Tag 4: Polarkreisüberquerung, Bodø und Lofoten

Viking-Insel und Hestmannen

Viking-Insel und Hestmannen

Jeden Tag neues Wetter: Nach dem eher trüben Wetter gestern begrüßt uns heller Sonnenschein, als wir gegen halb acht den Polarkreis überqueren. Kurz nach sieben bin ich dann auch schon an Deck – Nordgehend kenne ich die Vikinginsel mit dem Polarkreismonument eher nur als Schemen, von dem trotz der künstlichen Beleuchtung viele unscharfe Bilder entstehen. Wenn die Sonne scheint, ist das ganze schon viel fotogener, und auch der versteinerte Troll Hestmannen im Hintergrund ist gut zu sehen – er jagte mit seinem Pferd und wehenden Mantel der schönen Lekemøya hinterher und vergaß darüber den drohenden Sonnenaufgang, sodass er versteinerte und heute noch am Polarkreis zu sehen ist.

Ruhiges Wasser vor Ørnes

Ruhiges Wasser vor Ørnes

Bei wunderschönem und recht warmem Wetter geht die Reise weiter nach Ørnes, das wunderschön am Ende eines kleinen Fjords liegt. Die Berge spiegeln sich im Wasser, und die Sonnenbrille macht sich bezahlt. Nach Ørnes bekommen wir dann Besuch von Neptun: Der Gewinner des Polarkreiswettbewerbs wird verkündet und darf auch gleich als erster getauft werden. Anschließend stellen sich wieder viele der Ice-Bucket-Challenge und werden mit einem Gläschen Schnaps oder Aquavit belohnt. Um das Gedränge schön zu fotografieren brauche ich irgendwann mal eine kleine Kameradrohne…

Bis zur Ankunft in Bodø bleibt noch etwas Zeit für das Mittagessen. Mittlerweile bin ich zum siebten Mal in Bodø, und allmählich erkenne ich auch den Reiz dieser Stadt, oder zumindest die interessanten Orte. Vor 140 Jahren bestand die Stadt noch aus einer Handvoll Häusern, und 1940 wurde es von der deutschen Luftwaffe weitestgehend in Schutt und Asche gelegt. Seitdem hat sich viel getan. Kari hat mir den Tipp gegeben, einmal in das Nordlandmuseum direkt hinter der Kirche zu gehen. Das gelbe Haus hat den Krieg wohl überlebt und bietet neben einem Überblick über die Stadtgeschichte auch einen kleinen Wikingerschatz aus Silber, darunter eine 1,2 kg schwere Gewandfibel. Noch beeindruckender ist ein samischer Gammen, eine also eine der kleinen Hütten, die die Samen benutzten – die letzte wurde erst 1950 errichtet. Unglaublich.

Am Hafen fällt mir zum ersten Mal die Gedenksäule für den Untergang der Prinsesse Ragnhild auf, die während des Kriegs bei Bodø unterging. Der Aufbruch in die Stadt verzögert sich etwas: Es macht zu viel Spaß, den Vorbereitungen für die Bootssafari zuzusehen, die mit Speedbooten Richtung Saltstraumen fahren werden. Das Nordlandmuseum ist direkt hinter die Kirche, beide haben geöffnet und sind einen Besuch wert. Zwischen einer halben und einer Stunde kann man für das Museum einplanen, wobei auch ein 25 Minuten langer Film mit englischen Untertiteln gezeigt wird. Anschließend blieb noch genug Zeit für einen Abstecher zur Gamle Salten am Scandic-Hotel, dem Denkmal für den Brand auf der Erling Jarl und einen Blick in das Lachs-Center, bevor wir auch schon wieder auf das Schiff müssen.

Erster Blick auf die Lofotenwand, noch 50 km entfernt.

Erster Blick auf die Lofotenwand, noch 50 km entfernt.

Etwas später zeigt das Schiff den Nordlichtfilm, daher haben wir heute keinen Vortrag und können zusehen, wie die über 100 km lange Lofotenwand langsam Horizont auftaucht und immer größer wird. Es ist windig, aber ein traumhaftes Wetter – hoffentlich hält es bis zur Nacht.

Stamsund erreichen wir pünktlich zum Abendessen, danach nutze ich die Chance, um den zwischen hohen Bergen eingezwängten Ort einmal bei Tag zu sehen. Chic. Hier verlassen uns auch die Teilnehmer des Wikingerfests, während bei uns Nyr von 19 glücklichen Kühen auf dem Teller landet. Lecker.

Wer Wikingerfest und Nordlicht & Sterne plant, für den ist der April-Termin perfekt: Es ist während der ganzen Tour noch hell, und in Svolvær, wo es wieder an Bord geht, herrscht Abenddämmerung. Ich habe mal wieder vergessen, dass dieser Ausflug jetzt schon stattfindet, und erlebe daher die Passage nach Svolvær einmal bei Tag – und Junge, was für ein Abendlicht! Die Bilder können das kaum wiedergeben:

Das einzige, was ich nicht sehe, ist die Vesterålen, der wir eigentlich kurz vor Svolvær begegnen sollten. Auf See habe ich sie nicht gesehen, gehupt wurde auch nicht, und Marinetraffic behauptet steif und fest, sie wäre in Svolvær im Hafen. Aber zu sehen ist sie da auch nicht.

Die Hafeneinfahrt von Svolvær.

Die Hafeneinfahrt von Svolvær.

Dafür sehe ich Svolvær einmal bei Tag – die “Hauptstadt des Licht” in der blauen Stunde. Nett. Am Hafeneingang sehe ich jetzt auch die Statue der Fischerfrauen, die Dafinn Bakke geschaffen hat und im Januar eher zu erahnen war. Eine knappe Stunde bietet genug Zeit für einen kurzen Marsch zum Scandic-Hotel mit den alten Rørbua-Häuschen und zur Galerie von Dagfinn Bakke, die allerdings geschlossen hat.

