… aber auf dem Rückweg zum Auto kommen wir wieder daran vorbei. Ja, die Wurst kommt nicht aus dem Nichts auf den Tisch. Darf man nie vergessen.

28 b – Große Steine bei Thölstedt

28 b, ein Wildniswunderland

Die nächste Station hätte ich ohne Navi glatt verpasst: Die Großen Steine bei Thölstedt liegen zugewuchert am Straßenrand im Wald, und das Schild ist nicht übermäßig groß. Das Grab ist gut erhalten und noch teilweise in seinem Hügel, aber auch ungepflegt und kaum zugänglich. Es gibt zwar eine Bank, aber ohne Sense oder Machete gehe ich da nicht hin. Also nur ein kurzer Stop, bevor es zu 28a weiter geht, rund fünf Minuten weit weg.

28 a – Visbeker Braut

Der Sage nach sollte die Visbeker Braut gegen ihren Willen verheiratet werden und flehte Gott um Hilfe an – der verwandelte sie und ihr Gefolge auf dem Weg zur Hochzeit in Steine, ebenso ihren Bräutigam, den 4 km entfernten Visbeker Bräutigam (Station 24a).

28 a, die Visbeker Braut

Geparkt wir in einigem Abstand, dann geht es über einen staubigen Weg zur Braut.

Am Kopf der Visbeker Braut

Heute sehen wir hier ein 80 Meter langes Feld, das an drei Seiten von einer Steinreihe aus über 100 Findlingen eingeschlossen ist. Uff. Das ist groß… An der Stirnseite gibt es eine kleine Kammer und ein paar große Findlinge – möglicherweise waren die hohen Steine aber auch die heute verschollenen Decksteine der Kammer, die im 19. Jahrhundert dort aufgestellt wurden, um das Grab wieder herzurichten. Wie dem auch sei: Imposant. Ich bin beeindruckt.

24 a-d – Heidenopfertisch und Visbeker Bräutigam

Zum nächsten, nur 10 Minuten entfernten Ziel kommen wir wieder von der falschen Seite und erwischen den Feldweg eine Abfahrt zu früh. Etwas mehr Bodenfreiheit wäre schön, bis ich endlich eine Wendemöglichkeit finde… Immerhin zeigt das GPS an, dass ich nicht allzuweit vom Ziel entfernt bin. Aber das kostet alles Zeit, bis ich endlich auf dem Parkplatz der Wirtschaft bin, der auch von der Megalith-Straße genutzt werden darf.

Um halb drei haben wir den Parkplatz von Station 24 erreicht und liegen damit eigentlich nicht ganz schlecht in der Zeit. Nur, dass sich Station 24 ganz schön verteilt: Eine halbe Stunde bis zu den am weitesten entfernten Steinen? Also mindestens eineinhalb Stunden, eher zwei Stunden, wenn man was sehen will? Das wird aber knapp mit dem Museum… Mal schauen, wie weit wir kommen.

Waldgeister

Die Wirtschaft hat zu und macht erst am Wochenende Nachmittags wieder auf (echt isländisch…), dafür begrüßt uns der Wald mit knorrigen Eichen. Da hat Tolkien wohl die Inspiration für Ents her.

Der Heidenopfertisch ist nach wenigen Schritten erreicht und bestimmt ein beliebtes Ziel in der Hochsaison (wann immer die sein mag). Die Deckplatte ist mächtig und erinnert wirklich an einen Riesentisch: 3x5m ist sie groß, und über einen Meter dick.

Der Heidenopfertisch

Hinter ihm wächst ein mächtiger Baum – der Ort inspiriert die Phantasie doch sehr. Durch ein hübsches Wäldchen gehen wir weiter den Fußweg entlang und kommen sogar zu dem Feldweg, den wir gerade entlang gefahren waren. Ganz falsch war ich also doch nicht… Nicht ganz zehn Minuten sind es bis zum Visbeker Bräutigam. Hier sind gleich mehrere Megalithgräber versammelt, und der Bräutigam ist der imposanteste: 170 Steine, von denen noch 130 erhalten sind, bildeten einst eine 104 x 9 m große Umfassung. Wie soll man das denn bitteschön fotografieren?

24a, Grab 1 von 5: Der Visbeker Bräutigam
24a, Grab II: Ein Hügel

Grab II macht weniger her: nur ein etwa meterhoher Hügel ist zu sehen, aus dem zwei Steine hervorgucken. Dafür ist das Grab darunter wohl noch intakt.

Grab #III übersehen wir auf dem ausgedehnten Gelände, obwohl es gar nicht mal so klein ist – nur etwas abgelegen. Dafür umrunden wir den Bräutigam und stoßen auf den Brautwagen, Grab #V. Einige mächtige Steine liegen in einer Reihe.

24 a, Grab V: Der Brautwagen
24a, Grab IV

Und noch ein kleineres Grab liegt am Weg, Nummer IV. Ganz schön viel für eine Station.

Und dann der Super-GAU: Mein Kamera-Akku ist leer, und der Ersatzakku ist im Auto. Dazu tickt die Uhr… Doch noch weiter zu Station 24 c&d, den Kellergräbern? Oder abbrechen und ohne Zeitdruck ins Museum? Wir entscheiden uns, dass wir erstmal genug Steine hatten, und fahren nach Cloppenburg ins Museumsdorf.

Museumsdorf Cloppenburg

Am Museum angekommen, gibt es den nächsten Schock: Wir sind eindeutig wieder in der Zivilisation angekommen. Auf dem großen Parkplatz stehen mindestens zehn, vielleicht sogar zwölf Autos. Da erwarten uns ja Menschenmassen… auf dem vollkommen leeren Busparkplatz fehlt eigentlich nur noch das Tumbleweed. Social Distancing und Kultururlaub passt gut zusammen.

Museumsscheune

Es ist mittlerweile kurz vor 16 Uhr, als wir das Museum betreten, aber zwei Stunden reichen für einen Rundgang durch das schöne, große Museumsdorf. Aktuell sind nur die Untergeschosse und nicht alle Mühlen zugänglich, aber mehr als drei Stunden sind nicht nötig, um einmal entspannt durch das Gelände zu schlendern und überall hineinzuschauen. Mit Führung geht natürlich auch länger.

Sehr nett ist die Zugangsregelung: Mit den Eintrittskarten erhalten wir eine rote Karte, mit der wir kleine Häuschen für andere Besucher sperren können. Nötig ist sie aber nicht, wir begegnen kaum jemandem.

Der Blick in die Häuser lohnt sich aber: Die niedersächsischen Bauernhäuser gehen eindeutig auf die Wikinger-Langhäuser zurück – die offizielle Bezeichnung ist wohl „Hallenhaus„. Kamine (also mit Schornstein) sind eher rar, dafür ist der Stall ins Haus integriert. Aber nicht so wie wir das kennen, unten der Stall, der gleichzeitig als Fußbodenheizung für den Wohnbereich im Stockwerk darüber dient, sondern als eine Einheit. Man schaut durch das Scheunentor an den Ställen vorbei direkt auf den Kamin und das gute Geschirr in der Küche. Das künftige Essen schaut den Bauern also beim Essen zu. Inspirationen für den Hausbau finde ich hier eher weniger, das Konzept überzeugt mich nicht.

Nur die gute Stube und die Schlafkammern waren in der Regel einzelne Räume hinter der Küche. Auch im 19. Jahrhundert hatten wohl nur die Prachtbauten einen vom Stall getrennten Wohnbereich.

Mächtiger Kamin bei reichen Bauern

Gut eineinhalb Stunden brauchten wir für diesen Einblick in die neuere niedersächsische Geschichte. Lohnt sich, und ein Eis gab’s in der Dorfkneipe auch noch. Mit Barzahlung, wegen den EC-Karten-Gebühren. Hat echt was von Museum…

Quakenbrück

So verließen wir das Museum sogar noch etwas früher als nötig und fuhren zum Hotel nach Quakenbrück. Zugegeben: Das hatte ich nur wegen dem Ortsnamen ausgesucht. Es liegt etwas abseits der Route, sodass heute 127 km auf dem Plan standen.

Quakenbrücker Marktplatz

Check-In war bis 19 Uhr, und eine Stunde vorher kam der Anruf vom Hotel, ob wir’s auch rechtzeitig schaffen. Ja, keine Sorge. Im Hotel in der Stadtmitte angekommen kam dann die Frage, ob wir gut durchgekommen wären – ja, kein Problem, im Museumsdorf war nichts los, und die Straße von Cloppenburg war auch frei. – Fragende Blicke… – Wir machen hier Urlaub. Straße der Megalithkultur. – Aha, ist das ein Museum, oder was macht man da?

Die Gegend ist echt nicht auf Touristen ausgelegt. So muss das vor 30 Jahren in Island gewesen sein, oder nach dem Krieg in Schottland. Faszinierend.

