Hurtigrute Tag 2: Ålesund

Heute ist Ålesund-Tag, und da die Begrüßungsveranstaltung für unsere Gruppe erst um 15 Uhr ist, wenn wir Ålesund bereits verlassen haben, ist es für mich ein ruhiger Tag. Ich mache den ersten Vortrag ja gerne schon heute, weil die Fotogeschäfte im Norden gelinde gesagt spärlich sind, aber der Halt in Bodø muss ausreichen, damit jeder sein Equipment vervollständigen kann.

Stad und Westkap

Dafür bietet der düstere Morgen ein ganz ordentliches Geschaukel über die Stad und rund um das Westkap. Eigentlich war dazu für halb acht ein Point of Interest in der Morgendämmerung an Deck angesetzt, aber der wird auf ruhigeres Fahrwasser verschoben (genau wie meine Morgendusche). Nach ein paar Fotos der rauen Gegend geht’s zum Frühstück, sodass ich die erste Veranstaltung des Expeditionsteams verpasse. Schade, aber was soll’s.

Ruhiges Wasser bei Torvik

Ohne einen Termin am frühen Morgen kann ich mir auch mal die Anfahrt auf Torvik anschauen, unseren 10-Uhr-30-Hafen. Wir sind auf beiden Seiten nur wenige Meter vom Ufer entfernt – so gehört sich die Hurtigrute. Torvik ist ein kleines Kaff, aber auf der gegenüberliegenden Seite des Sunds liegt Ulsteinvik, mit über 5000 Einwohnern eine richtige Metropole. Hier liegt auch die Kleven-Werft, die für Hurtigruten tätig war und schließlich von der Reederei aufgekauft wurde. Torvik ist vor allem für die beiden gelben Versorgungsschiffe bekannt, von denen ich glaube, dass sie mittlerweile am Kai festgerostet sind. Die World Opal und ihr Schwesterschiff sind wohl Baujahr 2013, und mindestens seit 2016 liegen sie dort.

Torvik mit World Opal und World Peridot

Wenn ich das richtig lese, kann man sie wohl kaufen, aber das sprengt mein Budget doch. Da hat Norwegen doch handlichere Souvenirs zu bieten. (Wobei die Hurtigrutenpins, die ich vor drei Wochen für 360 NOK gekauft hatte, jetzt für 110 NOK zu haben sind. Mist.) Der Vormittag geht für die Reiseleitersprechstunde drauf, zu der ich mich dazu geselle (Mal eine neue Taktik: Kari ist auf Deck 4 und Bruno auf Deck 7), bevor wir und Ålesund nähern und damit das Mittagessen ansteht.

Ålesund ist für seine Jugendstilhäuser bekannt und bei mir vor allem für den Hausberg Aksla; bei regnerischem Wetter verzichte ich diesmal auf den Aufstieg und gehe ein Stück weit in die Stadt. Zum ersten Mal bemerke ich ein paar Kanonen oberhalb vom Kremmergarden, die den Weg zum Ålesund Museum weisen. Nach diesem Abstecher gehe ich einkaufen. Mal sehen, ob ich alles heil zurück nach Deutschland bringe…

Ålesund hat jede Menge Statuen zu bieten, und typisch für Norwegen werden hier gerne Schals verteilt – nicht nur die Denkmäler für berühmte Menschen. Immer wieder nett. Um 15 Uhr verlassen wir Ålesund, was auch etwa mit dem Sonnenuntergang zusammenfällt – die Polarnacht lässt grüßen.

Zurück auf dem Schiff haben wir dann um 15 Uhr unseren Welcome-Cocktail, bei dem wir uns kurz vorstellen, bevor Kari und Bruno das wichtigste zur Tour erzählen. Bei diesen Gruppenreisen jagen wir ja niemandem hinterher, aber wer will, kann uns jederzeit um Beratung bitten.

Anschließend hat das Schiff eine Infoveranstaltung, auch wenn das nicht leicht zu finden ist: Die Tagesprogramme gibt es nur auf Wunsch in gedruckter Form, ansonsten wird auf die Monitore verwiesen, und die Möglichkeit, das Programm dort abzufotografieren. In gewisser Weise ist das natürlich schön für die Umwelt, aber auch die beste Möglichkeit, nichts vom Schiffsprogramm mitzubekommen… A propos, noch eine Eigenheit der Nordkapp: Die Wasserkaraffen stehen nicht auf dem Tisch, stattdessen muss man beim Kellner nach dem kostenlosen Tap-Water fragen. Etwas umständlich.

Molde

Pünktlich zum Abendessen um 18 Uhr sind wir dann in Molde, mittlerweile hat es sich auch eingeregnet. Die Begegnung mit der Polarlys etwas später kommt etwas überraschend, die Übersicht mit den Schiffsbegegnungen fehlt auf dem Fahrplan, und Durchsage gab es auch keine. Dafür fuhren beide Schiffe schön nah aneinander vorbei, was wir aus dem Panoramasalon verfolgten.

Um 21:30 gab es als Abendprogramm für die deutschen Gäste noch einen Film über das Polarlicht, bevor wir um 22:15 Kristiansund erreichen. Laut Schiffsfahrplan sind wir pünktlich, auf älteren Plänen stand 22:00 als Ankunftszeit. Bei nur 45 Minuten Aufenthalt und Regen spare ich mir einen kurzen Landgang…

Kristiansund

Damit hat sich der Tag auch erledigt. Noch kurz Bilder sortieren, Adobe und Google verfluchen (Google hat mal wieder die API für Google Maps geändert, und Adobe unterstützt mein vor einem halben Jahr gekauftes Lightroom nicht mehr, sodass keine Geodaten mehr angezeigt werden) und das Blog auf den aktuellen Stand bringen, dann war es das auch schon für heute. Zum Tagesabschluss ist es ganz nett, mit dem Schiff mitten durch Kristiansund zu fahren. Weniger nett ist die Wetterprognose, die für morgen in Trondheim Regen vorhersagt, und nicht gerade wenig. Aber wenn es weiter im Norden trocken und wird und Wolkenlücken hat, will ich gar nicht meckern. Mal sehen, was das Wetter hergibt.

