Diese Reise ist schlecht für meinen Tagesrhythmus: Der Wecker steht auf kurz nach acht, und ich wache bereits um halb acht auf. Obwohl es gestern wieder spät war, dem Nordlichtalarm um Mitternacht sei Dank. Damit bleibt mir genug Zeit, um nicht nur Havøysund zu sehen, sondern auch die südgehende MS Lofoten.
MS Lofoten
MS Lofoten
MS Lofoten
MS Lofoten
MS Lofoten
Sie ist das älteste Schiff, dass noch auf der Hurtigrute fährt. Nächstes Jahr, wenn der neue Staatsvertrag gilt und neben Hurtigruten AS auch Haviland die Kystruten (wie die Strecke jetzt heißt, weil die Namensrechte an der Hurtigrute mit der Reederei verkauft wurden) befährt, wird sie aus dem Liniendienst gehen. Die “alte Dame”, die seit 1964 im Dienst ist, erfüllt die neuen Bestimmungen bezüglich Behindertengerechtigkeit nicht, und dank Denkmalschutz darf sie auch nicht umgebaut werden. Wahrscheinlich wird sie dann ähnlich wie die Nordstjernen eigene Touren betreiben – ob entlang der Küste oder nach Spitzbergen, wird sich zeigen. So schön wie heute habe ich sie jedenfalls selten gesehen. Überhaupt sind das gute Wetter und die ruhige See fast unheimlich.
Havøysund
Der Anleger in Havøysund
Die Kirche von Havøysund
Havøysund als erster Hafen des Tages präsentiert sich schön in der Morgensonne, und zum ersten Mal wird mir bewusst, wie sehr die Kirche einer Stabkirche ähnelt. Nett. Wir erreichen den Hafen mit etwas Verzögerung, was sich über den gesamten Tag hindurchzieht. Havøysund fällt für mich daher mit dem Frühstück zusammen.
Wolkenspiele vor Honningsvåg
Den Point of Interest zur Magerøya-Straße schenke ich mir: Die Zeit verbringe ich teils auf Deck 5, teils in der Reiseleitersprechstunde und teils bei den Bordreiseleitern, meine Videos zur Verfügung stellen. Den Text des Point of Interests dürfte ich kennen: Der mautfinanzierte Tunnel zur Insel, den wir gerade überqueren, die Rentiere, die den Magerøyasund entweder schwimmend oder auf Fähren des Militärs überqueren, das Nordkapp auf der Insel Magerøya, das somit weder auf dem Festland liegt noch der nördlichste Punkt der Insel ist – alles interessant, aber ich muss es nicht jedesmal hören. Lieber das tun, was man auf dieser ereignisreichen Reise ohnehin viel zu selten macht: Einfach mal an Deck stehen und Norwegen genießen!
Wolkenspiele vor Honningsvåg
Das Wetter schlägt um…
…aber nur kurz
Kurz vor Honningsvåg taucht eine dunkle Wolkenwand auf und wir fahren durch einen Schneeschauer – schlechte Aussichten für das Nordkap? Nach fünf Minuten endet der Spuk zum Glück, und wir haben wieder bestes Wetter. Wer den Nordkap-Ausflug gebucht hat oder ihn mit einem der lokalen Anbieter, die am Kai stehen, auf eigene Faust macht, wird mit Sonnenschein und Windstille belohnt. Da ich den Ausflug selbst zahlen müsste, verzichte ich wieder (vielleicht auf der nächsten Tour, mal sehen) und erstürme mit Hans und Stefan den Aussichtspunkt über dem Ort.
Honningsvåg
Honningsvåg
Honningsvåg Kirke
Tiefschnee auf dem Berg
Nordnorge in Honningsvåg
Blick vom Berg
Hike mit dem Expedition Team
Honningsvåg ist wunderbar verschneit, auch wenn das den Aufstieg etwas mühsam macht. Durch fast kniehohen Tiefschnee zu stapfen macht nur bedingt Spaß, lohnt sich aber: der Ausblick auf den Ort von hier oben ist immer wieder schön. Beim Rückweg sehen wir das Expeditionsteam beim Schneeschuhhike und hören, wie die Teilnehmer aufgefordert werden, es langsam angehen zu lassen – “without snowshoes, it would be impossible”. Unser Gelächter wird mit einem “It’s easier where you are” kommentiert:-)
Naja, stapfen wir halt den leichten Weg zurück – um zwanzig vor eins sind wir wieder im Ort, etwas zu spät, um rechtzeitig zum Mittagessen wieder an Bord zu sein. Wegen der Sicherheitsübung gibt es heute nur bis 13 Uhr Essen, normalerweise langt es mir. Egal – ich habe noch einen Apfel und “Sjokoladeterapie” auf der Kabine, also gönne ich mir noch den Umweg zur Fischereischule auf der anderen Hafenseite, um unser Schiffchen zu knipsen. Sind ja perfekte Bedingungen dafür…
Nordnorge in Honningsvåg
Nordnorge in Honningsvåg
Nordnorge in Honningsvåg
Anschließend noch ein paar Bildchen vom Ort und zurück zum Schiff – trotz Bilderbuchwetter wird es langsam etwas frisch.
Honningsvåg
Trash Art
Honningsvåg
Ein kitschiger Sonnenuntergang
Honningsvåg verlassen wir mit einer leichten Verspätung, dann kommt Überfahrt nach Kjøllefjord. Die Barentssee zeigt sich als echter Ententeich, und gegen 17 Uhr kommt die Finnkirche in Sicht. Statt einem Point of Interest an Deck gibt es jetzt vom Expeditionsteam Norwegen Land & Leute mit dem Tagesrückblick. Wer schwänzt, kann nicht nur die Finnkirche sehen, sondern auch einen wunderbar kitschigen Sonnenuntergang.
Vor Kjøllefjord
Früher wurde die Felsformation beleuchtet und beschallt, heute wird der ehemalige samische Opferplatz ignoriert – ob aus Respekt oder wegen Streiterein darüber, wer den Betrieb der Lichtanlage bezahlt, ist unklar. Auch der Krabbenfischer, der in Kjøllefjord früher an Bord kam, ist Geschichte. Die Firma ist wohl bankrott, und mit dem Fischer kam kein neuer Vertrag zustande.
Finnkirke
Finnkirke
Finnkirke (mit Möndchen)
Finnkirke
Daher sehen nur eine handvoll Leute die Felsformation, die bei Tageslicht wirklich an eine Kirche erinnert: Ein hoher Turm, an den das flache Kirchenschiff anschließt. Im Januar 2016 hatte ich sie mal beleuchtet und mit Mond erlebt – das war richtig mystisch, heute im Sonnenschein ist die schmale Mondsichel über ihr lediglich nett anzuschauen.
Kjøllefjord
Im hübsch verschneiten Kjøllefjord machen wir nur kurz Halt, bevor es bei schönstem Wetter weiter geht. Für uns heißt das Abendessenzeit, jetzt ist das Nordkap-Buffet auf dem Programm. Also feste Sitze, aber freie Essenswahl. Es mag sein, dass ich mich am Rentiergeschnetzelten leicht überfressen habe, aber ich hatte ja auch kein richtiges Mittagessen…
Nordkap-Buffett
Nordkap-Buffett
Nordkap-Buffett
Nordkap-Buffett
Nordkap-Buffett
Nordkap-Buffett
Nordkap-Buffett
Anschließend heißt es abwarten. Bislang hatten wir ja bestes Wetter, Nordkap mit Sonne und ohne Wind ist sehr selten. Aber zumindest das Weltraumwetter könnte mal etwas unruhiger werden. Wir haben sternklaren Himmel, ruhige See und nur acht Grad unter null – aber bestenfalls ein Hauch von einer Ahnung von Polarlicht. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt – gegen Mitternacht gebe ich auf. Immerhin ist für morgen auch klarer Himmel angesagt. Wir werden sehen.
Einziger Lichtblick: Ich bin mit meinem Blog auf dem aktuellen Stand.
Wir nähern uns meiner norwegischen Lieblingsstadt: Tromsø. Die Wetterprognose ist unentschieden, was die Bewölkung angeht, aber die See ist ruhig und die Temperaturen knapp unter null. Harstad habe ich verschlafen, und am nicht mehr ganz so frühen Morgen ist es dann bewölkt mit klaren Streifen – etwas besser kann es von mir aus bis zum Abend noch werden. Bis dahin ist aber noch viel Zeit, die ab 10 Uhr mit dem Vortrag von Hans über die Sonne gefüllt wird – zusammen mit einem kleinen Streifzug durch die Sternentstehung.
Vortragszeit
Für mich bedeutet das einen ruhigen Tag: Bilder bearbeiten, Vortrag anhören, Bilder machen. Für Tromsø habe ich noch keinen festen Plan, schließlich war ich erst über Silvester für eine Woche da – und hatte wegen Schlechtwetter gerade mal eine halbe Stunde Wolkenlücke mit Polarlicht…
Königskrabben
Kurz nach dem Vortrag beginnt im Bistro des Schiffs eine Präsentation zu Königskrabben. Diesmal muss der Koch dran und präsentiert, was im Aquarium auf Deck 4 schwimmt; füher kam bei Kjøllefjord ein Krabbenfischer vorbei, der mit seinem Boot bei voller Fahrt an der Hurtigrute anlegte. Aber die Zeiten sind wohl vorbei, jetzt macht Hurtigruten das selber…
Finnsnes
Um 11 legen wir in Finnsnes an – zwischen Vortrag, Reiseleitersprechstunde und noch mehr bleibt mir keine Zeit, um kurz von Bord zu gehen, und ich begnüge mich mit ein paar Fotos vom Schiff herunter: Das Männchen mit der Schokowerbung und das Denkmal für den Wikinger Ottar, dazu noch die 1147 m lange Gisundbrücke. Es langt ja immer nur bestenfalls für einen kurzen Spaziergang um den Hügel oder zu Ottar, der auch vom Heck aus gut zu sehen ist.
