Hurtigrute Tag 5: Tromsø, das Tor zur Arktis

Unser treuer Begleiter

Ein weiterer wunderbarer Tag mit bestem Wetter und ruhiger See: So kann die Reise weitergehen, auch wenn die letzte Nacht dank Trollfjord und Nordlichtsuche etwas kurz war. Aber schlafen kann man zuhause…

Vortragstechnisch ist heute unser freier Tag – wir haben versucht, die Vortragstermine rasch abzuhandeln, damit nichts dazwischen kommt. Es kam schon vor, dass die reservierten Räume südgehend auf einmal nicht mehr verfügbar waren, oder – viel schlimmer – der Seegang schlecht war. In den neuen Schiffen sind die Vortragsräume wie gewohnt ganz vorne, aber man sitzt quer zur Fahrtrichtung statt wie früher in Fahrtrichtung. Dafür gibt es keinen Beamer mehr, sondern zwei große Flachbildschirme, die das Bild zeigen.

Harstad am frühen Morgen mit der nördlichsten Steinkirche verpasse ich diesmal, nordlichtbedingt. War doch spät gestern… Der nächste Hafen auf der Route ist Finnsnes, das hinter dichten Nebelschwaden verborgen liegt. Ich verlasse den Bug etwas zu früh und verpasse einen schönen Lichtbogen vor dem Schiff. Als ich die Info kriege und wieder an Deck bin, stehe ich bei 5 Meter Sichtweite im Nebel. Schade. In Finnsnes kommen wir mit leichter Verspätung an – nicht viel, aber doch ausreichend, dass wir auf den Spaziergang um den Hügel verzichten. Die mittlerweile leicht glatten Straßen erleichtern diese Entscheidung.

Die Sandefjord hat wieder aufgeholt

Immerhin langt es für ein Foto des markanten Häuschens mit der Schokoladenwerbung, einen Abstecher zu dem Denkmal für Ottar von Hålogaland und ein paar schöne Bilder vom Schiff. Ohne den Bagger direkt vor dem Schiff wäre das perfekt – Norwegen ist im Augenblick wirklich im Baufieber.

Auf der Weiterfahrt begleiten uns immer wieder Nebelbänke, und unser treuer Begleiter taucht auch wieder aus: Die Sandefjord tuckert mit 2,5 Knoten munter weiter gen Hammerfest. Und wir nennen uns Hurtigrute…

Auf der Nordnorge gibt es derweil ein buntes Programm: Um 10:30 einen Film über Tromsø, eine Stunde später einen Vortrag über die Sami und kurz vor Tromsø um 13:30 einen Point of Interest an Deck 7 zum Rystraumen.

Pizza!

Zwischen die ganzen Aktivitäten muss natürlich noch das Mittagessen gequetscht werden. Für mich eine Premiere auf der Hurtigrute: Es gibt Pizza – auch für die Crew ist das eine willkommene Abwechslung zur norwegischen Coastal Kitchen. Gestern zum Frühstück wurden wir schon von frischen Pfannkuchen überrascht – die Küche der Nordnorge macht Lust auf mehr.

Der Höhepunkt des Tagesl ist natürlich Tromsø. Seit meinem letzten Besuch im Oktober 2017 hat sich einiges getan: Die Hurtigrute ist ein paar Meter weiter umgezogen und legt jetzt an einem neuen Hafengebäude an. Function follows Design, wie so oft in der modernen Architektur: Früher stieg man einfach aus dem Schiff aus und konnte Tromsø erkunden, heute steigt man aus, umrundet einen Treppenturm, fährt mit der Rolltreppe einen Stock höher, passiert die neue Tourist Information und einige Geschäfte, um über eine lange Rampe wieder auf Bodenniveau herabzusteigen. Eigentlich hätte die Gangway des Schiffs wohl vor dem Treppenturm liegen sollen, aber dann hätte die hintere Ladeluke beim Öffnen den Treppenturm platt gemacht. Aber es sieht chic aus.

Obwohl die Sonne gerade untergeht, entscheiden wir uns spontan, doch ein Taxi zum Storsteinen (bzw. dem Fjellheisen-Lift) zu nehmen. Gut 20 Euro kostet der Spaß, da wir noch eine Gruppe anderer Deutscher mit dem selben Plan treffen, sitzen am Ende rund acht Personen in dem Großraumtaxi, sodass die Fahrtkosten sehr human sind. Der Lift auf Tromsøs Hausberg kostet noch einmal 20 Euro, aber es lohnt sich: Wir erwischen noch die Abendstimmung und haben einen wunderbaren Ausblick auf unsere Lieblingsstadt.

Blick vom Storsteinen

Klarer Himmel in den prächtigsten Farben und angenehme Temperaturen um den Gefrierpunkt – was will man mehr?

