Erster Eindruck vom Baader Planetarium Morpheus 9mm 76° Okular

Mein Okularpark hat mal wieder Zuwachs bekommen: Das 9 mm Morpheus Okular von Baader Planetarium. Den ersten Test konnte ich letzten Dienstag zwar nicht an meinem ED80/600 durchführen, sondern auf der Heilbronner Sternwarte, aber für einen ersten Eindruck hat’s schon mal gelangt. (Den zweiten Eindruck gibt’s weiter unten in diesem Blogbeitrag.) Dummerweise haben wir hier eher die großen Geräte, und ein 9mm-Okular ist am 150/2250 Refraktor schon grenzwertig – am C14 hab ich’s gar nicht erst ausprobiert…

Der erste Eindruck: Das Ding wiegt ja gar nichts – zumindest im Vergleich mit dem TSWA 38mm/70° und dem Explore Scientific 20mm/100°. Und klein ist es auch, aber das ist ja kein Nachteil: Die Optik füllt das Gehäuse praktisch vollständig aus, und Bino-tauglich soll es durch das kompakte Gehäuse auch sein. Mangels zweitem Okular kann ich das aber nicht testen:-)

Die Okulare des Abends: TSWA 38mm, Explore Scientific 20mm, Morpheus 9mm, Hyperion Zoom 8-24mm

Die Okulare des Abends: TSWA 38mm, Explore Scientific 20mm, Morpheus 9mm, Hyperion Zoom 8-24mm

Das Morpheus hat ein paar Besonderheiten: Mit 76° liegt es in dem Weitwinkelbereich, in dem der Bildfeldrand (genauer: die Feldblende) nicht mehr stört, aber doch gerade noch zu sehen ist. Ich empfinde das als sehr angenehm, da ich bei den Ultraweitwinkelokularen immer in das Okular reinkriechen will, um alles zu sehen, was ich bezahlt habe. Bei etwas kleinerem Bildfeld hat das Bild einen Rahmen, an dem ich mich „festhalten kann“. Auch deshalb mag ich das 36er Hyperion Aspheric mit 72° so als Übersichtsokular.

Das Gehäuse hat genau wie die günstigeren Hyperion-Festbrennweiten-Okulare einen Steckanschluss für 1,25″ und 2″, ist aber nicht teilbar – die Vergrößerung ist also nicht anpassbar, aber in der Praxis braucht man das eh nur selten. Ein 1,25″-Filtergewinde ist natürlich vorhanden. Die Steckhülse ist geriffelt, sodass das Okular nicht verkippt, wenn der Messingspannring oder die Klemmschraube im Okularhalter blöd sitzt. Die Lage der Okularklemmung ist leider nicht genormt, sodass es durchaus zu Verkippungen kommen kann, wenn ein Okular nur eine Sicherungsnut hat. Diese Riffelung gibt besseren Halt als eine glatte Steckhülse und vermeidet mögliche Verkippungen, die durch eine tiefe Nut entstehen kann.

Ein nettes Feature ist die nachtleuchtende Beschriftung, auch wenn ich noch nicht testen konnte, wie lange sie leuchtet – das ist so eine phosphoreszierende grüne Farbe wie bei manchen Zeigeruhren (die Älteren unter uns erinnern sich). Ebenso ansprechend ist die Verpackung: Das Okular wird Apple-like in einem soliden Pappkarton ausgeliefert, sodass das Auspacken richtig Freude macht, und unter dem Okular liegt ein Gürtelholster. Damit lässt sich das Okular am Gürtel tragen – wer keine große Okularablage am Teleskop hat, wird das in der Praxis zu schätzen wissen. Ich brauch’s zwar nicht (die 60cm breite Ablageplatte an meinem Stativ hat mir schon ein paar neidische Blicke eingebracht), aber getestet habe ich’s trotzdem: Funktioniert einwandfrei, und die Tasche ist mit Klettverschluss und Druckknopf gesichert. Hat ein bisschen was von einer Handytasche (die Älteren unter uns erinnern sich), und das Okular sitzt sicher in der Tasche, ohne zu verkratzen. Feine Sache. Das ist mir wesentlich lieber als diese dämlichen sperrigen Drehpacks, und im Fernrohrkoffer ist das Okular bei mir eh ohne weitere Umverpackung verstaut. Aber wie’s so schön heißt: Your mileage may vary, die Geschmäcker sind verschieden.