Blick aus dem Hotelzimmer

Quakenbrück ist ein schmuckes kleines Fachwerkstädtchen mit flachen Häuschen, die aber fast alle noch einen Kran angebaut haben, mit dem früher Lasten ins Obergeschoss gebracht wurden. Dazu kommen überraschend breite Straßen – hier wurde echt in die Breite gebaut.

Wir haben Glück und finden am Marktplatz sogar ein Restaurant, das um 19 Uhr noch offen hat und leckeres Essen (Schnitzel in allen Variationen), leider finden uns die Wespen auch. Mistviecher, elendige. Wenn mich ein Vieh attackiert, weil ich es von dem Essen wegschiebe, das ich auf der Gabel habe, weil ich es nicht mitessen will, kann mir kein Tierfreund erzählen, dass die Biester nicht aggressiv wären. Und unglaublich dämlich.

Dementsprechend kurz fällt der Restaurantbesuch aus. Einerseits ist’s ja schön, dass man draußen essen kann, aber ich freue mich doch, wenn Corona vorbei ist und man auch wieder drinnen essen gehen kann. Naja, noch ein kurzer Rundgang durch das Städtchen, und dann geht’s ins Hotel. Auch hier: Ein völlig überhitztes Badezimmer…

Straße der Megalithkultur, Teil 2

Nach einer heißen Nacht im Norden und mit Frühstück aus unserer Kühlbox (die neben kalten Getränken zum Glück auch etwas Wegproviant enthielt), machten wir uns am Sonntag auf die Suche nach alten Steinen. Für das Archiv: Die Reise begann am Samstag, dem 10.8.2020 und endete am darauffolgenden Freitag. Bevor wir mit der eigentlichen Straße der Megalithkultur begannen, standen ein paar Ziele rund um Ganderkesee auf dem Programm.

Zuerst der Heidenwall, eine frühmittelalterliche Fliehburg, von der noch der Erdwall erhalten ist. Das Hinweisschild war gut zu sehen, nur dass man direkt danach parken und in den Feldweg gehen musste, war weniger klar. Wohl dem, der GPS hat…

Der Heidenwall

Er liegt in einem kleinen Wäldchen und geht wohl auf das 9. Jahrhundert zurück, stammt also keineswegs aus heidnischer Zeit. Von den einstigen Gebäuden in seinem Inneren ist nichts mehr zu sehen. Immerhin sind wir sicher: Der letzte Überfall der Wikinger auf Ganderkesee fand 955 statt.

Nach diesem Abstecher in die Neuzeit ging es auf die Straße der Megalithkultur. Was wir rasch lernten: Die ganzen Hünengräber gehen auf die Trichterbecherkultur zurück und stammen etwa aus der Zeit um 3500-2800 v.Chr. Also ab zum ersten Ziel!

30a – Gerichtsstätte

Zum Hünengrab

Die Gerichtstätte liegt ebenfalls in einem kleinen Wäldchen, das Navi führte uns zum Hinweisschild. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das kleine Parken-Symbol nur bedeutet, dass man exakt hier parken soll, oder ob man es auch immer darf – hier war es auf dem Feldweg kein Problem, andere Stationen waren für eine Ferienstraße schon sportlicher.

Wie dem auch sei, wir waren alleine, und zur Anlage waren es nur ein paar Meter durch das Wäldchen. Ein hübscher Einstieg. Ein kleiner Wall aus recht großen Steinen, dazu eine Hinweistafel mit Erklärungen, wie sie an eigentlich allen Stationen zu finden war.

30a – Gerichtsstätte

30b-d – Glaner Braut

Das Hinweisschild von hinten?

Mit dem Auto sind es etwa 10 Minuten bis zum nächsten Halt, der Glaner Braut. Genauer gesagt, zum vermuteten Parkplatz. Zumindest habe ich kein Schild gesehen, aber vielleicht kam ich auch einfach aus der falschen Richtung – auf den Radwegeschildern war die Glaner Braut angeschrieben, und mittlerweile weiß ich, dass das Schild darunter – das auf dem Foto von hinten zu sehen ist – die richtige Form für ein Megalithkultur-Hinweisschild hat…

Eine nette kleine Wanderung den Huntepadd entlang (rund 800 Meter) führt uns unangenehm weit weg von der Kühltruhe (sagte ich schon, dass der Norden heiß ist?), aber der Weg ist schön und führt an einem ausgetrockneten See über einen Bach in die Heide, wo uns gleich mehrere imposante Anlagen erwarten – eine lange Doppelreihe aus Steinen ebenso wie zwei nur im Vergleich kleine Gräber.

Die Glaner Braut I ist ein 50 m langes und 6-8 m breites Hünenbett, durch das das Weg mitten hindurch führt. Decksteine gibt es praktisch keine mehr, aber imposant ist das dennoch. Obwohl noch ein paar andere Touristen unterwegs sind, haben wir weitestgehend unsere Ruhe und genug Chancen für Fotos. Ich mag das kleine Tischstativ, das ich mir geleistet habe:-)

Zwei weitere Gräber sind in direkter Nähe und gut erhalten; ein viertes soll ebenfalls da sein, ist aber zu schlecht erhalten und nicht Teil der Route. Daher entgeht uns die Glaner Braut IV – auf den Karten von Open Street Map wäre sie sogar zu finden gewesen. So gehen wir zurück zum Auto, zu den kalten Getränken und der nächsten Station.

30e – Großsteingrab am Schießstand

Mitten in einem Vorgarten von Dötlingen liegt dieses teilrestaurierte Grab, in dessen unmittelbarer Nähe wir auch am Straßenrand parken können.

Würde mir auch im Garten gefallen, wenn auch vielleicht ohne Hinweisschild für die Touristen. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass hier viele vorbeikommen. Trotzdem sind die fünf Gräber der drei Stationen der Station 30 gut gepflegt, auch weil sie nicht gerade abseits liegen. Nur braucht so eine verteilte Station doch deutlich mehr Zeit, als ich gedacht hatte – und die Station 30a-e liegen noch recht nah beieinander.

Die Kirche von Dötlingen, davor die uralte Eiche
Dötlingen

Aber warum hetzen – Dötlingen ist ein wirklich hübsches Örtchen, das man sich unbedingt anschauen sollte. Da gibt es eine uralte Eiche, schöne Bauernhäuser in allen größen und ein sehr gepflegtes Ortsbild, und bei Bedarf auch ein paar Gaststätten.

Unser nächstes Ziel liegt nicht auf der Straße der Megalithkultur, würde aber wunderbar dazu passen:

Egypten

Ja, es gibt tatsächlich ein Großsteingrab Egypten, so benannt nach der nahen Siedlung Egypten. Ist aber keine Pyramide… Es gibt sogar weiter im Süden einen Ortsteil namens Ägypten – diese Orte verdanken ihre Namen wohl der Tatsache, dass sie so weit abseits liegen wie Ägypten.

Wenn man sich dem Grab nähert, sieht man zuerst den unauffälligen Hügel, unter dem die Megalithanlage begraben liegt. Das war in der Jungsteinzeit Standard: Die Grabkammer war von einem Erdhügel bedeckt, ein kleinerer Steinkreis gab dem ganzen Halt.

Heute ist die Anlage schön und ruhig abgelegen. Aber vielen Touristen werden wir auf dieser Reise ohnehin nicht mehr begegnen:-)

Der Hexenstein

Unser nächstes Ziel ist ebenfalls ein Zufallsfund, der bei der der Reisevorbereitung in Google aufploppte: Der Hexenstein. Im Schinkenweg. Er ist ein großer Findling, auf dem es viele Schälchen geben sollte. Den Stein fanden wir auch, gut versteckt im Maisfeld und neben einem netten Picknickplatz, aber von den zahlreichen Näpfchen, die die Hexen in seiner Oberfläche hinterlassen haben sollen, war nicht viel zu sehen – eines, mit viel Phantasie. Der Rest war wohl unter Flechten verborgen. Jetzt einen Hochdruckreiniger…

Mit gut 3x4m und über 1m Höhe war der Findling trotzdem imposant. Und bei 33 Stationen schien es nicht so, als ob es uns mal zu viele Steine werden würden…

Gräberfeld Hespenbusch

Unser nächstes Ziel, das Gräberfeld Hespenbusch, gehört ebenfalls nicht zur Straße der Megalithkultur. Es geht wohl auf die Bronze- oder Eisenzeit zurück, irgendwann zwischen 1200 v.Chr und Christi Geburt. Es ist zwar ruhig und schön mit Heide überdeckt, war uns ehrlich gesagt aber nur einen kurzen Stop wert.

Gräberfeld Hespenbusch

Vom Straßenrand aus wirken die Hügel nicht sehr eindrucksvoll, da bräuchte man schon eine Drohne. Aber die gibt mein Budget gerade nicht her, und einfach durch das Gräberfeld stiefeln wollten wir auch nicht.