Eismeerkathedrale

Wunderschön. Als es dunkel wird und es sich auf dem Berg füllt – Hurtigruten bietet das auch als Busausflug an – verlassen wir den Storsteinen wieder und gehen zu Fuß an der Eismeerkathedrale vorbei über die ewig lange Brücke zurück ins Zentrum. Ein kurzer Besuch an der Domkirke und Tromsøs Greatest Gift Shop, dann steht Abendessen an. Wir gönnen uns für 30 Euro eine Pizza um Cola im Yonas. Teuer, aber sättigend, und wir können das Abendessen zugunsten der Nordlichtjagd ausfallen lassen.

Bei der Abfahrt um 18:30 ist noch nicht viel von Nordlicht zu sehen, aber kurz danach gibt es eine gute Show Bug voraus – natürlich noch fast im Hafen. Tromsø geht immer…

Je weiter wir uns von Tromsø entfernen, desto schwächer wird die Show, bis nur noch ein ruhiges Band übrig bleibt. Schade: Die ruhige Seestrecke zwischen Tromsø und Skjervøy ist berüchtigt für Nordlicht.

In Skjervøy bleibt durch die Stadtbeleuchtung nicht mehr viel vom Polarlicht übrig, und wir legen an. Wohl dem der an Deck blieb: Es gibt noch einmal eine kurze, heftige Show. Ich hatte meine Kamera auch schon abgebaut, nur ein paar Schnappschüsse waren möglich. Und gerade als das Schiff eine Durchsage zum Nordlicht macht, endet die Show schlagartig. Mist.

Nach Skjervøy kommt leider nicht mehr viel – so wird es zwar auch wieder spät, aber das Warten hat sich kaum gelohnt. Das Nordlicht flackert zwar immer wieder mal auf, aber es bleibt doch sehr verhalten. Im Zeitraffer schaut es trotzdem nett aus.

Hurtigrute Tag 4: Polarkreis und Bodø

Blick zurück auf den Polarkreis

Einige Traditionen müssen gepflegt werden. Dazu gehört auch, dass ich die nordgehende Polarkreisüberquerung verschlafe.

Aber immerhin bin ich früh genug wach, um noch einen Blick zurück auf die Insel Vikingen mit der Polarkreis-Kugel und den benachbarten Inselberg Hestmannen zu werfen. Morgens um halb acht ist es noch heller als ich gedacht hatte. Der Blick in die andere Richtung ist interessanter: Ein wunderbarer Sonnenaufgang. God morgen in paradies!

Sunrise

Um 8:30 begegnen wir der Nordlys, und nicht zum letzten Mal auch der Sandefjord, einem Versorgungsschiff der Ölindustrie, das gemütlich nach Hammerfest schippert. Wir werden es noch einige mal überholen – wir sind zwar schneller, aber die Häfen der Hurtigrute kosten Zeit.

Nach dem Frühstück pendel ich zwischen der Bildbearbeitung am Laptop (der Zeitraffer von dem Tweet, den ich gestern verlinkt habe, muss erstellt werden) und der Reiseleitersprechstunde auf Deck 4, während wir uns Ørnes nähern. Der kleine Hafen hat eine der idyllischsten Lagen auf der Route, obwohl er ohne Schnee nicht ganz so beeindruckend wirkt. Aber immerhin haben wir noch etwas herbstliches Grün, das der Szenerie Farbe verleiht.

Bei der Polarkreistaufe an Deck 7 zeigt sich, dass das Schiff doch ausgebucht ist: Es ist eng. Aber damit finden sich auch genug Teilnehmer für die arktische Zeremonie:-)

Denkmal für die Prinsesse Ragnhild am Hurtigruten-Anleger

Bodø erreichen wir pünktlich um 12:30 und legen wieder am normalen Hurtigrutenanleger an, ein paar Meter weiter weg von Bahnhof und Stadtzentrum, am Denkmal für die 1940 gesunkene Hurtigrute Prinsesse Ragnhild. Ausnahmsweise ist es nicht so windig wie gewohnt, und der Weg ins Zentrum ist zumindest wettertechnisch angenehm. Dafür wird auch in Bodø gut gebaut – vor dem Winter soll wohl noch einiges fertig werden.

Wir steuern die Roast Bar oben auf dem Scandic-Hotel an, genießen heiße Schokolade und den Ausblick. Von meinen Highlights am Scandic – die Gamle Salten, das Denkmal für die Erling Jarl und dem Lachsmuseum – statte ich vorher nur der Gamle Salten einen etwas längeren Besuch ab. Da ständig Düsenjäger vom nahegelegenen Militärflughafen starten, ist es in der Stadt unangenehm laut. Das NATO-Maneuver lässt grüßen…

Dafür bietet das Scandic heute einen grandiosen Ausblick, bis hin zur Lofotenwand, die wir nachher ansteuern werden.

Anschließend geht es zurück zum Schiff: Eine halbe Stunde nach Abfahrt halten wir bereits unseren dritten Vortrag, über atmosphärische Phänomene und die Sonne (Parallel zum Schiffsvortrag über die Fram-Expedition). Vom Leuchtturm Landegode bekommen wir daher nichts mit, aber es wird auch schon wieder dunkel draußen. Die Überfahrt nach Stamsund ist ruhig; Verwirrung bringen nur die Teilnehmer des Wikinger-Festivals, die vorher noch im Restaurant essen wollen.