Kurs Tromsø
Die Fahrt nach Tromsø ist ruhig, kalt und schön (immer wieder eine beeindruckende Landschaft, vor allem im Winter mit Schnee). Gegen 14 Uhr komm die Stadt dann in Sicht, und irgendwas stimmt nicht: Da ist ein neues Hochhaus. Die AidaAURA liegt dort, wo die Hurtigrute vor kurzem noch anlegte, bevor das neue Hafengebäude errichtet wurde. Die AidaAURA hat laut Wikipedia 389 Mann Besatzung und bis zu 1500 Passagiere. Zum Vergleich: Die Nordnorge hat rund 497 Betten und Platz für 590 Passagiere inklusive Tagesgäste, mit 400 Passagieren ist sie schon etwa ausgebucht (nicht jede Kabine ist voll belegt)…
Tromsø
Kussmaul am Kai
Kussmaul am Kai
1500 Passagiere…
Die Festung Skansen – gut gewappnet für Schneeballschlachten…
Durch das neue Hafengebäude in Tromsø sind leider einige Fotomöglichkeitem weggefallen, sodass Hurtigrute und Aida kaum auf ein Foto passen. Auch Selfies vor dem Bug mit der Eismeerkathedrale gehen nicht mehr.
Ich entscheide mich spontan für einen Gang zu dem roten Türmchen am Ende des Piers, der das Hafenbecken beschränkt. Der Zugang zu dem Pier ist unterhalb der Tromsø-Brücke, und der der Weg zieht sich… Dafür habe ich ein paar neue Fotoperspektiven auf den Hafen, auch wenn ich auch von hier Aida und Hurtigrute auch nicht gleichzeitig aufs Bild kriege. Die Aida ist einfach zu fett. Ich will gar nicht wissen, wie das hier im Sommer aussieht, wenn die großen Kreuzfahrer in der Stadt sind. Und in Trondheim liegen ab Sommer keine zwei Hurtigrutenschiffe mehr gleichzeitig am Kai, damit nicht zu viele Touristen gleichzeitig in der Stadt sind (so ein Teil der offiziellen Begründung)…
Tromsø mit Aida
Die Domkirche
Auf dem Rückweg hake ich noch einmal die üblichen Sehenswürdigkeiten ab (die Festung Skansen, die wohl bestenfalls einer Schneeballschlacht wiederstehen kann, und die Domkirche), dann shoppen: Tromsøs Greatest Souvenirshop, ein paar Buchhandlungen, Schuhgeschäfte (ich bin ja der Meinung, dass man in Deutschland keine brauchbaren, “zivilen” outdoortauglichen Schuhe findet. Aber jetzt scheitere ich damit auch in Norwegen) und die Vorräte auffüllen.
Um 18:00 gibt es Abendessen auf dem Schiff, eine halbe Stunde bevor wir ablegen. Es ist noch hell genug, dass ich das Essen nicht wegen Polarlichtwache ausfallen lassen muss. Dann heißt es warten – der Himmel ist okay, nur das Nordlicht fehlt noch. Gegen 21 Uhr geht es dann endlich los, die Strecke Tromsø-Skjervøy lässt uns nicht im Stich: Das Polarlicht ist deutlich, oft relativ ruhig und hell. Chic.
Ich schraube meine Kamera zuerst an den Bug, bis das Schiff nach rechts abdreht und ich an die Seite wechsle. Schöne Show:
Diesmal hält das Polarlicht nicht bis Skjervøy durch, die Aktivität lässt nach, und die Wolken nehmen zu. Aber egal: Es war eine schöne Show zur besten Zeit, und jetzt kann jeder sagen, dass er Nordlicht gesehen hat. Für das Sonnenminimum gar nicht schlecht:-)
Danach wird es ruhig: Ich nutze Skjervøy, um die Bilder für den Zeitraffer oben zu überspielen. Nach Skjervøy ist der Himmel ruhig, es bieten sich noch ein Gespräche, und der letzte Check kurz vor Mitternacht zeigt ein bisschen Polarlicht – aber nicht viel. Schwamm drüber, für heute habe ich genug gesehen und gehe ins Bett.
Das war zumindest der Plan, kurz nachdem ich in der Kabine bin kommt die Durchsage: Vi har nordlys. Toll. Also wieder anziehen und raus: Naja. Hans ist auch da, geht die paar Meter bis zum Bug und ruft mich: Vorne lohnt es sich tatsächlich und ist wieder auf der Level wie vor drei Stunden, als es wirklich schön war. Diesmal kommen zwar noch ein paar Wolken dazu, aber ab Mitternacht gibt es noch einmal rund 20 Minuten schöne Show. Dann heißt es endgültig ab ins Bett.
Uff – wir haben wirklich schon Tag 4 unserer Reise, ein Drittel ist vorbei. Wie die Zeit vergeht, wenn man Spaß hat… Etwa um 7:12 Uhr haben wir den Polarkreis überquert, und ich habe es tatsächlich geschafft, gerade noch rechtzeitig an Deck zu sein. Ein letzter Blick auf die Insel Vikingen, dann auf das Kamera-Display – völlig falsche Einstellungen. Das ist das Blöde bei einer DSLR: Der Blick in den Sucher ist doch anders als das Ergebnis… Also gibt’s die Bilder doch nur aus einigem Abstand und nicht so schön wie geplant. Egal.
Traumhaft schön
Immerhin: Normalerweise kenne ich die Kugel auf der Wikinger-Insel nur bei Nacht; sie nordgehend im Sonnenschein – wenn auch unter einer geschlossenen Wolkendecke – zu sehen ist mal eine nette Abwechslung.
Die Reise vom Polarkreis nordwärts führt an einer wunderbar schroffen, gebirgigen Landschaft vorbei, die auch trotz der niedrigen Wolkendecke beeindruckt. Bis zum nächsten Ereignis bleibt genug Zeit für das Frühstück, und kurz nach acht begegnen wir der südgehenden Hurtigrute MS Nordlys. Hoffentlich bleibt das heute nicht das einzige Nordlicht, aber wir sind genau an der Wolkengrenze. Jeder Wetterbericht meint was anderes…
Nordlys
Nordlys
Nordlys
Ørnes
Um 9:30 steht Ørnes an, einer der am schönsten gelegenen Häfen der Hurtigrute. Mit dem grauen Himmel kann er seinen Reiz nicht ganz entfalten, aber ich bin trotzdem irritiert, wie wenig Leute an Deck sind – Deck 7 ist fast leer, sogar im Panoramasalon sind noch Plätze frei. Seltsam und seltsamer…
Eine Stunde später folgt die Polarkreistaufe, die Zeit bis dahin wird mit der Reiseleitersprechstunde überbrückt. Jetzt ist es auch voll an Deck.
Ørnes
Polarkreistaufe
Volles Deck
Njord steigt herab
Ich kenne das Spiel ja mittlerweile: Alles drängt sich an Deck, und fotografieren ist fast unmöglich. Dank DSGVO ist das für einen armen Blogger aber auch egal, veröffentlichen darf man ja eh kaum noch etwas. Also: Ab ganz ans Heck, sodass ich Blick auf den Raum vor den Schornstein habe. Der Gewinner des Polarkreiswettbewerbs wird bekannt gegeben, er erhält die Hurtigrutenflagge, die bei Überquerung des Polarkreises am Schiff geweht hat, samt Unterschrift vom Käpitän und die Pole Position bei der Taufe – das Eis steht bereit, nur Njord muss noch herbeigerufen werden. Mit kräftigem Anfeuern durch die Gäste erscheint er dann auch auf dem Deck vor dem Schornstein, gibt seine Macht über das Wasser bekannt (auch über das Heißwasser, das heute früh wegen Reparaturarbeiten kurzzeitig gefehlt hatte), kämpft im Wind mit seinem Bart, lässt sein mächtiges Horn erschallen und schreitet zur Taufe herbei. Das ist der Moment, in dem ich mich verdrücke: Einerseits habe ich die Taufe schon einmal mitgemacht, und andererseits halte ich um zehn Uhr meinen ersten Solo-Vortrag über den aktuellen Sternenhimmel, garniert mit ein paar griechischen Sternsagen. Der Rest der Sagenwelt kommt in einem späteren Vortrag dran.
Bodø
Und dann? Ein Blick nach draußen, wo das Wetter schöner (wenn auch nicht wärmer) wird und Bodø langsam in Sicht kommt. Die Landschaft ist schöner als der Ort, trotzdem steht ein kleiner Abstecher nach Bodø auf dem Programm. Aber erst lassen wir die Ausflügler zu Mittag essen, dann stürzen wir uns auf das Buffet.
Der Gang in die Stadt dauert etwa 15 Minuten, wobei die Hauptstraße immer noch eine Baustelle und für Fußgänger gesperrt ist. Was soll ich sagen: Bodø ist kaputt. In der windigsten Stadt Norwegens weht gerade mal ein laues Lüftchen.
Denkmal für Prinsesse Ragnhild
Die Nordnorge in Bodø
Fotohuset Johnson neben dem Rathaus
Kirche
Stadtzentrum Bodø
Die Nordnorge in Bodø
Direkt am Anleger ist das Denkmal für das verunglückte Hurtigrutenschiff Prinsessin Ragnhild, ansonsten hat die moderne Stadt erst einmal nicht so viel für das Auge zu bieten: Sie wurde im Krieg zerstört und rasch wieder aufgebaut, seitdem ist sie stark gewachsen. Leider ist Nachkriegsarchitektur touristisch eher uninteressant, der Reiz von Bodø braucht ein paar Besuche, um sich zu entfalten. Aber es gibt das markante graue Rathaus mit seinem Turm, das gerade erweitert wird, die seltsame Kirche mit freistehendem Glockenturm, dahinter das interessante Nordlandmuseum, und am Hafen das Lachsmuseum/Salmon Center. Entgegen anderslautenden Gerüchten ist es immer noch offen. Sehr zu empfehlen, wenn man Englisch kann.