St. Briccius in Huntlosen

Da peilten wir lieber die nächste Sehenswürdigkeit an, die für die Gegend erwähnt wurde: Die Kirche St. Briccius, eine recht kompakter Backsteinbau mit wuchtigem Turm. Hier gibt es auf dem Friedhofsgelände auch noch eine weitere Attraktion, die eine echte Rarität auf der Route ist: Eine öffentliche Toilette… Die Kirche war übrigens auch offen und einen Blick wert: Klein, aber mit einer großen Orgel.

31 – Steenberg

Nach dem Halt in Huntlosen suchen wir die Straße der Megalithkultur wieder. Am Ende eines Feldweges (mein Navi hat die landschaftlich reizvolle Route herausgesucht, genauer gesagt eine Staubpiste, die in die Wüste passen würde) sehen wir eines der ersehnten braunen Schilder und finden einen kleinen Parkplatz, an dem wir von den Mähdreschern nicht zu sehr eingestaubt werden.

Von dort sind es gut 600 Meter über offenes Gelände um ein Feld herum, bis wir erneut ein kleines Wäldchen erreichen. Die Anlage ist zwar gestört, mit 16 Meter Länge aber immer noch imposant und lässt die ursprünglchen Umrisse gut erkennen. Bänke laden zum Rasten ein.

#31 – Steenberg

Nun wäre eigentlich Station 32 a/b das nächste Ziel, aber Niedersachsen ist ja eine echte Touristenhochburg… mittlerweile ist 15 Uhr vorbei, und von 15-17 Uhr hat das Kloster Hude geöffnet. Also machen wir eine kleine Planänderung.

Kloster Hude

Das schmale Zeitfenster wollen wir uns nämlich nicht entgehen lassen, immer hat die Klosterruine ohnehin nur Samstags, Sonntags und an Feiertagen geöffnet. Da wollen wir natürlich vorbeischauen und die zwei Stunden nutzen, an denen es geöffnet hat. Wegen Einsturzgefahr ist das Kloster Hude aktuell nicht frei zugänglich, sondern nur mit einer kleinen Führung.

Die Preise sind sehr human: 1€ für das kleine Museum und 1€ für die Führung durch die Ruine. Viel steht zwar nicht mehr, und das meiste ist unter Planen und Gerüsten verborgen, aber einen Blick wert ist es allemal – wir erfahren doch ein paar interessante Fakten zur Geschichte. Und einen Shop gibt es auch – das ist fast schon touristisch ausgebaut hier:-)

Nach diesem Zwischenstop in der relativen Moderne geht es aber weiter in die Jungsteinzeit.

32 a/b – Hünensteine bei Steinkimmen

Station 32 verteilt sich wieder auf zwei Stationen, die aber nahe beieinander liegen. #1 liegt direkt an einem Parkplatz an der Straße: Eine lange, baumumstandene Anlage.

Die Deckensteine fehlen, aber das 22 Meter lange Grab ist dennoch imposant. Steinkimmen II ist ein Stück weiter weg, aber mit dem Auto problemlos zu erreichen – auch wenn die offizielle Wegbeschreibung von einem 300 Meter langen Fußweg spricht, ist er problemlos und ganz offiziell befahrbar.

Steinkimmen II

Steinkimmen II liegt ebenfalls idyllisch in einem Wäldchen, allerdings zusammen mit vielen Ameisen. Die Anlage ist recht zerstört, aber uns gefällt sie. Und jetzt trennt uns nur noch eine kurze Fahrt vom letzten Ziel des Tages:

33 – Großsteingrab bei Stenum

Das letzte Grab der Straße der Megalithkultur ist auch der letzte Stop unseres ersten Tages. Es gibt einen Parkplatz und eine romantische Steingruppe unter alten Bäumen, die zwischen den Findlingen emporwachsen. Idyllisch. Prompt kommt natürlich die erste Wespe, um die Idylle zu stören…

#33: Großsteingrab bei Stenum
Sprengspuren

Weniger schön ist, dass einer der Steine deutliche Spuren von einem Versuch zeigt, ihn zu sprengen. Das Bewusstsein für Historisches ist noch jung, früher wurde der heidnische Kram gerne beseitigt oder als Baumaterial recycelt. Erinnerungen an die Sprengungen durch Islamisten im nahen Osten werden wach… Zum Glück sind doch noch einige Zeugen dieser fernen Vergangenheit erhalten geblieben. In manchen Grab wurden übrigens noch Grabbeigaben wie Gefäße gefunden; organisches Material hat sich dagegen in der niedersächsischen Erde längst zersetzt und hat nicht überdauert.

Lütje Anja

Dann ging’s zurück ins Hotel – morgen früh ist zwar bis 10 Uhr Check-Out, aber da mangels Frühstück so früh keiner im Hotel ist, sollte ich doch schon am Vorabend bezahlen und dann einfach den Schlüssel stecken lassen. Ging nur nicht, weil das Restaurant gerade Hochbetrieb hat und keiner kassieren kann. Ich soll später wiederkommen, bis 22/23 Uhr wäre bestimmt jemand da.

Den Abend lassen wir daher günstiger als gestern in einer Pizzeria ausklingen. Als „Betthupferl“ schauen wir noch bei der Lütje Anja vorbei, der Windmühle Habbrügge. Zumindest von außen können wir einen Blick auf eine der schönsten Windmühlen der Region werfen. Da man sie für Hochzeiten mieten kann, ist sie natürlich besonders gut gepflegt. Ein schöner Tagesausklang nach 130km und insgesamt acht Stunden auf Achse.

Jetzt muss ich nur noch das Hotel bezahlen – aber um 22 Uhr ist der Haupteingang schon abgeschlossen. Immerhin komme ich leicht genervt über die Restaurant-Terrasse noch rein und werde mein Geld los. Beruhigend: Das Frühstück wurde auch von der Rechnung gestrichen. Das gehört sich eigentlich so, aber man weiß ja nie.

Abenteuer-Straße der Megalithkultur, Tag 1

Was hatte ich dieses Jahr nicht alles an Touren geplant! Im Mai war Urlaub angedacht – zwei Wochen Irland. Wegen Corona wurde das gestrichen, und auf die Flugerstattung der Lufthansa warte ich immer noch. Stattdessen ging es ein paar Mal in den nahen Schwarzwald, was ich nur auf Twitter dokumentiert hatte.

Im August stand mein dritter Schottland-Trip an – unserem Reisemonster Nessie mal wieder seine Heimat zeigen, und meinen Schottland-Reiseführer erweitern. Pustekuchen. Es hätte vielleicht sogar klappen können, aber einen Monat vorher war Schottland noch weitestgehend im Lockdown, und vierzehn Tage Quarantäne in Inverness waren auch nicht so verlockend. Als KLM dann mit Umbuchen begann, nutzen wir die Chance, um die Reise zu stornieren. Ich bin mir immer noch unsicher, ob die Fähren auf die Orkneys mittlerweile wieder regelmäßig verkehren. Aber in den Highlands sind sie nicht unglücklich, wenn keiner kommt und das einzige Krankenhausbett belegt…

Straße der Megalithkultur

Was tun, sprach Zeus? Zum Jahreswechsel 2017/18 waren wir in der Bretagne gewesen, die Megalithbauten in den Winterstürmen erleben. Durchaus ein Erlebnis, auch weil die Franzosen es mit der Weihnachtsbeleuchtung wirklich ernst meinen. Und abseits vom Mont Saint Michel war da um die Zeit auch nicht so viel los. Dadurch wurden wir auch auf die Straße der Megalithkultur aufmerksam – eine 330 km lange Tour durch Niedersachsen, die 2006 vorgestellt und 2008/9 ausgeschildert wurde. Alternativ als achttägige Fahrradtour machbar. 33 Stationen mit Hünengräbern erwarten einen da – das müsste doch eigentlich in 5-6 Tagen mit dem Auto machbar sein. Dieser Raum Oldenburg/Osnabrück ist von Süddeutschland auch gar nicht mal so weit weg…

Über das Fremdenverkehrsamt kam dann auch eine schöne Übersichtskarte und die Beschreibung der Radroute, aber die Radtour konnte ich nicht durchsetzen. Also wurde es die Rundfahrt mit dem Auto. Leider beschreibt der Reiseführer, der auf der Webseite beworben wird, zwar die Stationen sehr schön, gibt aber wenig Tipps zur Tourenplanung. Heute weiß ich, dass wir im Süden bei Station 1 hätten anfangen sollen, die Route ist eine Einbahnstraße. So finden wir in Bremen an und arbeiteten uns nach Süden weiter, mit dem Ziel, schon mal eine Stunde bei der Heimfahrt einzusparen. Dadurch und durch eine angepasste Reihenfolge der Stationen wurde das ganze zur Abenteuer-Straße der Megalithkultur. Zum Glück gibt es auf der Webseite der Straße auch die GPS-Daten der Stationen (wenn auch nicht der Parkplätze), sonst wäre das ganze noch abenteuerlicher geworden. Immerhin: Wenn man bei #1 anfängt, ist sie wohl besser ausgeschildert. So hatten wir keine Ahnung, was uns erwartet, und wurden nicht enttäuscht.