Hurtigrute Tag 1: Bergen im Regen

Es ist schon wieder soweit: Ich starte erneut zur Hurtigrute, diesmal in die Polarnacht: 2.-13. Dezember. Eigentlich hatte ich gar nicht geplant, jetzt schon wieder zu fahren, aber irgendwann kam die Info, wann mein Flug geht – es sind wieder genug Gäste zusammen gekommen, dass ich überraschend nochmal darf. Eingeplant hatte ich das gar nicht – ich bin gerade fleißig dabei, mein nächstes Buch (Astrofotografie für Einsteiger, dpunkt-Verlag) fertig zu stellen. Naja, dann werden die Korrekturen halt auf dem Schiff gemacht, vielleicht komme ich dazu. Und wer kann bei einer Hurtigrute schon nein sagen?

Schaut schon mal gut aus

Klare Antwort: Die A8 kann nein sagen. Ich dachte mir, Sonntag ist wunderbar, da komme ich ohne Stau nach Stuttgart. Die A8 dachte sich: Das ist eine wunderbare Gelegenheit für eine Vollsperrung. Immerhin: Nachdem ich letzten Monat keine Stunde nach Stuttgart gebraucht hatte, ging es diesmal in eineinhalb Stunden mit einem Abstecher durch Pforzheim. Nicht schlecht für 80 km im Jahr 2018 über bundesdeutsche Autobahnen. Geregnet hat es auch, also eine wunderbare Einstimmung für Bergen.

Mit dem FlyAway-Service (mein Tipp für günstiges Parken in Flughafennähe) war die letzte Meile dann auch wieder kein Problem, nur beim Check-In von KLM gab’s Stau: Die beiden Priority-Bag-Drops waren nicht ausgelastet, von den beiden für das normale Volk war dagegen einer wohl mit Umbuchungen beschäftigt, sodass für meine Maschine letztlich eine Dame allein zuständig war. Hat dann immerhin geklappt, und ich hatte noch eine Stunde am schönen Stuttgarter Flughafen, um mich über die Getränkepreise aufzuregen. Die Ruhezone am Gate ist nett, aber 2,50 für eine kleine Flasche Cola ist Abzocke. Da lob ich mir Norwegen, wo es wenigstens Trinkwasserspender gibt, wenn einem schon aus Sicherheitsgründen die Getränke abgenommen werden. Grmpf.

Geldquelle Getränkeautomat

Wenn vor der Security wenigstens Pfandautomaten statt Spendenboxen stünden… Anyway, der Vorteil von KLM ist, dass es einen Snack (bis Amsterdam Rührkuchen, nach Bergen einen überraschend genießbaren Wrap) und etwas zu trinken gibt. Bei SAS gibt es nur Kaffee und Tee umsonst, dafür kann man sich den Platz aussuchen. Bei KLM kostet es Aufpreis, wenn man nicht einfach einen Platz zugeweisen bekommen will.

Und KLM überbucht die Maschinen gerne, oder macht sie auf jeden Fall randvoll. Halleluja, eine Premiere: Erstmals habe ich miterlebt, dass jemand Ärger gekriegt hat, weil er mit viel zu viel Handgepäck einsteigen wollte. Zumindest die Anzahl der Handgepäcksstücke sollte viel öfter kontrolliert werden. Tipp: Beim Gepäckkauf darauf achten, dass es unter den Sitz passt. Auch gut: Die Boardingkarte ist diesmal nicht auf magische Weise kurz vor dem Boarding aus der App verschwunden, sondern war die ganze Reise über verfügbar.

In Amsterdam war dann unsere gesamte Gruppe im Flieger, ein paarmal hatte ich auch mein Büchlein als Reiselektüre gesehen:-) Auch Hans, mein Ko-Lektor, wartete schon am Gate. Trotz Herbst und einer etwas wackligen Landung erreichten wir Bergen pünktlich, wo Kari und Bruno auf uns warteten. Der neue Flughafen ist deutlich gewachsen und man muss weiter bis zur Gepäckausgabe gehen als früher. Aber wie gewohnt geht es durch den Duty-Free-Shop, der schon ganz auf Weihnachten ausgelegt ist. Mit zwei Bussen ging es dann zum Schiff, mit einer überraschend großen Rundfahrt durch Bergen. Mittlerweile war es zwar schon stockfinster und regnerisch, aber wir besuchten auch ein paar Ecken der Stadt, die selten auf der Route liegen.

Den Weihnachtsmarkt in Bergen hatte ich auch noch nie gesehen…

Meet the Crew

Am Schiff angekommen dann das übliche Prozedere: Cruisekarte und erste Infos von unseren beiden Reiseleitern kriegen, die Kabine beziehen, die Sicherheitseinweisung auf dem Schiff anschauen (obligatorisch, die Kabinennummern werden abgehakt), das Gepäck in die Kabine bringen und Abendessen. Zwischendurch noch die Vortragstermine sichern. Das klappt diesmal wunderbar, das halbe Expeditionsteam sind alte Bekannte – cool! Wir haben ein gutes Team erwischt.

Die Nordkapp

Um 21:30 stellt sich die Crew vor, was mir noch ein Stündchen Zeit lässt, um kurz von Bord zu gehen und die Nordkapp von der anderen Hafenseite aus zu fotografieren. Mit Stativ und trotz Regen kommt das ganz gut. Für einen Besuch in der Pfefferkuchenstadt langt es diesmal aber nicht, auch weil ich zur Abwechslung mal wieder die Infoveranstaltungen vom Schiff anhören will. Auf den letzten Touren kam da immer Organisatorisches dazwischen.

Und die Nordkapp… erstes Schiff, erste Liebe. Nur dass ich mich immer noch nicht an das neue arktische Hotel-Design gewöhnt habe. Das sind immer wieder gemischte Gefühle, intuitiv suche ich das Ut-Røst-Cafe, die alten Gemälde und die schweren Stühle. Aber die zahlreichen bekannten Gesichter der Crew machen viel aus. Trotz Umbau: Ich mag diese Schiffsgeneration ja sehr, man kommt einfach gut mit den Leuten in Kontakt. Das hat diesmal auch schon wieder gut geklappt, es verspricht eine schöne Tour zu werden. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen – die letzten Tage waren stürmisch, und nun, da ich diese Zeilen schreibe (gegen 1 Uhr), schaukelt es langsam. Wenn wir morgen zum Frühstück Stad und Westkap haben, dürfte es wieder ein unterhaltsames Frühstück geben. Und weiter im Norden erwartet uns hoffentlich auch klarerer Himmel – hier im Süden darf es ruhig bedeckt sein, wobei Bergen so recht hübsch aussah.

God tur, und god natt!

