Hurtigrute Tag 3: Trondheim

Die Lofoten

Irgendwann gegen sechs Uhr erreichen wir Trondheim, was ich dummerweise mitkriege – ab da bin ich wach. Das Aufstehen verschiebe ich aber auf gegen acht Uhr. Das ist immer noch deutlich vor Sonnenaufgang… Das Wetter draußen ist unfreundlich: Die Teilnehmer der Ausflüge werden gebeten, sich wetterfest anzuziehen und auf Deck 3 zu warten statt vor dem Schiff. Da gehe ich lieber erst einmal in Ruhe frühstücken.

Gegen 9 Uhr bin ich dann auch so weit, dass ich mich zum Marsch nach Trondheim aufmache. Vorher steht noch ein Besuch auf der Lofoten an, die neben uns am Kai liegt. Wer weiß, wie oft ich noch dazu komme, sie zu besuchen? In ein paar Jahren wird sie aus dem Liniendienst gehen, da Denkmalschutz und moderne Anforderungen bezüglich Sicherheit und Behindertengerechtigkeit nicht miteinander vereinbar sind. Ich nehme mir allerdings nur wenig Zeit und weiß auch nicht, ob Margit an Bord ist. Wer Interesse hat: Sie ist wohl der beste Ansprechpartner, wenn man mal auf einem alten Postschiff reisen will. Aber auf meiner nächsten Tour im März sehe ich sie wahrscheinlich.

Nedre Elvehavn

Das Wetter bessert sich langsam, und der Regen lässt nach. Der Weg nach Trondheim führt anfangs durch das moderne und wenig ansehnliche Industrie- und Hafenviertel, in dem auch die Hurtigrute anlegt. Ich nehme die umgekehrte Route und gehe nicht über den Bahnhof, sondern über das schmucke Viertel Nedre Elvehavn, das weihnachtlich geschmückt ist, und dann durch Bakklandet mit seinen kleinen, alten Holzhäuschen weiter zum Nidaros-Dom und der Gamle Bybroa (oder Bybro – da finden sich verschiedene Schreibweisen). Auch diesmal läuft mir wieder ein Gruppe Kinder mit gelben Warnwesten durch das Bild – eigentlich ein süßer Anblick.

Trondheim – Dom und Brücke

Dom und alte Brücke

Irgendwann muss ich mal zählen, wie oft ich die Gamle Bybro schon fotografiert habe. Gefühlt müsste ich die Million voll haben… Eigentlich hatte ich ja überlegt, einmal den Sonnenaufgang von der Festung aus anzuschauen, mit Blick auf Trondheim. Aber die Wolken verhindern den Blick auf den Sonnenaufgang. Also doch die Standard-Route. Noch kurz zur alten Brücke: Die heutige Brücke ist Baujahr 1861 und war einst eine Zugbrücke, seit Mitte des letzten Jahrhunderts ist sie eine reine Betonkonstruktion. Seit der Sanierung 2014 ist sie für den Autoverkehr gesperrt.

Nidaros-Dom und Bischofspalast

Am Dom vorbei besuche ich das Einkaufszentrum Trondheim Torg, meine Einkaufsliste abarbeiten. Ein paar Dinge finde ich, aber ich muss wohl nochmal wiederkommen… Der Marktplatz ist immer noch eine einzige Großbaustelle und lädt nicht zum Verweilen ein. Noch ein Blick auf den Wohnsitz des norwegischen Königs: Das große gelbe Holzhaus ist nicht zu übersehen, wenn man seine Bedeutung einmal kennt. Ob es Zufall ist, dass es direkt neben dem Burger King steht? Die Grandiosa-Fertigpizza ist ja eines der beliebtesten Gerichte in Norwegen, wer weiß, was bei Königs auf den Tisch kommt…

Der Königspalast und der Burger King

Etwa eine halbe Stunde dauert der Weg in die Stadt und zurück jeweils, mittlerweile reißt der Himmel auf, gleichzeitig kommen die ersten Schneeflocken – norwegisches Wetter par excellance.