Für ein paar erste Blicke war der Himmel gut genug, auch wenn er keine 250x her gab: Der Mond war blendend hell (bei der Vergrößerung und 0,6mm Austrittspupille nicht schlecht), aber die Luft war sehr unruhig. Saturn hat auch keinen Spaß gemacht. Aber immerhin: Soweit überzeugt das Okular. Es ist an f/15 natürlich randscharf (und wer meint, dass das keine Leistung ist, darf gerne einmal durch unser 70mm Mittenzwey schauen), aber vor allem ist der Einblick gut – zumindest mit der längeren der beiden Augenmuscheln. Er ist zwar etwas unruhig (mehr dazu unten – das klingt schlimmer als es in der Praxis ist), aber mit Augenmuschel findet man schnell die richtige Position. (Dem Okular liegt neben einer runden, umklappbaren Augenmuschel auch eine kürzere, geflügelte Augenmuschel bei (wohl vor allem für den Bino-Einsatz), und unter der Augenmuschel ist ein Gewinde, um z.B. eine Kamera für die Okularprojektion anzuschließen). Die Augenmuschel selbst ist recht weich, ähnlich wie am Explore Scientific. Der berühmte Spacewalk-Effekt ist auch ähnlich wie 100°-ES, wobei bei 250x und 0,6mm AP sogar der Heilbronner Stadthimmel schwarz erscheint. Die kürzere Augenmuschel dürfte für Brillenträger interessanter sein, oder man klappt die größere einfach um.

Seeing- und teleskopbedingt macht Beobachten in dieser Nacht allerdings keinen Spaß, also mache ich was anderes und überprüfe mal die Gesichtsfelder der Okulare, die ich hier rumliegen habe. Dazu messe ich den Sterndurchlauf bei einem Stern in Äquatornähe. Die Wahl fiel auf den „Glücksstern des Königs“: Sadalmelek (Alpha Aquarii). Laut dem Vehrenberg Himmelsatlas hat er R.A. 22h03.2 und -0°34′, aber für Äquinoktium 1950.0. Seitdem hat sich ein bisschen was getan am Himmel, Starmap Pro gibt als aktuelle Koordinaten 22h05’47“ und -0°19′ an. Jaja, die Präzession… Der Stern ist also nicht genau am Himmelsäquator, aber nah genug – ich brauch ja was einigermaßen helles. Die erste Erkenntnis: Mit Weitwinkelokularen einen Sterndurchlauf zu beobachten macht keinen Spaß, wenn man sich verrenken muss, um den Bildfeldrand zu überblicken. Die zweite Erkenntnis: Bei den vier getesteten Okularen stimmen die Angaben ziemlich gut, das Morpheus zeigt sogar etwas mehr Feld am Himmel. Die Messungenauigkeit würde ich mit ca. +/- 2 Sekunden angeben, eine weitere Fehlerquelle ist, ob ich immer die Bildmitte getroffen habe – so können etwas kleinere Bildfelder gemessen sein als wirklich vorhanden. Aber die Angaben passen ganz gut:

Sterndurchlauf-Aug-2015

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Die Spalte Fokus gibt dabei  an, bei welcher Position des Okularauszugs das Bild scharf war. Mit dem 2″-Anschluss verschwindet das Morpheus tief im Okularstutzen, der dementsprechend weit rausgedreht werden muss. Wenn man es mit 1,25″-Anschluss verwendet, sind davon etwa 21mm abzuziehen – genauer kann ich das nicht angeben, da auch die Bauhöhe der 1,25″-Adapter nicht genormt ist und da natürlich mit reinspielt. Dann liegt es jedenfalls etwa im selben Bereich wie die anderen Okulare, grob im Bereich des TSWA.