Als wir Svolvær um 22 Uhr verlassen, ist es immer noch ziemlich hell. Der Wetterbericht ist allerdings pessimistisch, und viel Polarlichtaktivität wird auch nicht vorhergesagt. Wir hatten schon deutlich mehr, aber auch sehr viel weniger. Über der Stadt hängt eine Wolkendecke mit etwas klarer Sicht am Horizont. Vielleicht klappt es ja nach dem Trollfjord, wenn es dunkler ist und wir weiter im Norden sind.

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Den Trollfjord erreichen wir mit etwas Verspätung, dafür gibt es pünktlich Trollfjordkarsk in der exquisiten Tasse (im Preis inbegriffen) und heiße Fiskekake (gratis). Für etwas Irritierung sorgt, dass der Fiskekake im Tagesprogramm als Fischsuppe angekündigt wird, aber das wird hier nicht so eng gesehen.

Gegen halb zwölf erreichen wir dann den Trollfjord, den der Captain wieder mit den Schiffsscheinwerfern beleuchtet. Vom Deck aus sind derweil die ersten Sterne zu erkennen, und wenig später auch der erste Grünschimmer – zumindest wenn man sich in den dunkleren Bereich am Heck hinter dem Schornstein zurückzieht. Also auf, die Kameras holen; das Schiff macht schon eine Durchsage, bevor ich Bescheid geben kann. Diesmal ist wohl auch der Captain von der Nordlicht-Sichtung überzeugt:-)

Ich stelle wieder mal fest, dass mir die Nordkapp lieber ist – an der breiteren Reling der Trollfjord habe ich Probleme, meine Kamera zu befestigen. Hinten am Heck geht es zu Glück, und ab Mitternacht arbeitet sie durch. Obwohl der Himmel selbst um Mitternacht noch recht hell ist (wobei Sommerzeit und Längengrad auch mit reinspielen), kann sich das Nordlicht durchsetzen und zeigt sogar etwas Farbe – oft nur ein geisterhaftes Grün, aber immer wieder auch etwas deutlicher. Nach einer Stunde, kurz vor Stokmarknes, sind auch noch einige kräftigere Bögen am Nordhorizont zu sehen, die ich mit der “Heckkamera” aber nicht erwische. Aber wofür hat man eine Zweitkamera, und einen Kollegen, der ebenfalls eine Kamera hat. Um ein Uhr ist es auch schon weitestgehend dunkel, nur im Norden ist noch Dämmerung – langsam kommt die Mitternachtssonne.

Der Raftsund ist wieder eine grandiose Kulisse, und auch Stokmarknes ist schön. Das Polarlicht ist sehr ruhig und tanzt nicht, dafür gibt es einige schöne Bänder und Vorhänge, die sich langsam verändern. Dafür, dass kaum Aktivität vorhergesagt war, ist das gar nicht schlecht. Tromsø hatte immerhin einen Kp-Index von vier erreicht, und so hätte ich die zweite Hälfte der Show auch eingeschätzt. Nach Stokmarknes begnügen wir uns mit einem kurzen Blick nach draußen: Mehr Aktivität ist nicht zu erwarten, dafür frischt der Wind auf – immerhin haben meine Vallerret Handschuhe (aus Norwegen, via Kickstarter) sich bewährt. Kurz vor 2 Uhr ist auch keine schlechte Zeit, um die Bilder durch den Computer zu jagen und Feierabend zu machen. Am nächsten Morgen war mein kleiner Zeitraffer dann auch fertig:

Tag 3: Trondheim im Regen

Trollfjord in Trondheim (ohne Midnatsol)

Trollfjord in Trondheim (ohne Midnatsol)

Nach dem perfekten Wetter gestern Nachmittag zeigt sich Trondheim heute weniger gastfreundlich: Ein grauer, wolkenverhangener Himmel hängt morgens um halb acht über der Stadt. Und nicht nur die Sonne fehlt, sondern auch die Midnatsol, der wir hier eigentlich begegnen sollten. Der gesamte Fahrplan hat sich wohl um einen Tag verschoben, daher liegt die Trollfjord einsam am Kai. Grund, genug, nach dem Frühstück ebenfalls das Schiff zu verlassen und in die Stadt zu gehen.

Die ersten Regentropfen verheißen wenig gutes, aber zum Glück kommt kein starker Regen, sondern nur kleinere Schauer. Der Weg den Kai entlang lohnt sich, zahlreiche alte Schiffe haben hier angelegt – ein hübscher Anblick. Ich mache den Stadtrundgang einmal in der umgekehrten Richtung und biege nach der Brücke über die Gleisanlage Richtung Bakklandet und Nedre Elvehavn ab. Das Elvehavn-Viertel ist sehr chic, viele alte Backsteingebäude haben eine neue Verwendung gefunden und sind schön herausgeputzt.

Ohne Schnee sieht man auch einmal, was die Norweger alles auf die Straße schreiben. Es gibt häufiger die Aufforderung, doch zu Fuß zu gehen, oder Danksagungen dafür. Dabei gelten die Norweger doch eh schon als Frischluftfreunde…

20160405-09h-24m-P1090626Von Elvehavn geht es weiter zu den kleinen Holzhäusern des Bakklandet-Viertels. Wenn man die beiden größeren Straßen (und die Baustellen, die Norweger sind nicht zu unrecht Weltmeister im Renovieren) hinter sich lässt, den Rundweg ignoriert und einmal abbiegt, geht es steil den Berg hoch. Aber auch dieser Anblick lohnt sich, und ich will ja nicht immer die selben Häuser fotografieren.

Kurz vor dem Ende des Viertels (oder dem Anfang, wenn man die Standard-Tour macht) treffe ich dann auch einige von unserer Reisegruppe, die ohne mich den berühmten Fahrradlift wohl auch übersehen hätten. Er macht aber erst im April auf; jetzt (Anfang April) hat er noch zu. Über die Gamle Bro, die markante alte Brücke, geht es weiter zum Nidaros-Dom. Wie oft habe die Brücke schon geknipst? Egal!