Bye, bye, Bergen

Hurtigrute Tag 12: Zurück nach Bergen

Florø

Viel gibt es über den letzten Tag nicht zu sagen, nur dass ich eine Premiere habe: Zum ersten Mal sehe ich den Hafen von Florø. Bis 8:15 liegen wir dort, ein wenig Fracht löschen. Nordgehend liegen wir dort um 4:30 – den Halt werde ich mir wohl nie anschauen. Damit habe ich jetzt nach zwölf Touren endlich alle Häfen gesehen.

Der Grund für das frühe Aufstehen ist, dass wir bis 9:00 die Koffer vor die Fahrstühle stellen sollen, damit sie in Bergen vom Schiff ausgeladen werden. Sonst müsste man bis Bergen auf dem Koffer sitzen, so nur auf dem Handgepäck. Schließlich müssen wir bereits um 10 die Kabinen räumen, damit sie für die nächsten Gäste bereit gemacht werden können.

9 Uhr – Gepäckabgabe

Außer dem Frühstück gibt es heute auch nicht mehr viel zu tun oder zu sehen. Zum Abschied gibt’s im Restaurant noch einmal Pfannkuchen, um einen den Abschied zu erschweren. Die Küste vor Bergen präsentiert erst mal grauen Himmel über grauen Bergen und grauer See, damit der Abschied doch nicht so schwer fällt. Vom Expeditionsteam gibt es noch einen Film und etwas Musik, um die Fahrt etwas aufzulockern, während der Atlantik noch einmal zeigt, was leichter Seegang ist. Jetzt kann jeder ein letztes Mal zeigen, ob er zu Seekrankheit neigt. Das Reiseende in Trondheim ist doch gar nicht so schlecht…

Südkurs

Je näher wir Bergen kommen, desto stärker werden Schiffsverkehr und Besiedelung, unser Kurs führt uns teilweise sehr nah an der Küste vorbei. Ein bisschen was hat das vom Stokksund.

Das Mittagessen (ein Dreigängemenü mit Lachs und Linsensuppe) lassen wir zugunsten von Bistro und Café ausfallen, was gar nicht so leicht ist: Das Multe-Café schließt um 13 Uhr, das Bordbistro hat erst ab 12 offen. Für ein letztes Eis und die Schoko-Mohrenköpfe aus Svolvær langt’s aber.

Der Hurtigrutenanleger

Mit leichter Verspätung erreichen wir dann doch endlich Bergen, wo es Schlag auf Schlag geht: Ab in den Bus, zum Flughafen, am Automat den Gepäckaufkleber ausdrucken und ab in den Flieger. Dabei bleibt kaum bis keine Zeit, um Corinna und Kai adieu zu sagen – das sei an dieser Stelle nachgeholt, ebenso wie noch einmal an alle Gäste: Es war eine sehr angenehme Reise, hat Spaß gemacht!

Im Lauf der nächsten Woche stelle ich dann alle Bilder auf unsere Geheimseite, und Anfang Dezember bin ich schon wieder auf Tour – dann mit der Nordkapp.

Bis dahin habe ich noch was für alle, um die Sehnsucht wach zu halten:

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https://youtu.be/VIGLL-x2-UQ

Alltid god tur!

Hurtigrute Tag 11: Von Trondheim ins Bergwerk

In den letzten Jahren endeten unsere Touren in Trondheim, jetzt geht es wieder bis Bergen. Viel steht aber nicht mehr auf dem Programm: Wir liegen bis zehn Uhr in Trondheim. Frühaufsteher könnten noch einmal durch Trondheim schlendern (auch wenn die meisten Läden erst um 10 aufmachen) oder eine Bustour machen: ich bringe lieber mein Leergut zum nächsten Rema und besuche anschließend kurz die Polarlys, die neben uns am Kai liegt.

Ehrlich gesagt: Nachdem auch dieses Schiff das arktische Hotel-Design erhalten hat, lohnt sich ein Besuch nicht wirklich – die Schiffe unterscheiden sich kaum mehr. Immerhin wurde die Nordnorge nach der Polarlys umgebaut und hat im Gegensatz zu Polarlys nicht mehr die Puppenstube auf Deck 7, mit den nach innen gerichteten Bänken vor den Fenstern. Aber das Wandgemälde an Deck der Polarlys ist hübsch.

MS Nordstjernen

Bis Kristiansund um 16:30 fahren wir durch, hier im Süden gibt es mehr Transportunternehmen als die Hurtigrute. Damit ist die Fahrt entlang der Küste auch weitestgehend ereignislos, wir müssen an keinem Hafen halten. Wir passieren wieder die Fosen-Werft, auf der die Richard With immer noch ausgekernt und auf das arktische Design umgebaut wird. Diesmal habe ich die große Kamera griffbereit und erwische die Nordstjernen besser, die als Hotelschiff ebenfalls in der Werft liegt.

Ansonsten hält Nataša noch einen Vortrag auf Englisch über Seemonster vor der norwegischen Küste, und viel mehr gibt es eigentlich nicht zu erzählen. Ein Tag, um noch einmal die Seele baumeln zu lassen und schon einmal die Koffer zu packen: Um 10 Uhr muss die Kabine geräumt werden, und wer nicht den ganzen Tag auf seinem Koffer sitzen will, muss ihn schon bis 9 Uhr vor die Fahrstühle stellen.

Einen Ausflug gönnen wir uns aber doch noch auf dieser Tour: Das Marmorbergwerk Bergtatt. Um 16:30 starten wir in Kristiansund zu einem seltsamen Ausflug: Nur wenn wir in einem Berg oder Tunnel sind, ist es hell; draußen herrscht stockfinstere Nacht. Interessant ist es trotzdem: Die deutsche Reiseleiterin im Bus weiß viel zu erzählen, sodass es nicht langweilig wird. Irgendwo an der Atlantikstraße halten wir dann für eine Viertelstunde an, dem Atlantik nahe kommen.

Mond am Atlanterhavsweg

Wer schnell genug draußen ist, um unserer Reiseleiterin zu folgen, kann auf einem kaum sichtbaren Rundweg durch die Nacht wandern; wer zu spät ist wundert sich über den Sinn dieses Zwischenstopps. Ich mache eine kurze Langzeitbelichtung vom Mond, der gerade noch sichtbar ist. Bei 1s und f/1,4 geht ein bisschen was. Auch schön.

