Hands on: Avalon M-Zero

Zu den Vorteilen daran, etwas tiefer in der Astro-Szene tätig zu sein, gehört die Möglichkeit, auch einmal die Neuheiten zu sehen, bevor sie irgendwann einmal auf Astro-Messen oder Teleskoptreffen auftauchen. So konnte ich schon einmal mit den 10Micron-Montierungen rumspielen (sehr chic, aber neu leider fast in der selben Preisklasse wie mein Auto), und nun hatte ich auch die Chance, einmal mit einer Avalon-M-Zero zu spielen, die schon eher in meine Preisklasse fällt. Zugegeben: Im Augenblick werkelt bei mir eine gebrauchte Vixen GP-DX, die auch viel zu selten zum Einsatz kommt.

Der Lieferumfang der Avalon M-Zero. Zum Größenvergleich: Die ausgedruckte Anleitung links unten hat A4-Format. Alles sehr handlich.

Der Lieferumfang der Avalon M-Zero. Zum Größenvergleich: Die ausgedruckte Anleitung links unten hat A4-Format. Alles sehr handlich.

Die Avalon M-Zero ist Neuentwicklung aus Italien und trotz aller Vorbehalte gegenüber italienischer Technik ein sauberes Stück Arbeit. Mein erster Gedanke war: Oh wie niedlich! In dem Karton, der etwa so groß ist wie eine Celestron CGEM oder eine SkyWatcher EQ6, stecken sowohl die Montierung als auch das Stativ (wobei die Montierung auch mit den normalen Vixen-GP-Stativen kompatibel ist, man muss das Stativ also nicht mitkaufen – das T-Pod 90 als kleinstes der Serie ist 90 cm hoch und samt Tragegriff 4,5kg leicht). Die Montierung selbst wiegt keine 6kg und passt sogar in das Handgepäck im Flugzeug – wenn meine Nordlichtjagd nicht an Bord eines Hurtigrutenschiffs stattfinden würde, hätte es mich glatt gereizt, sie mitzunehmen. Nur müsste dann das Kameraequipment in das normale Gepäck, bei ca. 8kg ziehen die Fluggesellschaften die Grenze für das Handgepäck. Aber eine Astro-Montierung auf einem Schiff wäre eh Blödsinn… Das Stativ ist relativ klein, es gibt aber auch größere Modelle, wenn der visuelle Einsatz geplant ist – das Set hier ist für die Fotografie ausgelegt, da bringt ein hohes Stativ eher Windangriffsfläche. Die Kombination aus Rohr und gebogenem Metall ist schön stabil, leicht und sowohl mit Tragegriff als auch Tasche gut transportabel. Mein Fotostativ braucht bald mehr Platz – und ist zwar höher, aber auch wesentlich weniger stabil. Sehr chic ist, dass die StarGo-Steuerung am Stativ verschraubt ist. In der Montierung sind nur die Motoren (die Avalon-Montierungen wurden lange mit einer SkyWatcher-Steuerung verkauft; die StarGo verfolgt einen neuen, interessanten Ansatz).

Die Avalon im parallaktischen Modus, hier noch mit Polsucher. Der kann dann demontiert werden.

Die Avalon im parallaktischen Modus, hier noch mit Polsucher. Der kann dann demontiert werden.

Aufgrund der Wolkendecke blieb es leider beim Trockentest ohne Teleskop, aber der war schon sehr vielversprechend: Wenn ich an der Montierung wackle, bewege ich zwar alles (Montierung und Stativ), aber in sich wirkt das ganze sehr stabil. Bei dem geringen Eigengewicht ist das aber auch kein Wunder – der Setup ist transportabler als meine altehrwürdige GP-DX mit Berlebach-Holzstativ. Da die Montierung vor allem für die Fotografie ausgelegt ist, stört das niedrige Stativ auch nicht. Wenn eine Kamera dran hängt, ist der Einblick ohnehin egal (bei einer CCD sogar beim Fokussieren, das läuft dann ja über den Laptop), und der Polsucher wird oben auf der Montierung befestigt. Man muss nicht mehr in respektvoller Haltung vor der Montierung in die Knie gehen, um sie einzunorden, sondern hat den Polsucher in einer brauchbaren Höhe. Mit einem Zenitspiegel für Polsucher wird das richtig komfortabel. (Ja, ich geb’s zu: Ich werde auch nicht jünger. Im Stehen Einzunorden wird da immer reizvoller, den Polsucher habe ich schon vor zwei Jahren für die HEQ-5 im Verein besorgt.)