Im Torg Einkaufszentrum

Im Torg Einkaufszentrum

In Trondheim gibt es noch einen kleinen Abstecher in das Einkaufszentrum, in das einige alte Häuser einfach integriert wurden. Hier lasse ich kein Geld, dafür lasse ich die Gäste dann wieder in Ruhe: Mein Weg führt mich wieder in die Buchhandlung. Siri Pettersens Ravneringene-Trilogie klingt ganz interessant, aber bis mein Norwegisch gut genug für Romane ist, dauert es wohl noch ein bisschen. Hier widerstehe ich mal; schließlich erwartet mich in Tromsø noch eine Bestellung.

Der Rückweg zum Schiff ist regnerischer, aber das Wetter ist noch erträglich. Nachdem wir abgelegt und Munkholmen passiert haben, muss ich meine Kamera trotzdem erst einmal trockenlegen. Anschließend wird es etwas stressig: Schnell Mittagessen, damit ich kurz nach 13:00 wieder an Deck sein kann, wenn wir die Rissa-Werft passieren. Hier wird gerade die MS Nordkapp auf das neue Arktische Design umgebaut. Da muss ich doch aus der Ferne Händchen halten, hoffentlich kriegt mein Nordkäppchen eine Vollnarkose bei der OP. Bei der Gelegenheit richte ich ihr gleich noch schöne Grüße aus Deutschland aus. (Hurtigrutenfahrer und Lieblingsschiffe sind so eine Geschichte für sich.) Aber wenn ich bedenke, dass ich diese Zeilen auf der Trollfjord schreibe, in der die Kunst des Salons der alten Harald Jarl komplett versetzt wurde, während auf der Nordkapp gerade die Kunstwerke von Karl Erik Harr entfernt werden, was dem Künstler auch nicht gefällt…

Viel Zeit bleibt aber nicht: Um 14:00 steht mein zweiter Vortrag an, und für 14:45 plant das Schiff die Passage des Kjeungskjærfyr Leuchtturms und eine Miesmuschelprobe. Also beschränke ich mich auf eine halbe Stunde, und prompt kommt die Info, dass wir Gas gegeben haben und den Leuchtturm früher erreichen. Also gibt es nur einen kurzen Ausflug in den Sternenhimmel und seine Sagenwelt, der ich mich im letzten Vortrag ohnehin mehr widmen werde. Vom Leuchtturm bekomme ich nichts mit: Am Ende gibt es noch eine kleine Fragerunde, bei der wir uns festquatschen.

Das Wetter bleibt trüb und regnerisch, trotzdem ist die Passage des Stokksunds eindrucksvoll. Sehr schön ist auch, wie viel Abstand einige Passagiere von den Pfützen an Deck halten. Falsches Schuhwerk, sag ich da nur. Trotzdem ist danach wieder Kameratrocknen angesagt, und bis zum Abendessen gibt es noch einige schöne Gespräche.

Zum Abendessen gibt es Ente – hoffentlich endet damit nicht auch der “Ententeich”, über den wir bislang gefahren waren. Im November gab es Ente und anschließend Sturm… Die Folda, die wir während des Essens überqueren, ist ebenfalls sehr ruhig.

Die Finnmarken in Rørvik

Die Finnmarken in Rørvik

Rørvik erreichen wir eine Viertelstunde früher als geplant, und hier liegt die Finnmarken vor uns. Die eingesparte Zeit wird beim Anlegemanöver aber locker wieder reingeholt, beide Schiffe brauchen mehrere Anläufe, bis alle Taue passen und wir von Bord können. So bleibt doch nur eine knappe halbe Stunde für den Besuch des anderen Schiffs, auf dem ich im Januar unterwegs war. Heinz ist wieder Reiseleiter, für ein paar nette Worte bleibt Zeit. Aber er will auch die Kollegen auf unserem Schiff besuchen, also bleibt es beim Hallo sagen. Also auf zu einem kleinen Rundlauf durch die Finnmarken. Im Vergleich mit der Trollfjord wirkt sie mit ihrer Art-Deco-Ausstattung deutlich maritimer, aber auch düster. Im Oktober sehe ich sie wieder.

Die Trollfjord in Rørvik

Die Trollfjord in Rørvik

Noch ein letztes Bild der Trollfjord schießen, und dann geht es auch wieder zurück – wir müssen weiter. Der Himmel bleibt bedeckt, sodass der Tag ruhig ausklingt und es die Möglichkeit gibt, noch einmal früh ins Bett zu kommen – schließlich steht morgen schon die Polarkreisüberquerung an, irgendwann nach 7 Uhr.

Tag 2: Ålesund und First Light

Die erste Nacht auf See, und das nur wenige Meter von meiner alten Kabine entfernt – und noch etwas ist gleich wie auf der letzten Fahrt: Das Westkap und die Stadhavet sind sehr ruhig, die erste Strecke über das offene Meer ist wieder mal ein Ententeich. Damit entfällt natürlich die morgendliche Unterhaltung, wenn alle rund um das Frühstücksbuffett schwanken:-) Stattdessen können es alle in Ruhe genießen und die erste Begegnung mit Brunøst machen, dem berühmten braunen Käse (den ich auf keinen Fall als Souvenir nach Hause bringen soll, wie mir eindrücklich klar gemacht wurde. Entweder man mag das Zeug, oder man will möglichst Einfuhr und Produktion verbieten).

