Tag 1: Gut wieder hier zu sein

Die neun Monate seit der letzten Reise haben zwar viel zu lange gedauert, andererseits waren sie so voll mit Terminen und Deadlines, dass es dann doch Schlag auf Schlag ging: Die nächste Tour steht an, vom 3. bis 14. November heißt es wieder Nordlicht auf der Nordkapp. Da der Flug von SAS durchgeführt wird, stört mich der Flugbegleiterstreik bei der Lufthansa auch nicht weiter, und Stuttgart ist ohnehin ein übersichtlicher Flughafen – alles bestens.

Jede Menge Nebel

Jede Menge Nebel

Naja, fast… Meinen Parkplatz habe ich wieder über den Flyaway-Service gebucht, nachdem das letztes Mal sehr gut geklappt hatte. Der Flug ging um 10:00, den Termin am Parkplatz hatte ich auf 7:30 gelegt, um genug Luft wegen Staus und Securitiy-Checks zu haben, und pünktlich um 7:25 war ich dann auch vor Ort. Nur mein Shuttleservice nicht, die Tiefgarage wird saniert, und ein Ausweichparklatz war nötig, irgendwas mit Plieningen und SI-Zentrum, und ohne Adresse für’s Navi. Die Fahrtstrecke wurde mir per Handy erklärt, An der B irgendwas rechts ab… Nur ist diese blöde Bundesstraße? Schließlich hatte ich es geschafft, für fünf Minuten Fahrtstrecke eine Stunde zu brauchen und noch einen Abstecher zum Fernsehturm zu machen. Wer Stuttgart kennt weiß: Ja, der liegt ganz wo anders. Der Trip fängt ja gut an… (Den Flyaway-Service nehme ich nächstes Mal wieder, aber vorher speicher ich mir alle Parkplätze im Navi.)

Aber wofür hat man Sicherheitsspielraum einkalkuliert. Um viertel vor neun war ich dann am Flughafen, trotz der Kameraausrüstung in fünf Minuten durch den Sicherheitscheck und hatte sogar noch Zeit, um auf den Flieger zu warten. Im dichten Nebel war von der Umgebung nichts zu sehen, erst nach dem Start änderte sich der Anblick schlagartig: Kaum hatten wir etwas Höhe gewonnen, gab es wieder strahlend blauen Himmel mit abnehmendem Mond, und es war wunderbar zu erkennen, wie die Täler vom Nebel verhüllt waren.

Der Flug ging über Kopenhagen, wo genug Zeit zum Umsteigen war. Auf dem Rückflug wird’s interessant: Da habe ich nur rund 40 Minuten, mein Gepäck wird es wahrscheinlich nicht schaffen… Kopenhagen ist durchaus hübsch (auch wenn Douglas Adams so schön gesagt hat, dass es das Sprichwort “So schön wie ein Flughafen” aus gutem Grund nicht gibt), aber auch relativ groß. Mal sehen, wie weit Lande- und Start-Terminal auseinander liegen. Auf dem Flug waren auch schon die ersten Gäste, mit denen ich im Flieger und am Flughafen Bergen ins Gespräch kam.

Am Bergen Lufthavn wartete schon Jürgen, einer unserer beiden Reiseleiter. Bis zum Abflug dauerte es aber noch ein wenig, da zwei weitere Maschinen erwartet wurden, eine davon mit meiner Kollegen Moni – einer alten Kollegin von Astronomie Heute, die jetzt das erste Mal auf Hurtigrute geht. Die zweite Reiseleiterin (noch eine Monika – so kann ich mir die Namen wenigstens merken) war auch schon da.

Als alle Flieger da waren, war der Flughafen fest in unserer Hand: Etwa 60 der rund 80 Gäste waren jetzt am Nachmittag gelandet, die anderen waren schon etwas länger hier. Mit zwei Bussen fuhren wir dann mit einem kurzen Abstecher durch Bryggen zum Schiff: Einchecken, und – in meinem Fall – gleich wieder auschecken, und im nächsten Markt mit Getränken, Souvenirs und Snacks eindecken. Nur für den Fall, dass das Wetter wieder sehr gut wird und ich das Frühstück des öfteren verschlafe… Bergen zeigte sich mal wieder von seiner regnerischsten Seite; erst als ich wieder auf dem Schiff war, ließ der Regen nach.

Das Buffet war gut wie immer, und im Gespräch mit den Kollegen von der Reiseleitung wurden gleich die ersten Termine abgeklärt. Mal was neues: Der Vortragsraum stand schon am zweiten Tag (also morgen Vormittag, am ersten richtigen Tag der Reise) zur Verfügung. Gar nicht schlecht – so konnte der Einstiegsvortrag mit atmosphärischen Phänomenen, Polarlichtern und Fototipps noch vor Ålesund und Trondheim stattfinden, sodass jeder eine Chance hat, seine Fotoausrüstung zu ergänzen. Der einzige Nachteil: Die Ausschiffung von Bergen ging für den Feinschliff am Vortrag drauf. Schließlich wollten Moni und ich ihn gemeinsam halten, und da ist ein bisschen Absprache keine Fehler.

Zwischen Abendessen und dem ersten Arbeitsmeeting (ich bin hier ja nicht im Urlaub) war dann noch der frustrierte Blick auf die Polarlichtvorhersage (im Augenblick sehr aktiv, aber bei den Wolken keine Chance) und die Willkommensveranstaltung der Crew im Panoramasalon. Schade – kaum ein bekanntes Gesicht, also gibt’s auch für meine vierte Tour auf der Nordkapp eine neue Crew. Die Besatzung fährt ja normalerweise immer zwei Runden am Stück und hat dann erst einmal frei. Macht aber nichts: Mit Tourguide Anna lässt sich ebenfalls gut zusammen arbeiten, und in den Rest habe ich auch volles Vertrauen.

Feierabend war dann gegen ein Uhr, während unser Schiff bei recht ruhiger See Kurs um das Westkapp nimmt. Mal sehen, wie alle das erste Geschaukel zum Einstieg vertragen:-)

22°-Ring vom Sommer

Noch etwas über eine Woche, bevor es wieder auf die Hurtigrute geht – Zeit für Aufräumarbeiten.

Dabei bin ich auch wieder auf ein paar Fotos gestoßen, die ich nur getwittert hatte, aber sonst nie zum Posten gekommen bin: Ein hübscher kleiner Regenbogendingsdabums Zirkumzenitbogen (sorry, war auch falsch) 22°-Ring, der am 25. Juni über Heilbronn so gegen 16:40 zu sehen war.

Zirkumzenitbogen über Heilbronn, 25. Juni 2015

22°-Ring über Heilbronn, 25. Juni 2015

Es lohnt sich, immer wieder mal nach oben zu schauen – da gibt’s doch immer wieder mehr zu sehen als nur Graue Wolken oder Blauen Himmel. War hübsch und ziemlich auffällig, die Kamera hat da ihre Probleme mit.