Dass das ganze sauber verarbeitet ist, sollte bei dieser Preisklasse natürlich eine Selbstverständlichkeit sein – da der Konstrukteur selber Amateurastronom ist, ist es das auch. Für knapp 4000 Euro Einführungspreis mit Stativ muss natürlich etwas geboten werden. Für mich ist natürlich meine GP-DX die Messlatte. Den Nachfolger, die GP-D2, gibt es für rund 1300-1400 Euro incl. StarBook-Computersteuerung, aber ohne Stativ.

Die Elektronik-Box der M-Zero ist am Stativ befestigt; der Handcontroller bietet die wichtigsten Funktionen für den Betrieb.

Die Elektronik-Box der M-Zero ist am Stativ befestigt; der Handcontroller bietet die wichtigsten Funktionen für den Betrieb.

Lohnt sich der Aufpreis? Ich muss ganz offen zugeben, dass ich das Spiel in Deklination bei meiner GP-DX nie ganz in den Griff bekommen habe. Ich habe zwar nur die einfache Steuerung, aber das Getriebespiel ist spürbar. Dafür kann ich, wenn das System einmal sauber eingenordet ist, problemlos 5 Minuten bei 500mm belichten. Das Vixen StarBook hat mich dafür nie überzeugt, und letztlich ist die GP-D2 Technik aus den 1990ern.

Die Avalon-Montierungen umgehen das Getriebespiel, indem sie auf Getriebe verzichten: Über Riemen ist die Achse mit dem Motor direkt verbunden, es gibt keine Zahnräder, die erst ineinander greifen müssen. Bei einem Richtungswechsel reagiert das System bei diesem Direktantrieb sofort. Fein – das macht wirklich Spaß. Allerdings garantiert das von Haus aus keine perfekte Nachführung: Das System führt sehr gleichmäßig nach, sodass ein Autoguider leichtes Spiel hat. Auch wenn die Montierung 500mm bei sauberer Einnordung nachführen mag: Auch für so kurze Brennweiten wird ein Autoguider empfohlen. Da ich mit meiner GP-DX sowohl Nächte mit 0% Ausschuss als auch mit 100% Ausschuss hatte, kann ich guten Gewissens sagen: Wer ernsthaft Astrofotografie durch das Teleskop betreiben will, wird so oder so bald einen Autoguider auf seiner Einkaufsliste haben.

Die Montierung selber ist deutlich flexibler als die GP-DX: Sie kann natürlich als normale parallaktische Montierung betrieben werden. Sehr schön ist, dass sie auf den Alignment-Prozess verzichten kann: Wenn Sie grob eingenordet wird oder sogar auf eine feste Säule kommt, muss man sie nur anschalten, und schon wird nachgeführt. Klar: Datum und Uhrzeit einzugeben und ein ein-Stern-Alignment zu machen, wie bei modernen Computersteuerungen üblich, ist jetzt kein Hexenwerk, aber doch irgendwo nervig, wenn man in der Zwischenzeit Sonne, Mond oder Planeten selber einstellen könnte.

Der fotografische Einsatz als kompakte, leichte Reisemontierung stand bei der Entwicklung im Vordergrund. Die M-Zero ist nicht nur unglaublich klein und kompakt, sondern benötigt auch weniger als 1,5A Strom. Wenn ich bedenke, dass andere Montierungen aus China mittlerweile 2,5A benötigen, spricht das doch eindeutig für Made in Europe. Und viel wichtiger: Während die modernen Goto-Steuerungen chinesischer Fertigung wie ein Küchenmixer klingen und die ganze Nachbarschaft aufwecken können, erinnert die M-Zero zwar beim Anfahren an ein altes Arkade-Videospiel, aber sie bleibt sehr leise. Im Nachführbetrieb ist sie unhörbar, und auch bei schneller Schwenkgeschwindigkeit ist sie angenehm leise. So gehört das.

Die Avalon für den azimutalen Betrieb. Auch hier können zwei Teleskope eingesetzt werden.

Die Avalon für den azimutalen Betrieb. Auch hier können zwei Teleskope eingesetzt werden.

