Hurtigrute Tag 4: Bodø und Svolvær

Heute ist der letzte Tag vor der Polarnacht, dementsprechend kurz sind die Tage. Bei bedecktem Himmel bleibt auch nicht viel von der ewig langen blauen Stunde übrig, durch die man die Reise im Winter trotz der fehlenden Sonne genießen kann.

Treffen mit der Nordnorge

Der erste Programmpunkt ist das Treffen mit der Nordnorge um 20 vor neun. Es kommt wie immer etwas überraschend: Da das Tagesprogramm nur auf Nachfrage in Papierform erhältlich ist und sonst lediglich auf den Monitoren steht, habe ich keinen Überblick mehr darüber, was wann passiert. Der Überblick über die Schiffsbegegnungen fehlt im Programm ohnehin, aber dafür wird Papier gespart.

Da ich meine letzte Tour auf der Nordnorge hatte, muss ich natürlich raus zum Winken, auch wenn es noch dunkel ist.

Bis wir Ørnes erreichen, dämmert es langsam, und man kann die Landschaft genießen. Im Osten stehen die schmale Mondsichel und die Venus als Morgenstern hübsch am Himmel. Zusammen mit der Reiseleitersprechstunde ist der Morgen dann auch gefüllt.

Ørnes ist einer der landschaftlich schönsten Häfen, auch wenn noch nicht viel Schnee auf den Bergen liegt. Zur Abfahrt steht eine arktische Zeremonie auf dem Programm: Die Überquerung des Polarkreises mitten in der Nacht hatte ich mir geschenkt, aber die Polarkreistaufe schaue ich mir natürlich an – oder zumindest den Auftritt von Njørd, der in diesen Breitengraden sei einiger Zeit Neptun ersetzt hat. In dem Gedränge auf Deck 7 ist dann eh nicht viel mit schönen Fotos, selbst wenn man die DSGVO ignoriert. Stattdessen geht’s zur etwas nach hinten verschobenen Reiseleitersprechstunde.

Irgendwann ertönt Musik: Das Postoffice hat offen, es gibt Stempel zur Polarkreisüberquerung. Dann noch kurz das Mittagessen einschieben und dann steht auch schon Bodø an. Um dem Ansturm am Buffet zu entgehen, essen wir erst nach dem Anlegen in aller Ruhe.

Bodø

Bodø ist eine moderne Stadt, bei der man die interessanten Ecken erst einmal entdecken muss. Das Museum, das Lachsmusem, das Cafe auf dem Scandic mit der schönen Aussicht, das Haus mit dem Polarlicht-Wandgemälde, die Gamle Salten und vieles andere kenne ich ja bereits, und da das Wetter zwar windstill, aber auch frisch und rutschig ist, mache ich nur einen kurzen Abstecher in die Stadt.

Mit der Weihnachtsbeleuchtung sieht Bodø ganz schmuck aus, und diesmal herrscht auch vorweihnachtliche Ruhe – der Lärm der startenden Düsenjäger vom NATO-Maneuver letzten Monat ist endlich verklungen.

Das Fotohuset Johnson in Bodø

Mein einziges wichtiges Ziel heute ist dienstlich: Ich brauche noch ein Bild vom Fotohuset Johnson, dem letzten Fotoladen vor dem Nordlicht (in Tromsø habe ich noch keinen in Hafennähe gefunden). Der Laden ist gegenüber des Rathauses und war schon für einige die letzte Rettung, wenn Ausrüstung für das Polarlicht gefehlt hat.

Zurück auf dem Schiff war für 15:15 eigentlich mein Vortrag über den Sternenhimmel geplant, aber nichts ist sicher: Wegen einer Veranstaltung des Schiffs verschiebt er sich auf 16:00. Und ich sagte gestern nach der Polarlichtprognose noch großspurig, sicher wäre nur, dass mein Vortrag heute um 15:15 wäre. Da die Sonne längst untergegangen ist, sehen wir aber auch mit dem späteren Termin nichts vom Landegode-Leuchtturm. Und morgen sind wir in der Polarnacht, da geht die Sonne gar nicht mehr auf. Also steht einem Ausflug in die Sterne und die griechischen Sagen nichts im Wege – außer vielleicht der Seegang im Westfjord?.

Weihnachtliches Svolvær

Zum Glück ist die Überfahrt über den Westfjord ruhig, auch wenn von der Lofotenwand natürlich nichts zu sehen ist – zu dunkel. Trotz ruhiger See erreichen wir Stamsund mit Verspätung. Die Zeit fehlt den Teilnehmern des Wikingerfests natürlich, die in Svolvær gerade noch rechtzeitig wieder an Bord kommen.

Ich hatte ja gehofft, dass wir auf der Fahrt nach oder in Svolvær Polarlicht sehen würden, aber stattdessen gab es nur einen schönen Sternenhimmel. Tja… also weiterhin hoffen, Satellitendaten anschauen und kurz durch Svolvær wandern, ein wenig die Beine vertreten. Das Abendessen heute war vegetarische: Pilz-Hafer-Buletten, die dank ausreichendem Gewürzeinsatz gar nicht mal schlecht geschmeckt haben.

Mein Nordlicht-Aufbau

Zurück an Bord heißt es dann ein paar Gespräche an Deck und Hoffnung darauf machen, dass das Polarlicht vielleicht in einer halben Stunde mitspielt. Und kaum bin ich in der Kabine, kommt die Durchsage „Vi har nordlys – wir haben Nordlicht“. Ich sag doch, wenn es klaren Himmel hat, gibt’s wahrscheinlich auch Nordlicht. Von kurz nach Svolvær bis zum Trollfjord haben wir eine Wolkenlücke, also schnalle ich meine Kamera an die Reling und lasse sie arbeiten.

Auf der Fahrt durch den Raftsund konnten wir eine nette Show erleben. Am Anfang gab es nur den großen, sehr blassgrünen Bogen des Nordlichtovals, zwischendurch immer wieder schöne Aktivität mit Bewegung und deutlicherem Grün.

Auch über dem Schiff gibt es immer wieder ein paar schöne Vorhänge aus Licht – eine nette kleine Korona. Es war noch nicht die ganz große Show, aber schon echtes Polarlicht, das begeistern kann (wenn man die Ausdauer hat, es komplett anzuschauen und nicht in die Kabine zurückging). Ich habe schon schlechtere Touren gehabt. Leider war es nicht möglich, die Weihnachtsbeleuchtung des Schiffs auszuschalten, sodass Deck 7 ziemlich unbrauchbar war. Zum Glück gibt es das Umlaufdeck 5.

Bis zum Trollfjord war das Nordlicht schön zu sehen, dann verschwand es hinter Wolken, und Schneefall setzte ein. Trotzdem: Nicht nur für den Einstieg eine schöne Show. Hoffen wir, dass es die nächsten Tage über noch mehr zu sehen gibt.

Hier wäre noch der Zeitraffer:

Übrigens: Da auf dem Schiff keine USB-Sticks von Gästen mehr angenommen werden, kann ich ihn auch nicht dem Expeditions geben. Den Film gibt’s also nur für unsere eigenen Gäste und im Internet, aber nicht auf der Nordkapp. Man sollte eigentlich meinen, dass Hurtigruten sich einen Virenscanner leiten könnte…

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