Zirkumzenitbogen über Heilbronn, 25. Juni 2015

22°-Ring über Heilbronn, 25. Juni 2015

AME und die MoFi vom September

Ein müder Geselle erwartet mich bei Astronomie.de

Ein müder Geselle erwartet mich bei Astronomie.de

Die AME ist fast drei Wochen her, aber die Kombination aus Hackerangriff und zu wenig Zeit hält halt auf – aber jetzt komme ich mal wieder auf meine Seite und kann was posten:-)

Die AME ist eine der beiden großen Astro-Messen und für mich immer die Gelegenheit, alte Bekannte zu treffen und zu sehen, was es Neues auf dem Markt gibt. Außerdem helfe ich meist am Stand von Astronomie.de aus, wo ich immer schon sehnsüchtig erwartet werde – zumindest, wenn Stefan alleine da ist. Mit nur sieben Stunden Dauer ist die AME zwar durchaus ausstellerfreundlich, aber man sollte schon immer zu zweit sein. So hat jeder die Chance für einen Messerundgang oder um in Ruhe was zu essen.

Vor lauter Gequatsche habe ich zwar wieder nur die halbe Messe geschafft, aber ein paar nette Gespräche waren’s auf jeden Fall wert. Ein paar Kontakte könnten sich auch auszahlen…

Der Albireo-Verlag war diesmal nicht da, daher war’s für mich günstig – ich habe mir nur die Fixfokus-Klemme von Teleskop-Service geleistet, um das Objektiv auf dem Polarlicht-Trip über Silvester besser fokussieren zu können. Interessante Sachen gab’s trotzdem einige.

Montierungs-Glücksrad bei Tele-Optic

Montierungs-Glücksrad bei Teleskop-Tecnica

Mein persönlicher Favorit war ja das Montierungs-Glücksrad von Teleskop-Tecnica. Eine geniale Art, die ganzen Montierungen zu präsentieren. Jetzt weiß ich auch, was aus der Giro-III geworden ist: Der Nachfolger ist die Giro-Ercole. Immer noch eine klare Empfehlung für alle, die was robustes und einfaches wollen.

Fast genauso eindrucksvoll war das 3″-Okular, das Fernrohrland mir verkaufen wollte. Würde sich an meinem ED80 bestimmt gut machen, aber dann bräuchte ich einen neuen Zenitspiegel. Al Naglers Handgranate ist nichts dagegen. Der Gitterrohr-Refraktor war da schon reizvoller, bloß brauch ich keinen.

Mindestens ebenso eindrucksvoll war der neue Refraktor, den die Astro Optik Manufaktur vorgestellt hat: 130er und 160er Doublet Apos. Chic für Leute, die Platz haben und Highend wollen, made in Germany.

Keine Fotos habe ich bei Kowa gemacht, die wieder Highend-Spektive und Ferngläser präsentiert haben. Schade eigentlich, gerade ihre Kombination aus Spektiv und Objektiv finde ich sehr nett. Aber vor Gesprächen und Durchgucken bin ich nicht zum Knipsen gekommen.

Das interessanteste bei Vixen war die AP-Montierung. Sehr modular, ein geniales Teil.

Lesepause bei Astronomie.de

Lesepause bei Astronomie.de

Die zweite Halle hat Baader dominiert, wenn man mal am Skywatcher-Stand vorbei war. Skywatcher kündigt per Kundenfänger einen kleinen Nachfolger vom Star Adventurer an, mit WLAN. Der war leider nicht ausgestellt. Bei Baader gab’s nicht nur eine kleine Kuppel zu sehen (hallo, Sandra), sondern unter anderem auch einen 300mm-f/1,44-Refraktor (ohne Preisangabe) und andere Nettigkeiten. Ich finde ja den Sucherhalter für Großferngläser nett, der beim neuen SkySurfer III beiliegen wird. Ich brauche eh langsam einen zweiten Leuchtpunktsucher…

Nach dem kurzen Rundgang stand dann Messdienst bei A.de an, und viel mehr habe ich von der Messe dann auch nicht mehr mitgekriegt: Einige vom aktuellen Einsteigerkurs haben vorbeigeschaut, und ich habe munter Teleskopberatung gemacht. Immer das A.de-Häschen hat in meinem Buch geschmökert:-)

Der RATT-Flyer war hartnäckig

Der RATT-Flyer war hartnäckig

Nach der AME stand noch ein gemütliches Abendessen an, und Scheibenputzen: Der Werbeflyer vom RATT hatte sich in Pappmache verwandelt, die Reste waren noch eine Woche später an meinem Auto. Grmpf.

Schön war’s trotzdem, und nächstes Jahr werd ich wohl auch wieder da sein.

Szenenwechsel, eine Woche später: Am 21. September gab es seit längerem mal wieder eine

Totale Mondfinsternis

zu sehen. Dummerweise in den frühesten Morgenstunden, und da ich um 8:00 einen Termin in Bayern hatte, habe ich diese Finsternis nicht auf der Heilbronner Sternwarte verbracht (obwohl wir offen hatten), sondern südlich von Augsburg, am Mandichosee. Um 2:20 aufstehen ist nun wirklich nicht meine Zeit, aber es hat sich gelohnt, auch wenn keine fünf Stunden vorher der Himmel noch komplett bedeckt war. Nach einem viel zu frühen Frühstück ging es dann mit dem ED80 und der Porta-Montierung (auf eine Nachführung hatte ich verzichtet, in der Hoffnung, dass die Belichtungszeiten trotzdem kurz genug sein könnten) an den See, der einen schönen Rundumblick bietet und dunkel genug ist.

Das Panorama gibt die unwirkliche Stimmung nicht einmal ansatzweise wieder.

Das Panorama gibt die unwirkliche Stimmung nicht einmal ansatzweise wieder.

Der ziemlich einsame Standort am Ufer und die extrem dunkle Finsternis – der dunkelste Teil des Monds war kaum vom Himmelshintergrund zu unterscheiden – sorgten für eine eindrucksvolle Stimmung, die sich auf den Bildern nicht wiedergeben lässt. Man muss es schon gesehen haben.

Fokussieren war diesmal eine echte Herausvorderung, auch weil ich meine Bahtinov-Maske zuhause vergessen hatte. Der dunkle Mond war auf dem Liveview kaum zu sehen. Interessanterweise hatte ich auch mit einem normalen Weitwinkelobjektiv echte Probleme beim Scharfstellen, was ansonsten auch ohne Mond ganz gut funktioniert.

Da das Netz schon kurz nach der Finsternis mit Bildern überschwemmt war, spare ich mir viele Worte und zeige einfach ein paar meine Fotos. Zur Entschleunigung mit etwas Verspätung, so wie früher, als man noch warten musste, bis der Film entwickelt war:-)

Und so als kurzes Update: Morgen hat die Sternwarte Heilbronn Tag der offenen Tür, gestern waren wir auf der Waldnacht auf der Waldheide (sehr schöne Veranstaltung), und am 3. November geht’s wieder auf Hurtigrute.