Cool ist, dass sie leicht zu einer azimutalen Montierung umgebaut werden kann: Einfach einen Inbus-Bolzen versetzen, und die Montierung steht senkrecht. Während sie parallaktisch ohne weiteres nur nördlich oder südlich von 20° Abstand zum Äquator einsetzbar ist, ist sie so weltweit einsetzbar – zwar nur visuell, aber noch schneller als im parallaktischen Modus. Für den schnellen Blick in die Sterne oder ohne Nachführung als terrestrische Montierung wird sie so zur echten Grab-and-Go-Montierung. Nett. Vor allem ist sie tragfähiger und hat eine Nachführung, was meine Vixen Porta nicht hat – auch wenn die dafür deutlich billiger war. A propos tragfähig: Die Angaben sind konservativ und beziehen sich auf den Einsatz mit einem Teleskop – die M-Zero hat die Option, zwei Teleskope zu befestigen. So dienen sie gegenseitig als Gegengewicht, und ein C8 plus ein Refraktor (für Rich-Field-Beobachtung oder als Leitrohr) sollen sogar fotografisch nutzbar sein (bei parallaktischem Aufbau, versteht sich). Aus rund 8kg Traglast mit einem einzelnen Teleskop sollen so ca. 13 kg mit zwei Teleskopen werden – egal, ob das zweite Teleskop als Leitrohr dient, oder ob ganz klassisch zwei Teleskope parallel z.B. für die Sonnenbeobachtung genutzt werden.

Und letztlich kann sie für Time-Lapse-Aufnahmen eingesetzt werden – langsame Schwenks sind ebenso möglich wie die Steuerung einer DSLR. Als reine Time-Lapse-Plattform ist sie zwar Overkill (da ist der Nano-Tracker sinnvoller und viel billiger, auch wenn er fast mehr Batterien schluckt als die M-Zero), aber es ist doch eine nette Option.

Ein sehr großer Unterschied zu meiner alt-ehrwürdigen GP-DX ist natürlich die Steuerung. Auf den ersten Blick ist der Unterschied marginal: Am Stativ ist die Elektronikbox befestigt, und die Handsteuerbox hat Richtungstasten sowie Tasten für Schwenkgeschwindigkeit, Fokussierer und eine Funktionstaste. Da ist meine alte Vixen-Steuerung spartanischer, aber: Das soll eine moderne GoTo-Steuerung sein?

Im Prinzip ja – die Handsteuerbox genügt für den einfachen Betrieb; dank Rutschkupplung lässt sich auch jedes Objekt leicht einstellen und manuell einfahren. Nachführrichtung und das Umschwenken lassen sich ebenfalls über die Handsteuerbox einstellen – nach einem Meridian-Flip muss also nicht das Teleskop in Dec umgeschwenkt werden, sondern nur die Dec-Achse „umgepolt“ werden.

Und wo ist das GoTo?

Das Goto ist „im Bluetooth“ – leider nur für Android, Windows-PC und (Halleluja!) Mac. So steht einem ein großes Display zur Verfügung, und ein vollwertiges Planetariumsprogramm. iOS-Geräte werden wegen der etwas speziellen Bluetooth-Handhabung unter iOS nicht unterstützt. Das ist für mich natürlich ein Problem: Die tiefergehenden Einstellungen und die Steuerung erfolgen normalerweise sehr bequem über die App für das Smartphone, so müsste ich das MacBook mit auf den Acker nehmen. Auch die Steuerung über SkySafari geht derzeit nur unter Android, sollte aber auch unter iOS funktionieren. Immerhin: sowohl Android-Gerät als auch ein Computer mit MacOS oder Win unterstützen die Software für die Einstellungen, und z.B. über Stellarium lässt sich die Montierung steuern. Unter Windows muss dafür die ASCOM-Plattform installiert sein, die Treiber sind in der Software integriert.

Da ein Smartphone oder Tablet mehr Rechenleistung zu einem günstigeren Preis bietet als ein dedizierter Handcontroller und auch ohnehin öfter durch ein moderneres Modell ersetzt wird, hat dieser Ansatz seinen Reiz. Android ist weit verbreitet und durchaus erschwinglich (wenn man das Geld für eine 4000-Euro-Montierung plus Foto-Equipment investiert, ist ein Tablet kein großer Posten, falls man nicht ohnehin schon eines hat. Für Apple-User ist das größte Problem, sich mit Android anzufreunden – aber es muss ja nur SkySafari und die Avalon-Software für die Einstellungendarauf laufen).

Das Alignment läuft normalerweise über SkySafari oder das Planetariumsprogramm am PC. Im Gegensatz zu Smartphone-gebundenen Steuerungslösungen kann man aber die Tasten des StarGo-Handkontrollers nutzen. Sehr nett, denn wenn ich durch das Oklar sehe, habe ich am Handy/Tablet keine Rückmeldung, auf welche Taste ich jetzt eigentlch drücke. Durch die echten Tasten weiß ich, was ich tue. (Aus dem selben Grund würde ich mir auch kein Auto kaufen, das auf Touch-Screens setzt – ich will die Tasten auch blind bedienen können).

