Hurtigrute Tag 8: Von Hammerfest nach Tromsø

Gestern früh waren wir noch die nordgehende Hurtigrute, heute schon die südgehende – und irgendwie geht es südwärts viel schneller als nordwärts, sogar jetzt, da die Tour wieder bis Bergen statt wie früher nur bis Trondheim geht.

Melkøya

Der erste Punkt nach dem Frühstück ist heute der Interessepunkt Melkøya. A propos Frühstück: Auf der Kong Harald gibt es regelmäßig Pfannkuchen zum Frühstück. Gefällt mir:-) Um Viertel nach zehn steht dann die Flüssiggasanlage Melkøya bzw. das Erdgasfeld Schneewittchen auf dem Programm. In den letzten Jahren wurde hier immer der Energiekaffee serviert (eine Mischung aus Schweröl und Zucker mit einer Prise Chili) – vielleicht ist das der Grund, warum ich die Vorbeifahrt intuitiv auf Deck 5 verbringe und nur kurz reinhöre, was das Expeditionsteam auf Deck 7 dazu erzählt. Daher kann ich nicht einmal beschwören, dass es den Kaffee noch gibt… Was ich aufschnappe ist, dass ein Tanker den Jahresenergiebedarf von 33 Haushalten deckt, und dass aus Sicherheitsgründen immer nur ein Schiff anlegen darf.

Der Schiffshund

Gleich hinter Melkøya liegt Hammerfest, also heißt es fertigmachen zum Aussteigen. Zwei Stunden haben wir hier nur. Also ab durch die Multe-Bar zur Kabine. Dabei fällt mir wieder einmal auf, dass mein ehemaliger Lieblingsplatz seit dem Umbau der Schiffe der Ort ist, an dem ich am seltensten aufhalte. Die „Puppenstube“ macht ich irgendwie überhaupt nicht an, und unser „Schiffshund“, der die kleine Spielecke bewacht, wirkt auch unglücklich.

Maritime Moderne: Die Puppenstube in der Multe-Bar auf Deck 7

Früher gab es ein richtiges Spielzimmer mit Bällebad, zumindest auf einigen Schiffen dieser Generation. Die Zeiten werden nobler, aber mit dem modernen Design auch kälter.

Im herbstlichen Hammerfest bietet sich die Standard-Tour an: Hoch auf den 86 Meter hohen Salen, solange der Zickzackweg eisfrei ist. Ausreichend steil ist er weiterhin. Auf dem Weg liegt der Marktplatz, der jetzt fertig gestellt ist – die Baustelle ist Richtung Schiff gewandert. Er ist hübsch geworden, und die beiden Eisbären unter dem blauen Bogen vor dem Rathaus sind wieder zugänglich. Im Hafen gibt es Hinweisschilder auf Hvaldimir, den Belugawal, der aus dem russischen St. Petersburg zu den Norwegern übergelaufen war.

Mein Bänkle steht wieder.

Hinter dem Marktplatz ist der blaue Musikpavillon. „Meine“ Bank steht wieder, sie war wohl nur für den Winter abgebaut worden. Seit sie auf meiner ersten Reise komplett eingeschneit war, steht auf jeder Tour ein Beweisfoto auf ihr an.

Dann geht es hoch auf den Berg und anschließend wieder runter in die Stadt für einen kurzen Gang zu der Grabkapelle (die als einziges Gebäude die deutsche Besatzung überlebt hat – beim Rückzug hinterließ die Wehrmacht verbrannte Erde) und der Kirche.

Vom Berg aus ist auch schön die Gamle Måløy zu sehen, die eine ähnliche Größe hat wie die Hurtigrutenschiffe der Vergangenheit.

Auf dem Rückweg gibt es noch das übliche Erinnerungsfoto auf den Eisbären vor dem Rathaus. Die Bären sind mittlerweile etwas mitgenommen, aber wirklich dafür ausgelegt, dass man mehr oder weniger elegant auf sie hochkraxelt. Der linke schaut eigentlich ganz freundlich drein.

Nach einem Abstecher in den Eisbärenclub, wo man nicht nur als Clubmitglied herzlich willkommen geheißen wird, geht es dann schon wieder zurück auf Schiff. Hurtig, hurtig. Nettes Detail: Die kleinen Magnet-Eisbären und -Huskies kommen aus Karlsruhe.

Für das eindrucksvolle Wiederaufbaumuseum bleibt da keine Zeit. Einmal war ich drin, es ist sehr sehenswert und hinterlässt eine klare Botschaft: Nie wieder Krieg.

Nach dem Essen stehen erst einmal keine Häfen an, und wir nutzen die Chance für unseren vierten Vortrag: Thomas berichtet über die Mondlandung, die vor 50 Jahren stattfand.

Øksfjord

Eine halbe Stunde später treffen die üblichen Verdächtigen sich wieder an Deck: Wir laufen in Øksfjord an. Der Kapitän mag den Schifftyphon, und das Hupen gibt an den steilen Hängen ein schönes Echo. Mächtig.

Leider sind die Wolken auch mächtig, sodass der Abend entspannt ist. Um 18 Uhr steht Abendessen auf dem Plan, und um 19:15 Skjervøy. Den Hafen erreichen wir etwas verspätet, aber wir legen pünktlich ab. Die Gangway wird frühzeitig eingeklappt, sodass die letzten beiden Passagiere über das Frachtdeck einsteigen müssen. Währenddessen posiert die Dorfjugend mit ihren Fahrrädern am Kai.

Skjervøy

Aber was soll ich sagen: Ohne Polarlichter fehlt Skjervøy was. Bis zur nächsten Schiffsbegegnung (die Nordlys) sind wir im Panoramasalon und schauen in die Dunkelheit; nach der Schiffsbegegnung sind unsere Plätze weg. Dafür singt Giske vom Expeditionsteam live, was auch seinen Reiz hat. Die Route bis Tromsø zieht sich, wenn kein Polarlicht da ist – viele müssen ja wegen dem Mitternachtskonzert wach bleiben. Kurz vor 23:45 legen wir an, letzte Chance für Bilder der Eismeerkathedrale.

Mein angedachter Kneipenbummel entfällt: Tromsø bietet Samstagabends etwas zu viel Leben, und im Rørbua spielt die falsche Musik für meinen Geschmack. Mit nasskaltem Nieselregen macht Tromsø einem den Abschied auch leicht. Also geht es recht bald wieder auf das Schiff, wo sogar unser Schiffshund die Schnauze voll hat.

God natt.

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