Rechtzeitig zur Abfahrt bin ich wieder auf dem Schiff, und auf Deck 7 gibt es wieder einen Point of Interest: Wir passieren die Insel Munkholmen, und das Expeditionsteam gibt Infos dazu. Der Himmel zeigt sich gnädig und taucht Stadt und Insel in ein schönes Licht.

Lichtspiele

Anschließend führt die Route am dritten Reisetag weg von der drittgrößten Stadt Norwegens durch den drittgrößten Fjord Norwegens (den Trondheimfjord), der sich bald hinter Nebel und Regen versteckt. Eine gute Gelegenheit für das Mittagessen, auch wenn die Schildchen am Buffet schlimmes erahnen lassen – schmeckt aber trotzdem. Früher gab es ja noch einiges mehr an abstrusen, aber charmanten Schreibfehlern auf dem Schiff.

Da so weit im Süden viele andere Reedereien die Orte entlang der Küste versorgen können, fahren wir zügig gen Norden – erst nach 20 Uhr steht der nächste Hafen auf dem Plan. Die Miesmuschelverköstigung kurz nach 14 Uhr verpasse ich und warte lieber auf Deck 5 auf den roten Leuchtturm Kjeungskjæfyr, der auch pünktlich kurz nach 14:30 am Horizont auftaucht. In der Abenddämmerung bietet er einen schönen Anblick, ergänzt durch das Spiel von Licht und Wolken.

Kjeungskjæfyr

Nach Kjeungskjæfyr steht Arbeit an: Eine Stunde später als normal, um 16 Uhr, halten wir unseren ersten Vortrag: Hans erklärt das Polarlicht, und ich gebe Fototipps und ein paar Worte zu Polarlichtprognosen. Mein Fazit: Sicher ist nur, dass es morgen um 15:15 den nächsten Vortrag gibt. Ich habe ja noch keine Ahnung…

Da wir um diese Zeit schon auf etwas offenerer See sind, schaukelt es während des Vortrags immer wieder spürbar, aber wir könne ihn erfolgreich beenden, bis hin zur Fragerunde. Danach nutzen die ersten die Chance, um ihre Kamera auf Polarlicht umstellen zu lassen, und anschließend quatsche ich mich bei dem Thema im Panoramasalon fest. Irgendwann zeigt der Blick auf die Uhr, dass ich das Abendessen verpasst habe (mit einer halben Stunde Verspätung brauche ich auch nicht mehr aufzukreuzen), und der Gleichgewichtssinn zeigt, dass wir die Folda überqueren – mit ordentlich Bewegung im Schiff. Hui!

Über die Folda…

Irgendwann kommt die Meldung, dass jetzt die Fahrstühle abgeschaltet werden, noch später folgt die Info, dass man es mit Hinlegen probieren sollte, wenn man zur Seekrankheit neigt, und dass es auf Deck 4 am wenigsten schwankt…

Auch wenn mich die Kollegen vermissen: Ich bleibe auf Deck 7 vorne (wo die Bewegung am größten ist) und arbeite noch ein wenig am nächsten Vortrag.

Rørvik erreichen wir mit ein wenig Verspätung, und das südgehende Schiff fehlt: Die Richard With ist noch in der Werft und wird umgebaut. Also kein Grund, hier auszusteigen. Draußen ist eh stockfinster, und der Blick in den Himmel zeigt abwechselnd Wolkenlücken, Schnee und Hagel. Wechselhaftes Wetter also, aber bei dem Seegang würde ich auch niemanden zum Polarlichtschauen raus auf Deck schicken.

Somit bleibt es ein ereignisloser Abend, nur dass wir Lektoren gegen Abend vom Schiff ausgerufen werden: Der Konferenzraum ist verlegt, und mein Vortrag am morgigen Dienstag findet eine Stunde später statt. Soviel zur Güte meiner Prognosen…

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