Hurtigrute Tag 2: Ålesund und Hjørundfjord

Am Westkap

Die Zeiten ändern sich, vor allem die Abfahrtszeiten: Bislang ging es im Herbst um 20:30 in Bergen los und im Winter um 22:30. Seit diesem Sommer geht es das ganze Jahr über um 21:30 los, sodass es gestern etwas hektischer war, als ich das als Winterfahrer gewohnt bin. Das hat natürlich auch zur Folge, dass sich die Liegezeiten ändern. Und für den ersten Tag bedeutet das, dass wir das oft stürmische Westkap schon um 7 Uhr hinter uns haben. Man kann also nicht mehr beim ersten Frühstück feststellen, wer seefest ist und wer nicht. Damit ist das erste Frühstück an Bord langweilig, aber entspannter.

Das Westkap selbst zeigt sich heute bei strahlend blauem Himmel von seiner besten Seite. Nur eine Nebelbank deutet darauf hin, wie gefährlich die Strecke eigentlich ist – mal sehen, ob wir irgendwann durch den Stad-Schiffstunnel fahren werden, der nun gebaut werden soll. Irgendwann verschwinden die Schiffe also im Tunnel…

Trotz der ruhigen See haben wir uns Verspätung eingehandelt. Und auf dem Schiff ist volles Programm, sodass ich mir in Ruhe die Einfahrt in Torvik anschauen kann – dem ersten Hafen, den die meisten auf dieser Route nach Bergen sehen. Hier liegen immer noch die beiden gelben Ölversorgungsschiffe vor Anker, die seit Jahren einen Käufer suchen.

Auf dem Schiff gibt es derweil viel zu organisieren, schließlich brauchen wir Vortragstermine. Bei einem ausgebuchten Schiff mit über 400 Passagieren gar nicht so einfach, aber es finden sich Mittel und Wege.

Um 9:45 sollten wir auch schon Ålesund für einen kurzen Halt von 30 Minuten erreichen, aber bis wir anlegen, ist es schon 10:15 – die ursprünglich geplante Abfahrtszeit. Damit bleibt keine Zeit für einen kurzen Landgang, und an Bord laufen die mehrsprachigen Ausflugspräsentationen für Urke.

Endlich tuckern wir langsam weiter in den Hjørundfjord. Das Traumwetter hält an, die Landschaft wird beeindruckender, und schließlich erreichen wir das Ziel. Wir ankern – der Kai von Urke (rund 50 ständige Einwohner) ist viel zu klein für die Hurtigrute, und zuerst werden diejenigen mit einem Tenderboot an Land gebracht, die einen Ausflug gebucht haben. Damit bleibt genug Zeit für ein kleines Mittagessen.

Kurz nach 13 Uhr dürfen dann auch alle anderen von Bord. Da das Tenderboot nur 48 Personen fasst, setze ich gegen 14 Uhr Fuß auf festes Land – bleibt etwa eine Stunde, um Urke zu erkunden. Das macht bei dem Wetter mehr Spaß als letztes Mal, als es nicht nur regnete, sondern schüttete.

Am Kai werden wir freundlich begrüßt und erhalten den Ortsplan, dann geht es los auf einen kleinen Rundgang, den Fjord, den Ort und das Schiff im Fjord am Ort anschauen. Schnucklig. Und der abnehmende Mond ist auch noch über einem Berg zu erspähen. So stellt man sich Norwegen vor.

Um 15 Uhr geht es auf das (planmäßig) vorletzte Tenderboot zurück zum Schiff, damit ab 15:30 auch die Ausflügler zurückgebracht werden können. Das wird knapp: Wir haben unseren Welcome-Cocktail (mit Info-Veranstaltung und Kennenlernen des Teams) auf 15:45 gesetzt. Tatsächlich legt das letzte Boot erst an, als wir schon längst begonnen haben wollten – die Verspätung schleppt sich fort. Endlich sind alle an Bord, und wir können uns vorstellen. Den Rest der Info-Veranstaltung machen die Reiseleiter; wir Lektoren reden im Lauf der Tour noch genug. Morgen um 16:15 geht es mit dem ersten Vortrag los. Die wichtigste neue Info: Heute Abend gibt es Buffet und offene Sitzung, weil die zweite Liegezeit in Ålesund (geplant 17:50-19:30) mit dem Abendessen zusammenfällt. Fein: Im Anschluss kann ich schon die ersten Kameras für Nordlicht einstellen. (Weniger fein ist die Prognose für heute Abend: Sehr maue Polarlichtaktivität.) Um 17 Uhr müssen wir den Raum verlassen: Das Treffen mit dem Expeditionsteam steht an, auf Deutsch (bei rund 250 Deutschen an Bord finden sich genug Zuhörer…)

Ålesund erreichen wir auch beim zweiten Besuch am Nachmittag verspätet, verlängern die Liegezeit aber immerhin bis 19:45. Das reicht, um auf den Aksla hochzuschnaufen und eine runde Stunde später wieder am Schiff zu sein. Schade: Für den Sonnenuntergang langt es nicht ganz, und Ålesund im Gegenlicht der untergehenden Sonne ist fotografisch eher anspruchsvoll. Aber Lightroom kann doch noch was rausholen:

Zurück am Kai bleibt noch Zeit für die typischen Bilder vom Schiff am Kai, und ich entdecke etwas neues: Am Parkplatz auf der anderen Seite des Terminals steht eine komische schwarze Säule, die eine Fahrradwerkstatt beherbergt: Einiges an angekettetem Werkzeug und die Möglichkeit, das Fahrrad aufzuhängen. Nett.

Fahrradwerkstatt

Viel Zeit bleibt aber nicht: Das Hupen des Schiffs deutet darauf hin, dass wohl doch noch einige fehlen.

Da sich vor dem Restaurant erwartungsgemäß eine größere Schlange gebildet hat, schauen wir uns erst noch das Auslaufen aus Ålesund in den Sonnenuntergang an, bevor es dann doch ins Restaurant geht. Es gibt endlich mal wieder Eis zum Nachtisch! Damit endet das Tagesprogramm eigentlich.

Abend-Kitsch, so schön

Beim Bildersortieren im Panoramasalon kommt die Frage nach den Schiffsbegegnungen auf, und tatsächlich begegnen wir kurz darauf der Midnatsol, die still an uns vorbei fährt. Die beiden Schiffe grüßen einander nur dezent mit Lichthupe.

Die Midnatsol

Mehr Eindruck als die Schiffsbegegnung hinterlässt der letzte Punkt auf dem Tagesprogramm: Unser Hotelmanager Marco präsentiert um 21:30 die „Coastal Kitchen“ der Hurtigrute, das 2015 eingeführte Programm, dass es auf den Schiffen bevorzugt lokale Küche gibt. Für über eine Million Übernachtungsgäste Essen heranzuschaffen ist natürlich eine Herausforderung, auf unserer Fahrt mit dem ausgebuchten Schiff dürften etwa eine Tonne Fleisch und eine Tonne Fisch verzehrt werden. Und jeden Tag startet ein Schiff…

Wir machen noch einen kurzen Stopp in Molde, allerdings ist es da schon längst dunkel, sodass ich mir die Fotos spare. Zeit, den Tag ausklingen zu lassen – wenn ich schon die Chance habe, mit dem Blog fast tagesaktuell zu sein:-) Von der Fahrt über die offene Seestrecke der Hustadvika ist nichts zu merken; auf Kristiansund nach zwei Uhr verzichte ich ebenso dankend.

Hurtigrute Tag 1: Bergen im Schnelldurchgang

Es ist nichts dran am Jahr – kaum habe ich die Mailbox einigermaßen auf Null, die Bilder vom Schottland-Urlaub im Mai halbwegs sortiert und stecke gefühlt noch im tiefsten Hochsommer, klingelt morgens um 5:30 der Wecker: Die erste Nordlicht-und-Sterne-Tour der Saison steht an.

Abflug in Stuttgart um 10:15 klingt ja gar nicht mal so übel, nur muss man ja zwei Stunden vorher am Flughafen sein. Und dann eine Stunde für die Anfahrt planen. Und etwas Karenzzeit, weil es über die A8 geht (diesmal via Pforzheim). Und noch etwas Zeit, um morgens in die Gänge zu kommen, den Rest ins Auto zu packen und loszufahren. Immerhin: Schöner Sonnenaufgang bei sternklarem Himmel. Nur fotografieren kann ich ihn nicht, ich bin am Lenkrad – und meine Dashcam ist bei der letzten Astro-Messe verschollen gegangen. Was solls…

Dank online-Checkin hatte ich die Bordkarten für den Flieger schon, und der Flughafen Stuttgart ist überschauber. Air France gibt einem keine Möglichkeit, einen Sitzplatz auszuwählen (außer man zahlt mit Bonusmeilen), aber immerhin wird nicht auseinander gerissen, wer auf einer Buchung steht. Das kann z.B. KLM anders.