Nach Stamsund genießen wir den klaren Himmel, und bald zeigt sich auch wieder das Nordlicht als erst grauer, dann geisterhaft-grüner Bogen über den Lofoten. Etwas Bewegung ist auch dabei, aber in Svolvær ist dann erst mal alles ruhig.

Spektakel über Svolvær

Den Hafen erreichen wir mit etwas Verspätung, sodass ich die Zeit nutze, um die Speicherkarte zu leeren und den Akku zu wechseln. Etwa 20 Minuten vor der Abfahrt bin ich wieder an Deck, und prompt gibt es die Show, die wir gerne auf See hätten: Das Polarlicht tanzt, neben grün sind rot und violett zu sehen – wow! Gut, dass ich das Wikingerfest wieder nicht gebucht habe:-)

Nach ein paar Minuten ist das Spektakel schon wieder vorbei, und auf der Fahrt durch den Raftsund zum Trollfjord ist der gesamte Himmel zwar grün, aber Strukturen sind kaum zu erkennen. Schade – die ruhige See und die zum Greifen nahen Berge würden eine grandiose Kulisse bieten.

Die Videos auf Twitter: Vor und in Svolvær und im Raftsund. Am Raftsund gab es wieder den “magischen Trolltrunk” und Fiskekake – da das Polarlichtoval schwach war, machten wir nach dem Trollfjord auch Feierabend. Hier noch ein paar Impressionen:

Hurtigrute Tag 3: Trondheim

Treffen am Kai: Die Lofoten

Langsam komme ich auf der Hurtigrute an und lasse den deutschen Stress zurück – hier gibt’s genug (guten) Stress: Um 6 Uhr hat die Nordnorge in Trondheim angelegt, und wir nutzen den Aufenthalt, um im Ort zu frühstücken. 8 Uhr Aufbruch langt dafür aber locker. Vorher steht noch ein Fototermin an: Vor der Nordnorge liegt die Lofoten am Kai. Wir könnten Sie besuchen, und rückblickend hätte ich das vielleicht auch noch einmal tun sollen. 2020 wird sie aus dem Liniendienst gehen, da sie unter Denkmalschutz steht, aber gleichzeitig alle Schiffe behindertengerecht sein müssen. Mal sehen, was die Zukunft für den flotten Oldtimer bringt. Aber ich war ja schon ein paar mal dem letzten klassischen Hurtigrutenschiff, das noch im Dienst ist.

Hier war einmal ein Starbucks…

Also geht es direkt nach Trondheim. Rund 20-30 Minuten durch das Industriegebiet kann man dafür veranschlagen, wobei unser Ziel im schicken ehemaligen Industrieviertel Nedre Elvehaven liegt. Die alten Backsteinhäuser beherbergen jetzt ein lebhaftes Wohn- und Arbeitsviertel und leider keinen Starbucks mehr – der hat zum 1. November zu gemacht. Wir schreiben den 6. November.

So viel zu lieb gewonnen Traditionen.

Also ab durch Bakklandet mit seinen typischen kleinen Holzhäusern, und noch schnell einen Abstecher für die Touri-Fotos von Dom und Gamle Bybru.

Trondheim-Panorama

Die Gammle Bybro ohne Touris

Bei bestem Wetter, rund 8° und keinem Schnee kann man schon was aus den Bildern machen. Dabei hilft, dass noch kaum Menschen unterwegs sind: Die markante rote alte Stadtbrücke (Gamle Bybro) ohne Menschen habe ich auch noch nie zuvor erlebt. Dazu blieb knapp eine halbe Minute Zeit, dann wanderte ein kompletter Kindergarten ins Bild…

Der Nidaros-Dom, immer noch Krönungsstätte der norwegischen Könige, war ebenfalls recht ruhig. So konnten wir beobachten, wie ein paar Pilger (?) per Taxi zum Dom fuhren und direkt vor dem Stein hielten, der das Ende der Pilgerwege markiert, die zum Dom führen. So geht’s natürlich auch…

Japanfoto hat umgebaut

Trondheim selbst ist mittlerweile Großbaustelle: Der Marktplatz ist jetzt ein einziges großes Loch, wo vor einem Jahr noch eine recht bescheidene Baustelle war. Also rum um die Baustelle zum nächsten Starbucks, frühstücken, dann einmal durch den Trondheim Torg mit den überbauten alten Häusern und weiter am Königspalast vorbei. Und dann: Verwirrung. Da schicke ich jedes Jahr alle zum Japan-Foto, und der Firmenschriftzug ist weg!

Immerhin: An der Fassade steht noch unauffällig CEWE by Japan Foto, es gibt also immer noch einen Fotohändler am selben Platz. Das Sortiment erscheint kleiner, aber es gibt noch alles Wichtige. Uff. Hätte ich beinahe meinen Reiseführer umschreiben müssen…

Blick auf Munkholmen

Der Rückweg führt über den Bahnhof (an dem auch groß gebaut wird) über den Hafen zurück zum Schiff. Nach ein paar reizvollen Ausblicken auf die Insel Munkholmen geht’s wieder auf die Nordnorge, die um 12 Uhr wie geplant ablegt. Das Expeditionsteam gibt an Deck 7 Infos zu Munkholmen, während wir uns um das Mittagessen kümmern – schließlich steht heute Nachmittag der nächste Vortrag an.