Langer Rede kurzer Sinn: Die Avalon M-Zero macht einen sehr guten, durchdachten Eindruck, auch wenn Android-Benutzer im Vorteil sind. Es ist gewiss keine Montierung für Gelegenheitsnutzer, sondern ganz klar für Astrofotografen ausgelegt, die ein sehr mobiles und trotzdem stabiles Werkzeug wollen. GoTo geht billiger (und lauter!) mit Montierungen der Massenhersteller, kein Zweifel. In den Foren wird man wohl wenig von ihr lesen, da ihre Benutzer eher mit Fotografieren als mit Fehlersuche und Optimierungen beschäftigt sein dürften. Ich hoffe sehr, die Montierung auch einmal am Nachthimmel testen zu können – natürlich mit Autoguider, denn dafür wurde sie ausgelegt. Wenn das Zusammenspiel funktioniert, ist sie ihr Geld auf jeden Fall wert – zumindest, wenn ich die Zeit berücksichtige, die ich bei anderen Montierungen schon damit verbracht habe, die Technik zum Laufen zu bringen. Time is Cash, Time is Money – wenn ich mich ein klares Wochenende in den Bergen nur mit der Technik beschäftigen muss, ärgert mich das mehr als ein höherer Preis. Fokussiermotor und evtl. noch weiteres über StarGo steuern zu können, ist für Astrofotografen auch reizvoll.

Wenn ich nach Norwegen mal eine dieser Montierung testen kann, werde ich mich natürlich melden. Bis dahin wird das Sparschwein noch etwas gefüttert.

Celestron Ultima 80 Spektiv und Baader Classic Orthos

Das kleine Ultima-80-Spektiv gehört zu den optischen Spielzeugen in meiner Sammlung, die ihr Geld absolut wert waren: Der Achromat zeigt weniger Farbe, als ich gedacht hatte, und das Spektiv ist robust und günstig genug, um es ohne Bedenken auf Reisen mitnehmen zu können. Das mitgelieferte Zoomokular ist nicht der Brüller, aber durchaus brauchbar.

Celestron Ultima 80 Spektiv mit dem Original-Zoom-Okular

Celestron Ultima 80 Spektiv mit dem Original-Zoom-Okular

Nun haben eigentlich alle (Refraktor-) Spektive das selbe Problem: Ein Okular muss ziemlich tief im Gehäuse versenkt werden, um ein scharfes Bild liefern zu können. Normale astronomische Okulare passen eigentlich nie – sogar an den wenigen Refraktorspektiven mit 1,25″-Okularanschluss passt nicht jedes Okular, und vor allem die kurzen Brennweiten machen gerne Schwierigkeiten. Mit dem Hyperion Zoom 8-24mm von Baader Planetarium steht immerhin ein Zoom-Okular zur Verfügung, das ein deutlich größeres Bildfeld liefert, auch wenn der Vergrößerungsbereich gleich bleibt: 20-60x, was für den normalen Gebrauch bei terrestrischer Beobachtung aber auch vollkommen ausreicht. Aber das klappt auch nur, weil die normale Steckhülse abgeschraubt werden kann. Trotzdem ist es schade, dass so wenige Okulare passen, vom Teleskop her ist man doch mehr Auswahl gewohnt.

Tja, und dann hatte ich die Erkenntnis, dass Celestron ja ein M35-Gewinde verbaut hat, genau wie an den ETX- und NexStar-4SE-Teleskopen. Ob ein NX4/ETX-auf-T2-Adapter passen würde? Die Antwort ist: Jein. Der Adapter passt, und eine 1,25″-Okularklemme lässt sich auch anschrauben, nur ein scharfes Bild lässt sich damit nicht erreichen – das ganze baut viel zu hoch.

Aber wie es der Zufall will, habe ich gerade den Classic-Ortho-Satz von Baader zum Testen bei mir. Und wenn da ein Gewinde ist, wird es natürlich aufgeschraubt… (Kids, don’t try this at home – zumindest nicht mit allen Okularen. Im Netz gibt es einige Berichte, wo bei Weitwinkelokularen dem putzwütigen Besitzer die Einzelteile entgegengekullert sind und verzweifelt nach einer Anleitung gesucht wird, wie man den Linsensalat wieder richtig zusammenbaut. Aber wenn die Steckhülse nur eine mechanische Adaption ist wie bei den Orthos, ist das kein Problem.) Die Steckhülsen der Orthos lassen sich abschrauben, und ein Außengewinde kommt zum Vorschein (leider geht das nicht beim 32mm-Plössl: hier ist die Feldblende in die Steckhülse integriert, und um das maximale Bildfeld zu nutzen, gibt es hier ein Innengewinde). Und wie es ein weiterer Zufall will, hatte ich den ETX-Adapter von Baader ausprobiert, und nicht den von Celestron. Das Baader-Teil hat nämlich auch ein Filtergewinde, und siehe da: Der Okularkörper lässt sich direkt in den ETX-Erweiterungsring #295 8500A einschrauben. Und so sieht das aus:

Links: Das 10mm Classic Ortho, unmodifiziert. Mitte: Das 6mm Classic Ortho und die abgeschraubte 1,25"-Steckhülse. Rechts: Das 18mm Classic Ortho in dem M35-Adapter; davor die Steckhülse.

