GoTo und Zahnriemen für die Vixen GP-DX

Der original-Antrieb der Vixen GP-DX

Die Vixen GP-DX war immer so etwas wie meine Traum-Montierung – was gewiss auch damit zusammenhängt, dass ich mit ihr angefangen habe: Auf der Heilbronner Sternwarte haben wir zwei C8, die lange auf Superpolaris-Montierungen betrieben wurden. Klasse Sache, stabil und deutlich leichter als die HEQ-5, die später kamen.

Als mir vor einigen Jahren eine gebrauchte GP-DX (noch aus Vehrenberg-Zeiten) im Biete-Forum von Astronomie.de über den Weg lief, schlug ich dann auch schnell zu. Auf dem Berlebach Uni Stativ hat sie eine gute Basis und ist – bei guter Einnordung – mit meinem ED80/600 sogar ohne Autoguider fototauglich.

Was mich aber immer genervt hat: Sie ist mittlerweile etwas pflegebedürftig, insbesondere die Antriebszahnräder haben sich gerne mal gelöst. Ein Inbusschlüsselsatz war mein ständiger Begleiter. Und da die originalen Vixen-Motoren langsam sind, hat man zwar eine Feinverstellung, aber gerade bei nur 600mm Brennweite ist der Effekte eher gering. An zeitgemäßes Goto ist da gar nicht erst zu denken.

Eine Lösung ist es ja, die Elektronik von einem China-Nachbau an das Vixen-Original zu bauen. Das „Skywatcher SynScan GoTo Upgrade für EQ-5 und Vixen GP Montierungen“ liegt bei gut 400 Euro und lässt sich adaptieren, hat aber weiterhin Zahnradantrieb (und somit Getriebespiel). Früher gab es ein NexSXD-Projekt, um Celestron-Steuerungen zu adaptieren – wäre mir sympathisch gewesen, weil ich mich mit der Steuerung auskenne, gibt’s aber nicht mehr. Und dann kam auf Astrotreff dieser Thread. Damals lag die EQStar-Schrittmotor-Steuerung von Astro-Gadget für Schrittmotore auf Ebay noch bei rund 100 Euro, jetzt ist sie etwas teurer – aber dafür gibt es nun auch ein Goto Drive Set mit Motoren zum Spotpreis gibt, sodass man keine passenden Motoren mehr suchen muss. Nachteil: Sie kommt aus der Ukraine…

Aber gut 100 Euro war mir der Versuch wert, wobei ich deutlich mehr Geld in das Motorset für GP von Avalon investieren musste. Das ist zwar nicht wirklich ein Schnäppchen, aber für mich gab es ein paar Gründe, die dafür sprechen:

  • Die Schrittmotoren sind mit der EQStar kompatibel, und von Avalon habe ich auf Anfrage auch die Pinbelegung erhalten. So kriege sogar ich als Elektroniklaie das hin
  • Ich mag Avalon – ich konnte mal mit der M-Zero rumspielen, und falls die EQStar nichts taugt, gäbe es immer noch die Option, auf StarGo von Avalon aufzurüsten
  • Keine Bastelei – die Motoren kommen im Gehäuse. Ich habe keine Werkstatt und keine Lust, groß rumzubasteln.

Heute würde ich wohl gleich das günstigere Komplett-Set von Astro-Gadget ausprobieren, aber zwei Kabel zusammenlöten ist auch kein so großes Problem.

Von Astro-Gadget kam via Ebay dann sehr flott die neue Steuerung: Ein Kästchen mit der Elektronik, ein WLAN-Modul, ein Kabel zum USB-Port vom PC (zur Steuerung via ASCOM), zwei Anschlusskabel für die Montierung und die Treiber-CD, dazu ein kleiner Joystick-Handcontroller, der statt eines Autoguiders an den Autoguider-Port der Steuerung passt.

Die Steuerung passt – mit einem Haargummi – perfekt an ein Berlebach Uni Stativbein. Unten das schwarze WLAN-Modul, links hängt der Joystick.