Der regelmäßige Leser dieses Blogs wird sich wundern: Air France? Ja. Hurtigruten hat mir eine neue Airline gebucht. Der Flug von Stuttgart nach Bergen geht über Paris/Charles de Gaule. Ist er wirklich Europas größtes Koffergrab? Zumindest ist er mal einer der größten Flughäfen.

Aber zunächst einmal nach Stuttgart: Da mein Transferservice diesmal preislich fast so teuer war wie Parken am Flughafen, habe ich zur Abwechslung Freiluftparken an P0 reserviert. Die Einfahrt klappt auch, und es sind sogar noch fünf Parkplätze frei. Einen davon finden ich sogar zeitnah.

Der Air France City-Hopper kommt fast pünktlich und hat erstklassige Snacks an Bord (naja, zumindest kalte Cola und ein essbares Apfel-Irgendwas), und beim Flug über Paris lässt sich ein Blick auf den Arc de Triomphe und den Eifelturm erhaschen. Notre Dame dagegen bleibt mir verborgen.

Der Flughafen Charles de Gaule selbst ist groß, modern und hübscher als ich gedacht hatte – zumindest das, was ich beim Transfer von Terminal 2F zu 2G, Gates K50-60 sehe. Zwei Stunden und 20,-€ für ein kleines Mittagessen später geht es weiter nach Norwegen. Allmählich frage ich mich, ob Norwegen wirklich so teuer ist – am Pariser Flughafen sind Batterien billiger als im heimatlichen Rewe, und in Norwegen ist das Wasser billiger als in Paris. Weitere zwei Stunden später, gegen 16 Uhr, sind wir im Landeanflug auf Bergen. Kaum, dass man eingedöst ist…

Die Askøy-Brücke (glaube ich)

Aber was soll’s, die Hauptsache ist: Endlich wieder Norwegen! Theoretisch zumindest – blauer Himmel? Ist das wirklich Bergen? Der Anflug führt jedenfalls über eine Stadt zwischen sieben Bergen, und das Schild mit dem Fragezeichen am Flughafen gewinnt an Sinnhaftigkeit…

Bergen?

Hat immer wieder was von Heimkommen… Das Gepäck hat den Abstecher nach Frankreich auch überlebt, und am Flughafen warten schon die Reiseleiter Andreas und Monika – es ist meine erste Tour mit den beiden. Mein Ko-Lektor Thomas kommt wenige Minuten später mit dem nächsten Flieger, und bald darauf ist die ganze fast 70 Kopf starke Gruppe zusammen. Ebenso da: Mehrere andere Reisegruppen und Einzelreisen, die ebenfalls zur Kong Harald wollen. Besonders gut ist die Reisegruppe dran, die von keinem Reiseleiter abgeholt wird, sondern durch das Flughafengelände irrt. Mit denen wollte ich nicht tauschen…

Aber bei uns klappt alles, die Busse stehen bereit, und ich sehe gerade noch, dass die Stadtbahn Bybanen jetzt direkt bis zum Flughafen führt, bevor wir abfahren. Wir fahren schnurstracks durch den neuen Straßentunnel zum Schiff – schade, keine Zeit für einen Abstecher nach Bryggen.

Im September war die Abfahrt (also seit mindestens meiner ersten Tour anno 2014) schon immer um 21:30; dank der Fahrplanänderung diesen Sommer legt das Schiff nun das ganze Jahr so früh ab. Das Ergebnis: Hurtig, hurtig. Für einen Abstecher nach Bryggen bleibt keine Zeit mehr, wir fahren direkt ans Schiff.

Am Hurtigrutenterminal

Gegen 18:30 sind wir da, erhalten unsere Bordkarten (neu: Die gebuchten Ausflüge sind auf der Cruisecard gespeichert und liegen nicht mehr als Papiervoucher bei, Hurtigruten spart Papier, um die Umwelt zu schonen) und starten ins Bordprogramm durch: Um 19:15 und 19:40 gibt es noch die Chance für die obligatorische Sicherheitseinweisung an Bord. Bis 21 Uhr gibt es Essen (das Bergen-Buffett). Um 20 Uhr und 20:45 ist die Infoveranstaltung dazu, wie das Leben an Bord funktioniert. Um 21:30 ist Abfahrt. Zwischendrin müssen wir noch die Vortragstermine ausmachen (Reiseleiter ist „Onkel“ Heinz – den kenne ich noch von der Finnmarken, könnte wieder witzig werden). Und Marco, mein Bordreiseleiter von der ersten Tour, ist zum Hotelmanager aufgestiegen, bleibt aber nur bis Tromsø an Bord. Trotzdem schön, ihn mal wieder zu sehen.

Uff… nach der Sicherheitseinweisung (der übliche Film: Da-DAMM-da-daaa-dada, Da-DAMM-da-daaa-dada) ist die Schlange vor dem Restaurant so groß, dass wir die Zeit lieber für einen kurzen Gang an Deck nutzen, den Sonnenuntergang genießen und wenigstens noch etwas von Bergen sehen.

Dann kurz bei der Infoveranstaltung vorbeischauen, ab ins Restaurant, und schließlich zum Ablegen ans Heck. Sternklarer Himmel, eine kleine Wolke über Bergen und los geht die Reise in die Nacht.

Abfahrt

Wir legen pünktlich ab, und es haben doch einige an Deck geschafft, um das sanfte Ablegen zu erleben.

Die Fahrt führt unter der Askøy-Brücke durch (aus der Perspektive erkenne ich sie!), und einige Zeit später passieren wir noch eine ganze Reihe an Ölplattformen und ähnlichem – hell beleuchtet und wohl ein Zeichen dafür, dass die norwegische Ölindustrie weiterhin einige Plattformen nicht in Betrieb hat.

Die Askøy-Brücke

Die warmen Temperaturen von rund 17°, als wir angekommen waren, verblassen im Fahrtwind, und es wird langsam Zeit für Feierabend. Bzw. das Gepäck ausräumen, den ersten Schwung Bilder sichten und den Blog schreiben. Und den Aushang mit den Vortragsterminen machen – einer steht schon mal (am Trondheim-Tag). Und nachschauen, was morgen eigentlich auf dem Programm steht. Erst kurz nach Ålesund, dann in den Hjørundfjord mit Urke, bei bestem Wetter. Zeit, ins Bett zu gehen…

Mondfinsternis vom 16. Juli 2019

Es gibt so Tage, da ist einfach die Luft raus. Da findet eine partielle Mondfinsternis statt (hat man ja schon ein paar mal gesehen), das Teleskop ist fix und fertig im Auto, der Himmel ist klar, es ist mal wieder zu warm draußen und ohnehin noch viel zu viel auf der ToDo-Liste. Und morgen früh klingelt auch noch der Wecker.

Also wirklich raus auf den Acker, Teleskop aufbauen und bis mindestens Mitternacht unterwegs sein? Nur, um noch ein paar Fotos zu machen? Ist ja nicht so, dass ich noch nie eine Mondfinsternis erlebt hätte…

Das war der Moment, wo ich mich entschied, diese partielle Mondfinsternis zwar anzuschauen, aber ganz relaxt. Und diesmal kein Teleskop aufzubauen, sondern mir das einfach mal in Ruhe anzuschauen. Das Teleskop hatte ich ja zuletzt alleine auf dem Acker bei der Mondfinsternis im September 2015 (echt schon so lange her?) aufgebaut (und mich mit Nachführung und Fokussierung am Teleskop rumgeärgert), das Ende der MoFi vom August 2017 hatte ich nur vom Fenster aus angeschaut, und von der vom letzten Juli hatte ich nicht viel mitgekriegt, weil ich auf der Heilbronner Sternwarte war und wir von Besuchern überrannt worden waren. Daher gibt’s zu der auch keinen Blog…

Panasonic G70 mit 500mm Spiegeltele

Also war für heute Entspannung angesagt – der Blick aus dem Fenster hatte ja schon mal funktioniert, und diesmal sah es mit dem Mondaufgang auch gut aus. Also kleines Gerät: Ein Fernglas für visuell, und am Nachmittag noch schnell die recht neue Panasonic G70 an das Bower 500mm/f6.3 Teleobjektiv (das Walimex hier, nur mit anderem Label) adaptiert, das ich eigentlich für die Sonnenfinsternis vor zwei Jahren angeschafft hatte. Aber statt zur SoFi in die USA zu fahren, war ich stattdessen ja bekanntlich in Schottland. 500mm an einer MFT-Kamera sollte ganz gut funktionieren, um den Mond schön groß zu haben und auch ohne Nachführung im Bild zu behalten.

