Hurtigrute Tag 2: Auf ins Ungewisse

Das war wirklich die ruhigste Westkapp-Passage, die ich je hatte. Die einzigen Wellen gestern Abend gab es in der Badewanne meines Hotelzimmers, die ich zur Entspannung benutzte. War auch nötig, nach dem Tag. Spätabends gab es noch die letzten Telefonate mit Hurtigruten; es gibt am Samstagnachmittag doch noch einen Flieger von Amsterdam nach Ålesund. Ich könnte also prinzipiell ausschlafen, statt in aller Herrgottsfrühe morgens einen Flieger nach Bergen zu nehmen, und von da weiter nach Trondheim zu fliegen.

Das Steigenberger im Frühnebel.

Nur dass Eva meint, dass das mit dem Koffer nicht klappt. Also stehe ich doch kurz nach 6 auf, dusche und mache eine kurze Stippvisite im Frühstücksraum des Steigenberger Airporthotels. Ab 6:30 gibt’s hier Frühstück – ideal für Reisende… also kurz meinen Flüssigkeitsspiegel aufgefüllt, zwei Croissants verschlungen und auschecken. Vor dem Hotel wartet auch schon der Transferbus für 7 Uhr.

Also, sagen wir mal: Da steht ein Bus. Einerseits ist der eh wieder viel zu klein – aber das passt ja dazu, dass KLM auch gerne mal Flüge überbucht. Warum sollte es da beim Shuttle anders sein? Andererseits kommt dann die Info, dass es mit dem Bus technische Probleme gibt. Kaputt. Und dann fährt er mit ein paar Reisenden Richtung JFK (?) ab, während uns ein Taxi versprochen wird.

Überraschung: Um 7 kommt dann doch noch der viel zu kleine Bus,der uns gestern ins Hotel gebracht hatte. Ich ergattere sogar einen Sitzplatz und fahre wie geplant zum Flughafen.

Shuttlebus?

Am Airport klappt dann alles: Ich kriege das richtige Bordticket nach Ålesund, und der KLM-Schalter bestätigt mir hoch und heilig, dass mein Koffer umgebucht ist. Ist alles im System, und der Koffer geht ohne mich auch in keinen Flieger. Nur für die anderen Gäste kann ich nichts tun, das müssen die selber veranlassen.

Uff.

Und nun? Habe ich knapp fünf Stunden, bevor ich die üblichen zwei Stunden vor Abflug am Flughafen sein soll. Komoot schlägt mir eine 8km- bzw. 2-Stunden-Wanderung zu irgendwelchen Seen in der Nähe vor, nur finde ich den Ausgang vom Flughafen nicht und stoße stattdessen auf Hinweisschilder zur gut versteckten Panoramaterasse.

Also nutze ich die Gelegenheit, um da an der frischen Luft zu sein, und schaue mir bis kurz vor 11 den Flughafen von oben an. Immerhin ist da wohl keine Maskenpflicht. Nebel zieht auf, Nebel lichtet sich wieder, und langsam wird es frisch da draußen… aber immer noch besser, als irgendwo im Flughafen rumzusitzen.

Auf der Panoramaterrasse steht auch eine alte KLM-Maschine, bei der man einen Blick ins Cockpit werfen kann, und es gibt abseits gelegene, sehr saubere und noble Toiletten.

Gegen elf suche ich dann doch das Warme und eine Gelegenheit, den 15-Euro-Verzehrgutschein von KLM einzulösen. Langt für einen Salat und ein Sandwich. Maskenpflicht gilt übrigens erst, nachdem man mit Boardingpass das eigentliche Terminalgebäude mit der Security-Schleuse betreten hat. Im Gegensatz zur deutschen Flughafensecurity sind die Kollegen hier freundlich und noch schneller, es bleibt sogar Zeit, um über ein paar Dinge in meinem Handgepäck zu reden. Meine Sternkarte erweckt die Neugier – hübsch.

Neuer Flieger, neues Glück

Anschließend sind noch gut zwei Stunden totzuschlagen, bis tatsächlich ein neuer Flieger aufkreuzt und wie nach Ålesund fliegen. Unglaublich!

Der Flug ist voll, aber ereignislos, und ich kann tatsächlich ein bisschen Schlaf nachholen.

Wir landen pünktlich in Ålesund, wo die Einwanderung etwas dauert (statt Personalausweis wollen die Beamten einen Reisepass sehen, außerdem den Covid-QR-Code), dann gibt es einen grünen Zettel, und ich kann nach meinem Gepäck schauen, das nicht neben dem Band steht.

Aha.

Hatte die gute Frau gestern am Flughafen bei T-2 doch recht, dass sie mir mein Gepäck nicht geben kann. Aber dass ich es gar nicht kriege, trotz der Zusicherung von KLM? Meine Meinung über KLM ist jetzt wie der Nachthimmel – voller Sterne:

Diese ****** ****** ** ******* von ********** *******! Können die ************* *** ********* ***********!?!

Naja, hilft ja nichts außer norwegischer Gelassenheit.

Der Flughafen Ålesund

Also gut, wo ist die Baggage Reclaim? Wir werden zu Widerøe geschickt, wo es einen QR-Code zu Scannen gibt, der natürlich auf KLM verweist. Dann finden wir doch noch Menschen (die Flughäfen in Norwegen sind ja weitestgehend automatisiert) und kriegen einen QR-Code von KLM zum Scannen. Durch die Umbucherei findet die KLM-Webseite allerdings weder mich noch meine Buchung. Schließlich finden wir doch noch einen Menschen, und können das Gepäck verlustigt melden – mittlerweile hat sich ein Teil meiner Gruppe zu erkennen gegeben, Gepäck hat keiner. Es soll nachgeliefert werden. Vielleicht morgen in Trondheim, vielleicht übermorgen in Bodø, und nein, wir kriegen vorher keine Info, wann es kommt.

Immerhin kann ich den Gästen ein Taxi zum Schiff anbieten (das wir irgendwann auch kriegen), und Norwegen zeigt sich schon einmal von seiner schönsten Seite. Wie ich auf Twitter schon sehen durfte.

Während der Warterei komme ich immerhin auch erstmals mit unseren Leuten ins Gespräch. Einige saßen auf der linken Seite vom Flieger und hatten wohl Flammen aus dem Triebwerk kommen sehen. Eieiei. Gut, dass bis auf diese Unannehmlichkeiten – und das sind sie letztlich nur, so ärgerlich das auch ist – nichts passiert ist. Trotzdem hätte ich jetzt gerne eine gute Reise, viel Polarlicht, und mein Stativ, das noch im Koffer ist.

Auf der Fahrt nach Trondheim kommen wir noch an der Fridtjof Nansen und der Ex-Midnatsol vorbei (wenn ich das im Vorbeifahren richtig erkannt habe), die ebenfalls in Ålesund an einem anderen Kai liegen. Um den beiden noch einen Besuch abzustatten, langt die Zeit natürlich nicht. Aber immerhin, wir erreichen auch unser Schiff, das schon im Hafen am Skansen-Kai liegt, und am Kai ist eine große Schlange mit Neuankömmlingen, die die Corona-Selbsterklärungen ausfüllen. Und dann bin ich tatsächlich an Bord!

Welcome on board!

Eva begrüßt, ich beziehe meine Kabine im dritten Stock, dann eine erste kleine Begrüßungsveranstaltung, dann nahtlos um 20 Uhr Abendessen, dann um 21 die einstündige Begrüßungsveranstaltung und Sicherheitseinweisung, anschließend Treffen bei der Rezeption, um die auch mit der Gepäckverfolgung zu beauftragen, und für mich Coffee und WiFi zu beantragen – ich wurde in den falschen Tarif gebucht.

Uff. Halb elf Abends, und ich war noch nicht einmal draußen an Deck. Stattdessen geht es noch einmal auf Deck 7, Organisatorisches durchsprechen, und gegen Mitternacht in die Kabine. Blog schreiben. Mittlerweile fiebern doch einige Kollegen mit, wie das hier ausgeht.

Und dann Feierabend. Wie schaffen wir das eigentlich immer in Bergen, wo wir auch nicht früher an Bord sind, aber schon um 20:30 regulär in See stechen?

Ach ja, falls sich jemand fragt, um die Bilder so knackig bunt sind: Das liegt an Apple. Bislang habe ich nur mit dem Handy fotografiert und nicht mit der großen Kamera. Aber die habe ich wenigestens im Handgepäck.

Die Reise kann losgehen!

Hurtigrute Tag 1: Gestrandet in Amsterdam

Nach einem Jahr Home-Office kommt es mir richtig surreal vor, dass ich heute Abend schon in Bergen auf der Nordkapp sein soll, um wieder zu einer Hurtigrute in See zu stechen. Geändert hat sich in der Zeit einiges: Ich habe keine Ahnung, welche Kabine ich habe (das erfahre ich erst auf dem Schiff). Der Checkin bei KLM endete gestern damit, dass ich eingecheckt bin, aber die Bordkarte erst kriege, wenn ich vor Ort mein Covid-Zertifikat zeige. Ich habe also praktisch nichts als einen gepackten Koffer. Sehr surreal das ganze.

Parken direkt am Terminal

Aber der 1. Oktober ist ein wunderbarer Tag im Ländle, und die Autobahn von Karlsruhe nach Stuttgart ist fast frei. Nur 15 Minuten Stau, und der Flieger geht erst um 11 Uhr – sehr entspannt. So mag ich das. Und weil ich von meinem dank Corona gestrichenen Irlandurlaub letztes Jahr noch einen Parkgutschein hatte, kann ich es mir leisten, direkt am Terminal zu parken. Auf Shuttle-Dienste habe ich aktuell keine große Lust.

So bin ich um kurz vor 9 am Terminal – man soll ja auch zwei Stunden vorher da sein. Bringt nur nichts, wenn der Schalter noch zu hat. Irgendwann macht KLM sogar auf und fertigt gemächlich ab, und nach einer Stunde in der Schlange (Abstand halten. Ja… auch ohne Abstand reicht sie bald bis raus an die frische Luft) habe ich meine Bordkarte und meinen Koffer aufgegeben. Good Bye. Das Covid-Zertifikat wollte keiner sehen, aber immerhin wurde danach gefragt.

Die Schlange am Schalter wächst…

Die Security ging angenehm schnell, wie gewohnt unfreundlich und mit Bombentest (diesmal an der Jacke statt den Kameras), und nach 10 Minuten war ich durch. Noch eine gute halbe Stunde warten, dann eine Viertelstunde Verspätung vom Flieger, und dann sitze ich tatsächlich im Flieger nach Amsterdam.

Kaum zu glauben! Es geht wirklich los.

Eigentlich gehört zu Norwegen ja ein Flug mit SAS, aber seit einiger Zeit nutzt Hurtigruten vor allem KLM. Da geht mein SAS-Vielfliegerstatus dahin… Immerhin gibt es bei KLM kostenloses Essen und Getränke, während bei SAS nur Coffee and Tee are always free. Aber Hauptsache, wir kommen an.

Während des Flugs wird das Wetter im schlechter, vom klaren süddeutschen Himmel wechseln zu immer dichteren Wolken bis hin zu Regen in Amsterdam. Davon abgesehen ist der Flug ruhig. Was neu ist: es gibt Kokos-Bollen zum Essen, und bei der Sicherheitseinweisung wird darauf hingewiesen, dass man die Maske abnehmen muss, bevor man die Sauerstoffmaske aufzieht, die im Notfall von der Decke fällt. Sonst gilt Maskenpflicht.

Das Flugzeug wird nach Sitzreihen verlassen, und ich habe zwei Stunden Zeit, bis mein Anschlussflieger geht. Normalerweise würde man die Zeit nutzen, um was zu essen oder shoppen zu gehen. Aber mit Maske macht das weniger Spaß, und die Außenbereiche sind auch gesperrt. Also irgendwo ein ruhiges Plätzchen suchen und warten.