Beobachtungstipps und wieder online

Die letzte Zeit bot die Astromesse AME in Villingen-Schwenningen und eine wunderschöne Mondfinsternis, und was macht mein Blog: Schweigen im Walde. Das liegt nicht daran, dass ich die Lust daran verloren hätte, sondern daran, dass hier noch jemand rein wollte und einige Tage kein Login möglich war, zum Schutz vor einer Brute-Force-Attacke auf meine Webseite. Irgendeine IP aus England hat versucht, den Server zu knacken. Jetzt ist hoffentlich mal Ruhe, und wenn ich die Bilder der MoFi gesichtet habe (und was brauchbares dabei ist), zeige ich auch ein paar. Ich bin gespannt, wann ich dazu komme…

Bis dahin eine gute Info: Man muss meine Seite nicht hacken, um drauf zu kommen, sondern kann auch einfach nachfragen, wie die Kollegen von Universe2Go. Die verkaufen eine Art VR-Brille für das Handy, mit der man den Himmel auf eine ziemlich interessante Art erkunden kann – anschauen lohnt sich, ist eine schöne Idee. Außerdem hatten sie eine schöne Grafik zum Verlauf der MoFi gebracht, die ich daher nicht zeigen konnte.

Dafür gibt’s einen schönen Überblick über die Himmelsereignisse, den ich hier einfach mal einbinde:
Infografik: Himmelsereignisse 2015
Hübsch. Dann brauche ich auch kein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich auf Tumblr oder hier keine Beobachtungstipps mehr gebe:-)

Sommerdreieck mit und ohne Weichzeichner

Der Cokin P830 Weichzeichner ist ja seit längerem ein offener Geheimtipp für Sternfeld-Fotografen. Für die kleine LX100 sind die P-Filter natürlich Overkill (auch wenn ich den Filterhalter adaptieren kann), aber da die Kamera ja ganz ordentlich für die Astrofotografie taugt, habe ich mir einen Cokin A830-Filter geholt (scheint der selbe zu sein wie der P830, nur mit anderem Format), ihn kleingesägt (Achtung: Das Plexiglas neigt zum Splittern) und den Rest mit “Hexenbepp” auf einen 43mm-Adapterring geklebt, sodass ich ihn einfach und ohne viel Bauhöhe auf die LX100 schrauben kann. Heute Abend schwankt es zwar zwischen bedeckt und klar, sodass ich oben links auch einiges an Wolken drauf habe, aber die Kombination funktioniert:

Sommerdreieck, 60s@800ISO, 24mm, ohne Weichzeichner

Sommerdreieck, 60s@800ISO, 24mm, ohne Weichzeichner

Sommerdreieck, 60s@800ISO, 24mm, mit Cokin A830 Weichzeichner

Sommerdreieck, 60s@800ISO, 24mm, mit Cokin A830 Weichzeichner

Die Bilder sind nicht weiter bearbeitet, nur die Gradationskurve wurde deutlich abgesenkt und die Bildgröße verkleinert. Die automatische Rauschreduzierung war aktiv, und ich habe die JPGs genommen, nicht mal die RAWs.

Sieht doch schon mal ganz gut aus, sogar der Kleiderbügel ist schön zu erkennen, und die Sternbilder sind mit Weichzeichner wie gewünscht auffälliger. Jetzt würde ich das gerne noch in einer richtig klaren Nacht testen. Aber wenn ich die 30-Sekunden-Aufnahme mit meinen Analog-Aufnahmen aus den 90ern vergleiche, bei denen das Fotolabor immer gemeint hatte “Da ist nichts drauf” – Wahnsinn, was sich in 20 Jahren getan hat. Gefällt mir.

Erster Eindruck vom Baader Planetarium Morpheus 9mm 76° Okular

Mein Okularpark hat mal wieder Zuwachs bekommen: Das 9 mm Morpheus Okular von Baader Planetarium. Den ersten Test konnte ich letzten Dienstag zwar nicht an meinem ED80/600 durchführen, sondern auf der Heilbronner Sternwarte, aber für einen ersten Eindruck hat’s schon mal gelangt. (Den zweiten Eindruck gibt’s weiter unten in diesem Blogbeitrag.) Dummerweise haben wir hier eher die großen Geräte, und ein 9mm-Okular ist am 150/2250 Refraktor schon grenzwertig – am C14 hab ich’s gar nicht erst ausprobiert…

Der erste Eindruck: Das Ding wiegt ja gar nichts – zumindest im Vergleich mit dem TSWA 38mm/70° und dem Explore Scientific 20mm/100°. Und klein ist es auch, aber das ist ja kein Nachteil: Die Optik füllt das Gehäuse praktisch vollständig aus, und Bino-tauglich soll es durch das kompakte Gehäuse auch sein. Mangels zweitem Okular kann ich das aber nicht testen:-)

Die Okulare des Abends: TSWA 38mm, Explore Scientific 20mm, Morpheus 9mm, Hyperion Zoom 8-24mm

Die Okulare des Abends: TSWA 38mm, Explore Scientific 20mm, Morpheus 9mm, Hyperion Zoom 8-24mm

Das Morpheus hat ein paar Besonderheiten: Mit 76° liegt es in dem Weitwinkelbereich, in dem der Bildfeldrand (genauer: die Feldblende) nicht mehr stört, aber doch gerade noch zu sehen ist. Ich empfinde das als sehr angenehm, da ich bei den Ultraweitwinkelokularen immer in das Okular reinkriechen will, um alles zu sehen, was ich bezahlt habe. Bei etwas kleinerem Bildfeld hat das Bild einen Rahmen, an dem ich mich “festhalten kann”. Auch deshalb mag ich das 36er Hyperion Aspheric mit 72° so als Übersichtsokular.

Das Gehäuse hat genau wie die günstigeren Hyperion-Festbrennweiten-Okulare einen Steckanschluss für 1,25″ und 2″, ist aber nicht teilbar – die Vergrößerung ist also nicht anpassbar, aber in der Praxis braucht man das eh nur selten. Ein 1,25″-Filtergewinde ist natürlich vorhanden. Die Steckhülse ist geriffelt, sodass das Okular nicht verkippt, wenn der Messingspannring oder die Klemmschraube im Okularhalter blöd sitzt. Die Lage der Okularklemmung ist leider nicht genormt, sodass es durchaus zu Verkippungen kommen kann, wenn ein Okular nur eine Sicherungsnut hat. Diese Riffelung gibt besseren Halt als eine glatte Steckhülse und vermeidet mögliche Verkippungen, die durch eine tiefe Nut entstehen kann.

Ein nettes Feature ist die nachtleuchtende Beschriftung, auch wenn ich noch nicht testen konnte, wie lange sie leuchtet – das ist so eine phosphoreszierende grüne Farbe wie bei manchen Zeigeruhren (die Älteren unter uns erinnern sich). Ebenso ansprechend ist die Verpackung: Das Okular wird Apple-like in einem soliden Pappkarton ausgeliefert, sodass das Auspacken richtig Freude macht, und unter dem Okular liegt ein Gürtelholster. Damit lässt sich das Okular am Gürtel tragen – wer keine große Okularablage am Teleskop hat, wird das in der Praxis zu schätzen wissen. Ich brauch’s zwar nicht (die 60cm breite Ablageplatte an meinem Stativ hat mir schon ein paar neidische Blicke eingebracht), aber getestet habe ich’s trotzdem: Funktioniert einwandfrei, und die Tasche ist mit Klettverschluss und Druckknopf gesichert. Hat ein bisschen was von einer Handytasche (die Älteren unter uns erinnern sich), und das Okular sitzt sicher in der Tasche, ohne zu verkratzen. Feine Sache. Das ist mir wesentlich lieber als diese dämlichen sperrigen Drehpacks, und im Fernrohrkoffer ist das Okular bei mir eh ohne weitere Umverpackung verstaut. Aber wie’s so schön heißt: Your mileage may vary, die Geschmäcker sind verschieden.