Nachdem ich zwei neunpolige D-SUB-Stecker aufgetrieben hatte, waren Kabel schnell zusammengelötet und die Motoren schnell angeschlossen. Erster Test am PC, noch ohne Montierung: Hm. Man braucht neben der ASCOM-Plattform ein Windows-Programm namens EQSettings, das auf der Mini-CD beiliegt. Nur: Der USB-Konverter wird zwar erkannt, aber das war’s dann auch. Eine Rücksprache beim Entwickler (danke für den guten Support!) brachte die Lösung: Dem USB-Konverter muss zwingend COM2 zugewiesen werden. Über die Systemsteuerung ging das einwandfrei, nun ich konnte die richtige Übersetzung einstellen (1:576 für die Avalon-Motoren) und über ASCOM irgendwie auch ansprechen (ASCOM ist für mich immer noch ein Buch mit sieben Siegeln) – aber irgendwo kam dann das Bedienfeld, und die Motoren liefen.

Zumindest eine Zeit lang. Bis irgendwann nichts mehr ging, nicht einmal der Piepser beim Anschalten.

Ich weiß bis heute nicht, ob es am Netzteil lag (das etwas mehr als 12V liefert, aber dafür auch bei Kälte genug Strom liefert), an der Steuerung (die 12V will, aber auch bis 15V vertragen soll) oder an der seltsamen Stromversorgung in diesem Haus, wo öfter mal die Sicherung rausfliegt.

Grmpf. Was tun? Die Steuerung in den Wind schreiben? Noch mal eine über Ebay kaufen? Kontakt mit dem Entwickler aufnehmen? Ich entscheide mich für letzteres und bin positiv überrascht: Für wenig Geld bietet er mir eine Reparatur an.

Die Reparatur an sich ist kein Problem, nur – wie kriegt man das Geld in die Ukraine, wenn Ebay nicht dazwischen steckt? Überweisungen aufs Handy sind vielleicht dort üblich, aber hier noch lange nicht, und eine Online-Überweisung? Guter Witz. Ich muss tatsächlich persönlich zur Bank gehen und eine Papierüberweisung abgeben. Online kann ich sie zwar auch gut versteckt ausfüllen, müsste sie dann aber auch ausdrucken und zur Bank tragen. Willkommen im Deutschland des 21. Jahrhunderts.

Die GP-DX mit Zahnriemen

Irgendwann kommt dann die Nachricht vom Zoll, dass ich die Teile abholen kann. Und die Frage, als was die Platinen einzuordnen sind. Was weiß denn ich, ich habe die Zollklassen noch nie gehört. Bin ich Elektroniker? Oder Zöllner? Ein paar Euro später habe ich die Steuerung dann in der Hand. Wenn ich die Spritkosten anschaue und die verlorene Arbeitszeit bezweifle ich, dass sich das für den deutschen Staat lohnt. Und mein Wagen fährt Diesel, bis in alle Ewigkeit…

In der Zwischenzeit habe ich mir auch noch einen LiFePO4 PowerTank von Celestron besorgt. Damit fällt die schwankende Stromversorgung vom Haus schon mal als Fehlerquelle flach, und die Tests können beginnen.

Der erste Test

Nachdem dann alles zusammen war, ging es an die ersten ernsthaften Tests. Die Doku von EQStar ist diesbezüglich etwas mager, aber was soll’s – das gehört zu einem Bastelprojekt. Der Reihe nach:

Joystick-Steuerung und die Motoren

Die neuen Motoren an Ort und Stelle.

Die Motoren waren schnell installiert: Die alten Motorblöcke abschrauben, die alten Zahnräder und die Getriebekupplung von der Montierungsachse entfernen, dann die neuen Motoren samt Zahnrädern und Zahnriemen anschrauben – fertig. Die Avalon-Motorgehäuse werden jeweils nur mit einer Schraube an der Montierung befestigt und haben etwas Abstand zum Achsenkreuz der Montierung, also ziehe ich die Schrauben fest an. Über vier Schräubchen im Motorgehäuse lässt sich der Motor noch verschieben, um die richtige Spannung des Zahnriemens einzustellen: Das Band sollte sich ohne Kraftaufwand ein wenig verdrehen lassen (so ca. um 90°), dann passt es. Auch die großen Zahnräder sollten sich ohne Kraftaufwand drehen lassen.