Unser Flieger ist da.

Das Boarding ist pünktlich und geht nach Zonen. Erst die Fensterplätze, dann der Gang, möglichst wenig Stau.

Das Ganze geht schön diszipliniert ab, es folgt die Sicherheitsbelehrung samt Datenschutzhinweis (keine Bilder von Passagieren oder Crew, ohne vorher eine Genehmigung einzuholen), und ab geht’s auf Rollfeld.

Ich fliege echt nach Norwegen, und Jackpot: Der Platz zwischen mir und meinem Banknachbar ist frei!

Die Motoren laufen warm, drehen hoch, wir fahren an, es rumst, und Startabbruch.

Okay, das ist neu. Aber besser jetzt als in der Luft… Der Captain hat sich zum Abbruch entschieden, weil es Probleme mit dem linken Triebwerk gab. War es ein Vogel oder ein technisches Problem? Egal, wir müssen zurück zum Gate, das einmal anschauen.

Start ins Ungewisse…

Ein letzter Blick auf unseren alten Flieger

Nach ein paar Minuten ist klar: Wir brauchen ein neues Flugzeug, das wir an Gate D49 finden.

Also ab zu Gate 49. Das im Internationalen Bereich ist. Wohl dem, der einen Reisepass dabei hat. Wobei: Kurz vorher schickt jemand, der kompetent auftritt, alle zurück nach B49. Mitten im Flughafen dann noch mehr Verwirrung: Der Zugang zu Gate D49 ist jetzt frei. Auf der Tafel steht Gate 79. Und wo kommt die Info mit B49 überhaupt her?

Die Flughafenmitarbeiter wissen auch nichts, also auf gut Glück zurück zu D49, mit Reisepass-Kontrolle – wir verlassen die EU. An Gate D49 treffen wir auf die Crew, und folgen ihr zurück in den Schengenraum zu Gate D79.

An Gate D79 warten wir dann auf das Boarding, bis die Durchsage kommt: Flight cancelled. Die Crew ist selbst von der Durchsage überrascht, dass sie ihre Arbeitszeit überschritten hat. Jetzt alle zu Transit T-2, um Alternativen zu finden. Gar nicht so leicht, die Mitarbeiter sind es nicht (mehr) gewohnt, dass die Passagiere ein Schiff in Bergen erreichen muss. Noch am selben Tag. Das um 20:30 abfährt. Hilfreicher Kommentar: “Das ist aber knapp”.

Einige Telefonate mit Hurtigruten und unserer Reiseleiterin Eva, die in Bergen wartet, ist klar: Das wird heute nichts mehr, und morgen auch nicht gleich. Ich soll versuchen, am Sonntag in Trondheim dazuzustoßen, vorher fliegt nichts. Oder heute Abend nach Bergen fliegen. Oder morgen früh. Frustrierendes Chaos, und man kann noch nicht einmal jemandem böse sein (außer vielleicht den beiden Damen, die Feierabend machen, als ich zu ihnen wollte): Der Captain hat alles richtig gemacht, als er abgebrochen hat. Die Crew hat uns ans richtige Gate geschickt (soweit sie wusste), und dann zum richtigen Gate gebracht. Die Flugsicherheit eigentlich auch, damit niemand übermüdet am Steuer eines Flugzeugs sitzt. Nur die Kommunikation auf dem Flughafen ist suboptimal gewesen – wo kriegt man Infos her?

Langer Rede kurzer Sinn: Ich kriege am Transit einen Essensgutschein, eine Übernachtung im Steigenberger Airporthotel samt Transferbus, und mein Gepäck kriege ich nicht. Also kurz das nötigste kaufen und ab ins Hotel. Außerdem nochmal Eva in Bergen kontaktieren: Es war wohl unsere ganze Gruppe in dem Flieger, wobei ich nur Individualreisende getroffen hatte. Bei denen machen Gerüchte über eine 9-10-stündige Busfahrt morgen die Runde.

Steigenberger statt Bergenbuffett

Beim Abendessen (Mildes Curryhühnchen auf Reis, Kroketten mit Brötchen oder Nudeln – das Steigenberger Buffett kann mit dem Bergenbuffett der Hurtigrute nicht mithalten) nochmal ein paar Telefonate: Keine Ahnung, wo unsere Gruppe ist, aber letztlich fliegen wir doch nicht morgen früh nach Bergen, sondern morgen Mittag nach Ålesund.

Mal sehen, was morgen früh gilt, und wo mein Koffer derweil landet…

Nur eins ist klar: Das wird die ruhigste Westkapp-Überquerung meiner Karriere!

Und ich glaube immer noch nicht so recht, dass ich auf Hurtigrute gehe.

Der Baader SunDancer II H-alpha-Filter

Ich hatte das Glück, mit einem der ersten SunDancer II H-alpha-Filter „spielen“ zu können und ihn auf Herz und Nieren testen zu dürfen. Auch wenn ich nicht zu den erfahrensten H-alpha-Beobachtern gehöre, konnte ich die Sonne mit den beiden H-alpha-Teleskopen der Heilbronner Sternwarte die Sonne seit über 20 Jahren immer wieder beobachten. Das sind ein 20/20-Ansatz von Wolfgang Lille mit 0,8Å am 150/2250-Refraktor (der einen klassischen Protuberanzenansatz ergänzt), und ein Lunt LS-60 Teleskop. Dabei gebe ich unumwunden zu, dass ich das Konzept des Lunt gerade für die Öffentlichkeitsarbeit überzeugend finde: Ein vollständiges Teleskop, bei dem nichts schief gehen kann. Idiotensicher also, was gerade in einem Verein wichtig ist.

Das hatte ich auch Herrn Baader gegenüber erwähnt, als ich bei einem Besuch vor Ort zufällig einmal die Gelegenheit hatte, durch einen SolarSpectrum-Ansatz zu schauen, der gerade vor dem Verkauf getestet wurde: Sehr schönes Bild, aber mit Energieschutzfilter vor dem Objektiv und Stromanschluss für die Heizung für mich eher uninteressant. 

Vielleicht verdanke ich nicht zuletzt dieser Bemerkung die Chance, mir den neuen SunDancer II einmal anzuschauen. Ein Danaer-Geschenk, wenn ich das mal so sagen darf – H-alpha macht eh schon süchtig…

“Meine” H-alpha-Geräte: Der 6″-Refraktor der Heilbronner Sternwarte, mein ED80/600 mit SunDancer II, und das Lunt 60 der Sternwarte

Verwenden des SunDancer II

Der SunDancer II hat nämlich mit meinen Vorbehalten gegenüber beheizten Filtern gründlich aufgeräumt. Er braucht zwar Strom, aber das hat sich in der Praxis als irrelevant erwiesen: Da ich bei der Sonnenbeobachtung ohnehin mit Nachführung arbeite, ist sowieso Strom vorhanden, und mein PowerTank hat ausreichend Ampere, um neben dem Teleskop auch noch die Heizung des H-alpha-Filters zu betreiben. Der Aufwand für den beheizten Filter beschränkt sich also darauf, ein Y-Kabel zwischenzuschalten und die Stromkabel zu verbinden. Den Rest übernimmt die Elektronik, die den Filter auf die Betriebstemperatur hochheizt; die H-alpha-Linie muss also nicht wie bei den anderen Geräten über ein Drehrad eingestellt werden. Das ist vor allem bei längeren Beobachtungssessions interessant, wenn sich durch Temperaturschwankungen das Durchlassfenster des Filters verschieben kann. Gerade bei einer öffentlichen Führung schaut man nicht nach jedem Gast selbst durch das Teleskop um zu sehen, ob das Objekt noch zentriert und optimal dargestellt wird; da ist es Gold wert, wenn man sich um nichts weiter kümmern muss.

Der SunDancer II besteht aus zwei mit dem üblichen T-2-Gewinde verbundenen Teilen, die am Stück bleiben können: Das eine ist die 3x-Telezentrik mit integriertem Blockfilter, das andere ist das Etalon (also der eigentliche H-alpha-Filter) mit seinem “Ofen”. Dazu kommen noch die kleine Elektronikbox, die Temperatur regelt, und Netzteil bzw. optionales Akkupack.

Der SunDancer II und die Kontrolleinheit für die Temperatursteuerung.

Kurz zur Funktionsweiße von H-alpha-Filtern: Das Etalon ist ein Interferenzfilter, der die H-alpha-Linie bei 656nm durchlässt, ebenso wie Vielfache davon. Die exakte Wellenlänge, die durchgelassen wird, hängt dabei von der Filterdicke ab, und die Heizung regelt die Filterdicke – Wärme dehnt ja bekanntlich aus. Bei unserem alten Filter von Wolfgang Lille wird die Durchlasslinie durch Verkippen des Filters geregelt: Wenn der Filter schräg steht, legt das Licht einen längeren Weg durch den Filter zurück, und andere Wellenlängen werden durch Interferenz ausgelöscht. Das erklärt auch die hohen Ansprüche an die Oberflächengenauigkeit und den stolzen Preis. 

Damit der Interferenzfilter funktioniert, muss das Lichtbündel zwingend aus parallelen Lichtstrahlen bestehen und idealerweise ein Öffnungsverhältnis von etwa f/30 erzeugen – dafür sorgt die Telezentrik, die anders als eine Barlow nicht nur das Öffnungsverhältnis verändert, indem sie den Brennpunkt verschiebt, sondern auch für ein parallelen Strahlengang sorgt. (Deshalb kann ich den Filter auch nicht ohne Telezentrik an meinem 125/3500 f/28 Schiefspiegler verwenden – das Öffnungsverhältnis würde passen, aber das Licht ist trotzdem in einem Brennpunkt gebündelt statt parallel. Außerdem bräuchte ich immer noch einene Blockfilter und müsste mir überlegen, wo ich einen Energieschutzfilter platzieren könnte.)

Der hartvergütete Blockfilter des SunDancer II sitzt vor dem Etalon und sogar noch vor der Telezentrik. Er blockiert nicht nur die unerwünschten Nebenlinien, sondern auch fast alles andere, was den H-alpha-Filter an Sonnenstrahlung erreicht. Dadurch sieht er aus wie ein Spiegel und schützt das empfindliche Etalon davor, dass die Sonnenstrahlung eingebaute Polarisatoren oder seine Ölfügung einfach verdampft. Bis 80mm Öffnung langt beim SunDancer II dieser Blockfilter als Schutz, für größere Geräte ist ein zusätzlicher Energieschutzfilter vor dem Teleskop zwingend notwendig. Der einziger Nachteil bei der Arbeit ohne Blockfilter am kleinen Teleskop: Man darf nicht von vorne in das Teleskop schauen, da die am Blockfilter reflektierte, gebündelte Sonnenstrahlung durch das Objektiv hindurch zurückgeworfen wird. Darauf muss geachtet werden, wenn Teleskop und Sonne recht niedrig stehen und man zum Beispiel Öffentlichkeitsarbeit macht, wo doch immer wieder jemand neugierig in das Teleskop blicken kann. Auf einer hohen Montierung oder beim Blick vom Balkon spielt das keine Rolle. Natürlich kann auch bei kleineren Teleskopen ein Energieschutzfilter sinnvoll verwendet werden. 

Der SunDancer II am Teleskop

An meinem ED80/600 habe ich es daher so einfach wie es nur geht: Ich muss lediglich den SunDancer II an den Strom anschließen, in den Zenitspiegel stecken und ein Okular hineinstecken. Nach vielleicht zwei Minuten zeigt das Display keine Temperaturänderung mehr an, und er ist vollständig einsatzbereit. 