Fantastisches Licht
Nach dem Gang durch Bodø bin ich erst einmal platt – eigentlich wollte ich nur kurz die Kamera ablegen, daraus wird eine halbe Stunde im Bett. Und dann verlassen wir schon wieder Bodø und ich muss raus. Wir haben eine fantastische Lichtstimmung, während wir weiterfahren. Eigentlich sollte ich Filter für meine Kamera holen, aber dann würde ich hier was verpassen… und noch was gibt es zu sehen: Die Lofotenwand, also die unzähligen Berggipfel der Lofoten-Inseln. Auf so eine Fernsicht hätte ich nicht gewettet. Und was ich zum ersten Mal hier bemerke: Eine Fata Morgana. Einige der vorgelagerten, dunklen Inseln scheinen über dem Wasser zu schweben. Eigentlich nicht so eindrucksvoll wie ich mir eine Fata Morgana vorgestellt hatte, aber trotzdem ein interessanter Anblick, zumindest mit dem Teleobjektiv.
Fata Morgana
Fata Morgana
Fata Morgana
Normalerweise bekomme ich von dieser Strecke nicht viel mit, da es einerseits dunkel ist und ich andererseits hier meinen üblichen Vortragstermin habe, aber jetzt habe ich Zeit, um auf den Leuchtturm Landegode zu warten. Er liegt hübsch vor einem Berg, bekommt das richtige Licht ab, und nach einer Dreiviertelstunde an Deck ist mir kalt. Aber das war es wert:
Landegode
Landegode
Landegode
Landegode
Das Schiff ist mittlerweile richtig voll: Die Hurtigrute dient ja bei aller touristischer Auslegung immer noch für den öffentlichen Nahverkehr, und es ist voll mit Norwegern, die für das Wochenende von Bodø auf die Lofoten fahren. Freitagnachmittag halt, da sind unsere Straßen und Züge ja auch voll.
Vielversprechendes Wetter im Westfjord
Die weitere Fahrt über den Westfjord ist ruhig, wahnsinnige 30 Zentimeter hohe Wellen waren angesagt. Ich nutze die Zeit, um in der Kabine auszuruhen, wo ich keinen störe. Zum Abendessen sieht der Himmel vielversprechend aus, vielleicht haben wir ja doch noch Glück?
Stamsund
In Stamsund ist der Himmel klar, aber keine Spur von Nordlicht. Alle Prognosen sind auch pessimistisch: Die Polung ist falsch, es kommt einfach nichts zu uns durch. Kurz vor Svolvær zeigt der ACE-Satellit etwas brauchbarere Daten – wird es in ein, zwei Stunden im Raftsund klappen? Wäre ja toll. Und die Hoffnung stirbt zuletzt (aber sie stirbt!).
Die Nordkapp
Zwischen Stamsund und Svolvær ist nichts, nur die südgehende MS Nordkapp bringt Licht in die Nacht. Erstes Schiff, erste Liebe… klar, dass ich an Deck bin und dem Schiff zuwinke, auf dem ich meinen ersten Touren hatte. Sie fährt schön nahe an uns vorbei, und die Schiffe begrüßen sich mit lautem Hupen. Immer wieder eine schöne Tradition:-) Ein paar Minuten später erreichen wir dann auch Svolvær auf den Lofoten.
Galerie Dagfinn Bakke
In Svolvær sorgte der Wind für unangenehme Temperaturen, sodass ich es bei einem kleinen Spaziergang durch die Dunkelheit belasse. Ein Ziel ist die Galerie von Dagfinn Bakke. Als die Hurtigrutenschiffe noch alle individuell ausgestattet waren, hatte er die Finnmarken mitgestaltet und ist für seine Cartoons ebenso bekannt wie für die (unbeleuchtete) Statue der Fischerfrau, die am Hafeneingang von Tromsø steht. Am 1. Januar 2019 starb der Künstler 85-jährig, seine Galerie wird aber weiterbetrieben. Heute hat sie zu, die Öffnungszeiten sind meist bei Tag (verständlicherweise).
Die Fahrt durch den Raftsund ist ruhig: Sternklarer Himmel, überraschend wenig Schnee an den Berghängen, und keine Spur von Polarlicht. Frust.
Ein Hauch von Nordlicht
Kurz vor dem Trollfjord, ein paar Minuten nach 23 Uhr, zeigt zumindest die Kamera einen Hauch von Grün. Visuell: Ich müsste lügen, wenn ich sagen wollte, dass da was mit Sicherheit zu sehen wäre… Trotzdem lasse ich meine Kamera mal laufen. Am Trollfjord bewegt der Käptn das Schiff passt perfekt: Erst wird der Fjord vom Bug aus beleuchtet, dann dreht das Schiff, und er ist vom Heck aus zu sehen, wo magischer Trolltrunk verkauft und Fiskekake serviert werden. Und dann: Tatsächlich ein helleres Grau am Himmel – das Nordlicht lebt!
Am Trollfjord
Das beste Polarlicht der Nacht…
Schon wieder diffus
Nur eine kurze “Show”
Zumindest ein wenig… als ich meine Kamera vom vollen Deck 7 wieder auf 5 gebracht und aufgebaut habe, ist schon wieder nur diffuses grünes Licht zu erahnen. Kurz nach Mitternacht ziehen dann auch Wolken aus. Das war es wohl für diese Nacht. Das Ergebnis im Zeitraffer sieht ganz nett aus, aber irgendwie muss da doch noch mehr gehen.
Nach dem Bilderbuchwetter gestern ist Trondheim schon deutlich unfreundlicher: Bedeckter Himmel, leichter Schneefall und sechs Grad unter Null. Ich hatte ja mit dem Gedanken gespielt, mir den Sonnenaufgang mal von der Festung aus anzuschauen, aber mangels Sonne hat sich das erledigt. Für “Trondheim unter Wolken” gehe ich nicht in aller Frühe hoch zur Festung.
MS Vesterålen
Das ist dann leider auch die letzte Chance gewesen, eventuell einen Sonnenaufgang in Trondheim zu erleben. Ab Sommer gibt es einen neuen Fahrplan mit deutlich kürzerer Liegezeit als jetzt. Dann liegt die nordgehende Hurtigrute von 10:00-13:15 in Trondheim und die südgehende von 6:30-9:45. Bei einer knappen halben Stunde Marsch ins Stadtzentrum bleibt dann nicht mehr so viel Zeit für einen Besuch der Stadt. Ebenso entfällt die Schiffsbegegnung am Kai – in Zukunft gibt es keine Möglichkeit mehr, andere Schiffe zu besuchen.
Ich mache mich um kurz vor 9 auf den Weg in die Stadt und habe effektiv also auch nur 3 Stunden Zeit, aber das ist schon relativ knapp, wenn man nicht weiß, wo man hin will – oder wenn man shoppen will. Immerhin gibt es noch die Stadtpläne mit Vorschlägen für Rundgänge, inkl. Zeitangaben.
Eis
Vom Hafenbecken zum Platz
Nedre Elvehavn
Nedre Elvehavn
Ich nehme meine Standard-Route, an den Bahngleisen vorbei über Nedre Elvehavn mit seinen schmuck renovierten und umgebauten Industriegebäuden nach Bakklandet, dem ehemaligen Armenviertel mit kleinen, heute herausgeputzten Holzhäuschen. Dazu immer wieder ein Blick über den Fluss Nidelv auf die alten Speicherhäuser. Ein Blick in die Hinterhöfe zeigt, dass Feuer auch heute noch ein Problem ist: Ein Anschlag verbietet Grillen, weil die Sprinkleranlage mit Wärmebildkameras gekoppelt ist.
Bakklandet
Bakklandet
Bakklandet
Am Nidelv
An der Brücke zur Innenstadt werfe ich den üblichen Blick nach links zum Fahrrad-Lift: Im Sommer wird hier Radfahrern den Berg hinauf geholfen. Daneben ist eine Ausleihstation für Fahrräder, und ein paar Meter den ursprünglichen Weg weiter werden Fahrräder repariert. Die Stadt ist auf Radler ausgerichtet… Der Weg ein paar Meter weiter lohnt sich immer, denn vom Ufer aus hat man einen schönen Blick auf Nidaros-Dom und Gamle Bybrua, die markante rote Stadtbrücke, die schon lange keine Zugbrücke mehr ist.
Fahrrad-Lift
Fahrad-Ausleihe
Fahrrad-Werkstatt
Blick auf den Dom und die Stadtbrücke
Am Dom liegt kein Schnee, auch wenn es immer wieder Schneeflocken in der Luft gibt. Hinter dem Dom ist der alte Erzbischofspalast, der heute ein Museum beherbergt – das um 11 Uhr aufmacht. Hm… mit den neuen Liegezeiten schaffe ich es vielleicht doch einmal in das Museum?
Nidaros-Dom
Nidaros-Dom
Nidaros-Dom
Erzbischofs-Palast
Torvet
Weiter in die Innenstadt: Noch bis Sommer 2020 ist der Torvet (der Marktplatz) Großbaustelle, danach soll er wieder einige Jahrzehnte halten. Bis dahin wird noch gebuddelt. Ich schaue kurz in das Torget-Einkaufszentrum (die in das Gebäude integrierten alten Häuser faszinieren mich immer wieder), dann auf der anderen Seite vom Platz in die Buchhandlung und in die Var Frue Kirke – eine offene Kirche, in der sich Obdachlose aufwärmen können, und außerdem ein schönes Gebäude.