Links: Das 10mm Classic Ortho, unmodifiziert.
Mitte: Das 6mm Classic Ortho und die abgeschraubte 1,25″-Steckhülse.
Rechts: Das 18mm Classic Ortho in dem M35-Adapter; davor die Steckhülse.

Die Frage ist nun natürlich: Funktioniert es?

Die Antwort lautet: Ja. Die Kombination sieht nicht nur vielversprechend aus, sondern ist auch kompakt genug. Ein rund drei Kilometer weit entfernter Kirchturm lässt sich ebenso problemlos scharf stellen wie der Mond, der im 6mm-Okular bildfüllend ist, und das Fokussierrad hat auch noch etwas Spiel.

Das Bild ist so scharf, wie es am Achromat möglich ist; und dass die Okulare etwas taugen wusste ich ja bereits. Der Einblick ist deutlich besser als beim Original-Zoomokular, nur beim 6mm Ortho macht sich der kurze Augenabstand bemerkbar: Was am Teleskop problemlos geht, funktioniert am Spektiv immerhin noch ordentlich – der M35-Adapter umschließt das Okular doch sehr gut, sodass man nicht ganz so gut an das Okular rankommt. Der Schritt von den 60x des Zoom-Okulars auf 80x mit dem 6mm-Okular ist zwar nicht riesig, aber bringt doch noch etwas. Bei 1mm Austrittspupille wird die Auflösung der Optik ja bereits fast ideal ausgenutzt.

Das Ultima 80 mit den 18, 10 und 6mm Classic Orthos. Um das 6mm Okular wirklich bequem nutzen zu können, sollte der M35-Adapter etwas flacher sein, aber es funktioniert!

Das Ultima 80 mit den 18, 10 und 6mm Classic Orthos. Um das 6mm Okular wirklich bequem nutzen zu können, sollte der M35-Adapter etwas flacher sein, aber es funktioniert!

Die Okularkörper lassen sich auch ziemlich gut in den Adapter einschrauben. Der Vergrößerungswechsel ist natürlich nicht ganz so bequem wie mit einem Zoom-Okular, aber dafür kosten alle drei Okulare samt Adapter weniger als ein neues Hyperion Zoom.

Das Bildfeld ist natürlich kleiner als im Hyperion Zoom (immerhin haben die Classic Orthos nur 52° Gesichtsfeld, im Gegensatz zu den bis zu 68° des Hyperion Zoom), aber schön scharf und wird durch das Prisma auch vollständig ausgeleuchtet – beim Hyperion gibt es bei niedriger Vergrößerung schon eine leichte Vignettierung, die aber nicht wirklich stört.

Bei der aktuellen Wetterlage ist es leider knifflig, einen Vergleich zwischen den Okularen zu ziehen – entweder hat es Nebel oder Wolken. Für einen Bildfeldvergleich langt es aber: Orthos und das Celestron-Zoom haben gefühlt etwa das selbe Eigengesichtsfeld, wobei das 18mm Ortho (27fache Vergrößerung) sogar mehr von der Landschaft zeigt als das Celestron-Zoom bei 20x. Das 10mm-Ortho zeigt etwa den selben Bildausschnitt wie das Zoom bei ebenfalls ca. 37x. Bei den 80x des 6mm-Okulars schrumpft das Bildfeld natürlich deutlich unter das des Zooms – bei dem aber auch schon bei 60x Schluss ist; 80x ist mit dem Zoomokular nicht erreichbar. Das Bild ist bei 80x so klar und hell, wie es das Wetter zulässt; Randunschärfe oder Farbsäume fallen mir bei der Naturbeobachtung nicht störend auf. Am Stern konnte ich es noch nicht testen, aber der bildfüllende Mond am Taghimmel ist schon mal chic. Damit ist das Bildfeld mit dem 6mm-Okular auch bestimmt: Etwa ein halbes Grad.