Für das Finetuning der H-alpha-Linie kann man den Filter über eine Mikrometerschraube leicht verkippen und so den Dopplereffekt ausgleichen: Wenn sich eine Materiewolke auf der Sonne in unsere Richtung bewegt, verschiebt sich die H-alpha-Linie in den blauen Flügel des Spektrums. Mit der Mikrometerschraube kann man schnell überprüfen, ob es gerade Ereignisse gibt, die eine Verschiebung der H-alpha-Linie erforderlich machen. So lässt sich die Durchlasslinie schnell und einfach verschieben, wenn der voreingestellte Wert nicht passt.

Über die Temperaturregelung der Steuerbox kann die H-alpha-Linie ebenfalls verschoben werden. So vermeidet man die Filterkippung, was für höchste Ansprüche interessant sein mag, und kann den Filter bei Bedarf auf das eigene System finetunen, falls die Werkseinstellung der Temperatur nicht optimal ist. 

Die Mikrometerschraube dient dazu, schnell einen Blick in den blauen Flügel der H-alpha-Linie zu werfen

Optimal arbeitet der Etalon ab f/30, die eingebaute Telezentrik hat den Faktor drei. Perfekt ist er daher an Teleskopen mit f/10; bei schnelleren Teleskopen kann eine Temperaturanpassung für das Finetuning sinnvoll sein. Mein ED80/600 mit f/7,5 ist eigentlich zu schnell (der Filter arbeitet so bei f/22,5), aber das Bild war trotzdem hervorragend – das ist eindeutig ein Vorteil des von der Telezentrik parallelisierten Strahlenbündels. Eine 4x Telezetrik hat Baader in Vorbereitung, aber aktuell kann niemand sagen, wann sie endgültig verfügbar ist. Corona sei Dank sind ja schon existierende Produkte nur schwer erhältlich…

Zuletzt noch wichtig für das Handling: Die Fokuslage unterscheidet sich mit der 2″-Steckhülse kaum von der eines üblichen Okulars, wenn die Sonne im Weißlicht mit Astrosolar-Folie beobachtet wird. Er sollte also (entweder mit 1,25″ oder 2″ Steckhülse, beides ist vorhanden) an praktisch jedem Teleskop in den Fokus kommen, auch an Newtons.

Beobachten

Der SunDancer II ist ein vollständiger H-alpha-Filter mit rund 0,6 Å Durchlassbreite, der kaum größer ist als ein Okular und auch nicht aufwändiger zu bedienen: An Teleskopen bis 80mm ist kein Energieschutzfilter nötig, damit passt er ohne Aufwand an meinen ED80/600. Als Zenitspiegel habe ich einen alten dielektrischen Baader MaxBright 2“ Zenitspiegel.

Allerdings habe ich ein kleines Problem: Durch die Telezentrik arbeite ich bei 1800mm Brennweite, und mein Standard-Okularpark macht einen Sprung vom 36mm 2″ Hyperion Aspheric zum 9mm Morpheus. Also in diesem Fall von 50x auf 200x. Da sind 80mm Öffnung natürlich überfordert. Aber im Schrank habe ich noch einen Satz Baader Classic Orthos; mit dem 32mm Plössl (56x) und dem 18er Ortho (100x) kann ich gut arbeiten.

Auch das 36mm 2″-Hyperion lässt sich verwenden und bietet einen angenehmeren Einblick als 1,25″-Okulare

Sehr schön: Ich sehe mit 600mm Teleskopbrennweite die ganze Sonne! Und was für ein Bild: Mit 0,6Å zeigt er Protuberanzen und Scheibe gleichzeitig mit schön ausgewogenem Kontrast. Mein erster Eindruck: Der SunDancer II raucht die beiden H-alpha-Filter auf der Sternwarte in der Pfeife. Aber ohne Probleme. Sehr, sehr chic.

Die H-alpha-Linie wurde auf Anhieb getroffen, ich habe noch nichts nachgeregelt. Ganz wichtig bei der Sonnenbeobachtung: Schatten! Seitliches Streulicht ruiniert den Kontrast, schon eine gute Augenmuschel bringt mehr als ein besseres Okular. Die beste Kontraststeigerung erziele ich durch das Astrogarten Beobachtungstuch, das ich mir vor einiger Zeit geleistet hatte. Das ist wohl das wichtigste Zubehörteil für die H-alpha-Beobachtung, falls man dabei nicht im Schatten sitzen kann. (Prinzipiell funktioniert auch eine Jacke – aber unter der wird es sehr schnell sehr stickig).

Nach dem ersten Wow-Effekt müssen natürlich ein paar Dinge ausprobiert werden, um zu sehen, was alles geht. Kriege ich mein 36mm-Hyperion an den SunDancer? Ja – entweder mit einer 2″/T-2-Okularklemme (die ich nicht in meinem Fundus habe), oder dem Gewindering M48 auf T-2 (T-2 Bauteil #29) # 2458110, den ich für irgendein anderes Projekt noch rumfahren hatte. Damit kann ich das Okular direkt auf den H-alpha-Filter schrauben: Sehr chic. Das Bildfeld scheint sogar etwas größer zu sein als im 32er Classic Plössl, und der Einblick ist auf jeden Fall entspannter als im 1,25“-Okular. Die Kombination entwickelt sich später zu meiner Standard-Kombi am SunDancer II – mit einem T-2-Schnellwechsler kann ich zwischen dem 36er Hyperion und der 1,25″-Okularklemme aus dem Lieferumfang wechseln und spare mir die Schrauberei bzw. eine 2″ Okularklemme. 

Ebenfalls zum ständigen Begleiter ist ein normaler Sonnenfilter geworden: Wenn die Sonne nicht perfekt zentriert ist, ist sie auch mit einem einfachen Sonnensucher kaum zu finden. Also vorher kurz einen Blick auf die Sonne im Weißlicht, bevor der Herschelkeil durch den SunDancer ersetzt wird.

Bino

Und dann mache ich einen großen Fehler: Ich schließe ein Bino an – das Großfeldbino von unserem Verein, mit einem Satz Eudiaskopischen Okularen. Das haut mich wirklich von den Socken. So beeindruckend habe ich die Sonne wirklich noch nicht gesehen, auch nicht im kleinen Lunt, an dem ich das Bino schon ein paar mal verwendet hatte. Fokus ist auch kein Problem: Durch die Telezentrik ist der Strahlengang ja schon perfekt parallel, und alle Fokussierprobleme lösen sich auf einmal in Luft auf. Sogar der Glaswegkorrektor kann entfallen, und ich muss trotzdem nur rund drei Zentimeter näher ans Teleskop als ohne Bino. Das macht deutlich mehr Spaß als am Lunt mit 1,6x Glaswegkorrektor. 

Der SunDancer II mit Bino-Ansatz. In dem Moment war klar: Haben will!

Und warum war das ein Fehler, das Bino anzuschließen? Weil das der Moment war, als klar war, dass der SunDancer II bei mir bleiben muss. Zum Glück waren letztes Jahr fast alle Urlaube ins Wasser gefallen, und es war noch etwas Geld in meinem Portemonnaie. Aber das heißt auch, dass ein Bino her muss, sobald das MaxBright II wieder lieferbar ist. Und passende Okulare. Diese Leihgabe wurde wirklich zum Danaer-Geschenk – aber wie ich immer zu sagen pflege: Solange es nur einmal weh tut – beim Bezahlen – und danach nicht mehr, ist es das wert. Und dank freiberuflichem Schaffen im Homeoffice ist der schnelle Blick auf die Sonne für mich kein Problem, da wird er noch öfter benutzt werden. Kein billiger Spaß, aber ein großer (und der Filter soll alterungsbeständig sein, über die Jahre rechnet sich das).

Einige Zeit später konnte ich dann auf unserer Sternwarte noch ein paar Vergleiche anstellen. Ich betreibe ihn ja eigentlich an einem viel zu schnellen Teleskop, also blendete ich meinen ED80/600 auf 60mm ab. Der Effekt war vernachlässigbar: Auf den ersten Blick ist da kein großer Unterschied zu sehen, wahrscheinlich gleicht der Auflösungsverlust den Kontrastgewinn aus – der Sprung von 80 auf 60mm ist zumindest bei der Deep-Sky-Beobachtung schon spürbar, schließlich sagt die Faustregel, dass man sich mindestens um die halbe Öffnung verbessern sollte, um den Unterschied zwischen zwei Teleskopen zu merken. Das Abblenden hat mir jedenfalls keinen für mich ersichtlichen spürbaren Vorteil gebracht.

Nächstes Teleskop: Ein alter Vixen 90/1000 mit Baader Clicklock-Zenitspiegel. Hier arbeitet der Filter bei f/33 etwa mit dem optimalen Öffnungsverhältnis, und der Kontrast ist noch ein gutes Stück besser. Bei 90mm und fehlendem Energieschutzfilter mache ich das aber nur kurz, auch wenn die Energiebelastung aus dem Bauch heraus kaum größer sein dürfte als am lichtstärkeren ED80. Bei nur einem Zentimeter mehr Öffnung geht das bessere Bild wohl eindeutig auf das optimalere Öffnungsverhältnis zurück.

Was mir bei 1000mm Brennweite negativ auffällt: Der Filter hat intern eine 19mm-Blende, bei effektiv 3m Brennweite passt die Sonne also nicht mehr vollständig ins Bild. Die 600mm sind ziemlich genau der Sweet Spot, bei dem die Sonne noch ganz durch den Filter passt. Das passt wunderbar zu den vielen kleinen, feinen APOs, die grad auf dem Markt sind, und größere Filter kosten natürlich mehr Geld. Aber das ist nur ein kleiner Wermutstropfen: Die Zunahme der Bildqualität mach das eingeschränkte Bildfeld mehr als wett. Wenn ich höher vergrößere, um Details zu beobachten, passt die ganze Sonne ohnehin nicht mehr ins Okular.

Wetterbedingt konnte ich auf der Sternwarte nur einen weiteren Test machen: Wie war denn das Bild im kleinen Lunt? Zugegeben, die komplette Sonnenscheibe erschien gar nicht so viel schlechter, und das Bild war heller. Nur mit Vergrößern ist nicht viel: Da geht den 60mm des Lunt doch rasch die Luft aus. Damit ist es immer noch nett, aber – ja, eben nur nett. Vor allem im Bino fehlt der Wow-Effekt, der mich beim SunDancer II von den Socken gehauen hat (abgesehen davon, dass das Lunt dafür einen Glaswegkorrektor braucht).

Nur zum Vergleich mit dem Ansatz von Lille bin ich noch nicht gekommen. Aber: Hier hängt ein ähnlich großer Filter mit 0,8Å an einem auf 10cm abgeblendeten 150/2250-Refraktor, bei 4,5m Brennweite. Also ist nur ein noch kleinerer Ausschnitt der Sonnenscheibe zu erkennen, in einem Filter mit größerem Durchlass und okularbedingt (1,25″) bei 140x Minimalvergrößerung – den Test kann ich mir eigentlich schenken. 

Fotografie

Dann gibt’s natürlich noch den Wunsch nach dem perfekten Foto… bei 1800mm Brennweite würde die Sonne noch auf eine Vollformatkamera passen; in meinem Fundus ist aber nur eine DSLR mit APS-C: Da fehlt der Sonnenrand. Spaßeshalber probiere ich einmal aus, ein Kameraobjektiv an das Okular anzuschließen: Prinzipiell bekomme ich so die gesamte Sonne sogar mit einer Micro-Fourthirds-Kamera aufs Bild, aber durch einen noch größeren Linsenstapel und immer noch nur mit einer Farbkamera – also eine für die Sonnenfotografie denkbar ungeeignete Kombination. 