Var Frue Kirke
Var Frue Kirke
Var Frue Kirke
Tja, und dann ist es auch schon wieder Zeit, zurückzukehren. Noch ein Blick auf die örtliche Residenz des norwegischen Königs (Stiftsgården, Norwegens größtes Holzhaus, das von hinten hübscher ist als von vorne und direkt gegenüber vom Burger King liegt), und am Yachthafen vorbei zurück zum Schiff.
Stiftsgården
Stiftsgården
Zum Yachthafen
Munkholmen
Gleich nach dem Ablegen ging das Schiffsprogramm weiter: Point of Interest Insel Munkholmen. Das Expedionsteam erzählt die Geschichte der ehemaligen Kosterinsel und Gerichtsstätte, während wir gefühlt näher an Munkholmen vorbei fahren als üblich. Auch wenn das Wetter mäßig ist, gibt es so ein paar schöne Bilder. Anschließend Mittagessen, während wir durch den Trondheimfjord fahren. Ich mache es mir im Panoramasalon bequem, als eine Durchsage ertönt, die mit Applaus begrüßt wird: Es ist nicht erlaubt, Sitzplätze zu reservieren, und herrenlose Gegenständer werden demnächst eingesammelt und an der Rezension zum halben Preis verkauft.
Kjeungskjærfyr
Respekt, das hätte schon viel früher gemacht werden sollen.
Mich betrifft das nicht, ich mache es mir in der zweiten Reihe bequem und beende mein Blog von Tag 2, bis Kjeungskjærfyr in Sicht kommt. Also zum Bug, vom Wind durchgeblasen werden und zurück Richtung Rettungsbote, wo es sich besser aushalten lässt. Nett, nur gibt der graue Himmel keinen schönen Kontrast her. Das klasse Wetter von Ålesund haben wir leider hinter uns gelassen, wir sind etwa an der Grenze einer Wolkenfront – die nächsten Tage ist alles möglich.
Stokksund
Gut eine Stunde später erreichen wir gegen 16 Uhr den schmalen Stokksund, der normalerweise nur bei gutem Wetter passiert wird. Aber der Käptn gibt sein Bestes, und wir haben die Felswände fast zum Greifen nah. Nur der Schneegraupel, der uns ins Gesicht bläst, ist uns noch näher. Brr. Aber trotzdem irgendwie schön. Norwegen halt.
Land und Leute
Obwohl heute eigentlich ein Seetag ist (oder Sehtag?), kommt man kaum zur Ruhe. Um 17 Uhr lädt das Expeditionsteam zu seinem Norwegen – Land-und-Leute-Vortrag ein, bei dem auch mein Polarlichtfilmchen von gestern gezeigt wird, und eine halbe Stunde später um 18 Uhr steht schon wieder das Abendessen an. Dann zeigen wir wieder Flagge an unserem üblichen Platz an der Bankreihe auf Deck 4 vor dem Restaurant und klären noch ein paar Fragen der Gäste, bis wir Rørvik erreichen.
Rørvik
Noch einmal liegen zwei Schiffe nebeneinander, ab Sommer gibt es das Treffen auch nicht mehr. Ich mache den Fehler und nutze die Gelegenheit, noch einmal zwei Schiffe nebeneinander zu fotografieren – die anderen gehen für die Viertelstunde an Bord der Spitzbergen und treffen auf Kai, mit dem ich auch schon einige Touren hatte. Aber wahrscheinlich fahre ich mit ihm in der nächsten Saison. Trotzdem schade, ich hätte ihm gerne Hallo gesagt. Schade, dass die Schiffsbegegnungen im Hafen demnächst Geschichte sind.
Die Spitsbergen neben der Nordnorge
Der Rest ist schnell erzählt: Es gibt zwar tolles Polarlicht, aber bei uns nur Wolken, sodass wir den Tag beenden und uns der Arbeit widmen: Morgen ist der nächste Vortrag, dieses Blog will geschrieben werden, und der Polarkreis wird überquert. Zwischen 7 und 8 wird es auch schon hell genug sein, dass die Kugel zu sehen sein wird. Mal sehen, ob ich mir das antue…
Nach den Stürmen der letzten Tage hatte ich am Westkap eigentlich etwas mehr Bewegung im Schiff erwartet, aber stattdessen gab es einen Ententeich, bei dem einem niemand glaubt, dass die Gegend ein Schiffsfriedhof ist und die Wikinger ihre Schiffe lieber über Land tragen als dem Sturm auszusetzen. Geschweige denn, dass der norwegische Staat einen Schiffstunnel bauen will, um die Gegend zu vermeiden.
Recht ruhige See
So kann ich nach Måløy in aller Ruhe und gefahrlos duschen, bevor ich mich mit der Kamera an Deck begebe. Ende des Monats ist Tag-und-Nacht-Gleiche, dementsprechend früh ist es schon hell. Bei prächtigem Sonnenschein ist es fast unmöglich, schlechte Fotos zu machen. Echtes Bilderbuchwetter, und nur ein wenig auf und ab. Besser kann die Reise kaum starten.
Westkapp
Point of Interest
Kurz vor Torvik
Am Westkap bietet das Expeditionsteam den ersten Point of Interest an, mit Infos zu dieser Region. Aber auch wenn es fast ein Frevel ist: Ich nutze die Zeit, um frühstücken zu gehen. Schließlich steht um 10:30 – also während unseres kurzen Aufenthalts in Torvik – die Willkommensveranstaltung für unsere Gruppe an. Alex, Stefan, Hans und ich stellen uns vor, geben die Grundinfos zur Reise und stoßen auf die Reise an. Auch wenn das eine Gruppenreise ist: Wir machen nur Angebote, drängen uns aber niemandem auf. Wer will, kann fast Individualurlaub machen. Aber wir dürfen auch schon die ersten Kameras erklären.
Wir fassen uns zwar kurz, aber bis zum Mittagessen bleibt trotzdem nicht viel Zeit. Schließlich legen wir heute schon um 12 Uhr in Ålesund an. Da wir ohnehin noch ein bisschen mit Aufräumarbeiten nach dem Welcome-Drink beschäftigt sind und damit die Ausflügler in Ruhe essen können, gehen wir erst um 12 zum Restaurant – aber nicht hinein, es ist voll, und wir müssen warten, bis Plätze frei werden. Ich muss mal schauen, wie viele Passagiere auf dem Schiff sind. Meine Schätzung ist wirklich ausgebucht.
Ålesund
Ålesund – das Denkmal für die Englandfahrten
Heute kein Aksla
Ålesund
Ålesund
Daher wird es etwas später, bis ich das Schiff verlassen kann. Der Berg ruft, aber diesmal wiederstehe ich dem Ålesunder Hausberg Aksla und drehe eine kleine Runde bis zum Stadtzentrum der Jugendstilstadt. Die üblichen Fotomotive wollen besucht werden – im Hotel im Brosund wird leider renoviert und ist hinter einer weißen Plane versteckt. Anschließend mache ich mich am Fuß des Aksla auf den Weg zum Waldehuset. An dem alten Holz-Eckhäuschen bin ich zwar schon oft vorbeigelaufen, aber jetzt nehme ich es erstmals bewusst wahr: Hier endete der Stadtbrand, durch den Ålesund von der typisch norwegischen Holzstadt zu der heutigen, steinernen Jugendstilstadt wurde. Der Besitzer weigerte sich damals, sein Haus zu verlassen, weil ihm Engel bestätigt hätten, dass er in Sicherheit wäre. Tatsächlich hat das Feuer sein Häuschen verschont, das heute ein Museum beherbergt. Moderne “Sehenswürdigkeiten” auf dem Weg sind ein Rock-und-Metall-Plattenladen, der Burger Kind und der Fretex (der Laden der Heilsarmee) – irgendwie ist mir die Straße bisher völlig entgangen.
Die Fischerin
Ålesund
Waldehuset
Aksla
Auf dem Rückweg schaue ich am Ålesund Museum vorbei. Auch ohne in das Museum zu gehen, gibt es an der Außenwand einige Bilder der alten Stadt zu sehen, dazu zahlreiche Kanonen (die einst im Hafen als Poller dienten) und einen hübschen kleinen Aussichtspunkt. Nett.
Ålesund Museum
Ålesund Museum
Ålesund Museum
2x Nordnorge
Coastal Kitchen
Anschließend langt es noch für einen kurzen Besuch im Stadtparkt und im Einkaufszentrum, bevor ich mich zurück aufs Schiff mache. Um 15 Uhr legen wir, gleich darauf stellt der Chefkoch die Coastal Kitchen auf Deck 7 vor (mit deutscher Übersetzung durch die Reiseleitung): Lamm, Bier und Linie Aquavit. Viel Zeit bleibt mir dafür nicht: Um 16 Uhr halten Hans und ich unseren gemeinsamen Doppelvortrag zum Nordlicht: Ich die Theorie, er die Fototipps. Das klappt gerade so: Kurz nach 16 Uhr endet der englische Polarlichtfilm des Schiffs, sodass wir mit etwas Verspätung anfangen. Und um 17 Uhr ist schon die nächste Veranstaltung im Vortragsraum, Land & Leute vom Expeditionsteam. Wir räumen den Saal und widmen uns den nächsten Kameras. Dafür bleibt nur knapp eine Stunde, denn um 18:00 gibt es schon Abendessen.
Molde
Die Einfahrt nach Molde verpasse ich daher, erst im Hafen kann ich ein paar Fotos machen. Diesmal gibt’s also kein Bild davon, wie das segelförmige Scandic in der Sonne glitzert. Was für ein Stress – ich bin noch nicht mal dazu gekommen, meine Cruisecard mit der Kreditkarte zu koppeln, also gibt es heute nur Wasser zum Trinken. Aber das Essen kann sich sehen lassen.