Für ein paar erste Blicke war der Himmel gut genug, auch wenn er keine 250x her gab: Der Mond war blendend hell (bei der Vergrößerung und 0,6mm Austrittspupille nicht schlecht), aber die Luft war sehr unruhig. Saturn hat auch keinen Spaß gemacht. Aber immerhin: Soweit überzeugt das Okular. Es ist an f/15 natürlich randscharf (und wer meint, dass das keine Leistung ist, darf gerne einmal durch unser 70mm Mittenzwey schauen), aber vor allem ist der Einblick gut – zumindest mit der längeren der beiden Augenmuscheln. Er ist zwar etwas unruhig (mehr dazu unten – das klingt schlimmer als es in der Praxis ist), aber mit Augenmuschel findet man schnell die richtige Position. (Dem Okular liegt neben einer runden, umklappbaren Augenmuschel auch eine kürzere, geflügelte Augenmuschel bei (wohl vor allem für den Bino-Einsatz), und unter der Augenmuschel ist ein Gewinde, um z.B. eine Kamera für die Okularprojektion anzuschließen). Die Augenmuschel selbst ist recht weich, ähnlich wie am Explore Scientific. Der berühmte Spacewalk-Effekt ist auch ähnlich wie 100°-ES, wobei bei 250x und 0,6mm AP sogar der Heilbronner Stadthimmel schwarz erscheint. Die kürzere Augenmuschel dürfte für Brillenträger interessanter sein, oder man klappt die größere einfach um.

Seeing- und teleskopbedingt macht Beobachten in dieser Nacht allerdings keinen Spaß, also mache ich was anderes und überprüfe mal die Gesichtsfelder der Okulare, die ich hier rumliegen habe. Dazu messe ich den Sterndurchlauf bei einem Stern in Äquatornähe. Die Wahl fiel auf den “Glücksstern des Königs”: Sadalmelek (Alpha Aquarii). Laut dem Vehrenberg Himmelsatlas hat er R.A. 22h03.2 und -0°34′, aber für Äquinoktium 1950.0. Seitdem hat sich ein bisschen was getan am Himmel, Starmap Pro gibt als aktuelle Koordinaten 22h05’47” und -0°19′ an. Jaja, die Präzession… Der Stern ist also nicht genau am Himmelsäquator, aber nah genug – ich brauch ja was einigermaßen helles. Die erste Erkenntnis: Mit Weitwinkelokularen einen Sterndurchlauf zu beobachten macht keinen Spaß, wenn man sich verrenken muss, um den Bildfeldrand zu überblicken. Die zweite Erkenntnis: Bei den vier getesteten Okularen stimmen die Angaben ziemlich gut, das Morpheus zeigt sogar etwas mehr Feld am Himmel. Die Messungenauigkeit würde ich mit ca. +/- 2 Sekunden angeben, eine weitere Fehlerquelle ist, ob ich immer die Bildmitte getroffen habe – so können etwas kleinere Bildfelder gemessen sein als wirklich vorhanden. Aber die Angaben passen ganz gut:

Sterndurchlauf-Aug-2015

Zum Vergrößern anklicken

Die Spalte Fokus gibt dabei  an, bei welcher Position des Okularauszugs das Bild scharf war. Mit dem 2″-Anschluss verschwindet das Morpheus tief im Okularstutzen, der dementsprechend weit rausgedreht werden muss. Wenn man es mit 1,25″-Anschluss verwendet, sind davon etwa 21mm abzuziehen – genauer kann ich das nicht angeben, da auch die Bauhöhe der 1,25″-Adapter nicht genormt ist und da natürlich mit reinspielt. Dann liegt es jedenfalls etwa im selben Bereich wie die anderen Okulare, grob im Bereich des TSWA.

Erstes Fazit: Schönes Okular mit sauberer Abbildung und angenehmem Einblick. Für die Öffentlichkeitsarbeit würde ich zwar ein Hyperion o.ä. wegen dem etwas ruhigeren Einblick und der etwas kleineren, besser geschützten Augenlinse bevorzugen (wer schon mal Kinderschminke von Okularen abgeputzt hat, weiß warum – nächsten Samstag ist in HN Kinderfest beim Mediamarkt, danach ist wohl wieder putzen angesagt), aber um in Ruhe zu beobachten, überzeugt es. (Nachtrag: Für die Öffentlichkeitsarbeit taugt’s auch, wie ich später festgestellt habe, und vergleichbare WW-Okulare sind nicht ruhiger.) Beeindruckend ist der Helligkeitsunterschied zum Hyperion Zoom – ich bin es nicht gewohnt, am Mond bei 250x noch einen Filter zu brauchen, um nicht geblendet zu werden.

Ein ausführlicherer Test ist dann an den aufziehenden Wolken gescheitert – mal sehen, wann ich es am ED80/900 einsetzen kann.

Der Test am Himmel – eine Woche später

Die ersten Eindrücke hatte ich ja letzte Woche gesammelt, seitdem ist fast eine Woche vergangen. Zwischendurch konnte ich es noch am kleinen Lunt der Sternwarte mit H-Alpha probieren und gegen das 10mm Classic Ortho von Baader vergleichen. Der erste Einblick war mau, das Ortho war um Welten besser – bis ich mir das Beobachtungstuch von Astrogarten über den Kopf gezogen hatte und so das Streulicht eliminiert hatte. Dann waren beide ziemlich auf Augenhöhe – nicht schlecht für ein Weitwinkel, ganz im Gegenteil. Das zu Anfang schlechtere Bild lag also ausschließlich am Streulicht; und Streulicht im Okular oder Kontrast sind offensichtlich kein Problem.

Und am Montagabend war es dann soweit: Klarer Himmel, und ich mal war wieder auf Achse – damit hatte ich keinen Zugriff auf die Sternwartengeräte, aber auf meinen ED80. Und unterwegs konnte ich noch zwei andere Konkurrenzokulare einsammeln und ausleihen: Ein 10mm Televue Delos mit 72° und ein 12,5mm Docter UWA mit 84°.

Ich stand also mit folgendem Aufbau auf dem Acker, als der noch fast volle Mond gerade aufging:

  • Celestron ED80/600 mit Baader Steeltrack
  • Vixen Porta auf Berlebach Uni 28
  • Baader Maxbright 2″ Zenitspiegel
  • 36mm Hyperion Zoom als Übersichtsokular (V=16,7x, AP=4,8mm, 4,3° Feld am Himmel)
  • 9mm Baader Morpheus 76° (V=66,6x, AP=1,2mm, 1,14° Feld am Himmel)
  • 10mm Baader Classic Ortho 52° (V=60x, AP=1,33mm, 0,86° Feld am Himmel) (außer Konkurrenz)
  • 10mm Televue Delos 72° (V=60x, AP=1,33mm, 1,2° Feld am Himmel)
  • 12,5mm Docter UWA 84° (V=48x, AP=1,66mm, 1,75° Feld am Himmel)

Nicht dabei hatte ich das Hyperion 8-24mm Zoom (das wegen dem letzten Urlaub noch am Spektiv hängt) und die Graufilter für den Mond (die gerade mit dem UHC-Filter in der Kameratasche der kleinen Panasonic sind). Bei Vollmond ist das natürlich blöd, aber solange er noch tief am Horizont stand, ließ ich mich trotzdem von ihm blenden.