Erster Test: Die partielle Sonnenfinsternis mit MFT-Farbkamera und Telekompressor

Was dagegen wunderbar funktioniert, nachdem die Adaptionsfrage einmal geklärt ist: Der SolarSpectrum Research Grade H-alpha 0.4x Telekompressor 2″ # 2459260. Er hat bei der starken Kompression zwar nur noch ein Bildfeld von 16mm, aber da der Filter selbst nur 19mm hat, ist das kein Problem, und ich bekomme die komplette Sonnenscheibe sogar auf meiner MFT-Kamera formatfüllend auf den Sensor. Chic. Auch der Kompressor muss also bei mir bleiben. Mein erster Schnappschuss mit etwas Nachbearbeitung in Lightroom und Photoshop ist zwar weit von dem entfernt, was der Filter kann, aber ich mache ja schließlich Astrofotografie für Anfänger (So viel Eigenwerbung muss sein, wenn Sie schon bis hierher durchgehalten haben: Das Buch gibt‘s jetzt schon in zweiter Auflage!). Und wenn ich mir die Youtube-Tutorials anschaue, die eine Dreiviertelstunde Bildbearbeitung zeigen, bleibe ich wohl auch erstmal dabei.

Als Schwarz-Weiß-Kamera habe ich ohnehin nur die kleine ZWO ASI Mini, die ich als Guider einsetze. Prinzipiell funktioniert sie wunderbar, aber sie zeigt die Streifen, die bei vielen H-alpha-Setups zu sehen sind und wohl auf die Kamera zurückgehen. Zumindest ist das die gängige Erklärung, vor allem weil nicht jede Kamera am selben Gerät den Effekt zeigt. Eventuell ist es durch Kippen von Kamera oder Filter zu beseitigen – oder durch ein Flatframe, aber mach mal ein Flatframe für H-alpha…

Im Fall meiner ASI Mini hilft Kippen aber nicht: Die Streifen sind von der Verkippung unabhängig und ändern sich auch weder in Position noch Form, wenn ich den Filter vor der Kamera drehe oder kippe – es muss also an der Kamera liegen. Aber: Wenn ich mit nicht perfekter Nachführung auf Protuberanzenjagd gehe und die Bilder stacke, mitteln die Streifen sich wohl auch raus. Zumindest bin ich mit meiner ersten Aufnahme einer Protuberanz ganz zufrieden – 10 Sekunden Aufnahmesequenz, gemittelt und bearbeitet in Registax, mit dem ED80/600 und der integrierten Telezentrik bei effektiv 1800mm Brennweite. Für den Erstling passt das schon ganz gut:

Eine hübsche Protuberanz am 2. September 2021. Nicht schlecht für meine erste Aufnahme einer Protuberanz mit einer monochromen Kamera:-)

Fazit

Mein Teleskop wird nun noch häufiger genutzt.

Das Fazit ist einfach: Der Filter muss bleiben, obwohl ich das gar nicht wollte. Einfach zu geil, salopp gesagt. Für das Geld eines Lunt H-alpha-Teleskops kriege ich zwar nur den Filter, aber an einem kleinen 80er-Refraktor schlägt er das vertraute 60er Lunt von unserem Verein um Längen, und ein Teleskop habe ich ja eh schon. Jetzt hat sich seine Nutzungszeit auch vervielfacht – ich hätte nicht gedacht, dass ein Filter mit Elektronik so leicht zu bedienen ist und so viel Spaß macht. Vor allem binokular…

Arbeiten mit dem Celestron RASA 8

Diesen Beitrag hatte ich ursprünglich für die Vereinszeitschrift der Heilbronner Sternwarte geschrieben. Da ich schon ein paar Mal in Foren und Diskussionen darauf verweisen wollte, stelle ich ihn nun auch auf meine Webseite. Dank Corona, Ausgangssperren, meiner mittlerweile seltenen Anwesenheit in Heilbronn und weil das Gerät doch öfter ausgeliehen wird, habe ich seitdem leider nicht mehr mit ihm gearbeitet. Ich brauche Zeit…

Der RASA 8 auf der CGEM-Montierung der Heilbronner Sternwarte

Neue Möglichkeiten für die Astrofotografie

Astrofotografie war schon immer eine Herausforderung. Sogar aus der Zeit vor der Zerstörung Heilbronns im zweiten Weltkrieg sind Berichte überliefert, dass der erste Zeiss-Refraktor der Sternwarte mit Kameras ausgestattet war – und die überlastete Montierung nur eiförmige Sterne lieferte. Die alten Beobachtungsbücher aus der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zeigen einige schöne Mondbilder, und eine analoge Olympus Spiegelreflex ruht immer noch in unserem Schrank.

Bis weit in die 90er Jahre war Diafilm das Mittel der Wahl. Wer damals mit dem Auge am Fadenkreuz geguidet hat, weiß, was das für eine Qual ist – selbst, wenn die Montierung etwas taugt, sodass man bequem am C14 sitzen konnte und nur die Tasten der Handsteuerung drücken musste.

Ein großer Schritt nach vorne war die Digitalisierung. Bei uns machte eine Starlight Express CCD-Kamera den Anfang – mit 320-Pixel-Chip und Bildausgabe auf einem Fernsehmonitor. Gesteuert wurde sie über einen eigenen Steuerungskasten. Dementsprechend selten war sie im Einsatz, auch wenn M 57 im C14 fast bildfüllend war.

Der nächste große Schritt war dann zweigeteilt: Einerseits wurden Videomodule für die Planetenfotografie eingeführt. Den Anfang machte bei uns wie so oft eine Philipps ToU Webcam, heute haben wir eine DMK Farbkamera, die wesentlich bessere Ergebnis liefert. Mit diesen Kameras wird ein Video aufgenommen, aus denen eine Software die besten Bilder des Planeten heraussucht und zusammengefügt – einst machte das Giotto, heute Registax oder Autostakkert.

Für Deep Sky brachten die digitalen Spiegelreflexkameras den Durchbruch: Erst kam eine Nikon D70 auf die Sternwarte, später zwei astromodifizierte Canons. Sie können am Teleskop ebenso eingesetzt werden wie auf dem AstroTrac als mobile Fotonachführung mit lichtstarken Objektiven.

Am Teleskop wurden diese Kameras meist entweder am Coudé für die Mondfotografie eingesetzt, oder am ED80, der auf dem C14 aufgesattelt ist. Mit Reducer kommt der ED80 auf ein Öffnungsverhältnis von f/6 (80/480) und kann auch ohne Nachführkontrolle einfach auf der Alt-Montierung Photonen sammeln. Ausschuss ist zwar dabei, aber man kann ja immer noch Bilder einfach löschen. Die Bahtinov-Maske erleichtert das Scharfstellen dabei ungemein.

Theoretisch ist sogar Autoguiding am C14 möglich – eine gekühlte Atik 16IC ist vorhanden, und PHD ist installiert. Allerdings wurde nie dokumentiert, wie das Ganze funktioniert.

Die anderen Sternwartenteleskope wurden eher selten für die Astrofotografie genutzt. Die Vixen Superpolaris-Montierungen sind zwar präzise, allerdings hatte sich die Elektronik im Lauf der Jahre verabschiedet, und sie können ohnehin nur nachführen, aber nicht guiden. Mit der normalen HEQ-5 wurde sogar gelegentlich erfolgreich mit dem C8 fotografiert; die HEQ-5 SDI „litt“ unter der besseren, aber empfindlicheren Boxdoerfer-Steuerung. Autoguider-Eingang oder gar Goto bietet aber keine dieser Montierungen, und der Schwerpunkt der Sternwarte lag erst einmal auf der visuellen Beobachtung – auch, da nicht viele Mitglieder fotografierten.

Die erste moderne Montierung war dann die CGEM, die die Superpolaris auf der Zeiss-Säule auf der Plattform ersetzte. Sie bietet Goto und eine Autoguiderschnittstelle, ist jedoch nicht mobil. 2019/2020 wurden dann die Weichen gestellt, um die Astrofotografie mit unseren Geräten wieder zu fördern: Mit der Celestron Advanced VX (AVX) kam eine transportable parallaktische Montierung mit Goto und Autoguiderschnittstelle auf die Sternwarte. Es folgte eine Atik Horizon Astro-Kamera mit gekühltem Farbsensor (weniger Rauschen!) und der Möglichkeit, Bilder direkt am PC zu stacken. Sie kam pünktlich zum Lockdown Anfang 2020, sodass sie erst im Herbst getestet werden konnte. Der Durchbruch war dann der Celestron RASA 8, der sowohl auf der CGEM auf der RMS als auch mobil auf der AVX betrieben werden kann: Eine reine Fotomaschine, die mit 400mm Brennweite und f/2 kurze Belichtungszeiten und große Bildfelder ermöglicht. Er kann nur mit der ATIK betrieben werden, für eine DSLR langt sein Backfokus von nur 25mm ab dem T-2-Gewinde nicht aus. Aber der Aufwand lohnt sich.

Das First Light war im November 2020, und hier will ich von den meinen Erfahrungen berichten und beschreiben, wie er benutzt wird.

Der erste Einsatz

Nachdem wir alle nötigen Adapter beisammen hatten – für die Atik war noch ein 12mm-Distanzring nötig; bei f/2 müssen die Abstände exakt eingehalten werden, wenn man scharfe Bilder will – konnte ich das Teleskop am 5. November endlich in Betrieb nehmen. Das bedeutete zuerst einmal, den optionalen Motorfokussierer zu installieren und Firmware-Updates für die Handcontroller und Montierungen aufzuspielen. Der Motorfokussierer erscheint als zusätzlicher Punkt „Focuser“ in der Handsteuerung und kann dann mit den Scroll Up/Down-Tasten des Handcontrollers gesteuert werden. Manuelles Fokussieren ist nicht möglich! Alternativ kann er über den PC gesteuert werden. Dazu wird der Handcontroller über ein Mini-USB-Kabel mit dem PC verbunden (was den ersten USB-Port belegt). Dann kann er über ein eigenes Steuerprogramm oder über Celestron CPWI gesteuert werden, das auch die komplette Montierungssteuerung samt Referenzsternsuche übernimmt.

Die Rückseite des RASA: Kein Okularauszug. Der Motorfokussierer ist an den AUX-Port der Montierung angeschlossen.

Nach einiger Zeit hatte ich dann auch alle Schrauben fest genug und die richtige Firmware auf AVX und CGEM, sodass der Fokussierer funktionierte. Noch einmal die Kalibrierung des Fokussierers starten, damit die Software die Endpunkte kennt, und der Teil war erledigt.

Der RASA passt mit seiner 3″-Schiene zum Glück ohne Probleme auf die Montierungen. Ein Gegengewicht langt prinzipiell, besser sind zwei, die dann näher am Montierungskopf liegen.

Dann kam die Kameramontage dran: Die Atik wird mit dem T-Adapter vor das Teleskop geschraubt, der 12mm-Abstandsring sorgt für den richtigen Abstand. Dann mit dem zweiten USB-Port verbinden.

Die Inbetriebnahme der Kamera war spannend: Anfang des Jahres waren wir komplett gescheitert. Atik macht gute Kameras, mäßig intuitive Software und eine bescheidene Dokumentation. Auf dem Desktop erscheinen nach der Installation nur die Icons für Infinity (mit dem man Bilder Live-Stacken kann – wunderbar, wenn die Kamera mal läuft, aber nichts für die ersten Versuche), Dawn (eine seltsame Software zur Bildbearbeitung, die völlig neue Wege bei der Benutzeroberfläche geht und dadurch gänzlich unintuitiv ist) sowie Dusk, das wohl Bilder aufnehmen soll. Arbeiten kann man dagegen mit Artemis Capture, das im Windows Startmenü versteckt wird.

Die ATIK vor der Schmidt-Platte des RASA.