Schließlich erreichen wir das Bergwerk, und rund 400 m über dem Meeresspiegel fahren wir in den Berg hinein. Auf zwei Flößen geht es zu Herr-der-Ringe-Musik durch einen alten, gefluteten Stollen mit kristallklarem Wasser: Eindrucksvoll. Das ist mal eine ganz andere Erfahrung auf dieser Tour. Anschließend gibt es im Konzertsaal des Bergwerks Eintopf und Informationen. Bis 2009 wurden hier noch 500.000 Tonnen Marmor pro Jahr gefördert, heute noch 50.000 Tonnen. Der Grund: Er ist von extrem guter Qualität und zu hart für die normale Verarbeitung zu Platten, im Gegensatz zu dem billigen Zeug aus Italien. Stattdessen wurde er kleingemahlen und für die Papierindustrie verwendet, Hochglanzpapier besteht bis zu 40% aus Marmor. Dank EBooks und Smartphones ist der Bedarf zurückgegangen, und die Zukunft des Bergwerks liegt wohl in der Datenverarbeitung: Unter dem Namen Trollhousing ist ein Standort für ein gut geschütztes Datencenter geplant. Viel Glück!

Die Weiterfahrt nach Molde dauert dann noch eine halbe Stunde, dann erreichen wir das Schiff rechtzeitig. Der Rest vom Abend geht für einen kurzen Barbesuch drauf (auf die Schweinshaxe zum Abendessen verzichte ich), bevor die Koffer endgültig gepackt werden

Hurtigrute Tag 10: Polarkreis und Helgelandküste

Blick zurück auf Ørnes

Heute morgen – aber zu einer angenehmeren Zeit als auf der nordgehenden Route – überqueren wir wieder den Polarkreis. Das Wetter ist bis auf die Temperaturen so, wie man es in der Arktis erwartet: Dunkle Wolken hängen am Himmel. Der Hafen von Ørnes bietet eine gute Gelegenheit zum Aufstehen, schließlich begegnen wir in ungefähr vier Minuten (ich liebe die kurzfristigen Ansagen des Schiffs) der nordgehenden MS Nordkapp. Klar, dass ich da wieder an Deck muss – das Schiff begrüßen, mit dem ich meine ersten Touren hatte und auf dem ich Anfang Dezember meine nächste Nordlicht-und-Sterne-Reise machen werde.

Anschließend geht es durch die inselreiche Strecke bis zur Insel Vikingen mit der Polarkreis-Kugel. Unterwegs passieren wir noch den historischen Hafen Selsøyvik, in dessen Nähe einen eine Badewanne plus Toilette begrüßen – angeblich keine illegale Müllentsorgung, sondern eine Kunstinstallation einiger Studenten. Am Polarkreis ist es hell genug für gute Fotos, dementsprechend voll ist Deck 7. Also ab auf Deck 5. Hier gibt es zwar keine Infos durch das Expeditionsteam, aber die kenne ich ja schon.

Kein Polarlicht, aber auch hübsch

Eine Stunde südlich des Polarkreises reißt die Wolkendecke kurz auf, und ein Regenbogen überrascht uns. Zumindest ein Stück davon erwische ich noch mit der Kamera. Ansonsten ist die Fahrt entlang des schönsten Küstenabschnitts – der Helgelandküste – unspektakulär. Wolken und sporadisch etwas Regen prägen die heutige Fahrt. Ein kurzer Halt in Nesna und zur Mittagszeit eine halbe Stunde in Sandnessjœen, ansonsten fahren wir durch bis Brønnøysund. Der Halt in Sandnessjøen langt für einen kurzen Gang durch den Ort. Die kleine Bärenstatue ist weg, stattdessen gibt es ein dick eingemummeltes Fahrrad. Auch Petter Dass, der Poet des Nordens, trägt wie viele Statuen in Norwegen mittlerweile einen Schal.

Als wir Brønnøsund erreichen, geht die Sonne bereits unter. Die Mondsichel zeigt sich auch kurz über dem Horizont zwischen den Wolken. Zum Glück sind die Regenwolken bereits weitergezogen, als wir mit leichter Verspätung anlegen. Es reicht für ein paar Fotos, einen kurzen Besuch im Einkaufszentrum und das obligatorische Eis. Wir sollten von der Eisdiele mal Provision verlangen dafür, dass wir davor ein lecker Eis genießen.

Jubiläums-Menu

Anschließend gibt es volles Programm: Um 17 Uhr noch einmal „Land und Leute“ mit dem Expeditionsteam und um 18 Uhr das Captain’s Dinner. Da Hurtigruten 2018 125-jähriges Jubiläum feiert, gibt es heute ein Fünf-Gänge-Menü. Und für 125 NOK kann man die ganzen Speisekarten kaufen.

Danach der nächste Programmpunkt: Um 20 Uhr gibt es einen echten Krimi. Die Verlosung zugunsten der Hurtigruten-Foundation endet! Die vom Captain signierte Seekarte und das Teil vom Schiff (eine Einspritzdüse) gehen günstig über den Tisch, aber um das Sami-Messer und die Postschiff-Flagge gibt es einen harten Wettbewerb. Beide gehen letztlich für über 2000 Kronen über den Tisch.

Die Finnmarken

Ebenfalls für 20 Uhr hatte Corinna noch einen Vortrag über die Polarhelden Amundsen und Nansen angesetzt. Wegen der Versteigerung beginnt sie etwas später, sodass wir in Rørvik erst spät von Bord kommen – zu spät, um noch einen Blick in die Finnmarken zu werfen, die mit uns am Kai liegt.

Der Rest des Abends wird gemütlich in der Bar verbracht – heute tut sich nichts mehr. Normalerweise würden wir morgen das Schiff verlassen, so können wir auch morgen noch in aller Ruhe packen.

Hurtigrute Tag 9: Vesterålen und Lofoten

Harstad und Trondenes Kirke

Der Tag beginnt in Harstad mit Wolken – wobei in Norwegen sogar Wolken schön sein können. Morgens um 8 ist es noch dämmerig, und die neue Wasserfontäne vor der Hafeneinfahrt wird beleuchtet. Dahinter ist die Trondenes-Kirke zu sehen, das erste Ziel der Vesterålen-Busrundfahrt. Als wir den Hafen gegen halb 9 verlassen, kommen die Ausflugsbusse gerade dort an. Wir werden ihnen in Sortland wieder begegnen.

In Norwegen können sogar Wolken schön sein

Für uns an Bord zieht der Himmel auf der anderen Seite des Schiffs die Blicke auf sich: In grandiosen Farben präsentiert sich der Morgenhimmel. Klarer Himmel wäre mir zwar lieber, aber das hat auch was.