Los gings am Samstag, dem 8. August, im Hochsommer bei gut 35° mit Reiseziel Bremen. Wichtigste Fracht an Bord: Die Kühlbox für Getränke. Sonst wäre die Tour zur Tortur geworden, von wegen kühler Norden. Und nachdem wir einmal Frankfurt hinter uns gelassen hatten, ging die Fahrt sogar recht zügig – sieben Stunden für die 528 km von Karlsruhe nach Bremen. Macht einen Schnitt von 75 km/h, vor allem dank der Baustellen auf der A5…

Ich muss zugeben, dass ich von Bremen keine Vorstellung hatte außer Hansestadt, irgendwas mit Hafen und einem Abi, das nichts wert ist. Als Großstadt (elftgrößte Stadt Deutschlands) wohl voll mit Menschen und großen Häusern. Aber Reisen bildet: Am Marktplatz gab’s die erwarteten größeren Stadthäuser, aber das Schnoor-Viertel mit winzigen Einfamilienhäuschen hätte ich in einer alten Stadt nicht erwartet. Da sind die Fachwerkstädte bei uns im Süden ja imposanter. Schnucklig.

Und Menschen waren auch kaum unterwegs, man hatte viel Platz. Wobei auf dem Marktplatz eine Kundgebung von AFD-Sympathisanten dafür sorgte, dass außer Polizei kaum jemand da war. Denen wollte praktisch keiner zuhören:-) Jedenfalls wirkte das ganze schon eher dörflich als städtisch. Nix mit Touristen-Hochburg (was uns in Corona-Zeiten auch durchaus recht war). Aber dass die Souvenirshops samstags zwischen 12:30 und 18 Uhr zu machen, ist schon ungewohnt… Um 17 Uhr kamen wir in Bremen an, das langte gerade noch, um in der Böttchergasse nach Souvenirs zu schauen. Dann war auch schon Feierabend. Die Gasse ist durchaus sehenswert: Interessante Backsteingebäude, und am Eingang ein protziges goldenes Wandbild, das ursprünglich wohl den Führer als Lichtbringer verherrlichen wollte. Hitler gefiel es als entartete Kunst aber nicht, also stellt es heute den Erzengel Michael im Kampf gegen den Teufel dar und ist politisch korrekt.

Die Innenstadt ist recht schnell erkundet (vielleicht zwei Stunden, aber man kann auch mehr Zeit hier verbringen – wenn die Ladenöffnungszeiten nicht eher zur bairischen Provinz passen würden). Fehlen eigentlich nur noch die Bremer Stadtmusikanten. Die fanden wir dann auch mehrmals, wobei die am Marktplatz am wenigsten beeindruckten.

Übrigens, wer die Sage auch schon wieder vergessen hat, kann sie zum Beispiel hier nachhören:

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https://youtu.be/70cLcMis6rw

Den Punkt Abendessen verschoben wir auf das Hotel in Ganderkesee, rund 20 Minuten außerhalb von Bremen (und gefühlt meilenweit von der nächsten Großstadt entfernt). Check-In ganz entspannt bis 22 Uhr; gegen 20 Uhr waren wir da und erfuhren, dass es kein Frühstück gibt. Auch eine Möglichkeit, die Corona-Hygiene zu erfüllen, und wir würden doch bestimmt jemanden besuchen, bei dem wir Frühstücken könnten. – Nein, wir wollen hier Urlaub machen. – Verwunderte Blicke… Die Gegend scheint nicht auf Touristen eingestellt zu sein.

Matjes

Immerhin ein Hotelrestaurant gibt es, und wenn wir uns beeilen, kriegen wir sogar noch was – es ist immerhin schon fast 20 Uhr, da schließt die Küche gleich.

Ich entschied mich für Matjes, was auch die einzige Begegnung mit der einheimischen Küche blieb, mangels weiterer Gelegenheiten. Lecker, aber teuer. Und die Wespe, die in meinem Radler Selbstmord begehen wollte, steigerte den Genuss auch nur mäßig – die Plagegeister gibt es dort zu Hauf.

Das Hotel selbst war okay, nur das Bad war heiß – eher ein Dampfbad als ein normales Bad. Am nächsten Morgen wollten wir dann endlich auf die eigentliche Straße der Megalithkultur starten – Alte Steine gucken.

Komet Neowise im Rückblick

Gefühlt ist es schon wieder eine Ewigkeit her, dass der Komet C/2020 F3 (NEOWISE) an unserem Himmel aufgetaucht war – recht überraschend war er nach den Flops der letzten Jahre sogar gut zu sehen. Die erste klare Nacht, als ich in Bayern war und er zusammen mit leuchtenden Nachtwolken am Himmel zu sehen war, hatte ich leider verschlafen – aber ich hatte auch keine Kamera dabei. Schade – da gab es ein paar tolle Bilder.

Außerdem klingelte am nächsten Morgen der Wecker um halb sieben… Ein langer Tag, und abends ging’s wieder in den Karlsruher Raum zurück. Sternklarer Himmel, und am nächsten Morgen kein Termin… Also beschränkte ich mich auf ein paar Stunden Schlaf auf der Couch, um kurz nach 2 Uhr morgens das Auto zu bepacken und raus auf den Acker zu fahren. Die Rheinebene war leider unbrauchbar – trotz klarem Himmel konnten sich in Horizontnähe keine Sterne gegen den Dunst durchsetzen. Also ab nach Völkersbach, auf knapp 400 Meter Höhe. Da dann rasch am Straßenrand das Teleskop aufgebaut und die Panasonic G70 (MFT-Sensor) mit dem Leica 12-60mm f/2,8 ohne Nachführung auf das Stativ gestellt und gewartet, bis er hoch genug am Morgenhimmel stand.

3:49 mit 50mm Brennweite (MFT)

Von leuchtenden Nachtwolken war zwar nichts zu sehen, aber so ein doch recht heller Komet direkt am Horizont hat was. Einige Kilometer weiter östlich Richtung Schwäbische Alb gab es übrigens Komet mit Nachtwolken, wie der Stefan Weber twitterte… Neowise war zwar nicht unbedingt einer der wirklich großen Kometen, aber seit Hale Bopp Mitte der 90er endlich mal wieder einer, der auch mit bloßem Auge gut zu sehen war, wenn man mal einen dunklen Standort gefunden hat. Auf alle Fälle hell genug, dass er ohne Nachführung zu knipsen war – die Bilder geben den Anblick mit bloßem Auge ganz gut wieder.

Im ED80/600 mit Nikon D7100

Etwa eine Stunde hatte ich Zeit, bevor er in der Morgendämmerung verblasste. Das reichte gerade aus, um den Anblick zu genießen, einige Stimmungsaufnahmen mit dem Kameraobjektiv zu machen und dann die Kamera ans Teleskop anzuschließen, für ein paar Nahaufnahmen. Aber am schönsten wirkte er doch mit bloßem Auge oder im Fernglas; für ein Teleskop war der Komet schon wieder zu groß.

Kurz nach vier dämmerte es schon deutlich, und ich fing an, das Foto-Geraffel wieder einzupacken. Gegen 5 war ich dann endlich im Bett. Hier noch einmal eine Totale, ganz am rechten Bildrand sind die Plejaden gerade noch zu erkennen.

Neowise in der Morgendämmerung gegen 4 Uhr.

Einen Tage später, am Abend des 11.7., startete ich den nächsten Anlauf, diesmal ohne große Foto-Ambitionen. Mittlerweile war der Komet prinzipiell schon die ganze Nacht über zu sehen und kratzte am Nordhorizont. Entweder würde ich ihn schon in der Abendsichtbarkeit erwischen, oder es gäbe wieder eine lange Nacht. Und tatsächlich gelang die erste Sichtung gegen 23 Uhr. In der Abenddämmerung war er nicht ganz so toll wie am Morgen, aber auch nicht wesentlich schlechter. Dafür war die Suche nach dem passenden Weißabgleich kniffliger…

Eine gute Dreiviertelstunde lang war der Komet an diesem Abend zu sehen, bevor im Horizontdunst verschwand. Gut genug, dass ich darauf verzichtete, die Nacht durchzumachen. Anders als bei den letzten hellen Kometen stand diesmal keine Öffentlichkeitsarbeit auf der Heilbronner Sternwarte an (die hatte wegen Corona geschlossen), und ich brauchte auch keine perfekten Bilder für irgendein Projekt – diesmal ging es nur um Genuss, und ihn einmal visuell in Ruhe zu genießen. War auch mal schön!