Das erste Bild gelang mir daher mit Sharpcap, und nachdem ich die Einstellungen gefunden und die Funktionalität bewiesen hatte, konnte ich auch mit Artemis ein Bild auf den Monitor bringen. Die Kilianskirche, versteht sich – die ist schön hell. Dann noch den Sucher installieren und ausrichten (der 50mm MicroGuide von Astroshop – klein und leicht) und das Fadenkreuzokular einstecken. Mit Zenitspiegel am Sucher kommen wir leider nicht in den Fokus, da ist man vom Baader Variofinder am C14 verwöhnt – aber der hat dafür keinen Helikalfokussierer.

Jetzt konnte endlich getestet werden. Also die Montierung auf die Indexmarken setzen; die CGEM ist ja schon ganz gut eingenordet, wenn keiner an den Schrauben spielt. Dann die Referenzsterne anfahren – es ist ungewohnt, den ersten Blick im Sucher zu machen und dann auf den Monitor zu wechseln. Das Kabel vom Handcontroller ist aber lang genug, und die letzte Feinfokussierung ging über den Handcontroller auch gut (nachdem ich einmal die Kalibrierung durchlaufen hatte und den Fokussierer auf eine mittlere Position gestellt hatte).

Jetzt sollte eigentlich die Optik justiert werden, aber ich teste ja noch – also ab auf M 57 und 15×30 Sekunden belichten. Mal schauen, was die Software so kann. Freude: Die Justage sieht gar nicht so schlecht aus!
Davon abgesehen war das Ergebnis dann erstmal frustrierend: Ich hatte einen Schwung FITS- und TIFF-Bilder aufgenommen, die alle Schwarz-Weiß waren, obwohl Artemis Capture sie mir in Farbe anzeigte. Öhm…
Schließlich – allmählich ging auch der Mond auf, schlechte Zeiten für Deep-Sky – packte ich den RASA wieder ein (zumindest die Hardware funktionierte ja einwandfrei) und schloss die Atik noch einmal an den PC im Meridiankreishaus an. Oh Wunder: mit zwei 40mm-Verlängerungshülsen erhielt ich nun auch am ED80 ein scharfes Bild vom Mond. Nur kam ich mit der Belichtungszeit nicht weit genug runter, er war überbelichtet. Aber was soll‘s, die Hardware läuft. Dafür testet man ja!

Debayern?

Wieder zuhause nahm ich mich noch einmal der Daten an. Das Ergebnis: Die Bilder müssen debayert werden (aha…), damit aus komischen Monochrom-Aufnahmen Farbfotos werden. Das geht mit DSLR-RAWs in Lightroom doch bequemer. Die FITS-Dateien konnte ich so in Deep-Sky-Stacker öffnen und farbig machen. Sehr schön: Die Nachführung war auch ohne Guiding gut genug, und nach 7,5 Minuten war der Zentralstern von M 57 deutlich zu sehen. Dafür muss ich am ED80 mit f/6 deutlich länger belichten. f/2 macht richtig Spaß! Die Bilder hatte ich in Deep-Sky-Stacker als RGGB dekodiert.

Nur wie ich aus den TIFF-Bildern Farbfotos machen kann, habe ich immer noch nicht kapiert. Wahrscheinlich kann ich diese Aufnahmen abschreiben.

First Light am Himmel: 7,5 Minuten Ringnebel als Weitfeld – samt Zentralsternchen.

Second Light

Ein paar Tage später schien der Himmel wieder mitzuspielen. Der Plan für heute: Die Montierung einnorden, Autoguiding üben und mit Infinity herumspielen. Als es nach einem herrlichen Herbsttag endlich dunkel genug war, war ich auch fast einsatzbereit. Am Leitrohr hing meine ZWO Mini, die ich zum Guiden und Einnorden benutzen wollte – Sharpcap hat da eine wunderbare Routine mittels Platesolving.

Als die Kamera endlich Sterne sah, war die Montierung dann auch recht schnell recht gut eingenordet – bis auf etwa 30 Bogensekunden, gut genug für 400 mm.

Warten auf die Dunkelheit

Und pünktlich zur astronomischen Dämmerung war dann auch Nebel hochgezogen, sodass die Suche nach einem Referenzstern scheiterte, um das Goto in Betrieb zu nehmen. Kein Großer Wagen mehr zu sehen, die Nacht war gelaufen – vor allem weil der RASA noch keine Taukappe oder Heizung hat.

Aber lehrreich war es trotzdem: Ich bräuchte einen weiteren USB-Port, da der Aufbau drei Ports belegt: Einen für die Montierung, einen für die ATIK und einen für den Guider. Klar, dass mein MacBook Air nur zwei Ports hat…

Die Montierungssteuerung geht über CPWI ganz gut. Man muss nur das Hauptfenster mit dem Sternkartenprogramm zur Seite schieben und kann dann die Steuerfenster für die Achsen der Montierung und ggf. den Fokussierer über das Programmfenster von Artemis legen.

Artemis hat ein schönes Tool zur richtigen Fokussierung: Einfach das Focus-Tool aufrufen, einen Stern anklicken und dann über FWHM-Analyse den perfekten Fokus suchen. Sehr angenehm. Und wenn man ein Fadenkreuz einblendet, kann man auch die Referenzsterne der Montierung sehr genau einstellen.
Wenn das Leitrohr mit der Guidingkamera belegt ist, wäre ein kleiner Leuchtpunktsucher für die Referenzsterne noch ganz nett. Aber solange die Montierung ja auch über den Handcontroller gesteuert werden kann, kann das Guiding auch danach installiert werden – wenn die Kamera einen ST-4-Port hat, und man nicht über USB und den Handcontroller gehen muss (oder man ausreichend USB-Ports hat…).

PHD-Guiding konnte ich so leider nicht ausprobieren. Für dieses Jahr ist noch die Anschaffung eines Standalone-Autoguiders geplant. Im Idealfall kommt der ohne PC aus, mittlerweile ist die Technik auch recht ausgereift. Dann brauchen wir nur noch sechs Steckdosen: Für Montierung, Kamera, Laptop, Kühlung vom RASA, Heizung der Taukappe und Autoguider. Uff…

Der Arbeitsplatz mit Artemis Capture und CPWI


Artemis Capture hat eine spartanische, aber funktionelle Oberfläche. Die wichtigsten Funktionen:
(1) Cooler – Hier wird die Temperatur der Kamera eingestellt. Sie kann bis 30° unter Umgebungstemperatur gekühlt werden – sinnvoll ist ein Wert, der die ganze Nacht über gehalten werden kann. Wichtig: Die Kamera nicht einfach ausstecken, sondern erst wieder aufwärmen („Warm up“)
(2) Display: Beeinflusst nur die Darstellung am Monitor. Ggf. muss mit den Black- und White-Werten gespielt werden, um etwas zu sehen, Auto Stretch funktioniert nicht immer. Ein Schwarzwert ab 40 000 hilft dabei, Überbelichtung zu erkennen.
(3) Reticle blendet ein Fadenkreuz ein – perfekt zum Einstellen der Referenzsterne für das Goto. Der Zoom kann auch mit dem Mausrad verstellt werden.
(4) Exposure: Hier wird die Belichtungszeit eingestellt – auch am RASA sind 1-3 Sekunden ein guter Anfangswert. Binning sollte auf 1 stehen, sonst werden Pixel zusammengefasst – das liefert ein helleres Bild, aber nur noch in schwarzweiß. Darunter kann ein Bildausschnitt (Region of Interest) ausgewählt werden, oder mit Full frame das gesamte Bild.
Ein Häkchen bei (5) Autosave speichert automatisch jede Aufnahme, hier wird auch der Speicherplatz und Bildname angegeben. Die Funktion kann auch oben links bei den Icons aktiviert werden. Alternativ kann die aktuelle Aufnahme manuell gespeichert werden(6).
Über die (7) Presets und den Gain kann die Empfindlichkeit eingestellt werden. Gerade am RASA sind niedrige Werte besser, da es dann weniger Bildrauschen gibt – die Helligkeit kann auch in der Bildbearbeitung hochgezogen werden.
Über das Fenster Tracking kann auch fokussiert werden – einfach einen Stern anklicken. Wenn eine zweite Instanz von Artemis Capture geöffnet ist, kann hier auch eine weitere Atik für das Guiding genutzt werden.
Die Kamera wird über die Icons (8) ausgelöst: Einzelaufnahme, Dauerfoto oder programmiert.
(9) und (10) sind die Einstellfenster für Montierungsachsen und Fokussierer aus Celestron CPWI, das hier an den untersten Bildschirmrand geschoben wurde.

Livestacking

Ausschlaggebend für die Entscheidung für die Atik Horizon war die Infinity-Software, die Livestacking ermöglicht. Daher musste das natürlich auch einmal getestet werden, sobald ich mit der Kamera einigermaßen vertraut war.

LiveStacking: Man muss nur etwas mit dem Histogramm spielen, dann erscheint rasch ein schönes Bild auf dem Monitor. Fünf Minuten (24x15s) M 57 am C14, ohne Guiding.

Die Infinity-Software läuft grundsätzlich im Vollbildmodus und hat eine eigenwillige Oberfläche. Oben rechts sind drei Modi: Das Auge dient dazu, ein Objekt zu finden; die Kamera nimmt dann die Bilder und stackt sie, wenn man links ein Häkchen setzt, und das Wiederholungssymbol daneben lässt einen eine Sitzung erneut wiedergeben. Der Funkturm ist für Youtube-Streaming, und die Diskette lässt einen das Ergebnis speichern.
Die meisten Einstellungen sind halbwegs selbsterklärend. Damit ein schönes Bild herauskommt, muss man unten am Histogramm etwas spielen. Durch Verschieben von Schwarz- und Weißpunkt sowie dem mittleren Balken kann man eine Quick-and-Dirty-Bildbearbeitung machen. Das Beispiel oben zeigt den Ringnebel nach fünf Minuten – es ist schon cool, was fast vollautomatisch möglich ist!

Ganz perfekt läuft das aber noch nicht: Unser Rechner im Meridiankreishaus war etwas schwachbrüstig, die Software hätte gerne mindestens 8 GB RAM und einen i5-Prozessor; bei 4 GB funktioniert sie zwar, aber das Histogramm ist fast nicht zu bedienen. Auf meinem Laptop funktionierte es erst, als ich „Use Fast Display“ deaktivierte. Mittlerweile wurde der C14-Steuerrechner durch einen schnelleren Laptop ersetzt.

Aber wenn der Rechner leistungsstark genug ist, wird es reizvoll sein, während einer Führung ohne allzu großen Aufwand demonstrieren zu können, was die Kamera im Gegensatz zum Auge leisten kann.
Das ist dann schon wirklich Astrofotografie für Dummies…

Vorbereitungen der Montierung

Um Spaß dabei zu haben, muss die Montierung natürlich sauber laufen. Gerade vor dem ersten Feldeinsatz oder nach einem Firmware-Update sollten bei den Celestrons ein paar Dinge überprüft werden.
Die Montierung sollte möglichst gut ausbalanciert sein – und dann im Osten minimal schwerer, um Getriebespiel beim Nachführen zu vermeiden. So schiebt der RA-Motor immer.

Getriebespiel: Die Montierungen werden noch mit Zahnrädern angetrieben, die Spiel im Getriebe haben. Unter Einstellungen => Getriebespiel kann im Handcontroller eingestellt werden, dass der Motor etwas schneller läuft, um Totgang auszugleichen. Die Montierung sollte keine störenden Verzögerungen aufweisen, wenn man die Richtung ändert.

CPWI steuert Montierung und Motorfokussierer.

