Hurtigrute Tag 2: Ålesund und Hjørundfjord

Am Westkap

Die Zeiten ändern sich, vor allem die Abfahrtszeiten: Bislang ging es im Herbst um 20:30 in Bergen los und im Winter um 22:30. Seit diesem Sommer geht es das ganze Jahr über um 21:30 los, sodass es gestern etwas hektischer war, als ich das als Winterfahrer gewohnt bin. Das hat natürlich auch zur Folge, dass sich die Liegezeiten ändern. Und für den ersten Tag bedeutet das, dass wir das oft stürmische Westkap schon um 7 Uhr hinter uns haben. Man kann also nicht mehr beim ersten Frühstück feststellen, wer seefest ist und wer nicht. Damit ist das erste Frühstück an Bord langweilig, aber entspannter.

Das Westkap selbst zeigt sich heute bei strahlend blauem Himmel von seiner besten Seite. Nur eine Nebelbank deutet darauf hin, wie gefährlich die Strecke eigentlich ist – mal sehen, ob wir irgendwann durch den Stad-Schiffstunnel fahren werden, der nun gebaut werden soll. Irgendwann verschwinden die Schiffe also im Tunnel…

Trotz der ruhigen See haben wir uns Verspätung eingehandelt. Und auf dem Schiff ist volles Programm, sodass ich mir in Ruhe die Einfahrt in Torvik anschauen kann – dem ersten Hafen, den die meisten auf dieser Route nach Bergen sehen. Hier liegen immer noch die beiden gelben Ölversorgungsschiffe vor Anker, die seit Jahren einen Käufer suchen.

Auf dem Schiff gibt es derweil viel zu organisieren, schließlich brauchen wir Vortragstermine. Bei einem ausgebuchten Schiff mit über 400 Passagieren gar nicht so einfach, aber es finden sich Mittel und Wege.

Um 9:45 sollten wir auch schon Ålesund für einen kurzen Halt von 30 Minuten erreichen, aber bis wir anlegen, ist es schon 10:15 – die ursprünglich geplante Abfahrtszeit. Damit bleibt keine Zeit für einen kurzen Landgang, und an Bord laufen die mehrsprachigen Ausflugspräsentationen für Urke.

Endlich tuckern wir langsam weiter in den Hjørundfjord. Das Traumwetter hält an, die Landschaft wird beeindruckender, und schließlich erreichen wir das Ziel. Wir ankern – der Kai von Urke (rund 50 ständige Einwohner) ist viel zu klein für die Hurtigrute, und zuerst werden diejenigen mit einem Tenderboot an Land gebracht, die einen Ausflug gebucht haben. Damit bleibt genug Zeit für ein kleines Mittagessen.

Kurz nach 13 Uhr dürfen dann auch alle anderen von Bord. Da das Tenderboot nur 48 Personen fasst, setze ich gegen 14 Uhr Fuß auf festes Land – bleibt etwa eine Stunde, um Urke zu erkunden. Das macht bei dem Wetter mehr Spaß als letztes Mal, als es nicht nur regnete, sondern schüttete.

Am Kai werden wir freundlich begrüßt und erhalten den Ortsplan, dann geht es los auf einen kleinen Rundgang, den Fjord, den Ort und das Schiff im Fjord am Ort anschauen. Schnucklig. Und der abnehmende Mond ist auch noch über einem Berg zu erspähen. So stellt man sich Norwegen vor.

Um 15 Uhr geht es auf das (planmäßig) vorletzte Tenderboot zurück zum Schiff, damit ab 15:30 auch die Ausflügler zurückgebracht werden können. Das wird knapp: Wir haben unseren Welcome-Cocktail (mit Info-Veranstaltung und Kennenlernen des Teams) auf 15:45 gesetzt. Tatsächlich legt das letzte Boot erst an, als wir schon längst begonnen haben wollten – die Verspätung schleppt sich fort. Endlich sind alle an Bord, und wir können uns vorstellen. Den Rest der Info-Veranstaltung machen die Reiseleiter; wir Lektoren reden im Lauf der Tour noch genug. Morgen um 16:15 geht es mit dem ersten Vortrag los. Die wichtigste neue Info: Heute Abend gibt es Buffet und offene Sitzung, weil die zweite Liegezeit in Ålesund (geplant 17:50-19:30) mit dem Abendessen zusammenfällt. Fein: Im Anschluss kann ich schon die ersten Kameras für Nordlicht einstellen. (Weniger fein ist die Prognose für heute Abend: Sehr maue Polarlichtaktivität.) Um 17 Uhr müssen wir den Raum verlassen: Das Treffen mit dem Expeditionsteam steht an, auf Deutsch (bei rund 250 Deutschen an Bord finden sich genug Zuhörer…)

Ålesund erreichen wir auch beim zweiten Besuch am Nachmittag verspätet, verlängern die Liegezeit aber immerhin bis 19:45. Das reicht, um auf den Aksla hochzuschnaufen und eine runde Stunde später wieder am Schiff zu sein. Schade: Für den Sonnenuntergang langt es nicht ganz, und Ålesund im Gegenlicht der untergehenden Sonne ist fotografisch eher anspruchsvoll. Aber Lightroom kann doch noch was rausholen:

Zurück am Kai bleibt noch Zeit für die typischen Bilder vom Schiff am Kai, und ich entdecke etwas neues: Am Parkplatz auf der anderen Seite des Terminals steht eine komische schwarze Säule, die eine Fahrradwerkstatt beherbergt: Einiges an angekettetem Werkzeug und die Möglichkeit, das Fahrrad aufzuhängen. Nett.

Fahrradwerkstatt

Viel Zeit bleibt aber nicht: Das Hupen des Schiffs deutet darauf hin, dass wohl doch noch einige fehlen.

Da sich vor dem Restaurant erwartungsgemäß eine größere Schlange gebildet hat, schauen wir uns erst noch das Auslaufen aus Ålesund in den Sonnenuntergang an, bevor es dann doch ins Restaurant geht. Es gibt endlich mal wieder Eis zum Nachtisch! Damit endet das Tagesprogramm eigentlich.

Abend-Kitsch, so schön

Beim Bildersortieren im Panoramasalon kommt die Frage nach den Schiffsbegegnungen auf, und tatsächlich begegnen wir kurz darauf der Midnatsol, die still an uns vorbei fährt. Die beiden Schiffe grüßen einander nur dezent mit Lichthupe.

Die Midnatsol

Mehr Eindruck als die Schiffsbegegnung hinterlässt der letzte Punkt auf dem Tagesprogramm: Unser Hotelmanager Marco präsentiert um 21:30 die „Coastal Kitchen“ der Hurtigrute, das 2015 eingeführte Programm, dass es auf den Schiffen bevorzugt lokale Küche gibt. Für über eine Million Übernachtungsgäste Essen heranzuschaffen ist natürlich eine Herausforderung, auf unserer Fahrt mit dem ausgebuchten Schiff dürften etwa eine Tonne Fleisch und eine Tonne Fisch verzehrt werden. Und jeden Tag startet ein Schiff…

Wir machen noch einen kurzen Stopp in Molde, allerdings ist es da schon längst dunkel, sodass ich mir die Fotos spare. Zeit, den Tag ausklingen zu lassen – wenn ich schon die Chance habe, mit dem Blog fast tagesaktuell zu sein:-) Von der Fahrt über die offene Seestrecke der Hustadvika ist nichts zu merken; auf Kristiansund nach zwei Uhr verzichte ich ebenso dankend.

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