Die Fahrt führt uns durch die Inselwelt der Vesterålen bis zur Risøyrenna. Nur die zahlreichen Bojen markieren die Route. Als die MS Trollfjord Anfang des Jahrtausends in Betrieb genommen wurde, musste die Rinne tiefer ausgegraben werden, und letztes Jahr rammte die Trollfjord dann den Kai in Risøyhamn. Wir haben mehr Glück und verjagen lediglich zahlreiche Vögel, die sich auch an die Fahrtrinne halten und im Formationsflug vor unserem Schiffchen fliehen.

In Risøyhamn sehen einige Robben im Wasser sowie an Land den Königsstein hinter einem LKW – vom Achterdeck aus ist er trotzdem noch zu sehen. Außerdem sehen wir, dass die Hurtigrute immer noch eine wichtige Bedeutung für die Einheimischen hat und kein reiner Touristenbetrieb ist: Am Kai wartet ein Leichenwagen auf einen Sarg, den wir nach Risøyhamn transportiert haben.

Busse-Winken in Sortland

Die traditionelle Begegnung mit den Bussen an der Brücke vor Sortland ist da schon wieder ein angenehmeres Thema. Kurz vor dem Ort kommt die Durchsage, und Nataša vom Expeditionsteam verteilt am Bug Norweger-Flaggen. Der leichte Nieselregen verzieht sich auch rechtzeitig zu dem Event, und wie immer gilt: It’s Fun! Die Busse warten fast etwas zu lange am Ufer (auf der Brücke dürfen sie nicht anhalten), aber es klappt wieder.

Danach sammelt Nataša die Flaggen wieder ein, nur Volker verteidigt seine und kann auch am Hafen den Gästen winken, die jetzt wieder an Bord kommen. Mal sehen, ob er nächstes Mal mit der Postflagge aus der Schiffsverlosung winken darf.

Nach Sortland bleibt das Wetter schlechter, also ab in das Restaurant. Bis zum nächsten Halt in Stokmarknes ist nicht allzu viel Zeit. Statt auf das alte Hurtigrutenschiff Finnmarken geht es kurz in den Ort, der sich bereits alles auf Weihnachten vorbereitet.

Bei der Einfahrt in den Raftsund ist es bereits dunkel, die Brücke wäre eher ein Ziel für Langzeitbelichtung. Den Trollfjord lassen wir daher auch aus – Regen und Dunkelheit würden den Besuch ziemlich sinnlos machen. Stattdessen sollen wir aus dem Fenster schauen und die Aussicht genießen. Schade, dass es um 17 Uhr schon krappenschwarze Nacht ist…

Peppes in Svolvær

Was fängt man mit dem Rest vom Abend an? Einige puzzeln oder machen andere Spiele, wir kommen im Gespräch auf die Abendplanung. Das Ergebnis: Wir lassen das abendliche Buffet aus und nutzen die längere Liegezeit in Svolvær statt für einen Kneipenbesuch für ein Abendessen in Peppes Pizza. Wir sind nicht allein, auch einige aus unserer Gruppe landen in dieser Pizzeria. Yummi, yummi!

Svolvær

Nach der Abfahrt zeigt der Blick in den Himmel leichten Schneeregen, der Wettergott ist nicht gnädig mit uns. Dafür ist das Meer ruhig – gute Nacht!

Hurtigrute Tag 8: Hammerfest

Havøysund

Mit großen Schritten und ordentlich Verspätung verlassen wir den hohen Norden: Der erste richtige Hafen (Honningsvåg zähle ich wegen der frühen Abfahrt um 5:45 mal nicht zu diesem Tag) ist Havøysund, planmäßig von 7:45 – 8:00. Wir verlassen den Hafen mit fast einer halben Stunde Verspätung, sodass wir der nordgehenden Hurtigrute MS Kong Harald bereits kurz nach der Hafenausfahrt begegnen und ausnahmsweise links an ihr vorbei fahren. So gibt es immerhin eine neue Kulisse, vor der das Schiff schön zu sehen ist.

Kurz nach 10:30 kommt dann die Flüssiggasanlage Melkøya in Sicht, und dahinter Hammerfest. Die Industrieanlage glitzert schön in der tiefstehenden Sonne, und an Deck erzählt Natasa vom Expeditionsteam über das Projekt und seine Auswirkungen auf Hammerfest: Die Mieten haben sich vervierfacht. Dazu wird der kostenlose Energiekaffe ausgeschenkt.

Mein Standardbild am Musikpavillon – ganz ohne Schnee

Die Liegezeit in Hammerfest wird trotz verspäteter Ankunft auf zwei Stunden festgesetzt, wohl damit die Ausflüge wie geplant stattfinden können. Warum kann das nicht in Vardø gemacht werden? Das Wetter ist ideal für einen Spaziergang, aber vorher wird noch dem Ende des 1. Weltkriegs gedacht: Auf Deck wird zu zwei Schweigeminuten aufgerufen, und in der Stadt werden die Kirchenglocken geläutet.

Wir machen die Standardroute durch die Stadt. Zuerst geht es zu Fuß den Zickzackweg hinauf den Hausberg, wobei Spikes keine schlechte Idee gewesen wären: Ein Stück des Wegs (weit genug oben, dass ich nicht umkehren will) ist vereist und etwas sportlich. Aber die Mühe wird mit einem schönen Ausblick auf die Stadt belohnt. Im Hafen liegt neben der Gamle Måløy auch unser alter Bekannter, die Sandefjord, die uns auf der Fahrt nordwärts begleitet hat.

Nach ein paar Fotos geht es an den Abstieg vom Berg und zum Rundgang zu Grabkapelle, Kirche und schließlich dem Eisbärenclub.

Hammerfest von oben

Weihnachtsschmuck

Vor dem Schiff erwarten uns noch zwei Alaska-Huskies, die sich Streicheleinheiten abholen. Sie sind doch deutlich größer als ihre norwegischen Kollegen. Schöne Tiere, die hier auch das richtige Klima finden.