Utilities => Kalibrieren sollte einmal aufgerufen werden, die Kalibrierung läuft dann automatisch ab.
Für das Alignment sollten mindestens drei, besser vier Sterne ausgewählt werden, bevor die Montierung über Align=>Polausrichtung eingenordet wird. So kann sie ein besseres Himmelsmodell erstellen. Anschließend sollte ein neues Alignment durchgeführt werden. Wenn mit dem RASA und der Atik eingenordet wird, kann man ein Fadenkreuz einblenden. Wer einen eigenen Laptop hat: Sharpcap kostet Geld und ist nur als Abo erhältlich (sein Geld aber wert), bietet dafür jedoch eine sehr komfortable Routine, die zum Einnorden das Bild der Guidingkamera am Sucher verwendet. Auch das kostenlose PHD2 bietet so eine Routine, die konnte ich aber noch nicht testen.

Wenn man ohnehin einen Laptop dabei hat, bietet es sich an, Celestron CPWI zur Steuerung und Einnordung des Teleskops zu verwenden. Dabei werden unsere Montierungen über den Handcontroller verbunden, der dann im Betrieb ohne Funktion bleibt – die Montierung wird nur noch über den PC gesteuert.
Damit das funktioniert, muss man aber auch genug Strom haben. Es ist nicht jeder Lüfter nötig, aber auch der Laptop muss in der Kälte erst einmal durchhalten.

Fazit

Der massive Einsatz von Technik erfordert etwas mehr Vorbereitungszeit, aber wenn alles läuft, sind in kurzer Zeit sehr gute Ergebnisse erzielbar. Durch die Brennweite und Lichtstärke des RASA kann bei einer sauber eingenordeten Montierung sogar auf das Guiding verzichtet werden. Bei 400mm Brennweite hat die Atik eine Auflösung von 1,96″, was mit kurzen Belichtungszeiten noch beherrschbar ist – aber mit Guiding sind noch tiefere Aufnahmen möglich. So macht Astrofotografie richtig Spaß!

Zum Abschluss noch ein Bild, das ein Kollege mit dem Gerät aufgenommen und ernsthaft bearbeitet hat:

Das Galaxienpaar M 81/M 82, aufgenommen mit unserem neuen RASA 8 (400mm f/2) und der Atik Horizon Color. 110 Frames je 2 Minuten + Darks, Bias, Flats.

Die Sonnenfinsternis im Zeitraffer

So, den ersten Schwung Bilder der Sonnenfinsternis vom 10. Juni 2021 habe ich nun durchgeschaut, den Rückblick gab’s ja schon im letzten Blogbeitrag. Meine Nikon D7100 hing ja am Coudé-Refraktor der Heilbronner Sternwarte und schoss jede Minute ein Foto. Das Teleskop ist ein 150/2250mm-Refraktor, mit Reducer liegt er etwa bei 1500mm Brennweite, sodass die Sonne komplett auf den Sensor der APS-C-Kamera passt.

Nun ist das Gerät aus den 1980ern, und irgendwo ist noch die Anleitung, die beschreibt, wie man die Nachführung auf Sonnengeschwindigkeit einstellen kann. Daher lief die Sonne regelmäßig aus dem Bild, und ich musste die Fotos manuell zentrieren. Die Helligkeitsschwankungen kommen daher, dass ich die Kuppel auch manuell drehen musste und nicht immer daran gedacht hatte.

Immerhin: Die erste Wolke kam erst in der Minute, nachdem der Mond nicht mehr vor der Sonne stand. Dafür kann man richtig zusehen, wie sich Staub auf dem Sensor ablagert. Da die Sonne über den Sensor wanderte und die Bilder nachträglich auf die Sonne zentriert wurden, sieht das so aus, als ob der Staub über die Sonne wandert. Immerhin ist er so besser von den kleinen Sonnenflecken zu unterscheiden.

Zeitraffer der partiellen Sonnenfinsternis vom 10. Juni 2021

Kleines Update: Der Vollständigkeit halber hier noch das originale Video, das nicht ausgerichtet wurde und das schön zeigt, wie sich Sonne und Mond mit anderen Geschwindigkeiten bewegen als die Sterne, auf die die Nachführung eingestellt war:

Ein Zeitraffer aus den selben Bildern, nur ohne manuelle Ausrichtung auf die Sonne.

Die Partielle Sonnenfinsternis vom 10. Juni 2021

Was Finsternisse angeht, waren wir in letzter Zeit nicht gerade verwöhnt worden. Mit rund 7% Bedeckung für Süddeutschland versprach das auch ein eher unauffälliges Schauspiel – nichts, was man mit bloßem Auge bemerken würde. Trotzdem gab es schon im Vorfeld Überlegungen, mal wieder einen LiveStream von der Heilbronner Sternwarte aus zu machen. Mit öffentlichen Veranstaltungen sah es in letzter Zeit aus den bekannten Gründen ohnehin mau aus…

Der VarioFinder mit Sonnenfilter

Schon im Vorfeld stand daher eine Neuanschaffung an: Ein Sonnenfilter für den Sucher vom C14. Dessen Brennweite von 250mm passt genau, um die Sonne bildfüllend auf die DMK Planetenkamera zu projizieren, die wir schon einmal für einen LiveStream genutzt hatten. Das hat im Test auch wunderbar funktioniert – allerdings hat die Kamera nur 640×480 Pixel Auflösung. Nicht gerade viel für heutige Verhältnisse.

Die Wetterprognose am Vortag

Der Probelauf mit dem Youtube-Stream eineinhalb Wochen vorher ließ dann auch den Wunsch nach mehr Auflösung aufkommen. Was tun? Nun, für Deep-Sky-Fotografie haben wir noch eine gekühlte ATIK Horizon auf der Sternwarte, die sollte doch auch dafür taugen. Im Prinzipja – nur schmierte die ATIK-Software regelmäßig bei dem Versuch ab, auf Youtube zu streamen, und im Herschelkeil war das Bild auch bei kürzester Belichtungszeit zu hell.

In der letzten Woche vor dem Ereignis ließ das Wetter keine weiteren Tests zu, erst am 10. konnte ich wieder testen – kurz, bevor wir live gingen. Die Wetterprognose war mäßig, aber überraschenderweise war es dann doch weitestgehend klar in Heilbronn. Es mag damit zusammenhängen, dass ich kurz vorher nicht nur einen Sonnenfilter, sondern auch einen Regenschirm besorgt hatte – das hat den Wettergott wohl völlig verwirrt.

Die Technik für den LiveStrem – die Aufnahmeoptik (der schwarze ED80/600) wird vom doch nicht benötigten weißen Sucher fast völlig verdeckt:-)

Jedenfalls lief gut eine Stunde vor dem Beginn der Finsternis die ATIK mit einem zusätzlichen Graufilter am Herschelkeil, und mit Bildschirmzoom auch bildfüllend. Das Bild wurde dann mit OBS abgegriffen und gestreamt. Ein Workaround, aber er funktioniert.

Also dem Kollege Bescheid geben, der aus dem HomeOffice den Stream starten konnte – im Gegensatz zu mir vor Ort konnte er auf dem Laptop was erkennen. Ohne Sonnenschutz war der Laptop nicht bedienbar…

Beim nächsten Mal werde ich wohl versuchen, mit Okularprojektion ein größeres Bild zu bekommen. Mit dem 36er Hyperion Okular habe ich an der DSLR eigentlich immer eine schön große Sonne gehabt. Aber das nächste Mal können wir den Stream dann auch vorher ankündigen, so hatten wir immer 35 Zuschauer auf sternwarte.org/live/.

Die Sonne im Weißlicht

Absolut ungewöhnlich war übrigens, dass ich die Sternwarte völlig für mich alleine hatte. Wochentags Mittags in Corona-Zeiten haben doch nicht zu viele Leute Zeit, erst recht nich von unseren Instrumentenscheininhabern – und wir hatten ja keine Veranstaltung angekündigt. Abstand halten und so. Ich nutzte die Gelegenheit, um meine DSLR mit Reducer an den Coudé zu hängen und im Intervallmodus minütlich ein Foto machen zu lassen. Leider hatte ich nicht mehr so viel Zeit zum Fokussieren, bzw. mich etwas vertan, und doch etwas mehr Staub auf dem Sensor als gedacht. Aber fürs Web langen die Fotos allemal. Und irgendwann muss ich nachschauen, wie ich die Nachführung unseres Coudé auf Sonnengeschwindigkeit einstelle, sie lief ein paar mal aus dem Bild. Macht aber nichts, ich habe die Kuppel auch nicht immer schnell genug gedreht.

Damit waren beide Hauptteleskope der Sternwarte mit Kameras belegt – und was mache ich jetzt? H-alpha! Wir haben ja einiges an mobilen Geräten, und ich hatte noch einen H-alpha-Filter dabei, den ich gerade teste. Also Ruckzuck den ED80 auf die CGEM gesetzt, die fest auf der Plattform aufgebaut ist. Ja, chic: Einige nette Protuberanzen, mehr Details auf der Sonnenoberfläche als die paar kleinen Sonnenflecken, die im Weißlicht zu sehen waren, und hübsch anzuschauen, wie sich die ganzen Krater und Berge am Mondrand vor der Sonnenscheibe abheben. Also die kleine Panasonic G70 geholt und drangehängt. Eine Farbkamera ist für die H-alpha-Fotografie leider nur mäßig geeignet, aber eine Quick-and-Dirty-Bildbearbeitung will ich doch nicht vorenthalten.

Die Sonnenfinsternis im H-alpha

Das Bild hinkt dem visuellen Eindruck meilenweit hinterher – ich müsste unterschiedlich belichtete Aufnahmen von Sonnenoberfläche und Rand ineinanderkopieren, um was hübsches draus zu machen, und wesentlich mehr Zeit in die Bildbearbeitung stecken, als ich gerade habe. Aber für einen Schnellschuss schon ganz nett. Irgendwann arbeite ich mich mal in die H-alpha-Fotografie ein…

Nur was mache ich jetzt auf der Sternwarte? Langsam gehen mir die Kameras aus… Also noch ein Teleskop aufbauen: Unser kleines Lunt wartet eh schon lange wieder auf Sonne, und ich kann mal testen, wie gut die NexStar SE mit einem Sonnensystem-Alignment funktioniert. Ich bin positiv überrascht: Der breitere H-alpa-Filter des Lunt 60 (0,75Å statt 0,6Å am ED80) zeigt erwartungsgemäß die Sonnenprotuberanzen heller, und die Montierung führt ziemlich ordentlich nach – vor allem, weil ich das Stativ ohne Wasserwaage aufgestellt hatte. Nett. Damit ist das auch die erste SoFi, die ich fast komplett in H-alpha beobachte – ein bisschen dekadent ist das schon:-)

Klarer Himmel über Heilbronn, und die Sternwarte ganz für mich alleine

Ich konnte aber nicht wiederstehen, die DMK mit einem billigen Reducer an das Lunt zu hängen – da kam aber nichts scharfes bei raus, also hatte ich doch ein Teleskop für die visuelle Beobachtung. Auch nicht schlecht.

Brav: Die Wolken kamen erst nach der SoFi – Bild von 13:26.

So vergingen die zwei Stunden recht zügig, und das Wetter hielt sich bis zuletzt. Erst wenige Sekunden nach der Finsternis schob sich die erste Wolke vor die Sonne. Ich muss öfter Regenschirme vor astronomischen Ereignissen kaufen…

Gegen Ende war auch schon fernes Rumpeln zu hören, und als ich endlich alles abgebaut hatte, kamen auch schon die ersten Regentropfen. Auf der Rückfahrt erwischte mich auf der Höhe von Schwaigern dann auch noch ein regelrechter Wolkenbruch – es bewahrheitet sich also immer wieder, nach einer SoFi kommt Regen. Das war schon 1999 so:-)

Damit war das eine entspannte kleine Abwechslung zu den üblichen Veranstaltungen auf der Sternwarte und wieder einmal schön anzuschauen – ich hatte weniger erwartet. Trotzdem wäre es nett, wieder einmal Veranstaltungen mit Gästen vor Ort zu machen…

Ein Koffer für die Celestron AVX (Advanced VX)

Ich werde den Verdacht nicht los, dass ich aktuell mehr Zeit damit verbringe, Teleskope zu verpacken, als durchzuschauen. Ein Projekt für den letzten Sommer war es, die AVX-Montierung der Heilbronner Sternwarte transportfähig zu machen. Das Ziel dabei war vor allem, alles notwendige in einem Koffer zu haben. Mit meinen eigenen Koffern hatte ich das ja schon ein paar mal geübt, und die vorhandenen Lösungen, bei denen einfach der Versand-Schaumstoff in eine Tasche gepackt werden, sind wenig elegant.