Erstes Fazit: Schönes Okular mit sauberer Abbildung und angenehmem Einblick. Für die Öffentlichkeitsarbeit würde ich zwar ein Hyperion o.ä. wegen dem etwas ruhigeren Einblick und der etwas kleineren, besser geschützten Augenlinse bevorzugen (wer schon mal Kinderschminke von Okularen abgeputzt hat, weiß warum – nächsten Samstag ist in HN Kinderfest beim Mediamarkt, danach ist wohl wieder putzen angesagt), aber um in Ruhe zu beobachten, überzeugt es. (Nachtrag: Für die Öffentlichkeitsarbeit taugt’s auch, wie ich später festgestellt habe, und vergleichbare WW-Okulare sind nicht ruhiger.) Beeindruckend ist der Helligkeitsunterschied zum Hyperion Zoom – ich bin es nicht gewohnt, am Mond bei 250x noch einen Filter zu brauchen, um nicht geblendet zu werden.

Ein ausführlicherer Test ist dann an den aufziehenden Wolken gescheitert – mal sehen, wann ich es am ED80/900 einsetzen kann.

Der Test am Himmel – eine Woche später

Die ersten Eindrücke hatte ich ja letzte Woche gesammelt, seitdem ist fast eine Woche vergangen. Zwischendurch konnte ich es noch am kleinen Lunt der Sternwarte mit H-Alpha probieren und gegen das 10mm Classic Ortho von Baader vergleichen. Der erste Einblick war mau, das Ortho war um Welten besser – bis ich mir das Beobachtungstuch von Astrogarten über den Kopf gezogen hatte und so das Streulicht eliminiert hatte. Dann waren beide ziemlich auf Augenhöhe – nicht schlecht für ein Weitwinkel, ganz im Gegenteil. Das zu Anfang schlechtere Bild lag also ausschließlich am Streulicht; und Streulicht im Okular oder Kontrast sind offensichtlich kein Problem.

Und am Montagabend war es dann soweit: Klarer Himmel, und ich mal war wieder auf Achse – damit hatte ich keinen Zugriff auf die Sternwartengeräte, aber auf meinen ED80. Und unterwegs konnte ich noch zwei andere Konkurrenzokulare einsammeln und ausleihen: Ein 10mm Televue Delos mit 72° und ein 12,5mm Docter UWA mit 84°.

Ich stand also mit folgendem Aufbau auf dem Acker, als der noch fast volle Mond gerade aufging:

  • Celestron ED80/600 mit Baader Steeltrack
  • Vixen Porta auf Berlebach Uni 28
  • Baader Maxbright 2″ Zenitspiegel
  • 36mm Hyperion Zoom als Übersichtsokular (V=16,7x, AP=4,8mm, 4,3° Feld am Himmel)
  • 9mm Baader Morpheus 76° (V=66,6x, AP=1,2mm, 1,14° Feld am Himmel)
  • 10mm Baader Classic Ortho 52° (V=60x, AP=1,33mm, 0,86° Feld am Himmel) (außer Konkurrenz)
  • 10mm Televue Delos 72° (V=60x, AP=1,33mm, 1,2° Feld am Himmel)
  • 12,5mm Docter UWA 84° (V=48x, AP=1,66mm, 1,75° Feld am Himmel)

Nicht dabei hatte ich das Hyperion 8-24mm Zoom (das wegen dem letzten Urlaub noch am Spektiv hängt) und die Graufilter für den Mond (die gerade mit dem UHC-Filter in der Kameratasche der kleinen Panasonic sind). Bei Vollmond ist das natürlich blöd, aber solange er noch tief am Horizont stand, ließ ich mich trotzdem von ihm blenden.

Dabei konnte ich die Okulare natürlich nicht mit dem Zoom vergleichen, das mittlerweile fester Bestandteil von meinem Okularkoffer ist – darin sind normalerweise nur das 36mm Hyperion Aspheric, das Hyperion Zoom und das von Astrozoom verzoomte 7mm Lacerta UWAN. Nichtsdestotrotz: Das erste Ziel war der Mond.

Die drei Weitwinkelokulare Televue Delos, Docter UWA und Morpheus; ganz rechts das Classic Ortho.

Die drei Weitwinkelokulare Televue Delos 10mm, Docter UWA 12,5mm und Morpheus 9mm; ganz rechts das Classic Ortho 10mm.