Ruhige See in der Stad

Ruhige See in der Stad

Der erste richtige Reisetag ist immer erst einmal ein Information Overkill: Jeder wird mit allen wichtigen Informationen zugeschüttet in der Hoffnung, das etwas hängen bleibt. Da machen wir natürlich auch mit: Um 10:00 Uhr ist die Begrüßungsveranstaltung für unsere Gruppe. Diesmal gibt es einen kleinen Sektempfang, nachdem wir – die Reiseleiter Kari und Thomas sowie Hans und ich – uns im Amfi-Theater vorgestellt und die gestrigen Infos vom Schiffs-Tourguide ergänzt haben. Damit fällt der Hafen in Torvik zwar flach, aber das lässt sich kaum vermeiden. Generell versuchen wir, unsere Veranstaltungen so zu legen, dass man möglichst nichts wichtiges verpasst. Und wir haben ja noch rund 30 Häfen vor uns, da darf ein Gläschen Sekt schon sein.

Die neue alte Anlegestelle in Ålesund

Die neue alte Anlegestelle in Ålesund

Dann geht’s hurtig weiter mit dem Mittagessen, schließlich legen wir schon um 12:00 in Ålesund an. Das ist neu, das ist anders: Wir legen auf der anderen Seite der Stadt an, nicht mehr am Cruisekay. Hier hatten die Hurtigrutenschiffe vor einigen Jahren angelegt, bevor ein Prachtbau neu entstand. Im Augenblick ist die Anlegestelle provisorisch, weil über die Miete gestritten wird. Aber sie liegt nicht wesentlich ungünstiger als die Anlegestelle für die Kreuzfahrtschiffe; der Weg zum Aksla ist ähnlich lang.

So lerne ich auch einmal die andere Seite vom Hafenbecken kennen, aber der Fußweg bis zur alten Anlegestelle ist nicht weit. Dort zieht es mich hin; auf dem Hausberg Aksla war ich diesen Winter schon oft genug. Ich will lieber sehen, wie weit das Projekt Bankskøta 2015 ist, das an dem Kai eines der alten Fischerboote neu baut. Es macht Fortschritte: Der Rumpf wird gerade gestrichen.

Anschließend geht es auf neuen Pfaden weiter um das Hafenbecken, zu den alten Häusern unterhalb der schlossähnlichen Schule. Ein paar Häuser haben hier Stadtbrand und Wiederaufbau überlebt. Am Fischereimuseum vorbei bietet sich noch ein Abstecher zu dem kleinen Leuchtturm an, bevor es auch schon wieder langsam Zeit für den Rückweg ist.

Während wir dann nordwärts fahren, wird das Wetter zusehends besser: Klarer, blauer Himmel und zweistellige Temperaturen. Plus, versteht sich, nicht Minus. Am Bug bin ich alleine, aber das Sonnendeck wird gut genutzt. Recht so, schließlich stellt man sich so Norwegen vor: Einfach traumhaft. Die Präsentation der Ausflüge durch das Schiff schenke ich mir da natürlich.

Richtig ungewohnt ist es, bei deutlichen Plusgraden und Sonnenschein auf Molde zuzusteuern. Die Stadt kenne ich nur bei Dunkelheit; jetzt sticht das Scandic-Hotel richtig heraus. Das bedeutet natürlich auch, dass das Abendessen bei Tag stattfindet. Gar nicht so schlecht: So kann es schon einmal nicht wegen Polarlicht ausfallen. Trotzdem gibt es eine Nordlys-Durchsage: Wir begegnen der MS Nordlys. Verwirrung macht sich breit, da wir ihr eigentlich morgen Abend in Rørvik begegnen sollten, für heute stand die Gamle Dame MS Lofoten auf dem Programm. Letztes Mal hatte ich für die ja sogar die verhüllten Bauerntöchter stehen lassen, die wir zum Nachtisch vernaschen durften. (Wenn man die Speisekarte nicht kennt, klingt das vielleicht etwas seltsam…) Aber diesmal ist es eindeutig die Nordlys; sowohl Marinetraffic als auch der Blick aus dem Fenster sind sich einig. Die Lofoten liegt schon in Bergen…

20160404-DSC_8545Zum Sonnenuntergang findet dann der erste Vortrag statt: Hans und ich berichten von Atmosphärischen Phänomen und Polarlichtern, anschließend gebe ich Fototipps und empfehle die letzten Fotoläden auf der Route, morgen in Trondheim und später in Bodø. Wir überziehen etwas, aber die Fototipps sind Bonusprogramm, das nicht jeder mit anhören muss. Während des Vortrags überqueren wir die Hustadvika, aber das Wetter ist uns gnädig – es schaukelt kaum.

Der Abend sieht ruhig aus: Es ist zwar klar und windig, aber noch kein Polarlicht zu sehen. Gegen 23:00, nachdem wir Kristiansund hinter uns gelassen haben, ist da ein ominöser Grauschimmer am Himmel…

First Light!

First Light!

Die Kamera gibt mir grünes Licht, also ab zur Rezension und Alarm geben. Ein kurzes Telefonat von der Rezeption zur Brücke – der Kapitän meint, dass das Stadtlicht wäre. Ich deute auf meine Kamera, und als “Group Leader Astronomy Tour” kann ich doch zu einer Durchsage überreden. Vi har lite lys, wir haben immerhin etwas Licht: Gut eine Stunde lang beobachten wir den Schimmer am Horizont, nur die große Show gibt es noch nicht. Trotzdem schon mal schön. Um halb eins packen dann auch Hans und ich zusammen, die Bilder durchsehen und etwas Schlaf für morgen sammeln, wenn Trondheim auf dem Plan steht.

 

Tag 1: Bergen

Böse Zungen könnten behaupten, dass es langsam zur Gewohnheit wird: Wir haben den 3. April, und ich fliege schon wieder nach Norwegen. Dabei war ich noch nie im April in Norwegen… Die April-Tour ist daher auch für mich spannend: Wie sieht Norwegen im Frühjahr aus, und langen die kurzen Nächte, damit das Polarlicht sich durchsetzen kann?