Das das Objektiv etwas größer und schwerer als die Kamera ist, habe ich es mit einer Rohrschelle auf das Stativ gesetzt. Nachteil: Jetzt rotiert die Kamera beim Fokussieren mit, statt des Objektivgehäuses…

Um es vernünftig nutzen zu können, hatte ich schon zur SoFi bei TS ein paar Klemmen zum Fokussieren geholt (den „Telefok“), und weil das ein Gefrickel war, auch die Motorfokussierung dazu. Irgendwo habe ich den Motor auch noch – aber da es eine spontane Aktion war, musste halt per Hand fokussiert werden. Bei 500mm und einem Videoneiger, der angeblich 7 kg trägt, ziemlich wacklig. Aber letztlich hat es halbwegs geklappt, und die MoFi kann kommen.

Zur erwarteten Zeit kam der Mond dann auch über den Horizont, schön rot gefärbt durch die Erdatmosphäre, und mit etwas Phantasie links auch schon leicht verdunkelt, weil er bereits im Halbschatten der Erde stand. Dazu wunderschön der Erdschatten. Ein Zimmer mit Ausblick hat was.

21:26: Der Mond ist aufgegangen.

Die Bildschärfe überzeugt noch nicht so ganz, aber ich fotografiere ja auch durch eine ganze Menge Dunst hindurch. Blöd: Ich habe den Fernauslöser der Kamera vergessen. Und mit Auslöseverzögerung funktioniert das Bracketing der Kamera nicht.

21:32: Der Himmel wird dunkler, und der Mond nähert sich dem Kernschatten.

Gegen Erschütterungen habe ich den elektronischen Auslöser der Kamera und vier Sekunden Verzögerung eingestellt, sodass der Sensor wohl doch recht warm wird (kombiniert mit der molligen Temperatur einer Dachgeschosswohnung im bislang wärmsten Juli) und die Bilder überraschend rauschen. Aber was soll’s: Ich fotografiere ja nur just for fun, ohne Erfolgsdruck! Muss auch mal sein, und macht richtig Spaß. In aller Ruhe zuschauen, wie der Mond höher steigt, allmählich in den Kernschatten der Erde eintaucht, zurücklehnen und genießen. Schön.

Kurz nach 22 Uhr wandert der Mond dann in den Kernschatten, bis er um 23:30 zu rund zwei Dritteln verfinstert ist – mehr wird es dann auch nicht, das ist die maximale Phase.

Zwischendrin mache ich den Fehler, mir die Bilder mal in groß auf dem Laptop anzusehen. Blöd: Meine große Nikon lässt sich über den PC steurn, die Panasonic erlaubt fernsteuern nur per Handy. Also rein mit der Speicherkarte in den PC: Die Schärfe ist ausbaufähig. Viel besser kriege ich es trotz Bildschirmlupe aber nicht hin, und Fokuspeaking funktioniert mit dem Objektiv irgendwie nicht. Vielleicht ist es trotz Gegenlichtblende zu kontrastarm? Keine Ahnung. Aber für ein paar ordentliche Bilder langt es. Und irgendwie ist das auch beruhigend: Wenn ich mit dem Objektiv wie geplant zur Sonnenfinsternis in die USA geflogen wäre, hätte ich mich nur über nur zu 95% scharfe Fotos geärgert. So ist alles gut:-) Und bis zu den Sonnenfinsternissen in Spanien 2026 und ’27 habe ich entweder noch ein besseres Objektiv, mein Teleskop im Auto dabei, oder beides.

23:36: Maximum. Der Mond hängt interessant am Himmel

Und so? Mache ich gegen Mitternacht Feierabend, habe den Abend genossen und zur Abwechslung mal Fotos mit stehender Kamera, sodass der Horizont immer unten ist – bei nachgeführter Kamera (auf einer parallaktischen Montierung) dreht er sich ja sonst mit. Schön war’s.

Gerne wieder:-)

Bücher, Bücher, Bücher…

Uff. Wir haben Mitte 2019, die heißen Sommertage pausieren mal kurz, und ich stelle fest, dass ich dieses Jahr einiges geschrieben habe, aber schon lange nichts mehr für den Blog. Dafür gibt’s neue/aktualisierte Bücher.

Neuer Stoff

Zuerst mal das wichtigste: Astrofotografie für Einsteiger ist bereits im März im dpunkt-Verlag erschienen. Da steht alles drin, was ich für einen erfolgreichen Einstieg in die Astrofotografie für wichtig halte. Und das beste: Da ich es bei einem richtigen Verlag untergebracht habe, gibt es nicht nur eine vernünftige Druckqualität, sondern ist auch im stationären Buchhandel erhältlich.

Gute Kritiken soweit auf Amazon

Ich mag den stationären Handel ja, und kriege auch immer wieder Anfragen, wie man an meine Bücher ohne Amazon kommt. Bei diesem Exemplar geht es, und wer online kaufen will und mir einen Gefallen tun will, kann auch direkt beim Verlag bestellen. Kostet genauso viel, aber bei mir bleibt mehr hängen…

Und einen Vorteil hat es, dass ich mich erst jetzt um mein Blog kümmern kann: Es gibt schon die ersten Rezensionen auf Amazon, und die lesen sich gar nicht schlecht.

Ansonsten stand Produktpflege an, diesmal wieder im Eigenverlag: Mein Buch über Celestron-Teleskope ist nun auch auf Englisch erschienen. Darin wird (hoffentlich) alles wichtige über Celestron-Teleskope erklärt, vom Kauf über den Einsatz bis zum Zubehör. Das ist Eigenverlag, weil das Thema doch etwas speziell ist und sich öfter mal was ändert. So bleibt das Buch eher aktuell, nur die Computeranbindung hat sich geändert: Celestron hat mit CPWI eine neue Software entwickelt. Auf der AME im Herbst werde ich da wahrscheinlich für Baader einen TechTalk geben. (Spoiler: Sie funktioniert)

Ich bin gespannt, ob sich das Buch auch im englischen Sprachraum verkauft. Die deutsche Auflage hat ja auch schon ein paar nette Rezensionen. Also: Wem’s gefällt – gerne weitersagen.

Produktpflege war dann auch das nächste große Projekt: Mein Hurtigruten/Nordlicht-Reiseführer ist in einer neuen Auflage erschienen, ebenfalls auf Deutsch und Englisch. Was klein und harmlos klingt, hat überraschend viel Zeit gefressen. Dabei habe ich nicht nur ein paar Bilder aktualisiert, sondern durfte auch die Reisebeschreibung aktualisieren: Hurtigruten hat den Fahrplan geändert, es gibt für die ersten/letzten drei Reisetage neue Liegezeiten, und die Schiffsbegegnungen im Hafen von Trondheim und Rørvik sind Geschichte. Hurtigruten findet es unglücklich, wenn zwei Schiffe gleichzeitig im Hafen sind, und Trondheim würde von Touristen überschwemmt, wenn zwei Schiffe morgens im Hafen sind. Naja – es ist zwar schon ruhiger in der Stadt, wenn die Hurtigrute ablegt (war es zumindest, als ich mit der defekten Finnmarken da längere Zeit verbringen durfte), aber jeder Kreuzfahrer macht da mehr aus. So klein ist Trondheim nun auch wieder nicht.

Fazit: Überraschend viel Aufwand, auch weil ich die Änderungen in Deutsch und Englisch in Print und EBook einpflegen muss. Der EBook-Export von InDesign CS4 ist grottig, und solange die Bugs aus der CS4 nicht beseitigt werden, werde ich gewiss kein Abo bei Adobe abschließen. Schlimm genug, dass das Karten-Modul von Lightroom 6 nicht mehr funktioniert. Die gute Nachricht: Die Printauflage ist preislich gleich geblieben, nur das EBook ist etwas teurer geworden. Aber da sind auch 19 statt 7% Märchensteuer drauf. Immerhin: Die alten Rezensionen scheinen mit der neuesten Auflage verknüft zu werden.

Ach ja: Den Reiseführer gibt’s wie das Celestron-Buch nur über Amazon, die machen für mich Druck und Versand. Oder Ihr bucht die Gruppenreise Nordlicht und Sterne bei Hurtigruten Deutschland – da gibt’s das Buch dazu, und mit etwas Glück bin ich an Bord und kann’s signieren. Dieses Jahr voraussichtlich Ende September auf der Kong Harald und Ende November auf der Polarlys. Dann wird hier wieder regelmäßig vom Schiff gebloggt…

Das nächste Projekt? Mein Schottland-Reiseführer. Den werde ich demnächst etwas erweitern und neu rausbringen – wahrscheinlich aber erst nach dem Brexit. Oder der schottischen Unabhängigkeit samt Wiedereintritt in die EU, ich bin gespannt was das noch gibt.