Dabei konnte ich die Okulare natürlich nicht mit dem Zoom vergleichen, das mittlerweile fester Bestandteil von meinem Okularkoffer ist – darin sind normalerweise nur das 36mm Hyperion Aspheric, das Hyperion Zoom und das von Astrozoom verzoomte 7mm Lacerta UWAN. Nichtsdestotrotz: Das erste Ziel war der Mond.

Die drei Weitwinkelokulare Televue Delos, Docter UWA und Morpheus; ganz rechts das Classic Ortho.

Die drei Weitwinkelokulare Televue Delos 10mm, Docter UWA 12,5mm und Morpheus 9mm; ganz rechts das Classic Ortho 10mm.

Wer sagt eigentlich, dass der fast volle Mond langweilig ist? Alle drei Weitwinkelokulare zeigten ein knackscharfes Bild, wenn die Luft einmal ruhig war, ließen sich sauber fokussieren und zeigten einiges an Strukturen. Der Mond war dabei nicht bildfüllend; die Feldblende war in allen zwar zu sehen, stört aber keineswegs. Beeindruckend: Auch wenn ich den Mond über den Bildrand hinaus bewegte, blieb er scharf und ohne auffällige Verzeichnungen. Lediglich ganz am Rand zeigten alle einen Blausaum entlang der Feldblende, wenn der Mond halb zu sehen war. Das Classic Ortho war in der Bildmitte auf Augenhöhe oder minimal besser; am Rand ließ es natürlich nach – die 52° bieten ein größeres Bildfeld als das Standard-Ortho-Design, sodass es auch für normale Beobachtungen sehr gut taugt, dafür ist die Bildqualität am Rand etwas schlechter. Seine Stärken spielt es eigentlich bei der Planetenbeobachtung aus, aber ca. 60x ist keine Vergrößerung für Planeten (und die Luftunruhe nach diesem Sommer fördert das Ganze auch nicht). Dabei muss man natürlich auch den Preis sehen: Das Ortho liegt bei rund 65,- Euro, das Morpheus bei rund 245,- Euro, das Delos bei etwa 378,- Euro und das Docter bei ca. 745,- Euro (um die Preise Ende August 2015 bei diversen Händlern zu nennen).

Am schlechtesten gefällt mir von den dreien ausgerechnet das Docter: Einerseits zeigt die Gummiaugenmuschel Auflösungserscheinungen, andererseits zeigt es als einziges einen Reflex in der Bildmitte, wenn ich den Mond aus dem Gesichtsfeld bewege. Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Solange ich den Mond da beobachte, wo er hingehört, ist das Bild gut. Wer beobachtet, statt Fehler zu suchen, wird hier kaum Probleme haben.

Praktisch ist, dass sowohl das Docter als auch das Morpheus 1,25″ und 2″ Steckanschluss haben; trotzdem ist man auf 1,25″-Filter beschränkt, wenn man sie nicht in das 1,25″-Reduzierstück des Zenitspiegels einschraubt. Das Delos hat nur einen 1,25″-Anschluss.

Der etwas unruhige Einblick des Morpheus war wie oben berichtet das erste negative, was mir aufgefallen war. Aber das können Televue und Docter genauso schlecht, und bei Nacht ist das Bild besser im Auge zu halten als bei Tag. Das Morpheus hat eine weiche Augenmuschel (ähnlich dem Explore Scientific), auf der ich das Auge sanft auflege, um den perfekten Einblick zu haben; das Televue ist eher für Grobmotoriker geeignet und hat eine steifere Augenmuschel (etwa wie die Hyperion-Okulare). Beim Docter habe ich ohne Augenmuschel beobachtet, was erstaunlich gut ging – aber ich wollte sie auch nicht ausklappen und dabei endgültig zerlegen, erst recht nicht bei einem ausgeliehenen Okular…

Bei Vollmond ist nicht viel mit Deep-Sky-Beobachtung, aber Albireo gönnte ich mir dennoch (Epsilon Lyrae stand für die azimutale Montierung leider zu ungünstig). Im Televue war der Farbkontrast vielleicht am blassesten, aber die Unterschiede zu den anderen Okularen waren minimal. Bei rund 60° waren die beiden Komponenten weit auseinander und wirkten trotzdem als Doppelstern, da viel Umgebung zu sehen war. Nett. Der Himmel war schon recht dunkel, das Bild in allen drei sehr kontrastreich: Juwelen auf Samt, wie es sich gehört:-)

Nächstes Ziel: Mizar/Alkor. Mizar war ebenfalls ein schönes und sauber getrenntes Paar, wobei das natürlich keine große Herausforderung ist. Aber die Bildästhetik war in allen Okularen gegeben, ebenso im Ortho – auch wenn hier der Spacewalk-Effekt zwangsweise fehlt.

Spaßeshalber ein Schwenk zu Saturn: Hm… er steht eindeutig zu knapp über dem Horizont, und das Bild profitiert eher von der Vergrößerung als allem anderen. Auch hier kein Gewinner, auch nicht das Ortho.

Ein offener Sternhaufen wäre noch nett – Der Kleiderbügel ist leicht zu finden, wirkt aber nur im Übersichtsokular gut. Aber in seiner Nähe ist doch M71? Stattdessen finde ich den Hantelnebel (seltsam – eigentlich passen doch beide ins Gesichtsfeld vom 36mm, trotzdem finde ich M71 nicht). Die kleine graue Hantel bei Vollmond, ganz ohne Nebelfilter, ist ein hübscher Anblick. Macht in allen drei Weitwinkelokularen Spaß. Vielleicht sollte ich für den nächsten Okulartest mal ein Billig-Okular zum Vergleich mitnehmen…

Was ich mir in dieser Nacht nicht antue: Die erzielte Grenzgröße bestimmen. Das wäre zwar eine nette Herausforderung, aber nicht heute Nacht bei Vollmond, wenn kaum Sternhaufen in der Milchstraße zu sehen sind. Ewig kann und will ich die beiden Leih-Okulare auch nicht behalten, Donnerstag geht’s wieder zurück – und für morgen ist Regen angesagt, und dabei bleibt’s dann auch erst mal. Große Unterschiede erwarte ich in der Transmission aber nicht, falls ich doch mal zum Vergleichen kommen sollte.

Ach ja: Ich war ja der Meinung, dass ein Hyperion wegen des ruhigeren Einblicks für die Öffentlichkeitsarbeit besser geeignet ist. Nachdem noch ein Pärchen Spaziergänger vorbeigekommen war und einen Blick durch das Morpheus geworfen hatte (war reiner Zufall – es war gerade im Okularauszug), muss ich das auch revidieren. Die beiden hatten anscheinend keine Probleme mit dem Einblick.

