Hurtigrute Tag 4: Polarkreis und Bodø

Im Winter zu fahren ist eindeutig entspannender als die Herbsttour. Die Polarkreisüberquerung ist zwischen 7 Uhr und 8:30 angesetzt, und um die Zeit ist es hier schon hell. Da muss man ja fast schon raus und zuschauen. Also klingelt der Wecker viel zu früh.

Morgenstimmung

Und was zeigt der Blick auf die Schiffsposition auf Marinetraffic kurz nach dem Aufstehen: Wir haben Nesna mit geschätzt einer Dreiviertelstunde Verspätung verlassen. Es wird also eher 8 als 7 Uhr werden, bis wir die Insel Vikingen mit dem Globus erreichen. Kleiner Trost: Wetter und Landschaft sind fantastisch.

Der Hestmannen kündigt den Polarkreis an – der Berg erinnert vage an einen Troll, der mit wehendem Mantel auf einem Pferd sitzt und zusammen mit dem Berg Torghatten bei Brønnøysund, der Insel Leka und den Berggipfeln der Sieben Schwestern bei Sandnesjøen in eine Sage gehört.

Tatsächlich passen wir den Polarkreis etwa um 8:13. Auf Deck 7 ist die offizielle Veranstaltung des Expeditonsteams, ich bin auf Deck 5, wo der Globus auch nicht schlechter zu sehen ist.

Svartisen-Gletscher?

Die anschließende Fahrt nach Ørnes führt wieder durch eine wunderbare Landschaft. Mit Schnee ist die Gegend wunderbar kitschig; mit herbstlichen Wäldern ebenfalls eindrucksvoll. Und zum ersten Mal erspähe ich wohl auch den Svartisen-Gletscher zwischen einigen Berggipfeln. Ørnes erreichen wir mit einer halben Stunde Verspätung, sodass die Polarkreistaufe in Ørnes stattfindet. Bis auf eine Sekunde genau wurde beim Polarkreiswettbewerb die Zeit erraten, zu der wir den Polarkreis passieren – der Gewinner erhält eine Flagge und die erste Taufe mit Eiswürfeln. Auf der Kong Harald arbeitet noch Neptun statt Njørd; er kommt von den Whirlpools auf Deck 6 hoch auf das Sonnendeck und bringt die ersten Regentropfen mit. Na dankeschön…

Kurs auf Bodø

Bodø erreichen wir mit rund 20 Minuten Verspätung, bleiben aber auch etwas länger. Trotzdem ist die Liegezeit gegenüber meinen früheren Reisen um etwa 15 Minuten verkürzt. Das klingt nicht nach viel, macht sich aber trotzdem bemerkbar. Nun könnte man sagen, dass Bodø ohnehin keine schöne Stadt ist, sondern nur in einer grandiosen Berglandschaft liegt, aber es hat seine hübschen Ecken. Das Cafe Roast auf dem Scandic-Hotel macht neuerdings leider erst um 17 Uhr auf – schade, von da hatte man einen guten Ausblick (und leckere heiße Schokolade).

In der Stadt wird immer noch kräftig gebaut, aber immerhin das Rathaus ist jetzt fast fertig. Dafür ist die Domkirche jetzt eingerüstet. Zwei nette Dinge sind schon bei der Einfahrt zu sehen: Zum einen der Bahnhof, der zugleich das nördlichste Ende der norwegischen Eisenbahn repräsentiert, und die Gamle Salten, die als Aushilfsschiff einst auch auf der Hrtigrute unterwegs war. Was für ein Unterschied zu unserer Kong Harald, die auch schon seit 1993 in Dienst ist.

Landegode

Anschließend geht es über den Westfjord zu den Lofoten – die See ist ein Ententeich. Das Leuchtfeuer von Landegode passieren wir im nachmittaglichen Gegenlicht, aber ein paar schöne Fotos gelingen trotzdem. Dahinter schimmert die Lofotenwand am Horizont: Die hohen Berge der Inselkette verschmelzen durch die Entfernung zu eine Kette.

Die Lofotenwand

Stamsund erreichen wir kurz vor Sonnenuntergang, der hinter den steilen Felswänden des Örtchens verborgen bleibt. Hier verlassen uns auch die Teilnehmer des Wikingerfests, um in Svolvær wieder zuzusteigen. Schöne Farben gibt es für uns noch nach dem Ablegen, und wir sehen endlich Polarlicht – wenn auch nur die südgehende Hurtigrute MS Polarlys.

So schön der Abend auch ist, der Blick nach Norden verheißt nichts gute: Dunst, Nebel und Wolken hängen in der Luft. Bäh. Und das Polarlichtoval macht auch nichts her, die Polung ist falsch.

In Svolvær bleibe ich an Bord, aber ein paar Runden an Deck lohnen sich: Der erste schwache Nordlichtbogen ist da. Im Hafen ist das bei der Aktivität natürlich suboptimal, aber vielversprechend. Also wird die Kamera aufgebaut.

First Light in Svolvær

Als wir den Hafen verlassen, lasse ich meine Kamera am Bug arbeiten. Zumindest bis in die Nähe vom Raftsund klappt das auch gut, danach wandert das Polarlicht mehr an die Seite vom Schiff:

Von Svolvær zum Raftsund

Aber wozu hat man zwei Kameras: Eine arbeitet, eine begleitet mich an die backbord-linke Seite, wo das Polarlicht zwar nicht viel Farbe zeigt, aber eine hübsche Show mit Bewegung über den Bergen darbietet. Wirklich schön, auch wenn ich hier nur ein kleines Filmchen habe:

Polarlicht an der Seite

Letzteres sind unbearbeitete Bilder, meine kleine Panasonic kann Filme ja direkt in der Kamera erstellen. Im Gegensatz zur großen Nikon-DSLR…

Die Show ist perfekt getimed: Wegen der Fahrt zum Trollfjord sind eh alle wach, die See ist ruhig, die Kulisse schön (auch wenn sie mit Schnee ncoh besser wirken würde), die Temperaturen bei rund 10 Grad, und ab morgen sind Wolken angesagt. Passt. Gegen 23 Uhr gibt es backbord noch eine richtig schöne Show mit Bewegung, dann fahren wir ohne zu halten am Trollfjord vorbei Richtung Wolken – man kann guten Gewissens ins Bett. Nur von Fiskekake und Trollknerz am Heck auf Deck 7 habe ich nichts mitbekommen. Aber man kann nicht alles haben.

Noch ein paar Bilder zum Abschluss:

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