Das Einblickverhalten ist deutlich besser als am Celestron-Zoom (ruhigerer Einblick und kein Kidney-Beaning), dafür ist der Augenabstand niedriger. Wer das 6mm regelmäßig benutzen will, sollte am ETX-Adapter das überstehende (und für diese Anwendung überflüssige) Gewinde abdrehen lassen. So kommt man näher an das Okular heran und kann bequemer beobachten.

Wer mehr aus seinem Spektiv herausholen will und keinen 1,25″-Okularanschluss zur Verfügung hat, hat mit dieser Kombination gute Chancen – das Gewinde gibt es auch an einigen anderen Spektiven.

Kwimbi hat geliefert

Eigentlich will ich dieses Blog ja nicht benutzen, nur um stolz meine neuesten Erwerbungen zu präsentieren – aber es gibt Ausnahmen.

Kürzlich kam zum Beispiel ein Päckchen von Kwimbi an. Wer http://www.kwimbi.de/ noch nicht kennt: Das ist ein Webcomic-Shop, bei dem die ganzen Größen der deutschen Webcomics vetreten sind. Zumindest die, für die jeden Morgen einiges meiner Zeit drauf geht. Mit anderen Worten: Wer meinen Geschmack teilt, findet da viel lesenswertes.

Ganz wichtig natürlich die Info: Versand und Abwicklung liefen einwandfrei, der Laden ist also seriös. Klare Empfehlung, ihn zu nutzen. So sehr ich auch auf Amazon setze: Ruhig auch die kleineren Läden unterstützen. Dann gibt’s auch signierte Exemplare:-)

Und was gab’s feines in dem Päckchen? Da wäre zu allererst My Little Zombie – eine wunderschöne A5-Zeichnung von Sarah Burrini von Das Leben ist kein Ponyhof. Ich find’s cool, und das ergänzt meine Sammlung der signierten Bücher natürlich bestens. Nicht dass ich jetzt der große Zombie-Fan wäre, mir sind Drachen lieber als die Zombie-Apocalypse – aber Buttie hat was.

Dann wär da Schisslaweng 1.02 – die Hardcover-Sammlung von Marvin Cliffords Online-Comic Schisslaweng. Genau wie der Ponyhof ist auch Schisslaweng komplett online lesbar, und das Hardcover war’s mir wert. Auch wenn es vielleicht ein wenig großformatiger hätte ausfallen dürfen.

Tja, und dann hab ich natürlich beim Fuck Yeah 2014-Kalender zugeschlagen. Der ist mittlerweile ausverkauft (Ätsch:-) ), aber nett. Mir fehlt nur noch eine Idee, wie ich ihn aufhängen soll – wie beschrieben gibt’s keinen Aufhänger. Any idea?

Und so schaut das ganze aus:

My Little Zombie, Fuck Yeah 2014 und Schisslaweng 1.02

My Little Zombie, Fuck Yeah 2014 und Schisslaweng 1.02

Aber damit ist noch nicht genug. Ich hatte ja schon erwähnt, dass der neue Asterix (Asterix bei den Pikten) bei mir angekommen ist (so richtig klassisch im Kiosk gekauft, weil die Buchhandlungen ihn entweder nicht oder nur als Hardcover hatten): Er ist gutes Mittelmaß, und damit deutlich besser als die letzten Ausgaben. Nur das ständige Gesinge kapiere ich nicht, die Pointe ist mir entgangen. Und dass der Volkszähler keine Dresche kriegt… Egal, es gibt jedenfalls wieder Hoffnung für die Gallier.

Und zu guter Letzt wird demnächst noch der vierte Band von Bruno the Bandit bei mir eintreffen – als Book on Demand von Amazon, aber damit habe ich ja selber auch schon gute Erfahrungen gemacht, schließlich publiziere ich genau so. Der erste Band war über den Buchhandel praktisch unmöglich zu bestellen (so ca. in den 90ern), aber die (hoffentlich irgendwann vollständige) Neuauflage ist da einfacher – AIM-Comics sei dank, und Amazon machts möglich… Jetzt muss der gute Ian McDonald nur noch die Story zu Ende bringen, der Hiatus dauert schon viel zu lange. War regelmäßige Lektüre während meines Studiums, eine schöne Abwechslung zu den ganzen wissenschaftlichen Papern. Eine Mischung aus Fritz Leibers Lankhmar und der modernen Welt.