Wer sagt eigentlich, dass der fast volle Mond langweilig ist? Alle drei Weitwinkelokulare zeigten ein knackscharfes Bild, wenn die Luft einmal ruhig war, ließen sich sauber fokussieren und zeigten einiges an Strukturen. Der Mond war dabei nicht bildfüllend; die Feldblende war in allen zwar zu sehen, stört aber keineswegs. Beeindruckend: Auch wenn ich den Mond über den Bildrand hinaus bewegte, blieb er scharf und ohne auffällige Verzeichnungen. Lediglich ganz am Rand zeigten alle einen Blausaum entlang der Feldblende, wenn der Mond halb zu sehen war. Das Classic Ortho war in der Bildmitte auf Augenhöhe oder minimal besser; am Rand ließ es natürlich nach – die 52° bieten ein größeres Bildfeld als das Standard-Ortho-Design, sodass es auch für normale Beobachtungen sehr gut taugt, dafür ist die Bildqualität am Rand etwas schlechter. Seine Stärken spielt es eigentlich bei der Planetenbeobachtung aus, aber ca. 60x ist keine Vergrößerung für Planeten (und die Luftunruhe nach diesem Sommer fördert das Ganze auch nicht). Dabei muss man natürlich auch den Preis sehen: Das Ortho liegt bei rund 65,- Euro, das Morpheus bei rund 245,- Euro, das Delos bei etwa 378,- Euro und das Docter bei ca. 745,- Euro (um die Preise Ende August 2015 bei diversen Händlern zu nennen).

Am schlechtesten gefällt mir von den dreien ausgerechnet das Docter: Einerseits zeigt die Gummiaugenmuschel Auflösungserscheinungen, andererseits zeigt es als einziges einen Reflex in der Bildmitte, wenn ich den Mond aus dem Gesichtsfeld bewege. Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Solange ich den Mond da beobachte, wo er hingehört, ist das Bild gut. Wer beobachtet, statt Fehler zu suchen, wird hier kaum Probleme haben.

Praktisch ist, dass sowohl das Docter als auch das Morpheus 1,25″ und 2″ Steckanschluss haben; trotzdem ist man auf 1,25″-Filter beschränkt, wenn man sie nicht in das 1,25″-Reduzierstück des Zenitspiegels einschraubt. Das Delos hat nur einen 1,25″-Anschluss.

Der etwas unruhige Einblick des Morpheus war wie oben berichtet das erste negative, was mir aufgefallen war. Aber das können Televue und Docter genauso schlecht, und bei Nacht ist das Bild besser im Auge zu halten als bei Tag. Das Morpheus hat eine weiche Augenmuschel (ähnlich dem Explore Scientific), auf der ich das Auge sanft auflege, um den perfekten Einblick zu haben; das Televue ist eher für Grobmotoriker geeignet und hat eine steifere Augenmuschel (etwa wie die Hyperion-Okulare). Beim Docter habe ich ohne Augenmuschel beobachtet, was erstaunlich gut ging – aber ich wollte sie auch nicht ausklappen und dabei endgültig zerlegen, erst recht nicht bei einem ausgeliehenen Okular…

Bei Vollmond ist nicht viel mit Deep-Sky-Beobachtung, aber Albireo gönnte ich mir dennoch (Epsilon Lyrae stand für die azimutale Montierung leider zu ungünstig). Im Televue war der Farbkontrast vielleicht am blassesten, aber die Unterschiede zu den anderen Okularen waren minimal. Bei rund 60° waren die beiden Komponenten weit auseinander und wirkten trotzdem als Doppelstern, da viel Umgebung zu sehen war. Nett. Der Himmel war schon recht dunkel, das Bild in allen drei sehr kontrastreich: Juwelen auf Samt, wie es sich gehört:-)

Nächstes Ziel: Mizar/Alkor. Mizar war ebenfalls ein schönes und sauber getrenntes Paar, wobei das natürlich keine große Herausforderung ist. Aber die Bildästhetik war in allen Okularen gegeben, ebenso im Ortho – auch wenn hier der Spacewalk-Effekt zwangsweise fehlt.