Erstes richtiges Fazit: Das Morpheus kann mit Televue Delos und Docter UWA meiner Meinung nach problemlos mithalten und gefällt mir mittlerweile sehr gut. Die austauschbare Augenmuschel mit dem Baader-typischen Anschlussgewinde und die Tasche sind vorteilhaft, ebenso das geringe Gewicht. Um von der phosphoreszierenden Beschriftung zu profitieren, muss man das Okular natürlich erstmal in der Sonne aufladen – das hatte ich natürlich vergessen. Also in Zukunft nicht nur Handy und ggf. Akkupack aufladen, sondern auch noch das Okular:-) Aber das Beobachten klappt ja auch ohne selbstleuchtende Beschriftung.

Alle drei Okulare taugen nicht nur für die Deep-Sky-Beobachtung, sondern machen auch am Mond eine sehr gute Figur – ich bin doch verblüfft, dass der Qualitätsabstand auf der Achse zu einem Ortho so gering ist und das Bild bis zum Rand scharf ist. Ich muss das mal am C8 o.ä. probieren, wo ich deutlich höhere Vergrößerungen erziele – vielleicht sind die Unterschiede dann größer. Bei allen drei ist der Einblick etwas unruhiger, als ich es gewohnt bin, aber gerade bei Nacht ist er aber sehr okay. Und wenn man bedenkt, dass das Morpheus nur etwa ein Drittel vom Docter kostet…

Zur Eignung an schnelleren Optiken kann ich nichts sagen, aber der Review auf Stargazers Lounge (PDF, 13 MB – hier der Thread) liest sich auch vielversprechend. Der ED80 mit f/7,5 ist mein schnellstes Teleskop in Reichweite, das ich auch ernsthaft benutze.

Und abschließend noch der Caveat: Okulare sind eine sehr individuelle Sache, und ich habe die drei Stück nicht auf die optische Bank geschnallt, um bewusst Fehler zu finden, sondern wollte wissen, wie sie sich beim Beobachten am Nachthimmel machen. Und da gefallen mir alle ähnlich gut. Vielleicht ersetzt das 9mm Morpheus demnächst das Hyperion Zoom in meinem Okularkoffer – der Sprung vom 36er Hyperion (16x/4°) auf das 9mm Morpheus (66x/1,1°) ist eigentlich noch okay. Dann kann das Zoom am Spektiv bleiben, mal sehen…

Istrien im Schnelldurchgang

Die Urlaubszeit ist vorbei, und mich hat’s mal wieder ins Ausland gezogen. Dieses Jahr stand Istrien auf dem Programm – getreu dem langjährigen Motto, im Sommer in den Süden zu fahren und im Winter in den Norden. Mit dem Auto sind’s ja nur rund neun Stunden nach Istrien/Nordkroatien, wenn alles gut geht, also stand das diesmal auf dem Programm. Ungewohnt: Kroatien ist zwar mittlerweile in der EU, aber weder im Schengen- noch im Euroraum. Also erstmal Geld wechseln und dann die Windschutzscheibe mit Vignetten für Österreich und Slowenien vollpflastern, bevor’s um Mitternacht los ging. Das Ziel: Nach Möglichkeit keine Staus mitnehmen, sondern lieber in Pula oder Rakalj ein bisschen rumhängen oder einkaufen, bis man in die Finca rein darf.

Das hat auch beinahe geklappt… Nachdem Österreich bei Nacht und Regen durchquert wurde, waren wir noch vor  9 Uhr an den Höhlen von Škocjan in Slowenien, die uns als Zwischenstop wärmstens empfohlen wurden. Eine Stunde später war dann auch Einlass, und der Besuch lohnt sich wirklich. Man kann entweder ein Stück dem unterirdischen Fluss folgen (unsere Entscheidung), in die Tropfsteinhöhlen gehen oder beides anschauen. Sehenswert.

Škocjan hat nur einen Nachteil: Es liegt vor der Grenze. Bis Koper kamen wir dann noch ganz gut durch, und für die rund 20 km von Koper bis zur Grenze waren es dann noch mal rund drei Stunden – und da gibt es tatsächlich Leute, die gegen Schengen und offene Grenzen sind. Wenn man immer nur in Sichtweite seines Kirchturms bleiben will, mag das ja reichen… Übrigens bestand die Zollkontrolle nur aus einem kurzen Blick auf den Ausweis. Na dann.

Villa Krase

Villa Krase in Rakalj

Immerhin haben sowohl Slowenien als auch Kroatien gut ausgebaute, freie Autobahnen ohne Dauerbaustellen – warum kriegen wir das eigentlich nicht hin? Die Tempolimits halten zwar auf, aber so groß ist die Halbinsel Istrien dann doch nicht. Warum für die selbe Strecke unterschiedliche Mautgebühren anfallen, ist mir aber immer noch nicht klar.

An der Finca angekommen (sobald man von der Autobahn runter ist, sind die Straßen deutlich schlechter) hieß es dann erst einmal, die Mieter der Nachbarvilla rausschmeißen, die versehentlich bei uns einquartiert wurden. Und dann die Enttäuschung: Die Klimaanlage ist an die Heizung gekoppelt und kühlt erst ab 22 Uhr. Hä? Na, macht nichts, in Kroatien war es eh kühler als in Deutschland, und die Woche glänzte mit Regen und teilweise eher frischen Temperaturen. So wenig Sonnencreme hab ich noch nie in einem Urlaub am Mittelmeer gebraucht. Aber davon abgesehen ist die Villa okay (nein, der Pool ist wieder nicht beheizt – aber der Grillplatz ist schön).

Im großen Ganzen war die Woche ein Relax-Urlaub – sogar der Reiseführer war der Meinung, dass es außer ein paar hübschen Städten nichts zu sehen gibt. Also was macht man? Am ersten Abend einen kurzen Ausflug ins benachbarte Rabac, um anschließend in Labin Essen zu gehen.

Dank Wolkenbruch war’s ganz schön nass, und auf Labin wurde dann verzichtet. Immerhin am Mittelmeer gibt’s Regen, wenn der Sommer in Süddeutschland schon zu trocken ist…

Nächster Tag, nächster Versuch: Pula. Die Stadt hat noch einige Reste aus römischer Zeit, darunter ein ziemlich großes Amphitheater. Nett: Man kann von außen reinschauen und spart sich den Eintritt. Weniger nett: Die Stadt ist recht klein und hat ein wunderbares Verkehrschaos. Daher spaltet sich die Gruppe auch rasch auf: Nur eines von zwei Autos hat einen funktionierenden Parkscheinautomat erwischt, der einen Parkschein für zwei Stunden ausgespuckt hat, nachdem er mein ganzes Kleingeld geschluckt hat – das andere Auto hat dann recht bald die Flucht ergriffen, denn wie erklärt man auf kroatisch, dass der Parkscheinautomat streikt?