Anschließend bieten Alex und Stefan noch eine kleine Reiseleitersprechstunde an, für alle die morgen früh nach Trondheim wollen. Die ist recht ruhig, und wir können etwas quatschen, bevor die Durchsage kommt: Wir haben etwas Nordlicht, aber kein Grund, nach draußen zu hetzen. Nicht schlecht: Am zweiten Abend ist die Pflicht schon erfüllt, was den Erfolgsdruck von der Reise nimmt.
First Light!
Zuerst Bug voraus, später an der Backbordseite ist ein schöner, flacher Bogen zu sehen, der später sogar eine Spur des geisterhaften Grüns und ein paar Strukturen zeigt. So weit im Süden ist das schon gar nicht schlecht – nach einem traumhaften Tag das erste Polarlicht. So kann die Reise weitergehen, und vor allem kann so jeder schon einmal mit seiner Kamera üben. Bis wir Kristiansund erreichen, habe ich knapp 2000 Bilder im Kasten. Der Rest der Nacht geht für Bilder kopieren und bearbeiten sowie dieses Blog drauf. Die Bilder des Tages kann ich aber erst am dritten Reisetag einfügen – mit dem Zeitraffer ist mein kleiner Rechner voll ausgelastet. Wenn ich morgen früh aufstehe, sollte er mit den Bildern durch sein, und ich kann den Rest sichten und einfügen.
5. März 2019, nach den ersten Sommertagen (zumindest hat das Thermometer in Süddeutschland letzte Woche an der 20-Grad-Marke gekratzt) und Herbststürmen (mancher Faschingsumzug wurde abgesagt) starte ich bei recht angenehmen Temperaturen auf meine letzte Hurtigrute für diese Saison. Der Sonnenaufgang ist durchaus beeindruckend.
Sunrise
Das einzige Problem bei der Sache ist das süddeutsche Autobahnnetz. Der Flieger geht um 11:50 nach Amsterdam. Zwei Stunden vorher am Flughafen sein, nochmal eine halbe Stunde drauf für den Transfer vom Parkplatz zu Flughafen (weil sich ja kein normalverdienender Mensch das Parken am Flughafen leisten kann), dann 150 km Autobahn bis zum Flughafen Frankfurt (rechnen wir mal 2,5 Stunden mit Stau), dazu noch ein paar Minuten Frühstück – also Wecker auf sechs Stunden vor Abflug stellen. Gähn.
Wolken in Frankfurt
Wieder Erwarten geht die Anreise aber ohne Stau über die Bühne, und ich bin mit ordentlich Zeitpuffer am Flughafen. Am Check-In sind auch schon die ersten Gäste, denen ich mich zu erkennen gebe, bevor es durch die Security geht. Diesmal gibt es für die Fototasche das volle Programm, und mein Taschenspektroskop bringt die Mitarbeiter völlig durcheinander. Die mögen sich ja eine satte Lohnerhöhung erstreikt haben, aber Bildung gab’s dafür trotzdem keine. Immerhin wird’s nicht gesprengt… Frankfurt selbst bietet einen wolkenverhangenen Himmel, dafür ist der Flug bis auf den etwas holprigen Landeanflug auf Amsterdam unspektakulär.
Lecker Bordverpflegung
Mein Gemecker über den letzten Flug scheint was gebracht zu haben: Zwischen meinen Knien und dem Vordersitz ist diesmal ein komfortabler halber Fingerbreit Platz, und ich konnte beim Check-In in der App am Vortag sogar meinen Sitzplatz auswählen. Dafür ist die Maschine mal wieder überbucht… Die Snacks sind wie üblich: Rührkuchen auf dem ersten Flug, ein Gemüse-Wrap auf dem zweiten Flug. Ansonsten gibt’s nichts zu berichten: Wir sind pünktlich, und das Gepäck ist auch dabei. Alles gut.
Aberglaube bei KLM
Etwas irritierend finde ich nur, dass ich auf dem Flug nach Bergen in Reihe 14 sitze und direkt vor mir schon Reihe 12 ist. Der Aberglaube hält sich wohl. Aber was soll’s, der Flug geht glatt.
In Bergen warten mein Lektoren-Kollege Hans sowie unsere beiden Reiseleiter Alex und Stefan schon auf uns und nehmen die Gruppe in Empfang. Mit zwei Bussen geht es dann auf eine kurze Stadtrundfahrt durch Bergen. Wir verlassen den Flughafen etwa gegen Sonnenuntergang kurz nach 18 Uhr, damit ist es noch hell genug, um ein bisschen was von der Stadt zu sehen. Die alten Holzhäuser von und hinter Bryggen sind immer wieder Highlights, die Marienkirche (die bis 2015 renoviert wurde und das älteste erhaltene Gebäude der Stadt ist) ebenso, auch wenn es kürzlich wohl durch eine Sprinkleranlage zu einem Wasserschaden kam. Durch die getönten Busfenster in die Dämmerung zu fotografieren ist aber nur mäßig ergiebig. Irgendwann muss ich mir nochmal ein, zwei Tage in Bergen gönnen…
Das alte Rathaus
Bryggen
Håkonshalle
Marienkirche
Bis wir auf dem Schiff sind und unsere Bordkarten in der Hand halten, ist es etwa 19 Uhr. Obwohl Hans und ich zügig zur Bordreiseleitung gehen, um die reservierten Vortragsräume abzuklären, sind wir zu spät: Zwei andere Reisegruppen waren schon da, und die Reservierungsanfrage ging wohl unter. Immerhin kriegen wir noch ein paar gute Termine, an denen es keine Kollisionen mit der Landschaft, Sehenswürdigkeiten oder Schiffsterminen gibt. Morgen geht’s auch schon los.
Bergen mit dem Fløien
Der Boarding-Stress geht gleich weiter: Der Sicherheitsfilm wird nicht mehr gezeigt, bevor man das Schiff betritt, sondern erst an Bord – letzte Vorstellung gegen 19:30. Da hilft es auch nicht, dass er schon siebenmal gezeigt wurde, wenn wir gerade erst an Bord gekommen sind. Für die letzte Vorstellung reicht es noch, dann ab ins Restaurant in die Schlange stellen, bevor es um 21 Uhr zu macht. Die Vorstellung der Crew verpassen wir somit, aber immerhin in der Bordreiseleitung sind ein paar bekannte Gesichter. Danach kurz in die Kabine, auspacken, und um 22:30 heißt es Leinen los!
Die Askøy-Brücke
Dadurch hatte ich diesmal noch nicht einmal Zeit, kurz von Bord zu gehen, um Vorräte einzukaufen oder das Schiff von der anderen Seite des Hafenbeckens zu knipsen. Das wäre aber ohnehin sinnlos: Es regnet wieder einmal. Dementsprechend wenig Spaß macht das Ablegen, und nachdem wir die Askøy-Brücke passiert haben, ist es auch Zeit für Feierabend (bzw. die ersten Bilder sortieren und kurz dieses Blog schreiben).
Und nun: Mal schauen, was die nächsten Tage bringen!
Update: 2022 habe ich das Upgrade auf die EQStarPro vorgenommen, die klaglos und zuverlässig läuft – alle Probleme durch selbstgelötete Kabel und den Überspannungsschaden der ersten Steuerung gehören nun der Vergangenheit an. Läuft wie ein Traum.
Die Vixen GP-DX war immer so etwas wie meine Traum-Montierung – was gewiss auch damit zusammenhängt, dass ich mit ihr angefangen habe: Auf der Heilbronner Sternwarte haben wir zwei C8, die lange auf Superpolaris-Montierungen betrieben wurden. Klasse Sache, stabil und deutlich leichter als die HEQ-5, die später kamen.
Als mir vor einigen Jahren eine gebrauchte GP-DX (noch aus Vehrenberg-Zeiten) im Biete-Forum von Astronomie.de über den Weg lief, schlug ich dann auch schnell zu. Auf dem Berlebach Uni Stativ hat sie eine gute Basis und ist – bei guter Einnordung – mit meinem ED80/600 sogar ohne Autoguider fototauglich.
Was mich aber immer genervt hat: Sie ist mittlerweile etwas pflegebedürftig, insbesondere die Antriebszahnräder haben sich gerne mal gelöst. Ein Inbusschlüsselsatz war mein ständiger Begleiter. Und da die originalen Vixen-Motoren langsam sind, hat man zwar eine Feinverstellung, aber gerade bei nur 600mm Brennweite ist der Effekte eher gering. An zeitgemäßes Goto ist da gar nicht erst zu denken.
Eine Lösung ist es ja, die Elektronik von einem China-Nachbau an das Vixen-Original zu bauen. Das “Skywatcher SynScan GoTo Upgrade für EQ-5 und Vixen GP Montierungen” liegt bei gut 400 Euro und lässt sich adaptieren, hat aber weiterhin Zahnradantrieb (und somit Getriebespiel). Früher gab es ein NexSXD-Projekt, um Celestron-Steuerungen zu adaptieren – wäre mir sympathisch gewesen, weil ich mich mit der Steuerung auskenne, gibt’s aber nicht mehr. Und dann kam auf Astrotreff dieser Thread. Damals lag die EQStar-Schrittmotor-Steuerung von Astro-Gadget für Schrittmotore auf Ebay noch bei rund 100 Euro, jetzt ist sie etwas teurer – aber dafür gibt es nun auch ein Goto Drive Set mit Motoren zum Spotpreis gibt, sodass man keine passenden Motoren mehr suchen muss. Nachteil: Sie kommt aus der Ukraine…
Aber gut 100 Euro war mir der Versuch wert, wobei ich deutlich mehr Geld in das Motorset für GP von Avalon investieren musste. Das ist zwar nicht wirklich ein Schnäppchen, aber für mich gab es ein paar Gründe, die dafür sprechen:
Die Schrittmotoren sind mit der EQStar kompatibel, und von Avalon habe ich auf Anfrage auch die Pinbelegung erhalten. So kriege sogar ich als Elektroniklaie das hin
Ich mag Avalon – ich konnte mal mit der M-Zero rumspielen, und falls die EQStar nichts taugt, gäbe es immer noch die Option, auf StarGo von Avalon aufzurüsten
Keine Bastelei – die Motoren kommen im Gehäuse. Ich habe keine Werkstatt und keine Lust, groß rumzubasteln.