Spaßeshalber ein Schwenk zu Saturn: Hm… er steht eindeutig zu knapp über dem Horizont, und das Bild profitiert eher von der Vergrößerung als allem anderen. Auch hier kein Gewinner, auch nicht das Ortho.

Ein offener Sternhaufen wäre noch nett – Der Kleiderbügel ist leicht zu finden, wirkt aber nur im Übersichtsokular gut. Aber in seiner Nähe ist doch M71? Stattdessen finde ich den Hantelnebel (seltsam – eigentlich passen doch beide ins Gesichtsfeld vom 36mm, trotzdem finde ich M71 nicht). Die kleine graue Hantel bei Vollmond, ganz ohne Nebelfilter, ist ein hübscher Anblick. Macht in allen drei Weitwinkelokularen Spaß. Vielleicht sollte ich für den nächsten Okulartest mal ein Billig-Okular zum Vergleich mitnehmen…

Was ich mir in dieser Nacht nicht antue: Die erzielte Grenzgröße bestimmen. Das wäre zwar eine nette Herausforderung, aber nicht heute Nacht bei Vollmond, wenn kaum Sternhaufen in der Milchstraße zu sehen sind. Ewig kann und will ich die beiden Leih-Okulare auch nicht behalten, Donnerstag geht’s wieder zurück – und für morgen ist Regen angesagt, und dabei bleibt’s dann auch erst mal. Große Unterschiede erwarte ich in der Transmission aber nicht, falls ich doch mal zum Vergleichen kommen sollte.

Ach ja: Ich war ja der Meinung, dass ein Hyperion wegen des ruhigeren Einblicks für die Öffentlichkeitsarbeit besser geeignet ist. Nachdem noch ein Pärchen Spaziergänger vorbeigekommen war und einen Blick durch das Morpheus geworfen hatte (war reiner Zufall – es war gerade im Okularauszug), muss ich das auch revidieren. Die beiden hatten anscheinend keine Probleme mit dem Einblick.

Erstes richtiges Fazit: Das Morpheus kann mit Televue Delos und Docter UWA meiner Meinung nach problemlos mithalten und gefällt mir mittlerweile sehr gut. Die austauschbare Augenmuschel mit dem Baader-typischen Anschlussgewinde und die Tasche sind vorteilhaft, ebenso das geringe Gewicht. Um von der phosphoreszierenden Beschriftung zu profitieren, muss man das Okular natürlich erstmal in der Sonne aufladen – das hatte ich natürlich vergessen. Also in Zukunft nicht nur Handy und ggf. Akkupack aufladen, sondern auch noch das Okular:-) Aber das Beobachten klappt ja auch ohne selbstleuchtende Beschriftung.

Alle drei Okulare taugen nicht nur für die Deep-Sky-Beobachtung, sondern machen auch am Mond eine sehr gute Figur – ich bin doch verblüfft, dass der Qualitätsabstand auf der Achse zu einem Ortho so gering ist und das Bild bis zum Rand scharf ist. Ich muss das mal am C8 o.ä. probieren, wo ich deutlich höhere Vergrößerungen erziele – vielleicht sind die Unterschiede dann größer. Bei allen drei ist der Einblick etwas unruhiger, als ich es gewohnt bin, aber gerade bei Nacht ist er aber sehr okay. Und wenn man bedenkt, dass das Morpheus nur etwa ein Drittel vom Docter kostet…

Zur Eignung an schnelleren Optiken kann ich nichts sagen, aber der Review auf Stargazers Lounge (PDF, 13 MB – hier der Thread) liest sich auch vielversprechend. Der ED80 mit f/7,5 ist mein schnellstes Teleskop in Reichweite, das ich auch ernsthaft benutze.