Hurtigrute Tag 12: Zurück in Bergen

Die Zeit vergeht wie im Fuge, wie es so schön heißt – aber wer auch immer den Spruch geprägt hat, ist wohl kein Vielflieger… Egal, der Reihe nach:

Florø

Der Abschlusstag unserer Reise vom 5. bis 16. März ist schnell erzählt. Der letzte Hafen vor Bergen ist Florø, wo wir zwischen 7:45 und 8:15 liegen. Das Wetter ist endlich so wechselhaft-regnerisch, wie man es von Norwegen erwartet, aber da wir ohnehin im Containerhafen liegen, ist der Anreiz ohnehin gering, viel Zeit an Deck zu verbringen. Florø hat bestimmt seine hübschen Ecken, aber hier ist es vor allem ein geschäftiger Hafen.

Florøs hübsche Ecke

Merke: Durch geschickte Wahl des Bildausschnitts findet man eigentlich immer irgendwo ein hübsches Motiv.

Den Rest des Tages fahren wir durch: So weit im Süden gibt es genug andere Reedereien, die die Häfen versorgen, da kann die Hurtigrute non-stop bis Bergen durchfahren. Für uns bedeutet das natürlich auch, dass es nicht viel zu tun gibt – kein Halt, kein Ausflug, nur schöne Landschaft, die am Schiff vorbeizieht.

Abschiedsstimmung

Um 9 Uhr muss das Gepäck aus den Kabinen, falls man nicht bis Bergen auf seinem Koffer sitzen will oder ihn mit dem Handgepäck im Konferenzraum abstellen will. Also treffen wir uns nach der Kofferabgabe um 9:05 zum Frühstück und räumen danach die Kabine. Dann machen wir es uns noch einmal in unserem „Büro“ vor dem Restaurant bequem. Wir können das ganz entspannt angehen: Heute gibt es das Mittagessen nicht als Buffett, sondern als feste Sitzung – für uns um 11:30. Da kann man nach dem Frühstück auch gleich sitzen bleiben… Statt Mittagessen gönne ich mir lieber ein ausgedehntes Frühstück; spätestens im KLM-Flieger gibt’s ja wieder was zu Essen. Und verhungern musste auf der Fahrt niemand…

Das Wetter draußen ist wechselhaft, aber immer noch schön: Ruhige See und viele enge Sunde, in denen wir den Felsen ähnlich nah kommen wie im Stokksund.

Das Bordprogramm – Mittagessen, eine Listening Session mit klassischer norwegischer Musik im Panoramasalon und ein „Behind-the-Scenes“-Film um kurz vor eins – ist heute nicht nötig; bei schlechtem Wetter sieht das schon ganz aus. Trotzdem: Der letzte Tag zieht sich immer in die Länge. Ganz unbewacht will man sein Handgepäck ja doch nicht stehen lassen, vor allem wenn die Fototasche nicht abschließbar ist.

Bergen

Kurz nach zwei nähern wir uns dann Bergen und werden mit einem Regenschauer begrüßt – beim Einlaufen ist es um Glück wieder trocken. Wer an Deck ist, kann noch einen letzten Blick auf die Hakonshalle und – ganz klein – Bryggen werfen. Die großen Ölversorger sind auffällig – darunter auch die Sandefjord, die mich schon einmal bis Hammerfest verfolgt hat.

Aufmerksame Beobachter erkennen auf der Landzunge, die das Hurtigrutenterminal von Bryggen trennt, auch ein Gebäude mit Sternwartenkuppel: Die Fagskole steht an der Stelle der 1903 abgerissenen alten Bergener Sternwarte und beherbergte einst eine Fachschule für Navigation. In der Kuppel stand ein Transitinstrument zur exakten Zeitbestimmung, von dem prominenten Gebäude aus wurde das Zeitsignal an die Schiffe weitergegeben. Daniel Fischer hat die Geschichte in seinem Skyweek-Blog aufgearbeitet.

Gepäckchaos

Nach dem Anlegen geht es Schlag auf Schlag: Das Schiff wird deckweise verlassen, das Gepäck wird mehr oder deckweise auf das Gepäckband verladen (aber nicht unbedingt in der Reihenfolge, in der die Passagiere die Nordnorge verlassen), dann geht es in die Busse und zum Flughafen. Dort ist für viele das erste Ziel die Northland-Bäckerei, um den Stempel für Tax Free zu holen. Neu: Der Bäckereiangestellte will die Waren sogar sehen, bevor er den Stempel gibt. Es muss ja alles neu und ungetragen sein. Bei meinen Souvenirs ist das kein Problem…

Am Flughafen in Bergen ist alles ganz entspannt: Wir hätten gut zweieinhalb Stunden bis zum Abflug, da die Maschine Verspätung hat, sind es sogar drei. Zeit genug für Tipps, was zu tun ist, wenn man den Anschlussflieger verpasst. Für mich sieht das ganz entspannt aus, weil der nächste Flug nach Frankfurt auch mit Verspätung angekündigt war und ich die geplante knappe Stunde Umsteigezeit hätte – bis die App dann meint, zumindest in Amsterdam würden wir pünktlich starten. Toll…

The Flying Dutchman

Immerhin: Um 18:30 sind dann alle im Flieger, und mit einer Dreiviertelstunde Verspätung geht es Richtung Amsterdam. Mein Plan, im Flugzeug das ausgefallene Mittagessen mit dem KLM-Käsebrot zu ersetzen, scheitert auch: Ein Fehler im Catering, die Reihen 17 und 18 erhalten stattdessen salzige gebrannte Mandeln. Juhu. Zum Glück habe ich noch ein paar Kvikk Lunsj dabei. Die entsprechen unseren Kitkat und wurden in Norwegen erfolgreich als Energieriegel angepriesen.

Kurz vor Amsterdam dann die Durchsage, dass fast alle unsere Anschlussflüge erreicht werden können, wenn man rennt. Leider keine Info dazu, zu welchem Gate man muss. Nur die Berliner müssen zum KLM-Desk und sich nach Alternativen erkundigen. Der Landeanflug ist etwas holprig: Wegen schlechtem Wetter sind wohl nur zwei von fünf Landebahnen freigegeben, und der Pilot muss immer wieder die Fluglage korrigieren, bevor er das Flugzeug auf die Landebahn fallen lässt. Da ist wohl ein Satz neuer Stoßdämpfer fällig – aber immer noch besser, als kurz über Bodenhöhe die Lage korrigieren zu müssen. Ganz ohne Sarkasmus: Gute, wenn auch harte Landung. Kurz darauf kommt auch die Durchsage, dass es hart, aber sicher war und sie das öfter machen. Schön, wenn die Kommunikation aus dem Cockpit funktioniert.

Bordverpflegung

Und dann: Einmal von Gate C irgendwas zu Gate B32 rennen. Fünf Minuten langen in Anmsterdam zum Umsteigen… auch, weil sich das Boarding etwas verzögert. Immerhin: Unser Gepäck kommt so auch mit, und wir kommen fast planmäßig in Frankfurt an. Die Bordverpflegung: Komische flache Salzstangencracker. Habe ich schon erwähnt, dass fünf Minuten Umsteigezeit in Amsterdam zu kurz sind, um dort was zu essen? Naja, noch habe ich Kvikk Lunsj (und allmählich keine Lust mehr auf Schokolade)…

Der Transfer vom Frankfurter Flughafen zu meinem Auto mit Fly Autoparking funktioniert auch einwandfrei, und ich komme auch aus dem engen Parkhaus raus. In Anbetracht der Stürme, die wohl in Deutschland wüteten, während wir das schöne Wetter in Norwegen hatten, war das Parkhaus wohl keine schlechte Entscheidung.

Jetzt steht nur noch ein wenig Nacharbeit an: Die Bilder ein letztes Mal sichten, dieses Blog schreiben und aufräumen, bevor der Alltag wieder los geht. Das ist ja nicht mein einziger Job, auch wenn Büroarbeit nur halb so viel Spaß macht.