Stecker zum Verschrauben per Schraubenzieher (rechts) sind einfacher zu finden, sinnvoll sind aber nur welche, die sich ohne Werkzeug lassen (links) – zumindest für den mobilen Einsatz.

Die Avalon-Motoren haben D-SUB-Buchsen. Für die ersten Tests hattee ich nur Steckergehäuse gefunden, für die ich einen Schraubenzieher brauche, um sie an die Motoren zu schrauben. Ohne Anschrauben sitzen sie nicht besonders fest und können leicht herausfallen (gerade bei schnellen Schwenks), aber ich habe nicht vor, die Montierung mit dem Schraubenzieher aufzubauen. Mittlerweile habe ich sie durch Stecker ersetzt, die sich mit der Hand verschrauben lassen.

Der Joystick zur Steuerung

Die manuelle Steuerung der Montierung erfolgt über einen kleinen Joystick, der in den Autoguiderport der Montierung gesteckt wird. Ein erster Test: Nachdem der Joystick einmal durch Drücken der Funktionstaste und Bewegen des Joysticks aktiviert wurde, bewegt sich die Montierung. Funktionstaste und Joystick in Deklination bewegen stellt die Geschwindigkeit ein (von 20x bis 500x); Drücken in Rektaszension stellt die Nachführgeschwindigkeit ein. Piepser zeigen an, welchen Wert man gerade eingestellt hat. Man darf in der Nacht nur nicht in die falsche Richtung drücken, sonst läuft auf einmal die Nachführung mit der falschen Geschwindigkeit… Aber soweit läuft es einwandfrei. So schnell war meine Montierung noch nie:-)

Zu viel Luft: Damit die Motorgehäuse am Achsenkreuz anliegen und sich nicht verstellen, muss ich sie etwas unterfüttern. Aber besser so als andersrum

Letztlich ist sie sogar zu schnell: Nach einiger Zeit scheppert die Montierung. Des Rätsels Lösung: Eine Schraube ist zu wenig, um die Motoren fest an ihrer Position zu halten, sie haben sich verdreht. Mit einem Abstandshalter aus Plastik kann ich sie unterfüttern, jetzt läuft sie ruhig, und die Motoren bleiben an ihrem Platz.

Beim Test am Nachthimmel gab’s dann wieder eine Ernüchterung: Die Rektaszensionsachse läuft einwandfrei, die Deklination nicht – nicht einmal per Hand kann ich sie drehen. Wir haben mittlerweile nicht die rund 20° vom Wohnzimmer, sondern um die 0° in der freien Natur, und das Schneckenspiel der Dek-Achse ist jetzt zu stramm. Ich hatte ganz vergessen, dass man das bei der GP-DX ab und zu mal justieren muss. Also ab nach Hause, wo die Inbusschlüsselsammlung ist, Motor abbauen und lockerer einstellen. Dann ab ins Bett…

Beim nächsten Test hat es wie gewünscht funktioniert. Etwas gewöhnungsbedürftig: Der Joystick spricht immer nur einen Motor an. Man kann also nicht beide Achsen gleichzeitig bewegen.

Die Steuerung per App

Einstellungen für SkySafari Pro

Noch mehr Trockentests: Der Steuerung liegt ein WLAN-Modul bei, um das Ganze per App zu steuern – zum Beispiel mit SkySafari Plus. Ich habe etwas gebraucht, um brauchbare Einstellungen zu finden. Im Augenblick habe ich sie als Celestron AVX konfiguriert, SkyWatcher SynScan wäre wohl auch einen Versuch wert.

WLAN gefunden, Steuerung gescheitert.