Heute würde ich wohl gleich das günstigere Komplett-Set von Astro-Gadget ausprobieren, aber zwei Kabel zusammenlöten ist auch kein so großes Problem.
Von Astro-Gadget kam via Ebay dann sehr flott die neue Steuerung: Ein Kästchen mit der Elektronik, ein WLAN-Modul, ein Kabel zum USB-Port vom PC (zur Steuerung via ASCOM), zwei Anschlusskabel für die Montierung und die Treiber-CD, dazu ein kleiner Joystick-Handcontroller, der statt eines Autoguiders an den Autoguider-Port der Steuerung passt.
Die Steuerung passt – mit einem Haargummi – perfekt an ein Berlebach Uni Stativbein. Unten das schwarze WLAN-Modul, links hängt der Joystick.
Nachdem ich zwei neunpolige D-SUB-Stecker aufgetrieben hatte, waren Kabel schnell zusammengelötet und die Motoren schnell angeschlossen. Erster Test am PC, noch ohne Montierung: Hm. Man braucht neben der ASCOM-Plattform ein Windows-Programm namens EQSettings, das auf der Mini-CD beiliegt. Nur: Der USB-Konverter wird zwar erkannt, aber das war’s dann auch. Eine Rücksprache beim Entwickler (danke für den guten Support!) brachte die Lösung: Dem USB-Konverter muss zwingend COM2 zugewiesen werden. Über die Systemsteuerung ging das einwandfrei, nun ich konnte die richtige Übersetzung einstellen (1:576 für die Avalon-Motoren) und über ASCOM irgendwie auch ansprechen (ASCOM ist für mich immer noch ein Buch mit sieben Siegeln) – aber irgendwo kam dann das Bedienfeld, und die Motoren liefen.
Zumindest eine Zeit lang. Bis irgendwann nichts mehr ging, nicht einmal der Piepser beim Anschalten.
Ich weiß bis heute nicht, ob es am Netzteil lag (das etwas mehr als 12V liefert, aber dafür auch bei Kälte genug Strom liefert), an der Steuerung (die 12V will, aber auch bis 15V vertragen soll) oder an der seltsamen Stromversorgung in diesem Haus, wo öfter mal die Sicherung rausfliegt.
Grmpf. Was tun? Die Steuerung in den Wind schreiben? Noch mal eine über Ebay kaufen? Kontakt mit dem Entwickler aufnehmen? Ich entscheide mich für letzteres und bin positiv überrascht: Für wenig Geld bietet er mir eine Reparatur an.
Die Reparatur an sich ist kein Problem, nur – wie kriegt man das Geld in die Ukraine, wenn Ebay nicht dazwischen steckt? Überweisungen aufs Handy sind vielleicht dort üblich, aber hier noch lange nicht, und eine Online-Überweisung? Guter Witz. Ich muss tatsächlich persönlich zur Bank gehen und eine Papierüberweisung abgeben. Online kann ich sie zwar auch gut versteckt ausfüllen, müsste sie dann aber auch ausdrucken und zur Bank tragen. Willkommen im Deutschland des 21. Jahrhunderts.
Die GP-DX mit Zahnriemen
Irgendwann kommt dann die Nachricht vom Zoll, dass ich die Teile abholen kann. Und die Frage, als was die Platinen einzuordnen sind. Was weiß denn ich, ich habe die Zollklassen noch nie gehört. Bin ich Elektroniker? Oder Zöllner? Ein paar Euro später habe ich die Steuerung dann in der Hand. Wenn ich die Spritkosten anschaue und die verlorene Arbeitszeit bezweifle ich, dass sich das für den deutschen Staat lohnt. Und mein Wagen fährt Diesel, bis in alle Ewigkeit…
In der Zwischenzeit habe ich mir auch noch einen LiFePO4 PowerTank von Celestron besorgt. Damit fällt die schwankende Stromversorgung vom Haus schon mal als Fehlerquelle flach, und die Tests können beginnen.
Nachdem dann alles zusammen war, ging es an die ersten ernsthaften Tests. Die Doku von EQStar ist diesbezüglich etwas mager, aber was soll’s – das gehört zu einem Bastelprojekt. Der Reihe nach:
Joystick-Steuerung und die Motoren
Die neuen Motoren an Ort und Stelle.
Die Motoren waren schnell installiert: Die alten Motorblöcke abschrauben, die alten Zahnräder und die Getriebekupplung von der Montierungsachse entfernen, dann die neuen Motoren samt Zahnrädern und Zahnriemen anschrauben – fertig. Die Avalon-Motorgehäuse werden jeweils nur mit einer Schraube an der Montierung befestigt und haben etwas Abstand zum Achsenkreuz der Montierung, also ziehe ich die Schrauben fest an. Über vier Schräubchen im Motorgehäuse lässt sich der Motor noch verschieben, um die richtige Spannung des Zahnriemens einzustellen: Das Band sollte sich ohne Kraftaufwand ein wenig verdrehen lassen (so ca. um 90°), dann passt es. Auch die großen Zahnräder sollten sich ohne Kraftaufwand drehen lassen.
Stecker zum Verschrauben per Schraubenzieher (rechts) sind einfacher zu finden, sinnvoll sind aber nur welche, die sich ohne Werkzeug lassen (links) – zumindest für den mobilen Einsatz.
Die Avalon-Motoren haben D-SUB-Buchsen. Für die ersten Tests hattee ich nur Steckergehäuse gefunden, für die ich einen Schraubenzieher brauche, um sie an die Motoren zu schrauben. Ohne Anschrauben sitzen sie nicht besonders fest und können leicht herausfallen (gerade bei schnellen Schwenks), aber ich habe nicht vor, die Montierung mit dem Schraubenzieher aufzubauen. Mittlerweile habe ich sie durch Stecker ersetzt, die sich mit der Hand verschrauben lassen.
Der Joystick zur Steuerung
Die manuelle Steuerung der Montierung erfolgt über einen kleinen Joystick, der in den Autoguiderport der Montierung gesteckt wird. Ein erster Test: Nachdem der Joystick einmal durch Drücken der Funktionstaste und Bewegen des Joysticks aktiviert wurde, bewegt sich die Montierung. Funktionstaste und Joystick in Deklination bewegen stellt die Geschwindigkeit ein (von 20x bis 500x); Drücken in Rektaszension stellt die Nachführgeschwindigkeit ein. Piepser zeigen an, welchen Wert man gerade eingestellt hat. Man darf in der Nacht nur nicht in die falsche Richtung drücken, sonst läuft auf einmal die Nachführung mit der falschen Geschwindigkeit… Aber soweit läuft es einwandfrei. So schnell war meine Montierung noch nie:-)
Zu viel Luft: Damit die Motorgehäuse am Achsenkreuz anliegen und sich nicht verstellen, muss ich sie etwas unterfüttern. Aber besser so als andersrum
Letztlich ist sie sogar zu schnell: Nach einiger Zeit scheppert die Montierung. Des Rätsels Lösung: Eine Schraube ist zu wenig, um die Motoren fest an ihrer Position zu halten, sie haben sich verdreht. Mit einem Abstandshalter aus Plastik kann ich sie unterfüttern, jetzt läuft sie ruhig, und die Motoren bleiben an ihrem Platz.
Beim Test am Nachthimmel gab’s dann wieder eine Ernüchterung: Die Rektaszensionsachse läuft einwandfrei, die Deklination nicht – nicht einmal per Hand kann ich sie drehen. Wir haben mittlerweile nicht die rund 20° vom Wohnzimmer, sondern um die 0° in der freien Natur, und das Schneckenspiel der Dek-Achse ist jetzt zu stramm. Ich hatte ganz vergessen, dass man das bei der GP-DX ab und zu mal justieren muss. Also ab nach Hause, wo die Inbusschlüsselsammlung ist, Motor abbauen und lockerer einstellen. Dann ab ins Bett…
Beim nächsten Test hat es wie gewünscht funktioniert. Etwas gewöhnungsbedürftig: Der Joystick spricht immer nur einen Motor an. Man kann also nicht beide Achsen gleichzeitig bewegen.
Die Steuerung per App
Einstellungen für SkySafari Pro
Noch mehr Trockentests: Der Steuerung liegt ein WLAN-Modul bei, um das Ganze per App zu steuern – zum Beispiel mit SkySafari Plus. Ich habe etwas gebraucht, um brauchbare Einstellungen zu finden. Im Augenblick habe ich sie als Celestron AVX konfiguriert, SkyWatcher SynScan wäre wohl auch einen Versuch wert.
WLAN gefunden, Steuerung gescheitert.
Die WLAN-Verbindung ist etwas haklig, was aber durchaus an Apple liegen kann – ich habe die Software auf einem älteren iPhone laufen. Auf jeden Fall muss ich immer etwas warten, bis WLAN-Symbol in der Statusleiste erscheint. Vorher muss ich gar nicht erst versuchen, SkySafari zu öffnen (obwohl es manchmal auch funktioniert, wenn LTE statt WLAN angezeigt wird – da steige ich noch nicht ganz durch). Dann kann ich mich meistens über den Connect in SkySafari mit der EQStar-Steuerung verbinden, kriege aber öfter die Fehlermeldung, dass die Steuerung nicht anspricht. Ein Handy-Neustart hilft häufig. Ein Android-Gerät mag besser funktionieren, keine Ahnung.