Auf die Hurtigrute gehe ich im September wieder, vorher steht Schottland an: Meinen Schottland-Reiseführer um die Äußeren Hebriden und Mull erweitern. Da freue ich mich schon drauf. Außerdem erscheint diesen Monat noch mein Buch über Astrofotografie, und ich arbeite an der englischen Version meines Celestron-Buchs. Gibt viel zu tun…

Hurtigrute Tag 11: Von Trondheim südwärts

Trondheim mit Munkholmen

Heute ist mal wieder ein See- und Sehtag. Gegen halb sieben haben wir wohl in Trondheim angelegt, zumindest sind wir sicher am Kai festgemacht, als ich aufstehe. Noch vor dem Frühstück steht ein Abstecher zum benachbarten Rema 1000 an, das Leergut der Reise wegbringen und Proviant für den Rückflug morgen besorgen. Dann ein kurzes Frühstück an Bord, gefolgt vom Ende einer Ära: Zum letzten Mal sehe ich zwei Hurtigrutenschiffe gleichzeitig am Kai liegen.

Ende einer Ära: Nordnorge und Polarlys gemeinsam in Trondheim
Die Polarlys

Wegen der Fahrplanänderung im Sommer sind dann keine Schiffsbesuche mehr möglich. Schade – dann muss ich nach Tromsø fliegen, um ab 2020 auch einmal einen Blick in die Schiffe der neuen Reederei Haviland zu werfen, die dann gemeinsam mit Hurtigruten die Kystruten von Bergen bis Kirkenes bedienen wird. So gehe ich mit den Kollegen an Bord der Polarlys und habe eine nette Überraschung: Marco ist an Bord, der auf meiner ersten Tour 2014 Bordreiseleiter auf der Nordkapp war. Damals gab es noch keine Expeditionsteams, und die Schiffe hatten alle das klassische, maritime Design – ist das wirklich erst vier Jahre her? Ende des Jahres werde ich eine Tour auf der Polarlys machen – mal sehen, ob er dann Dienst hat.

Da wir natürlich bei Marco hängen bleiben, bleibt keine Zeit für einen tieferen Blick auf das Schiff. Um 10 legt die Nordnorge ja schon wieder ab, und bis dahin sollten wir tunlichst wieder an Bord sein.

Die Fahrt südwärts führt wieder an Munkholmen vorbei, während im Fjord Rettungsboote ihre Kreise ziehen. Wahrscheinlich gehören Sie zu der Fallstation, die ich jetzt erstmals am Ufer entdecke. Hier werden wohl Rettungsboote gebaut oder getestet. Wieder was gelernt.

Unzählige Leuchttürme

Der nächste Hafen ist erst Kristiansund um 16:30, es bleibt also genug Zeit, um noch einmal runterzukommen und bei gefühlt sommerlichen Temperaturen die Reise ausklingen zu lassen. An der Küste prägen zahlreiche Leuchttürme das Bild, und gegen halb zwei zeigt sich wieder eine Fata Morgana: Einige Inseln scheinen über dem Meer zu schweben.

Fata Morgana

Wenn man das einmal erkannt hat, sieht man es immer wieder…

Wir machen um 14 Uhr noch unsere Abschiedsveranstaltung: Dankeschön sagen, Alex‘ Tourfilm zeigen und erklären, wie alle morgen nach Hause kommen. Um 9 Uhr muss das Gepäck bei (nicht vor) den Aufzügen stehen, bis 10 Uhr müssen die Kabinen geräumt sein, und um 14:30 sollten wir Bergen erreichen.

Und dann: Noch mehr Landschaft genießen, schon mal den Koffer vor-packen und ab 16 Uhr das Einlaufen nach Kristiansund anschauen. Überraschung: Die Nordstjernen liegt im Hafen, nur ein paar Meter von unserem Anleger entfernt. Ich muss da hin!

Bis sich die Gangway der Nordnorge öffnet, ist es schon fast 16:45 – kann der Kahn nicht einmal pünktlich sein? Trotzdem rennen wir raus (die meisten, die das Schiff verlassen, gehen auf den Ausflug ins Bergtatt Marmorbergwerk), spurten zum Nordsternchen und machen ein paar Fotos – schickes Schiff. Es bleibt nur keine Zeit, um zu schauen, ob Margit an Bord ist, schade – das ist das erste Mal, dass ich zweimal das Hupen meines Schiffs höre, während ich noch an Land bin. Aber hätte der Captain mal pünktlich angelegt…

Aber das war den Spurt auf jeden Fall wert. Die Oldtimer haben einfach was.

Abendgruß

Der Rest vom Abend bis Molde geht für das Abendessen (Schweinshaxe) und Packen drauf, sowie die letzten Einkäufe an Bord, bevor die Cruisecard gesperrt wird. Molde erreichen wir gegen 21 Uhr, als das Schiff einen Vortrag über die norwegische Textilindustrie anbietet. Vorher gibt es noch einen Oldtimer zu sehen: Wir begegnen der Lofoten, die wir zuletzt im hohen Norden begrüßt hatten. Jetzt sind die Bedingungen zum Fotografieren schlechter, die Abenddämmerung ist schon weit fortgeschritten.

Die Lofoten
Molde

Auch von Molde ist nicht viel zu sehen. Die Ausflügler kommen wieder an Bord, darunter auch Hans, der ein paar schöne Aufnahmen von der Atlantikstraße mitgebracht hat. Wir machen es uns auf Deck 7 bequem und lassen die Reise gemütlich ausklingen – endlich Zeit für ein paar entspannte Gespräche. Das Expedition-Team veranstaltet im Panoramasalon noch ein Quiz zur Reise (aber uns hat ja keiner geglaubt, dass am Ende abgefragt wird), und irgendwann machen wir dann auch Feierabend – Koffer packen, soweit das jetzt möglich ist.

Der Abschieds-Mond

Ich gönne mir noch einen letzten, ruhigen Gang um das Schiff, während wir uns Ålesund nähern. Der Halbmond steht hell und hoch am Himmel und spiegelt sich wunderbar im Meer. Und da es bei Mondschein eh nichts am Himmel zu sehen gibt, schlafen Astronomen dann auch am besten – man verpasst ja nichts.

In diesem Sinne: Gute Nacht!

Hurtigrute Tag 10: Polarkreis und Helgelandküste

Vor dem Polarkreis

Wir haben immer noch eine leichte Verspätung von 15 Minuten, was meinen Tagesplan etwas durcheinanderbringt. Es fängt ja schon toll an mit der Durchsage, dass wir in einer Minute die nordgehende MS Nordkapp passieren, also jetzTUUUT-TUUUT-TUUUT… Ich kann so nicht arbeiten.

Für 9:15 ist dann die südgehende Polarkreisüberquerung angesagt. Also mache ich erst einmal kein Frühstück, das langt auch nach dem Polarkreis. Nur dass dann die Durchsage kommt, dass wir ihn erst um 9:30 passieren. Grmpf. Das langt nicht, um vorher noch kurz zu frühstücken, und danach wirds knapp… Egal, wird die Zeit halt mit dem Rest der Reiseleitung verbracht: Wir kennen den Text ja schon, den das Expeditionsteam beim Point of Interest erzählt, und finden uns alle auf dem Umlaufdeck wieder.

Endlich erreichen wir die kleine Insel Vikingen mit der Kugel, die Kameras rattern, und diesmal ist das Seeadler-Pärchen auch gut zu sehen, das auf der Insel nistet. Auf meiner ersten Tour 2014 waren sie noch aufgeflogen, wenn das morgendliche Tuten der Hurtigruten-Tröte erschallt, mittlerweile sind sie wohl an diesen Wecker gewöhnt.

Die „Pflege arktischer Tradition“ auf Deck 7 schenke ich mir (Löffel und Lebertran gibt’s auch im Shop zu kaufen, das war früher exklusiver), so langt es doch noch für ein schnelles Frühstück, bevor es zur Reiseleitersprechstunde geht. Dafür lasse ich dann das Mittagessen ausfallen.

Kurs Nesna

Von dem kleinen Hafen Nesna bekomme ich nicht viel mit: Ich bin zwar rechtzeitig an Deck, verquatsche mich aber und bin auf der falschen Seite vom Schiff. Auch egal.

Dafür nehme ich Sandnessjøen mit: Der Himmel ist heute leider bedeckt, die Gebirgskette der Sieben Schwestern im Hintergrund ist verschleiert. Ohne Mittagessen habe ich Zeit für einen kurzen Gang durch die Hauptstraße bis zum Denkmal für den Dichter und Pfarrer Peter Dass. Immerhin sein Denkmal steht noch; die kleine Statue eines Bären in der Fußgängerzone wurde durch ein Fahrrad ersetzt.

Ein paar Meter neben ihn steht die Statue für Sigrid, die ihn ernst anschaut. Ein wenig wirkt es, als ob sie seine grimmige Ehefrau wäre, aber Sigrid lebte um 850 nach Christus und ist eine der wenigen Frauen, die Snorris Kongesaga erwähnt wurde.