Die WLAN-Verbindung ist etwas haklig, was aber durchaus an Apple liegen kann – ich habe die Software auf einem älteren iPhone laufen. Auf jeden Fall muss ich immer etwas warten, bis WLAN-Symbol in der Statusleiste erscheint. Vorher muss ich gar nicht erst versuchen, SkySafari zu öffnen (obwohl es manchmal auch funktioniert, wenn LTE statt WLAN angezeigt wird – da steige ich noch nicht ganz durch). Dann kann ich mich meistens über den Connect in SkySafari mit der EQStar-Steuerung verbinden, kriege aber öfter die Fehlermeldung, dass die Steuerung nicht anspricht. Ein Handy-Neustart hilft häufig. Ein Android-Gerät mag besser funktionieren, keine Ahnung.

Wenn die Verbindung steht, läuft es aber ganz gut: Die Steuerung geht davon aus, dass das Teleskop auf den Himmelspol zeigt. Dann muss ich einen neuen Referenzstern anfahren, das Teleskop schwenkt dahin, und ich zentriere ihn über den Joystick oder besser noch mit gelösten Achsklemmen, bestätige in der App mit Align, und fertig. Das ist dann zwar nur ein Ein-Stern-Alignment (mehr kann SkySafari wohl nicht), funktioniert aber schon ganz gut.

Bis das Handy in den Ruhezustand geht und die Verbindung kappt. Unter Appearance & Behaviour bietet SkySafari zwar auch ein „Prevent Sleep“, aber manchmal sind die Reflexe schneller, und ich schalte das Handy aus. Was dafür nett ist: Ich kann die Motoren auch bewegen, indem ich das Handy etwas hin- und herneige. Wobei ich zugeben muss, dass der Touchscreen besser funktioniert als gedacht, auch wenn man die Richtungstasten nicht ertasten kann.

Ach ja: Der kleine Celestron LiFePO4 PowerTank versorgt entweder USB oder Teleskop mit Strom. Ich kann das Handy also nicht ebenfalls über den Powertank mit Strom versorgen – das größere Modell des PowerTanks soll es können. Mist.

Das Goto funktioniert schön, es ist nur etwas ungewohnt, dass erst eine Achse gefahren wird und dann die andere. Außerdem muss ich aufpassen, dass der Motor nicht an der Montierung anschlägt – aber das bin ich von der FS2-Steuerung der Alt-Montierung der Heilbronner Sternwarte auch gewohnt. Ein Tastendruck bricht den Schwenk ab.

Unter Android gibt es noch eine kleine App, um der Steuerung Datum, Zeit und Standort mitzuteilen. Dann weiß die Montierung auch, wann sie umschwenken soll. So erklärt das vielleicht die teilweise etwas seltsamen Positionswinkel. Die Objekte werden aber gefunden.

Fazit: Das Verbinden mit dem WLAN ist etwas hakelig, aber wenn es klappt, läuft es gut.

Steuerung per PC

Das habe ich bislang nur im Trockentest gemacht, aber wenn ich das richtig verstehe, muss ich ASCOM nur auf EQMOD konfigurieren, und muss mich nicht um um Getriebeübersetzungen und so kümmern. Zumindest bewegt sie sich, wenn ich in Guide einen Stern anfahren will. Wenn ich das richtig verstehe, gibt ASCOM nur die Wunschkoordinaten weiter, und die Steuerung kümmert sich um den Rest.

Fazit

Bereit für die Zukunft

Für’s erste bin ich begeistert, vor allem vom Preis-Leistungs-Verhältnis. Die hundert Euro (mittlerweile liegt sie bei 150 Euro, wobei ich das auch schon für die reine Steuerung inkl. Autoguidereingang zu zahlen bereit gewesen wäre) plus Motoren ist sie auf jeden Fall wert. Mir waren schnellere Motoren und Autoguidereingang am wichtigsten. Das Goto ist nicht ganz so wichtig, aber gerade beim Fotografieren sehr hilfreich.

Die EQStar scheint eine gute Möglichkeit zu sein, um eine solide ältere Montierung wie die SP/GP auf den modernen Stand zu bringen, wenn man sich ein bisschen reinarbeiten will. Wenn ich die Arbeitszeit rechne, wäre eine neue Montierung (ohne Zahnriemen und wohl mit geringerer Präzision) günstiger (je nach Stundensatz) – aber ein bisschen rumbasteln gehört zum Hobby Astronomie, und ich sehe keinen Grund, mich von einer alten, aber perfekt laufenden Montierung zu trennen.