Trotzdem blieb noch genug Zeit für ein lecker Eis. Pula ist durchaus sehenswert, und die Ruinen sind frei zugänglich. Bei uns wäre da längst so mancher Sicherheitszaun aufgestellt… Man muss alte Gemäuer natürlich mögen:-)

Hausgast: Ein kleiner Skorpion.

Hausgast: Ein kleiner Skorpion.

Am Abend gab es dann auch eine Begegnung mit der einheimischen Fauna: Ein kleiner Skorpion hatte sich in das Haus verirrt. Süß. (Weniger süß waren übrigens die Wespen, von denen es doch einige gab).

Am nächsten Morgen wäre Pool eine Option gewesen, oder sich mal den Ort anschauen und bis zum Meer wandern (die Panoramaroute, nicht der direkte Weg). Klar, wofür ich mich entschieden habe: Rakalj anschauen.

Die ganzen Dörfer der Region hinterlassen den Eindruck, dass nur die Ferienhäuser wirklich rausgeputzt sind. Ich habe selten innerorts so viele Ruinen gesehen. Zum Anschauen mal ganz nett, aber wohnen wollte ich da nicht. Immerhin ist das Meer wirklich so blau wie in den Reiseführern – man sollte nur nicht an den Abhängen hinunterschauen, das erspart stellenweise den Blick auf viel Plastikmüll. Auf dem Weg zum Strand liegen die Ruinen von Stari Rakalj – über die Mauerreste dieser bis weit in die Antike oder gar prähistorische Zeit zurückreichenden Festung und Siedlung gibt es so gut wie keine Infos, aber sie bieten einen schönen Ausblick. Und Schlangen gibt’s da auch.

Am Abend stand noch einmal Labin auf dem Programm: Stadt anschauen und Essen gehen. Die Altstadt von Labin ist mit dem Navi nicht ganz einfach zu finden, aber trotzdem schön: Enge Gassen oben auf dem Berg und viele alte Häuser, die noch Spuren aus italienischer Zeit tragen. Das Essen war nicht schlecht, aber auch nicht so der Hit – unsere gegrillten Cevapcici und Würste konnten mit dem Restaurant locker mithalten.

Aus Labin wieder rauszukommen war dagegen abenteuerlich: Das Navi führte uns durch enge Gassen über einen Parkplatz mit Schranke irgendwie doch auf die Hauptstraße. Und die Tempolimits auf der Landstraße wurden noch weniger eingehalten als in Deutschland – nicht nur die tiefergelegten Proll-Schleudern überholen ziemlich wild, sondern auch die LKWs. (Eine Radarfalle haben wir übrigens doch auf der Landstraße gesehen.)

Sauwetter

Sauwetter

Mittwoch war dann sowas wie Pooltag, wegen Sauwetter und Dauerregen. Und in Norwegen war Polarlichtalarm, grmpf… Immerhin: So Highlights wie den Plitvicer Park mit seinen Wasserfällen kann man sich da guten Gewissens schenken, Wasserfälle gibt’s schon genug auf der Terasse.

Und da die Entscheidung gefallen war, bereits am Freitag zurückzufahren (statt wie alle anderen die Villa am Samstag zu übergeben), drängte die Zeit allmählich, um den Rest Istriens zu erforschen. Also standen am Donnerstag bei wieder schönem Wetter zwei weitere hübsche Küstenstädtchen auf dem Plan: Poreč und Rovinj, die beide eine überschaubare Altstadt haben.

Poreč empfängt den geneigten Touri mit einem großen Parkplatz nur wenige Gehminuten von der Innenstadt entfernt – kein Vergleich mit dem Verkehrschaos in Pula. Das Highlight der Stadt ist die Euphrasius-Basilika. Der Komplex geht in Teilen auf das fünfte oder sechste Jahrhundert zurück. Hier kann man problemlos genauso viel Zeit verbringen wie im Rest des Altstädtchens. Sehr schön: Kein Fotoverbot:-)

Der Aufstieg auf den Glockenturm lohnt sich, unter den vier Glocken hat man einen wunderschönen Blick auf die Stadt. Wann geläutet wird, ist zum Glück am Eingang angeschlagen… Die Basilika selbst wirkt erst einmal recht schlicht, wobei sie von dem prächtigen Schmuck der Apsis dominiert wird. Auf einer Seite haben die Rundbögen noch schöne Stuckverzierungen, auf der anderen Seite wurden sie bei einem Erdbeben zerstört.

Knapp eine Autostunde weiter liegt Rovinj ebenfalls auf einer Halbinsel im Meer. Hier heißt es, rechtzeitig einen der Parkplätze anzufahren, um nicht im Verkehrschaos stecken zu bleiben – Parkeinweiser sorgen dafür, dass sich nicht alles am Stadttor staut. Rovinj empfängt uns mit echter Postkartenromantik: blauer Himmel, blaues Meer und ein paar Wölkchen. In den engen Gassen der Stadt ist auch die Sonne kein Problem, auch die Touristenmassen verteilen sich einigermaßen. Die Stadt wird von der Kirche aus dem 18. Jahrhundert dominiert, die für die kompakte Altstadt eigentlich zu groß erscheint.

Der Eingang zum "unterirdischen Königreich"

Der Eingang zum “unterirdischen Königreich”

Und damit wäre Istrien eigentlich abgehakt. Nur eines gönne ich mir am letzten Tag noch: Das unterirdische Königreich Feštinsko kraljevstvo – eine kleine, 1930 entdeckte Tropfsteinhöhle, die nur eine halbe Autostunde von Rakalj entfernt ist. In zehn Meter Tiefe gibt es eine ganze Reihe von interessanten Formationen. In einer rund zwanzigminütigen Führung geht es rund hundert Meter in den Berg hinein; die weiter entfernten Regionen sind in staatlichem statt in Privatbesitz und daher nicht zugänglich. Selbst erkunden darf man die Höhle nicht, da es zu viele Souvenirjäger gab, die Stalagtiten abgebrochen haben, aber dafür darf fotografiert werden – zumindest ohne Blitz, auch wenn sich da kaum jemand daran hält.

Und das war’s dann mit Istrien – nach einem erstaunlich günstigen Abendessen in der Dorfdisko (zumindest wenn es nach der Lautstärke der Beschallung der Pizzeria geht) ging’s dann in einem Rutsch zurück nach Süddeutschland, ins Warme. Bemerkenswert: Beim Fahrerwechsel in Österreich zeigte das Thermometer 9°. In Tromsø waren’s zur selben Zeit 12,3°. Irgendwas läuft hier doch falsch.

Meine Ausrüstung für die Polarlichtfotografie

Ich habe die letzten Tage mal genutzt, um meine Ausrüstung für die Polarlichtfotografie zusammenzuschreiben. Bis zur nächsten Reise sind’s ja nur noch rund drei Monate, und vielleicht überlegt der ein oder andere auch, was er sich dafür anschaffen sollte. Auf den letzten Reisen bin ich so mancher Kompaktkamera begegnet, die einen manuellen Modus nur simuliert und einem keine große Wahl lässt – vielleicht erspare ich ja dem ein oder anderen einen Fehlkauf.

Die Seite ist oben im Menü zu finden oder direkt hier.