Nach Sandnessjøen steht der Fototermin mit den Sieben Schwestern an. Bei klarem Himmel wirkt das natürlich besser, so haben die Bilder etwas düsteres an sich. Wie immer: Ein klarer Fall fürs Weitwinkel. Oder für Panasonic: Das Klacken der Panaromafunktion zweier Panasonic Lumix Kameras rechts und links von mir erinnert an alte Filmkameras, bei denen noch gekurbelt wurde. Tja, nostalgische Postschiffreisen…

Der arme Fischkutter

Kurz darauf der nächste Termin, unser Bonus-Vortrag: Die Alex erzählt über ihre Erlebnisse in Norwegen, und der Alex zeigt die Nordlichter, die auf dieser Tour eingefangen wurden. Danach bleibt nur ein wenig Zeit, bis Brønnøysund in Sicht kommt. Die Stadt liegt in der geografischen Mitte Norwegens, viel mehr als das Einkaufszentrum habe ich in der guten Stunde, die wir da Aufenthalt haben, noch nicht gesehen. Immerhin bietet der Hafen einen schönen Blick aufs Schiff. Und bei der Anfahrt sehen wir noch, wie ein Fischkutter von Möwen angegriffen wird…

Noch schnell ein Eis holen, dann geht die Fahrt weiter und am Torghatten vorbei, dem berühmten Berg mit Loch, für den es mittlerweile hell genug ist. Eine fantastische Lichtstimmung macht sich breit, die die Kamera nicht einfangen kann.

Um 18 Uhr ist dann Captain’s Dinner angesagt: Eine lockere Veranstaltung, bei der die Crew sich von den Gästen verabschiedet. Viele steigen ja bereits in Trondheim aus und nehmen die günstigeren Rückflüge, um noch am selben Tag zuhause anzukommen.

Letztes Schiffstreffen in Rørvik

Der letzte Programmpunkt des Tages ist Rørvik. Hier liegen wir neben der Finnmarken und haben die Chance, das Schiff zu besichtigen. Es ist noch im alten Design eingerichtet: Dunkler Jugendstil. Für einen kurzen Besuch langt die Zeit.

Here be Dragons

Dann geht es wieder zurück auf unser Schiff, auf Deck 7 und hoffen: Es ist lockere Bewölkung angesagt, und gute Polarlichtaktivität – haben wie noch einmal Glück? Während wir die Wolkendecke dahinziehen sehen, schaue ich mir noch einmal die Nordnorge an. Ich habe ja immer noch den Verdacht, dass es hier Drachen gibt. Vielleicht hat Grisu seinen Traum doch wahr gemacht und ist Feuerwehrmann geworden?

Leider haben Wetter und Polarlicht kein Erbarmen mit uns, es gibt keinen Nachschlag. Dafür schimmert der Halbmond schön über dem Wasser – auch hübsch. Gegen Mitternacht gebe ich dann auf und packe die Kamera endgültig weg.

Hurtigrute Tag 9: Lofoten und Vesterålen

Morgenstimmung: Die Vesterålen bei Harstad

Heute Morgen auf dem Programm: Harstad, mit rund 25.000 Einwohnern drittgrößte Stadt in Nordnorwegen und zweitgrößte in Troms. Bei dem kurzen Halt zu unchristlicher Zeit in den Morgenstunden bekomme ich davon nicht viel mit. Die Teilnehmer der Vesterålen-Rundfahrt können dagegen einen Blick in die Trondenes-Kirche werfen und sehen im Lauf des Vormittags die Vesterålen von Land aus, Spätaufsteher wie ich können nur die Landschaft und das Frühstück genießen. Die Gegend ist schön, und noch gibt es etwas klaren Himmel.

Bei Risøyhamn

Der Tag ist wie die gesamte südgehende Route ein See- bzw. Sehtag: Wir haben keine größeren Häfen, dafür die Gebirgsinsellandschaft der Vesterålen und (südlich des Raftsunds) der Lofoten. In zahlreichen Häfen wird kurz angelegt. Alle, die an Bord geblieben sind, erleben die Risøyrinne mit, die sich nur durch die Bojen auszeichnet, die die Fahrrinne markieren – die Rinne ist nur wenig tiefer als für unser Schiff notwendig; als die großen Schiffe wie die Trollfjord in Dienst genommen wurden, musste sie noch etwas ausgegraben werden. Eine Schwimmplattform mit Bagger deutet darauf hin, dass sie gerade wieder gepflegt wird.

In Risøyhamn halten wir nur etwa eine Viertelstunde – prinzipiell würde das für einen Spurt zum Königsstein auf der anderen Straßenseite langen, aber ich begnüge mich doch lieber mit einem Foto von Deck aus. Er wurde anlässlich der Einweihung der Rinne gesetzt und trägt die Unterschriften dreier norwegischer Könige.

Arbeitsplatz

Bis wir Sortland erreichen, zeigen wir noch Flagge für die Reiseleitersprechstunde. Unserem Arbeitsplatz merkt man langsam an, dass die Fahrt schon länger dauert und anstrengend ist – schließlich sind wir nicht zum Urlaub hier. Die Kaffeetassen stapeln sich und gefährden die Laptops…

Busse bei Sortland

Kurz vor Sortland begegnen wir wieder den beiden Bussen mit den Teilnehmern der Vesterålen-Rundfahrt und organisieren eine Flagge, um traditionsgemäß zu winken. Ich brauche wirklich einmal eine Nordlicht-Flagge…

Anschließend steht das Mittagessen an, gefolgt von der Fahrt nach Stokmarknes mit dem Hurtigruten-Museum. Das Highlight des Museums ist Norwegens größtes Ausstellungsstück, die MS Finnmarken, die von 1956 bis 1993 im Liniendienst war, bis sie von der aktuellen Richard With abgelöst wurde. Leider können wir sie nicht von innen besichtigen: Bis Sommer 2020 soll ein Schutzbau entstehen und das Schiff wieder saniert werden. Die Jahre an Land haben ihm nicht gut getan.

Nach Stokmarknes geht es in den Raftsund. Mein Versuch, das einmal im Panoramasalon zu erleben, wird vereitelt. Zwar gibt es freie Plätze, aber wir haben auch Musiker an Bord. Bevor die loslegen, gibt es eine Katzenmusik, die mich an den Blockflötenunterricht in der Schule erinnert. Aua. Ab 16 Uhr soll es dann von zwei schottischen Musikern Volksmusik geben, aber ich ergreife vorher die Flucht und schaue mir den Raftsund lieber von unserem „Büro“ auf Deck 4 bzw. vom Umlaufdeck 5 an. Eine herrliche Ruhe…

Gegen 17 Uhr erreichen wir den Trollfjord, diesmal bei Tageslicht, sodass es am Bug voll ist: Die Fotografen stapeln sich, GoPro/Selfiestick-Besitzer sind im Vorteil. Aber wir wenden nach ein paar Minuten, und dann ist er auch von der Seite aus zu sehen. Auf Deck 7 wird dazu auf der Violine gespielt… nicht schlecht, aber nicht mein Stil.

Da in Svolvær, unserem nächsten Hafen, einige Ausflüge starten, gibt es bereits ab 17:30 Abendessen: Buffet und freie Platzwahl. Wir beginnen zeitnah mit dem Abendessen, um rechtzeitig für einen Ausflug in den Anker von Bord gehen zu können. Die gemütliche Kneipe ist sowas wie unser Stammlokal in Svolvær.

Svolvær erreichen wir kurz nach Sonnenuntergang, sodass der Hafen noch gut zu sehen ist. Wir sind auf der vorletzten Nordlicht-und-Sterne-Tour der Saison, nur noch eine beginnt Ende des Monats. Danach grüßt allmählich schon die Mitternachtssonne, und die Nächte sind zu kurz.

Die Nordnorge in Svolvær

Jetzt grüßt in Svolvær erst einmal nur die Statue von Dagfinn Bakke für die Fischerfrauen, die an Land auf ihre Männer warteten. Damals zur See zu fahren war oft genug ein ungewisses Abenteuer. Viel von Svolvær sehen wir diesmal nicht, aber es ist ja auch nicht so, dass wir noch nie da gewesen wären.

Die Nordlys

Kurz nachdem wir zwei Stunden später Svolvær verlassen, begegnen wir der nordgehenden Hurtigrute MS Nordlys. Sie grüßt uns mit Lichthupe, wir mit dem Schiffs-Typhon. Die anschließende Fahrt nach Stamsund ist ereignislos, ich verbringe sie am Rechner, die Abschlussveranstaltungen vorbereiten. Lange ist es nicht mehr…

Stamsund

In Stamsund schneit es, ich begnüge mich mit einem kurzen Gang auf Deck 5 für ein Foto – viel mehr lohnt sich bei dem Wetter nicht. Auch für die Überfahrt nach Bodø sind Wolken angesagt, damit komme ich heute sogar vor Mitternacht ins Bett. Auch mal eine nette Abwechslung, bevor wir morgen Abend den Polarkreis überqueren.