Fast so knuffig sind die kleinen Eisbären-Schlüsselanhänger, die im Eisbärenclubhaus am Weihnachtsbaum hängen – auch keine schlechte Idee…

Nach zwei Stunden verlassen wir Hammerfest, und um 15 Uhr, kurz nach Sonnenuntergang, halten Volker und ich unseren letzten Vortrag. Es geht um Sternbilder, ihre Sagen und ihre Mythen. Dann ein Kontrollgang: Das Schiff versteigert eine Postschiff-Flagge, eine Seekarte, ein Sami-Messer und ein Teil vom Schiff (irgendeine Düse). Wagt es jemand, auf die Flagge zu bieten?

Zu ersteigern: Postschiff-Flagge, Seekarte, Messer und ein Teil des Schiffs

Der Rest des Tages ist ruhig: Wir tuckern durch die Dunkelheit, und für die nächsten Tage ist bedeckter Himmel angesagt – schlechte Chancen für die Nordlichtjagd. Die Fahrt von Skjervøy nach Tromsø wird erwartungsgemäß nicht durch Nordlicht aufgelockert, und Müdigkeit macht sich breit. Für viele heißt es durchhalten bis zum Mitternachtskonzert, andere zieht es ins Bett. Zur Auflockerung veranstaltet das Expeditionsteam ein Quiz im Panoramasalon, während wir uns der Arbeit hinter den Kulissen widmen. Ich bin mit meinem Blog wieder auf dem aktuellen Stand:-)

Um Mitternacht erreichen wir Tromsø – recht warm, aber bedeckt. Am Sonntagabend ist nicht mehr viel los in der Stadt. Eigentlich wollte ich nur schnell die Eismeerkathedrale fotografieren, aber dann gehe ich doch noch kurz von Bord. Vom neuen Anleger sind es schließlich nur ein paar Schritte zur Domkirche und zum Bahnhof, der sogar noch (bis um 2 Uhr) offen hat. Statt etwas zu trinken geht es jedoch rasch wieder an Bord – das Bett ruft. Als letzten Eindruck gibt es noch einen kurzen Blick auf ein Kriegsschiff. Die Norweger haben also nicht alle Fregatten selbstversenkt wie die Helge Ingstad… – ihr Schwesterschiff, die Otto Sverdrup, liegt vor uns im Hafen

Hurtigrute Tag 7: Kirkenes

Kurs Kirkenes

Kirkenes – der Name weckt Sehnsüchte nach Ferne und den Geheimnissen des höchsten Nordens, denen die Stadt kaum gerecht wird. Die Stadt an der russischen Grenze wurde zwar in den letzten Jahren renoviert und besitzt gut gepflegte Häuschen, aber touristisch hat sie nicht so viel zu bieten. Und in einem warmen November wie diesem finden Ausflüge wie Schlittenhunde oder Schneehotel noch nicht statt.

Immerhin: Es ist noch hell, wenn wir in Kirkenes sind, schließlich liegt der Hafen ein gutes Stück südlich der Barentssee, etwa auf der Höhe von Tromsø. Ein Spaziergang in die Stadt bietet sich also an.

Vertrauenserweckende Stützmauern

Etwa 20 Minuten kann man für die Strecke vom Hafen in den Ort einplanen. Der Kiosk direkt am Hafen hat einen neuen Anstrich erhalten, während im Ort schon wieder Renovierungsarbeiten nötig sind: Eine Stützmauer, die mit Seilen in der Erde verankert ist, die sie eigentlich stützen soll, ist eine gewagte Konstruktion…

Irgendwann muss ich auch einmal den Ausflug zur russischen Grenze mitmachen. Auf dem Weg in den Ort begegnen wir dem Ausflugsbus am Russendenkmal, und ausnahmsweise hat auch die Anders-Grotta einmal geöffnet. Der Zugang in den alten Schutzbunker ist zwar gesperrt, aber wenigstens die Tür ist einmal offen.

Die Anders-Grotta

Wir machen diesmal nur die kleine Runde, zur Kirche, kurz ins Stadtzentrum und – als Premiere – ins Amfi-Einkaufszentrum. Der große Outdoor-Outlet ist eindeutig auf den Handel mit Russland ausgelegt: Groß und nicht allzu günstig.

Auf dem Rückweg bemerke ich einen (neuen?) Souvenirladen für russische und norwegische Souvenirs (interessante Kombination im Schaufenster) sowie die bekannten Stapel aus Fangkäfigen für die Königskrabbenjagd. Kurz vor dem Schiff macht sich auch die Sonne noch einmal bemerkbar – hübsch.

Vardø

Viel steht an diesem Tag nicht auf dem Programm: Wir verlassen Kirkenes mit etwas Verspätung und überqueren die ruhige, offene See bis Vardø, das wir erst deutlich nach 16 Uhr erreichen – und das Anlegen gestaltet sich auch etwas schwieriger. Die knappe Liegezeit ist viel zu knapp für einen Spurt zum Hexendenkmal, und bei Wind und leichtem, aber eiskaltem Regen verzichte ich auch dankend auf einen Kurzbesuch bei der Festung Vardøhus. Funny Fact am Rande: Auf der Hurtigruten-Webseite wird munter 15:45 als Ankunftszeit angegeben, obwohl die Schiffe kaum vor 16 Uhr ankommen – das wäre wohl nur ohne Beschleunigen und Bremsen möglich… Auf dem Schiffsfahrplan steht 16 Uhr als Ankunftszeit, aber da wir in Kirkenes rumgetrödelt haben, kommen wir sogar noch später an.

Båtsfjord – die weißen Punkte sind keine Schneeflocken, sondern Vögel, die gegen den Wind kämpfen

Eismeerbaden gibt es auch keins, das findet erst ab Ende des Monats statt. Wahrscheinlich ist es noch zu warm… Also beschränken sich die abendlichen Aktivitäten auf den Tagesrückblick des Expeditionsteams, das Abendessen (zur Abwechslung im Bordbistro, das Menü reizt uns heute nur wenig), den Halt in Båtsfjord (sehr windig um 20 Uhr) und gelegentliche Blicke in den wolkenverhangenen Himmel. Kai nutzt die Gelegenheit, um um 20 Uhr einen Vortrag über die Hurtigrute und unser Schiff einzuschieben. Dementsprechend wenig sehe ich von Båtsfjord, aber bei dem Wind ist das kein Verlust. Sogar die zahlreichen Vögel im Hafen kommen kaum von der Stelle. Dann lieber ein paar Infos über Vergangenheit und Zukunft der Hurtigrute mitnehmen, Kai macht das ja auch sehr gut.