Dann kam erst einmal eine Beobachtungspause, wegen Arbeit und Wetter. Der letzte Ankauf war am 18.7., als er schon deutlich weiter von der Sonne entfernt war und weniger hell strahlte. Dafür war ich auf der Heilbronner Hütte in den Alpen, wo das Wetter natürlich nicht mitspielte. Immerhin eine halbe Stunde Sichtbarkeit hat geklappt, bevor der Himmel wieder zuzog.

Das war dann auch die letzte nennenswerte Beobachtung, mittlerweile ist der Komet schon weit auf seiner Reise in das äußere Sonnensystem und wird die nächsten Jahrtausene unbeobachtbar bleiben. Im Teleskop habe ich ihn nicht noch einmal gejagt – Faint Fuzzies habe ich schon genug gesehen, aber es hat Spaß gemacht, mal wieder einen schönen Kometen mit dem bloßen Auge zu sehen.

Sagenhafter Sternenhimmel – Online-Vortrag für das Haus der Astronomie

Alle Welt erzählt gerade, dass man wegen der Corona-Krise so viel Zeit hätte. Aber wenn man sowieso Home-Office macht, gibt’s da keinen großen Unterschied, und ich habe zum Glück auch so noch genug zu tun. Die Krise hat zwar zwei Nordlicht-und-Sterne-Touren gekostet, aber ich bin erst zum Jahresende wieder dran.

Alt: Der Sonnenwagen von Trundholm

Jedenfalls habe ich gerade auch wieder etwas Zeit, mich einem alten Projekt zu widmen: Einem Buch über den Sternenhimmel und seine Sagen auch abseits des alten Griechenlands. Dazu gibt es überraschend wenig Quellen, und noch weniger aus den letzten 50 Jahren. Die Recherchen dazu sind weitestgehend abgeschlossen, jetzt muss ich es „nur noch“ ins Reine schreiben. Aber zu dem Thema habe ich schon lange einen Vortrag, den ich regelmäßig auf der Hurtigrute halte und auch schon mal auf dem TAN der Sternwarte Bellheim gehalten hatte. Das TAN ist dieses Jahr ja genauso ausgefallen wie mein Irland-Trip, also habe ich Zeit – und das Haus der Astronomie in Heidelberg macht unter dem Titel „Faszination Astronomie Online“ eine Reihe von Vorträgen, die live auf Youtube gestreamt werden und dort dann auch archiviert werden. Nun, die Astro-Szene ist klein, und Caro vom HdA hat gemeint, dass das sogar mit dem DSL6000 von 1&1 gehen müsste (auch wenn das oft genug nicht für Internetradio langt), und Geld gibt’s auch keins, also habe ich mir flugs einen Termin gesichert: Am 12. Mai um 19 Uhr gebe ich einen kleinen Überblick über die Entstehung der Sternbilder von der Eiszeit bis zu dem, was in Europa bis hoch zum Nordkap überliefert ist:

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https://www.youtube.com/watch?v=wFeSCh1OwoE

Und da nur eine halbe Stunde angepeilt ist, ich aber noch mehr habe, gibt’s zwei Tage später gleich den zweiten Teil, mit einem Blick auf den Rest der Welt und die Geschichte vom alten Sumer bis heute.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=cqIG-eGJRc0

Wie es sich gehört, ist das keine reine Wiederholung des selben Vortrags, sondern ändert sich immer wieder mal. Manches, was ich auf der Hurtigrute erzähle, fehlt, dafür ist Göbekli Tepe neu dazugekommen.

Lasst euch überraschen!

Hurtigrute Tag 12: Back to Bergen

Morgenlicht nach Florø

Das Ende einer wunderbaren Reise, und Norwegen gibt noch einmal alles: Hinter Florø erwartet uns eine fast schon kitschige Morgenstimmung, um uns den Abschied möglichst schwer zu machen. Richtig entspannt ist der Morgen allerdings nicht: Bis um 9 Uhr muss der Koffer aus der Kabine sein. 23,05kg zeigt meine Kofferwaage an, 23 genehmigt mir KLM – müsste passen, und er geht auch noch zu. Hoffentlich überlebt alles den Flug. Einen morgendlichen Schock gab es doch noch: An meiner Kabine hing hinter meiner Rechnung noch die von einer Nachbarkabine. Ich habe doch keine 1000 Euro für Ausflüge und mehr auf dem Schiff gelassen…

Nach dem Frühstück heißt es, sich einen Platz sichern, denn ab 10 Uhr müssen die Kabinen geräumt sein – der Putztrupp rückt an, schließlich startet unser Schiffchen heute Abend schon auf die nächste Rundreise. Vom Reiseleitereck auf Deck 5 haben wir leider nur Blick auf die See, sodass uns das meiste der Küste entgeht, aber wir fahren durch so viele enge Sunde, dass es hier auch genug zu sehen gibt. Und wir sind ja bis zum letzten Moment ansprechbar und im Dienst; den Check-In für den Flieger hat Arno gestern schon erledigt.

Irgendwann muss ich mir mal auf der Karte anschauen, wie welcher Sund eigentlich heißt. Die runden Felsen erinnern mich immer irgendwie an an Bretagne.

Zum Glück haben wir schönes Wetter, bei Sturm oder Nebel ziehen sich die letzten vier Stunden doch. Aber so ist es eine abwechslungsreiche Fahrt entlang der Küste, und wer will, kann sich einen Film über Edvard Grieg und seine Musik anschauen. Oder ein letztes Mal zu Mittag essen.

Beim Verabschieden vom Expeditionsteam erhalten wir eine überraschende Info: Wir erreichen Bergen eine Stunde früher, schon um 13:30, und die Busse sind informiert. Damit wird der Flughafen wirklich entspannt.

Bei der Gelegenheit noch zwei Links: Die Polarlys hat ja in letzter Zeit Biodiesel getestet, vielleicht sind wir deshalb gerade so flott. Hier ist die Pressemitteilung von Hurtigruten, und hier ein Bericht von Travelnews (über Fischabfall auf der Hurtigrute). In Bergen wird wieder neu getankt.

Je näher wir Bergen kommen, desto häufiger fahren wir durch verschiedene schmale Sunde – kaum zu glauben, dass unser Schiff da nicht aufsitzt, wenn die Felsen nur wenige Meter entfernt sind. Immerhin eine Dreiviertelstunde vor der geplanten Ankunft erreichen wir Bergen. Wir vier reihen uns bei der Crew ein, um als erste von Bord zu kommen: Es muss ja geklärt werden, welche Busse uns zum Flughafen bringen, und es kommen garantiert die Fragen auf, wer wo hin muss.

Für alle anderen Passagiere heißt es, dass das Schiff Deck für Deck von oben nach unten verlassen wird, damit es am Gepäckband kein Chaos gibt. Das würde auch klappen, wenn die Arbeiter am Gepäckband Zahlen lesen könnten. Zuerst kommt tatsächlich Gepäck von Deck 6, dann von 5, 4, 3, 2, 5, 3, 6… Dementsprechend chaotisch geht es mal wieder am Gepäckband zu. Aber es geht nicht schneller, wenn jeder ganz vorne steht und den anderen den Blick versperrt. Die gelbe Linie markiert nur den Sicherheitsabstand…

Noch bevor Benno und ich unser Gepäck haben, ist der erste unserer beiden Busse gut gefüllt und macht sich auf den Weg zum Flughafen. Dummerweise ohne Rücksprache und irgendeinen von der Reiseleitung… Zum Glück haben wir keinen verloren (es war ja unklar, wie viele im fehlenden Bus sind), und am Flughafen können wir dann beim Kampf mit den Automaten helfen.

KLM ist ja in der Luft ganz gut, aber am Boden… bei einigen klappt es am Automat mit Reisepass, Personalausweis, Buchungsnummer oder Boarding Pass, bei vielen scheitert es daran, dass die Ticketnummer vom Hinflug angefordert wird (wohl dem, der seine alte Bordkarte als Souvenir aufgehoben hat), alle anderen müssen sich am einzigen KLM-Schalter anstellen, um ihr Gepäck aufzugeben. Aber wir liegen ja sehr gut in der Zeit, also kein Grund zur Panik und genug Zeit, um die Technik zu verfluchen. Dann geht es in aller Ruhe in den Internationalen Bereich, etwa zu dem selben Gate, an dem wir auch angekommen sind. Es bleibt sogar genug Zeit, um noch etwas zu essen.