Achja, und wer wissen will, was mein nächstes Buchprojekt macht: Ich kämpfe mich gerade durch die Jungsteinzeit. Die Quellenlage ist doch sehr dünn…

Cometron 12×70 – erster Eindruck

Zugegeben: Es ist nicht mein erster Eindruck von diesem Fernglas. Ich hatte das Glück, im Sommer das erste Exemplar des Celestron Cometron 12×70 einmal mit in die Alpen nehmen zu können, um es ein wenig zu testen. Ich war damals schon begeistert: Das Fernglas ist sehr leicht und hat eine große Austrittspupille, sodass ich es bei Tag gut und bei Nacht zumindest kurzfristig freihand halten kann – und das bei einem 12×70, das bei der Naturbeobachtung (wo steckt unsere Wandergruppe?) ebenso schöne Bilder liefert wie bei Nacht (wie viele Sternhaufen stecken in einer Milchstraße?).

Ich konnte es zusammen mit ein paar Kollegen mit einem älteren Fujinon 16×70 vergleichen, das mehr als zehnmal soviel gekostet hat.

Links: Cometron 12x70 Rechts: Fukinon 16x70

Links: Cometron 12×70
Rechts: Fujinon 16×70

Das Ergebnis war verblüffend und irgendwo deprimierend. Das Fujinon hat natürlich ein wesentlich robusteres Gehäuse (da merkt man, wo ein Teil vom Geld steckt), aber am Himmel waren die beiden etwa auf Augenhöhe: Einige Objekte waren im Fujinon besser, einige im Cometron. Und am Tag war das Cometron praktischer, da über den Mitteltrieb beide Okulare gleichzeitig fokussiert werden können. Das Fujinon hat Einzelokularfokussierung – bei der Astronomie kein Problem, bei der Naturbeobachtung schon eher.

Ob das Cometron in zehn oder fünfzehn Jahren noch genauso gut dastehen wird wie das Fujinon heute, ist natürlich schwer zu sagen – aber wenn es einigermaßen pfleglich behandelt wird, sollte das eigentlich passen. Und bei einem Preisunterschied von Faktor zehn…

Schon damals war mir klar: Haben will. Und jetzt sind die ersten regulären Exemplare endlich in Deutschland angekommen. Das ist jetzt meins:

Links: ein 7x50 von Photo Porst, Baujahr ca. Mitte der 90er Rechts: Das Cometron 12x70

Links: ein 7×50 von Photo Porst, Baujahr ca. Mitte der 90er
Rechts: Das Cometron 12×70, frisch in meiner Sammlung eingetroffen

Das ist schon eine Nummer größer als das 7×50, das ich normalerweise immer griffbereit im Regal habe (mein Astro-Favorit ist bislang ein Konus 12×50, das ich für vor gut 20 Jahren auf dem ATT in Essen für 50 DM gefunden hatte).

Viel Zeit zum Testen war noch nicht, aber optische Fehler hat mein Exemplar auf den ersten Blick nicht, und der Test am Sternenhimmel war beeindruckend: Der Orionnebel knapp über dem Horizont, ein Sternenmeer in den Hyaden und ein Gesichtsfeld voller Plejaden machen was her. Eindrucksvoll und überdeutlich zu erkennen waren natürlich die großen Sternhaufen im Fuhrmann. Am Sternenhimmel lohnt sich ein Stativ, freihand war das Bild dann doch schon etwas zittrig, aber es war durchaus brauchbar – um die Milchstraße abzugrasen, geht es gut. Nur bei M31 musste ich kapitulieren – die stand im Zenit, da war die Beobachtung dann doch gelinde gesagt sportlich.

Mit anderen Worten: Ich bin begeistert, vor allem für 85 Euro.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Mein größter Kritikpunkt ist der Stativadapter, der nicht viel mehr ist als eine Dreingabe. Aber immerhin: Er langt, um das Fernglas auf ein Stativ zu bringen. Ein 7×50 dürfte er auch stabil tragen; beim 12×70 hilft er immerhin, es ruhig zu halten. Die Tasche ist trotz Polsterung sehr dünn, und ihr Tragegurt könnte länger sein. Ein stabiler Köcher wäre natürlich eine feine Sache… Andererseits: Celestron hat da gespart, wo es nicht stört. Das Fernglas ist klasse, und wenn der Stativadapter fehlen würde, hätte ich eigentlich gar nichts daran auszusetzen. Mit anderen Worten: Jammern auf hohem Niveau. Beim Fujinon war das Zubehör besser – zumindesst ist die Tasche stabiler, ein 90°-Stativadapter war im Preis nicht enthalten.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass der Jahrhundertkomet ISON seine Sonnenpassage überlebt und der Himmel mitspielt, damit das Cometron auch den Komet einmal sieht, für den es entworfen wurde.