Der Plan, den frühen Nachmittag in Ruhe im Panoramadeck für Vorbereitung und Bilder sortieren zu nutzen, scheitert aber: Linkerhand ziehen ein Militärschnellboot und ein Kriegsschiff die Blicke auf sich, während rechts die Fosen-Werft mit der Richard With und der Nordstjernen die Blicke auf sich zieht. Die Richard With wird zurzeit komplett umgebaut, und die Nordstjernen hilft dort als Hotelschiff aus.

Richard With und MS Nordstjernen in der Werft

Kjeungskjærfyr

Kurz darauf passieren wir den berühmten roten Leuchtturm Kjeungskjærfyr, während am Horizont Kriegsschiffe zu sehen sind und über uns Düsenjäger ihre Bahn ziehen. Den Überschallknall dieser Maschinen habe ich lange nicht mehr gehört und auch nicht vermisst…

Nach dem Leuchtturm laden Volker und ich zu einem Überblick über den Sternenhimmel, das Universum und die griechischen Sternsagen ein, dabei müssen wir gegen die Miesmuschelverköstigung auf Deck 7 und einen anschließenden Vortrag vom Schiff über die Wikinger antreten. Dafür ist die Resonanz gar nicht schlecht.

Stokksund

Pünktlich zum Stokksund sind wir fertig: Die enge Passage ist eines der vielen Highlights entlang der Küste und wird nur bei gutem Wetter durchquert – aber das haben wir ja auch! Der Hinweis auf den Stokksund kommt aber erst, als wir schon fast durch sind. Kurz nach 16 Uhr dämmert es auch schon, der Tag neigt sich dem Ende zu.

Land und Leute darf das Expeditionsteam dann wieder ohne Konkurrenz durch uns ab 17 Uhr präsentieren, und zum Abendessen um 18 Uhr sehen wir uns alle wieder – unsere Gruppe hat die erste Sitzung beim Abendessen, wie es sich für Nordlichtjäger gehört.

MS Spitsbergen in Rørvik

In Rørvik, nach der Fahrt über die recht ruhige Folda, treffen wir auf die Spitsbergen. Die halbe Stunde ist knapp für einen Besuch, aber trotzdem statten wir dem kleinen und fast leeren Schiff eine Stippvisite ab. Vorher noch ein kurzer Schock: Ist der Coop in Rørvik auch Geschichte? Das war immer die Station, um das Flaschenpfand abzuholen, wenn die Reise nur bis Trondheim geht. Aber er ist noch da, es wurde wohl nur eine Lagerhalle dem Erdboden gleich gemacht. Jedenfalls ist jetzt freier Blick auf den Kiwi-Supermarkt, der bislang verborgen war.

Tja, und kurz nach Rørvik gab es dann auch schon das erste Polarlicht. Dank DSGVO kann ich mein Video auf Twitter nicht mehr direkt einbinden, aber hier ist der Link: https://twitter.com/AlexKerste/status/1060129934511955969

Bilder gibt’s natürlich auch. Es war eine nette Show, wenn auch noch nicht das ganz große Feuerwerk, andererseits war die Polarlichtaktivität für diese Nacht sehr gering und wir noch weit im Süden. Ein paar Bilder diese langen Nacht gibt’s zum Abschluss noch hier:

Hurtigrute Tag 2: Westkap und Ålesund

Da immer wieder mal gefragt wird und ich nicht immer tagesaktuell blogge: Diese Reise geht vom 4.-15. November 2018. So viel für’s Protokoll. Und dass ich erst kurz vor Kirkenes dazu komme, mal wieder was zu schreiben, zeigt schon, dass wir bislang gutes Wetter hatten…

Also zu Tag 2 der Reise.

Im Vorfeld waren stürmische Zeiten angekündigt: Rund um das Westkap sollte es noch gut Wellengang haben, und bis Monatsende läuft ein NATO-Maneuver vor der norwegischen Küste. Zumindest das Geschaukel am Westkap hielt sich aber in Grenzen – zwar keine ganz ruhige Überfahrt, aber auch nichts wirklich übles.

Am Montagmorgen begrüßt uns ein bedeckter Himmel am Westkap, und das Expeditionsteam macht um 8:30 auch gleich einen “Interessepunkt” an Deck 7, zu dem einige Passagiere kommen. Die Nordnorge ist ausgebucht, aber außer vor dem Restaurant verteilt sich das alles zum Glück ganz gut. Zusammen mit dem dreiköpfigen Expeditionsteam sorgen wir schon dafür, dass es unseren Gästen nicht langweilig wird.