Im ausgebuchten Flieger mache ich dann die Erkenntnis, dass Norweger durchaus extrovertiert sein können, und begeistert sind, dass es bei KLM eine Dose Bier umsonst gibt. Viel Spaß beim Drohnenfestival in Amsterdam, mir bluten die Ohren… Aber auch die zwei Stunden Flug gehen vorbei, und der Pilot findet den Flughafen überraschend früh. Er entschuldigt sich selbst für die harte Landung. Bei der NASA heißt sowas wohl Lithobraking („Lithobraking is a landing technique used by unmanned space vehicles to safely reach the surface of a celestial body while reducing landing speed by impact with the body’s surface.“) Ka-wumm. So ein Flugzeug hält schon was aus.

Time to say Goodbye: Hier trennen sich unsere Wege endgültig, noch einmal Adieu und Gute Reise sagen, bevor sich alle zu ihren Endflughäfen aufmachen. Für Arno und mich heißt das, in den Flieger nach Stuttgart zu steigen. Damit endet eine wunderbare und problemlose Reise – schön war’s.

Nur auf der Rückfahrt gibt’s noch ein Problem: Auf der A8 brennt ein Auto aus, ca. 30 Autos vor mir ist die Autobahn voll gesperrt. Aber die Einsatzkräfte arbeiten schon, die Rauchwolke wird kleiner, und sogar das mit der Rettungsgasse funktioniert recht gut, sodass ich gegen halb zwei zuhause bin.

Jetzt laden gerade noch die letzten Bilder auf meinen Server hoch, und dann war es das für ziemlich genau ein Jahr: Ich werde wohl erst nächsten November wieder fahren. Aber bis dahin wird mir schon noch was für dieses Blog einfallen. Oder ich schreibe mal wieder ein Buch:-)

Hurtigrute Tag 11: Von Trondheim nach Süden

Trondheim

Heute ist ein Tag, um die Seele baumeln zu lassen. Von 6:30-9:45 liegen wir in Trondheim, an einem trüben, verschneiten Sonntag. Der Ausflug in die verborgenen Gemächer des Nidaros-Doms findet auch auf dieser Reise wieder nicht statt, also besteht kein Grund, um das Schiff zu verlassen. Stattdessen: noch ein Bild in Richtung Trondheim machen, um meinen Reiserückblick abzuschließen, und dann Frühstück. Nach dem Ablaufen begegnen wir der nordgehenden MS Nordlys, die abwartet, bis wir den Kai freimachen. Irgendwie schon verrückt, dass es in Trondheim jetzt abläuft wie in Berlevåg: Nur ein Schiff passt gleichzeitig in den Hafen der drittgrößten Stadt Norwegens, und das andere muss warten…

Die Nordlys wartet auf uns

Immerhin legen wir planmäßig ab, und die Passagiere der Nordlys können Bilder davon machen, wie wir zwischen ihnen und der Insel Munkholmen vorbei ziehen. Im Gegenzug gelingen uns ein paar Nahaufnahmen der Nordlys.

Für uns führt die Fahrt durch den langen Trondheimfjord, der allerdings eher wie ein breiter Fluss wirkt: Hohe Berge, wie man sie bei einem Fjord erwartet, fehlen. Außerdem ist die Aussicht immer wieder eingeschränkt durch Nebel und Schnee. Das ist natürlich ideal für unsere Abschlussveranstaltung um 10:30: Keiner verpasst draußen etwas.

Benno hält das Schlusswort, Arno erklärt die Rückreise, Thomas gibt das Lektoren-Schlusswort und ich zeige noch meinen kleinen Tourfilm, der zuletzt noch durch Arno’s Reiserückblick abgerundet wird.

Den Film gibt es nur für die Teilnehmer unserer Tour, aber auf die Musik will ich noch hinweisen: Fjörður von Alexander Nakarada, übrigens ein Norweger. Und ebenfalls erwähnt wurde das Hurtigrutenlied von Kari Bremnes.

USB-Sammlung

Der Rest des Tages ist für mich eher meditativ: Nordlichtfilme zu machen und Reisefotos zu teilen ist ja mein privates Hobby, dafür werde ich nicht bezahlt. Aber es kommt gut an, und ich verbringe den Nachmittag damit, Bilder auf USB-Sticks und SD-Karten zu kopieren. Ist immer interessant, was da an Hardware vorbei kommt. Mit USB 3 geht es ratz-fatz, mit anderen Modellen… Der Hammer ist eine 16 MB-Karte. Und ich wundere mich noch, warum ich nichts löschen kann, obwohl keine Dateien zu sehen waren und nur noch 16 Megabyte frei waren… Am lahmsten sind ausgerechnet die USB-Sticks von Hurtigruten. Das Holz sieht zwar hübsch aus, aber 10MB Schreibgeschwindigkeit werden der Hurtigrute nicht gerecht. Da vergeht schon mal eine Stunde pro USB-Stick. Auch so kriegt man den Nachmittag rum. Ach ja: Bei einigen fehlen noch die Bilder von Thomas – schaut einfach mal auf meiner Geheimseite nach, da sind sie verlinkt.

Seetag

Von Schiffsseite stehen noch zwei Termine an (die Schiffsinformationen zur Ausschiffung waren zeitgleich zu unserer Veranstaltung, sodass Verwirrung vermieden wird): Einmal Volkstanz und um 15 Uhr eine Abschiedsveranstaltung des Expeditionsteams mit deren eigenem Film, der an Bord verkauft wird (rund 40 Euro, aber auf einem schnelleren USB-Stick). Ich kopiere derweil noch Dateien, während draußen erst der Trondheimfjord und dann das offene Meer vorbeiziehen. Viel zu fotografieren gibt es nicht mehr.

Kristiansund

Kristiansund erreichen wir planmäßig gegen 16:30, und der Himmel hat aufgeklart. Polarlicht erwarte ich für heute so weit im Süden aber keines mehr, der Koffer ist schon halb gepackt. Schließlich muss die Kabine morgen um 10 geräumt sein, und der Koffer bis um 9 an den Aufzügen stehen. Mit anderen Worten: Mein Stativ ist verstaut, und die Kabine wieder übersichtlich. Bleiben nur noch das Abendessen und die Hustadvika – letzter bleibt unauffällig, ersteres ist eine sehr zarte Schweinshaxe (übrigens nicht, wie einige vermuten, eine Schweinswalhaxe).

Molde

Vor Molde dümpeln wir einige Zeit rum und lassen uns mit 10 km/h fast schon treiben – wir haben die Hustadvika wohl zu schnell überquert und wollen nicht zu früh ankommen. Bei dem halbstündigen Aufenthalt gehe ich nicht von Bord – der kurze Ausflug in die Stadt auf der nordgehenden Route hat gelangt, und irgendwie ist die Luft raus für heute. Dann lieber noch einmal durch’s Schiff, wo es schon sehr weihnachtet: Der Weihnachtsbau steht und ragt durch drei Decks, und überall gibt es Weihnachtsmänner und -mäuse. Über dem Schiff ist auch schon die Weihnachtsbeleuchtung gespannt.

Damit endet die Reise auch schon so ziemlich – noch einmal einen Rundgang auf dem Umlaufdeck, ein paar Gespräche, die letzten Bilder sortieren, und dann Feierabend. Ålesund und die nächsten Häfen werde ich wohl verschlafen, aber wir haben alle ja schon zu Beginn der Reise gesehen.

Hurtigrute Tag 10: Die Helgelandküste

Die Fahrt entlang der schönen Helgelandküste hat nur einen Nachteil: Wir passieren den Polarkreis gegen 8:45. Für passionierte Spätaufsteher und Nachtarbeiter ist das natürlich nichts – und da das Licht nun besser ist als auf der nordgehenden Route, muss man da natürlich raus. Immerhin ist mein Laptop nun auch mit den meisten Bildern des letzten Abends durch.

Alle Wetter

Direkt nach dem etwas beschleunigten Frühstück kam dann die Durchsage, dass wir etwa eine halbe Verspätung haben und den Polarkreis erst gegen 9:15 überqueren. Bleiben wir also noch etwas länger im Norden, bevor es zurück nach Südeuropa geht.

Draußen gibt es derweil wieder jedes Wetter von klar bis düster – das düster ist ausgerechnet da, wo die Insel Vikingen mit der Polarkreiskugel steht. Kurz bevor wir am Ziel sind, ist es Bug nicht mehr auszuhalten: Eine Mischung aus Wind, Schnee und Hagel vertreibt mich, und die Insel ist nicht mehr zu sehen. Kurz vor der Passage traue ich mich wieder auf das Umlaufdeck und mache ein paar Schnappschüsse, während ich gefühlt sandgestrahlt werde. Das hat was von Island…

Eigentlich hatte ich ja gedacht, die Polarkreistaufe mit Eis gibt es nur nordgehend, aber diesmal hat Neptun dafür gesorgt, dass ich genug Eis in meinen Taschen habe. Junge, Junge. Als ich dann auf Deck 7 bei der Lebertranausgabe vorbeischaue, wird gleich Interesse an meinen Bildern angemeldet. Hier war es trotz besserem Windschutz wohl auch nicht angenehmer, wobei die fast bis ganz ans Heck durchgezogenenen Scheiben der Polarlys bei der Fotografie auch nicht hilfreich sind.