Probleme hat vor allem die mangelnde Dokumentation gemacht, aber ich hoffe, alle Problemchen, die ich hatte, lassen sich mit diesem Blogbeitrag lösen. Ich würde die Steuerung nach aktuellem Stand jedenfalls wieder kaufen.

Sehr praktisch ist, dass ich das Kästchen mit der Steuerung – nachdem ich es mit der Bohrmaschine malträtiert habe – einfach mit einem Haargummi am Stativ befestigen kann. Das Kabel zum stationären Rektaszensionsmotor habe auf die kürzeste sinnvolle Länge gekürzt. Das zum Dek-Motor hat eine ziemlich gute Länge, auch wenn es bei kalten Temperaturen etwas steif wird. Und ich habe sogar einen Ersatz für die verbogene Polhöhenschraube meiner Montierung gefunden, sodass sie jetzt wieder voll einsatzfähig ist.

Der Zahnriemenantrieb ist sehr nett, beseitigt aber nur das Getriebespiel, nicht das Schneckenspiel. Schade, dass die GP-DX keine angefederte Schneckenachse hat…

Der nächste Schritt ist dann, wieder ein bisschen durch das Teleskop zu Fotografieren, wenn alles läuft. Bislang habe ich für fokale Fotografie ja vor allem das Equipment der Heilbronner Sternwarte genutzt und war mit kleinen Brennweiten auf dem Star Adventurer unterwegs, oder ohne Guiding mir der GP-DX. Wann ich das alles testen kann? Keine Ahnung – nächste Woche geht’s wieder auf die Hurtigrute, und wenn ich zurück komme, sind die Nächte schon wieder deutlich kürzer. Astronomie braucht Geduld:-)

Alles aufgeräumt – warten auf klaren Himmel…

Bis dahin wird mal alles im neuen Köfferchen verstaut (Schaumstoff von Koffermarkt.com, Koffer von Thomann. Und da gefragt wurde: Der Montierungskoffer mit dem meisten Fotokram und dem Gegengewicht liegt bei 21,5 kg, die Stativtasche bei 13,1 kg (inklusive der Vixen Porta-Montierung, wenn ich rein visuell unterwegs bin. Der Teleskopkoffer mit der aufgesattelten Ablageplatte von Stativ bei 17,8 kg. Das kann ich jetzt alles schön einlagern, bis ich wieder in Deutschland bin und klaren Himmel habe.

Vixen SG 2,1×42 – das Großfeldfernglas

Das Vixen 2,1×42 hatte ich zum ersten Mal auf dem Astrofest von Intercon Spacetec gesehen und fand es damals schon interessant: 42mm Öffnung und nur zweifache Vergrößerung? Bei einem klassischen Fernglas wäre das eine unmögliche Austrittspupille (20mm – irgendwo bei 7mm ist normalerweise Schluss, da man die Pupille ohnehin nicht weiter öffnen kann), aber ein Galilei-Fernglas wie dieses soll wohl anders funktionieren, sodass die Berechnung der Austrittspupille angeblich keinen Sinn macht. Sagt zumindest Astro-Optik Kohler über sein 2,3×40 Gucki. Da der Import von Artikeln aus der Schweiz immer ein Problem ist (irgendwer muss da sein, damit der Postbote den Zoll und die Mehrwertsteuer kassieren kann), habe ich das Gucki nie bestellt.

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Das Vixen ist da einfacher zu kaufen, schließlich gibt es das ganz regulär bei deutschen Händlern. Tja, und da ich ein paar Mitarbeiter bei Astroshop kenne, war natürlich nichts naheliegender als dort einmal nach einem Testgerät zu fragen. Hier der Link zum Gerät: Vixen Fernglas SG 2,1×42 Binokular für Sternfeldbeobachtung. Der letzte Auslöser war mein Norwegen-Trip im November: Wie wirken die Polarlichter durch so ein Fernglas? Ist früher Farbe zu sehen? Und wenn ich schon im hohen Norden bin, gibt’s hoffentlich auch so ein paar Sterne zu sehen.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich durfte mir ein Vorführexemplar ausleihen.