Die Celestron AVX

Wer sie nicht kennt: Die Celestron Advanced VX (kurz: AVX) ist eine moderne GoTo-Montierung, die mit knapp 14 kg Traglast bei knapp 8 kg Eigengewicht (zuzüglich Stativ und Gegengewichte) noch gut transportabel ist. Sie ersetzt unsere alten Vixen Superpolaris-Montierungen. Die größten Vorteile sind:

  • Endlich Goto – Unsere alten Superpolaris sind erstklassige Montierungen, können aber nur nachführen. Mit der AVX ist endlich auch automatische Objektpositionierung möglich.
  • AllStar Polar Align – Die Montierung braucht keinen Polsucher (den gibt es optional), stattdessen wird sie grob eingenordet, und nach dem Alignment an zwei Redferenzsternen für das Goto wird ein Stern angefahren – bzw. die Position, an der er bei perfekter Einnordung stehen sollte. Dann wird die Montierung über den Polblock auf den Stern ausgerichtet und ist eingenordet. Das ist deutlich komfortabler als mit einem Polsucher, und mit einem Fadenkreuzokular auch sehr genau.
  • Ein Autoguider-Anschluss! Als die Superpolaris-Montierungen noch vor Vereinsgründung angeschafft wurden, war ein Autoguider noch Science Fiction. So sind Langzeit-Aufnahmen für die Astrofotografie möglich.

Die Montierung haben wir für den mobilen Einsatz angeschafft, vor allem mit einem orangenen 80er Jahre C8 oder einem alten Vixen 90/1000-Refraktor, sowie für die Fotografie mit dem RASA 8. Damit das klappt, muss man natürlich alles dabei haben. Gerade in einem Verein neigen Einzelteile dazu, zu verschwinden, wenn sie keinen festen Platz haben.

In den Montierungskoffer sollten also:

Und das ganze möglichst kompakt. Wie das bei Maßanfertigungen so ist: Billig wird das nicht, vor allem wenn man keine Werkstatt hat. Zum Glück muss man heute nicht alles selber machen.

Die Schaumstoffeinlage stammt von Koffermarkt.com. Wer will, kann sie nachbestellen, die “Schnittvorlage” gebe ich hiermit frei: https://www.koffermarkt.com/koffer-schaumstoff-konfigurator/#/layout/xxkhce. Der Entwurf ist versiegelt; wer ihn bearbeitet, erhält ein eigenes Projekt. Ihr müsst euch also keine Hoffnung machen, dass die Rechnung bei mir landet:-) Vorsicht: Die Polhöhe der Montierung ist für Heilbronn mit 49°N eingestellt. Ggf. müsst ihr den Winkel in der Einlage etwas anpassen. Auch Platz für ein Fadenkreuzokular ist noch nicht eingeplant (siehe unten).

Als Koffer kam wie so oft ein Thon Custom Economy Flightcase von Thomann zum Einsatz, mit den Maßen 59x18x40cm und dem breiten Ledergriff sowie Butterfly-Verschlüssen.

Dann war etwas Bastelarbeit angesagt: Um die Kofferhöhe niedrig zu halten, hatte ich die Unterseite des Koffers zuerst mit Moosgummi ausgekleidet und dann die unteren 2 cm der Schaumstoff-Einlage von Koffermarkt entfernt – so ist die Einlage bündig mit der unteren Kofferhälfte, aber auch unten offen. Die frei gewordene, 2 cm dicke Schaumstoff-Bodenplatte habe ich dann mit Heißkleber in den Deckel geklebt. Vorher hatte ich noch die Ablageplatte des Celestron-Stativs auf den Schaumstoff gelegt und mit einem Messer eng ausgeschnitten. So hält sie im Deckel und ist immer dabei.

Die Kabel liegen unter dem PowerTank, auch das separate Netzkabel des Netzteils. Das Dec-Kabel der Montierung ist in einem der schmalen, tiefen Fächer links von der Montierung.

Und so sieht das ganze fertig aus:

Die AVX im Koffer, daneben die Gegengewichtstasche

Rechts ist noch eine Gegengewichtstasche zu sehen; für das Stativ ist eine Tasche bestellt (ich hoffe, die passt dann auch).

Zwei nachträgliche Änderungen gab es dann doch noch: Ich habe in den Deckel noch eine Aussparung für den Handcontroller-Halter des Stativs geschnitten, damit das Stativ in die Tasche passt. Und ein Fadenkreuzokular zum exakteren Einnorden kam dazu. Damit war noch etwas Nacharbeit nötig.

Den Handcontroller-Halter hatte ich einfach auf die Schaumstoffplatte gelegt und mit einem Messer ausgeschnitten, das war kein Problem. Das Fadenkreuzokular war etwas aufwändiger, weil es nicht ganz einfach war, mit einem Messer das Fach zu “schnitzen”. Wer die Vorlage von oben verwendet, sollte am besten gleich sein Fadenkreuzokular ausmessen und einplanen. Alternativ passt es auch unter den PowerTank. Der Inbusschlüssel für die Blindschrauben, wenn man die AVX von den schmalen Vixen- auf die breiten 3″-CGE-Schienen umrüstet, wurde übrigens einfach in den Schaumstoff gedrückt – Werkzeug sollte man immer dabei haben…

Die finale Version des Koffers

Das Ergebnis kann sich sehen lassen, aber billig war es nicht. Stand Sommer 2020 hat der Spaß gekostet:

  • Flightcase: 199,–€
  • Schaumstoff: Rund 160,-€ (Einlage plus Moosgummi)
  • Arbeitszeit: Unbezahlbar:-)

Wie bei jeder Maßanfertigung gingen einige Stunden dafür drauf, alles auszumessen und möglichst kompakt zu verstauen. Da erscheinen die stolzen Preise für Teleskopkoffer auf einmal in einem anderen Licht… Der einzige Nachteil dieser Lösung ist, dass keine weiteren Teile dazu kommen dürfen. Das Fadenkreuzokular passt zum Glück unter den Powertank, vielleicht stanze ich noch eine Aufnahme dazu heraus. Wer das Nachbauen will und den Plan für meine Einlage übernehmen will: Die Aussparungen für die Netzteil sind für die Modelle von 2020 ausgelegt. Das Baader-Netzteil hatte früher eine andere Form, messt also bei eurem eigenen Equipment lieber noch einmal nach – Modellwechsel nicht ausgeschlossen.

Und nein, ich kriege weder von Thomann noch von Koffermarkt Geld dafür:-)

Fischaugen-Spielereien

Panasonic G70 mit Meike MK-3.5mm f2.8 Fischauge

Zu den Nebeneffekten von Lockdown und Homeoffice gehört, dass mir die Decke auf den Kopf fällt und ich von der Weite träume. Was liegt da näher als ein Fischaugen-Objektiv? Über Amazon ist mir da ein günstiges, voll-manuelles Objektiv für das Micro-Fourthirds-Format aufgefalen, das 3,5mm f/2,8 von Meike. Zugegeben: Von der Firma habe ich vorher noch nie gehört, aber mittlerweile gibt es ja einige fernöstliche Hersteller manueller Linsen, die durchaus was taugen. Und der Preis war für ein Optik-Spielzeug auch noch vertretbar.

Einige Zeit später hatte ich dann ein kleines, schweres Objektiv in der Hand – ein massiver Glasblock. Qualitativ kann ich nur am Objektivdeckel meckern: Ein Metalldeckel, der über das Objektiv gestülpt wird und auf der Linse aufliegt. Ein, zwei Zentimeter länger, und die Linse wäre wirklich geschützt.

Das Objektiv ist völlig manuell, was ich mittlerweile zu schätzen weiß, da sich so der Fokus bei Nachtaufnahmen nicht verstellt, und die Blende bei Zeitrafferaufnahmen nicht flackert. Faszinierend: Bei 3,5mm Brennweite ist Fokussieren fast irrelevant – alles, was mehr als ein paar Zentimeter entfernt ist, ist scharf (oder so scharf, wie es die Verzerrung zulässt). Und das komplette Bildfeld passt auf den Kamerasensor – als rundes Bild.

Erste Spielereien damit hatte ich auf der Heilbronner Sternwarte gemacht:

Interessante Fotos, die man natürlich für nichts gebrauchen kann:-)

Und dann wurde ich auf die Möglichkeit aufmerksam, das Bild mit Objektivkorrekturen zu entzerren. Das Profil für das Sigma Fischauge funktioniert schon ganz gut, und mit dem Adobe Lens Profile Creator und etwas Zeitaufwand kann man selbst ein Profil erstellen. Damit werden aus den runden Fischaugenfotos interessant-verzerrte Weitwinkelaufnahmen:

Hat seinen speziellen Reiz. Nettes Spielzeug.

Womit ich überhaupt nicht gerechnet hätte: Besonders cool ist das Fischauge als Makro-Objektiv – man kann wirklich nah an die Dinge ran gehen, um sie in Szene zu setzen:

Ein entzerrtes Makro mit dem Fischauge. Und es gibt bestimmt noch bessere Motive.

Keine Ahnung, ob ich das Objektiv besonders oft einsetzen werde, aber es könnte Spaß machen – vor allem, weil es nicht nur kreisrund kann, sondern auch fast normale Bilder dabei rauskommen können.

Das war der Weihnachtsstern

Astronomisch war 2020 eigentlich gar nicht schlecht. Da war der Überraschungskomet Neowise im Sommer, und die Jahrtausendkonjunktion von Jupiter und Saturn am 21. Dezember. Die beiden großen Planeten kamen einander so nahe wie seit Jahrhunderten nicht mehr, nur rund 6 Bogensekunden würden sie trennen – was für ein Ereignis! Bis zur nächsten vergleichbaren Begegnung vergehen noch einige Jahrzehnte.

Die beiden standen zur Konjunktion tief am Westhimmel, was für Fotos durch’s Teleskop zwar schlecht ist, aber schöne Stimmungsbilder ermöglichen würde. Wenn das ganze nicht ausgerechnet im Dezember wäre, wenn ich wegen Corona-Lockdown in der ewig bedeckten Nebelsuppe der Rheinebene festsitzen würde. Diese Sichtbarkeitsprognose war noch viel zu optimistisch:

Der Dezember lässt sich am besten als durchgängig bedeckt beschreiben. Drecks Novemberwetter kurz vor Weihnachten. Eigentlich hatte ich mit der großen Konjunktion schon abgeschlossen – unter anderen Umständen wäre ich dafür durchaus bereit gewesen, einige Kilometer zu fahren, aber wenn man um 20 Uhr schon wieder zu Hause sein muss… auch wenn ich vielleicht damit durchkommen würde, dass ich das beruflich mache… Aber ich hatte am 10. Dezember schon einige Zeit vergeblich auf dem Acker auf eine Wolkenlücke gewartet. Eine gewisse Erfolgswahrscheinlichkeit sollte schon da sein…

Und gerade wenn alles sinnlos erscheint: Am 17. Dezember gab es eine kleine Wolkenlücke, durch die der Mond linste, und knapp daneben waren Jupiter und Saturn zu erspähen. Im Fernglas gab das Duo noch nicht viel her, aber die Kamera war schnell auf’s Stativ gesetzt, für ein Foto durch’s Fenster.