Die Trollfjord

Das einzige Highlight des Abends verpassen wir fast: Die Begegnung mit der nordgehenden Trollfjord. An Bord ist eine weitere Nordlicht-und-Sterne-Gruppe, für die Hans Koechl twittert. Da es keine Schiffsdurchsage zu dem Treffen gab, verpassten wir es nur dank Marinetraffic nicht und waren zum Winken an Bord – aber da auf der Trollfjord ebenfalls keine Durchsage gemacht wurde, konnten wir nur den Kollegen in der Bar zuwinken…

Bleibt noch die Hoffnung auf Nordlicht. Gegen 23 Uhr sollen wir eine Wolkenlücke erreichen – ich quatsche mit Gästen fest, aber als ich dann doch mal einen Blick raus werfe, ist auch gegen Mitternacht nichts zu sehen. Da mit Mehamn um 0:45 bereits der nächste Hafen naht, verzichte ich auf eine weitere Polarlichtwache und verabschiede mich gegen halb 1 vom Deck.

Hurtigrute Tag 6: Honningsvåg

Die Vesterålen

Der Tag beginnt mit einer Schiffsbegegnung: Wir treffen die Vesterålen kurz vor Havøysund. Winkewettbewerbe gibt es auf dieser Route keine, es bleibt beim Begrüßungshupen der Schiffstyphone: Je dreimal, zuerst vom nordgehenden Schiff, dann vom südgehenden.

Mittlerweile sind wir im hohen Norden, der Magerøya-Sund und das Nordkap erwarten uns. Dementsprechend frisch und windig ist es heute, auch wenn es für die Verhältnisse der Barentssee recht ruhig ist. Die karge Landschaft wirkt ohne Schnee noch öder, und von der Sonne ist kaum etwas zu sehen. Bald beginnt hier die Polarnacht, noch schafft die Sonne es etwa zwischen 9 und 13 Uhr über den Horizont.

Die ganz spezielle Lichtstimmung im höchsten Norden unserer Reise ist unbeschreiblich. Kurz nach 11 Uhr erreichen wir Honningsvåg, wo man den Eindruck gewinnen könnte, dass das Schiff aufgegeben wird: Die meisten Passagiere nutzen die Hurtigrutenbusse für einen Ausflug zum Nordkapp. Wir nutzen das gute Wetter, um hoch zu dem Aussichtspunkt über Honningsvåg zu wandern – ohne Schnee ist das keine große Herausforderung, und man stellt rasch fest, dass man doch zu warm angezogen ist.

Blick vom Berg

Der Souvenirshop war im Sommer ausgebrannt

Der Himmel ist bedeckt, und laut Wetterprognose bleibt er das auch noch die nächsten Tage. Schade, denn für heute ist gutes Polarlicht vorhergesagt. Aber es ist trocken und somit gutes Wanderwetter. Auf dem Rückweg besuchen wir noch kurz die Kirche und nutzen den Hügel der Marineschule für einen Blick auf das Schiff, bevor es zurück zum Hafen geht.

Der Souvenirshop am Sammelpunkt der Busse war im Sommer ausgebrannt und wird gerade saniert, daher steht kein großer Troll mehr am Eck. Das Denkmal für den Hund Bamse davor hat unbeschadet überlebt.

Im Nordkap-Museum

Auf dem Schiff findet während dem Aufenthalt eine Sicherheitsübung statt, außerdem kamen Schulkinder zu Besuch, die ihre Deutschkenntnisse erproben wollten. Davon bekomme ich aber nichts mit: Das Nordkap-Museum hat letztes Jahr am neuen Standort eröffnet und jetzt auch wieder im Winter geöffnet. Auf zwei Stockwerken gibt es einen kleinen Überblick über die Geschichte der Gegend seit der ersten Besiedelung vor rund 10.000 Jahren, die wirtschaftliche Entwicklung und eine Kunstausstellung. Für mich die interessanteste Info: Der ehemalige Hauptort der Insel ist heute verlassen, nun ist Honningsvåg mit gut 2000 Einwohner die bedeutendste Siedlung der Insel. Die alte Siedlung Kjelvik wurde im 2. Weltkrieg von deutschen Truppen zerstört und später komplett aufgegeben, heute ist sie nur zu Fuß oder per Boot erreichbar.

Kjøllefjord

Nach Honningsvåg halten wir unseren vierten Vortrag, im Schnelldurchgang durch das Planetensystem. Wir halten unseren Zeitplan gut ein und sind kurz vor Kjøllefjord bereit für die Finnkirche und den Krabbenfischer. Bei der Einfahrt in den Fjord stehen wir allerdings im Dunkeln, und auf dem Tagesprogramm stand auch nichts: Die Felsformation wird seit etwa einem Jahr nicht mehr beleuchtet, und die Firma, zu der der Krabbenfischer gehörte, hat Konkurs angemeldet. Kjøllefjord selbst gibt bei der Dunkelheit auch nicht viel her…

Bleiben als Tageshöhepunkte noch der Tagesrückblick des Expeditionsteams und das arktische Buffet: Freie Platzwahl, aber auch freie Essenswahl zum Abendessen.

Arktisches Buffet

Der Abend bot etwas Geschaukel auf der Barentssee und dank bedecktem Himmel die Chance, mit meinen Bildern und dem Blog aufzuholen. Nach dem Abendessen zeigte sich eine sehr schmale Wolkenlücke am Himmel, hinter der eine gute Polarlichtshow zu erahnen war – aber mehr als ein Fingerbreit öffnete sich nicht. Um 21:30 präsentierte der Küchenchef noch eine Geschmacksprobe Norwegens, die ich allerdings verpasst habe. Überhaupt leerte das Schiff sich am Abend recht flott, die Wellen fordern ihren Tribut. Für die Barentssee ist es aber eigentlich harmlos. Trotzdem scheint der Wind es in sich zu haben: Schon in Honningsvåg wurde es kurz stürmisch, und das Gerücht geht um, dass Berlevåg eventuell ausgelassen würde.

Gute Show nach dem Abendessen, leider hinter den Wolken

Berlevåg

Die abendliche Schiffsbegegnung fällt aus: Wir wären der Richard With begegnet, die wir aber schon im Trondheimfjord in der Werft gesehen hatten. Mit rund einer halben Verspätung legen wir überraschend doch noch in Berlevåg an – das war eigentlich auch schon alles, was es an diesem Abend an Erwähnenswertem gab.