Die Terminal-Bahn in FFM

Die Terminal-Bahn in FFM

Eine Änderung zu den letzten Reisen gibt es jedenfalls schon mal: Ich fliege mit KLM via Frankfurt mit Abflug um 11:45 – eine sehr astronomenfreundliche Zeit. Pro-Tipp: KLM fliegt über Amsterdam und somit als Inner-EU-Flug von Terminal 2 statt Terminal 1. Der Weg vom üblichen Parkplatz ist also noch etwas länger als üblich und beinhaltet eine kostenlose Fahrt mit der Shuttle-Bahn. Dafür gibt es im Terminal 2 nicht viele Möglichkeiten, um die Zeit totzuschlagen, nachdem mal einmal durch die Security durch ist.

KLM betreibt die Strecke mit City-Hoppern, also eher kleinen Maschinen. Die haben aber auch ihren Reiz (wenn auch nicht ganz so reizvoll wie die Propellermaschinchen von Widerøe), und wenn man sein Handgepäck ausreichend optimiert hat, passt es sogar in das Gepäckfach.

Lecker Essen bei KLM

Lecker Essen bei KLM

Anders als SAS ist hier nicht nur Coffee & Tea always free, sondern es gibt sogar eine Kleinigkeit zu essen und eine reichhaltigere Getränkeauswahl. Da der Flughafen Schiphol einen schon ganz gut auf die norwegischen Preise vorbereitet, ist das gar nicht mal so unpraktisch… Da das Lunchpaket einen Falafel und Wasser aus der Türkei umfasst, sind wohl gerade türkische Wochen. Auch nicht schlecht. Jedenfalls lande ich kurz vor 17 Uhr recht entspannt in Bergen, wo Kari die letzten Teilnehmer unserer Gruppe in Empfang nimmt. Bergen begrüßt uns zwar wie gewohnt mit Regen, aber dafür auch mit Temperaturen um die 10° und Tageslicht. Sehr ungewohnt, auf der kleinen Stadtrundfahrt einmal richtig was von der Stadt zu sehen…

Mit dem Bus geht es königlichen Schloss vorbei auf die gewohnte Tour durch Bryggen. Aber jede Tour ist anders: Den Abstecher durch Paradis nehmen wir diesmal nicht, dafür geht es am Aquarium vorbei in den Teil des Hafens, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Neu für mich: Es gibt auch in Bergen ein Hexendenkmal, mit dem an die Hexenverbrennungen erinnert wird. Das ist also keine Spezialität von Vardø, auch wenn es in Bergen nur eine einfache Stele gibt.

Anschließend geht es auf die Trollfjord, den Rest vom Team kennen lernen und den Vortragsraum sichern. Auf den Schiffen ist auch immer mehr Programm… Und nicht zu vergessen: Abendessen! Es gibt am Bergen-Buffett wieder Lachsröllchen, lecker. Anschließend stellt Tone – die ich schon von der Nordkapp kenne und die jetzt auf der Trollfjord Tourguide ist – die Crew vor, bevor der gemütliche Teil des Abends beginnt. Immerhin zwei von der Crew kennen mich noch, und mit den Gästen gibt es auch schon die ersten netten Gespräche – könnte eine angenehme Tour werden.

Abfahrt

Abfahrt

Gegen 22:30 verlassen wir Bergen, und die Wetterprognose für die nächsten Tage sieht gar nicht schlecht aus. Polarlicht wurde gestern ja schon bis hinab nach Deutschland gesichtet; da besteht die Hoffnung, dass es noch ein wenig mehr zu sehen gibt, sobald wir aus den Wolken raus sind. Für die Fahrt über die Stad morgen früh ist auch wieder ein Ententeich angesagt – bis jetzt ist alles sehr vielversprechend.

Noch eine Woche bis Norwegen im Frühling

Wie die Zeit vergeht – ich war seit Februar nicht mehr in Norwegen, mittlerweile ist Ostern und am Sonntag geht es schon wieder auf die nächste Nordlicht-und Sterne-Tour. Irgendwie stecke ich zwar mehr in den Vorbereitungen für einen Island-Trip Ende Mai und der Planung für die Sonnenfinsternis nächstes Jahr, aber die Post lügt nicht: Die Reiseunterlagen für die nächste Tour sind da.

Nordlicht & Sterne – GRP105

Nordlicht & Sterne – GRP105

Am Sonntag geht es also wieder zum Frankfurter Flughafen und dann mit KLM über Amsterdam nach Bergen. Diesmal sammel ich also keine Meilen bei SAS, dafür muss ich mein Gepäck aber auch nicht in Oslo durch den Zoll tragen. Das steht dann im Oktober wieder an. Ich bin gespannt, wie diese Reise wird: Tromsø hat ähnliche Temperaturen wie Heilbronn, die Tage werden deutlich länger (Frühlingsanfang bzw. Tagunsnachtgleiche liegen hinter uns) und das Wetter war in den letzten Wochen mäßig, auch in Norwegen. Aber das muss ja nichts heißen. Interessant ist jedenfalls, Norwegen einmal zu Beginn des Frühlings zu sehen. Mal sehen, wo noch Schnee liegt (oder doch mal bei den Webcams von Kystnor.no vorbeischauen?) und wie viele Chancen es für Polarlicht gibt. Durch die späte Dämmerung kann ich jedenfalls mal in Tromsø an Bord Abendessen – Sonnenuntergang ist gegen 19:45, da brauche ich noch keine Polarlichtwache an Deck zu halten.

Da die Tour wieder auf die Trollfjord geht, kann ich auch gleich testen, ob meine letzten Erweiterungen vom Kameraequipment ihren Zweck erfüllen und mit etwas Glück auch, ob die Kamerahandschuhe rechtzeitig aus Norwegen ankommen – im Augenblick sind sie (hoffentlich) in der Post. Die Buchbestellung an meine Buchhandlung in Tromsø ist auch schon raus, also sollte alles klappen.