Ein kurzer Blick auf Torvik

Dazu müssen uns natürlich alle erst einmal kennen lernen, und von unserem kurzen Halt in Torvik bekommen wir nicht viel mit: Ein kurzer Begrüßungsumtrunk mit Vorstellung und Infos füllt den Vormittag, und um 11:30 gibt es bereits Mittagessen. Schließlich steht die Jugendstilstadt Ålesund bereits um 12:00 Uhr auf dem Programm, und niemand soll die Ausflüge verpassen. Der warme Sommer hat sich auch in Norwegen bemerkbar gemacht, sodass jetzt schon einige Ausflüge wie Walsafari und Husky-Touren abgesagt wurden. Aber Ålesund lässt sich problemlos zu Fuß erkunden.

Volker und ich nutzen den Aufenthalt mal wieder, um – wie immer viel zu warm angezogen (also mit Jacke) – die Stufen zum Hausberg Aksla zu erklimmen. Vom Berg aus legt das Schiff wieder am rechten Ufer an, am neuen Anleger und immer noch nur wenige Straßen vom Stadtzentrum entfernt.

Ålesund vom Aksla aus

Das Wetter: Bedeckt, aber angenehm für einen Ausflug in die Stadt. Zurück gehen wir durch den Wald, um dem “Gegenverkehr” auf den paar hundert Stufen auszuweichen. Einige Skulpturen lockern den Spaziergang auf.

Ålesund

Bei drei Stunden Aufenthalt bleibt noch genug Zeit für einen Besuch im frisch renovierten Kremmergarden Einkaufszentrum, die Schoko- und Getränkevorräte auffüllen, sowie einen Abstecher in den berühmten Souvenirshop.

Dann ruft die Pflicht: Unser erster Vortrag (Nordlicht und Nordlichtfotografie) ist bereits für diesen Nachmittag angesagt. Perfekt: So hat jeder die Zeit, um seine Kamera kennen zu lernen. Das Timing ist allerdings etwas knapp, wir fangen um 15:30 an, und für 15:05 hat das Schiff eine Probe norwegischer Küche angesetzt. Aber die meisten finden uns doch.

Norways Coastal Kitchen

Um 17 Uhr bietet das Expeditionsteam “Norwegen – Land und Leute” an, den Tagesrückblick, der vor einiger Zeit eingeführt wurde. Im Lauf einer halben Stunden gibt es den Überblick darüber, wo man heute war (samt aktuellen Bildern) und was einen morgen erwartet. Eine unterhaltsame Sache, für Vielfahrer aber keine Pflichtveranstaltung.

Pünktlich zum Abendessen liegen wir in Molde, sodass von der Stadt nicht viel zu sehen ist: Es ist längst Nacht, und die schönen Berge bleiben im Dunkeln.

Da der Himmel heute bedeckt ist, können wir früh Feierabend machen: Das Bett ruft, die nächsten Tage könnten lang werden, und die Anfahrt war doch recht anstrengend.

Hurtigrute Tag 1: Back in Bergen

Ab die Post mit KLM

Wie die Zeit vergeht – da hatte ich mir mal ein Jahr Auszeit von der Hurtigrute genommen, und schon ist es wieder soweit. Wobei ich bei dem Stress des letzten Jahres noch nicht ganz in Norwegen angekommen bin, Deutschland hinterlässt seine Spuren…

Zurzeit starten die meisten Flüge der Hurtigrute anscheinend nicht mit SAS, sondern mit KLM. Das hat immerhin den Vorteil, dass ich erst um kurz vor 12 in Stuttgart starte. Und sonntagmorgens um 9 ist die Autobahn noch frei, sodass ich sogar zu früh beim Flyaway-Service ankomme, mein Auto abstelle, mich zum Flughafen fahren lasse und wie üblich meine Fototasche an der Flughafensecurity zur Sprengstoffkontrolle abgebe. Das alte Spiel.

Lecker Essen mit walisischem Wasser

Neu ist dagegen, dass KLM bzw. das Bodenpersonal das mit dem Handgepäck nicht auf die Reihe kriegt. Am Ende wird alles Handgepäck, das im Gepäckraum befördert werden sollte, doch in die Kabine getragen. Mit den freundlichen Worten “Wer braucht diesen Trolley?” verteilen die Stewardessen das Handgepäck in der Maschine. Letztlich wird dann alles Handgepäck in der Kabine untergebracht, und mit leichter Verspätung geht’s ab nach Amsterdam. Mit an Bord: Der Snack, diesmal ein Stück Rührkuchen und das übliche Plastikbecherchen mit Wasser – auf den letzten Reisen kam es noch aus der Türkei, jetzt aus Nord-Wales.

Noch was Neues: Aus der KLM-App kann ein Flugsegment samt Bordkarte auf Nimmerwiedersehen verschwinden, wenn man kurz vor dem Boarding ist. Früher hatte man die Unterlagen ausgedruckt, heute hat man die Boardkarte auf dem HAndy. Und die Powerbank für’s Handy dabei. Und den Ausdruck, für alle Fälle. Das ist Fortschritt.