Eher unscheinbar: Der Karton

Eher unscheinbar: Der Karton

Unboxing

Der Karton selbst ist erst einmal unauffällig und dezent: Grau-Schwarz und ohne Hinweis auf den Inhalt. Nur die Aufkleber geben einen Hinweis auf das Fernglas. Dafür wiegt er einiges und ist größer als gedacht – irgendwie hatte ich es doch einiges kleiner in Erinnerung.

Nach dem Öffnen zeigt sich des Rätsels Lösung: Ein ziemlich großer Styroporriegel sorgt für Volumen:-) So hat auch die Anleitung Platz. Angenehme Überraschung: Das Fernglas steckt in einer hochwertigen, gepolsterten Gürteltasche.

Der Inhalt der Box

Der Inhalt der Box

Ebenfalls in der Box: Ein Trageriemen und die Bedienungsanleitung. Sehr übersichtlich, das Ganze, aber was soll auch zu einem Fernglas noch dazu gepackt werden? (Okay: Das übliche Reinigungstüchlein, aber wer vermisst das schon…)

Die Tasche macht einen sehr guten Eindruck: Gepolstert und strapazierfähig. Sie hat eine Gürtelschlaufe und eine Kunststofföse für einen Karabinerhaken. Sieht sehr vertrauenserweckend aus – aber ich bin ja nicht an der Tasche interessiert, sondern am Inhalt.

Das Fernglas hat vier Staubschutzdeckel, die fast größer wirken als das eigentliche Bino, und bei dem Gewicht ist die Trageschlaufe keine schlechte Sache – das glatte Metallgehäuse  ist mangels Baulänge nicht besonders griffig. Mit dem Trageriemen kann man es sich aber auch umhängen, sodass keine Sturzgefahr besteht.

Fernglas, Tasche, Deckel und Handschlaufe.

Fernglas, Tasche, Deckel und Trageriemen.

Durch die Mischung aus Metall und gefühlt zwei massiven Glasblöcken ist es schwer, obwohl es so klein ist: gut 470g mit Tasche und 430g ohne Tasche, aber jeweils mit Deckeln und Umhängeschlaufe. Hier der Größenvergleich mit einem 7×50 Porro-Fernglas:

Vixen 2,1x42 und ein 7x50 Porro-Fernglas.

Vixen 2,1×42 und ein 7×50 Porro-Fernglas.

Der Blick durch das kleine Vixen ist ungewöhnlich: Fokussieren ist gar nicht so einfach und erinnert erst einmal an den Blick durch die Sehtestprüfgeräte beim Optiker. Man darf nicht die erste scheinbar scharfe Stellung nehmen, sondern muss wirklich einmal durchfokussieren, dann ist auch der Bildfeldrand beim Blick in Landschaft brauchbar. Das Bildfeld entspricht etwa dem beim Blick aus dem Fenster: Groß, aber nicht gigantisch. Trotzdem kein Vergleich mit einem normalen Fernglas, sondern um Welten größer. Am Bildrand lässt die Qualität nach, die Bildmitte macht einen schönen Eindruck. Und vor allem: Es ist hell! Selbst der Blick in die nebelverhangene Novemberlandschaft zeigt Details, die man ansonsten übersehen hätte. Wie wird es sich wohl am Nachthimmel machen? Bislang konnte ich es nur in einer Nacht testen.

Der Blick in den Himmel…

…ist erst einmal ungewohnt. Der erste Eindruck bei einer Nacht auf dem Land, aber noch einigermaßen in Stadtnähe: Das Gesichtsfeld ist groß, aber nicht so groß, wie man es bei 2x vielleicht erwarten würde. Die sieben Sterne des Großen Wagens passen komplett in das Gesichtsfeld; wirklich scharf wird etwa der Bereich der Kastensterne abgebildet. Durchaus imposant. Noch mehr als der Gewinn an Grenzgröße fällt zunächst die zusätzliche Trennschärfe auf: Während Mizar und Alkor ja als Augenprüfer bekannt sind, sind sie mit dem Vixen gar kein Problem. Plejaden und Hyaden machen richtig Spaß, die Milchstraße ist chic, nur die Andromeda-Galaxie bleibt wenig beeindruckend. Das mag an meinem Standort liegen, sie ist zwar ein Nebelfleck, aber doch recht klein. Bei dem bisherigen Wetter hatte ich leider nur eine Nacht, in der ich es kurz am Sternenhimmel testen konnte.