Foto-Wettbewerb beim Clear Sky-Blog

Es ist mal wieder soweit: Der Stefan Gotthold macht auf seinem Clear Sky-Blog einen kleinen Fotowettbewerb. Zu gewinnen gibt es nichts, damit ist das ganze eine sehr entspannte Aktion. So ganz ohne Erfolgsdruck und nur aus Spaß an der Freude mache ich da auch gerne mit, mit einem meiner letzten Reise-Bildchen:

Mond, Plejaden und Polarlicht über Wolken

Mond, Plejaden und Polarlicht über Wolken

Als ich mein Bild so ziemlich auf den letzte Drücker eingereicht hatte, waren es noch recht wenige Fotos, und noch weniger mit grünem Himmel, mittlerweile hat er 41 Foto gesammelt, die nun unter http://www.clearskyblog.de/2016/03/05/41-astrobilder-koennen-nun-bewertet-werden-hobby-astronomie-fotowettbewerb-2016/ bewertet werden können.

Da der Wettbewerb unter keine Motto steht, ist eine schön bunte Mischung an Bildern auf seiner Seite zusammengekommen. Ich bin ganz froh, dass ich mich da für keinen Favoriten entscheiden muss – vom einfachen Schnappschuss wie meinem Bildchen bis zu Deep-Sky-Aufnahmen mit mehreren Stunden Belichtungszeit ist alles vertreten. Bis Ende vom Monat kann abgestimmt werden – zum Glück muss man sich nicht auf einen Favoriten festlegen, sondern kann jedes Bild bewerten.

Viel Spaß!

Eine digitale Sonnenuhr

Da denkt man, man hat alles schon mal gesehen, und dann kommt so was: Eine digitale Sonnenuhr, die die Uhrzeit projiziert. Cool.

In Funktion sieht man sie ab Minute 13:05.

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Hier geht’s zu seiner Webseite: http://www.mojoptix.com/fr/

Sieben Minuten Nordlicht-Video

Lately it occurs to me
what a long, strange trip it’s been…

Endlich ist es soweit: Ich habe alles von der Februar-Tour von Nordlicht & Sterne aufbereitet. Bis zum letzten Tag hatte ich ja noch gedacht, es wäre nur eine angenehme Reise mit gutem, aber nicht überwältigendem Nordlicht – schönes Wetter, nette Leute, gutes Schiff, ruhiges Wetter. Und dann, am letzten Abend, hat die Aurora sich noch einmal für uns ins Zeug gelegt, sodass es wieder eine tolle Reise war. Sie hat auch genau zum richtigen Zeitpunkt geendet: Auf dem letzten Stück nach Bergen hatte die Trollfjord mit Wind bis zu 30 m/s zu kämpfen, also über 100 km/h. Wir hatten auf der Reise ja praktisch einen Ententeich; vielleicht hängt es damit zusammen, dass es am letzten Abend auch Ente gab… Jedenfalls hat Trondheim als Endpunkt gut gepasst.

Mittlerweile habe ich auch die Bilder von Marcus (die gibt’s nur für die Reiseteilnehmer, also werft mal eine Blick auf die Seite zur Reise), und außerdem sowohl seine Zeitrafferfilme als auch die von Uwe Scheibler, der das Hurtigforum an Bord vertreten hat. Das Ergebnis kann sich sehen lassen:

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Auch die nur durchschnittlichen Polarlichter vom Beginn der Reise (wobei: Man bedenke, wo wir sie gesehen haben!) waren nicht nur im Film beeindruckend, und da mit Marcus und mir zwei Fotobegeisterte an Bord waren, haben wir sie gleich doppelt festgehalten. Uwes Kamera ist natürlich auch beeindruckend, aber in Echtzeit hätte ich noch mehr Viseomaterial als so schon… Meine Lehre für die nächste Reise: Ich muss meine Kamerahalterung noch besser an die Reling der Trollfjord anpassen. Ich habe da schon eine Idee, Anfang April kann ich dann testen, ob mein Plan aufgeht:-)

In diesem Sinne: Licht aus, und genießt den Film!

Tag 11: Von Trondheim nach Hause

Die Vesterålen

Die Vesterålen

Alles hat ein Ende – und nach dem Feuerwerk gestern Abend ist diese Reise rundum gelungen. Ich hatte schon befürchtet, auf dieser Fahrt nur normales Polarlicht zu sehen, aber jetzt sind auch wir beiden Lektoren zufrieden. Die Trollfjord hat irgendwann gegen 6 Uhr in Trondheim angelegt, und jetzt zeigt sich auch, wer Reiseprofi ist und wer nicht: Die ersten drängen schon früh vom Schiff oder sammeln sich an der Rezeption, während andere in aller Ruhe frühstücken und vielleicht noch einen Blick auf die Vesterålen werfen. Das einzige noch im Dienst befindliche 80er-Jahre-Schiff der Hurtigrute liegt direkt hinter uns am Kai, vor einem malerischen Sonnenaufgangshimmel.

Viel bleibt nicht zu sagen: Wer unsere Infoveranstaltung aufmerksam verfolgt hat, findet den richtigen Transferbus zum Flughafen ohne Probleme. Um zehn Uhr fährt ein Bus direkt zum Flughafen; wer einen späteren Flug hat, hat noch eine Dreiviertelstunde Aufenthalt in Trondheim. Statt am Flughafen können wir so etwas Wartezeit in der Nähe des Doms verbringen. Einige kaufen noch eine Eintrittskarte, wir werfen einen Blick in den Hof des Bischofssitzes direkt daneben.

Besonders beeindruckend finde ich den Schneemann mit den Teufelshörnchen im Innenhof, oder was auch immer das darstellen soll… Das Schild “0 km bis zum Nidaros-Dom” hat übrigens auch seine Berechtigung: Es markiert das Ende eines ganzen Netzwerks aus Pilgerwegen, die alle zum Nidaros-Dom führen. Als Olavsweg oder Nidaroswege erinnern sie an den Heiligen König Olav.

