Hurtigrute Tag 6: Honningsvåg

Suchbild mit MS Nordnorge

In der Barentssee vor Havøysund beginnt der Tag wieder mit einer Schiffsbegegnung: Kurz vor halb neun begegnen wir der südgehenden MS Nordnorge, die sich langsam aus dem Nebel heraustraut – fotografisch taugt dieser Morgen aber allenfalls dazu, Schmutzflecken auf dem Kamerasensor zu erkennen oder den Weißabgleich einzustellen, für etwas anderes ist der kontrastfreie Anblick nicht zu gebrauchen. Nordnorwegen im Nebel mag mystisch sein, ist aber nicht sehr fotogen. Erst als die Nordnorge uns näher kommt, ist sie deutlich zu erkennen. Da von der Gegend sonst im Augenblick nicht viel zu sehen ist, schaue ich mir noch das Anlegen in Havøysund an, bevor ich zum Frühstück gehe. Erstmals fällt mir auch der kleine Gedenkstein rechts vom Anleger auf: Das Denkmal für das 1931 hier gesunkene Hurtigrutenschiff DS Hera.

So früh im Herbst werden einige Ausflüge angeboten, die ich von meinen Fahrten normalerweise nicht kenne, zum Beispiel eine Rib-Boat-Tour zum Nordkap. Bei dem tristen Wetter wollte ich die Tour nicht machen (auch wenn es kaum Wellen hat), aber zum Glück wird es bald besser. Die Fahrt durch den Magerøyasund bietet tolle Lichtspiele, und die schroffen, grün-braunen Berge sind ähnlich reizvoll wie die schneebedeckte Landschaft, die ich sonst vom Winter hier kenne. Wow.

Im Magerøyasund

Das Expeditionsteam macht einen Point of Interest, bei dem ich aber nur kurz vorbeischaue. Viel Neues dürfte es für mich nicht geben, und den Tunnel, der auf die Insel Magerøya mit dem Nordkap führt, sehe ich auch auf Marintraffic und Co. Also zurück zum Bug, die Landschaft genießen. Die Temperatur liegt bei rund 7°, aber im Fahrtwind ist es deutlich frischer.

Kurz vor Honningsvåg gibt es sogar stellenweise klaren Himmel, Norwegen gibt sich noch einmal Mühe. Ansonsten ist von dem berühmten wechselhaften norwegischen Wetter nichts zu spüren, die Prognose ist eher schlecht. Aber genieße den Augenblick!

Bald taucht auch Honningsvåg hinter den Bergen auf, und wir legen an. Faszinierend, wie sehr sich eine Insel verändern kann, wenn man sie umrundet.

In Honningsvåg steht für mich Beine vertreten an, nachdem die Teilnehmer des Ausflugs zum Nordkap (also fast alle) die Kong Harald verlassen haben. Irgendwann will ich auch mal wieder an das Nordkap, aber nicht, wenn das Schiff so voll und das Wetter so bewölkt ist – auch wenn das hier oben nicht viel heißen muss. Stattdessen geht es erst einmal hoch auf den bekannten Aussichtspunkt am alten Friedhof, und dann über die Kirche zurück zum Schiff – das langt genau, um noch 20 Minuten lang Mittagzuessen. Beim Rückweg stolpern wir noch in eine Veranstaltung: Schul-Joggen, wobei einige Schüler eher „Wandern, gemütlich“ machen. Vielleicht ist das das echte Nordic Walking?

Nach dem Essen ist genug Zeit, um das Hafenbecken zu umrunden und einen Blick in die Läden zu werfen. Von der anderen Hafenseite sieht es durch die tief hängen Wolken fast so aus, als ob wir unter einem Vulkan parken.

Diesmal hat auch der Weihnachts-Souvenirladen offen, der sonst meist zu hat – ein Weihnachtswunderland. Uff.

Aber irgendwann endet auch der Aufenthalt in Honningsvåg, und wir stechen wieder in See. Ich nutze die Zeit, um etwas Schlaf nachzuholen. Obwohl wir nur 1,5m hohe Wellen haben, schaukelt das Schiff spürbar – Wind und Wellen kommen wohl aus der falschen Richtung. Der Wecker holt mich rechtzeitig in die Realität zurück, damit ich für die Finnkirche bereit bin. Die eigenartige Felsformation ist jetzt bei Tag gut zu sehen und steht auch auf dem Tagesprogramm; seit sie nicht mehr beleuchtet wird, fehlt sie in den Wintermonaten als Programmpunkt.

Kjøllefjord

Wenig später legen wir in Kjøllefjord an. Hier verlassen uns die Teilnehmer des „Samischen Herbstes“, die erst in Mehamn wieder einsteigen – und um 20 Uhr zu Abend essen werden, wenn ich meinen ersten Vortrag halten werde. Ups… Für alle anderen steht um 18 Uhr das Nordkap-Buffet an, soweit die Barentssee nicht schon für Seekrankheit sorgt. Sie ist eigentlich harmlos, aber bislang waren wir auf einem Ententeich unterwegs.

Nach dem Essen komme ich zum ersten Mal dazu, mir das Treffen mit dem Expeditionsteam anzuschauen – den Tagesrückblick, den die Reiseleitung des Schiffs immer gibt. Wichtige Info: Auf Facebook sind die Bilder frei zugänglich zu sehen, die die Crew von der Reise aufgenommen hat. „Onkel“ Heinz erwähnt für unsere Gruppe auch noch meinen folgenden Vortrag, und dass der nächste Film zweimal gezeigt wird – das Schiff ist ausgebucht, da lohnt sich das.

Mehamn

Wie dem auch sei, mein Vortrag ist nur mäßig besucht. Dafür kann ich ihn komplett halten – schade eigentlich, normalerweise werde ich hier durch Nordlicht abgewürgt. Aber bei den Wolken hat die Aurora keine Chance. Also gibt’s den Sternenhimmel nur virtuell am PC.

Der Rest des Abends ist ereignislos: Ohne viel Tam-tam begegnen wir vor Berlevåg der Trollfjord, nachdem sie den kleinen Hafen verlassen hat. Wir legen kurz an und lassen zwei Crewmitglieder aussteigen, laden zwei Paletten und ein Auto aus, dann geht es weiter auf die Barents-See. Mit leichtem Geschaukel geht es durch die Nacht, und morgen Vormittag steht mit Kirkenes schon wieder der Wendepunkt der Reise an.

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