Es weihnachtet sehr

Die weitere Fahrt verläuft ähnlich kontrastarm: Während auf dem Schiff die Weihnachtsbäume aufgestellt werden, ist es draußen oft einfach nur weiß. Aber nicht winterlich weiß, sondern einfach nur weiß, ohne etwas zu sehen. Ich verbringe die Zeit bis zum nächsten Hafen daher im Reiseleitereck, während durch die Fenster gelegentlich zu sehen ist, wie Landschaft vorüberzieht.

Nesna

Im nächsten Hafen muss ich natürlich wieder an Deck. Nesna begrüßt mich kurz vor 11 mit noch größeren Hagelkörnern als am Polarkreis. Was soll ich sagen – das ist noch echtes Wetter! Durch die Isolierglasscheiben des Schiffs betrachtet ist das auch ganz angenehm. Gut, dass wir nicht mit einem Wikinger-Drachenboot unterwegs sind, sondern in dem durchaus komfortablen Postschiff der Hurtigrute.

Ein kleines bisschen Hagel

Die Reise geht weiter nach Sandnessjøen. Ich nutze die Zeit, um meinen letzten Vortrag über Sternbilder und Mythen zu arbeiten. Das Expeditionsteam hat ein bisschen für Verwirrung gesorgt, weil es auf 10 Uhr ebenfalls einen Vortrag über Mythen und Legenden angesetzt hat. Ist ja auch ein schönes Thema für den lockeren Ausklang, aber noch nicht jeder durchschaut wohl, dass unsere Vorträge von denen des Schiffs vollkommen unabhängig und nur für unsere Gruppenreise sind. Trotz des Themas gibt es aber keine Überschneidung: Ich befasse mich nur mit den Sternbild-Sagen.

Sandnessjøen

Die gesamte Helgelandküste ist ja Schauplatz der „längsten Sage“ rund um die Sieben Schwestern, die schöne Lekna, den Hestmannen und den Torghatten, die ich in diesem Blog schon ein paar Mal angerissen hatte. Mein Vortrag war direkt nach der Passage der Bergkette der Sieben Schwestern angesetzt und wurde wegen unserer Verspätung etwas verschoben auf 13:40. Sandnessjøen erreichen wir gegen 12:15 bei vergleichsweise gutem Wetter, aber es sieht nicht so aus, als ob man von den Bergen etwas sehen könnte. Also Zeit fürs Mittagessen.

Überraschenderweise haben die Sieben Schwestern nach dem Ablegen aus Sandnessjøen dann doch Erbarmen mit uns armen Reisenden: Die Gipfel halten die Wolken über der Stadt, und von der anderen Seite aus sind sie ziemlich gut zu sehen. Immer wieder hübsch, die Damen.

Norwegens Mitte

Mein Vortrag kurz darauf ist überraschend gut besucht, wenn man bedenkt, dass er zur besten Zeit für ein Verdauungsschläfchen stattfindet, und endet natürlich rechtzeitig für den Halt in Brønnøysund. Durch den neuen Fahrplan haben wir hier nun deutlich mehr Zeit, rund zweieinhalb Stunden – die Verspätung haben wir ziemlich gut aufgeholt. Nur: Was macht man in Brønnøysund, wenn man keinen Hike zum Torghatten macht? Es werden zwar zwei Ausflüge (eine Lachsfarm und Hildurs Urterarium – keine Ahnung, was das schon wieder ist) und ein Hike angeboten, aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ich gehe also zu dem Stein, der Norwegens Mitte markiert, fotografiere das Schiff und entsorge anschließend mein Leergut im Einkaufszentrum. Dann noch ein Softeis am Kai, und zurück aufs Schiff, während draußen ein heftiges Schneegestöber wütet.

Schnee.

Das Captain’s Dinner um 18 Uhr ist ganz entspannt, da wir mangels Licht keinen Fototermin am Torghatten haben. Und irgendwann kriege ich vielleicht auch einmal ein schönes Bild von der Crew beim Captain’s Dinner hin… Aber es ist ohnehin keine große Sache: Ein Dankeschön von der Crew und an die Crew, auch an alle hinter den Kulissen. Dann eine kleine Prozession durch das Restaurant zum anstoßen, und das normale Abendessen beginnt.

Rørvik

Die interessanteste Info beim Dinner ist, dass wir mit dem Wetter wirklich Glück hatten: In der Barentssee ist es zwar gerade recht klar, aber bei Windgeschwindigkeiten um die 100 km/h tobt da auch ein ordentlicher Sturm. Man stelle sich vor, da draußen ist ein tolles Polarlicht, und man darf nicht an Deck… Da doch lieber die recht ruhige See bei uns und die Chance, beim Anlaufen in Rørvik noch einmal schneegestrahlt zu werden. Hui! Was für ein Sauwetter.

Nachdem wir angelegt haben, kann man es draußen sogar wieder aushalten, aber von Bord gehe ich trotzdem nicht – wir haben ohnehin nur eine halbe Stunde Aufenthalt. Die Fahrt über die Folda beginnt recht ruhig, nach etwa einer Stunde ist dann aber doch etwas Bewegung im Schiff: Es schaukelt zwar gleichmäßig, aber deutlich spürbar. In diesem Sinne: Gute Nacht! Heute wird es kein Polarlicht mehr geben, und morgen früh sind wir schon in Trondheim.

Hurtigrute Tag 9: Vesterålen im Nebel

Morgenstimmung um 10 Uhr

Die Nacht war begleitet vom Säuseln meines Laptoplüfters, der die 3300 Bilder der Fahrt nach Tromsø zu dem Zeitraffer verrechnet hat, den ich gestern noch gepostet hatte. Damit ist meine externe Festplatte auch voll, jetzt muss der Laptop für den Rest der Reise als Bilderspeicher reichen…

Da es gestern doch etwas später war, habe ich heute ein spätes Frühstück eingeplant (dafür kein Mittagessen – ein Vorteil des Ambassador-Programms ist der Obstkorb im Zimmer) und starte wieder einmal erst nach Harstad in den Tag. Mein erstes Foto heute entstand also erst am Vormittag: Die schneebedeckten Berggipfel der Vesterålen bieten eigentlich pausenlos Fotomotive, und heute auch noch jedes Wetter von klarem Himmel bis düster-drohenden Wolken.

Point of Interest

Kurz nach zehn gibt es auf Deck 7 einen Interessepunkt zur Insel Andøya und zur Risøyrinne – das Fahrwasser ist hier nur sieben Meter tief, nur zwei Meter tiefer als der Tiefgang unseres Schiffs. Zahlreiche Bojen markieren die Fahrrinne, und in Risøyhamn erinnert der Königsstein an die Einweihung und spätere Vertiefung der Rinne. Bei traumhaften Wetter ist das einer der schöneren Streckenabschnitte und durchaus eine Alternative zur Bustour durch die Vesterålen – ebenfalls eine schöne Tour, aber sie beginnt in aller Herrgottsfrühe in Harstad. Erst in Sortland kommen die Ausflügler wieder an Bord.

Königsstein

Der Aufenthalt in Risøyhamn ist nur kurz, aber schön. Mit dem Schiff durch die Berge zu fahren hat seinen Reiz. Besonders eindrucksvoll ist das im Frühjahr, wenn wir den Raftsund nach Stokmarkes noch im Hellen passieren, dafür bietet diese Jahreszeit ihre eigenen Lichtspiele.

Andererseits haben wir November, und da gibt es auch in Norwegen Nebel. Während der Fahrt nach Sortland zieht er auf: Was für eine Suppe! Gut, dass die Schiffe per GPS und nicht nur auf Sicht steuern. Bei Sortland passieren wir die Brücke wieder zeitgleich mit den Ausflugsbussen, viel früher ist sie auch nicht zu erkennen. Eigentlich eine gute Gelegenheit, um den Ausflüglern zuzuwinken, aber diesmal stehen wir vier alleine am Bug im Schneetreiben. Eine Durchsage gibt es diesmal nicht, und wir sehen die Brücke auch erst kurz bevor wir unter ihr durch sind. Das hat schon mehr Spaß gemacht…

Im Hafen von Sortland sehen wir die Ausflügler, hier ist das Wetter auch kurzzeitig besser. Aber viel sieht man heute nicht von der Landschaft: Nebel und dichte Wolken versperren den Blick auf die Vesterålen.