Hurtigrute Tag 5: Tromsø, das Tor zur Arktis

Unser treuer Begleiter

Ein weiterer wunderbarer Tag mit bestem Wetter und ruhiger See: So kann die Reise weitergehen, auch wenn die letzte Nacht dank Trollfjord und Nordlichtsuche etwas kurz war. Aber schlafen kann man zuhause…

Vortragstechnisch ist heute unser freier Tag – wir haben versucht, die Vortragstermine rasch abzuhandeln, damit nichts dazwischen kommt. Es kam schon vor, dass die reservierten Räume südgehend auf einmal nicht mehr verfügbar waren, oder – viel schlimmer – der Seegang schlecht war. In den neuen Schiffen sind die Vortragsräume wie gewohnt ganz vorne, aber man sitzt quer zur Fahrtrichtung statt wie früher in Fahrtrichtung. Dafür gibt es keinen Beamer mehr, sondern zwei große Flachbildschirme, die das Bild zeigen.

Harstad am frühen Morgen mit der nördlichsten Steinkirche verpasse ich diesmal, nordlichtbedingt. War doch spät gestern… Der nächste Hafen auf der Route ist Finnsnes, das hinter dichten Nebelschwaden verborgen liegt. Ich verlasse den Bug etwas zu früh und verpasse einen schönen Lichtbogen vor dem Schiff. Als ich die Info kriege und wieder an Deck bin, stehe ich bei 5 Meter Sichtweite im Nebel. Schade. In Finnsnes kommen wir mit leichter Verspätung an – nicht viel, aber doch ausreichend, dass wir auf den Spaziergang um den Hügel verzichten. Die mittlerweile leicht glatten Straßen erleichtern diese Entscheidung.

Die Sandefjord hat wieder aufgeholt

Immerhin langt es für ein Foto des markanten Häuschens mit der Schokoladenwerbung, einen Abstecher zu dem Denkmal für Ottar von Hålogaland und ein paar schöne Bilder vom Schiff. Ohne den Bagger direkt vor dem Schiff wäre das perfekt – Norwegen ist im Augenblick wirklich im Baufieber.

Auf der Weiterfahrt begleiten uns immer wieder Nebelbänke, und unser treuer Begleiter taucht auch wieder aus: Die Sandefjord tuckert mit 2,5 Knoten munter weiter gen Hammerfest. Und wir nennen uns Hurtigrute…

Auf der Nordnorge gibt es derweil ein buntes Programm: Um 10:30 einen Film über Tromsø, eine Stunde später einen Vortrag über die Sami und kurz vor Tromsø um 13:30 einen Point of Interest an Deck 7 zum Rystraumen.

Pizza!

Zwischen die ganzen Aktivitäten muss natürlich noch das Mittagessen gequetscht werden. Für mich eine Premiere auf der Hurtigrute: Es gibt Pizza – auch für die Crew ist das eine willkommene Abwechslung zur norwegischen Coastal Kitchen. Gestern zum Frühstück wurden wir schon von frischen Pfannkuchen überrascht – die Küche der Nordnorge macht Lust auf mehr.

Der Höhepunkt des Tagesl ist natürlich Tromsø. Seit meinem letzten Besuch im Oktober 2017 hat sich einiges getan: Die Hurtigrute ist ein paar Meter weiter umgezogen und legt jetzt an einem neuen Hafengebäude an. Function follows Design, wie so oft in der modernen Architektur: Früher stieg man einfach aus dem Schiff aus und konnte Tromsø erkunden, heute steigt man aus, umrundet einen Treppenturm, fährt mit der Rolltreppe einen Stock höher, passiert die neue Tourist Information und einige Geschäfte, um über eine lange Rampe wieder auf Bodenniveau herabzusteigen. Eigentlich hätte die Gangway des Schiffs wohl vor dem Treppenturm liegen sollen, aber dann hätte die hintere Ladeluke beim Öffnen den Treppenturm platt gemacht. Aber es sieht chic aus.

Obwohl die Sonne gerade untergeht, entscheiden wir uns spontan, doch ein Taxi zum Storsteinen (bzw. dem Fjellheisen-Lift) zu nehmen. Gut 20 Euro kostet der Spaß, da wir noch eine Gruppe anderer Deutscher mit dem selben Plan treffen, sitzen am Ende rund acht Personen in dem Großraumtaxi, sodass die Fahrtkosten sehr human sind. Der Lift auf Tromsøs Hausberg kostet noch einmal 20 Euro, aber es lohnt sich: Wir erwischen noch die Abendstimmung und haben einen wunderbaren Ausblick auf unsere Lieblingsstadt.

Blick vom Storsteinen

Klarer Himmel in den prächtigsten Farben und angenehme Temperaturen um den Gefrierpunkt – was will man mehr?

Eismeerkathedrale

Wunderschön. Als es dunkel wird und es sich auf dem Berg füllt – Hurtigruten bietet das auch als Busausflug an – verlassen wir den Storsteinen wieder und gehen zu Fuß an der Eismeerkathedrale vorbei über die ewig lange Brücke zurück ins Zentrum. Ein kurzer Besuch an der Domkirke und Tromsøs Greatest Gift Shop, dann steht Abendessen an. Wir gönnen uns für 30 Euro eine Pizza um Cola im Yonas. Teuer, aber sättigend, und wir können das Abendessen zugunsten der Nordlichtjagd ausfallen lassen.

Bei der Abfahrt um 18:30 ist noch nicht viel von Nordlicht zu sehen, aber kurz danach gibt es eine gute Show Bug voraus – natürlich noch fast im Hafen. Tromsø geht immer…

Je weiter wir uns von Tromsø entfernen, desto schwächer wird die Show, bis nur noch ein ruhiges Band übrig bleibt. Schade: Die ruhige Seestrecke zwischen Tromsø und Skjervøy ist berüchtigt für Nordlicht.

In Skjervøy bleibt durch die Stadtbeleuchtung nicht mehr viel vom Polarlicht übrig, und wir legen an. Wohl dem der an Deck blieb: Es gibt noch einmal eine kurze, heftige Show. Ich hatte meine Kamera auch schon abgebaut, nur ein paar Schnappschüsse waren möglich. Und gerade als das Schiff eine Durchsage zum Nordlicht macht, endet die Show schlagartig. Mist.

Nach Skjervøy kommt leider nicht mehr viel – so wird es zwar auch wieder spät, aber das Warten hat sich kaum gelohnt. Das Nordlicht flackert zwar immer wieder mal auf, aber es bleibt doch sehr verhalten. Im Zeitraffer schaut es trotzdem nett aus.