Und abschließend noch der Caveat: Okulare sind eine sehr individuelle Sache, und ich habe die drei Stück nicht auf die optische Bank geschnallt, um bewusst Fehler zu finden, sondern wollte wissen, wie sie sich beim Beobachten am Nachthimmel machen. Und da gefallen mir alle ähnlich gut. Vielleicht ersetzt das 9mm Morpheus demnächst das Hyperion Zoom in meinem Okularkoffer – der Sprung vom 36er Hyperion (16x/4°) auf das 9mm Morpheus (66x/1,1°) ist eigentlich noch okay. Dann kann das Zoom am Spektiv bleiben, mal sehen…

Celestron Ultima 80 Spektiv und Baader Classic Orthos

Das kleine Ultima-80-Spektiv gehört zu den optischen Spielzeugen in meiner Sammlung, die ihr Geld absolut wert waren: Der Achromat zeigt weniger Farbe, als ich gedacht hatte, und das Spektiv ist robust und günstig genug, um es ohne Bedenken auf Reisen mitnehmen zu können. Das mitgelieferte Zoomokular ist nicht der Brüller, aber durchaus brauchbar.

Celestron Ultima 80 Spektiv mit dem Original-Zoom-Okular

Celestron Ultima 80 Spektiv mit dem Original-Zoom-Okular

Nun haben eigentlich alle (Refraktor-) Spektive das selbe Problem: Ein Okular muss ziemlich tief im Gehäuse versenkt werden, um ein scharfes Bild liefern zu können. Normale astronomische Okulare passen eigentlich nie – sogar an den wenigen Refraktorspektiven mit 1,25″-Okularanschluss passt nicht jedes Okular, und vor allem die kurzen Brennweiten machen gerne Schwierigkeiten. Mit dem Hyperion Zoom 8-24mm von Baader Planetarium steht immerhin ein Zoom-Okular zur Verfügung, das ein deutlich größeres Bildfeld liefert, auch wenn der Vergrößerungsbereich gleich bleibt: 20-60x, was für den normalen Gebrauch bei terrestrischer Beobachtung aber auch vollkommen ausreicht. Aber das klappt auch nur, weil die normale Steckhülse abgeschraubt werden kann. Trotzdem ist es schade, dass so wenige Okulare passen, vom Teleskop her ist man doch mehr Auswahl gewohnt.

Tja, und dann hatte ich die Erkenntnis, dass Celestron ja ein M35-Gewinde verbaut hat, genau wie an den ETX- und NexStar-4SE-Teleskopen. Ob ein NX4/ETX-auf-T2-Adapter passen würde? Die Antwort ist: Jein. Der Adapter passt, und eine 1,25″-Okularklemme lässt sich auch anschrauben, nur ein scharfes Bild lässt sich damit nicht erreichen – das ganze baut viel zu hoch.

Aber wie es der Zufall will, habe ich gerade den Classic-Ortho-Satz von Baader zum Testen bei mir. Und wenn da ein Gewinde ist, wird es natürlich aufgeschraubt… (Kids, don’t try this at home – zumindest nicht mit allen Okularen. Im Netz gibt es einige Berichte, wo bei Weitwinkelokularen dem putzwütigen Besitzer die Einzelteile entgegengekullert sind und verzweifelt nach einer Anleitung gesucht wird, wie man den Linsensalat wieder richtig zusammenbaut. Aber wenn die Steckhülse nur eine mechanische Adaption ist wie bei den Orthos, ist das kein Problem.) Die Steckhülsen der Orthos lassen sich abschrauben, und ein Außengewinde kommt zum Vorschein (leider geht das nicht beim 32mm-Plössl: hier ist die Feldblende in die Steckhülse integriert, und um das maximale Bildfeld zu nutzen, gibt es hier ein Innengewinde). Und wie es ein weiterer Zufall will, hatte ich den ETX-Adapter von Baader ausprobiert, und nicht den von Celestron. Das Baader-Teil hat nämlich auch ein Filtergewinde, und siehe da: Der Okularkörper lässt sich direkt in den ETX-Erweiterungsring #295 8500A einschrauben. Und so sieht das aus:

Links: Das 10mm Classic Ortho, unmodifiziert. Mitte: Das 6mm Classic Ortho und die abgeschraubte 1,25"-Steckhülse. Rechts: Das 18mm Classic Ortho in dem M35-Adapter; davor die Steckhülse.

Links: Das 10mm Classic Ortho, unmodifiziert.
Mitte: Das 6mm Classic Ortho und die abgeschraubte 1,25″-Steckhülse.
Rechts: Das 18mm Classic Ortho in dem M35-Adapter; davor die Steckhülse.

Die Frage ist nun natürlich: Funktioniert es?