Im Augenblick ist High-Life in Trondheim, da die NATO eine Übung mit 19.000 Soldaten hat; auch unsere Busfahrer sind nicht aus Trondheim, sondern wegen diesem Großereignis vor Ort – da wird viel Personal gebraucht. Dennoch finden sie den Weg zu Flughafen, wo wir wieder auf Margit treffen, einen Blick auf den automatischen Check-In werfen und dann noch rund drei Stunden warten, bis endlich auch unser Flieger geht.

Die NATO nebelt den Flughafen ein

Die NATO nebelt den Flughafen ein

Wir blieben noch einige Zeit im nationalen Bereich, da er mehr zu bieten hat als der internationale Bereich, aber irgendwann hat man sowohl den Pizza Hut als auch die Buchhandlung durch. Immerhin sorgt die NATO für etwas Unterhaltung: Auf dem Rollfeld gegenüber steht eine große Transportmaschine, und immer wieder starten Hubschrauber, die dabei den halben Flughafen mit aufgewirbeltem Schnee einnebeln. Kurz nach 15:00 geht dann auch unsere Maschine nach Kopenhagen, und ich verbrate meine Vielfliegerpunkte mit Cola, Apfelsaft und Schokolade zusätzlich zu dem Gratis-Kaffee, den SAS zum Flug serviert. So fliegt es sich fast wie in SAS Plus (der “ersten Klasse”, und ich bin ausnahmsweise nicht völlig ausgetrocknet, als wir in Kopenhagen landen. Also gönne ich mir für den Weiterflug nach Frankfurt den selben Luxus noch einmal.

Das war’s dann auch schon fast: Das Gepäck landete irgendwann auch auf dem Gepäckband, und Abends um 20 Uhr war die Autobahn auch schön frei. Jetzt muss ich nur noch etwas Verwaltungskram erledigen und meine Polarlichtaufnahmen zu einem Film zusammenfassen, und dann war es das vorerst mit Norwegen. Anfang April startet dann meine letzte Reise für diese Saison, wieder auf der Trollfjord – einmal darf ich noch:-)

Tag 10: Sandnessjøen, Brønnøysund und Abschlussfeuerwerk

Der mystische Norden bleibt zurück

Der mystische Norden bleibt zurück

Kaum zu glauben, dass die Reise schon zu Ende geht – wir waren doch gerade erst in Kirkenes? Trotzdem steht heute schon die südgehende Polarkreisüberquerung an. Das Wetter ist jetzt endgültig so, wie man es von Norwegen erwartet: Alle paar Minuten anders. Die Inseln im Norden bleiben im Nebel hinter uns zurück, während die Wiking-Insel mit dem Polarkreis-Monument vor uns auftaucht. Alle Mann sind an Deck versammelt und die Kameras in Position, als wir es passieren.

Wie es im Tagesprogramm so schön heißt, wird das mit einer “kleinen Vorführung arktischer Tradition gefeiert” – mit anderen Worten, auf Deck 9 gibt es Lebertran. Sogar der Berg Hestmannen versteckt seinen Kopf davor im Nebel und mag nicht; ich verzichtete ebenfalls auf diese Kostprobe Norwegens.

Wenig später führt die Reise nach Nesna, wo wir nur einen kurzen Aufenthalt haben. Marcus sortiert noch Bilder für unsere Abschlussveranstaltung am Nachmittag, ich bin mit meinen Reiseberichten zum Glück nicht ganz so ausgelastet – ich pflege mein Blog auf dieser Tour fast in Echtzeit. Dabei hilft auch, dass das Schiff diesmal keine Infoveranstaltung zur Ausschiffung in Trondheim macht – stattdessen gibt es zum dritten Mal auf dieser Fahrt die Präsentation Hurtigruten in Antarctica, Greenland, Spitsbergen and Norway. Es sind noch wohl wenige Plätze frei…

Nesna

Nesna

Daher kann ich in Nesna auch problemlos an Deck gehen. Das Wetter bietet alles: Wolken über Nesna, blauen Himmel hinter uns und schwarzen Himmel an steuerbord, kurz darauf auch noch Schneeschauer – schön, auch wenn es nun schlecht aussieht für die Vorbeifahrt an der Bergkette der sieben Schwestern.

Da wir einmal die Gelegenheit nutzen wollen, um in Sandnessjøen von Bord zu gehen, steht ein frühes Mittagessen an. Eigentlich hat zwar noch keiner Hunger, aber wir sind nur von 12:00 bis 12:30 in dem Örtchen. Bislang war ich da noch nie von Bord gegangen, da der Nachmittag immer ein volles Programm hat. Aber es lohnt sich, der Ort hat zahlreiche Statuen und Sehenswürdigkeiten zu bieten. Immerhin langt die Zeit, um einmal zum Marktplatz zu gehen und über die Parallelstraße wieder retour zum Schiff. Eine Baustelle sorgt noch für etwas Nervenkitzel, da der direkte Weg versperrt ist. Es heißt wirklich hurtig sein auf der Hurtigrute.

Die kleine Spitsbergen als neuester Zugang zur Hurtigrutenflotte soll ja Gerüchten zufolge eine Zeit lang eine abgespeckte Hurtigrute fahren, mit weniger Häfen und dafür mehr Zeit in einigen Orten. Das hat mit der klassischen Postschiffreise zwar nicht mehr viel zu tun, aber ich kann den Sinn dahinter schon verstehen.

Die sieben Schwestern sind schüchtern

Die sieben Schwestern sind schüchtern

Interessant ist auch der Blick von der Rückseite auf die sieben Schwestern. Leider sind sie mal wieder schüchtern, auch als wir sie dann auf der südgehenden Route passieren, verbergen sie sich hinter tiefhängenden Wolken.