Wenn die Verbindung steht, läuft es aber ganz gut: Die Steuerung geht davon aus, dass das Teleskop auf den Himmelspol zeigt. Dann muss ich einen neuen Referenzstern anfahren, das Teleskop schwenkt dahin, und ich zentriere ihn über den Joystick oder besser noch mit gelösten Achsklemmen, bestätige in der App mit Align, und fertig. Das ist dann zwar nur ein Ein-Stern-Alignment (mehr kann SkySafari wohl nicht), funktioniert aber schon ganz gut.
Bis das Handy in den Ruhezustand geht und die Verbindung kappt. Unter Appearance & Behaviour bietet SkySafari zwar auch ein “Prevent Sleep”, aber manchmal sind die Reflexe schneller, und ich schalte das Handy aus. Was dafür nett ist: Ich kann die Motoren auch bewegen, indem ich das Handy etwas hin- und herneige. Wobei ich zugeben muss, dass der Touchscreen besser funktioniert als gedacht, auch wenn man die Richtungstasten nicht ertasten kann.
Ach ja: Der kleine Celestron LiFePO4 PowerTank versorgt entweder USB oder Teleskop mit Strom. Ich kann das Handy also nicht ebenfalls über den Powertank mit Strom versorgen – das größere Modell des PowerTanks soll es können. Mist.
Das Goto funktioniert schön, es ist nur etwas ungewohnt, dass erst eine Achse gefahren wird und dann die andere. Außerdem muss ich aufpassen, dass der Motor nicht an der Montierung anschlägt – aber das bin ich von der FS2-Steuerung der Alt-Montierung der Heilbronner Sternwarte auch gewohnt. Ein Tastendruck bricht den Schwenk ab.
Unter Android gibt es noch eine kleine App, um der Steuerung Datum, Zeit und Standort mitzuteilen. Dann weiß die Montierung auch, wann sie umschwenken soll. So erklärt das vielleicht die teilweise etwas seltsamen Positionswinkel. Die Objekte werden aber gefunden.
Fazit: Das Verbinden mit dem WLAN ist etwas hakelig, aber wenn es klappt, läuft es gut.
Steuerung per PC
Das habe ich bislang nur im Trockentest gemacht, aber wenn ich das richtig verstehe, muss ich ASCOM nur auf EQMOD konfigurieren, und muss mich nicht um um Getriebeübersetzungen und so kümmern. Zumindest bewegt sie sich, wenn ich in Guide einen Stern anfahren will. Wenn ich das richtig verstehe, gibt ASCOM nur die Wunschkoordinaten weiter, und die Steuerung kümmert sich um den Rest.
Fazit
Bereit für die Zukunft
Für’s erste bin ich begeistert, vor allem vom Preis-Leistungs-Verhältnis. Die hundert Euro (mittlerweile liegt sie bei 150 Euro, wobei ich das auch schon für die reine Steuerung inkl. Autoguidereingang zu zahlen bereit gewesen wäre) plus Motoren ist sie auf jeden Fall wert. Mir waren schnellere Motoren und Autoguidereingang am wichtigsten. Das Goto ist nicht ganz so wichtig, aber gerade beim Fotografieren sehr hilfreich.
Die EQStar scheint eine gute Möglichkeit zu sein, um eine solide ältere Montierung wie die SP/GP auf den modernen Stand zu bringen, wenn man sich ein bisschen reinarbeiten will. Wenn ich die Arbeitszeit rechne, wäre eine neue Montierung (ohne Zahnriemen und wohl mit geringerer Präzision) günstiger (je nach Stundensatz) – aber ein bisschen rumbasteln gehört zum Hobby Astronomie, und ich sehe keinen Grund, mich von einer alten, aber perfekt laufenden Montierung zu trennen.
Probleme hat vor allem die mangelnde Dokumentation gemacht, aber ich hoffe, alle Problemchen, die ich hatte, lassen sich mit diesem Blogbeitrag lösen. Ich würde die Steuerung nach aktuellem Stand jedenfalls wieder kaufen.
Sehr praktisch ist, dass ich das Kästchen mit der Steuerung – nachdem ich es mit der Bohrmaschine malträtiert habe – einfach mit einem Haargummi am Stativ befestigen kann. Das Kabel zum stationären Rektaszensionsmotor habe auf die kürzeste sinnvolle Länge gekürzt. Das zum Dek-Motor hat eine ziemlich gute Länge, auch wenn es bei kalten Temperaturen etwas steif wird. Und ich habe sogar einen Ersatz für die verbogene Polhöhenschraube meiner Montierung gefunden, sodass sie jetzt wieder voll einsatzfähig ist.
Der Zahnriemenantrieb ist sehr nett, beseitigt aber nur das Getriebespiel, nicht das Schneckenspiel. Schade, dass die GP-DX keine angefederte Schneckenachse hat…
Der nächste Schritt ist dann, wieder ein bisschen durch das Teleskop zu Fotografieren, wenn alles läuft. Bislang habe ich für fokale Fotografie ja vor allem das Equipment der Heilbronner Sternwarte genutzt und war mit kleinen Brennweiten auf dem Star Adventurer unterwegs, oder ohne Guiding mir der GP-DX. Wann ich das alles testen kann? Keine Ahnung – nächste Woche geht’s wieder auf die Hurtigrute, und wenn ich zurück komme, sind die Nächte schon wieder deutlich kürzer. Astronomie braucht Geduld:-)
Alles aufgeräumt – warten auf klaren Himmel…
Bis dahin wird mal alles im neuen Köfferchen verstaut (Schaumstoff von Koffermarkt.com, Koffer von Thomann. Und da gefragt wurde: Der Montierungskoffer mit dem meisten Fotokram und dem Gegengewicht liegt bei 21,5 kg, die Stativtasche bei 13,1 kg (inklusive der Vixen Porta-Montierung, wenn ich rein visuell unterwegs bin. Der Teleskopkoffer mit der aufgesattelten Ablageplatte von Stativ bei 17,8 kg. Das kann ich jetzt alles schön einlagern, bis ich wieder in Deutschland bin und klaren Himmel habe.
This is the end: Der definitiv letzte Reisetag. Die Gegend rund um Florø fällt mit Sonnenaufgang, Aufstehen und Frühstück zusammen, und dann muss auch schon die Kabine geräumt werden. Um 10 Uhr ist Deadline, bis dahin muss auch das Gepäck am Aufzug stehen, damit man es in Bergen am Hurtigrutenterminal wieder bekommt und nicht den restlichen Tag darauf aufpassen muss.
Immerhin ist das Schiff nicht mehr ganz ausgebucht, sodass es sogar genügend Sitzplätze für Passagiere und Handgepäck gibt. Bei bestem Wetter fahren wir non-stop durch bis Bergen. Ganz angenehm: Die Cruisecard wird erst am Mittag gesperrt und abgerechnet. Ebenso angenehm: Die See ist ruhig und das Wetter schön. Die Gespräche im Panoramasalon werden daher immer wieder durch den Griff zur Kamera unterbrochen.
Panorama-Versuche
Ab und zu hat man zwar den Verdacht, dass das Schiff einen kleinen Wasserfall herunterfällt, wenn es kurz ruckt, aber bei der ruhigen See ist eigentlich keine Ursache dafür zu sehen. Jedenfalls sah das Meer nicht so aus wie auf meinem Panoramaversuch links…
Viel gibt es über den letzten Tag nicht mehr zu berichten. Am Vormittag macht das Expeditionsteam noch eine Musikstunde im Multe auf Deck 7 (das jetzt sogar einmal besucht ist), das Miittagessen ist Buffet, und um 13 Uhr laden Hans und ich noch einmal zu einer bunten Stunde ein, um die Wartezeit zu überbrücken. Ein paar nette Filmchen haben sich im Lauf der Zeit doch angesammelt.
Wahrscheinlich im Steinsund
Wahrscheinlich im Steinsund
Südgehend kommen wir der Küste wieder nahe und durchqueren manch engen Sund, die Felsen erinnern ein wenig an die Bretagne. Hübsch, vor allem bei gutem Wetter. Ich habe da schon ganz andere Passagen bis Bergen erlebt…
Kurs Bergen
In Bergen geht es dann wieder Schlag auf Schlag: 14:30 erreichen wir den Endpunkt der Reise, um 15:00 fährt unser Transferbus ab (wir haben für unsere Gruppe zwei eigene Busse), am Flughafen dann der Kampf mit den Automaten, die – ohne erkennbares Konzept – entweder Buchungsnummer, Bordkarte, Reisepass oder gar nichts anerkennen, das Gepäck aufgeben (Neu: Der Scanner will die Bordkarte sehen), durch die Security und ab zum Flieger. Fast alle fliegen über Amsterdam. Am Automat wo das Gepäckband ausgedruckt wurde gab es dann sogar die Chance, den Sitzplatz auszuwählen – bei einer fast komplett ausgebuchten Maschine gibt es da aber trotzdem keine Möglichkeit, Pärchen zusammenzusetzen, und auch wer die selbe Buchungsnummer hat, wird wild im Flieger verteilt. Immerhin kann man mit etwas Glück das Handgepäck zwischen Sitz und Vordersitz einfädeln und unter dem Sitz verstauen, wenn es kleiner als die Maximalmaße. Sardinenbüchse…
Komfortable Beinfreiheit
Sport ist wichtig!