Stokmarknes ist ebenfalls erst kurz vorher zu sehen: Die Lichter der Gründungsstadt der Hurtigrute sind erst aus ein paar hundert Meter Entfernung zu erkennen. Am Hafen tut sich was: Die alte MS Finnmarken, ein Hurtigrutenschiff aus den 1950er, das hier an Land liegt, erhält endlich einen Schutzbau. Daher kann sie zur Zeit allerdings nicht besichtigt werden, aber das Hurtigrutenmuseum lohnt sich auch so. Von dem Örtchen ist bei dem Wetter ohnehin nicht viel zu sehen.

Die Finnmarken bietet jetzt schon einen anderen Anblick als in den vergangenen Jahren. Das Expeditionsteam nimmt Stokmarknes zum Anlass, um nach der Abfahrt einen Vortrag über die Geschichte und Zukunft der Hurtigrute einzufügen. Die abendlichen Treffen mit dem Expeditionsteam gibt es übrigens hier nicht, daher werden meine Polarlichtfilme auch nicht auf dem Schiff gezeigt:-)

Die Fahrt von Stokmarknes durch den Raftsund nach Svolvær verläuft durch Dunkelheit und Nebel, es gibt nichts zu sehen. Daher wird auch der Besuch am Trollfjord gecancelt, und wir erreichen Svolvær etwas früher. Heute gibt es Buffet, damit alle eine Chance auf Abendessen haben, die auf Ausflüge gehen. Mein Ausflug führt durch das verschneite Svolvær in die Kneipe.

Svolvær

Der Abend verspricht ruhig zu werden: Das Wetter ist bedeckt mit ein paar kleineren Wolkenlücken. Wir machen es uns auf Deck 7 so bequem, wie das im Multe möglich ist, sortieren Bilder und schauen immer wieder mal raus, was das Wetter macht. Viele Wolken – also ein entspannter Abend. Kurz vor Stamsund kommt einer unserer Gäste leicht frustriert rein: Seine neue Jacke funktioniert (die Helly-Hansen-Teile taugen echt was) und hat auch dem Schneesturm getrotzt, nur mit Polarlicht ist nichts. War ja klar, dass eine Minute später Polarlicht Bug voraus gemeldet wird.

Also alles ein einpacken, die Kamera holen und im Stau feststecken – kein Durchkommen nach vorn zum Bug. Ab auf Deck 7: Die Beleuchtung ist zu hell. Ab auf den Umlaufgang von Deck 5 steuerbord: Passt – schöne Show für zehn Minuten, ein schönes helles Band. Mehr davon bitte:-)

Kurzes Schauspiel vor Stamsund

Als wir in Stamsund ankommen und die Beleuchtung angeht, endet auch das Himmelsschauspiel: Wir stehen im Schneegestöber. Kurze Pause also, bis ich den Fehler mache, wieder raus zu gehen, um den Ort zu fotografieren: Polarlicht hinter Schneesturm. Das hatte ich auch noch nicht…

Also kein Feierabend nach der Abfahrt aus Stamsund: Es gibt immer wieder ziemlich gutes Polarlicht, und es stellt sich die Frage, ob wir noch eine Durchsage machen lassen. Als es richtig los geht, ist die Sache klar: Ich stürme runter zur Rezeption, um eine Durchsage machen zu lassen – letztes Mal hatte Thomas den undankbaren Job, und es ist wahrscheinlich für ein Jahr mein letztes Polarlicht. Aber wir sind ja nicht zum Spaß hier!

Wie üblich ist die große Show vorbei, bis ich wieder an Deck bin, aber mindestens bis Mitternacht wechseln sich Polarlicht, Wolken und Schnee ab – dann machen wir Feierabend, auch wenn der Westfjord überraschend ruhig ist. Aber morgen droht ja schon wieder die Polarkreisüberquerung. Um 8:45 ist es so weit, also Zeit für Feierabend.

Ein schönes Abschieds-Polarlicht

Hurtigrute Tag 8: Kurzbesuch in Hammerfest und Polarlicht bei Skjervøy

Gestern war der Wendepunkt unserer 11-tägigen Reise (wobei wir durch die abendliche Abfahrt in Bergen eigentlich auf 12 Tage kommen, samt An- und Abreise), und allmählich wird es Zeit für ein vernünftiges Polarlicht. Das gestern hinter den Wolken war ja sogar schwächer als das vom ersten Abend, daher hatten wir uns nicht getraut, eine Durchsage zu machen. Wobei es noch ein bisschen mehr geworden sein soll, nachdem ich ins Bett gegangen war.

Havøysund

Noch macht der Wetterbericht Hoffnung: Zwischen Skjervøy und Tromsø soll es weitestgehend klar sein. Jetzt muss nur noch die Aurora mitmachen….

Da wir gestern einiges an Verspätung eingefahren haben, liegen wir erst gegen 9 Uhr in Havøysund. Als wir den Hafen verlassen, sehe ich die nordgehende Hurtigrute noch am Fenster vorbeiziehen – zu schnell für ein Foto. Dafür wird es allmählich hell genug, dass man etwas von der Landschaft sieht: Bei klarem Himmel ist die Polarnacht gar nicht mal so dunkel, vielmehr hat man ein lange Dämmerung.

Morgendämmerung

Da wir Verspätung haben, erreichen wir natürlich auch Hammerfest und die Erdgas-Verflüssigungsanlage Melkøya verspätet. Beim Point of Interest an Deck 7 gibt es wieder Energiekaffee – wie ich höre, zur Abwechslung eine trinkbare Version, soweit er in der Tasse blieb: Es ist gut windig, als wir Melkøya passieren. Mein Windmesser zeigt zwar nur 45km/h an, aber man kann sich doch gut in den eiskalten Wind legen – zumindest machen das alle, die nicht Windschutz suchen.

Mein Bänkle steht noch

In Hammerfest haben wir nur gut 1 1/4 Stunden – zu wenig für die Ausflüge, aber genug für eine Spaziergang durch die Stadt. Das verschneite Hammerfest ist hübsch, und vor der Kirche ist wieder der große Schneehaufen, wo die weiße Pracht im Meer entsorgt wird. Ein kurzer Rundgang, ein Besuch im Eisbärenclub, und als wir um 13 Uhr wieder ablegen, wird es auch schon wieder langsam dunkel. Aber es langt, um mein Standard-Foto auf der verschneiten Bank vor dem Musikpavillon zu machen – wie auf jeder Tour seit 2014.

Abwechselnde Beplankung

Um mal wieder etwas über Norwegen zu erzählen: Die Holzlatten an den Häusern sind je nach Region anders, auch wenn sie nicht bei allen Häusern gleich sind. Die senkrechten Latten ermöglichen es dem Regen, besser abzulaufen (typisch für Bergen); im Norden sind waagrechte Latten üblicher, damit die unteren Latten einfacher ausgetauscht werden können, nachdem sie über Winter im Schnee lagen und verrottet sind. Man kann das natürlich auch mischen, und im Frühling trifft sich ohnehin ganz Norwegen im Baumarkt.

Øksfjord

Die weitere Fahrt verläuft ruhig: Wir segeln durch die Nacht und bekommen von dem kalten Wind nicht viel mit. Um 15 Uhr gibt es einen Vortrag über Öl und Gas in Norwegen auf Deutsch (um 16:30 dann auf Englisch), den das Expeditionsteam hält. Vor Øksfjord bläst es einen wieder fast vom Umlaufdeck, bis wir im Schutz der hohen Berge sind. Die Folda ist recht ruhig, und der Sternenhimmel eindrucksvoll. Nur das Polarlichtoval ist schwach – wir können auf jeden Fall in Ruhe Abendessen.

Skjervøy

Skjervøy erreichen wir nach dem Essen mit etwa einer halben Stunde Verspätung – nur ein kurzer Halt, damit wir Tromsø rechtzeitig für das Mitternachtskonzert erreichen.

Nachdem wir den Hafen verlassen, ein Blick in den Himmel: Ja, da ist was. Von wegen Tromsø geht immer – Skjervøy geht (fast) immer. Das erste deutliche Licht ist an backbord zu sehen, wenig später ändert sich unser Kurs, und das Polarlicht ist und bleibt an steuerbord schön sichtbar.

Gut zwei Stunden lang begleitet uns eine schöne Show auf der windgeschützten Strecke, gegen 22 Uhr lässt es dann nach – wir nähern und Tromsø und den Wolken…

Für alle Interessierten ist das genau rechtzeitig, um um 21:45 einen Vortrag über die Fischereikultur in Norwegen zu hören oder sich aufzuwärmen, bevor es in das Mitternachtskonzert geht. Für mich heißt es, den Rechner mit Bildern füttern…

Tromsø

In Tromsø kommen wir überraschend pünktlich an. Ich nutze den Aufenthalt, um noch einmal kurz mit Stativ in den Ort zu gehen und ein paar Nachtaufnahmen zu machen.

Und am nächsten Morgen ist mein Filmchen des Abends auch fertig:

Ziel erreicht:-)