Mir tun ja alle leid, die nur für die SoFi nach Spanien gefahren sind und sich sofort auf den Rückweg machen. Unnötiger Stress, und nicht nur die Region Aragon hat viel zu bieten. Eigentlich wollten wir heute mal nach Saragossa fahren, aber bei über 40° in der Stadt… zum Glück hatten wir gestern unseren Burgherrn Curro getroffen, und er bietet heute nach dem Frühstück eine Führung durch Burg und Kirche an. Die ist vor allem für eine spanische Gruppe, aber wir kriegen ein paar englische Untertitel.
Das Castillo kam irgendwann in die Hände der Malteser-Ritter (ja, die aus Malta, die Insel, über deren Megalithtempel ich letztes Jahr einen Reiseführer geschrieben hatte), die sie bis ins 18. oder 19. Jahrhundert kontrollierten, auch nachdem die Festung längst ihre strategische Rolle in den Grenzkonflikten von Aragon und seinen Nachbarkönigreichen verloren hatte. Eine Eisenerzmine hielt die Stadt bis vor rund 200 Jahren am Leben; als sie erschöpft war, wurde auch das Castillo weitestgehend aufgegeben. Der Teil an der Stadtmauer wurde von den Einwohnern Añóns übernommen, der Rest hatte einen anderen Besitzer (ein Bischof?). Im ehemaligen Pferdestall ist heute das Landhotel, mit Essenssaal, Waffenkammer, zwei Türmen und einer Reihe Zimmer, die von Curro und seiner Frau betreut werden – ob sie ihm gehören, habe ich nicht ganz verstanden.



In der Burg wohnt unter anderem noch eine Künstlerin, die dafür gesorgt hat, dass das Castillo heute mehr Drachen hat als Game of Thrones, und die auch die Krippenlandschaft in der großen Kirche geschaffen hat – letztere zeugt von der Zeit, als Añón noch weit über tausend Einwohner hatte und nicht wie heute vielleicht noch 150.
Curro erklärte die Geschichte anschaulich und unterhaltsam. Beim Besuch der Kirche habe ich mehr über Altare gelernt als in den ganzen Jahren Religions-Unterricht in der Schule.


Nach der Kirche ging es in die Waffenkammer der Burg, und die Führung endete. Zeit für eine kurze Siesta – irgendwie ist der Urlaub doch anstrengend.
Später erkundeten wir noch einmal die Umgebung: Trasmoz ruft. Dass der Ort exkommuniziert war, hatte ich ja schon erwähnt. Aber es gibt noch mehr: Der Moncayo wurde 1860 von der Elite der Astronomen als Beobachtungsort für eine Sonnenfinsternis ausgewählt. Aus der Zeit stammt der Wanderweg auf den Gipfel. Die Expedition scheiterte, ein Sturm mit Hagel zerstörte das Observatorium, aber die Sonnenfinsternis konnte doch noch in Tarazona beobachtet werden. Die ganze Geschichte gibt es hier, bzw. hier in der Google-Übersetzung. Wenn ich Curro richtig verstanden habe, wurde eine Hexe in Trasmoz für das Unwetter verantwortlich gemacht. Aber vielleicht habe ich das auch falsch verstanden, oder jede Geschichte verdient es, ausgeschmückt zu werden – jedenfalls lebt die Hexenfolklore in Trasmoz immer noch.
Auf der Fahrt dorthin gelang mir endlich auch ein erstes Bild von unserem Nachbarort:
Fehlt noch eines von der eindrucksvolleren Richtung, wenn wir nach Añón fahren.
Trasmoz ist nach kurzer Fahrt erreicht, und diesmal kommen wir immerhin bis zum Besucherparkplatz am Ortseingang, was schon mal einige Höhenmeter spart. Uns schallt Musik entgegen, da wird wohl noch die SoFi nachgefeiert. Auf dem Marktplatz steht eine große Bühne, und wir machen uns auf den Weg zur Burg, die heute ein Museum beherbergen soll.
Bei dem, was unsere Radiomoderatoren in ihrem vollklimatisiertem Studio wohl als “bestes Sommerwetter” bezeichnen würden, suchen wir den Weg hoch zu der mächtigen Burgruine, um dort vor verschlossenem Tor zu stehen. Kein Durchkommen.
Dafür haben wir hier immerhin schon einen schönen Ausblick, und der Weg rund um das Castillo ist frei. Auf der Rückseite gibt es Schatten, Ausblick auf den Moncayo und Felsen als Sitzmöglichkeit. Machen wir mal Urlaub und genießen die Landschaft, solange noch Getränke in der kleinen Kühltasche im Rucksack sind:-)



Trasmoz gehört auch zu den Orten, die unter Bevölkerungsschwung leiden. Laut Wikipedia hat der Ort noch 88 Einwohner, und als wir wieder zurück sind, sind die alle auf den Beinen. Und ihre Verwandten. Und ihre Vorfahren. Und die Nachbargemeinden wohl auch noch – der Dorfplatz ist randvoll, eine Band macht sich bereit, und das Kuchenbuffet ist viele Meter lang. Feiern können die Spanier, das sind wohl keine Reste von gestern. Und das am Donnerstagmittag – auch in Spanien ist wohl komplette Ferienzeit.
Bei uns steht noch eine kleine Siesta an, und dann ein kurzer Spaziergang durch Añón. Einmal den Ort anschauen, in dem wir wohnen, ist auch kein Fehler. Er ist immer noch gepflegt, einige Häuser werden noch neu gebaut, andere sind Bauruinen oder stehen offensichtlich leer. Aber letztlich merkt man, dass versucht wird, den Ort am Leben zu erhalten.








Viel gibt es aber nicht zu sehen, bis zum Ortseingang brauchen wir keine 15 Minuten in gemütlichem Tempo. Wobei es noch Höhlen und einen mittelalterlichen Torbogen gäbe und ich mich in das Interpretationszentrum nicht hineintraue – nicht ohne Spanischkenntnisse…
Und das war es dann eigentlich auch schon für uns im Moncayo. Noch eine letzte Übernachtung, und morgen ziehen wir schon weiter. Mit dem Wetter hatten wir Glück: Heute hängen dichte Wolken nicht nur über dem Berg. Vielleicht erhält die Gegend ja mal den lang ersehnten Regen.




Am Abend steige ich noch einmal auf den Turm und genieße den Ausblick. Nein, heute hätten wir Pech gehabt mit der Sonnenfinsternis. So haben wir alles richtig gemacht. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert:-)