Amsterdam
Da kommt einem dieser Tweet von KLM doch wie nackter Hohn vor. Ich kriege meine Beine jedenfalls als Presspassung rein und kann über die Tipps der Bordbroschüre zur Fitness im Flieger nur lächeln. Da würde ich mir ja das Genick bei brechen. Fairerweise: Der Flieger ist dieses mal nicht überbucht (es dürfen alle mit), und Eurowings nach Island war noch schlimmer. Ich bin gespannt, wann es Flieger mit Stehplätzen gibt… Nach zwei Stunden war zum Glück Amsterdam erreicht, und der kleine City-Hopper für den Anschlussflug hat mehr Platz als die Boeing 737-800.
Willkommen im Ländle!
In Amsterdam blieb noch genug Zeit für einen Imbiss, und dann ging auch schon der Anschlussflug nach Stuttgart. Der Shuttle vom Flyaway-Service war wie immer pünktlich, und um die Zeit ist sogar die A8 befahrbar.
Der gestrige Freitag ging für Aufräumarbeiten drauf: Alle Bilder und Filme sind jetzt hochgeladen; ich muss nur irgendwann mal nachschauen, ob ich mir einen Youtube-Account zulege – Vimeo ist voll. So bleiben die Filme erst einmal den Teilnehmern der Reise vorbehalten.
Allen noch einmal Danke: Es war eine schöne Reise, hat Spaß gemacht mit euch!
Und jetzt back to work: Im März soll mein Astrofotobuch erscheinen, dieses Wochenende ist der Feinschliff angesagt. Man kommt auf der Hurtigrute ja zu nichts… Und wem mein Hurtigruten-Büchlein gefallen hat: Sagt’s weiter, ich freue mich immer über eine nette Rezension auf Amazon🙂
Mit Trondheim beginnt der entspannende Teil der Reise, dementsprechend wenig gibt es zu berichten. In Trondheim liegen wir bis zehn Uhr neben der Vesterålen, was auch der Grund ist, warum ich hier keine der angeboten Touren mitmache – obwohl die “verbogenen Gemächde Nidarosdoms” schon interessant klingen. Aber um 7:45 zum Ausflug starten… vielleicht, wenn es südgehend mehr Nächte mit Wolken gibt. So begnüge ich mich vor dem Frühstück mit einem Foto der Vesterålen, statt noch einmal in die Stadt zu gehen.
In den letzten Jahren endete unsere Tour immer in Trondheim, sodass wir mit etwas Glück mittags schon im Flieger saßen. So geht es bei bestem Wetter durch den Trondheimfjord, die Sonne genießen.
Endlich Sonne!
Ja, tatsächlich: Wir sehen die Sonne wieder deutlich über dem Horizont. Viel mehr gibt es über diesen Tag auch nicht zu berichten: Ich bereite meine Abschlusspräsentation vor, zwischendurch gibt es Mittagessen und um 15 unsere Abschiedsveranstaltung mit Reiserückblick, Norwegeninfos und Infos zum Rückflug.
Anschließend noch ein paar Bilder tauschen (muss ja nicht alles per Download gehen), während wir durch Kristiansund fahren, mit dem Packen anfangen, und zwischendrin das Abendessen. Es gibt Schweinshaxn – war gut, aber nicht gerade das, was ich mit Norwegen verbinde. Eher mit den Alpen…
Das Abendprogramm: Im Panoramasalon Bilder anbieten und die Reise gemütlich ausklingen lassen. Hier unten ist aktuell kein Nordlicht mehr zu erwarten. Mal sehen, wie viele noch kommen. Für die Statistik: Ich habe bislang 11656 Fotos, was 317 Gigabyte entspricht. Timelapse im RAW-Format braucht Platz…
Vikingen mit Polarkreis-Kugel, und links die Venus
Irgendwie geht die Reise südwärts immer schneller als die in den Norden – haben wir wirklich an diesem Morgen den Polarkreis überquert und die Polarnacht verlassen? Bei bestem Wetter und klarem Himmel wirkt natürlich alles gleich heller, und der leichte Schnee auf den Bergen hilft dabei noch mehr. Kein Wunder, dass das in der Heimat Neid erweckt, wenn ich fleißig Bilder twittere:-)
Alle wollen die Kugel!
Etwa um 9:24 ist es voll auf dem Sonnendeck der Nordkapp, alle wollen einen Blick auf die Kugel auf der Insel Vikingen erhaschen. Jetzt, in der langen blauen Stunde, werden die Fotos auch etwas – nordgehend war das doch etwas anspruchsvoller. Die anschließende Zeremonie arktischer Tradition schenke ich mir (auch wenn der fischförmige Lebertranlöffel nun durch einen normaleren ersetzt wurde – ich habe weder den alten noch will ich mir den neuen verdienen) und verbringe noch ein paar Minuten mit meinem Laptop, bevor ich mir um 10:15 den Vortrag vom Schiff über nordische Mythologie anhöre. Unsere Expeditionsleiterin hat sich in Schale geworfen und gibt einen kurzen Überblick über den altnordischen Götterhimmel, bevor sie erzählt, wie Freyas Schmuck Brisingamen gestohlen und wiedergefunden wurde, und wie Thor seinen Hammer von Thrym wiederbekam. Thrym wurde am überzeugendsten dargestellt, war eine nette Erzählung.
Nesna
Anschließend noch ein paar Gespräche, ein Blick auf Nesna und ein kurzes Mittagessen, bevor wir in Sandnessjøen anlegen. Am Kai gab es die Chance, handgemachte, echt norwegische Trolle zu kaufen statt der allgegenwärtigen chinesischen Massenware. Danach zog der Gebirgszug der Sieben Schwestern die Blicke auf sich. Wer wollte, konnte auf Deck 7 den Point of Interest anhören, aber auch vorne am Bug versammelten sich einige und fotografierten die Bergkette in Ruhe. Kurz nach Sonnenuntergang um 13:34 war auch die Sonne erstmals wieder zu erspähen (die Lichtbrechung in der Erdatmosphäre machts möglich) und nicht nur indirekt durch die beleuchteten Berggipfel und Wolken. Nett. Die Mørketid ist vorbei.
Wunderbares Licht
Sandnessjøen
Trolle
Trolle!
Die sieben Schwestern, und da ist doch die Sonne, oder?
Danach rief die Pflicht: Reiseleiter- und Lektorenmeeting, um den Abschluss der Reise vorzubereiten. Schließlich sollen ja auch alle heil nach Hause kommen und es nicht auf eigene Faust probieren. Das hatten wir auch schon oft genug – aber wer die Gruppenreise bucht, muss sich kein Taxi zum Flughafen nehmen!
Kurs Brønnøysund, mit Mond und Torghatten
Anschließend blieb genug Zeit, um das Anlaufen von Brønnøysund noch ein wenig zu genießen. Es kommt mir heller vor als noch im November, aber das liegt wohl nur an den fehlenden Wolken. Etwa eine Stunde haben wir in der Stadt in der Mitte von Norwegen, da wir etwas verspätet aus Sandnessjøen aufgebrochen sind. Aber das langt für einen kurzen Gang durch das Einkaufszentrum, ein paar Fotos und ein Eis. Diesmal halte ich mich zurück und kaufe nichts, noch nicht einmal in der Buchhandlung. Langsam habe ich genug norwegische Bücher, die ich noch nicht lesen kann… Interessant finde ich nur, dass Game of Thrones unter Kinder- und Jugendbücher einsortiert ist…
Brønnøysund
Brønnøysund
Norwegens Mitte
Farewell
Letztes Licht
Um 17 Uhr ruft das Schiff, nicht nur weil es pünktlich ablegt: Zur Abfahrt gibt es ein Glas Prosecco, um im Panoramasalon auf 125 Jahre Hurtigruten anzustoßen – die diesjährige Alternative zum Captain’s Dinner. Eine Dreiviertelstunde später folgt dann das Fünf-Gänge-Menü, das nach dem Hauptgericht jäh durch die Durchsage “Nordlicht” unterbrochen wird. Aber nach den letzten Tagen bleiben die meisten cool, während Hans und ich uns die Sache mal näher ansehen: Das Nordlichtoval ist als deutlicher, grauer Bogen zu sehen, aber für uns und unsere Gruppe mittlerweile nichts spektakuläres. Man hat ja mittlerweile Ansprüche, also geben wir den Gästen Entwarnung und sind zum ersten Nachtisch wieder im Restaurant.
Nach dem Abendessen ist der Bogen wieder abgeflaut, und in Rørvik erwartet uns dichter Nebel. Wir sind pünktlich im Hafen, aber die nordgehende Richard With hat Verspätung. Erst gegen 21 Uhr taucht sie aus dem Nebel auf – für einen kurzen Besuch an Bord langt es, aber die Schiffsbesuche lohnen sich kaum noch: Sie sieht fast genau so wie unsere Nordkapp aus. Schade – früher hatte jedes Schiff seinen eigenen Stil.
Die Richard With im Nebel.
Ebenso traurig: Das war wohl eine der letzten Reisen meiner kleinen Reisekamera, der Panasonic Lumix LX100. Das Objektiv fährt nur noch widerwillig aus. Schade – mit Blende 1,7 war sie die ideale handliche Reise- und Nordlichtkamera, auch wenn der manuelle Fokus nicht immer ganz einfach war. Mal sehen, was der Markt so her gibt. Immerhin zeigt meine Nikon trotz aller Zeitraffer noch keine Verschleißerscheinungen bis auf ein wenig Rost durch das Seewasser. Mehr zu meiner Ausrüstung gibt’s übrigens hier.
Der Rest vom Abend nach dem Ablegen von Rørvik ist schnell erzählt: Er wurde wegen Nebel, Wolken und Sternen ohne Nordlicht in der Bar im Panoramasalon verbracht.
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