Mit etwas mehr Verspätung geht es dann weiter nach Bergen, wo uns die Reiseleiter Kai und Corinna bereits erwarten. Da die ganze Gruppe über Amsterdam anreiste, konnten wir rasch in die Busse steigen. Auf dem Weg zum Schiff gab es wieder die kleine Orientierungstour durch Bergen, interessanterweise ohne Regen. Da es längst dunkel ist, war allerdings nicht zu viel von der Stadt zu sehen. Aber trotzdem ging es an den historischen Häusern von Bryggen vorbei, und am einzigen MacDonalds ohne MacDonalds-Schild ebenso. Norwegischer Denkmalschutz schlägt US-amerikanisches Marketing.

Auf dem Schiff gibt’s was neues: Die Sicherheitsbelehrung findet nicht mehr im Terminal statt (das wohl als Cafe genutzt werden soll), sondern an Bord, in mehreren Schichten mit Anwesenheitspflicht und Abhaken vom Namen. Blöd: Auf der Cruisecard stand früher die Kabinennummer. Heute dank Datenschutz nur noch der Name. Klar: Wenn jemand die Karte verliert, ist das von Vorteil, aber die Antwort auf die Frage “Welche Kabine?” fällt schwerer.

Schafskopf

Einfacher ist die Frage: Was fangen wir mit dem Rest vom Abend an. Klar: Das Bergen-Buffet. Am schmackhaftesten war der Teller mit Lamm/flambiertem Schafskopf, an den ich mich endlich einmal herangetraut habe.

Das weitere Abendprogramm: Vortragstermine organisieren, Kabine beziehen, die Vorstellung der Crew verpassen (die Schlange vor dem Restaurant war zu lang), und nochmal kurz von Bord gehen, um das Schiff zu knipsen und den Teil von Bergen gegenüber des Hurtigrutenterminals anschauen, den man noch nicht kennt. Hübsche kleine Holzhäuser, eine sehr schmucke Gegend.

Viel Zeit bleibt dafür natürlich nicht, auch wenn die Nordnorge dank Winterfahrplan erst um 22:30 ablegt. Der frische Wind an Deck gibt schon einmal einen Vorgeschmack darauf, was uns am nächsten Morgen am Westkapp erwarten könnte. Bis dahin präsentiert sich Bergen aber trocken und mit einem schönen Panorama. Unter der Aksøy-Brücke hindurch beginnt unsere Reise, die uns über das Nordkapp bis Kirkenes und wieder zurück führen wird. Hoffen wir, dass das Wetter mitspielt und wir viel Grün am Himmel sehen werden!

Die Askøy-Brücke

M13 von letzter Nacht

Der 6″-Zeiss-Coudé

Die Schönwetterphase (um nicht zu sagen: Heißzeit) nähert sich endlich ihrem Ende, und ich habe die letzte klar Nacht noch für ein paar Fotos vom Kugelsternhaufen M13 genutzt. Dabei habe ich eigentlich alles anders gemacht, als es heute empfohlen wird: Statt einem möglichst schnellem Teleskop samt Autoguider und CCD-Kamera habe ich meine DSLR einfach ohne Guiding an den 150/2250 Coudé-Refraktor der Heilbronner Sternwarte gehängt und elf Bilder à 2 Minuten mit automatischem Dunkelbildabzug bei 1600ISO gemacht, und das auch noch bei mehr als halbvollem Mond aus der Innenstadt.

Allerdings habe ich noch eine Shapleylinse vorgeschaltet – f/15 ist für Fotografie schon heftig; so bin ich bei ca. f/10 und 1500mm Brennweite – das Bildfeld entspricht etwa dem Vollmonddurchmesser.

Die Bilder wurden in Deep Sky Stacker gestackt und mit Lightroom etwas nachbearbeitet. Das Ergebnis ist doch eigentlich ganz nett:

Der Kugelsternhaufen M13

Reiseführer Schottland für Selbstfahrer

Roadtrip Schottland – Unterwegs auf (und zur) North Coast 500

Es ist mal wieder so weit: Ich habe ein neues Buch draußen!

Jetzt könnte man natürlich sagen, dass es dämlich ist, weniger als ein Jahr vor dem Brexit ausgerechnet einen Reiseführer für Schottland rauszubringen. Außerdem gibt’s da doch schon so viele.

Nun, so wie es aussieht wird der Brexit kommen (und wahrscheinlich sogar ein harter Brexit), aber Schottland ist und bleibt ein reizvolles und sehenswertes Land. Und ich gehe keine Wetten darauf ein, ob Schottland eher im UK oder (langfristig wieder) in der EU bleibt…

Und als Freiberufler und Selfpublisher habe ich einen großen Vorteil: Ich kann die Bücher schreiben, die ich will (und für die ich einen Markt sehe). Und bei den im Buchhandel vorhandenen Reiseführern war nichts dabei, was mich völlig überzeugte. Entweder wird in dicken Wälzern jeder Stein beschrieben, oder das Buch war zwar kompakt, aber enthielt zu viel wertlose Infos: Im Zeitalter von Booking.com und Tripadvisor brauche ich keine Restaurant- und Hoteltipps. Und wenn die Seiten dann noch so klein und bis zum Rand beschrieben sind, dass man keinen Platz für Notizen hat, ist das auch nicht hilfreich. Mal abgesehen davon dass es witzlos ist, ein Buch im Hosentaschenformat herauszubringen, das mit 500 Seiten Dicke dann aber erst recht in keine Hosentasche mehr passt.