Hurtigrute Tag 8: Von Hammerfest bis Tromsø

Suchbild: Schiffsbegegnung mit der Kong Harald

Mist – am frühen Morgen ist die See wieder ruhiger, aber dafür verpasse ich die Schiffsbegegnung mit der Kong Harald knapp – obwohl wir Havøysund mit Verspätung erreichen. Ich bin zwar wach, aber bis ich an Deck bin, ist das Schiff schon wieder fast weg. Und ich habe noch das 11-16mm Weitwinkel auf der Kamera. Damit habe ich von dieser Schiffsbegegnung nur ein Suchbild, auf dem das wenige Pixel große Schiff am Horizont verschwindet. Was soll’s – meine nächste Tour ist am 21. September und auf diesem Schiff, dann werde ich sie mir einmal näher anschauen.

Energiekaffee

So besteht mein Morgenprogramm aus Frühstück und Reiseleitersprechstunde, bis wir gegen halb elf an der Flüssiggasanlage Melkøya vorbeifahren – weiterhin mit leichter Verspätung. Auf Deck 7 wird der berühmte Energiekaffee ausgeschenkt (auf den ich wieder verzichte), außerdem gibt es einen Point of Interest und zum Einstimmen Musik von Abba.

Wetterkapriolen über Melkøya

Die Stimmung an Bord ist gut, ebenso die Lichtstimmung: Dichte Wolkenwände und blauer Himmel wechseln sich ab; als wir anlegen, stehen wir auf einmal wieder im schönsten Schneesturm. Das ist ja fast wie in Vardø gestern.

Heute hatte ich ohnehin nicht geplant, den Hausberg Salen zu erklimmen, vor ein paar Monaten war der Zickzackweg, der auf den Berg führt, dank Eis und Schnee schon anspruchsvoll genug.

Eisbärenklub

Also ist der erste Halt der Eisbeerenklub, bis der Schneefall wenig später nachlässt. Dann verhafte ich Alex für mein Standardfoto: Seit der ersten Tour mache ich jedes Mal ein Bild von mir auf der Bank vor dem Musikpavillon. Traditionen wollen gepflegt sein, und wenn schon mal jemand dabei ist, der Fotografieren kann, wird das gnadenlos ausgenutzt.

Soweit der Plan, nur ist meine Bank weg. Entweder ist sie komplett unter Schnee begraben oder abgebaut. Ich bin nicht der einzige, der die Erfahrung gemacht hat, dass die Norweger gerne mal umdekorieren und Bänke oder Statuen umstellen. Mal sehen, wie das im Herbst aussieht…

Nachdem der Tag somit eh gelaufen ist, treiben wir uns noch ein bisschen am Hafenbecken rum, auf der Suche nach Fotomotiven. Ein Stück weiter steht ein Teil einer Schiffsschraube eines Hurtigrutenschiffs, die einen schönen Blick auf die Nordnorge und den benachbarten, brandneuen Mülleimer bietet. Alex‘ Foto sieht natürlich besser aus als mein Schnappschuss. Dafür kriege ich die Gamle Mårøy und die Kirche mit dem Teleobjektiv schön ins Bild, ohne hingehen zu müssen.

Wir liegen wegen unserer Verspätung sogar bis 13 Uhr in Hammerfest, danach geht es weiter Richtung Süden. Das Wetter schwankt zwischen null Sicht und bestem Winterwetter, sodass ich immer wieder mal raus renne und die Kamera zücke – aber natürlich nicht für die grauen Nebelflächen. Dass wir hier auch schlechtes Wetter haben, müsst ihr mir einfach mal glauben. In der Zwischenzeit: Vor dem Restaurant Flagge zeigen und Bilder bearbeiten.

Øksfjord fotografiere ich diesmal nicht: Um 15:30 hat Hans seinen letzten Vortrag über den Kosmos, und da wir eine Viertelstunde Verspätung haben, entgeht mir der kurze Halt in dem kleinen Hafen komplett.

Skjervøy

Und dann: Bett. Bis zum Abendessen heißt es, Energiereserven auffüllen. Mit etwas Glück haben wir auf der Passage von Skjervøy nach Tromsø klaren Himmel, dann muss nur noch das Polarlicht mitspielen.

Bis Skjervøy ist aber nichts, nur die schmale Mondsichel steht am Himmel. Ich nutze die Chance, um noch einmal den Kamerasensor zu putzen – das ist der Nachteil einer DSLR, sie verschmutzt schneller. Aber im Gegensatz zu meiner kleinen Panasonic kann ich hier den Sensor putzen und muss nicht auf jedem Bild den Schmutz wegretuschieren… Danach: Noch einmal in Skjervøy auf Unendlich fokussieren und abwarten, was das Polarlicht macht. Ab Tromsø soll das Wetter schlechter werden.

Nach Skjervøy gibt es erst einmal Wolken, bis wir in den Sund Richtung Tromsø einbiegen. Es nicht perfekt klar, aber über uns: Das erste Polarlicht des Tages! Also nichts wie runter zur Rezeption, Durchsage machen, und auf dem Weg nach oben allen Bescheid sagen, dass ich nicht unter Deck bin, weil das Polarlicht schon wieder weg ist, sondern weil ich auf dem Weg nach oben war.

Bis Tromsø haben wir ziemlich gutes Wetter, und die schmale Mondsichel bietet mit den Wolken ein schönes Bild. Kurz vor Tromsø lässt die Aktivität dann nach, aber es war eine schöne Show. Einziger Nachteil: Ich habe wieder mal die Modenschau verpasst. Aber das war’s wert.

Making of

Diesmal hatte ich meine Kamera auf Deck 7 aufgebaut – zum ersten Mal auf dieser Tour – und konnte so endlich mal wieder das Schiff mit ins Bild nehmen, bevor ich sie dann in die andere Richtung ausrichten musste. Das Ergebnis der Mühe (nachdem mein armer Laptop die Nacht durcharbeiten musste) kann sich sehen lassen. In Tromsø gehe ich dann nicht mehr von Bord: Bilder kopieren und die Bildbearbeitung starten, und dann legen wir auch schon wieder ab. Also nichts mit Mitternachtskonzert oder Kneipenbummel.

Leider war es das wohl für diese Tour mit Nordlicht: Wolken kündigen sich an. Aber abwarten, so verlässlich ist der Wetterbericht ja nun doch nicht.

Hurtigrute Tag 7: Wendepunkt Kirkenes

First Eis vor Kirkenes

Es ist soweit: Heute Nacht haben wir mit Vardø den östlichsten Punkt der Route passiert, und Vadsø kurz vor 7 Uhr habe ich ebenso verschlafen. Als wir Kurs auf Kirkenes nehmen, bin ich dann auch irgendwann wach. Draußen: Traumhaftes Wetter, rund -10° auf dem Schiff (in Kirkenes sind es dann nur noch ein paar Grad unter Null, mit schöner, trockener Kälte) und Eis auf dem Wasser. So kommt Arktis-Feeling auf!

In Kirkenes staut sich sich dann erst einmal alles vor der Tür: Die Ausflügler wollen ebenso raus wie die Passagiere, die in Kirkenes aussteigen. Und vorher wird noch das Gepäck an Land gebracht – gut, dass ich es nicht eilig habe.

Für alle Ausflüge, von der Husky-Tour über Snowmobile bis hin zur Fahrt an die russische Grenze (zu der auch ein Besuch der Anders-Grotte und der unrühmlichen deutschen Geschichte hier vor Ort gehört) ist es bestes Wetter. Ich entscheide mich für einen Spaziergang in den Ort, aber diesmal „falsch rum“: Zuerst zu dem Aussichtspunkt (einer Kurve über der Stadt), dann kurz in den Ort rein, statt wie gewohnt über die Andersgrotta direkt nach Kirkenes.

Blick auf Kirkenes vom Aussichtspunkt
Chinatown?

In Kirkenes hat sich seit meinem letzten Besuch nicht viel verändert, außer dass mehr Schnee liegt. Die zweite Uhr an der Kirche ist immer noch kaputt, dafür steht ein chinesisches Tor vor ihr. Vielleicht erhält Kirkenes nun eine veritable Chinatown?