That’s it! habe ich die beiden doch noch erwischt. Neben der Panasonic G70 mit 12-60mm f/2,8-Objektiv hatte ich natürlich auch zum Handy gegriffen. Das linke Bild ist mit 2 Sekunden bei 200 ISO und f/3,5 mit 25mm Brennweite entstanden, wie es sich gehört mit Stativ und Selbstauslöser. Das rechte mit dem iPhone 12 Mini, das unverschämt gute Bilder liefert – bzw. noch mehr aus den Bildern rausholt als ich in Lightroom. Fairerweise muss ich sagen, dass die iPhone-Bilder nur für soziale Medien oder kleinere Abzüge taugen, genau wie das, was früher die Kompaktkamera ausgespuckt hat. Bei voller Auflösung sieht man, was an Details draufgeht. Für Freihand trotzdem nicht schlecht – ich bin auf die nächste Nordlichtjagd gespannt…

Schnellschuss durch’s Okular

Was man den Handy-Bildern auch ansieht: Apple sitzt in Amerika, die Aufnahmen sind etwas zu sehr bearbeitet und zu knallig in den Farben. Aber trotzdem: Für eine Automatikknipse und Twitter gar nicht mal so schlecht.

Als nächstes der Griff zu meinem Spektiv: Schnell auf’s Stativ gesetzt, und bei 60x Jupiter und Saturn schön gesehen. Wirklich ein netter Anblick, die beiden kleinen Gasriesen auf einmal im Okular zu sehen. Im Bild festhalten konnte ich sie aber nicht wirklich gut: Das Foto durch’s Okular war nur mäßig und kommt bei weitem nicht an den Anblick im Okular ran. Und für mehr Experimente ließen die Wolkenlücke und der Giebel vom Nachbarhaus keine Zeit.

Die Wetterprognose für den 18. Dezember.

Für den nächsten Tag sah die Wolken-Prognose eher bäh aus. Kurz Richtung Pforzheim fahren? Das wäre eine Stunde Fahrt, also Zeit bis 19 Uhr, und vor allem noch eine Standort mit guter Horizontsicht finden? Uff… aber das Kribbeln war da…

Allerdings lag die Rheinebene den ganzen Tag unter dichtem Nebel, ich war froh, überhaupt das Nachbarhaus sehen zu können. Trotzdem war die Ausrüstung schon mal im Auto. Aber: Keine Spur von Sonne, und die Wettermodelle wurden entweder pessimistischer oder hatten nichts mit dem zu tun, was ich am Himmel sah.

Nerv.

Trotzdem hielt ich es nicht mehr aus und fuhr am späten Nachmittag Richtung Schwarzwald. Völkersbach hatte sich bei der Kometenjagd als ganz guter Standort erwiesen; der Nachbarort Burbach hatte noch eine minimal bessere Prognose. Und nachdem ich ein paar Höhenmeter gemacht hatte, gab es auf einmal auch strahlend blauen Himmel. Traumhaft.

Pünktlich zu Sonnenuntergang hatte ich dann mein Teleskop aufgebaut und fing zu fluchen an: Der Nachführmotor lief nicht. Zum Glück kann ich meinen Oldtimer auch manuell bewegen. Später zeigte sich, dass eine Lötstelle im Stecker nachgegeben hatte und er keinen Strom hatte.

Fast bereit…

Aber egal: Für Stimmungsfotos mit dem Kameraobjektiv langte es auch diesmal wieder, und ich konnte die beiden Planeten wunderschön im Okular sehen.

Wirklich eindrucksvoll, für den Anblick hat sich der Ausflug auf jeden Fall gelohnt. Schnell noch die Kamera auf’s Stativ gesetzt und ein paar Mal mit dem Objektiv ausgelöst, bevor die Wolken wieder im Weg sind. Und nach dem ganzen Nebel endlich wieder klarer Himmel!

Und natürlich immer wieder ans Teleskop. Ganz am Anfang hatte ich noch kurz die DSLR dran. Die Luftunruhe war so nah an Horizont und Wolken zwar heftig, sodass Fotos durch’s Teleskop wenig Chancen hatten, aber für ein paar Aufnahmen mit der D7100 bei 600mm Brennweite hat es gelangt. Eine war sogar ohne Nachführung ganz brauchbar.

Jupiter und Saturn am 18.12.2020 um 17:14; Nikon D7100 (APS-C) fokal bei 600mm
Nochmal mit dem Handy

Ein weiterer Versuch mit dem Handy durch’s Okular durfte nicht fehlen, brachte aber nicht viel. Die normale Kamera-App war überfordert, und mit Nightcap-Camera hatte ich noch nicht genug Chancen gehabt, um mich mit der Steuerung vertraut zu machen. Kombiniert mit der fehlenden Nachführung – ach vergiss es, genießen wir das Schauspiel einfach so, und überlassen das Fotografieren anderen Leuten. Schließlich tickt die Uhr, ich muss ja noch einpacken und heimfahren… Außerdem machte sich nun auch hier der Nebel bemerkbar, es zog langsam zu, und das Teleskop war mittlerweile klatschnass. Als die beiden Planeten gegen 18 Uhr hinter den Wolken verschwanden, war es also Zeit, zusammenzupacken.

Viel mehr war bei dieser Konjunktion für mich nicht zu holen, das Wetter war und ist unkooperativ. Sachde – so bleibt nur, sich von den Bildern der Beobachter an besseren Standorten deprimieren zu lassen. Aber immer, ich habe es gesehen!

Ein Tag später entstand zum Beispiel dieses kleine Video, dass die Luftunruhe gut wiedergibt, die auf den Fotos und beim Blick durch’s Teleskop die Details verschmiert:

Und sowas hätte ich doch gerne selbst im Bild festgehalten – ich bin offiziell neidisch:

Aber immerhin: Meine Nachführung läuft jetzt wieder. Das nächste Ereignis kann kommen!

Straße der Megalithkultur, Tag 7

Es hat einen Grund, dass wir die Straße der Megalithkultur umgekehrt gemacht haben: Wenn wir im Süden aufhören, ist die Rückfahrt schon mal eine Stunde kürzer. Und ich hatte die Tour schon um einen Tag verlängert, weil mir vier Tage für 33 Stationen etwas knapp vorkamen. Das auch fünf Tage zu wenig sind für das, was mit dem Fahrrad in acht erledigt wird, war kaum abzusehen, bevor alle Parkplätze ins Navi eingespeist waren.

Damit hatten wir für den Freitag zwei Optionen: Kultur in Osnabrück (Das Museum am Schölerberg, und/oder das Kalkriese-Museum), oder doch noch einmal eine gute Dreiviertelstunde nach Norden fahren und in aller Ruhe zu den Kellergräbern und dem Visbeker Bräutigam fahren. (Oder alles machen…)

Also räumten wir am Freitagmorgen unser letztes Hotelzimmer, packten das Auto und fuhren nach Norden, bei wechselhaftem Wetter. Im großen ganzen war es trocken, aber ein paar Regenschauer gab es doch immer wieder. Aber letztlich hatten wir Glück mit dem Wetter, auch wenn der Regen statt einer Abkühlung eher einen Aufguss brachte.

Schließlich erreichten wir den Parkplatz beim Gasthof Engelmannsbäke, dieser aus der richtigen Richtung, aus der auch die Hinweisschilder besser zu sehen waren. Der Wald dahinter wurde immer noch von knorrigen Bäumen bewacht, das leicht regnerische Wetter tat der Stimmung keinen Abbruch.

Am Heidenopfertisch vorbei erreichten wir wieder bald den Bräutigam. Vier weitere Gräber sollte es hier geben – wir umrundeten ihn und suchten nach allem, was wir fanden. Morgens um 11 war außer uns noch keiner unterwegs. Dabei konnte ich auch die Bilder der Gräber nachholen, bei denen mein Akku beim ersten Besuch versagt hatte.

Ein Stück hinter dem unauffälligen Hügel von Grab II mit seinem einen Meter hohen Hügel fanden wir dann auch Grab III, die durchaus imposante Brautjungfer. Es wäre eine Schande gewesen, ihr keinen Besuch abzustatten.

Grab III, die Brautjungfer
Noch einmal der Bräutigam

Die Kammer dieses Grabs ist länger als die des Bräutigams, allerdings ist die Umfassung deutlich kompakter. Dieses Grab passt komplett aufs Foto! Beim Bräutigam scheitere ich dagegen wieder daran, ihn eindrucksvoll aufs Bild zu kriegen.

Rund 20 Minuten sollen es dann noch bis zu den Kellersteinen sein, Station 24c und d. Die Beschilderung lässt zu wünschen übrig, aber mit GPS und der Karte auf dem Handy biegen wir sogar nur einmal falsch ab (wobei der längere Radweg wohl auch zum Ziel geführt hatte.)

Ausnahmsweise kein Grab (glaube ich)

Der Weg durch den Wald beeindruckt mit kräftigen Farben – der moosbedeckte Boden leuchtet richtig, trotz des Regenwetters. Ein völlig moosbedeckter Hügel sticht besonders heraus. Endlich mal kein Stein:-)

Nach einiger Zeit erreichen wir dann die beiden Ahlhorner Kellersteine – sie liegen in Rufweite zueinander, haben aber trotzdem eigene Unternummern, anders als die Gräber beim Visbeker Bräutigam. Das verstehe wer will… Das erste Grab ist gut erhalten. Seinen Namen verdankt es alten Spekulationen über seine Funktion: Wurde es einst als Keller genutzt?

Ein paar Meter weiter im Wald liegt unser letztes Ziel, 24d, der zweite Ahlhorner Kellerstein. Sein Deckstein ist zerbrochen: 1916 wurde er durch einen Soldaten des nahegelegenen Luftschiffhafens mit einer Handgranate gesprengt, seitdem liegt er zerbrochen da – ein Mahnmal für mutwillige und sinnlose Zerstörung.

Bretagne-Souvenirs – hier gab’s nichts…

Zeit für die letzten Fotos, und damit endet unsere teilweise abenteuerliche Tour zu den Stationen der Straße der Megalithkultur. So viele Steine, so viele Eindrücke – weit über 70 Gräber haben wir laut Plan gesucht und bis auf 15c auch alle gefunden. Ein paar Steine weniger hätten es auch getan, und dass man mit dem Auto doch besser den selben Zeitraum einplanen sollte wie mit dem Fahrrad, hätte ich nicht gedacht. Wobei die Check-In-Zeiten der Hotels ihren Teil dazu beigetragen haben. Touristisch ist diese Ecke Niedersachsens überhaupt nicht ausgebaut – Souvenirs habe ich diesmal keine mitgebracht, während aus der Bretagne gleich zwei kleine Menhire in meinem Regal stehen. Nur ein Foto will ich noch teilen – die Farben im Wald waren echt beeindruckend.

Unglaublich saftiges Grün

Sollte es uns noch einmal hierher verschlagen, würde ich etwas mehr Abwechslung einplanen – es gibt ja doch ein paar Mühlen, und vielleicht hat ja doch einmal ein Museum offen. Wenn der Corona-Alarm vorbei ist, kann man vielleicht auch guten Gewissens einen Blick in die Städte werfen; Oldenburg und Osnabrück bleiben so erst einmal weiße Flecken.

Die Idee, die Rückreise im Süden zu starten, war übrigens gar nicht so dämlich: Wir haben zwar keine größeren Staus, aber für die 528 km zurück brauchen wir doch sieben Stunden, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 75km/h. Das zieht sich, nicht zuletzt dank einer ausreichenden Zahl an Baustellen. Uff. Da sind wir doch froh, als wir endlich das Auto abstellen und den Urlaub mit einem Wochenende zur Erholung beenden. Schön war’s.