Die Antwort lautet: Ja. Die Kombination sieht nicht nur vielversprechend aus, sondern ist auch kompakt genug. Ein rund drei Kilometer weit entfernter Kirchturm lässt sich ebenso problemlos scharf stellen wie der Mond, der im 6mm-Okular bildfüllend ist, und das Fokussierrad hat auch noch etwas Spiel.

Das Bild ist so scharf, wie es am Achromat möglich ist; und dass die Okulare etwas taugen wusste ich ja bereits. Der Einblick ist deutlich besser als beim Original-Zoomokular, nur beim 6mm Ortho macht sich der kurze Augenabstand bemerkbar: Was am Teleskop problemlos geht, funktioniert am Spektiv immerhin noch ordentlich – der M35-Adapter umschließt das Okular doch sehr gut, sodass man nicht ganz so gut an das Okular rankommt. Der Schritt von den 60x des Zoom-Okulars auf 80x mit dem 6mm-Okular ist zwar nicht riesig, aber bringt doch noch etwas. Bei 1mm Austrittspupille wird die Auflösung der Optik ja bereits fast ideal ausgenutzt.

Das Ultima 80 mit den 18, 10 und 6mm Classic Orthos. Um das 6mm Okular wirklich bequem nutzen zu können, sollte der M35-Adapter etwas flacher sein, aber es funktioniert!

Das Ultima 80 mit den 18, 10 und 6mm Classic Orthos. Um das 6mm Okular wirklich bequem nutzen zu können, sollte der M35-Adapter etwas flacher sein, aber es funktioniert!

Die Okularkörper lassen sich auch ziemlich gut in den Adapter einschrauben. Der Vergrößerungswechsel ist natürlich nicht ganz so bequem wie mit einem Zoom-Okular, aber dafür kosten alle drei Okulare samt Adapter weniger als ein neues Hyperion Zoom.

Das Bildfeld ist natürlich kleiner als im Hyperion Zoom (immerhin haben die Classic Orthos nur 52° Gesichtsfeld, im Gegensatz zu den bis zu 68° des Hyperion Zoom), aber schön scharf und wird durch das Prisma auch vollständig ausgeleuchtet – beim Hyperion gibt es bei niedriger Vergrößerung schon eine leichte Vignettierung, die aber nicht wirklich stört.

Bei der aktuellen Wetterlage ist es leider knifflig, einen Vergleich zwischen den Okularen zu ziehen – entweder hat es Nebel oder Wolken. Für einen Bildfeldvergleich langt es aber: Orthos und das Celestron-Zoom haben gefühlt etwa das selbe Eigengesichtsfeld, wobei das 18mm Ortho (27fache Vergrößerung) sogar mehr von der Landschaft zeigt als das Celestron-Zoom bei 20x. Das 10mm-Ortho zeigt etwa den selben Bildausschnitt wie das Zoom bei ebenfalls ca. 37x. Bei den 80x des 6mm-Okulars schrumpft das Bildfeld natürlich deutlich unter das des Zooms – bei dem aber auch schon bei 60x Schluss ist; 80x ist mit dem Zoomokular nicht erreichbar. Das Bild ist bei 80x so klar und hell, wie es das Wetter zulässt; Randunschärfe oder Farbsäume fallen mir bei der Naturbeobachtung nicht störend auf. Am Stern konnte ich es noch nicht testen, aber der bildfüllende Mond am Taghimmel ist schon mal chic. Damit ist das Bildfeld mit dem 6mm-Okular auch bestimmt: Etwa ein halbes Grad.

Das Einblickverhalten ist deutlich besser als am Celestron-Zoom (ruhigerer Einblick und kein Kidney-Beaning), dafür ist der Augenabstand niedriger. Wer das 6mm regelmäßig benutzen will, sollte am ETX-Adapter das überstehende (und für diese Anwendung überflüssige) Gewinde abdrehen lassen. So kommt man näher an das Okular heran und kann bequemer beobachten.

Wer mehr aus seinem Spektiv herausholen will und keinen 1,25″-Okularanschluss zur Verfügung hat, hat mit dieser Kombination gute Chancen – das Gewinde gibt es auch an einigen anderen Spektiven.