Geld kriege ich für diesen Dauerwerbebeitrag übrigens keines, ich hab mir das alles selbst organisiert. Und manches gibt’s in der Form auch nicht mehr:-)

Die Astrobilder vom Wochenende – mit der Kompaktkamera LX100

Die Polarlicht-Cam? Panasonic Lumix LX100

Die neue Polarlicht-Cam? Panasonic Lumix LX100, hier mit aufgesetztem UHC-S-Filter.

Das letzte Wochenende ging es mal wieder mit der Sternwarte auf die Neue Heilbronne Hütte für ein Astrowochenende. Das Wetter hat mitgespielt, daher konnte ich mein neues Spielzeug testen: Die Panasonic Lumix LX100. Die kleine Kompakte ist eine Spätfolge der Horizonte Zingst, ein paar Tage habe ich sie dann in Stuttgart im örtlichen Handel gekauft – der war nicht nur billigster Anbieter, sondern hatte sie sowohl in schwarz da als auch in einer klassischen Alu-Kunstlederimitat-Kombination. Da konnte ich nicht widerstehen, und der örtliche Handel freut sich auch. Die Steuerung per WiFi und Handy-App hat auch ihren Reiz, damit geht dann auch Digiscoping durch’s Spektiv, ohne dass alles verwackelt:-)

Was die Kamera für mich interessant macht, ist das lichtstarke f/1,7-Objektiv in Verbindung mit einem recht großen Four Thirds Sensor und der Möglichkeit, alles manuell einzustellen: Fokus, Belichtungszeit und Blende haben Stellringe, und die ISO ist schnell erreichbar. Leider lässt sich der Fokus nicht mechanisch fixieren, der Ring hat nur elektronische Kontakte zum Fokussiermotor. Aber dafür ist die Kamera deutlich kleiner als meine Nikon D7100 DSLR mit Batteriepack – für eine Immer-Dabei ist sie zwar auch schon fast zu groß, aber in die große Jackentasche passt sie. Das Ziel, eine lichtstarke Kamera dabei zu haben, um in Norwegen zu sehen, ob der Grauschleier Polarlicht oder Nebel ist, ohne gleich die schwere DSLR zu holen, sollte so erreichbar sein.

Die Milchstraße. 10 Sek. mit 1600 ISO und f/1,7, Einzelaufnahme, keine Filter, nachbearbeitet mit Affinity-Foto.

Die Milchstraße. 10 Sek. mit 1600 ISO und f/1,7, Einzelaufnahme, keine Filter, nachbearbeitet mit Affinity-Photo.

Und wenn ich schon immer allen erzähle: “Lernt eure Kamera kennen!”, dann habe ich das Astro-Wochenende natürlich auch dafür genutzt. Der erste Test galt der ISO. Also 10-Sekunden-Bilder gemacht und die ISO hochgedreht: Bis etwa 800 ISO sieht es ordentlich aus, 1600 ISO rauscht schon ordentlich, und alles drüber ist für Langzeitaufnahmen unbrauchbar. Für Polarlichter sollte das aber locker langen.

Auch der erste Schnappschuss der Milchstraße mit 10 Sekunden und 1600 ISO sieht gar nicht so schlecht aus, nachdem ich ihn durch Affinity Photo gejagt habe. Für eine Kompaktknipse ganz ordentlich – vor allem weil das eine Einzelaufnahme ist, also das Rauschen nur weichgezeichnet wurde und nicht sauber durch Stacken beseitigt wurde:-)

[Affinity Photo ist auch eine Neuanschaffung: Da Adobe zwar immer noch Absturzbereichte von mir sammelt, für die CS4 aber noch nie ein Update herausgebracht hat und mittlerweile keine aktuellen RAW-Formate liest, war es Zeit für was anderes. Affinity lässt mich im Vergleich zu Photoshop nichts vermissen, ist ziemlich intuitiv bedienbar, hat einen RAW-Konverter integriert und eine Lizenz zum Kaufen statt einem Abo-Modell. Sowas noch als InDesign-Alternative mit vernünftigem EBook-Export, das wär was. Klare Kaufempfehlung.]

Bei f/1,7 klappt das manuelle Fokussieren auch noch einigermaßen, aber diese Lichtstärke steht nur bei 24mm zur Verfügung (schade, dass sie kein Ultraweitwinkel hat – 11mm wären für Polarlichter richtig nett). Beim Reinzoomen wird’s schnell dunkler, bei 50mm Brennweite bleiben noch etwa f/2,7 übrig – auch alles andere als schlecht, aber zum Fokussieren an Sternen zu wenig.

Warum zoome ich dann überhaupt rein? Ich habe noch einen 2″ UHC-S Filter und den Filterhalter von Baader habe – mit zwei weiteren Ringen kann ich so den Astro-Filter vor die Kamera setzen, leider im Augenblick mit dem Umweg über M37, sodass er bei kürzeren Brennweiten etwas vignettiert. Aber der Filter will ja eh möglichst gerade einfallendes Licht, da ist eine etwas längere Brennweite gar nicht so schlecht. Die Kombination mit der LX100 überzeugt wesentlich mehr als meine früheren Versuche mit einem großen (und durch den 2″-Filter ordentlich vignettierten) DSLR-Objektiv, nur ist Fokussieren problematisch und eine Minute bei 800ISO und f/2,7 noch zu wenig – die Kamera ist wie eigentlich alle Digitalkameras nicht besonders rotempfindlich, sodass H-Alpha-Nebel nicht hervorstechen. Ich muss das mal aus der Innenstadt probieren, mit einer großen Montierung und langen Belichtungszeiten. Unter Alpenhimmel bringt ein UHC-S-Filter eh nicht so viel.

Viel interessanter ist aber, dass ich über das M43-Gewinde auch den Cokin-P830-Weichzeichner von meiner DSLR anschrauben kann – perfekt für Sternbilder. Mit f/1,7 hat das Fokussieren noch geklappt, und da die Kamera sich auch programmieren lässt, wurde der klare Himmel am zweiten Abend ab Mitternacht auch für ernsthafte Fotos genutzt: Das Sommerdreieck, Cassiopeia bis Andromeda und Großer/Kleiner Wagen waren bei 24mm dankbare Ziele. Die Nachführung hat der Star Adventurer übernommen, bei der Kamera wäre der NanoTracker ebenfalls reizvoll gewesen – dann wären Kamera und Nachführung kompakter als meine DSLR…

Alle Bilder sind 10×60 Sekunden bei f/1,7 und 800 ISO belichtet. Die Bildbearbeitung war wieder mit Affinity Photo, wobei ich noch ein bisschen üben muss – aber das sieht schon sehr vielversprechend aus.

Fairerweise sind nicht nur mir hübsche Fotos gelungen:

Fazit: War ein schönes Wochenende (bei dem wir nicht nur fotografiert haben, sondern auch das 20+40×100-Großfernglas der Sternwarte mal wieder unter gutem Himmel genutzt – sehr chic, auch wenn die Tasche der Leonardo-Montierung meine komplette Rückbank blockiert), sondern die Kamera hat sich auch bewährt. Sehr nettes Spielzeug:-)

Irgendwie deprimierend, wie gut die besseren Kompaktkameras mittlerweile sind…