Kleiner Nachtrag: Das 12×70 ist das erste Fernglas, bei dem ich freiwillig den Umhängegurt angebracht habe. Er ist angenehm breit und lang – deutlich sinnvoller als der Gurt der Tragetasche. Nett:-)

NanoTracker

Zu den Vorteilen am freiberuflichen Schaffen gehört, dass man einige Kontakte hat. Von Baader Planetarium hatte ich daher schon vor einiger Zeit ein Exemplar des Nano.Trackers zum Testen erhalten. Der kurze Testbericht steht schon länger auf Celestron-Deutschland, jetzt wird es Zeit, ihn auch hier zu veröffentlichen.

Der NanoTracker ist eine kleine Nachführeinheit für Kameras bis 50 oder 70mm Brennweite. Nachdem wir auf der Heilbronner Sternwarte schon lange den AstroTrac im Einsatz haben (eine der besten Investitionen – ich habe kaum eine Chance ihn nutzen, da er ständig ausgeliehen ist), war das Interesse am kompakteren und billigeren Nano natürlich groß.

Der Nano.Tracker macht eine guten und soliden Eindruck, und vor allem: Er ist wesentlich kompakter als der Astrotrack, mit dem ich schon ein paar mal experimentieren konnte. Einen ersten, kurzen Test konnte ich im Mai von meinem Balkon aus machen, als der Große Wagen schön hoch am Himmel stand. Ich verwendete den Nano.Tracker mit einem Berlebach-Stativ, einem zusätzlichen Manfrotto-Kugelkopf und meiner Nikon D50.

Das Einnorden mit dem Peilloch ist nicht ganz trivial, da ein massiver Videoneiger ähnlich groß ist wie der sehr kompakte Nano.Tracker und das Peilloch leicht verdecken kann. Kleinere Stative dürften hier im Vorteil sein… Mit iPhone und der empfohlenen App PushTo war er jedoch sehr komfortabel einzunorden, und dann war der Polarstern auch schön im Peilloch zu sehen. Mit dieser Elektronikhilfe ist alles in weniger als fünf Minuten aufgebaut und die Kamera einsatzfähig.

Da ich den Nano.Tracker am Stadtrand aufgebaut hatte, war ich in der Belichtungszeit natürlich beschränkt und machte meine Versuche mit drei Minuten. Das erste Ergebnis kann sich schon sehen lassen; zum Vergleich habe ich mit den selben Einstellungen auch einmal ohne Nachführung fotografiert (Bild zum Vergrößern anklicken.)

UMa-NanoTrackerFazit: Der Nano.Tracker trägt die Kamera ohne Probleme, ich würde ihm auch schwerere Kameras zutrauen. Der begrenzende Faktor ist wohl eher der Kugelkopf. Für die Sternfeldfotografie ist er eine sehr reizvolle Alternative zu den teureren Nachführeinheiten: Wer im Urlaub ohnehin ein Fotostativ dabei hat, benötigt nur noch einen weiteren Kugelkopf, den Nano.Tracker und Batterien – also nichts, was in einer größeren Fototasche nicht problemlos unterzubringen wäre. Der einzige Wermutstropfen ist der Stromverbrauch; einen Satz Batterien pro Abend kann man einplanen – wie bei Goto-Montierungen auch.

Mit der Nikon D7100 hatte ich ihn auch im Urlaub im Mittelmeer dabei, um Perseiden zu jagen – nur war von dem Sternschnuppenstrom nichts zu sehen. Aber Fluggepäcktauglich ist der kleine Nano auf jeden Fall. Was jetzt fehlt, sind noch die klaren Nächte – auch mit Blick auf den Komet ISON, der langsam in die Gänge kommt. Infos dazu gibt’s regelmäßig unter anderem auf http://www.jahrhundertkomet.de/

Polarlichtjagd mit Hurtigruten

Jetzt ist es offiziell: Vom 21.2.-4.3. 2014 bin ich an Bord der MS Nordlys und betreue für die Hurtigruten und Astronomie.de eine Polarlichtreise. Wer Lust hat, mitzukommen: Es sind noch Plätze frei:-)

MS NordlysBislang hab ich nur ein Wikipedia-Bild der Nordlys, aber das wird sich dann bald ändern:-)

Auf der Reise wird es nicht nur Chancen zum Polarlicht-Gucken geben (wenn das Wetter hoffentlich mitspielt), wobei es Ende Februar ja noch schön lang dunkel ist, sondern auch eine Reihe von Vorträgen. Ein Vortragsthema passt auch zum nächsten Buch, das ich in Arbeit habe.

Und wer mich vorher erleben will: Am 13. Oktober hat die Sternwarte Heilbronn Tag der offenen Tür.