Die Orte

Was lag näher, als selbst ein Buch zu schreiben, das etwa das umfasst, was man von Schottland in zwei bis drei Wochen sehen kann? Der für mich interessanteste Teil – der hohe Norden Schottlands – entspricht dabei praktischerweise etwa der North Coast 500, zu der es – tada! – auch kaum Reiseführer gibt. Gesagt, geschrieben und jetzt auch veröffentlicht: Roadtrip Schottland – Unterwegs auf (und zur) North Coast 500. Im Format 17x24cm passt er in Foto- und Reisetaschen, und mit rund 100 Seiten ist er schmal genug, dass man ihn auch während der Reise noch lesen kann. Beschrieben wird ein Reisevorschlag rund um Schottland gegen den Uhrzeigersinn, beginnend in Edinburgh über Aberdeen und das schlösserreiche Aberdeenshire bis nach Inverness, dann die North Coast 500 mit einem Abstecher nach Loch Ness, und als Bonus die Isle of Skye und die Rückreise über Glasgow. Dazu natürlich alles, was noch in einen Reiseführer gehört. Da das Buch leider nur über Amazon und nicht im stationären Buchhandel erhältlich ist, konnte ich auch das auf der letzten Umschlagseite unterbringen, was ich auf der Reise schmerzlich vermisst hatte: Einen Überblick über die Verkehrsregeln und Tempolimits! Ein Klappentext ist ja überflüssig, wenn ein Buch nur im Versandhandel erhältlich ist.

Ein erster Überblick über Schottland

In dem Buch nicht beschrieben sind die schottischen Lowlands und die ganzen nur per Fähre erreichbaren Inseln der Hebriden – Wer im ersten Urlaub möglichst viel von Schottland sehen will, wird sich kaum auf das Abenteuer Fähre einlassen wollen. Aber vielleicht kommen diese Regionen in eine künftige zweite Auflage.

Damit will ich die ganzen ausführlichen Reiseführer gar nicht ersetzen, sondern einen Überblick über Schottland geben, damit man sich in den großen Büchern ebenso wie in Schottland erst einmal zurecht findet. Das Konzept, einen Reisetag auf einer Doppelseite darzustellen, hat sich bei meinem Hurtigruten/Nordlichtbuch ja gut bewährt. Und mal ehrlich: Ist es Ihnen nicht auch schon oft passiert, dass Sie zwar Reiseführer kaufen, aber erst nach der Tour dazu kommen, sie überhaupt zu lesen? Daher dieser kurze Überblick, der bewusst nicht alles darstellt.

Da die meisten Verlage bereits Reiseführer-Serien haben und es erfahrungsgemäß schwer ist, ein komplett anderes Konzept im bestehenden Verlagsprogramm unterzubringen, habe ich das Buch gleich im Eigenverlag herausgebracht, wie üblich bei Amazon als EBook und in Print. Einen Blick ins Buch gibt es wie üblich bei Amazon.

Nessie-approved

Der nächste Trip nach Schottland ist übrigens schon in Arbeit – dann kann ich auch erzählen, wie es nach dem Brexit in Schottland aussieht…

Mein nächste Buch ist ebenfalls schon in Arbeit und wird zur Abwechslung in einem richtigen Verlag erscheinen. Bis Jahresende habe ich noch Zeit – später mehr.

Mein Kampf mit der DSGVO

Uff:

Meine Seite im Sicherheits-Check bei https://webbkoll.dataskydd.net/en

In zehn Tagen greift die DSGVO, die kleine Blogger auf die selbe Stufe wie multinationale Konzerne stellt, und mittlerweile sieht meine Seite ganz gut aus. Dann muss ich diese Seite wohl doch nicht sicherheitshalber vom Netz nehmen… Und das war ganz einfach:

  • Eine Datenschutzerklärung, die eh keiner liest, mit freundlicher Hilfe von https://www.e-recht24.de/
  • Ein SSL-Plugin von meinem Provider (leider nur für kerste.de und nicht für die freebook.fernglas-astronomie.de – aber da gibt es kein Kontaktformular mehr, nur einen EMail-Link, und die Kommentarfunktion ist da ohnehin deaktiviert, also ist da auch kein SSL notwendig) und nach langem Suchen das Force-HTTPS gefunden
  • Heyhey: Wer mir über das Kontaktformular eine Nachricht hinterlässt, muss jetzt zustimmen, dass er mir damit Daten zusendet
  • Den Twitterfeed von der Seite runtergeschmissen, weil kein Mensch weiß, ob ich das noch legal darf
  • Videos soweit möglich sicher eingebunden – nachdem sie auch erst angezeigt werden, wenn die Cookie-Warnung und somit der Datenschutzkram akzeptiert wurden, sollte das passen
  • Ach ja: Die Cookie-Warnung gesetzt. Auch wenn sich das Cookie nur merkt, in welcher Sprache die Seite angezeigt werden soll.
  • Shariff installiert (die c’t hat ihr Zwei-Klick-Plugin erneuert, das ich vorher drin hatte)
  • Google Fonts rausgeschmissen (wusste gar nicht, dass WordPress die verwendet)
  • Referrer verboten, damit keiner mehr weiß, dass er Besucher von meiner Seite erhält (macht WordPress bei mir interessanterweise nicht automatisch)
  • Insgesamt zehn Plugins installiert, um hoffentlich alles abzusichern.