Die Zeit zwischen 14:30 und der Ankunft in Brønnøysund nutzen wir für unsere Abschlussveranstaltung: Noch einmal auf die Reise anstoßen, Abschiedsworte sagen und die Tour Revue passieren lassen. Ein Highlight ist der Rückblick in Bildern, den Marcus vorbereitet hat, und mindestens genauso wichtig sind die Infos zur Abreise, die Kai noch speziell für unsere Gruppe gibt – wie wird abgeflogen, wann sind die Kabinen zu räumen (erst kurz vor zehn, wenn unsere Busse fahren – perfekt) und ein paar andere Kleinigkeiten.

Die Trollfjord in Brønnøysund

Die Trollfjord in Brønnøysund

Und dann sind wir auch schon bei bestem Wetter in Brønnøysund. Im Einkaufszentrum gibt es die letzte Chance zum Shoppen, danach führt der Weg unweigerlich zur Eisdiele – die aber gerade kein Eis hat, alle Behälter sind blitzblank. Mist. Erst gab’s seit Bergen kein Eis mehr auf dem Schiff, und jetzt hier auch nicht. Ich bin auf Entzug… Dann schauen wir uns halt noch einmal den Ort an. Die Stadt ist Sitz des Brønnøysundregistrene und entspricht somit etwa Flensburg: Hier werden jede Menge Daten gesammelt, von Einwohnermeldedaten bis zum KFZ-Register. Da passt es, dass ich hier auch den ersten mobilen Blitzer in Norwegen sehe.

Wesentlich hübscher sind die roten Häuschen und die kleine Fähre, die an eine geschrumpfte MS Lofoten erinnert – süß. Dazu die beeindruckende Abendstimmung, es dürfte einen schönen Abend geben.

Bei der Abfahrt aus Brønnøysund gibt es noch ein Treffen auf Deck 9, schließlich fahren wir am Torghatten vorbei, dem berühmten Berg mit Loch. Der einsame Berg auf der Insel Torgar ist eindrucksvoll, aber von dem Loch ist genauso wenig zu sehen wie von der ehemaligen Wikingersiedlung, die im Mittelalter ein überregionales Machtzentrum war. Wir fahren keinen Schlenker, um einen Blick auf das Loch zu werfen, sondern direkt Richtung Rørvik.

Da morgen früh viele Gäste das Schiff verlassen, steht heute auch das Captain’s Dinner an. Norwegen ist generell recht leger, und auch diese Veranstaltung verläuft entspannt: Die Crew wird noch einmal vorgestellt, damit man weiß, wer in den letzten Tagen vor und hinter den Kulissen geackert hat. Diesmal paradiert die Crew nicht einmal durch den Speisesaal, sondern singt ein Ständchen – da unser Tisch ganz am Heck ist, bekommen wir davon nicht viel mit und können uns bald unserem letzten Abendmahl an Bord widmen: Es gibt Ente.

In Rørvik haben wir eine Stunde Aufenthalt, was wieder ausreicht, um im Coop das Leergut der letzten Tage zu entsorgen. Vom nächsten Schiff, das eine Viertelstunde nach uns anlegen sollte (wohl die Polarlys), ist noch nichts zu sehen, daher gehen wir wieder auf die Trollfjord und zeigen noch einmal Flagge in der Bar. Im Augenblick sieht es noch nicht so gut aus mit Wetter und Polarlicht. Ein paar Blicke an Deck bringen ebenfalls nichts, erst gegen halb elf wird sporadisch von leichtem Licht am Horizont gemunkelt. Während die Bar sich langsam leert – morgen ist Ende der Reise, und so mancher muss noch packen oder will ausschlafen – , gehe ich noch einmal an Deck. Da ist wirklich ein wenig kameragrünes Licht, auch wenn das Auge noch keinen Unterschied zwischen Wolken, Meer und Polarlicht erkennt. Bescheid sagen, ja oder nein? Ich hole Marcus an Deck, es sieht schon besser aus, und wir flitzen von Deck 9 zur Rezeption auf Deck 4, wo der Rezeptionist auch gerne die Durchsage macht (bzw. die deutsche Übersetzung der Nordlichtmeldung vorliest).

Auf dem Weg nach oben mache ich noch kurz in der Kabine halt und hole meine große Nikon-DSLR samt der Halterung für die Reling, die kleine Panasonic habe ich eh in der Jackentasche – für das Stativ ist keine Hand frei. An Deck beginnt mittlerweile die große Show, auf die alle gewartet haben. Gerade noch rechtzeitig bekomme ich die Nikon an die Reling; leider hat die Trollfjord ein dickeres Geländer, sodass die Kamera anstößt und nicht nach oben geneigt werden kann. Mit der Pana bin ich flexibler, aber es dauert, bis ich mein Stativ holen kann: Wer seine Kamera noch nicht unten im Koffer verstaut hat, knipst jetzt den verbleibenden Speicher voll, und es gibt immer wieder Problemchen, die ich lösen darf. Mit dem Mond und den Wolken ist es ein beeindruckendes Schauspiel, das ich so auch noch nicht hatte. Und dann tanzt die Aurora auch noch für uns, endlich – das ist das Schauspiel, auf wir alle gewartet haben, der perfekte Abschluss. Jetzt glauben mir endlich alle, dass Polarlicht wirklich grün sein kann, und die Durchsage konnte auch jeder hören, der die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat. Ein wunderschöner Abschluss der Reise!

Nach etwa einer Stunde klingt die Show ab und wird ab Mitternacht durch einen Schneesturm ersetzt. Gut, dass wir die Kabinen morgen nicht schon um acht Uhr räumen müssen: Einige versuchen noch, das Polarlicht zu feiern (leider hat die Bar auf Deck 8 schon zu), und mein Rechner läuft die Nacht über durch, um die Bilder zu verarbeiten. Von der kleinen Zugabe gegen halb zwei bekomme ich nichts mehr mit, aber sie war auch nicht mehr so schön wie die Abschlussveranstaltung um Mitternacht. Ich bin gespannt, wen die Aurora nun alles in ihren Bann gezogen hat!