Die Randunschärfe ist vorhanden, stört mich aber nur, wenn ich darauf achte. Aber das wird natürlich jeder anders empfinden – es ist etwas Wahres an dem Spruch dran, dass fortgeschrittene Sternfreunde im Okular eher Optikfehler als Sterne sehen. Mit Brille macht es übrigens weniger Spaß: Dann ist der Augenabstand größer und das Bildfeld kleiner.

Besonders reizvoll wäre der Blick durch ein paar Nebelfilter mit dem Gerät auf den Sommerhimmel. Nordamerikanebel oder Schleiernebel dürften dann unter Alpenhimmel machbar sein – schade, dass es keine Filterhalter hat. (Wie gut kommt eigentlich ein Nebelfilter mit so einem großen Bildwinkel zurecht?)

Unter einem mäßigen Landhimmel (Kleiner Wagen komplett sichtbar) macht es Spaß, mit dem Vixen Sternhaufen zu jagen oder die Milchstraße abzufahren. Für die Suche nach einem ausgedehnten Komet in der Dämmerung dürfte es sehr gut sein. Aber man bleibt dennoch auf einen Ausschnitt des Himmels beschränkt – es ist nicht so, dass man den Eindruck einer Sternen-Brille hätte.

Der Einsatz für die Polarlichtjagd hat sich leider nicht gelohnt: Wenn die schwache Aurora mit bloßem Auge zu erkennen war, ging es auch im Fernglas, es zeigte jedoch nicht früher Farbe als mit bloßem Auge. Zum Überprüfen, ob man wirklich Polarlichter sieht, bleibt also weiterhin nur der Griff zur Kamera. (Es wäre reizvoll gewesen, einmal ein helles Polarlicht darin zu beobachten – aber das hatte ich auf dem letzten Trip nur einmal, und da hatte ich keine Zeit, um zum Fernglas zu greifen.)

Fazit

Nach dem ersten kurzen Beobachtungsabend bin dem Fernglas gegenüber etwas zwiespältig – die Bildqualität ist nicht ganz so gut, wie ich sie von meinem ersten Blick in Erinnerung hatte, aber durchaus okay: Die Bildmitte ist schön, und der Rand trägt eben nur zum Gesamteindruck bei, dort beobachte ich nicht. Und ein ganzes Sternbild auf einmal zu überblicken, ist etwas vollkommen anderes, als man es normalerweise gewohnt ist. Als Weitfeld-Spezialist und für die Jagd nach helleren Kometen ist es sehr, sehr reizvoll. Durch den Preis ist es aber kein Gerät, das ich einfach so mal kaufe. Verarbeitung und Zubehör sind erstklassig, es ist nur schade, dass sich 2″-Filter nicht adaptieren lassen. Unter einem dunklen Himmel dürfte es wesentlich beeindruckender sein als unter unserem typischen Landhimmel.

Den Haben-Will-Reflex, der dafür sorgt, dass bei mir schon einige Geräte stehen, die ich eigentlich nur mal testen wollte, hat das Vixen nicht ausgelöst – dafür ist es mir im Augenblick noch zu teuer, und andere Anschaffungen haben Vorrang. Aber es ist auch noch nicht von meiner Wenn-mal-Geld-übrig-ist-Liste verschwunden. Es ist halt ein Luxus-Artikel, den ich nicht unbedingt für’s Hobby brauche. Trotzdem gebe ich es nur ungern zurück – aber für die nächsten Wochen wird auch kein schönes Wetter vorhergesagt; für weitere zeitnahe Tests gibt es wohl keine Chance. Vielleicht schlage ich beim nächsten hellen Komet zu…