Schneeschippen für Profis

Wie die meisten Städte in der Finnmark profitiert auch Kirkenes davon, wenn Schnee liegt (zumindest rein optisch) – gerade bei so reinem Schnee und blauem Himmel wie heute. Den großen Baggern beim Schneeräumen zuschauen ist zumindest für Touristen reizvoll. Ansonsten halten sich die Sehenswürdigkeiten in Grenzen. Einige Statuen und viele Holzhäuser, die beim letzten kurzen Boom der Eisenerzmine renoviert wurden – es ist eine Stadt, die von Werft, Fischerei und gelegentlich Erzabbau lebt.

Auf dem Weg zum Hafen komme ich wieder an den meterhohen Krabbenkäfigen vorbei, mit denen versucht wird, die Königskrabbenpopulation einzudämmen – sie sind von Russland eingewandert (wo sie ausgesetzt wurden) und machen sich nun im Nordmeer breit.

Eisbrecherchen

Im Hafen dreht ein kleiner Eisbrecher seine Runden, damit das Eis nicht zu dick wird: Immer wieder kommt das kleine orange-weiße Eisbrecherchen vorbei, der Wellengang sorgt dafür, dass sich keine geschlossene Eisdecke bildet. Auch ein netter Job, so kommen die großen Schiffe gut aus dem Hafen raus. Kirkenes liegt ja ein gutes Stück südlich des Golfstroms und ist vor dem warmen Wasser geschützt.

Wir verlassen Kirkenes kurz nach halb eins mit Kurs nach Norden und sind jetzt die südgehende Hurtigrute. Das Wetter ist perfekt und die See glatt, sodass die Überfahrt nach Vardø ereignislos verläuft. Wir gehen Mittagessen und bieten dann vor dem Restaurant die Reiseleitersprechstunde an, bis ich um 15 Uhr meinen Vortrag über Sternbilder und ihre Sagen halte. Irgendwann kriege ich das Buch dazu auch noch fertig…

Normalerweise halte ich den Vortrag erst nach Vadsø um 17 Uhr, aber diesmal kollidiert das mit Norwegen Land & Leute und den Vorträgen anderer Reisegruppen (südgehend sind immer noch über 300 Passagiere an Bord), daher gebe ich mir mit Björn vom Expeditionsteam die Klinke in die Hand: Bis 15 Uhr belegt er den Vortragsraum mit der deutschsprachigen Einführungsveranstaltung für neue Passagiere, dann stöpsle ich meinen Laptop ein, komplimentiere die Nicht-Gruppen-Mitglieder hinaus und mache meinen Streifzug durch die letzten Jahrtausende.

Vardø – wechselhaft

Um 15:45 bin ich planmäßig fertig, dann sollte die Nordnorge auch in Vardø anlegen. Angesagt wurde es sogar, aber selbst das übliche 16 Uhr wird knapp. Damit bleibt genug Zeit für einen Blick an Deck: Die Barentssee bietet dunkle Wolken und blauen Himmel. Hm…

Vardø im Schneesturm

Ein paar Minuten später hat Vardø sich dann für „Schneesturm“ entschieden: Vom Hafen ist nicht viel zu sehen, und ich überlege, ob es sich überhaupt lohnt, zur Festung rüberzugehen. Das Hexendenkmal habe ich aufgegeben – erst um 16:15 öffnet sich die Gangway, und wir können das Schiff verlassen. Die meisten schauen beim Eismeerbaden zu, ein paar Mutige sprinten kurz zur Festung Vardøhus und schießen ein paar Fotos. Vor der Festung wird der Schnee gerade in Rechtecke aufgeteilt… Ich habe irgendwas im Hinterkopf, dass Vardø Schauplatz von einem Schneeballschlacht-Festival wäre. Was meint Google zu dem Thema?
Es gibt die Seite VisitVardo.com, die zuerst einmal empfiehlt: „Experiencing a true Arctic storm should be on everyone’s „bucket list“.“ Okay, aber dafür braucht man keinen Turnierplatz. Es ist wohl entweder „Yukigassen – the European championship in snowball fighting“ oder eher die „Fortress Games“

Vardø

Es bleibt bei einer halben Stunde leider kaum Zeit für Vardøhus, aber immerhin ist der Schneesturm vorbei, sodass ein paar Bilder möglich waren. Als ich zum Schiff zurückspurte, kommen die Teilnehmer des Eismeerbadens auch schon zurück. Von Deck 7 aus kann ich noch ein paar Bilder der Stadt schießen. Die zahlreichen Grafitti sind weniger geworden: Vor ein paar Jahren gab es einen Wettbewerb, bei dem abbruchreife Häuser mit Grafitti verziert wurden, die zum Teil sehr gut aussahen, so langsam verschwinden die Häuser wohl Dafür stehen noch ein paar Ruinen ohne Schmuck am Hafen.

Links Eismeerbaden, rechts Schiffs-Whirlpool

Vom Heck aus bietet sich noch ein Blick auf zwei Schwimmbecken: Einerseits der Whirlpool vom Schiff, andererseits das Becken im Hafen für das Eismeerbaden. Ich weiß, was mir da verlockender erscheint…

Anschließend geht es auf die Barentssee, und unser gutes Wetter scheint erstmal vorbei zu sein: Bei (laut windy.com) drei Meter hohen Wellen ist doch gut Bewegung im Schiff, das Restaurant ist weniger gut besucht als bislang.

Båtsfjord

Båtsfjord (angeblich 39% Bewölkung) erreichen wir mit etwas Verspätung und in einem Schneeschauer, aber immer wieder blitzt der Mond durch. Haben wir vielleicht später Glück?

Vorerst sieht es nicht so aus, auch wenn bei der Abfahrt aus Båtsfjord ein Hauch von Grün auf der Kamera zu sehen ist. Abwarten – alle Prognosen sind gerade pessimistisch, die Polung des Magnetfelds stimmt einfach nicht.

Abfahrt aus Båtsfjord mit einem Hauch von Grün (rechts)

Das Geschaukel sorgt dafür, dass es im Schiff ruhiger wird, den Rest erledigen die Musiker, die mitreisen und im Multe auf Deck 7 mit Geige und Harfe aufspielen. Hans und ich hören uns das einige Zeit an, bevor wir die Flucht ergreifen. Ich suche Ruhe und Frieden im Panoramasalon, wo die Bewegung des Schiffs deutlicher wird. Nicht jeder verträgt das gut… wir haben Gegenwind, sodass auch relativ geringer Seegang sich gut bemerkbar macht.

Berlevåg

In Berlevåg, das wir ebenfalls mit einiger Verspätung erreichen, sieht es schlecht aus. Dafür kann man dem Gabelstapler zuschauen, Fracht wird gelöscht und aufgenommen. Mehr als ein Hauch von Polarlicht ist nicht zu erahnen.

Feierabend? So ziemlich. Ein bisschen Polarlichtbogen ist zu sehen, aber sobald wir aus dem schützenden Fjord raus sind, nimmt das Geschaukel wieder zu, und ich mache Feierabend.

Sturmsicherung

Dann kommt kurz nach 23 Uhr die Durchsage, dass wir am Bug etwas Nordlicht haben… Also Kamera packen und ab an den Bug – gute Güte. Bei dem Seegang hätte ich keine Durchsage gemacht, das ist schon sportlich. Die einzige Türe auf Deck 5, bei der die automatische Öffnung noch funktioniert, ist auch gesperrt, die anderen sind noch offen. Das Polarlicht ist nett, aber noch nicht die ganz große Show. Dazu kommen immer wieder Wolken, Wolken, Wolken… Nach einer Viertelstunde und einem kurzen Zeitraffer gebe ich auf, gehe ins Warme, Bilder kopieren, und bis Mitternacht immer wieder mal rausschauen. Bleibt wohl so.

Die Strecke von Berlevåg bis Mehamn schaukelt gut, liegt aber auch schön im Polarlichtoval. Als kurz nach Mitternacht die nächste Durchsage kommt, bin ich bereit. Mittlerweile sind alle Türen auf der linken Seite verschlossen, aber ich finde den Weg zum Bug, befestige meine Kamera und werde mit rund 20 Minuten guter Show belohnt: Es gibt zwar nicht die ganz kräftigen Farben (was auch an dem Gischtschleier liegen kann, der vom Bug hochweht), aber ein paar Minuten lang schöne Bewegung: Das Nordlicht tanzt! Sehr chic. Und über die Türen am Heck komme ich sogar wieder in das Innere des Schiffs zurück, uff.

Nach nicht ganz einer halben Stunde ist der Spuk vorbei, und da wir bald in Mehamn ankommen, mache ich endgültig Schluss für diese Nacht. Jetzt dar der Rechner dran. Das Ergebnis: Doch ein netter kleiner Zeitraffer:

Das Polarlicht von Tag Nacht 7