Darf ich jetzt mal wieder produktiv arbeiten?

(Nachdem ich mich um den Verein gekümmert habe…)

Um die c’t nochmal zu zitieren:

Die c’t-Schlagseite von Ritsch+Renn ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz .

 

Nordlicht und Sterne im März

Jetzt war ich zwar dieses Jahr noch nicht auf der Hurtigrute, aber die Kollegen sind grad auf dem Rückflug. Die Reiseleiterin hat schon mal ein Tourvideo gepostet:

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Nordlicht gab’s auch, aber nicht im Film. Trotzdem schön…

Kleines Himmelsschauspiel: Die Aldebaran-Bedeckung vom 23.2.2018

Wie die Zeit vergeht, wenn man Spaß und zu viel Geschäft hat… eigentlich wollte ich ja schon längst ein paar Bilder vom Bretagne-Trip über Silvester posten. War eine schöne Tour, mittlerweile wird wieder Norwegen geplant – wobei die Flüge über den nächsten Jahreswechsel dahin fast unbezahlbar sind. Leute, macht bitte anderswo Urlaub und nicht alle in Tromsø…

Hurtigrute mache ich bis November auch keine mehr, wobei die Planungen laufen. Parallel dazu hat Vimeo die Richtlinien geändert, vielleicht muss ich doch mal zu Youtube wechseln… Und vor lauter Norwegen hätte ich beinahe den Blick nach oben vergessen. In den letzten Tagen hatten wir ja die berühmte Schönwetterkatastrophe, nach dem dunkelsten Winter seit langem. Zeit, neues Spielzeug zu testen – ich habe hier ein 17,5mm Morpheus, das einen guten Eindruck macht und hoffentlich demnächst verbloggt wird (hier nur so viel: Für die Heilbronner Sternwarte kaufen wir ein Set für den Bino-Ansatz), der Teleskopkoffer wird neu gestaltet, und, und, und… dann hat sich der Mond am Freitag auch noch zur besten Beobachtungszeit vor den Mond geschoben.

Ich geb’s ja zu: So richtig auf dem Schirm hatte ich das gar nicht. Ein Stern verschwindet (noch in der Abenddämmerung an der dunklen Hälfte des Monds) und taucht dann halt wieder auf. Bei einem Planet ist das eindrucksvoll, aber ein Stern? Was soll’s.

Den Mond im Blick. Dahinter: Die Sternwarte Bellheim.

Trotzdem stand an dem Abend ohnehin ein Besuch beim Beobachtungsabend der Sternwarte Bellheim an. Da die erst später aufmachte, wir zu zweit waren und ich sowohl mein Teleskop als auch mein Spektiv im Kofferraum hatte, wurden kurzerhand beide auf dem Parkplatz aufgebaut, trotz eisiger Kälte. (“Russenpeitsche” heißt das wohl heute, und “wir werden alle sterben” – oder schlichtweg “Winter”, die älteren unter uns erinnern sich.)

Die Mondlandschaft des Halbmonds war wieder einmal eindrucksvoll, und der helle Aldebaran war auch chic anzuschauen – auch wenn es nur ein Punkt war.

Aldebaran neben dem Mond – zum Vergrößern anklicken.

Jetzt ein Foto, das wäre was. Aber die gute Ausrüstung war mal wieder ganz wo anders (und die Foto-Montierung ist eh ausgeliehen). Also: Griff zum Smartphone und durch das Okular fotografiert. Das Ergebnis ist für freihand und Quick-and-Dirty ganz okay, der kleine Punkt unten links neben dem Mond ist Aldebaran.

Wer sich wundert: Das Bild ist durch einen Refraktor mit Zenitspiegel entstanden und daher seitenverkehrt. Könnte man in der Bildbearbeitung spiegeln, muss man aber nicht.

Richtig eindrucksvoll wurde die Aldebaran-Bedeckung aber erst danach: Während des Beobachtungsabends der Bellheimer war schön zu sehen, wie schnell der Mond sich von Aldebaran entfernt und immer mehr Hyaden-Sterne im Teleskop sichtbar wurden. Man braucht nicht immer ein Fernrohr – das war mit bloßem Auge am eindrucksvollsten. Hoffentlich muss ich bis zur nächsten Beobachtungsnacht nicht auch wieder mehrere Monate warten – das macht mal wieder Lust auf mehr!